Brand-Unglück z» Poseg in Slavonien. (Auszug aus der Wiener Zeitung Nr. 144 vom 27. May 1842.) <^"^ährend die Unglücksfälle, welche vor Kurzem die gewerb- reiche Stadt Steyer in Ober-Oesterreich, und erst neuerlich das weltbekannte Hamburg durch gräßliche Feuersbrünste getroffen, die allgemeine Theilnahme des Inlandes und letztere sogar jene fremder Welttheile erregen, und bedeutende Unterstützungen von vielen Seiten herbeyführen, betrauert ein wenig gekanntes, am äußersten Ende der Oesterreichischen Monarchie nicht ferne von der Türkischen Gränze gelegenes Städtchen von kaum 3000 Seelen, Poseg in Slavonien, den 29. April l. I. als jenen verhängnisvollen Tag, an welchem die Wuth der Flammen seine sich kärglich vom Acker- und Weinbau nährenden Einwohner in das äußerste Elend versetzte! 176 Häuser, worunter das Comitat-und das Rathhaus, das städtische Spital, das Franziscaner-Kloster sammt Kirche und Bibliothek, die Griechische Kirche, mehr als 500 Scheunen, Ställe u. s. w. wurden in wenig Stunden, ohne daß irgend eine Rettung der Habschaften und Vorräthe möglich gewesen wäre, ein Raub, und mehrere Menschen ein Opfer der Flammen! — Selbst was ihrer Wuth durch Abreißring der wenig übrigen, größten Lheils mit Stroh oder Schindeln gedeckten Dächer entging, bicthet nun auch nur noch ein trauriges Bild der Zerstörung! Keinerjener Umstände, welche, wie die Erfahrung lehrt, nach ghnlichen Unglücksfällen so manche» Ort, gleich dem Phönix aus seiner Asche, verjüngt und verschönert erstehen machten, ist für dieses arme Städtchen vorhanden. Durch seine topographische Lage fast von allen Berührungen und Werkehr mit der übrigen gebildeten Welt ausgeschlossen, ohne Handel, ohne industrielle Erwerbs-Anstalten, ohne-reichere Mitbürger, die das gemeinschaftliche Elend zu lindern vermöchten, fristen die Werunglückten bisher nur durch Fürsorge der Behörden — durch die^Wohlthaten einiger entfernter Menschenfreunde und durch die Gaben, welche die selbst Unbemittelten ihren zu Bettlern gewordenen Brüdern reichen, ihr nacktes Lebe»! Aber in Ermanglung aller sonstigen Hülfsquellen, sehen sie sich für immer außer Stande, nicht sowohl auf allmähligen Ersatz ihrer verlornen Habe, sondern sogar auch nur auf die Wiedererrichtung ihrer bescheidenen Wohnstätten , oder auf die Erlangung eines schützenden Obdachs zu denken, wenn nicht menschenfreundliche Hülfe ihnen zu Lheil wird! e Auf eine gütig waltende Vorsehung vertrauend, erheben sie als treubewährte Unterthane» ihr thränendes Auge zu einer väterlichen Regierung — ihre Bitten zu der bewährten Menschenliebe und Mildthätigkeit aller ihrer Mitbriider im großen, weiten Kaiserstaate! und wenn auch von diesen durch ähnliche Ilnglücks- fälle so oft und noch neuerlich in Anspruch Genommenen der Ersatz des auf mehr als 420.000 fl. C.M. gerichtlich erhobenen Schadens bey weitem nicht zu erwarte» ist; so wird doch jede, wenn auch scheinbar stoch so unbedeutende Gabe mit dem fegenbringenden Dank der Unglücklichen angenommen, in die öffentlichen Blätter eingerückt, und die menschenfreundliche Absicht des Gebers mit Rührung gewürdigt werde». (Das Comptoir der Oesterreichisch-kaiserl. privil. Wiener Zeitung nimmt auch für diese bedauernswürdigen armen Unglücklichen Beyträge zur Linderung des Elends derselben bereitwilligst an.)