50824 lranz I. und bei den Gräbern -er Kapuziner. Dieses kleine Bild malt Kein Deutscher „Um Papier nur zu verschreiben Was denn viele jetzo treiben.« Wien, 1848. Gedruckt bei Franz Edlen ». Schmid. ^Ncschlagm hat die Geisterstiinde — Der Silberlampe matter Schein Erleuchtet dcS Gewölbes Runde, Worin sich viele Gräber reih'n; Es sind die kaiserlichen Gräber, D'rin heiliges Gebein doch ohne Leber. Auf einmal hebt ein Schatten DaS Haupt aus einer Urn' empor; Scheint sich ein wenig zn beralhen, Dann kommt er aus dem Sarg' hervor; Und schweigend nun zum Gitter gehet, Darin der Sarkophag des Vaters stehet. Hier gibt er mit der Hand drei Schläge Und murmelt dann aus rauher Kehl': „Papa, ich rufe Euch; nach langem Wege Komm' ich hieher, und meiner Seel' Wenn ich die Dinge Euch erzählen werde, Verzerret Ihr den Mund und die Geberde. Jetzt tönet in dem Grab ein Gähnen. (Er ist vom Schlafe aufgeweckt.) Jetzt eine Hand, der Kopf mit langen Zähnen. Die Brust, der Bauch, das ganz' Insekt — Und wer erhebt sich aus der Todtenkanzel? DaS magere Gespenst des alten Franzel. 4 „Willkommen, meine liebe Tochter! Lange, Recht lange warte ich auf dich, Weil ich von dir zu wissen was verlange; Ich glaubte schon, du lässest mich im Stich." „Nein, denn eö wäre schad', wenn Niemand Euch erzählt Die Neuigkeiten von der andern Welt." Sie setzt sich aus die Stufe nieder, Und nimmt aus ihrer Tasch' ein Buch, Liest dann die langen schönen Lieder: „Zuerst der Teufelsbrut den Fluch! Denn Niemand hat das Trauerkleid getragen Für mich, die schönste Zierde jener Tagen.. Als mir der Athem auSgegangen, Und man in Lucca das erfuhr« Hat gleich daS Vvlk dort angefangen (Von tiefem Schmerz gar keine Spur). Zu jubeln, und zwar Alle ohne Zweifel: Maria Louis' ist auch zum Teufel. Doch lassen wir die Schelme alle." „Ja, liebe Tochter, fahre fort." „Jetzt hört, schon nach dem ersten Male, Wo PiuS den Stuhl bestiegen, ist kein Ort In ganz Italien in Ruh." „O Papst, du Schurke du." „Er rief zurück die Carbonaren, Miihin deS Unheils sichern Quell, Zu seinen väterlichen Laren; Und vorig'S Jahr auf sein'n Befehl Ward die Nationen-Garde eingeführt." „Und hat sich Metternich da nicht gerühret?" 5 „Ja freilich! In Quirinus Mauern War die Verschwörung einmal da, Und Meuchelmörder mußten lauern Auf diesen PiuS, wißt Ihr Papa, Die sollten ihm den Garaus machen." „Er war stets ein Virtuos in solchen Sachen!" „Allein am schönsten der Geschichte, Schaut nur was für ein Mißgeschick! Da wurde g'wiß von einem Bösewichte Der Plan entdeckt, zerrissen war der Strick, So schlug der Metternich daneben." Ei! Schade, schad' für sein Bestreben!" „Der Papst ist doch nicht abgestanden Von seiner großen Sündenflut; Er schließt daS Land in fest're Banden Mit der Gesetze toller Wuth. Er ist der Hirt wie heiliger PetruS So folgt die ganze Herde seinem Fuß. Es scheint, als hätt' ein Schwarm Dämonen Sich von den Fesseln losgemacht, Und sich verschworen, gegen alle Throne Zu Feld zu zieh'n mit Teufelsmacht." „WaS macht denn von Toscana unser Vetter?" „Er wünscht der ganzen Sach ein schönes Wetter." „ES hält doch unser Albert feste Füße Auf seinem schönen Thron, Er ist zu schlau, als daß er ließe Den neuen Papst so ohne Lohn." „WaS Ihr da sagt, ist lirum larum, Denn er nennt sich den Carbonarum." „O Albert, alter toller Sünder, Auch du zeigst unS die Zäh'n? Zum Teufel also jetzt in minder Alö dreizehn Wochen seh'n Wir alle Könige herumspazieren!" „Ich glaub' eS auch, wenn sie so prosequiren „Der Veneter und der Lombardei, Die fangen doch nichts an?" „Oh! eS verdichtet sich ein harter Unendlicher Orkan...." Der Franz will doppelt da erbleichen. „Mach' doch deS Kreuzeszeichen!" „Wenn Ihr nur hörtet, lieber Vater, Was für Gespräche durch die Siadt; Und wie man letzthin im Theater Den Vice-König auSgepfiffen hat! Und der Tabak sammt Eurer Lotterie Hat sie erzürnet wie sonst nie. Und seit dem neuen Jahre, Schaut waS für ein Komplot! Kaust man keine Zigarre, Die Lotterie macht Bankrott. Denn keiner kann eS wagen. Man würde sonst ihn schlagen. Radetzky, der im Schedel vieles hat, Steckt seinen Teutonen Zigarren Im Maul, und schickt sie in die Stadt, Wo jene Bösewichte waren. Wie viele Fäuste, wie viel Schläge Bekamen die auf ihrem Wege. 7 Die unfern haben ritterlich gefochten, Denn Alle war'n im Blute d rin; Und waS sie in ihrer Wuth vermochten, „Sie tödten den Manganin!" „Gar einen kräftigen Alciden?" „Rein, einen armen Invaliden. Damit bin ich noch nicht zu Ende; Der Rest ist noch so lang, Daß ich gar eine Stunde sprechen könnte." „ES wird mir zwar sehr bang, Der Kopf will mir vor Angst schon fehlen; Doch meinetwegen kannst erzählen." „ES ist dort wirklich eine Hölle. Denn Verse schreibt ein jeder frei Ueber des großen Unheils einz'ge Quelle Ueber die harte Tyrannei. Bei Besseren ist das Unwesen, Daß sie verbot'ne Bücher lesen. Hier steht mit Kohlen klar geschrieben: ES lebe Italien, die Deutschen weg; ES lebe PiuS, den wir so lieben; Radetzky muß einmal vom Fleck." „Aber, mein Kind, um GottcS willen, WaS macht die Polizei, die Patrouillen?" „Die Armen haben hundert Wagen Kalk und vielleicht noch mehr verbraucht; Denn heute werden alle Ecken Schön eingeweißelt, waS zu nichts doch taugt. DaS Volk will überall jetzt walten, Die Polizei muß fest ihr Maul zuhalten. 8 DaS Uebel ist nicht groß, so lange Sie Kohlen haben in der Hand; Allein eS macht Jemand mich recht bange, Der machte nämlich mir bekannt: Die Leute würden Heuer Mit Schwertern reden und mit Feuer." „O wär' ich noch bei Leben! So wahr ich Franz noch bin. Ich hätte ihnen schon gegeben.... Mit einem Schlag wär' Alles hin; Denn bei so wichtigen und schweren Sachen Muß man gar keine Komplimente machen. Ich hätte alle Carbonaren, Welche die Ruhe dort gestört, Wo mein' Erbländer waren In Spielberg alle eingesperrt. Ich möchte ihnen schon die Lust vertreiben, Gen Oesterreich so frei zu schreiben." „WaS denket Ihr? ES sind zu viele Der Teufeln dort im ganzen Land; Ihr kämet nie zu Eurem Ziele Auch nicht der gute Ferdinand. Ja, wenn nur wenige da wären; So aber müßtet Ihr Italien ganz einsperren." „So ist Italien ein Land der Drachen, ES ist ein wahrer Pulverthurm; Und noch dazu er droht zu krachen.... DaS wäre dann ein Sturmi!" „Man muß noch einen finden, Um diesen Thurm nur anzuzünden." „Wer kann denn solchen Gräuel ahnen? Bald kommen die, ich seh' ste schon, Zu uns herauf mit ihren Fahnen,... Und dann mein armer Sohn? Sie jagen fort ihn ohne Zweifel! Verdammter Papst komm' doch zum Teufel! Und jene Hunde von Rebellen, Denn jene treiben keinen Spaß, Die werden alles Geld mir stehlen." „Ihr meinet nämlich das, Was jene Schelme einst besaßen, Und wir es ihnen ganz wegfraßen?" „O Tochter, bitten wir die GlückeSsterne Und auch den lieben Gott, Daß er daS Unglück doch entferne, Das unserm Reiche droht!" Er kniete nieder auf die Grabesstätte, Und fing nun an mit dem Gebete: „Wenn's wahr ist, daß ich durch mein ganzes Leben Mir stets die größte Mühe Hab' gegeben, Den Völkern einzuflößen ohne Waffen Die Ehrfurcht gegen mich und gen die Pfaffen. Wenn ich die gute Jesuiten-Race In meinem Reiche stets vermehrt; Und wenn Gregorius manche Flasche Meines TokayerS auSgeleert; Wenn ich zu ihm die Strick ließ schlüpfen, Um manchen Bösewicht nur aufzuknüpfen. Wenn ich dem Sohn Napoleons den guten Bissen Gab, um zu meiden stets daS Blutvergießen. Wenn die Gelehrten ich Hab' unterdrückt, 10 Wenn ich vor meinen Völkern mich gebückt, Da sie all' meine Liebe hatten s) Und meine Prinzen, die Dukaten, Wenn dieß, o Gott, ist ohne Zweifel, So schick den PiuS einmal zum Teufel! (Maria Louise.) Wenn'S wahr ist, daß ich meine Lebenszeit Hierdurch der Nächstenliebe mich geweiht. Wenn das Erst von Bonaparte Mir zeigte eine gute Karte. Wenn dem verbannten Gatten Zum Lohn für seine Thaten Ich einen andern Kranz Um seine Stirn gebunden, Wenn Alle einst für mich den Glanz, Die schönste Zierde jener Tagen Nicht einen Schmerz empfunden, Nicht einmal wie man mich in'S Grab getragen, Wenn dieß, o Gott, ist ohne Zweifel, So schick' den PiuS einmal zum Teufel! (Beide.) ES treffe Karl ein Donnerwetter, Dann von Toscana unfern Vetter, Und schmeiße sie in diese Hölle, So auch die Gard' und Kardinale. Nur sei, o Gott, noch manches Jahr erhalten Der wackelnde und morsche Thron! Laß noch darauf den armen alten, Den guten vielgeliebten Sohn. *) Am Franzens-Plahe das Denkmahl mit der Inschrift: -tmoreiu meum popuiis meis. Meinen Völkern meine Liebe. 11 O steh' ihm bei, denn er ist ganz verworren Sonst ist das Ganze lang verloren. Den Pulverthurm in wenig Stunden Sieht er vielleicht schon angezunden. Nach dem Gebete standen Die beiden Geister aus Und grüßten sich darauf; Verließen dann die Stelle Und gingen in die Hölle. Maria Louise war so müd' nach langem Rennen, Daß sie sogleich zur Ruhe sich begab; Sie schmeckt' ihr auch so gut, daß man daS Gähnen Bis im August vernahm in ihrem Grab. Allein dem Franz wollte der Schlaf nicht schmecken, Er war zu viel geneigt dem Reich' und seinen Säcken. Er rannte deshalb fort, und streichte wie ein Schneider Tie Länder alle durch; er schrieb in einem Buch Das Wichtigste sich auf; denn leider Er hätte sich nicht einmal den Geruch Gemerket von der ganzen Katastrophe. Zu viel ist ungesund dem besten Kopfe. Der zwölfte August ist schon erschienen Und jeder weiß recht gut, Daß bis dahin auf unfern Bühnen Genug ist vorgestellt; Soridlerus Wuth Hat unfern Franz auch tüchtig angegriffen; Er schrieb die Wahrheit stets und möglichst glatt geschliffen. 12 Die zwölfte Stund' hat schon geschlagen — Die Grüfte hüllt die tiefste Still'. Sieh da, ein Schatten will aus seinem Grab' sich tragen, Man kennt ihn gleich schon im Profil; Es ist der gute Franz in seinem weißen Tuche Und fest in dürrer Hand mit seinem großen Buche. Er schwebet hin in größter Eile Zu seiner Tochter Gruft, Und Wispelt dann nach kurzer Weile: Es ist Augustus, der dich ruft. Ich weck' dich auf, um etwas dir zu sagen, Was dir gewiß verderben wird den ganzen Magen. Der arme Franz muß lange warten Bis etwas sich im Grabe rührt; Er weiß zu gut, daß ihr der zarten Die zarteste Behandlung auch gebührt. Allein er hat am End' auch die Geduld verloren Ein Schlag auf ihren Sarg zerreißet ihr die Ohren. „Wer weckt so rasch mich auf auS meinem süßen Schlafe?" „Dein Vater und Augustus rufen dich, Du hast doch wohl verdienet diese kleine Strafe Weil dieser Schlaf so lang von dir nicht wich?" „Ihr habt gewiß wasGroßts mir zu sagen!?" „Komm' nur, ich Hab' hier alles eingetragen. Denn wär' ich ohne Büchel fortgegangen, Hätte ich nichts nach Hause mitgebracht." „Ihr hättet halt vom Pulverthurme angefangen, Wovon ich Euch erzählt in jener Nacht." „Ja, dieser Pulverthurm gab uns sehr viel zu schaffen Dazu gehörten nur Radetzky's tapf're Waffen. 13 Also dort angelangt fand ich schon angezunden Den riesengroßen Pulverthurm; In den Rebellen aber habe ich gefunden Den rechten Teufelswurm; Die Scenen vom Zerschmettern und vom Hauen Erfüllten mich oft mit dem größten Grauen. Die Hunde hießen uns: Male äs lellesodi, Allein nach langem Krieg Erfochten die Mate unter dem Radetzky, Als Preis der Tapferkeit den Sieg. Radetzky war wohl tapfer, ohne Wanken, Allein er muß doch mir sein großes Glück verdanken." „Habt Ihr vielleicht der Hölle Feuer ihm gegeben?" „ES kann vielleicht auch dieses sein. Allein eS war mein eifrigstes Bestreben Zu schützen stets sein altes Bein. Den guten Rath hat er im Traum von mir gekriegt, Und nur durch meine Hüls' hat er den Feind besiegt. ES war, um kurz zu sagen, Der Sieger da nur Franz; Mir, welcher ich den Feind geschlagen Gebührt der Siegeskranz." „Ihr solltet einen Brief jetzt Eurem Sohne schreiben; Radetzky würde sich gewiß die Augen reiben." „Die Großmuth grünet noch in meinem Herzen, Der Sieg gehört nicht mir allein; Ich sollte ihm verschaffen solche Schmerzen? Nein, nein, er soll mein Kompagnon stets sein." „Die Wiener sollten Euch ein Denkmal jetzt errichten. Ich werd' ein paffendes jetzt schnell erdichten. — Ja, dieses wär' nach meinem kurzm Sehen Ein sehr gescheidteS Monument. Radetzky sollt' auf einem Blasebalge stehen, Vor welchem eine Fackel brennt. Aus seinen Schultern würdet Ihr als Sieger glänzen, Und grüner Lorbeer sollt' Euch Beid' umkränzen. Und eingegraben auf die Fackel DaS Wort: Italiav laoula. Der Blasebalg hat weggelöscht Italiens Makel Online: Itsliae maoula Die Unterschrift dcS Ganzen: krnnoisvus neo in tartaris Xmious erst darbaris. Am FranzenS-Platze sollte man'S errichten; Die beiden möchten g'wiß den Ruhm Euch nicht vernichten." „DaS möchten wir gewiß verdienen Für uns're große Müh'. DieS schöne Werk wird vielen Ruhm gewinnen Für Oest'reichS hohe Dynastie. Ein Volk, daS seine Freiheit will erringen Jn'S feste Sklavenband zu zwingen, Das ist kein Werk von allen Tagen." „Wie ist doch, daß der bloße Italer Die Sklavenfeffeln nicht mehr wollt' ertragen?" „Mein Kind, von einem Bächlein wird ein Meer! Bald sind die Ungarn und die Böhmen aufgestanden, Und Oesterreich zerriß auch seine Sklavenbanden. Die ganze Welt ist eine Waffenwelt geworden. Der Ungar Koffuth war der Freiheit Licht. DieS Licht verbreitet sich nach Süden und nach Norden. Doch vieles gibt die Freiheit ihnen nicht. Der Kossuth wollt' zum Götterthron gelangen, — Bald wird er aber auf dem Galgen hangen. Er glaubte durch die Freiheit zu versetzen Die Ungarn in daS ParadieS; Doch waS hat er gefischt mit seinen Hoffnung-Netzen? Nur einen Bürgerkrieg gewiß. Kurzum von jenen freien Martius Tagen, Kann ich mein Kind nur schreckliches dir sagen." „Wer war der erste nun, den man beim Zopf genommen „Es war der arme Metternich. Er trachtete den Laufpaß zu bekommen. Und kam auch fort zu seinem Glück. Denn wär' er ihnen nicht entschlüpft, Sie hätten g'wiß ihn aufgeknüpft. Die Wiener alle standen nun in Waffen, Und furchtbar war nun ihre Rach'. Jetzt kam die Tour an uns're armen Pfaffen, ES half ihnen kein Wehe und kein Ach! Sie mußten fort, und in ein Paar Minuten Sah man gar keine mehr von diesen großen Kutten. Ein EhaoS war in jenen Tagen Die arme Wienerstadt; Ein jeder konnte sagen, Was ihm gefallen hat. Der armen Polizei und allen Patrouillen Gab man schnell ihnen ein recht bitl're MartiuS Pillen. Und Barrikaden auf den Straßen Und jeder Bürger ein Gewehr; Der wilde Pöbel durch die Gassen, Der streifte plündernd hin und her- Ein solches Volk und ohne Zügeln Fand nur sein Recht im rechten Prügeln." „Wie konnte dieses doch ertragen Der gute Ferdinand?" „Er konnte g'wiß dazu so viel nur sagen, Daß dieses freie Land Die Freiheit nimmer wird beglücken, Sondern vom März in den April wird schicken. Die beiden Monat sind verflossen Im jungen Freiheit Flor; Sowohl dem Kleinen als dem Großen Schwebte nur immer vor, Der herrliche gespickte Braten Den sie durch ihre Freiheit sich erworben hatten. ES kam der Mai, des Volkes schönster Bissen War die Konstitution. In seiner Wuth hat es die Schranken ausgerissen, Wodurch mein vielgeliebter Sohn Getrennet wird von seinen Unterthanen; Bei finst'rer Nacht betrat es die Burg seiner Ahnen!!" „Har denn der Hölle wildes Feuer Erfüllt die Welt mit Wuth? DaS ist kein Volk, eS ist ein Ungeheuer Mit ganzem Mark und Blut, Wenn eS zerbrochen hat die starke Kette Und noch entweihen kann die heilig'ste Stätte I l" 17 „DaS war, mein Kind, ein tolles Treiben! Sie gingen dann hinauf zu meinem Sohn, Und schrie'n, er muffe eiligst unterschreiben Dem Volke die Consttiution. Der brave Ferdinand hat tapfer doch gekämpfet, Und nur mit einem Morgen ihre Wuth gedämpfet. An seiner Stell' hält' ich ein paar Kanonen In Eile hingeführt, Um nach Verdienst sie zu belohnen... DaS hätte sie kmirt! Am nächsten Morgen ist er stille abgezogen." „Da haben sie gewiß die Mäuler recht verzogen!" „Die Frechheit dieser Presse Hat damals sich gezeigt In ihrer ganzen Größe, Die Hölle selbst gesäugt In Blättern hieß eS schon, mein Sohn hat sich geflüchtet, So grausam war von ihr sein Abzug da gerichtet. Er selbst war nicht mehr Kaiser tituliret Rur, erster Diener und sonst was? Die Kamarilla war auch grausam maltretiret, Sie hieß die schändliche Bagasch. Die Geistlichkeit verlor auch ihren Werth und Ruhm, Man nannte sie das teufelische Pfaffenthum. Und unser Hof der Damen War schon ein Weibcr-Klubb; Ein Jeder kriegt hall seinen Namen; Der cine heißt ein Schmk, der andere ein Bub'. 2 18 Der Johann nur und seine Gattin sind zwei Sterne, Ein Jeder liebet sie, ein Jeder sieht sie gerne." „Ich kann nur nicht begreifen, Wie dieser Postillon Zu solcher Stelle konnte reifen, Vielleicht sogar zum Thron!? Da wird er erst dem Stolze nimmer weichen !" „Du kannst auch der Sophie die Hände reichen. „Die hat gesagt, vom Neide stark gebissen, Wie eö dem Bauerntrompel ist. DaS hat der Armen bald das Herz zerrissen. Doch lassen wir den Weiberzwist. Jetzt kehren wir zurück zu unseren Banditen." „Was haben die auch jetzt gestritten?" „Sie waren nicht zufrieden mit den neuen Rechten, Mit der Constitution; Sie wollten noch um ihre Freiheit fechten, Und den Verräther Albert auf den Thron; Die Hunde bellten immer via voi leckeselii Und meinem Kameraden, morte al Uackesvlü. Da ist mir alles Blut in Kopf gegangen, Ich keuchte schon vor Wuth, Daß diese Mörder noch die Schwerter schwangen, Und opferten ihr HerzenSblut, Um doch ihr höchstes Gut, die Freiheit zu erringen. Allein wie konnte ihnen dieß gelingen? Radetzky war mit Leuen-Zorn erfüllet, Und ich mit Tiger-Wuth; 19 Da haben wir den Blutdurst recht gestillet, Auch Melden zeigte Teufelsmuth. Er mordete die Stadt Sermid und ließ sie schleifen, Weil sie den Freiheitsdegen wollte greifen. Wie solche Helden Wunder nur gewirket Zum Waffenstillstand haben wir's gebracht." „Der Hund hat also bald die Katz' erwürget? Das wäre eine Pracht! Allein seid auf der Hut, daß nicht die schlaue Katze Vielleicht dem tollen Hund die Augen bald auSkratze!" „Nein, nein; darüber kann er ruhig schlafen, Denn ihm ist hold der SiegeS-Gott; Der wird in feinem Zorn die Katze nur bestrafen, Weil sie dem Hund mit vielem Schaden hat gedroht." „Ei! Lassen wir den Streit von Katzen und von Hunden! WaS machte nun die Wienerstadt, wie Ferdinand verschwunden?" „Sie war ein Hauö, daö seinen Vater schnell verloren; Nun stelle dir die Angst der armen Kinder vor! Ihr Bitten, ihr Geschrei gelang zu seinen Ohren Er kehrte auch zurück zu seines Hauses Thor. Wie sie ihn heute nun in ihrer Mitt' erblicket Sind von dem großen F-eudentrunk die Armen bald ersticket." „Die Ankunft heut' in Wien, und wie er fortgegangen, DaS ist ein großer Unterschied! Ich wette, daß nicht alle lustig sangen Ihm heut' ein schönes Ankunft-Lied." „Da hast du Recht; eS waren viele Kinder d'runter, Die waren ganz und gar nicht munter. 20 Der eine sagt': Es wäre besser doch gewesen, Wenn unser Vater heut' auch tasi angekommen wär'. Ein and'rer meint': Es hat, wegen der Spesen Der Arme, wenn er stirbt, gar keine Glockenehr'! Warum wird aber heut' so viel umsonst geliitcn? So haben viele unter sich gestritten." „Nach Euren Reden, lieber Vater, Kommt mir jetzt vor die Welt Als ein verworrenes Theater, DaS mir gar nicht gefällt. Ich kann nun zu den Inrtnris die Welt auch zählen, Und will doch diese mir von ihnen beiden wählen" „ES steht dir so wie mir die freie Wahl jetzt offen, Weil schöne Freiheit blüht. Du hast mit deiner Wahl die meinige getroffen, WaS wegen neuer Gleichheit nur geschieht. Jetzt wollen wir zu unfern Brüdern uns begeben, AuS vollem Herzen rufend: ES sollen leben Die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Nach dem Gespräche standen Die beiden Geister auf, Und grüßten sich darauf, Verließen dann die Stelle Und gingen in die Hölle La^lS