^ SO KLS bezüglich auf -Le Zu-enfrage von Prediger Mannheimer. (Besonders abgedruckt aus dem Central-Organ für Glaubensfreiheit.) tzk;u-r n « » ^ z m L) B n n l» M 7 - tz rs? 4 'L 2-0 hat dieJuden-Fragein den letzten acht Lagen das Publikum mehr beschäftiget, als mir lieb war. Wir alle, die wir das Interesse unserer Glaubensgenossen im Herzen tragen, die Errungenschaft der ewig denkwürdigen Tage als eine neue Ära jubelnd begrüßten, waren alle von der Überzeugung durchdrungen, daß unser Recht, unser so schmählich verkürztes und verkümmertes Recht, uns fortan gesichert sei, und weiter nicht gefährdet werden könne. In diesem, ich möchte sagen, trunkenen Gefühle der Begeisterung schlugen wir uns alle Bedenklichkeiten aus dem Sinne und Herzen, schlossen uns der allgemeinen Strömung und Bewegung an, und drangen und bestanden von der ersten Stunde der Erhebung und Bewegung fest darauf, daß wir selbst in eigener Sache Nichts zu unternehmen und zu reden hätten, und mit dem Rechte deö Menschen und dem des Bürgers auch das unsere uns nicht ausbleiben und entgehen könne. In dem Sinne sprach ich mich bei der am abgehaltenen Leichenfeier, in dem Sinne fester und bündiger noch Tags darauf in der Predigt und von der Kanzel aus. Ich setze die Schlußstelle, die einzige, die sich auf die Verhältnisse der Juden bezog, hieher. Sie lautete: »Was nun zu thun sei für uns? für uns? »Nichts! Alles für Volk und Vaterland, wie »Jhr's in den letzten Tagen gethan. Unter »den Ersten, die das Wort ergriffen und ge- . führt in den stürmischen Tagen, waren die »Juden! Unter den Ersten, die gefallen »dort auf der blutigen Stätte, vor dem Hause, »wo die Stände des Reiches das Heil bera- »then werden — die Juden! Nur zu! »immerfort! Jetzt Nichts für uns! Kein Wort »von »Judenemancipation,« wenn es Andere »nicht spreche» für uns! Kein Wort, kein »Schritt für uns! Keine Petitionen, keine »Bittschriften, keine Bitten und Klagen um »unser Recht. Wir haben genug 30 Jahre lang gebeten, fußfällig mit emporgehobe- »nen Händen gebeten um Recht und — Mensch- »lichkeit. Nichts mehr da. Wir nehmen und »hegen in Geduld und Ruhe unser Geschick, »erheben nicht eine Hand für unser Recht, »bewegen nicht einen Fuß für unser Recht. »Erst das Recht des Menschen, zu leben, »zu athmen, zu denken, zu sprechen; erst das »Recht des Bürgers, des edeln, freien »Bürgers in seiner Berechtigung; — nach- »her kommt der Jude! Man soll uns nicht »vorwerfen, wir denken immer und überall »nur an uns, zunächst an uns. Wir sind die »Leidenden in jedem Falle. Wo die rohe Ge- »walt einbricht, bricht sie gegen uns ein; wo »die Gewalt der Herrschaft reagirt, reagirt »sie gegen uns. Alle Beschränkung über uns! »alle Ausschließung über uns! Thut Nichts, »unsere Zeit die kommt und bleibt nicht aus! »Lasset die Geister gewähren, schließet Euch den »Edleren und Besseren im Volke an« u. s. w. Ich glaubte, daß nach einer solchen Erklärung, die nebstdem, daß sie wohlgemeint war, auch die Zustimmung aller Betheiligten fand, kein Zweifel mehr über unser Verhalten und Verfahren stattfinden könne, und daß schon der Punkt der Ehrenhaftigkeit allein genüge, um alle weiteren Demonstrationen für den Augenblick niederzuhalten. Es ging uns aber wie es Allen ergangen, die sich in dieser nnd solcher Zeit der Bewegung angeschlossen , die Wünsche der Gesammtheit zu den ihrigen gemacht; der Strom, der seine Schleuß?» brach, überflutete alle weiteren Bedenken. Namentlich war es die studirende Jugend, die an den Ereignissen der vorangegangenen Tage in so ehrenhafter Weise sich betheiligt hatte, die auch hier die Initiative ergriff, und gegen solche Umsicht, Vorsicht, Rücksicht, schnell und rasch Verwahrung einzulegen sich berufen fühlte. Man fürchtete den Moment zu verpassen, der der günstige sei und nimmer wiederkehren werde. Waren doch die anderweitigen Eoncessionen auch nur im Sturm und Drange des Augenblickes gegeben und gewähret worden. Man berief sich auf die von allen Seiten geforderte und gegebene Denk-, Lehr- und Glaubensfreiheit, und glaubte nur dem allgemeinen, tiefgefühlten Wunsch und Willen einen Ausdruck zu geben, wenn man sie auch in dieser Form zur Sprache bringe, rechnete auf Sympathien, die allerdings an der Tagesordnung waren, und fürchtete, fürchtete den Umschlag und Rückschlag, der sich binnen kurz oder lang fühlbar und schmerzlich Herausstellen müsse. So erschien gleich wieder Tags darauf, in früher Morgenstunde, die bekannte Adresse um Gleichstellung alle Confessionen, die die Studiren- den in der Nacht abgefaßt, und zum Drucke vorbereitet hatten, und die darauf bezügliche Aufforderung an die hochherzigen und freisinnigen Bürger Wiens sich diesen Wünschen und Begehren durch ihre Fertigung und Unterschrift anzuschließen. Uns hat dieser Gang der Sache, das Appelliren an die Öffentlichkeit und Gesammtheit, und namentlich das Auflegen dieser Publikation in den Kaffeehäusern schmerzlich berührt, wie ein harter Schlag betroffen. Wir läugne» es nicht. Wir hatten in der Nacht eine Adresse an den hochlöbli- chen Ausschuß der n. ö. Stände vorbereitet, den wir in der Gemeindeversammlung, die für den Sonntag Abend berufen war, vorlegen und zur Genehmigung bringen wollten, glaubten alle Parteien und Bestrebungen in dem Punkte vereinigen zu können, und — sahen uns getäuscht. Wir kamen um S4 Stunden zu spät; trop tru-ä, wie so manche Andere, die es härter gebüßt. Das, was wir verhüten wollten, kam mit allem Ungestüm über uns. Der Vorstand schloß sich der Bewegung an, die nicht mehr rückgängig zu machen war. Wer möchte es aber auch den jugendlichen Gemüthern verargen, daß sie das Prävenire gespielt, und glühend heiß, vom Kampf erhitzt, den Eindrücken der jüngst vergangenen Tage unterliegend , in eigener Sache das Wort ergriffen? Wen noch traf der Druck der Zeiten so wie sie? Wer noch war an der Erledigung, und schnellen und raschen Erledigung der Frage in der Art betheiliget wie sie? Es galt den Schimpf abzuwälzen der Vergangenheit, und galt die Zukunft, die bloßgestellt war zu retten. Es galt die Existenz aller Derer, die der Wissenschaft sich hingegeben, und dem System nach ohne alle Hoffnung waren, galt das heiligste Gut des Lebens — Recht und Ehre! Wer da zögert und säumet und sich rückhaltig zeigt, wenn seiner Überzeugung nach das rasche Wort ihm den Besitz, das Recht und die Ehre sichert, — ist allerdings nicht der Bessere! Ich möchte wissen, wer hier zuerst den Stein wirft auf Die, die den Frevel verschuldet und begangen, mit der Bitte um ihr Menschenrecht sich an den Thron zu wenden, und der Zustimmung ihrer Mitbürger gewiß, sich derselben im günstigen Momente zu versichern. Das ist die Sachlage! Die Adresse ist überreicht, und i» gewohnter Milde und Gnade an- und ausgenommen worden. Wessen wir uns nun weiter gewärtigen, das ist eine zweite Frage. Wir sind im Rechte. Wir haben das Recht zu fordern, daß 600,000 Menschen, die an ihrem me» schlichen Rechte, — wir wollen die bürgerlichen Rechte vor der Hand aus die Seite stellen, — an ihren menschlichen Rechten auf die schmählichste Weise verkürzt worden sind, gegen jede Willkür der Gewalt in der errnngenen Verfassung einen Schutz finden, bevor die alte Beamtenwillkür wieder das Heft ergreift. Wir haben ein Recht zu fordern, daß die Glaubensfreiheit so gut wie die Denk-, Sprech- und Lehrfreiheit in ihrer vollen Geltung Raum gewinne. Man täusche uns nicht mit Worte» ! Wo a» den Glaube» irgend welche bürgerliche oder politische Beschränkung sich au hängt; da ist er nicht frei, ist er gefesselt und gedrückt. Der Satz ist so klar, daß er in seiner Nacktheit und Baarheit für sich spricht; wir verlieren kein Wort mehr darum und darüber. Wir habe» aber nicht nur das Recht, wir haben das verbriefte Recht, wir haben ttr- kund, Gesetz und Recht für uns! In der Bundesakte sind uns die bürgerlichen Rechte auf den Grundsatz hin, daß gleiche Pflichten gleiche Rechte bedingen, zugesichert worden. Preuße» stellte den Antrag in der freiesten Form und Fassung. Österreich schloß sich ihm mit dem Zusatze an: »Daß wo dieser Reform Landes Verfassungen entgegen wären , die Landesherren sich verpflichten sollten, diese Hindernisse hinweg zu räumen.« Beide bestanden noch in der 5. Conserenz (31. Mai 1815) darauf: »Daß die deshalb anzunehmenden Grundsätze nicht nach Frankfurt zu verweisen, sondern schon in Wien zu bestimmen seien;» oder, wie es zuerst hieß: »Den Juden — die den Bürgerpflichten entsprechenden Bürger- rechte in der Bundesakte einzuräumen seien« (Klub er Verhandlungen des Wiener Congresses 3. Thl. S. 379 f.). Wir dispensiren die Regierung von der übernommenen Verpflichtung, in so fern es provinzielle Verfassungen, Verhältnisse und gesetzliche Bestimmungen gilt, wie deren z. B. in Steiermark bestehen sollen; dürfen aber verlangen, oder doch wenigstens bitten, daß sie da, wo keine solchen Verhältnisse oder gesetzliche Bestimmungen zu Rechte bestehen, die Juden überhaupt zulässig und zuständig sind, domizilirt und rezipirt sind, das Recht, das ausgesprochene, verbriefte , zu Recht bestehen lasse. Mehr als dreißig Jahre sind darüber hingegangen. In allen deutschen Gauen sind die Juden gleich gestellt. Es fordern die Völker für sie ihr Recht. In Österreich ist dem Artikel 16 der Bundesakte keine Folge gegeben worden, trotz allen Versprechungen, trotz allen Bitten — keine! »Seine Durchlaucht der Fürst Metternich« replizirte im Jahre 1815 gegen das Verfahren der Reichsstädte, die den Juden die bereits konzeffionirten, »wohlerworbenen« Rechte wieder abstritten und feilschten. Er selbst wollte im eigenen »Haushalte« die Ungebühr nicht abstellen. »Es gebe dergleichen Ungebührlichkeiten in jedem Haushalte, im größeren wie im kleineren; man müsse sie dulden, um größeres Zerwürfniß zu vermeiden« — sprach der staatskluge Mann. Man dürfe nicht rütteln an seinen Verhältnissen. Die Sprache ist antiquirt und veraltet. Die jüdischen Verhältnisse in Österreich verhalte» sich zur Bundesakte Art. 16 wie die Karlsbader Beschlüsse zu dem betreffenden Artikel über die freie Presse, wie die bisherigen Land- und Provinzialstände zur Bundesakte Art. 15 und der freien Volksvertretung. Wollt Ihr sie zu Recht erkennen? Müsset Ihr sie, eines wie das Andere zu Recht erkennen. Es liegt außer meinem Bereiche da in eine weitere historische, gesetzliche, moralische und religiöse Erörterung und Begründung dieser Frage einzugehen. Es wird jedes seine Wortführer und seine beredten Wortführer finde»; dessen bin ich überzeugt und gewiß. »Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und wenn auch in später, letzter Zeit über meinem Staube steht« (Hiob 19). Es bedarf der Erörterung nicht. »Ich rede zu den Edeln im Volke, zu den Gesetzgebern im Volke« (Richter 5). Ihnen muß das genügen, oder — es ist Schad' ums Wort. Wer das Recht nicht achtet und nicht ehret an Denen, die die Ungebühr am schmerzlichsten und drückendsten empfunden, ist selbst nicht dessen werth. Ob Einer, ob Zehn, ob Hunderte oder Tausende darunter leiden und im Rückstände sind; das darf dem ehrlichen Manne nimmer maßgebend sein oder ihm als Richtschnur gelten. Man wirft uns vor, wir hätten voreilig die Reaktion herbeigeführt und herbeigezogen. Man schreckt zurück vor dem Gedanken — er begegnet uns seit einigen Tagen hie und da — daß der Umschlag der Meinungen gegen uns ausschlagen könne. Ihr fürchtet? Wir nicht! Wir vertrauen, vertrauen dem Rechte, vertrauen der Menschlichkeit, vertraue» dem freien, offenen, hochherzigen Geist, der durch die Zeiten strömt; vertrauen dem gutmüthigen, biederen Sinn und Herzen unserer Mitbürger und Brüder, die mit Freud' und Jubel uns begrüßt, als wir am Kampfe unser volles Theil gehabt, und uns auch nicht zurückweisen und verstoßen werden, wenn wir nun die gleiche Forderung des Rechtes, das jedem dem niedersten im Vaterlande gewähret ist, Gleichstellung vor dem Gesetze, für uns in Anspruch nehmen. Keine Ausnahmsgesetze! Nun gut — auch für den Juden keine, der zu jeder Zeit eben so willig sein Gut hat hingegeben, als er sein Blut vergossen für das Vaterland! Fraget nach bei denen, die vor 30 Jahren die Leipziger Schlacht geschlagen, den Freiheitskampf gekämpft; fragt nach bei den alten ergrauten Kriegern und Feldobersten, ob der Jude zurückgestanden und geblieben am Tage der Schlacht? Fragt nach, ob die Tausende von Inden, die in Euren Heeren dienen, an Dienstpflicht und Treue, an Konduite und Ehrenhaftigkeit gegen die Euren zurückstehen? Das Heer hat seit einem halbe» Jahrhundert alle» Unterschied in der Beziehung abgestellt. Es ist Thatsache. Erzherzog Earl, verklärten Angedenkens, hat schon vor 40 Jahren einen Juden a u f dem Schlachtfelde zum Hauptmann gemacht, der noch zudem nicht lesen und nicht schreibe» konnte. Die jetzigen, und wir zähle» deren mehrere, künnen's um so besser. Er ehrte an ihm die Bravour; und er hat als Soldat ehrenhaft und mit Auszeichnung gedient, und seinen Posten ausgefüllt. Im Heere, wo die Ehre gilt, denkt Keiner daran, den Juden abzuweisen. Mit welchem Rechte fordert oder kann der Bürger fordern, daß im bürgerlichen Leben und Verkehr die Unterscheidung, Ausschließung, Ächtung und Verbannung zu Recht bestehe?! Reaktion?! Wo? Wer? Wann? Wollen wir wieder aus alle Munkeleien und Fraubasereien hören und horchen, wenn wir zu Gericht sitzen, und in Wahrheit und Wahrhaftigkeit das Recht sprechen im Angesichte Gottes und der Menschen? Für die Juden sprechen sich alle Edlen, Denkenden , Gebildeten im Volke aus, wer ein gesundes Herz, einen gesunden Sinn im Volke hat. Gegen sie? Wer? der Zunftgeist, der Krämergeist, der an seinen Interessen, an seinen kleinlichen Interesse» sich gefährdet glaubt. Und auch er will's nicht Wort haben. Verstände er seine Interesse» besser, er thäte es nicht. Eben, daß die Jude» von aller Werkthätigkeit, Betriebsamkeit ausgeschlossen, nirgends zugelassen werden, wo Kopf und Herz und Hand sich in Thatkraft bewähren können; daß sie auf den unglückseligsten Erwerb, auf den Handel an- und zurückgewiesen wurden, den sie gewiß nicht aus eigener Wahl ergriffen; denn »es soll Keiner ein Krämer sein im Hause Gottes,- steht in der Schrift geschrieben; eben die Rechtlosigkeit, der Nothstand, der scharfsichtig und erfinderisch macht; die Rechtsverweigerung und Verkürzung, gegen die er immer und überall anzukämpfen hatte; die Beamtenwillkür und Korruption, mit der er sich abzufinden hatte, — macht ihn zu dem was er ist, wenn er nicht ist, was er sein soll. Wo ihm ein Wirkungskreis eröffnet wurde, hat er ihn mit Lust und Liebe ergriffen, und den ehrenvollen Besitz und Ertrag seiner Arbeit immer dem unsicheren und schmählichen Erwerbe vorgezoge». An der vaterländischen Industrie, wo ihm der Zugang eröffnet ward, hat er sich auf's verdienstlichste betheiliget. Am Kriegsdienste aufs ehrenhafteste sich betheiliget. In der freien Kunst und Wissenschaft aufs ehrenhafteste sich bewährt. Fraget nach in den Staaten und Ländern, wo ihm die Schranken sind aufgethan worden, ob er nicht überall seine Männer stellt, die in jeglichem Gewerbe, in jeglicher Handthie- rung, in jeglichem Amt und Berufe eben so tüchtig sich gezeigt, als im Handel und Verkehr ? Mißtrauen und Verdächtigung schafft nirgends Heil. Der Mensch muß zum Menschen herangebildet, erzogen werden. Wie Ihr de» Juden als Menschen und Bürger erzogen und gestellt, ist es ein Wunder göttlicher Allmacht und Fürsicht, ein Beweis der läuternde» Kraft seines Glaubens, daß er noch Herz und Seele hat für was Besseres, und bei aller Ehrenschändung und Zurücksetzung ein Rechts- und Ehrgefühl und Selbstgefühl sich hat erhalten und bewahren können. Die das an ihm verschuldet, die haben es zu sühnen, und ich stehe für meine Glaubensgenoffen mit Leib und Seele ein, daß sie der Gnaden gäbe, die keine ist, sich werth und würdig zeigen werden. Ihre Mängel, ihre Fehler, ihre Untugenden kenne —und wer hätte deren nicht? Sie sind die Ergebnisse vorangegangener Jahre und Jahrhunderte; und es hat wohl schwerlich Einer in der Art »seinem Volke vorgehalten seine Sünden und dem Hause Jakobs seine Schuld« wie ich. Aber Ihr, die Ihr zu den Drängern zählet, und nicht zu den Gedrückten, Ihr habt kein Recht, seine Sünden ihm vorzuhalten in dem Augenblicke, wo es den blutigen Kampf mit Euch gekämpft, und als seinen Loh» das anspricht, was Jeder von Euch hat, das Recht, zu leben, zu athmen — da, wo er ist geboren, in seinem Fleiße und Schweiße sich zu nähren von dem, was er mit Kopf und Herz und Hand betreibt. Er verlangt Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit, die ihm Jahrhunderte verweigert ward; und verlangt sie jetzt im vollen Maße und unverkürzt. Es haben sich Stimmen gegen uns erhoben, und man hält uns die als maßgebend vor. Es haben sich auch Stimmen für uns erhoben, mächtige Stimmen, deren Wort einen Klang hat. Warum höret und horchet Ihr auf jene ? Daß unter so vielen, die das Wort führen, auch einzelne böswillige, mißliebige Stimmen sich erhoben und erhebe», soll das maßgebend sein für ein biederes, wackeres, weises und verständiges Volk? Ich will Euch eine solche Stimme des Tages vorführen. Höret und staunet! Da ist Einer, der hat ein sogenanntes »ruhiges« Wort gesprochen gegen die Judenemanzipation, das an allen Ecken angehängt und ausgeboten wird. Gut! dafür ist Denk- und Redefreiheit! Aber, es gehört ein Herz dazu — und welches? in solcher Zeit der Stürme und Aufregung — der Lieblosigkeit, der Anfeindung eines ganzen Menschenstammes in der Art das Wort zu leihen. Wir kennen den Vogel. Er hat vor nicht gar langer Zeit ein ähnliches Lied gesungen, in gleicher Tonart, wenn auch in anderer Mundart. Wenigstens geht die Sage so. Und haben wir uns verkannt, so büßt er nur die alte Schuld. Wir können das Getriebe nicht in seinen einzelnen Gliedern verfolgen, und überlassen das Anderen, die Zeit und Muße dazu haben. »Antworte nicht dem Narren in seiner Narrheit, damit du nicht mit ihm aufs Gleiche kommst« (Sprüche). Wir wollen nur Einzelnes berühren, dagegen wir uns verwahren müssen. Den Hauch und Odem Gottes, der durch die Zeiten geht, den kennt er nicht. Was die edelsten Geister denken, wofür Lausende Seel' und Leben eingesetzt, die gleiche Berechtigung Aller vor dem Gesetze, die Erhebung eines Volkes aus seiner schmählichen und unverschuldeten Erniedrigung — ist ihm, seinem eigenen Geständnisse nach — Wahn und Täuschung! »Lassen wir uns nicht be- »thören durch die hochtrabenden Redensarten von »Gleichheit der Menschenrechte, von Erhebung »einer Nation, womit jetzt so viel herumgeworfen »wird.« Daran sollet Ihr ihn erkennen, wer so spricht, hat das Recht nicht, das Wort zu führen in solcher Zeit. »Wir entziehen dem Juden seine Menschenrechte nicht!« Nicht? Was heißt denn das anders als seine Menschenrechte ihm entziehen, wenn man sein Zuständigkeitsrecht ihm da versagt, schmälert und verkürzt, wo er geboren ist? Wenn man von dem oder jenem Gewerbe, das er gesetzlich erlernt und begriffen und mit Meisterschaft handhabt, von der oder jener Handthierung ihn ausschließt, weil er den einigen und nicht den dreieinigen Gott bekennet? Wenn man das Familienrecht ihm schmälert und verkürzt; wenn man um dieses Glaubens willen zwei- und dreifach ihn besteuert, und bei dreifacher Besteuerung, dreifacher Last jedes Recht ihm versagt, das jedem Menschen und jedem Bürger im Staate seiner Geburt nach zusteht, und wenn er auch an Kapazität und Fähigkeit weit unter ihm steht? Es sollen die Juden »ihr Benehmen so einrichten, daß wir sie — achten und lieben können« sagt er. Gebet ihnen freien Raum und Licht und Luft, und sehet, ob sie es nicht thun? sag' ich. Wer des Armen spottet, schändet seinen Schöpfer, sagt Gott der Herr. Ihr habet ihm die Glieder gebunden, an Leib uud Seele ihn gefesselt, und fordert von ihm, daß er über all die Misere sich erhebe im freien Schwung und Adlerflug. Er spricht vom »Übermuth der Reichen und Angesehenen.« Wie demüthig sind die Euren? Übrigens möge ihn das weiter nicht kümmern, es ist aus mit dem übermuthe und aus mit demReich- thume. Der Wohlstand und Reichthum der Juden, das heißt, der wenigen Juden; denn die Masse lebt und lebte von jeher in Armuth und Dürftigkeit und aß in Kümmerlichkeit ihr Brot; — der Reichthum und Wohlstand der Juden war nie von Dauer, hielt nie den Sturm der Zeiten aus. Ausgeschlossen vom Besitz, von Grund und Boden, ohne feste Habe, allen Wechselfällen hingegeben, sind sie es immer, die zuerst verbluten. Er möge sich trösten! die Herrlichkeit Israels ist verblichen. Er spricht von »der Unverschämtheit ihrer Literaten und Journalisten.« Sie haben das Lied gesungen, das ihnen ward vorgepsiffen; und in der Regel mit Geist und Talent. Daß gar viele Geister und Kräfte sich dahin gewendet, die dazu nicht berufen waren, liegt wieder in der unseligen Beschränkung und Ausschließung, die sie dahin trieb, wo sie freien Raum gefunden. Beschäftiget sie anderweitig, und sie überlassen Euch, was nicht ihres Amtes ist. Irgendwo will doch die Kraft sich regen. Übrigens haben wir auf dem Gebiete uns unserer Helden nicht zu schämen, und können Ku- randa und Andere getrost neben den Hans Jörgel stellen. Skribler und Blattschreiber mit feilen Federn und niedriger Gesinnung gibt es da wie dort Was das »Streben« betrifft, »den öffentlichen Kredit zu erschüttern,« so ging meines Wissens ihr Bestreben dahin, für ihren Theil den »öffentlichen Kredit« zu heben und zu halten; und meines Wissens, ich bin in dem Punkte so ziemlich unterrichtet, ist eben der gerühmte Wohlstand und Reichthum in und bei dem Bestreben auf- nnd untergegangen. Es muß der Herr ganz eigene, luriose Begriffe vom Staatskredit und Haushalt haben, und von dem Kredit eines so großen und mächtigen Reiches, wie das österreichische ist, wenn er in der That glaubt, daß das Aus- und Aufgebot eines Einzelnen den Staatskredit nach Willkür, Lust und Laune halten oder fallen lassen tonne. Die Juden waren eben die Gläubigen, der Staatskredit ihr Evangelium, und sie sind in dem Punkte wie in so manchem anderen die Märtyrer ihres Glaubens geworden. Daß er uns die »ungeheure Theurung« zuschiebt , ist eine Ungebühr, die ihm Gott vergeben möge. Ich betheure hier vor Gott dem Allmächtigen, daß in meiner ganzen Gemeinde nicht ein Jude ist, der meines Wissens am Kornhandel und Wucher sich betheiliget, und erinnere daran, daß ich am verwichenen Ostern öffentlich den Bann und Fluch im Gotteshause gesprochen über die, die die Noth mißbrauchen und ausbeuten zum eigenen Vortheil und Gewinn. Daß die Juden an jedem Werke der Mild- thätigkeit sich betheiliget und Alles gethan haben, was in ihrer Macht stand, um die Noth zu lindern und zu mildern, das gesteht ihnen wohl jeder I willig zu; und es ist die Ungebühr um so schwerer und unverantwortlicher, wenn man ihnen die Schuld zuschiebt, wo das Verdienst auf ihrer Seite ist. Indessen — es macht ihnen der Herr auch das zum Vorwurfe, daß sie in den »drei Tagen« an dem denkwürdigen Kampfe sich betheiliget. Mehr braucht es nicht. Es sind zwei Juden gefallen vor dem landständischen Hause. Er gehe hin und frage, ob unter den vielen, die draußen, wo die wilde und rohe Gewalt in tobender Wuth gewüthet, ob unter den Tausenden, die sengend und brennend durch Städte und Dörfer zogen, auch ein Jude war? Einer? Das zeugt für uns! Auch da waren sie die Leidenden, und es büßten die Betriebsamen ihre Betriebsamkeit wie die Staatsgläubiger ihre Gläubigkeit. Wir bitten Jeden, der ein Herz hat für Recht und Wahrheit, sich den obigen Tbatbestand zu merken, und sä uetn zu nehmen. Ankläger und Anfechter haben immer ein leichtes Spiel, namentlich in solcher Zeit. Aber — der rechtliche Mann der wahret seine Zunge vor trüglichem Worte und vor bösen Reden. Wir schließen diese Ansprache ohne Bitterkeit und Groll, und wenden uns an die Edlen im Volke, deren Herz uns zuschlägt und entgegenschlägt. Wir möchten gerne schweigen und uns bescheiden; aber es drängt der Moment. Wollten wir's, wir könnten es nicht, wir dürften es nicht. Wir sind es den Unmündigen und Unschuldigen, die nach uns kommen, schuldig, daß wir für s i e einstehen und reden. Im Fluge geht die Zeit. Wenn es jetzt uns nicht zugesagt wird — das Recht; so ist es uns auf lange hinaus ab gesprochen und versagt; und Alle, die zu uns gehören, die werden uns einst anklagen, daß wir in solcher Zeit uns des Rechtes nicht versichert. Ich rufe Euch darum noch einmal an und auf: Ihr freien Männer, nehmet auch uns an und auf! Wir stehen ein mit Euch für Fürst und Vaterland, für^'Freiheit, Recht und Ehre! In allen deutschen Gauen, in allen Ländern der Welt, wo nur Bildung und Gesittung in Werth und Geltung ist, ist der Jude frei und ebenbürtig, gleich gestellt vor dem Gesetze. Dießseits und Jenseits der Meere frei und ebenbürtig. Du, mein treues Österreich, stehst neben den Reußen noch einzig da mit deinen alten Satzungen. Gib auf den alten Bund. Halt' es mit den deutschen Brüdern! Heil dir, mein Österreich! Heil deinem Fürsten, deinem kaiserlichen Herrn, dessen Ruhm und Name durch die Welten geht! Heil deinen Helden und Weisen! Denk' an des großen Josephs Wort. Es ist dein schönstes Erbe. Duldung! Liebe und Erbarmen! In koe 8iAuo vinces! Darin wirst du glorreich, wirst du siegreich dich bewähren. K. K. Hof-Buchdrnckerei des L. Sommer (vormals Strauß). > ^ 2 .