Der krmkAäv» - liriv in Neapel Gefairgennehmung und Tod der Nationalgarde! fürchterlicher Lag l UmIt Uhr fiel der erste Schuß von Seiten der Nationalgarde. Sogleich rückten vom Schloßgarten die Schweizer, Regimenter unter scharfem Feuer vor. Vom kslorro Uo8«i, vom Lal^ rl'Liii ope und den nah gelegenen Plätzen aus begannen die Kugeln auf fir herab zu sausen, fie verloren viele Leute, rückten aber dennoch vor, besetzten die Häuser ringsum, und die Artillerie den ganzen Toledo mit Kanonenkugeln. Bald waren die Barrikaden zerstört. Man umzingelte daß Quartier, worin die Nationalgarde focht, und eß gab viele Todte, Verwundete und Gefangene, daß Gefecht zog sich mehr auf den obera Theil des Toledo, auf Mareadello, Santa Brigitta und Longo Castells, der Kanonendonner von letzterem war fürchterlich, überall, wo Jemand ans den Fenstern sah, wurde von den Truppen hinaufgeschoffen. Die Kanonenkugeln und Kartätschen richteten große Verwüstungen an. Die Häuser des Toledo find arg mitgenommen, überall drangen die Kugeln ein; ich sammelte 5 in meiner Wohnung. Tegra 4 Uhr wurde eß im Toledo ruhiger; die Schweizer besetzten Balkone und Dächer und die Nationalgarde ergab sich ihrem Schicksale. Ueberall sah ich durch die Ladenrltzen Nationalgardisten und Bürger, welche auf die Truppen geschossen, binden und wegschleppen- Aber noch war des Schreckens nicht genug. Die Lazzaroni stürzten sich nun in Mafien mit dem Geschrei: Lviv» jl kö! auf die Gaffen und in die Häuser, u»d schleppten fort was sie faaden. Wer widerstand, wurde niedergestoßen, da galt eS ausö neue zu verbarrikadiren, Weiber, Kinder und Mäuner plünderten nach Herzenslust. Einzelne Palläste bekamen einige Mannschaft zum Schuh. So harren wir angstvoll der feraeren Ereignisse. Es ist viel Blut geflossen, und leider ist die Sache noch nicht beendet. AuS der Kerne wechseln die Schüsse mit dem Geschrei der Lazzaroni, deren Plünderungssucht furchtbar aufgestachelt ist. Details zu geben vermag ich noch nicht. Die Sachen stehen schlimm, sehr schlimm, obschon die königlichen Truppen vollkommen Sieger blieben, die Schweizer fochten mit großer Tapferkeit, auch die Garde-Marineu. s. w. rückten allmählich in den Kampf und fochten gut. Das sind nun die traurigen Früchte, welche die Nimmersatten pflückten. 10 Uhr. Die Nacht dauerte in größeren Pausen daS Schießen fort, darneben raubten und plünderten die Lazzaroni nach Herzenslust, an vielen Stellen brach Feuer auS, welche- mit der größten Anstrengung gelöscht wurde. Anderswo ist eine Revolution mit dem Kampfe beendigt, hier beginnt nach dem Kampfe die Plünderung, vielleicht auch das Morden, viele Palläste sind ganz ausgeleert. Die Schweizer fochten tapfer, verloren aber sehr viele Leute, darunter den wackern Major vom 3. Regiment von Salis-Sogli, die Hauptleute v. Stärker, v. Muralt. In vielen Pallästen wurde alle- niedergemacht, vor allen die Nationalgardisten. ES war ein furchtbarer Tag. Ueberall trägt man Leichen und Verwundete durch die Gaffen- An 600 Nationalgardisten sind gefangen. Die Nationalgarde ist abgeschafft, ein neues Ministerium gewählt. Lazelli ist wieder Minister. Die Verwüstung Neapels ist schreckbar, mehrere des schönsten Palläste sind zerstört und abgebrannt. Der herrliche Paüazzo 6iovanno ist ganz verwüstet, er war mit verbrannten, -erstochenen und zerschlagenen Leichen angefüllt. Hier hauste die königliche Garde mit schrecklicher Duth, am Toledo, in St Brigitta sind viele Palläst« ebenfalls leergebrannt. Gestern wurde überall mit Teppichen verhüllte Leichen vorüber getragen. Dazu lachten dann die königlichen Soldaten, Offiziere hoben die Hülle von dem Anlitz ihrer gebliebenen Feinde, und die Lazzaroni schrien, Tviv« ii Uü. Gestern Abends war die Stadt auf Befehl llluminirt aber kein Mensch ließ sich auf der Tasse blicken. Die Schweizer sollen 260 Todte haben. Neapel ist in Belagerungszustand erklärt für 8 Tage. Die Wuth der Truppen gegen die Bürger ist außerordentlich. Wer irgend kann, macht sich aus dem Staube Die Nationalgarde ist in Folge eines königlichen Dekrets bis auf weiters aufgelöst, alle Waffen müsse» ausgeliefert werden. Die Lazzaroni ziehen durch alle Gaffen mit königlichen alten Fahnen, mit Madonnenbildern, weißen Tüchern, und jubeln, werden aber von den Truppen in Zaum gehalten (bis jetzt). Aber die Gewehre der Nationakgarde laßt man höhnend von den kleinsten und zerriffendsten Buben aufs Generalkommando schleppen. Gensdarmen, Polizei, alles ist in alter Form, in alter Gestalt wieder aufgetaucht. Nichts desto weniger drückt sich ein königliches Programm in ziemlich milden Worten über den Nbto rli« illegalits, welcher so traurige nicht .zu vermeldende Folgen gehabt, auö, erklärt dhe Urheber strenge bestrafen zu wollen, aber — die beschworne Constitution zu respektiren. Neapel ist mit einem Mahle wieder in »inen bodenlosen Abgrund versunken. 60 gefangene Nationakgardisten sollen erschossen sein. Biele wurden zertreten auf ein Kriegsschiff forttranS- portirt. Darunter auch Franzosen. Levraulx, der Gesandte und Admiral Bonden sind erbittert. Letzterer zog b»reitS gegen daS alte Herkommen die ganze Flotte (8 Schiffe) auS Castellamarr und Basar zusammen und bedroht daS Schloß. Man verlangt Auslieferung der gefangenen Franzosen und Schadenersatz für die an den Franzosen verübten Diebstähle. Einige Abtheilungen französischer Truppen sind zum Schutze einzelner ausgeschifft. Wie soll das enden? Welche furchtbare Reactkonen stehen uns noch bevor! Einzelne Beispiele von Heldenmurh der Nationalgarde fehlten nicht. Die Schweizer thaten alles. Augsburg am 2? Äkai. ** Gedruckt bei M. Lell, Leopoldstadt. Wrintraubengasse Nr. 503. 'r7^M Kl?k5§5