o W iener 8lsät-8ib1!otkek ^7 ^ L n t lv u r f ^8 der oekonomischen Kenntnisse , w e l ch'e in dem kaiserlichen königlichen Theresianum der aLelichen Jugend beygcbracht werden. WIEN, gedruckt bey Joseph Kurzböck, k. k. illirisch. und.orient. Hofbuchdruckern, und Buchhändlern» 1 7 7 3 - ie Erlernung der ökonomischen Wissenschaften ist außer Zweifel eine der wichtigsten Schuldigkeiten des jungen Adels. Die Herbeyschaffung der Hauptbedürf- nrsse und noch mehr der Bequemlichkeiten, und des Ueberflusses, dieses beträchtlichsten Theils der Glückseligkeit eines Staates, ist sie nicht in den Händen des Adels? Ist der Adel nicht fast ganz allein der Besitzer so vieler und großer Striche Landes? Werden aber die Erträgniffe des Erdbodens verabsäumet, wird der Schaden allein des Eigenthümers seyn? Ist es möglich, -aß er sich nicht auf die übrigen Bürger in seinen Folgen erstre- a 2 cke? cke? Und haben sich dann diese nicht mit Rechte darüber zu beklagen? Die Wissenschaft der Oekonomie ist die Kenntniß, aus einem bestimmten Striche Landes alle möglichen Vortheile zu ziehen. In einem engern Verstände zwar hat die Oekonomie einzig, und allein die Bearbeitung der Oberfläche der Erde zum Gegenstände. Allein diese Bestimmung ihrer Granzen scheinet für den Adelichen zu sehr eingeschränkt zu seyn. Die Vortheile, die er aus seinem Lande für sich selbst, oder ganz gewiß für seinen Landesfürsten, oder für den Staat zu erwarten hat, liegen nicht nur auf der Oberfläche, sondern auch in dem tiefen Eingeweide des Erdballs. Diese der adelichen Jugend so nothwen- dige Wissenschaft theilet sich also in zween Hauptäste. Der erste kann die Oekonomie her Oberfläche der Erde: der zweyte die Oekonomie des Eingeweides der Erde heißen. Noch nicht genug. Wenn man die wahre 5 re Beschaffenheit -er Sache genauer betrachtet, wird man emsehen, daß sich ein adelicher Jüngling mit der erworbenen Kenntnisi dieser zween Theile der Oekonomie noch nicht befriedigen könne. Die Verbindlichkeit, welche dem Adel die in dem Staate zugestandenen Vorzüge aufbürden, die Verbindlichkeit, sich für das Heil, und das Glück des Staates anzuwenden, und aufzuopfern, geht noch viel weiter. Er muß diese zween Theile der Ökonomie in ihrem Umfange, und nach allen ihren Folgen erlernen, und verstehen: er muß das Verhaltniß des aus der Oberfläche sowohl, als aus dem innersten Lagen der Erde herausgezogenen Ueberfluffes gegen die von andern Völkern und Landern hergeholten Bedürfnisse wissen. Dieser dritte Theil der Ökonomie , der eigentlich nur, als eine Wirkung des Ueberflusses der Erderzeugnisse, aus den vorigen entstehen kann, wird also billig die öffentliche, und allgemeine Oekonomie genannt. a Z Schrkft- .6 Schriftsteller, welche ihn unter einem vielmehr politischen, als physikalischen Augpunkte ansahen, und auf die Art, nützliche Anordnungen zur Verwechselung der Landserzeug- niste zu treffen, bedacht waren, nennen diesen Theil der Oekonomie das Commerz, oder die Handlung. Allein das gegenwärtige Vorhaben ist weit von diesen Begriffen entfernt; indem hier nicht von der Art und Anordnung, die Landserzeugnisse verschiedener Völker nützlich auszutauschen, sondern von ihrer natürlichen und wesentlichen Beschaffenheit, von ihren physikalischen Bestandtheilen, von ihrem Nutzen, von der Art ihres Gebrauches, von ihrer Verarbeitung, und künstlichen Zubereitung, von der Höhe, Tiefe, Kalte, Warme ihres Grundes, und natürlichen Fortkommens, und zwar immer mit Rücksicht auf den Erdboden und Himmelsstrich unsers Vaters landes, um sie zu übersetzen, oder aufzusuchen, gehandelt werden soll. Die 7 Die Oekonomie/ welche ein Adelicher er lernen soll, ist folglich dreyfach: r) Die Oekonomie -ex Oberfläche -er Erde. 2) Die Oekonomie Der unterirdischen Erzeugnisse. z) Die öffentliche, und gemeine Oekonomie. Erster Absatz. Non der Oekonomie der Oberfläche der Erde. < 7 >er Unterricht für einen adelichen Jüng- ling muß in dieser Wissenschaft so weit gehen, daß er die Wirtschaft seines Landgutes gründlich verstehe. Er muß in den Stand gesetzt werden, daß er sie zu betreiben, nach den Umstanden zu verbessern, seine Beamten und Untergeordneten zu übersehen, die Wirth- schastbücher, ihren Inhalt, oder, was er sonst höret, richtig zu beurteilen wisse. Die Haupt- gegenstände dieses Theils der Oekonomie sind a 4 die EG- die Erzeugnisse -er Aecker, Gärten, Wiesen, Wälder, Berge, Wasser,' fammt ihrem Gebrauche, und ihrer Bearbeitung. Bey den Zubereitungen, die zur Beförderung dieser Wissenschaft getroffen worden, sind zwo Erinnerungen vorauszusetzen, welche bey -er Ausführung dieses Vorhabens eben zum Leitfaden dienen sollen. Erstens scheint es unumgänglich noth- wendig zu seyn, daß die Folgen dieser Kenntnisse immer von ihrem ersten Grunde abgeleitet werden; denn auf diese Art wird der Jüngling, ohne jede Erfahrungen von altem Herkommen zu verachten, durch eignes Nachsinnen' sich nicht selten über selbe noch weiter erschwingen können. Zweytens ist es eben so nothwendig, daß man jene Gegenstände, von denen der Unterricht hergenommen wird, in ih- 9 ihrer natürlichen Beschaffenheit der Jugend vor Augen lege, indem man widriges Falls nur Undeutlichkeit, wo nicht eine gänzliche Verwirrung der Begriffe, zugewarten hätte. Diesen zwoenMaaßregeln zu folge ist der sogenannte, fast vollendete oekonomische Garten in verschiedene Plätze nach einer systematischen Ordnung eingetheilet. Die Plätze sind folgende r Erster Platz. Hier werden die verschie- Gattungen des Dunges, wie auch der fruchtbaren und unfruchtbaren Erdarten der Jugend gezeiget. Unter den unfruchtbaren Arten des Erdbodens stehen in ihrer Ordnung die Arten des Sandes, Des Grieses, Des Thons, Des Mergels, Der Kreide, Des Schuttes, Der Felsen. a 5 Die-- Diese, obschon in Ansehen -er menschlichen Nahrung unfruchtbaren Erdarten ernähren doch eine nicht geringe Anzahl verschiedener Gewächse, welche auch hieher versetzet, sehr wohl sortkommen. Zweier Play. Dieser wir- in zween andere untergetheiket. Der eine enthält alle Ackerfrüchte, als: -ie verschiedenen Gattungen -es Weizens, -es Korns, -es Habers, kurz, alles, was einen mit dem Pfluge bearbeiteten Boden fodert. In dem zweyten stehen alle bekannten Gartenpflanzen, -ie -er Mensch zu seiner Nahrung anwendet: es sey hernach, -aß er -ie Blätter, oder Wurzel, die -olde, oder auch -ie ganze Pflanze genieße. Dritter Platz. Hier grünen alle Wiesen und Felder, Kräuter und Gräser nach ihrer Art; auch jene Pflanzen, die sonst nur in smnpfichten, und morastigten Orten, oder gar unter dem Wasser zu wohnen pflegen. Vierter Platz. Dieser ernährt alle Färber- n verpflanzen, welche' in unserer Himmelsbreit'e frey fortkommen. ^ Fünfter plan. Auf diesem stehen die fruchttragenden Baume nach ihrer Art, sammt einer Impf-und Pelzschule. Sechster plan. Hier wachsen sowohl wilde, als zahme Baume, welche zum Brennholze , zum Gebrauche des Schreiners, des Drechslers, des Zimmermanns, und anderer Handwerke bestimmet sind. Diese sind die Abtheilungen der Gegenstände dieser Oekonomie, und der Lehrer wird sie wahrend seines Vortrages dem adelichen Schüler weisen. Die Unterweisung selbst, welche der Lehrer mit dem auf die Oekonomie immer gerichteten Augenmerke fortführt, nehmen ihren Anfang bey den allgemeinsten Eigenschaften aller Pflanzen, und gehen bis zur Beschaffenheit einer jeden Art derselben in Sonderheit. Er erkläret i) Die Theile der Pflanzen, die Wurzel, die die Rinde, das Blatt: ihre Verrichtungen, ihren Beytrag zum Wachsthume, und zur Befruchtung. Daher er eben die befruchtenden, und fruchttragenden Theile der Pflanzen, und die daraus entstehenden Charaktere ausleget: und endlich die Art des Umlaufes des Nahrungssaftes, die Art des Athmens, des Schlafens und Wachens, die Krankheit und den Untergang der Pflanzen anzeiget. 2) Er erkläret ihre besondere Eigenschaften in Rücksicht auf die Warme, Kalte, und Feuchtigkeit des Landstriches - welchen sie bewohnen , ja selbst auf die verschiedene Art ihrer Fortpflanzung, u. s.w. Diese letztem Erklärungen der besondern Eigenschaften der Pflanzen nach ihrer verschiedenen Art geschehen bey den beschriebenen, und nach einer ökonomischen theoretischen Ordnung angelegten Plätzen. Man will hier die Abhandlungen, welche bey jedem Platze in Sonderheit vorgenommen werden sollen, in Kürze anzeigen. Der r3 Der erste Play. Enthält die PflaNM, aus denen man mit der Zeit eine ganz gute, und fruchtbare Erde, oder wenigstens eine Verbesserung derselben zu hoffen hat. Die auf einer Tafel aufgestellte Inschrift zeiget an, was diese Pflanzen vermögen: ^enerLM» L foecuiMnt terras. Die Unterweisungen, welche hier vorgenommen werden, handeln: r) Von verschiedenen Mischungen einer Erdart mit der andern, um die Fruchtbarkeit zn vermehren. 2) Von der Beschaffenheit,Wirkung, und Verschiedenheit des Dunges. 3) Von den öftern Bestellungen des Erdbodens durch den Pflug anstatt des Dunges. 4) Äon der Vergleichung der Wirkungen des Dunges mit dm Wirkungen des Pfluges. 5) Von der Weise, durch verschiedene Pflanzen zu düngen, oder mittelst der Abwechselung der Faulniß, und des Wachsthums der nämlichen Gattung der Pflanzen einen öden 14 öden und unfruchtbaren Boden, wenigstens nach Verlaufe einiger Jahre, mit guter Erde zubelegen. 6) Von dem endlichen Gebrauche eines unfruchtbaren Erdbodens mitten der Pflanzen, die noch auf demselben, wie immer, fort- kommen, und mit was immer für einem Vorteile sie entweder in der Viehzucht, oder in Färbereyen, oder sonst irgendwo angewendet werden können. Der zweyte Play. Enthält die Pflanzen, die den Menschen nähren, und kleiden. Seine Inschrift ist: ^mriunt» L teAUlit Nom'mem. Der Unterricht erkläret hier, 1) Die Wahl der Lage für Aecker, und Felder, die Verschiedenheit des Erdbodens, des hitzigen, des kalten, u. s. f. die Bearbeitung des Grunds mit dem Pfluge, mit der Egge, mit der Walze, u. s. f. 2 ) Wie die so verschiedenen Maschinen auf den Aeckern, und in den Gärten anzuwenden, wie sie zu beurtheilen seyn. Bey wel- -5 welcher Gelegenheit auch von verschiedenen Arten der Pflüge, von verschiedenen Maschinen zum Säen, Dreschen, und Sprützen, und von den Mitteln hen Regen zu ersetzen, und der schädlichen Trockne des Erdreichs ab- zuhelfen gehandelt wird. z) Die Anlage eines Küchengartens, eines Ziergartens, die Wahl der Pflanzen nach Beschaffenheit des Grundes, die verschiedenen nützlichen Anwendungen des Wassers. 4) Wie der Saamen der Pflanzen ab- zunehmen, aufzubehalten, und wieder anzuwenden sey. Wie er von der Natur wunderlich gebauet sey, wie lange er könne aufbehalten werden, ohne ihn der Gefahr der Unfruchtbarkeit auszusetzen, oder auch zu einem andern menschlichen Gebrauche untüchtig zu machen. 5) Was für Theile einer jeden Pflanze in Sonderheit dem Menschen ersprüßlich , oder schädlich seyn können. t)Wel- 6) Welche die Hauptkennzeichen jeder Art der Pflanzen seyn, um sie von jeder andern zu unterscheiden, und sich bey ihrem Gebrauche sicher zu stellen. Der dritte Platz. Ist mit Krautern, und Pflanzen bestellet, die eigentlich zur Wirtschaft gehören. Seine Inschrift ist: ^lum, L iKliLlit xrecora. Der Lehrer behandelt hier 1) Die Haupteigenschaften der Krauter des Feldes, der Wiese, und des Wassers; besonders aber die wunderbare Art der Blüthe, der Befruchtung, und Nahrung der Wasserpflanzen. 2 ) Die verschiedenen Gattungen der Krauter, des Grases, des Klees, derer man sich in der Viehzucht, und zur Vermehrung des Geflügels sehr nützlich bedienet. Einige davon sind einer Art des Geflügels, oder des Viehes sehr heilsam, der andern Art schaden sie, wie Gift. Die Nahrung der Pferde, des Hornviehes, der Schafe, des Geflügels ist in mehreren Stücken unterschieden. z)Die -7 Z) Die Lage, und Bestellung der Wiesen, die Art dieses zu verbessern, aufzufrischen, nach seinen Absichten mit neuem Saamen/ und neuen Kräutern zu belegen, die Wasserleitungen zu ihrer Erquickung sparsam, aber doch erklecklich anzubringen. 4) Die Mayerhöfe, ihre Lage , die Art sie anzulegen, den aus der Lage, aus dem Ueberfluffe, oder Abgänge der an der Hand grünenden Nahrung, oder aus der möglichen Vermehrung derselben zu hoffenden Nutzen. Hier kann der Lehrer eine Ausschweifung auf das sogenannte Wirhschaftsvieh machen, indem er die Beschaffenheit desselben, die Hauptcharaktere einer jeden Art, den Nutzen/ die Anwendung und Verarbeitung ihrer Abwürfe, der Wolle, der Hörner, der Hufe, der Haut, die Zucht selbst, den Dienst, welchen der Mensch zu erwarten hat, den Werth und Preis auslegen wird. Vom Wirthschaftviehe werden die Begriffe der Jugend leicht beyzubringen seyn- B ohne ohne es allzeit vor Augen zu haben. Mehrere Beschwerden werden sich in Ansehen des Geflügels äußern, wenn man seine Charaktere, ohne den Gegenstand vor dem Gesichte zu haben, auslegen solle. Allein auch diese Schwürigkeit ist sattsam gehoben, nachdem man sich mit einer ansehnlichen Menge Geflügels versehen hat, welches man vom Untergange zu retten, und der Jugend zu seiner Zeit vor die Augen zu stellen, durch die Kunst ausschopsen ließ. Die Sammlung besteht hauptsächlich aus Wirthschaftvö- geln; doch hat man auch hier die Begriffe der Wirtschaft etwas erweitert, und das Geflügel aussen Wäldern, Auen, und Wassern sammt seinen fliegenden und vierfüßigen Feinden, oder Raubthieren darunter versetzet. Durch welche Vorkehrungen man sich billig schmeicheln kann, dem Unterrichte in diesem Fache der Wirtschaft einen merklichen Vorschub gegeben zu haben. 5) Fer- 5 ) Ferner behandelt -er Lehrer die zur Pflege des Wachses und Honigs dienlichere Krauter; er zeiget die Bemühungen der dem Menschen so nützlichen Bienen, und zwar auf dem dazu bereiteten Platze der Bienenzucht, und erkläret zugleich ihre besonder« Eigenschaften, ihre Fortpflanzung, ihre Krankheiten, und die Mittel sie zu heilen. 6) Den Schluß dieser Behandlung machen die Verheerer der Wiesen, Felder, ja oft der mehreren Theile des Pflanzenreiches, als: die Käfer, Raupen, Heuschrecken, Ameisen. Auch diese Pflanzenfeinde stehen schon in einer zahlreichen Sammlung bereitet, damit sie dem Schüler kennbar gemacht, und die bisher noch wenigen Mittel, sie zu vertilgen, füglich angedeutet werden. Der vierte Play, mit Färberkräutern bewachsen, hat die Inschrift: texti. Ka. Der Unterricht erstrecket sich hier hauptsächlich auf jene Färberkräuter, die unter unserer Himmelsbreite leicht fortkommeu. Die B» Na- rc» Natur hat uns derer nicht gar zuviele geschenkt. Vielleicht sind sie aber in größerer An- zahl noch unbekannt, und erwarten eben von diesen adelichen Schülern einst entdecket zu werden. Der Unterricht schreitet weiter zum Ge -rauche, zur Zubereitung dieser Kräuter, zur Art selbe zu verpflanzen, zu ihrem Werthe, sammt einer Vergleichung des Nutzens und Schadens , dessen man sich aus fremdem Fär- berholze, oder andern Erzeugnissen dieser Art zu versehen hat. Der fünfte platz, mit wilden und einheimischen Bäumen besetzet, hat die Inschrift: lorno, volabrss, koco. Hier handelt man von der Art und Beschaffenheit, von der Zeit des Wachsthums verschiedener Bäume, von dem dazu dienlichen Grunde, von der besten Lage in Ansehen der Höhe, Tiefe, Trockne, und Feuchtigkeit des Erdbodens, und gelegentlich auch von der Art Waldungen anzulegen, und sie zu pflegen r endlich vom 21 WM vom verschiedenen Gebrauche des Holzes zu Gebäuden und Werkzeugen , vom Holzhandel , vom Preise des Holzes, und von der Zeit das Holz zu fallen. Der sechste und letzte Play ist den Frnchtbäumen geweihet mit der Inschrift: komonse. Hier wird der adeliche Schüler lernen die Kennzeichen und Charaktere aller fruchttragenden Baume, die verschiedenen Gattungen von Aepfeln, von Birnen, von Steinfrüchten, u. s. f. Nebst diesem die Art sie zu pflegen, zu versetzen, die ächten und fruchtbaren Aeste von den andern zu unterscheiden: die Mittel wider ihre vielfältigen Krankheiten, die Art, den Saft der Früchte durch verschiedene Kunstgriffe, durch Impfen, und Pelzen u. f. f. schmackhafter zu machen ; endlich ihren Werth und beylaufig das Verhältnis der Baumfrüchte gegen andere Pflanzen auf dem nämlichen Gründe. B Z Zwey- 22 Zweyter Absatz. Air Oekonomie der Erzeugnisse in den unterirdischen Lagen der Erde. (?Xie sonst so vielfältigen Gegenstände dieses Theiles der Oekonomie können hier nur in der möglichsten Kürze angedeutet werden. Doch auch aus diesem wenigen soll man leicht auf den Nutzen dieser Kenntniß nicht nur in Absicht auf den adelichen Besitzer , sondern öfters noch mehr auf den ganzen Staat . schließen. Die zu diesem Endzwecke errichtete Sammlung bestehet aus folgenden Gattungen : r) Aus verschiedenen Erdarten; als da sind Die schwarze Erde, Dke rothe Erde, Die Sumpferde,. Die Wurzelerde, Die Thiererde, Der WM- Der Umber, Der Torf. Aus manchen Arten -er Kreide, des Thons, des Mergels. .Aus andern vermischten Erdarten. Die Anwendungen hievon sind in verschiedenen Fabriken der Töpfe, in Porzellanfabriken, in den Färbereyen, in der Malerkunst, in der Hauswirtschaft, in der Landwirtschaft, und in den Gebäuden. Bey jedem Gegenstände sollen alle Vortheile, die man daraus zu hoffen hat, angezeiget werden. 2) Aus sehr vielen Artsn des Sandes zu manchfaltigem Gebrauche in der Hauswirtschaft und Landwirtschaft, in den Gebäuden, in verschiedenen Fabriken, zur Glättung rauher und spröder Körper, u.s.f. Sie sind Der Mahlsand, Der Staubsand , DerTriebsand, oderTrippel n. s, f. Der Gries, V 4 Der L4 Der Perlsand, Der Aerzsand, u.s.f. z) Aus verschiedenen Gattungen der Gteine. Hier wird von ihren gemeinschaftlichen Eigenschaften, von ihrem Wachsthume, von ihren Bestandtheilen, von der Eintheilung in ihr gehöriges Fach, von ihrem verschiedenen Werthe, von der Art sie anzuwettden, und ihren natürlichen Glanz herzustellen, von den Steinbrüchen, von der Art Felsen zu sprengen gehandelt werden. Hieher gehören die besondern Arten Des Kalksteines, Des Marmors, Des Gypses, Des Spates, Der hieraus entstehenden Krystalle. Man lehret ihre Anwendungen in Gebäuden, in Fabriken, in Bergmännischen Schmelzungen. Man lehret die Art, sie zu brennen, und zum Gebrauche tüchtig zu machen. Man zeiget besonders den Nutzen des Mar- 25 Marmors, und Alabasters, und ihre Anwendung zur Verzierung der Gotteshäuser, der Stadtplatze, der Pallaste, in der Bildhauerkunst, u. s. f. In der Sammlung befindet sich schon eine Menge von ausländischen, und noch mehr von einheimischen Marmorarten, bey derer Ausweisung zugleich der Werth und die Art, sie zu bearbeiten, gezeiget wird. Hieher gehören die Arten Des Schiefersteines, Des Kohlsteins, u. s. f. Die Arten des Sandsteins, Des Schleifstens. Die Arten des Kieselsteins, Karniols, ChalcedonS, Opals, Onyxs, Agats, Das Weltaug. Die Arten -es Jaspis, Des Querzes, B 5 Der 26 DerKrystalle, sammt ihren ' Abänderungen. Die Arten -es Glimmers, Des Talkes, Des Toffsteins, Des Hornsteins, Des Amianthes, Des Asbestes. Endlich die Arten der Felsensteine. Die Anwendungen aller dieser ungezogenen Gattungen, und Arten -er Steine sind theils nothwendig, theils sehr vorthetlhaft in Gebäuden, in der gemeinen Wirtschaft, in Fabriken z ja sehr viele aus diesen sind dem Menschen zu seinen verschiedenen Absichten, und zu seinem fast täglichen Gebrauche unentbehrlich. Andere dienen zur Zierde des Menschen , und verleiten ihn nur gar zu oft aus ihrem mehr eingebildeten, als innerlichen, unwirklichen Werthe zu ausschweifenden Verschwendungen. Der 27 Der Aufsatz dieses gegenwärtigen Vorhabens würde die Granzen der Kürze nur allzuweit überschreiten; wenn man alle Gattungen und noch vielmehr, wenn man alle Abänderungen dieses Theiles der Natur in Sonderheit beschreiben sollte. Nur die Hauptsache dieser schon größten- theils beygeschafften Sammlung sollen mit ihren Hauptbenennungen noch angesühret werden ; doch.mit dieser vorläufigen Erinnerung, daß bey den besondern Behandlungen derselben zum vollkommenen Unterrichte der Jugend nicht nur ihrer unterscheidenden Charaktere,' sondern auch der Lage ihres ersten Entstehens,-er Anwendung, der Verarbeitung, des Preises, und jedes hieraus entstehenden Vortheiles Erwähnung geschehen solle. . Die Hauptabtheilungen sind folgende: Die Salzarten, Schwefelarten, Halbmetalle, SS»» Me. 28 Metalle, Versteinerungen, Abdrücke, Korallen, Muschelwerke, Steinähnlichkeiten, Zubereitungen aus Erde, Steinen, Salze, u.f.f. Metallvermischungen. Dritter Absatz. Die oekonomischen Hilfsmittel. ^>hne -Le Bemühungen des Menschen wer- ^ den die Erzeugnisse der Erde dem Wunsche des Besitzers nimmer entsprechen. . Diese Hilfsmittel können entweder auf Seite der Kräfte selbst, oder auf Seite der Anwendung derselben, oder auf Seite beyder gemeinschaftlich gebraucht werden. Den Kräften allein wird durch Vermehrung derselben ge- geholfen. Die Mittel sind zu diesem Ende auk der Physik und Mechanik herzuholen. Auf Seite der Anwendung ist nach verschiedenen Umstanden der Ursprung der Hilfsmittel unterschieden. Sie müssen sehr oft eben auch aus der Physik und Mechanik/ aber vielleicht noch öfter aus einer gesunden Moral hergeleitet werden. Wer begreift es nicht/ daß zur nützlichen Anwendung der Kräfte erfodert werde: 1) Daß man die Kräfte erkenne. 2) Daß man sie anzuwenden wisse. z) Daß man sie anwenden wolle. Alles dieses wird nun in Absicht auf eine vollkommene Oekonomie in möglicher Kürze gezeiget. Die Hilfe in Bearbeitung des Erdbodens hat der Mensch noch immer bey demLast-und Zugviehe gefunden. Wer kennet nicht die Dienste des Pferdes, des Ochsen < u. s. f. Allein auch die äußerste Bestrebung des Viehes ist zu verschiedenen Vorhaben sehr oft ZÖ oft nicht hinlänglich. Dem Menschen übriger dann allein noch, sich zudem einfachen Werkzeuge -er Mechanik, oder zu ihren zusammengesetzten Maschinen zu wenden. Durch diese Mittel wird er sehr oft, sowohl seine eigenen Kräfte, als die Kräfte der Thiere vermehren können. Es liegt also die Notwendigkeit der mechanischen Kenntnissen, der Kenntniß seiner eigenen Kräfte, und der Kräfte des Viehes, der Kenntniß ihrer Dauerhaftigkeit, und der Art, sie anzuwenden, klar am Tage. Aber sowohl die Dauerhaftigkeit, als auch die Anwendung dieser Kräfte wird in verschiedenen Fällen unmöglich bestehen können. Die immerwährende Bewegung einer Maschine , die Erfoderniß einer gleich Anfangs grossen Gewalt, die Hindernisse Menschen, oder Vieh an den bestimmten Ort zu stellen, erwarten noch etwas mehr. Die Erfahrung sowohl, als auch das Nachsinnen hat in solchen Fällen den Menschen an- ge- Zr geleitet, sich des Druckes der Lust, der Bewegung und Gewalt des Wassers zu bedienen. Es ist daher auch die sogenannte Aerometrie, die Hydraulik, und Hydrostatik, die lebendigen Kräfte theils zu vermehren, theils gänzlich zu ersetzen, höchst nothwendig. Doch eben das Wasser selbst, besonders dasjenige, welches in Flüssen, Strömen, und Bachen versammelt ist, verdienet eine neue Aufmerksamkeit. Denn, obschon es dem Menschen so viele und grosse Vortheile verschaffet; so ist es doch auch zugleich höchst schädlich 5- wenn es seinen Rinnsal abändert, aus seinem Bette austritt, und mit äußerster Gefahr die umliegenden Besitze und Wohnungen bedrohet, oder wirklich überschwemmet. Wie, wenn sich noch andere widerwärtige Umstände äußern? Wenn Sandbänke, wenn in die Strombahn rollende Felsenstücke, und dergleichen serdrüßliche Zufälle die sonst so manch- fältigen Vortheile der Flüsse verhindern, oder gänzlich aufheben? Man muß also dem adelt- 3» lichen Jünglinge, damit er sich einst diesen liebeln entgegen zu setzen im Stande sey, nebst den bisher erwähnten Kenntnissen, auch einen achten Begriff von dem Wasser beybringen, und die innere Beschaffenheit der Flüsse und Ströme sammt ihren Eigenschaften anzeigen. Hieraus entsprißt ein sehr weitläufiger Nutzen, denn die Art einen Wassergraben zuführen, die kleinern Bäche und Quellen in größere Ströme zu sammeln, Schleußen anzulegen, die Flüsse mit Dämmen und Wehren zu bezwingen, ihren Schwall auf einen gegebenen Punkt zu leiten, mehrere Flüsse zu verbinden, den Rinnsal zu reinigen, und brauchbar zu machen, gründet sich darauf. Aber genüg von diesem. Die Zerthei- lung und Auflösung der Körper in ihre Be- standtheile kann mit Stillschweigen nicht übergangen werden. Die Gährung, die Ausdünstung, die Schmelzkunst sind in Ansehen der Erzeugnisse sowohl auf -er Oberfläche, als in den unter- irdi- irdischen Lagen sehr einträgliche Hilfsmittel -er Oekonomie, ohne welche -er Eigenthümerr aus seinem Grunde zwar viele, aber nicht alle möglichen Vortheile ziehen wird. Die Art, so viele Geister und Wasser aus Pflanzen zu brennen, hängt davon ab. Hieher gehören also die sogenannten Wässer, der Geist aus den Weinhefen, aus Korn, Hopfen, Baumrinden u. dergl., die ganze Bräukunst, die Verpflegung -er Weine, die verschiedenen Salzgeister, endlich die ganze Mineralogie, oder Scheidekunst des Aerzes: Dinge, die nicht nur einer einzelnen Wirtschaft, sondern auch einer allgemeinen Landwirthschaft überaus grossen Nutzen zu verschaffen vermögend sind. Dazu wird nun die Kenntniß einer mäßigen, und eingeschränkten Chymie erfo- dert. Diese sind die Mittel, durch derer Gebrauch den menschlichen Kräften grosse Hilfe geleistet, oder gar ihr Unvermögen indem bestimmten Vorhaben ersetzet werden kann. Es C ist 34 ist noch übrig zu' zeigen, auf welche-Weise man auch von Seite der Anwendung der Kräfte helfen könne. Die Kräfte des adelichen Eigenthümers sind nicht so viel seine eigenen, als seiner Untertanen. Die Vorteile der Erträgnisse der Erde fallen meistens auf ihn zurück, verbreiten sich von da auf andere, und befördern die Glückseligkeit des ganzen Staates. Der Eigentümer ist dann verpflichtet, seine Kräfte, und jene der Untertanen zu vermehren, und zwar i) als Vater zum Besten seiner Untergebenen, 2) wegen seines eigenen Nutzens, aus Schuldigkeit, sich seinem Stande gemäß zu erhalten, und z) aus Liebe gegen den Staat, und aus Pflicht, die Glückseligkeit des Staates immer zu vermehren. Diese dreyfache Schuldigkeit solle der Lehrer der Oekonomie bey sich eräugenden Gelegenheiten öfters seinen Schülern einprägen, wenn er anders den wahren Nutzen aus seinen Unterweisungen einst zu schöpfen wünschet. Von 35 Von -er Wahrheit dieser Pflichten wird sich der Jüngling leicht überzeugen lassen. Ja der Eifer für seine künftigen Vortheile wird ihn gar bald antreiben, und in ihm ein heißes Verlangen erregen, die Art, auf welche er diese Pflichten vollziehen kann, zu erfahren. Der Hauptentwurf einer zur Oekonomie erfo-erlichen Moral erstreckt sich ungezweifelt auf folgende Sätze: 1) Der Eigenthümer soll alle Theile der Oekonomie sammt den dazu erfoderlichen Hilfsmitteln kennen, und ein wahres Verlangen tragen, selbe in der That anzuwenden. 2) Die endliche Ausübung dieser Kenntnisse des Eigenthümers kann nur durch die stuf- fenweise untergeordneten Unterthanen geschehen. z) Die Mithelfer zur Erreichung dieses Vorhabens sind unwidersprechlich zweyerley.: nämlich die Wirthschaftsbeamten, und die Seelsorger. C r ES 86 . Cs ist nicht genug, -aß -er Untertan wisse, wie er seine Kräfte anwen-en soll: auch sein Willen selbst muß geneigt seyn, er muß seine Kräfte mit Eifer und Freude im Werke selbst anryerrdey. Den Willen aber dahin zu neigen, bieten sich sehr eindpingende Beweggründe -ar, welche doch nur erst durch den Vortrag, und die Anzeige eines eifrigen Seelsorgers mit allem Nachdrucke wirken werden. Dev Unterricht, wie die Kräfte anzuwenden seyn, steht theils dem Eigentümer, theils seinen Beamten zu. Sind die Beamten nebst andern erfoderlichen Gaben auch Ln der Naturkunde nicht gänzlich unerfahren, besitzen sie Fähigkeit, ihre schon gesammelten Kenntnisse durch Lesung jener Bücher, welche von diesem Stoffe handeln, unter der Anführung des Eigentümers immer noch zu vermehren, so sind sie dem Werke gewachsen. Die erste Sorge solle zur Erhaltung -er Kräfte angewendet werden; man verstehe gleich in dem eigenen Verstände die Kräfte s des Leibes , oder in dem uneigenen die Kraft seines Vermögens , und seines Besitzes. Die Leibeskräfte werden theils durch dir Reinlichkeit des Körpers, der Wohnung, der Haushöfe und Gassen, theils durch gesunde Speisen, und gesundes Getränk, und durch ein ordentliches, ob schon arbeitsames, Leben erhalten. Die gesunde Nahrung wird die Aufsicht der Beamten befördern, wenn sie auf die Markplätze, auf die Gasthöfe und Schenk-- Häuser, auf die öffentlichen Brunnen ein wachsames Aug haben. Nicht genüg: die Sorgfalt des Eigentümers solle sich bis auf die Krankheiten der Urrterthanen erstrecken, und die nöthigen Heilsmittel beschaffen. Auch dieses wird zu seinem eignen Vorteile gereichen. Die Gründe, die Zahl des Viehes, die übrigen Haabschaften sind die Kräfte des Urrterthanen in uneigenem Verstände. Die Verbesserung des Grundes, die Ursachen des Miswachses, der Gebrauch der von C z sich Z» fich selbst herkommenden Erderzeugnisse, die durch Arbeit und Handel sprießenden Vortheile, die Art, selbst die Kinder, doch ohne Nachtheil einer anständigen Erziehung, zum Nutzen anzuwenden, die Weise, sich der natürlichen Vortheile des Wassers und der Luft zu bedienen, der Gebrauch des Viehes, die Sorge für die Gesundheit, und die Pflege in Krankheiten werden den Beamten immer einen reichen Stoff zu Unterrichtungen darbie- then. Stuffenweise solle sich ihr Unterricht bis auf die letzten Vorsteher, bis auf den gemeinen Hausvater herablaffen; die Schulmeister, und Gastgeben sollen am besten unterwiesen seyn. Sie haben immer sehr grossen Einfluß in diesem Fache. Die Vermehrung dieser Kräfte hängt .hauptsächlich nur vom Eigenthümer ab, indem er bald Gelegenheit zum Gewinnste bey- schaffet, bald die Notwendigkeiten vorstreckt, -ald Fabriken, Manufakturen u.s.f. errichtet: vor- 39 vorausgesetzt, daß es ohne Nachtheil des Ackerbaues geschehen kann. Denn man muß den Nutzen und Schaden des Ackerbaues, der Fabriken und Manufakturen genau gegen einander abwagen; ja alle übrigen Theile der Oekonomie fodern sowohl in Ansehen ihrer innern Beschaffenheit, als auch in Ansehen der äußern Umstande eine gleiche Vorsicht. Ohne diese Gesinnungen hat man eine gar geringe, oder vielmehr gar keine Vermehrung der Kräfte zu hoffen. Die einzelnen Aeste der Wirtschaft (ihre besondern Vortheile mögen so reizend seyn, als sie immer wollen) muffen sich wechselweise die Hand .biethen, der eine muß den andern unterstützen. Denn sonst verliert der allgemeine Vortheil nur gar zu leicht. Welch einen grossen Nutzen versprechen nicht hier derFeldbau, dort die Viehzucht? Fallt aber die Besorgung des Eigen- rhümers im Betreffe des Platzes, der Kosten, der Zeit mit Uebergewicht auf den einen dieser Theile herüber; so wird es nur gar zu oft C 4 ge- «- 7 - geschehen, daß Sorgen, Mühe, Arbeite« und Ausgaben auf der einen und! andern Seite zugleich fruchtlos ablaufen. Bis zur Hinderung der Bevölkerung selbst, welche das vorzüglichste Augenmerk eines Landsherrn seyn muß, wird sich der Schaden aus Abgang der zur Vermehrung so wohl, als auch zur Erhaltung, der Menschen so nöthigen Lebensmittel erstrecken; aus Mangel der menschlichen Hände aber wird auf eine rückgängige Weise dem Ackerbaue und der Viehzucht selbst ein gewisser Untergang drohen. Mit einem Worte: alle Theile der Ökonomie sammt ihren Hülfsmitteln müssen in Ansehen ihrer Beförderung in einer angemessenen Entfernung vom endlichen Ruhepunkte des Hauptnutzens stehen. Aber nicht die gleich ausgetheilten, sondern nur die jedem Theile angemessenen Bemühungen werden dieses Gleichgewicht erhalten. Haufen sich aber in gewissen Umstanden die Theile der Ökonomie, oder verbreiten sie sich 4 * sich auch nur einzeln über die Granzen, in welchen sie gemeiniglich stehen, -hinaus; st wachst die Beschwerlichkeit, das VerhättniH der Theile zu ihrem ganzen ungehinderten Nutzen zu bestimmen. Denn, da sich die Verschiedenen Anwendungen der erfoderlichen Hilfsmittel vermehren, Lhettet sich' der ursprünglich ganz klare, und gleichsam vor den Augen entstehende Nutzen in verschiedene We^ gr, er verwickelt sich nach und nach mit den übrigen beträchtlichen Vortheilen des Staates, er verliert sich aus dem Auge, und fruchtet immer unter andern Benennungen, dem Scheine nach, ganz verschiedener Vortheile. Der augenscheinliche Gewinnst, damit ich au* unzahligenBeyspielen nur einesjoder das andere anführe,aus dem Flachse, als einerErzeugniß des Ackers, und aus fast allen durch den Bergbau an das Taglicht gebrachten Metallen, geht er nicht nach der Hand weit über den Werth einer rohen Maare hinaus? wachst er nicht imer unter andern und andern Han- C 5 den 42 den der Künstler, und verschiedenen Arbeiter? Verschafft er nicht immer unter neuen aufeinander folgenden Gestalten durch fast unzählige Wege -er Anwendung zur Nothdurft, zur Bequemlichkeit, zur Zierde mehrere und mehrere Vortheile? Nur wenige Augen, so erwünschlich auch die Wahrheit derselben sowohl dem Eigenthü- mer als dem ganzen Staate wäre, nur wenige Augen sind scharf genug, diesen immer fruchtenden Abwechselungen und Verwandlungen nützlich nachzuspüren. Aus dieser Quelle entstehet nun der nicht seltne Jrrthum der Eigentümer, in der voreiligen und zugleich sehr schädlichen Beurteilung der Vorzüglichkeit ihrer ökonomischen Sorgen. Höret man nicht zuweilen den unsrer ersten und eifrigsten Bemühungen gewiß würdigen Gegenstand, den Ackerbau, mit so erhabenen Ausdrücken, mit Erwähnung so grosser Hoffnungen des Nutzens, hervorstreichen, daß der 4Z der Ton selbst schon den übrigen Theilen der Oekonomie Vernachlaßigungen anzukünden scheint? Bey solchen Gesinnungen aber wird der Ackerbau, eben da man ihn zu sehr übertreiben will, fruchtlos bleiben, wenigstens die möglichen Vortheile nicht verschaffen. Ist nicht ein vorsichtig bestellter Bergbau grosses Theils selbst für einen Ackerbau anzusehen? Wenn er diesen Namen nicht als seine wesentliche Benennung verdienet, verdienet er ihn nicht als einen Beynamen? Oede, wüste, steile Orte, welche nicht einmal den Pflug bezahlen würden, belohnen reichlich die zweyfache Bemühung des Bergmanns und Ackermanns; die Granzen des Ackerbaues selbst werden auf diese Art erweitert, der Fleiß des Pflügers durch den vielfachen Gewinnst des Bergmanns reichlich ersetzet. Selbst jene Landgüter, welche den Staat naher betreffen, genießen die Vortheile einer so glücklichen Verwechselung, um welche sie, so zu sagen, die ganze Mühe des Bergmanns erkaufen. Tausend und tau- 44 . tausend dieser unterirdischen Einwohner unterstützen auf besagte Weise den Ackerbau ; sie würden ihm nimmermehr einen so ansehM chen Vorschub gegeben haben, wenn sie alle selbst die Hand an den Pflug geleget hatten. Die Kräfte des Ackers bleiben trotz aller möglichen Hilfe allzeit eingeschränkt; sie lassen sich ins unendliche nicht vermehren. Das Uebermaaß der beschädigten Hände hemmet endlich durch die zugleich vermehrte und nicht genug zu ersetzende Nahrungsnothdurft den erwünschten UeberfluK irdischer Erzeugnisse. Wie würde den übrigen Notwendigkeiten eines Staates Hilfe geleistet werden können , 4venn die Bergerzeugnisse, welche so notwendig sind, und derer Werth vom Willen der Fremden abhangen würde, einzig durch die Verwechselung mit den o.ft sehr häufigen und wohlfeilen Erzeugnissen -er Oberfläche beygeschaffet werden müßten? wie vieles würde abgehen, ohne etwas beträchtliches dafür eingehandelt zu haben? End- Endlich steigt die Bevölkerung selbst nach dem Maaße und nach der Zahl dieser auf die Plätze ihres Unterhalts ausgesetzten Menge. Der Ueberschuß vertheilt sich von sich -selbst bis zu dem ansehnlichen Stande, welcher die Ruhe und Sicherheit des Staates erhält. Ein nicht geringer Vorzug des Bergvolkes vor dem Ackerbauvolke ist dieser, daß .es, nebst dem Zolle seiner Arbeit, auch sich und seine Gränzen selbst schützet. Eine gleiche Beurteilung verdienen nach dem Maaße ihrer Beschaffenheit auch die übrigen Theile der Oekonomie, als: die Vorzüglichkeit der Menschenhände vor der Anwendung der Maschinen, oder umgekehrt, u. s. f. -Kurz: Ort, Raum, Wasser, Erdreich, Mangel, oder Ueberfluß eines Produktes vor dem andern, meistens bey benachbarten Völkern - endlich der Beutel der einzelnen kleinen Wirtschaften, welcher eines baldigen Gewinnstes bedürftig, oder unbedürftig ist, müssen vieles bestimmen. Den Der Seelsorger neiget den Willen, und machet die ausgekreiteten Kenntnisse endlich thätig. Nebst dem Unterrichte in der Religion , redet er gemäß der Fähigkeit seiner Zuhörer sowohl in Predigten, als auch in vertraulichen Zusammenkünften, und freundschaftlichen Gesprächen öfters von den Ursachen, aus welchen die Menschen in Gesellschaft zusammengetreten sind, wie nothwendig daraus ganze Staaten, und in diesen die Verschiedenheit der untergeordneten Stände entstehen mußten. Davon hange die Sicherheit des Menschen, die besondern Heilsmittel, sein ganzes Glück ab. Es seyn göttliche Anordnungen , daß sich der Mensch seinen Vorgesetzten unterwerfe, daß er seinem Berufe genau nachlebe, und seine Kräfte nicht spare. Ein Stand müße den andern durch seine Verrichtungen unterstützen. Der Ackersmann nähre sich,den Bürger, und den Soldaten, der Soldat hingegen schütze des Bürgers und -es Ackermanns Leben- Was jeder dem Staate 47 te giebt, wende er für sich selbst an, u. s.f Erinnerungen, die von eifervollen Seelsorgern den Pfarrkindern ohnehin sorgfältig ein- gescharfet werden. Diese und dergleichen aus der Mora! entlehnte Betrachtungen wird der Lehrer der Oekonomie bey verschiedenen Gelegenheiten des Unterrichtes seinen adelichen Schülern vor- zulegen beflissen seyn, damit sie mit der Zeit den Eifer so vieler Unterthanen in ihren Verrichtungen unterstützen, uud ihre gesammelten Kenntnisse nach Wunsche des Vaterlandes anwenden. Denn das Meiste kömmt doch immer auf den Eigentümer an. Sollte er auch aus Ursache wichtiger Staatsbedienungen nur selten und kurz auf seinem Landgute erscheinen können, so werden doch die Ueberzeugung von seinen ökonomischen Einsichten, und die durch ihn getroffenen Anstalten auch in seiner Abwesenheit hinlänglich wirksam seyn. Diese von der Morale entlehnten Hilfsmittel der Oekonomie werden dem Jünglinge nicht 4 * MUK nicht zur bestimmten Schulzeit, sondern bey sich eräugender Gelegenheit beygebracht. Sie konnten aber, weil sie mit einer richtiger» Ausübung und Thätigkeit der übrigen Thei- le der Oekonomie. besonders verbunden, und den ganzen Zusammenhang dieser Wissenschaften klarer einzusehen nothwendig sind, hier keines Wegs übergangen werden. Nun folget der letzte Theil dieses ökonomischen Vorhabens. Fünfter Absatz. Von der gemeinen öffentlichen Oekonomr'e. (TXieser Theil derOekonomie, wie gleich An- fangs gemeldet worden, hat zu seinem Gegenstände alle sowohl, rohe, als schon verarbeitete Stoffe, Erzeugnisse, und Kunstwerke, welche ursprünglich entweder von der Oberfläche , oder von den unterirdischen Lagen der Erde hergeholet, zwischen Provinzen, oder fremden Völkern verwechselt, oder erkaufet, und 49 und endlich in Magazinen, Niederlagen, und Kaufmannsbudeu zum Kaufe öffentlich ausge- setzet werden. Wie soll einst ein adelicher Jüngling diese Maaren der Kaufleute nach allen ihren Verhältnissen des Stoffes, der Verarbeitung, der Verschiedenheit des Orts, und der Art ihrer Verarbeitung, aus der Rathstube, oder sonst auf die Frage seines Landesfürsten richtig zubeurtheilen im Stande seyn, wenn er sie niemalen betrachtet, niemal gesehen hat? Wie kann er nur einen wahren Begriff davon haben? Wie kann er ihren Gebrauch, die verschiedenen Anwendungen, den Ort ihres ersten Herkommens, so lang sie im rohen Stande sind, den vorteilhaftesten Weg sie zu verarbeiten, ihre Notwendigkeit in fremden Landern, die Möglichkeit oder Unmöglichkeit ihres Ersatzes durch einheimische wissen? D Die 5o Die Kenntniß dieser Art muß sich ohne Zweifel nicht nur auf den natürlichen Zustandes Stoffes, und der schon. verarbeiteten Maaren, sondern bis auf die Fabriken, und Manufakturen selbst, mit einem Worte, auf eine Naturgeschichte, auf eine Erdbeschreibung , auf verschiedene mechanische Anwendungen erstrecken, um nicht nur allein zwischen besserm, und schlechtem Stoffe, zwischen ungleichen Verarbeitungen nützlich wählen, sondern auch den Stoff, und seine Verarbeitung verbessern zu können. Hier zeiget sich also die Notwendigkeit einer neuen, und von den vorigen ganz verschiedenen Sammlung. Die Maaren der Kaufleute, und hiemit -es sammtlichen Staates werden ursprünglich gleich den übrigen menschlichen Fordernissen aus den drey Reichen der Natur hergeholet. Viel zu weitläufig würde der Aufsatz dieses Ent- 51 Entwurfes werden , wenn er sie alle, und zwar in der manchfaltigen Gestalt, die sie von der Kunst erhalten, anzeigen sollte. In wie vielerlei) Gestalten des Tuches, des Zeuges , des Leders erscheinen z. B. nur die Wolle, die Haare, die Häute der Thiere? und wie verschieden sind sie ferner in Ansehen der Feinheit, der Starke, der Farbe? Gewiß beträchtliche Umstande für den Handel, und Wechsel! die Seide, und die Farben zu geschweige», welche uns von kleinen Thieren verschaffet werden. Wo nicht größere, wenigstens nicht mindere Vortheile zieht der Handel aus den übrigen zwey Reichen der Natur. Wie weit erstrecken sich nicht die Anwendungen, der Verkauf, die Verschiedenheit des Flaches, des Holzes, des Gewürzes, u. siw? Aus dem Steinreiche endlich sind die Verarbeitungen, zum Beyspiele des Glases, der Metalle in so vielen Werkzeugen, nicht fast unendlich? D - In 52 In dieser Sammlung sollen nur Stücke Hon beträchtlichem Stoffen, kleine Muster von verschiedenen Kunstwerken, und die zu dieser Absicht nothwendigsten Maschinen, und Werkzeuge anzutreffen seyn. Die Fache dieser Sammlung sind folgende: r) Die Muster, und Stoffe, die dem Menschen zur Wohnung, Kleidung, und Zierde, 2 ) zur Nahrung, und Ergötzlichkeit, 3) zu Heilsmitteln dienen. Diese Heilsmittel werden hier nicht nach der Heilkunst, sondern nur in Ansehen ihrer Kosten als eine Waare betrachtet. Diese sind die drey, einem adelichen Jünglinge zu wissen nothwendigen, oder doch nützlichen Theile einer vollständigen Ökonomie. Will 5Z Will nun Jemand alle zu diesem Ende er- foderlichen Sammlungen gleichsam mit einem Blicke überschauen, Sammlungen, welche wenigstens die wichtigem Erzeugnisse aus allen drey Naturreichen, und was immer ansehn- lichers die menschlichen Hände hervorgebracht, in sich begreifen müssen, wenn man anders dieses Vorhaben mit Frucht ausführen soll; oder wirft jemand die Frage auf: ob der Nutzen, den der Eigentümer, oder vielmehr der ganze Staat aus dieser also bestellten ökonomischen Wissenschaft einst zu gewarten hat, die derohalben unternommenen nicht geringen Bemühungen, und Zubereitungen überwagen, oder ihr wenigstens das Gleichgewicht halten werde? so wird er sich leicht zn Frieden stellen, wenn er bedenket, daß durch diese Vorkehrungen dem jungen Adel die Gelegenheit an die Hand gegeben werde, zu erlernen, i) Auf welche Weise er alle möglichen Vortheile aus seinem Landgute ziehen, und zum 54 SW zum Ueberflusse so vielfältiger Bedürfnisse des Staates sein Mögliches beytragen könne. 2) Auf welche Weise er sich tüchtig machen könne, das Beste des Landesfürsten in den sogenannten Regalien, und vorzüglich in den Kammergütern zu befördern. Z) Auf welche Weise er nach allen dazu erforderlichen Kenntnissen den Handel des ganzen Staates, mit Rath, und That unterstütze. — < ^ ' >*»ck k < ^7