wiener §ra6r-Lib1iorIiek l i vorsL - vs-' > > r (Manuskript für Bühnen und Eigcnthum der Theater-Agentur des Adalbert Prix in Wien.) Der Ils»8viir8t Zeitgemälde mit Gesang in 2 Akten von . . . a i s e r. IVIusik vom Kapollmoisler Oavl ürnä^r-. (Am 2. Juni 1853 zum ersten Male im k. k. priv. Carl- Theater mit Beifall aufgcführt.) Personen: Johann Gottsched, Neotor ma»n'«6-^osef Ferdinand Müller,Theater-Pi inen?-, Professor am Oolle^io ^u- zipal und Hanswurst zu Leipzig. Alistineo und Senior der pveti, iFranz Schuh, Hanswurst aus BreSlau. scheu Sccirtät in Leipzig. jGotklteb Prehauser, Hanswurst aus Johann Nenber. j Wien. Caroline Neuberin, dessen Frau, Thea- Mott ^ ter-Vrinzipalin. Kohlhard Schrötter Schönemann Koch Fabricius Suppig Lorenz Die Lorenzin Die Gründlerin Hö>er des ästhetischen Collegiums. Mitglieder der Neuber'schen Truppe. Quistorp Rost Ein Student. MartinBeuler,Erbpächter auS Taucha. Röschen, dessen Tochter. Siegelt, Buchhändler. Brillner, Wirth. Ein Kellner. Bürger. Volt. Musiker. Mitglieder der Müllerischen Trmpe Hörer dcr ttnivers uli Die Scene ist zu Leipzig, im Mai 1787. Sammlung . ' ^ -1 »I Ä 2 Gr st er Akt. (Gaststube eines Wirthshauses in Leipzig« Auf einer Seite im Hintergründe die Schank, auf der anderen der Hauplein» gang. Eine Seitenthür führt in den Keller. Im Vordergründe mehrere Tische, Banke und Stühle, im Hintergründe ein» Fenster - Nische, in welcher ein kleines Tischchen und ein Stuhl steht.) Erste Scene. Brillner in der Schank, Rost, Moll, Quistorp und mehrere andere Lit e ralor e n sitzen in burschikosen Stellungen, aus langen Pfeifen rauchend, im Vordergründe. B e U l e r, Siegert, und einige andere Bürger kommen im Gespräche begriffen zur Thüre herein.) Beuler (aus vollem Halse lachend). Ha, ha, ha! Heule reuen mich wieder meine Paar Silbergroichen nicht, ich hade meiner Seel fürSTha- ler gelacht! ha» ha, ha! (Sie s-tzen sich NN einen anderen Tisch im Vordergründe) He da! Bier her! Theater ? — WaS habt Ihr denn für ein Glück dort gesehen ? Beuler. Es ist schon etliche Monate her (sich besinnend) wie hieß diese Komödie koch ? ja, ja, fallt mir schon ein — »der sterbende Kater.« Sieg ert. Ha, Ha! »der sterbende Calo,* wollt Ihr sagen, die Meister-Tragödie, von unsrem hochge- lehrten Herrn Rector Gottsched. — Nun, das müßt Ihr doch gestehen,das ist doch etwas Anderes als die heut,» ge Komödie, B e li l e r. Ja, was Anderes war's. Meiner Seel, ich mußte mir immer die Augen reiben — Sjegert. Nicht wahr — vor Rührung? Beul er« Ne, sondern damit ich nicht einschlief, vor Langweil! Seit dem, so oft ich auf dem Zettel den Namen Gottsched lese, reißl's mich herum, wie ein scheues Roß, und ich wäre nicht hineinzubringen, wenn man mir noch was drauf zahlte. Quistorp (zu seinen Tischnachbarn). Nein, waS zu arg ist, ist zu arg. (Steht von seinem Sitze auf, und Brillner (bringt mehrere Bier- ! krüge). Die Herren kommen wahr-^ scheinlich aus der Komödie. AuS der^ im alten Fleischhause, oder aus der i in Bosens Gartens ! Beuler. Aus dem Fleischhause. ! Das Komödienhaus in Bosens Garten ! steht mich nicht wieder, da gehl'S mir! allzu ernsthaft her — aber die Mül- ^ leriscke Truppe, die ist spaßig, ha, ha, ha! (trinkt). Quistvrp (leise zu seinem Tisch- nachbar). Das ist auch so Einer, der! zum faulen Käse riecht, als war es! ein Blumenstrauß. ! Siegert. (zu Beuler.) Also wart ! Ihr doch schon einmal im Neuber'schen I tritt mit höhnischer Miene zu Beuler.) Oer Herr scheint ein gewaltiger Kenner von Schriftstellern zu sein! Beul. Na, es ist nicht so weil her. wenn man einer so großen Wirtschaft vorzustehen bat, wie ich, da bleibt wenig Zeit zum Bücherlesen, aber so, des Sonntags Nachmittags, da leS ich wohl auch — so z. B. das Buch vom Herrn Gellert. Quistorp. So? Dann ist wohl dem Herrn auch die Fabel bekannt von dem Schwein, dem man kostbare Perlen vorwarf, die es aber liegen ließ, und wie vor zu seinen Eicheln zurück' kebrte. - Beuler. Daran that das Schwein 1 auch wohl, von den Eicheln gedeiht eS, hätt' es aber die Perlen gefressen, so hält' eS sich schier den Magen verdorben ' Q u i ft o r p. Ich meine, der Mann, der ihm die Perlen verwarf — B e u l e r. Ha, ha, ha! der muß rin dummer Kerl sein, ker von der Mästung nichts versteht. 2uistorp ( stark betonend.) Der Mann ist der Herr Gottsched, die Per-^ len sind seine Stücke, die Eicheln sind ^ die Hanswurstiaden, und daS Schwein! — nun, ich will die Moral der Fabel! nickt weiter expliciren. (Dreht stch, nach- i dem er ihm einen verächtlichen Blick zu- . geworfen, auf dem Absatz so um, daß er j ihm den Rücken zukehrt und bleibt so stehen.) Beul er (steht ebenfalls auf —^ klopft ihm elmas derb auf die Schulter.) ^ Habt die Güte mich anzusehen, wenn Ihr mit mir sprechen wollt. 2 ui störp (entrüstet.) 2ck glaube gar, so ein Philister wagt cs —! heda — College» ! ^ Kost und andere Litera len^ (eilen auf Quistorps Seite.) WaS gibt ! es da? . ! Moll (tritt dazwischen.) Laßt ab, ! fangt da nicht wieder Händel an. TaS hat Euch der Mann gekban? Quistorp. Sollen wir ruhig zuhören, wenn er eS wagt, unfern Ma-! gister Gottsched zu schmähen? , Moll. Schmäht er deßhalb Gott-, sched, weil ihm besten Stücke nicht gefallen ? — ES wird doch Jeder, der ein Stück gesehen, und dafür bezahlt hat, das Recht haben zu sagen, ob es ihm gefall! oder nicht? Und wenn der! Mann nun den Hanswursten liebt? ^ Beuler. Ja. den lieb ich auch, ^ ich mache kein Hehl daraus, und eS wäre undankbar von mir, wenn ich's nicht thate. — Seit meiner Kindhe,^ hat er mir schon so viele frohe Stunden gemacht, und auch noch jetzt im Mannesalter, wenn mich so im Leben etwa« reckt wurmt, und mich gallicht, machen will, da geh ich in die Bude, und lacke mich über die tollen Schwänke so reckt vom Herzen aus. und bin dann nieder versöhnlicher gestimmt. Zweite Scene. Vorige. Müller. M ü l l e r ( in einem schlichten bür gerlichen Kleide, bis zum Halse zugeknöpft, den Hut tief in die Augen gedrückt, tritt ein, wirft zuerst scheue Blicke auf die Gesellschaft, und geht dann zu dem Tischchen in der Fensternische, hängt seinen Hut auf einen Nogel, setzt sich und stütz! das Haupt melancholisch in die Hand.) . B >'l l s n e r (den Eintretenden bemerkend, hastig und leise zu den Streitenden.) Pst! pst! schweigt jetzt, da ist er selbst. Beule r. Wer? B r i i l ki e r. Nun, der Cvurtis.ni, der Hanswurstacteur Müller. B e u l e r. Wo? wo? Brilln er (auf Müller weisend.) Nun dort! Beuler (erstaunt hinsehend.) Del ^ der? — Ah geh er — halt er einen Andern zum Narren. S iegert. Ja, ja, Ihr könnt es glauben, der ist's, über den Ihr heule so viel gelacht. Beul er (beinahe starr vor Staunen aus Müller sehend.) Wirklich ? — Der? — QUift 0 rp (zu Beuler.) NUN seht Euch salt an Euerm Liebling — ich kann mich nicht an seinen Anblick gewöhnen. (Zu seinen College«.) KvMMl Freunde! (Ab Mil Rost, Moll unb anderen Literatore».) Siegert (Zu de» Bürgern.) Auch für unS ist's Zeit, noch in unseren Buden nachzusehen. Herr Beulen, ich seh' Euch noch, Ihr holt ja noch Euer Töch« lerlein ab, die noch bei meiner Frau ist, also auf Wiedersehen! (Ab mit den Uebrigen.) Brillner (begleitet die Gäste zur Thüre hinaus und geht nach ihnen ab.) Beuler (fortwährend auf Müller sehend.) Schon gut, schon gut. (Da er mit Müller allein ist, geht er leise gegen Lessen Lisch, beugt sich so, daß er ihm i's Gesicht sehen kann, dann für sich.) Es ist merkwürdig! (Rückt ihm noch etwas näher.) Müller (der es bemerkt, wendet sich anfangs verdrüßlich ab.) Beuler (folgt mit seinem Kopfe der Wendung Müllers). M Ü l l e r (endlich übecdrüßig, trinkt rasch sein Glas aus, zieht seinen Geldbeutel hervor und ruf«). He! Wirth, zahlen ' Beuler (für sich). Meiner Seel, die Stimme ist's. Müller (legi sein Geld auf den T'sch und will hastig fort). Beul er. Ha, ha, ha! Am Gang kenn ich ihn auch — ha, ha, ha, er ist's! (Ruft). He da, guter Freunds Müller. Was gibtS? Beuler. Bleib Er noch einBiS- chen da, ich möchte gern noch was zum Lachen haben. Müller (verdrüßlich.) Seht Euch in den Spiegel, und lacht über Euch selbst. Beuler. Ha, ha, ha! An der Grobheit erkenn ich ihn erst recht. Nur zu so. Hanswurst. Müller ^auffahrend). Wer gibt Euch hier einen Hannswurst ab ? Nennt den so, der mit der bunten Jacke auf den Bretern gaukelt. Hier bin ich Müller, und verbiethe mirs, daß mich da irgend ein Maulaffe mokrstirt. B e u l e r. Maulaffe! ha, ha, ha! ES ist köstlich! Müller (wirft ihm einen, erbitterten Blick zu, und will fort). Beuler. Ha, ha, ha! Und waS er fürff Gesichter schneidet, es ist ein Hauptspaß. ^Eilt ihm nach.) He! bleib Er dock! Zch will eine Flasche Wein hergeben lassen. Müller. Danke, ich habe selbst so viel, um meinen Wein zu zahlen. Beuler, Na, na, sei Er nur nicht so unwirsch. Müller. Zch weiß nicht, was Zhr wollt! Zch kenn' Euch ja noch nicht einmal. Be u l e r. Nun, wenn Er's wissen will, ich bin der Marlin Beuler. Müller (plötzlich wie umgewan, delt, ihm rasch in die Rede fallend). Erb' Pächter in Taucha? Beuler «^sieht ihn erstaunt an.) Nun ja — aber wie weiß denn Er? Müller. Zch — vergebt, ich hörte schon von Euch sprechen, men schilderte Euch stets als einen wackern Mann. O, verzeiht, wenn ich Euch ein beleidigendes Wort gesagt. Beuler. Papalapap! Zch weiß ja mit wem ichS zu thun habe, von ihm darf Einen nichts verdrießen. Müller (verletzt). Hm! Zhr haltet mich wohl auch für viel zu tief stehend, als daß man sich von mir beleidigt fühlen könnte? Zhr verachtet mich wohl auch? Beuler. Verachten? was er da wieder spricht. Verachten? War er nur dabei gewesen, wie ich mich gerade vorhin um Zhn angenommen, Zhn gegen das hochnäsige Universttätsvolk verthei« dizt habe. Müller (erfreut Beulers Haad fassend.) Zhr? Zhr? O habt tausend Dank. Beuler. Zst gern geschehen, ich wollt', ich könnte noch mehr für Ihn thun. 3a, ja, wahrhaftig, es sollt mich herzlich freuen, wenn ich Zhm für die vielen frohen Stunden, die Er mir schon gemacht, auch eine rechte Freude machen könnte. Müller (wendet sich ad, für sich). Mein Gott, welche Hoffnung, wenn ich den Mulh hätte, ihm zu entdecken — dock ich wage zu viel — Vorsicht, Vorsicht! B e u l e r. Hör' Er! 3a. da fällt mir eben was ein, wenn er einmal Lust hätte, sich einen recht vergnügten Tag zu machen, bei einem Fest auf dem Lande, wo'S recht toll hergehn soll. — Müller. Bei Euch draußen, in Taucha? WaS solt'S dort geben? Beul er. Weiß Er — ich habe eine Tochter — Müller (in gespanntester Auf.' merksamreit.) Nun, UNd diese? Beul er. ES ist ein Prachtmädel, 4as Herz muß Jedem im Leibe lachen, der sie nur sieht. M Üll e r (sich vergessend.) Ja, ja, ein Cngelskind ! (Faßt sich wieder.) So hört ich nämlich sagen. Beuler. Aha — sie hat wohl hier in Leipzig auch schon Aufsehen erregt — denn Ihr müßt wissen, ich habe sie seit einem halben Fahr zu mei. ner Muhme, der Frau Siegert, hieher in die Stabt gegeben, damit sie etwas Art und feine Sitte lerne, aber morgen nehm' ich sie wieder von hier fort, wieder zu mir auf's Land hinaus. Müller (seinen Schreck mühsam verbergend.) Was sagt Ihr? Und warum das? Beul er. Nun, es hak sich indeß draußen etwas vorbereitet, wir haben einen neuen Amtmann, und der hat einen Sohn, der noch hier studirt — ich kenn ihn noch nicht persönlich, aber der soll nun auf die Ferienzeit auch hinauskommen. — Mül ler (immer ängstlicher«) Aber wie hängt daS mit Eurer Tochter zusammen ? B e u l e r. Nun, da haben wir Alten schon etwas abgemacht — die zwei Leute sollen sich kenne,, lernen, und dann — dann — (fröhlich in die Hände schlagend) dann gibt- eine Hochzeit bei uns draußen. — Müller (wie vernichtet.) Eine Hochzeit? Beuler. Za — und zu der soll Er auch hinauskommen — ich lad Ihn ein. — Müller (wie Vernichter.) Mich — mich! Beuler. Za, ja, eS ist bei unser» Hochzeiten immer Sitte, daß so ein Lustigmacher dabei ist, der Schwänke ! macht, Neimsprüche aufsagt und dergleichen — da könnt ich doch keinen Bessern wählen, als gerade Euch. Müller (ist, seiner selbst nicht mehr mächtig, zu einem Stuhl gewankt, hat sich auf denselben geworfen, und br> deckt das Gesicht mit beiden Händen.) Beuler» Also er kommt doch? (Wendet sich erst jetzt wreder zu ihm, er- st»unt.) Za — was ist ihm denn? hört Cr? (Rüttelt ihn.) Müller. Laßt mich — um des Himmelswillen, laßt mich nur jetzt! Beuler. Zch wvllt'S aber gleich mit Zhm ausmachen — Müller. Geht, geht! seid barmherzig — laßt mich allein! Zch kann jetzt nickt mehr mit Euch sprechen — Zhr wißt nicht, wie mir ist. Beuler. Na, na — ich geh — wenn Er s durchaus haben will — es ist wohl so eine klein» Ueblichkeit, die vorübergeht. (Wist ab, kehrt aber wieder um.) Was ihn nur auf einmal so gepackt hat? hm — hm! wenn ihm nicht besser ist bis ich komme muff ich einen Medikus holen — der darf mir nicht krank werden — um 10 einen Burschen war ja ewig schade. (Geht ab.) Müller (allein.) Röschen, mein Röschen — Braut — und morgen — morgen schon soll sie fort von hier — ich werde ste nicht mehr sprechen, viel' leicht nicht mehr sehen können — was beginn ich? (bleibt in Gedanken versunken stehen. Dritte Scene. Müller. Drill ner. Schuh. Prehauser. Ein Knecht. Schuh und Prehauser (tre. ten i» Reisekleidern ein, ein Knecht mit schweren Felleisen beladen, folgt ihnen.) B r i ll n e r (welcher die Thüre geöffnet.) Bitte nur hier herein, meine Herren! Schuh (seinen Mantel abwersend.) Ah, diese sächsischen Postillons! wenn ich einmal in die Hölle fahren muß,so nehm' ich mir einen, wenn ich dann auch für die Ewigkeit verurtheilt bin, so ein Kerl braucht noch zwei Monake über die Ewigkeit, und die Strafzeit ist verfahren. * Brillner (dem Prehauser den Mantel abnehmend.) Pr eh. Aha! die Wirlhe verste, Heus hier so gut die Leute auszuzie- hen, wie in andern Städten. Brillner. Ah, die Herren sind nicht aus Sachsen! P r e h. Merkwürdig, daß dcr's gleich erräth, daß ich keine Leipziger Lerche bin. B rst l l n e r (zum KneÄ'te). -Das Gepäck nur hier hinein ! (Der Knecht ab). Pr e h. Und jetzt tummelt Euch daß wir einen ordentlichen Tropfen zulrin- ken kriegen. Brillner. Sogleich. (Ab.) Schuh. Drei Stunden später anzukommen, als wir's gedacht —nun ist die Komödie aus, und wir dürfen vielleicht einige Tage warten, bi« er wieder spielt. Preh. Spielt denn hier der Ar- lequin nicht alle Tage? Schuh. Gott bewahre! Preh. Da ist'S bei uns in Wien anders, da wird jeden Tag ein Hanswurststück aufgeführt. Schuh. Doch vielleicht kann uns der Herr etwas sagen — (geht auf Müllcr zu). Mein Herr! Müller (wendet sich gegen ihn, überrascht). Mein Gott >. seh ich recht ? (Springt aut). Schuh (ihn ebenfalls erkennend). Alle Wetter! — 3a, ja — er ist's! M ül le r. Franz Schuh ! vu,— Du ! Schuh. Laß Dich an- Herz drücken! Mmarmk ihn.) So, nun weißt Du, wo Dich der Schuh drückt. Ha, ha, ha! Preh. Wie ich merke, treffen sich da ein Paar Bekannte — aber ich weiß noch alleweil nicht — Schuh. Stell Dir vor, er ist's, um tkssenlivillen wir hieher nach Leipzig gereist sind — Josef Ferdinand Müller. Preh. Der?—(FrkudigV Um das Rhinvceros zu sehen, — sagt Gellert, beschloß ich auszugehen ! Na—Servus, Servus, Herr Bruder! Müller. Wer ist dieser Herr? Schu h. Er ist das in Wien, was Du hier, und ich in Breslau bin. Müller. Wie? Tann seid 3hr Gottfried Prehauser. Preh. DaS bin ich, und mich freut's, daß ich es bin! Ha. ha. ha! Da« neun' ich einmal ein vernünftiges Kleeblatt — drei Hänsewürste bei e>nan- 7 der, ha, ha, ha l-Aber jetzt keine Umstände — auf Du und Du! Müller (schlägt ein". Es gilt! (Zu Schuh«) Doch sagt mir, was führt Euch hierher nach Leipzig? Preh. Zch Hab in Wien Ferien, es gurgeln jetzt grab die Wällischen dcrt. — Schub. Und da wollte er einmal ins Reich heraussehen. Preh. Za, weil's alleweil geheißen hat. daß da die HannSwürste viel feiner seien. Na, in Berlin Hab ich sie jetzt gesehen, aber das sag ich Tuch, wenn sich Einer mit den Berliner- Späßen in Wien hören lassen wollte, der würde bei uns ins Loch gesteckt. Schuh. Er besuchte mich in Bres lau, und da unser KomödienhauS eben renovirt wird, begleitete ich ih»(hieher, um Dich wieder einmal zu sehen, alter Kamerad' Mir sahen uns ja nicht mehr seit 8 Jahren, seit wir, von der Göttinger Universität relegirt, unser Heil bei der Komödie suchten. Müller. Zch wollt' ich hält' es nicht gelhan! Schuh. Was? Reue? Pfui, schäme Dich j Müller. Wenn ich bedenke, was ich jetzt wäre, wenn ich meine Studien vollendet hätte, ich wäre voctor juris Advokat. Schuh. Nun, und was wäre da für ein Vorzug? — Als Advokat zögest Du die Leute aus, während Du als Hanswurst sie an ziehst, als Advokat machtest vu die Leute ,v einen, alS Hanswurst lachen , und wenn Du in Deinem schwarzen Doktor-Talar einbergingest, wäre nur der Unterschied, daß Du auswendig ein Doktor wärst, und der Hanswurst innen^ steckte, wäh» rrnd Du jetzt wohl auswendig ein Hanswurst scheinst, in Deinem Znnern aber mehr Mutterwitz steckt, als bei manchem Voctor. — Drum fort mit der Reue! Reue ist nichts als Verstand, der zu spät kommt, und ich meine, unS ist er gerade zur rechten Zeit gekommen, als wir allen Schulpedantismus zum Teufel warfen, und dem tollen Kvmödiantenleben zuliefen? — Man lkbt nur einmal — je lustiger um so besser! Wir sind Könige im Lande der guten Laune — das Volk zahlt uns lachend seine Steuern und liebt uns. Müller (bitter). Wie ein Kind ein Spielzeug liebt, und es dennoch zerbricht. Schuh. ES hängt nur von uns selbst ab, uns auch Achtung zu verschaffe»». Fort mit dem Ernst, der Weiseste ist der Lustigste, und lachen das Beste, was der Mensch thun kann. Bei Gott, ich möchte wissen, wer das Lachen erfunden hat.! Preh. Aller Wahrscheinlichkeit nach der Adam, wie er die Eva gesehen hat. Schub. Ha, ha! (Zu Müller.) Na komin her, setzen wir uns da zusammen, und sein wir recht fröhlich. (Sie setzen sich). Müller. Nun, so erzäble. Was habt Zhr denn in jüngster Zeit Neues von Komödien gegeben? S ch u h. Die neueste war Endh- mion. Preh. Za, die Hab' ich gesehen. Geh Stiefel — Schuh wollt ich sagen, sing ihm daS gewisse Liedl vor, waS Vu drin gesungen hast. Schuh. Welches meinst Du? Preh. Na, das schwärmerische, das von den verliebten Viehern (Lhie- ren.) mit dem »Muh" und »Mäh". Schuh. Ha, ha, ha! Gut, ich sing's, aber vu mußt mitstimmen. Preh. Meinetwegen, ich mach den Chor. «3 8 Lied. (Original ans damaliger Seit.) l Lin jedes Vieh auf dieser Welt, ! Sucht da«, was sich zu ihm ge- seUl. Der OchS rutt die geliebte Kuh - Und singt: Muh! Muh! Der Löwe brüllt, der Pude! knurrt, Drr Sperrling pfe.ft, der Tau- brr gurrt; Der Frosch ruft seiner Domina, Poll Sehnsucht Qua! Q.ia! OaS schöne Thier der Ziegen- bock. Springt über Stauden, Strin und Stock, Und lauft der lieben Gai'S nach keck. Und seufzet: Meck, Meck. Der Bär, der brummt nach seinem Schatz, Der Ratz (die Rane) begehrt nach seinem Fratz (Zunge), Der Kater bringt des NachlS der Frau, Sein Ständchen Miau, Miau. Kein Wunder drum, daß mictz'S vcrdrüßt. Wenn fern von mir «nein Schätzchen ist. Und baS ich armer SchöpS voll Weh, Zetzt schrei: Bläh — Bläh — Bläh — Bläh. Mein Sckatz mein Fratz, mein Weivelein, Hörst Du den nicht Dein Männchen schrei», Antworte doch und ruf mir zu. Hanswurst Kukku — Kukku. P r e h. (zwischen den einzelnen Strophen). DaS ist göttlich, kolossal! (Nach der letzten Strophe.) Wenn daS Lied nach INO Zähren gesungen wird, so machtS noch Furor. Müller. Glaubst Du das? Vierte Scene. Vorige. Brillner. Brillner (für sich). Was tausend, die fremden Herrn setzen sich mit dem da (auf Müllner zeigend) zusammen? Sie wissen wohl nicht, wer er ist. (Räusperf sich laut und winkt Schuh zu sich Schuh. WaS will Er denn ? (Geht zu Brillner). B r i l l n e r (leise). Meine Her. ren, wenn Sie Jemand in solcher Gesellschaft sähe. Sie wissen wohl nicht, baß das hier (verächtlich) der hiesige »HanSwurstagent- ist? Schuh (mit verbissener Wuth). Nun — und deshalb meint Zbr — Brillner. Nun,ordentliche Leute gehen doch nicht mit Komödianten die, ser Sorte um. Sch u h (packt ihn plötzlich bei der Brust). Schuft! Pr eh« Haltet mir ihn nur einen Augenblick, ich werd' ihm zeigen, wie ich mit >hm umgeh'. (Streift sich die Aermel auf.) Der Kerl weiß noch nicht, daß ich der Wiener HanSwurst und ein Hausmeisterssohn bin, und daS das HauSmeisterische Biut noch in meinem Adern rollt. Schuh. Laßt ihn, so ein Kerl verdientS nicht, baß wir un» mit ihm befassen. ^Schleudr r Brillner von sich.) P r r h. (hält ihm den Fuß unser.) Briltner (fällt darüber.) Pre h. Siehst Ou's Kerl, nicht einmal einen ordentlichen Purzelbaum kannst Du schlagen. Brillner (raIl sich auf und eilt fort.) Müller. Wal hattet Ihr denn ? Schul) (wieder zum Tisch zurück» kehrend.) Ah, der elende Weinvergifter wagt e«, desrectirlick von Dir zu sprechen — Deine« Stande« wegen. Müller. Da hast Du den Beweis, welcher Achtung wir uns zu erfreuen haben« Schu h. So ein dummer Lasse — M ü l l e r. Spricht da« nach, wa« er von den sogenannten Gelehrten hört. Freunde, ich weiß nicht wie's in andern Städten ist, aber hier in Leipzig stehen gerade wir auf einem Boden, der rings mit Pulverminen gefüllt ist, um uns in die Luft zu sprengen. P r e h. (springt ängstlich von seinem Sitze auf.) Na sei so gut, deßwegen war' ich ja g rad hergereist. Schuh. Was willst Du damit sa gen ? Du bist doch, wie ich Hörle, nun- mehr selbst Prinzipal, gehen denn die Geschäfte so schlecht l Müller. Im Gegentheile, gerade was das Geld betrifft, mache ich so glänzende Geschäfte, daß der Nabe Neid mit seinem scharfen Schnabel darnach hackt! — Du weißt, daß ich früher bei der Neuberin, welche damals da« Privilegium de« großen Theater« im Fleischhause halte, im Engagement stand. Diese« stolze Weib konnte mich nie recht leiden, wahrscheinlich, weis ich sie öfter fühlen ließ, daß ich es sei,, der ihre Caffa füllt, wir überwarfen uns endlich, und sie verabschiedete mich. P r e b. Was? Sie hat D'ch entlassen? Da« ist zu dumm! Ein Hanswurstagent muß ja bei jeder ordenili. chen Truppe auf den Händen getragen werden. Mül ler. Sie hatte es bald zu bereuen. — Ich hatte mir Freunde und Anhänger erworben, und badurch ward'« mir möglich. während sie mit ihrer Truppe nach Brauuschweig gewandert war, selbst ein Privilegium zu erwer ben. — Als sie zuriikkam, halte sie da« leere Nachsehen, und mußte sich mit der Bude in Boskn« Garten behelfen, spielt kort vor leeren Bänken, während ich nie Raum genug für den Andrang der Leute habe. Schuh. Na da sind ich'S freilich begreiflich, daß sie Dich haßt, aber so lange Du das Publikum für Dich hast, ist dieser Haß ohnmächtig. Müller. Aber sie hat einen mach tigen Bundesgenossen, der fortwährend daran arbeitet, bas Publikum von mir abzuwendeu. Schuh. Und der ist? M ülle r. Johann Gottsched, . ton m.iSnisicii.«;, Professor am Onl- INAItt HiiAnstinvo. Schuh. Ah! der! — Ich hörte schon von ihm, man nennt ihn den Erfinder der Langweile. — Müller. Ja — er zürnt uns Lustigmachern, weil er uns die Schuld gibt, daß seine schauderhaften Tragödien nicht ansprechen, deßhalb schreibt er Brochüren, und hält sogar öffentliche Vorträge, worin er den Hanswurst als den Schandfleck der deutschen Bühne bezeichnet, von welcher er ihn für immer verbannt wissen will. P r e h. WaS? in ganz Deutschland kein Hanswurst mehr? G,i ruhig Brüderl, da« bringen sie jetzt im achtzehnten und vielleicht auch im künftigen neunzehnten Jahrhundert auch noch nicht zusammen. Fünfte Scene. Vorige. Kohlhard und ein K e l l- n e r. Kohlh. (geckenhaft gekleidet, kommt, ein Manuskript in den Händen haltend. herein, wirkt einen spöttischen Blick auf Müller und setzt sich an den Tisch ihm gegenüber). Heda, einen Krug Mein. 2 10 Kellner ^bringt Wein und geht ob), Schn l) (zu Müller). Wer ist der ? Müller (leise). Es ist Kohl- kard, ein Mitglied der Nruber'schen Truppe. Sckuh (leise). Also Einer aus dem Lager der Heinde. Müller (leise). Ein aroganter Bursche! Er scheint seit einiger Zeit Lust zu haben, mit mir anzubinden, steh nur wie er uns siHrt. Kvhlh. (hat immer spöttisch lä chelnde Blicke nach Müller geworfen, und hält nun ein an einem breiten Bande hän gendes Glas vor seine Augen.) Preh. (leise). Wartet, den werd' ich mir ein wenig vermoppeln (verarbeiten). (Laut mit Bezug auf Kohlhard." Kennst Du den Herrn dort? Schuh (ebenfalls laut). Hab Nlchl das Vergnügen! Pre h. Er ist ein Glaserer. Kohlh. (aufspringend). Ein Gla- s-rer? Wie könnt Zbr das sagen? Preh. Na, ich habS ja grad gesehen, wie er ein Fenster (auf Kohl-! zu? hakds Augenglas weisend) in einen Heu-^ Kohlh. Noch mehr — Seine stadl eingesetzt hat. > Magnificenz haben selbst in Compag- Kohlh. Ha, diese Impertinenz! ! nie mit der Neuberin daS neue Gluck Müller. Habt Ihr durch Cure i verfaßt. Unverschämtheit herautgeforberk. Was! Müller. Was — Gok'sched! sollte daS höhnische Begaffen durch ! Und ein Stück mit einem Ha»swu,st s Cure Brille? Und wer sollte diesen bei Euch vorstel- K v h l h. (mit ironischer Demulh.) < len ? bis morgen behalte, das ist schon ge il»g. Im Ernste Herr Conrtisan, Ihr könntet mir einige Eurer Sprünge und Possen vormachen, ich geb' Euch dafür morgen eine Freikarte in unser Theater. M ü l l e r. Ich danke, ich besuche die Neuber'sche Bude nicht. Kohlh. Warum denn nicht? Müller. Weil ich keine Lust habe, ein Einsiedler zu werden. Kohlh. O fürchtet das nicht, morgen wird- bei unS zum Breche.? voll. Preb. Spielt der Herr mit? Kohlh. Ja wohl, die Hauptrolle. Pred. Ah, nachher wirds gewiß zum Brechen. Müller. Aber wie habt Ihr denn das angestellt? Kohl. Wir haben UnS Euch zum Vordilde genommen und geben morgen auch eine Hanswurstiare. Müller. Wie? Die Neuberin läßt stch dazu herbei? Und Euer (spöttisch) Vormund Gottsched, gibt er es Ci — ein angehender Kunstjünger, wie ich, kann ja einen so erhabenen Meister wie Ihr seid, nickt genau genug betrachten, um ihm wenigstens einige Züge abzulernen. Müller. Daß Ihr noch viel zu lernen habt, weiß ich, und wenn ich Such eine Lektion gebe, so werdet Ih, sie sobald nicht vergessen, darauf geb' ich Euch mein Wort. Kohl h, Oh. wenn ich sie nur Kohlh. Wenn Ihr nichts dagegen habt, meine eigene Wenigkeit. Preh. Er? Du Müller, wenn Du ins Theater gehst, so nimm Dir Einen mit, der Dich kitzelt, sonst wirst Du schwerlich Über den da lachen können. Kohlh. O, wenn Herr Müller morgen in unser Theater kommt, wird er freilich nur bitterlich weinen können. Müller. Wie n eint Ihr das? 11 Kol, ih. Weil 3l,r Leidtragender bei Eurer eigenen Leiche sein werdet. Müller (.ausübend). Bei meiner Leiche? Kohlh. Ja bei Eurer und all' Eure, Standesgenvffe» Leiche. Seht, ich bin ei» guter Kerl, ich sage Euch im Vvihinein, daß Ihr von morgen an mausetodt sein wertet — so könnt' Ihr doch Eure Angelegenheit ordnen. Müller. Erklärt Euch deutlicher . K 0 h l h. (Zieht ein geschriebenes H.fl hervor). Hier Hab' ich das Manuskript des morgigen Stückes, werft einen Blick hinein, ur.d es wird Euch Allel klar werden. Müller (nimmt hastig das Mall uscript und liest). «Der Sieg der Vernunft. Personen deS Stückes: Oie gesunde Vernunft. — Oie Gewohnheit, eine Gesetzgeberin. — Oer gute Geschmack. ein Kranker. — Oie Dichtkunst, ein Arzt. — Oas Publikum, der oberste Richter. — Hanswurst, ein gefährlicher Abenteurer.« (Blättert hastig iin Manuscripte herum ) K o k l h. Ja, so ist er in dem Stück sehr treffend und wahr geschildert, ein gefährlicher Abenteurer, der sich auf die Insel der Schauspielkunst verirrt, eie Gesetzgeberin Gewohnheit verführt, den guten Geschmack vergif tet, bis endlich die beleidigte Dicht kunst Schutz bei der gesunden Vernunft sucht, die den tollen Wüstling im Zweikampfe erlegt! —Dann, wenn Hanswurst als Leiche daliegt, wird unsere Prinzipalin, Frau Neuberin, welche die gesunde Vernunft repräsen- lirt, an daS Publikum, das als r.ber ster Richter dargestellt ist, ein kräftiges Wort richten, wird es auffordern, sein ttrthkil auszusprechest, ob sie reckt gethan diesen Unhold, diesen Schänder echter Kunst zu vern chten. und dann, — dann wird HanSwurst vor dem ganzen Volke, und im Namen des ganzen intelligenten Deutschlands feierlich und für ewige Zeiten begraben. (Ihn au« die Schulter klopsend,) NllN, wie schmeckt die Pille? Also, Herr Eourlisan, versäumet es ja nickt, morgen uns das Vergnügen Eures Besuches zu scheu- ken, damit Zhr doch seht, welche letzte Ehre Euch das Publikum erweist! — ! Verstopft Euch die Obren, damit Ihr nicht daS donnernde Pereat hört, das Euch und das jubelnde Vivat, das der Neuberin zugerufen wird, so wie ich schon jetzt rufe: Vivat Gottsched! Vivat die Neuberin ! Vivat (indem er Müller das Manuscript entreißt, und es hoch emporhält) die gesunde Vernunft, und ihr morgiger Sieg! (Eilt ab.) Müller. Nun — da habt Zhr's — Was sagt' ich Euch? Oer Schlag der uns vernichten soll, wird jetzt schon geführt. Schu h. Aber glaubst Du denn daß diese Kinderpoffe wirklich von er,, ften Folgen sein könne? Müller. 2ck bin überzeugt, das Gottsched diesen Plan nicht entworfen hätte, wenn er nicht eines dauernden Erfolges sicher wäre' Er kann auf die hiesigen Mujensöhne rechnen, und diese geben im Theater den Ton an — daS Stück wird mit Enthusiasmus ausgenommen, und dieser gemachte Sucres dem Publikum als sein eigenes Urtbeil unterschoben werden. Es wird heißen, daß Volk selbst habe uns verworfen, und mit dem Branbmahle der öffentlichen Verachtung gezeichnet — und dieß jetzt — eben jetzt! — O, mir ist, als müßte ich es Zhnen ersparen, mich bildlich zu morden, indem ich früher noch Hand an mich selbst lege! (Sinkr in einen Stuhl). P r e h. (endlich überdrüssig.) Na 12 Kört, jetzt wirds mir zu viel — ich bür hergerrist um mich zu unterhalten, und der Kerl lamentirt mir da die Ohren voll — wenn Du ein so fader Ding bist, so haben sie recht, wenn sie Dich abschaffen. Schub. Recht hast Du, Prehauser — ich kenn' den Burschen da (au! Müller weisend) selbst nicht mehr! Donnerwetter! Müller, wo ist Deine kecke Laune, die Dick sonst nur um so lustiger machte, je gröxere Gefahr Dir drohte G eh uns an! Ist Deine Ange, legrnheit nicht auch die Unsrige? Müller. Du irrst — bei Euch ist nur Eure Steilung, bei mir bas ganz« Lebensslück gelähidet — das schönste Ziel, das je vor meinen Augen geschwebt, zerrinnt wie ein Nebelbild. Schuh. Von welchem Ziele sprichst Du ? P re h. (zu Müller). Laß Dich an- schaurn. (Thut es). Ich Habs. G ch u b. Was? Was ? P r e h. Er ist verliebt! S ch u h. Ha, ha, Hai Wirklich? Preh. Also heraus mit derSprache. Ist diejenige von der Komödie? Müller (schüttelt den Kopf). P r e h. Also vom Civil? Schuh. Und da ist wahischeinlich ein Vater, der vom Theaters»!? nichts wissen will. M üller. Du irrst — von unserer Liebe weiß er noch nichts— doch ist er ein freundliches Gönner meines Ta lentks — ich hätte vielleicht doch eben deßhalv hoffen können, wenn ich ihm in Aussicht gestellt hätte, daß ich durch mein Wirken mir in einigen Jahren ein Vermögen sammeln könne. Vas ist nun vorbei, seine bisherige Gunst wird sich durch die öffentliche Beschün pfuug, die mir morgen droht, von mir wenden. O tröstet mich nicht, für mich sst Alles verloren. Schuh. Pfui, Du willst Deine Sache aufgebe», ohne erst einen Kampf gewagt zu haben? M ülle r. Einen Kampf ? gegen wen? Schuh. Sollte denn der Neube- rin nicht beizukommen fein? Müller. Sie ist hier nichts, Gottsched und sein Anhang Alle <. S ck u h. So mußt Du eben diesem Herrn Gottsched zu Leibe gehen, rücke gegen leine Schulweisheit lcS mit den Waffrn Deines Witzes und Deines Humors. M ü l l e r. Ah Freund, mit meinem Witz und Humor ist's eine eigene Lache. Zm gewöhnlichen Leben stehen sie nur nicht zu G-.bothe, nur so lange sch in meinem HarlequinS - Costüme stecke, da fühle ich mich von ganz ei- genthümlicher Laune beseelt. Schuh. Nun so stell' Dich ihm gegenüber, alS der, den er bekämpft, als Hanswurst. Müller. Bei Gott, das Ihn' ich. In dieser Gestalt fühle ich mich als der Mann, der das Recht hat, dem ganzen Publikum die derbsten Wahrheiten zu sagen, und so werd ich auch den Muth haben, meinen mächtigen Gegner zu bekämpfen. Schuh. Das muß aber sogleich geschehen — und ha, ha, ha, nun reift auch mein Plan. Halte Gottsched auf, heute sein ästhetisches Collegium zu besuchen, dort will ich indessen für unsere Sache arbeite». Müller. Wie? Du? in einem Collegio? Sckuh. Ja, Hab ich denn nicht auch meine Filosofie studirt ? Rhetorik und Eloquenz absolvirt? Beim Teufel, in mich fährt ein alter Universität-. Spiritus, ich will wieder einmal d>S- vutieren — über Gottsched- Lieblings- thema , über die deutsche Bühne — 13 und was gilts, ich dring' unter seinen Anhängern wenigsten« Meinungsverschiedenheiten hervor, dann ist seine Phalanx gebiochen. Also rasch, jeder an seine Arbeit! (Will fort). P r e h. (halt ,hn zurück.) Halt! Halt! Ihr rennet da davon, und laßt mich stehen, wie das Männchen beim Sterz. Ihr müßt mir auch waS zu lhun -eben. M ü ll e r. Ja, Du — Du kannst auch für uns wirken, ich betraue Dich mit einer Sendung — ich werde Vir die Orte bezeichnen, wo die hiesigen Bürger, die Freunde LeS Theater«, Abends zusammen kommen. Pres). Wo ist das ? Müller. Nur in den Gasthäu' fern und Weinkellern. Preh. Bravo! Das Terrain ist für mich sehr günstig. Müller. Diesen erzählst Du, was Du von dem Plane der Neuve- - rin erfahren hast, und suchst sie dagegen zu stimmen. P r e b. Bravissimo! Ich werde Volksredner und Publikumhetzer. Schuh. Ha, der Angriff wird gewaltig, und von drei Seiten zugleich gemacht! Ans Werk! Laßt zehen denn, ob Schulweisheit Mitechtem Narrenwitz im Streit Mag siegen oder Schmach erleiden, Die nächste Stunde soll entscheiden. (Alle drei ad.) Sechste Scene. (Zimmer im Hause des Johann Neuber. Eine Mittel- und zwei Seitenthüren. Im Vordergrund ei» Schreibtisch mit Büchern »>,d Schriften, auf welchem auch eine Cas- fette steht. Im Hintergründe ein langer Tisch, worauf nieher« Tarderobestücke liegen, die Lorenzin — die Aründlerin und einige andere Schauspielerinen sitzen daran und nahen). Koch, Schrötter, Schöne' mann, Kohlhard, Fabriciut, Suppig' Lorenz (treten durch die Mittelthllr auf.) Koch (ein ganz junger Mensch, springt zuerst zur Thür herein). Gott sei Dank, heute ist Samstag und somit Gagktag. Ach seit dem letzten Sonntage seh ich diesem Tage schon mit schwärmerischer Sehnsucht entgegen« Schrötter. Er sollte sich schämen, Mosje Koch, baß Er nicht d'raus kömmt, so rin junger Bursche wie Er, der kaum noch zum Theater geschmeckt hat, und doch schon wöchentlich fünf Thaler Gage bezieht, gleich dem Aelte- sten. Koch. Iüj wenn nur daS Geld nicht so rund wäre. Lorenz (zu seiner Frau tretend). Nun Ihr seid ja gewaltig fleißig. L o r e n z i n. Ja, so ein allegorisches Stück fordert ein Pracht Costüm, und bis man all da« Goldpapie» aufgenäht hat — Suppig. Still, die Frau Prin- zipalin. Siebente Seene. Vorige. Johann Neuber. Caroline Neuderin. Car 0 l i Ne (in ihrem ganzen Wesen stolz, männlick und herrschend, kommt aus dem Nebenzimmer.) Neuber (mit einem großen Buch unter dem Arm, folgt.) Da« Schauspieler-Personal (verneigt sich ehrerbietig vor Carolinen.) Carol. (nickt leicht mit dem Kopfe.) Guten Abend! Alle beisammen? (Blickt im Kreise herum.) Ach ja, am Gagetag sind Alle pünktlich — aus die Proben muß man sie oft erst holen.— s.Su Neuber." Schlag das Buch auf! ^ Neu der (legt das Buch offen auf den Tisch.) Hier mein Schatz! Carol. (sperrt die Eassette auf, und sieht in dem Buche nach, dann) Sckönemsnn, hier hat Er seine vier Thaler Gage für die verflossene Wörde« ScdöIIemann. Danke, Frau P rincipalin. E a r o l. <,wie früher). Lorenz, hier das Geld für Ihn, und zwei Thaler für feine Frau — wart Er — hier noch io Groschen dafür, daZ seine K o h l h. (tritt vor). Frau Prin- cipalin! — Caroline (etwas leiser zu ihm.) Hat Er gethan was ich Ihm rielh? Kohlh. Ja wohl, seit ich die Rolle habe, ging ick täglich in die Schenke zum Bären, wo Müller immer hinkommt. Carol. Hat Cr ihn ordentlich auf's Korn genommen? Kohlh. Jede Bewegung suchte ich ihm adzugucken, ich hoff' ihn morgen so zu imitiren, daß die Leute glau- Frau diese Woche die feine Theater-! den sollen/ er selbst stehe oben auf der Bühne! — Carol. Wenn Ihm das gelingt, soll Er morgen 2 Thaler Zulage erhallen. (Laut zu allen Anwesenden). Morgen um 10 Uhr pünktlich zur Generalprobe des neuen Stückes, und daß mir olle fest in ihren Rollen sink. Wäsche gewaschen hat. Lorenz. Danke, Frau Principa- lin! C a r v l. FabriciuS — (sieht im Buche nach). Er hat schon 15 Groschen Vorschuß, da hat Er den Rest. (Gibt ihm Geld.) Fabr. Ah, Frau Prine paliu, gerade an diesem Stücke sollte Euch wenn Sie mir den Vorschuß doch noch ! Allen gelegen sein, denn von dem Erstehen ließen, bis zur nächsten Woche, i folge desselben hängt Eure ganze Zu- Caro l. Kann nicht sein — Cr kunfl und dis Ehre Eures Standes ab. hat ihn nur auf eine Woche begehrt. i Aus Wiedersehen ' Schrötter — hier sein Geld. — Sup-j pig — Er ist gestern in seiner Rolle stecken geblieben. Ihm wild rin Thaler abgezogen. Suppig (bittend). Frau Principal! n — C arol. Kein Wort weiter! — Daß der Schauspieler fest in seiner Rolle sei, darauf muß zuerst und am strengsten gesehen werden. Suppig (zu Neuber). Herr Neuber, sprcch' Er doch ein Wort für mich Neuber (zuckt dir Achsel). Alle (verneigen sich ehrer biethig und gehen ab). Neuber (nimmt aus der üaffa noch einige Silberstücke). DavvN bekommt noch zwei Thaler der Maler. — Carol. Und sechs der Farben - Händler. Neuber (legt das Geld auf den Tisch und stürzt dann die teere Eassette um). Und kann — dann brauchst Du die Kassa nicht mehr zuzusperren. Carol. (bleibt ernst sinnend stehen). Achte Scene. Carol. Glaubt Er, meines Mannes Fürbitte werde Ihm was nützen? Ich ziehe auch ihm ad, wenn er einmal fehlt. Hier Koch — (gibt ih« Gelb.) Ah, Kohlhard — Neuber. Neuberin. Gott sched. Gotisch, (ein Mann von kolossa ler Figur tritt durch die Mitte ein). 15 C <1 r o l. (rhn erblickend). Ah ^ Magnficenz! z Gotisch, (steif und pedantisch). Guten Abend, Frau Ncuberin, Herr Neuber, guten Abend. C a r o s. Magn sicenz hätten mich bald erschreckt, als Sie so unerwartet m>t Ihrer langen stattlichen Figur ein- tralen. Ich bin Loch auch nickt Nein, aber gegen Sie nimmt inan sich in jeder Beziehung wie ein Zwerg auS. G o t t s cb. (lächelnd). Ja, ich bin so ziemlich aufgeschossen deßhalb wollten meine Landsleute in Preußen mir mit aller Gewalt die Ehre anthun mich unters Militär zu stecken, wenn ich Zhlien nicht noch zur rechten Zeit hieher nach Leipzig entwischt wäre; war ich dort geblieben, so war' ichjeht wahrscheinlich Regiments-Tambour. C a r 0 l. (mit steifer Galanterie), Die Musen würden darüber viel lauter geweint haben als Magmsicenz jemals hätten trommeln können. Gott sch. Obligirt für da-Kompliment' Doch eS wollte mich ja, als ich eben eintrat, bedünken, als wäre meine kluge Freundin in sehr trüben Gedanken versunken gewesen, darf ich nach der Ursache fragen? Neüber. Ach Herr Rector', die Geschäfte gehen gar so holprig. — Es ist wirklich bedauerlich, seit wir fast! durchgehendS nur ernste Stücke geben,! will Niemand unsere Bude besuchen. Gottsched. Man muß sich dadurch nicht abschrecken taffen — ksr gspers »ff sslrg. Neu der. Und wenn ich mich noch an die Zeit erinnere, wo Müller noch in unserm Engagement war — wie wir damals allwöchentlich unsere 100 Thaler bei Seile legen konnten, weil das Theater täglich voll war. Gottsched. Corrupter Geschmack des Publikums; Lamentier Er nur nicht — und Sie (,u Kai-oline) meine kluge Freundin, hat Sie am Ende auch den Mulh verloren? E a r 0 l. (stch aus ihren trüben Gedanken aufr^ffend.) O nein, Magnifi, cenz! Ich bin nur heute ernster gestimmt, wie eö wohl ein Feldherr am Tage vor einer entscheidenden Schlacht immer ist. G o t t s ch. Ha! Tie meint die morgige Aufführung unseres neuen Stückes. Sei Sie ohne Sorge, der Sieg ist uns gewiß. Carol. Verhehlen wires unSnicht — eS ist vielleicht Alles gewagt — der Müller ist noch ungemein beliebt, das Volk hängt noch mit Vorliebe an ihm, und den tollen Possen im Allgemeinen. Gott sch. Eben deßhalb ist ein ernste- Wort an das Publikum nolh- wendig, und jetzt ist die günstigste Gelegenheit. — Wir haben even in Leipzig Messe, von nah' und fern ist Alles herdeigeströmt — und gerade auf dem Platze vor Ihrer Bude findet morgen das Meß- und Maifest Statt. — Oie ganze Menge, die sich zuerst bei den andern Lustbarkeiten herumlreibt, wird dann auch Ihre Bude besuchen — und dann muß man den Leuten sv zu sagen die Nase drauf stoßen, wie gemein und roh es sei, an solchen Dingen Lust zu finken, man muß sie glauben machen, als hätten sie daS selbst schon ein - pfunden, und inan helfe nur einem dr.n gencen Bedürfnisse ad. — Und wollen sie nicht von selbst darauf eingehen, so sollen sie mltgerissen werden. Die ganze Intelligenz Leipzigs hat sich verbündet, um daS Begräbniß unsere« Erbfeindes so jubelnd alS möglich aufzunehmen. N e u b e r (etwas ärg-rlich.» Und was haben wir dann davon? Morgen begraben wir ihn auf unserer Büh- l ne, und übermorgen steht Müller auf 16 seiner eigenen Bühne nur um so kräftiger wieder auf. G o k t sch. Er spricht schon wieder. Ich sage Euch, wenn daS morgige Stück mit Eclat ausgenommen wird, so trage ich hier (zieht aus der Rocktasche^ ein versiegeltes Schreiben hervor) wie Jupiter einen Blitz, der den Hanswurst für ewige Zeiten vernichten soll. Neuver (sehr neugierig auf das Papier sehend). Was ist das? C a r o l. Das Siegel eer königlichen Hofkanzle,? Gotisch. So ist'S! C a r o l. Sprechen Sie, waS hat daS zu bedeuten ? Gott sch. Noch muß ich es als ein Geheimniß bewahren, denn ein ge- > messener Auftrag Serenissimi lautet dahin, dieses Dekret erst morgen, und! nur in dem Falle, als daS Publikum ' sich für meine Ansicht ausgesprochen, zu ^ eröffnen, und zu publiciren. ! Ca rol. Aber etwas könnten Sie ^ uns doch — nur so errathen lassen. Gott sch. Vars nicht! Genug, wenn ich Euch sage: dringen wir morgen durch, so kann Müller sein Theater übermorgen schließen, und Sie Frau Neuberin behauptet allein das Feld. C a r o l. Was sagen Sie, Mag- nificenz ? Gotisch, (sich in die Brust wer, send.) Ja — HUI eoIÜAl't M6CIIM nn,, «lisjrerKLi — wer Hand in Handmi, mir geht, kommt zum Ziele. Also Muth, meine Theure! Treffe Sie alle Ihre Vorkehrungen, und lasse Siesich weder durch eigene Angst noch durch fremde! Einflüsterungen irre machen. C a r 0 l. (Gottscheds Hand fassende. O Herr Rektor, welch' unschätzbares Gur ist die Freundschaft eines Mannes von solcher Weisheit und solchem Einflüsse. Ja, ich will mich Ihrer würdig zeigen — und muthig die letzten Anstalten treffen. Entschuldigen Sie, das! ich nur aus diesem Grunde Sie verlasse. — Neuber folge mir — wir haben noch auf unserer Bühne nachzusehen. — (Verneigt sich tief vor Gottsched). Gotisch, (winkt ihr freundlich lächelnd mtt der Hand). Gute Nacht! Neuber (nimmt die leere Cassette, wirft «inen Blick hinein, rufend) Gute Nacht! (Ab mit Carolinen). G v t tsch. (allein). Cs geht, eS muß gehen! Meine beharrliche Eon sequenz setzt es durch. Wie Calo einst »ur den Einen Wahlspruch hatte: ruilvm e6N8ev OliurlgAmein 688U ssttlunllsm," so sage ich se»l 10 Jahren: Ich bleibe dabei, der Hanswurst muß vernichtet werden! (Geht gegen die Mittetthür). Neunte Scene. Gottsched. Müller. (Oie Mittelthüre öffnet sich, und unter derselben steht Müller im vollkommenen Hanswurstkleide, mit der Halblarve vor dem Gesicht, und der spitzen Mütze auf dem Kopfe, in einer possierlichen Hal^ tung. Er ill während der folgenden Scene fortwährend in der rnuthwilligsten Laune, sehr beweglich, und in Ton und Geberr den ganz verschieden von seiner früher,, Haltung). Gottsch. (tritt Anfangs überrascht zurück . Was ist daS f Müller (indem er mit beiden Händen die Mütze abnimmt, ins Zimmer springt und vor Gottsched wieder eine andere komische Attitüde macht.) Der Hanswurst! Untrrthänigst aufzuwarten. G o t t s ch. (unwillig). Wie kommt Er hieher? Was soll der Anzug s Warum im Zimmer ras Mummen- 17 spiel? Wie untersteht er> sich vor mir zu erscheinen? Müller (bleibt in seiner Position ohne zu onkworte»). Gott sch. Nun, kann Er n chl antworten? Müller. Nein — Gott sch. Warum nicht? Müller, «eil eS heißt: Ein Narr kann in einer Stunde zehnmal mehr fragen, als zehn Weise in einem Jahre beantworten können. Gottsched (auffahrend). Impertinenter Grobian! (Will mit dem Stock nach ihm schlagen.) Müller (wacht schnell einige Pas rückwärts, zieht seine hölzerne Pritsch« und nimmt eine komische F.chterstellung an.) Halt, Herr Rektor! Laßt eS auf keinen Kampf ankommen, wer weiß ob der Nektorstab gegen die HarlequinS Pritsche aufkommen kann. Lassen wir die Schwerter ruhen. (Steckt die Prits»e wieder in den Gürtel.) Laßt Mir nur auf ein paar Minuten die Hanswur» sten-Freiheit zu reden, wie's mir eben einfällt! Wollt Ihr so gnädig sein? Gottsch. Red' Cr heute noch in Gottesnamen. Müller. Ich küsse das Kleid, Herr Rektor. Zum Dank dafür w'll ich Euch einen logischen Beweis zum Besten geben. Gottsch. Er — und Logik. Müller. Ich will Euch haarklein beweisen, da- Ihr ein größerer HanSwurst seid, als ich. Gottsched. WaS? Müller. Wollt meine Fragen nur einfach mit Za oder Nein beantworten. Nicht wahr, wenn zwei miteinander ringen, dann ist der Sieger doch der Größere. Gottsch. Allerdings. Müller. Benissime! Ihr kämpft -egen mich, und hofft Ihr zu siegen? Gottsch. Beim Herkules! Ja. Müller. Dann seid Zhr der Sieger, folglich größer als ich, ich bin aber HanSwurst, folglich der kleinere HanSwurst und Ihr seid der größere! ?rnl. äsmorislranssum ! — Ich beuge mich demüthig vor meinem Meister. (Beugt sich mit dem Kopf bis tief zur Erde.) Gottsch. Alberner Trugschluß, doch waS laß ich mich auch mit einem Wesen seiner Art in ein Gespräch ein. Müller. Ho, ho, ho! Herr Rektor! Ihr erweist mir ja noch größere Ehre, Ihr kämpft mit mir, folglich müßt Ihr mich doch für einen Ebenbürtigen halten, also können wir »mmerhin Ar», in Arm miteinander geben. (W'll sich in Gottscheds Arm rinhängen.) Gottsch. (weicht zurück.) Berühr' Er mich nicht, faß' Er sich kurz, waS will Er eigentlich von mir? Müller. Nunmehr ich Euere Verwandschaft bewiesen habe, kann ich freier von der Leber weg sprechen. Also, lieber Bruder — Gottsch. Geh Er in seiner Frechheit nicht zu weit. Müller. Ich spreche jetzt nicht alS Person, sondern als Gattung. Ich spreche im Namen all' derer, die meines Stande- sind. Ich bin das Organ der weit verbreiteten HanSwurstenzunft von ganz Deutschland. Ich frage Such, warum wollt Zhr unS allen miteinander den Kopf abschlagen? Gottsch. Ihr müßt fallen als Opfer zur Veredlung drr Bühne. Aber gegen Euch kann ich mich nicht weiter erklären. Ihr würdet mich doch nicht verstehen, weil Ihr um ein Jahrhundert zurück seid, während ich der Zeit vorauSgeeilt bin. Müller. Wie wollt Ihr dann 3 für die Zeit wirken, wenn die Zeit Euch nicdtnachkann? Bleibr doch hübsch im Geleise, Zhr Herren Gelehrten, hebt daS Haupt nicht gar so hoch, sondern bückt es etwas zum Volke her: ab, damit Zhr dieses langsam zu Euch hinauf ziehen könnt ! Seht, ich mache Euch einen Vorschlag zur Güte. Schlagt mich nicht ganz mausetodt — schneidet meinethalben meine Schroffheit etwa« zu, brennt das wilde Fleisch weg, aber — laßt mich l e b e n. Gottsched. Nichts da, was ich thue, muß ganz geschehen, ich Haffe die Halbheit. Müller. Darum begeht Zhr lieber ganze Dummheiten. Gottsch. (e-'lrüffet.' k»6r Fovem 6t !VIill6rvam! Nun ist'« genug! — Apage Mißgeburt verderbten Geschmackes oder — (Geht wieder mit dem Stock gegen ihn.) Müller (im Arlequins Schritte rasch im Kreise herumlaufend.) Hohvho! Versucht, ob Zhr mir nachkommt, zehnmal versetz' ich Euch Eins mit der Pritsche, eh' Zhr mich einmal treffen könnt. (Beruh, r ihn im Vorbeilaufen leicht mit der Pritsche, und springt wieder zurück.) Hahaha! ich schlag Euch zum Ritter meines Ordens! G 0 t t s ch. (versuchte es anfangs ihm nachzueilen, da ihm aber das nicht gelingt, wirft er endlich seinen Stock nach ihm, ohne ihn aber zu treffen.) Stirb Hund! Müller (Hat sich indeß auf einen Lisch geschwungen, sitzt oben lachend, mit den Händen Rübchen schlagend, und dabei mit den Füßen schlenkernd.) G 0 t t s ch. (sinkt erschöpft ihm gegenüber in einen Stuhl, und schnappt nach Luft.) Mül ler. Ha, ha. hak Seht Ihr, wie Zhr auch den Hanswurst verfolgt, er findet doch immer sein Plätzchen, während der gemästeten Gelehrsamkeit der Athem zu kurz wird. Zehnte Scene. Vorige. Quistorp. Q Ui stvr P (eilt durch die Mitte herein). Herr Rektor! Herr Rektor Ah dacht ich'S doch, daß ich Euch hier treffe. Gott sch. Was gibts wieder? Qu ist. Orr Teufel ist loS im Collegio. Gott sch. Was ? in meinem Collegio ? Quist. Za, ja. alle Hörer waren versammelt, um auf Euer» Vortrag zu warten, Zhr bliebt lange aus, da besteigt ein fremder Licentiat die Cathedra, und beginnt eine Dissertation, stellt Euch vor, eine lange Rede, worin er den Hanswurst vertheibigt, und die Versammlung auffordert, sich gegen dessen Verbannung zu opponiren! Und denkt Euch — er dringt durch, er findet Anhang. Müller. Victoria! (klaschi in die Hände, schwingt sich vollends auf den Lisch, so daß er oben steht, dreht sich einige Male im Kreise und dergleichen.) G 0 t t s ch. (ist vom Sitze aufge« fahren.) Was?pr o^osnns WurstlO? Für den HanSwurst? in meinem Collegio ? Den Kerl schlag ich tobt — ich eile hin. (Lärmen von Außen, man hört Bivat ru' fen, laul jubeln u. s. w») Gott sch. WaS ist das wieder? Eilfte Scene. Vorige. Rost. Moll, (mehrere an, dere Hörer des Collegiums). Fr. Schuh (als Licentiat, in einem weiten schwarzen, bis an die Knöchel hinabreichenden - 19 - durch di« Mitte herein. Zuletzt PrehaU- ser.) Gotisch, (ihnen entgegen). Meine Herren, was soll dieser Tumult? Moll. Wir wollen mit der Neu- berin reden, das Glück, worin sie den HanS-vurst begraben lassen will, darf nicht gegeben werten. Rost. Nein, Nein! Wir wollen uns den lustigen Kerl nicht nehmen lassen. Moll. Die Sache ist uns in einem andern Lichte dargestellt worden. Gotisch, (die Hände zusammen^ sch'agend). Olll'I »Ulli» ? OoMIsl! sussitorv«! huslis 8j>iHtus intei»- uuli« vos lurbsvik «t — Mo l l. Ei L'crr Rektor, sprechen Eie deutsch, denn e« ist eine deutsche Angelegenheit, wie uns der Herr Li« rentiatus (auf Schuh weisend) eben bewiesen hat. Gottsch. tzuis, ubi? —. (Geht wüthend auf Schuh los.) V^08 «NAO ? VO« ? Schub. ! vomliis mstz- rüsiee ukHuo .«ipvelsbilis. Golls ». Lat haben Sie sich unterstanden, in meinem Collegio zutra- biren k Schuh. Nur daS, wovon ich innig durchdrungen bin. Alle. Wiederdolen Sie die Rede. Gott sch. WaS — Sie wollen sprechen für Beibehaltung der albernen Schwänke auf der Bühne? Da würde waS Rechtes herauskommen ! Schuh. Ja, es wird auch etwas Rechtes herauskommen. Die Bühne, wie die Welt, muß sich auS sich selbst entwickeln, verändern und veredeln. — Voreilige Gewaltstreiche sind immer vom Uebel. Oer Hanswurst ist aus dem deutschen Volke hervorgegangen, er hat seinen Platz im Reiche deS Mo- muS seit Jahrhunderten, er ist somit in seinem angestammten Rechte. Alle. Bravo! Schuh. Laßt ihn, so lange das Volk noch mit Liebe an ihm hängt; — Die wirkliche Regeneration der Bühne kann nicht durch einen aufgedrungenen gelehrten Zuang, sie muß gerade von Seite des Volkstümlichen erfolgen. Ihr aber vomintt msAuisies — verzeiht — Ihr zäumt daS Roß beim Schweife auf, Ihr sucht das Heil in einer Beschränkung des Volksmäßigen, Ihr wädnt bas deutsche Element zu veredeln, indem Ihr die deutsche Bühne zur Garküche der Franzosen macht. D i e Zu h ö r e r. ttkek« ! Verum! Verum! G 0 t t s ch. (sich zuerst erbittert gegen Schuh wendend). HnO-, «,^(1— (Dann sich mäßigend zu den Zuhörern) 8«6 moloo praeslat eomsmimro ssuelus. Meine Herren, Sie, die Gebildeten. stimmen mit ein s Schuh. Was wollt Ihr? die Kunst stand bei den Griechen und Römern gewiß in hoher Blüthe, und dennoch hatten Jene ihren Satyr — Diese ihren Parast.a undMaccuS, damit das Volk sich an ihnen erlustige.— Warum wollt Ihr den Teulschen daS Lachen adgewöhnen s Warum den HanSwurst, diesen komischen Pudel, der die Wun- den seines Herrn unter lächerlichen, aber gut gemeinten Caprivlen leckt, mit dem Steine der Verdammung nm den Hals undankbar in das Wasser werfen s Laßt ihm sein Leben, bis di« alles umgestaltende Zeit ihn abruft! Glaubt mir, die Zeit hat so scharfe Zähne, daß« sie Gottscheds Gebiß nicht braucht, um sich die Speisen Vorfällen zu lassen! Und somit schließe ich meine Rede. in. dem ich Sie auffordere in meinen Ruf einzustimmen: »Es lebe der Hanswurst!« Alle (tumuttu»>isr scheint da« Her, fällt Euch tiefer, als die Weste sitzt. Memme schäm' Er sich.' Quist. Bei Gott! Zhr thut mir Unrecht. Beuler. Go holt den jungen Quistorp. ^ Quist. Da« kann >ch nicht, denn ich — ich bin e« ja selber. Beuler. Zhr. Zhrl Und Euch rühmte Euer Vater als «inen so wa- ckern Jungen? Und Euch, Euch'sollt' ich mein Mädel zum Weibe geben? Rösche Nsautß heftigste erschreckt.) Vater» wa« sagt Er da? Um de« Himmelswillen. (Gilt an sein- Brust). Quist. (zu Beuler.^ Laßt mit Such sprechen. B e u le r. Ei, Herr Qu storp l Was steht Er denn gar so demühig da ^ vor dem Bauerntölpel. Gelt, dazu wäre Er Euch wohl gut genug. daß Zhr seine im ehrlichen Schweiß verdienten Thaler emstecktet, und sein Kind al« Zuwage draufnähmel? Da« Geld verjagen und verschkemmen, Euer Weib daheim sitzen lassen, und bann andere Mädeln auf offener Straße frech insulliren? Ho, ho, wird nichij daraus, das ,usgestoße», auf die Bühne, und ruft zurück.) HiniNiel, sapperment, Flegeln! Bengeln! Schuh. Prehauser was hast Du? WaS ist Dir geschehen? P r e h. Hinaus geworfen haben sie mich. (Gegen die Bude sprechend.) Viehvolk! - Müller. So sprich doch — Du warst in der Komödie? Pr eh. Za, und wie sie so über un- losgezogen haben, Hab' ich gepfif. sen, Bums bin ich draußen gelegen. Es 28 ist nichts anzufangen mit dem Volk. (Zu Schuh.) Und dahier haben wir als Gäste auftreken wollen? Müller. Wie? Zhr wolltet hier auftreten? Schuh. Nu ja, wir wußten ja den Stand der Dinge nicht. Müller. Damit ist's nun vorbei. Pr eh. Vorbei, für mich gibt- kein Leipzig mehr, auf der Welt, ich streich es auf meiner Landkarte aus. Schuh. Und dennoch spielen wir hier, und zwar in einem Stück zum Benefice unseres Freundes Müller. Preh. Aber wann soll denn das sein? Schuh. Heute, in dieser'Stunde noch. Einige Garderobestücke Hab' ich mir für mein Gastspiel mitgenommen, und nun Hab' ich auch das Stück. Geht nur indessen da hinein, ich will Euch dann den Plan und die Scenen- folge mittheilen, bas Uebrige bleibt wie bei allen extemporirten Komödien der augenblicklichen Eingebung Eures Witzes überlassen. Wenn die Dich dort begraben, so will ich gleichzeitig dafür sorgen, daß Du selig werdest. Müller und Prehauser (ab ins Gasthaus.) Schuh (allein.) Ich muß mir die Sache recht gut überdenken, damit die Andern auch leicht in ihre Charactere eingehen. Es ist nickt so leicht auf offener Straße eine Komödie aufzuführen. Es wirb zwar in der ganzen Welt, und in Kre sen, in welchen sich gar kein Schauspieler befindet, Komödie gespielt, aber da ist sie nicht ertemporirt, son dern lange vorher schon sehr wohl ein- studirt. Lied. 1 . Der Vetter ist gestorben, der Herr Vetter war reich, Und heut ist dem reichen Herrn Vetter sein' Leich, Da wird er 'nauStragen, und hinter der Bahr Da schreitet sein Neffe — ach! — der arme Narr! Dem hat der Herr Vetter sein Geld ganz vermacht; Doch glaubt Ihr, daß die Erbschaft ihm Freude gebracht? O seht ihn nur an, wie sein Haupt tief sich senkt, Das Sacktuch ist völlig von Thrä- nen getränkt, Und draußen am Grabe, da ruft er noch aus: O Vetter, könnt ich Dich doch scharren heraus! — WaS nützt mich Dein Reichthum und all dieses Geld, Ich stehe doch vetterlos nun auf der Welt; Und Alles ist Komödie, nur nicht ertemporirt; Mit'm Zwiebel hat er sich den Schmerz einstudirt. 2 . Ein Feinschmecker wäre just grimmig erpicht, Auf ein nobles Diner, doch die Kassa thut'S nicht, Doch so ein Genie ist trotzdem nicht verlegen, Grad kommt ihm ein guter Bekannter entgegen; Dem sagt er: Ah Freundchen, wenn Du heut' Zeit hast, Ich lad Dich zu Tisch* — im Hotel, sei mein Gast! Der Freund geht draus ein — sie diniren famos, Doch jetzt kommtS zur Zeche, die ist ziemlich groß! — Da greift der Gourmand in die Tasche — Herrje! So ruft er: wo Hab ich mein Geld denn — o weh! DaS Hab ich vergessen! Mein Gott, wie fatal, Nur gut, daß Du da bist, geh'Freundchen bezahl! Und AlleS ist Komödie, nur nicht ertemporirt, DaS hat er mit all seinen Freunden schon probirt. 3 . Zwei junge Leut' liebten sich über ein Jahr, Weil immer der Vater gegenS Hei- rathen war, Doch wie sie der ArguS auch immer bewacht, So ein klein's Rendezvous haben's doch möglich gemacht. Zuletzt wird der Alte von ihnen erweicht , Gibt, zu, daß am Altar die Hand sie ihm reicht. Und draus bei der Tafel der Brautvater spricht: Ich habe als Hüther geübt meine Wicht; Jetzt seid Ihr getraut; d'rum Tochter , gib nun Ihm den ersten Kuß — jetzt darfst Du'S schon thun! Da thut sie verwirrt, und wird ganz feuerroth, Und küßt, als wär's, weil'S der Vater gebot, Und Alles ist Komödie — nur nicht ertemporirt, Sie kann'S schon auswendig — sie haben's studiert. 4 . Ein Student, den am meisten genirt bat's Studier'n, Will Doktor werd'n, doch eh sie ihn promovir'n, Da soll er im Geisteskampf siegreich besteh'«, Und öffentlich vor allen Leuten soll's gschehn. Und wirklich die Thüren stch'n offen vom Saal, Und ach seine Gegner, 6, 8, an der Zahl, Die setzen sich hin mit gerunzelter Stirn, Um all seinen Lbesen scharf zu op- ponir'n, Er spricht — sie entgegnen — er redt noch zum Schluß, Und Jeder gesteht, daß er weichen-ihm muß, Die Leut', die da zuhör'n, die staunen ihn an, Wie der seine Gegner alle paff, machen kann! — Unk Alles ist Komödie, nur nicht ertemporirt, Die Fragen und Antworten sind alle studiert. (Ab.) Neunte Scene. Beuler (kommt zurüe.) Hm, daß mein Mädel durchaus noch hier in der Stadt bleiben will — es muß mich im Grunde freuen, daß ihr so viel an ihrer Ausbildung gelegen ist, aber ich hätte sie halt auch gerne daheim, so lange sie noch ganz mir angehört, denn lange dauert daS nicht mehr. (Sieht sich um.) Aber ich bin hieher zurückgegangen, um dem Müller noch ein freundliches Wort zu sagen, und nun ist er nicht mehr hier? Will er sich meinem Dank entziehen? 30 Zehnte Scene. Beuler. Müller. Prehauser. Müller (stürzt mit offener Halsbinde und in Unordnung gebrachten Kleidern, in einer Hund eine Pistole hallend, aus dem Gasthaus heraus.) Laß mich! laß mich! Preh. (halt ihn an der Hand, in welcher er die Pistole hat.') Ist denn Niemand da? Zu Hülfe! Zu Hülfe! Beuler («>it hin.) WaS gibt'« denn? Herr Müller — wie steht Er au« ? Müller (.wie von Beulers Anblick erschreckt.) Zhr hier? Pr eh. (zu Beuler.) Go Huf mir der Herr doch, daß ick die Pistole krieg. Beuler. Eine Pistole? Müller, wa-'hat Er vor? P r e h. (entwendet Müller die Pistole.) Eine Kleinigkeit! Er hat auf die Zagd gehen, und sich selber al« Hirschen behandeln wollen. Da sehen Gie her — (auf die Pistole weisend.) geladen wie eine Kanone. Müller. Schweig um de« Him- Mel«willen! (Sinkt auf einen Stuhl an dem Tische, und verbirgt das Gesicht in die Hände.) Beuler. Wie soll ich denn da« Aste« verstehen ? Herr Müller, Er wird doch, nicht — Preh- Za — er hat sich tvdt- schießen wollen. Beuler. Herr im Himmel! — Entdeckt mir die Ursache doch — P r e h. (leise.) Könnt Zhr Euch noch an die Jahre erinnern, wo Zhr so recht huntsjung wäret? Beuler. Ei, ja wohl! Preh. Da wäret Zhr wohl auch gai«närrisch, denn da- ist so die Zeit, wo man da« Herz in der Westentasche herumiragt, eh' man sich'« versieht, ist'« Psutschl ! Beuler. Ach nun versteh ich - ! eine L ebe — . Preh. Za, Liebe vermengt mit Wahnsinn. Beuler. Und wa« macht ihn denn unglücklich? Preh. Daß der Vater de« Mä> del« ihre Gefühle nicht lheilr. Beuler. Za, so ein Vater! Preh. Ah, Zhr könnt nicht glau. den. wie störend so ein Va'er bei einer Liebschaft ist. Beuler. Nu. nu es ist ein Unterschied zwischen den Vätern. Preh. ES sind meisten« so obsti; nate Kerl'«! denkt Euch zum Beispiel, Zhr hättet selber eine Tochter — Beuler. Hab auch eine — und ein Prachlmädel noch dazu. Preh. Da« ist schön von Euch. Also denkt Euch, daß der da hinter Euerm Rücken - Zhr habt eine» hübsch breiten — versucht hätte, mit Eurer Tochter enen Techtelmechtel anzufangen. Beuler. Alle Wetter! da« soll er bleiben lassen! Preh. Wenn aber da« Madl sich wirklich in ihm verliebt hat, wenn der da hätte förmlich bei Euch um Euere Tochter angehaltcn. wa« haltet Zhr ihm für einen Bescheid gegeben? Müller (der bisher noch am Tisch« gesessen, aber immer mit gespannter Aufmerksamkeit zugehö t halte, springt nun auf und tritt rasch zu Beuler«) Za — sagt mir — wa« härtet Zhr mir geantwortet ? Beuler. Zch ? Euch ? Na seht — (für sich.) ich möcht' ihm nicht gerne weh' thun > M ü l l e r. Zch beschwöre Euch— antwortet! j B e»ler. Na — ich — ich würde gar nicht grob gegen Ihn sein, ich würde Zhm sagen: Lieber Freund, bleib' 31 Er bei Seinesgleichen. Sr paßt nicht zu uns, wir nickt zu ihm, und dann das Gerede im Orke — meine Tochter eine Frau HanS-rurstin, nein, nein, da- geht nicht an. Müller (zu Pr,ha»s-r). Da hörst Du'-, so sind sie alle, der Fluch des VorurtheilS. welcher auf unserm Stande lastet, vergiftet jede- Ledens- glück. Zch kann, ich will nicht mehr leben ! Preh. (ganz phlegmatisch), Na, da hast Du die Pistole. — (Will sie ihm reichen). Beuler (rasch dazwischeafahrend, und die Pistole wegnehmend)» Halt! ZUM Henker — warum gleich verzweifeln? Wer weiß, wenn man mit dem Vater spräche! Preh. Da- ist schon geschehen, wenn aber der dumme Kerl nichts davon hören will Beuler. Pah, pah. da ist die Sache nur nicht gehörig angepa ^kt worben. Na, damit Er sieht, daß ich ihm gut b>n, und gern was thäte, was ihm Glück und Freude bereitet, mach Er mich mit dem Vater bekannt, ich will ihm zureden, will suchen ihn für Euch zu stimmen. Müller. Ach, eS wird nicht- nützen! Beuler. Ein Dritter hat'- da immer leichter, wenn Cr selber seine Vorzüge herausstreichl. so sieht'- wie stinkende- Seibstlob aus-, wenn aber lch- thue — Preh. Freilich, da kriegt'S gleich einen anderen Geruch. Beuler. Also sagt, wo treff' ich den Vater? Müller. 3ck traf eben hier mit ihm zusammen. Beuler. Hier? Müller. Ja, in der Schenke, ich nahm mir den Mulh ihm Alles zu gestehen, als er mir aber jede Hoffnung nahm, da faßte mich Verzweiflung. — Beuler. Laßt mich den Versuch machen, ich gehe hinein — laß Er mich mit dem Manne allein, aber da- sag' ich ihm, thu' Er nickt etwa inzwischen einen verzweifelten Streich, wenn Er sich umbringt, so darf er mir sein ganze- Lebelang nickt mehr unter die Augen kommen. Müller. Zch verspreche Euch, ruhig den Erfolg Eurer Unterredung abzuwarten. Eilfte Scene. Vorige. Schuh. Schuh (in einer Kleidung, ähnlich der BeulerS, entstellt durch «ine graue Perücke in Haltung und Sprache den Akten spielend, tritt aus der Schenke). Preh. (.leise zu Beuler). Da ist er! Beuler. Der? — Gut! (Leise) Tretet nur zurück! ^Beide treten hinter die Baumgruppe). Beuler (für sich, Schuh betrachtend). Der Mann scheint auch vom Lande, na, um so leichter werd ich mich mit ihm sprechen. (Tritt ihm entgegen^. Guten Abend! — Schuh (verdrüßlich). Auch so v kl. (Will an ihm vorüber) Beuler. Nun, ich denke, eine freundliche Ansprache wäre wohl einer freundlichen Antwort werth? Schuh. Freundlich? Za, e< ist darnach, um freundlich zu sein. Beuler. Warum nicht, der Mensch soll immer dann am freundlichsten sein, wenn er Gelegenheit hat. Jemanden glücklich zu machen Schuh. Glücklich machen? ich? Beuler. Za, ja, gerade Ihr seid in der Lage, und noch dazu zwei Menschen zugleich — 32 Schub. Zwei Menschen zugleich ? Wo soll das hinaus? Von wem speicht der Herr? Beuler. Ei, daß 3hr dieß nicht errathet, und eS ist doch Euer eigenes Kind. — Schub. WaS? was? Von dem sprecht Ihr? von meinem ungerathe- nen Mädel? — Und glücklich machen? geh' eben nach Hause, um sie glücklich zu machen, tanze» soll sie mir vorlauter Glück. Beuler. Halt, halt, kommt Herr GevatterSmann, trinkt EinS mit mir, und laßt unS ruhig die Sache besprechen. Heda ein paar Krüge Wein- Kommt, ich lasse Euch nicht so aus. Kellner (bringt zwei Krüge Wein). Beule r. Gebt, ich weiß, was Euch so in die Hohe brachte, verjünge Mann, der Euer Kind liebt, hat mir sein Le d anvertraut. Schuh (trinkt). So? — Saubere Bekanntschaften habt Ihr, das muß man sagen , oder wißt Zhr vielleicht wer er ist? Beuler. Ja, er ist ein Mann, der sich jahrelang redlich abgemüht hat, uns Allen Vergnügen zu machen, deßhalb bin ich ihm gut. Schuh. War ihm auch gut, weil ich über seine Späff« viel lacken mußte, aber mit meiner einzigen Tochter verstehe ich keinen Spaß! Beuler. Nun, er will ja auch Ernst machen, er will sie heirathen. Schuh (von seinem Sitz auffahrend). Heirathen, — Mann! Beuler (nölhigt ihn zum Sitzen). Bleibt sitzen, nur Ruhe! Schuh. Wie könnt' Ihr mir zu- muthen. daß ich mein Kind einem Hanswursten gebe? Beuler. Wenn er aber sonst ein ehrlicher Mann ist. Schuh. Oa« kann er nicht sein, weil er die HanSwursten-Jacke trug. Beuler. Das ist eitles Vorur- theil, und davon soll sich ein vernünftiger Mann fern halten. Schub (hefig'. Ihr versteht nichts. Vorurtheil? Und noch vor 16 Jahren durfte so ein Mensch, wenn er hin war, nicht einmal aui dem Friedhöfe begraben werden — ich weiß ge. nau erst Anno 1721 wurde dieses Verboth aufgehoben. — Beuler. Traurig genug, daß man so lange dumm war. — Schuh (in die Hohe fahrend). Wa- dumm? Mir scheint Ihr meint vaS in Bezug auf mich? B e u l e r (sich wieder mäßigend!. Nicht doch —werdet Nicht immer gleich hitzig. Sagt mir, ist's wahr, daß Eure Tochter den Müller so wahnsinnig liebt? Schuh. Leider! Er hat sie verhext. Solch' Komödiantenvolk ist dem Teufel verschrieben, und kann darum seine Künste. Beuler. Aber Mann — Vater — denkt doch, wenn Eure Tochter ihn so liebt — man hat Beispiele, daß so ein armes Geschöpf aus Gram lrin- stechte, und starb — denkt Euch Euer einziges Kind auf der Bahre. Schuh. Lieber auf der Bahre alS am Pranger Beuler. Zhr seid ein — Schuh. Wa- bin ich? Beuler. Ihr habt kein Herz. , Schuh Und Zhr keinen Kopf. Beuler (aufspringend). Auf Euern Kopf dürft Ihr Euch erst was einbilden, der ist schlechter als ein Kürbis, denn in den bringt man doch etwas hinein, in Euern Schädel aber nichts. (Stemmt sich dabei auf den Tisch.) Schuh («berifalls aufspringend. 33 und in gleicher Stellung sich gegen Beu- sah, sandte ick meinen Freund hin in ter stemmend)« Was — Grobheiten? ihr Hrus, um sie zu bestimmen, Be ul er. Ah waS, auf groben jetzt seinem Zorn auszuweichen. Klotz gehört ein grober Ke>l! B e u l e r. Das war wohl gethan, Schuh. Kreuz Element! (Schlägt ^ ganz vernünftig, mit dem Weinkrug auf den Tisch, daß er! Müller. Mein Freund wird sie zerspringt)« So kommt Ihr mir? hieher,führen — ich wlll sie noch ein- B eu ler. 2hr verdienl's nicht bes- mal sprechen, ich habe nun einen letzten ser, Jbr seid kein Vater, Ihr seid nicht verzweifelten Entschluß gefaßt, einmal ein Mensch (Schlägt ebenfalls! B e u l er. Welchen Entschluß ? sag mik dem Krug in den Tisch). > Er doch. Schuh (vom Tische wegrennend).! Müller. Zch will sie bereden Ah, waS ärgere ich mich da ab — mit mit m r zu entfliehen. Euch — mit dem Unterhändler eines Be ul er. Entfliehen? 2ck kann Hanswurstes. Aber reckt so! 2etzt bin 2hm nicht Unrecht geben, wenn so ein ich gerade in der Stimmung meinMä-! altes Rind für gar keine Vernunft zu- del coram zu nehmen. Krank wird sie werden ? O,ich werde sie knriren. Zuerst eine Tracht Schläge, dann eingesperrt, daß sie keinen Sonnenstrahl sieht, und dann geb' ich ihr einen Mann, der so recht den Teufel im Leibe hat, der wird ihr die Komödirgedanken schon aus- treiben. — Adies, Herr Brautwerber ! Gott behüte Euch, wenn 2hr nicht auch schon dem Teufel verfallen seid. (Im Abgehen den Stock schwingend. )Na wart Mädel, ich will mir eine Comotion machen, die mir und Dir gesund sein soll. (Geht laut scheltend ab. Es beginnt zu dämmern, während der folgenden Scene wird es ganz dunkel). Zwölfte Scene. B eu le r. M üll e r (kommt vor.) Beuler (ruft den Abgebenden noch nach.) Das ist ein Wehrwolf, ein Tirann, ein verstockter Gleinkopf, ein Kanibale. (Iu Müller.) Mit d e m ist nichts zu richten, und das arme Mädel, dem habe ich nun die Suppe noch mehr versalzen, wenn der heimkommt, er schlagt sie am Ende zum Krüpel. Müller. Davor Hab ich sie bewahrt. Als ich des Alten Stimmung gänglich ist, so muß ein Gewaltstreich geschehen. Aber Müller, Er will doch das Mädel nicht unglücklich machen? Müller. 2ck schwöre eS Euch, ich will als ehrlicher Mann handeln, ich lasse mich heimlich mit ihr trauen. Beüler. Bravo! Vor Gott muß sie Sein Weib sein, dann wird der Alte wohl nachgeben. Müller. Aber das Mädchen ist so ängstlich, sie wird vor diesem Schritt zurück schrecken, und lieber bleiben, und vor Gram sterben. Beuler. Hm, hm! Sterben? Aber sagt mir nur, wenn sie mit Euch geht, wovon wollt 2br denn leben? Müller. O ich habe mir schon meinen Plan entworfen. Nah' an 1000 Thaler Hab ich mir bereits zurück gelegt, daS ist für den Anfang genug, um mir einen Bauernhof auf dem Lande zu pachten. Beuler (plötzlich aufmerksam und angenehm überrascht.) Was sagt Er? Bauernhof ? 2a zum Kuckuck versteht Cr denn waS von derLandwirthschaft? Müller. Za wohl, mein Vater war selbst Pfleger, und obendrein Hab' ich auch Ökonomie studirt. Beuler. Studirt? Die Land- 5 wirthschaft ? (Faßt ihn vergnügt an bei? den Schultern.'! Müller! Er ist ein ganz prächtiger Keil — jetzt muß Er durchgehen — mit seinem Mädel nahm- lich l Und ich ich helf'Ihm selbst dazu. M üller. Wollt Ihr? (Fallt ihm um den Hals.) O mein Retter! Mein Darer! Beuler. Ja der alte verstockte Kerl hat mich so in Rage gebracht — hol' mich der Teufel, ich thu'S. Aber «lr lind ver- TheuersteS auf Erden! loren — getrennt für immer wenn vu nicht den Muth hast, mit mir zr entfliehen! Rösch en (macht eine Geberde des Entsetzens und mit Hand und eine Bewegung der Verneinung.^ M ül l e r. W-e? Du Dich? Beuler. Hör' Sie liebes Kind, lang besinnen darf Sie sich nicht Haupt weigerst ^ i .. . . «o>e «, Müller, ehrlich muß et zugehen, nur > günstige Gelegenheit trifft dann bieth' ich meine Hand. Müller. 5» thu' Alles, was Zhr wollt, aber nur Eins bitt ich Euch, wenn da« Mädchen Anstand nehmen sollte, so stellt ihr vor daß kein anderer Ausweg bleibt, daß sie recht thut, mir zu folgen. Beulen. Nun ja doch, ja. (Mehr für sich.) Oer Grobian sagte mir, daß ich keinen Kopf habe, wart, Alter! Nun setz ich erst meinen Kopf recht auf. Dreizehnte Scene. Vorige. Prehauser mit Röschen (in einem andern Kleide, darüber einen kurzen Mantel mit einer Kaputze, welckr sie so dicht über den Kopf gezogen hat, daß man vom Gesichte wenig sieht.) M ül le r. Ha, da ist sie! (Eilt auf Röschen zu.) Mädchen meines Her- zens! Engslskind, habe Dank, da- vu meiner Bitte folgtest. P r e h. (leise zu Müller.) Hie weiß schon Alles. Müller (leise zu Röschen.) Sprich nicht, er könnte Dich erkennen. (Spricht j leise mit ihr kort.) Beut er. (sieht nach Röschen. so - . - sich sobald nicht wieder. Zch bin auch Vater, und als Vater rath' ich Zhr, dem jungen Manne zu folgen, wenn Sie mit ihm vermählt ist, versöhnt st« Lhr Vater zuletzt doch und wird Ihr nachträglich seinen Segen geben. RöSchen (eilt zu Beuler und küßt ihm die Hand.) Beuler. Laß Sie doch — Laß Sie doch! Also will Sie? Röschen (schmtegt sich zärtlich an Müll.r.) Beuler. Aba, Hab mir'- gedacht, daß es da keine besondere Überredungskunst kosten wird. M ül l e r. Aber Zhr sagtet, daß Zhr uns selbst zur Flucht behülflich sein würdet. Beule r. Nichts leichter alt da«. Dort -- (weilt in die Scene.) steht mein Wäglein bereits angeschirrt, denn ich wollte selbst heute noch fort nach Taucha, an meiner Stelle fahrt nun Ihr. Müller. Wie? nach Taucha? Beuler. 3a, nirgends anders hin. Und zwar gerade zur Wohnung des Pastors, er ist ein lieber Freund von mir, wenn ich ihm schreibe, er soll Euch in aller Efle im Geheimen trauen. Für sich.) Es ist dumm, daß es schon > so finster ist, daß ich nich! einmal sehen so thut er's. kann, ob sie hübsch ist. j Müller. Ja, ja, davon bin ich Müller (zu Röschen.) Mein überzeugt. (Leise zu Prehauser.) O, da- 35 geht ja weit besser, als ick nur zu trau» men wagte. V r e h. (zu Beuler ihm die Hand drückend ). Ihr seid ein prächtiger Mann, versteht Euch so gut auf'S Durchgehen, recht schade, daß Ihr nicht beim Theater seid. Beuler. Seid Zhr dann getraut, dann soll Euch der Pastor nur nach meinem Hause führen, meine Grete wird Euch indeß aufnehmen,.dis ich selbst Nachkomme. Müller. Also bleibt Ihr noch hier? Beul er. Freilich — ich will sehen, was der Alte — der Vater des Mädchen- — für Augen macht, wenn erS erfährt. Preh. Das wollt Zhr sehen? — DaS wird nicht gut möglich sein. Beuler. Also macht nur fort — setzt Euch unterdessen in den Wagen dort, hier könnte Euch der Alte überraschen — indeß schreib ich den Brief an dtN Pastor — der — (auf Prehauser deutend) bringt ihn Euch, und dann nur losgehaurn in die Pferde — und fort! RöScheN (will Beuler umarmen.) Müller. Nehmt im Voraus meinen Dank, und seid überzeugt, daß ich Euch mein ganzes Leben durch wie einen Vater ehren und lieben will. — (Umarmt ihn., Lebt wohl — mein wer ther Gönner, mein Netter! ^ Faßt Röschens Hand und eilt mit ihr ab.) Beuler (ihnen nachsehend.) Ist daS eine Seligkeit! Und mir — mir ist selbst so wohl, weil ich den Leutchen ru ihrem Glück verhelfen kann. Ge- b e n ist doch weit seliger alsEmpfan- 8 e n. Preb. Za, besonders bei Prügeln ist oas der Fall. Aber jetzt nur g'schw nd den Brief. — B e u l e r. Ja, ja! Heda Kellner — bringt mir Licht und »chreivzeug. Preb. Und zwei Krüge Wein — wir müssen noch trinken auf'S Wohl des Brautpaars! Beuler. Za, daS thun wir. Zch kann Euch n chl sägen, wie mich da« freut, daß ich dem armen Müller für all daS Ueble, waS man ihm heute an- that, doch einigen Ersatz biethen kann. Kellner '.mit Licht und Schreibung . Beuler. Also vor Allem den Brief. (Setzt sich und schreibt, dabei sprechend). ES ist im Grunde ein arger Streich, den ich dem Alten da spiele, aber verdient er's denn anders? Preh. Za, wenn so ein Papa nur gleich vom Arm- und Beinenl- zweischlagen redet — Beuler. Es war zu arg. Preh. Nicht wahr ? Ist ein rechter Dreschflegel. Aber hernach, wenn er'S erfährt, baß er der Angeschmierle ist — (trinkt). Beuler. Ha, ha, ha, dann will ich ihn auslachen. Pre h. Thut bas — ha, ha, da, mir ist, als sähe ich ihn schon vor mir, ha, ha, ha! Beuler (ist mit dem Schreiben fertig, faltet den Brief und steht auf). So, zu siegeln brauch' ich den Brief nicht, gebt ihn nur dem Müller. P r e h» (wirft einen Blick in den Brief). FamoS! (Für sich.) Jetzt nützt es ihm nichts wenn er auch zurück' wollte. Viktoria! (Reicht Beuler den Weinkrug). Trinkt, das Brautpaar soll leben! Beul er. Soll leben ; (trinkt). Preh. Und der gefoppte Papa soll auch leben! (Ileht mit seinem Krug Beuler gegenüber, und bricht in ein lautes Gelächter ouß). Hg, ha, ha! B c u l r r. Hätte Nlir's nicht ge. - 36 — dacht, daß ich noch so e>n versiuchler Kerl bin, — ha, ha, ha! Preh. Ein Golbkerl seid Ihr, ha, ba, ha! — laßr Euch küssen. (Küßt ihn.) So, jetzt behürhe Euch Gott derweil, denn ich komm' wieder, ich muß sehen, wie der Alle den Spaß aufnimmt, he, Ke, be! (Lauft fort) Vivat die ertem- pvrirle Komödie! (Ab.) Beuler (sieht ihm erstaunt nach). Was sagt er da von einer Komödie? Es ist rin närrischer Kerl, was hat denn die ganze Sache mit der Komödie zu thun? Vierzehnte Scene. Vorige. Schuh. , Gchuh (noch in seiner Verkleidung als Pächter stürzt auf die Bühne), Beuler. Jetzt ist d e r da, nun wird's loSgehen. Schub (eilt auf Beuler zu). Ha, da seid Ihr. — Habt Ihr Müller nicht gesehen? Beuler. Zch? daß ich nicht wüßte; was wollt Ihr denn von ihm? ' Schuh. Mein Kind, meine Tochter ist fort! — Ein Bursche brachte mir einen Zettel, worauf Sie mir in aller Eile schrieb, daß sie sich heimlich trauen lasse. Beuler. Da seht Zhr, da habt Zhr'S, so weit führte Euer Starrsinn. Schuh. Zch nehme die Gerichte in Anspruch, ich lasse sie verfolgen. Wenn ich nur einen Menschen fände, der mir Auskunft gäbe. Beuler. Vielleicht ließe sich der finden« Schuh. Wie? Zhr müßt — Mann ich seh' es Euch im Gesichte an - j Zhr könnt mich auf die Spur bringen. ! Beuler. Und wenn ich'S könnte, j thät ich'S nur dann, wenn Zhr mir gelobet, zu verzeihen. Schuh. Za, ja, ich gelob' eS. Beuler. Ein schlechter Kerl, der nicht verzeiht. Sckuh. Na ja, ein schlechter Kerl, ich gebe Euch selbst das Recht, in meinem Namen ihnen Verzeihung anzukünden, schafft mir nur mein Kind, mein Kind! — Fünfzehnte Scene. Vorige. Müller. Röschen. Preh auser. Preh. (erscheint, an der einen Hand Müller, an der andern Röschen führend, welche daß Gesicht mit einem dichten Schleier verhüllt hat). Was schreit Zhr denn, da ist sie ja. Beuler (erstaun'.) Wie ? Sie ist hier? (Lelse.) Seid Zhr nicht nach Taucha? Müller (eilt mit Röschen vor.) Nein lieber Herr Beuler, obgleich nichts unsere Flucht, nichls unsere heimliche Trauung gehindert bätte, so wollt' ich doch dem Valrr sein Kind nicht stehlen, ich wußte eS ja, baß er sich noch erweichen lassen würde, eS mir zu geben. (Sinkt mit Röschen vor Schuh und Brüter nieder.) Verzeihung! Beuler (zu Schuh.) Geht Zhr, und dem Menschen wollt Ihr die Ehrlichkeit absprechen? Also da sind sse jetzt, haltet Wort. Schuh. Zch sagte Euch, Zhr sollt in meinem Namen handeln Beuler. Nun denn Kinder, ich habe daS Recht, Euch die förmliche Verzeihung deS Vaters nntzutheilen, bittet ihn um seinen Segen, den er Euch nicht verweigern wird. Müller. Nun denn — so segnet uns. (Kniet mit Röschen, vor B-u- ler nieder.) Beuler. Ich? Seht Zhr denn nicht — (auf den mit den Rücken gegen ihn gekehrten Schuh weisend ) Dort ! NöSchen. Mein Vater — zu Cuern Füßen ist mein Platz. (Wirft den Schleier zurück.) Beuler (entsetzt allsschreiend.) WaS? Du Röschen? Müller. Sie ist es. die ich liebe, ohne die ich nicht leben kann. O versagt mir ihre Hand nickt! Beuler. 2hm, mein Kind? Einem Hanswursten? Nimmermehr! Schuh. Eitel Vorurlheil! davon soll sich ein vernünftiger Mann fern Hallen. Ein schlechter Kerl,der N'cht verzeiht. Beuler. Was? Eine Komödie? Schuh. Mit der Moral: ,.THu' das selber, was Du andere lehren willst.« 2hr seht daraus, daß auch eine HanS- wurst-Kvmödie «ine moralische Tendenz haben kann. Beuler. Teu el! da hat sich einmal eine alte Ratte gefangen. Nun gibts keinen Ausweg. (Lärm hinter der Scene, von ver Seite der Bude und lautes Vivat-Geschrei.) Sechzehnte Scene. Vorige. Siegers (rasch heraus- Siegert. Es ist vorbei, daS Stück ist aus, der Hanswurst ist begraben, und nun begleiten mehrere Mu- sensöhne d-n Herrn Gottsched mit Fackeln nach Hause, aber wir Bürger ha ten uns verabrede», unserm lieben Müller einen ehrenvollen Abschied zu de- reiten, sie werden gleich hier sein. Siebzehnte Scene. Vorige. (Hinter der Bühne ertönt Musik, gleich darauf kommen storp,Mvll und R o st, alle Studenten und die Schauspieler der Neuberin, alles mit F.icklln. Gottsched an seiner Hand die Neuberin führend^ Oer Vorhan Alle Vivat! Vivat! Carol. Wir danken Euch, daß Ihr unsere gemeinschaftlichen Bestrebungen Eures Beifalls würdiget. Gottsch. Und nun darf ich Euch Das eröffnen. iZieht «in Dekret hervor und entfaltet es.) Hier — dieses Rescrip- tum unseres gnädigen Herrn verbiethet auf alten Bühnen im ganzen Reiche, daS fernereAuftreten eines Hanswurstes, und somit hat die gesunde Vernunft einen Sieg gefeiert. Schuh (gegen Gottsched vortretend.) WaS? Das Mummrnspiel, das Ihr eben aufgeführt, wäre ein Sieg der Vernunft? Hier (auf Beuler zeigend) hat die Vernunft einen wahren Sieg gefeiert, denn sie hat ein altes Vorur- theil besiegt. Beuler. Za, besiegt — rein todt geschlagen Hab ich'S« (Auf Müller.) DaS' war der HanSwurst — aber nebenbei ein braver Mann, drum ist er ja (legt ihre Hände in einander) meiner Tochter Bräutigam. P re h. Und nach einigen Jahren gibt s noch ein paar kleine HanSwürste. Müller (umarmt Röschen.^ Röschen ! Du meine Braut? P r e h. Du bist versorgt — aber (zu Schuh) was machen wir zwei ? G ch u Wir ziehen unsere alte Hanswurftjacke auS und ziehen eine neue an. Glaubst Du, der HanSwurst sei todt? O nein, so lange eS auf der Welt fröhliche Menschen gibt, die lachen wollen, wird er immer wieder — zwar in anderen Formen, wie der Phö nil au- seiner Asche auferstehen. DaS Kleid, den Namen und die exlemporir- ten Komödien können sie begraben, aber die Komik wird ewig leben. Dili! Die Studenten. Hoch lebe Gottsched! Oie Bürger. Vivat der Hanswurst > g fällt rasch. Nach Erhalt des Honorars pr.ZFfl. wird die Partitur nachgcscndet. Gedruckt bei M. Lell, LevpoldstaLt, FrrdinandSstraße Nr. 538 in Wirn. iL