o c r ^ - Kscihkll kine Gaffe! Großer Sieg des souveränen Volkes durch die demokratische Partei der constituirenden Versammlung in Berlin und Frankfurt. Beinahe ganz dasselbe Berhältniß des Ministeriums und der Reichskammer zum Volke bestand in Berlin, wie bei uns Wien, hier wie dort machte daS Ministerium die Nichtannahme eines die Interessen des Volkes wahrenden Antrag zur KabinetSfrage, nur mit dem ver- schiedenen Erfolg, daß hier das Ministerum, dort die demokratische Parkhei siegte. Wunderbar bleibt es übrigens, daß fast zu gleicher Zeit, nicht nur in Wien und Berlin, sondern auch in Frankfurt, das Ministerium kühner auftreten, und die Nichtanerkennung der Bolkssouveränität zur Basis ihres ferneren Fortbestehens machte. Den freisinnigen echten Volksvertretern unfern und des größten Theiles der Bevölkerung von Deutschland wärmsten Dank, daß sie zum Mißlingen dieser volksfeindlichen Bestrebungen so kräftig beitrugen. Ueber die letzten Ereignisse in der hiesigen Reichßkammer sind die Leser wohl größtentheilS schon unterrichtet, und es dürfte hier genügend sein, wenn ich bloß andeute, daß Herr Minister Bach über die Rechte der Kammer und somit Bolksrechte, als Antwort auf die Fragen Borrosch s sich in einem diplomatischen Aktenstück aussprach, und daß im Ganzen genommen, das Ministerium und mit ihm die Rechte der Versammlung, Sieger bleiben. Anders war es in Berlin. Abgeordneter Stein stellte den Antrag: Der Herr KriegS- minister möge in einem Erlaß an die Armee sich dahin aussprechen, daß die Offiziere allen reaktionären Bestrebungen fern bleiben, nicht nur Conflicte jeglicher Art mit dem Civil vermeiden, sondern durch Annäherung an die Bürger und Bereinigung mit denselben zeigen, daß sie mit Aufrichtigkeit und Hingebung an der Verwirklichung eines konstitutionellen RechtszustandeS Mitarbeiten wollen, widrigenfalls bei uns die Armee austreten solle. Dieser Antrag wurde von wenigstens 300 Stimmen zum Beschluß derBersammlung erhoben, daS Ministerium aber erklärte, daß es diesen in der Nationalversammlung gefaßten Beschluß nicht ausführen könne und wolle. Sonach ist die ganze Thätigkeit der Nationalversammlung eine kindische Spielerei, getrieben um Land und Volk zu täuschen. Abgeordneter Waldeck rief in der Versammlung: Wenn dieser Beschluß nicht gefaßt wird, so können wir hier nicht mit .Ehren auch nur eine Minute länger sitzen bleiben, und entweder muß sich der Reichstag auflösen, oder daS Ministerium muß gestürzt werden. — Nach langen Debatten ging der Antrag SteinS mit einer Majorität von 67 Stimmen durch. Das Ministerium Aucrswald, Hansemann, Schreckenstein, Milde , Märker, Gierke und Kühlwetter ist sonach gestürzt!! — Endlosen Jubel erregte diese Nachricht unter dem Volke, welches den Mitgliedern der Linken donnernde Hochs brachte, welche nimmer enden zu wollen schienen, worauf der Abgeordnete Stein von der Volksmenge im Triumphe nach dem Opernplatze getragen wurde, woselbst das Volk yon einem zufällig dortstehenden Wagen die Pferde ausspannte, den Gefeierten in den Wagen hob, und ihn jauchzend und jubelnd durch die Straßen zog. Auch das Ministerium in Frankfurt, welche- die Bekräftigung des Waffenstillstandes mit Dänemark von der Nationalversammlung zur Kabinetsfrage machte, ist mit einer Majorität von 14 Stimmen, womit dieser Antrag verworfen wurde, gestürzt. Erst unlängst sagten wir, es ist eine bedeutende Krisis auch in Wien, auch in Berlin dürste sich Großes ereignen, unser Ausspruch hat sich bereits bewährt. Auch in Ungarn ist die sichere Hoffnung, daß die Bolkssouveränität siegen wird, und wenn möglich durch festeren Anschluß an Oesterreich; denn nimmer können und wollen wir den Gerüchten Glauben sch«nken, die von Pesth kamen, daß alldort rothe Fahnen aufgepflanzt seien, die Donau gesperrt und ein Cordon an der Grenze gezogen sey ! Wäre dieser vandalisch gräßliche Kampf geendet, so würde liebend das souveräne Volk sich vereinen. Die Schlacht ist bereits geschlagen, der Sieg der demokratischen Partei gewiß. Es lebe das souveräne Volk- September '848 Gedruckt bei M. Sell. M KlauS.