d e r Mtnnschcll Legion. akademische Legion wird sich auflösen, muß aufgelöst werden, hört man häufig in den letzten Tagen aus dem Munde vieler spießbürgerlicher Dummköpfe. Bezopfte Personen, lauter schwarzgelbes Geschmeiß, wollen durch einen Ministeriell- Erlaß die Auflösung der Legion bewirken; Freiheitsfeinde, Anhänger Metternichs, zugestutzte und modernisirte Spitzel schleichen und kriechen herum, verdächtigen und beschimpfen unsere junge Helden, unsere Vorkämpfer für Recht und Freiheit; ausgediente Naderer und Polizeischergen begehen die abscheulichsten Scandale in der Studentenunisorm, und untergraben dadurch den zu jederzeit noch unbefleckten Ruf der Legion, die, ich glaub's gerne, diesen Finsterlingen ein Dorn im Auge ist. Bürger Wiens, lasset euch durch solche Wühler nicht verblenden, ihre honigsüßen Worte sind Gift, ihre Rathschlage Teufelsanschläge, sie wollen nicht nur den Untergang der Legion, sie wollen auch euren, der ganzen Freiheit Untergang. Ja, man entblödet sich nicht, die Auflösung der akademischen Legion sogar vom Ministerium zu verlangen, ungeachtet hohe Reichstags-Deputate sich für deren Bestehen entschieden erklären, und an die Spitze solchen Ansinnens schließen sich städtische Nationalgarden an, Garden, deren ehrenvolles Institut durch den freien Muth der Studenten erstand. Waren nicht die Studenten, Mitternich führte uns jetzt noch bei der Nase, und ein Sedlnitzky verstopfte uns noch immer das Maul; wir hätten das Joch der Knechtschaft noch immer auf dem Nacken; und ein Heer von Spitzeln würde uns noch immer auf allen Spaziergängen umflattern ; waren nicht die Studenten, die dickbäuchigen Liguorianer wären noch immer die Beichtvater unserer weiblichen Dienstbothen, und schöne Mädchen kämen ins Haus zu den Büßerinnen. Wären nicht die Studenten, so waren wir Null, und der Oesterreicher seufzte noch immer unter seinen Bedrückern. Und doch verdächtiget mall jene Jünglinge, die mit Leib und Seele an ihrem Kaiser, ihrem Volk hangen, die zu jeder Stunde bereit sind, ihr Herzblut zu verspritzen für Kaiser, Volk und Vaterland, die nur das Rechte und Gute wollen, die in den Stunden der Gefahr uns schützend zur Seite standen, die unsere Stadt in den Maitagen vor Anarchie und Elend bewahrten; diese jungen prächtigen Freiheitskämpfer nennt man Verräther, Wühler, Republikaner!! Wiener, seid nicht undankbar oder hirnverrnckt. Lasset euch nicht von Schurken zu abscheulichen Zwecken gebrauchen, denn man bethört euch, darum seid auf eurer Huth. Zeiget Muth, denn Muth ist ein glückliches Gefühl der gespannten Kräfte des Körpers, so wie die Muthlosigkeit eine gewisse Vorbedeutung derjenigen Empfindungskräfte ist, welche nichts als das Aufhören ihrer Bedräng- niß übrig lassen, auf welche Art dieses auch ausfallen mag. Die Studenten haben den finstern Sitz der Aristokratie zerstört, angezündet das Licht der Freiheit, den Weg gebahnt, auf welchem wir festen, redlichen Sinnes sortschreiten sollen, und in Eintracht und Liebe für das constitutionelle Kaiserhaus befestigen den Bau, zu welchem die Studenten den Grund gelegt nicht für sich allein, für alle Stände, für die gesummten österreichischen Völker. Diese Helden der Freiheit verdienen mit Recht unsere volle Anerkennung, die Nachwelt wird noch in erhebender Erinnerung den Dank darbringen, welcher sich von Geschlecht zu Geschlecht erneuern und als lebendes Monument bestehen wird für alle Zeiten. Die akademische Legion wird sich nie und nimmer auflösen, töd- ten, vernichten kann man sie, aber mcht auflösen. Jeder, der cs redlich mituus meint, wird freudig ausrufcn: Hoch die akademische Legion! ,, ^ > H Scho n. Wien. Gedruckt im August 184« bei 2 - N. Fridrickv