An Seine Ercellenz den V««»s »O« Ersstte«. Bmsn Jcllachich. Auf die am heutigen Tage von Euer Ercellenz und dem Grasen Auersperg Unterzeichnete Zuschrift läßt der constituirende Reichstag durch seinen permanenten Ausschuß folgendes erklären: Es ist eine Deputation abgegangen, um Se. Majestät zur Genehmigung und schleunigen Ausführung der in einer Reichstags-Adresse beantragten Friedens-Vorschläge zu bewegen. In der sicheren Hoffnung auf einen glücklichen Erfolg dleses Schrittes und im Pflichtgefühle der Vaterlandsliebe und Humanität, hat der Reichstag seiner Seits bis zu dieser Stunde alle seine Kräfte ausgeboten, um das kampflustige Volk von Wien und die aus den Provmzen zuströmenden Schaaren von offensiven Feindseligkeiten gegen die Truppen abzuhalten. Er wurde in diesem Streben gestern noch durch die mittels telegraphischer Depesche eingelangte Kunde unterstützt, daß Se. Majestät der Reichstags-Deputation durch den Fürsten Lobkowitz die bestimmte Versicherung gegeben, die beiden vor Wien stehenden Comman- danten würden nicht angreifen. Allein die von Euerer Ercellenz befohlene Entwaffnung der gesetzmäßig organisirten Nationalgarde der Dorfschaften, die drückenden Requisitionen, die Verhinderung der freien Passage, die Absperrung der Zufuhr von Lebensmitteln und die Besetzung der zum Bezirke der Hauptstadt gehörigen Ortschaften stehen mit den wiederholten Friedensversicherungen der beiden Herren Commandanten und mit dem kaiserlichen Ausspruche in so grellem Widerspruche, daß der Reichstag gegen diese Maßregeln als gegen thatsächlich feindselige aufs Entschiedenste protestirt. Euere Ercellenz stellen als erste Bedingung des Friedens auf, daß die Ungarn die Grenzen Oester- reich's nicht überschreiten, und sprechen dabei die Meinung aus, daß hierauf nur der Reichstag Einfluß nehmen könnte. Der Reichstag hat die Ungarn nicht ins Land gerufen und kann sie eben so wemg hinaus decrettren. Der ungarische Reichstag hat uns die Anzeige gemacht, daß er dem ungarischen Heere den Befehl ertheilt, Euere Ercellenz zu verfolgen, wohin Sie sich auch wenden mögen, und erst dann Halt zu machen, wenn Euere Ercellenz entwaffnet wären. Der Reichstag wiederholt daher, daß er kein anderes Mittel des Friedens kennt, als daß Euere Ercellenz mit Ihren Truppen sogleich den Rückzug in die Heimath antreten und der gesetzlich bewaffneten Volkswehr der Umgebungen Wien's die Waffen zurückstellen. Geschieht dies, dann kann der Reichstag, mit Berufung aus die Seiner Majestät vorgetragenen Friedensvorschläge, auch die ungarische Armee zum Stillstand auffordern. Mit dieser Erklärung hat der Reichstag Alles gethan, was er thun konnte. Wird die von ihm ausgesprochene Bedingung nicht erfüllt, dann endet seine Friedensmacht, und es beginnt die Macht des Verhängnisses der unvermeidlichen Schlacht mit den Ungarn, deren Folgen diejenigen erwägen und verantworten müssen, welche diesen Zustand veranlaßt haben. Wim, den 14. Oktober 1848. Zm Namen des Reichstages. Vom Reichstags - Ausschüsse: Dr. Fifchhof, Obmann. Franz Schufelka, Schriftführer. Eurich'sche Buchdrnckerei in Linz. V..- ^ N 'S ^ ' rn.. ^ .-< E «. ^ -A >» » r' - > WMZ L- ^ r ^33^-5 fo^s