30 polnische Dcpulirlc Detevsduvg T8cnn die Berichte, die uns von Rußland zukommen, wahr sein sollten, so wäre eS Pflicht und Recht, daß jeder der ein Herz im Leibe trägt, frei und offen auftrete, und mit aller zu Gebothe stehenden Kraft, den gedrückten und zur Schmach der Welt behandelten Unterthanen Rußland zu Hilfe eile. Es ist zu viel anmaßend, sich Ln der jetzigen Zeit, wo ganz Europa von dem Gefühle der Freiwcrdung durchzückt ist, wo die ganze Mensch, heit mit einem Munde um seine Gerechtigkeit und Würde schreit, in dieser Zeit ist es zu herausfordernd, wenn ein Despot im Angesichte aller Welt, die größten Nero'fchen Tiranneien an seinem Volke ausübt. Es ist menschentehrend, heißt allen unfern Bestrebungen und Gr- rungxnschaften hohnlachen, wenn in diesem Zeitpunkte solch' unerhörte beispiellose Willkühr und Eigenmacht verübt wird. . Soll zu solchen Gräuelthaten geschwiegen werden? soll keiner es wagen der Herrschergewalt entgegen zu treten? und ihr die schuldlosen Opfer aus den Klauen zu reißen, so stehet eS schlecht mit unserer Freiheit, und wir verdienen diese um so weniger, als wir die Qual und die Schmach rrnstrer Brüder in Osten gleichgiltig mit ansehen können. Wer eine Zunge hat, der rede, wer Augen hat, der sehe, wer eine Hand hat, der biethe sie hilfreich dar, denn was noch keine Weltschichte erzählt, geschah in unsrer Zeit, in jenem Reich, wo der Czaar regiert und mit dcnr T rannen Asur spricht: Mein Sitz ist sternenhoch, ich bin der Höchste. Die Lage Pohlens ist entsetzlich, diese im eigenen Sande Vertriebe* uen irren umher, Haschen nach allen Seiten um Hilfe. Gleich einer zu Ende brennenden Kerze, deren Flamme vor dem Erlöschen noch auflodert und um sich leckt, die letzte Nahrung zu erhaschen, so auch die polnische Nation. Nur die Verzweiflung konnte ihnen den Entschluß geben, den Schutz Rußlands anzusprechen. Nur der böse Geist konnte ihnen diesen Rath eingeben, wenn eS wahr sein soll, geschah es auf Zureden des Großfürsten Paszki ewicz — von Warschau eine Deputation, aus dreißig Cdelleuten und Grnndherrn bestehend, nach Petersburg zu schicken, den Czaar zu bewegen, das gesammte Pohlenreich mit seiner Macht zu vereinigen, und zu beschützen. Die Deputation langte in der russischen Residenzstadt an, trugen mit Wärme ihre Mission vor und wurden ruhig angehört. Ach, welch' elende Lage muß cs styn, sich einer despotischen Gewalt zu unterwerfen, und darin Trost und Beruhigung zu finden, die Unterwürfigkeit angenommen zu sehen. Die Deputirten dachten gewiß, als sie der außerordentlichen Gnade theilhaftig wurden von Nikolaus angehört zu werden, mit der traurig freudigen Nachricht zu ihren Sendern nach Warschau zurückzukehren, und die Genehmigung ihrer Bitte mitzubringen. So dachten diese geblendeten und unglücklichen Abgeordneten, welche ihre Heimat aus Verzweiflung ver- mäklen wollten, aber ganz anders dachte der Alles verachtende und Alles höhnende Czar. Höre es Welt und schaudere! Höre, was sich ein Despot im Jahre 1848 erlaubt! Höre wie man in Rußland Deputirte aufnimmt, und wie ma:r das Vertrauen eines Volkes schändet! Die dreißig Polen, deren Mission ruhig bis zn Ende inSgehört wurde, führte man von dem Audienzsaale desCza- reu zum Heukerplatz, und alle dreißig wurden sogleich er* barmungslos gehenkt. Soll dieser Bericht, der den 30. April Abends hier ruchbar wurde wahr sein, so kann aus diesem schrecklichen Ereignisse deutlich genug dir Waltung Gottes ersehen werden, die dem Pharao daSHerz verstockte und er durch Gewaltthaten die Völker aufreizte, damit die Rache an ihm genommen werde, die er unstreitig verdiente. Auch haben die Polen, die einen so übereilten Schritt gewagt, nur Gott zu danken, daß jenes barbarische Verfahren sie den falsch eingeschla- genen Weg erkennen machte. Möge eS jedem als warnendes Beispiel dienen, daß, wo Heillosigkeir herrscht, keine Theilnahme kein Erbarmen zu finden ist. Kann sein, daß die Deputaten die besten und edelsten Männer wa- ren, aber von der Minute hingerissen — fehlten sie, und haben auch ihr Vergehen gebüßt. — Gott hat ^ihnen verziehen. Ihr Blut aber schreit: Rache an der schauderhaften Ungerechtigkeit, der sie als Opfer gefallen. 827 ""- I... L. s »druck bei M. LeÜ, keopoldftavt, Nr. -Nt»