Herr Gschaftlhuber im Mirakelkeller. Ein Gespräch. Schneidermeister Gschaftlhuber sitzt neben Mehreren an einem Tische, Michael, ein Bauer, tritt eben herein, sieht sich überall um, und da er Gschaftlhuber bemerkt, geht er auf ihn zu. Michel. Ah, grüß' Gott, Vetter Gschaftlhuber! Gschaftlhuber. Servus, Vetter Michel, nur her da zu unfern Tisch. Was macht denn der Vetter heut in der Stadt herin? Michel. Hab do amal einer schau'n müß'n, weils draußt gar so viel plausch'n, was herin alles g'scheg'n is. Gschaftlhuber (wichtig thuend) Halt ja, hab'n wir Großes in Wien herin than. — Was hat denn der Vetter schon Alles g'hört und g'seh'n herin? Michel. Wen'g g'nua bis data. — Sag mir der Vetter, was bedeuten dann die Fahn'ln bei olli Häuser, da z'Wien schaut's ja g'rad aus, als wie bei mir dahaml, worin da Kaisaki- kita i s. Gschaftlhuber. Za wohl hat jetzt der Kaiser und sein Volk ein'n Kirchtag g'halten, wo Einige, nach denen ihrerPfeifn wir sonst tanzt h a b'n — g'sprungen sein. Michel. Versteh scho.—WaS ist denn da- wieder Neug's die Preßfreiheit? Gschaftlhuber. Preßfreiheit? — Sieht der Vetter, VaS ist das: wenn der Vetter j. B. auf ein'n ein Zahn, oder-wie ma a sagt ein Pik hat, so laßt er was über ihm drucken — der Andri, der laßt wieder waS übern Vettern druck'» — j'erst gift st der Ani — nachher g»fk sie den Vetter — s'Publikum lacht sie in Buckel voll über alle Zwa — der Buchdrucker verdient a schön'sGeld dabei — und die G'schicht is aus. — Das heißt man Preßfreiheit. Ein Nebensitzender. Sie haben Ihrem Vetter vom Lande, wie es leider nur zu oft geschieht — nur die Nacht heile der Preßfreiheit gesagt, ohne ihn über die weil überwiegenden Vortheile derselben aufzuklären. — DaS was Sie sagten, ist die leider von der Preßfreiheit unzertrennliche P re ßfrech h eit, und Schande über jene Schmierer, welche sich mit Verfertigung solcher Pamphlets abgeben, wie über jene Buchdrucker, welche sie verbreiten. — Die wahre Preßfreiheit besteht darin, die Wahrheit in politischer, theologischer und überhaupt wissenschaftlicher Beziehung ohne Furcht vor dem schrecklichen streichenden Rothstift sagen zu dürfen: Sie dient, das Volk aufzuklären — es mit den Gedanken erhabener Geister bekannt zu machen — zur Veröffentlichung der freisinnigen Gesinnungen aufgeklärter, einsichtsvoller und sachverständiger Männer über die Mängel und Zrrthümer der Regierenden — die Reste stumpfsinnigen Aberglau- 3 benS in religiöser Hinsicht zu zerstören — Ideen und Begriffe zu erläutern, die das Volk wohl bi» jetzt seinem Wortlaut nach kannte, die eS aber, da jede Erklärung und Auseinandersetzung desselben durch die Censur verhindert wurde, nicht verstehen konnten. — Diese kurze Erklärung genüge Euch für heute. Die Preßfreiheit selbst ist ihr eigener bester Erklärer, das heißt: die unter der Aegldie derselben erscheinenden Schriften werden Euch den Nutzen derselben praktisch kennen lernen und begreiflich machen. Michel (kratzt sich den Sprecher nach der Seite ansehend hinter den Ohren,) A Bißel kennet i mi jetzt scho aus, aber ganz no nit, (zu Gschaftlhuber:) Sag mir der Vetter, was is denn das Constitution? Gschaftlhuber. Die Constitution? — No, sieht der Vetter, früher iS Alles in einer groß'n Kanzlei, die's d'Staatskanzlei gheiß'n hab'n — in ein» Saal ausg'macht wor'n. Jetzt hab'n's den Saal zug'spirt, und hab'n zwa Kammern g'nommen, wo Alles ausg'macht wird und, wie man hört, woll'n'S die ein' Kammer verlaß'» und nachher wird Alles in Einer Kammer auS- g'machl. D e r Ne b en si tze n de. Soll das ein Witz sein, so ist er schal genug; soll es aber wirklich eine Erklärung des Begriffes Constitution sein, so ist sie ganz unrichtig und sinnlos. — Mein lieber Vetter vom Lande, wir Haben noch keine Constitution, aber wir werden sie, dem Versprechen unseres gnädigsten Kaisers zu Folge, 4 erhalten. — Die drei wichtigsten Punkte der« selben werden sein: Vertrettung des Volke- durch sich selbst, Verantwortlichkeit der Minister, Veröfflichung der Einnahmen und Ausgaben deS Staate-. Das Erste begreift das Recht des VolkeS in sich: aus seiner Mitte eine Anzahl Mitglieder, und au- allen Ständen desselben zu wählen, die seineRechte wahren und vertheidigen. Das Zweite das Recht von den Ministern die Darlegung derGründe ihrer Handlungen a bz uv erl a n g en und daS bis jetzt so geheim gehaltene Gew irre der Fäden der Politik denStellver- trettern offen darzulegen. Das Dritte endlich: Die Verpflichtung der Minister, die in die Staatskassen eingeschlossenen Gelder und deren Verwendung auszuweisen, die Gründe dieser Verwendung zu rechtfertigen, die Ueber- schüsse der Einnahmen einzubekennen und zur ferner» Gebahrung zu hinter! egen. Ein Mehrere- mein lieber Vetter vom Lande ein anders Mal, (geht) Gschaftlhuber und Michel sehen ihm kopfschüttelnd nach. Zu haben bei dem Verfasser Gumpendorf, untere Annagaffe, Nr. so? im 2. Stock, Thür Nr. s. Gedruckt bei Ferdinand Ullrich. r.Lx-.