wiener §rs6r-Lilr1IorIielL ^13»0S4 ^ Antwort auf die unverschämte Kritik über die Leopoldstädter MM Wien 1787. ' - f. , L. /^«.^HN'^'!:.i '»»^D'i c^.^c d-Z ,. ^ . ,. r < I I m ein Publikum belehren, oder über gewisse Dinge aufzuklären gehören Männer, die ohne Partheigetsi und ohne Vorsatz ehrliche Leute in ihren Verdienste j« schmällern, unpartheitsch sprechen, und nicht Leute, die, es mag nun Neid , oder Hunger seyn was sie dazu antretbt, die Welt mit ihren Brochüren zu überschwemmen, Dinge lächerlich machen, die weder an und für sich betrachtet, noch im allgemeinen genommen lächerlich sind. JedesDing, und wenn es auch so ernsthaft wäre, als Katos Sprüche, kann auf einer lächerlichen Seite vorgestellet werden, und darum hat der Herr Author die Lola ka- )( 2 ra 4 ra auf jener Seite vorgesiellet, wo sie natürlich auf einer lächerlichen Seite erschiene, wenn der Verfasser so glücklich gewesen wäre, seine Gedanken zu nützen. Der Anfang dieser Brochüre sind Impertinenzen gegen das Wiener Publikum, das hier als ein Volk ohne Gefchmak, und ohne Beurtheilungskraft erscheint, ob ich gleich lieber nach dem aufwallenden Beifall des hiesigen Publikums urthetlen möchte, als nach der reifesten Ueberlegung des Verfassers. Es ist unverschämt, und dumm gehandelt, wenn man, um ein Publikum zu belehren., selbes mit Grobheiten überschüttet, und den Gefchmak eines Volkes für ausgemacht wider^nnig erkläret, und nur um das Publikum Wiens zu rechtfertigen/ widerlege ich diese Schrift. Ich rede nicht zu jenen die nach Vergnügen jagen, und es auf den Trümmern des Schönen und Angenehmen finden," schreibt der Verfasser, das heißt: wer 5 «er das Leopoldstädter Theater besucht, ist ein Feind des Schönen und Nützlichen, und doch findet man vielleicht nicht 20. Männer die für entschiedene Kenner gelten, und nicht mehr als einmal dieß Theater besuchten, und in eben der Cosa Rara, die der Verfasser so herabsetzet, sah man sie 2, z auch mehrmal. Treten also diese auch den guten Geschmak mit Füssen — oder sind diese auch davon überzeugt, daß man z, 4 Stunden vergähnet— warum gehen sie hinein? und wenn der Author sehr Poetisch antwortete: „ sie sind vom Geschrey jener Posaunen verleitet worden" so frage ich wieder, warum gtengen sie so oft, wenn sie fanden, daß der Lerm dieser Posaunen ein leerer Schall war? Es muß also doch die Cosa Rara wenigstens ein unterhaltendes Stück feyn, da sogar Leute von entschiedenen Geschmak mehr als ein oder zweimal sie besuchten. Nun bemerket der Author noch, daß man des Gedränges wegen z, 4, 5 , auch 6 Stun- 6 6 Stunden verzähnen muß — trist das die Lola Kara, daß tn einer Versammlung viei ler Menschen, nicht jeder nach Gelegenheit sich auszudehnen vermag, oder ist es ein Schicksaal, das alle Stücke betrift, wenn es voll ist — ist es das erste, so nehme sich der Verfasser eine Loge für 8 Personen, so kann er ohne dem armen Martnelli zu schaden, sich in seiner Loge schlafen legen, oder der Länge nach ausstrecken, und ist es das zwote, so verstehe ichs nicht, daß man einen allgemeinen natürlichen Zufall auf ein besonders Stück anwendet. Was der Verfasser im Verfolg seiner Brochüre von Gefchmak und Tonkunst rc. schreibt, ist eben so sehr gegründet, als es nicht hteher paßt. Der Zweck davon ist zu behaupten, daß die Wiener die Scherze eines Kasperls höher schäzen, als Brokmanns Ernst, Längs hinschmelzende Akzion und Sakkos Kunst, welches ich zwar zu- liesse, wenn er vom niedrigsten Pöbel spräche, aber um so mehr tadeln muß, da er aus- 7 ausdrücklich die Theaterfreunde *) benennt U' d von ihnen behauptet, daß sie nie zu Kennern werden können, und nie das.Gute der Bücher kennen lernen, weil sie nicht nach wahren Verdienst , sondern nach den Lärmen der, ( um die schöne Phrase Leyzubehalten.) Posaunenden Hch halten, und doch warum geniest..Brokmann hier wie Sakko, Lang, und andere verdienstvolle Schauspieler einen so unums schränkten Beifall, wenn das Publikum keine Kunst, nichts. Schönes, nichts künstliches riebt. Und hat nicht jeder fein eigen Verdienst, ein Brokmann rührt die Seele, ein Kasperl erschüttert dasZwerchfell, wenn wir lachen wollten und ein Brokmann spielte uns seinen Klavtgo vor, so würde er einen elenden Beifall erhalten, und wenn er unnachahmlich gespielt hätte. *) Siehe Seite 6. Zeile 9. Der 8 Der Unternehmer de- leopoldstädter Theaters wird schwerlich einen Schuster- feyeradend, einen Merkur, eine Weinlese, und endlich gar eine Cosa Rara zu spteleni aufhören, weil sie in einer Skarteke als geschmaklofe Stücke angegeben sind, und eben sck wenig wird ein Publikum seine Liebltngsstäcke verlassen, weil ein einziger Mensch um 6 »der 7. Kreuzer eine Menge Beweise verkauft, wortnn diese Stücke Übel angeschrieben werden, und was den Geschmak anberrtft, so haben alle diese Stücke den Zweck zu unterhalten — sie unterhalten, und also haben sie ihren Zweck vollkommen erreicht. Auch werden Herr Marinelli, und seine Freunde, nicht weniger im vollen Be- siz jener Früchte bleiben^ die Ihre Aufmerksamkeit für die Unterhaltung des Publikums zollen, wenn ein schelfichtiger Au- thor ihnen dieß Verdienst ableugnen will. Doch der Author läßt sich nun ins Detail ein, und legt dem Publiko eine Cartkatur Schil- 9 Schilderung von den Schauspielern desleo- poldstädter Theaters vor *), die zum Krankt lachen ist, nicht einmal Pondra' wird verschont, und nachdem er viel von Ge- fchmak, Liebe zur Aufklärung und dergleichen gesprochen hat, läßt er sich bey der schwachen Seite — beym Neide ertappen, und hächelt die armen Akteurs durch — wir wollen sehen, in wie weit er Recht hat. Zuerst muß die arme Königin» her, ein unsichtbares Schicksal muß ihr Glück machen, und ihr Gehör, ihre Stimme mo» ' dultren, ein Zufall legt ihr noch die Worte' in den Mund, und da hätten wir also eine Aktrtze nach der neuesten Mode — eine Schauspielerin« durch Zufall. Doch dteKöniginn kömmt noch ganz gnädig davon,Mademoiselle Sartori wird spottweise die Leopoldstädter Storazt **) genen- net, ob ich gleich nicht umhin kann, lächerlich ZU *) Seite 9. Z. r. ") S. 9 . 3- 6. ro zu finden, daß man einer Sängerinnauf einem Vorstadttheater, wenn sie nicht wie eine Storaja singt, spotten will, Ich behaupte dagegen, daß sie wie alle Schauspieler bey diesem Theater nicht allein thun was sie können, sondern auch daß sie genug thun, um ein Publikum zu unterhalten , das Geschmak hat, und vorr dem Theater einer Vorstadt nicht mehr verlangt, als unterhalten zu werden, ohne Kunst — ohne Theaterprunk, und doch mit Gusto, und Reiz, wozu sowohl die Person, als auch der deutliche Ausdruck der Mademoiselle Sartort genug beyzutragen im Stande sind^ Nun tritt Retnisthal auf die Schmähbühne, der alte Scherz wird widerholt >> und Laski *) ihr spottweise beygelegt, da er nicht sagen kann, daß sie keine Musik versteht — und Ihr doch nicht gerne will Gerechtigkeit wiederfahren lassen, so nimmt er wie alle Verläumder den Mittelweg, und *) Seite 9- 3- n. II und sagt: „ sie scheint etwas von Musik zu verstehen, und was den Mißion ihrer Stimme betrift, so findet das ganze Publikum ihn dock nicht so mißtönend, daß es ihr den Beyfall versagte, und Herr Au- thor vergeben sie, wenn ich die Stimme des Publikums für entscheidender halte, als die Stimme eines einzigen Menschen, der sie um 6. kr. in allen Buchläden verkauft., Weil die beiden Brüder nicht für unmusikalisch erklärt werden können, muß ein Verfasser, der sich vorgenommen hat alles in einem Stücke vom Anfang bis zum Ende zu krttisiren, nothwendig behaupten, daß sie entweder nicht reden können, oder daß sie sehr elende Stimmen haben, und der Verfasser behauptet doch noch mehr — er behauptet ja beides zugleich. Sie kommen nun jeder insbesondere zur Schlachtbank, und zwar der Aeltere ist so unglücklich, daß er bey einem Krazer in der Nase erwischt wurde, wie seine, Ge- lieb- liebte ihm ihr ?srcke linüo Le. vorfang. Unglücklicher! warum mußtest du just tu dem Zeitpunkte deine Nase ausstieren, da ein fcheelfüchtiger Kritiker auf jede deiner Mienen und Bewegungen Acht hatte! doch kann ich nicht umhin hier die Aufmerksamkeit des Authors zu loben, dem selbst ein Nafenkrazer nicht entgeht, wahrlich? wenn das Publikum so subtil wie er dächte, so dürfte sich kein Akteur mehr unterfangen auszuspeien, denn es ist doch immer wider den feinen Geschmak vor einem ganzen Pu- bliko einen so unapetitltchen Auswurf der menschliche» Natur auf die Bücher htnzu- fpuken. Der Jüngling und seine Geliebte sollen sich lieber auf der Stiege, als auf dem Theater küssen, vermuthlich hat ihnen hier der Herr Author die Kunst lernen wollen aufrichtige Liebe tm Winkel zu tragen, wo man doch sonst nur die unreine suchen soll, küssen sie sich immer öffentlich meine Lieben, und überlassen sie das heimliche Küsse« fen einem Author, der darum vielleicht nicht öffentlich küßt, weil ihn niemand öffentlich küßen mag. Der alte Minister bekömmt nun auch seinen Theil, er soll seine spanische Hoheit nicht vergessen, die er doch laut seiner Rolle vergessen muß, und spielt einen Ge- ken, wie man ihm vorwtrft, und doch muß er unumgänglich den Geken spielen, wenn er seiner Rolle genug thun und im Spiele Interesse gewinnen will. Endlich beschlüßt den Zug Pondra, zu dessen Lob selbst der Neid sprechen muß, denn über den hinkenden ^xpenäix geht man wie über einen kleinen Sandstein weg, man stößt sich nicht daran. Und hiemit verdauen sie Herr Aurhor diese Pillen, die ich ihnen nicht als Kasperls Anhänger, nicht als Marinellis ausgestellter Verthetdiger, sondern als Mann, und Mitbürger eines Publikums zu verschlucken gebe, der nicht annehmen kan», wenn man Bürgern und Mitgliedern eines Theaters !4 ters alles Verdienst rauben, und dsbey das Publikum zum verstandlosen Ungeheuer machen will, wenn auch eine Ook Kars Mängel hat, so verdient sie es doch nicht, daß man sie so schimpft, als wäre sie eines Skapins Werk, und um den guten Ge- schmak — o hätten sie so viel guten Ge- fchmak, als Wiens Theaterfreunde, sie würden bedauern, daß ihn ihre Brochüre so mißhandelt hat. M'* » W G , »O- ^ ' r v "-k^ -^M,. ^ ch ^.K /. MM Hk > i