D i e wahren Ereignisse der gräßlichen Inden - Verfolgung r n Preßöurg. (Treu geschildert von mehreren Augenzeugen.) Gedruckt kei Joseph Ludwig. .Wenn auf dem Laude, auf dem Dorfe der ererbte Judenhaß Lu Raub und Plünderung sich Luft macht, so ist es kein Wunder; empörend aber und unverzeihlich ist eS, wenn in einer Stadt, die auf Intelligenz und Bildung Anspruch macht, die feit langer Zeit die Krönungsftadt ungarischer Könige ist, solche schreckliche Räuberscenen vollführt werden. Einer Sitzung zufolge, welche im Gebirge bei Preßburg im sogenannten Potzenhäusel Statt fand, wurde verabredet, die Juden aus der Stadt zu vertreiben. Sonntags den 23. April versammelten sich beinahe 300 Lehrburschen, zu denen sich noch ELfenbahntaglöhner, Slovaken, Schiffsknechte, Hauer und anderes Gesindel gesellten, in der Au, woselbst sie traktirt wurden und jeder 6 kr. C. M. erhielt; alle mit Prügl, Stangen rc. bewaffnet. Als sich der Zug über die Schiffsbrücke fortwälzte, begegnete ihnen Jemand, dem sie ein Glas Wein anbothen, mit den Worten: er möge bei der Judeu- vertreibung bebülflich sein. Da bin ich gleich dabei, lautete die Antwort. Unter Jubel, Lärmen und Eljen-Geschrei steuerten sie gerade auf dem Schloßberg los. Die Juden, von nichts Ahnung habend, vertheidigten sich bei dem Angriff so gut es gehen konnte mit Steinen und Gewölbstangen. Auf beiden Seiten waren tödtlich Verwundete. DaS Gitter zum Ghetto ward an beiden Enden der Judengasse gleich anfangs geschlossen. Mehreren Gutgesinnten gelang es zwar die gräßlich tobende Menge zu vertreiben, bap aber rotteren sie sich wieder mit verstärkter Menge an beiden Seiten der Judengasse zusammen. Nun ging das Plündern los, Gewölber wurden erbrochen, Leinwänden, Seidenstoffe, Kleider, Möbeln zerrissen, zerschnitten hinausgeworfen, fortgeschleppt. Laut Verabredung waren die christlichen Häuser, theilS mit Cruziflx«, versehen, zum Zeichen, daß hier nicht geplündert werden darf. Die vom seligen Todesco gestiftete Ksirdecbewahranstalt, ist bis auf zwei Mauern gänzlich zerstört, Einer auf dem Andern stehend, erklimmten sie den zweiten Stock, alles verderbend alles vernichtend, dieses dauerte bis 2 Uhr Nachts, oa wurde aus einem Fenster der Bewahranstalt auf die Soldaten geschossen, die inzwischen zur Befchützung yevangezoge.n waren. Das Militär den bra- vtli Graf La mb erg an der Spitze gab Feuer 9 blieben am Platze Hierauf zerstreute sich der Pöbel mit der Drohung sich morgen, d. i. Montag de» 24. zu rächen. Inzwischen wurden in der Nacht die Lobten bei der Wohnung des Grafen Lamberg aufgestellt. Nieder mit ihm erscholl es aus jedem Munde. Merkwürdig bleibt es daß, obschon der Pöbel die Drohung sich zu rächen ausgesprochen hatte, dennoch das Militär während der Nacht zurückgezogen wurde. Montag erneuten sich die Gräulscenen mit verdoppelter Wuth, da ward nicht nur geplündert, sondern auch gestohlen, geraubt, dieß dauerte bis 1.1 Uhr Vormittags, kein Militär keine Rationalgarde. Za, Ermunterung von allen Seiten, lautes Bravo erscholl von den Fenstern, so oft ein Gewölb erbrochen wurde, so oft ein Stück Leinwand unter die Menge hinausflog. Endlich erschien Nationalgarde, aber viele, um Lheil am Raub zu nehmen, auch ansäßige Bürger kamen, zum Scheine die Masse besänftigend und abhaltend, in Wahrheit aber ihre Arbeiter rauben zu lassen, wie man auch wirklich bei einem Bäckermeister unter dem Mehle LO Stück Leinwand versteckt fand. Gold und Kleinodien wurden bei vielen sonst geachteten Leuten erkannt. Ein Weibsbild wollte in einem Kindersarge Gold und Silber versteckt forttragen. — Solche Diebereien gab es unzählige, Leichen wurden ausgegraben um vielleicht Schmucksachen zu finden. Und alles dieses geschah hundert Schritt vom Comitatshauft. Unbe- Zreiflich! Roch immer dauern die Unruhen fort. Kaum glaublich ist es, daß in einer Stadt, so nahe an der Residenz, i.m 19. Jahrhunderte solche grausenerrcgende Abscheulichkeiten verübt wurden, die jedes fühlende Mensehcnherz empören und mit gerechtem Zorne erfüllen müssen. Nicht glaublich ist es, daß es Ungarn waren, die mit solcher Schande nnd Schmach sich besudelt haben. Nein, das waren keine Magyaren, nicht jenes große heldenmüthige Volk, das zu jederzeit mackcllos dastand. Jene Meister können keine Ungarn sein, die ihre Burschen zum Raub und Plünderung aufwiegelten, um sich dadurch zu bereichern. Ungarn, ihr könnt nichts für solche Ausbünde der menschlichen Gesellschaft, bestrafet diese Räuber, recht» fertigt euch vor euren Nachbarländern, die mit Verachtung auf euch herab» sehen und sich schämen muffen, daß solche Gräuel in ihrer Nahe geschahen, worüber ganz Europa entrüstet ist; leben wir im grauen Alterthume, in den Zeiten des Faustrechtes? Weiset sie aus eurer Mitte, treibet sie hinaus aus eurer Stadt, jene Schandbuben, die sich nicht gescheut, eurem bisher unbefleckten Rufe ein falsches Schandmahl aufzuheften. Sie sind keine Menschen, raubgierige Hyänen sind sie, auf sie falle das Blut der Getödteten. — Mögen sie nimmer ihres Blutes sich rrfreueu; Fluch und Verderben ihnen. Herrman« Breuer. 1^. FrLnLI 4