Innsbruck den 17. Juni 1849. - Zehntes Bulletin. Vom Feldmarschall-Lieukeiiant Baron Weiden ist so eben aus seinem Hauptquartket Treviso am 15. Juni 1848 die Miltheilung der Besitznahme dieser Stadt mit folgen, dem Detail eingelangt: Gestern den 14. Juni hat sich die Stadt Treviso, nachdem ich selbe durch zwölf Stunden bombardiren ließ, gezwungen gesehen, sich durch Kapitulation zu unterwerfen. Bei dieser Gelegenbeit kann ich die Ausdauer und das gute Benehmen, die militä«. rische Haltung aller der mir unterstehenden T> uppen nur belobend erwähnen; speziell erlaube ich mir indessen jetzt schon den Lieutenant Wedel von der Artillerie onzuführen/ der im Kartätscbcnfcuer seine Geschütze mit der kältesten Besonnenheit verführte. - Das Gelingen der Eroberung,dieses allerdings sehr wichtigen Punktes ist kndeß minder der sehr lebhaften Beschießung, die ich.mehr schreckend als zerstörend fortführen ließ, als jenen Umgehungskolonnen zuzuschreiben, welche ich bereits den 12. und 1Z. d. M. von Quinto über die S>le gegen die Straße von Mestie und links durch dl« Brigade Mitis durch Vorrückung über die S:le, auf dem ganzen rechten Ufer derselben,, aus der Linie von Tre Palade bis Casale anbefohlen. Der Herr General Mitis ha/ bei dieser Gelegenheit eine große Thätigkcit an den Tag gelegt, und fuhr schon den tH. d. M. über San Ambroggiy vor den Mauern der Stadt mit seinem Geschütz au5< wo. er sogleich ein heftiges Feuer eröffnete. / Das heftige Bombardement beschäftigte und betäubte die Besatzung dergestalt, daß cs mir gelang, bis Abends die Kette der Tirailleurs bis unter den Mauernder Stadt einen engen Kreis ziehen zu lassen, und noch ehe die Nacht einkrat, unterwarf sich dle Garnison meinen gestellten Bcdingnissen. Ich bin heute Morgens in Trevi/v eingezogen, auf dessen Thürmen die Adler Oesterreich-Z wieder wehen, und ich habe j/zleich die Bri, gade Liechtenstein auf der Straße nach Mcstre vorgezogen. / Die sich durch die Kapitulation ergebenen Trophäen bestehen: Nus 4000 Mann, die sich 3 Monate lang nicht gegen uns zu dienen verbindlich gemacht, und von meinen Offizieren geleitet, über den Po zurückziehen, aus 36 Geschützen und einer großen Menge an Waffen, Munition und Feldgerätbe. Es ist nicht zu läugnen, daß sich der Feind, vorzüglich dessen Artillerie, auf daS heftigste vertheicigt hat. Demungeachtet ist unser Verlust äußerst unbedeutend, da die Truppen größtentheils gedeckt aufgestellt werden konnten. Der Stations-Kommandant zu Glurns, Hauptmann Halloy von Kaiser-Jäger, meldet über die in der Königen Gegend vorgekommenen Kriegsereigniffe Folgendes, und zwar am 13. d. M.: Heute 6'/r Uhr früh griff der Feind mein Detachement zu Tra- Loi abermals an; er kam zu 2—300 Mann stark, stellte sich auf der Höhe vor dem Lartschlanerbach auf, und schoß auS mehr Doppclhaken, als er das letzte Mal batte; die Kugeln pfiffen ober den Köpfen meiner Leute, die immer voll des besten Muthes blieben. Aus Bormio hatte er mehrere Kanonen auf die Ferdinandshöhe vorpoussirt, es mögen in Allem 50—60 Schüsse aus diesen gefallen sein; er muß die Meinung gehabt haben, daß seine Stellung auf der Ferdinandshöhe angegriffen werde. Die Brader Echützenkompagnie, welche ich auf der Braderalpe pvstirt halte, kam dem Feinde dieß, mal zu rechter Zeit in die Flanke, und zwang ihn dadurch zum Rückzug, den er um halb 2 Uhr Nachmittags in seine alte Aufstellung antrat. Bei den Gallerten auf der Kante gegen den Glurnsrr Schafberg sind Verschanzungen errichtet, dahinter sind einige Kanonen placirt. Der Feind hatte mehrere Tobte und Verwundete — größtentheils durch die Flankenbewegung der Brader Kompagnie verursacht, — da er es nicht wagte, meiner Aufstellung auf Siutzenschuß-Distanz in die Nähe zu rücken; er scheint sich in Do-pelhaken- und Kanonenschüssen zu gefallen und trifft schlecht; denn von meinen Leute, wurde auch dießmal Niemand getödtet oder verwundet; Jäger und Schützen sind ausgezeichnet brav. Ich halte mich auf beiden Gränzpunkken dem Feinde, wenn er nicht Verstärkungen erhält, trotz seines Geschützes und seiner vorthcilhaften Höhen- stekung gewachsen. Dann neidet derselbe am 15. d. M.: AlS sich beute 7 Uhr früh starke feindliche Streifpatrouilvn gerade der von meinem Detachement besetzten Corspitze gegenüber zeigten, schoß eine Vedette, worauf sich der Feind eiligst zurückzog und Allarmschüsse auS seinen zwei hinter Verschanzungen ausgestellten Kanonen gab; nun rückte der Feind gegen meinen rechten Flügel, der mit 250 Mann auf den Bergsuppen eine Gefechtsstellung genommen, mit etwa 200 Mann an, wurde aber hier in ziemlicher Nähe so gut bedient, daß gleich beim ersten Gruße vom Feinde 4 Tobte über die Berge rollten, und 6—8 Verwundete davon getragen wurden. Der Feind bestrich unaufhörlich mit seinen 2 Kanonen die Corspitze, unterhielt ein lebhaftes Kleingewehrfeuer, aber so erfolglos, daß bei seinem Abziehen um Uhr- Nachmittags von uns weder Jemand verwundet noch getödtet war. Wie immer haben sich die Jäger auch heute wieder durch Muth und Ausdauer ausgezeichnet;eben so muß ich das brave Verhalten aller Schützenkompagnien, die auf diesem Flügel zum Gefechte kamen, berichten. Zur Verstärkung der dortigen Stellung wird auch noch jene halbe Batterie, welche durch die von einigen Innsbruckern großmüthig beigestellten Pferde bespannt worden ist — dem StationS-Kommando von Glurns zugewiesen. Laut den vom Feldmarschall-Lieutenant Grafen Lichnowsky aus Rvvcredo Mir zugekommenen Meldungen ist der vom Feldmarschall Grafen Radetzky mit einer starken Brigade durch die Val Arsa entsendete Generalmajor Baron Simbschen in Rove- redo eingerückt, und es wurde dadurch unsere Aufstellung im Etschthale, welche seither der Feind nicht angegriffen hat — bedeutend verstärkt. Erzherzog Johann.