Mit dem Zähre 1849 keine Roboth, und kein Zehmt mehr! Mittheilung für meine lieben österreichischen Lands- ' leute außer Wien. Von I. F. Castelli. AÜSas Hab' ich Euch in meinen frühern Mittheilungen gesagt liebe Land- und Landsleute? Ihr werdet gewiß Erleichterungen bekommen, und seht, da ist schon eine, und zwar eine die Euch immer am meisten im Magen gelegen ist. Ihr dürft nämlich vom Jahr 1849 angefangen keine Roboth mehr leisten und keinen Zehent mehr geben, keinen Körnerzehent, keinen Sackzehenr, keinen Weinzehent, kein Bergrecht sondern alles das wird abgelöft. Wann Ihr darüber sroh seyd und dankbar ausruft: Hoch leb unser guter Kaiser der jetzt bei allen den Unruhen zuerst auf uns denkt, so möcht' ih nicht gern d rauf wetten, daß nicht auch ein Paar hantige Kampeln unter Euch sind, die drein bellen: Nu! ihr werdet schon sehen, wie viel wir dafür werden zahlen müssen. Die bissigen Kerln, die überall nur das Schlechte sehen, weil sie selber nichts Gutes im Sinn haben, sollen aber still seyn und nicht muren; denn Ihr sollt jetzt von mir erfahren, was der gute Kaiser weiter angeprdnet hat. Er hat befohlen, daß die österreichischen Landstände, die den Kaiser eben den Antrag gemacht haben, daß Natural-Roboth und Zehent aufhören sollen, mir andern Gutsbesitzern, die keine Landstände sind, und mit Grundbesitzern aus dem Bauernstände sich zusammen setzen und mit einander berathen sollen wie die Ablösung geschehen soll. Ihr seht also wieder, daß wahr ist, was ich Euch gesagt habe, daß auch Jkr zu Berathungen werdet beigezogen werden, und so könnt Ihr auch versichert seyn, daß die Ablösung auf die beste und leichteste Art für Euch geschehn wird, aber natürlich abgelöst muß werden; denn wann man den Einen was Billiges thut, so derf man den Andern kein Unrecht thun, und da die Grundherrschaften und auch die Pfarrer seit undenklichen Zeiten ein Recht auf die Roboth und auf den Zehent gehabt haben, so wurdt man ihnen unrecht thun, wenn man in ihr Eigenthum emgriff und ihnen keine Entschädigung dafür geben wurdt. Diese Entschädigung wird aber gewiß auf eine Art bestimmt werden, die Euch nickt hart ankommen wird; denn wie gesagt es sitzen ja auch Bauern dabei, die das ausmachen werden. Ihr müßt also nicht glauben daß Ihr mit Euern Ze- hentkerrn Euch ganz allein abfinden müßt, wie es früher der Fall war, wo die Zehentherrn zu viel begehrt haben und die Bauern zu wenig haben geben wollen. Nein die Roboth, die Zehent werden von Leuten abgeschätzt werden, die unpartheyisch sind, und worunter gewiß auch Schätzleute von Euch selbst dabei seyn werden und die Staatskassen werden Euch so unterstützen, daß Keinen zu weh geschieht, daß er seine Schuldigkeit nach und nach abtragen kann und hernach auf einmal frei ist, ohne daß er's viel spürt. So ist das Ding gemeint und nicht anders. Wann sich aber die eine oder die andere Getneinde gleich auf der Stell von der Roboth- und Zehentlast befreien und mit seinen Zehentherrn sich abfinden will — der jetzt auch schon billiger wird handeln lassen als früher, so ist's auch recht und der Kaiser hat nichts dagegen. Wo das schon früher geschehen ist, wie das bei mehreren Gemeinden der Fall ist, die statt der wirklichen Roboth oft sehr wenig bezahlen, da bleibt's auch in Zukunft dabei. Aber wer sich nicht früher abfindt, der muß noch in diesem Jahr fort ro- bothen und fort Zehent geben und das ist ganz Ln der Ordnung, denn wie man die Hand umkehrt kann man nicht Alles aufhören lassen, was schon Jahrhunderte gedauert hat und denen, die früherem Recht gehabt haben Roboth und Zehent zu begehren, muß anstatt dessen auch was gegeben werden; denn sonst heisset's s'Le der stehlen und armen Leuten Schuh daraus machen. Daxum liebe Freunde leistet bis zu Ende des Jahres noch Eure Roboth und gebt Euern Zehent und bedenkt bei jeder Furchen, die Ihr mit dem Pflug zieht und bei jedem zehnten Mandel, das Ihr hergeben müßt: Ins Himmelsnahmen es ist das letzte. Wann's aber noch Einige gebe, die mit dem auch nicht zufrieden wären, meiner Seel, wann ich Kaiser war, die schließet ich aus von der allgemeinen Erleichterung, und die müßten mir fort robochen und Zehent geben, so lang sie leben. Verlag und Eigenthum von Tendier et Comp, in Wien am Graben, Trattnerhvf. Gedruckt bei Ferdinand Ullrich.