eNtschlaNh's r e eh t.k e r. Wien L8»8. Gedruckt und zu haben bei U Klopf «en. und Alerander Eurich, Wollzeile Nr. 782 . ^)ie Stund' ist da, an die einst Niemand glaubte! Der Strahl, den von der Zukunft heiligem Altar Profetisch nur der Dichtergeist sich raubte, Das Wort — ist Fleisch geworden und ist wahr! Des Volkes Seele lebt in Ginenr Haupte, Als Phönir stiegt empor der deutsche Aar. Nicht Fürstenrath hat Dich herausbeschworen — Johann — Dich hat ein freies Volk erkoren! Mein deutsches Volk — geliebte deutsche Erde! Aus deinen Schmerzen keimt die edle Frucht; So lang die Knute hing an deinem Herde, Hat stumm der Blick des Bruders Blick gesucht. Du hofftest einsam, daß es tagen werde, Und hast gebetet und der Nacht geflucht. Dein letztes, tiefstes Weh entband die Sprache, Und in dem Klange lag die Kraft der Rache. Wie einst vor Hamlet in drei Schanernachten, Trat vor dich hin der Geist, dem du entsprangst; Wehmüthig-zürnend mahnt' er mit der Rechten, Jndeß du krankhaft noch mit Zweifeln rangst, Ob du sie stürzen solltest, die dich knechten, Aus deren Kelch du Gift aus Capua trankst. Du aber warfst den Leib hin der Verwesung, Der Muth zu sterben brachte dir Genesung! Bewußtsein deines Rechts, des angebornen, Gab dir die heil'gen Waffen: Wort und Schwert; Und nach der Cinigkeit, der langverlornen, Hast du am Tage der Gefahr begehrt. Die deutsche Tricolor rief die Verschwornen Zum Stur; der Tyrannei an Einen Herd. Und das Bewußtsein scheuchte als Gewissen Den Schlaf von ungerechter Fürsten Kissen. Du haft's erreicht, mein Volk, — das Erste — Beste: Zu fühlen und zu wissen, was dir noth. Die Einigkeit, der Einheit Band, das feste, Der edlern Selbstsucht edler Öpsertod! Verschwunden sind des Mißtrau'ns letzte Reste, Das Volk erkennt sich erst am Tag der Noth. Und so erkannt' es den, der es verstanden, Eh' noch der Tag anbrach den deutschen Landen. Wie ernst dre Völker Habsburgs edlem Grafen Die Krone boten, frei, aus freier Wahl: So führe Deutschlands Schiff zum sichern Hafen Ein Sprosse Habsburgs nun zum zweitenmal. Sei Du der Mann der Starken und der Braven, Der Volksverführer rother Wetterstrahl! Das deutsche Reich bedarf zuerst der Stärke, Der Mann des Volks übt selbst der Liebe Werke. Johann! Du Baum der deutschen Freiheit blühe, Und Deine Aeste nähr' mit deiner Kraft! Ob auch das Abendroth dein Haupt nmglühe, Es ist kein Wurm im Stamm — gesund der Saft. Das deutsche Reich lebt auf in heil'ger Frühe! Wenn auch im Osten roth die Wunde klafft, Und ob im Westen aufsteigt ein Gewitter: — Johann —Du wachst—als Deutschlands letzter Ritter! Wien, am 5. Juli 18 8. —EMKVSSi«