Wienei- 81sk1i-öiblioi!iel<. 3109 . .. ^^ >2 M UM SV// "l/- Auffoderung an die Fürsten wegen dem, vom Dr. Paur in Wien angekündigten untrüglichen Verwahrungsmittel wider die Lustseuche oder venerische Krankheit; von Z. Erharr, D. A. Frankfurth und Leipzig, bey Friede. A u g. H a r t m ü » n. ' 1 7 8 4 . » » *^err Leopold paur, der Rechte Doktor auch Hof- und Gerichtsadvokat zu Wien, hat unter seinem Namen in einer öffentlichen Zeitung folgendes bekannt machen lassen: „ Untrügliches Verwahrunysmittel „ wider die Lustseuche oder venerische „ Rrankheit. ,, Keine Krankheit ist dem Staate und „ menschlichen Geschlechts schädlicher^ als „ die Liebesseuche. — Unzählbare Leute, „ ohne Unterschied des Standes, werden „ durch selbe hingeraffet, oder wenigstens 4 ,, dergestalt verstümmelt und elend ge- ^ macht, daß sie bereits in ihrem beßten Alter gänzlich entkräftet, und ihrer „ Gemeinde zur Abscheu und Last wer- den. — -Und diese Klagen führen die „ Aerzte von Zeit der Entstehung dieses ,, Uebels an durch einige Jahrhunderte, ,, ohne jedoch ein Mittel zu entdecken, „ durch welKes dieser schaudervollen Ver- ,, wüstunA vorgebogen und Einhalt ge- macht worden wäre. — Als Mensch ,, glaubte ich daher berechtigt zu feyn, zum Nützen des ganzen menschlichen ,, Geschlechts die Wichtigkeit dieses Ge- ,, genstandes in reifere Erwägung zu „ Ziehen. „ M. Porcius Kato, jener grosse ,, Rechtsgelehrte und berühmte römische „ Bürgermeister selbst, hat mich diesen „ Schritt zu wagen ermuntert, da er ,, nach dem Aeugniß des Plinius und Plu- 5 „ Plutarch Zwar seinem ganzen Hause „ allen Umgang mit den häufig nach Nom ,, gezogenen griechischen Aerzten untersagt, „ aber doch selbst, als Weltweiser und ,, sorgfältiger Hausvater, seiner Familie ,, wider die gewöhnlichen Krankheiten sol- ,, che Arzneyen und Lebensregeln schrift- lich vorgeleget, wodurch selbe das höch- „^ste Alter erreichen konnten. — Was ,, yun dieser strenge Sittenrichter in An- „ sehung aller Krankheiten unternommen, „ dies Hab' ich in Absicht auf die schädr ,, lichste und die Menschheit so sehr er- „ niedrigende Seuche gewagt. —-Wch rü- ,, stete mich mit muthiger Kühnheit wider ,, diesen millionenköpfigen Drachen. — Ge- „ sunde Vernunft, reife Ueberlegung und ,, achte Philosophie waren meine Waffen, ,, und der Erfolg war so glücklich, als „ sich ein Menschenfreund nur wünschen „ konnte. „ a 3 „ Ein 6 „ Ein untrügliches verwahrunys- „ mittel wider die Lusiscuche gerieth in ,, meine Hände, wodurch auch die zahl- „ rcichesten Kriegsheere wider selbe der- ,, gestalt verwahret werden können, daß „ nicht ein einziger damit behafteter Mann „ jemals gefunden werden soll. „ ,, Der Bürger in der Stadt sowohl „ als der Bauer auf dem Lande werden „ auch in jenem Falle, wenn sie sich al- ,, len erdenklichen Ausschweifungen über- ,, lassen, und von der Beywohnung un- ,, reinO Weibspersonen nicht enthalten „ würden , von dieser schaudervollen „ Krankheit auf immer befreyt bleiben , ,, und auf diese Weise wird dieses schreck- ,, liche Uebel bald auf dem ganzen Erd- ,, kreise wieder vertilgt werden. — Mein „ Absehen aber ist keineswegs, hiedurch ,, den Menschen einige Gelegenheit, desto „ bequemer zu sündigen, darzubieten. „ Ich 7 „ Ich verabscheue auch dieses nicht allein ,, der Seele, sondern auch dem Staate „ selbst so nachtheilige Laster. Allein, „ haben wohl die betrübte» den mensch- ,, lichen Körper zerstörenden Folgen dieser „ Seuche, schwelgerische und den ausge- ,, lassensten^ Ausschweifungen ergebene ,, Menschen jemals von dergleichen ab- „ scheulichen Handlungen abgehalten, und ,, ihren ungezäumten Begierden Schran- „ ken gesetzt? — Gottesfurcht, Religion „ und Tugend, ausgebreitete und durch „ Beyspiele eingcprägte Sittenlehren al- ^ lein sind jene unübersieigliche Dämme, „ welche den' zügellosen Begierden der ,, verderbten menschlichen Natur mächti- „ gen Einhalt zu thun vermögen. ^ ^ Meine Absichten, dieses so glück-- ^ lieh entdeckte Verwahrungsmittel dem ,, menschlichen Geschlcchte zu offenbaren sind rein und von ächter Nächstenliebe 8 ,, beseelt. Jedoch aus billiger Besorg- ,, niß des mir bevorstehenden Weltdau- ,, kes, und daß etwa ein Betrüger sich ,, die Erfindung zueigne, oder ein fal- „ sches Mittel anstatt des wahren je- mand aufdringe, so habe ich mich ent- „ schloffen, dessen Kundmachung durch ,, Unterzeichnung zu veranstalten — und da alle Menschen hieraus ihren Nutzen ,, ziehen, so fodere ich von jeglichem der- ^ selben, um sich und seine Nachkömm- ,, linge von so grossem Nebel zu befreyen, ,, zwanzig Kreuzer, und betrachte alle „ Völker, sie mögen unter dem Namen „ der Kaiserthümer, Königreiche, Für- ,, stenthümer, oder Freystaaten bekannt „ seyn, durchgehcnds als meine Subskri- „ benten. — Die allerdurchlauchtigsten ,, Landesvater werden in Rücksicht auf „ mehrere oder weniger Unterthanen den ,, verhältnißmässigen Beytrag allergnä- digst zu bestimmen geruhen. „ Die 9 „ Die Subskription wird an ' mich „ postfrey eingeschickct. — Der bestimm» „ te Betrag bey einem in Wien befindli- „ chen / und in der Unterzeichnung nahm- „ Haft gemachten Wechsler angewiesen; „ das Geld bleibt in des Wechslers Hän- „.den, bis dieses unerrMliche Verwcrh- runysmittel allgemein kund gemachet „ und gut befunden worden; und erst „ nach Verlauf eines Jahrs von dem „ Tag der Kundmachung, soll es mir er- „ laubt seyn, die eingegangenen Sub- „ skriptionsgelder zu erheben. „ j 77 Das Verwahrungsmittel selbst wird 7-, durch ein in allen europäischen Spra- „ chen gedrucktes Werk bekannt gemacht „ werden, und ohne den elenden Weg „ der verdächtigen Vorausbezahlung ein- Zuschlägen , wird man in jeder Sprache „ eine hinlängliche Anzahl genauer Ab- drücke bereit halten, welchem die Natt 5 ,, men ,, men d Hypokrates sagt: omne exemplum „ max- 21 „ maxmim kadet alic^uiä iniyui. Der „ berühmte Arzt und Thierhändler, Herr „ Brook zu London, machH unlängst „ einen Versuch, einen Oura g mit einer „ dafür bezahlten Dirne.zu vermischen. „ Niemand in England tadelte ihn.. Man „ gab ihm öffentlichen Beyfall. wen „ hätte ich ay meiner Stelle die Probe „ machen lassen sollen? Wem hätte man „ mehr Glauben beygemessen? Oder — „ wer hätte es gewagt , sich dieser ge- „ fährlichen Probe zu unterziehen? „ Die Fakultät erwkederte: Wenn wir „ jemand, der das Fieber hat, die Quin- „ quina verordnen , muß der Arzt des- „ wegen zuvor selbst davon nehmen? „ Ihre Handlung dient zu einem üblen „ Veyspiel- Sre könnte Folgen für die „ Aerzte haben. — ,, Herr 22 „ Herr von Preval wurde, vermög eines Fakultätsschlusses vom 4 ten Fe- „ bruar V74 aus der Fakultät der Aerz- „ te ausgesirichen. ^ Hierüber kam die Sache vors Par- „ lament. Herr v. Preval stellte vor , ,, daß ," um seiner Probe jenes Gewicht ,, von Ueberzeuguny zu geben, welches ,, bey einem so kritischen Gegenstand nö- „ thig sey, es unvermeidlich gewesen „ wäre, daß er sich dem Experiment in ,, Person unterwerfen mußte — und um „ ihr jenes Ansehen der Wahrheit zu ver- „ schaffen, worwider man nichts einwen- ,, den könne, kaß er Bestechung, Ueber- redung oder sonst verdächtige Mittel „ angewendet habe; so habe er die Zeu- „ gen nicht aus dem Pöbel, sondern von „ der erlauchtesten Klasse gewählt. Von . 2Z . ,, Von der Evidenz dieser Grunde ge- „ rührt, zernichtete der Hof den Fakul- „ tätsschluß der Medizin, ^rnd setzte den „ Hrn. v. P-reval wieder in seine Bein dienungen. ^ — Diesem ungeachtet brachten es die Verfolgungen der Fakultät dahin , daß er sein Geheimniß — nicht bekannt machte. Eh' ich weiter rede, muß ich erinnern, daß wir hier vorläufig von der Möglichkeit dieser Erfindung ein bewahrtes Beyspiel haben, und folglich Herr Dr- Paur in Rücksicht seines öffentlich gemachten Anerbietens das günstige Dor- urtheil für sich hat, 'daß sein Mittel Fcht ist. Es ist also nur noch zu untersuchen : ob ein Mittel dieser Art den Staaten und der Menschheit überhaupt zuträglich und allgemein bekannt zu machen rathsam seyn würde 2 -- Denn in diese b 4 Fra- 24 Frage müssen alle erdenkliche Zweifel und Emwürfe, gegen diese Erfindung, sich auflösen. Wenn sich jemand zeigte, der einen Panzer erfände, welcher die Eigenschaft hätte, den Soldaten mitten im Streit unverletzlich zu machen , ohne ihn an der Freyheit seiner Bewegungen zu hindern; würde er nicht den Vorzug vor der ganzen Republik der' Feldwundärzte verdienen ? Ist ein Verrvahrunysmittel gegen das namenlose Uebel der venerischen Krankheit nicht eine Wohlchat, die selbst noch den besten Heilungsmittcln weit vorzuziehen ist? Ins Narrenhaus mit dem, der mir, wenn es in meiner Macht sieht, immer gesund zu bleiben, auflegen will, mich der Gefahr auszusetzen, krank zu werden! Ja, 25 Ja, spricht man: „ Wer ist tzenö- „ thiyt, sich dieser Gefahr auszc setzen? „ ?roLu1 a jove procul ä kulmine. Man lebe keusch und züchtig, und meide den „ allzuvertrauten Umgang mit dem weib- „ lichen Geschlecht, so hat man nichts zu „ befürchten."— Wohl gesprochen, Herr Schulmeister! Sehen Sie, um recht wohlfeil und beynahe oAne Gel- in der Welt zu leben, dürfen Sie nur beständig frische Luft schöpfen, und weder Hunger noch Durst bekommen. Denn wenn man Hunger hat, so frißt man, was man bekömmt, und bey großem Durst säuft man auch säuern Wein oder trübes Wasser. In jedem solchen Fall kann man sich den Magen verderben, und ein Fieber bekommen, drum ists besser, sich mit Hunger und Durst gar nicht abzugeben. Der obige Einwurf hat mit dieser Antwort . gleiches Gewicht. b Z Eilt 26 Ein anderer scheint wichtiger zu seyn. ,, Welche Obrigkeit wird (sagt man) eine ,, Kunst öffentlich bekannt machen, sich ^ vor der Strafe der Liebe in Sicherheit „ zu setzen, durch dieses Mittel die ohne- ,, hin so sehr eingerissenen Ausschweifun- ,, gen befördern, und die Liederlichkeit ,, allgemein zu verbreiten? Wie kann ein ,, solches Mittel, ohne greuliche Vcrle- ,, zung der Sitten bestehen? " Hierauf dient zur Antwort: Co lang die Welt steht, sind Ausschweifungen dieser Art begangen worden, und sie werden nicht eher aufhören, als mit der Existenz der Menschen. Wo ist der Malm, der von der Kindheit bis ins Alter immer festen und geraden Tritts einhergegangen ist, und nie gestrauchelt hat? Und soll er beym ersten Ausgleiten schon Gefahr laufen , zeitlebens lahm zu werden? Man, weiß ju zuversichtlich, daß selbst die schreck- li- 27 lichen Folgen eines Uebels — 6 ont 1 a xaräe veille aux darriercL äu l^ouvre rie 6ekenä xas les R.018 — bisher die Ausschweifungen dieser Art nicht hindern konnten; wie kann man glauben , daß sie weniger häufig begangen werden, wenn man die Gefahr fortdauern läßt ? Warum will matt für Menschen, die gerne naschen, Gift aufstellen lassen , weil es sich nicht geziemt, so lüstern zu seyn? Warum will man die Menschen dem Verderben Preis geben, weil sie — Menschen sind? Wenn denn noch überdies die Absicht in Ansehung der Sitten mit Unterdrückung dieses Verwahrungsmittels und fernerer Beibehaltung der Gefahr nicht einmal erricht würde? Wenn vielmehr gerade das Geyentheil daraus entstünde? Wie dann? Würde man noch den mindesten Anstand nehmen, ein solches Mittel, es sey auch um welchen Preis, zu erhalten? Nun 28 Nun so bedenke man, daß diejenigen, die ihren Begierden den Zügel zu lassen gewohnt find, auch selbst durch die Gefahr der Ansteckung nicht davon sich abhalten lassen. Sie werden also sehr bald ein Opfer ihrer Thorheit; sie bleiben es aber nicht allein, sondern sie stecken alles an, was sich mit ihnen abgiebt — diese thei- len es wieder andern mit, und am Ende ist der.größte Lheil der Nation — vergiftet. Von dieser traurigen Wahrheit überzeugt, müssen zwar die Wollüstlinge, die eben nicht plötzlich zu Grunde gerichtet werden wollen, sich vor jenen Geschöpfen, die jederman Preis sind, in Acht nehmen; aber destomehr Schlingen und Fallstricke werden sie legen, um die rechtschaffensten Frauen, die ehrbarsten, unschuldigsten und jüngsten Mädchen zur Buhlerey und Unzucht zu verleiten , wo sie jener Gefahr nicht ausgesetzt sind, und die Sitten , die man auf der einen Seite 29 zu bewahren glaubte, werden dafür auf allen Seiten verlezet. Wer sich den Teufel bey einem Haare fassen läßt, (sagt Lessing) der ist sein auf ewig. So würde es in Ansehung der neuverführten Weiber und Mädchen seyn. In kurzem würden sie eben so frech, eben so allgemein und — eben so vergiftet als die übrigen Vetteln seyn, und der Himmel sey dann dem gemeinen Wesen, dem Staat und der Bevölkerung gnädig, denn die Welt hätte die beste Hoffnung ein allgemeines Lazareth zu werden. Wenn man gar nichts mehr einzuwenden weiß, wird man sagen: von jedem Hundert der Aerzte würden neunzig ohne Beschäftigung seyn, und vielleicht an den Bettelstab kommen. Gott in seiner Natur, und der Monarch in seinem Staat opfert einzelne Jndividua dem Ganzen auf — warum sollte die Welt nicht einer ner Aufopferung der medizinischen Fakultät werth seyn? Fürsten und Lanöesvater? Euch allein liegt es ob, alles anzuwenden, dieses Geheimniß habhaft zu werden, prüfen zu lassen, und nach befundener Aechtheit eure Völker von einem Uebel zu befreyen, welches die Welt fast eben so sehr drückt, als die Erbsünde. Eure Heere werden Euch Muth, Gesundheit und Kraft, und der Staat eine blühende gesunde Nachkommenschaft verdanken. . < / - ck ^.4 <4 <' . MN