W i e soll die Nationalgarde exerziert, und in i e gekleidet werden? Vvicht zu spät kommen! das ist in Allem die Hauptsache. Also zur Sache! zur Sache! und weg mit allen Weitläufigkeiten , sie taugen nichts und ermüden nur. Die Nationalgarde kann täglich, stündlich in den Fall kommen, von der Waffe Gebrauch machen zu müssen. Folglich fangen wir damit an, das Nothwendigfte — mit Hinweglassung des pedantischen Schlendrians — zuerst zu besprechen, und beginnen mit dem Gebrauch des Gewehres. — Das umfangreiche Ererzier-Reglement der Armee enthält für die Nationalgarde nur wenig Punkte, die sie brauchen kann, sie lassen sich auf einen Druckbogen beschränken; und der Nationalgardist, wann er nur einigermaßen Gelenkigkeit und Fassungskraft hat, muß in vier Wochen (die Fertigkeit abgerechnet, welche sich nur durch längere Einübung ergibt) abgerichtet sein. Wie soll die Abrichtung vor fich gehen? Man ist der Meinung, daß hierzu recht viele Abrichter noth- wendig wären, und ruft nach Offizieren und Unteroffizieren aus der Armee. — Gefehlt! Vorerst ist für einen Ort nur ein einziger Abrichter nothwendig. — Man mißverstehe mich hier nicht. Ich sage ein einziger Hauptabrichter sei nöthig; das heißt, zur Bildung der übrigen Abrichter. Von diesem Lehrer allein muß die Gleichartigkeit (die wahre Grundlage aller militärischen Uebungen) ausgehen. Nicht sollen ausgediente Militärs ihre veralteten Handgriffe niit ermüdender Pedanterie als: P r ä- sentirt!, der Daumen kommt dahin — die Finger dorthin^ Herunterleiern. Das Gewehr anziehen, Nicht euch ist genug, wenn es schon eine Ehrenbezeugung geben soll; aber der Nattonalgardist wurde nicht geschaffen, um Komplimente zu machen. Ein einziger Abrichter, der aber die Sache versteht und der den wahren Zweck vor Augen hat, genügt vorerst. Dieser sucht sich aus allen Kompagnien jene Jünglinge oder Männer heraus, welche Gelenkigkeit erwarten lassen, welche etwa in Leibesübungen, besonders in der Fechtkunst Fertigkeit haben. Diese versammelt er dann zum Unterricht im Exerzieren. Er beginnt mit dem Ge- brauche des Gewehres, und schreitet dann zur Einübung der erforderlichen wenigen taktischen Bewegungen. Hat er diesen seinen Unterricht praktisch beendet,-nämlich so, daß er sich in Gegenwart Aller, einen Mann nach dem andern zum Rekruten wählte, dann läßt er die Abrichtung, unter seiner Obhut, von allen Individuen, wo immer Einer dem Andern zum Rekruten dient, so daß jeder zuerst Rekrut und dann Abrichter wird, vor sich gehen. Aus diese Weise allein wird sich eine vollkommene Einheit in der Ablichtung ergeben, welche, bei unermüdetem Fleiß, in vierWo- chen erlangt werden kann; und dieß, wie gesagt, ohne Hilfe von Unteroffizieren aus der Armee. Eben so müßten die sehr wenigen und kurzen Kommandowörter eingeübt werden. Der einzige Hanptabrichter stellt sich in die Mitte des Kreises der jungen Rekruten, und ruft und betont, nach der Größe des Truppenkörpers bemessen, die wenigen verkommenden Kommandowörter, und alle klebrigen rufen es ihm einzeln, der Reihe nach, auf gleiche Weise nach. Ist nun diese Abrichtung der zu Abrichtern bestimmten Individuen zu Ende, dann verfügen sich diese zu ihren Kompagnien und die allgemeine Abrichtung nimmt ihren Anfang. Abrichtmig mit dem Gewehr. Womit der Soldat in der Armee (zum Schluffe der Handgriffe) aufhört, gerade damit muß der Nationalgardist beginnen, denn das thut vor Allem Noch: Es ist das Laden, Zielen, Schießen und Treffen. Von der Waffe muß man Gebrauch zu machen wissen, sonst liegt sie als todtes Gut in den Händen. — Die Lehre vom Laden, Schießen und Treffen findet sich im Exerzier - Reglement der Armee. Für das richtige Z i e- len und Treffen sollten auf allen Wachstuben — und beider jetzigen schönen Zeit auch außer den Wachstuben — Scheiben angebracht werden, um nur vorerst — ohne wirklich zu feuern, was aber bald Nachfolgen müßte — den Unterricht von den verschiedenen Distanzen in Hinsicht der Tragweiten, dann von den Schlußwirkungen und von der Lehre der Visirlinie zu geben; so wie überhaupt es besser wäre, die Zeit der Wache zu derlei Übungen, als zu unnützem Geplauder zu verwenden. Diesen Einübungen würde das Bajonettfechten folgen. Eine für den Nationalgardisten ebenfalls höchst nothwendige Ver- theidigungsart; man kann nicht wissen, ob sie nicht gegen Spieße und Sensen einst eine gute Wehre wird. — Also Bajonettfechten — Laden — Schießen — Treffen, dann Kolben-Hoch — das Gewehr in die vslanoe und — zum Sturm — fällt das Bajonett. Dieß ist Alles, was der Nationalgardist braucht, um mit dem Gewehre fertig zu sein. Nun komme ich zu den wenigen taktischen Bewegungen, welche erforderlich sind. Vor allem — kein zögernder Paradeschritt! — nur zwei Schrittarten, nämlich: Manövrir- und Geschwindschritt (Doublirschritt). 1. Frontstellung zu zwei Gliedern*); das dritte ist unnütz — der dritte Theil der ganzen Stärke geht dadurch verloren. -— Soll eine Truppe gegen Kavallerie-Angriffe verwahrt werden, so ist hiezu die Masse bestimmt, und um ein Frontfeuer zu geben, sind zwei Glieder hinlänglich. — 2. Frontbrechung in die Kolonne, geschieht mit Doppelreihen oder mit Abtheilungen. Dann folgt wieder der Aufmarsch in die Front, oder: — 3. Schließung — Masse, und wieder Aufmarsch aus derselben. 4. Sturmkolonne zum Angriff mit dem Bajonett. 5. Plänklerwesen. — Und somit wäre alles hier angegeben, was die Nationalgarde bedarf; die Art der Einübungen findet sich im allgemeinen Erer- eier - Reglement. Alles andere ist Ueberikuß, und muß hinweg- bleiben. Mehr als die Hälfte der Zeit wird dadurch gewonnen; und überdieß — keine Ermüdung! — Bekleidung der Nationalgarde. Kopfbedeckung. Kleine, aufrechtstehende Kappe von Tuch, — grau oder schwarz — mit einem Sonnenschirm und einem zum Auf- und Abschlagen eingerichteten Regendach, welches durch ein breites in die Mitte eingenähtes Fischbein — der Länge nach — verstärkt wird, so, daß dadurch der Nacken eben so gegen den Regen als gegen einen Hieb, so viel als thunlich verwahrt wird. — Die Kopfdecke der Kappe erhält ein eingenähtes Kreuz aus starkem Fischbein, zum möglichsten Schutze gegen Säbelhiebe. — Verziert ist die Kappe durch eine weiße und rothe Kokarde, worin *) Napoleon und Wellington erkannten schon den Vorzug der zwei-Glic- derstcllung vor jener zu dre i. die Nummer der Kompagnie zu ersehen ist, und dann durch ein Wollbüschel, ebenfalls weiß und roth. Ein breites, ledernes Sturmband hält die Kappe unter dem Kinn. Der Waffcnrock — (seiner Form nach schon bekannt) — dürfte aus dunkelblauem Tuch — Kragen und Aufschläge mit rochen Leisteln versehen — sich als zweckmäßig ausweisen. Zu beiden Seiten — vorne und so auch rückwärts — befänden sich zwei Rocktaschen; die vordern beiden, in gleicher Höhe mit den Hüsten, würden mit ledernen Patronenhülsen — zu jeder Seite 10, welche einen ledernen Ueberschlag hätten — versehen sein. Bedarf der Nationalgardist der Munizion, so füllt er die Hülsen mit 20 Patronen, womit er vollkommen genug hat. (Ein Gürtel um den Leib, mit einer kleinen Patrontasche in dessen Mitte, würde ganz zweckwidrig sein. Dieser Gürtel, nur leicht um den Leib geschnallt, würde herabrutschen, und fest geschnallt, würde er nicht nur der Beweglichkeit hinderlich sein, sondern auch nach einer anhaltenden Dienstzeit dem Manne schädlich werden. Jede Beengung um den Unterleib ist nachtheilig. Der Infanterist der alten Zeit hatte den Säbel um den Leib geschnallt; und der angeführten Gründe wegen, wurde diese Art der Tragung abgeschafft. — Weg damit!) — Die Farbe des Beinkleides wäre grau. — Pfeffer und Salz. Das lange Bajonett des Jägerstutzen wird an einer leinenen Gurte, überschwenkt, unter dem Rocke getragen, woraus der Griff durch einen Einschnitt im Rocke hervorfteht. Die Offiziere der Nationalgarde sollen mit einfachen Erkennungszeichen, aber keineswegs mit prunkenden Auszeichnungen versehen sein. Und somit hätten wir die uns gestellte Aufgabe zu Ende gebracht; wer es, praktisch, besser versteht, spreche sich aus und nütze so der guten Sache. Von einem Militär, der das Einfache, das Zweckmäßige und somit das Praktische liebt. I.. Wir» I8i8. GeLruckt bri Earl GerolS.