Wie das Monument Kaiser Joseph lebendig wurde, und was es zn seinen ließen Ocstcrrcichcrn sprach. Ein Traum von Anton Janijch. Wien, 184«. Gedruckt in der Josephstadt, Langegasse Nr. 58. Als der glorreiche, für alle Oesterreicher unvergeßliche 13. Marztag sich seinem Ende neigte, kam der Geist Kaiser Josefs ans dem Elistnm, nm zn sehen was in Wien vorgefallen, weil Fahnenschwenken und Waffengeklirre ihn aus seinem Schlummer weckten, in welchen man ihn auch im Elisium gewiegt, da er auf der Welt schon zn laut gewesen. Die ersten Worte, welche er zu dem um sein Monument geschaarten Volke sprach, waren ungefähr folgende: Aber was ist denn in euch für ein Blitz gefahren, meine lieben Wiener? schon so lange ich da stehe, halte ich die flache Hand über eure Köpfe, damit ihr nicht in die Höhe geht, und doch ist mir bereits ein Knabe über dieselbe gestiegen, um mir einen Kranz aufs Haupt zu setzen, und eine Freiheirsfahne in die Hand zu geben, die ich unter meiner Regierung schon in eure Hände gegeben, wenn mich der, kein sterbliches Wesen verschonende Tod aus eurer Mitte gerissen. Aber glaubet mir sicher, meiner Freude gleicht nichts, ich sehe ja ein Volk beglückt das der Freiheit würdig. Lange genug habt ihr geschmachtet in Fesseln, die ein Tirann an eure Hände geschmiedet, der es sich sogar heransuahin, ganz Europa zu imponiren der zwischen euch und euren wahrhaft guten Kaiser eine Maner zog, welche der^ nm China gebauten wenig nachgegebeu. Doch gebrochen ist sie, und ans ihren Trümmern taucht das Bild eines Monarchen ans, der, hätte er nur leise ahnen können, welche schändliche Bedrückungen sein Volk erleiden, gewiß olles gethan haben würde, die Fesseln seines Volkes zn losen, es frei zn machen; daß er dieß gethan hätte, hat er euch jetzt bewiesen. Blicker hin auf einen andern Monarchen, wie hat der gehandelt? weil sein Volk sich auf dem Wege der Btlte nm seinen Thron geschaart, antwortete er mit Kartätschen und gab erst dann Gehör als das Blnt von Hunderten bis zu seinem Throne schwamm. Vergleichet also zwei Regenten, und sagt: Oesterreich ist glücklich. Wenn ihr euch jetzt um den Thron schaart, mit Muth und Ausdauer euer Kaiserhaus beschützt, so werdet ihr in diesem Berufe euer ganzes Lebensglück begründen. Ich höre Stimmen, die da sagen: „ja wir haben Freiheit, aber mit ihrem Kommen ist ja der gute Gang unserer Geschäfte geschieden." Ich antworte euch mit dem alten Sprichworts: „Gut Ding braucht Zeit." Der Baum ist erst gepflanzt und wird auf gutem Boden gute Früchte bringen' Wollten wir jetzt ein zukünftiges Glück uns absprechen, da wäre wirklich schade um das Blut, welches als Dünger für die Saat unserer Freiheit geflossen- Muth, Ausdauer, Einigkeit find die Losungsworte welche wir uns Zurufen müssen. Nicht in einem Tage kann ein schönes Gebäude hergestellt werden, um so mehr da man jetzt noch um das Materiale verlegen ist. Unterstützet euern Kaiser mit euerem Vertrauen, und geschehen auch manchmal Mißgriffe in der Wahl seiner Regierungsgehilfen, so gebt euern Un» willen nicht auf eme Weise kund, welche die so theuer, und nolhwendlge Ruhe eines Staates stört, sondern wendet euch vertraunugsvoll zu ihm, denn sein Thron ist ja dem Gemeinsten zugänglich! Habet Vertrauen zur Armee, sie ist es, die in den Tagen der Gefahr euch Schutz bauet, und ihre bekannte Tapferkeit wird jeden einbrechenden Feind jn seine Gräuzen znrückweisen. Betrachtet den Soldaten nicht als eine eigene von euch verschiedene Kaste, sondern bedenkt, daß er durch den Umsturz des alten Systems euch in jeder Beziehung gleich gestellt ist. Er ist euer Freund, ist euer Bruder geworden. Ueber- dieß seid ihr jetzt selbst bewaffnet, also gleich dem Soldaten, nur mit dem Unterschiede, daß die Erhaltung der Ruhe vou außen mehr deu Soldaten, und jene der innere eure Obliegenheit ist. Ehret das Recht die Waffen zu tragen, denn es ist das Vertrauen, das der Staat iw seine Bürger setzt. Werdet ihr auf diese Weise euern guten Monarchen unterstützen, dann ist euer Glück gemacht, der Baum der Freiheit wird schnell ausblüheu und euch segensreiche Früchte bringen.