Zum Benefice der Flugschriftenweiber. Die sagen Lhna Mammg über die zurückgekommenen Ligurianer, die sich als „Söhne des Volkes" wieder einnisten wollen, über die nixnutzigen Ligurianerfreundinen, und sonstigen faden Putzkredln, dann über die konstitutionellen Zeitungsschreiber, Splitterrichter und Brateldichter und uo was! Geschrieben «nd herausgegeben von an Wiener Flngschrifteuweib -KD Geschrieben «nd herausgegeben von an Wiener Flngschrifteuweib Ein Kreuzer!-»- oha!—EinVroschen die neuche Bschreibung, dö mir erschr kriegt habe». Mott». Ha wie rin Gimpel den andern Erkennt und sicht — «ch, könnt ich'« beschreiben, Dal war' ein Gedicht. Franr Gtel,Hammer. Es ist zum Teufel holen was das Volk alles treibt, nur — um Volk zu sein. „Einmal gar nix, einmal alles bei den Kindern dieses Thales" heißts da! Sogar die vertriebenen Ligurianer, das schlechteste Volk von der Welt, wollen als: ,.Söhne des Volkes" wieder einrucken; nennen können sie sich so, wers glaubt, nur zu uns Flugschrif- tenweiber soll'ns nicht kommen, wir Haltens mit der Universität, und da heißtS, Liguria- ner „Nix für uns," und mir san „nix für eng," denn mir san Töchter der Revolution. Der 13-Marz hat auch uns geboren und verzogen; unser leidiger Beruf, die Pamphleter und Schmutzblätter, und wie die preßhaften Geisteskinder unserer constitutionellen Zei- tungSschreiber, Splitterrichter und Bratel-Dichter alle heißen, hinauszuschleudern in die Massen, wie untern alten Sedlnitzky seiner Zeit Trambüchel, Ablaßzetteln und Mira- kelg schichten von allerhand unbekannten Heiligen, ist leider bekannt. Sonst waren wir auch Töchter des Volkes, jetzt ziehen wir uns aber zurück, wir überlassen die Ehre den andern, den sogenannten deutschen Schwestern, bis sie von der dummdeutschen, und deutsch, micheldummen Mode ermattet, wieder froh sein werden, Wienerinen zu heißen. Es gibt zwar unter den in Sammt und Seiden einherrauschenden, mit allen Wässern gewaschenen, schaumigen, pflaumigen, weiblichen Gestalten gnua, denens an armes Flugschriftenweib, ohne sich zu versündigen, von Herzen guna könnt, wanns auch a Mal a Zeit lang für das arme, arbeitende, hungernde mit Füßen getretene Volk, Volk sein müßten. Oes seids nöt besser als wir, und wird durch uns gegen unfern Will'n wer betrogen, so san die Brateldichter oder ihre Schusterkerzen - Geisteslichter daran Schuld, wir nöd, wir betriegen gwieß Niemand, aber ös, ös betriegts die Welt, engere Familien, engere Män- ner, und unsern Herrgott, wanns kunnts. D'Ligurianer waren schlecht und bleiben schlecht, da is wohl auch auf kein Besserung mehr z'hoffen, alte G'w ander alteGwohnheit, man legts nicht gern ab, ich frag aber mit ein gsunden Flugschriftenweiberverstand, hätten die Ligurianer emals einen so großen Spielraum kriegen können, wanns nöt so vül schlechte Weiber gebet. Was? Ausnahmen gibts überall, sagt der HanS Zörgel, wann er an a Bissel z'stark auffi tritt, wann er uns aber wieder amal Fratschlrrweiber heißt, bleibt ihm d'Katzenmufi nöt aus; na ja so manicher Bandelkramer is a Fabrikant worn, warum kummt den net a aus an Flugschriftenweib a vornehme Kunsthandlerin werd'n, nix alS's Gwölb fehlt; daweil druckn mir halt d'Augn a weng zu, denn kans greift Alles recht und kans Alles verkehrt an, nur sollnS uns Töchter der Revolution nöt ratzen, sunst lassen wir ihnen an Marsch machen, cs er» gnädige Frau, cs cs gstrenge Frau u. s. w. In einer altbachenen übriggebliebenen Flugschrift, gnua habn's ja, Hab' ich di« Worte gelesen r Freiheit hebt de- Geistes Sterben, Freiheit stärkt ves Volkes Leben. Wir Flugschriftenweiber san mit der Freiheit vollkommen einverstanden. Wir ver stengen darunter halt: »»leb'n und leb'n lassen» und was mir bis itzt g hört und g'lesen habn, schaut schon danach aus, daß's besser wird als's war, wann's a unsere Kinder erst dalebn. Geduld hab'n heißts halt, wir dürfen nur dem Beispiel von unfern guten Kaiser folgen, der muß auch eine kuriose Geduld mit allen dem Volk hab'n, das zwischen ihm und den Völkern steht. Der arbeitsame Mensch hat kein Zeit, daß er denkt, das muß er Andern überlassen, und »n Kaiser gehts halt a um kein Haar besser, wann er hundertmal Kaiser is. Unsere Dichter und Zeitungsschreiber san wie d'Marzikater völli Preßfreihettwini und Eonstitutionsdamisch worn, man hätt glaubn soll», wanns so goarazt habn, ein Hieb, und bums, da liegt der ganze dicke Wald, der zwischen den Kaiser und sein Volk noch da steht, no und das war g'wiß schön, wann Eins das Andere so „recht sehn kunt, nachher wars ja a Leben, oaß sich gewaschen hätt; aber anpumpt: Alle die Vereinleserund Zeitungshetzknecht und wie die papiernen Ritter von der traurigen G'stalt alle heißen, die alle z'samm Minister werden wolln, un) nör rinsegn mög'n, daß's an blauen Kas von der Ministerei verstengen, die hab'n kein Lieb zum Kaiser und keine zum Volk, wegen dö papiernen Helden wirds Trad nöt um ein Batzen billiger, sonst wurdens längst eingsehn habn, daß z'erst Ruh herrschen muß, ehvor an was anders z'denken is. Se soll'n sich a Beispiel an uns nehmen, obs d'Flugschriftenweiber nöt z Schanden machen? Wir haben zwar nix auf den Altar des Vaterlandes z legen, zum Opferbringen san mir z'arm, aber nachstehn thun wir deßwegen Niemand. Wir wollen unsere patriotischenGesinnungen dadurch an den Tag legn, daß wir Flugschriftenweiber nämlich, weil es uns so gut wie allen Buchhandlungen frei steht. Alles ohne Unterschied zu kaufen und §u verkaufen, was uns beliebt, daß wir die Freiheit als einen Beweis der Herzenögüte unsers guten Kaiser Ferdinand, der seineMilde auf alle seine Kinder/ arm oder reich, gleich auSgossen hat, nicht miß» brauchen, und auf den Bortheil, den uns die Schreiberei von die Wölf im Schafs» pelz und von die Makulaturritter bringen könnt, lieber ganz verzichten. So, döö habt» wir Flugschriftenweiber unter uns b'fchloffen, darum: So habn Alle ain Fechsung, Aia Feld und ain Dung. — ,,Pflasterstein haißt ina Dung, „Einbildung haißt ina Feld, „D'Fechsung sain prellt» Leut „Um ina Geld." Auölachn werds uns deßhakb nöt, ös Flugblätterweiber. Wir san zwar keine Urwähler, wan uns aber wir z'sammstimmen, da klingts, und wann a Zeit dazu is, und daran fehlts nöt, werds wieder was von uns hörn. Der Kaiser hoch! und alle wah renDolksfreunde und Bolksfreundinen: Brüder und Schwestern hoch! drei Mal hoch! Ein Wiener Ilugschriftenweib. LdruiriluiiT la,. ^ » 3 - - - --- - n - ' -- — Gedruckt bei M. Lell, Leopoldstadt, Weinteaubengaff« Nr» 60A Kais?? i 5x