Hört! Hört! Was jetzt schauderhaftes in Pretzburg geschehen ist! Eine genaue und wahre- Beschreibung des furchtbaren Aufstandes und der damit verbundenen gräßlichen Judenverfolgung am 23. und 24. April 1848 in Preßburg. Aaum sind einige Wochen verflossen, wo eine Judenverfolgung in Preßburg stattgefunden; und schon haben wir wieder einen Erceß zu berichten; der an Schändlichkeit den erster» noch weit üdertrifft, und den Beweis liefert, wie weit der aufgehetzte Pöbel getrieben werden kann. Es war am Ostersontag den 2Z. April Nachmittags, die Bewohner Preßburgs überließen sich dem harmlosen Spaziergange; als gegen 5 Uhr in der Au ungefähr 200 Personen, der größte Theil aus Lehrburschen bestehend sich versammelten, sich jeder nach seinen Nummcro, welches ihnen rin unbekannter Mann gegeben haben soll, aufstellten, ererzirten, und mit einem Male unter kljvn rufen und Stöckeschwingen gegen den Schloßberg zumarschirten. Niemand von den Spaziergängern ahnte bis jetzt etwas Arges, doch mit einemmale änderte sich die Scene. Die ausgehetzte Bubenschaar suchte mit Gewalt den Eingang in die Ghetto (Judenquartiere) zu erzwingen, welches ihnen aber dadurch verwehrt wurde, daß die beim Eisengitter aufgestellte Schildwache das große Eisenthvr augenblicklich schloß, und nur das kleinere Thor zur Communication offen ließ. Nachdem nun mittlerweile sich eine grössere Menschenmaffe versammelt hatte, fingen die Buben an in den umliegenden Häusern innerhalb und außerhalb des Gitters die Fenster einzuwerfen; wodurch die Sckildwache, um ein massenhaftes Eindringen zu verhindern, sich genöthigt sah, auch das kleine Thor ebenfalls zu schließen. Allmählich kam es zu größeren Steinwerfen, und die Sache gewann eine ernstere Gestaltung, ein paar Lehrbuben sollen zufällig getödtet und einer stark verwundet vom Platze weggeiragen worden sein. Inzwischen, und zwar noch bevor das Militär und die Nationalgarde eingeschritten, suchte ein Schustermeister dem Krawall dadurch ein Ende zu machen, daß er die Bubenrotte mit einem spanischen Rohr durch- bläute und auseinander trieb; worauf sich diese nach Hause begaben. Ob, wie einige behaupten diese Burschen durch die Meister selbst aufgefordert sich abermals dem Zuge, der sich aus der Masse von Schiffer, Slowaken und Hannaken rekrutirte, anschlossen, bleibt dahingestellt, gewiß aber ist, daß nun jetzt erst die Plünderungsund Zerstörungssucht des Pöbels ihren Anfang nahm. Kaufläden wurden erbrochen und ausgeplündert; das Herrmann Tedescoische Stiftungsgebäude fast demolirt, und die dieser Stiftung von einem Wiener-Christen zum Geschenk gemachte Schulbibliothek, nebst den phisikalischen Instrumenten zum Fenster hinausgeworfen, wo erstere in Körben davongetragen und letztere vernichtet wurden. Juden, die dem Pöbel in die Hände fielen wurden graußam mißhandelt und überhaupt alle Gräuel verübt, die man von der entfesselten Wuth des Pöbels nur immer erwarten kann. Das Militär welches die Andringenden mehrmal zurückgeworfen, wurde verhöhnt und'durch Steinwürfe insultirt, und durch die zufällige Entladung eines Gewehrs am Michaelerthor, die einen ordentlich gekleideten Mann, der zufällig vorüberging augenblicklich zu Boden streckte, wurde der anfangs einfache Dubenkrawall zur Volkssache. Es läßt sich nicht beschreiben, was jetzt nun alles vorging, das Militär ward leider gezwungen zu feuern — 6 nach andern 9 Tobte und viele Verwundete sollen die Folge davon gewesen sein. Man trug die Leichen unter furchtbarem Geschrei vor das Haus des Militär-Kommandanten Graf von Lawberg und warf denselben zugleich alle Fenster ein. Erst gegen drei Uhr Morgens gelang es die Ruhe einigermaßen herzustellen, doch dieß war nur von kurzer DoAer, denn schon um 7 Uhr Morgens am Ostermontag sammelten sich aufs neue Volsmassen, die diesmal hauptsächlich eine Demonstration gegen den Magistrat beabsichtigten, welchen man die, durch verzögerte Entfernung der Juden entstandenen Folgen zur Last legt, und die auch ausgeführt wurde. In Folge dessen sah sich der Magistrat genöthigt die Entfernung der Juden alsogleich durch öffentliche Kundmachungen zu verordnen, welche Verordnung von dem Pöbel alsogleich in Vollzug, und zwar auf eine Weise in Vollzug gesetzt wurde die jeden ehrliebenden Menschen schaudern macht. Kranke, alte gebrechliche Personen wurden auf Wagen und Schiebkarren aufgcladen und sogleich forttransportirt, in wie ferne die Ruhe dadurch in der Stadt hergestellt wurde, ist noch unbestimmt, und dürfte wohl nicht augenblicklich vor der Hand zu erwarten sein. Dieser Vorfall dürfte den Juden zur Warnung dienen; die Christen fortan durch Betrügereien und Erpressungen nicht mehr zu reizen; so wie er anderseits den Christen nach ruhiger Ueberlegung die Ueberzeugung verschaffen dürfte, daß eine solche barbarische Handlungsweise, der Verachtung der gebildeten Welt anheimfällt, und im neunzehnten Jahrhundert als eine schmachvolle Thatsache zu betrachten ist. I. U. Gedruckt bei Anton Benko. Hört! Hört! Was «jetzt schauderhaftes in Pretzburg geschehen ist! Eine genaue und wahre Beschreibung des furchtbaren Aufstandes und der damit verbundenen gräßlichen Judenverfolgung am 23. und 24. April 1848 in Preßburg. HVaum sind einige Wochen verflossen, wo eine Judenverfolgung in Preßburg stattgefunden; und schon haben wir wieder einen Erceß zu berichten; der an Schändlichkeit den erster» noch weit übcrtrifft, und den Beweis liefert, wie weit der aufgehetzte Pöbel getrieben werden kann. Es war am Ostersontag den 23. April Nachmittags, die Bewohner Preßburgs überließen sich dem harmlosen Spaziergänge; als gegen 5 Uhr in der Au ungefähr 200 Personen, der größte Theil aus Lehrburschen bestehend sich versammelten, sich jeder nach seinen Nummero, welches ihnen ein unbekannter Mann gegeben haben soll, aufstellten, ererzirten, und mit einem Male unter Lljen rufen und Stöckeschwingen gegen den Schloßberg zumarschirten. Niemand von den Spaziergängern ahnte bis jetzt etwas Arges» doch mit einemmale änderte sich die Scene. Die aufgehetzte Bubenschaar suchte mit Gewalt den Eingang in die Ghetto (Judenquartiere) zu erzwingen, welches ihnen aber dadurch verwehrt wurde, daß die beim Eisengitter aufgestellte Schildwache das große Eisenthor augenblicklich schloß, und nur das kleinere Thor zur Communication offen ließ. Nachdem nun mittlerweile sich eine grössere Menschenmaffe versammelt hatte, fingen die Buben an in den umliegenden Häusern innerhalb und außerhalb des Gitters die Fenster einzuwerfen; wodurch die Sckildwache, um ein massenhaftes Eindringen zu verhindern, Hch genöthigt sah, auch das kleine Thor ebenfalls zu schließen. Allmählich kam es zu größeren Steinwerfen, und die Sache gewann eine ernstere Gestaltung, ein paar Lehrbuben sollen zufällig getödtet und einer stark verwundet vom Platze weggelragen worden sein. Inzwischen, und zwar noch bevor das Militär und die Nationalgarde eingeschritten, suchte ein Schu- stermeister dem Krawall dadurch ein Ende zu machen, daß er die Bubenrotte mit einem spanischen Rohr durch- bläute und auseinander trieb; worauf sich diese nach Hause begaben. Ob, wie einige behaupten diese Burschen durch die Meister selbst aufgefordert sich abermals dem Zuge, der sich aus der Masse von Schiffer, Slowaken und Hannaken rekrutirte, anschlossen, bleibt dahingestellt, gewiß aber ist, daß nun jetzt erst die Plünderungs- Herrmann Tedescoische Stiftungsgebäude fast demolirt, und die dieser Stiftung von einem Wiener-Christen zum Geschenk gemachte Schulbibliothek, nebst den phisikalischen Instrumenten zum Fenster hinausgeworfen, wo erstere in Körben davongetragen und letztere vernichtet wurden. Juden, die dem Pöbel in die Hände fielen wurden graußam mißhandelt und überhaupt alle Gräuel verübt, die man von der entfesselten Wuth des Pöbels nur immer erwarten kann. Das Militär welches die Andringenden mehrmal zurückgeworfen, wurde verhöhnt und durch Steinwürfe insultirt, und durch die zufällige Entladung eines Gewehrs am Michaelerthor, die einen ordentlich gekleideten Mann, der zufällig vorüberging augenblicklich zu Boden streckte, wurde der anfangs einfache Bubenkrawall zur Dolkssache. Es läßt sich nicht beschreiben, was jetzt nun alles vorging, das Militär ward leider gezwungen zu feuern — ü nach andern 9 Tobte und viele Verwundete sollen die Folge davon ge wesen sein. Man trug die Leichen unter furchtbarem Geschrei vor das Haus des Militär-Kommandanten Graf von Lamberg und warf denselben zugleich alle Fenster ein. Erst gegen drei Uhr Morgens gelang es die Ruhe einigermaßen herzustcllen, doch dieß war nur von kurzer Dauer, denn schon um 7 Uhr Morgens am Ostermontag sammelten sich aufs neue Volsmaffen, die diesmal hauptsächlich eine Demonstration gegen den Magistrat beabsichtigten. welchen man die, durch verzögerte Entfernung der Juden entstandenen Folgen zur Last legt, und die auch ausgeführt wurde. In Folge dessen sah sich der Magistrat genöthigt die Entfernung der Juden alsoglcich durch öffentliche Kundmachungen zu verordnen, welche Verordnung von dem Pöbel alsoglcich in Vollzug, und zwar auf eine Weise in Vollzug gesetzt wurde die jeden ehrliebenden Menschen schaudern macht. Kranke, alte gebrechliche Personen wurden auf Wagen und Schiebkarren aufgeladen und sogleich sorttransportirt, in wie ferne die Ruhe dadurch in der Stadt hergestellt wurde, ist noch unbestimmt, und dürfte wohl nicht augenblicklich vor der Hand zu erwarten sein. Dieser Vorfall dürfte den Juden zur Warnung dienen; die Christen fortan durch Betrügereien und Erpressungen nicht mehr zu reizen; so wie er anderseits den Christen nach ruhiger Ueberlegung die Ueberzeugung verschaffen dürfte, daß eine solche barbarische Handlungsweise, der Verachtung der gebildeten Welt anheimfallt, und im neunzehnten Jahrhundert als eine schmachvolle Thatsache zu betrachten ist. » und Zerstörungssucht des Pöbels ihren Anfang nahm. Kaufläden wurden erbrochen und ausgeplündert; das Gedruckt b« Anton Benko.