Aufruf und Bitte an die biedern Einwohner Wicn Zur Aetheiligung an dem Vereine zur Beschäftigung brotloser Arbeiter. HkVie bekannt ist seit einigen Monaten in den industriellen und kaufmännischen Unternehmungen eine bis in die untersten Schichten der Bevölkerung erschütternd eindringende Geschäftsstockung eingetreten, in vielen Geschäftszweigen wurde die Zahl der Arbeiter beschränkt, viele Fabriken hörten ganz zu arbeiten auf, und schon jetzt werden theils auf Kosten des Staates, theils aus der städtischen Kassa tausende brotloser Arbeiter durch öffentliche Unternehmungen beschäftigt, dieser Zustand wird — wollte man auch hoffen, daß er seinen Kulminationspunkt erreicht habe — jedenfalls noch mehrere Monate dauern, bis mit hergestellter Ruhe und Ausgleichung der störenden Verhältnisse der am Boden liegende Handelskredit wieder erstarkt, die jetzt verschlossenen Absatzwege für die industriellen Erzeugnisse wieder geöffnet, und neue ausgemittelt, hiedurch zwischen Erzeugung und Absatz das nöthige Gleichgewicht hergestellt, und die Möglichkeit gegeben sein wird, alle diese Tausende wieder in den von ihnen erlernten und früher betriebenen Gewerben zu beschäftigen. Die Geldmittel der städtischen Kassa reichen nicht zu, derlei bedeutende Kosten in die Länge zu tragen, und nur der so oft glänzend bewährte Gemeinstnn von Wiens Bürgerschaft, die nie ermüdende Wohlthätigkeit der biedern Einwohner dieser Hauptstadt kann hier helfend und rettend einschreiten. Fest überzeugt, daß es an der energischen Unterstützung eines solchen Zweckes von Seite der edelsinnigen Bewohner nicht fehlen werde, wenn Mittel und Wege hiezu angedeutet sind, ist das gefertigte Comitee zur Bildung eines Vereines zur Beschäftigung brotloser Arbeiter zusammengetreten , wozu die Mittel in der freiwilligen Spendevon täglich Ibis 3 Kreuzern durch jeden Einwohner, dessen Verhältnisse eserlauben, geschaffen werden sollen. Diese Hoffnung hat nicht getäuscht, sondern sich vielmehr glänzend bewährt! — Bei der am 13. Mai mit vielen Hausinhabern der innern Stadt, bei der am 14. Mai mit den Vorständen der Vorstadtsgemeinden stattgehabten Berathung äußerten sich bei den Versammelten die herzlichsteil Sympatien für dieses Unternehmen, und nicht nur, daß die Einsammlung in den Häusern durch die Eigenthümer oder deren Bevollmächtigte einstimmig zugesagt wurde, trat auch ein solcher Wett- streit der Bereitwilligkeit zur Ueh§rUhme der Einkassirung in den einzelnen Sektionen und Bezirken, in welche zur Reglung tzest* Samustung Stadt und Vorstädte getheilt werden mußten — ein, daß in der innern Stadt noch am 13. Mai so viele Teilnehmer sich fanden, um aus ihrer Mitte die erforderliche Zahl der Sektions- und Bezirks-Caffiere wählen zu können. Es ergeht nun an hie Mildthätigkeit der biedern Bewohner unserer Hauptstadt die herzliche Bitte nach ö^räftzn zu dieser Sammlung beizusteiMn, kein wie immer gearteter Zwang hat statt; es ist zwar W Grundsatz ausgesprochen, daß die erbetene Spende zwischen ein bis höchstens drei Kreuzern täglich betragen, und wöchentlich eingesammelt werden soll, allein es steht jedem frei, den Beitrag, welchen er leisten will, auf mehrere Wochen, ja Monate vorhinein abzuführen, es ist jedem unbenommen, wenn er für eine Woche gezahlt hat, und in der nächsten gehindert ist, feinen Beitrag ohne Nachzahlung fortzusetzen. Indem jedoch das Comitee diesen Aufruf an den Edelsinn seiner Mitbürger erläßt, hält es sich auch verpflichtet, jene Kontrollen bekannt zu geben, unter welche die richtige Abfuhr dieser Spenden an die Central-Kaffa und die Verwendung derselben zu dem angegebenen Zwecke, nämlich der Beschäftigung brotloser Arbeiter, gestellt werden soll. Die innere Stadt so wie die Vorstädte werden in Bezirke, diese wieder in Sektionen getheilt, und diese Eintheilung bezüglich der Stadt und der Vorstädte, veröffentlich werden. . Jedes Haus erhält einen Subscripttonsbogen, in dessen 1. Rubrik der Name der Beisteuernden, in die übrigen die geleistete Wochenzahlung, und zwar diese letztere von dem einsammelnden Hausinhaber oder dessen Bevollmächtigten in Gegenwart der zahlenden Partei — als wechselseitige Kontrolle — eingetragen wird. Die Einsammlung geschieht vom 21. Mai angefangen an jedem Sonntage, diese Wochenzahlung wird jeden Montag von dem Sektions-Kassiere bei dem Hauseigenthümer gegen Empfangsbe- stättigung im Subscriptionsbogen, und Gegenbestättigung des Haussammlers in dem Sammelbogen des Sektions-Caffiers behoben, sohin Dienstag an den Bezirks-Caffier unter gleichmäßiger gegenseitiger Be- stättigung in den Sammlungsbögen des Sektions- und des Bezirks-Caffiers abgeführt. Sowie nämlich der angeschloffene Subscriptions-Bogen in der .1. Rubrik die Namen der Parteien enthält, so sind in dem Sammelbogen des Sections-Caffiers in der 1. Rubrik die einzelnen Hausnummern der Section der Reihenfolge nach, in dem Sammelbogen des Bezirks-Cassiers die dessen Bezirk bildenden Sektionen aufgeführt, und ist in diesen 2 Bögen neben jeder Wochenzahlung Raum zur Namensfertigung des Hausinhabers, oder Sektions-Cassiers gelassen; auch wird der Bezirks-Caffier ein Verzeichniß sämmt- licher Häuser seineABezirkes führen, und in dieses jede Wochenzahlung eintragen, um erforderlichen Falls durch Einsicht des Haus-Subscripttons-Bogens sich von der richtigen Ziffer jeder Post zu überzeugen. An jedem Mittwoche endlich führen die Bezirks-Caffiere die Wocheneinnahme an die Central- Caffa des Vereins ab, welche bei dem städtischen Oberkammeramte sich befindet, jedoch über Empfang und Ausgabe eine von den übrigen Comunal-Geldern abgesonderte Rechnung sichren wird. Bei dieser Central-Cassa wollen auch jene Wohlthäter, welche höhere Gaben zu dem Vereine beizutragen beabsichtigen, solche erlegen, und diese besondern Beiträge werden mit Benennung des Gebers in den monatlich und vierteljährig im Drucke erscheinenden Ausweisen veröffentlicht werden. WLe bereis in dem ersten Aufrufe ausgesprochen wurde, sollen die in diesen Verein einsiießenden Gelder zu gemeinnützigen öffentlichen Bauten verwendet werden, und als nächster Angriffspunkt wurden die Arbeiten zur Erbauung einer freiwilligen Arbeitsanstalt, verbunden mit einem Central-Versorgungshause und einer für öffentliche Humanitäts-Institute bestimmten Waschanstalt festgesetzt, sollten jedoch die Beiträge so reichlich einfließen, daß sich die Möglichkeit ergebe, mehr Arbeiter als bei diesem Bauobjekte zweckmäßig beschäftigt werden können, unterzubringen, so würde gleichzeitig zur Beschäftigung solcher Erwerbsloser in andern Wegen, namentlich in einer ihren erlernten Gewerben entsprechenden Weise geschritten werden. Um übrigens auch die Einwohnerschaft von den Resultaten dieses Vereines in stäter Kenntniß zu erhalten, wird das Ergebniß dieser Sammlung in einer Uebersicht nach Bezirken, so wie die Verwendung der eingegangenen Beträge monatlich mittelst Beilagen der Wiener-Zeitung veröffentlicht, vierteljährig aber ein spezieller Ausweis der von jedem Hause eingegangenen Geldbeträge durch Druck bekannt gegeben werden, so daß jeder Hanssammler in der Lage sein wird, die Abfuhr der in seinem Hause eingegangenen Gelder an den Bezirks-Cassier zu überwachen. Schlüßlich hält sich das Comitee auch verbunden, hiemit kund zu geben, daß sobald eine hinläng- liche Anzahl wirkender Glieder ihren Beittitt erklärt haben wird, der Verein in einer einzuberufenden Generalversammlung sich definitiv constituiren, und durch die Vereinsglieder ein leitendes Comitee wählen wird. Wien, den 17. Mai 1848. Johann Anzelett, Vorstand vom Laurenzergmnd. Joseph Bader, Bürger und Hausinhaber. Baumgartner» Ober-Baudirector. Bergmüller, Vicebürgermeister. Franz A. Bcrnard. Franz Blasum, Magistratsrath. Benod, Vorstand vom Spitlberg. Ludwig Graf Breda, Landrath. Colloredo Mannsscld, Ob. Commandant der akadem. Legion. Michael Döbler, Richter zu St. Ulrich. Lcop. Ant. Dierl, Dr. der Rechte. Rudolph Etzelt, Gemeindevorstand der Weißgärber. Jakob Fellner, Zimmermeister und Hausinhaber. Franz Franz, Vorstand der Gemeinde Wieden. I. Funk, Richter im Altlerchenfeld. Joseph Geyer, Richter, Vorst. Michaelbaiern. Dr. Jos. Goldmark, Hauptmann des 3. Med. Corps. Joseph Groll, Richter von Erdberg. Herrmann, Hauptmann ak. L. 1. C. Wenzel Horr, Mediziner, im Namen der Studenten der Universität. Franz S. Jaks, Gemeinde-Vorstand der Vorstadt Rossau. Dr. Jnnhauser, Notar der med. Facultät. Joseph Julian, Beisitzer. Sebastian Kallander, Richter der Gemeinde Gumpendorf. Dr. Joh. Kessler, prov. Präsidial-Secretär des Wr. Civilgerichtes. Dominik Klang, Richter der Leopoldstadt. Carl Kratky, Präses des Civilgerichtes und Bürger Wiens. Dr. Lenk, Facultätsmitglied. Dr. Lerch, Decan der med. Facultät. Dr. Heinrich Löw, Mitglied der mediz. Facultät. Ludwig Liebhard, Hauseigenthümer und Armenbezirks-Direktor. Al.Dürft Liechtenstein. Anton List, Richter der G. Landstraße. Ludwig Mayer, Richter auf der Windmühle. Sebastian Wangold, Richter am Himmelpfortgrund. Christian Manersberger, Richter am Neubau. Landrath Mills. Montecuccoli, n. ö. Landesmarschall. I. Muntz, Richter der Jägerzeil. P. Murmann. Andreas Mutz, Richter zu Mariahilf. Joh. G. Neupy, Vorstand der Gemeinde Strozzischengrund. Rud. Niernsee, st. Ingenieur. Johannes Nordmann, Schriftsteller. Anton Graf Pergen, n. ö. Landstand. Franz Pietsch, Richter am Breitenfeld. Pillersdorf, Minister des Innern. Peter Ponfikl, Richter der Gemeinde Alservorstadt. Joseph Preisler, Jurist, als Adjutant der akadem. Legion. Joseph Reder, Richter der Gemeinde Margarethen. Sardagna, Stadtkommandant. Joseph Schmid, Grundrichter in der Josephstadt. Georg Schmidt, Arbeiter-Vertreter und Hausinhaber. Johann Adolph Fürst Schwarzenberg. Seeburger, k. k. Leibarzt. Seppenburg, Hauptmann ak. L. 3. C. Freiherr von Stifst, n. ö. Landstand. Joh. Teufel, Richter am Thury. Theodor Valentin, Jurist, im Namen der Studenten d. Universität. Fr. v. Vesque. Wilh. Warhanek, Jurist, im Namen der Studenten d. Universität. Franz Freiherr von Werner, Landrath. Carl Winkler v. Forazest. Joseph Wolf, Richter am Schottenseld. L.Sx