Wiener Stadt-Bibliothek. 55435. A ii . Vs *vF- v -4 p »■ -A r vYA * t ■ . vrvf •-X "> '" v-f 4 •' - . .- . b i ./v > ?' ■wV /v* ~A V V ■ V 1 ■V* , V- x -•• . ’ -r BEMERKUNGEN ZU DEM ENTWURFE FÜR EINEN GENERAL-REGÜLIRÜNGSPLÄN ÜBER DAS GESAMMTE GEMEINDEGEBIET VON WIEN. EIN ZWEITER PREIS. VE Ii FASS ER: THEODOR BACH ALFRED REINHOLD CHEF-ARCHITEKT DER WIENER BAU- INGENIEUR DER DONAU - REGULIRUNGS- GESELLSCHAFT. COMMISSION. LEOPOLD SIMONY ARCHITEKT IN WIEN. WIEN. IM S E LI3 ST"V/E K LAö E D E K Vf)KPA88EK. 1893. BEMERKUNGEN ZU DBH ENTWURFE FÜE EIKEN GENERÄL-REGÜLIRÜNGSPLÄN ÜBER DAS GE8AMMTE GEMEINDEGEBIET VON WIEN. WIEN. VERLAG VON GOTTLIEB GISTEL & COMP. 1893. o.ti. Der Entwurf „Municipio viennensi" besteht aus folgend verzeichneten Theilen: 1. Einem Lageplane im Massstabe 1 : 10.000 des gesammten Gemeindegebietes der Stadt Wien mit Darstellung der geplanten Stadt- eintheilung und der Hauptstrassenzüge mit Bezug zu den Verkehr sanlagen. 2. Einem Plane im Massstabe 1:2880, die Vorschläge detaillirt -darstellend (30 Blätter in 12 Theilen, sammt einem Uebersichtsplane). 3. Einem Längenprofile der Donaucanallinie. Theilstrecke: Hauptzollamt-Ferdinandsbrücke; Anschlüsse an die Franz Josefs-Bahn und an die Gürtelbahn. 4. Einem Längenprofile der Donaustadtlinie. Theilstrecke: Praterstern-Rangirbahnhof Wien-Jägerstrasse. 5. Einem Längenprofile der Donaustadtlinie. Theilstrecke: Praterstern-Lagerhaus. 6. Einem Längenprofile der Vorortelinie. Theilstrecke: hm 1*3 .bis km 3-0. 7. Einem Längenprofile der Gürtellinie. Theilstrecke: fan 5*6 bis km 7*8. 8. Einem Längenprofile der Wienthallinie. Theilstrecke: Tegett- hoffbrücke-Stiegerbrücke mit Querprofilen. 9. Einem Lageplane im Massstabe 1:10.000, Vorschläge bezüglich der Ausgestaltung der Wasserstrassen enthaltend. 10. Einer Karte im Massstabe 1:75.000 mit Darstellung der Wasserstrassen und der Niederschlagsgebiete des Wienflusses und des Liesingbaches. 11. Einem Lageplane im Massstabe 1:2880. darstellend die Canali- sirung des Wienflusses in der Strecke Donaucanal-Gumpendorfer Schlachthaus und einen Theil des geplanten Verbindungscanais zum Wien-Neustädtercanale. 12. Einem Längenprofile der projectirten Canalstrecke vom Donau- canale bis zum Gumpendorfer Schlachthause. 1* 4 13. Einem Längenprofile der projectirten Canalstrecke vom Grum- pendorfer Schlachthause bis zur Scheitelhaltung. 1 Querprofile des projectirten Wienfluss-Canales. 16. Querprofile der Anschluss - Canalstrecke Gumpendorfer Schlachthaus-Scheitelhaltung. 17. Einem Detailplane im Massstabe 1 : 1440 über die Verbauung des Stadttheiles am Wienflusse von der Schikanederbrücke bis zum Donaucanale mit Einbeziehung des angrenzenden Stadttheiles Wollzeile-Dominikanerbastei-Ferdinandsbrücke sammt einer Tabelle über die zur Verbauung in Aussicht genommenen Flächen. 18. Einem Querschnitte nach der Axe der evangelischen Schule. 19. Einem Querschnitte durch den Platz vor der Karlskirche. 20. Einem Querschnitte durch den Platz vor der Dominikanerkirche. 21. Einem Querschnitte: Hauptzollamt-Donaucanal. Die Verfasser des vorliegenden Entwurfes hielten bei der Bearbeitung der einzelnen Programmpunkte an dem leitenden Grundsatze fest, dass in Bezug auf jene Aufgaben, zu deren Lösung ein dringendes Bedürfniss schon heute mahnt, nur solche Vorschläge zu unterbreiten seien, bei denen dem erstrebens- werthen Ziele mit thunlichster Schonung des dermaligen baulichen Bestandes möglichst nahe gekommen wird, dass hingegen bei jenen Aufgaben eines General-Regulirungsplanes, welche die Bedürfnisse erst einer weiteren Zukunft zu befriedigen haben werden, die heutigen Verhältnisse nicht in beschränkendem Sinne auf deren Lösung einwirken dürfen, dass im Gegentheile einschneidende Abänderungen — aber auch diese mit Maass und Ziel — eine unabweisbare Nothwendigkeit sein werden. Stadteintheilung. Die von den Projectanten vorgeschlagene Stadteintheilung acceptirt das vom Stadtbauamte ausgearbeitete Provisorium als Grundlage. Als Industriequartiere (Fabriksviertel) sind vorgeschlagen: Die äusseren Theile von Favoriten, dann im Anschlüsse an den Donaucanal: die südöstlichen Theile des III. Bezirkes (Erdbergermais) und die Simmeringer Haide, dann Gründe bei Nussdorf; im Anschlüsse an den Donaustrom das ganze rechtsseitige Donauufer, sowie in Verbindung mit dem als Hafenbassin gedachten alten Strombette der über dem Hochwasser liegende Theil der Kaisermühleninsel. Alle diese Gebietstheile sind zumeist gegenüber den Wohnvierteln so situirt, dass von letzteren nur sehr kleine Theile in der Richtung der herrschenden Winde liegen; die Verbindung mit den übrigen Wohnvierteln ist durch zahlreiche Radialstrassen, durch die derzeitige Gürtelstrasse und den neu projectirten „Vororte“-Gürtel hergestellt. Sb ist der grösste südliche Industriebezirk, Favoriten-Simmering, durch die Donaucanalstrasse, die Simmeringerstrasse, Laxenburger- allee, Triester Reichsstrasse, Himbergerstrasse und Meidlinger Hauptstrasse mit dem Stadtcentrum, durch den neuen Vorortegürtel mit den westlichen Bezirken verbunden. Die am Donaustrom gelegenen Partien werden im Norden durch die beiden Gürtelstrassen, im südlichen Ende durch den über das Lusthaus in der Richtung nach Stadlau fortgesetzten Vorortegürtel, sowie durch mehrere zwischen Ausstellungsstrasse und Floridsdorferstrasse eingelegte Radialstrassen an den Stadtkern angegliedert, welch letztere, einige den Strom übersetzend, auch zu den grossen Hafenanlagen und dem dort gedachten Industriebezirk führen. Ein ausgebildetes (später detaillirt zu besprechendes) Eisenbahn- und Wasserstrassennetz, durch Schleppgeleise in den Hauptstrassenzügen der Industriebezirke aufs Innigste mit den einzelnen Industriestätten verbunden, mit Kohlenhäfen, Lagerhäusern und Depötplätzen etc. versehen , gewährleistet eine der für die Entwicklung solcher Bezirke wichtigsten Grundbedingungen: den leichten und billigen Waarenum- sclilag. Die zahlreichen daselbst beschäftigten Arbeiter würden, soferne sie nicht im Anschlüsse an die wohlhabenderen Gesellschaftsclassen in den inneren städtischen Bezirken Brigittenau, Favoriten, Landstrasse Unterkunft suchten, in den theils im Gemeindegebiete, tlieils ausser » g Stadteiutheilung. demselben liegenden Orten, wie Kaiser-Ebersdorf, Inzersdorf, ferner Floridsdorf und Stadlau sich ansiedeln können. Ausserdem ist in Aussicht genommen, die Hauptstrassenzüge, welche durch die Industriebezirke gehen (die Radialen in Favoriten, die Simmeringer- und Kaiser-Ebers- dorferstrasse, sowie den Vorortegürtel), dann speciell die Gegend um das Laaer Wäldchen theils mit sogenannten Arbeitermiethcasernen, theils mit Arbeitercottages zu besiedeln. Es ist sehr wahrscheinlich, dass an einem oder dem anderen dieser Punkte auch Beamte und andere besser situirte Fabriksangestellte und Geschäftsleute sich ansässig machen, wodurch auch der engere Anschluss der Arbeiterbevölkerung an die politisch und gesellschaftlich bevorzugten Classen erreicht wäre. Das übrige Gebiet ist nun zu Wohnzwecken vorbehalten; die Verfasser haben, einer von deutschen Städten, wie Frankfurt, Dresden etc. überkommenen Anregung Folge leistend, den Versuch unternommen, die Bebauungsdichtigkeit in systematischer Weise zu regeln. Es muss betont werden, dass weder die Zeit, noch das Acten- und Planmateriale dazu hinreichte, detaillirte Vorschläge in dieser Hinsicht zu unterbreiten — es ist wohl dies auch nicht die Aufgabe eines General-Regulirungs- planes —, sondern es sollte nur in skizzenartiger Form ungefähr die Begrenzung der einzelnen Bauzonen angedeutet werden, wie sich die Verfasser dieselben denken. In Anlehnung an die bestehende Wiener Bauordnung, die blos eine Abstufung in der Höhe der Verbaubarkeit (Geschosszahl) kennt, denken sich die Verfasser auch bei einer neu zu schaffenden Bauordnung die Geschosszahl als Grundlage des Systemes, bei dessen Ausgestaltung und Detaillirung allerdings die Verbauung in horizontalem Sinne (Hofgrösse) als weiteres Moment hinzukäme. Die Verbauungsdichtigkeit der einzelnen Zonen ist. wie folgt, angenommen: In der innersten, der I. Zone, welche den Stadtkern bis an die ersten Häuserreihen der angrenzenden Bezirke umfasst, würde die dermalige Bauordnung volle Geltung behalten, d. h. 6 Geschosse die maximale Gebäudehöhe sein. Daran würde sich, den grössten Theil der Bezirke II bis IX umfassend, die II. Zone schliessen, deren Gebäudehöhe auf 5 Geschosse zu beschränken wäre; westlich bis an die äusseren Häuserreihen der Gürtelstrasse reichend, würde sie östlich an der Wassergasse, III. Bezirk, Donaucanal, Nordbahnhof und Augarten ihre Grenze finden; als eine III. Zone mit nur viergeschossigen Gebäuden würden sich die westlichen Theile der alten Bezirke, sowie die ehemaligen Vororte anschliessen; die Begrenzung dieser Zone wäre durch folgende Linie markirt: von Simmering bis gegen Meidling der neu projectirte „Vorortegürtel", dann Schönnbruun aussen lassend, über die Schwarze Weste zur Poststrasse bis Station Penzing, wo abermals der Vorortegürtel erreicht wird; hier greift diese Zone, dem Erweiterungszuge nach Westen folgend, am weitesten aus, bis zu der Höhe des derzeitigen Wilhelminen- Stadteintheilung. 9 Spitales, um dann über Weinhaus und entlang der Währingerstrasse an den alten Währinger Gürtel anzuschliessen. Jenseits des Donau- canales fiele noch die Brigittenau bis zur Dresdenerstrasse in diese Zone. Die ausserhalb dieser Linie liegenden Gebietsteile würden einer IV. Zone angehören, in welcher eine Haushöhe von 3 Geschossen als Maximum nur an den Hauptstrassen und wichtigen Nebenverbindungen zuzulassen wäre, im Uebrigen aber die Gebäudehöhe auf 2 (vollkommen ausgebaute) Geschosse einzuschränken bliebe. Die abwechslungsweise Verbauung in geschlossener oder offener Front mit oder ohne Vorgarten gäbe jene Mittel an die Hand, um bei Aufstellung eines Verbauungs- planes den jeweiligen localen Verhältnissen zu entsprechen und den Charakter der Strassen zu beeinflussen. Einer ausschliesslich offenen Verbauung sollen nur beschränkte Gebiete vorbehalten bleiben, um den Grundwerth allzu grosser Flächen nicht zu alteriren. Bei Für wähl dieser Gebiete wurden unter voller Erhaltung der dermaligen Villen- quartiere, hauptsächlich hochgelegene, einer geschlossenen Verbauung Schwierigkeiten bietpnde Flächen in's Auge gefasst, für deren Verbindung mit den inneren Stadttheilen, theils durch die bisherigen Verkehrsmittel Vorsorge getroffen erscheint, theils durcli Neuprojectirung diese für die Zukunft sichergestellt werden könnte. Es lassen sich zwei Gruppen von solchen Gebietsteilen unterscheiden. Die nähere umfasst die Cottageanlagen in Gersthof, Währing und Döbling einerseits (westlich), andererseits (östlich) den inneren Theil der Roth'schen Gründe im Prater und jene zur Verbauung gelangenden Gründe an der Kronprinz Rudolfstrasse im k. k. Prater; die weitere die bereits begonnene Cottageanlage bei Hetzendorf, dann den Küniglberg bei Lainz, die Gebiete zwischen Speising, St. Veit, Hacking bis zum Thiergarten, ferner bei Hütteldorf, Dornbach und den südöstlichen Abhang des Kahlenberges. Den im Allgemeinen höheren Grundpreisen an Hauptradialen ist durch Einbeziehung der anrainenden Parcellen in eine dichtere Ver- bauungszone Rechnung getragen worden; so wurde die Mariahilfer- und Praterstrasse in die I. Zone einbezogen; der Laxenburger-, Himberger- und Triesterstrasse entlang ist die Verbauung mit Wohnhäusern noch in die Industriebezirke ausgedehnt, um auf diese Weise später einmal eine Angliederung der südlich der Verbindungsbahn gelegenen Ortschaften : Rothneusiedel, Oberlaa, Inzersdorf an die Wolmhausviertel vorzubereiten. Diese Wohnhausstreifen gehören theils der III., theils der IV. Zone an. Um das Laaer Wäldchen ist eine grössere Fläche zur Verbauung in der IV. Zone (wie bereits erwähnt zu Arbeiterquartieren und Beamtenhäusern geeignet) in Aussicht genommen. Von anderen Zoneninseln seien noch erwähnt die Verbauungsgebiete an der Peripherie des k. k. Praters, dann die um das Kaiser Franz Josef- Spital im X. Bezirke, das in der III. Zone läge, projectirte Verbauung nach den Bestimmungen für eine IV. Zone. Strassennetz, Plätze, öffentliche Anlagen, Kirchen etc. im I. Bezirke. Für die Regulirung des Strassonnetzes in der inneren Stadt waren zwei verkehrstechnische Gesichtspunkte massgebend; zum ersten sollten die wichtigsten, dermalen überlasteten Strassenzüge durch Parallel Strassen entlastet werden, zum zweiten die Verbindungen der angrenzenden Bezirke mit deml., soweit dieselben zu wünschen übrig lassen, verbessert werden. So wurden an Parallellinien zum Graben projectirt: Die Verbindung der WallnerStrasse mit der Weihburggasse, dann jene von der Himmelpfortgasse durch die erweiterte Donnergasse über den Neuen Markt durch die ebenfalls erweiterte Planken- und Stallburggasse zum Michaelerplatz, wobei die Michaeierkirche durch Demolirung der städtischen Schule freigelegt würde; die k. k. Stallburg, die auch in dem Strassenzug Reitschulgasse—Albrechtsplatz—Oper ein Verkehrs- hemmniss bildet, wird zum Umbaue vorgeschlagen. Gleichzeitig dürfte die Verbindung vom Stefansplatz zum Hof durch die Goldschmiedgasse, Milch- und Steindelgasse eine Entlastung des Grabens bewirken. Als Parallellinie zur Wollzeile: Von dem am Beginne der Wollzeile geschaffenen kleinen Platz durch die Bäcker- und Sonnenfelsgasse über das Lugeck zum Hohen Markt; diese Strasse wird mit der regulirten Wipplingerstrasse gleichzeitig die Verbindung des I II. mit dem IX. Bezirke herstellen. Als Parallellinie zur Rothenthurmstrasse kommen 8 Linien in Betracht, und zwar: Die Linie vom regulirten Laurenzerberg durch die erweiterte Drachen- und Schönlaterngasse auf einen hinter der Akademie der Wissenschaften zu schaffenden Platz (der mit einem Denkmal geschmückt sein kann), der auch noch den als zweite Linie von der Adlergasse her kommenden neu durchzubrechenden Strassenzug aufnimmt; von da würden die Essig- und Strobelgasse die Verbindung zum Stefansplatz vermitteln. Die zwischen dem Graben und Hohen Markt durch den Trattnerhof und Bauernmarkt zu eröffnende Verkehrsstrasse würde auch als dritte Entlastungslinie für die Rothenthurmstrasse Geltung gewinnen. Strassennetz etc. im I. Bezirke. 11 Als Parallellinie zur Herrengasse und Augustinerstrasse schlagen die Verfasser vor, beim Anschlüsse des neuen Burgbaues an die bestehenden Gebäudetheile durch Anordnung von Durchfahrten in der Richtung: Albrechtsplatz—Löwelstrasse vorzusehen. Durch die Erweiterung der Seilergasse im Zuge der Tegetthoff- strasse und des Neuen Marktes soll die Kärntnerstrasse eine parallele Linie erhalten. Dem zweiten Punkte (Verbindung mit den übrigen Bezirken) wurde durch die Verlängerung der Marxergasse bis in die Barbaragasse — der Ungargasse, mit einem Gehweg durch den Stadtpark, bis in bie Zcdlitzgasse (verlängert sich bis zum Stefansplatz), der Burggasse bis zum Amalienhof, mit der neugeschaffenen Verbindung auf den Hof einerseits, durch die verbreiterte Schauflergasse zum Kohlmarkt andererseits, Rechnung getragen; die Verbindung des VI. Bezirkes mit der inneren Stadt wurde durch Erbreiterung der Albrechtsgasse erleichtert, wobei deren Fortsetzung durch Unterfahrung des Palais Sr. kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Albrecht mittelst eines Tunnels hier in Anregung gebracht werden soll (da eine directe Hereinfuhrung der Mariahilferstrasse in die Stadt mit Rücksicht auf den Kaisergarten unmöglich ist). Weiters wurde der Ausbildung der Hauptdiagonalen als Verbindung /wisc hen den Bezirken besondere Aufmerksamkeit geschenkt, nämlich dem Strassenzuge: Akademie-, beziehungsweise Schwarzenbergstrasse. Seilerstätte, Riemerstrasse-Postgasse, zur Verbindung des IV. und V. Bezirkes mit dem IL, in dessen Zuge eine neue Brücke (aU Ersatz der alten Ferdinandsbrücke) über den Donaucanal geplant ist: weiters der bereits erwähnten Linie Stubenthorbrücke-Wipplinger- strasse als Verbindung des III. mit dem IX. Bezirk; der Linie: Oper— Schottenthor zur A'erbindung der Bezirke IV und IX: dann der Linie Stubenthorbrücke - Ferdinandsbrücke über die Dominikanerbastei zur Verbindung des III. Bezirkes mit den nordwestlichen Theilen des II. Bezirkes. Hier ist auch auf die neugeplante Brücke über den Donaucanal im Zuge der Rothenthurmstrasse hinzuweisen. Die ästhetische Seite der Regulirung berührend, sei auf die Ausgestaltung des Michaelerplatzes, auf die Freilegung der Kirche Maria am Gestade, der Ruprechtskirche, auf die Ausgestaltung des Minoriten- platzes. des Petersplatzes und des Wildpretmarktes hingewiesen. Neue Plätze wurden gewonnen: Hinter der Akademie der Wissenschaften und vor der Dominikanerkirche; dann an der Ringstrasse in der Axe des Museums für Kunst und Industrie, ferner zwei Platzanlagen am Franz Josefs-Quai. Ferner wurden zu Vedutten ausgebildet: Die Haupt- facade der Dominikanerkirche, von der durch den Heiligenkreuzerhof durchgeführten, verlängerten Grashof- und Schönlaterngasse aus; die 12 Stnissennetz etc. im I. Bezirke. Franziskanerkirche im Zuge der alten Weihburggasse. Durch den Umbau der zwischen dem Concordiaplatze und der Kirche Maria am Gestade bestehenden Häusergruppe wurde von der Börsegasse aus über eine neue, breite Treppenanlage hinweg ein Ausblick auf den Thurm dieser Kirche eröffnet. Bei der Regulirung des Neuen Marktes wurde für die gegen die Kärntnerstrasse stehende Häuserfront die vom Stadtbauamte vorgeschlagene Baulinie mit Ausnahme der Auflassung der Donnergasse beibehalten, dagegen auf der anderen Seite die Erhaltung des zwischen dem Platze und der Seilergasse gelegenen Häuserblockes angestrebt und dürfte diese Lösung im Hinblicke auf die enormen Kosten, welche die Einlösung dieses Blockes bedingt, die empfehlens- wertheste sein, abgesehen davon, dass die Platzgestaltung mit Rücksicht auf die Wirkung des Donner'schen Brunnens wesentlichen Veränderungen nicht unterworfen werden sollte. Es sei noch darauf verwiesen, dass der an Stelle der Kaiser Franz Josefs-Caserne projectirte Stadttheil im letzten Abschnitte der Beschreibung eine eingehende Besprechung erfährt, nur wolle hier bemerkt sein, dass die in dem Plane 1 : 2880 eingezeichnete Lösung als Variante zu gelten hätte, bei welcher ein in der Axe des Post- directions-Gebäudes angeordneter Platz an die Ringstrasse zu liegen käme; die Projectanten sind aber der Ansicht, es sei besser, den Bruchpunkt der Ringstrasse nicht durch ein Loch, sondern durch eine monumentale Ausbildung eines dorthin zustellenden Gebäudes zu markiren. Da den Strassenregulirungen auch die Gebäude verschiedener Behörden zum Opfer fallen werden, so musste für dieselben auf passenden Ersatz gedacht werden. Es werden in Aussicht genommen: für das k. k. Post-Sparcassenamt, die Dicasterial-Gebäude-Direction und eventuell das k. k. Handelsministerium Gründe der Franz Josefs-Caserne; für das k. k. Ministerium des Innern ein Grund auf dem der Karlskirche vorgelegten Platze, für das k. k. Ministerium des Aeussern ein solcher in der Herren- und für jenes für Landesvertheidigung ein solcher in der Schauflergasse. — Bei der Mündung des Wienflusses in den Donaucanal ist ein Gebäude für periodische Ausstellungen, sowie ein Sängerhaus geplant. Die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft soll ein neues Heim in den Gartenanlagen am Franz Josefs-Quai erhalten. Zur Errichtung von architektonischen und bildnerischen Denkmälern ergeben sich nach dem Projecte zahlreiche Aufstellungsorte; so sei auf den Beginn der Rampe zum Palais Erzherzog Albrecht aufmerksam gemacht, dann auf den Platz vor dem neuen Burgtheater, die Platzbildungen entlang des Franz Josefs-Quai, den Concordiaplatz und mehrere andere. Strassennetz, Plätze, öffentliche Anlagen, Kirchen etc. im II. bis XIX. Bezirk. II. Bezirk. Nach dem Projecte soll der zwischen der Afrikanergasse und der Praterstrasse derzeit bestehende, nur 10—18 m tiefe und daher zur Verbauung nicht geeignete Baublock ganz entfallen, dafür die Baulinie der Praterstrasse derart regulirt werden, dass das Tegetthoff-Monument in die Axe der Strasse zu stehen kommt. Ferner ist die Taborstrasse derart abgeschwenkt, dass sie mit der Praterstrasse sich auf einem in der Axe der neuen Ferdinandsbrücke zu schaffenden Platze vereinigt; der derzeitige Beginn der Taborstrasse würde als Seitengasse bestehen bleiben. In der Brigittenau wurde durch ein reichliches Strassensystem die Angliederung der Donau- regulirungsgründe an die bereits verbauten Theile des Bezirkes, sowie an die westlichen Bezirke projectirt; die Ausgangspunkte dieses Systemes sind die Einfallsstellen der Gürtelstrasse und des projectirten Vorortegürtels an den Donaucanal; ferner erscheinen die St. Josefs-und die St. Leopoldskirche freigelegt ; für das derzeit Taborstrasse 24 sehr mangelhaft untergebrachte k. k. Staatsgymnasium soll auf dem durch Vereinigung der Grossen Stadtgutgasse mit der Oberen Augartenstrasse gewonnenen Baublocke eine Parcelle zu einem Neubaue reservirt bleiben. III. Bezirk. Für die Angliederung desselben an die Wieden, wo das ganze, zwischen Heugasse und Rennweg liegende Areale auf undenkliche Zeiten sich hemmend einschiebt, kann nur durch die Verlängerung der Strohgasse bis zur Wassergasse Vorsorge getroffen werden. Die zum Ausbaue durch den Modenagarten bereits vom Stadtbauamte früher vorgeschlagene Neulinggasse würde sich auf den zur Traincaserne in der Ungargasse gehörigen Gründen mit der (jedenfalls früher durchbrochenen) Strohgasse vereinen. Dort ist auch ein öffentliches Gebäude (Hochschule für Bodencultur) geplant. — Weiters wird auf den projectirten Kirchenbau in Erdberg hingewiesen. IV. Bezirk. Der Umbau des Freihauses und die Verwerthung des Naschmarktgrundes wird im letzten Abschnitt (Detail-Ent- 14 Strassennetz etc. des II. bis XIX. Bezirkes. wurf: Schikanederbrücke—Donaucanal) eingehend besprochen werden. Ueber eine Ausgestaltung der Gürtelstrasse längs der beiden Bahnhöfe der Süd- und Staatsbahn, sowie der angrenzenden Gebiete enthält das Project einen Vorschlag. "V. Bezirk. Die längs des Wienflusses gelegenen Theile des Wien-Boulevard mit den projectirten Regulirungsvorschlägen sollen im Zusammenhang mit der Besprechung der Flussregulirung erörtert werden: sonst sei noch auf die vorgeschlagene Erbreiterung der Matz- leinsdorferstrasse bei der Kirche zu St. Florian verwiesen. Tl. Bezirk. Bezüglich des Wien-Boulevard gilt das Vorgesagte. Die mangelhafte Ueberführung der Hofmühlgasse in die Ca- sernengasse soll durch eine Verschwenkung der Jetzteren gemildert werden; durch eine Verlängerung der Millergasse wird eine Verbindung der Mariahilferlinie mit dem Hundsthurmerplatze hergestellt. Zur Entlastung der Gumpendorferstrasse wird die Durchführung der Liniengasse empfohlen. Beim Raimundtheater soll aus ästhetischen , wie auch aus Verkehrsrücksichten eine Platzanlage geschaffen werden, gleichwie der ausgebildete freie Raum bei der ehemaligen Mariahilferlinie zur Aufstellung eines grösseren architektonisch und bildhauerisch geschmückten Denkmales, das vom Gürtel weither sichtbar wäre, sich empfehlen würde. "VII. Bezirk. Die grosse Niveauverschiedenheit zwischen der Burggasse und der Neustiftgasse ist (an Stelle der jetzigen, nahezu ungangbar steilen Communication) bei der St. Ullrichkirche durch eine platzartige Erweiterung mit Stiegenanlagen ausgeglichen worden ; ebenso würden die Niveaudifferenzen es ermöglichen, die im Zuge Langegasse (VIII. Bezirk) zur Stiftgasse (VI. Bezirk) durchzubrechende Strasse (mit beiläufig 35 m Terraincöte) mittelst einer Brücke über die (auf 25 m liegende) Neustiftgasse hinwegzuführen, wobei Stiegenanlagen den Verkehr zwischen beiden Strassen zu vermitteln hätten. VIII. Bezirk. Auf dem zur Verbauung bestimmten Areale der Reitercaserne ist eine Platzanlage geschaffen worden, die ihrer Grösse als ihrer Lage nach sich zu einem Theaterneubau als Ersatz des jetzigen Josefstädter Theaters eignet. Die Nähe der Aiserstrasse, die von dort abzweigenden peripherischen Linien, die durch die Floriani- gasse mit der Stadt sichergestellte Verbindung erfüllen alle Verkehrsbedingungen, die an einen Theaterplatz gestellt werden können. Durch die Verlängerung der Langengasse bis in die Aiserstrasse ergibt sich im Zusammenhang mit der früher erwähnten Durchführung derselben Strasse bis zur Stiftgasse eine Verkehrslinie, die vom Schwarzenbergplatz ausgehend, den IV. undV. Bezirk durchsetzend, bei der Station Rudolfsbrücke der Wienthalbalm an den zukünftigen Wien-Boulevard trifft; dann durch die Stiegengasse und eine neu herzustellende Ver- Strassennetz etc. des II. bis XIX. Bezirkes. L5 bindung in die Mariahilferstrasse einmündet, von da durch die Stiftgasse den VII. und VIII. Bezirk durchquert und noch den IX. in seiner längsten Ausdehnung bis zur ehemaligen Nussdorferlinie durchschneidet. Die Ausbildung dieser Strasse wäre demnach von grosser Wichtigkeit. t Im IX. Bezirk. Die Verbindung der Lazareth-, Sensengasse einerseits mit der Porzellangasse andererseits ergäbe eine Diagonale, welche dem Verkehre des XV., XVI. und XVII. Bezirkes mit der Brigittenau und dem donauwärts gelegenen Fabriksviertel zu Gute käme. Die Bezirke X t>is XIX dürften am besten gleichzeitig behandelt werden, da das hier zu besprechende Strassennetz sich zumeist auf bisher noch unverbaute Gebiete erstreckt, und hier nicht die Ausbilduug der Strassen innerhalb der beschränkten Gebietsgrenzen des einzelnen Bezirkes, sondern in ihrem grossen, allgemeinen Zusammenhang (unter einander und mit den bereits bestehenden Strassenzügen) von Wesenheit ist. Die Verfasser waren sich darüber im Klaren, dass bei der ausserordentlichen Verschiedenheit der Verhältnisse des zu behandelnden Gebietes nicht ein starres, künstlich erklügeltes System zu dem richtigen Resultate führen würde, dass sich ein solches vielmehr nur mit Zwang den Terrainverhältnissen anbequemen möchte und in einem grellen Con- traste zu dem Strassennetz der älteren Stadttheile stehen müsste; zwangloses Anschmiegen an das Terrain, Berücksichtigung der Verwendungsart der einzelnen Flächen, des Charakters der angrenzenden, bebauten Stadttheile, die Rücksicht auf die Anordnung von Verkehrsmitteln waren die leitenden Gesichtspunkte. Daraus ergab sich für die den Industrie- und Handels anlagen gewidmeten, zumeist in der Ebene liegenden Theile die Anwendung hauptsächlich gerader oder wenig gekrümmter Strassen, die zur Aufnahme eines Verkehres mit schwerem Fuhrwerk und von Schleppbahnen geeignet sind, dabei regelmässige Baublöcke von grossen Dimensionen gestatten, womit sie sich den bereits in mehreren Strecken {Simmeringer Haide und Donau - Regulirungsgründe) aufgestellten Verbauungsplänen leicht aecommodiren. Bei den Wohnzwecken vorbehaltenen Gemeindegebieten wurde, da es sich im Sinne der aufgestellten Zonentheilung nur um höchstens dreigeschossige Gebäude handelt, den sich durch die Terrainzufälligkeiten ergebenden Krümmungen in Haupt- und Xebenstrassen nicht entgegengetreten (die niederen Gebäude sind für die malerischen Strassenausbildungen geeigneter). Leider schieben sich zwischen diese Gebiete und die älteren Bezirke Parcellirungen ein. die ob ihres unkünstlerischen, monotonen Eindruckes ihren Urhebern mit Recht den Titel Linealmenschen eingetragen haben: kann man diese Fehler auch nicht mehr ungeschehen machen, so werden sie in nicht allzu grosser Ausdehnung wie bei den Währinger und Gerst- hofer Cottages als allerdings unwillkommene Abwechslung (aus der Noth eine Tugend machend) geduldet werden müssen. 16 Strassennetz etc. des II. l>is XIX. Bezirkes. Zur Erklärung der Darstellungsart im Plane (1 : 10.000) möge gesagt werden, dass die Hauptstrassenzüge als weisse Streifen mit schwarzer Begrenzung gezeichnet erscheinen, während die innerhalb dieses Netzes projectirten Nebenstrassen mit blasser Tusche als Doppellinien erscheinen. Im Wesentlichen sind folgende Hauptstrassenzüge geplant: als Hauptradiale, und zwar im Süden und Südosten: die Simmeringer- strasse gegenSchwechat, die Kaiser-Ebersdorferstrasse nach K.-Ebersdorf, dann die Himberger-, Laxenburger- und Triesterstrasse zum Anschlüsse an die südlich der Gemeindegrenze gelegenen Ortschaften; bis zur nächsten schon direct gegen Westen verlaufenden Hauptradiale, dem Wien-Boulevard wurde mit Rücksicht auf das Areale des Schönbrunner Schlosses und auf die Unmöglichkeit, durch Meidling mit neuen Hauptstrassen durchzukommen, nur die Verlängerung der Meidlinger Hauptstrasse über Altmannsdorf, darüber hinaus in der Richtung gegen Erlaa und Atzgersdorf vorgeschlagen, andererseits die von Hietzing gegen Lainz führende Strasse in das an den k. k. Thiergarten anschliessende Gebiet (Orientirungspunkt am Plane 1 : 10.000: die Einsiedelei) fortgesetzt. Die Mariahilferstrasse fand nördlich von Penzing über Baumgarten nach Hütteldorf (in der bestehenden Poststrasse) ihre Fortsetzung, die über den als Gartenanlage projectirten Schmelzer Friedhof hinweg vereinigte W'estbahn- und Märzstrasse mündet im Zuge der Hütteldorferstrasse (gewissermassen als Nebenradiale) in .die erwähnte Verbindung nach Hütteldorf westlich Baumgarten ein. Als nächste Hauptradiale ist die vom Hof in der Stadt ausgehende Linie der Burggasse bis zum Wilhelminenspitale durchgeführt, von wo aus sie auf der Höhe des Bergrückens gegen Hütteldorf zieht; zwischen den beiden weiteren bestehenden Radialen nach Dornbach-Neuwaldeg*g einer- und Pötzleinsdorf-Sievring andererseits ist auf dem Höhenrücken, im Anschlüsse an die Weinhauser Hauptstrasse, eine neue Radiale fortgeführt; die ehemalige Nussdorfer Linie wurde (schon mit Rücksicht auf die Wichtigkeit dieses Punktes im Stadtbahnnetz) zu einem Ausgangspunkte für eine Reihe von nach Döbling, Heiligenstadt, ferner nach Ober-Döbling, Sievring und Neustift am Walde, endlich nach Pötzleins- dorf führender Radialen. Für die Verkehrsbedürfnisse in peripherischer Richtung wird die Anlage eines „Vorortegürtels" in Vorschlag gebracht, dessen gedachter Verlauf durch folgende Hauptpunkte gekennzeichnet ist: Vom Donaucanal, 100 m unterhalb der Staatsbahnbrücke, verläuft er, den Neustädter Canal und die Bahnen übersetzend, gegen den Laaer- wald, den er nördlich umfährt, dann kommt er, den X. Bezirk durchschneidend, über Altmannsdorf, Hetzendorf, Speising nach Lainz, über Strassennetz etc. des II. bis XIX. Bezirkes. 17 quert bei St. Veit den Wienfluss, um, später den bereits bebauten Gebieten sich bedeutend nähernd, nach Berührung des Penzinger Frachtenbahnhofes mit der Trace der Vorortelinie der Stadtbahn zum Heiligenstädter Rangir- und Frachtenbahnhofe abzufallen; nach Ueber- führung über den Donaucanal wendet er sich gegen Floridsdorf, Donaufeld, Kagran und Stadlau und schliesst mit abermaliger Uebersetzung des Donaustromes und des Donaucanales, Passirung des Praters beim Lusthaus den Ring. Es wird zu beachten sein, dass der Gürtel jeweils am Donaucanal die Umschlagplätze bei Heiligenstadt, beziehungsweise bei Simmering trifft, ebenso, dass er mit seinen Fortsetzungen an den Donaustrom dazu berufen sein wird, dem von allen diesen Stapelplätzen des zukünftigen Wasser Verkehres stadtwärts zu leitenden Waarentransporte zu dienen. Den westlich am weitesten ausgreifenden Gebietstheilen entsprechend, wurde dort noch ein äusserer westlicher Gürtel in der Strecke St. Veit—Grinzing projectirt, der die ehemaligen Gemeinden Baumgarten, Liebhardtsthal, Pötzleinsdorf, Sievring und Grinzing berührt. Die ausserhalb der südlichen Gemeindegrenzen gelegenen Orte Schwechat, Kledering, Oberlaa, Inzersdorf würden bei der in Zukunft zweifellosen Besiedelung dieser Strecke die Hauptpunkte eines äusseren südlichen Gürtels darstellen, für dessen Einbindung und Anschluss an das derzeitige Gemeindegebiet vorzusehen war. Dieses hiermit in Kurzem angedeutete Strassensystem ist durch Einschaltung von Parallelstrassen und Diagonalen vervollständigt worden. So sei auf die bei Döbling, Sievring und Pötzleinsdorf, dann Hernais, Ottakring und Breitensee, ferner auf die im X. Bezirke eingelegten Diagonalsysteme hingewiesen. Durch Fortsetzung der Sim- meringerstrasse (X. Bezirk) gegen Osten bis in den XI. Bezirk hinein, nach Westen durch Meidling, ist mit Benützung der regulirten Fabriksgasse eine diagonale Verbindung bis an den Donaucanal erschlossen. Ueber die auf die Bezirke X bis XIX bezugnehmenden Detailpläne (1:2880) sei hier bemerkt, dass die im Vorigen erwähnten Hauptstrassenzüge, soweit als das Planmateriale reichte, durchgebildet wurden; wenn an einzelnen Stellen sogar auf die Baublockabtheilung eingegangen ist, so geschah dies aus dem Grunde, weil stellenweise die projectirten Strassenzüge die bereits vorgesehenen Baulinienbestimmungen alterirten und es den Verfassern am Herzen lag, zu zeigen, in welcher Weise diese Baulinienbestimmung mit der projectirten Strasse in Einklang gebracht werden kann. Dort, wo im Detailplane die eingetragenen Höhencoten einen sicheren Schluss auf die Terraingestaltung nicht zuliessen, wurde von einer Tracirung neuer Strassen Umgang genommen, und wird bezüglich dieser Gebiete auf den Plan 1 : 10.000 verwiesen, wo die Strassen auf Grund der Schichtenlinien mit grösserer Genauigkeit bestimmt werden konnten. 2 18 Strassennetz etc. des II. bis XIX. Bezirkes. Auf die Schaffung von öffentlichen Anlagen, Plätzen und öffentlichen Gebäuden in den Bezirken X bis XIX ist in reichlichem Masse Bedacht genommen, was aus den Detailplänen hervorgeht. Abgesehen von den zumeist (siehe den folgenden Ausweis) zu Garten- anlagen umgestalteten Friedhöfen sind noch in den nichtverbauten Gebieten grössere Gartenanlagen geplant worden; ausserdem sind die Strassenerweiterungen der Haupt- und Nebenstrassen, mit gärtnerischem Schmucke geziert und mit Werken der Bildhauerei verschönt, gedacht. Die an den Hauptstrassenzügen vorgesehenen Plätze werden meist als Verkehrsplätze auszubilden sein, dagegen die an dem Zuge der Neben- strassen theils projectirten, theils bei Feststellung des Bebauungsplanes erst zu schaffenden Plätze entweder als Jugendspielplätze auszugestalten , oder als Denkmal- und Architekturplätze zur Geltung zu bringen sein. Hier wären auch Parcellen zur späteren Unterbringung von Schulen. Badeanstalten etc. im Verbauungsplane zu reserviren. Die Fläche der heutigen Gürtelstrasse kann in zweckdienlicher Weise zu Freiturnplätzen, Radfahrerbahnen (Eislaufplätzen), Spielplätzen, die, mit gärtnerischem Schmucke versehen, die Strassenfiäche verzieren, benützt werden. Als Ersatz des zu Approvisionirungszwecken in Verwendung kommenden derzeitigen Eislaufplatzes im III. Bezirke soll, namentlich für die Bewohner des III. und IV. Bezirkes günstig gelegen, ein Theil des mit Bauverbot belegten Grundes in der Nähe des k. u. k. Arsenals als Eislaufplatz verwendet werden. Bezüglich der zur Auflassung bestimmten Casernen und Militärobjecte werden für die hierdurch freiwerdenden Grundflächen nachfolgende Vorschläge gemacht : 1. Ueber die Area Kaiser Franz Josefs-Caserne wird im Capitel: Detail-Entwurf des Stadttheiles von der Schikanederbrücke bis zum Donaucanal, gesprochen werden. 2. Cavallerie-Caserne im VIII. Bezirk. In der Florianigasse soll ein allseitig freistehendes Theater erbaut werden als Ersatz des den heutigen diesbezüglichen Vorschriften nicht entsprechenden Josefstädter Theaters, während der restliche Theil zu Wohnhausbauten verwendet werden kann. ;\. Gumpendorfer Caserne im VI. Bezirk. Wird zu Wohnhausbauten parcellirt. 4. Fuhrwesen-Caserne im III. Bezirk. Die projectirte Vereinigung der Stroh- und Neulinggasse ergibt hier in der Flucht der Ungargasse einen Baublock, welcher der Erbauung eines öffentlichen Gebäudes (Hochschule für Bodencultur) gewidmet gedacht ist; dahinter ist ein Platz projectirt. Der Rest der Area wäre für Wohnhausbauten zu reserviren. Strassennetz etc. des II. bis XIX. Bezirkes, 19 5. Holzhof-Caserne im IV. Bezirk. 6. Reit schulgrün de beim Militär betten-Magazin im VIII.Bezirk. 7. Militär-Verpf legsdepöt im VIII. Bezirke und der 8. Aerarische Grund auf der Türken schanze sind mit Durchführung anschliessender Strassen zu "Wohnhausbauten verwendet. Die schon derzeit zur Auflassung bestimmten Friedhöfe .sind in nachfolgender "Weise verwendet gedacht: a) Auf dem St. Marxer Friedhof ist ein Kirchenbau mit Pfarrhof projectirt, der Rest als Gartenanlage. b) Der Matzleinsdorfer Friedhof. c) der Hundsthurmer Friedhof, ■d) der Schmelzer Friedhof, e) der allgemeine Währinger Friedhof und der israelitische Friedhof, f) der alte "Währinger Ortsfriedhof sind zu Gartenanlagen mit eingeschalteten Jugendspielplätzen beantragt. gj Der alteDöblingerFriedhofzu einer Platzanlage mit Kirchenbau. h) der alte Hernalser Friedhof, i) der alte Dornbacher Friedhof, k) der alte Nussdorfer Friedhof, l) der alte Sievringer Friedhof, sämmtlich zu Gartenanlagen, in welchen genügend grosse freie Räume anzulegen sind, die als Spielplätze, Uebungsplätze für diverse spater sportliche Vergnügungen zu dienen hätten. Als Ersatz dieser Friedhöfe dürfte sich, da der Centralfriedhof weder seines auch erweiterten Umfanges nach, noch seiner Lage nach dem gesammten Gemeindegebiet gegenüber geeignet ist, für die Zukunft als alleiniger Begräbnissort zu dienen, die Anlage eines neuen grossen Friedhofes im Marchfeld empfehlen. 0 * Verkehrsanlagen. A. Eisenbahnen. Die auf Grund des Programmes der Verkehrscommission herzustellenden Stadtbahnlinien sollen zwischen den einzelnen Stadttheilen im Anschlüsse an die übrigen Verkehrsmittel eine rasche und bequeme Verbindung schaffen; die Stadtbahnlinien sollen den Localverkehr ohne Berührung der Hauptbahnhöfe, welche nur dem Fernverkehre zu dienen haben, auf die Hauptstrecken führen. Von diesen Gesichtspunkten aus betrachtet, wird das Localbahnnetz die Hauptbalmhöfe vom Verkehre entlasten, und es werden die jetzt bestehenden Bahnhöfe dem Bedürfnisse vollständig genügen. Diese Erwägungen waren es, welche die Projectanten veranlassten, sich mit dem Studium der nebeneinander liegenden Bahnhofsanlagen der Nordbahn und Nordwestbahn eingehender zu beschäftigen. Diese beiden Complexe, welche beinahe unmittelbar nebeneinander liegen, trennen die Stadt nahezu gänzlich vom Donaustrome und sind auch die Ursache, weshalb die dortselbst befindlichen Gründe der Donau- Regulirungs-Commission schwerer verwerthbar sind als diejenigen, welche an durchgehenden Strassenzügen liegen. Diese Ueberlegungen waren massgebend, die Auflassung des Nordwestbahnhofes vorzuschlagen, den Fernverkehr dieser Bahnstrecke theils dem Nordbalmhofe, theils dem Franz Josefs-Bahnhofe zuzuweisen, diese beiden Balmhöfe entsprechend zu vergrössern und mit der Strecke der Nordwestbalm in Verbindung zu bringen. Das durch den Complex gelegte Strassennetz gliedert die Stadt nach jeder Richtung an den Donaustrom und erhöht den Grundwerth der hierdurch gewonnenen und der benachbarten Parcellen. Der Nordwestbahnhof ist in diesem Falle zu einer Markthalle adaptirt gedacht, welche durch ein Schleppgeleise mit der Donau-Uferbahn und den übrigen Bahnen verbunden ist. Donaustadtlinie. An Stelle der in der Kronprinz Rudolfstrasse projectirten Trace, die für den Praterverkehr nur die Station Prater- stern hat. wird vorgeschlagen, eine Linie ebenfalls vom Praterstern Eisenbahnen. 21 abzweigend in der Ausstellungsstrasse bis zur Station Lagerhaus zu führen, die dort an die von der Verkehrscommission beantragte Linie Krieau-Lusthaus anschliessen würde. Diese Linie würde nicht nur die Roth'schen Gründe auf der Feuerwerkswiese, sondern auch den Prater selbst berühren. Von der Station Lagerhaus ist eine Verbindung zur Donau-Uferbahn vorgeschlagen, welche durch die Ableitung der Hochwässer in das alte Donaubett keiner Ueberfluthung mehr ausgesetzt würde und dann auch dem Personenverkehr (Stationsanlage bei der Reichsbrücke im Anschlüsse an den Landungsplatz der Donau-Dampfschifffahrt) zu dienen hätte. Als Ersatz für die fast das ganze Gelände zwischen Nordbalmhof und Donaustrom entwerthende Linie von der Kronprinz Rudolfstrasse gegen die ßrigittenau, welche für den Personenverkehr gänzlich belanglos ist, wurde vom Praterstern abzweigend durch die Kordbahnstrasse eine auf eisernen Viaducten führende Linie vorgeschlagen, welche bei der Prager Reichsstrasse parallel neben der Nordbahn läuft, dann parallel zur Dresdener Strasse fortführend in die Strecke der Nordwestbahn mündet. Der Rangirbahnhof Donaustadt würde oberhalb der Haltestelle Stromstrasse anzulegen sein. Donaucanallinie. Eine Aenderung der Trace wurde vorgeschlagen bei der Wienmündung im Anschlüsse an die Station „Hauptzollamt" , ferner bei ihrer Verbindung mit der Gürtellinie und dem Heiligenstädter Bahnhofe, durch welche Verbindung ein continuirlicher Verkehr von einer Linie auf die andere ermöglicht wird. Wienthallinie. Vom Hauptzollamte führt die Trace bis zur Schikanederbrücke, wie im Detailprojecte ausgeführt, von da bis gegen die Pilgrambrücke in gedeckter Galerie, steigt dann als Hochbahn bis zum Anschluss an die Gürtellinie und fällt von hier bis zur bestehenden Trace bei der Stiegerbrücke. Die Steigungen sind sämmtlieh geringer als 25%o- Der nach dem Regierungsentwurfe vor der technischen Hochschule projectirt gewesene Rangirbahnhof ist bei der jetzigen Kettenbrücke im V. Bezirke angelegt. Gürtellinie. Bei derselben ist der Anschluss bei der Nuss- dorferlinie an die Franz Josefsbahn und die Donaucanallinie in der aus den Längenprofilen und der Situation ersichtlichen Weise durchgeführt. Ferner wurde bei dem Anschlüsse an die Wienthallinie eine Senkung der Nivellette von 186*83 auf 183*35 vorgeschlagen, um die Kreuzung der zwei Linien in einem Niveau zu ermöglichen. Vorortelinie. Nach dem Projecte der Commission für Verkehrsanlagen war in der 860 ni langen Strecke (Station Ottakring) von der 22 Eisenbahnen. projectirten verlängerten Strasse bei km T8 bis zur Lerchenfelderstrasse nur die Burggasse über die Bahn überführt, und diese zwar mittelst zweier 6 m hoch ansteigender Rampen, eine Lösung, welche gewiss der Wichtigkeit und dem Werthe dieser Strasse, als einer Hauptradialen aus der inneren Stadt bis nach Hütteldorf, nicht entspricht. Die beantragte Tieferlegung der Trace von km 1*4—3'0Ü (und zwar die ganze Strecke horizontal) gewährt die Möglichkeit, innerhalb der früher beschriebenen Länge von 850 m nicht nur die Burggasse, sondern auch die Marc Aurelstrasse ohne Rampen überzuführen. Ausserdem werden die Viaducte in der Strecke Lerchenfelderstrasse bis verlängerte Wagnergasse (lern 2 6—2*9) um im Mittel 2"40 m niedriger, wodurch nicht nur die ästhetischen Bedenken gegen die Hochbahn gemildert, sondern auch die Baukosten soweit verringert werden, dass durch diese Ersparnis^ die Kosten der Tunnelverlängerung bis km VI gedeckt erscheinen. Die Station Neugersthof wurde östlich und etwas gegen die Stadt verschoben, um westlich den genügenden Raum für die Vorortegürtelstrasse zu gewinnen; die Baukosten werden dadurch nicht alterirt. Bei Ausgestaltung des Strassenbahnnetzes wurde für die Hauptradialen der elektrische Betrieb, innerhalb der älteren Bezirke, für die Nebenradialen und peripherischen Linien der Pferdebahnbetrieb angenommen. Die innere Stadt erhielt zwei sich kreuzende Linien, von denen die eine als elektrische Untergrundbahn in einer Hauptdiagonalen von Westen nach Osten liegt, während die von Süden nach Norden geführte Linie als Pferdebahn im Strassenniveau gehen würde, da ein intensiver Durchzugs verkehr in dieser Richtung (parallel zur Donau- canallinie) nicht zu erwarten steht; sonst soll die Pferdebahn nur mit Kopfstationen in den I. Bezirk eingeführt werden. Darnach ergeben sich nachfolgende Strassenbahnen mit elektrischem Betriebe: 1. Die im Untergrund führende Linie von der Elisabethbrücke durch die Kärntnerstrasse-Stefansplatz-Rothenthurmstrasse. 2. Nussdorferlinie-Sievring. 3. Schottenring-Pötzleinsdorf-Neustift am Walde. 4. Schottenring-Dornbach-Neuwaldegg. 5. Michaelerplatz-Ottakring. 6. Michaelerplatz-Burggasse, anschliessend an die jetzt bestehende Dampftramway nach Hütteldorf. 7. Auf der projectirten Gürtelstrasse von Simmering über Favoriten, Hetzendorf, Lainz nach St. Veit. 8. Von der Aspernbrücke längs des Donaucanales zur Kaiser Josefsbrücke und zu den Kohlenhäfen. 9. Praterstern-Kagran. Neue Pferdebahnlinien wurden vorgeschlagen: Wasser Strassen. h In der Burggasse längs der Schmelz zur Station Ottakring. der Vorortelinie nnd darüber hinaus. 2. Von der Aiserstrasse durch die Albertgasse, den VII., VIII., VT. und V. Bezirk, durch die Reinprechtsdorferstrasse bis zum Kaiser Franz Josef-Spital. 3. Von der Aiserstrasse durch dieselben Bezirke zur Station Pilgrambrücke der Wienthallinie mit der Fortsetzung durch den IV. und V. Bezirk, am Schwarzenbergplatz in das bestehende Netz einmündend. 4. Vom Schwarzenbergplatz durch die Strohgasse, Wassergasso bis an den Donaucanal. 5. Durch die "Wollzeile, Bäckerstrasse, Hoher Markt, Wipplinger- strasse, bei entsprechender Verbreiterung der Strassen. 6. Verlängerung der Linie von der Operngasse bis auf den Neuen Markt. B. Wasserstrassen. Für die Ausgestaltung der Wasserläufe im Weichbilde der Städte # sind vor allem andern die wirthschaftliche Benutzung und die ästhetische Ausbildung derselben massgebend. Die wirthschaftliche Benutzung fasst in sich: Die Schiffbarmachung in Verbindung mit den Anlagen geeigneter Landungs- und Umschlagsplätze, die Verwendung des Wassers für Wasserwerksanlagen, Trink-, Nutz- und Kraftwasserleitungen, Anlagen für öffentliche Bäder, Spülung der Canäle und Strassen. Vom ästhetischen Standpunkte sollen die Wasserflächen nach Möglichkeit sichtbar gemacht werden, sie bringen Leben und Abwechslung in die Scenerie; es können in Verbindung mit gärtnerischem Schmuck durch entsprechende Bauwerke, durch Schaffung von Promenaden längs der Ufer die reizvollsten Städtebilder geschaffen werden. a) Donaustrom und Donaucanal mit ihren Hafenanlagen und Anschluss des Donau-Odercanales. Der Donaustrom, welcher durch die Arbeiten der Donauregu- lirung für Wien eine erhöhte Bedeutung gewonnen, berührt die Stadt tangentiell nur mit seinem rechten Ufer, das linke Ufer ist wegen des Inundationsgebietes für den Handelsverkehr nicht verwendbar. Die Lände des rechten Ufers, welche allerdings für lange Zeit hinaus dem Verkehr Genüge leisten dürfte, ist einer weiteren Ausdehnung nur über Nussdorf hinaus fähig. Die Ausbildung dieser Lände ist gegeben durch den Ausbau des Leitwerkes von der Kuchelau bis zum Anschlüsse an die Nussdorferlände. Der hinter demselben liegende Raum von 4 km Länge und 100 m mittlerer Breite wird dem ganzen 24 Wasserstrassen. Verkehr in Rohmaterialien zu Gute kommen, wenn die Verbauung der Donaucanalufer fortschreitet und die Holz- und Steinlagerplätze daselbst aufgelassen werden. Die Nähe des anzulegenden Heiligenstädter Bahnhofes sichert jenem Theile den bequemen Anschluss an das Bahnnetz und sind somit alle Bedingungen gegeben zur Entwicklung eines lebhaften Umschlagsverkehres. Die in das Programm der Verkehrsanlagen einbezogene Regu- lirung des Donaucanales bedingt die Anlage von Wehren und Schleusen im Canale, um denselben gegen Hochwasser vollkommen zu sichern. Dieser Abschluss des Donaucanales verursacht bei Hochwasser eine Hebung des Wasserspiegels im Donaustrom, weil die bis jetzt durch den Canal geflossene circa 600m 3 betragende Wassermenge abzuführen ist. Durch diese Erhöhung des Wasserspiegels ist die Gefahr eines Ueberfluthens der Lände, welche 3" 72 m über Null liegt, erhöht, und hat sich insbesondere k. k. Baurath Taussig bereits mit eingehenden Studien über die Lösung dieser Erage befasst. Die Grundlage dieser Studien besteht in der Ableitung grösserer Hochwässer durch eine in den linksseitigen Inundationsdamm eingebaute bewegliche Wehranlage mit Schleuse in das alte Donaubett und von da durch einen Durchstich in das Mühleitner und Schönauer Wasser in den Donaustrom. Diese* Anlagen, welche die Menge des durchzuführenden Wassers genau regu- liren lassen, müssen aber zugleich hinreichenden Schutz gegen den Eisgang bieten. Zugleich war der Gedanke naheliegend, das alte Donaustrombett zu einem Hafen auszugestalten, und die Wasserspiegel mittelst Wehranlagen in bestimmte fixe Höhenlagen zu bringen. Diese Hafenanlagen, in Verbindung mit dem Eisenbahnnetze gebracht, mit den entsprechenden Erfordernissen, Quais, Lagerhäusern, Silos etc. ausgestattet, werden in Zukunft bestimmend sein für das Aufblühen der zu einem grossen Gemeinwesen zu verbindenden Ortschaften am linken Donauufer. Der Donau-Odercanal, welcher durch das neue Project der französischen Unternehmung Hallier dem Stadium der Ausführung näher gerückt zu sein scheint, erhält oberhalb .ledlesee ein Hafenbassin, welches durch Schleppgeleise an das Eisenbahnnetz angeschlossen werden soll, ohne mit der Donau in Verbindung zu stehen. Diese Verbindung lässt sich, wenn die Ausgestaltung des alten Donaubettes zur Ausführung gelangt, ohne bedeutenden Mehraufwand an Kosten herstellen und bringt die reichen Industrieorte am linken Donauufer in directe Verbindung mit dem Donaustrom und mit dem Donau-Odercanal. Welchen Einfluss die Regulirung des Donaucanales auf die Entwicklung des Verkehres im Inneren der Stadt haben wird, lässt sich heute auch nicht annähernd vorherbestimmen, da hier eine Reihe von Eactoren, nicht nur verkehrstechnischer, sondern auch handelspolitischer Natur massgebend sind. Wasserstrassen. 25 Der Donaucanal erhält vier Schleusen auf eine Länge von 16 km] die Wehr- und Schleusenanlagen, welche einen grossen Theil des Jahres die freie Durchfahrt ohne Benützung der Schleusen gestatten sollen, theilen den Canal bezüglich des Verkehres in zwei Theile: der obere Theil zwischen Nussdorf und der Schleuse beim Kaiserbade wird dem von den oberen Donaugebieten kommenden Verkehre dienen. Die ganze Lände zwischen Franz Josefs-Bahnhof und Nussdorf wird sich zu einem Umschlagplatze ausgestalten und sind deswegen in diesem Theile am rechten Canalufer Lagerhäuser und Lagerplätze, welche durch Schleppgeleise mit den Bahnhofanlagen verbunden werden, projectirt. Die jetzt bestehenden Lagerplätze unterhall) der Brigitta brücke bis zur Augartenbrücke beiderseits des Canales werden bei fortschreitender Verbauung zur Auflassung gelangen. Von der Augartenbrücke bis zur Franzensbrücke ist die Ausführung von Quaimauern mit dahinter liegenden Ausladeterrassen. welche am rechten Ufer 15 m, am linken Ufer 10m Breite erhalten, projectirt. Diese Terrassen werden bis zum Strassenniveau durch Stützmauern begrenzt und sind bei den Brücken zur Vermittlung des Verkehres durch Stiegen und Kämpen zugänglich gemacht. Die Projectanten haben ferner an der Wienmündung auf dem Platze vor dem Donau-1 )ainpfschitffahrtsgebäude ein Ausstellungsgebäude mit davorliegenden breiten Treppen und Terrassen vorgeschlagen: die daselbst von der Donau-Regulirungscommission projectirte Erbreiterung aus Grund der neu gelegten Trace der Stadtbahn aufgelassen und selbe auf das linke Ufer gelegt. Der Canal, welcher sonst nur 50«» Breite erhält, ist an dieser Stelle auf 70 m erbreitert und beträgt die Länge der von der Fruchtgasse bis zur Franzensbrücke reichenden Erbreiterung 300 m. Der unterhalb der Kaiserbadschleuse liegende Theil des Canales wird vorzugsweise dem Verkehre aus den unteren Donaugegenden dienen, der innerhalb der Stadt liegende Theil den Industrieproducten, der unterhalb der Kaiser Josefsbrücke liegende Theil dem Verkehre in Massen- producten zu Gute kommen. Insbesondere ist die Simmeringer Lände wegen des dahinter projectirten Fabriksviertels mit ausgedehnten Schleppgeleiseanlagen, Lagerhäusern und Ausladeerfordernissen zu versehen und die entsprechenden Anschlüsse an das Eisenbahnnetz durchzuführen, wie solches in den Situationsplänen ersichtlich gemacht ist. An Strassenbrücken über den Donaucanal sind vorgesehen: eine in der Verlängerung der Gürtelstrasse in Döbling mit Uebersetzung der Franz Josefsbahn für den Verkehr mit der Donaustadt. eine in der Verlängerung der Rothenthurmstrasse. die nach dem Projecte Wielemans umgebaute Ferdinandsbrücke. die im Zuge der neu projectirten Gürtelstrasse unterhalb der Staatsbahnbrücke in Simmering projectirte Brücke. 26 Wasserstraßen. ß) Wienflussregulirung. Das vom Stadtbauamte ausgearbeitete Project für die Regulirung des Wienflusses bezweckt die unschädliche Ableitung der Hochwasser in einem gemauerten Gerinne, welches derart angelegt wird, dass eine theil- weise oder gänzliche Ein Wölbung zu beliebiger Zeit ermöglicht ist. Die Projectanten haben in ihrem Entwürfe vorläufig nur eine theilweise Einwölbung vorgeschlagen, und zwar von der TegetthofFbrüeke bis zur Schikanederbrücke und bei der jetzt bestehenden Kettenbrücke im V. Bezirke. Die Trace, welche von den Projectanten gewählt wurde, weicht nicht wesentlich von der des Stadtbauamtes ab ; nur die Anlage des monumental ausgebildeten Platzes vor der Karlskirche und die Anlage des Rangirbahnhofes bei der Kettenbrücke im V. Bezirke erforderten bedeutendere Aenderungen. Desgleichen ist die Höhenanlage der Sohle des neuen Gerinnes nicht geändert, ausser bei der Einmündung in den Donaucanal, wo dieselbe auf die gleiche Tiefe wie bei diesem gelegt wurde. Die Unterkanten der das neue Gerinne übersetzenden Brücken sind stets über der Hochwasserabflusslinie gehalten. Die tiefe Lage der projectirten Sohle, welche stellenweise bis 3 m unter die jetzige zu liegen kommt, gestattet bei offen zu haltendem Profile keine ästhetische Lösung der Regulirungsfrage; durch Hebung der beiderseitigen Strassen in das zukünftige Boulevardniveau wird ein Graben mit Stützmauern und gepflasterter Sohle entstehen, der bei einer Breite von 20—24 m eine Tiefe von 10— Il m erhalten wird, welcher in der grössten Zeit des Jahres eine minimale Wassermenge führt. Ein solcher Graben, durch elegant verbaute Stadttheile geführt, dürfte keineswegs denselben zur besonderen Zierde gereichen. Es sei ferner erinnert an den zwischen Tegetthoff- und Stubenthorbrücke liegenden Theil des Wienflussbettes, welcher jetzt mit der altertümlichen Stubenthorbrücke ein liebliches, landschaftliches, jeden Beschauer erfreuendes Bild gewährt. Hier müsste, den Verhältnissen entsprechend, eine andere Lösung als die des gemauerten, wasserarmen Grabens gefunden werden und haben die Projectanten in dem beiliegenden Theil- projecte über die Wienflussregulirung eine solche versucht. Es bliebe also nur übrig, in allen Theilen, welche ihrer architektonischen Umgebung wegen die Beseitigung des tiefen Gerinnes fordern, dasselbe einzuwölben und die gewonnene Fläche als Strassengrund zu benützen. Diese Strassenfläche, welche zwischen den Häuserfluchten eine Breite von 60—80 m erhielte, wäre der Wien-Boulevard. Dieser Wien-Boulevard ist jedoch kein Verkehrsbedürfniss, da in dem Theile Tegetthoff-Elisabethbrücke die Ringstrasse in einer Breite von 56 m parallel läuft; der Boulevard könnte nur in eine Reihe von Architekturplätzen aufgelöst werden. Wasserstrassen. 27 In dem Theile von der Elisabethbrücke aufwärts führen beiderseits Strassenzüge, die Hundsthurmer- und Margarethenstrasse, die Gumpendorferstrasse und Mollardgasse gleichfalls parallel, welche bei den geplanten Erbreiterungen dem Verkehre vollauf genügen; da der Verkehr die seit Jahrhunderten gewohnten Richtungen ohne zwingende Notwendigkeit nicht verlässt, so wird der Wien-Boulevard eine verkehrsarme Strasse bleiben. In den gewerbreichen Bezirken Sechshaus, Gaudenzdorf, Meidling stösst die Anlage des Wien-Boulevard auf Schwierigkeiten, da an diesen Theilen ganze Strassenzüge um 3—4 m gehoben werden müssten. was mit Rücksicht auf die dadurch zu den Seitenstrassen entstehenden Gefälle undurchführbar ist. (Uebrigens ergeben sich bei dem jetzt angenommenen Niveau des Boulevard auch für Einmündung nicht mehr regu- lirbarer Seitenstrassen Gefalle von 1 : 15.) In dem beifolgenden Theilprojecte haben die Verfasser als Alternative die Lösung der Wienregulirungsfrage durch die Canalisirung vorgeschlagen. Ein Canal durch das Wienbett wäre als eine neue Verkehrsader für die von ihm durchzogenen Stadtgebiete im Anschlüsse an den zu regulirenden Donaucanal und im Anschlüsse an ein zu schaffendes Canalnetz von weittragender Bedeutung für die Entwicklung des Wasserstrassennetzes. Die bedeutenden Kosten der Regulirung würden einer künftigen Generation reichlich verzinst, und die jetzt nutzlos abfliessenden Wassermengen durch die geplanten Anlagen neue Quellen des Erwerbes erschliessen. y\ Die Canalisirung des Wienflusses und der Wi en-S immeringe r- canal im Anschlüsse an den Wien-Neustädtercanal. Die eminente Bedeutung, welche die Wasserstrassen für die Entwicklung des Transportwesens haben, zeigen die jährlichen Baufortschritte der Canalnetze Deutschlands und Frankreichs und die jährliche Zunahme des Verkehrs auf denselben. Die Donau, als die natürliche Wasserstrasse Oesterreich-Ungarns, ist bis auf die einzige in deutschen Landen liegende Verbindung der Donau mit dem Main durch den Donau-Maincanal gänzlich isolirt vom Canalnetze Deutschlands. Der geplante Donau-Odercanal, welcher eine Verbindung dieses deutschen Canalnetzes mit der Donau anstrebt, durchzieht die industriereichen Länder Schlesien, Mähren und Niederösterreich und wird ein Verbindungsglied der directen Wasserstrasse Hamburg—Berlin—Wien bilden. Um Wien zu einem Knotenpunkte des Wasserstrassennetzes auszubilden, ist eine Fortsetzung desselben über Wien hinaus naheliegend, um die industriereichen Theile Niederösterreichs zwischen den Ausläufern der Alpen und dem Leithagebirge einerseits direct an der Donau, andererseits an das deutsche Canalnetz anzugliedern. 28 Wasserstrassen. Der bestehende Wien-Neustädtercanal, auf dem der Verkehr nahezu gänzlich eingestellt wurde, da er nach keiner Seite directen An- schluss an Wasserstrassen bietet, kann bei entsprechendem Ausbau und Anschluss an die Donau eine Hauptverkehrsader für das ganze Gebiet längs der Ausläufer der Alpen werden, an welche ein Canalnetz angeschlossen werden kann, welches die Industriebezirke gleich Saugadern durchzieht und mit dem Knotenpunkte Wien verbindet. Dieser Anschluss des Wien-Neustädtercanals an die Donau ist in der Weise möglich, wie dies in beiliegenden Plänen 1:75.000 und 1:10.000 übersichtlich dargestellt ist. Die eine Verbindung zweigt von einem zu schaffenden Bassin des Wien-Neustädtercanals an der Kreuzung der Staats- und Aspangbahn in Simmering ab, durchzieht Simmering, fällt mittelst zweier Doppelschleusen zum Erdbergermais ab und mündet in den dortselbst projectirten Kohlenhafen. Die zweite Verbindung führt an der südlichen Lehne des Laaer- und Wienerberges; die Scheitelhaltung führt als Tunnelstrecke von den Inzersdorfer Ziegelwerken bis zur Kreuzung unter der Südbahnstrecke, fällt mittelst zweier Schleusen an der Hundstharmer Gürtelstrasse zum Wienthale beim Gumpendorfer Schlachthause. Die canali- sirte Wien bildet von da an bis zur Mündung in den Donaucanal die Fortsetzung dieses Schifffahrtscanales und zugleich die zweite Verbindung mit der Donau. Diese ganze Canalstrecke durch das Wienthal über Wienerberg- Simmering bildet einen Wassergürtel um Wien, durchzieht die an Industrien und Massenproductionen reichen Theile des Wiener Gemeindegebietes und bietet durch zahlreiche Bassins und Erbreiterungen. Quaianlagen, Stiegen und Rampen dem Schiffsverkehr die nothwendigen Erfordernisse. In das canalisirte Wienbett, welches eine Länge von 4478 m hat, sind fünf Wehre und Schleusen eingebaut. (Die Länge und Höhenlage der Haltungen und das Schleusengefälle sind aus dem Längenprofile ersichtlich.) Die Breite des Canals beträgt im oberen Theile vom Gumpendorfer Schlachthause an 20 m, im unteren Theile vom Schwarzenbergplatz abwärts 22 m. Die beweglichen Wehre sind nach 2 Typen auszuführen. Nach Type I bestehen dieselben aus Rahmen, in welchen Klappen in Drehzapfen beweglich sind. Diese Rahmen, welche sich mit ihrem unteren Ende an die Sohle, mit ihrem oberen Ende gegen die oberhalb befindliche Brücke legen, können um einen Drehzapfen sammt den eingelagerten Drehschützen in horizontale Lage unter die Brücke gehoben werden, um das Canalbett ganz frei machen zu können und einer grösseren Wassermenge den Durchlauf zu gestatten. Nach Type II sind über die ganze Canalbreite fünf aus Eisen construirte Klappen angeordnet, welche sich um Charniere in der Sohle drehen und durch * AVa?sers< und wird mit Sohlengewölbe ausgeführt. Der 2 6m breite Leinpfad wird auf gusseiserne Säulen gelegt, um das Wasserprofil zu vergrössern. Die Scheitelhaltung liegt durchaus in der Höhe des Grundwassers und führt die Trace durch die Grundwasserteiche der Inzersdorfer Ziegelwerke: hierdurch werden die Versickerungsverluste zu einem Minimum. Ueber die Höhenlage dieses Grundwasserspiegels liegen genaue Daten nicht vor und ist daher die Scheitelhaltungshöhe nur approximativ bestimmt. Die Canaltrace folgt weiter dem südlichen Abhang des Wienerberges bis zur Verbindung mit dem Wien-Neustädtercanal in der Höhe von circa 1825. Die Situirung und das Gefälle der Schleusen in dieser Strecke kann nur nach eingehenden Studien und Grundwasserbeobachtungen genau fixirt werden. Der Wien-Neustädtercanal wird auf die Strecke von der Kreuzungsstelle mit der Staatsbahnlinie Penzing- Kaiser-Ebersdorf bis zur Kreuzung mit der nördlichen Linie der k. k. priv. Staatseisenbahn-Gesellschaft einbezogen und dementsprechend umzubauen sein. An letzterer Kreuzungsstelle ist ein Bassin eingeschaltet, das als Auslade- und Wendebassin für die Schiffe zu dienen hat. Von diesem Bassin fällt der Canal von der Haltungshöhe von 182"5 mittelst zweier Schleusen bei der Simmeringer Strasse zum Erdbergermais ab, unterfährt die Flügelbahn zum Schlachthaus und mündet in der Haltungshöhe löB'lO des Wiener Donaucanales in den zwischen Centraischlachtviehmarkt und Donaucanal projectirten Kohlenhafen. ö) Die Canalisirung der Wien und die Wienthalw asserleitung. Die Canalisirung der Wien erfordert zur Alimentirung des zu schaffenden Canales die Anlage von Reservoirs, um den Wasserzufluss der wechselnden Wassermengen halber reguliren zu können. Reservoiranlagen sind von dem Wienthalwasserleitungs- Unternehmen an den Wurzeln der Seitenthäler projectirt, und zwar das Wolfsgraben-, Dammbach-. Mauerbach- und Gablitzbach-Reservoir: es ist naheliegend, diese projectirten Anlagen mit der Wienregulirung in Zusammenhang zu 32 Wasserstrassen. bringen und dadurch eine rationelle Lösung der ganzen Frage zu ermöglichen. Diese in den Seitenthälern projectirtert Reservoirs dienen dann zugleich dem Zwecke der Wasserversorgung und der Alimentirung des Canales, während der zwischen den Reservoiren und der canalisirten Strecke liegende Theil des Wienbettes als Abflussgraben für überschüssige Wassermengen und als Zubringer für den Wiencanal dient. Die Nutzbarmachung des aus den Hochreservoirs abfliessenden Wasserquantums, welches im Minimum 80.000 m 3 pro Tag beträgt, ist in der Weise durchführbar, dass diese Wassermengen bis zum Anfang der canalisirten Strecke beim Gumpendorfer Schlachthause geleitet und dort zur Umsetzung in Betriebskraft und Elektricität verwendet wird. Das Wasser wird beim Durchfliessen durch die Turbinenanlagen nicht verunreinigt und ist als Nutzwasser für viele Industrien, als Spülwasser für öffentliche Zwecke, in allen Theilen der Stadt, welche die Ausnützung des noch vorhandenen Gefälles gestatten, verwendbar. Niederschlagsgebiet. Das gesammte Niederschlagsgebiet beträgt...... 224*2 km- Das Niederschlagsgebiet bis zu den Choleracanälen . . . 203"7 .. Das für die Wienthalwasserleitung concessionirte Niederschlagsgebiet ...............181 „ Das zur Anlage der vier Hochreservoire nothwendige Niederschlagsgebiet beträgt für die zwei Hochdruck- Reservoire: Wolfsgraben-Reservoir....... 5.369*5 ha Dammbach-Reservoir.......281'8 ,. Für die zwei Niederdruck-Reservoire: Gablitzbach - Reservoir 2.148*7 ,, Mauerbach - Reservoir 3.171*7 ,. Zusammen . 10.971*7 ha oder . 109*71 foft a Wassermengen. Nach den Beobachtungen über die Jahresregenhöhen. welche bis zum Jahre 1845 zurückreichen, berechnet sich für das Wienthalgebiet das Minimum (1858) mit 520, das Mittel aus der Zeit von 1845—1881 mit 710, das Maximum mit 1000 cm. Das Niederschlagsgebiet, welches für die Reservoir - Anlagen in Betracht kommt, beträgt 181,000.000 m 2 . Von diesen sind zur Alimentirung der vier Hochreservoire erforderlich 109,717.000 m 2 . Es bleibt somit für die Canal-Alimentirungs- Reservoire ein Niederschlagsgebiet von 71,283.000 m 2 . Bei der im Jahre 1858 beobachteten geringsten Niederschlagshöhe für Wien mit 421 cm ergibt sich aus den vergleichenden Beobachtungen von 1858—1881 für das bewaldete Wienthalgebiet eine minimale Nieder- • Wasserst rassen. sehlagshöhe von 520 cm und die Jahres - Regenmenge mit 37,067.160. Bei Annahme des Abflusscoeffieienten mit 0*5 ergibt sich eine jährliehe Wassermenge von 18,533.580 m 2 oder pro Secunde 0'58 m' A . Die Wienthal Wasserleitungs-Unternehmung rechnet bei einer täglichen Leistung von 80.000 to 8 und bei Annahme des Abfluss-Coefncienten von 0 5: 80.000 x 365 = 29,200.000 m\ Regenmenge: 58,400.000 m 3 , 58.400.000 109,717.000 = 530 als jährliche minimale Regenmenge pro Quadratmeter. Für die mittlere Jahresregenhöhe von 710 cm ergibt sich eine Niederschlagsmenge von 71,283.000 x 0 71 e= 50,610*930 m s , die Abflussmenge mit 0*5 X 50,610.930 = 25,305.465 m s , die Wassermenge pro Tag 69.330 /»», pro Secunde 0*8 ™ 3 . Das von der Wienthal Wasserleitung zu liefernde Minimalquantum beträgt pro 24 Stunden 80.000 m\ pro Secunde 0*92 m\ Leitet man diese Wassermengen von den Turbinen der Centraianlage dem Canale zum Zwecke der Speisung zu. so resultirt für denselben eine Maximal - (xesammtmenge von 0'92 + 0*58 — 1'52 w J pro Secunde. Wasserverbrauch des Canales. I >a der (Jana! mit seiner Sohle dnrchgeliends in die Tegelschichte und unter die Höhe des Grundwassers zu liegen kommt, so wird der Wasserverlust in Folge Versickerung ein minimaler werden, doch sind in dieser Richtung noch keine Erfahrungsresultate vorhanden und bleiben als Anhaltspunkte die an französischen Canälen gemachten Beobachtungen. Nach denselben ergeben sich bei guter Dichtung des Bodens, entsprechender Construction der Schleusenthore die Wasserverluste in Folge Verdunstung, Versickerung, undichtes Schliessen der Thore, unrichtige Handhabung der Speisungschützen für einen Canal von 10 m Sohlenbreite. I 1 ..fache Böschung und 1*6 to Wassertiefe mit 0*33 bis 0*53 to 8 , in 24 Stunden für im CanaHänge (Graeff, Construction des canaux). Dies entspricht den bei anderen Canälen gemachten Beobachtungen von 0*0038 — 0 0067 to 3 pro Secunde und Kilometer. Bei Anwendung von Betondichtuhg lässt sich dieser Verlust noch wesentlich verringern. Für dieselben Dimensionen ergibt sieh nach Beobachtungen auf französischen Canälen pro Meter Länge 0*05 bis 0*08 m» in 24 Stunden oder- m>U057—0*00092 to 8 pro Kilometer und Secunde. Die Sickerungsverlnste nehmen mit der Wassertiefe und der Sohlenbreite des Canales zu. 3 34 Wasserstrassen. Nach Versuchen auf dem Rhein-Marnecanal sind bei ein- und derselben Höhenlage der Canalsohle die Sickerungsverluste nach der allgemeinen Formel: V = a.h 3 + bhHch + d zu berechnen, wobei h die Wassertiefe über der Sohle, a, b, c und d bestimmte, von den betreffenden Verhältnissen abhängige Werthe bedeuten. Die Sickerungsverluste nehmen also mit der Vermehrung der Wassertiefe stark zu. Der Wasserverlust bei Vermehrung der Sohlenbreite kann bei gleichen Verhältnissen höchstens im geraden Verhältniss stehen. Es folgt daraus, dass bei derselben Sohlenlage der Wasserverlust sich verdoppelt, wenn die Wassertiefe von 1 - 60 auf 2 m steigt und sich vervierfacht, wenn die Wassertiefe von 2 m auf 3 m erhöht wird. Bei der mittleren Tiefe, welche beim canalisirten Wienbett durchschnittlich 3 - 50m beträgt, dürfte dieser Verlust circa das 6fache betragen. Da die Sohlenbreite 20—22 m beträgt, so könnte der Massenverlust nicht mehr als das Doppelte wie bei bestehenden Canälen betragen, so dass sich der Gesammtverlust stellt auf höchstens: 6 X 2 = 12 X OOOö, also nicht über 0"06m 3 pro Kilometer und Secunde. Für die Länge dieser Canalstrecke von 5 km gibt dies 5 X 0*06 =0"3 >» pro Secunde. Der Wasserverlust bei den vorgeschlagenen beweglichen Wehren beträgt im Maximum 0'6m 3 pro Secunde. Wassermenge für den Schiffsverkehr. Für den Schiffsverkehr sind Boote mit 400 1 Belastung, 30 1 Eigengewicht und 70 1 Bückfracht angenommen. Die Schleusen haben eine nutzbare Länge von 56 m , eine Breite von 8"20m, wie selbe für den Donau- Odercanal projectirt sind. Das durchschnittliche Gefälle derselben beträgt 3*5 m. Für ein aufwärts fahrendes Schiff mit 400 1 Belastung und 30 1 Eigengewicht ergibt sich nun die Wassermenge für eine Schleusenfüllung : Cubatur des Schleusengefälles: 3'5 X 8"2 X 56 = .... 1607;// :i abzüglich des verdrängten Wasserquantums von 400 1 Belastung und 30£ Eigengewicht.........430m 3 1177 m 3 Für ein in der Gegenrichtung verkehrendes Schiff mit 70 1 Belastung: Schleusenfüllung.......... 1607m 3 70(5 Fracht und 30 1 Eigengewicht........100 ni A 1507//r 1 Wasserstrassen. 35 also zusammen 1177 + 1507 = 2684, rund 2700 m 3 für eine Hin- und eine Rückfahrt mit zusammen 470 1 Belastung. Für einen Verkehr von 1,000.000 1 sind nothwendig: 1,( ^" 000 = 2127 Schleusenfüllungen mit einer Gesammt-Wassercubatur von 2127 X 2700 = = 5,742.900 m*. Für die Schifffahrtsperiode, von im Jahre rund 250 Tagen, ergibt dies pro Tag: 5.742.900 250 22.972 m 3 oder pro Secunde 0*25 m z . Die zur Verfügung stehende minimale Wassermenge beträgt............ Vb2m 3 pro Secunde Das Wasserer fbrderniss: a) Verdunstung, Versickerung, undichter Schluss der Thore etc............0-30 m* „ „ b) Verlust bei den Wehren.......0"60m 3 „ „ c) Für den Schiffsverkehr von 1,000.000 1 . . 0-25 m 3 „ Es bleiben also noch........0 - 37ra 3 pro Secunde als Ueberschuss für weitere Verwendung übrig. Soll nun die ganze verfügbare Wassermenge für den Verkehr nutzbringend gemacht werden, so ergibt sich dies aus Folgendem: Die Wassermenge beträgt für das ganze Niederschlagsgebiet von 181,000.000 m 2 .... 1*52 m 8 pro Secunde Hiervon ab die Verluste: Durch Versickerung etc. 0'30 „ „ „ bei den Wehren . . . 0"60 „ „ „ Bleiben . 0*62 m % pro Secunde. Dies ergibt für die Schifffahrtsperiode von 250 Tagen eine Wassermenge von 250 X 24 X 60 X 60 X 062 = 13,392.000 m\ Für jedes Schiff sind für Hin- und Rückfahrt mit zusammen 470 t Fracht 2700 m s Wasser erforderlich. Es können also in 250 Tagen = 4960 oder pro Tag 20 Schiffe verkehren, wobei angenommen *7U0 ist, dass sich die Schiffe bei den Schleusen nicht kreuzen. Rechnet man diese Schiffszahl mit der vorangeführten Fracht, so ergibt dies einen Jahresverkehr von 4960 X 470 = 2,331.200 t. Hierbei die für das trockenste Jahr 1858 der ganzen Periode von 1845 bis 1881 berechnete Wassermenge und die höchsten Werthe für die Wasserverluste vorausgesetzt. Wenn nun, wie dies beim Anstieg zur Scheitelstrecke der Fall ist, die Schleüsenhaltungen kurz sind, so wird es zur Regel, dass sich die Schiffe an den Schleusen kreuzen und dann nur die Hälfte an Schleusungswasser verbraucht wird; es kann dann folgerichtig der 3* Wasserstrassen. doppelte Verkehr bewältigt werden, welcher dann rund 4.600.000 t pro .Jahr betragen kann. e) Compensation des Hochwasserabflusses. Der Hochwasserabfluss des Wienflusses ist für den gegenwärtigen Zustand des Niederschlagsgebietes mit 400—600 m* pro Secunde anzunehmen. Bei Ausfährung der Reservoiranlagen für die Wienthal-Wasserleitung lässt sich eine Compensation dieser excessiven Hochwassermengen in der Weise durchführen, dass diese Reservoire ausser dem für die Wasserversorgung nothwendigen Quantum noch eine Wassermenge von 1,600.000 m 8 aufzunehmen im Stande sind, wie dies bereits im Operate dieser Unternehmung vorgeschlagen wurde. In diesem Falle wäre aber von der Ausführung der Thalsperren aus Erddämmen abzusehen und dieselben gemauert mit allen Sicherheitsvorkehrungen für den Wasser- abfluss auszuführen. Sollten dann noch die bei Hadersdorf nach den Vorschlägen des Stadtbauamtes mit einem Fassungsraum von 1,600.000 >/< 3 vorgesehenen Reservoire in Betracht zu ziehen sein, so würde sich, wenn die Wurzelreservoire bis zur maximalen Grenze beansprucht werden sollten, eine zweite Compensationszone ergeben, welche im Stande ist, die einem aussergewöhnlichen Niederschlage entsprechende Wassermenge während der doppelten Zeit zu magaziniren und den Abfluss auf eine constante, jederzeit regulirbare Wassermenge zu reduciren. Sollte nun dessen ungeachtet aus irgend welchem Vorkommnisse diese Wassermenge das Canalprofil zu passiren haben, so stellen sich nach den Gefällen und Profildimensionen die Wasserspiegel nach der im Längenprofile dargestellten Curve dar. Diese Werthe sind nach der Formel von Darcy- Bazin für eine durchfliessende Wassermenge von 600 m* pro Secunde bestimmt, wobei v = kKr . s und k — 61*5 für Bruchsteinwände gerechnet wurde. Die in den Canal eingebauten Wehre sind dementsprechend beweglich construirt und liegen die Unterkanten der gehobenen Wehr- eonstructionen und sämmtliche den Canal übersetzenden Brücken über dieser Hochwassercurve. Im Falle des Durchriiessens einer solchen Wassermenge ist wie auf anderen Flüssen bei Hochwasser der Schiff- fahrtsverkehr einzustellen, da die Leinpfade stellenweise überronnen werden. Ein solcher Fall ist aber nur bei Eintritt einer Katastrophe anzunehmen und bei entsprechender Anlage und sachgemässer Ueber- wachuug der Compensationsanlagen nahezu gänzlich ausgeschlossen. AVasserstrassen. 37 Die Aenderungen in der Nivellette der Wienthallinie, welche aus der projectirten Canalanlage resultiren, sind gegenüber der Annahme eines nicht canalisirten Wasserlaufes geringfügige und besckränken sich auf kleine Aenderungen in Folge der Höhenlage der Schleusenhaltungen und Unterfahrungen der Brücken, deren Höhenlage durch die Nivellette der benachbarten Strassen gegeben ist. L) Ausnützung der Wasserkraft des Wienflusses. Bei einer täglichen Minimalleistung der zwei Hauptrohre der WienthalWasserleitung von 80.000 w 3 würde sich diese Wassermenge auf die einzelnen Reservoire nach ihrem Fassungsraum annähernd nach den Verhältnissen der Niederschlagsgebiete von o3"6, 2'8, 21 , 5, 317 berechnen lassen: Wolfsgraben-Reservoir. . . . . . 39.125 m* Dammbach- ...... 2044 tn 3 ' Gablitzbach- ........15.693 m 3 Mauerbach- ,....... 23.138 m' 80.000m» Diese Wassermenge und das zur Verfügung stehende Gefälle legt den Gedanken nahe, einen Theil dieser Wasserkraft als Betriebskraft zu verwerthen. Die Höhenlage des Wasserspiegels der Reservoire über dem Nullpunkte des Ferdinandspegels beträgt: Wolfsgraben-Reservoir...... 129*0 m Dammbach- „...... 134 0/// Gablitzbach- ,....... 104*0 m Mauerbach- „ ...... 960 m Der in Aussicht genommene Punkt für die Anlage der Kraftmaschinen beim Gumpendorfer Schlachthause liegt 21 m über dem Nullpunkte des Ferdinandspegel, so dass sich die Gefälle mit 108, 113, 83, 75 m ergeben. Die Länge der Rohrleitungen beträgt von den Reservoiren bis zur Centralanlage: Wolfsgraben-Reservoir..... circa 18 hm Dammbach- .. .....„ 16'2&/// Gablitzbach- „ .....,-13*8 km Mauerbach- „ .....„ \\'2hn Die Druckhöhenverluste berechnen sich für einen Durchmesser der Rohrleitungen von 0*6»» und einer Wassergeschwindigkeit von \ (H)m per Secunde nach der Formel: 1 v 2 y = 7j j| • g - 13 = 0026 (Weisbach). 38 Wasserstrassen. Für die beiden Hochreservoire Wolfsgraben und Dammbach mit einer mittleren Rohrlänge von "° + 16 * = 171 fem .mna +17-100 10 0 -. Q y = ü-026 ^ m — rxm= BTSm Für die beiden Niederdrack-Reservoire Gablitzbach und Mauerbach: mit einer mittleren Länge von , * 8 +-»:*=i2-5fe» y = 0W^° • 2 ^ 1 =27-6,» Nimmt man für die beiden Hochreservoire eine mittlere Höhen- 108 -4- 113 läge von ~I---- = 110 m, so bleibt nach Abzug des Druckhöhenverlustes von 37'8 m eine Druckhöhe von 12'2m übrig. Die effective Arbeitsleistung beträgt nun nach Na = 1000 * «g*™ - 291 Pferdekräfte. 75 Als Motoren wären vorzuschlagen partiell beaufschlagte Druckturbinen mit freiem Strahle und wagrecht gelagerter Axe, welche einen NutzefFect von 0'8 geben. Es resultirt sonach eine Nutzleistung von 291 X 0 8 = 233 Pferdekräften, die gleiche Rechnung ergibt für die Niederdruck-Reservoire Grablitzbach und Mauerbach: Mittlere Höhenlage der Reservoire :——.- =:, . . . 74 m Ab den Druckhöhenverlust . . . . '......-» . . 27 6 v Verfügbare Druckhöhe . 46'4 m Effective Arbeitsleistung: Na = 1000.0-28 X 46-4 = p ferdekr8fte . 7o Die Nutzleistung beträgt bei einem Wirkungsgrad von 0*8 173 X 0-8 = 138 Pferdekräfte, also für Hochdruck- und Niederdruck-Reservoire zusammen 233 + 138 — 371 Pferdekräfte, wobei nun eine Wassermenge von 0*56 m s pro Secunde in Rechnung genommen wurde. Es bleibt sonach noch eine Wassermenge von 0-92 — 0-56 = 0*36 pro Secunde für Nutzwasser übrig. Da die durch ein Rohr durchfliessende Wassermenge pro Secunde 0*28 m s , also pro 24 Stunden 24.129 m s beträgt und in den beiden Hochdruck-Reservoiren zusammen 41.169 vorhanden sind, so ergibt sich noch ein Ueberschuss von 16.977 m 8 zur Compensation des Zu- und Ablaufes. Wasserstrassen. 39 ?j) Canalßtreeke zwischen Gumpendorfer Schlachthaus und Wi en-Neustadt er canal. Diese Strecke erfordert zu ihrer Alimentirung die Einbeziehung des Niederschlagsgebietes der Liesing bis zum Unterwasser der Springmühle in Erlaa. Durch diese Einbeziehung werden die wasserrechtlichen Verhältnisse des Gebietes oberhalb dieser Stelle nicht berührt, da nur der Abfluss bei der Springmühle in Betracht gezogen wird. Ueber das Liesinggebiet liegen bis jetzt keine genauen Beobachtungsdaten über Regen- und Abflussmengen vor, so dass diesbezüglich nur annähernde Daten gegeben werden können. Nach diesen beträgt das Niederschlagsgebiet für die Liesing 74,705.000 /n 2 , die jährliche minimale Regenmenge wie für das Wienflussgebiet und den Versickerungs- Coefficienten mit 0*5 angenommen, gibt eine jährliche minimale Wassermenge von 74.705.000 X 052 X 0'5 = 19,423.300 /n 3 , oder pro Secunde 0 616 m' A . Die Verluste durch Versickerung und Verdunstung in der ( 1 analstrecke berechnen sich wie folgt: Die Länge des Canales vom Gumpendorfer Schlachthause bis zum Wien - Neustädtercanale beträgt H2Ä;m, wovon circa 2 km auf die Tunnelstrecke und den Einschnitt entfallen. Da der Canal zum grössten Theile im südlichen Abhang des Wienerberges und grösstenteils im Grundwasserabflussgebiet gelegen ist, so werden die Verluste die oben angeführten nicht erreichen und dürfte der Werth von 0'003 pro Secunde und Kilometer eher zu hoch als zu niedrig anzunehmen sein. In der Tunnelstrecke dürfte vielmehr ein Zufliessen von Grundwasser stattfinden, was aber nicht in Berücksichtigung gezogen wurde. Es berechnet sich sohin der vom Verkehr unabhängige Verlust für die ganze Canallänge mit: (11*2 — 2 0" x 0 003 — 0*0276 m 3 pro Secunde. Das Wassererforderniss zum Zwecke der Schleusung bei einem Verkehr von 1,000.000 t in einer Schiffahrtsperiode von 250 Tagen berechnet sich nach den früheren Ausführungen, wenn das grösste Schleusengetalle bei der Mündung des Canaltunnels unter der Südbahnstrecke 7*40 beträgt: Wasserbedarf für eine Schleusenfüllung: 7 4 x 8-2 x 56 0 = 3398 m 3 . Bei Anwendung von Seitenbassins beträgt das Wassererforderniss - 3 . so dass sich selbes reducirt auf: - H 3398 = 2265 m 3 . Für ein aufwärts fahrendes Schiff ergibt sich wie vor: 2265 — 430 = 1835 m* für ein thalwärts verkehrendes Schiff .... 2265—100 — 2165t» 8 Zusammen 4000 m* Für den Verkehr von 1.000.000 1 sind 2127 Schleusenfüllungen erforderlich, zusammen in 250 Tagen 4000 x 2127 = 8,508.000 m 3 ode 40 Wasserstrassen. pro Secunde: 95() x ^ x (}() x (;ü = U..S94pro Secunde, so dass also noch ein Ueberschuss von 0*616— 0*0276— 0*394 = 0*194 pro Secunde bleibt. Um für die Zeit stärkeren Verkehres oder eines noch geringeren wie oben berechneten Wasserzuflusses die nothwendige Wassermenge zur Verfügung zu haben, ist ein Compensationsreservoir vorgesehen, welches unterhalb der Springmühle anzulegen wäre und bei einem Flächenraume von 551.300 m 2 und einer mittleren Tiefe von 2*5 m einen Fassungsraum von 1,378.250 m 3 erhält. Da die pro Secunde nothwendige Wassermenge mit 0*4216 m 3 bestimmt wurde, so ergibt sich für die Compensationszeit von 1 Monat 1,092.787 m s . Der Wasserspiegel dieses Reservoirs käme, da an dieser Stelle zahlreiche Quellen zu Tage treten, in günstiges Terrain zu liegen, so dass man für Versickerung und Verdunstung die oben angeführten Werthe in Rechnung ziehen kann. Es ergibt sich also für die Verluste: Für eine Fläche von 20 m Breite und 1 km Länge 0*003 m 3 pro 0'0()3 Secunde und Quadratmeter -^7^ = 0*00000015 ra 3 ; für die Fläche von ^U.ULKj 551.300 m 2 — 0*08269 m 3 pro Secunde oder für 1 Monat = 214.272 m 3 , was ein Gresammtmassenerforderniss von — 1,307.000 m 3 ergibt, gegenüber dem Fassungsraume von 1,378.250 m 3 . #) Canalstrecke Wien-Neustädtercanal—Simmering—Donauhafen. Diese Canalstrecke erfordert bezüglich ihrer Alimentirung keine besonderen Speisungsanlagen, da die Wassermenge des Wien-Neu- städtercanales, respective seiner Zuflüsse eine hinreichende ist, um selbst grössere Wasser Verluste als die vorberechneten decken zu können. Die untere Canalstrecke ist in Folge ihrer Einmündung in den Kohlen- hafen des Wiener Donaucanales dem Einflüsse des Rückstaues unterworfen und sind die Canalufer über die Höhe 158*35 zu legen. Dasselbe gilt für die Unterkanten der über den Canal führenden Eisenbahn- und Strassenbrücken. Detail-Entwurf des Verbauungsplanes für den Stadttheil von der Schikanederbrücke bis zum Donaucanale. Indem die Verfasser zur Ausarbeitung eines Entwurfes für die Verbauung jenes ausgedehnten Stadttheiles schritten, welcher sich von der Schikanederbrücke bis zum Donaucanale erstreckt, waren sich dieselben bewusst, dass jeder Versuch einer Lösung dieser bedeutenden Aufgabe ebenso sehr getragen sein muss von der Erkenntniss der eminent künstlerischen Fragen, welche auf diese bestimmend wirken müssen, als auch von dem Bewusstsein. dass dieselbe mit Rücksicht auf den Werth der bisher zum Theile nur wenig ausgenützten Grundflächen den ökonomischen Interessen in so weitgehendem Masse Rechnung tragen muss, als dies durch die ästhetischen Forderungen der Frage überhaupt nur zulässig erscheint. Bestimmend für die Lösung der vorliegenden Frage sind einerseits die Lage jener Strassenzüge, welche über dem eingewölbten Wienflusse oder rechts und links von dessen offenem Gerinne sieh ergebend, die Längenentwicklung des zu regulirenden Stadttheiles in mehr oder minder unabänderlicher Weise betonen, andererseits die Lage der bedeutsamen Bauwerke, welche auf beiden Seiten des Wienflusses bestehend, die Anordnung von Plätzen erfordern, durch welche diesen Bauwerken eine ihnen angemessene Wirkung gesichert wird. Ein Wölbung des Wienflusses. Eine Einwölbung des legulirten Wienflussgerinnes wurde vorgeschlagen von ?Am oberhalb der Schikanederbrücke bis zur Tegetthotfbrüeke einerseits, von 78m oberhalb der Radetzkvbrücke bis zur Einmündung andererseits, während die Beibehaltung des offenen Gerinnes in dem durch die beiden vorerwähnten Strecken bestimmten Theile für empfehlenswerth erachtet wurde, da der Vortheil einer Vergrösserung der Gartenfläche, welche durch Einwölbung des Wienflusses auf der Strecke seines Laufes durch den Stadtpark erreicht werden könnte, durch die hiermit verbundenen Kosten nicht gerechtfertigt erscheinen würde und eine Einwölbung 42 Detail-Entwurf: Schikanederbrücke-Donaucanal. jenes Theiles, welcher sich von der Ungargasse bis zur Radetzkybrücke erstreckt, die Anlage einer breiten Strasse bedingen würde, welche mit Rücksicht auf die unmittelbare Nähe der Ringstrasse einem Verkehrsbedürfnisse keineswegs entspricht. Die Abänderungen, welchen die projectirte Trace des regu- lirten Wienflusses, ebenso wie jene der Wienthallinie unterzogen worden sind, werden weiter unten zur Erläuterung gelangen, da sie ein Ergebniss sind der Planungen, welche zum Zwecke einer ästhetischen Verwerthung der gegebenen Monumentalbauten, sowie zum Zwecke der ökonomischen Verwerthung der vorhandenen Grundflächen vorgenommen worden sind. Mit der Einwölbung 34 m oberhalb der Schikanederbrücke beginnend, wurde vor der Einmündung des Getreidemarktes ein dreieckiger Platz angeordnet, welcher ausser durch das neuprojectirte Theater an der Wien begrenzt werden soll durch einen Gebäude- complex, der, den überwölbten Wienfluss überspannend, eine öffentliche Durchfahrt in der Richtung des Wienflusses und Gallerien mit Verkaufsgewölben aufnehmen soll. Dieser Gebäudecomplex erfüllt die Aufgabe, den Strassenzügen, welche im Oberlaufe des Wienflusses längs seiner beiden Ufer sich hinziehen, einen monumentalen Abschluss zu geben und den durch das offene Gerinne einerseits, durch die Einwölbung andererseits gegebenen verschiedenartigen Strassen- charakter zu sondern. Gegen die Wiedener Hauptstrasse zu schliesst das Galleriegebäude einen Platz ab, welcher mit Benützung des Gebäudes der evangelischen Schule und eines diesem symmetrisch angeordneten Wohnhäuserblockes für den die Gallerie Verlassenden vorbereitend wirken soll für jenen grösseren Platz, welcher der Karlskirche vorgelegt worden ist. Auf dem Ersteren ist für die Aufstellung zweier Monumente, als deren eines das derzeit vor der technischen Hochschule stehende Ressel-Denkmal in das Auge gefasst worden ist, vorgesorgt, und wurde auch die Anordnung von Wartehallen der Stadtbahn-Haltestelle auf der einen, von Restaurations-, Kaffeehaus- oder Verkaufspavillons auf der anderen Seite in Aussicht genommen. In einer Breite von 46 m führt der über der Einwölbung sich ergebende Boulevard auf den Platz vor der Karlskirclie. Der Schnittpunkt der Axen des Künstlerhauses und der Karlskirche wurde als Mittelpunkt eines kreisförmig gestalteten Platzes angenommen, dessen Durchmesser sich als grösserer Abschnitt ergibt bei der Theilung der Strecke vom Porticus der Karlskirche bis zur Flucht des ihr gegenüber projec- tirten öffentlichen Gebäudes nach den Regeln des goldenen Schnittes. Detail-Entwurf: Schikanederbrücke-Donaucanal. 43 Der Kreis, mit dem auf diese Weise sich ergebenden Halbmesser beschrieben, ist in 24 gleiche Theile getheilt, von welchen, bei dem zunächst der Kirche gelegenen Theilstriche ausgehend, die ersten fünf Theile einerseits die Mittellinie des rechtsseitigen Boulevards, andererseits die Mittelaxe des projectirten Umbaues der technischen Hochschule betonen; die weiteren vier Theile einerseits in die Axe des Künstlerhauses, andererseits mit der Mittellinie des von der Schikaneder brücke einmündenden Boulevards zusammenfallen, und die beiderseits bleibenden drei weiteren Theilstriche, in der verlängerten Axe der Karlskirche sich treffend, die Mittellinie geben für den an dieser Stelle geplanten öffentlichen Bau, welcher für die Aufnahme des k. k. Ministeriums des Innern in Vorschlag gebracht worden ist. Die Breite des den Platz kreuzenden Boulevards wurde mit Hinsicht auf den Umstand, dass derselbe die Unterfahrung durch den eingewölbten Wienfluss gestatten muss, mit 46 m angenommen, welche Breite auch der dem Künstlerhause vorgelagerten Strassenöf fnung, als auch der Entfernung der weit vorspringenden Eckrisalite- des projectirten Umbaues der technischen Hochschule gegeben wurde. Diese Breiten erfahren eine Erweiterung durch beiderseitig längs der Häuserfronten angeordnete Arkaden, welche als Ausklänge jener Arkadenstellungen zu betrachten sind, die, zu beiden Seiten der Karlskirche anschliessend, zuerst in directer Verlängerung der Thorflügelbauten die Alleegasse und eine zu derselben in symmetrischer Lage neu projectirte Gasse übersetzen, nach erfolgter Strassenkreuzung in scharfer Curve abbiegen und convergirend sich gegen die Oontour des kreisförmigen Platzes vorschieben, um daselbst in kuppelgekrönten Pavillons zu endigen. Die sich zwischen Allee- und Karlsgasse einerseits, zwischen den symmetrisch zu diesen neuangelegten Strassen andererseits sich ergebenden, in schmale Faeaden auslaufenden Bau blocke, sowie das hinter der Kirche projectirte Pfarrhaus mit den Baumgruppen seines vorgelegten Gartens dürften einen leichtbewegten Hintergrund für die der Karlskirche vorzulegenden Arkaden bilden und im Vereine mit den innerhalb dieser Arkaden beantragten Brunnen- und Treppenanlagen ein harmonisches Gesammtbild gewähren. Für die Mitte des Platzes wurde die Aufstellung eines in bedeutenden Dimensionen zu haltenden Obelisken in Vorschlag gebracht. Die decorative Ausschmückung hätten eine an der Stirn- farade des neu projectirten k. k. Ministeriums des Innern in grossartigen Verhältnissen — etwa im Sinne der Fontana Trevi in Rom — anzuordnende Brunnenanlage und längs der Peripherie neben den Endigungen der Loggien aufzustellende Denkmäler zu vollenden. Für diese Letzteren — acht an der Zahl — könnten die derzeit auf 44 Detail-Entwurf: Schikanederbrücke-Donaucanal. der Elisabethbrücke befindlichen Monumente — bei eventueller Erhöhung der Sockel — in Verwendung gelangen. Die Niveauregulirung des Platzes, für welchen die Verwendung eines in schöner Musterung herzustellenden Strassen- pfiasters unumgänglich erforderlich wäre, ist in der Weise durchgeführt gedacht, dass wie am Petersplatze in Rom der Mittelpunkt am tiefstliegenden angenommen worden ist. Das Niveau der Peripherie hätte von dem um 44 cm höher als die Platzmitte gelegenen Punkte vor dem Ministerium des Innern gleichmässig bis zu dem der Karlskirche zunächst gelegenen Punkte der Peripherie anzusteigen. so dass der Platz, abgesehen von der durch die Tieferlegung der Mitte sich ergebenden, für das Auge des Beschauers übrigens kaum wahrnehmbaren Einsackung ein Gefälle von der Karlskirche zu der projectirten monumentalen Brunnenanlage vor dem Ministerialgebäude zeigen würde. Von dem oberen Theile des solchermassen angelegten Platzes würden Auffahrtsrampen und eine mit reichem Figuren- und Candielaberschmuck gezierte Freitreppe den Uebergang zu dem um .0*85—1*20m höher gelegenen Plateau führen, welches mit den bereits erwähnten Brunnen geschmückt und von den dorischen Arkaden flankixt, der Karlskirche unmittelbar vorgelagert ist. Gusshausstrasse. Für die derzeit in der Alleegasse endigende 18"96ra breite Gusshausstrasse wurde, da nach der aus den Plänen für dieselbe vorgeschlagenen Weiterführung sich hinter den Häusern der Schwindgasse genügende Bauparzellen kaum ergeben dürften, eine Trace in der Weise beantragt, dass das derzeit ein Eckhaus bildende Gebäude des Pensionsfonds der Staatsbahnen die eine Strassenseite bestimmt. Die Technikerstrasse kreuzend würde die verlängerte Gusshausstrasse in der durchgehenden Breite von 18*96 >» in den neuanzulegenden Wienfluss-Boulevard münden und mit diesem zum Schwarzenbergplatze führen. Die Führung der Gusshausstrasse in diesem Sinne ermöglicht die vortheilhafte Anlage einer directen Tramwaylinie vom Schwarzenbergplatze in die Favoritenstrasse, respective in die Wiedner Hauptstrasse. Schwarzenbergplatz. Für den dem Palais des Fürsten Schwarzenberg vorgelegenen Platze wurde eine reichliche Verbauung aus dem Grunde in Aussicht genommen, da einerseits der Platz in seiner jetzigen Gestaltung gegenüber den Dimensionen des Sommerpalais unbestreitbar viel zu grosse Abmessungen hat und da andererseits die mit dem Keiterdenkmal gezierte platzartige Erweiterung der Schwarzenberg- strasse eines Abschlusses gegen die derzeit offene Seite insoweit nicht entbehren kann, als dessen Anordnung möglich erscheint, ohne die reizende perspectivische Wirkung, die durch die Höhenlage des fürstlich Schwarzenberg'schen Palastes gegeben ist, zu stören. Detail-Entwurf i Schikanederbrücke-Donaueanal. 45 Im Sinne der zu beiden Seiten des Denkmals dermalen schon bestehenden Vorgärten wurden auch beiderseits längs der Fronten des Boulevards Vorgärten angenommen, welche, das decorative Motiv der Arkaden des Karlskirchenplatzes in geänderter Form weiterführend, einen Uebergang zu den bewegten Linien und Formen des Stadtparkes bilden sollen. In die Regulirung des Schwarzenbergplatzes wurde auch — obwohl dieselbe zur Auflassung noch nicht bestimmt ist — die H e u- markt-Caserne einbezogen, um zu zeigen, in welcher Weise die Strassendurchführung vorzunehmen wäre, im Falle auch dieses Object einstens der Auflassung zugeführt werden sollte. Durch geringfügige Abänderungen lässt sich eine vollkommen befriedigende Lösung auch unter Beibehaltung der Heumarkt-Caserne finden. Dass die Anlage einer grossartigen Terrassen-Anordnung — im Sinne jener, wie sie von den Herren Tilgner und Weyr im Anschlüsse an die Rampe des Schwarzenberg-Palastes projectirt worden ist — für die wirkungsvolle Ausgestaltung des Platzes höchst erwünscht erscheinen würde, bedarf kaum eines näheren Hinweises. — Lie Einwölbung des Wienflusses wurde bis zur Tegetthotf'brückc vorgeschlagen, wodurch sieh zu beiden Seiten je drei für die Errichtung von Wohnhausbauten geeignete Grundflächen ergeben. Städtischer Reservegarten. Durch die am rechten Flussufer geplanten Bauflächen Nr. 15, 16, 19 und 20 wird der daselbst derzeit bestehende Reservegarten in Anspruch genommen. Als Ersatz für denselben ist ein Grundcomplex hinter dem Centrai-Friedhofe in Antrag gebracht worden. Von der Tegetthoffbrücke an würde eine directe Fortführung des Boulevards als Fahrstrasse entfallen und derselbe nur in breiten, zu beiden Seiten des offenen Gerinnes sich hinziehenden Parkwegen seine Verbindung finden mit jenen Strassenzügen, welche sich von der Landstrasser Hauptstrasse flussabwärts an beiden Ufern der Wien ergeben. Auf diese Fortführung als Fahrstrasse kann nach Ansieht der Projektanten um so eher Verzicht geleistet werden, als die Annäherung an die Ringstrasse bereits eine so bedeutende ist, dass für die Anlage einer zweiten breiten Parallelstrasse ein Verkehrsbedürfniss nicht mehr besteht. Ungargasse. Der Verbindung der Ungargasse mit der inneren Stadt durch die Zedlitzgasse und Schulerstrasse wurde durch Anordnung einer Brücke über den Wienfluss und einer den Stadtpark durchquerenden Allee für Fussgänger Rechnung getragen. Die Regulirung jenes Stadttheiles, welcher sich zwischen der als HauptVerkehrsader siehe oben) ausgebildeten Riemerstrasse 46 0 Detail-Entwurf: Schikanederbrücke-Donaucanal. und Postgasse einerseits, der Hinteren Zollamtsstrasse andererseits ausdehnt, ist durch die bereits ausgeschriebene Detailconcurrenz und die auf Grund deren Ergebnisse durchgeführte Vorlage des Stadtbauamtes in ein Stadium getreten, welches Neuvorschläge in dieser Beziehung als ziemlich aussichtslos erscheinen lassen muss. Nichtsdestoweniger haben die Verfasser es als ihre Pflicht erachtet, jenen Anschauungen in ihrem Projecte Ausdruck zu geben, welche sie hinsichtlich dieser Regulirung erfüllen. Eine Versehwenkung der Ringstrasse halten die Verfasser nicht für empfehlenswerth, weil durch die nach der Vorstadtseite hin erfolgende Verrückung des Wienflussbettes sich zwischen diesem und der Ringstrasse Grundflächen ergeben, welche für eine günstige Verbauung mit Wohnhäusern vollkommen genügende Tiefe bieten und weil die sich durch Beibehaltung des jetzigen Strassenlaufes ergebende Vergrösserung der Baublöcke auf der Seite der inneren Stadt jedenfalls materiell werthvoller ist, als es eine auf der anderen Seite zu erzielende wäre. Ausserdem wird die Anschneidung einer nach der Stadtseite verschwenkten Ringstrasse gegen den Donaucanal unter einem noch spitzeren Winkel erfolgen, als dies heute der Fall ist und demnach die ästhetische Durchbildung des Anschlusses der Aspernbrücke an den Strassenlauf sich noch schwieriger gestalten, als unter den gegenwärtig gegebenen Verhältnissen. Endlich sind mit einer Verschwenkung der Ringstrasse in Folge der nothwendigen Um-, respective Neupflanzungen von Alleebäumen, der Umlegung des Pflasters, der Tramwaygeleise, der Canäle etc. nicht unerhebliche Kosten verbunden, welche eine solche Ablenkung kaum rathsam erscheinen lassen dürften. Die Verfasser haben hingegen die Anordnung eines breiten Strassenzuges, welcher geeignet ist, die durch die derzeitige Lage des Franz Josefs-Quai und des Stubenringes gebildete Ecke abzuschneiden, für unumgänglich nothwendig gehalten und getrachtet, demselben eine möglichst ungebrochene Richtung zu geben. Zu diesem Zwecke wurde von der Anlage eines grösseren Platzes vor der Ausmündung der Wollzeile und der vereinigten Bäckerstrasse und Sonnenfelsgasse Umgang genommen und eine Platz- anlagc vor der Dominikanerkirche in Vorschlag gebracht. Die Auflassung des ersteren erscheint um so eher thunlich, als das für seine Anordnung in's Treffen geführte Motiv, die Fa^'ade der k. Akademie der W issenschaften zur Geltung zu bringen, ohnedies wenig stichhältig sich erweist, wenn man bedenkt, dass diese Fac^ade, auf grosse Entfernung betrachtet zu werden, gewiss nicht berechnet ist und dass ein Erblicken derselben von der Ring- Detail-Entwurf: Schikanederbrücke-Donaucanal. 47 Strasse aus mit Hinsicht auf die keilförmige Gestalt, welche dem erwähnten Platze gegeben werden müsste, ohnehin ausgeschlossen ist. Dominikanerplatz. Hiergegen bietet die Axen Stellung des k. k. Museums für Kunst und Industrie und der Dominikanerkirche, sowie insbesondere die bedeutende Höhenlage der Letzteren Anlass zur Bildung eines Platzes, welcher schon mit Hinsicht auf die vorhandenen Niveaudifferenzen einer grandiosen Wirkung sicher wäre. Die Verfasser haben sich den durch die aus dem Plane ersichtliche Strassenkreuzung geschaffenen dreieckigen Raum vor der Dominikanerbastei zu einer Terrasse ausgebildet gedacht , welche mit einem Reiterdenkmal, Siegessäulen, Brunnen- und Treppenanlagen geschmückt, eine höchst effectvoll silhouettirte Anlage bilden dürfte, für welche die mit grosser Freitreppe, Balustraden und Figuren schmuck ausgestattete, um circa 4w« höher als die Bastei gelegene zweite Terrasse mit der Dominikanerkirche und den beiderseits angeordneten, weit vorspringenden Flügelbauten einen bedeutsamen Hintergrund zu bilden vermöchten. Die Projectanten halten es für ihre patriotische Pflicht, auf die Möglichkeit der Schaffung eines solchen Platzes ganz besonders hinzuweisen, weil kaum ein zweiter Punkt in dem an Schönheiten so reichen Wien gefunden werden dürfte, für welchen die Vorbedingungen einer grossartigen Wirkung in gleichem Masse vorhanden sind. Auch die gegen die Stadtseite gekehrte Vorderfront der Dominikanerkirche, welche eine der wirkungsvollsten Kirchenfacaden aus der Barocke zeigt, welche wir in Wien besitzen, wurde zum Anlasse genommen, derselben einen kleinen Platz vorzulegen, auf welchem die Wirkung dieser Facade zur vollsten Geltung gelangen soll. Das Gebäude der k. k. Postdirection wurde, da dessen Bauzustand ihm wohl noch eine lange Existenz sichern dürfte, intact belassen, ebenso das Kaiser Franz Josefs-Thor, welches — als Träger einer historischen Erinnerung -— zu verlegen oder gar ganz zu entfernen um so weniger rathsam erscheint, als dasselbe denn doch auch geeignet ist , ästhetisch in dankbarer Weise verwerthet zu werden. Zu beiden Seiten dieses Thores wurden Plätze für die Aufführung von Gebäuden des k. k. Postsparcassen-Amtes und der k. k. Dicasterialgebäude-Direction (eventuell des k. k. Handelsministeriums) vorbereitet und in weiterer Verlängerung der durch das Postgebäude und das Franz Josefs-Thor bestimmten Axe ein grosser Häuserblock mit öffentlicher Durchfahrt beantragt, auf welchem entweder das k. k. Handelsministerium oder auch eine Reihe von Wohnhäusern sich erheben könnten. Detail-Entwurf': Schikanederbrücke-Donancanal. Die Marxergasse, welche derzeit einer directen Verbindung mit der inneren Stadt entbehrt, wurde durch Projectirung einer Durchfahrt unter der Verbindungsbahn, sowie einer Brücke über den Wienfluss in directe Verbindung mit der Barbaragasse gebracht und auf diese Weise durch Vermittlung des hinteren Dominikanerplatzes an die vereinigte Schönlatern- und Grashofgasse angegliedert. Die vom Dominikanerplatze zum Quai projectirte Strasse und die regulirte Riemer-, respective Postgasse vereinigen sich nach der Verfasser Entwürfe' in einem kleinen Platze, welcher auf der Vorstadtseite ein Pendant findet in einem Platze, welcher berufen ist, die umgelegte Taborstrasse und die Praterstrasse aufzunehmen. Beide Plätze wären durch eine an Stelle der aufzulassenden Ferdinandsbrücke neu zu errichtende Brücke zu verbinden, welche sich die Projectanten auf Grund des von den Herren v. Wielemans <& Liss aufgestellten Entwurfes ausgeführt denken. Eine zweite Brücke über den Donaucanal wurde in der Verlängerung der Rothenthurmstrasse in Aussicht genommen. Vor der Aspernbrücke wurde ein viereckiger Platz vorgeschlagen, dessen Mitte durch ein Monument, einen öffentlichen Brunnen oder dergl. in bedeutsamer Weise markirt werden könnte. Bei den gebrochenen Ecken dieses Platzes ergeben sich, in gleicher Weise wie dies die bereits vorliegenden Entwürfe zeigen, diagonal gelegte Strassenzüge, deren einer — gegen den Wienfluss gelegene — die Möglichkeit der Durchführung einer von der Donaucanallinie zur Verbindungsbahn ansteigenden Bahnlinie gewährleistet. Da die Möglichkeit der Führung der erwähnten Linie im Sinne des Regierungspro jectes jedenfalls gegeben ist, und in den aus der ersten Detailconcurrenz hervorgegangenen Arbeiten eingehend beleuchtet worden ist, so haben die Verfasser keinen Anlass genommen, eine auf dieser Basis beruhende Bearbeitung neuerdings vorzunehmen, sondern haben — gestützt auf die folgend verzeichneten Erwägungen — eine Lösung dieser Bahnführung in anderem Sinne versucht. Es kann nicht geleugnet werden, dass die Ueberführung der Donaucanallinie zur Verbindungsbahn nach dem Regierungsentwurfe aus ästhetischen und ökonomischen Gründen mannigfache Bedenken wachrufen inuss. Kin bedeutsamer Abschluss der langen, beiderseits des Wienflusses laufenden Strassenzüge ist ein unbestreitbares Erforderniss, das zu erreichen durch eine schiefwinklige Ueberfahrung des Wienflusses mit der Stadtbalmlinie jedoch geradezu unmöglich wird. Das Vorbeiführen der stark steigenden Bahnlinie an dem Gebäude der k. k. Finanz-Landesdirection wird ebenfalls ein ästhetisch gebildetes Auge nicht zu befriedigen vermögen. Endlich müsste der neben dem Detail-Entwurf: Sehikanederbriicke-Donaucanal. 49 Finanzdirections- und vor dem Zollamtsgebäude liegende, derzeit unverbaute, jedoch höchst werthvolle Platz für die Führung dieser Linie zu grossem Theile in Anspruch genommen werden. Haupt-Zollamtsgebäude. Diese Bedenken, sowie dieUeber- zeugung, dass das heute bestehende Zollam tsgebäude durch die Steigerung des Güterverkehres, welcher nach der Ausführung der Stadtbahnlinien zu erwarten steht, den Bedürfnissen zu genügen nicht mehr im Stande sein wird, haben die Verfasser bewogen, mit Verwerthung des oben erwähnten freien Platzes neben dem Finanz- Directionsgebäude einen Umbau des Hauptzollamtes zu planen und denselben dermassen zu gestalten, dass eine Führung der Stadtbahnlinie durch die hintere Zollamtsstrasse möglich erscheint. Durch eine solche Führung wären die ästhetischen Mängel, welche jeder anderen Trace anhafteten, vollkommen benommen, der freie Platz neben dem Gebäude der k. k. Finanz-Landesdirection würde eine entsprechende Verwerthung finden, und die Möglichkeit, den Wienfluss- Uferstrassen einen bemerkenswerthen Abschluss zu geben, wäre erreicht. Für diesen Abschluss haben die Verfasser die Aufführung des geplanten Sängerhauses in Aussicht genommen, welches, einen grossen Saalbau enthaltend, die Einwölbung des Wienflusses, welche an dieser Stelle beantragt ist, überspannen müsste. Ausstellungsgebäude. Axial mit der Hauptfront des neu- projeetirten Zollamtsgebäudes und deren Dependenzen wäre auf der dem Canale zugewendeten Seite der RadetzkyStrasse ein Gebäude für periodische Ausstellungen, verbunden mit Restaurations- und Cafe- hauslocalitäten, anzuordnen, welches — mit in zwei Niveaux angelegten Terrassen — den Besuchern desselben Gelegenheit bieten würde, das von diesem Punkte sich ergebende herrliche Städtebild zu gemessen. Traten des Wienflusses und der Wienthallinie. Bezüglich der vorgenommenen Abänderungen in den Tracen der Wienthallinie und des Wienflusses ist darauf hinzuweisen, dass die Anlegung eines grossen Rangirbahnhofes vor der evangelischen Schule und der technischen Hochschule vom ästhetischen Standpunkte gänzlich unthunlich erscheint. Die Schaffung eines für diese Anlage erforderlichen circa 300m langen, circa 25m breiten Einschnittes an dieser Stelle lässt sämmtliche Vortheile, welche in ästhetischer Beziehung unter Aufwendung bedeutender Geldmittel durch Einwölbung dos Wienflusses erreicht werden solle n, vollkommen illusorisch erscheinen und dürfte es wohl — falls man auf die Herstellung eines Platzes von so eminenter Bedeutung wie zur Schaffung eines solchen die Karlskirche einladet, nicht verzichten will — unumgänglich nothwendig sein, den an diese Stelle projectirten Rangirbahnhof zu verlegen. 4 50 J)etail-Entwurf: Schikanederbrücke-Dunaucaoal. Für denselben haben die Verfasser einen Platz im oberen Laufe des Wienflusses bei der Rudolfebrücke in Antrag gebracht und vor der evangelischen Schule nur die Errichtung einer Haltestelle vorgeschlagen. In der Mitte des Karlskirchenplatzes trennen sich die Tracen der Stadtbahnlinie und des Wienflusses; die erstere geht nach einer Ablenkung bei dem Schwarzenbergplatze in die vorgeschlagene Führung bei der Tegetthoffbrücke wieder über und behält dieselbe — mit Ausschluss einer kleinen Abänderung der Ausmündung — bis zu dieser bei. Die Wienthallinie verfolgt — von kleinen, durch die Regulirung der Strassenzüge gegebenen Abänderungen abgesehen — die vorgeschlagene Trace bis zur Einmündung in die Verbindungsbahn. Von der Schikanederbrücke bis zur Kreuzung mit der projectirten Gusshausstrasse und bei ihrer Kreuzung mit dem Schwarzenbergplatze ist diese Linie eingedeckt angenommen worden. Auf der ersteren Strecke müsste durch Anordnung von Abzugsöffnungen, welche an geeigneten Stellen beantragt, eine ästhetisch befriedigende Lösung finden können, für den Abzug des Rauches Vorsorge getroffen werden. Bezüglich der auf den Profilen ersichtlichen Facadeskizzen möge hier gestattet sein, aufmerksam zu machen, dass diese selbstredend keinen Anspruch erheben wollen, als künstlerisch wohlstudirte Entwürfe angesehen zu werden. Diese Skizzen haben nur den Zweck, den ausgeführten Querprofilen jenen Gesammteindruck zu verleihen, welcher den Verfassern als zu erzielen erstrebenswerth erschien. Zu der dem Detailplane in einer Tabelle beigegebenen Flächenberechnung der neu gewonnenen Baustellen wird bemerkt, dass die durch die vorgenommene Parcellirung der Heumarkt-CaBerne sich ei- gebenden Flächen nicht in die Berechnung aufgenommen worden sind, da diese Caserne zur Auflassung nicht bestimmt ist, und dass ebenso jene mit 42 und 48 bezeichneten, am Franz Josefe-Quai gewonnenen Grundflächen, als dem Gebiete der Franz Josefs-Caserne nicht mehr angehörig, in die erwähnte Tabelle keine Aufnahme gefunden haben. Druck von Gnttlicli fiist«! & Comp, in Wien. ^'.VR. Josefsölorf^« iderrf ] EITWIRF II ■ gtsimnlr (■'('iiicinrtmdtifl ■ WIEN Stadteinfheilung. Zeichen-Erklärung: Verbannng mit WolinhMsern, deren (ieschosszahl auf 6 beschränkt ist VerbanmiK mit Wohnhäusern, deren Ueschosszahl auf 5 beschränk) ist Verbauung mit Wohnhäusern, deren lieschosszabl auf 4 beschrankt ist Verbauung. mit Wohnh&nsern, deren Geschosszahl auf 3 beschränkt ist, entweder in geschlossener oder in offener Bauweise mit oder ohne Vorgarten. Villenbezirke mit nur offener Baaweise. Industriebezirke und Wohnhausbauten mit höchstens 3 Geschossen. RqTKtl8 a-sied-l Photcluhographit vJruAyMMfe, WehWmBj. t /. iß i / r f i / / tf i fT^J^J \j ^-^H :.'v-j 9 fil jWl demj&an-dt im Sr„te, t l„\ ,'892 FTTT~.W V ) M ■ —.jsr»---™^-V ■Ittrfafo/ vi 'm&ttuUbauamte TVtf'n >. ^eiai&fiScuv A&> £>ta atm. ^tähtv^MMe Act &<#ukane<{e4 - c&tiUfw %>v> -juw- ^anouu4a*ha!t mit vmetrt ^^giß; 4e-A wkßri c&eglt&a. c^ecg&twcicvdCugix, o&etbxnci ■ ■votcjetc^Sa^ene'^e^n&mn^ietv. H|i| ■ ii..... 9tfeiwijjta8 HJOOO. PtwiohihoijrapMi o.Druckv.MJiffe, WtnWähriag.