Die große cvolntion von Italien, das schreckliche Blutvergießen in Mailand und die Ermordung des Kommandavten Rartmowich in Venedig. Wien. 1848. Druck »on I. N. Fridrich, I-sqchstadt Nr. L». v^eit Beginne de» Jahres 1S48 waren m ganz Italien ungemeine Volksbewegungen; allenthalben bildeten sich Verschwörungen und geheime Verbrüderungen , deren Entzweck es war, nicht allein der nnnmschränklen Souveränität ihrer Fürsten ein Ende zu machen, sondern auch ganz Italien zu einer einzigen 9 K- publik zu verwandeln. Die glückliche» Revolutionen in Mittel- und Unter-Italien ermuthigte das unter österreichischer Herrschaft stehende Lombardisch-Denetianische Königreich. DiErbitternng gegen die Deutschen stieg mit jedem Tage. »Tod.' allen Deutschen!« tönte es allenthalben, und mancher österreichische Offizier wurde em Opfer des schändlichsten Meuchelmordes. Jeder Italiener, welcher nur Gebrauch von einem österreichischen Kunstprodukt machte, oder mit einem Deutschen einen Handel schloß, wurde von jenen Landsleuten als Todfeind »erfolgt und mißhandelt. Darum stockten auch seit diesem Jahre alle Geschäfte Wiens mir Italien. Einen Ausbruch der Revolution in Ober-Iralie« voraussehend, hat auch die österreichische Regierung alle Gewaltmittel angewendet, diese zu unterdrücken. 80,000 Manu kaiserliche Truppen wurden in Italien zusammengezogen und der Feldmarschall-Lieuke- nant Radezki bekam unumschränkte Vollmacht, nach seinem Gutdünken zu verfugen. Im Monate Februar schon wurde bei wiederholtem BolkSaufstaude in Mailand das Standrecht publizirt. WaS nützt es jetzt de« vertriebenen Staat«kanzler, die Quelle alle« Unglücks, in de« Hölleuabgrnd verfluche«, können wir «nS doch nicht von einem unheilvollen Kriege losmachen. Am 18. Marz d. I. brach in Mailand die Revolution ans. Von vielen tausend Bürgern begleitet, zog der Podesta Casati zur General. Polizei Dir ection und verlangte die Freigednug aller politischen Gefangenen. Als ihm diese verweigert wurde, hielt er eine aufregende Rede an das Volk, befestigt sein Tuch, welches die drei Farbe» Italiens, gru», roth und weiß hatte, an einer Stange und rief: -ES lebe die Freiheit! ES lebe Papst Pms lX.! Nieder mit allen Oesterreichern!« Das Volk bewaffnete sich mit Aerteu, Keulen mrd Messern, riß das Straßenpflaster auf und stellte sich voller Wukh den in kalter Ruhe bleibenden kaiserlichen Truppen entgegen Denselben Tag noch verließ derVicekonig die Stadt. Am andern Morgen wurde die von Seiner Majestät gegebene Preßfreiheit, die Bewilligung zur Bildung einer Nativnalgarde uud die Aussicht auf eine baldige Constitution proklamirt. Die Mailänder aber riefen: -Das ist Alles Luge! Leere Versprechunq^Wir lass«, «nS nicht mehr hintergehen!« Der Volksanfstand wurde allgemein. Nadezki setzte die Stadt in Belagerungszustand, schnitt ihr alle Zufuhr ab und befestigte sich in seinem Kastelle. In allen Gassen und an den Platzen bildeten die Mailänder Baricaden,- ohne daß sie in ihrem Baue gestört wurden und alle Schlosser und Schmiede waren geschäftig, Waffen zu schmieden. Der Podesta Casali schickte eine Deputation zum Feldmarschall-Lientenant Radezki, und forderte ihn auf, daß er das Kastell räume und es vou den Mailändern besetzen lasse. Der wackere General rief ihnen aber zu: »Kommt und nehmt cs!« Ein schreckliches Blutvergießen begann. Mit zehnfacher Uebermachc wurde -as kaiserliche Militär angegriffen. Ball wilder Raserei stürzten die Italiener in den Kampf. Selbst Weiber, Kinder und Greise halfen mit, die Earricacen vertheidigen, hackten den Männern das Blei und goßen Kugeln. Unerschütterlich war der Math der Soldaten. Mit aller seiner Artillerie bombardirte Nadezki die Stadt und verwandelte eine« Theil derselben in Trümmer. Ununterbrochen tönten die Sturmglocken und mehrere Gebäude ergriff das Feuer. Es ereigneten sich gräßliche Scene». Die in die Hände der Italiener fallenden Oesterreicher wurden von den Wüthenden martervoll zerfleischt und ihre Köpfe ans Spießen als Siegestrophäen umyergetragen. Am 20. mnßten sich die Truppen nach zweitägigen Würgen ans der Stadt zurückziehen. Ueber vierhundert waren gefallen, aber mehr als fünfzehnhundert Italiener lagen getödtet umher. Am 2i. wurden von fünszehntaiksend bewaffneten Bergamasken die Bela gerungslinie gebrochen, und ihr Erscheinen bewirkte ungemeinen Jubel in Mailand. Denselben Tag noch bekam Radezki Nachricht, daß sich ein Armeekorps von zehutan send Ptemontesern gegen die Stadt bewege. Um nicht von der Uedermacht der Iusurrection eingeschlossen zn werden, wandte sich der Feldmarschall-Lientenant mit seinen Truppen gegen Verona. Indessen brach in Como, Brecia, Lecca und am Lago maggiore die Revolution los. Die so wichtige Festung Mantua befindet sich bereits in den Händen der Insurgenten, indem die meistens ans Italienern bestehende Garnison, selbst ihren Generalen undFestungskommandanten gefangen setzte. In Mailand ist bereits die Republik proklamirt, und an der Spitze der provisorischen Reaiernng stehen die Männer Casati, Litte und Bereite.'Noch immer ist in dem Kastelle cm kleiner Theil österreichischer Truppen eingeschlosseu; sie scheinen sich bis in den Tod wehren zn wollen. Diese Heldenmüthigen haben den ihnen angebothenen freien Abzug mit Verachtung ansgeschlagen. Während dieser blutigen Vorgänge iu der Lowbardie, zeigte sich Venedig nicht minder aufrührerisch und treulos. Die kaiserliche Wiener-Proclamatiou und die angebotheue Brüderlichkeit mit den österreichischen Nationen wurde mit Hohn zurückgewiesen. Als sich der tapfere Kommandant Martinovich unerschrocken in die tobende Emente begab, um die aufgeregten Gemüther zu besänftigen, und ihnen nach unnützer Bemühung dann fest erklärte: So lange er athme, werde er nicht zngeben, daß das österreichische Militär Venedig verlasse, wurde er zu Boden gerissen, mit einem großen SchiffS- bohrer durch die Brust gestossen, bis er unter den gräßlichsten Mißhandlungen seinen Geist anfgab. Am 22. Mär; waren bereits alle österreichischen Truppen nach fruchtlosem Widerstand ans Venedig getrieben; und denselben Tag noch proklamirte mau die Lombardisch-Venetianische Republik. Die provisorische Regierung besteht aus: Maniu, Minister der inneren Angelegenheiten, Tomasev, Minister des Unterrichtes, Solera, Kriegsminister, Anenata, Finanzminister, Castelli, Iuftizminister und Tofali, Ministerpräsident ohne Portfenille. Wenn Oesterreich nicht alle seine Kräfte aufbiethet, und mit der Coustati- rnng der konstitutionellen Regierung sich beeilt, ist das so theuer errungene, große Königreich für immer verloren. Rettet Oesterreicker Eure Ehre! ES wäre das Erstemal, daß ihr von den stets genannten Feiglingen geschlagen würdet. Die siegestrunkenen Italiener sollen sogar beschlösse» habe», ihre Träuze zn überschreiten, und in die österreichischen Prsviuzen eiuzudringeu, um Oesterreich zu einem schmählichen Frieden zu zwinge». Erhebe dich siegsgewohnter Adler! Haben sie die Brüderlichkeit mit Oesterreichs Nationen ausgeschlagen, n»n denn so solle» sie diesen Treubruch mit ihrer Freiheit zahlen! — Einen glänzenden Beweis de- österreichische» HeldenmutheS, habe» drei Kompagnien vom Regiments Kinsky gegeben. Als sie in Venedig von vielen Tausenden umringt, die einzigen kaiserlichen Truppen »ur noch in dieser Stadt waren, wurden sie anfgefordert, ihre Armatur abzulegen und waffenlos «ach Triest sich einzuschiffen. Einstimmig riefen sie: »Wir werden früher bis i» den Tod fechte», ehe wir uns unsere Waffen nehmen lassen!- Durch diese Antwort überrascht «ud erschüttert, wurde ihnen der freie Abzug mit ihren Waffen bewilligt, mit welchen sie auch in Triest eintraseu. Sch —e. Freudige Nachricht für das Vaterland! Die Stadt Mailand ist wieder unser und Mantua nicht in den H -i