Die Geburtsweheu der neugebornen Preßfreiheit, Nationaigarde und In tiefster Ehrfurcht gewidmet S» k. Hoheit dem Erzherzog Stephan Palatin von Ungarn, Retter Oesterreich«. Von Johann Maria. Gardist der academischen Legion des Mediziner -TorpS. Wien, den 22. April 18^8. Gedruckt bei Zose.f Ludwig, Josefstadt Fl°r»»iga Vorrede Ä?it gerührten Herzen habe ich die zwei Blätter gelesen, welche uns die drei Tage der Märzwoche schilderten, ja die Verfasser jener Blätter mahlten die Tage mit einer so grellen Farbe, daß jedes Gemüth höchst angegriffen sein muß. Wie ruhig steht noch der Steinhaufe am Judenplatze, der von dem Volke benützt wurde, daß sich das Firmament verdunkelte? Wo liegt jene Anzahl Menschen, die in Folge der Kugeln todt geblieben sind, in der Stadt, welche gleich als ein Gewitterhagel auf die Menschen geschossen worden sind? Over sind uns von Seite des kaiserlich allgemeinen Krankenhauses nicht alle Leichen gezeigt oder beschrieben worden? Ich habe Alle gesehen und werde Selbe in meiner Verfassung genau angeben. Was bleibt uns für die Zukunft für eine Erinnerung übrig, wenn wir diesen Blättern und Worten glauben schenken? Stellen wir die unwahren Begebenheiten zusammen, so bleibt uns als Andenken, für Wien, eine kleine Scene von Berlin. Und dieses wollen mir unfern guten großen Kaiserhause nicht nachsagen lassen. Wir haben von unser» gütigen Monarchen in drei Tage, Das erhalten durch Ordnung und Ruhe, um was sich andere Nationen Monate gestillten haben. Möge daher jeder gut gesinnte Patriot, der nach Wahrheit strebt diese lügenhaften Blätter verwerfen um so unser Österreich, welches auS der Nacht durch die Morgenröthe in den S onnenglanz erschienen ist, vor falschen Gerichten in den ferneren Provinzen zu sichern. Und für die gefallenen Opfer, welche aber nicht gar so viele sind, werfen wir den Schleier Über d-lS Geschehene, und lassen wir jeden, der da Schuld hat, der Gefallenen Verzeichnung zukommen. Denn nichts in der Welt ohne Opfer. Der Verfasser. Es war Sonntag den 12. März 8 Uhr Früh, als der hochgepriescne Herr Professor Hye auf dem Palkone der Universität erschien, und seine Stimme crtönnen ließ, und die Studenten zur Ausdauer in dem heißen Kampf, der ihnen bevorstanö ermunterte, ja Er versprach Ihnen mit seinem eigenen Leben zu bürgen und nicht eher nachzulassen, bis sie nicht das erhalten werden, waS ihnen zwar schon lange versprochen aber immer von denen, die selbst über Kaiser in Volk den Kernschatten geworfen hatten, Vorbehalten wurde. Gleich einem gehorsamen Kinde gelobten die Studenten sich ganz der gerechten Sache zu weihen, und zogen nun um i Uhr Nachmittag nach Hause. Groß war der Lärm, der sich sogleich kund gab, noch großer die Neugierde für den kommenden Tag. Montag den 13. versammelten sich die Studenten an der Universität in Tausende, die ganze Fakultät ist erschienen, und versprach den Versammelten, ihr Möglich, stes zu thun. Um ein halb 9 Uhr Vormittags kam nun der Professor Hye, nachdem er von den Seinen Abschied genommen hatte und legte die Bürde, die sein Herz drückte, durch eine Anrede zu den Herzen der Studenten. Jedes Herz war beklommen in diesem Momente, doch einem gerechten Manne, welcher die Rechte seinen Schülern a!S Professor lehrt, dem konnten die Studenten mit 6 Muth und Kraft, ihr Leben weihen Nachdem dieses geschehen war, zogen sie nun mit der verfaßten Schrift zum Landhause, um sich an die Bürger, welche auch eine Schrift verfaßt hatten, anzuschließen. Hier waren die Talentvollsten an der Spitze, und der mit Ruhm gekrönnte Techniker Spitzer, machte durch eine Rede an die Herrn Stünde, seinen Herzen Lust. Die Volksmenge belief sich auf 60,000, aber alle unbewaffnet, es wurde viel gfschrieey unv gerufen, der Lärm war groß, doch er sollte noch größer werden. Es erschien der Erzherzog Albrecht, Stadtkommandant, welcher durch die Volksmenge, so kleinmüthig war, daß Er einige harte Worte gegen das Volk ausließ, er wurde zwar etwas grob behandelt, aber jetzt hat die Epoche begonnen, auf sein Commando rückten die Pioniere und Grenadiere vor, gaben Feuer, und der unschuldige Spitzer fiel mit noch mehreren Andern als Opfer für Recht und Freiheit Aber auch das Publikum blieb nicht ruhig, das Landhaus wurde gestürmt, die Fenster und Saale zertrümmert. Jndeß ging eine Deputation zum Kaiser, welche ihm den Alles sagten, was der Wunsch des Volkes ist, doch die Minister, unv Alle so um den Monarchen waren meinten, dieses wäre nur ein übermü higes Volk, und sie werden mit den Bürger und Studenten schon fertig werden. Ja sie würden es, wenn der hochherzige Oberfeuerwerker P o l- let nicht mehr Überlegung gehabt hätte, als Derjenige, der ihm befohlen hat, Feuer zu kommandieren. Poll et aber stellte sich muthig vor die Mündung der Kanone und sprach: -Die erste Kugel treffe mich, ich schone dadurch meinen Kaiser und sein Volk. Poll et wurde aber von Seite S. M. mit dem Offi- - zierSrange beehrt, und von den guten Bürgern Wiens mit einem Legate von 20,000 fl. C. M. für sein Alter beschenkt. Montag Nachmittag bekam die Stadt f ein kriegerisches aussehen. Alle Gewölbec wurden gesperrt, die Fiacker mußten nach Hause fahren, die Thore der Stadt wurden geschlossen, und die Basteien an Allen Punkten mit Kanonen besetzt. Das Militär rückte aus der Kassern e auf die Glacis, lagerte sich, mehrere Regimenter kamen und Kanonen waren auf der Gla- cien aufgestellt. Um 5 Uhr da der Lärm groß war und nichts genehmiget wurde, wurde abermahls Feuer com- mandirt und es blieben 11 Personen. Zu gleicher Zeit nahm der große Redner Burian seinen Weg über alle Plätze der Stadt, viel Menschen schlossen sich an den edlen Jüngling, um ihn zu sehen, theils um nach Hause zu gehn. Da hörte man in der Gegend der Ob er Polizei und des Criminalgebäudes einige Schüsse, und die Kugeln trafen gerade zwey der Unschuldigen Einen Bürger, der auf die Wache zog und einen Andern der im Begriffe war nach Hause zu gehen, der Erste blieb gleich todt, der Zweite starb nach 8 Tagen, sein Name ist Walter Hutterer, er hinterließ ein Kind und eine trauernde Gattin und war ein Jahr verehelicht. Diese That ist nicht unbelohnt geblieben, denn hier nahm der Pöbel seinen Anfang das alte Criminalgebäude wurde ganz ruinirt. Abends nachdem die Studenten schon mehrmals gewunschen hatten, Waffen zu gebrauchen, erlaubte der Monarch ihnen das bürgerliche Zeughaus zu öffnen, doch die Studenten benützten die Waffen nicht zur Unruhe, sondern sie trattcn zum Schutz des Kaisers und des Volks auf. Zu gleicher Zeit wurde aber der Pöbel lebendig, wie ein wildes Herr zogen Sie vor das Burgthor und den kaiserl. Stallungen, alle Gaslatternen wurden zer- 8 trümmert, die Flamme brannte sehr stark, darauf legten fie Bäume, Bänke, Pfeiler alle Spalieren so, das die Stallungen in der Gefahr waren, in Flammen aufzuge« hen. Da nun der Pöbel nicht nachließ die Flamme stärker zu machen und sie auf die Mahnung des Offiziers nicht achteten, so befahl er Feuer und 5 blieben todt, darunter die Professors Gattin unschuldig getroffen wurde. Die ganze Strasse der Laimgrube war ein Glassand, den der Pöbel, welcher sich gegen die Mariahilfer Linie hinzog schlug in den kaiserl. Häusern alle Fenster ein. Kaum bei der Linie angelangt, als dieselbe auch schon im Brande war, ein Mann von dem Pöbel verkleidete sich als ein Linienaufseher, und glaubte in dieser Kleidung mit dem übrigen Gelde davon zu kommen, allein man meinte er sei einer der wirklichen Linienwache, und der Pöbel nahm ihn und warf ihn ins Feuer es fehlt daher keiner von den Männern der Finanzwache. — Jetzt rückte das Militär und die Studenten vor, alles wurde niederge- hauen und geschossen, von den Militär und der Nationalgarde gefangen. Jndcß zogen die Andern in einige Gasthäuser, Fabriken und in ein Herrschaftshaus, zünden selbe an und wollten plündern. Aber hier ist der Tod zu Hause gewesen, es sind 15 Todte hereingeführt worden. Gefangene mehrere Hunderte, so zwar, daß kein Platz mehr in den Strafhäusern gewesen, die Kasamatten zu Arresten verwendet worden sind. Bis Donnerstag waren 1300 Gefangene. Bei der Kirche zu Mariahilf wurden auch mehrere gefangen, vier Todte gefunden und mehrere verwundet gewesen. Dienstag den r4. März waren die Unruhen wohl noch immer stark und eine große Angst wurde unter dem Publikum rege, denn diesen Abend sollte es sich entscheiden . daS Ministerium und Alle, welche um den Kaiser 9 waren, wollten ihre Blößen nicht zeigen, doch der Schleier der Ungerechtigkeit wieder Kaiser und Volk mußte sich lüften, und den hat unser guter Monarch gelüftet, allein wie die Minister, gesehen haben, daß S. M. auch Worte hat, von ihnen Veraniwoetung zu fordern, so haben sie NeißauS genommen und sinv fort. Das Schild vom Metternich wurde herabgerissen ausgelöscht und Metternich auf den Galgen hängend dargestellt', der Bürgermeister kam gegangen und sprach: Lieber Freund ich folge gleich. Die Statue des Kaiser Josef bekamm eine weiße Fahne in die Hand, und sein Haupt zierte ein neuer Lorbeerkranz. An demselben Tage wurde auch von Seite unseres gnädigen Monarchen dieCensur in! den Ab. grund der Hölle gcschleidert, die P re ß fr e i h e i t genehmigt. S. M. überzeugten sich von der Aufrichtigkeit seiner Unterlhanen, und zum Lohne dafür erlaubte der Kaiser die Nationalgarde, der Er sich ganz an- vertraut. Bei den Linien wurde auch für einige Tage bis eine Herabsetzung der Verzehrungssteuer bestimmt wurde, kein! Steuergeld genommen. Dazu haben aber unsire Herrn Weinhändler und Wirthe recht beigetragen, denn es sind gering gerechnet 20 bis 30,000 Eimer Wein Hereingeführt worden, und die Herrn haben aber auch an diesen Tagen gezeigt, was sie für Patrioten sind, gute — o —. Mittwoch den 15. März waren die Hälse der Studenten immer noch mit Stricken umwunden, denn Jene, die um den Kaiser waren, wollten Alles wieder zurück- nthmen, doch S. M. hat sein Wort gegeben, und wird es nicht zurücknehmen. Allein noch nicht sind die kummervollen Stunden von S. M. fern geblieben. Es kam der Er > Herzog Stephan 10 1 « Palatin aus Ungarn, und meldete S. M. das Ungarn in den letzten Zügen liege, und er in drei Stunden König von Ungarn wird, wenn S. M. nicht in das willige waS Ungarn fordert, schon stehen die Schiffe bereit, weiche 1,200 Magna tten nach Wien bringen sollten. Ja meine Lieben nach einer Aussage soll seine Majestät ganz bestürzt gerufen baben: »Herr laß !>n i ch sterben, daß ich den Augenblick nicht erlebe« Kann sich Jemand wundern, wenn S. M. tief ergriffen geworden »st? über eine solche Hyobs Post? Doch S. M genehmigten noch Mittwoch die Constitution. Jetzt war der Jubel fertig, Musik, Beleuchtung', Vivatruf nahm kein Ende. Abends war in der Stadt, wie in den Vorstädten Beleuchtung so auch den Tag vorder. Kein Mensch hat geschlafen, den ein Österreich ja sogar eine Monarchie ist uns geboren worden. Donnerstag den 16. März fuhr der Kaiser die Ka iserinn der Erzherzog Pallatin der Retter Österreichs durch die Stadt auf den Stephansplatz zur Universität. Alle Bürger waren ausgerückt, so auch die Studenten-Legion und Nationalgar v. Abends war großer Fackelzug von der Universität auS. Es versammelten sich alle Herrn der Fa cul täten der Lese- vercin der Gesangverein, alle Studierenden, dieses zu sehen, die Stabt, die Vorstädte alles beleuchtet, überall weihen die Fahnen, überallZlaS man: Vivat Ferdinand, vivat Freiheit, vivat Nationalgarde, vivat Preßfreiheit, vivat Constitution, vivat Student Die Ungarn und Slaven alles ruft in ihrer Landessprache. Es lebe der konstitutionelle Kaiser Ferdinand der I. Freitag den 17. März war nun der Tag der Traurigkeit sechzehn Leichen stunden bereit in ihre Hei- ri math befördert zu werden Um 2 Uhr Nachmittag begab sich der Zug vom allgemeinen Krankenhause über die ganze Hauptstraße nach Mariahijlf zur Linie auf die Schmölz zur Ruhestätte wo sie sämmtlich in ein Grab kämmen. In den zwei ersten Wägen lagen drei Personen, in den fünf Wägen überall zwei Personen, begleitet von der Studenlegi 0 n und der Bürge r- militz. Es war ein in Bewegung gesetzter Zug von einer und einer halben Stunde. Samstag, am 18. März fuhr der Kaiser und die Kaiserinn über den StephanSplatz zur Universität die Pferde wurden ausgespannt und der Wagen gezogen. Vivatruf nahm kein Ende. Sonntag den 19. war bei St. Stephan das Dankfcst der ganze Staat ist erschienen, die Studienlegion, Nationalgarde und Bürger standen in der Stadt, das Militär paradirte auf den Gla- cien nnd wenn Sonntag nicht ein Regenwetter eingetretten wäre, so wären Alle bewaffnet vor S. M. defilirt. Dieses nun ist die Begebenheit, die wir in der Märzw 0 che erfahren haben, welche ich vom Anfänge bis zum Ende treu mirgemacht habe, und selbe der Wahrheit gemäß niedergeschrieben habe. fr».-) Lkr?r) I'/: .-! . !- '1 -tz. c (I N, 2::« n . ,. 2 rl« L >,' r'. - -.-7- . k!1'.' N! E -- ^ ' ...^ !. rrn 1Ü '! j'. n NU.L.- kl;6 l.2 1' n l 2. m ',' '.",U .2 >H » ? '! Ü H ^ .7?! iru, .n r. ? ::: L ;:nt! r r; -' . ' kl:. '1'.' ^ . : Ä tt-6 . r !I / ' '''- >E.' ^ i-Sr^iü. l l-.l'j'.Nll - ?< , I >. 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