Wiener Stadt-Bibliothek 405? B O 0299 —TJ Wiener Stadt-Bibliothek O 0299 405 7.ß ///7 W* ^lA^i ' t//i t t^/ ■^»♦>y^^»^^^rj^«*/ eJ^c- : -■■€*> DAS PREISGEKRÖNTE W1ENER-STADTERWEITERUNGS-PR0JECT. , VOM ALLGEMEINSTEN INTERESSE FÜR NEUE ANLAGEN UNI) VERSCHÖNERUNGEN I N G RÖSSER E N S T Ä D T E N * MIT DEM SITUATIONSPLANE R. ENTWORFEN UND BESCHRIEBEN VON FRIEDRICH STÄCHE, / * -- - A FÜRSTLICH KINSKY’SCHER ARCHITEKT, INHABER DER KAISERLICH ÖSTERREICHISCHEN UND KÖNIGLICH PREUSSISCHEN GOLDENEN MEDAILLE FÜR KUNST UND WISSENSCHAFT. ETC. ETC. W I E N, DRUCK DER MECHITHARISTEN-UUCIIDKUCKEREI. 1859 . * V-PCi r-' .-v ;f i & V * ' y »■ a \ y\. / - V. * • l ' . • 1 's.-' ■■V'-. •„ ' DENKSCHRIFT ZU DEN PLÄNEN FÜR DIE ERWEITERUNG UND VERSCHÖNERUNG WIEN’S. MIT BEZUG AUF DIE ENTSCHUESSUNG ALLERHÖCHST SEINER K. K. APOST. MAJESTÄT * VOM 20. DECEMBER 1857. ir DEVISE A.E.I.O.U. WIEN, DRUCK DER MECHITHARISTEN-BUCHDRUCKEREI. 1858 . Die Residenz durchbricht die eig’nen Schranken; Den Riesengliedern strömt der nächste Tag Schon Leben zu aus Einem Herzensschlag. Mit Jubel lass, o Herr, das Volk Dir danken! Nicht dass die Zeiten voraus trag versanken: Die Wildniss wich dem Dom; es rückt’ ein Hag Zum andern, wie Natur auch trotzen mag, Nicht sollten sie an ew’ger Trennung kranken; Und Brücken schlug die Bildung aller Orten, Ob sie vereinzelt auch die Ziele fand. Doch, Kaiser, Du erst sprengst die engen Pforten, Und einend waltet Deine Schöpferhand: Eilt Wien ersteht aus dreissig Sonderworten, So auch Ein Oesterreich, Ein Vaterland I I -co^# ö v ! A ustria I i' rit I mperatrixJ 1 QUILA M LECTA I USTE I I LLER I ’i HREN I ST \ f DLER -M—A RHEBE Ä_ MMER ' ’ MNIUM MNIA ESTERREICH ESTERREICH & RBIUM, INCIT, OLL, IBERALL. I ^(03- 6 Q - CC>(y' r .'$ > ; Die Citate, mit fortlaufenden Nummern ange- zeigt, sind im Anhänge der Schrift enthalten. u Die voranstellende historische Devise, mit den mannigfachen Deutungen zum Ruhme unseres schönen Vaterlandes, j ) gehört einer Zeit an, wo unseliger Zwist verderbend bis an das innerste Mark Oesterreichs gedrungen war, darauf aber mit dem 15jährigen Erzherzog Albrecht dem Fünften Glück und Friede wieder an die Ufer der Donau zurückkehrten. Am 6. Juni 1411 zog der junge Albrecht in Wien ein. ,,Er wurde mit Jubel“ — sagt ein Geschichtschreiber 2 ) jener Zeit — „empfangen, wie ein Engel vom Himmel! Der Clerus zog Ihm an der Spitze des Volkes entgegen, und alle riefen: Der Ersehnte kommt, den wir in trüben Zeiten erwarteten. Die Glocken der Stadt wurden geläutet, Feste und Gastmäler veranstaltet, und der Höchste im Himmel wurde gepriesen, denn der Herr hatte sie nun von grossen Gefahren der Seele und des Leibes befreit.“ Also lautet die Chronik längst verronnener Jahrhunderte ; also werden wieder die Tafeln der Geschichte mit goldenen Lettern prangen, wenn sie das grosse Werk unseres ritterlichen Kaisers, Franz Joseph I., die ewig glorreiche Verjüngung der Residenzstadt Wien, kommenden Geschlechtern überliefern. a 1 | r ?° y ' ' '°¥$. Und wahrlich Grosses dürfen wir schon von der nächsten Zukunft erwarten, wenn die volle Vereinisruner ' o O der inneren Stadt mit den weitgedehnten Vorstädten in würdiger, geregelter, künstlerisch durchgebildeter Weise, in harmonischer Entfaltung und mit dem richtigen Verständnis aller Bedürfnisse zu jener Höhe emporgehoben wird, welche der Centrale der Monarchie und des mitteleuropäischen Handels, gleichwie der überschwenglichen Zunahme der Bevölkerung 3 ) zu entsprechen geeignet ist. Von einem milden Himmel überdacht, von kleineren und höheren Gebirgen anmuthig begrenzt, am Ufer der beschilften Donau, dieser mächtigen Lebensader des Kaiserstaates, sowie am Ausgangspunkte von Eisenstrassen nach den bedeutendsten Richtungen des Verkehrs, als der directen Verbindung mit dem schwarzen, mit dem adriatischen und mittelländischen Meere einerseits, dann der Nord- und Ostsee andererseits, ist Wien durch seine Lage begünstigt, wie kaum eine zweite Stadt gleichen Ranges; und es erscheint daher als ein gerechtfertigter Aufruf zu den grossartigsten Anstrengungen und Opfern, wenn man nun mit Einem Male aus dem Zeitpunkte der Neugestaltung alles erobern will, worin die Vorfahren entweder zurückgeblieben, oder in Missgriffe verfallen sind. Von dieser Anschauung hingerissen, wäre es verzeihlich, dem Schwünge der Fantasie in allzu ferne Gebiete sich zu überlassen. Allein nicht ein leuchtendes, sondern ein fassbares Project zu liefern, soll das Ziel meiner Pläne sein. Bei tliunlichster Schonung der öffentlichen Mittel wird das unter den obwaltenden Verhältnissen Erreichbare angestrebt; allen Rücksichten für Gesundheit, für Aesthetik, für Erholung und für das Geschäftsleben jede 2 —°o<^56 - nur immer mögliche Beachtung zum Besten meiner theuren Vaterstadt zugewendet. Mit den grösseren Hauptstädten fast aller Länder diesseits des Oceans durch wiederholten Besuch bekannt, und da ich namentlich in Paris bei den Stadterweiterungsarbeiten anwesend war, wage ich die bestimmte Ueberzeugung auszusprechen, dass im Verhältnisse die Erneuerung Wiens mit einem weit geringeren Aufwande durchgeführt werden kann, indem uns die schönsten freien Bäume ohne jedwedes Hinderniss zur Benützung gegeben sind, und es gar wohl möglich machen, die prunkvolle Bivalin im Westen trotz der ungeheuersten Demolirungen 4 ), die dort vorgenommen wurden, noch in mehr als Einer Beziehung glücklich zu übertreffen. Dem fügt der Verfasser der nun folgenden Erläuterungen die bescheidene Bitte bei, es mögen diese mit Nachsicht beurtheilt werden, wenngleich die Leistung seinen Vorsätzen nicht Schritt zu halten vermag; denn nach diesen sollte gegenwärtige Schrift ein lebendiges Bild der Oertlichkeit und Bewegung werden, und dem beredten Führer gleichen, der mitten in die Thatsaclien versetzt und vergessen macht, dass das Erklärte erst zu schaffen ist, vielmehr die vielfältigen Berührungspunkte passend zu nützen weiss, welche ein solcher Anlass aus den Schätzen der Wissenschaften und Künste so nahe legt. -coÖf*a § * 3 ^ $ V <- /.Iw .5 =v,-:S' i •V*& r'<‘t':'"'-:' i iwi ,* *V ' r ^r v '* ^hv*' -^kW ■ji fQ^oy- ¥ Die Pläne, zur Veranschaulichung der Ideen, wie die Umgestaltung bewirkt, wie Harmonie und Hegel in den schiefen und krummen Gassen zu Ehren gebracht, Licht und Luft ein wirkliches Gemeingut der Bewohner werden, die Glacis und freien Räume verbaut, die innere Stadt mit neuen Ausgängen, die Vorstädte mit geregelten Verkehrslinien ausgestattet werden sollen, welche mit denen des Centrums in Verbindung stehen, und wie überhaupt ein grosses, vollständiges Ganzes zu schaffen ist, sind in dem gegenwärtigen Projeete folgende: 1 Uebersiclitsplan A, 1 Situationsplan B, 2 Alternativpläne C, 3 Detailpläne D, 5 Niveaupläne E, 6 malerische Ansichten F, im Ganzen 18 Blätter Zeichnungen. Im Uebersichtsplane A ist: 1 Wiener Zoll ==80 Wiener Klafter, im Situationsplan B und in den Alternativplänen C: 1 Wiener Zoll = 40 Wiener Klafter, dann in den zugehörigen Detailplänen D: 1 Wiener Zoll = 20 Wiener Klafter, A A S$&co~ - -coi'Xy?, § m Y -- .-coQ^ 31. Spitäler. 32. Bürger-Versorgungshaus, im Bau. 33. Oeffentliclie Plätze. 34. Volks- und Kindergärten. 35. Promenaden. 36. Oeffentliclie Anlagen mit Cafö und Restauration. 37. Badeanstalten. 38. Brunnen. 39. Monumente, Votivsäulen etc. 40. Barrieren und Finanzgebäude. Die mit'* bezeichneten Gebäude kommen in den Detailplänen oder in der Denkschrift auch noch in geänderter Stellung vor, je nachdem spätere Umstände darüber definitiv entscheiden. Das Project bietet für derlei beliebige Zusammenstellungen von öffentlichen Gebäuden am Wall oder auf den grossen Plätzen eine so elastische Mannifffaltig-keit von Combinationen, dass weder Ort noch Anzahl dadurch irgendwie Gegenstand ernstlicher Schwierigkeiten sein könnte. Nebst den programmmässig verlangten Plänen sind meinem Entwurf auch bildliche Skizzen von Ansichten in leichten Umrissen beigegeben, dazu bestimmt, um den Gedanken zu vergegenwärtigen, in dem sich die künstlerische Auffassung der Raumbenützung bewegte. Es liegen demselben bereits Detailideen der Grundeintheilung, Geschosshöhen und practisclien Ausführung zum Grunde, obwohl hievon erst in späterer Zeit Anwendung zu machen ist: sie sollen hier bloss flüchtig erwähnt sein. Was die Ansichten selbst betrifft, so erschienen sie mir als ein nicht unwesentliches Mittel der Versinnli- chung, nicht nur fast unentbehrlich für den Laien, um von den Grundplänen und den Motiven derselben einen richtigen Begriff zu erlangen, sondern vielseitig auch für A Q «t l öyQo>- m 0 den Fachmann, welcher daraus ersieht, dass der Ueber- sichts- und der Situationsplan nur praktisch Ausführbares, und in dieser Richtung reiflich Ueberdachtes enthalten. Die besprochenen Ansichten stellen dar: 1. die neue Kirche am Quai, von dort aus gesehen; mit einem Theil des Quai; 2. die Defensiv-Caserne, vom grossen Platz aus gesehen; 3. das Stadthaus, dann den Votivkirchen-Platz, beide vom Wall aus gesehen; 4. das Museum der bildenden Künste im kaiserlichen öffentlichen Lustgarten; 5. den Theaterplatz mit einem Theile des Walles; 6. die Auffahrt bei dem Erzherzog Albrecht-Palais mit dem neuen Platz vor selbem und dem Bürgerspital; dann die Auffahrt zum Prinz Coburg-Palais mit der nächsten Umgebung. 9 Q ~«=^S> 9 ■m- 0 u { Ö i Die ganze Gestaltung des Projectes für das neue Wien, namentlich für den Anschluss der jetzigen inneren Stadt und deren Vereinigung mit den Vorstädten, welche als solche dann auf hören, hängt von der Lage ab, die dem künftigen Boulevard angewiesen wird. Dieser ist, im Anschlüsse an den Quai längs dem Donaukanale rings um die innere Stadt, mit Fuss- und Reitwegen zu beiden Seiten, durch das Programm bedungen. Daran reiht sich zugleich die theilweise Verbauung des Glacis. Der Ubersichtsplan A zeigt, dass der Boulevard hier zum grösseren Theile über und entlang dem dermaligen Stadtgraben angelegt ist: vorzüglich wo letzterer eine bedeutende Tiefe hat, wie vom Neuthor zum Schotten- und Franzensthor, ebenso bei dem Kärnthner- und Carolinenthor. Von weniger Belang ist die Tiefe des Stadtgrabens zwischen dem Fischer- und Neuthor, da sie bei ersterem in das Strassenniveau ausläuft. Der Boulevard, wir legen demselben die deutsche Bezeichnung „Wall“ bei, bildet 6 Seiten eines ziemlich regelmässigen Polygons; er ist eine 40 Klafter breite Gürtelstrasse, der erste geschlossene Ring um die innere Stadt, und soll mit dem 22 Klafter breiten Quai am o A Q —a n Donaukanal, welcher die beiden Wall-Enden verbindet, die reichste, eleganteste Communication und Promenade unserer Hauptstadt werden. Begründet wird diese Anlage damit: 1) Dass hiernach der Bau bedeutend erleichtert ist, weil auf den Stadtgraben keine Baustellen fallen, oder ausnahmsweise nur da, wo es die Regulirungslinie mit sich bringt; während sonst, wenn viele Baustellen auf den Graben kämen, die Fundamente sehr tief in die Erde gezogen werden müssten, mithin das Bauen äusserst kostspielig wäre; 2) dass an der inneren Seite des Walles ein grosser Theil der Stadtmauer als Fundament für die Neubauten verwendet werden kann, welche auf dieselbe Linie zu stehen kommen, und durch deren Ablösung von Seite des Käufers, der Bauarea nach, ein pecuniärer Vortheil erzielt wird. Dabei sind jedoch besondere Vorsichten nöthig, damit eine gleichmässige Setzung erfolge. Man würde die Stadtmauern jedenfalls nur bis unter das Niveau der neu entstehenden Strassen abtragen, da die weitere Demolirung nicht nur mehr kosten würde, als das gewonnene Materiale werth ist, sondern sogar, durch die Beseitigung in der ganzen Tiefe, das Nachrutschen der zunächst gelegenen Häuserpartien der inneren Stadt zu befürchten wäre, besonders in Anbetracht der älteren Construction derselben. Zugleich wird erreicht: 3) dass bei Erhaltung der Mauern unter dem Erdniveau nicht die Nothwendigkeit eintritt, die abzutragenden Gebäude am Anschlüsse an die innere Stadt sogleich einzulösen. ‘üR-’-Go? ---—.. : ——-* — -----co^SÖ V/7 ^k - Es erwachsen daraus Ersparungen an Miethzinsen und Ablösungen in ökonomischer Beziehung, sowie überhaupt der Vortheil, erst die unbebauten freien Plätze hersteilen und bewohnbar machen zu können, bevor ein grösserer Theil der Stadtbewohner zu delogiren ist. Hiezu kommt: 4) dass die Casematten von den Inhabern der angrenzenden Gebäude abgelöst und zu den Kellern mit einbezogen werden können, wodurch abermals ein pecuniärer Gewinn erreicht wird; ferner: 5) dass der Wiener-Boulevard mit den frequentesten Theilen der Stadt, der Umgebung der k. k. Hofburg, dem Michaeler-Platze, Kohlmarkt und der Herrengasse, als dem Sammelpunkte der hohen Aristokratie und des alten Hofadels, in allernächster Verbindung steht, vielmehr mit diesen bevorzugten und beliebtesten Quartieren zu einem selbstständigen Ganzen verschmilzt; was mit Zuversicht hoffen lässt, dieser mit reichen Kaufläden, Cafös und stetigen Luxus - Ausstellungen geschmückte Boulevard, des Abends in einem Lichtmeer strahlend, werde hinter den berühmten Pariser-Boulevards in keiner Weise zurückstehen; dann 6) dass eben diese Lage des Walls unter allen die günstigste ist, um der innern Stadt selbst die zahlreichsten Eröffnungen von Ausgängen mit Luft und Licht, eine verbesserte und vermehrte Communication zu verschaffen, wohin sich der dort überall bewegte Verkehr, gerade der Nähe wegen, aufs bequemste ergiessen kann. Der besprochene 40 Klafter Breite messende Wall, rings um die innere Stadt, besteht: --coi^S LI S.^o> r V -c©$5<£ 0 a) aus einem Trottoir beiderseits mit 3% Klftr. Breite zusammen • • 7 Klftr. Breite | b) an die Trottoirs anschliessend aus ! den 2 Reitalleen, jede mit 2 Reihen | schöner grosser Bäume zu beiden Seiten, somit 4 Baumreihen ä 4 Klafter zusammen.8 „ „ c) aus der eigentlichen Fahrbahn in der Mitte pr..25 „ „ gibt im Ganzen obige • • • *40 Klftr. Breite j Diese Fahrbahn ist in der Mitte durch Gascandela- ! } ber, durch Brunnen, Monumente, Votivsäulen u. dgl. j geschieden, so dass rechts und links wenigstens 10 Klftr. ! Carossenweg erübrigen, wornach eine Bahn zum Auf-, die ! andere zum Abfahren zu bestimmen wäre. Es darf hiebei wohl behauptet werden, dass keine andere Stadt der Welt einen solchen Boulevard wird aufzuweisen haben. Der Pariser-Boulevard hat 20, und nur i an einigen Stellen 30 Klftr. Breite, die Avenues haben gewöhnlich bloss zwei Reihen Bäume: nachdem nun diess schon einen grossartigen Effect auf den Beschauer macht, so muss der Eindruck, den der hiesige Wall gewähren wird, in noch höherem Masse überraschend sein. Der Quai, welcher den Boulevard ergänzt, erhält | 22 Klftr. Breite, ein Trottoir links und rechts, jedes mit 3 Klafter, zusammen 6 Klafter, mit doppelter Baumreihe, deren jede dazu dient, das Trottoir von der 16 Klafter | breiten Fahrbahn zu trennen. j Wir bezeichnen den Wall als den Boulevard der inneren Stadt. | Einen weiteren Boulevard, wir nennen ihn den Boulevard der Vorstädte, bildet die zweite Gürtelstrasse, ent- I ä I m “— -: — ---- -- 000 ^ 2 , 14 -CO(^58 lang der dermaligen Esplanade, mit einer Breite von 12 bis 15 Klaftern. Dieser Gürtel, ebenfalls mit Alleen besetzt, ist schon durch das Glacis bedingt, und reicht vom Donaukanal mit angemessener Wendung um die ganze Ausdehnung der nächst gelegenen Vorstädte. Er ist von der ehren Seite durch die bereits bestehenden, sogenannten Glacishäuser, worunter viele grosse öffentliche Gebäude, von der andern Seite durch die neuen Zwischenbauten, die sich bis an den innern Stadtwall erstrecken, mit imposanter Abwechslung eingerahmt. Die Fortsetzung, beziehungsweise Verbindung dieses Gürtels soll jenseits des Donaukanals der Quai, entlang der Leopoldstadt, bilden, und demselben gleichfalls eine durchgängige Breite von 12 Klaftern bemessen werden. In gleicher Richtung der Peripherie — die innere Stadt als Mittelpunkt gedacht — soll ein dritter Gürtel mit Baumpflanzungen, durch die Mitte der Vorstädte gelegt, die ringartige Hauptverbindung unter denselben lierstellen, und ebenfalls 12 Klafter Breite erhalten. Die gedachte mittlere Gürtelstrasse theilt somit die ausgedehnten Vor Stadtbezirke dem Umfange nach in zwei Hälften, und geht auf der Wieden nächst dem Südbahnhofe, wo dieser Bezirk fast nur die halbe Ausdehnung der übrigen hat, in die daselbst ausmündende vierte Gürtelstrasse über, welche die Vorstädte entlang ihrer äusseren Peripherie einzuscliliessen bestimmt ist. Diese vierte Gürtelstrasse erscheint als der äusserste Boulevard behandelt, mit der Gesammtbreite zu 23 Klaftern, von denen 15 Klafter mit vierfacher Baumreihe für die äussere, und 8 Klafter für die innere Verbindungsstrasse entfallen: die Unterscheidung der innern und äus- sern Strasse ergibt sich dadurch, dass zwischen selbe die 6 V • r V ——c-°{/o> TT I j die so zu sagen von selbst (larliegende politische und j administrative Eintheilung. | Die Orientirung ist ohne Widerrede ein national- j ökonomisches Moment für eine Grossstadt, und der i Satz: time is money — darauf mit vollem Rechte anzu- i wenden. ; Ist es schon den in Wien Aufgewachsenen in hundert Fällen schwierig, in dem Labyrinthe der hie und da absurdesten Gassenbenennungen und der rösselsprungartig verworrenen Hausnummern sich glücklich zurecht \ zu finden, ohne dabei kostbare Stunden oder am Ende die Zeit der Bestellung selbst einzubüssen; um wie viel mehr ; steigert sich erst das Unheil beim Zuwachs so vieler i neuer Häuser und Häuserreihen, um wie unüberwindlicher gähnt dann noch der Drache der Verwirrung den ! armen Fremden an! j Es stellt sich also geradezu als ein unabweisbares | Erforderniss dar, mit der Regulirung der Stadt auch an j die Regulirung der Strassen - Nomenclatur 5 ) und der | Hausnummern zu gehen, wozu, wie ich glaube, das von i mir gewählte Communications-Sistem ganz vorzüglich die 1 Hand bietet. , Es ermöglicht und fördert endlich nebstbei die in 1 Paris äusserst beliebte und bequeme Einrichtung der Omnibusfahrten mit Correspondance 6 ). Alle Omnibuslinien stehen dort in genauer Wechselverbindung; so zwar, dass jeder Omnibus, indem er seine bestimmte Richtung verfolgt, zugleich die Fahrt von einem oder mehreren Omnibus kreuzt, die in einer anderen Richtung verkehren. An den Kreuzungspunkten der Omnibus sind j kleine Bureaux, in welchen man die Correspondancekarte auswechselt und versichert sein kann, fast den nächsten $ 0 * (gijQoo-- 18 Augenblick in der gewünschten Richtung weiter zu fahren. Dieses billige Communicationsmittel — es wird nämlich nur die einfache Bezahlung für eine solche Corre- spondancekarte geleistet, daher auch das öftere Geldsuchen u. s. w. gänzlich vermieden — kommt in Paris, sowie in London selbst dem dürftigsten Blousenmann wohl zu statten, der out-side oder auf der Impöriale nach seinem Werkplatz fährt; — es ist für den in rastlosem Ortswechsel begriffenen Geschäftsmann von unschätzbarem Werthe, und verdient im Allgemeinen wegen der schönen Regelmässigkeit, der Bequemlichkeit, vorzüglich in Anbetracht der Gesundheitspflege, der Schonung der Lungen und Füsse, für die gesammte Bevölkerung die erhöhte Aufmerksamkeit der Behörden. Die fernere Betrachtung des Uebersichtsplanes zeigt, dass noch viele Stellen der bestehenden Vorstädte unbebaut sind, deren Anzahl sich durch die Regulirung der Linienwälle vermehrt und für weitaus zuwachsende Einwohnermengen genügenden Raum gibt. Ja selbst in den ansehnlichsten und ganz nahe liegenden Theilen der Vorstädte, als der Währingerstrasse, der Mariahilfer- Strasse, am Spittelberg, auf der Wieden u. s. w. gibt es theils Baustellen, theils ebenerdige oder einstöckige, meist mit Schindeln gedeckte, schmutzige Baraken, ganz reif, stattlichen Bauwerken zu weichen, und es können bei alldem bestehende grosse Höfe und Gärten, trotz des Umbaues, erhalten bleiben, oder sonst zweckmässigere Eintheilungen getroffen und hierdurch viele alte Pläuser zugänglicher, dann durch Aufbau von Stockwerken räumlicher gemacht werden. Es wäre zu weitläufig, im Wege der Beschreibung ausführen zu wollen, was nur aus dem Grundrisse zu < <Ä/Öo> ? den Augen spricht; wesshalb ich hier bloss bemerke, dass im Plane die Höfe der Wohnhäuser nicht ausgespart erscheinen, um die Strassenrichtungen desto deutlicher gegen die ganzen Häusercomplexe heraustreten zu lassen. Denn jedenfalls würde das Anlegen der kleinen Fleckchen zur Markirung der Höfe die Auffassung eher verwirren oder mindestens erschweren. i §0 V D ie neuen Stadttheile werden hier in sechs Partien beschrieben, nämlich: 1. vom Donaukanal mit Einschluss der Votivkirche, 2. vom Exerzierplatz bis zur k. k. Burg’, 3. die Umgebung 1 der k. k. Hofburg, 4. vom k. k. Hofgarten bis zum Wasserglacis, 5. entlang der Franz-Joseph-Caserne, 6. der Donauquai, und Einblick in die innere Stadt. Die angezeigten Begrenzungen kommen zugleich grösseren Theils mit den Polygonseiten des ersten Walles überein, deren jede, wie bereits bezüglich des Quai verwirklicht worden, sofort durch patriotisch-historische Namen aus unserem erhabenen Regentenhause zu schmücken ist. Eine ähnliche Verherrlichung soll den entstehenden neuen Plätzen Vorbehalten werden. In Betreff der Strassen und ihrer Kreuzungen hätte hingegen, wie schon angedeutet, das practische Bedürfnis bei der Wahl der Namen zum Anhalt zu dienen. Vorerst nehmen wir von der Epoche, wann die Neuerungen durchgeführt werden sollen, keine Notiz, und ---~-00<5r{£ 21 stellen die Anlagen unmittelbar in ihrer Vollendung dar: der Uebergang bleibt für eine besondere Besprechung. Die Linie des Quai und die im Programm genau fixirte Achse der neuen Defensiv-Caserne am Donaukanal geben die Hauptrichtungen für die Häusergruppen entlang der obigen ersten Polygonseite des Walls. Wir betreten hier denselben von 10 Ausgangspuncten der innern Stadt; diese sind, sämmtlich vertical zur Richtung des Walles: 1. der Quai selbst; 2. die Verlängerung der Salzgries-Strasse über den neuen Kirchenplatz, welche auf den Wall zur Donau-Fa^ade der Defensiv-Caserne führt; 3. eine zweite in gleicher Richtung über den neuen Kirchenplatz, welche zur Mitte der Ca- serne führt; 4. eine dritte vom neu sich bildenden Platz am Salzgries, welche zur Hauptfa 9 ade der Caserne führt; 5. die Hauptverbindungs-Strasse zwischen der innern Stadt mit der gegenüberliegenden Rossauer - Schmid- gasse u. s. w., aus dem Vereinigungspunkte des Salzgries mit dem tiefen Graben an obigem neuen Platz, direct unter der Stadthausterrasse über den grossen Casernen- Platz führend; 6. der doppelte Austritt von beiden Abfahrten über die Terrasse des Stadthauses auf den Wall, als Verbindung des letzteren durch die Renngasse und hohe Brücke mit dem Centrum der Stadt; 7. die gerade herabgehende Verbindungsstrasse links von der Stadthausterrasse aus dem neuen Anschlüsse; 8. von der Mitte der Renngasse herab auf den Wall durch die neue Stadt, die Rossau, am Thuri, etc. direct bis zur Nuss- dorfer-Barriere sich fortsetzend; 9. von der neuen Pa- rallelstrasse zum Wall, das freistehende Wachhaus begrenzend; 10. endlich die Schottengasse, als eine Verbindungsstrasse ersten Ranges, welche diese Partie be- o>’ 3ü6o> (Ö V grenzt und in ihrer Fortsetzung bis an die Barrieren reicht. Auf der andern Seite des Walles, die den Vorstädten zugekehrt ist, zählen wir 8 Strassenmiindungen: nämlich die Fortsetzung des Quai und die beiden Hauptverbindungen, als Fortsetzungen der obigen, womit die Schmid- und die Währingerstrasse von dem Walle aus erreicht werden, ferner die Verlängerung der Strasse, welche von der Mitte der Renngasse aus über den Wall auf der Gegenseite sich fortsetzt; hiezu kommen noch vier Strassen zur Abtheilung der Häusergruppen im neuen Stadttheile. Ausser diesen, auf den Wall senkrechten Strassen entstehen noch 9 mit diesem parallel laufende Strassen- richtungen zwischen den einzelnen Häusercomplexen. Es ergeben sich entlang der ganzen Gruppe auf der Stadtseite 5 Plätze. Der Platz an der Kreuzung des tiefen Grabens mit dem Salzgries hat 660 Quadratklafter; er eröffnet eine Verbindung nach vier Hauptrichtungen, und ist mit einem Brunnen geziert. Der neue Kirchenplatz am Quai misst 6050 Quadratklafter, in dessen Mitte die neue Kirche steht, welche für 2500 Besucher Raum fasst; in der Achse derselben führt eine Brücke über den Donaukanal, wodurch der Besuch nicht nur für die nächste Umgebung des neuen Stadttheils, sondern auch für den gegenüberliegenden Theil der Leopoldstadt erleichtert ist, nachdem letzterer ohnediess keine Kirche in der Nähe hat. Diese Kirche, auf einer Stufenanlage erhoben, wird sich sowohl vom diess- als jenseitigen Quai imposant ausnehmen; eine Umgrünung mit Pflanzungen nebst 0 V 1 einer Votivsäule auf dem Platze werden den Effect des Anblicks noch steigern. Der grosse Platz mit der Caserne, im Ganzen 28000 Quadratklafter messend, eignet sich insbesondere zur Errichtung eines bedeutenden Monumentes in dessen Mitte , um den Ruhm der österreichischen Armee zu verewigen. Von dem angesetzten Flächenfaum kommen 7750 Quadratklafter auf den Hauptplatz; je 2500 Klafter auf die beiden .Seitenplätze in der Verlängerung des Walles, jeder 25 Klafter breit; dann 5250 Klafter an den rückwärtigen Raum, der die Caserne umgiebt, und es ist derselbe im Mittel 37 ‘/ 2 Klafter breit. Sowohl Haupt- als Nebenplätze sind sämmtlicli mit Räumen bepflanzt. Die Caserne selbst bedeckt, die Risalite ungerechnet, einen Raum von 10.000 Quadratklaftern, und enthält nebst den daselbst unterzubringenden Truppen, welche drei Seiten der Caserne occupiren können, im rückwärtigen, gegen den Donaukanal gelegenen Tract die Bäckerei. Aus der Mitte der Donau-Fa 9 ade erhebt sich ein Thurm, welcher nicht nur die Uebersicht der ganzen Umgegend gewährt, sondern auch den erforderlichen Punkt bezeichnet, von dem aus die üblichen Eisgangsignale gegeben werden können. Unter diesem Tliurme sind die Zufuhren an Verpflegs- und Armatursstücken abzuladen und kommen von da sogleich mittelst Aufzugs in die Magazine, sowie in alle Stockwerke. Im Innern der Caserne steht, ringsum frei, durch die Caserne selbst umschlossen, das Stabsstockhaus, dessen Flächeninhalt das Doppelte des bisherigen Gebäudes beträgt. £•---- i4 30vo>- Ö v Dieses Arrangement ergibt 1 grossen und 4 kleine Exerzirliöfe, durch Baumreilien getrennt. Der grosse Exerzirhof in der Caserne hat 3080 Quadratklafter, indem er 88 Klafter lang und 35 Klafter breit ist; von den kleineren könnten ein oder zwei nach Bediirfniss als Reitschulen benützt werden* Der Stadthaus-Platz entsteht aus der Verbindung des tiefer liegenden Walles mit dem Terrain des höher liegenden Theiles der inneren Stadt. In der Erhöhung liegt das Stadthaus, zu welchem die beiderseitigen Rampen hinanführen; Gartenanlagen verschönern dieselben und wechseln mit Cascaden, reichen Geländern, die Vasen und Figuren tragen; den Vorraum des Hauses schmückt ein kunstvoller Brunnen. Das Stadthaus ist in deutschem Stile gebaut, ringsum rei, steht in seiner Achse um 16 1 /, Fuss über dem Niveau des Walles, und zeichnet sich in der Hauptfronte durch einen Thurm aus, von welchem man schon wegen der hohen Lage des Stadthauses die überraschendste Aussicht geniesst; dieser bietet die Unterfahrt, von der aus man über eine offene Prachttreppe in die Säle gelangt. Die Risalite ungerechnet enthält der Flächenraum dieses Baues 2000 Klftr. Mit dem entsprechenden Geschmack und Reichthum ausgeführt, wird die gesammte Anlage eine überaus malerische, hervortretende Wirkung haben. Vor der Defensiv-Caserne, am Vorgarten der Stadthaus-Terrasse liegend, erstreckt sich in der Breite von 100 Klaftern das grosse Fortifications-und Defilö-Terrain, welches bei der Votivkirche mit dem dortigen Platze, und von da aus mit dem eigentlichen Exerzirplatze in Verbindung stellt. Von obigen 100 Klaftern Breite wären 30 Klafter rechts und links theilweise zu begrünen, die Mitte 8^0«> -COOn 1 # ö Y Y jedoch in der Breite von 40 Klaftern als eigentliche Strasse zu benützen und durch figuralische Gruppen, Bassins, Springbrunnen die Richtung der Wagen für die Auf- und Abfahrt zu markiren. In der Strassenverbindung ist der Abschluss dieser majestätischen Anlagen durch den ersten, zugleich grössten Triumphbogen bewerkstelligt; ein Baudenkmal zu Ehren der Waffenthaten Oesterreichs in früheren Zeiten. Die Durchgänge sind daselbst mittelst eines 5 Klafter breiten Hauptbogens und zweier Seitenbögen jeder von 2 l / 2 Klafter Breite, eröffnet. Mit Säulen, Basreliefs, Statuen, simbolisch geziert, bildet dieser Triumphbogen die entsprechende Verbindung der aneinander grenzenden Territorien mit dem nahen Exerzirplatze, und lässt beiderseits noch 5 Klafter Fahrbahn offen. In einer weiteren Partie, nämlich bei der k. k. Burg, zählen wir noch zwei, also in Allem drei Triumphbogen; wir kommen auf selbe später zurück. Gegen die Währingerstrasse und den Wall gestellt, am Ausgang der Schottengasse, ringsum frei liegend, mit einem Eisengitter abzuscliliessen, zeigt sich das Waclihaus, nach dem Programme mit 160 Quadrat - Klaftern. Ausser der Halle für das Militär, von welcher der ganze neue Stadttheil zu überblicken ist, erübrigt noch Raum zur Aufstellung der dort stationirten Mannschaft mit den der Hauptwache beigegebenen Kanonen. Nun kommen wir zu dem simmetrisclien grossen Platze von 14000 Quadratklaftern mit der Votivkirche und dem Universitätsgebäude. Die Achse der Kirche halbirt den Winkeider Währinger-und der Alser-Haupt- Strasse, wodurch ihre Stellung vollkommen motivirt ist. Das bezügliche Terrain erstreckt sich bis an das sogenannte rotlie Haus. r^0OO- o>- m- Die Anlage beginnt vom Walle, in dessen Nälie sie ein Springbrunnen auszeiclmet; an dem Kirchenvorplatz kommt der Obelisk zu stehen, den Seine kaiserliche Hoheit, der erhabene Förderer der Künste, Herr Erzherzog Ferdinand Max als Geschenk des Vicekönigs von Egipten mitgebracht, und für die Aufstellung vor der Votivkirche allergnädigst bestimmt hat. Die Umgebung der Kirche ist mit Gartenanlagen geschmückt; den Hintergrund soll das Universitätsgebäude bilden, sofern nicht diessfalls eine Aenderung getroffen wird. Davon ist Seite 63 bei Beschreibung der Alternativpläne die Rede. Wir müssen noch jene hervorragenden Punkte dieser Partie berühren, an welchen uns der Weg noch nicht vorübergeführt. Treten wir gegenüber der Votiv- kirclie an die vor der Währinger-Hauptstrasse gelegenen Häuserreihen, so sehen wir eine simmetrische Gruppe von 3 Complexen, deren mittleren die in einer Gartenanlage stehende geologische Reichsanstalt einnimmt. Sie präsentirt sich ringsum frei, ist nahe dem Sitze der Gelehrsamkeit, und bildet rücksichtlich der ihr zugewiesenen Fläche von 500 Klaftern eine angenehme Unterbrechung in dieser Gruppe. Gehen wir weiter, von der Währingerstrasse rechts, die mit Alleen bepflanzte zweite Gürtelstrasse entlang, zurück bis an den Donauquai am Ende dieses Weges, um uns die letzte Gruppe öffentlicher Gebäude in dieser Partie zu betrachten: wir meinen die, zwischen der Gürtelstrasse und dem Quai die Ecke bildenden, combinirten Markthallen von grösserer Ausdehnung. Die einfache, für alle Fleischgattungen bestimmt, misst 750 Quadratklafer, die doppelte mit zwei Höfen 1350 Quadratklafter, so dass sie im Ganzen den Raum von 2100 Quadratklaftern einnehmen. Sie haben nicht & 27 '&./Q cx> S* Y nur diese Parthie, sondern auch die angrenzenden Vorstädte zu versehen, sowie als Hauptverkaufsplatz für die auf der Donau ankommenden Verprovisionirungs-Gegen- stände, namentlich Obst, Gemüse, Feldfrüchte zu dienen. Sie sind in Verkaufsgruppen nach homogenen Gegenständen getheilt, worunter auch die Blumenbude nicht fehlen darf. Die Hallen sind gedeckt, nur die Höfe offen; ; sowohl diese als jene enthalten in sich Brunnen und zulaufendes Wasser, dazu gute Aufbewahrungs- und Eiskeller. J Auf diese Art angelegt, werden die Hallen sammt den darin befindlichen Waaren immer frisch und rein | erhalten sein, dem Bedürfnis der Verkäufer, gleichwie der Bequemlichkeit des Publicums entsprechen, und nebst der Nothwendigkeit zugleich eine Zierde werden, i In der Gegend des Quai, wo die Hallen stehen, hört selber bereits auf, so frequent und elegant wie näher stadtwärts zu sein, daher es dort keinem Anstand unter- j liegen wird, das Aus- und beziehungsweise Einladen der anlandenden Schiffe mittelst Krahne betreiben zu lassen, wie diess in Handelsstädten üblich ist. Nebstdem dass diese Manipulation schneller, leichter und minder kostspielig ist, erspart sie auch, in den Quai eigene Ausladeplätze einschneiden zu müssen. Der ganze verbaute Kaum dieser Partie stellt sich mit 62425 Quadratklaftern, der freie mit 70275 Quadratklaftern dar. In erterer Ziffer sind, der Casernenhof ausgenommen, die sonstigen Höfe der übrigen Gebäude inbegriffen: daher überall Luft und Licht den freiesten Zutritt haben. Dabei enthält dieselbe 12 öffentliche und 312 Bauplätze für Privatgebäude; die grosse Defensiv-Caserne, das Stadthaus, und voran die Votivkirche mit ihrer Umgebung bilden die hervorragendsten Th eile. -co#,jS 23 ~-coQk% 6 v Die mit Kunstwerken gezierten Plätze, der Wall, die Gärten und Baumpflanzungen schliessen sich zu einem harmonischen Ganzen ab, und stehen in directester Verbindung mit einem der reichsten Theile der inneren Stadt, dem sogenannten Schottenviertel, in welchem die ersten adeligen Familien ihre Palais besitzen, so nahe der k. k. Hofburg, als immer es angehen mag. In unserer Eintheilung die zweite Parthie erstreckt sich von der Votivkirche bis zur k. k. Burg. Der Hauptpunkt derselben ist der grosse, eigentliche Exerzirplatz. Sein Flächeninhalt beträgt 64000 Klafter; gegenwärtig hat er nur 56700 Klafter, wenn man die beiden Spitzen abrechnet, die nicht benützbar sind. Unser neuer Exerzirplatz fasst also an benützbarem Raum um circa 8300 Quadratklafter mehr, und stellt sich als ein fast regelmässiges Parallelogramm dar. Die Begrenzung dieses neuen Exerzirplatzes in der radialen Strassenrichtung geben einerseits die Strasse, welche sich vom Wall an die Alserstrasse anschliesst^ andererseits jene, die sich ebenfalls vom Wall gegen die Rofranogasse eröffnet. In der Richtung der Peripherie wird der Exerzirplatz auf der Vorstadtseite von der Gürtelstrasse begrenzt, die aus der jetzigen Glacisstrasse entsteht, endlich auf der Stadtseite von einer neuen 10 Klafter breiten Strasse umgeben; beide sind mit Alleen besetzt. Diese neue Strasse trennt den Exerzirplatz von einer prachtvollen Häuserreihe, deren Fenster die unterhaltende Aussicht auf den Exerzirplatz gewähren, und die in kleinere Gruppen sich abtheilt, um mit diesem die Communi- cation durch zahlreiche Oeffnungen, das ist kurze Strassen, zu begünstigen. .-cctfji'y §3 s* V —co<^56 Diese ausgezeichnet situirten, regulären Bauplätze sind determinirt für Palläste geschaffen. Vier derselben stehen auf allen, acht auf drei Seiten frei, und bilden eine doppelte Fronte, nämlich eine, wie gesagt, auf den Exer- zirplatz, die andere auf den der Burgseite entlang führenden Wall. Sie sollen eine Zierde für beide Avenues sein, und es kann für den glanzvollen Hofadel, sowie für die höchsten Gesandtschaften kaum eine Anlage förderlicher gedacht werden. Die Mitte der besagten Pallastgruppen verschönert ein Platz, welcher bestimmt ist, die Entr4e zum Exerzir- platz grossartig zu gestalten. Das Monument der unsterblichen Kaiserin Maria Theresia, als Stifterin des ruhmvollen, Allerhöchstihren Namen tragenden Ordens, verlebendigt auf diesem Entröe-Platze das Gedächtniss an die jüngste Jubelfeier der Stiftung und überträgt es von Säculum zu Säculum. Seine k. k. apostolische Majestät, der Allerhöchste Hof, und die hohe Generalität mit der Suite nehmen bei Defiles oder Manövern unmittelbar am Monument, gegen den Exerzirplatz zu, Stellung, um die Evolutionen zu überschauen; desgleichen sind bei grossen Festen, Kirchenparaden u. s. w. die Zelte daselbst aufgeschlagen. Die Truppen haben 10 Hauptpunkte zum Ein- und Ausmarsch. Davon sind 2 an den Ecken, 2 an jeder der beiden Stirnseiten des Exerzirplatzes, endlich 4 an den oben genannten Radial-Hauptstrassen. Hiebei sind die 4 kurzen Strassen zwischen den Pallastgruppen gar nicht eingerechnet. Während der Exerzirzeit und bei Paraden können die berührten Zugänge abgesperrt sein; sonst bieten die Verbindungen aus den zwei Radial-Hauptstrassen für das Publicum die directeste Connnunication mit der innern iRlQo'y -—coO^Sö 6 y i i i i l ! i Stadt, und es wären die Wege daselbst zu macadamisiren, mit beweglicher Beleuchtung zu versehen und überhaupt so anzulegen, dass den Truppenbewegungen hierdurch bei den gewöhnlichen Uebungen durchaus kein Eintrag geschieht. Die auf dem vergrösserten und regulirten Exerzir- platze eingezeichnete Aufstellung in vier Treffen zeigt, wie die Truppen auf selbem eine freiere Bewegung haben werden, als selbst auf dem dermaligen, und wie sie bei Manövern leicht sich entwickeln, oder gegen den Wall zurückziehen können, wo sie abermals reichlichen Platz zur vollständigen Aufstellung gewinnen. Die militärischen Schaustellungen, im Hinblick auf das begeisternde Antlitz der grossen Maria Theresia, müssen in der eben beschriebenen Anordnung von ausserordentlicher Wirkung sein. Als ein passender Punkt für das elegante Publicum, an den glänzenden Exercitien sich zu ergötzen, erscheint uns die beantragte Gartenanlage, mit villenartigem Einbau zu Restauration und Cafö, bei der Rofrano-Verbindungsstrasse, und wir glauben mit diesem eingeschnittenen Plätzchen auf den Dank manches entzückten Auges im Stillen rechnen zu dürfen. Noch muss erwähnt werden, dass der Exerzirplatz, wie es der Plan veranschaulicht, im vollkommenen Zusammenhänge mit der k. k. Burg ist. Die Pallastgruppe, welche zwischen dieser und jenem Front macht, unterbricht den Zusammenhang in keiner Weise, da der Einzug von der Seite sowohl, als auch durch die geräumigen Oeff- nungen überall frei gehalten ist. Vielmehr glauben wir durch die erwähnten Palläste eine Verschönerung der Anlage im Ganzen zu gewinnen; die Wallstrasse, nämlich das Burg-Boulevard, ergibt sich hiermit als geschlossene, ununterbrochene Zeile, und vorzüglich dient sie zum Besten £*>oo—- ■-co^^a •-CO^JÖ Ä^OO- ? V der Gesundheit ebensowohl für die Anwesenden bei den zeitweiligen Truppenbewegungen selbst, als auch fortan für das Publicum, welches die Wallstrasse zu passiren hat, die ohne ein vis-ä-vis von Häusern zu sehr allem Wind, Wetter, Staub und Sonnenbrand ausgesetzt sein würde. Nicht minderen Vortheil haben hievon jene Häuser, die stadtwärts entlang dem Wall zu erbauen kommen, indem sie durch die gegenseitige Verbauung ebenfalls grösseren Schutz g-eniessen. Der Ausgänge aus der inneren Stadt auf den Wall gibt es daselbst 5; und zwar 1 nahe der Schottengasse von dem Platze beim sogenannten Klepperstall; 2. von der dort entstehenden Verbindungsstrasse gegen die Teinfaltstrasse; 3. von der Freiung unmittelbar durch die Teinfaltstrasse; 4. von der Herrengasse durch die Schen- kenstrasse; 5. endlich durch den k. k. Volksgarten. Der zweite und dritte der obbenannten Ausgänge communicirt mit der Verbindungsstrasse über den Exer- zirplatz zur Florianigasse und zur Kaiserstrasse, welche diese ganze Vorstadtpartie bis zum äusseren Linienwall durchschneiden. Auf der dem Exerzierplatz zugekehrten Seite des Walles öffnen sich zwischen der Alser-Hauptstrasse und der Hauptverbindung zur Rofranogasse 6 Strassen und 1 Platz, Situationsplan B, von denen bereits oben gesagt wurde, dass sie zu einer schönen architeetonischen Doppelfronte Gelegenheit geben. Vom Wall theilt sich die Verbindung zurRofranogasse noch in jene zum sogenannten Platzl, welche beiden Strassenrichtungen den ebenfalls schon besprochenen Restaurationsgarten begrenzen. Uns zur Stadtseite zurückwendend kommen wir an eine Rampe, die vom Walle aus zum Fürst Liecliten- -- 00 $^ stein’schen Palais auf der Bastei fuhrt., indem letztere von da an, den Eintritt in den vergrösserten Paradiesgarten vermittelnd, bis zur Bellaria im gegenwärtigen Bestände erhalten bleibt. Die äussere Basteimauer am Volksgarten ist schon wegen dessen Vergrösserung abzutragen, und durch ein geschmackvolles eisernes Gitter zu ersetzen, welches gegen die Josephstadt-Seite ein zierliches Portal erhält, um dem Publicum aus den westlichen Vorstädten einen kürzeren, überaus angenehmen Weg in die Mitte des Volksgartens und durch diesen in die innere Stadt zu eröffnen. Dieses eiserne Gitter scliliesst sich gerade an das Burgthor an, und setzt sich auf der anderen Seite längs des äusseren Burg-Paradeplatzes und des k. k. Hofgartens fort, wodurch der Paradeplatz selbst ausnehmend an Freundlichkeit der Lage gewinnt, wie auch der Ausblick aus den Gemächern der k. k. Burg ein bei weitem freierer wird, insbesondere der Effect vom Wall aus sich un- gemein hebt. Wir haben nun den Wall noch einmal zurückzugehen, um die Anlagen und Häuser an demselben näher zu besprechen. Diese Linie ist, nachdem vom Burgthor aufwärts bis zur erwähnten Rampe der Volksgarten und das damit vereinte Paradiesgärtchen die Face machen, nur im weiter oberhalb gelegenen Tlieile, also nur ungefähr zur Hälfte mit Gebäuden besetzt. Dessenungeachtet wird die Unterbrechung vielmehr einen angenehmen Eindruck gewähren, und wird zugleich die Bequemlichkeit des Publicums fördern, da man in diese Gärten auch vom Wall aus eintreten kann. Namentlich ist der Paradiesgarten auf der Wallseite bis an das Niveau der Bastei terrassirt, und zwischen den anmuthig bepflanzten Rampenwegen mit Sitzplätzen bis hinauf verseilen. Durch diese amphitheatralisehe Anlage dürfte für die dortige elegante Promenade am Wall sowie für jene auf der verbleibenden Bastei die Lebhaftigkeit und das Interesse gegenseitig sehr erhöht werden. Die hiernach folgenden 4 Häusercomplexe werden gleichfalls nur ganz elegante Wohngebäude enthalten. Zunächst bezeichnen wir den Bauplatz, welcher dem Herrn Grafen von Brauner als Ersatz für seine, unter dem Namen Lubomirski-Palais bekannte Besitzung zuzuweisen sein wird, deren Umbau ohnehin bereits beschlossen ist, Der nächste Häusereomplex nächst dem jetzigen Schottenthor umfasst die Stelle der dermalen rechts auf der Schottenbastei stehenden Häuser. Von diesen sind mehrere noch ganz neu; die übergangsweise Erhaltung' derselben wird mit dem Alternativplane C besprochen. Auf der ganzen Strecke ergeben sicli 26 Privat- häuser ersten Banges mit 10389 Quadrat - Klaftern bebauten Raumes, wogegen die unbebaute Fläche sammt dem Volksgarten 105436 Quadrat-Klafter misst. Wird der ungeheure Staub, an dem der jetzige ganz ausgetretene Exerzirplatz so grossen Ueberfluss hat, vermöge des scharfen Einhaltens der vorgezeichneten Com- nnmication, sowie durch Pflege und Bewässerung des Rasens in der trockenen Zeit mittelst Wechsel der Wasserleitung beseitigt, so wird auch die Fläche dieses Platzes eher eine Annehmlichkeit für die angrenzenden Stadt- tlieile sein, während sie dermalen zu den Plagen derselben gezählt ist. Insbesondere wird man vom Exerzir- platze, wie oben angedeutet, eine interessante Rundschau haben. Es sind die Fronten der Cavalier- und Gesandtschaftspalais, ihnen gegenüber ebenfalls die schönen Gebäude der ehemaligen ungarischen Garde, das Palais Auersperg und weiterhin durchgängig bessere Wohnhäuser aus neuer Zeit, hübsche Alleen u. s. w., die zusammen sich sehr vorteilhaft präsentiren. Auf der einen Flankenseite wird die nach dieser Richtung ganz frei stehende Votivkirche mit ihrer Umgebung ein grossartiges Bild geben; auf der anderen Flankenseite ist es die Ansicht von der Umgebung der k. k. Burg, dann die rückwärtige Hauptfront des Hofbibliothek-Gebäudes, womit das würdige Panorama dieser Partie zur ringsum befriedigenden Wirkung sich schliesst. Die dritte Partie umfasst die Umgebung der k. k. Hofburg, Wir besprechen zuerst den neuen öffentlichen Promenade- und Lustgarten, der unmittelbar vor dem Burgthor zunächst dem Walle neu entstehen soll, und die ganze Breite bis gegen die k. k. Stallungen einnimmt; der Wall einerseits, die zweite Gürtelstrasse vor den erwähnten k. k. Stallungen andererseits, dann die Fortsetzung der Mariahilfer-Strasse, endlich jene der Strasse vom Spittelberg schliessen diese Anlage ein; u. z. soll von den letztbenannten beiden Strassen die erste für die Frequenz nach Scliönbrimri, die zweite als Parallele für die Frequenz zum Kaiseriii-Elisabeth-Bahnhofe dienen. Den Promenadegarten selbst durchziehen in der Mitte zwei breite Fahralleen, nämlich zu den k. k. Stallungen und zu dem neuen Gebäude für die k. k. Kunstsammlungen, die hierdurch mit der k. k. Hofbibliothek verbunden sind. Ausserdem sind, wie die rotlien Linien im Situationsplane B andeuten, durch den Garten Fuss- wege gezogen, welche das gehende Publicum der Unannehmlichkeit entheben, die nämliche Strasse mit den zahl- öC-Qo> ■ -■ -co die Vertlieilung nach drei Hauptrichtungen ausgebreitete, bildlich grossartigere sein als je zuvor. Der äussere Burgplatz gestaltet sich dadurch zur offenen, imposanten Verbindung zwischen dem Kaiser- und dem Volksgarten, die ja nicht zu verbauen wären; indem diese beiden mit üppigen Baumgruppen versehenen Anlagen zum englischen Park werden, umfangen sie in unmittelbarster Vereinigung mit dem jetzigen äusseren Burgplatze, auf dem die Monumente der unvergesslichen kaiserlichen Feldherren, des Erzherzogs Carl und des Prinzen Eugen, prangen, umgeben von Bosquets, Blumenrabatten, Bassins und Statuen, mit ihrem von den frischen Gewächsen durch dufteten luftigen Raume die seiner Zeit würdig umgebaute Hofburg, welcher somit die freieste Entfaltung zum prachtvollsten Residenzschlosse weniger beschränkt sein würde. Wir müssen der Deutlichkeit wegen noch wiederholen, dass die dermaligen beiden Rampen zur Bellaria und zum Erzherzog Albrecht-Palais in ihrem Bestände zu verbleiben haben, und von den Durchfahrten, die gegenseitig angebracht werden, in keiner Weise beirrt sind. Fassen wir nun in einem summarischen Ueberblicke die Momente zusammen, welche die eben besprochene Partie als derjenige Stadttheil bietet, der ausersehen ist, die unmittelbare Umgebung der k. k. Hofburg, der Residenz unseres angebeteten Kaiserhauses, zu bilden. Hier muss, Verehrung und Liebe bedingen es, Kunst und Wissenschaft den Thron verherrlichen, wie sie nach dem Ausspruch der Geschichte zu allen Zeiten getlian; hier muss der Schwerpunkt des Bestrebens liegen, den Glanz des neuen Wien vor dessen Schöpfer huldigend auszubreiten. Die ritterliche Kraft und Treue Seines Heeres, die Blütlie des Genius im Denken und im Schaf-. A SAÖ<=o- A -—- ( &‘£'oo- -oo0^58 fen, der Lichtschein aller Segnungen des Friedens, ausgegossen über Ackerbau, Industrie und Handel, liier müssen sie ihren arcliitectonisclien Ausdruck finden. Nach allen Seiten erblicken wir die k. k. Hofbursr von öffentlichen Gebäuden umgeben, die der Intelligenz und dem Wehrstande gewidmet sind. Vor dem neuen Burgthor links die k. k. Gemälde- und Sculptur-Samm- lungen, rechts die k. k. Hofbibliothek; diese beiden Gebäude, analog im Styl und in der Hauptform der Anlage, bilden mit den sie umgebenden Monumenten die sinnvolle Illustration der grossen österreichischen Regenten, als Schützer und Förderer der Künste und Wissenschaften. An die Fronten dieser Gebäude schliesst sich, wie Seite 36 erwähnt, eine Arcadc, an deren Rückwänden historische, auf das Wirken dieser erhabenen Fürsten ~ Bezug nehmende Frescobilder dargestellt erscheinen. Die Umfassung der Gärten des Kunstmuseums und der Bibliothek ist mit Standbildern, dort eines Künstlers, hier eines Gelehrten, geziert. Die Attikpfeiler tragen Büsten der hervorragendsten Künstler und Gelehrten aller Nationen. Die Gemälde-, Sculptur- und Antiken-Sammlung occupirt einen Flächenraum von 2100 Klaftern; eine fast so grosse Bauarea ist gegenüber der k. k. Hofbibliothek zugewiesen. Zwei andere öffentliche Bauten, in der Nähe der Burg gelegen, kommen hier zu besprechen; sie stellen nächst dem sogenannten Jesuiterhofe und sind das k. k. Generalconnnando, dann das k. k. Arcierengarde-Palais. Das k. k. Generalconnnando, von simmetrischer Form, enthält an Flächenraum 2560 Klafter. Dieses Gebäude, welches in Natur ganz regulär sich darstellt, lässt liier eine günstige Einthcilung zu, und zerfiillt in 3 Ab-, A V I -cc theilungen, jede mit einem Hof. Die erste, kleinere, gegen die k. k. Hofburg gelegene Abtlieilung ist für die Wohnung des comman dir enden Generals, und zu hoclidessen Bureaux; die zweite, mittlere und grösste, für die eigentlichen drei Sectionen des Generalcommando’s; die dritte, äussere, für die beigeordneten Bureaux, als Landes-Mi- litärgericlit, Genie-Direction und Inspection, Stadt-Com- mando. Alle 3 Abtheilungen sind vereinigt, doch jede für sich arrondirt, und haben gesonderte Zufahrten und Zugänge vom Platze und den umgebenden breiten Strassen. Das k. k. Arcierengarde-Palais, mit dem geforderten Flächenraum von 3100 Klaftern, nimmt die Stelle des eigentlichen Jesuiterhofes ein, da dieser den grösseren Kaum hiezu bietet. Dieses Gebäude, mit der Hauptfront gegen den Platz, steht von drei Seiten frei, und hat einen grossen Hofraum zur Aufstellung bei Gallaparaden und für die Reitschule. Die Haupttracte sind von den k. k. Garden bewohnt, während die rückwärtigen Hoftracte zweckmässig zur Unterbringung der Diensträume sich eignen. Die ganze Partie, welche wir mit „Umgebung der k. k. Burg“ bezeichnen, umfasst mit dem kleinen Com- plex am Spittelberg, in 5 Wohnhäusern bestehend, an neuen Privatgebäuden 1250 Quadratklafter, an öffentlichen Gebäuden 9860 Quadratklafter, also im Ganzen an Bauarea 11110 Klafter, wogegen der unverbaute Raum bis zur k. k. Burg mit 71590 Quadratklaftern sich beziffert. Die nun folgende vierte Partie erstreckt sich vom k. k. Hofgarten bis an das Wasserglacis, und wir erinnern, dass das eiserne Gitter, statt der jetzigen äusseren Basteimauer, an das Burgthor zu beiden Flanken anstos- A 40 A send, auch entlang dem Kaisergarten sich fortsetzt. Es findet den Abschluss bei dem neuen grossen Palais für Seine kaiserliche Hoheit, den Herrn Erzherzog Albreclit, wozu das Terrain in der Nähe des jetzigen Kärntnertho- res als Ersatz für den Entgang der Stall- und Diener- scliaftslocalitäten und der Reitschule, welche in die De- molirungslinie fallen, abzutreten wäre. Dem Walle entlang gelangen wir hier zunächst auf den grossen neuen Platz, von 1800 Klafter Flächenraum, mit dem ebenerwähnten Palais, dann dem dermal bestehenden Opernhaus. Letzteres soll künftig zu Productio- nen gastirender Schauspielergesellschaften fremder Sprachen, grossen Concerten u. s. w. bestimmt sein. Weiterhin treffen wir auf der Stadtseite des Walles neue Privathäuser, ferner öffentliche Gebäude für Dicasterien zur Unterbringung der gegenwärtig im sogenannten Arsenal auf der Seilerstätte amtirenden Behörden, endlich das Prinz Coburg-Palais, dem eine Doppelrampe zur Auffahrt beikommt. Die Begrenzung der neuen Stadttheile in diesem Bezirke ist der Wall in der entsprechenden Wendung einerseits, dann die zweite Gürtelstrasse andererseits. Letztere setzt sich bei der Getreidemarkt-Caserne im Anschluss an die höher gelegene gleichartige Gürtelstrasse mittelst einer Rampe fort, und endet bei der Radetzky-Brücke am Donaukanal. Durchschnitten von Radial-Strassen ist der erwähnte Bereich, von der Stadt aus, durch eine Verbindungsstrasse über den Mehlmarkt auf die alte und neue Wieden, sowie gegen den Rennweg und die Landstrasse zum Erzherzog Este-Palais; desgleichen von der Kärntnerstrasse und einer zweiten Hauptverbindungsstrasse in der directen Richtung auf die Wieden mit deren Aus- ~Ö 1 -co#j8 'S ? ästungen; dann von 10 Oeffnungen, beziehungsweise Fortsetzungen der gegenwärtig mit der Seilerstätte abgeschlossenen Seitengassen. Des ersten grossen Platzes vor dem jetzigen Kärnt- nertliortheater haben wir bereits erwähnt: es entstehen nun auf dieser Strecke noch drei andere grosse Plätze, nämlich vor den heutigen beiden Kärntnerthoren mit 8400 Quadratklaftern, wohin das neue Hofoperntheater kommt, der nächste kleinere in der Avenue des Fürst Schwarzenberg- Palais mit 1200 Quadratklaftern, gegen den Wall sich öffnend, endlich der grosse Platz daselbst mit 5500 Quadratklaftern. Das neue Theater auf dem Opernplatz nimmt die bedeutende Fläche von 2400 Quadratklaftern ein, und enthält nebst den grossen Schauspielsälen auch den damit vereinigten Redouten-Saal, die zugehörigen Foyers, Vestibules, Treppenanlagen, Verwaltungs- und Restaura- tionslocalitäten, Malereien, Scenerien etc., wodurch sich die im Programm geforderte Ausdehnung erklärt. Von den öffentlichen Gebäuden nächst diesemPlatze, ringsum frei stehend, hat das grössere einen Flächeninhalt mit 2170, das kleinere mit 1720 Klaftern, und ist ersteres für die wissenschaftlichen Sammlungen des k. k. Naturalien-Cabinets, letzteres für das Reichsarchiv zu verwenden. Endlich kommt liieher , am stadtseitigen Ufer der Wien, dem k. k. polytechnischen Institut gegenüber, das im Programm bedungene zweite Wachhaus mit 160 Quadratklaftern; es steht, ringsum frei, an der Hauptverbindung aus der Kärntnerstrasse zur Wieden. Die Häusergruppe in dem hier behandelten Ge- sammtbezirke dieses Rayons bedeckt einen Flächenraum SL —cc*^ 4g '3yQo> ~ocQk$8 v V von 11776 Klaftern für öffentliche Gebäude, dann von 50266 Klaftern für Privathäuser m r davon sind 5725 Quadratklafter auf der Stadtseite, und 44541 Quadratklafter rechts vom Walle gelegen. Mit einem Schritt in dieser Partie weiter betreten wir den Platz nächst der Mondscheinbrücke; ihn zieren zwei umfangreiche Gartenanlagen, ganz geeignet zur Anbringung von Prachtbrunnen und plastischen Kunstdenkmälern, dem Gedächtnisse für verdiente Staats- Männer Oesterreichs geweiht. Wir finden hier noch eine Baustelle für das neue Musikvereinsgebäude mit 525 Quadratklaftern. Der schmale leere Raum über der Wien an der sogenannten Mondscheinbrücke bis zur Landstrassenbrücke wird durch einen Häusercomplex, mit Freilassung der Reitschule für die Heumarkt-Caserne, ausgefüllt; die Wohngebäude nehmen hier 14100 Quadratklafter ein. Bezüglich des Aufhörens der verunstaltenden offenen Märkte, als des Getreide-, Kalk-, Kohlen-, Heu-, Stroh-, und des schmutzigen Tandelmarkts kommt das Erforderliche bei Besprechung der Markthallen, Seite 76 vor. Die fünfte Partie schliesst das neue Wasserglacis in sich, eine Anlage, die mit einem Garten, den ent- sjirechenden Localien für Restauration, Caf4, und Cur- halle etc. beantragt ist. Zugleich würde das ganze Etablissement eine passende Umgebung für das Industrie - Ausstellungsgebäude sein, dessen nährere Besprechung bei den Alternativplänen, Seite 65 folgt. Diese Abtheilung am Ende der Häuserbauten ausserhalb dem dermaligen Carolinenthor bis zum Donaukanal, als letzte Gruppe der neuen Anlagen, ist übrigens, dem i 9 m y ? Programm gemäss, frei gelassen, und verfügbar. Ist es nicht das Industrie - Ausstellungsgebäude, das dahin kommen soll, so kann der offene Raum seiner Zeit auch für Privatgebäude benützt werden. Wir kommen in dieser Strecke vor und nach dem heutigen Carolinenthor auf der Stadtseite zu einer Stelle welche zwar im Sistem zum freien Anschluss einbezogen, jedoch in Anbetracht mannigfacher Gründe, selbst zum Vortheil der Abwechslung, mit ganz leichten Modifi- cationen noch auf lange Zeit in der jetzigen Gestaltung der Wesenheit nach erhalten werden dürfte. Wir stellen diese Modification im Allgemeinen unter der Bezeichnung „Alternativanträge« zusammen, und können daher unmittelbar auf ein anderes wichtiges Object, nämlich die Franz-Joseph-Caserne übergehen. Wie entlang der k. k. Hofburg wäre auch hier die Basteimauer durch ein eisernes Gitter zu ersetzen, da ohnediess die jetzige Basteimauer derselben gegen die Donau, welche zu weit in den Quai einsclmeidet, regulirt werden muss. Was die Umgebung der Caserngebäude betrifft, ist der Raum, dem Programm gemäss, offen gehalten. Ausserdem ergeben sich daselbst 3 schöne Häusergruppen gegen die Stadtseite am Wall im Flächenraum von 2500 Quadratklaftern, mit den entsprechenden Strassenrichtungen, welche höchst wichtige Communicationen mit der innern Stadt eröffnen. Der freie Raum vor der Franz-Joseph-Caserne ist in drei grosse Rasenplätze eingetheilt, welche mit Bäumen umgeben sind, zugleich auch als zugehörige Exerzir- plätze benützt werden können, da dieser freie Raum nicht weniger als 10175 Klafter Fläche enthält. & ■m -coö)^ 44 ----—---co<^$ ö y f lieber der Wien ist der Raum von der Verbindungsbahn zum Gebrauche des k. k. Ilauptzollamtcs rescrvirt» wovon Seite 79 zugleich mit dem Centralbahnhof die Rede ist. Wir sind schliesslich wieder am Quai, dem Punkt entgegengesetzt, von dem wir anfänglich ausgingen. Dadurch überzeugen wir uns, wie bereits angedeutet, dass der Quai die beiden Endpunkte des Walles vereinigt, die ununterbrochene Communication und Promenade um die innere Stadt, als erstes und letztes Glied, vollendend. Die rechte Seite des Quai ist frei; sie gewährt längs des, künftig wasserreichen, nicht mehr verunreinigtem Donaukanals eine erquickende Aussicht gegen das Kali- lengcbirge. Schon jetzt hat der mit bewundernswerther Energie entstandene Theil des Quai in seinem provisorischen Gewände einen höchst befriedigenden Eindruck gemacht. Wie viel imposanter wird sich die Wirkung steigern, wenn er in der ihm künftig zugedachten Gestaltung sich entfaltet. Neue grosse Bauten erheben sich an dessen Stadt- , seite; auf der andern sind die den Fluss verbreiternden i soliden Quaimauern von einem zierlichen Geländer überragt, dessen Sokel geschmackvolle Statuen tragen. Dazu ! kommt der Schatten üppiger Alleen, eine erfrischende Baumpflanzung, und die Fülle des Lichts, sei es vom sonnigen Mittag, oder dem verklärenden Gas; das Wogen der geschäftigen mit der müssig promenirenden Menge. Der Raum zu allem dem, Dank den Gründern, ist geschaffen; was weiter folgen soll, mit Obigem angedeutet. Uns nehmen zunächst die Communicationen in ------- --CO<9f^ 45 Ä^oo--- f* V Anspruch, welche die neuen Bauten auf der Stadtseite zu eröffnen bestimmt sind. Dazu zählen wir jene von der Hauptpost, vom Laurenzberg, von der Adlergasse und dem Alten Fleischmarkt, bis wir zu denen gelangen, von welchen, auf die grosse Defensiv-Caserne gerichtet, bereits Erwähnung geschah. Eine Reihe neuer Häuser am Quai, 11 an der Zahl, mit 2150 Quadratklaftern Bauarea, erstreckt sich von der Franz-Joseph-Caserne bis zur Ruprechts-Stiege, von wo der eigentliche neue Stadttheil beginnt; an unbebautem Raume ergeben sich in dieser Richtung' 6950 Quadratklafter. Das Industrie-Ausstellungsgebäude nicht gerechnet, stellt sich die Anzahl der in sämmtlichen neuen Anlagen vertheilten öffentlichen Gebäude auf • 25 die der Privatgebäude auf • • • • 599 also die Gesammtzahl auf. 624; der Inhalt der 25 öffentlichen Gebäude beträgt in Quadratklaftern. 40996 der 599 Privathäuser. 143080 somit die ganze Bauarea. 184076; die Fläche des unbebaut bleibenden Raumes der neuen Anlagen imGlacis- giirtel enthält an Quadratklaftern • • 399659, und es ergibt sich aus dieser approximativen Bezifferung das sehr günstige Verhältniss des bebauten zum unbebauten Raume wie 1: 2*17, wobei zu bemerken ist, dass sämmtliche Höfe der Gebäude in der Bauarea inbe- i | griffen sind. s£$0°°- ■46 A m Wenden wir uns zur Innern Stadt. Vielleicht Mancher, mit den Umständen weniger Vertraute, mag hier einer durchgreifenden Regulirung das Wort führen; allein mit dieser beginnen wollen, würde, scheint mir, das Unternehmen von vornherein ins Stocken bringen. Das Niederreissen ganzer Stadt- tlieile nähme unerschwingliche Summen in Anspruch, und es ist auch das Neue sobald nicht dafür eingefügt: es wäre eine Zerstörung', während wir die Gestaltung brauchen* Was in dieser Rücksicht in Paris geschehen ist, geht nicht bei unsund ist auch hier eine ganz andere Sache. Dort galt es , gerade im Centrum der Hauptstadt, aus der Nähe des Residenzschlosses einen finsteren, ungesunden, schmutzigen Winkel total wegzufegen, dessen verrufene und unsaubere Insassen sonst durchaus nicht hätten entfernt werden können, als indem man ihnen, so zu sagen, das Bett unter dem Leibe entzog. Loses Gesindel aller Classen wusste dort im Mittelpunkte des Gewühles und der Verderbtheit sein lichtscheues Treiben am sichersten zu verbergen, und trotz der Nähe glänzender Stadttlieile, blieb noch ein Klumpen der abscheulichsten Häuser stehen, wo die engsten, finstersten, kotliigsten Engpässe, als Gassen, bei Tag und Nacht Zeugen der verworfensten Gemeinheit waren. Wir haben uns übrigens, Seite 3 und 24, auf die Summen berufen, die zur Lichtung des Innern von Paris geopfert werden mussten. Nicht so ist es in Wien: der Pulsschlag seines frischen Herzens darf nur nicht unterbunden sein, das Blut muss sich in die nahen und fernen Venen der Regsamkeit frei ergiessen, frei zurückfliessen können, und kann es auch, ob diese oder jene Strasse schon jetzt, oder erst im Laufe der Jahre, um einige Klafter breiter, in einigen Verbiegungen gerader wird. 47 m f --cotföfc V ! Blicken wir auf die City in London; wie klein ist diese Altstadt gegen die colossalen, nach und nach entstandenen Anbauten. So ist es mit der Pariser-Cit6 auf der Insel Nötre-Dame. Der alte Kern kann nicht umgemodelt werden; nur zweckmässige Veränderungen sind hie und da anzubringen, um das Innere dem Aeussern anzuscliliessen, um für einzelne, ausnehmend wichtige Plätze, für die imponirende Stellung dieses oder jenes öffentlichen Gebäudes ein Uebriges zu thun. Stellen wir grosse Forderungen an die neuen Anlagen, aber sein wir schonend mit den überlieferten: Jahrhunderte haben an ihnen, gut oder übel, gebaut; andere Jahrhunderte mögen daran feilen und merzen, nach dem Bedürfniss, nach den verfügbaren Mitteln; damit Eines folge dem Andern, nichts sich überstürze. Rühmlich genug ist es, den leitenden Anfang zu machen, den Plan festzustellen, der den vernünftig absichtlichen Gedanken des Ganzen ausdrückt. Gelingt es mir hierin, nur Einiges zu leisten, was würdig befunden wird, dass es in Ausführung komme, so ist der heilige Eifer für das Gedeihen meiner geliebten Vaterstadt , der pflichtgetreue Gehorsam, dem Allerhöchsten Aufrufe zur Anstrengung vereinter Kräfte mit aufopfernder Hingebung nachgekommen zu sein, mir genugsam vergolten, so ist mein vieljähriges Studium der Entwicklung grosser Städte, dessen ich mich in England, Frankreich, Deutschland und Italien rastlos befleissigte, für die Heimat wenigstens nicht ohne Frucht gewesen. Trachten wir, dass man bei der Umgestaltung Wien’s zur ebenbürtigen Grossstadt und Centrale des Ostens wohl mit den Neubauten rasch und rüstig zu Werke schreite; allzu tiefe Einschnitte in das Bestehende dürften aber weder besonnen, noch von der Notliwendigkeit geboten sein. 6 & XBt 43 Sßfyoo— Der tlmnlichst harmonische, unbeliinderte Anschluss des Neuen zum Alten, sowie die eingreifende Berücksichtigung zur Herstellung der sistemmässig geregelten Com- municationen: diese beiden Punkte sind es, weicheich mir zunächst vor Augen gestellt, welche ich besonders zu betonen, in der schriftlichen Darstellung mir vorgenommen habe. In dieser Absicht sind namentlich die Alternativpläne verfasst, damit sie den Uebergang veranschaulichen , der hierdurch von jetzt auf künftig in minder schroffer Weise ermöglicht werden soll. Sehen wir nun, was in allen diesen Beziehungen vorzunehmen Notli tliut. Die Abtragung der Basteien und Thore, mit Ausschluss der Vorbehalte nach dem Programme, ist prin- cipiell eine durchgängige. Am Fischerthore stehen 4 Häuser, äusserst unbedeutend, die durchaus nicht belassen werden können. Eine namhafte Verbreiterung und Regulirung des Salzgries, im Interesse des passenden Anschlusses an die neuen Anlagen, ergibt sich durch die Demolirung der, übrigens ohnehin schlecht gebauten Salzgries-Caserne. Bei dem Zusammenstoss der Renngasse mit dem tiefen Graben, wo die Stadt nach aussen offen gemacht werden muss, sind ebenfalls nur ganz alte Häuser zu de- moliren; dagegen entwickelt sich dort eine der schönsten Strassen im Zusammenhänge mit der neuen Stadt, und werden die günstigsten Bauplätze gewonnen Eben so wenig Schwierigkeiten bietet die Eröffnung der Stadt durch die Beseitigung des Stabstockhauses, wozu noch 3 ganz kleine Häuser kommen, die auf der Bastei stehen. Der übrige Theil dieser Bastei hat keine Häuser bis £ SS&K»-- -ooÖP$, d 49 zum Schottenberg: hinter der Basteimauer sind in dieser Linie die Militär-Bäckerei und die Yerpflegsmagazine befindlich, gegen aufwärts schliesst sich das alte Artillerie-Arsenal an. Diese Militär-Etablissements werden verlegt; zum Theile ist diess bereits geschehen, jedenfalls aber entschieden. Sie werden Baum geben für freie Bewegung und für dienlichere Benützung des Terrains. Die Häuser am Schottenberg, der abgetragen wird, fallen der Demolirung anheim; sie sind im kläglichsten Zustande und deren Entfernung aus mehr als einer Hinsicht längst wiinschenswerth. Dadurch gewinnt das Zinshaus des Schottenklosters ungemein; der alte versteckte Tract desselben wird zum Ecktract einer gesunden, breiten Strasse. Ein weiteres, laut Alternativplan C jedoch nicht so dringendes Opfer ist die Demolirung des rechtseitigen Schottenberges; hier sind einige Häuser ziemlich neuen Datums oder wenigstens leidlich erhalten. Durch Anlage einer einstweiligen Bampe kann diese Gruppe noch für einige Zeit belassen bleiben. Später jedoch gehört die Demolirung auch dieses, glücklicher Weise nur kurzen Stückes unumgänglich zur Yollendung des Ganzen. Es begegnet uns ferner bis zum Paradiesgarten, von wo an die Bastei zu belassen ist, vorher noch das sogenannte Lubomirski-Palais, dessen gegenwärtiger Besitzer es wegen des schlechten Bauzustandes ohnehin zum Umbau bestimmt hat, und dafür, nach dem Anträge Seite 34, den entsprechenden Ersatz erhält. Ausser diesem liegen noch das erste Haus der Teinfaltstrasse an der Stiege links, und ein Paar kleine Häuschen auf der Löwelbastei in der Demolirungslinie. Das Fürst Liechtenstein’sche Gärtchen auf der Bastei bleibt unberührt in seiner gegenwärtigen Situation; von : &^>oo- - oo&sb *? da führt eine Rampe von sehr geringem Fall um die Ecke des Paradiesgartens direct auf den Wall zwischen Stadt und Exerzirplatz. Man sieht, wie wenige unausweichliche Demolirungen von Häusern auf dieser halben Circumferenz um die alte Stadt nöthig werden. Eben so günstig stellt sich die Betrachtung der zweiten Hälfte dar. Einige Baulichkeiten sind am Ende des Kaiser- gartens und über dem Kärnthnerthor abzutragen, in denen Dienst- und Stalldepartements Seiner kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs Albrecht untergebracht sind. Dieser Abbruch findet jedoch reichlichen Ersatz durch das am Wall entstehende Palais, Seite 41, an dem rückwärts alle die verlornen Räume anzubringen sind, während gegen den Wall zu die prachtvollsten Appartements gewonnen werden. Dass auch die Communication mit den auf der Bastei stehen bleibenden Erzherzoglichen Wohn- und Dienstgebäuden keinem Anstand unterliegt, werden wir aus der Beschreibung der Niveaux, Seite 72, ersehen. Dem alten Kärntnerthortheater gegenüber i&t die Auffahrt zu dem bestehenden Palais des Herrn Erzherzogs angelegt, und es erfährt im Uebrigen die Bastei vor demselben keinerlei Veränderung. An dem neuen Platze vor dem Bürgerspital bildet sich ausser obigem noch ein zweites, ebenfalls ringsum freistehendes Palais mit der Aussicht auf den Wall zwischen den dermaligen beiden Kärntnerthoren. Indem wir weiter schreiten, treffen wir erst bei der Wallfischgasse auf ein ganz kleines Häuschen, und eine Reihe Wagenremisen, deren Wegräumung kein Hinderniss ist. ö SL , -oo &c'&, d* §1 Darauf folgen das Palais von Herrn Grafen Mens- dorf, von Kolowrat, von Sandor, nebst einigen Privathäusern auf der Wasserkunst- und Stubenthorbastei. Alle diese können, wie die Alternative C zeigt, noch lange erhalten werden, ohne den innigen Anschluss der alten und neuen Stadt in der projectirten Weise zu stören. Allein abgesehen von der Möglichkeit des Belassens, möchten wir bemerken, dass der Umbau dieser Häuser so, wie im Situationsplane B eingezeichnet ist, sich besonders lohnen müsste, indem diese meist schmalen, unbequem eingetheilten und beengten Gebäude eine viel grössere Bauarea erhalten, daher das persönliche Interesse der Besitzer zum Umbau auffordert. Die letzten Häuser in dieser Linie nächst dem alten Stubenthor stehen bereits unten in der Stadt; jedoch stellt sich auch für sie der Umbau vortheilhafter heraus, sobald bei dem Jakoberhof die Communication auf den Wall eröffnet wird, welche der ganzen Häusergruppe einen ungleich höheren Werth gibt. Ein besonderer Schmuck der anstossenden Partie verspricht das Arrangement bei dem Prinz Coburg- Palais zu werden. Dasselbe kann auf der dermaligen Erhöhung stehen bleiben, und verbindet sich mit dem tiefer liegenden Wall am Wasserglacis durch eine terras- sirte Gartenanlage mit Auffahrtrampen, deren durchbrochenes Steingeländer Figuren, Blumenvasen undCan- (lelaber zieren. Der Abschluss nach aussen wird durch ein reiches, eisernes Gitter bewirkt. Was kurz vorher von den Umbauten gesagt ist, gilt vorzugsweise auch von dem allen, ganz schlechtenDomini- kanerkloster und dem zugehörigen Miethhause. Es erhält, wenn es gebaut wird, eine ringsum freie Stellung in der ?R'^oo $5^ --co^SS V I verbreiterten Hauptstrasse,, wornacli sich der angezeigte Umbau zum einträglichsten Geschäfte gestaltet. Entlang dem Quai ist das im Innern ganz miserabel eingetheilte Miiller’sche Gebäude durch neue Häuser zu ersetzen. Somit erübrigt rücksichtlich des Anschlusses der neuen Anlagen an die innere Stadt nichts mehr zu sagen, und wir gehen auf die Hauptverbindungen in dieser selbst über. Hiebei kommt es vor Allem auf die tliunlicliste Verbreiterung derselben an, indem die im Wege liegenden Gebäude allmälig früher oder später, sowie sie zum Umbau kommen, in die entsprechende Regulirungslinie gerückt, oder völlig eingelöst werden. In eine bezügliche detailirte Beschreibung, glaube ich, mich hier nicht einlassen zu sollen, sondern beschränke mich darauf, anzudeuten, dass im Uebersiclits- plan A die Richtungen mit rotlien Linien eingezeichnet und mit Buchstaben und römischen Ziffern markirt sind, wie auch der Situationsplan B die Regulirungslinien für alle Strassen und Plätze der inneren Stadt ersichtlich macht. Wir ersehen daraus nachstehende Hauptrichtungen: 1. Von Südwest und Süd gegen Norden und Osten: aa, Josephstadt, Wall am Exerzirplatz, Sclienkenstrasse, Strauchgasse, tiefer Graben, dann über den neuen Kirchenplatz direct auf den Franz-Josephs-Quai in die Leopoldstadt ; bb, b 2 Spittelberg und Mariahilf, durch die k. k. Burg oder die verbreiterte Schauflergasse einerseits, und über den Josephsplatz andererseits, dann Kohlmarkt, Tuchlauben, hoher Markt, endlich durch die Krebsgasse liin- . ^ ,\)o3— A -co^ig I I ! i ix ab, wegen Gefällsschwierigkeiten links abbiegend, gegen den Salzgries auf den Quai, desgleichen als sehr wichtige Parallele zur folgenden Richtung cc t rechts bis zum Ende der Rothenthurmstrasse über den Quai in die Leopoldstadt. Die Eröffnung zweier Richtungen ist hier von desto grösserer Bedeutung, da die Erweiterung der Kärntner-, Bischof- und Rothenthurmstrasse, so erwünschlich sie immer wäre, doch nicht so bald, und ohne enorme Ablösungskosten nur nach und nach bei neuen Bauführungen erfolgen kann. cCj Wieden, Laimgrube, durch die Kärntner- und Rothe- thurmstrasse gerade aus über die neu zu erbauende, oder über die Ferdinandsbrücke in die Leopoldstadt, mit der Ableitung auf der ersten Brücke gegen den Tabor, auf der letztem in die Jägerzeil; oder Wieden, vom neuen Opernhaus, über den Platz vor dem Bürgerspital, durch letzteres, welches ohnediess umzubauen beantragt ist, über den Neumarkt, durch die Seilergasse, auf den Graben und Stephansplatz; — ebenfalls eine wichtige Parallele zur beengten Kärntnerstrasse, endlich: d Südbahnhof, Heugasse, oder vom Rennweg über den neuen Platz zur Seilerstätte, in deren neuen Fortsetzung hinter der Franz-Josephs-Caserne auf den Quai zur Ferdinandsbrücke und in die Leopoldstadt. 2. Von Süd, Südost und Ost nach Nordwest: I. Rennweg, Bezirk Wieden, oder Laimgrube, zum neuen Opernhaus, über den Platz beim Bürgerspital, Palais Lobkowitz, und über den Josephsplatz, durch die Herrengasse, Alser- oder Währinger-Hauptstrasse; diese wird eine der direetesten und schönsten Verbindungen, namentlich wenn in späterer Zeit theilweise eine Verbreiterung der Herrengasse ermöglicht sein wird; 4 §4 \ r tR ’^CO- •c oOnSS II. Landstrasse, Wasserglacis, durch die neu eröffnete Passage neben Prinz Coburg in die Singerstrasse, Graben, erweiterte Bognergasse, Freiung, an a und I sich anschliessend; III. Landstrasse, von der Hauptstrasse direct durch die Wollzeile, Bischofgasse, hoher Markt, Wipplingerstrasse, hohe Brücke, längs der sehr sanft abfallenden Strasse neben dem Stadthaus herab auf den Wall in alle Theile der Rossau u. s. w. IV. Weissgärber, Radetzkybrücke, über den Quai, in die Kohlmessergasse, welche eine ansehnliche Breite und ein entsprechendes Niveau erhält, auf den Salzgries, durch den neuen Stadttheil auf den Platz vor der neuen Caserne; von da nach allen Richtungen in der Rossau u. s. w. Wohl zu bemerken ist, dass die angedeuteten Richtungen alle sich kreuzen, und in denselben durchgängig die thunlichste Breite angestrebt wird. Beides erscheint wichtig für den Verkehr im Allgemeinen, um im kürzesten Zuge jede denkbare Stelle zu erreichen, oder doch in bequemer Nähe zu berühren, was für die Einführung eines practischen, sistematisch geordneten Omnibuswesens eine unerlässliche Bedingung ist. Durch die hier und früher, Seite 16 u. a. 0., besprochenen Communicationen sind nun die Stadttheile unter sich, sowie mit den bisherigen Vorstädten, als auch letztere mit dem Centrum von und nach allen Richtungen in den unmittelbarsten Verkehr gesetzt. Dieser wird in dem Masse sich steigern, als eben die Vorstädte an Ausdehnung und dichterer Verbauung zunehmen, je mehr die Bevölkerung wächst, je lebhafter die Wechselwirkung •co^'iS zwischen frequenter Verbindung und Zahl der Einwohner, eines durch das andere, hervortritt. Dass überhaupt, was die Vermehrung der Wohnungen für die Mittelclassen betrifft, dieselbe im ergiebigsten Masse vorzugsweise durch die dermaligen Vorstädte erzielt werden muss; dass ferner diese allenthalben eine bedeutende Vergrösserung zulassen, ohne bis jetzt noch den äusseren Linienwall überschreiten zu müssen, dessen Regulirung den Vorstädten zum Guten kommt: zeigt am deutlichsten ein Blick auf den Uebersichtsplan A. Selbst auf den bebauten Stellen gibt es dermalen eine Unzahl einstöckiger, schlechtgebauter Häuser, durch deren Um- und Hochbau die Menge der Wohnungen beträchtlich vermehrt werden kann, wenn man diesen Stellen gleich, wie wir es wünschen , nichts von ihren grösseren Höfen und Gärten nimmt, und wenn auch der Aufbau hie und da mit einem zweiten, höchstens dritten Stockwerk sich begnügen darf, damit die Luftströmungen in Gassen und Nebenräumen nicht über, sondern auch durch die niederen Niveaux noch wirksam seien. Aber erst die vielen ganz unbebauten Flächen sind es, auf die wir das Augenmerk zu richten haben. Deren Ausdehnung erhält, wie gesagt, durch die Regulirung des äusseren Linienwalles einen namhaften Zuwachs. Aus dem Plane A ersehen wir zuerst kleine Partien von neuen Häusercomplexen nächst der Hernalser- und Mariahilfer-Linie. Die zu verbauenden Partien gewinnen an Umfang zwischen der Belvedere- und Marxer-Linie, insbesondere gegen den Donaukanal in den Vorstädten Weissgärber und Erdberg; auf der anderen Seite desselben längs der Rossau gegen die Nussdorfer-Linie, ferner nächst der Währinger-Linie. A SL XX 3^003- §6 §5 A Wo- j8 *$ Y Einen grossen Zubau finden wir von der Favoriten- zur Hundsthurm-Linie. Die grösste Erweiterung ist endlich jene in der Leopoldstadt, beiderseits neben, und hinter dem Augarten bis zur grossen Donau. Für alle diese sich vergrössernden und neu entstehenden Theile Wiens ist, wie der Plan zeigt, auf die nö- thige Vermehrung der Kirchen, die entsprechende Ver- tlieilung der Markthallen, Spitäler, Brunnen, Vergnii- gungs- und Kindergärten etc. etc. vorgedacht. Namentlich hat unsere Leopoldstadt eine grosse Zukunft. Mit scharfer Auffassung ist sie bereits als das neue Emporium des Wiener- endlich des Welthandels bezeichnet worden; ein blitzschneller Aufschwung ist in diesem Theile voraussichtlich. Im unmittelbaren Anschlüsse zum Bahnhofe der Kaiser - Ferdinands - Nordbahn, sonach vermittelst der Wiener - Verbindungsbahn auch zu den übrigen hiesigen Hauptbahnen habe ich dort ein grosses Bassin, Dock, mit 2 Schleussenkammern, rings von Magazinen umgeben, angelegt, welche zur Aufnahme des Waarenreichthums bestimmt sind, den die grosse Donau, als künftig regu- lirte mächtige Wasserstrasse auf weithin verkehrenden PI an dels schiffen uns zuführen wird. Dort wird nicht minder seiner Zeit das Hauptzollamt die Behandlung der Platzwaaren zu vermitteln haben, damit sie gleich aus den Magazinen des Docks auf den daselbst mündenden Gürtelstrassen oder auf dem Schienenwege nach den betreffenden Theilen der Stadt geschafft werden können. Der blaupunktirte Verbindungskanal durch den Prater vervollständigt unser Wasser- und Eisennetz, indem hierin das Bassin nicht nur mit der grossen Donau, sondern auch mit dem Donaukanal und dessen Filial- -co Qc'Zi §7 liafen communicirt, und jeder erdenkliche Wecliselver- kehr ermöglicht ist, um die grossartigste Gestaltung des Wiener-Handels nach den entferntesten Weltgegenden zu fördern. Von den ausserordentlichen Vortheilen und Bequemlichkeiten zweckmässig eingerichteter Docks ein Mehreres zu sagen, enthalte ich mich im Hinweise auf die hierüber erschienenen vortrefflichen Schriften 7 ), und berühre bloss das, was ich zum Verständniss meines Planes zu obigem noch für nöthig halte. Wie die Häfen am Meere, sind an Flüssen Docks unerlässliche Anlagen, wo ein grosser Handel sich entwickeln soll. Sie gewähren den Schiffen einen sichern und ruhigen Aufenthalt, sie fördern für selbe das Aus- und Einladen der Waaren, welche in die Magazine gelagert werden. Gewöhnlich haben die grossen Docks 2 Vorbassins mit Schleussenkammern zur Ein- und Ausfahrt der Schiffe, um durch selbe nebst der Communication auch die Verschiedenheit des Wasserstandes im Flusse auszugleichen. Dem Bassin meines Entwurfs ist die Länge von 200, die Breite von 100 Klaftern, also der Raum von 20,000 Quadratklaftern gegeben, damit einer entsprechenden Masse von Schiffen die bequeme Aufstellung längs der Magazine und hinlänglich breite, freie Durchfahrt gestattet sei. Ringsum sind grossartige Magazine angelegt, und an der einen Seite, wie es sich zum trockenen Ausladen am practisclisten bewährt, mit ihren vorragenden Dächern bis knapp an den Bassinrand gebaut. An der äusseren Seite umgeben die Magazine ringsum Strassen und Plätze, wo auch die directen Schienenverbindungen zum Bahnhofe führen. In wiefern die Leopoldstadt mit mehrfachen Schifffahrtkanälen, wie in Amsterdam, Hamburg etc. durchschnitten werden soll, das wird die Gestaltung der Han-- delsverhältnisse in späterer Zeit zu entscheiden haben, und es werden diese Kanäle die Schiffe unmittelbar zu den an selben liegenden Magazinen der grossen Handelshäuser geleiten. Hier genügt es, anzuführen, dass eine solche Anlage vollkommen im Bereiche der Möglichkeit liegt. Um sie, vorerst als blossen Gedanken hinzustellen und anschaulich zu machen, ist der mit blauen Linien eingCzeichnete Schifffahrtkanal, von 6 Klafter Breite, durch den Prater gezogen, mit der Bestimmung, die grosse Donau mit dem Donaukanal zu verbinden, an welchem an der betreffenden Stelle ein kleiner Hafen von circa 4000 Quadratklaftern liegt. Die Passage im Prater würde hierdurch nicht im geringsten beirrt, da das Passiren der Schiffe, wie überall in solchen Fällen, nur zu gewissen Stunden des Tages, z. B. des Morgens, überhaupt zu einer Zeit geschieht, in der die Frequenz unbedeutend ist, oder wo gar keine Statt findet. Dass wenigstens an Einer Stelle die directe Verbindung der grossen Donau mit dem Donaukanal in’s Werk gesetzt werde, scheint mir nicht unwichtig. Auch in einer zweiten, noch kürzeren Distanz wäre eine solche Verbindung möglich; nämlich links vom Augarten und von der äusseren Wallstrasse daselbst, welche Linie jedoch nicht mehr ganz auf den Plan fällt, daher nur andeutungsweise erwähnt wird. ■-co^58 Ö Die beigegebenen Alternativ-Plane haben einen doppelten Zweck: 1. um darzuthun, dass der Anschluss der neuen Stadtanlage auf den freien Gründen ausserhalb der alten Stadt an diese letztere auch dann ausführbar ist, wenn vorläufig in der Grenzlinie gegen die innere Stadt noch die meisten alten Gebäude beibehalten werden, so dass nicht gleich in den ersten Jahren die grösseren Opfer gebracht werden müssen, und überhaupt die Wohnungsnoth, durch die Stadterweiterung thatsäch- lich vermindert, nicht vermehrt werde, wie diess in Paris der Fall gewesen; 2. um die veränderte Stellung einiger öffentlicher Gebäude gegen die Einzeichnung im Plane B insofern zu motiviren, als überhaupt noch Abänderungen diess- falls zur Sprache kommen sollten. Der Plan C zeigt, dass, wenn schon einige wenige Häuser zur Eröffnung und Verbreiterung der Passagen als am Fischmarkt und nächst dem Neuthor unumgänglich sogleich demolirt werden müssen, dagegen die Noth- wendigkeit der Demolirung bei vielen anderen auf spätere Zeiten hinaus verschoben werden kann, wie diess am Hof, dann mit den sogenannten Klepperställen, dann der Gruppe Häuser auf der rechten Seite des dermaligen ' Schottenthors, das ist der sogenannten Mölkerbastei, der 8^>oo- 61 V Fall ist, welche mittelst einer Rampe sehr bequem zugänglich gemacht werden können. ; In dieser Richtung beantrage ich zunächst dieDislo- ' cation des Stadthauses, und es käme dasselbe, wie später gezeigt wird, auf den Opernplatz zu stehen. Allerdings wäre die erhöhte Lage des Stadthauses, mit der imposanten Terrasse nächst der Defensiv-Caserne, ! in vielen Beziehungen eine günstige zu nennen; da indessen der disponible Raum auf der Terrasse keine weitere Ausdehnung gestattet, anderntheils jedoch die Grundfläche, die imProgramm für das Stadthaus mit 2000 Quadratklafter bedungen ist, auf 2500 Klafter ver- grössert werden müsste, wenn auch die Stadtbibliothek und das städtische Museum daselbst untergebracht werden sollen: — so würde bei der Unzureichenheit des Raumes nichts anderes erübrigen, als auf die projectirte effectvolle Stellung des Stadthauses zu verzichten. In diesem Falle ändert sich die Eintheilung dahin, dass die Terrasse wegbleibt, die bedeutende Niveaudifferenz durch die sanft sich neigende lange Strasse vermittelt werde, und diese von grossen Wohnhäusern einzuschliessen i käme. ! Auch der Justizpalast könnte hiernach von der beantragten Stelle des alten Zeughauses an einen Wall verlegt werden, z. B. an die Stelle der mittleren Häusergruppe am Walle vis-ä-vis der jetzigen Wasserkunstbastei. Eine ganz andere Eintheilung hat im Alternativplane auch die grosse Defensivcaserne mit demselben Flächenraum von 10.000 Klaftern. Sie hat hier nämlich eine längliche Form, welche 3 enorme Höfe umschliesst, in deren mittlerem, ringsum frei, das Stabsstockhaus steht: — der nämliche doppelte Einschluss des letzt ge- 8&0OO- nannten Gebäudes findet sich auch im Situationsplane B vor; — sofort könnte der letzte Hof die Magazine undMili- tär-Oekonomie enthalten, und da dessen eine Front der Donau und dem Quai zugekehrt ist, in Bezug auf Transporte. Ein- und Ausladen des Proviants etc. sehr gut gelegen sein. In Betreff der Universität erlaube ich mir beizufügen, dass, wenn von deren Anlage hinter der Votivkirche abgegangen würde, diese Situation durch eine freie Parkanlage rings um den Kirchenbau, mit dem Einschlüsse durch Privathäuser und deren Gärten sehr gewinnen könnte, und dass in diesem Falle die Universität auf den Wall oder den grossen Platz vor dem Graf Kolowrat-Palais verlegt werden dürfte. Der Alternativplan C zeigt die Gruppirung nächst den alten Kärntnerthoren. Hier fallen verhältnissmässig noch weniger Häuser der Demolirung anheim. Diese sind, wie Seite 51 erwähnt; ein Theil der Dienstgebäude Seiner kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs Albrecht; zwischen den Kärntnerthoren stehen keine Häuser auf der Bastei* Es fallen ferner nur das kleine Häuschen am Eck der Wallfischgasse und die Wagenremisen, während die im Situationsplan B als umgebaut dargestellten Partien bis zu Prinz Coburg und weiterhin gegen das Stubenthor vor der Hand erhalten werden könnten. Es würden demnach die Herren Grafen Mensdorf und Kolowrat einstweilen noch mehr Bauarea zuVorgärten erhalten, die Häuser auf der Wasserkunstbastei eine sehr niedere doppelte Rampe erheischen und bis zum Wall herab die ganze Anlage hübsch terrassirt durchgeführt werden. Aehnlich wäre der Vorgang- auf der anderen Seite des Prinz Coburg*- V i Palais längs der Stubenthorbastei, deren letzte Häuser ! ohnehin schon im Niveau der inneren Stadt fundirt sind. j Zur Oeffnung der inneren Stadt gegen den Wall i würden nur zwei alte kleine Häuser umgebaut werden müssen; davon würde eines die Strasse nächst dem Graf Kolowrat-Palais, das andere die Fortsetzung der Singerstrasse, nach heraus bilden. Eben so müsste der Jakoberhof sehr vortheilhaft mit einer breiten Passage gegen den ; Wall umgebaut werden. Das alte Kärntnerthortheater ist vorhin nicht erwähnt, da es als fortbestehend und für fremde Schauspielgesellschaften zu benützen angenommen wird: der geräumige Platz vor demselben wird vom Bürgerspital und vom Erzherzog Albrecht-Palais eingeschlossen, bleibt aber gegen den Wall offen, wo ihn ein Brunnenmonument in der Mitte zu zieren hätte. Zu dem auf der Terrasse erhöht stehenden Erzherzoglichen Palais führt von hier eine reiche Rampe, und es lässt sich von dieser Anlage ein ganz herrlicher Prospect versprechen. Die ohnehin zu steile Rampe, jedes Schmuckes entbehrend, von der Augustinergasse aus, wäre aufzulassen, wodurch die ' Passage vor der k. k. Burg über den Josephsplatz um j vieles grandioser sich gestalten würde. ! Neben der Rampe und hinter dem neuen gewonnenen Erzherzoglichen Palais am Wall führt ein Gitterthor in die Höfe der Dienstlocalitäten des Herrn Erzherzogs; , diese wären unter der dort stehen bleibenden Bastei mit einer ganz geringen Steigung zu erreichen. Der vorhin besprochenen Veränderung, Seite 62 , zufolge Plan C, käme das Stadthaus rechts vom grossen Opernhause zu stehen, das k. k. artistische Museum links | von demselben, von Gärten umgeben, gegenüber der i A -----—- --- 64 C°^ £ W6 Längenfronte des ersteren, und würde auf diese Art eine imposante, simmetrische Gruppe bilden. Das zu verlegende Reichsarcliiv würde am Schlüsse der Gebäude dieser Abtheilung an der Stirnseite die mittlere Partie, ringsum frei stehend und mit der Hauptfronte gegen das Wasserglacis gekehrt, einnehmen; letzteres, in einen schönen Garten verwandelt, mit grossartigen Etablissements, als Cafe, Restauration, Musikkiosk und Trinkhallen für Mineralwässer versehen, dürfte als beliebter Erholungs- und Sammelpunkt des Publicums sich nicht nur in der alten Gunst behaupten, sondern den Wienern desto werthvoller werden. Die weiteren freien Plätze bis zur Donau sind bereits besprochen, und auch hier als schöne, mit Alleen begrenzte, die wichtigste Communication bildende, gut gepflegte Rasenplätze behandelt. Endlich ist das Industrie-Ausstellungsgebäude anzuführen , welches vorschlagsweise auf den erübrigten Terrains am Wasserglacis eingezeichnet erscheint: für ebendasselbe ist, wenn diese Stellung nicht beliebt würde, auch ein geeigneter Platz im Prater mit zureichender Ausdehnung vorgesehen, und im Uebersichts- plan A roth eingezeichnet. SSgtoo - G 65 r iSQk s OD- 1 Obwohl die verschiedenen Tlieile der Stadt und der dermaligen Vorstädte manche bedeutende und schnell wechselnde Höhenunterschiede aufweisen, so lassen sich doch alle Hauptverbindungen zwischen Stadt und Vorstädten, wie auch die anstossenden Verbindungen in den letzteren sehr günstig entwickeln, wie diess aus den beigegebenen, die Niveau Verhältnisse darstellenden 4 Blättern E ersichtlich ist. Eine hinreichende Anzahl von Niveaupunkten steht zwar jetzt noch nicht zu Gebote, um in ein vollständiges Detail hierüber eingehen zu können. Es bildet diese Arbeit allein für das ganze grosse Wien einen weit umfassenden Abschnitt. Indessen genügen die erlangten Daten zu dem Zwecke, den Uebergang für die neue Stadtanlage auszu- mitteln. Es wird sich vorzüglich um 3 Hauptbetrachtungen handeln: 1. Um die sich anschliessenden Höhenverhältnisse des Walles ringsum; 2. um die Niveaux der Verbindungen aus der Stadt gegen die Vorstädte, namentlich an der diessfalls schwierigen Stelle im ersten Rayon der neuen Anlage von der Donau gegen das Schottenthor; ggtOO— ~C©Or - » 67 SyQoo- -co<^« 3. um die Vermittlung’ des plötzlichen Uebergauges an einigen einzelnen Stellen in der Stadt und in der neuen Anlage. Um eine Basis zu gewinnen, muss an den niedern, im Ueberscliwemmungsterrain gelegenen Theilen die neue Höhe fixirt, und von diesen auf die ausser denselben situirten übergegang’en werden. Diese geringste Höhe ist so anzunehmen, damit das vom Grunde aufsteigende Wasser bei Hochwässern die Kellersohle der dort zu errichtenden Gebäude nicht mehr erreicht, und beträgt bei meiner Anordnung der Strassen nirgends unter 20 Fuss über dem Nullpunkt des Donaukanals. Rechnet man in diesen Gegenden die Fussbo- denliöhe über dem Strassenpflaster nur mit 2 Fuss, so ergibt sich als geringste Fussbodenhöhe 22 Fuss über Null. Da aber das von unten aufsteigende Wasser, den Erfahrungen gemäss, höchstens 11 Fuss über Null erreicht hat, so bleibt noch eine Höhe von 11 Fuss zur Anlage wasserfreier Keller, als ausreichend, übrig. Wünscht man höhere Kellergeschosse, so darf man nur mit dem ebenerdigen Fussboden um das Plus höher gehen. Es kann also eine Ueberschwemmuno’ dann nur O noch durch die Unrathkanäle entstellen, über deren Aufgeben Seite 97 gesprochen wird. Den niedersten Punkt der neuen Höhe zu hoch fixi- ren, würde die Calamität des Mangels an Erdmaterial zu Anschüttungen, Ausfüllungen und Planirungen unnöthig vermehren. Die betreffenden Niveaupunkte sind sowohl in den Niveauplänen, als auch im Situationsplane B mit den übereinstimmenden Ziffern bezeichnet. K9c -009^ 68 -coöv 3*. ’^'oo- ■o°Qkf8 Betrachten wir zuerst das Niveau des ersten Gürtels, nämlich des ganzen Walles mit dem eingeschlossenen Quai. Bei der Defensiv-Caserne anfangend finden wir dort, wo der Quai und der Wall Zusammentreffen, eine Stras- senhöhe von 21% Fass über Null, und entlang der ersten Wallseite, d. i. bis zur Alserhauptstrasse das Stei- gungsverhältniss von No. 1 bis 6: 1 : 391-. 1 : 51* 6 1 : 32* 4 1 : 401-g 1 : 153* 8 1 : 235. 2 Von da bis zur k. k. Burg, No. 6 bis 10: 1 : 144- 0 1 : 54- 2 1 : 8036* o Am Wall vor der k. k. Burg, No. 10 und 12: 1 : 155- 4 1 : 566- 4 Von der Ecke des jetzigen Kaisergartens bis in die Gegend des Graf Kolowrat-Palais, No. 12 bis 16: 1 : 259*2 1 : 213* 5 1 : 42-j 1 : 80- 3 Von da bis zur Franz-Joseph-Caserne, No. 16 bis 19: 1 : 125-, 1 : 133* 0 1 : 152* 8 Längs der Franz-Joseph-Caserne, No. 19 bis 21: 1 : 150*. 1 : 32- 4 Endlich am Quai in seiner gegenwärtigen Länge No. 24 bis 32: 1 : 266- 0 1 : 1536' 0 1 : 1556* 0 l:319- 0 1:206*, Hieraus ergeben sich für die ganze Strecke des Walles sammt dem Quai: die geringste Steigung mit 1 : 8036* 0 die grösste Steigung mit 1 : 32. 4 Die Niveaux der Verbindungen aus der Stadt gegen die Vorstädte ändern sich grösstentheils gegen die bestehenden wenig, wie z. B. vom Schottenthor in die Wallys V 1 I —-co Qk<£ ringergasse und Alserstrasse; so aucli von hier bis gegen die k. k. Burg zur Josephstadt, wo nur eine gleichmässige Planirung des Exerzirplatzes als notliwendig sich herausstellt; ferner vom Carolinen-, Stuben- und Franz-Jo- sephs-Thore gegen die Landstrasse, welche Strassen sämmtlicli eine so geringe Steigung haben, dass von dem gegenwärtigen Niveau nicht viel abgewichen werden muss. Eine nähere Berücksichtigung erfordern jene Strassen, welche schwierigere Terrains durchkreuzen, und deshalb in Bezug auf ihre Niveaux vollständig bestimmt werden müssen; nämlich im ersten Rayon vom Salzgries gegen die Rossau etc. Hiernach sind die Steigungsverhältnisse : Vom Platz am Salzgries nächst der Fischerstiege über den neuen Kirchenplatz durch die Mitte der Defensiv- Caserne, bis zur Rossau, No. 48 bis 52: 1 : 488* 6 1 : 576* 0 1 : 360* 0 Von der Renngasse über den Wall in die Rossau bis an die jetzt im Bau begriffenen Häuser, No. 53 bis 59: 1 : 1656* 0 1 : 24G* 6 1 : 58* 0 1 : 208* 4 Vom Burgwall zum Spittelberg', No. 74 bis 78: 1 : oo 1 : 5G* 8 1 : 40* 2 Von da zur Marialiilfer-Hauptstrasse, No. 80 bis 84: 1 : 132* 0 1 ; 45* 5 1 : 26* 6 Von der Ecke dieses Walles zur Kothgasse, No. 12 bis 90: 1 : 52*o 1 : 182* 25 1 : 180* 66 dann von der Kärntnerstrasse auf die alte Wieden-Ilaupt- strasse No. 91 bis 99: 1 : 331* 7 1 : 213* 5 1 : 158* 79 1 : 270* 1 : 63*o 1 : 75. 6 1 : 94* (J i A Q A -- 70 2. '£oo- IS V' I I I [ i - -0ks8 *e Endlich vom Wall, nächst dem Graf Kolowrat-Pa* lais auf der Wasserkunst-Bastei, über den neuen grossen Platz zur Südbahn-Verbindung durch die Heugasse, No. 100 bis 106: 1 : 245‘ 8 1 : 76-, 1 : oo 1 : 100- o 1 : 239 Auch diese Betrachtung gibt ein höchst befriedigendes Resultat, indem auf diese radialen Hauptverbindungen die geringsten Steigungen wie 1 : oo die höchsten « * 1 : 23 * 9 sich verhalten. Die Niveaux der anderen Nebenstrassen sind durch die vorerwähnten bestimmt, und stellen sich gleich günstig mit diesen heraus. Wir kommen nun zu den schnell abfallenden Höhen, u. z. im neuen Stadttlieil zu der schwierigsten Stelle, welche die Ecke der Renngasse mit der hohen Brücke bildet; und es müssen dort diese Strassenrichtungen nach beiden Seiten eröffnet werden, wo das gegenwärtige alte Terrain ohne die angetragene Anschüttung um 21 Fuss 1 Zoll 1 Linie plötzlich ab fällt. Die Vermittlung des Ueberganges ist durch die grosse Terrasse beantragt: von der Stadtseite fährt man auf selbe eben ein und gelangt über 2 sehr sanft fallende Rampen auf den Wall herab. Ausser dieser ist die Verbindung von der anderen Seite links unten neben der Terrasse von der Freiung durch den tiefen Graben zum Wall fortgesetzt, und es besteht noch eine dritte, nämlich directe Abfahrt von der Renngasse zum Wall. Die erwähnte Terrasse wird vermöge der Anschüttung des niedern Stadttlieiles, wie früher gesagt, in ihrer Achse dann nur 16 1 /., Fuss über dem Walle liegen, und die Steigung der Rampen dem Verhältniss wie 1 : 60‘ 9 7L V --co^S;# entsprechen. Neben dem Zwecke der Terrainsvermittlung dient die erhöhte Anlage mit dem Stadthause zugleich als imposantes Bauobject. Den Wall verfolgend treffen wir noch fernere Rampen, u. z. vom Wall neben dem Paradiesgarten auf die Bastei nächst der Besitzung Fürst Liechtenstein zur Bellaria, No. 71 bis 73 im Steigungsverhältniss mit 1 : 23* 8 ; beim Erzherzog Albrecht-Palais vom neuen Platz vor dem Bärgerspital hinauf; es fehlen zwar hier die Niveaudaten, doch genügt zu erwähnen, dass diese neue Rampe um die Hälfte länger ist, als jene, die gegenwärtig zu diesem Palais hinanführt, was ein sehr günstiges Verhältnis s erweist. Eben so wenig unterliegt die Einfahrt von diesem Platze neben der Rampe und die hinter dem neuen Palais zu den Dienstlocalitäten einer Schwierigkeit; es bleiben letztere gleichsam auf der halben Basteihöhe stehen, da mittelst einer Abgrabung von 24 Klafter Länge und einer Steigung von 3 Zoll pr. Klafter die an dieser Stelle nur um 6 Fuss höher liegenden Gebäude leicht zu erreichen sind. Wir haben noch die Auffahrt vom Wall zum Prinz- Coburg-Palais, No. 107 bis 110 im Verhältnis wie 1 : 14‘ 62 ; ein vollständig genügendes Resultat, wo es sich nicht um eine allgemeine Communicationsstrasse handelt. Bei allen aufgezählten Rampen, mit Ausnahme der letzten, entfällt im Ganzen die Steigung meist unter 3 Zoll pr. Klafter; auf einer Strasse mit 3 Zoll Gefäll kann aber noch im Trabe gefahren werden, es ist also das erzielte Steigungsverhältniss für die Rampen durchgängig sehr günstig. Gewöhnlich, so auch dermalen die A 8ft0o>" < A 72 neue Auffahrt beim Stubenthor, erhalten Rampen ein Gefall von 5 Zoll pr. Klafter, was dem Verhältniss wie 1 : 12 entspricht, wogegen kein einziges der vorstehenden sich so steil herausstellt. Endlich sind noch folgende Specialpunkte zu nennen: In die Stadt vom Wall nächst dem Franzensthor in die Teinfaltstrasse No. 66 bis 70 im Verhältniss wie 1 : 230*4 und 1 : 42* s ; dann ein sehr wichtiger Punkt, nächst der Krebsgasse bei No. 40 bis 35 mit 1 : 18* 6 und 1 : 41 * 5 , denn es wird hiermit die directe Verbindung von Mariahilf über den Kohlmarkt, hohen Markt, Salzgries zur Leopoldstadt hergestellt, und es bildet diese Strasse, wie bereits Seite 54 erwähnt, vom Graben zum Salzgries auf den Quai die Parallele zur Rothenthurmstrasse, welche Parallele wegen des schon jetzt daselbst sehr lebhaften und bewegten Verkehrs zur unerlässlichen Nothwendigkeit werden wird. Das neue Niveauverhältniss des Salzgries stellt sich bei No. 33 bis 37 wie 1 : co, 1 : 145* 2 . 1 : 116* 9 , 1 : 459* 6 . Noch kommen zwei Vermittlungen an der Glacis- Gürtelstrasse zu erwähnen, u. z. jene vom Quai zunächst der Rossau und von den Markthallen aufwärts zur Wäh- ringergasse No. 60 bis 65 im Verhältnisse wie 1 : 31* t , 1 : 2556* 0 ; dann, die Mariahilferhauptstrasse durchschneidend, von den k. k. Stallungen herab auf den Getreidemarkt zum neuen General-Commando, No. 83 in 88, mit dem Gefälle wie 1 : 25* r Hiermit ist die Betrachtung der Niveauverhältnisse so weit durchgeführt, als es der gegenwärtige Zweck erheischt, nämlich die Möglichkeit der neuen Anlagen festzustellen, wozu bemerkt wird, dass ich auf dem fünften Blatt E die Querprofile von dem Wall, dem Quai, und den neuen Strassen für alle vorkommenden Breiten eingezeichnet habe. Wie die verschiedenen Strassenbreiten in den Querprofilen zur Benützung eingetheilt sind, dazu füge ich noch folgende wörtliche Darstellung bei; und zwar enthält: 1. Das 100 Klafter breite Defile: an Trottoir » Fahrbahn „ Trottoir „ Garten „ Trottoir . Reitallee mittlere Fahrbahn 25 „ Reitallee „ Trottoir » Garten • „ Trottoir „ Fahrbahn „ Trottoir • im Ganzen l 2 / 3 Klftr. 4V ^ / 3 » iv, „ 22 3 V 2 j» 4 4 3‘A 22 l 2 /s 4 2 /s iy. 100 Klftr. Breite; 2. der 40 Klafter breite Wall oder Boulevard: an Trottoir „ Reitallee „ Fahrbahn ,, Reitallee „ Trottoir im Ganzen 3 >/ 2 Klftr. 4 25 4 3% * 40 Klftr. Breite; c ■tR^c» 769 * TT 3. und 4. der 2 2 beziehungsweise 20 Klafter breite Quai: an Trottoir • • 3 Klftr. » Fahrbahn 16 oder 14 r » Trottoir 3 „ im Granzen.22 bezw. 20Klftr. Die Breite des Quai ist, wie der Plan zeigt, alter- nirend; 3 Fuss tiefer liegt am rechten Ufer der Trep- pelweg; 5. jede 15 Klafter breite Gürtel- und Hauptstrasse: an Trottoir • • 3 Klftr. » Fahrbahn -9 „ „ Trottoir 3 » im Ganzen.15 Klftr. Breite; 6. jede 12 Klafter breite Strasse: an Trottoir • • 2 */ 2 Klftr. » Fahrbahn 7 » r Trottoir • • 2 V* ” im Ganzen.12 Klftr. Breite; 7. jede 10 Klafter breite Strasse: an Trottoir • • 2 Klftr. „ Fahrbahn • 6 7? „ Trottoir 2 T) im Ganzen 8. jede 8 Klafter breite Strasse: 10 Klftr. Breite; an Trottoir iy 3 Klftr. „ Fahrbahn • 4 2 A w 5' Trottoir l 2 / 3 r. im Ganzen . 8 Klafter Breite Q *:cr\ •CO&' y -c©#j8 ? Die specielle Anlage von Markthallen ist bei der Erklärung der in den Plänen eingezeichneten Buchstaben, Seite 27, angedeutet; es sind im Uebersichtsplan A deren 17 projectirt, und mit Rücksicht auf die Bequemlichkeit des Publicums in den verschiedenen Bezirken angemessen vertheilt. Die Nothwendigkeit derselben, sowie ihr Nutzen für die Gesundheit der Käufer und Verkäufer, für den Schutz der Waaren, für die Erleichterung der Communi- cation u. s. w. sind vielseitig gewürdigt worden: wir können darüber mit Bezug auf einschlägige wissenschaftliche Besprechungen dieses Gegenstandes 8 ) füglich hinausgehen. Zu rechtfertigen aber haben wir die Wahl der Punkte, wo im Plane A und B die Markthallen situirt erscheinen. Sie sollen, nach meiner Ansicht, weder auf den schönen Plätzen, auf dem Boulevard, oder in den eigentlichen Promenadestrassen sich hervorthun, theils aus ästhetischen, theils aus Gründen der Bequemlichkeit nicht; noch sollen sie sehr entrückt den frequenten Communi- cationen, überall aber leicht zu finden sein; sie sollen ringsum frei stehen, und von allen Seiten breite Zugänge haben. Vor Regen, Schnee, Staub, Sonnenbrand bestens geschützte Räume, Keller, Eisgruben, Zu- und Ableitungen für Spülwasser zur fortwährenden Frischerhaltung und Reinigung, Vorkehrungen zur schnellen Beseitigung der Abfälle, Abhilfe gegen üble Ausdünstungen u. dgl. sind die Erfordernisse, welche, je nach Beschaffenheit der Waaren, in erster Linie der Berücksichtigung stehen; endlich kommt ein guter Verschluss gegen Einbrüche, sowie die gehörige Sonderung der Räume im Innern, Feuersicherheit und ein gefälliges Ansehen von Aussen in Betracht zu ziehen. A ß. 8^0o> 5 . 76 ________—:-—--c0^58 ö Y l Eine dieser Markthallen, vielleicht nächst der Wieden bei Reinprechtsdorf, hat den bisherigen schmutzigen Tandelmarkt zu ersetzen; sie dient zum Verkaufe abgetragener Kleider und gebrauchter Gegenstände aller Art. Eine Gruppe für sich hätten die gewöhnlichsten j Consumtionsbedürfnisse, als Fleisch, Geflügel, Eier, Mehl, Gemüse und Obst, mit den betreffenden Abtheilungen zu bilden. Auf fünf grossen Plätzen in den verschiedenen ' äusseren Stadttheilen, die noch nicht zu den eleganten gehören, wäre der Verkauf von Körnern, Kohlen, Kalk, Heu und Stroh einzurichten, wie auf dem Uebersiclits- plane A und auf Seite 27 zu ersehen ist; und um endlich das vielgesuchte Brennholz nicht zu vergessen, sind Holzplätze in thunlichster Nähe, nämlich indem grossen Com- plex am Donaukanal in der Brigittenau — ausserhalb dem Bereich der neuen Anlagen — sowie andere nächst dem Neustädter Kanalhafen bei St. Marx u. s. w. angetragen. Im Allgemeinen sollen Holzplätze inner den Barrieren, wegen der Feuersgefahr, nicht allzuhäufig Vorkommen, wogegen sie ausser diesen ihre geeignete Stelle finden, wie bereits im Nussdorfer Bezirke deren mehrere bestehen. Auf den halbjährigen Markt ist speciel keine Rücksicht genommen, da dessen Aufhören gewärtigt wird. | Sollte er aber fortdauern, so wäre hiezu zwischen dein j Häusercomplex vor dem jetzigen Carolinenthor jenseits j der Wien das geeignetste Terrain. / / 40^ o> r V - - - -- —-- 6 V ! i I Ein anderer Gegenstand specieller Natur, wegen des vermeinten Gebrauchs mit den Markthallen zusammenhängend, ist die Einwölbung des Stadtgrabens. Darüber aus oberflächlicher Schätzung abzusprechen, könnte leicht zu einem übereilten Beschlüsse führen. Den Vortheilen, welche aus der Idee entspringen, den bestehenden Stadtgraben in seinen raumhältigen Vertiefungen für Handel und Industrie nutzbar zu machen, stehen nicht geringe technische Schwierigkeiten, oder was wichtiger ist, sehr namhafte Kosten entgegen; ob diese die Vortheile überwiegen, oder ob der grössere Nutzen aus der Erhaltung des Stadtgrabens resultirt, müsste durch detailirte Constructionspläne und ausführliche Be- j rechnungen dargethan werden. Es dürfte vielleicht nicht ! unzweckmässig sein, die ganze Anlage des Stadtgrabens, sofern dabei die neuesten Pariser Souterrains zum Vorbild dienen, als eine Unternehmung für sich zu belian- , dein; d. h. Vortheile und Kosten wären diessfalls ausschliesslich Object einer, diesen Einen Zweck ausbeutenden Speculation. ' In der gegenwärtigen Darstellung kann ich mich also auf die Bemerkung beschränken, dass nach meinen Anträgen, wo über den tiefen Stadtgräben bloss Com- municationen angelegt sind, im Princip kein Hinderniss obwaltet, die angedeutete Ausbeute ins Werk zu setzen. In dem Falle wären die Erfahrungen zu sammeln und zu benützen, welche der ähnliche Tunnel bei dem Boulevard Sebastopol in Paris aufweist, mit der Berück- j sichtigung, dass letzterer nicht diese grosse Breite hat, wie der hiesige Stadtgraben. Von den Einwendungen abgesehen, würde die Ausführung der jedenfalls achtbaren Idee schon darum zu wünschen sein, weil damit den mannigfachen Verlegen- RS- sOo^- 73 6 „V. m pp-PS ! T heiten wegen Aufbringung der ungeheuren Erdmassen, I die zur Ausfüllung des Stadtgrabens und Planirung der ! jetzigen Glacisgründe, als künftigen Gärten und Baustellen , erforderlich werden, mit einem Male ausgewichen wäre. Fast in ähnlicher Weise verhält es sich mit dem Centralbahnhofe, den ich in meiner ersten Skizze einbezogen hatte. i Vor dem Stubenthor zwischen der Landstrasse und j dem Hauptzollamtgebäude käme dieser Centralbahnhof an beiden Ufern der Wien zu liegen, von dem aus Züge nach allen Bahnrichtungen abgehen könnten. Sollte jedoch der grössere Stapelplatz des Handels seiner Zeit in der Leopoldstadt sich entwickeln, so würde ein solcher Sammelpunkt besser dahin verlegt werden, da diesseits ohnehin der Raum fast zu beengt erscheint, und für das der- malige Bedtirfniss die Wiener-Verbindungsbahn zureichen dürfte: aus diesen Gründen habe ich es unterlassen, der Idee eine weitere Ausführlichkeit zu geben, und beziehe mich auf meinen diessfälligen Antrag wegen Docks, I Seite 57, und die Verbindung der Wasser- und Eisen- | Strassen in der Nähe des Nordbahnhofes. ! Vom hygienischen Standpunkt 9 ) wird verlangt, dass gut situirte Gärten ersetzen sollen, was an guter Luft und Grüne durch Verbauung der Glacisgründe der Erholung für Jung und Alt entzogen wird: und es sprechen sich unsere Aerzte dafür aus, dass der angedeutete sanitäre Zweck durch die neue Gestaltung besser erreicht werden könne, als diess unter den bisherigen Verhältnissen der Fall gewesen. ]*£>oo- 73 Ä)vO> .-co< V Wir beginnen in dieser Beziehung mit der Hinweisung auf den Plan B und auf Seite 81, wornach keiner der bisherigen öffentlichen oder Privatgärten durch das vorliegende Project beeinträchtigt, vielmehr beträchtliche Räume zu Gartenanlagen disponirt werden. Der Volksgarten, mit dem Paradiesgarten verbunden, erhält eine ansehnliche Vergrösserung, und da er zugleich die Verbindung nach aussen herstellen soll, so wird sich der Geschäftsmann auch an Grün und Frische erquicken, ohne einen Schritt ausser den Berufsweg zu setzen; er wird ihn vielmehr verkürzen, da er das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet. Auch der Kaisergarten ist um 3900 Quadratklafter vergrössert, und giesst die Fülle seines Zaubers auf die ganze Umgebung aus. Diese beiden Gärten vereinigend, sind vor denselben die auf Seite 38 beschriebenen Anlagen angebracht: gleich fesselnd durch den Reiz des Blätter- und Blumenschmuckes, als anregend für den Kunstsinn durch den monumentalen Charakter und die architectonischen Effecte, die sie in der Ansicht der umgebenden Objecte bieten, Von dem besprochenen Centralpunkt der Gartenarea, gegen rechts, gelangen wir zunächst zu den parkartigen Anlagen an der Votivkirche, welche schon beim Austritt aus der Schottengasse beginnen, und nach dem Alternativplane, Seite 27, die Kirche selbst gänzlich um- schliessen. Weiterhin bietet die 100 Klafter breite Strasse bis zur Defensivcaserne die angezeigten Räume für die Gartenplätze, mit Ausschluss höherer Bäume, da dort der Ueberblick von der Caserne aus frei erhalten bleiben soll. 8 ^ 0 °°- 80 I Ä^)03- 0 -co , '^5b Auf der anderen Seite der Stadt sind es die neuen Anlagen für die Besucher der Heilwässer-Anstalt, sowie jene vor der Franz-Joseph-Caserne, worauf ich zu verweisen mir erlaube. Dies sind von Gärten die neuen Dinge, wogegen von den vertraut gewordenen älteren Lieblingen den Wienern keiner entgehen soll. Es bleiben uns fortan der botanische-, der Belvedere-, der Schwarzenberg-, der Liechtenstein-Garten , durch die Munificenz der Besitzer dem Publicum geöffnet. Es bleiben und erquicken durch ihren würzigen Lufthauch ferner die zahlreichen, nicht öffentlichen Gärten, die hiermit indirect die allgemeine Annehmlichkeit erhöhen helfen. Und was sage ich erst von dem trefflichen Augarten, von dem majestätischen Prater , Wiens Hy de - Park. Einer abgesonderten Denkschrift würdig wäre der Antrag, den üppigen Kunstwald. in den herrlichsten Park umzuwandeln, wie London mehrere solcher Anlagen besitzt. Die Aufgabe wäre eben so grossartig, als für eine schöpferische Fantasie lohnend, um mit Erhaltung der mächtigen alten Bäume durch neue Reize und zeitge- mässe Lustbarkeiten die frühere Anziehungskraft des Praters wieder herzustellen; das Industrie-Ausstellungsgebäude könnte zugleich dort, von Raum und Lage, Zutritt und Wasser begünstigt, ein ständiges Bauwerk sein. Wir wenden uns aber zurück zu Näherliegendem, und erfreuenr uns vorerst der zahlreichen Alleen rings am Wall, in den Gürtelstrassen und breiten Hauptverbindungen. Wo immer thunlieh sind an solchen Strassenknoten Etablissements für Cafe’s und Restaurationen eingeschoben, deren jedes ein Diminutiv-Paradiesgärtchen für sich bildet. i 3$jZto o- ■-OOÖC-® 81 ‘SJQoo- $ 5 * Und wenn gleich nicht überall mit einem Erfrischungsort ausgestattet, so sind in meinem Ueber- sichtsplane doch mehrere sonstige Volks- und Kindergärten eingezeichnet, damit fast jeder Bezirk seine eigenen Anlagen besitze , die von den Wohnungen der Familien nicht zu weit entfernt, und diese nicht gedrungen seien, ausschliesslich die eleganten Stadtanlagen zur Erholung aufzusuchen. Je eine Blumenbude mag, wie in Paris, die frequentesten Gassen zieren, und soll insbesondere in den eleganteren Markthallen nicht fehlen. Von lieblichster Wirkung sind kleine Vorgärten bei Wohnhäusern, wo die Gelegenheit dazu sich darbietet; als bei scharfen Strassenkreuzungen, oder wo aus sonstigen Gründen die Hochbauten zurückweichen müssen. In solchen Fällen wäre die Gartenanlage zur Baubedingung zu machen. Namentlich ist die äusserste Wallstrasse nächst den Linien, in der Gestaltung nach meinen Anträgen, der geeignetste Ort, wo wohlhabende Bürger und Fabriks- , herren von feinerer Bildung villenartige Wohnhäuser erbauen sollten, mit allen Vorzügen englischen Com- forts, und eine stattliche Repräsentanz beim Eintritte in die Hauptstadt bildend; es wäre auch der Ort, wo man sich nicht auf blosse Vorgärtchen zu beschränken brauchte. Beispiele erwecken Nachahmungen; es ist Pflicht der Patrioten, erstlich in den öffentlichen Anlagen die neuen Stadttheile mit Verschönerungen in dieser Richtung freigebig zu bedenken, dann auch die Privaten, deren Wohlstand es ermöglicht, insbesondere bei der fortschreitenden Entwicklung des Luxus, der sich allmälig in die entfernteren der heutigen Vorstädte trägt, zu gleichem Eifer und Streben aufzurufen. < 6Qfto> f i Ein Vorbild edelster Grösse ist, wo es Verschönerungsanlagen und Gartenschöpfungen betrifft, uns vergegenwärtigt in dem, was der vielseitig verdienstvolle k. k. F.-Z.-M. Freiherr von Weiden mit rastloser Thätig- keit und verhältnissmässig äusserst geringen Kosten auch auf diesem, unblutigen, Felde geleistet hat 10 ). --Co^Jb Es zählt zu den Erfordernissen grosser Städte, nicht bloss Kinder- und Lustgärten, als Promenaden, sondern auch derlei Strassen zu besitzen, wo man, nach dem Volksworte, sieht und gesehen wird. Dies waren, namentlich für den Winter, in Wien die Basteien; wir haben also hiefür den Ersatz zu leisten. Da nennen wir nun vor Allem den Wall; er wird die Basteipromenade glänzend verjüngen und ist vorzugsweise geschaffen, das bunteste Treiben der bunten Hauptstadt, wie im Brennglase, aufzufassen. Rings um die innere Stadt geleitend, mit Kunstwerken und Ansichten reich ausgestattet, in ununterbrochener Reihe der elegantesten Verkaufsgewölbe, eröffnet der Wall einen Corso im grossartigsten Stile, der sich über die Augartenbrücke zum Augarten, oder durch die Augarten-Allee bis zum Prater ansdehnt, und hierdurch die riesigsten Dimensionen anzunehmen vermag, die sich an bestimmten Tagen in Wien jährlich ausgeprägt zeigten , jedoch nie zu jener vollständigsten Entfaltung gelangen konnten, welche eben nur unser neuer Corso zulässig machen wird. Aus dem Prater zurück wendet sich dieser durch die Jägerzeile über den anderen Flügel des Walles, sei es, wo immer in die innere Stadt einlenkend, sei es, die Fahrt fortsetzend über einen zweiten, dritten, gleichfalls mit schattigen Bäumen besetzten Gürtelweg. SSi&oo— --oo<^ ‘ötfQoo- f ■-co<^5S sse Wir dürfen fragen, welche-andere Stadt eines Corso von solcher Ausdehnung und Mannigfaltigkeit, vom so regelmässig in einander greifenden Verbindungen sich zu rühmen habe? Der Quai neben der in Mauern gefassten Donau an beiden Seiten, hieran der rührige Kanalhafen, dann die breiten Zu- und Abmarsch-Strassen zu glänzenden Militär-Feierlichkeiten und Paraden, die Vorplätze bei den wissenschaftlichen Instituten, Theatern, Redouten- sälen werden überall die schaulustige Menge anziehen, die Gerichtshöfe sowie die der Andacht geweihten Orte werden diclitgeschaart Menschen versammeln, und jeder dieser Punkte ersetzt eine Promenade für sich. Die grosse Stadt wird ausserdem durch Beruf, durch den Thätigkeitstrieb und Kunstfleiss der Tausende bewegt, tlieils wirklichen, theils eingebildeten Bedürfnissen zu Liebe. Der Reiche geniesst von der Arbeit des Strebsamen, dieser ernährt sich vom Ueberfluss des Andern. In dem unaufhörlichen Drängen begünstigt Wechselseitigkeit das gesellige Leben, spiegelt sich die Grossstadt in ihrer eigenen Grösse. Eine Erholung diätetischer Art, zugleich eines der empfohlensten Beförderungsmittel der Gesundheit, sind Bade-Anstalten. Es ist eine allgemeine Klage in Wien und ohne Zweifel ein wichtiger Abbruch für das Gemeinwohl, dass die Bade-Anstalten Wiens theils zu entfernt, theils nicht in zureichender Anzahl vorhanden sind: fast könnte man sagen, es fehlt an reinen Flussbädern in der Nähe gänzlich. Diesem Mangel soll durch die im Uebersiclits- plan A angezeigten, derartigen neuen Einrichtungen abgeholfen werden, und zwar um so vollständiger als wir hof- A -cofä® 84 fen, unser hiezu günstig- situirter Donaukanal werde nicht immer die offene Cloake .sein, die unseren Aerzten so gerechten Abscheu erregt. -00^58 m Wir berühren nun im Fluge die Zuflucht der Kranken, die Ruhestätte der Todten: Spitäler und Kirchhöfe. Im Uebersiclitsplane A ist beantragt, erstere um 3 zu vermehren, welche zum Behufe der zweckdienlichen Vertlieilung nach Distanzen und nach den stärkst bevölkerten Bezirken von mir nach der Leopoldstadt, sowie in die Nähe der Mariahilfer- und der St. Marxer-Linie verlegt sind. liier befiehlt uns zugleich die Pietät für die Verstorbenen das Verlangen auszusprechen, dass auch der Veredlung und Verschönerung unserer Friedhöfe mit förderndem Eifer gedacht werde: denn mehreren Tlieils erblicken wir in ihnen noch von nackten Mauern umgebene Sandplätze. Wer jemals die englischen Kirchhöfe, oder jenen von Pöre-Lachaise zu Paris, vollends den Campo Santo zu Neapel, mit dem Ausblick auf das azurblaue Meer, die herrliche Stadt und den Vesuv, gesehen, wer unter den schönen Baumpflanzungen, unter dem Blumenreichthum wandelte, womit dort die Ruhe der Todten geheiligt ist: der wird sicher in dem regen Gefühle mit mir übereinstimmen, bei uns den Ort des Friedens in j freundlicherer Weise ausgestattet zu wünschen. Wird | doch dadurch der Gedanke des Scheidens selbst minder abschreckend, wenn man des anmuthigen Gartens be- i vvusst wird, der die sterbliche Hülle zur ungestörten j Ruhe aufzunehmen bereit ist; welchen Trost fasst diese Weihe erst für die zurückgebliebenen Angehörigen in sich. Die architectonische Zuthat vervollständigt das 6 85 V I ■ ■cofä# 0 9 Bild des Ganzen: sie ist berufen, die Einfriedungsmauern zu Arcaden zu gestalten, die, wie in München, die grösseren Monumente überwölben; würdige Capellen, das Leichenliaus, mit schönem Porticus, und mit den Wohnungen für das Dienstpersonale, werden in gelungener Anlage und Ausführung sicher wesentlich beitragen, den Eindruck des Befriedigenden und Grossartigen zu erheben. Doch kehren wir wieder zu den Bedürfnissen des Lebens und seinen Mühen auf anderem Gebiete zurück, um jener humanitären Bauten zu erwähnen, welche in neuerer Zeit besonders die öffentliche Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Es sind dies die eigens bezeichneten Arbeiterwohnungen. Deren Einrichtung, sofern sie den engeren Zweck von Sammel- oder, in Beziehung auf die strenger bedürftige Classe, von Armenhäusern zu erfüllen haben, liegt ausser der Tendenz unserer Aufgabe, und hat bereits anderen Ortes *') die gründlichste Besprechung gefunden. Namentlich hat erst kürzlich Herr Doctor und Professor von Stubenrauch im österreichischen Gewerbs- verein einen sehr anziehenden und werthvollen Vortrag über diesen Gegenstand gehalten, worin ein Schatz von statistischen Daten über derlei Anstalten in Belgien und England mit den erfreulichsten Erfahrungen dargelegt ist. Es stellt sich denn für diese, in Anerkennung des grossen Einflusses, den sie auf das materielle Wohl, auf die Gesundheit und Sittlichkeit der arbeitsamen Bevölkerung haben, die ernsteste Berücksichtigung voran, und wir empfehlen auch hier die Vertheilung nach Districten, 8£50o>- k 86 ?R. ^- - 00^58 V indem wir einzelne neue Baustellen am äusseren Linienwall nächst der sogenannten Schmelz, dann in der Leopoldstadt, Brigittenau u. s. w. hiezu ausersehen. Doch wäre immerhin vorsichtig und versuchsweise vorzngehen. In Paris haben die Unternehmer der Cites ouvriöres eine Unterstützung von 10 Millionen Francs aus der Staatscasse erhalten; allein die Arbeiterschichte sträubte sich gegen die aufdringliche Art dieser Fürsorge. Es werden dort keine ähnlichen Citös mehr gebaut. Seitdem sucht man öffentlicher Seits die Abtheilung der Privathäuser zu kleinen Wohnungen in Aufschwung zu bringen; eine Einrichtung, die allen Classen, den gering besoldeten Beamten mit eingerechnet, zum Nutzen gereicht, ohne das Widerliche des Kastenwesens an sich zu tragen. Kleine Wohnungen haben aber für den Eigenthümer des Hauses viele Missstände und in der Regel weit mehr Reparaturskosten als die grösseren. Es ist daher nicht zu zweifeln, dass die Bauspeculation auf die eigentliche Woh- nungsnoth in Wien, die sicherlich noch mehr an kleinen, als an grossen Wohnungen besteht, wenig Rücksicht nehmen werde, und wenn die Mittelclasse allmälig in die Quartiere zieht, die sich in massiger Entfernung von der innern Stadt nun ebenfalls mit einem höheren Luxus umgeben, wie vordem, so dürfte das arme und kleine Volk in dem weiten Wien kaum eine Wohnung finden, aus der es nicht alsbald wieder von Wohlhabenderen verdrängt wird. Es thut nun geradezu Noth, wenn schon die neuen Anlagen nicht wohl anders als für die höheren Stände bestimmt sein können, doch mit den Demolirungen., aus blossen Verschönerungsrücksichten, bei Privathäusern nirgends weiter zu gehen, als es die successive Durch- i ! i 1 6 ooQj! Jg #r^o>- 87 i i i i i i i i j I i führnng des Anschlusses der neuen Stadttlieile an die älteren unbedingt erheischt. Ebenso sind die eingezeichneten Regulirungslinien für die innere Stadt, wie für die Vorstädte nicht gezogen, um den Abbruch allsogleich durchzuführen, was die gräulichsten Summen verschlingen würde, sondern um den Umbau der Häuser, wie er sich im Laufe der Zeit, und im eigenen Interesse der Besitzer ergibt, unverrückbar festzusetzen, und hier der Zukunft mit Vorbedacht Maas und Ziel zu geben. Nur in solcher Weise kann die Bevölkerung bei den grossartigen Umwälzungen, die in Wien sich vorbereiten, der billigen Schonung auch in ihren beschränkteren Verhältnissen versichert sein. Unter den humanitären Geschenken kaiserlicher Gnade für die Bevölkerung Wiens steht die Kaiser Ferdinands-Wasserleitung ,2 ) mit in erster Reihe. Diese ist eine jener Anstalten, welche an wasserreichen Strömen angelegt, grosse Städte mit jeder erforderlichen Menge Wasser versorgen, das durch Maschinen gehoben und in so hoch gelegene Reservoirs getrieben wird, damit auch die oberen Stockwerke der Häuser mit Wasser versehen werden können. Im Gegensatz hiezu stehen die Quellenleitungen, die leider in trockenen Sommern manchmal versiegen, denen mithin artesische Brunnen, wenn sie gelungen sind, an Ergiebigkeit voranstehen. Die Wasserleitungen Wiens theilen sich in k. k. Hof- und in städtische Leitungen. Zu den ersten zählen: l.jene vom Schottenfeld, 2. von Dörnbach, 3. zum ungarischen Gardehofe, 4. die Siebenbriinner, 5. die Ottakringer. A 8£s0<=»- A ■ C©(^>9, 83 'tR/Qo> 15 Zu letzteren: 1. die herzoglich Albertinische Wasserleitung, 2. die Mariahilfer, 3. die Karoly’sclie, 4. die Hernalser- Regierungs- und 5. die Communal-Wasserleitungen vom Laurenzergrunde und von Dörnbach, welche sämmtlich Quellenleitungen sind; endlich: 6. die obenbenannte Flusswasserleitung aus der Donau, welche für die wasserarmen Vor Stadtbezirke erbaut wurde. Diese letztere Leitung ist es, welche dem künftigen grossen Wien den vermehrten Wasserbedarf sichern muss und kann. Zu diesem Zwecke wird sie jedoch derart zu ver- grössern sein, dass ihre Wirksamkeit auf das Dreifache gesteigert werde. Wiens öffentliche Gärten und Alleen müssen in immerwährender Frische erhalten, der Staub aus ihnen verbannt, die Haushaltungen und Industrie mit dem täglichen Bedarf versorgt werden. Trinkwasser kommt den Bewohnern tlieils durch die Quellenleitungen tlieils von Schöpfbrunnen zu, deren fast jedes Haus einen besitzt, und die in manchen Theilen recht gutes Wasser geben. In London dagegen fehlen diese gänzlich, und es ist bloss auf seine Leitungen angewiesen. Auch Hamburg hat ausgezeichnete Wasserleitungen, die dem Haus- und Strassenbedarf zureichend entsprechen. Strassen undPlätze werden durch angebrachte Wechsel begossen, und die darnach behandelten Häuserfa^a- den von Zeit zu Zeit förmlich abgewaschen. Holland, das reinlichste Land, braucht per Einwohner täglich im Durchschnitte 3 Kubikfuss Wasser, London 2‘/ g , Paris fast 2, Wien gegenwärtig 0-89 von der Wasserleitung, während es ausserdem noch aus denQuel- 0 Wifi 89 It o>- Xdt ö y lenleitungen und Hausbrunnen «ich versorgt. Der eigentliche Massstab für die Vergrösserung der Wasserleitung ist also nicht in diesen Zahlen allein ausgedrückt, welche in den angeführten Beispielen anderwärts einschliesslich der Strassen- und Gärtenbespritzung und des Industriegebrauchs das ganze Wassererforderniss enthalten. Bei uns hat die Vergrösserung der Leistungskraft für die Donauwasserleitung insbesondere die Vergrösserung der Stadt und die reichlichere Verwendung hn Privat- und öffentlichen Gebrauche zu berücksichtigen. Denn eine unschätzbare Bequemlichkeit für das Publicum stellt sich dadurch heraus, dass das Wasser der Donauleitung bis in die letzten Geschosse der Wohnhäuser von selbst aufstemt, wie diess in mehreren Gebäuden eingeführt wurde, und sich aus den Dachbodenreservoirs in die Küchen und Waterclosets des ganzen Hauses vertheilt. Im fürstlich Kinsky’schen Palais auf der Freiung besteht diese Einrichtung zuerst mit einer ganz neuen Verbesserung, von dem Herrn Kupferschmied Mayer und Sohn vortrefflich ausgeführt, und es hat mit grösstmögli- cher Benützung des disponiblen Wasserquantums jedes Stockwerk seinen laufenden Brunnen, der gleich frisches Trinkwasser gibt, wie jenes am Einlauf ist. Es circulirt das Wasser erst durch das ganze Haus zum Gebrauch, ehe es zum Ueberfall in den Abflusskanal kommt. Höchst wünschenswerth wäre es, dass bei uns diese bequeme, und das gesundheitschädliche Wassertragen in hohe Stockwerke beseitigende Einrichtung allgemeiner würde, wie diess in anderen grossen Städten der Fall ist. Der mächtige Strom, aus dem uns all dieses Wasser zukommen soll, harrt für die Entfaltung seiner grossen Zukunft seit Jahrhunderten der Regulirung. Die grosse Zukunft der Donau und die des Donaukanals ist aber zugleich entscheidend für die Zukunft der Kaiserstadt. Wien wird und muss sich einst bis an den Hauptstrom erstrecken; der Uebersichtsplan A, soweit es dort möglich, enthält bereits die bezügliche Andeutung. Die Verwirklichung setzt ein geregeltes Strombett voraus, wo bald mehr und mehr ein ausgedehnter Verkehr sich heranzieht. Die rasche Ausbreitung Wiens nach den Ufern, die Hebung seiner Industrie und seines Handels ergiebt sich als nächste Folge. Fruchtbare Flächen werden der Oekonomie gewonnen, und weite Gegenden, bisher den wiederkehrenden Ueberschwemmungen ausgesetzt, sind vor diesen für immer geschützt. Das von Kanälen durchschnittene Holland, welches tiefer liegt als das Meer, beweist die Ausführbarkeit dieses Schutzes. Was ist der Schutz der Umgegend von Wien, bezüglich der Arbeit und des Aufwandes, im Vergleiche zu jenem Riesenwerk: fast nur das Modell desselben. Die Regulirung der grossen Donau fasst jene des Donaukanals in sich, dem durch die Begrenzung mit Quais eine grössere Breite gegeben, und aus den zerstreuten Armen des Hauptflusses mehr Wasser zugeführt werden kann. Bei einer Breite von 38 bis 40 Klaftern wird er sodann von Dampfschiffen ohne Anstand zu befahren. Q A Q 91 3PQo> sein, zumal mit entsprechendem Tiefgang, und wenn Jo- lianny’s neu erfundenes Beheizungssystem mit vollständiger Rauchverzehrung sich bewährt; die Dampfer werden dann des Schornsteins entbehren und unter allen Brücken durchfahren können. Für den Zweck dieser Schrift dient die Andeutung der Wichtigkeit, welche die Regulirung von Wiens Wasserstrassen für die hiesige Bevölkerung hat. Es soll nur noch der Wasserstaud der Donau nach einer zweijährigen Beobachtung durchschnittlich angegeben werden, und zwar erreichte selber: durch 224 Tage weniger als 3 Fuss über Null Yi 220 » volle 3 55 y y n 142 y y 4 5 , y y y 75 y y 5 5 , y y y 44 m y 6 5 , y y y 17 y 55 7 5 , y y 7 y y 8 5 , . y y „ 1 y y 9 5 , y y es war also in 730 Tagen 9 Fuss über Null der höchste Wasserstand, Im Jahre 1830 betrug der höchste Wasserstand im Moment der Schwellung nicht mehr als 19 Fuss 7 Zoll. Damals ist das Wasser auf die in der Stadt und den Vorstädten niederer als 19 Fuss über Null gelegenen Tlieile bloss durch die Unrathkanäle getreten, da das Wasser von unten circa 11 Fuss über Null aufsteigt. Das Strassenpflaster in der Leopoldstadt z. B. liegt nur 12 Fuss über Null; es könnten daher diese, sowie alle niederen Theile, vollkommen vor Ueberschwemmungen gesichert werden, wenn die Ufer der Donau geschützt $5* — coQk9J X* 6 v i eine stabile Brücke, statt der dermaligen Ueberfuhr, bei dem Donau-Dampfschifffahrtgebäude, als sehr nöthige Verbindung mit der Leopoldstadt; sodann in der Richtung des Walles vor der Franz- Josephs-Caserne, die beiden Quais verbindend; in der Verlängerung der Rothenthurmstrasse, die di- recte Verbindung derselben vom Quai zur Taborstrasse herstellend, insbesondere als wiinschenswerthe Ablenkung von der Ferdinandsbrücke namentlich bei Praterfahrten; eine Brücke vor der neuen Kirche vom Quai zur Leopoldstadt; eine stabile Brücke an der Stelle der jetzigen hölzernen Augartenbrücke, in der Nähe der Defensivcaserne; noch eine Brücke oberhalb von der Rossau zur Leopoldstadt , mit Rücksicht auf den dortigen Industrie- und Handelsbezirk, und auf die Lage der neuen Bäder; eine Brücke, die dritte Gürtelstrasse mit den neuen Zubauten in der Leopoldstadt verbindend; endlich für den vierten Gürt el in der äussern Linien- wallstrasse zum Anschluss am jenseitigen Ufer. Noch haben wir die Realisirung des Baues der längst projectirten stabilen Brücke über die grosse Donau zu beVorworten, da erst durch selbe die neue ausgedehnte Leopoldstadt für vollendet anzusehen wäre. Betrachtet man die Anlagekosten der jetzt bestehenden beiden Brücken der Poststrasse und der Eisenbahn, die fortwährenden Reparaturen und Bauten in Folge ihrer fast jährlich durch den Eisgang herbeigeführten theil- weisen Zerstörung, so stellt sich die Erbauung einer stabilen Brücke in ökonomischer Beziehung nur vortheilhaft heraus, ungerechnet die grossen Vortheile, welche der nicht mehr stockende Verkehr bieten würde. i -co(^ "8, jg^Cjoo- 9S -CO Q -c.o 06 j& Ä^o>- Allerdings hat dem Bückenbau die Donauregulirung voranszugehen, doch ist diese zu dringend und erfolgreich, als dass sie noch auf lange hinaus bloss ein frommer Wunsch bleiben könnte. Was aber die Herstellungskosten für die Brücke betrifft , so dürfte eine solche, welche den Strassen- und Eisenbahnverkehr angemessen vereinigte, mindestens die Tragung der Auslagen sowohl für den Staat als auch für die Bahngesellschaft gemeinschaftlich bedeutend erleichtern. Immer lebhafter erhebt sich die öffentliche Stimme gegen den Uebelstand unseres Kanalsistems und der hiemit zusammenhängenden, Eckel erregenden Verunreinigung der nun offen liegenden Wasserstrasse zwischen der inneren Stadt und der Leopoldstadt. Um diesem grossen Uebelstande abzuhelfen, wäre die Erbauung eines Hauptunratlikanals von Nussdorf entlang dem Donauquai bis an die Ausmündung des Wienflusses auf der Stadtseite, und eines zweiten auf der Leopoldstädter-Seite erforderlich, der in die grosse Donau zu leiten wäre. In diese Hauptabzüge hätten alle anderen Kanäle ihren unsaubern Inhalt zu ergiessen. Es ist begreiflich, dass in der Ausdehnung der bestehenden und noch entstehenden Stadttheile auf die Post des Kanalzweckes der Aufwand von Millionen Gulden präliminirt werden müsste, da so viele neue Kanalrichtungen Zuwachsen, und man doch nicht die Strassen- züge an die Züge der bestehenden Unrathkanäle binden kann. Nur für das nächste Erforderniss würde sich der Zuwachs an neuen Kanälen in diesem Falle auf circa k i o 9ö ‘s&^OO- s* u 30.000 Currentklafter bemessen, und es müssten dieselben im Inundationsterrain überall so gelegt sein, dass deren Ueberscliwemmungswasser den nahe liegenden Brunnen und Kellern sich nicht mittheilen kann. Dagegen empfiehlt sowohl das Beispiel des Auslandes, ich berufe mich auf Paris und München, als auch das Wort geachteter Autoritäten ,3 ) bei uns die totale Umwandlung des jetzigen Kanalsistems, welches für Wien als ein doppeltes Unglück, in Sanitäts- und in pecuniürer Hinsicht, erklärt wird. Das anderwärts eingeführte Sistem der desinfici- renden Senkgrubenapparate, welche letztere jeder Haus- eigenthümer in seinem Hause auf eigene Kosten einzurichten hat, würde der Commune, statt der ausserordentlichen Auslagen für Kanäle, vielmehr Einnahmen abwerfen, da die Excremente für die Landwirthschaft, und in chemischen Fabriken, zur Bereitung von Dünger und Salmiak, nutzbar gemacht werden können, ja selbst im comprimirten Zustande die weitere Verführung zulassen. In der Leopoldstadt besteht bereits eine derlei Fabrik, welche aber nicht an ihrem dermaligen Platze bleiben kann; zudem fehlt es ihr an zu verarbeitendem Stoff. Dieser könnte weit dienlicher der Fabrik zugeführt werden, statt dass man ihn in den Donaukanal leert. In dem Uebersichtsplane A habe ich mir nicht entgehen lassen, mittelst rother Einzeichnung die Stelle anzudeuten, wo auf dem jenseitigen Ufer der grossen Donau eine dieser Fabriken für Dünger- und Salmiak-Erzeugung mit Vortheil zu errichten wäre, und daselbst ganz gut mit genüglichem AVasser versehen werden könnte. Auf Schwierigkeiten und Opfer wird die Aenderung des alten Kanalsistems immerhin stossen; aber das an- X 3S& 00— -ooOr» g 97 SyQoo-- V -- co^58 denvärts erkannte Bessere soll uns darum nicht unerreichbar sein. Mit der Beseitigung des Unrathes in dieser Weise sind wir jedoch nicht der Erhaltung aller und jeder Kanäle enthoben: solche sind zur Abführung des Spül- und liegenwassers, zur Einlegung der Wasserleitungs- und der Gasröhren nötliig. Die Kosten derselben, da sie viel geringere Dimensionen als die Unrathkanäle bedürfen, stellen sich dafür auch weit geringer, soweit es sich bloss um den Abzug des Spül- und Regenwassers handelt. Es erscheint aber, wie uns ebenfalls das Beispiel von Paris belehrt, von grösserem Vortheil, den Wasserabzug mit den Röhrenleitungen in einem schliefbaren Kanal zu vereinen, in dem es dann leichter ist, die Stellen zu entdecken, die ein Gebrechen haben, anstatt alle Communi- cationen mit Aufbrechen des Strassenpllasters zu durch- wiililen, um auf die rechte Spur zu kommen. In solchen schliefbaren Kanälen liegen rechts und links die • Röhren verschiedener Unternehmungen beisammen. Bekanntlich gibt es in Paris mehrere concurri- rende Gesellschaften für Gasbeleuchtung; es wäre also auch bei uns eine solche Combination vorzusehen, wobei alle Betheiligten, deren Röhren in dem schliefbaren Kanal liegen, zu den Kosten desselben beizutragen haben. Während also auf der einen Seite die Wasserleitungs-, auf der anderen die Gasröhren gelegt werden, läuft auf der Sohle das abzuführende Spül- und Regenwasser ab. Es soll aber die Einlegung von Gasröhren mit der grössten Vorsicht und nur dort geschehen, wo für 98 •-Co^cfc SSQftc»- die Ventilation des Kanals die gehörige Sorge getroffen werden kann, damit nicht in Folge einer etwaigen Beschädigung’ beim Aufsuchen des Gebrechens, durch Ein- athmen der Stickluft oder wohl gar durch explodirendes Gas, Menschenleben gefährdet werden. Der Abzug des Spülwassers ist in zwei Hauptkanälen zu sammeln, die zu beiden Seiten des Donaukanals in diesen derart einmünden, dass das Eindringen von Ueberschwemmungswässern keinen Schaden herbeiführen könne. Wir glauben mithin die Aufmerksamkeit auf die wesentlichsten Momente zur Verbesserung der hygienischen und der humanitären Zustände hingelenkt zu haben, deren Berücksichtigung mit der Vergrösserung, Verschönerung und Regulirung Wiens im nahen Zusammenhänge steht. Uebrigens versagen wir es uns, diese Angelegenheiten im weiteren Detail zu besprechen, das weder der Tendenz der gegenwärtigen Schrift angemessen, noch bei der ohnedies regen Sorgfalt und Kenntniss der Behörden von practischer Rechtfertigung sein würde. & -o o&'$> 99 ’£ 'oo- V t 00 ßc 5 g enn der Tag eines anstrengenden Ausfluges sich neigt, der Abend anbricht, der zur Rast bestimmt; wenn wir in wechselnder Unterhaltung unmerklich bergan gestiegen, dann die Spitze des Hügels erreichten: da drängt es uns oft, zu rufen: überschauen wir noch einmal das Land zu unseren Füssen. Dem ähnlich ist unser Standpunkt zur Stadterweiterung: wir haben zur Berichtigung des Begriffes vom neuen Wien es gleich Anfangs in seinem ganzen Umfange zeigen wollen; — wir haben es nach den Verzweigungen seiner Gürtel- und Hauptstrassen betrachtet; sind beschreibend den glänzenden Anlagen der neuen Schöpfungen gefolgt; wir verweilten mit Absicht bei ihrer künstlerischen Ausschmückung. Der Geschäftsstrom riss uns mit sich in die innere Stadt, von Menschen wogend, nach parallelen und kreuzenden Richtungen eingetheilt; er brachte uns wieder an die entferntesten Grenzpunkte, und wir staunten über die Unermesslichkeit des Raumes für neue Baubezirke. Wir wollten endlich die Aufmerksamkeit auf Einzelnes fixiren, lange freilich durften wir nirgends stehen bleiben: es gab zu Vieles, zu Mancherlei zu besprechen. Wir fuhren den euro- i A - A --OO^» 101 v päisclien Corso liindurcli, über Brücken und Bahnen; reiche Gärten, üppige Parke erquickten uns mit ihrer Frische, und der Leidenden auch vergassen wir nicht im Taumel der Freude. Und nun erst fragen wir um die helfenden Arme, um die tüchtigen Meister der Ausführung, um die Zeit und das Geld für die Arbeiten von solcher Bedeutung und Mächtigkeit. Doch es verschwinden die Besorgnisse, da wir die Würde des blühenden Kaiserstaates, die willenssichere Kraft bedenken , die nimmer ablässt vom ruhmvoll begonnenen Werke. Rom, hiess die Parole, ist nicht an einem Tag erbaut worden; das moderne Paris macht hiezu den Gegensatz: die Demolirungen und Herstellungen sind dort jüngsthin wirklich mit zauberhafter Schnelligkeit vor sich gegangen. Wir zollen dem letzteren Beispiel in mehr als Einer Hinsicht Beifall und Bewunderung. Der ordnende und schaffende Fleiss in Dingen, wie grosse Bauführungen sind, wirkt in doppelter Anstrebung, in der beziehungsweise unsichtbaren, und in der sichtbaren. Soll die Leistung im Ganzen überraschen, so müssen beiderlei Arbeiten Hand in Hand, und gleichzeitig vor sich gehen. Besprechen jedoch kann ich selbstständig nur eine nach der andern, und beginne bei jenen Einleitungen, die eigentlich keine sichtbaren Spuren einprägen, sondern die zu erreichenden Resultate unter Einem fördern und vorbereiten. Dahin gehört zuerst die ganz genaue Aufnahme Wiens in allen Punkten, sowohl der innern Stadt, als auch der Vorstädte summt den angrenzenden Ort- 102 scliaften. Aufgenommen sollen dieselben im Massstabe von 1 Wiener Zoll gleich 10 Wiener Klaftern, zusammengestellt mit 1 Zoll gleich 20 Klaftern werden, in der Art, wie diese Aufnahme bereits für die zu verbauenden Glacisgründe erfolgte. Dieselbe soll vorzugsweise die genauen Niveaux aller 5 Gürtelstrassen, sowie aller vom Centrum aus radial gehenden Hauptstrassen bis zur letzten Gürtelstrasse enthalten, welche die in späterer Zeit vielleicht einzubeziehenden Ortschaften umfasst; ferner alle einzelnen Punkte, wo aussergewöhnlich rasch wechselnde Höhenunterschiede Vorkommen. Natürlich sind alle Niveaux auf den Nullpunkt im Donaukanal zu beziehen. Wenn auch die Erweiterung Wiens in der Weise, wie die hier beantragte Aufnahme in sich schliesst, in ziemlicher Ferne steht; wenn auch der Ausbau der ausgedehnten, Raum bietenden Vorstädte und der Donauinseln bis an den Hauptstrom, sowie die Einbeziehung und Zusammenrückung der nächsten Ortschaften keinesfalls noch die Gegenwart berührt: so soll doch Alles, schon vom jetzigen Moment an, vorgesehen und dem grossen Zwecke förderlich sein. Nichts soll fernerhin Störendes geschehen dürfen; kein Bau in diesem grossen Umkreise gestattet werden, der nicht bereits nach den künftigen Verhältnissen des Allerhöchst sanctionirten Regulirungsplanes in Bezug auf Strassenriclitung und Fussbodenhöhe angelegt und eingerichtet ist. Die Strenge der Ueberwachung in diesem Punkte kann nicht genug empfohlen werden, und es soll die persönliche Verantwortung der Schuldtragenden für jedes Versäumniss bitterer Ernst sein. Aus dem eben entwickelten Grunde sind die bevor- 103 worteten Vorarbeiten der genauen Aufnahme und Feststellung in der angeregten Ausdehnung eine höchst wichtige, ja unerlässliche Bedingung, und werden der Commune nachmals Tausende an Einlösungskosten ersparen, welche die Zukunft sonst für unzeitige Nachsicht zu tragen hätte. Auch die Gebäude selbst, die dem neuen Gesetze gemäss entstehen, werden vermöge der ferneren Unantastbarkeit ihres Bestandes, und zufolge ihrer diessfälligen grösseren Zweckmässigkeit einen viel höheren Werth haben. Ein zweiter wesentlicher Schritt ist die Anregung 1 der Baulust. Nach B. Friedmann’s bereits citirtem Buche bewegt sich für Wien die Ziffer der Häuserbauten in den Jahren 1820 bis 1830 zwischen 30 als Minimum und 131 als Maximum eines Jahres; von 1830 bis 1840 zwischen circa 50 und 139; von 1840 bis 1850 zwischen 6 und 119. Seither beziffert das Jahr 1853 die höchste Zahl mit 6G für Stadt und Vorstädte, das Jahr 1856 die niederste mit 10 Neubauten. Private verlangen nach einer sichern Verzinsung der Capitalsanlage: die reinen Interessen dürfen nicht zu ungünstig ausfallen im Vergleiche mit der Capitalsanlage in Staats-, Industrie- oder Spielpapieren; hier lockt die bequeme Weise des Interessenbezuges und des Capitalum- satzes, im Entgegenhalte zu den vielen Unannehmlichkeiten, Sorgen und Auslagen, welche der Besitz von Gebäuden im Gefolge hat, mit der Umständlichkeit und Langwierigkeit, Darlehen auf Häuser zu bekommen und abzustatten. Ehedem gab die hiesige Sparcasse fünfpercentigc Credite auf Häuser schon während des Baues derselben bis zu zwei Drittthcilen des Wcrthcs der hergestellten & 8£$0o>- 4 101 m 0 ---------oo^ys V j | Arbeit, nach Vollendung einer jeden sogenannten Gleiche etc. und nach vorausgegangener Abschätzung. Durch solche Geldhilfe wurde der Bauherr in den Stand gesetzt, auch seinerseits Zahlungen und Vorschüsse an die Lieferanten und Professionisten zu leisten, welche dafür billigere Preise stellten, da sie nicht gezwungen waren, lange Zeit, wie meistens jetzt der Fall, nach Vollendung der Arbeiten zu warten, oder bloss mit Abschlagzahlungen in Raten auf Jahre hinaus sich begnügen zu müssen. Das vertheuert nothwendig die Forderung, und wirkt abträglich auf die Rente des Baues. Nun haben wir der Geldinstitute in Hülle und Fülle, die dotirt und berechtigt wären, Hypothekarvorschüsse zu leisten, Gewerbe und Handel zu unterstützen. Nun sollte man hoffen, wieder dahin zu kommen, wie ehemals von der Sparcasse, zu billigen Bedingungen für den Zweck von Häuserbauten Geldmittel beschaffen zu können, wodurch diese Institute nutzbringend für das grosse Publicum würden; denn dann würde die Baulust mit Einem Male wieder angefacht, der wachsenden Wohnungs- noth in Wien am entschiedensten abgeholfen sein. Hypothekenbanken und Realcredit sind zwar in letzter Zeit öfter Gegenstand mehrseitiger Forschungen gewesen u ), doch scheint es, als ob hier der Impuls von höherer Instanz ausgehen müsste, und das grosse Werk der Stadterweiterung Wien’s verdiente wohl, dass für den besonderen Zweck den Normen die geeignete Gestalt gegeben werde. Viele schieben die geringere Rente der Häuser, und beziehungsweise die jetzige, über allem Verhältniss stehende hohe Miethe auf Rechnung der Besteuerung, und I ^7c 105 —"CO''/ pr--- ! I j ; suchen Abhilfe in der Verlängerung der sogenannten steuerfreien Jahre. Jetzt bestehen 15, welche im Vergleiche mit vordem, durch die gänzliche Befreiung 22‘/ 2 ! Jahren von früher gleichkommen. Würden diese Steuer- j i % freien Jahre nun, eine bestimmte Periode hindurch, auf 20 | erstreckt, welche gegen ehemals 30 darstellen, so könnte die Baulust allerdings mehr angeregt werden. Mit der Vermehrung der Gebäude und der Bevölkerung erwachsen dagegen für Staat und Gemeinde andere finanzielle Vortheile, und bilden sich desto reichere Ertragsquellen in Zukunft. Mehr noch als die Steuernachlässe wirkt fördernd auf die Rente des Baues die Wohlfeilheit desselben; dieser hinderlich sind aber jetzt: das Monopol und das Uebermass in der Strenge der älteren Baugesetze. Das Monopol vertheuert die Materialien, insbesondere die Ziegel; auch billiger Bruchstein/ billiges Holz sind ebensowenig bei uns eine Thatsaclie als billige Arbeit. Wie weit in dieser Sache zu gehen wäre, um dem factischen Hinderniss zu steuern, lässt sich hier nicht gut auseinander setzen. Vorläufig berufe ich mich auf die bereits erfolgte hohe Entscheidung, nach welcher nunmehr auch Baumeister ausser Wien für hiesige Bauten zugelassen werden. Nur der wissenschaftlich und artistisch gebildete Architect nimmt im Geschäftsverkehre noch immer eine fast entwürdigende Zwitterstellung ein, die ihn zwingt, zur Erlangung der Giltigkeit seiner reiflichst durchdachten Pläne sich um die Unterschrift irgend eines Maurerpoliers zu bewerben. Wäre es denn nicht möglich, ich will sagen, gerecht, den Architekten von nun an als gesetzli- cS fl. 8>^>od- 4 -CCX^ 106 'Si3Qo> m 15 V t ■-oolfäß die Autorität zur Geltung zu bringen, wie immer auch die Anforderungen lauten mögen, welche zum Erweise seiner Befähigung, zur Bürgschaft seiner Verantwortlichkeit gestellt werden. Die Baugesetze verlangen bis jetzt jene vermeintliche Solidität und Stärke der Bauanlage, welche zu einer Zeit bedungen wurden, in welcher Wissenschaft und Technik keineswegs ihrer heutigen Fortschritte sich rühmen konnten. Diese Forderungen sind mittlerweile tlieils nutzlos geworden, theils wirken sie sogar dem Zwecke entgegen; sündigend auf die unnöthige Dicke der Mauern wird hiezu oft elendes Materiale verbraucht, ein sclileuderliaf- ter Verband in erdhaltigem Mörtel und ungleichen Fugenstärken hergestellt. Bei gleicher, selbst grösserer Festigkeit und Widerstandsfähigkeit könnten dafür minder kostpielige und einfachere Constructionen zulässig sein, welche die Einteilung begünstigen und den Nutzraum erweitern. Es muss nur dabei auf solide, nette Arbeit, auf präcise Verbindung der einzelnen Theile strenge gesehen werden. Indessen giebt es wieder eine Seite der Baugesetzgebung, wo ein schärferes Einwirken, sofern überhaupt eine Reform in Aussicht steht, höchst notwendig und wiinschenswerth wäre. Für hygienische Rücksichten, wie Verkümmerung von Luft und Licht, fehlerhafte Anlagen der Fäcalabzüge, und manches Andere sollte die Stimme der Aerzte gehört werden. Wir würden durch Gruppirung der Haupthöfe von aneinander stossenden Häusern, — und bedingungsweise sollte jedes Haus einen solchen Haupthof haben, in den man bequem einfaliren könnte, — durch Vereinigung A Q. -«=&&> 107 ■ co{Sh' ■-cctf < i&;JQc» i i -co'^$8 mehrerer der gewöhnlichen Luftzüge zu einem grösseren, ordentlichen Lichthofe u. s. w. mehr Ventilation, grössere Feuersicherheit und wirklichen Comfort überhaupt erreichen, deren wir gegenwärtig bei der zinssüchtigen modernen Bauart fast allenthalben entbehren. Hier wird häufig der ungebundene Wille des Einzelnen, in der Absicht, bloss auf gesteigerten Miethertrag zu bauen, zum Verbrechen an der Gesammtheit, und Beruf der Gesetzgebung ist es, mit ihrem Veto weise und wohlthätig ein- zu schreiten. In meinen Plänen sind die Häusercomplexe durchgängig so raumhältig arrangirt, dass allen diesen Anforderungen leicht entsprochen werden kann. Es handelt sich nur darum, dass insbesondere bei den bisher unverbauten Stellen die Haupteintheilung der Tracte und Höfe vorschriftmässig mit Intervention der Behörde und gemeinschaftlich geschehe. Desgleichen hätte ein unverletzliches Mass des Verhältnisses freier Hofräume zur eigentlich bebauten Area dahin zu wirken, dass die einzelnen Eigenthtimer unter sich, im gegenseitigen Interesse, gezwungen wären, sich über den Anschluss ihrer Höfe nachbarlich zu vereinigen. In Betreff der Fussböden der ebenerdigen Geschosse wäre zu bedingen, dass in den Theilen, die im Inunda- tionsterrain gelegen sind, diese Fussbodenliöhe wenigstens l‘/ 2 Fuss über der Anschwellung des höchsten bekannten Wasserstandes vom Jahre 1830 von circa 19 V 2 Füss, das ist, wenigstens 21 Fuss ober Null gelegt werde , wodurch die Kellersohle selbst noch eine solche wird, welche das von unten durch das Erdreich aufsteigende Wasser nicht überschwemmt. Auch in ästhetischer Beziehung wäre darauf zu sehen, dass die einzelnen Häuser nicht ganz gleich hoch, od~ — 103 ‘SVQoy — f* V A C> oo-- —c°£&>ö 6 y oder gar in fortlaufenden Hauptgesimsen gebaut werden, damit die durch Gewohnheit und Bequemlichkeit eingeführten regelmässigen Strassenrichtungen nicht noch einförmiger und langweiliger werden, als schon unsere Tendenzbauten ohnedies mit sich bringen. Wenn also die neue Zeit im Allgemeinen die malerischen Wirkungen der Stadtbauten schwächt, und selbe sich nur auf grösseren Plätzen oder in sehr breiten Strassen durch Abwechslung im künstlerischen Schmucke der öffentlichen Gebäude erringen lassen, so erscheint es um so gebotener , auf die Anlage der Privathäuser, auch ihrer äusseren Repräsentanz nach, wenigstens den Einfluss zu üben, dass sie nicht eine gänzliche Abirrung vom besseren Ge- sehmacke bezeugen. Es lässst sich durch Risalite, Ecken, Balcons u. dgl. leicht ein Haus vom andern angenehm unterscheiden, ohne deshalb in heterogene Baustile zu verfallen; Linien von grösseren Ausdehnungen sind ausserdem durch Anlagen von Baumpflanzungen, Vorgärten etc. nach Thunlichkeit für das Auge minder ermüdend zu machen. Wir nähern uns nunmehr dem sichtbaren Einwirken, indem wir auf die Einlösung der zu demolirenden, oder unumgänglich zurückzurückenden Häuser zu sprechen kommen. Ein allgemeines Expropriationsgesetz muss in dieser Beziehung vorausgehen. Hierauf gestützt, theilen wir die Einlösungen in solche, welche unmittelbar zu den neuen Anlagen gehören, und in solche, welche bloss durch die künftige Regulirung bedingt erscheinen. Aus ökonomischen so wie aus anderen Gründen, die im inneren Zusammenhänge dieser Schrift beruhen, halte ich dafür, dass mit dem successiven Fortgange der Bau- 109 -co<; --------- V f i i fiihrungen unmittelbar, und zwar noch vor denselben, die Abschätzungen behufs der Expropriation im Granzen vorzunehmen sind. Es wäre unbegründet, die Bauherren der neuen Anlagen auf den Glacisplätzen an den Kosten der Häuser • einlösungen nicht participiren zu lassen; unbillig wäre es, diese Last nur auf jene werfen zu wollen, deren I Häuser im eigentlichen Anschlussterrain, wo die Demo- j lirungen Statt haben, zu stehen kommen. | Vielmehr ist die Summe aller Einlösungen dadurch | hereinzubringen, dass man sie für die ganze Circumval- ; lation zwischen innerer Stadt und Vorstädten auf die ge- j sammte Bauarea der öffentlichen und Privatgebäude per | Quadratklafter gleichmässig vertheilt und die Ersteher der j einzelnen Bauplätze verhält, ausser dem Werthe für den j Baugrund auch die Quote der Einlösungen nach der An- j zahl der erworbenen Quadratklafter in den Kaufpreis j einzubeziehen. Inwiefern der Werth des Baugrundes durch Schätzung oder im Versteigerungswege bestimmt werden soll, ist von der Modalität abhängig, wie die Bauführungen zu realisiren sind, wovon später die Rede sein wird. j Wir haben für die Einlösungen vorläufig noch beizufügen, dass hievon nur jene Häuser auszusehliessen wären, welche voraussichtlich über den Termin der Voll- j endung der Stadterweiterungsarbeiten, also über 20 Jahre hinaus, noch fortbestehen können. Ferner ist es nöthig zu erwähnen, dass ungeachtet der erfolgten Abschätzungen die Eigenthümer keinesfalls sogleich aus dem Besitze und Genüsse ihrer Häuser zu kommen haben, sondern i es soll die unmittelbare und allgemeine Schätzung bloss bezwecken, rechtskräftig den Preis und die Kündigungs- j frist festzustellen, unter welchen die Ueberlassung für die A 6 y —oo£)&a 110 /&o>' $5^ -- )gjK 6 V I I Stadterweiterung verlangt wird, wogegen die Zahlung erst bei der wirklichen Räumung geleistet werden soll. Die Gesammteinlösungskosten müssen aber wegen der | Repartirung im voraus erhoben sein. Wir wiederholen, dass die Demolirungen von Wohngebäuden in der Mehrzahl erst eintreten, wenn schon Ersatz an Wohnungen in neuen Häusern geschaffen ist. Man spricht vielseitig von der Förderung der Neubauten durch Baugesellschaften, das ist, Bauspeculationen auf Verkauf: diesen Weg halte ich in Wien nicht für unbedenklich. Dem Staate zunächst, wie der Commune, muss an der Durchführung im höheren Begriffe der öffentlichen Wohlfahrt vor Allem gelegen sein, und es ist in dem ausserordentlichen Falle der Gegenwart gerechtfertigt, den Einfluss weiter zu spannen, als unter gewöhnlichen Umständen geschehen würde. Insbesondere gestalten sich die Anlagen in der Nähe der inneren Stadt so sehr zum Gegenstände internatio- - naler Beurtheilung, so sehr von weithin reichendem Werthe, dass die ersten Entwürfe und die ihnen werdende ursprüngliche Herstellung als entscheidend für den Ruhm des Gelingens der Stadterweiterung Wien’s überhaupt angesehen werden müssen. Wie viel kann da genützt, wie viel unterlassen werden, wohin der Buchstabe der blossen Gesetzgebung unmöglich dringt. Nur die selbsteigene Befriedigung am Besseren, die von keinen Nebenrücksichten befangene, innerste Gewissenhaftigkeit werden in diesem Punkte jene edlere Selbstver- läugnung bewähren, der es ausschliesslich um die Solidität des Objectes zu thun ist. Der vorerst auf Geldge- 8^}oo — —co <%■$, 111 -c©ö <-otf€5S 0 winn gerichteten Speculation sind Erkenntniss und Würdigung dieser Grundsätze verschlossen ; viereckige Löcher gelten ihr als Fenster, kahle Wände, oder verbrämte Armutli als Faqaden, Wir sind jedoch eben daran, Vieles gut zu machen, was hierin verfehlt wurde; dulden wir nicht, was nachher nicht so bald sich wieder auslöschen Hesse. Während also der Bauspeculation, sofern sie sich der Stadtvergrösserung bemächtigt, vielleicht für den Ausbau der offenen Stellen zwischen der zweiten und vierten Gürtelstrasse ein weites Feld zugemessen wäre, um desto schneller zur Vermehrung von Wohnungen für die Mittelclassen zu gelangen: sähen wir die neuen Anlagen auf den Glacisgründen am liebsten unter der unmittelbaren Obhut und Pflege durch behördliche Fürsorge gedeihen, und es müsste hiebei nach einem lebensfähigen Principe vorgegangen werden, welches wir daa.it anzudeuten wagen, dass von drei zu drei Jahren je ein gegebenes Stück des Ganzen aufzunehmen sei, wofür eine fixe Summe zur Verfügung stehe I3 ). Neben den Bedingungen des ungestörten Verkehrs ist es die zu verwendende Summe, welche das Stadium der Vollendung entweder näher oder ferner rückt. Aber ein allzu saumseliges Gebaren wäre hier weniger, als irgendwo oder irgendwann, am Platze. Hievon unabhängig kommen die Wasser- undStras- senbauten, die öffentlichen Dienstgebäude, endlich die im höheren Stile gehaltenen Palais in Angriff zu nehmen. Wasser- und Strassenbauten stehen mit der Erweiterung und Regulirung Wien’s im engsten Zusammenhänge. Wir wollen nicht sagen, dass z. B. die Donau- 6 v 112 'tSQ^oo— f Stromverbesserung (las Erste sein müsse, was zu geschehen habe; aber wir meinen, es sei unaufscliieblich, in Ueberlegung zu ziehen, welche Wirksamkeit diesfalls der hoben Specialcommission im Interesse der Stadterweiterung eingeräumt werde. Wir benennen nicht schon heute die Brücken, an denen zuerst gebaut werden soll; aber wir denken, die Maxime, welche davon zur freien Passage, und welche gegen Brückenzoll, also im Wege der Ausbietung, auszuführen kämen, könnte allerdings schon jetzt berathen und beschlossen werden. Und da endlich aus den Wasser- und Strassenbau- ten für Wien, die alsbaldige Regulirung des Donaukanals eingeschlossen, füglich eine Rente nicht zu erheben ist, so müssen des ehesten die Staatsmittel hiezu vorgesehen, die Voranschläge angefertigt, die Dotationen bemessen werden. Bei den Hochbauten für öffentliche Zwecke ist die Dringlichkeit des Bedürfnisses zu ziehen. In beiden Richtungen glauben wir, dass die grosse Defensiv-Caserne, das Stadthaus, das neue Opernhaus, General-Commando , vielleicht auch die Markthallen an den einzelnen Punkten sogleich in Angriff genommen werden könnten. Auch dürfte der dermalige Exerzirplatz provisorisch auf die untere Glacis-Seite vor der k. k. Burg verlegt werden, und hiernach sogleich zur Planirung und vollständigen Herstellung des neuen Exerzirplatzes zu schreiten sein. Die übrigen öffentlichen Bauten, welchen Privathäuser nahe stehen, kommen dann an die Reihe, wenn letztere durch die betreffenden Jahresgesellschaften in Angriff zu nehmen sind, worüber die Eintheilung folgt. und die Lage in Betracht ££ioo— 5 * 6 ? •ooU» h m 'S.tQoo- -- 9 Die Umgebung' der k. k. Hofburg, wenn gleich hie- fiir schon Vorbereitungen zu treffen wären, dürfte ernstlich erst dann zu gestalten und energisch zu entwickeln an der Zeit sein, sobald der neue Exerzirplatz und die dortigen Pallastreihen jene Vollendung erreicht haben, dass das berührte Provisorium aufgegeben werden kann. Es wird angenommen, dass diese Palaisfronten durchgängig von den höchsten Herrschaften unmittelbar in Anspruch genommen und ohne Verzug ausgeführt werden; nicht minder erwarten wir dies hinsichtlich der meisten Häuser, welche stadtwärts liegend, zum Umbau bestimmt sind. Sollten hohe Herrschaften noch andere Bauplätze zu acquiriren beabsichtigen, so wäre für die bezügliche Erklärung ein Termin einzuhalten, und erst nach diesem die Verbauung den betreffenden Jahresgesellschaften anheimzugeben. Ausser den vorgenannten Punkten dürfen jedoch unter keiner Bedingung einzelne Gebäude aufgeführt, sondern es muss damit so lange gewartet werden, bis die ganze Partie an die Reihe der Ausführung kommt. Unter den Jahresgesellschaften, Seite 133, verstehen wir jene mit behördlicher Oberleitung constituirten Fonde, welche die Bestimmung haben, einen Stadttlieil auszubauen, und für deren Amortisation zu Gunsten der Interessenten in dem diesfälligen Verwaltungsplane vorgesehen ist: hierin erscheint zugleich die Modalität entwickelt, wornach aus denselben Fonden die öffentlichen Gebäude im Bereiche der gleichnamigen Stadttheilc hergestellt werden, so zwar dass der Schätzungswerth der Bauarea nach dem Allerhöchsten Willen unmittelbar für die öffentlichen Gebäude selbst die Verwendung findet. -,- 114 l t SC^OD - f f -C©0- 1 2> 0 Y Die Leistungen der Jahresgesellschaften werden in folgender Weise eingetheilt: Vom Jahre 1859 bis 1862 kommen die Bauten vom neuen Opernhaus, dieses einbezogen, rechts gegen das Wasserglacis in Angriff und werden in den nächst folgenden Jahren vollendet. In derselben Zeit stellt die hohe k. k. Militärverwaltung die ersten Arbeiten an der grossen Defensiv-Ca- serne und den neuen Exerzirplatz her. Auch das Gene- ral-Commando und Palais der Arcierengarde können anstandslos begonnen werden. Oeffentliclier Seits sind gleichzeitig die Quaimauern des Donaukanals vorzunehmen, damit später die Ausführung der Hochbauten daselbst schon die Regulirung des Flussbettes antreffe, und keine Beirrungen daraus entstehen. Von Seite der hohen Herrschaften werden unter Einem die Pallastbauten nächst dem Exerzirplatze ins Werk gesetzt. Vom Jahre 1863 bis 1865 sind die Hochbauten von der Schottengasse bis zum Stadthause in Angriff zu nehmen, und hiermit die Räume zwischen der Stadt und dem Walle, beziehungsweise Defil4-Terrain, auszufüllen. Ist das Stadthaus schon in der ersten Periode begonnen worden, so kann es mit der ebenbezeichneten Partie zugleich zur Vollendung gebracht werden. Mittlerweile sollten auch die übrigen vorher benannten Bauten ziemlich weit vorgerückt, oder theil- weise vollendet sein. Vom Jahre 1866 bis 1868 wäre der Angriff der S^.oo— /■ A ~OOÜc'& h* 115 ■Ä/Qoo- m O I [ochbauten im Anschlüsse an das Stadthaus entlang dem Quai bis zur Franz-Joseph-Caserne anzuordnen. Inzwischen kann ohne Zweifel die Umgebung der k. k. Hofburg, nachdem auch der neue Exerzirplatz bereits fertig ist, in das Stadium ihrer Entwicklung treten. Vom Jahre 1869 bis 1871 werden die noch unverbauten Räume vom neuen Opernplatz gegen den Burg- Wall hin in Arbeit genommen, während welcher Zeit nicht nur der Ausbau der Votivkirche, sondern auch die sie umgebenden Gartenanlagen bis zur nahen Vollendung gediehen sein werden. Die Universität, ebenfalls in Bau genommen, kann auf der ihr zukommenden Stelle innerhalb der vorangegangenen Jahre zu ansehnlichen Fortschritten gelangt sein. Mit dem Jahre 1872 bis 1875 dann bis 1878 schlossen die Jahresgesellschaften ihre Wirksamkeit, indem, als Rest, die Partie der Häuser nächst der Rossau jenseits des Walles bis zur zweiten Gürtelstrasse, dann in der zweiten Periode die Häuser jenseits des Wienflusses von der Mondscheinbrücke in der Richtung gegen die Verbindungsbahn in Ausführung gebracht werden. Vereinzelte Gruppen, wie beim Spittelberg und andere, insbesondere die Umbauten in den Anschlussterritorien der innern Stadt werden hier übergangen, und ist deren Herstellung, ohne sonstiges Dazuthun, durch die betreffenden Private zu gewärtigen. Die Vorbereitungen hiezu, als Abtragung der Tliore und der Basteimauern, wo sie fallen, nehmen, von der eigentlichen Baueintheilung unabhängig, wie bisher ihren angemessenen Fortgang. Der Umstand, dass die eingezeichneten Figuren der Plätze, so wie der Bauarea der öffentlichen Gebäude und Häusercomplexe in den Plänen A und B nicht durch- <■> £ S&Qoo-- 116 gängig übereinstimmen, ist für (len vorliegenden Zweck der Fixirung des Grundplanes nicht von Belang und beliebt sieb durch die, Seite 102 etc., beantragte, zum Tlieil schon begonnene vollständige Detailaufnahme. Dass meine Lineamente in den Detailplänen D für die öffentlichen Gebäude in ihren Umrissen schon auf vorläufige Studienskizzen über deren zweckmässige Ein- theilung basirt sind, habe ich mir erlaubt, zu erinnern. Noch drängt es mich, beizusetzen, wie sorgsam mein Bestreben dahin gerichtet ist, den Forderungendes Programms in Absicht auf die Vollständigkeit des vorliegenden Elaborates mit aller Genauigkeit, in dem dafür vorgeschriebenen Umfange nachzukommen. Wer sich nun nicht mit der Ausarbeitung des Ueber- siclits- und Situationsplanes allein begnügte, sondern die Aufgabe nur durch alle jene Darlegungen und zugehörigen Pläne zur Erörterung jedes wesentlichen Gegenstandes als gelöst erfasste, welche die Natur der Sache wie auch das Programm verlangt: der musste sowohl im graphischen als im erläuternden Theile einer Zeit und Mühe kostenden, schwierigen Arbeit sich unterziehen. Indem ich dieselbe hiermit unterbreite, erhebt mich das Bewusstsein, was meine Kräfte vermögen, redlich und mit hingebender Liebe für das grosse Werk aufge- boten zu haben. Wenn dieses Elaborat nur etwas zur künftigen Glorie der heimatlichen Scholle beiträgt, das werth wäre, aus der Hülle der Idee ins Leben gerufen zu werden: so darf ich die vollbrachte Leistung zu den freudigsten Erinnerungen meines bisherigen Wirkens zählen: doch obliegt es mir, bevor ich schliesse, in einigen wenigen Zeilen mich über den Standpunkt auszusprechen, der meinen Anschauungen der Allgemeinheit nach, als der leitende, vorgeschwebt ist. 'S.^'oo- -°°ö^8 V Unsere Wanderung' durch Wien ist zu Ende, das Amt des Führers erfüllt. Bei jedem Schritt, den wir zuriickgelegt, berührt mich das peinliche Gefühl, wie fern die Erklärung von der eigentlichen Kenntniss geblieben ist, welche hier zu vermitteln gewesen wäre. Wieder und wieder bietet die grosse Stadt, ihre neue Gründung, ihre Umgestaltung, Wissenswertlies, Beschauliches. Dem Gesichtskreise gleich, der sie umgibt, dehnt auch sie das erstrebte Ziel stets weiter aus vor dem verlangenden Blicke des Forschers, der endlich da angekommen ist, sich von den gewonnenen Eindrücken Rechenschaft zu geben. Aristoteles verlangt von einer Stadt, dass sie gesund, gefestigt, dem religiösen und dem Staatsleben angemessen, für Markt und Verkehr brauchbar gebaut sei. Alle diese Forderungen, als Elemente einer guten Anlage, sind bereits im Programm ausgedrückt , auf unsere Zeitverhältnisse übertragen. Hierin kommt dem Verfasser kein Verdienst zu; möge nun die Entfaltung des Verlangten für einen glücklichen Wurf gehalten werden. Wo wir uns aber hinwenden, zur classischen Vorzeit, zum Mittelalter, zur Gegenwart: so finden wir, dass von L #5iÖo>- 119 -CO©!. O/'Ky und vor Aristoteles bis auf unsere Tage der Stadtbau überall mit dem Schmucke der Kunst sich umgiebt, und dass speciell die Architeetur berufen ist, den geistigen Organismus der Alltagswelt zu erheben, Stadtbauten als Objecte der Kunst zu erfassen. Die Kirche, das Residenzschloss, das Rathhaus sind in allen Zeiten und Orten hervorragende Gebäude, wie es, von künstlerischem Glanz überströmt, den Römern das Capitol, das Forum und das Marsfeld, den Athenern die Akropolis waren. Um langhin strebende Säulenreihen flicht die Pflanzenwelt ihr leichtes Spiel und fächelt ihren Dank den Monumenten der grossen Männer zu, an deren dauernde Wohltliaten die nachkommende Jugend durch sie erinnert, zu deren Nachahmung der Ehrgeiz späterer Generationen entflammt werden soll. Von der Begeisterung', die das unvergleichliche Rom in meine Brust gebannt, von den modernen Wundern der westlichen Metropole Paris und London, ist mir das Be- dürfniss erwachsen, das junge Wien in den Probeblättern, welche ich vorlege, ebenfalls mit dem Geiste, mit der Liebe der Kunst anzuhauchen, und die Gelegenheit wahrzunehmen, wo der bildende Künstler sich im Wirken seiner göttlichen Mission genügen kann. Ich hoffe mein Bestreben werde nicht mit Ueberladung beleidigen, und mein Project werde, selbst ohne die monumentale Ausschmückung, schon durch den inneren Wechsel der Zusammenstellungen an der Klippe der Monotonie nicht scheitern; wäre es in meiner Macht, so sollte selbst die Privathäuser der Fluch handwerksmassiger Nüchternheit nicht berühren. Dass ich damit nicht griechische Tempel meine, wo man vielmehr Schutz vor den Unbilden unser» Klima braucht, nicht Fa^adenpracht, wo das Geld zu Nützlicherem Noth thut, möge meiner Versicherung A £ A 1§0 'tSVQo> V ■-00 V geglaubt werden: aber mit dem Abgeschmackten ist noch lange das Sittliche nicht errungen. Wie das Haus im Innern wohnlich, so muss auch die Stadt in sich zutraulich, anregend sein; sie muss die Liebe zu ihr tief einzuprägen, unvergänglich zu fesseln vermögen: und wie empfänglich ist vor Allem der Wiener für dieses Hochgefühl der Heimatliebe; wietheuerist ihm die heilige Erinnerung an seinen altersgrauen Stephansthurm; wie erhaben rechtfertigt sich im Gemiithsleben gerade dieses unschätzbare Werk der schaffenden Kunst. Der Pariser ist auf seine kokette Stadt, vielleicht ob seines Nationalcharakters, eitel, und darum liebt er sie; der Engländer, wenn gleich dem Massstabe des Grossen nirgends fremd, entflieht durch endlose Gassen den Nebeln Londons: ihm ist ja die Familie Alles; wenn er aus dem Tagwerke des Erwerbs kommt, wie immer es betrieben werde, eilt er, die Seinen unter schattigen Büschen in freier Luft aufzusuchen. Nun, und der Wiener? ist er nicht beinahe schon in dem gleichen Falle einer nomadischen Existenz zwischen Winter- und Sommerwohnung; treiben nicht Staub, Enge und Hitze ihn gewaltsam fort von der Stelle, wo die nährenden Laren ihn verpflichten, wo das Band des Jugendtraumes ihn umflattert. Wie weit soll das noch gehen: ist es denn wahr und unvermeidlich, dass die grosse Häusermasse qualmend, erstickend, verscheuchend uns anglotze — dann thäte man Unrecht, sie heute noch zu vermehren. Wir aber hoffen das freudige Gegentheil, wir bauen unsere Zuversicht auf ein neues, frisches, lebenatlnnen- des Wien, das unsere Erinnerungen heiligen, zugleich aber die heiteren Gebilde der Kunst bräutlich aus- sclimücken und verjüngen werden; wir hoffen, wie der kunstsinnige Redner 16 ), mit dessen Worten wir schlies- 9 ^ A Q 121 Ö°>' fl ■-co'^jS r ? sen, auf ein glückliches Wien, das zu verlassen uns fürder keine Lust an wandeln soll. ,,In der Entwicklung einer jeden grösseren Stadt tritt ein Stadium ein, wo der hergebrachte Zustand gebrochen werden muss, wo man das Anlegen von Häusern und Strassen nicht mehr dem Zufalle, also einem natürlichen Kristallisationsprozesse, anheim stellen kann, sondern wo der menschliche Wille und die menschliche Einsicht positiv eingreifen müssen. Die Zeit, in welche solche Ereignisse fallen, sind überall Wendepunkte im staatlichen und geistigen Leben der Völker gewesen. Es war dies in Griechenland und speciell in Athen die Zeit nach den Perserkriegen, nach Alexander dem Grossen gewesen, in Rom die der Imperatoren, in Byzanz die Constantin des Grossen. Paris hat mehr als einmal, zuletzt in unserer Zeit, einen solchen Prozess durchgemacht. Wien geht in diesem Momente in seine entscheidendste Bauperiode ein.“ Allein wird nicht das Glück die Wunder schaffen, Ein kühner Sinn, beharrliches Gesetz Ist Sieger, wenn auch tausend Nöthen klaffen. €1 Wien! nach aussen trag’ die Macht der Waffen, Und innre Grösse sei Dein Panzernetz. Geschrieben im Juli 1858. 8 *^ 000 -- --co0^ m r V *) Die fünf Vocale, als rätliselhaftcs Anagramm, aucli Alberts Vers genannt, haben über hundert Auslegungen gefunden, die meistens der Verherrlichung Oesterreichs geweiht sind. Insbesondere wurden diese Buchstaben von Kaiser Friedrich dem Dritten (1440 —1493) auf Münzen, Büchern und Gebäuden angebracht, und sind auch auf dessen herrlichem Grabmale bei St. Stephan in Wien zu sehen. Siehe Prof. Salomons Kalender „Austria“ für 1842, Seite 106, Wien, Verlag bei Ignaz Klang. Gedruckt beidenEdlen von Ghelen’schen Erben. — Desgleichen: Kaltenbaeck, Oester- reichisclie Zeitschrift für Gescliiclits- und Staatskunde. Dritter Jahrg. Blatt 52 Seite205.206, Blatt 53 Seite 210. 211. 212. Wien 1837. In Commission der F. Beck’schen Buchhandlung. Gedruckt bei den Edlen von Ghelen’schen Erben. *) Das Citat ist entlehnt aus Ottokar Lorenz, die Oesterreichische Regentenhalle. Seite 293 und 294. Wien 1857. Verlag von Tendier et Comp. Druck der typ. lit. art. Anstalt in Wien. 3 ) Die Bevölkerung Wiens ist seit 100 Jahren von 175.400 auf 473.900 Einwohner gestiegen. Speciell in den letzten 36 Jahren ergibt sich der Bevölkerungsstand Wiens im Jahre 1820 mit 260.300 Einwohnern, „ „ 1830 „ 317.800 „ „ 1840 „ 356.870 „ „ 1850 „ 431.200 „ „ 1856 „ 473.950 A Q coOf 1 ■Ä/QCO- — r -C 0-^58 Nehmen wir die Periode vom Jahre 1820 bis 1856, so ergibt sich eine Zunahme der Bevölkerung im Ganzen um 213.650 Einwohner; es wird daher bei andauernder Zunahme die Bevölkerung binnen 50 Jahren zuversichtlich um das Doppelte sich vermehrt haben. Berücksichtigt man ferner die gegenwärtigeEntwicklung unserer Kaiserstadt, namentlich in Folge der Vollendung der Eisenstrassen nach allen Ländern und Meeren der Welt, so erscheint die weitere Steigerung der Einwohnerzahl bis zur Million als keine Hypothese, und gibt den Massstab, nach welchem die Erweiterung Wiens, nicht bloss numerisch, sondern auch in der Potenzirung künstlerischer Ansprüche und der Opulenz, aufgefasst werden muss, wenn sich ein diesfälliges Project nicht schon in allernächster Zukunft als ungenügend erweisen soll. Uebcrhaupt hat mit der Volkszunahme die Häuserzahl in Wien durchaus nicht gleichen Schritt zu halten vermocht, daher die vielfachen Klagen über Wohnungsmangel und Theuerung der Miethzinse. Sehr werthvolle Mittheilungen darüber gibt: Bernhard Friedmann, die Wohnungsnoth in Wien; 1857, Wien, Wallishau- ser’sche Buchhandlung (Josef Klemm),Druck von Leopold Sommer. 4 ) Die Ausgaben für die Vergrösserung von Strassen und Plätzen im Innern von Paris beliefen sich: von 1816 bis 1830 auf. 10,250.000 Francs, von 1831 bis 1847 auf. 24,500.000 Francs; dagegen wurde von 1851 bis 1855 die ungeheure Summe von. 157,651.000 Francs zu demselben Zwecke verwendet. Diese Angabe ist zugleich für den Umfang des neuesten Bauwesens, wie für seinen Abstand von dem ältern sehr bezeichnend. Aber nicht bloss dem äussern Umfange, sondern auch dem inneren Wesen nach unterscheiden sich die heutigen Unternehmungen von den vorigen insofern charakteristisch, als man dabei eine tiefgreifende Methode bemerkt, die entschieden darauf hinwirkt, Paris von seinem Erbübel der Engbrüstigkeit zu befreien und aus seinem uralten Wirrwar rein zufälliger Anlage herauszubringen. In der That ist seit der Anwendung dieser Methode die gesundere und regclmässigcrc Ilcr- o>---co&'fc 124 «> J Oo> —ccQkft 6 V Stellung derStadt mit jedem Jahre sichtbarer geworden, und noch immer legt man die Grundsteine zu riesenmässigen Werken, die nicht wie früher bloss aufs Tapet, sondern auch in Ausführung kommen. — Siehe Jahrbuch zum Conversations-Lexikon: „Unsere Zeit“ sechstes Heft, Seite 860, u.a.O. Leipzig, F. A. Brockhaus 1857. 5 ) Aus einem speciellen Aufsatze in dieser Richtung wird entnommen : „Tn den breiten Strassen treffen wir die Mitte derselben durch Candelaber, Säulen und sonstige Stützpunkte markirt, nicht bloss des Lichtes, nicht bloss der Auf- und Abfahrt wegen: sie sind zugleich Zierde, wie Schutz, insbesondere für die Fuss- geher, welche quer über die Strasse wollen, und denen jene Mar- kirungen den Halt geben, um den kurzen Moment abzupassen, w'o die Wagenlinie unterbrochen ist. Je breiter die Uebergänge, desto nothwendiger werden die erwähnten Stützpunkte.” W as hier tn leiblicher Beziehung die Breite, das wird in geistiger die Menge der Strassen und ihrer Namen. Zeichnet der Stadtplan die Züge, so fordern diese ihrerseits den sprachlichen Ausdruck. Warum sollten damit nicht praktische Zwecke zur Erleichterung der Oricntirung verbunden werden? denn immer würde ein leitender Faden im Wimvar unserer alten Strassen- namen keine überflüssige Vorsicht sein. Das Bedürfniss wächst ja mit der Grösse der Stadt. Doch gehen wir zu den Vorschlägen selbst über, von denen vier etwas näher erörtert werden. Erstens, bloss des Beispiels wogen, erwähne ich das Zah- lensistem. Jede Hauptstrasse sei durch die Einheit bezeichnet, jeder gesonderte Bezirk durch die Dekade. — Die Seitengassen, von der Hauptstrasse, die Stephanskirche als Mittelpunkt angenommen, rechts abbiegend,erhalten die geraden, die links abbiegenden ungerade Zahlen: die Hausnummern in den Gassen mit geraden Zahlen sind rechts, mit ungeraden Zahlen links ver- thcilt. Wir sehen hieraus: a) dass eine einzige Bezeichnung hin- rcicht, uns sogleich über die Lage und die Bedeutung von Strassen oder Gassen zu orientiren, dann b) dass uns damit zugleich L 8^>oo- ö m -«=><>& 125 -—ccxj --CO^jfc j angezeigt ist, wie viele Seitengassen zu überschreiten sind, um | zu der von uns eben aufgesuchten zu gelangen. I Bei allen diesen Vortheilen bleibt doch das Zalilensistem das abgeschmackteste, und verwirrt an sich schon durch das Einerlei der Ziffer: verwerfen wir es unbedingt. Zweitens folgt das Namensistem nach radialen Ilaupt- | strassen,* cs beruhtauf der Gleichzahl der Silben mit derGleich- | heit der Anfangsbuchstaben für je eineHauptstrassc und für den ! zugehörigen Annex ihrer Seiten- und Nebengassen. Es darf also , mit einem und demselben Anfangsbuchstaben in Verbindung mit der gleichen Silbenzahl nur ein einziger Name für Hauptstrassen gewählt werden; geht man bis zu viersilbigen Namen, so ist die | Auswahl von nahezu hundert Namen von Hauptstrassen geboten. Die rechts abbiegenden Seitengassen machen sich durch ein r in der Stammsilbe oder am Ende des Namens kenntlich: ebenso die links abbiegenden durch ein 1; endlich die Nebengassen, d. i. solche, welche die Seitengassen quer oder parallel zur Ilaupt- strasse durchschneiden, ohne eigentliche Hauptstrassen zu sein, können in gleicher Weise durch r oder 1, und in der Eigenschaft von Nebengassen noch überdiess durch den Um- oder Doppellaut der Stammsilbe markirt werden. Die Aufeinanderfolge der Gassen wäre durch die alphabetische Ordnung, mit ziemlicher Genauigkeit, anzudeuten. Nötigenfalls können am ersten Hause rechts und links in jeder Hauptstrasse beim Ein- und Ausgang derselben nach Art der Ankündigungstafeln grosse Aufschriften angebracht werden, aus denen die Namen und die Lage der Seiten- und Nebengassen zu entnehmen sind. Drittens kommt im Gegensätze zum Sisteme radialer Hauptstrassen, deren Mittelpunkt die Stephanskirchc, das analoge Namensistem nach Gürtelstrassen, welche den Umkreis der inneren Stadt und der bisherigen Vorstädte ringförmig einschlies- sen. In der Hauptsache beschränkt sich die Erleichterung der Orientirung nach letzterem Sisteme darauf, dass zwischen zwei Haupt- und zwei Gürtelstrassen liegende Gassen durchaus nur Namen von gleicher Silbenzahl und gleichen Anfangsbuchstaben erhalten, wobei die Unterscheidung zwischen rechts und links, dann zwischen Seiten- und Nebengassen entfiele. Bei diesem sowohl, wie bei dem vorigen Namensistem ge- &£ g&0oo----- I i „Q 126 6 V niigt die Angabe bloss einer Bezeichnung, weil durch die Analogie der Silbenzahl und gleichen Anfangbuchstaben die Andeutung der Lage gegeben ist. Für Addresscn, sowie für das Ge- dächtniss ein nicht zu übersehender Vorzug. Da man aber in Wien bereits an zwei Bezeichnungen, als den Namen der Vorstadt, — oder Stadt, besser innere Stadt — nebst dem besonderen Namen der Strasse oder Gasse gewohnt ist, so bringen wir: Viertens das Namensistem nach Stadtbezirken, indem wir jede Gruppe, die von zwei radialen Haupt- und zwei ringförmigen Gürtelstrassen begrenzt ist, als selbstständigen Bezirk bezeichnen, hiebei die schon bekannten Vorstadt-Namen, wenn gleich für geänderte Umgrenzungen, beibehalten, und ebenso bei den Gassen-Namen nur da, wo das Entstehen neuer Linien, oder der Eintritt in einen anderen Bezirk, wie auch das öftere Vorkommen desselben Namens eine neue Bezeichnung erheischen, in die alten Gewohnheiten und Aufschriften regelnd eingreifen. Mit specieller Beziehung auf Wien muss ich über dieNomen- clatur der Gürtelstrassen, als Förderungsmittel der Oric-nti- rung, noch in Folgendem mich näher aussprechen: Der vorliegende Regulirungsentwurfenthälteinen fünffachen Gürtel; zur Charakteristik desselben erscheinen die fünf Vocale des mehrerwähnten Anagramms A, E, I, O, U passend zu verwenden. In gleicher Weise sind die zwischen den einzelnen Gürtelstrassen liegenden Bezirke zu bezeichnen. Dem entsprechend benennt sich a) der erste Gürtel Wall, e) der zweite Feld, i) der dritte Ring, o) der vierte Dorf, endlich u) der fünfte Grund. Alle dieseNamen sind den Wienern mundgerecht, und wenn schon die Districte nicht die gleichen bleiben können, so brauchen wir nur an die gewohnten Ausdrücke von Stadtwall, Lerchenfeld, Schottenfeld, Ottakring, Simmering, Guin- pendorf, Gaudenzdorf, Alsergrund, Braunhirschengrund und viele andere dieser Art zu erinnern, um sicher zu sein, dass man sich leicht in die sistcmatische Folge der angedeuteten Nameneinthei- lung finden würde. -co&tt 197 -coG - ■u Die Benennung des Walles, wie der Plätze dürfte vor Allem grossen historisch-patriotischen oder religiösen Verherrlichungen den Ursprung danken. Nach dem ersten Kaiser aus dem Hause Habsburg hätten wir einen Rudolphs-Wall; entlang dem Exerzirplatze mit Bezug auf das dortige Monument einen Theresien-Wall; vor Mariahilf den Marien-Wall; vor der Elisabeth-Brücke den Elisabeth-Wall; ebenso an geeigneter Stelle den Sophien-Wall u. s. w., welche sich nacheinander mit dem Franz-Josephs-Quai verbinden. Die innere Stadt behält die bisherigen öffentlichen Bezeichnungen bei. Die Aufschriften und Addressen der Häuser, welche gegen den Wall rechts und links Front machen, lauten hiernach: Thc- resien-Wallstrasse Nr. —, sowie Franz-Joseplis-Quai Nr. —; etc. in Wien. Für die Häuser, welche ferner zwischen der ersten und der zweiten Gürtelstrasse, von beiden eingeschlossen liegen, halten wir Aufschrift und Addresse mit Tlieresicn-Wallstadt, N.-Gasse Nr. —, Sophien-Wallstadt, N.-Gasse Nr. — u. s. w. in W r ien, verständlich angezeigt. Der zweite Gürtel führt den gemeinsamen Namen Feldstrasse und wird nach den entsprechenden Bezirken als die Marsfeld-Strasse am grossen Exerzirplatz, die Spittelfeld-Strasse am Spittelberg, die W r iedenfeld-Strasse an der bezeichneten Vorstadt, die Münzfeld-Strasse am Münzgebäude u. s. w. zweckdienlich unterschieden, so dass Aufschrift und Addresse z. B. mit Marsfeld-Strasse Nr. — in Wien genau bezeichnet, das Haus sei in der Front des grossen Exerzirplatzes an der dortigen Gürtelstrasse selbst gelegen. Zwischen dem zweiten und dritten Gürtel tritt sodann noch die Bezeichnung der Gasse hinzu, und es kommt die Addresse zu ergänzen mit: Marsfeld, N.-Gasse, Nr. — in W r ien, wodurch die Lage des betreffenden Hauses hinreichend erklärt ist: das Gleiche gilt von allen übrigen Bezirken innerhalb dem zweiten und dritten Gürtel. I §5se ■--- - -- — 128 ~co$S5& ? i 0 Hing ist der allgemeineName der dritten Gürtelstrasse, sich unterscheidend als Rossaucr-Ring, Alser-Ring, Joscphstädter- Ring, Neubau-Ring, Mariahilfer-Ring, Margarethen-Ring, Renn- weg-Ring,Landstrassen-Ring u.s. w. Die Aufschrift undAddresse der Häuser, welche rechts und links auf die bezügliche Gürtelstrasse Front machen, würde z. B. lauten: Joseplistädter-Ring- strasse Nr. — in Wien; Aufschrift und Addresse der Häuser zwischen dem dritten und vierten Gürtel lautet nach Obigem: Josephstädter-Ring, N.-Gasse Nr. — in Wien; hiermit ist abermals die Lage vollkommen nachgewiesen. Der Rayon des vierten Gürtels hat den Gcsammtnamen Dorf; somit heisst die Hauptcommunication des Gürtels selbst Dorfstrasse, und da diese an den Barrieren vorbeiführt, so geben letztere den einzelnen Strassenabtheilungen die bekannten Namen; es soll nur bemerkt sein, dass z. B. entlang der Mariahil- fer-Barriere der Name zu ändern käme, weil grundsätzlich kein Name, den schon ein früherer Gürtel trägt, sich in einem weiteren wiederholen darf, da dies sonst leicht zu Irrungen Anlass geben könnte. Der Analogie wegen berufen wir Aufschrift und Adresse wie früher, als: Rusten-Dorfstrasse Nr. — in Wien, oder Rustendorf, N.-Gasse Nr. — bei Wien, je nachdem das Haus in der Gürtelstrasse selbst, oder zwischen dem vierten und fünften Gürtel gelegen ist. Wir schliessenmit der Bezeichnung Grund, welche der fünften Gürtelstrasse und den ausserhalb des fünften Gürtels gelegenen Bezirken zukommt. Dermalen gehören selbe nicht mehr zum eigentlichen Stadtbezirke; sobald sie sich aber im Laufe der Zeiten enger aneinander schliessen werden, darf ihre Einbeziehung z u Wien kaum bezweifelt werden, während wir ihnen bis dahin die Addresse bei Wien möchten angedeihen lassen. Der Gürtel selbst würde hier wieder z. B. mit Meidling* Grundstrasse Nr. — bei Wien; der Annex mit Mcidlinggrund, N.-Gasse Nr. — bei Wien für die genaue Orientirung kenntlich sein. Es stellt mir nicht zu, die Nomenclatur der Stadttlieilc und Anlagen des grossen, neuen Wiens in umfassender Weise durchzuführen: es soll dies erst auf Grund des Allerhöchst zu genehmigenden Regulirungsplanes geschehen. Ob und was immer für eine Folge die vorstehenden Winke zur Anbahnung einer erleichterten Orientirung haben mögen, so halte ich es mindestens für zeitgemäss, die Sache überhaupt im gegenwärtigen günstigen Augenblicke anzuregen. Was das Publicum am schnellsten in die neuen Bezeichnungen einweihen würde, wäre die ausgedehnteste, also thunlichst wohlfeile Vervielfältigung des zur Ausführungkommenden Grundplanes, in welchem die neueEintlieilung der Bezirke mit ihren Namen recht augenscheinlich, wie auch der Begriff der Orientirung, als für die Wahl der Namen massgebend, gehörig verständlich gemacht und der letzte Zweck derselben erläutert sein müsste. -co<^jS 6 ) Man hat in Paris eigene Pläne in Verkauf gesetzt, die aussclilies- licli das Netz der Omnibusfahrten nach allen Richtungen und Kreuzungen anschaulich machen. Sehr sinnreich sind in diesen Diminutiv-Stadtplänen die Omnibuszüge mit den gleichen Farben eingezeichnet, welche die betreffenden Wagen haben, weil diese Uebereinstimmung ermöglicht, die Richtung sogleich zu kennen, welche der Omnibus nimmt, was sonst nicht zu erreichen wäre, da die Geschwindigkeit nicht zulässt, erst die Aufschriften der Wagen zu lesen. Sobald diese Fahrten hier in eine enger geschlossene Regel gebracht sein werden, wäre auch das Muster der erwähnten Pläne nachzuahmen, womit dem Publicum zuverlässig ein grosser Dienst geschieht. Weitere Angaben enthält in dieser Beziehung die Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 224 vom 12. August 1854Seite3581. Augsburg, J.G. Cotta’scher Verlag. ’) Ueber Docks sind ausführliche Darstellungen enthalten in: The Encyclopaedia Britanica. Edinburgh 1842, Adam and Charles Black. Vol. VIII. 75. Ferner in: Dictionnaire de l’economie politique. Publie sous la direction de MM. Ch. Coquelin et Guillaumin. Paris 1854, Im- primerie de Gustave Gratiot. Tome I. 569. S$5$Qoo~ <*>&& -oo(V r ■ä^'xdo -—ccy ^ 1 C p [ i Dann in Prof. Försters Allgemeiner Bauzeitung, Jahrgang 1837 Seite 129, 1841 S. 181 und 192, 1850 S. 2 und a.O.Wien, Druck von Anton Benko. s ) Getreide- und Markthallen, Speicher, Waarenlager sind gleichfalls in Prof. Försters Allg. Bauzeitung vielfach belehrend besprochen, wie im Jahrgang 1839 S. 53, 1841 S. 37, 1843 S. 57, 1844 S. 75 und 81, 1847 S. 39 und 215, 1852 S. 223, 1856 S. 7 u. a. O. 9 ) „Ueber den Einfluss der A. h. angeordneten Erweiterung der Stadt Wien auf die hygienischen Verhältnisse derselben.“ Von Dr. Franz Innhauser, k. k. Polizei-Bezirksarzt, in der österr. Zeitschrift für pract. Heilkunde. März 1858. Separat-Abdruck der typogr. - liter. - art. Anstalt (L. C. Zamarski, C. Dittmarsch et Comp.) in Wien. Seite 6. — Die ganze Schrift ist als Besprechung über die Rücksichten für den Gesundheitszustand der Bevölkerung sehr beachtenswertli. *°) Prof. Försters Allgemeine Bauzeitung gibt in den Jahrgängen 1839 Seite 91 und 1847 Seite 43 belehrende Aufsätze über die Anlage sogenannter Natur- oder englischer Gärten von Freiherrn von Weiden. Desgleichen von verschiedenen Verfassern übei specielle Gartenanlagen, in den Jahrgängen 1837 S. 264, 1843 S. 21, 1847 S. 116, 1855 S. 201 u. s. w. 11 ) Die Errichtung von Arbeiterwohnungen ist oft besprochen worden: eine bauliche Eintheilung enthält Prof. Försters Allgemeine Bauzcitung v. J. 1850 S. 152. ,2 ) Die Wasserleitungen in Deutschland, Frankreich, Belgien, England und Italien sind vom Herrn k. k.Hofbauratlie, nachmalsHof- rathe Hermenegild Ritter von Francesconi instructiv beschrieben in Prof. Försters Allgemeiner Bauzeitung Jahrg. 1837 S. 17, g £ oo----------- -coOy 181 —CoQ$;X> 1840 S. 30. Andere Abhandlungen über Wasserleitungen enthalten die Jahrgänge 1841 S. 217, 1847 S. 132 der nämlichen Zeitschrift. Unsere Angaben sind der Broschüre aus der k. k. Hof- und Staatsdruckerei 1858 „Wasserleitungen der k. k.Haupt- und Residenzstadt Wien“ entnommen. ) Wir entheben uns vieler Weitläufigkeiten und Wiederholungen, indem wir die Abhandlung anführen, welche von Herrn Dr. Franz Innhauser, k. k. Polizei-Bezirksarzt, über diesen Gegenstand erschienen ist, und den Titel führt: „Ueber Retiraden, Pissoirs, Senkgruben und Kanäle in sanitätspolizeilicher Hinsicht mit besonderer Rücksicht auf Wien.“ Separat-Abdruck aus der Zeitschrift der k. k. Gesellschaft der Aerzte zu Wien, Mai- und Juni- Heft 1857. Bei Carl Gerold’s Sohn. ) Grundzüge für eine Hypothekenbank in Oesterreich, von Dr. Johann Baptist Zugschwerdt. Wien 1854 bei Wilhelm Braumüller. Dann von demselben Verfasser: Die Wahl eines Hypotheken-In- stitutes für Oesterreich. Wien 1855 bei Wilhelm Braumüller. — Die privilegirte österreichische National-Bank in ihrer Wirksamkeit als ITypothekcn-Bank. Von Dr. Julius Fierlingcr. Wien 1855 bei Friedrich Manz. ) Dies der wörtliche Inhalt eines Vorschlags, dem beizustimmen, ich kein Bedenken trage: „Hier zeigt sich zu beiden Seiten vortheilhaft, auch das kleine Capital, nämlich den Credit durch Betheiligung der Mit- telclassen in das Interesse zu ziehen. Dass diess unter Bedingungen geschehe, die ebensowohl anregen, als auch die gehegten Erwartungen erfüllen, sollen folgende Grundlagen des künftigen Wicner-Stadt-Baufondes vermitteln, und zwar: 1. thunlichste Erleichterung bei der ßetheiligung, 2. entsprechende Verzinsung der Einlagen während des Baues und nach demselben, «=>ö\ 'S/^'oo- --o0^58 3. gesicherte vollständige Rückzahlung, beziehungsweise Einlösung der Antheile; 4. Verleihung besonderer Anrechte für die Besitzer von Anthcilen, 5. Wahrscheinlichkeit pecuniärer Gewinne durch die Betheiligung, 6. Garantie durch eine öffentliche Behörde für die Erfüllung von sämmtlichen Zusagen. Erleichterungen bei der Betheiligung.— Von je 3 zu 3 Jah- j ren wird eine Jahresgesellschaft für Neubauten in Wien gebildet, j und einer jeden, bis der Raum zwischen der innern Stadt und den j Vorstädten gänzlich occupirt ist, ein abgegrenzter Bezirk zurReali- j sirung des Allerhöchst genehmigten Regulirungsplanes überlassen. i Jede solche Jahresgesellschaft repräsencirt, für sich abgeschlossen, durch Einlagen den Fond, sagen wir beispielsweise, j von fünf Millionen Gulden österreichischer Währung. j Die Einlagen der ersten Jahresgesellschaft bestellen einzeln j in je zweihundert Gulden österr. Währung für je Einen Antheil, also die Gesammtsumme in 25.000 Antheilen. ] Zur Einzahlung werden vier Raten angesetzt; die erste mit I 10% also zwanzig Gulden, welche bei der Subscription auf je j Einen Antheil zu entrichten sind; — die zweite mit 20°/ o d. i. ( vierzig Gulden, die dritte mit 30% gleich sechszig Gulden, die j letzte Rate mit 40% nämlich achtzig Gulden: alle diese Raten in ] Intervallen von je drei Monaten fällig. j Anzunehmen sind sämmtliche Anmeldungen, und welche j der Reihenfolge nach die Ziffer von 25.000 Antheilen über- j greifen, bleiben für die zweite Jahresgesellschaft in Vormerkung. Würden dagegen weniger als 25.000 Antheile subscribirt, so sind die zurückgebliebenen Antheile als Depot für Vorschüsse zu verwenden, und haben zu diesem speciellen Zwecke gleichen j Werth mit Staatseffecten. Es versteht sich, dass sie sodann bei j der Rückzahlung im Umfange der hiefür erfolgten Vorschüsse die Priorität gemessen. Der Vortheil, einer früheren Jahrcsgesellschaft anzugehören, besteht darin, desto früher zur Rückerstattung der Einlage zu ; kommen, nachdem erst alle Antheile der ersten Jahresgesellschaft j beglichen sein müssen, bevor zur Einlösung jener der zweiten j L ge$o>- 00&:» ~7r ---CO&& 187 !/ 0 >- sjoo-' «.^Ooo- m 6 -~co58 ? Nach erfolgter Zuerkennung desselben werden die depo- nirten Antheile zurückgestellt. Um aber den Schutz gegen Kündigung oder Steigerung der Miethe des erstandenen Logis für die volle Dauer des Bestandes der Jahresgesellschaft, zum mindesten für 10 aufeinander folgende Jahre, zu geniessen, muss die Deponirung der Antheile bleibend sein, wogegen eine eigene Bescheinigung dieselbe bestätigt und den sistemmässigen Schutz gewährleistet. Dem Besitzer soll es jedoch frei stehen, das erworbene Anrecht wieder aufzugeben und seine Antheile zurückzufordern; zugleich kann er, wenn die Antheile deponirt bleiben, mittelst Cession sein Anrecht an eine andere Partei übertragen, wobei die gehörige Meldung und die Bedingung vorausgesetzt wird, dass gegen die Annahme der besagten Partei nicht etwa ein begründetes Bedenken erhoben werden könne. Bei dem Verkaufe der Häuser haben die eintretenden Pri- vateigentliümer sowohl die Verzinsung der Haussätze an die betreffenden Besitzer der Antheile, als auch die Verbindlichkeit zu übernehmen, die Parteien, welche den Schutz gegen Kündigung und Steigerung der Miethe geniessen, bis zum Ablauf der bedungenen 10 Jahre des Genusses, vom Zeitpunkt d**s Bezuges der Wohnung oder Localität gerechnet, durch entsprechende Mietverträge sicher zu stellen. Pecuniärer Gewinn. — Der pecuniäre Gewinn der Besitzer von Anteilen besteht: a) in den gesicherten regelmässigen fünf- percentigen Zinsen; b) in der Dividende zur Amortisationsquote vom Verkaufe der Häuser, beziehungsweise in dem aufkündbaren Haussatze; c) in dem sichern Genüsse einer Wohnung, deren Preis die Besitzer der Antheile mit gegenseitigen Anboten sich selbst bestimmen hönnen; d) in der allfälligen Aufzahlung für die Ueberlassung der Localität an eine andere Partei; e)in dem Agio für die Antheile, die bei Bewerbung um Wohnungen immer sehr gesucht sein werden, und f) in dem schliesslichen Uebergenuss, der sich aus dem günstigen Verkaufe der Häuser herausstellt. Bis alle Häuser je einer Jahresgesellschaft verkauft sind, bleiben die Antheile in den Händen der Besitzer und haben auch * 3 * 113 •co!; ■-c°Ovö dann noch einen Werth, wenn die Einlagsumme dem Besitzer längst zurückgeflossen ist. Zu dem Behufe ist, zum Beispiel, bei der Kündigung und Rückzahlung eines Haussatzes von Seite des Privateigentliümers nur der Nennbetrag auf dem Antheil zu löschen, während der Antheil selbst in fortdauernder Wirkung mit allen Anrechten für die Miethe und mit dem Anspruch auf den schliesslichen Ueber- genuss in Geltung bleibt. Erst mit der Auszahlung dieses Uebergenusses werden die Antheile abgenommen und getilgt, nachdem selbe nicht eher Statt hat, als bis alle Häuser der betreffenden Jahresgesellschaft verkauft und die berechtigten Parteien bezüglich der zugesicherten 10 Jahre durch neue Miethverträge gegenüber den Privat- eigenthümern in ihren Ansprüchen gewahrt sind. Einfluss der öffentlichen Behörde. — Die Behörde, welche mit der Leitung der Angelegenheiten des Wiener-Stadt-Bau- fondes betraut wird, widmet schon dem Bauproject die vorzüglichste Aufmerksamkeit, da die Bereicherung Wiens mit wahrhaft gesunden, und dabei doch ökonomisch eingetheilten Wohnungen die Hauptsache ist, mithin die hygienischen Rücksichten hier den Vorrang vor den lucrativen behaupten sollen. Für die Ausführung wird sich die Behörde nur ganz erfahrner und rechtlicher Geschäftsleute zu versichern wissen, damit auch die Solidität der Bauten vor gewöhnlichen Speculations- liäusern vortheilhaft sich auszeichne; dazu wird am meisten eine besondere behördliche Baü-Aufsicht beitragen. Strenge Pünktlichkeit in den Anordnungen und prompte Bezahlung der Verdienste an Lieferanten und Unternehmer soll diese zugleich in die Lage setzen, durchaus billige Forderungen zu stellen, welche überdies durch eingreifende Revisionen in den gehörigen Schranken gehalten werden. Die Administration der Häuser, so lange diese nicht verkauft sind, wäre vertrauenswürdigen Männern zu übergeben, welche mittelst Ilintexdegung von Antheilen des Wiener-Stadt-Baufondes so viel Caution leisten, als die von ihnen cinzuhebcnden Mieth- zinse erheischen. ved 5 » 9 A Q -<-o0A' ‘&?0o> — 0 -co^cg ¥ Im Ganzen scheint es durchaus nicht nöthig, sowie in Anbetracht des bloss vorübergehenden Einflusses noch weniger angemessen, dass ein eigenes Amt zur Besorgung der Geschäfte bestellt werde. Vielmehr kann ohnehin bis zum gänzlichen Vollzüge der Stadterweiterung in Wien, namentlich bis zum Ausbau der hiezu bestimmten bisherigen Glacisgründe, die Specialcommission im hohen Ministerium des Innern nicht entbehrt werden, welche wohl weiterhin zwischen einer legislativen und executiven Wirksamkeit zu unterscheiden haben dürfte. Für erstere genügt die persönliche Thätigkeit der versammelten hohen Capacitäten: zum executiven Dienste jedoch müssen ausserdem Hilfskräfte beigezogen werden, welche ihrerseits in dem Fache, worin sie verwendet werden sollen, bereits Tüchtiges geleistet haben. Indem diese Hilfskräfte zeitlich in die Dienstleistung bei der Commission für die Stadterweiterung treten, haben sie Gelegenheit, sich entweder im Allgemeinen einen begründeten Ruf für ihre weitere Praxis, oder theilweise auch Ansprüche auf Staats- bedienstungen zu erwerben, wenn es Individuen aus dem bürgerlichen Leben sind; — stehen sie aber schon im Staatsdienste, so wäre ihnen dieser mit allen Rechten zum Rücktritte vorzubehalten. Ganz abgesondert von den Functionen der Ministcrial- Commission wäre das Geldgeschäft zu behandeln, und es dürfte die Ueberzeugung des Publicums von der ausschliesslichen Verwendung der Einlagen zum angeregten Zwecke am meisten befestigen, wenn die österreichische Nationalbank vermittelst einer ihrer Abtheilungen die Obsorge übernähme, welche sich auf die Durchführung der Einzahlungen für die Antheile, der hypothekarischen Sicherstellungen, der Rückzahlungen, Verzinsungen u. s. w. bezieht, wie auch die einzelnen Credite veröffentlichte, die zur Ausführung der Baulichkeiten an die competenten Organe der Executivcommission terminweise verabfolgt wurden, und worüber die Nachweisungen der speciellen Verwendung, gehörig geprüft und vorbereitet, an die Gesammtcommission, das heisst, auch an den legislativen Körper, zu gelangen hätten, * -CCx,^. 140 SR J -öo> — V -co{^5ö 0 V damit für die betreffenden Organe schliesslich die Aufhebung* der persönlichen Verantwortung erwirkt werde. 16 Mit hoher Befriedigung haben wir anzuführen: „Ucber Städte- Anlagen und Stadtbauten.“ Ein Vortrag, gehalten am 10. März 1858 im grossen ständischen Saale zu Wien von Prof. Rudolph Eitelberger v. Edelberg. Wien, Druck u. Verlag von Carl Gerold’s Sohn 1858. ! i w 6 141 INHAL T. A 8$&)oo- 148 {' SEITE --cotföfc Einleitung: Ursprung der Devise, Erwartungen, Lage VVien’s, Grundsatz für das Project und die Beschreibung ... 1 Pläne: Benennung, Maasse, Farben, Detailbezeichnungen • • 5 lieber sicht und Communicationen: Boulevards, Vorstädte, Orientirung, Baustellen * • • 11 Neue Stadttheile und Regulirung: Anlage vom Donaukanal mit Einschluss der Votivkirche, ° \ von da bis zur k. k. Burg, Umgebung der k. k. Hofburg, von der Augustinerbastei bis zum Wasserglacis, von da zur Franz-Joseph-Caserne, Donauquai, innere Stadt, Erweiterungsbauten in den Vorstädten, Leopoldstädter-Dock und Verbindungskanal • • 21 Alternativanträge: Mölkerbastei, Stadthaus, Justizpalast, Defensivcaserne, Universität, rechts und links der Strasse vom Kärntnerthor zur Wieden, nächst der Seilerstätte, neuerOpern- platz, Wasserglacis, Industrie-Ausstellungsgebäude • 61 Specialitäten: Niveauverhältnisse, Markthallen, Einwölben des Stadtgrabens, Centralbahnhof, Gärten, Promenaden, Badeanstalten, Spitäler und Kirchhöfe, sonstige humanitäre Bauten, Wasserleitung, grosse Donau, Donaukanal, Wienfluss, Brücken, Abzugkanäle.67 Ausführung: Aufnahme, Baucredit, Steuerfreiheit, Gewerbe- und Baugesetze, Häusereinlösung, Baugesellschaften, öffentliche Gebäude und Palais, Herstellung in Partien • 101 Schluss: Elemente des Städtebaues, künstlerische Ausstattung, Allgemeines, Akrostichon. 119 Anmerkungen: 16 Citate von benützten Schriften.123 144 •OoOrfcX DAS KÜNFTIGE WIEN. EIN BEITRAG ZUR ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DESSELBEN. \ ■s - ,J * ‘ :f f v' ,: 'V, VP'V: •A ; "■'■•>■■■> ■, . ’.-'V:" . S V TXf»~ HC;” - _i iAh* Vmv'S-.. ’ »«JS* ■• **n k . J . ■rr .I W** K- | i;' > 4 r -. ’ ./rlV;;W : fc-WV ' • 'r.\ <. -• - ' t' 0 ;; • X*?: < ■ • : ;„ .. . A A " ' ’• y : ■ • *■■'•’* •• ’• ’• . ' • ! Das künftige Wien datirt vom Allerhöchsten Handbillet Seiner kaiserlichen königlichen Apostolischen Majestät, des Inhalts: Lieber Freiherr von Bach! Es ist Mein Wille, dass die Erweiterung der innern Stadt Wien mit Rücksicht auf eine entsprechende Verbindung derselben mit den Vorstädten ehemöglichst in Angriff genommen und hiebei auch auf die Regulirung und Verschönerung Meiner Residenz- und Reichshauptstadt Bedacht genommen werde. Zu diesem Ende bewillige Ich die Auflassung der Umwallung und Fortifi- cationen der inneren Stadt, so wie der Gräben um dieselbe. Jener Theil der durch Auflassung der Umwallung, der Fortificationen und Stadtgräben gewonnenen Area und Glacis-Gründe, welcher nach Massgabe des zu entwerfenden Grundplanes nicht einer anderweitigen Bestimmung Vorbehalten wird, ist als Baugrund zu verwenden und der daraus gewonnene Erlös hat zur Bildung eines Baufondes zu dienen, aus welchem die durch diese Massregel dem Staatsschätze erwachsenden Auslagen, insbesondere auch die Kosten der Herstellung öffentlicher Gebäude, sowie die Verlegung der noch nöthigen Militär-Anstalten bestritten werden sollen. Bei der Entwertung des bezüglichen Grundplanes und nach Meiner Genehmigung desselben bei der Ausführung der Stadterweiterung ist von nachstehenden Gesichtspunkten auszugehen: Mit der Wegräumung der Umwallung, der Fortificationen und der Ausfüllung der Stadtgräben ist in der Strecke von der Biberbastei bis an die Umfassungsmauer des Volksgartens in der Art zu beginnen, dass längs dem Donaukanale ein breiter Quai hergestellt und der vom Schottenthore bis zum Volksgarten gewonnene Raum theilweise zur Regulirung desExerzirplatzes benützt werden kann. Zwischen diesen gegebenen Punkten hat zunächst die Erweiterung der innern Stadt in der Richtung gegen die Rossau und die Alservorstadt zu geschehen, einerseits dem Donaukanale, andererseits der Grenzlinie desExerzirplatzes folgend, jedoch mit Bedacht auf die entsprechende Einschliessung der im Bau begriffenen Votivkirche. Bei der Anlage dieses neuen Stadttheiles ist zuvörderst auf die Erbauung einer befestigten Caserne, in welcher auch die grosse Militär-Bäckerei und das Stabsstockliaus unterzubringen sind, Rücksicht zu nehmen, und hat diese Caserne Achtzig (80) Wiener Klafter von der Augartenbrücke nach abwärts entfernt, in der verlängerten Achse der dorthin führenden Hauptumfassungsstrasse*zu liegen zu kommen. Der Platz vor Meiner Burg nebst den zu beiden Seiten desselben befindlichen Gärten hat bis auf weitere Anordnung in seinem gegenwärtigen Bestände zu verbleiben. Die Fläche ausserhalb des Bprgthores bis zu den kaiserlichen Stallungen ist frei zu lassen. Ebenso hat der Theil des Hauptwalles (Biberbastei), auf dem die Meinen Namen führende Caserne liegt, fortzubestehen. Die fernere Erweiterung der innern Stadt ist bei dem Kärntnerthore und zwar auf beiden Seiten desselben in der Richtung gegen die Elisabeth- und Mondscheinbrücke bis gegen das Carolinenthor vorzunehmen. Auf die Herstellung öffentlicher Gebäude, namentlich eines neuen General- Commandos, einer Stadtcommandantur, eines Opernhauses, eines Reichsarchives, einer Bibliothek, eines Stadthauses, dann der nöthigen Gebäude für Museen und Galerien ist Bedacht zu nehmen und sind die hiezu zu bestimmenden Plätze unter genauer Angabe des Flächenausmasses zu bezeichnen. Der Raum vom Carolinenthore bis zum Donaukanale soll ebenfalls frei bleiben, desgleichen der grosse Exerzirplatz der Garnison vom Platze vor dem Burgthore an bis in die Nähe des Scliottenthores und hat letzterer an den Platz vor dem Burgthore unmittelbar anzuschliessen. Von der befestigten Caserne am Donaukanale an, bis zum grossen Exerzir- platze hat in gerader Linie ein Raum von Einhundert (100) Wiener Klafter Breite frei und unbebaut belassen zu werden. Sonst soll aber im Anschlüsse an den Quai längs dem Donaukanale rings um die innere Stadt ein Gürtel in der Breite von mindestens Vierzig (40) Klaftern, bestehend aus einer Fahrstrasse mit Fuss- uiul Reitwegen zu beiden Seiten, auf dem Glacisgrunde, in der Art angelegt werden, dass dieser Gürtel eine angemessene Einfassung von Gebäuden abwechselnd mit freien zu Gartenanlagen bestimmten Plätzen erhalte. • Die übrigen Hauptstrassen sind in entsprechender Breite und selbst die Nebenstrassen nicht unter acht Klafter Breite anzutragen. Nicht minder ist auf die Errichtung von Markthallen und deren entsprechende Vertheilung Bedacht zu nehmen. Zugleich ist auch bei Entwertung des Grundplanes über die Stadterweiterung die Regulirung der innern Stadt im Auge zu behalten und daher der Eröffnung entsprechender neuer Ausgänge aus der innern Stadt unter Bedachtnahme auf die in die Vorstädte führenden Hauptverkehrs-Linien, gleichwie der Herstellung neuer, jene Verkehrslinien vermittelnder Brücken, die geeignete Beachtung zu zu wenden. Zur Erlangung eines Grundplanes ist ein Concurs auszuschreiben, und ein Programm nach den hier vorgezeichneten Grundsätzen, jedoch mit dem Beisatze zu veröffentlichen, dass im Uebrigen den Concurrenten freier Spielraum bei Ent- werfung des Planes gelassen werde, gleichwie sonstige hierauf bezügliche geeignete Vorschläge nicht ausgeschlossen sein sollen. Für die Beurtheilung der eingelangten Grundpläne ist eine Commission aus Repräsentanten der Ministerien des Innern, des Handels, ferner Meiner Militär- Centralkanzlei und der Obersten Polizeibehörde, einem Abgeordneten der niederösterreichischen Statthalterei und dem Bürgermeister der Stadt Wien, dann aus geeigneten, von dem Ministerium des Innern im Einvernehmen mit den übrigen hier erwähnten Centralstellen zu bestimmenden Fachmännern unter dem Vorsitze eines Sections-Chefs des Ministeriums des Innern zu bilden und sind drei von dieser Commission als die besten erkannten Grundpläne mit Preisen und zwar in den Beträgen von Zweitausend, Eintausend und Fünfhundert Stück k. k. Münzdukaten in Gold zu betheilen. Die hiernach als die vorzüglichsten erkannten drei Grundpläne sind Mir zur Schlussfassung vorzulegen, sowie über die weiteren Modalitäten der Ausführung unter Erstattung der bezüglichen Anträge Meine Entschliessung einzuholen sein wird. Sie haben w r egen Ausführung dieser Meiner Anordnungen sogleich das Entsprechende zu verfügen. Wien, am 20. December 1857. Franz Joseph m/p. Hierauf kam zur Veröffentlichung: Concursausschreibung zur Erlangung eines Grundplanes für die mit Allerhöchstem Handschreiben vom 20. December 1857 angeordnete Erweiterung und Regulirung der innern Stadt Wien. In Folge der mit Allerhöchstem Handschreiben vom 20. December 1857 angeordneten Erweiterung und Regulirung der inneren Stadt Wien wird hiemit ein Concurs zur Erlangung eines Grundplanes mit dem Beisatze ausgeschrieben, dass sich die Concurrenten bei Entwertung desselben an die, in jenem Allerhöchsten Handschreiben festgestellten und durch die Wiener-Zeitung vom 25. December 1857 veröffentlichten Gesichtspunkte zu halten, im Uebrigen aber freien Spielraum haben, gleichwie auch sonstige, hierauf bezügliche geeignete Vorschläge nicht ausgeschlossen sind. . Zur näheren Erörterung der den Concurrenten gestellten Aufgabe sollen nachstehende Bemerkungen dienen. Die Absicht der Staatsverwaltung, welche das Project der Stadterweiterung unter Bedachtnahme auf die künftige Entwicklung der inneren Stadt und der Vorstädte mit möglichster Förderung zu verwirklichen anstrebt, ist bei Ausschreibung dieses Concurses dahin gerichtet, den Sachverständigen Gelegenheit zu bieten, unter Festhaltung der Allerhöchst vorgezeichneten Grundsätze, ihre Vorschläge über die Modalitäten darzulegen, nach welchen diese Erweiterung und Regulirung mit Rücksicht auf die practisclien Bedürfnisse der Bevölkerung in technischer und künstlerischer Beziehung auszuführen wäre. Die Staatsverwaltung erwartet auf diesem Wege sich des erspriessliclien Beirathes der Sachverständigen zu versichern, und in die Lage gesetzt zu werden, durch geeignete Auswahl und Combination der gemachten Pläne die bestmögliche Grundlage für die zur technischen Ausführung der Stadterweiterung nöthigen Anordnungen zu gewinnen. Insbesondere ist es die Aufgabe der Concurrenten, den gegebenen Raum in den angedeuteten Beziehungen und unter Beachtung der Allerhöchst vorgeschriebenen Gesichtspunkte entsprechend und zwar in der Art zu disponiren, dass die Neubauten sich sowohl an die innere Stadt, mit Bedachtnahme auf eine thunlichst anzustrebende Regulirung derselben, als auch an die Vorstädte organisch an- schliessen. Hiebei ist der Herstellung von geeigneten Verbindungen zwischen der Stadt, den Neubauten und den Vorstädten insbesondere mit Rücksicht auf die Hauptverkehrslinien der Stadt und der Vorstädte und auf eine etwaige zukünftige Erweiterung der letzteren die gebührende Beachtung zuzuwenden. Ebenso ist auf die Herstellung der, dem waclisendenVerkehre entsprechenden Anzahl von Brücken, sowohl über den Donaukanal als den Wienfluss, dann auf die erforderlichen Communicationen mit den bestehenden und nächstens ins Leben tretenden Eisenbahnen das Augenmerk zu richten. Die Staatsverwaltung erwartet ferner von den Concurrenten geeignete Vorschläge über die successive Durchführung des Grundplanes namentlich in der Richtung, dass unbeschadet einer schleunigen Realisirung des Projectes die mit einer solchen Massregel verbundenen Störungen des Verkehrs und sonstigen Unzukömmlichkeiten auf ein thunlich geringes Mass zurückgeführt werden. Es ist die Einleitung getroffen worden, dass jedem Concurrenten zwei Catastralpläne von Wien, und zwar der eine im Massstabe von 80 Klafter auf einen Zoll, der andere im Massstabe von 40 Klafter auf einen Zoll nebst einem Niveauplane, auf welchem die hauptsächlichsten Niveaucoten ersichtlich gemacht sind, und einem Plane der bestehenden Casematen in den Basteien der Stadt Wien bei dem Ministerium des Innern (Wipplingerstrasse No. 384) verabfolgt werden. Auf dem ersterwähnten Plane (Uebersichts-Plan) hat jeder Concurrent sein Project und zugleich die Communicationen mit den Vorstädten übersichtlich darzustellen und in den zweiten Catastralplan (Situationsplan) den Grundriss seines Projectes genau einzuzeichnen. Ausserdem hat jeder Concurrent die einzelnen Gruppen seines Planes im Massstabe von 20 Klafter auf einen Zoll durch Detailpläne, soweit es zur Verdeutlichung seines Projectes nothwendig ist, zu entwickeln. Längen- und Querprofile der Strassen müssen beigelegt werden. Bei den Längenprofilen sind die Länge im Massstabe von 20 Klafter auf einen Zoll, die Höhen im Massstabe von 4 Klafter auf einen Zoll darzustellen. Bei den Querprofilen ist der Massstab von 4 Klafter auf einen Zoll anzunehmen. Jeder Concurrent hat seine Anträge in einer Denkschrift erschöpfend zu erläutern und zu begründen. Die approximative Area der für Staats- und sonstige öffentliche Zwecke bestimmten Gebäude, deren entsprechende Disposition und Gruppirung von den Con- currenten erwartet wird, sowie einige zur Beurtheilung der Situirung dieser Gebäude dienliche Andeutungen, werden den Concurrenten bei Empfangnahme der Catastralpläne bei dem Ministerium des Innern schriftlich mitgetheilt. Jeder Concurrent hat bei Ausarbeitung seines Projectes jedenfalls sich an die Allerhöchst vorgezeichneten Gesichtspunkte zu halten. Will ein Concurrent anderweitige, davon abweichende Vorschläge machen, so sind dieselben eventuell unter Vorlage der, die Variante darstellenden Pläne vorzubringen und zu entwickeln. Die Concurrenzpläne sammt den erforderlichen Denkschriften sind bis längstens 31. Juli 1858 bei der Präsidialkanzlei des Ministeriums des Innern versie - gelt einzureichen; später einlangende derartige Entwürfe werden zur Concurrenz nicht angenommen. Die Pläne sind mit einer Devise zu bezeichnen, und ist denselben ein versiegelter, und auf dem Couvert mit derselben Devise versehener Zettel, auf welchem sich die Angabe des Namens und Wohnortes des Concurrenten zu befinden hat, beizulegen. Der Ueberbringer erhält von der Präsidialkanzlei eine Empfangsbestätigung, in welche die bezügliche Devise aufgenommen wird. Die rechtzeitig eingelangten Pläne werden durch 14 Tage öffentlich ausgestellt. Zur Beurtheilung dieser Pläne wird eine Commission aus Repräsentanten der k. k. Ministerien des Innern, der Finanzen und des Handels, der k. k. Militär - Centralkanzlei und der k. k. Obersten Polizeibehörde, ferner aus einem Abgeordneten der k. k. niederösterreichischen Statthalterei, dem Bürgermeister der Stadt AVien, und aus Fachmännern gebildet. Drei von dieser Commission als die besten erkannten Pläne (Grundpläne) werden mit Preisen, und zwar in Beträgen von Zweitausend, Eintausend und Fünfhundert Stück k. k. Münzdukaten in Gold betheilt. Die mit Prämien ausgezeichneten Pläne bleiben Eigenthum der Staatsverwaltung, die nicht mit Prämien betheilten Entwürfe können nach erfolgter Entscheidung, gegen Einsendung der bei der Einreichung erhaltenen Empfangsbestätigung, mit uneröffneter Devise übernommen werden. Tom k. k. Ministerium des Innern. Wien, am 30. Jänner 1858. Dazu sind mitgetheilt worden, als Beilage des Programms: Andeutungen bezüglich jener für Staats- und sonstige öffentliche Zwecke erforderlichen Gebäude, auf welche die Concurrenten bei Ausarbeitung ihrer Projecte Rücksicht zu nehmen haben. 1. Für die befestigte Caserne in der Nähe der Augartenbrücke wird eine Grundarea von 10000 —10600 Quadrat-Klaftern in Anspruch genommen. Die in dem Allerhöchsten Handschreiben mit 80 Wiener Klaftern festgesetzte Entfernung der Caserne von der Augartenbrücke ist von letzterer bis zur Mitte der Caserne zu berechnen. 2. Das Gebäude für das k. k. General-Commando und die damit vereinigte Stadtcommandantur mit einer approximativen Grundarea von 2400 Quadrat-Klaftern wäre nicht zu entfernt von der kaiserlichen Burg und ziemlich im Mittelpunkte der vorhandenen Casernen anzutragen, in welcher Beziehung auf den Jesuitenhof und den Platz vor demselben bis zur Esplanade- Strasse oder bis zum künftigen Boulevard hingedeutet wird. Yor diesem Gebäude ist ein Platz in massigen Dimensionen frei zu lassen. 3. Für das Opernhaus wäre eine Grundarea von 2000 — 2400 Quadrat-Klaftern und 4. Für das Reichsarchivsgebäude eine Grundarea von 1500—1800Quadrat- Klaftern in Anschlag zu bringen. 5. Das Bibliotheks-Gebäude dürfte eine Grundarea von beiläufig 2000Quadrat-Klaftern in Anspruch nehmen. 6. Für Museen und Galerien mit Inbegriff der geologischen Reichsanstalt wäre eine Grundarea im Gesammt-Ausmasse von 4500—5300 Quadrat-Klaftern in Anschlag zu bringen, wovon 2000—2400 Quadr.at-Klafter auf die Gemälde-, Münz-, Antiken- und Sculpturen-Sammlungen, und eben so viel auf naturwissenschaftliche Sammlungen (zoologisches und Mineralien - Cab inet), dann beiläufig 500 Quadrat-Klafter auf die Unterbringung der geologischen Reichsanstalt entfallen würden. 7. Das Stadthaus, welches zur Repräsentanz, zur Abhaltung grösserer Festlichkeiten und für öffentliche Productionen bestimmt sein wird, dürfte eine Grundarea von beiläufig 2000 Quadrat-Klaftern in Anspruch nehmen. 8. Bezüglich der Markthallen wird die entsprechende Yertheilung und Grup- pirung derselben, so wie auch die Bestimmung des Flächenmasses mit Rücksicht auf die obwaltenden Bedürfnisse den Preiswerbern überlassen. 9. Ausser diesen in dem Allerhöchsten Handschreiben bereits bezeichneten Gebäuden ist auch auf zwei feste freistehende Wachthäuser (deren jedes eine Grundarea von 160 Quadrat - Klaftern benöthigt) Bedacht zu nehmen. Das eine derselben ist in der Gegend ausserhalb des jetzigen Schottenthores, das andere ausserhalb des Kärntnerthores in der Richtung gegen das jetzige Carolinenthor anzutragen. Endlich ist bei der Disposition des Raumes noch auf die Reservirung einer Grundarea von beiläufig 3000 Quadrat-Klaftern für den Bau eines k. k. Arcieren- Leibgardehofes und zwar nicht zu entfernt von der kaiserlichen Hofburg fürzudenken. Bezüglich der, für Staats- und öffentliche Zwecke bezeichneten Gebäude ist darauf zu sehen, dass dieselben wo möglich mit der Hauptfront auf öffentliche Plätze oder durch die Boulevards gebotene breite Räume zu stehen kommen und insbesondere mit Berücksichtigung ihrer speciellen Bestimmung so viel als thun- lich von allen vier Seiten freistehen. Sonstige von den Preiswerbern allenfalls noch gewünschte Auskünfte werden denselben auf Verlangen bei dem Ministerium des Innern ertheilt werden. Nebstdem bestand die Instruirung: aus 1 Catastralplan der Stadt Wien sammt Vorstädten vom Jahre 1832, in 4 Blättern; „ 1 Plan der innern Stadt Wien vom Jahre 1858 mit den angrenzenden Vorstädten, in 4 Blättern; ,, 1 Plan der innern Stadt Wien vom Jahre 1858, in welchem die Inundations- linie vom Jahre 1830, sowie auch die Niveaulinien und Niveaucoten ersichtlich gemacht sind, in 4 Blättern; ,, 1 Plan der im Jahre 1858 aufgenommenen Niveauprofile von der innern Stadt bis zu den Vorstädten, in 4 Blättern; v ,, 1 Plan der bestehenden Casematen in den Basteien der Stadt Wien, in 9 Blättern; ,, 1 Plan der bestehenden Wasser- und Gasröhrenleitungen, dann: „ 1 Plan der vorhandenen Unrathkanäle; desgleichen: ,, 1 Brochure über die Wasserleitungen der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien, und: ,, 1 Brochure über die Kanalisirung der innern Stadt. Diese sind die Grundlagen für die von den Concurrenten einzubringenden Elaborate, welche sich den vorerwähnten Bestimmungen gemäss in die Darstellung der Ideen mittelst Zeichnung und in eine erklärende Beschreibung zu theilen haben. Da es schon, der Natur der Sache nach, nicht wohl anging, den graphischen Theil des Projects eines Bewerbers zu vervielfältigen, so musste die Erwägung der Verhältnisse desto sicherer das Beschwerliche vor Augen stellen, wenn die den Plänen beizugebende Denkschrift nur in einer einzigen Vorlage zur Benützung gebracht ist. Um vorerst der erwählten Prüfungscommission den schuldigen Beweis von Achtung zu zollen, vielleicht auch zur Förderung ihrer schwierigen und verantwortlichen Aufgabe, war es angezeigt, Copien der Beschreibung in der Anzahl der geehrten Mitglieder anfertigen zu lassen. Allein mehrseitig angeregt, machte sich alsbald der Wunsch geltend, die Kenntniss eines Gegenstandes von so allgemeinem Interesse, wie die Stadterweiterung, auch dem grösseren Kreise der Beschauer, welche die Ausstellung der Pro- jecte besuchen würden, insbesondere jedoch den abwesenden Freunden zu ermöglichen: und so reifte denn in mir nach und nach der Entschluss zur Drucklegung der Denkschrift, mit der Ueberzeugung, dass nichts geeigneter sei, Belehrungen von verschiedenster Seite anzuregen, die noch nachträglich von Nutzen sein können. Damit übergebe ich nun die folgenden Blätter, welche deshalb, weil sie gedruckt sind, nichts von der Anspruchslosigkeit schlichter Schreibbogen einbüssen sollen, wohlwollenden Gönnern meiner Bestrebungen, „als einen Beitrag zur Entstehungsgeschichte vom künftigen Wien“, indem ich zugleich, gegen die Zumuthung jeder sonstigen Absicht mich verwahrend, die Erklärung beifüge, dass überhaupt das Project und dessen Beschreibung noch zu nahe an der Grenze des Studiums liegen, um nicht nachmals mannigfachen Modificationen Raum zu lassen. Wenn die Hast der ersten Gedanken beruhigt sein wird, fände die letzte Feile noch Vieles zu verfeinern, manche Strasse, manchen Häusercomplex regelmässiger zu gestalten, manchen sonstigen Antrag bestimmter zu formuliren. Ob ich es darf, bleibt der höheren Entscheidung anheimgegeben. Fast mache ich mir schon jetzt den Vorwurf, zu ängstliche Rücksichten dem Bestehenden eingeräumt zu haben, und nicht mit kühnerer Energie meinen Anforderungen an die grosse Zukunft gefolgt zu sein; ich würde, bei einer Ueber- arbeitung meines Projects, jedenfalls die Gürtelstrassen mit strengerer Entschiedenheit in ihrer Richtung und mit der Anwendung von 20 Klafter Breite durchzuführen vorziehen, da ich vollkommen die Wichtigkeit erkenne, welche dieselben wegen der centralen Lage der inneren Stadt und vorzugsweise für militärische Zwecke haben müssen. Der Defensiv-Caserne würde ich no.ch einen kleinen bombenfesten Vorbau am Thurm ansetzen, um von selbem das Bestreichen des Quai zu erzielen. Indessen darf ich doch bemerken, dass die allgemeine Uebersicht von der Terrasse und dem Thurm dieser Caserne, so auch die Correspondenz mit den übrigen, im Gesichtskreise liegenden Casernen, als der Franz-Josephs- und der Alser-Caserne, nach meinen Plänen vollkommen hergestellt ist, obschon selbe, in Folge der schiefen Richtung des Quai gegen die programmmässig bedingte Achse, etwas zurückgerückt ist. Es gehört zwar die Anlage in das Gebiet der fortificatorischen Baukunst: aber meine Skizze ist bereits darauf eingerichtet, dass das Werk durch Thürme an den Ecken nicht eine schlechte Flankenveriheidigung, und vor diesen Ecken nicht grosse todte, d. i. unbestrichene Winkel habe. Sollte weiterhin für unerlässlich befunden werden, dass das 100 Klafter breite Defile-Terrain eine offene Verbindung mit dem Exerzirplatz erhalte, so dürften nur von der eingezeichneten Häuserzeile daselbst an der Votivkirchen- sowie auf der Burg-Seite je eine oder mehrere Bauparzellen nach Erforderniss weggelassen werden. Die Stellung der öffentlichen Gebäude in ihrer Gesammtheit betreffend, kann es einem Architecten gewiss nicht schwer sein, deren Gruppirung zu einem grossartigen Totaleffect auszusinnen. Es wird dann alles Imposante auf Einen Punkt gehäuft. Derlei Paradeviertel, wo dem bewegten Handel und Wandel kein Stäubchen abfällt, grünen gewöhnlich, gewisse Stunden hindurch, in behaglicher Vereinsamung, und werden bei aller architectonischen Pracht langweilig. In meinen Plänen erscheinen dieselben nicht vereint, sondern absichtlich in den einzelnen neuen Anlagen vertheilt, damit diese, in entsprechender Abwechslung mit Staatsbauten geziert, nirgends dem Typus einer alltäglichen Zinsstadt anheimfallen. Selbst den Functionären der bezüglichen Anstalten dürfte die Vertheilung derselben erwünscht sein, weil sie ihnen erleichtert, in der Nähe ihres Berufsortes, mit anderen Ständen der Gesellschaft, nach Wahl Quartiere zu finden. Auch mit der übermässigen Ausbreitung der öffentlichen Gebäude, sowie mit allzu luxuriösem Vortreten derselben glaubte ich, bei allem Eifer für Kunstdenkmale, etwas zurückhalten zu sollen. Denn neben dem rein artistischen handelt es sich bei uns auch um den ökonomischen Standpunkt. Wir brauchen und wollen Wohnungen. Die gebildetere Classe, welche sonst die ersten Stockwerke der belebtesten Strassen der Stadt inne hatte, wurde daraus verdrängt, als die rez-de-chaussee für die Mode- und Luxus-Magazine nicht mehr ausreichten. Anfangs rückte man um ein, zwei Geschosse höher, zuletzt in die näheren Vorstädte, überall Andere vertreibend, wodurch viele der bisherigen Parteien bis vor die sogenannten Linien hinauszuziehen gezwungen waren. So griff die Wohnungsnoth in Wien, wie eine endemische Krankheit, immer weiter um sich, und an dem Jubel über die Stadterweiterung hatte die Hoffnung auf Besserung dieser Zustände ohne Zweifel den grössten Antheil. Unsere neuen Anlagen eröffnen in normaler Weise ebenerdig die prachtvollsten Kaufläden; dadurch werden in der innern Stadt die ersten Stockwerke wieder frei; die Wohlhabenden machen in den entfernteren Punkten denAermeren Platz, da jene dem grösseren Comfort der eleganten Stadttheile näher ziehen, und nun besser als sonst zugerichtete Logis zurücklassen, welche den kürzlich Bedrängten zum Guten kommen. Damit sich jedoch diese günstigen Erwartungen erfüllen, damit das Gegengewicht der Volks Vermehrung nicht neuerdings den angezeigten Gang verkehre, die alte Noth sich erneuere, sind der Vorsichten viele zu beobachten, deren wir theilweise bereits aus Anlass der Arbeiterwohnungen Erwähnung thun. Der practische Zweck soll mit künstlerischen Reizen innig verschmolzen werden; der Ernst des Dienstes von der Rührigkeit der Industrie sich würdevoll abheben, ohne sich davon zu sondern; der berechnende Kaufmann soll allenthalben den Geschäftsplatz inmitten des öffentlichen Verkehrs treffen, der ihm den raschesten Absatz verheisst: und dazu bedarf es der gleichmässig vertheilten, nicht der'concentrirten Situirung der öffentlichen Gebäude. Die Menge derselben, um die k. k. Hofburg gruppirt, wäre eine Huldigung dem schützenden Throne, welche der höchsten Beachtung werth erscheint. Stellen wir aber dahin, wie in meinen Plänen ersichtlich, mit der frischen Umgebung der Gärten, die beiden vorragenden Gebäude der Institute, dem ruhmvollsten Aufschwünge gewidmet, der die Menschheit zum Göttlichen erhebt: so erfüllt die Ar- chitectur den Tribut der Verherrlichung im Einzelnen, wenigstens der Idee nach, eben so grossartig, als es wie immer die glanzvollste Gruppe zahlreicherer Staatsbauten vermöchte. Wie in dieser Richtung bin ich mir auch über die Anordnung der sonstigen öffentlichen Gebäude überall positiver Gründe bewusst: es wäre zu weitläufig, diese für jedes einzelne auseinander zu setzen. Nur in Bezug auf das Stadthaus erlaube ich mir, darauf aufmerksam zu machen, dass die Beibehaltung des Terrassenplatzes am Quai für dasselbe, vor dem Alternativantrage, den Vorzug verdienen dürfte, sowohl wegen der hierdurch ermöglichten Uebersicht über die ganze Stadt, als auch wegen des nahen Rapports mit den der maligen Magistratsgebäuden in der Wipplingerstrasse und am Hof, die denn doch auch fernerhin zu städtischen Zwecken in Verwendung bleiben werden. Für Privathäuser ist in der Denkschrift der zugewiesene Flächenraum in den neuen Anlagen mit 143080 Klaftern beziffert, und die Anzahl derselben mit 599 Häusern angegeben. Eingezeichnet sind im Plane 499 Baustellen, auf welche also durchschnittlich über 286 Quadrat-Klafter für jede kommen, während das Ausmass für die grössere Anzahl mit 240 Klaftern Area für jedes Haus im Durchschnitte sich herausstellt. Yon den 55 Glacishäusern vor der Rossau, deren Gründe erst kürzlich ausgeboten wurden, und die doch auch unter den Häusern der Stadterweiterung eingezählt werden müssen, besitzt kaum die Hälfte eine gleich geräumige Grundfläche. Ausser diesen ergeben sich noch Häuserstellen bei den neuen Anlagen durch Umbau in Folge Regulirung der Strassen, namentlich am Salzgries, wie auch an anderen Punkten, welche im Plane noch mit der alten Stellung erscheinen. Wir sind bedacht, diese Häuser und Strassen von der Plage des Staubes frei zu halten, und erfahren von competenter Autorität, dass dies auf eine wenig kostspielige Art der Bespritzung, womit zugleich die Pflege der Gärten erreicht wird, ins Werk zu setzen sei, indem eine Gürtelleitung aus dem Wiener-Neustädter - Kanal um die Stadt gelegt, und davon rechts und links Wechsel abgezweigt werden. Das Project sammt Ueberschlag soll diesfalls schon vorgelegt sein. Es würden hiezu nur die ersten Anlagekosten der Leitung nöthig, dagegen die beständigen Ausgaben für die. bewegenden Maschinen zum Saugen und Heben des Wassers entfallen. Hiernach hätte die Kaiser-Ferdinands-Wasserleitung nur die öffentlichen Brunnen, und die berechtigten Gebäude mit Trink- und Kochwasser zu versorgen. Die dermalen erhöhte Förderungsfähigkeit derselben erreicht 200000 Eimer täglich, wovon 110000 Eimer verbraucht werden, also 90000 Eimer disponibel sind. Dass von mir die Steigerung der Leistungen auf das dreifache beantragt ist, bezieht sich demgemäss nicht auf die Gegenwart, sondern auf den späteren, allmäli- gen Zuwachs der Bevölkerung. Es würden sich noch mancherlei ähnliche Zusätze bei verschiedenen Stellen der Denkschrift darbieten, wenn es nicht drängte, damit zum Abschluss zu kommen. In Bezug auf die Förmlichkeit der Schreibweise wäre bei den Wörtern: dies, gibt, Carrossen, Casematen, Exerzirplatz, Brochure, practisch, speciell und andern, die vorkommende Abweichung zu corrigiren. Yon mehr oder weniger Belang zeigen sich nachstehende Berichtigungen, indem es heissen soll: Seite 5, die Glacis- und übrigen freien Räume verbaut — Seite 8, in den Alternativplänen oder in der Denkschrift — Seite 9 bei 3, das Stadthaus, vom Walle gesehen, und bei 6, die Auffahrt bei dem Erzherzog-Albrecht-Palais mit dem neuen Theater vor selbem und dem Bürgerspital — der Nachsatz hiebei ist zu streichen — Seite 12, 1) dass hiernach der Bau bedeutend erleichtert ist — Seite 22 bei 10, endlich die Schottengasse, als eine Yerbindungsstrasse ersten Ranges, welche diese Partie auf der Stadtseite begrenzt — die Begrenzung ausserhalb der Stadt ist von der Alser-Hauptstrasse gebildet — Seite 45, Ueber der Wien ist der Raum vor der Verbindungsbahn zum Gebrauche des k. k. Hauptzollamtes reservirt — Seite 47, Wir haben uns übrigens Seite 3 und 124 auf die Summen berufen Seite 61, wie in Paris, wo die Störung empfindlich war; — Seite 62, für das Stadthaus mit 2000 Quadratklaftern bedungen ist, — Eine ganz andere Eintheilung hat im Alternativplane die grosse Defensiv- caserne — Seite 64, Zufolge der vorhin besprochenen Veränderung, Seite 62, Plan C, käme das Stadthaus rechts vom grossen Opernhause zu stehen, das k. k. naturhistorische Museum links von demselben, — Seite 67, 1. um die sich anschliessenden Höhenverhältnisse — Seite 70, bis an die jetzt im Bau begriffenen Häuser, Nr. 53 bis 59 — diese Ziffer bezieht sich nicht auf die Häuser, sondern auf die Niveaupuncte im Plane; übrigens wird bei Gelegenheit bemerkt, dass Wendelstrassen ebenfalls eine Lösung schwieriger Passage-Verhältnisse bieten, wo absolut keine günstigere möglich wäre; in meinen Anträgen ist dieses Aushilfsmittel vermieden. — Seite 71, die höchsten Steigungen, wie 1 : 26‘ 6 . — Seite 76, bei der Erklärung der in den Plänen eingezeichneten Buchstaben und Seite 27 angedeutet; — Seite 77, wie auf dem Uebersichtsplane A und auf Seite 43 zu ersehen ist; — Seite 80, nach dem Alternativplane Seite 63 — Seite 81, und erfreuen uns vorerst — Seite 91, Bei einer Breite von 38 bis 40 Klaftern und entsprechendem Tiefgang wird der Donaukanal von Dampfschiffen ohne Anstand zu befahren sein. Bewährt sich Johanny’s Sistem der Beheizung mit vollständiger Rauchverzehrung, so werden die Dampfer des Schornsteins entbehren und unter allen Brücken durchkommen können. — Seite 93, um den rechten Winkel daselbst, der bei Hochwässern die Stauung vermehrt, abzubauen, — Seite 96, Allerdings hat dem Brückenbau die Donauregulirung vorauszugehen, — Seite 106, Wie weit in diesem Punkte zu gehen wäre, — Seite 114, Es ist wünschenswmrth, dass diese Palais-Fronten durchgängig von den höchsten Herrschaften unmittelbar in Anspruch genommen, und ohne Verzug ausgeführt werden; — Seite 125 und 132 haben die Guillemets “ bei den Vorschlägen der Stras- sennamen und des Finanzplanes wegzubleiben. Wir schliessen diese Vervollständigungen, und lassen die Denkschrift, auf welche sie sich beziehen, unmittelbar folgen. Es ist die letztere nebst dem, was ihr Titel anzeigt, zugleich die Zusammenstellung der vielfachen Notizen, zu welchen mich die Verfassung des Projects veranlasste. Die Aufforderung hiezu erscheint schon im Concursprogramm ausgedrückt, und wenn sich damit noch Andeutungen allgemeiner Tendenz verbinden, so dürften sie da nicht minder am Platze sein, wo es eben verlangt ist, die practischen Bedürfnisse der Bevölkerung- umfassend in technischer und künstlerischer Beziehung zu erörtern. : v i r; .ü r; 5* -f. <-er ■ -Mi;’ . ' . Vöi :v : .i'-'i ijtiüX. ■>*" Ifcift* ,;s.t 'hjbsufoyf >’•’ «.'it-.Tli’l. ~ ' ’.'intY 'fivi'.-fnii-x.rriijf'- ;■ -:• ••'■;■■•• •■.:■' ■ >. .' ,'n'.i:.-<' • ?fS%' V Vw•>;{*«..*.'£s%*| nlfan • '■ \ i ••■ • ./ ./ '.«{» .'iT-i' ;>,■ iff' ->• .'.m'ji-rVi*.' 'te***®!*# tf< rr “ii'Wt'-HMHi iT?; : ' . ' V!" •• Ä • •?'> ' «w* i-i ./>« s ■' • — v, vi^,'>.c\ •• r.'jtuüi^ .■•’•/ ■'»;:!< ♦«.{»/ .f *P '•'•-•• ■ - "V •’, 1 ■• '':■ ;>!}»•;- } jrüf&'jQjfejjjfä. ' J P’< ■■■' ■'*&' / ‘>•. ■•’ ■■ . -ä-- ''! y -‘-i ._■. i.‘i. ■ .: .._•>• ■■«*■■ z . ffj hhf[’ !•. v.. ; .K ? s * ' '>/!??•! 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