Professor Worte der innigsten Ueberzeugung an Herrn », . U. Füster. Verehrungsumrdiger Menschenfreund! ^as Gefühl des tiefsten Schmerzes, ja aber auch der innersten Empörung, welches mich ergriff, als die boshafte Ausstreuung eines böswilligen Gerüchtes Ihre öffentliche Erklärung veranlaßte, dieses Gefühl drängte mich zu der Bitte, daß Herr Professor es nicht verschmähen möchten, in Betreff Ihrer allbewährten Ehrenhaftigkeit, Ihrer, dem Priesterstande wahrhaft entsprechenden Würde und Ihrer in jeder Beziehung menschenfreundlichen Gesinnung und Handlungsweise, kurz, in Betreff Ihrer ganzen Persönlichkeit ein Wort der innigsten Ueberzeugung auch von einem Einzelnen zu vernehmen; doch — was sage ich, von einem Einzelnen? Wer weiß es nicht, daß diese Worte der Ausdruck der Gesinnungs- von Tausenden und abermal Tausenden sind? Worte, die — wie ich glaube — nicht nur den im wahren Geiste Studierenden, deren Vater und Freund Sie sind, sondern auch jedem vorurtheilsfreien, rechtlich gesinnten Bürger und dem mit gesunden Verstände begabten Proletarier aus dem Herzen und aus der Seele gesprochen sind! So nun herrscht unter allen gut und redlich Gesinnten wohl nur Eine Stimme — die der bereits ausgesprochenen vollsten Ueberzeugung und Anerkennung dessen, was kein böser Leumund, trotz aller Verleumdung, wegzuleugnen vermag, was keine niedrig gesinnte Schurkenparthei unwahr machen und kein dummes Stadtgeschwätz hirnloser Plauderer verdunkeln oder verkleinern kann. Diese Eine Stimme all' Ihrer Verehrer mit meinen schwachen Worten, aber sinnverwandt zu repräsentiren und zur buchstäblichen Anschauung zu veröffentlichen, erlaubte ich mir, als Einer, den zwar Herr Professor nicht kennen, der aber — gleich so vielen Anderen — den geistigen Genuß hatte, durch Ihre vom Herzen zu Herzen dringenden Worte zu allem Wahren und Guten aufgeregt, durch Ihre offene, seelenvolle Sprache zum Vertrauen geneigt, und durch Ihre, dem wahren Wohle der Menschheit förderlichen Gesinnungen und Handlungen entschädigt worden zu sein für die Schmach, welche schon in dem Bewußtsein liegt, daß von einer eben so herrschsüchtigen als nichtswürdigen Parthei von jeher alle Jene gedrückt und verfolgt wurden, die nicht weniger menschlich fühlen als auch menschlich handeln. Ja >— auch ich wurde an den Tagen der Todtenfeier durch das Herzerhebende Ihrer begeisternden Rede und durch die ächt religiöse, moralischpraktische Tendenz Ihrer Predigt eben so sehr ergriffen und gerührt, so sehr ich — gleich tausend Anderen — oft genug durch die elenden Sophismen und puren Lügen, durch das leere, nichtssagende Gerede und durch die orthodore Scheinheiligkeit so vieler anderen Prediger und Volksredner angeeckelt oder empört wurde. Ich frage nun Alle, die dieses lesen: Ist es also ein Wunder, daß ein Mann, der groß und unvergleichlich dasteht, der genug Menschenliebe und Muth besaß, um auch in dem Momente der höchsten Gefahr seine Freiheit, sein Leben für das allgemeine Beste aufs Spiel zu setzen, und der noch immer rastlos mit aller Aufopferung dahin strebt, sein Möglichstes zur wirklichen Realisirung des noch immer nicht errungenen Schutzes der Freiheit und des Rechtes eines bis jetzt gemißhandelten Volkes beizutragen, ist es ein Wunder—wiederholeich—daß ein solcher Vertreter der Menschheit von deren Feinden eben so sehr gehaßt nnd verleumdet, als er von Freunden der Wahrheit und der gerechten Sache, von Redlichen, Braven und Guten, geehrt und gelobt wird? Doch — den Bösen mißfallen, ist ein Lob! Da nun aber Herr Professor auch auf jedes direkte Lob resigniren und sich jedem Danke entziehen, welchen der bessere, vernünftigere und auch größere Theil des Volkes, der Sie versteht, Ihnen so gern zollen möchte, so konnten Sie, Verehrtester, auch den Tadel der Dummen und Schlechten ignoriren und sich jedenfalls — wie ich vernahm —mündlich äußern, daß Sie sich für Ihre Person über jenes elende Gerücht charakterloser Reaktionäre hinwegsetzen, und nur der Sache wegen die Entscheidung darüber der öffentlichen Meinung anheimstellen. Diese öffentliche Meinung jedoch hat schon längst und nur zu Ihrem Gunsten entschieden; sie hat bereits den Stab über alle Jene gebrochen, ja sie hat alle Jene geächtet, welche sich versündigten gegen Gerechtigkeit, gegen die gute Sache, gegen das Volk und — gegen Sie, hochgeschätzter Herr Professor, würdiger Diener der Kirche! Also schon vor Ihrer Aufforderung, schon lange her sprach die entschiedene Stimme der weit überwiegenden Mehrheit Ihren persönlichen Werth, Ihre hohen Verdienste um die Menschheit aus. Ja — es ist faktisch wahr: Offen und klar liegt Ihre Gesinnungs- und Handlungsweise am Tage. Wer Ohren hat, der höre, wer Augen hat, der sehe. Wir haben gehört und gesehen. Ihr edler Charakter, Ihr Biedersinn, kurz, Ihr ganzes Thun und Lassen flößt uns Allen, die wir Herz und Kopf am rechten Flecke haben, stets Liebe und Hochachtung für Ihre Person ein, erhebt uns aber auch darum zu dem Vorsatze, thatsächlich unsere Treue und Anhänglichkeit für einen Volksmann zu beweisen, welcher aus innerem, angeborenen Berufe Religionslehrer und Vertheidiger der heiligsten Menschenrechte ist. Welchen Dank wir also Ihnen, hochschätzbarster Herr Professor, schuldig sind, bedarf erst keiner weiteren Erörterung, da es für jeden Menschen von gesunden Sinnen ersichtlich ist, mit welchem unermüdlichen Eifer Sie die hochwichtigen, schwierigen Pflichten Ihres wahrhaft erhabenen Berufes erfüllen, wie sehr Sie also das sind, was Sie vorstellen, und wie schön Sie alle jene guten, heilsamen Lehren eines geläuterten Christenthums im Geiste seines Urhebers durch eigenes Beispiel bewähren, wodurch Sie uns den verlorenen Glauben, ja, die Ueberzeugung wieder verschaffen, daß es doch auch einen würdigen, von keinem schändlichen Egoismus, von keinem heuchlerischen Trug befangenen Diener Gottes gibt. Dadurch machen Sie aber eben darum, ehrwürdigster Priester, Ihre eigenen — verzeihen Sie, daß ich vor Ihnen offen sage: unwürdigen —> Genossen, die selbst Ihre größten Feinde sind, Ihnen noch zum Danke verbindlich, indem Sie auf diesem so dornigen Wege, auf diese so schlecht belohnte Weise zur Hebung der Kirche unseres Glaubens und zum neuen Vertrauen für deren Lehren beitragen, was Alles zur Gründung wahrer Religiosität des Volkes eben so nothwendig, als mit der bürgerlichen Freiheit aller Staatsmitglieder vereinbar ist. Genehmigen Herr Professor die nochmalige Aeußerung der tiefsten Ehrfurcht, welche im Namen all' Ihrer Verehrer ungeheuchelt an den Tag legt Ihr aufrichtig ergebenster Wien, den 5. August 1848. Carl Heidmayer. Druck von U. Klopf ssu. und A. Enrich. rrnlnnx L.- L.