Gespräch eines alten Tirolers mit dem guten Kaiser Ferdinand in Insbrnrk. der Kaiser kommt! Tiroler. Grüß dich Gott Ferdl! heut sieg ich dich zum zweiten Mohl, Deinen Voter in Franz! hob ich öfter die Hand geschüttelt der wor ober auch öfter in unsere Tiroler Berg. Ferd- Wenn ich werde /io Jahre Kaiser gewesen sein, so werdet Ihr mich auch öfter gesehen haben; doch wenn ich Euch auch nicht sehe so denke ich desto öfter an meine treuen und braven Tiroler. Tirol. Ja wir Tiroler hoben immer nächst Gott unfern Kaiser gern gehabt, ich will uns keinen Vorzug geben; denn auch die andern Landeskinder lieben Dich und — wer sollte Dich nicht lieben! Ferd. Ich will auch Eure Liebe und Anhänglichkeit lohnen, darum bin ich entschlossen einige Zeit bei Euch zu bleiben. Tirol. Juche das wird ein Leben werden! — Doch da sollt mir ein, die armen Wiener sind betrübt während wir uns freuen, Wir seyen doch arme Menschen, wos den Einen Freude macht, betrübt den Andern. Ferd. Der Tiroler hat immer das Herz am rechten Fleck. Tirol. Ja sixt Ferdl, daran seien mir nit Schuld — unsere Gebirg worauf die Gams lustig springt, und die frische Luft macht uns gesundes Blut, das frische Blut dringt uns ins Herz, d'rum ist es auch bei uns immer frisch und ge» sund. Wir lieben unsere Berg, unsere Luft, vor ollen ober unser Vater, der unser Kaiser ist. Ferd. Und diese Liebe bewährt Ihr mir, obgleich Ihr mich so selten sehet. Tirol. Mir fegen ja unfern Herrgott gor nicht und wir hoben ihn gern, weil wir wissen, daß er uns Regen, Sonnenschein und das Gedeihen unserer Früchte schickt — und Du sorgst ja auch, wenn du auch in Wien bist, für uns — du schicktest uns von Wien Gesetze, die freisinnigsten Gesetze, welche das Herz eines jeden Tirolers beglücken; — ober auch ohne dem hätten wir Dich gern. Ferd. Und weßhalb dieß? Tirol No bist Du nicht der Sohn von unfern verewigten Franzl, welcher Name schon für uns eine Zauberformel war, Du.mußt wissen Ferdl, daß die wahre Sohneslieb keine Gründe sucht — man hat den Voter gern, weil er der Voter ist — doch ist man so glücklich einen so gütigen, herzensguten Voter zu haben als Du bist, do möcht einen das Herz aus dem Leib springen. Wir Tiroler haben keine Schätze, aber Herzen haben wir wie die Diamanten so rein, und a Faust hoben wir wie Eisen, damit können wir den Feind des Vaterlandes niederstrecken, und a Blut haben wir, das wir jede Minute für unfern Kaiser zu vergießen bereit sind, und nur Ein Leben hoben wir und dieses Eme Leben gehört Dein! — Ferd- Treue Seele! keinen Orden, keinen Titel, kein Geschenk bicthe ich Dir an, aber doch mußt du Dir etwas erbitten, sei eö was es immer sei, begehre, da meine Hand darauf, es sei Dir gewährt. Tirol. Dreierlei will ich begehren kaiserliche Majestät: Eine Gnade geht uns alle an, uns Tiroler, nämlich, besuche uns zuweilen in unseren freundlichen Bergen. Die zweite Bitt geht nicht uns ober unfern Brüdern an, die braven Oesterreicher, wende Deinen Blick nach Wien, thränenschwer erwarten dich dort deine Kinder; erhöre ihre Bitten sie lieben auch ihren Kaiser so wie wir, wir wollen keinen Vorzug haben und verdienen ihn auch nicht. Meine dritte Bitt geht mich allein an, es ist eine große Bitte, du kannst ober an alten Tiroler damit glücklich machen, loß mich deine kaiserliche Rechte küssen, auf daß meine Enkel mit großen Stolz meiner gedenken, wenn ich längst im Grabe ruhe. Ferd. Alle deine Bitten seien dir gewährt, ja ich werde zu meinen Wienern zurückkehren, die ich auch in der Ferne liebe, zwar soll ich ihnen gram sein, aber ein Vater verzeiht seinen Kindern, hätten sie auch gefehlt. Tirol. Ich sags ja, der Tiroler weiß was er liebt, und warum er liebt, weil er aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele liebt; denn der Franzose liebt seine Nation, der Italiener sein Land, der Deutsche seine Sprache, der Pohle seine Geschichte, der Preuße sein Berlin, der Oesterreicher und der Tiroler seinen Kaiser über Alles, seinen Kaiser Ferdinand! — P. Löve. G Gedruckt bei Josef Ludwig. - 7? i