Der Brand von Maria-Zell. enn je durch Elementar - Ereignisse verunglückte Menschen des allgemeinen Mitleids würdig waren, so sind es die durch eine gräßliche Feuersbrunst schwer Bedrängten von Maria-Zell. Die Flamme wüthete dort in der Nacht vom i. auf den r. November d. I. auf eine Weise, daß jede Beschreibung, die das Bild des Jammers wahrhaft vor das Auge bringen wollte, ganz unmöglich wird. Vieles haben öffentliche Blätter bereits darüber mit- gctheilt, aber schwache Umrisse sind es nur von den gräßlichen Scenen der Verwüstung. Der schöne Markt ist nicht mehr; die theure Stätte der Andacht so vieler Tausender ist ein Aschenhügel, und dort, wo das gastliche Dach-,dem frommen Waller sooft freundlich entgegen blickte, grinsen aus hundert schwarzen, verkohlten Vrandhaufen Elend und Verzweiflung hervor. Das herrliche Gotteshaus, das Stiftsgebäude, die Post, alle ansehnlichen Bürgershäuser sind zerstört; keine menschliche Macht war im Stande, dem flammenden Zorne der Elemente Einhalt zu thun; denn ein Sturmwind von der gräßlichsten Gewalt hatte sich zur höchsten Steigerung der Gefahr erhoben, und von ollen Punctcn zu gleicher Zeit angefacht, ward« ganze Marktnur ein Feuerpfuhl. Männer, die in der rauhen Schreckensnacht den Flammen entfliehen wollten, wurden gleichsam durch den Sturm auf ihrem Wege gehemmt, und gegen die Jammerstätte wieder zurückgetrieben; Weiber, Kinder, Greise, Kranke, Sieche hätten im Kampf mit den Elementen schauderhaft umkommen müssen, wenn sie sich nicht in Verzweiflung aneinander geklammert, unddurch den Gedanken, dem sichern Tod zu entgehen, gewaltsam aufgerafft hätten. Dennoch starb mancher Säugling; manches zarte Kindchen; manche arme Wöchnerinn aus Schreck und Todesangst. Zwölf Menschen, darunter ein Paar biedere Familien-Häupter, fanden im Flammenmeer ihr Grab. Auf diese Weise sind m Häuser, die schöne Kirche, deren Dach, Thürme und Glocken gänzlich zu Grunde gegangen ; die Geistlichkeit, nachdem sie das Gnadenbild gerettet , mußte sich in das k. k. Gußwerk flüchten, das überhaupt ein Asyl für die Halbnackten, oder in elenden dürftigen Kleidern ausgewanderten Bewohner geworden ist. ' Dort und im Frcyen auf ihren Brandhügeln wimmern einhundert fünfzig Familien ohne Brot, ohne Kleidung, ohne Betten, ohne dem Nothwendigsten, was zum Leben gehört. Jammer und Schrecken,, die gegenwärtige harte Jahreszeit, die tückische Kälte der Gebirgsgegend, dann die furchtbare.Anstrengung in der Schauernacht haben die Mehrzahl krank und elend darniedergedrückt; ach! sie bedürften so sorgsamer Pflege, und cs ist ihnen nicht so viel geblieben, einen Löffel Suppe oder einen Tropfen Arzeney zu erkaufen. Kaum geborne Wesen frieren auf verbrannter Erde; alte Mütterchen lesen mühsam das angesengte Stroh zur Lagerstätte auf, und viele Wöchnerinnen rafften in der ersten Nacht die Gluth der verbrannten Habseligkeiten zusammen, den erstarrten Säugling vor dem Froste einigermaßen zu schützen. Das Gnadenbild ist zwar gerettet, aber die heilige Mutter Mariä, die mit himmlischer Liebe mildreich unzählige Christenherzen an ihrem Altäre ausgenommen, tausend und abermahl tausend andächtige Wallfahrer mit heiliger Beruhigung entlassen und erhört hat, an die sich Millionen gläubige Seelen im inbrünstigen Gedeihe gewendet, die seit Jahrhunderten zahllose Detherscharen erquickt, blickt traurig herab auf die verwüstete Stelle ihrer Verehrung. Soll sie im Schutte bleiben die heilige Stätte? Sollen diejenigen noch länger im Jammer leben, die den frommen Pilger so oft in ihr Haus ausgenommen und den Tisch ihm gedeckt haben? Sollen dort die Bitten an unser Mitleid ««gewürdigt verklingen, wo so oft und so freudig unsere stillen Seufzer erhört wurden? Maria-Zell ist schon jetzt das Losungswort zum Wohlthun für jedes fühlende Menschenherz. Schöncrsoll der durch reine Andacht geheiligte Markt durch unsere Hülfe hcroorgchen, als er je bestanden, und die Gaben, welche Mitleid und Liebe bringen, werden der heiligen Mutter schönstes Opfer seyn! Beyträge für die Unglücklichen von Maria-Zell übernehmen die Herren Pfarrer und die löbliche k. k. Polizey- Ober-Direction in Wien. Kleinere Spenden, da jeder Groschen mit dem innigsten Danke angenommen wird, sind der v- Haykul'schen Buchdruckcrey, obere Bäckerstcaße N*' ?5r zu ebener Erde, gefälligst zu übergeben. Auswärtige wenden sich an den Verfasser dieses Aufrufes, der, wie bisher, die eingelangten Beträge eiligst an die löbl. k. k. Polizey - Direktion übergibt, und wo für jede Spende amtlich quit- tirt wird. Die öffentlichen Blätter weifen jederzeit die sämmt- lichen milden Gaben mit dem gebührendsten Danke aus. Gott gebe auch diesem Aufrufe seinen Segen! Adolph Bäuerle/ Redacteur der allgemeinen Theaterzeitung, in Wien (Jägerzeile N"' Sio).. «W- V - ^(-v