Besondere Beilage zur Wiener-Zeitung. Ueber die gegenwärtige Gewerbs-und Arbeiterfrage und über die Mittet zur gänzlichen Tilgung der Staatstchuld, gerichtet an die hohe Reichsversammlung ie frei« Presse, unstreitig die erste Lebensbedingung der civilisirten Freiheit, erfordert «in« solch« besonnen« weise Borficht, di« selbst der bedächtigste Charakter nicht genug'zu berücksichtigen scheint, indem eS sehr oft geschieht, daß man in der besten Absicht dem Volke seine Mängel , dem Unglücklichen seine Gebrechen, dem Armen sein Elend zeigt, ohne die Mittel angeben zu können, auf welche Weise derlei Uebeln auch zu begegnen sei. Diese Unachtsamkeit schien auf eine so beunruhigende Weis« hervorzutrrten, daß wir nicht ohne Grund mit banger Besorgniß in die Zukunft blicken, indem alle Welt in der ersten Aufregung eiftigst bemüht war, alle Mängel und Leiben der gesellschaftlichen Verhältnisse zu lockern und aufzudecken, so, daß man in der Aufwallung deS Blute» alle socialen Uebeln mit dem politischen Kampfe vermengt und untereinander geworfen, ohne zu berechnen, daß die günstigste Entscheidung um jede Politische Rechtsgleichheit am Ende doch nur daS geistige Bedürfnis am meisten befriedigen kann, während dem jeder Stand bis zur untersten Schichte der Bolks- klass« mitgekämpft und mitgerungen, deren größerer Lhril aber geistig und leiblich arm ist, wo jede politische Leidenschaft in den Hintergrund treten muß, und die sich darum nur an jeder Bewegung betheiligt, weil sie da» Grundübel ihrer trostlosen Lage einzig und allein in der alten Verfassung gesucht und nun der festen Ueberzeugung leben, daß die nächste «ine solche sein wird und nur eine solche sein kann, die ihr Schicksal nnd ihre Zukunft auffallend erleichtern und verbessern würde. Bei einer solchen vorgefaßten Meinung steht wahrlich nichts Geringes zu befürchten, indem der erschöpft« Gewerbsmann', der besitz - und mittellose Stand fortwährend von dem großen Sieg der errungenen Gleichheit hört, ohne die geringste materielle Befriedigung zu empfinden. Dadurch entsteht der Trieb und der Abscheu gegen jede Art der Ungleichheit in allen Kreisen de» gesellschaftlichen Lebens, und solch« Neigungen sind eS, die stet« die gefährlichsten Waffen für solche Menschen bleiben, die durch irgend eine» Umsturz ihre Absichten schneller zu erreichen glauben, indem es ihnen ein Leicht«» wird, dieser Volksklaff« vorzustellen, daß jedes Uebel heilbar sei, wenn man nur dir geeignete Verfassung zu erringen sucht. ES wäre schauderhaft, wenn wir in der Läge wären glauben zu müsse«, daß unsere Revolution denselben Entwicklungsgang nehmen, und wir alle jene Katastro- von Ignaz Deutsch, Fabrikant in Wien. phen erleben müßten, wie st« Frankreich seit 60 Jahren mitangesehen hat, es wäre aber auch höchst unpraktisch, wenn wir nicht aus eben dieser mit so vielem Blute und Elend erkauften Erfahrung gelernt hätten, um wie schneller unser Ziel zu erreichen, und wie viel Unheil zu vermeiden sei, wenn man nur den Unglücklichen nicht zu täuschen sucht, mit dieser Claffe stets frei und offen spricht, und ihr begreiflich zu machen sucht, was der Mensch vom Menschen anzusprechen berechtigt ist. Es sagt ein großer deutscher Dichter: „DaS Höchste was der Mensch dem Menschen geben kann, ist die Wahrheit*. Die Wahrheit aber zu dieser Zeit muß von solchen Männern ausgesprochen werden, die das unbedingte Vertrauen des Volkes im vollen Maße besitzen, darum trete ich hin vor eine hohe Reichsversammlung, und rufe ihr zu: „Ihr würdigen Männer, die Ihr vom Fürsten und Volke berufen seid, die Rechte des Volkes zu prüfen und zu ordnen, diese zu sichern und zu bewahren, sagt auch jeder Classe und jedem Stande, was sie in dieser neuen Aera zu erwarten, was sie von dem constituirenden Reichstag zu hoffen berechtigt sind; Ihr werdet zu ehrlichen rechtlichen Männern sprechen, sie werden euch kindlich vertrauen sobald es ihnen nur klar wird, was Men- schenkräfte gut zu machen vermögen, und was durch die Wehen der Zeit entbunden werden muß." Um aber eben eine solche Klarheit zu erlangen, und da- geschöpfte Vertrauen auch gegen jeden verführerischen Versuch und gegen jede leidenschaftliche Neigung zu behaupten, ist eS nothwendig, daß wir auf Frankreichs jammervolle Vergangenheit «inen scharfen Blick richten, um es dort klar und deutlich zu erschauen, wie viel Elend dieses Volk ertragen und überwinden mußte, bis der Besitz- und Mittellose zur Erkenntniß gekommen, daß die socialen Uebelstände durch keinen Umsturz zu heilen, und in keiner Verfassung zu vermeiden seien. Die Franzosen find alle Schulen der Revolution durchgegangen; sie haben die Monarchie in eine Republik verwandelt, haben aus dieser ein Kaiserreich geschaffen, dann die alte Dpnasti« restaurirt, bis endlich die Juli-Revolution die morganatische Ehr geschloffen, und die Monarchie mit der Republik vermählte. So vielfältig ukd verschieden die Würfel in diesen vierzig Jahren auch gefallen sind, und bekräftig auch die Si- monisten vor dem Jahre 1830 hervorgetreten sind, konnte «S ihnen doch niemals gelingen, ihren wahre« Zweck zu erreichen. Gereizt und erbittert durch so viele mißlungenen Versucht haben sie endlich beschlossen, die Freiheit und den Lebensgenuß der politischen Rechtsgleichheit nur durch eine günstige Lösung der Eigenthumsfrage zu erzielen. Von nun aridst die „simonistische" Schul« mit mehr Ausbildung und Umfang und verwegener als je über ganz Frankreich durch Wort und Schrift verbreitet worden. Diese Lehren aber waren nichts anders als der re- formirte Communismus, mit dem Unterschiede, daß ihn Babeu in den Neunziger Jahren in seiner ganzen nack- sten Gestalt gepredigt und gelehrt hat, wodurch er auch als Opfer seiner schändlichen Theorien gefallen ist. Dieses Unthier wußten später die Simonisten zu vermeiden, und um die Regierung und das gesittete Volk zu täuschen , haben sie ihre Absichten auf dem Wege der Association im Fabrikswesen zu erreichen gesucht. Bald aber zeigte es sich, daß sie jedes moralische und sittliche Gefühl verläugnen, und jede Neigung und jeden Trieb nach Gefallen befriedigen wollten, wodurch sich jede civilifirte Gesellschaft von ihnen trennte, so, daß endlich alle ihre Versuche, ihre fimonistischen Familien und Schulen, so wie alle zu diesem Zwecke errichteten Colonien bei Versailles , in Brasilien und Nordamerika mit Skandal und Banquerotte endigten. Im Jahre 1833 ist ihnen auch die Regierung kräftig entgegengetreten'; allein der Same war in denj aufgewühlte» Boden der untern VolkSklaffen hineingeworfen, und so tief gewurzelt, daß man sich von solch reizenden Illusionen nicht mehr trennen konnte, und so finden wir, daß seit der Juli - Revolution nicht Ein Attentat Statt fand, dem nicht eine sociale Tendenz zu Grunde gelegen ist. Sie haben sich zwar an jeder politischen Bewegung betheiligk, aber nimmermehr wollten sie eine Ueberstürzung als den Zweck, sondern nur als da- Mittel betrachtet wissen, um auf diesem Wege die Gütergemeinschaft zu erlangen. Bi« endlich die Verschwörung im Jahre 1839 unter der Leitung Barbes und Blanquös es ganz Frankreich klar bewiesen hat, daß man nur die Republik alS Mittel wolle, um durch den Umsturz der Verfassung eine neue Gestaltung des Eigenthums herbeizuführen. Von nun an war auch die ganze radikale Partei und Presse von dem Proletariat getrennt, worauf die Letzter» ihr Ziel auf eigene Rechnung zu verfolgen beschlossen hatten. Diesen Moment haben sie auch in der Februar-Umwälzung richtig zu erfassen gewußt, indem es ihnen zum ersten Male gelungen ist, alle politischen Streitkcäfte zu ihrem Zwecke auszubeuten. Noch ist es Lamartine's schwungvoller Redekraft gelungen, die tobende Masse eine kurze Zeit auf dem Boden der Civilisation zu erhalten ; allein sie waren sich schon zu mächtig bewußt, und ihr Phantom war zu anlockend, um sich durch schöne Worte länger Niederhalten zu lassen, bis endlich die Juni-Verschwörung ihren Charakter deutlich genug ausgeprägt hatte, so, daß das ganze civilisirte Volk wie Ein Mann aufstehen mußte, jede andere Frage beseitigte, um nur Frankreich auf dem moralischen und sittlichen Boden Europens zu erhalten. Wenn ich mich nun in der Auffassung dieser socialen Bestrebungen nicht geirrt habe, dürften diese geschichtlichen Thatsachen genugsam zeigen, was wir durch diese ereignißvolle Erfahrung für unsere Zukunft zu befürchten oder zu benützen hätten. Wenn sich auch der Charakter ,nd die Lebensordnung eines Deutschen auf eine andere Weltanschauung gründet, so läßt es sich doch darum nicht läugnen, daß bei einer Classe die sich kümmerlich und entbehrend ihrem Schicksale bis zu ihrem Ende geopfert ieht, der geringste Versuch und jede Täuschung um ihre Lage zu verbessern, den freudigsten Anklang und den mächtigsten Wiederhall findet. Darum sei es auch der Presse eine heilige, unerläßliche Pflicht: jedem Stande und jeder Classe in faßlichen Worten begreiflich zu machen, daß dieses seit dem 19ten Jahrhunderte so fühlbar gewordene gesellschaftliche Mißverhältniß weder in der Monarchie begründet, noch in der Republik vermeidlich noch irgend durch eine geeignete Verfassung gänzlich zu heilen sei, daß selbst in Nord-Amerika in einigen Handels- und Fabriksstädten der Pauperismus in den letzten Jahren bedeutend bemerkbar geworden' um wie viel eher läßt sich also dieses Uebel in Europa begreifen, wo die Bevölkerung täglich dichter wird, wo der produktive Werth und das Bodenreich überhaupt nicht mehr ausreicht, die Menschen zu beschäftigen und zu ernähren, weßwegen sich ganz natürlich Alles aus dem Felde der Industrie seine Existenz sucht. Allein dG mrrcanlilische Welt, die einst Segen und Ueberfluß geschaffen, ist heute ein wüthender Kampfplatz geworden; wo der Große den Kleinen verfolgt, wo der Starke den Schwachen erdrückt, wo die übermäßige Produktion die unglückliche und unnatürliche Concurrenz in der Handelswelt hervorrufc, endlich der Ueberfluß an Menschenhänden , deren Kräfte und Talente nur in dem Maße erkauft werden, als sie sich mehr oder minder zahlreich anbieten; hierzu kommen noch die übermäßig gesteigerten Bedürfnisse, so daß durch alle diese zusammenwirkenden Umstände ein solcher schneidender Gegensatz zwischen „reich* und „arm", zwischen „Entbehrung" und „Ueberfluß" entsteht, daß die größten Männer und dir ersten Nationalokonomen unsers Jahrhundertes dieses Chaos von Glanz und Elend als das größte Uebel der Welt erkennen, und längst die Ueberzeugung ausgesprochen haben, daß dieser fressende Schaden seiner Zeit jede politische Leidenschaft verdrängen wird. Diese wenigen Worte dürften nicht ganz überflüßig gewesen sein, um einer ernstlichen Aufgabe näher zu rücken» nur möge mir noch ein Wort gestattet sein, über di« in der letzten Zeit so allgemein fühlbar gewordene Arbeiterfrage. Diese europäische Lebensfrage hat Frankreich zu erdrücken gedroht, in England wird sie seit vielen Jahren mit aller Kraft niedergehalten, und wir haben nicht« gelernt und nicht- gewonnen, als die traurige Vergangenheit fest ins Auge zu fassen, dort, wo eS mit blutigen Lettern geschrieben steht, daß jeder Eingriff in dieses Mißverhältniß das Uebel nur befördert und verschlimmert. In Frankreich wurde seit 30 Jahren von verschiedenen Meistern in dieser Krankheit herumgewühlt, und alle möglichen Experimente vorgenommen. Das Resultat zeigt aber heute, daß alle Versuche von Saint Simon bis auf Louis Blanc, ohne dem CommunismuS zu huldigen, ein voller Betrug waren, weil man dem besitz- und mittellosen Stand stets nur solche Mängel und Gebrechen vor's Auge geführt, die ohne neue Gestaltung des Eigenthums durchaus nicht zu verbessern sind. Ebenso unrichtig und falsch ist das Grundprinzip, womit die französischen Socialisten ihr Streben zu rechtfertigen suchen, indem sie fortwährend beklagen, daß die Arbeit ewig durch's Capital ausgebeutet wird, d. h. mit andern Worten, „daß nur derjenige die Arbeit gehörig verwer- then kann, der sie erst durch'- Capital den armen Arbeitern in Masse abgezwungen hat." Ein solches Monopol müßte ganz natürlich den Arbeiter auf- Höchste erbittern, und selbst jedes moralische und sittliche Gefühl tief verletzen. Allein dieser Scheingrund entbehrt nicht nur jeder praktischen Anschauung, sondern Jedermann, der eine kaufmännische Befähigung anspricht, muß es erkennen, daß gerade diese traurige Nothwengkeit und die ganze kümmerliche und mißliche Lage der arbeitenden Classe nur in Folge der Ohnmacht und des Verfalls unseres Kauf- und Gewerbsmannes entsteht, denn so lange man sich auf dem Gebiete der Industrie und des Handels solid und sicher bewegen konnte, war auch die ganze mercantilische Welt eine segensreiche Erwerbsquelle, und sie war heil- und nutzbringend für jede Classe gewerblicher Unternehmungen, und auch der Arbeiter wußte seinen Werth genau und richtig zu bemessen, und eS ist ihm auch wie Jedermann überlassen gewesen, sich selbstständig zu erhalten und zu erheben; und bei dem es in früheren Jahren nicht geschehen ist, war es nur wegen einem geistigen odersittlichen Gebrechen, dafür zeigen alle Handels- und Fabriksstädt« Europens, wieviel von all denjenigen Kauf- und Gewecbsleuten, dir sich seit 30 Jahren erhoben, und wie sie heute noch immer bestehen , ob sie auch mit Geldkräften gerüstet, auf dem industriellen Schauplatze erschienen sind? ob nicht gerade diejenigen, welche Gewerb und Geschäf geerbt, oder die sonst mit dem nackten Vermögen ohne Geschäftskenntnisse in die Handels welt eingetreten, größtmtheils zu Grunde gegangen sind? und ob nicht größtentheils nur solche Individuen den Handelskörper bilden, welche sich ohne Vermögen und ohne Ressource bloß durch geistige Befähigung und durch rechtliche und thätige Betriebsamkeit auf diese Stufe erhoben haben? Daß sich nun da« Vrrhältniß seit Jahren der Art verschlimmert, daß sich heute der Arbeiter nur kümmerlich erhalten, und nicht mehr selbstständig erheben kann, daran ist einzig und allein Schuld, daß Gewerb und Geschäft aufgehört hat, ein sicherer Nahrungszweig zu sein , daß alle Handelsoperationen und der ganze Nationalverkehr sich nur spekulationsweise bewegt , und zwar als solche, die sich mehr dem Spiele nähern. Allein Spekulationen können wohl gelingen, auch spielen kann man glücklich, dazu aber gehört eigenes Vermögen; unter solchen Verhältnissen kann man keinen soliden Credit in der Welt ansprechen, darum muß der Besitz- und Mittellose unfehlbar unterliegen. Diese mißliche Lage aber trifft nicht nur den Fabriksarbeiter und das Proletariat, sondern noch viel drückender und empfindlicher den ganzen Mittelstand; und wenn nicht diesem Uebel auf irgend eine Weise kräftig entge- gengewirkt wird, so sinkt diese Classe unvermeidlich, erschöpft und rettungslos auf die Stufe des Proletariatnieder. Darum ist es unverantwortlich, und es muß jeden Socialisten verdächtigen, der ein so gefährliches Spiel mit den unglücklichen Arbeitern beginnt, und ihnen die Mittel so leichtfertig bezeichnet, wie man ihre kümmerliche Lage unmittelbar erleichtern und verbessern könnte, oder sonst den Muthwillen und die Willkühr der Arbeitgebenden hervorzuheben sucht. *) Meiner Ueber- ») Auch unsere Presse beschäftigt sich in der letzten Zeit mehr mit der Arbeiterfrage, in der zugleich der einzige Weg zur Arbeiterreform bezeichnet wird: »daß ein Gesetz den Association-- Vertrag zwischen Arbeiter — und Arbeitgeber bestimmen möge, daß nämlich der Gesell und Fabrik-arbeiter von nun an nicht mehr um den Stück- und Tagelohn arbeiten dürfte, sondern er soll Theilnehmer an dem Nutzen und Gewinn sein. Dadurch würde da« Proletariat aulzeugung nach gibt es duchans keine di recte Arbeiterfrage, «eil dieser ganze Uebelstand um ein Reflex ist der aus dem kranken Rückenmark der Handelswelt hervorgeht. Daher handelt es sich bloß um die Industrie—und Handelsfrage, und wenn für diese eine günstige Lösung zu ermöglichen wäre, so müßte sich die Lage der arbeitenden Classe von selbst vortheilhaf- ter ordnm und ausgleichen. Der es mit dem leidenden Mitbürger ehrlich meint, und auf dem rechtlichen und sittlichen Boden stehen bleiben will, ryuß die Ursachen und das Entstehen des Grundübels zu erforschen suchen; er wird fragen, warum hat die mercantilische Welt aufge- hört ein sicherer Erwerbsquell zu sein? Warum bewegt sich der ganze Handelsverkehr nur spekulation-weise ? Und warum endlich zehrt und schwindet der Mittelstand alljährlich, wodurch sich das Proletariat zusehends vermehrt und verbreitet. — Zwar sind die Ursachen von verschiedenen Organen sehr oft und vielseitig besprochen und aufgefaßt worden, ich aber erlaube mir ein tieferes Uebel hervorzuheben, um noch rin Mal meine innigste Ueber- zeugung aussprechen zu dürfen, daß weder das Capital die Arbeit ausbeutet, noch daß der Mittelstand darum unterliegen muß (wie sich ein großer Theil der Presse ausspricht), weil die kleine Geldkraft die Concurrenz der Großen nicht besiegen kann; sondem daß alle Handels- und Geschäftskrisen so wie die ganze bedaurungswürdige Lage der untern und der mittleren Classe nur dadurch entsteht, weil der mercantilische» Welt alle ihre lebendigen und gesunden Verkehrs- und Zahlungsmittel gänzlich entzogen wurden, und sie heute geuöthigt ist, sich einzig und allein durch den Alles vernichtenden und verzehrenden Credit und Wechsel zu bewegen. Denn so lange die Capitalienbesitzer ihre Geldkräfte noch nicht besser zu verwenden wußten, als auf industriellem Wege, war das Geld ein Eigenthum der mercantilischen Welt, und man konnte gegenseitig größtentheils mit baarer Münze operiren, wodurch die Zeitgeschäfte viel kleiner und seltener waren, und der Nutzen und Verdienst weder durch theure Zinsen noch durch sonstige Verluste geschmälert wurde; damals lag auch ein unerschöpfliches Vermögen an und für sich in der Ausübung industrieller und merkantiler Unternehmungen, weil schon der Betrieb und die bloße Arbeit allein eine sichere und zureichende Garantie war, daß die Mittelklasse und selbst der Besitzlose einen soliden Credit jederzeit mit vollem Rechte ansprechen konnte, und das kleine Capital konnte füglich mit dem großen concurriren; den» war der Eine durch seine größere Geldkraft begünstigt, so wußte der Schwächere »diesen Nachtheil wieder durch Fleiß und Sparsamkeit auszugleichen. Ein Anderes ist es aber seit der! Zeit, als der Handelswelt durch die Industriebahnen alle natürlichen Geldkräfte entzogen wurden, worauf sich der ganze National- und Weltverkehr nur durch Credit und durch das unglückliche Verkehrsmittel „Wechsel" bewegen muß, dadurch hat der Mittelstand aufgehört, selbständig zu sein, und muß immer tiefer sinken; er kämpft und ringt, sträubt und windet sich, und weiß nicht, was ihn fortwährend verfolgt und verzehrt, er muß aber auf so schwankendem hören, weil jeder Arbeiter für sein eigene- Interesse streben würde, und mit mehr Lust, Eifer und thätiger arbeiten möchte, so, daß da« Geschäft-leben mehr Aufschwung erreichen müßte." — Ich war erstaune, wie ein bedächtiger Schriftsteller so etwa- «»«sprechen kann, indem wir gerade ein Uebel vollstlndig heraufbeschwören würden, wa- alle Welt so innig bedauert. Zn demselben Moment, als ein solcher Vertrag gesetzlich bestimmt würde, hört der ganze Mittelstand auf zu sein und zu wirken; denn so lange der Arbeiter um den Stück- oder Tagelohn gearbeitet hat, ist cS ihm wahrlich einerlei gewesen, ob er den bestimmte» Tagelohn von dem Reichen, oder von dem Aermeren erhielt; wenn aber der Arbeiter einen verhckltnißmäßigen Antheil vom Nutzen und Gewinn beziehen soll, wird Kch ganz natürlich Alle- dorthin drängen, wo Geld und Credit in genügendem Masse sich »orfindet, und überhaupt dorthin, wo ei« au-gcbreitete- Gewerb un» Geschäft vorhanden und ein größerer Gewinn wahrscheinlicher ist. Welcher Arbeiter wird dann heut zu Tag« mit dem kümmerlichen GewerbSmann dir großen Sorgen und den mag»rn Gewinn theilen wollen? Grunde früher oder später fallen und zu Grunde gehen, denn man darf nicht vergessen, daß Jeder, der ein Vermögen von 50,000 oder 100,000 Gulden besitzt, wenigstens einen dreifachen Credit in der Welt genießt; allein weder die große Geldkraft noch der mächtige Credit waren so schädlich und zu befürchten. Denn auch der große Credit ist ein Eigenthum, welches im Vermögen mitbrgriffen ist, und wenn das kleine Capital mit dem großem concurriren kann, so muß sich das herausstellende Credits - Verhältniß ebenso bewähren und ausgleichen; nur ist es unbedingt nothwendig, daß der Mittelstand seinen ihm bemessenen und beschränkten Credit auch gesund und kräftig zu allen Zeiten genießen müßte. Leider aber ist dem nicht so, denn während der reiche Kauf- und Gewerdsmann seinen mächtigen Credit unter allen Wechselfällen solid und sicher auspricht, muß der Mittelstand sein schwaches Vertrauen erzwingen und erbetteln, und muß sich ganz natürlich jede Waare, jeden Preis und jede» Zinsfuß nach Belieben gefallen lassen, ein Nachtheil, den er auf zweifache bittere Weise empfindet, nämlich : wenn er in die Lage kömmt, seine rohen Stoffe auf Credit zu beziehen, und dann, wenn er genö'thigt wird, die für seine verkaufte Ware bezogenen Wechsel zu verwerthen, daher entsteht die unglückliche unnatürliche Concurrenz, weil der Reiche in diesen beiden Fällen wenigstens schon 6—8 voraus hat, um welche er seine Erzeugnisse billiger liefern und veräußern kann; dadurch zwingt er aber den schwächeren Concurrenten zu gleicher Maßnahme, wodurch der Verdienst so genau bemessen nnd beschränkt bleibt, daß er kaum hinreicht, das Arbeiterpersonale zu befriedigen und seinen eigenen Taglohn zu sichern. Was Wunder also, daß die Mittelklasse bei einer ungünstigen Conjunktur durch den geringsten Verlust erschüttert wird, und bei dem nachfolgenden gänzlich erliegen muß. So schmerzlich und betrübend diese praktische Darstellung für den größeren Thell der industriellen Welt auch sein mag, gewährt sie doch die beruhigende Ueberzeugung, daß diesem Uebel keine Ausbeutung und kein Monopol zu Grunde liegt, daß bei uns die LebenSorgane der Handelswelt noch nicht ergriffen sind, daß nur durch die Nothwendigkeit der Zeit die Industriebahnen so schnell und so kräftig geschaffen worden sind, deren nachtheiliger Einfluß aber auf alle Zahl- und Verkehrsmittel so übel eingewirkt hat, daß sich dieses traurige Mißverhältniß so schroff ausgebildet hat. Dieser Zustand ist zwar sehr betrübend aber nicht so entmuthigend, daß man jede Hoffnung aufgeben müßte, und wie ich glaube, gibt es kräftige und dauernde Mittel. Unsere hohe Staatsverwaltung weiß eS, wie viel ich mich seit Jahren damit beschäftigt habe, und wie oft ich es versucht, ihr meine schwachen Ansichten bei so vielen Geld- und Geschäfts - krisen mitzutheilen. Allein meine zu diesem Zwecke vorgeschlagenen' Mittel waren für eine spätere Zeit berechnet, die sich zwar heute in ihrer wahren Gestalt und mit ihrem ganzen traurigen Gefolge entwickelt hat, aber mit der Zeit sind auch die materiellen Kräfte geschwunden, um solche Mittel heute mit Erfolg zu benützen und zu verwenden. Nun werden aber die Intervalle zwischen einer bedrohlichen Krisis bis zur andern immer kürzer und bedenklicher, jeder kritische Moment erfordert neue Opfer und die kühnsten Mittel, die aber nur wieder Mittel schaffen; dadurch werden die verschiedenen Hilfsquellen theilweise erschöpft, wo jede einzelne nur momentaner Bedeutung ist und wirkungslos vvrübergeht, während sie vereint kräftig und nachhaltend wirken könnten. Allein eine solche durchgreifende Maßregel, welche für alle möglichen Wechselfäll« genügend sein dürfte, (so wi» ich es in meinen früheren Eingaben versucht habe) setzt unbedingt eine umfassende Finanzoperation voraus. Zu einem solchen Schritte aber müßte der Staat vor Allem für seine eigenen Bedürfnisse hinlänglich gesichert sein, und auch sein Credit mächtig und unerschütterlich bestehen. Darum beschränkt ich meine gegenwärtige Aufgabe daraus, die Mittel vorzulegen, um unsere ganze schwebende Staatsschuld in einem gemäßigten Zeiträume auf eine vortheilhafte, sichere und reelle Weise gänzlich zu tilgen, den Staatskredit im ersten Moment höchlichst zu fördern, denselben zu allen Zeiten zu bewahren, und zwar durch die Begründung einer Anstalt, die imBedürfniß der Zeit und im Interesse aller Volksklassen fortwährend wirken würde. Sollte diese Idee Anerkennung finden, und überhaupt in meinen Worten Etwas enthalten sein, woran Eine hohe Reichsversammmlung Gefallen finden könnte, werde ich die oben erwähnte Finanz - Maßregel, welche zugleich der ganzen Handelswelt eine mächtige Erleichterung biethet, der Presse übergeben. Die Staats-Renten-Berficherunqs- Lotteric. Seit einem Jahrhundert besteht in unserem Staate die kleine Ambo - Terno - Lotterie, die nun zur großen unentbehrlichen Staatsrevenue geworden ist. Jedermann Weiß es, wie nachtheilig dieses kleine Spiel auf die untere BolkSklaffc einwirkt. Allein wie ist diesem Uebel abzuhelfen, und woher soll man einen solchen Ausfall in der Staatsrevenue decken, ohne derselben wieder auf eine andere Weise zu schaden? Leider sind die Folgen dieses Uebcls niemals so fühlbar geworden als heute; denn durch die allgemeine Handelskrisis ist der Verdienst des armen Gewerbsmannes und der Lohn für die arbeiten de Claffe so geschmälert worden, daß derselbe größten- theils nicht mehr ausreicht, ihnen die nöthigsten Lebensbedürfnisse zu sichern. In dieser trostlosen Lage bleibt ihnen die kleine Lotterie der einzige Zufluchtsort, worin sie ihr Heil suchen, und während dem sie in früheren Zeiten nur einen Theil ihrer Ersparnisse diesem Spiel bestimmt haben, ist es ihnm heute ein Bedürs- niß geworden, ihren Tagelohn dort zu opfern. Genährt und getäuscht von solchen Glücksbildern treten tausende Familien über die Schranken ihrer Verhältnisse, ver nachlässigen ihren Beruf und setzen ihre Hoffnung auf einen glücklichen Moment, wo sie Alles wieder auszugleichen glauben. Ein zweites Uebel liegt darin, daß die Wahrscheinlichkeit eines Gewinnes zu weit entfernt ist, daß die ganze unterrichtete Volksklaffe gar keinen Antheil an dieser Anstalt nimmt, Kaufleute, Capitalienbesitzer und die Reichen überhaupt nehmen fast an gar keinem Spiele Antheil, selbst an den Staalslotterien nicht, wo die Möglichkeit nicht so ferne liegt, weil sie den Maßstab für alle Werthe nach dem Erträgniß bestimmen, und je nachdem ihnen derselbe gesichert zu sein scheint, und selbst dort, wo sich solche Spiellose des In - oder Auslandes in größeren Beträgen vorfinden, ist es nur spekulationsweise ; denn die Zinsen von diesem Capital bezahlt jederzeit die Mittelklasse, die v»r einer jeden Ziehung zum Mitspielen bestimmt wird; leider wirken die Umstände der Zeit kräftig genug mit, daß eine solche Einladung immer Anklang findet. Um nun die Ambo - Terno-Lotterie, ohne die Staatsrevenuen zu schmälern, gänzlich verschwinden zu lassen, und um die Theilnahme des Volkes überhaupt von allen Spielplänen des Auslandes und der inner» Privat-Lot- terien für immer zu entfernen, scheint es vor Allem nothwendig, daß zu diesem Zwecke eine besonders von unserem Staate errichtete Anstalt der Art constituirt würde, baß deren Grundprincip schon an und für sich nur auf eine mäßige und solide Theilnahme berechnet sein dürste, dieselbe aber dennoch für alle Classen des Volkes ein solches Interesse haben dürfte, daß es dem Armen wie dem Reichen, dem Gewerdsmann wie dem Rentier eine indirekte Pflicht sein müßte, eine verhält- nißmäßige Summe alljährlich dieser Anstalt zu widmen. Diese Zwecke scheinen vollkommen erreichbar durch die Begründung einer Staats-Renten-Versiche- rungs-Lotterie. Eine Staats - Renten - Versicherungs-Lotterie ist durch ihre gemeinnützige und reelle Bestimmung weit entfernt von allen europäischen Staatsund Privat-Lotterien, da diese Begründung dem Staate gar keinen directen Nutzen bringt, sonder» der ganze Geldbetrag, der in dieser Anstalt zusammenfließt, folgt wieder dem Volke nach einer jeden Ziehung ohne irgend einen Abzug zurück, und zwar immer derselben Classe, aus der er ursprünglich entstanden ist, mit dem Unterschiede, daß die Zurückzahlung nicht mehr wie bi» jetzt in verschiedenen Geldtreffern erfolgt, sondem in verhältnißmäßigen jährlichen Rentenversicherungen, indem der Staat für die zu diesem Zwecke von alle» Punkten der Monarchie in dieser Anstalt zusammenge- floßene Geldkraft ein sünfpercentigeS Erträgniß garan- tiren wird, damit Niemand mehr das verlieren kan», was ihm das Glück einmal beschicken hat, und endlich auf diese Weise alljährlich so viele tausende. Familie» für den äußersten Mangel gesichert werden, so wie e» später hinlänglich nachgewiesen scheint. Um die Wünsche und Verhältnisse aller Volksclaffen zu berücksichtigen und ihnen zu entsprechen, dürfte die Theilnahme an dieser Staats-Renten-Versicherungs-Lotterie folgender Weise geschehen: 1) Die Rentenversicherungen dürften von dem jährlichen Erträgniß zu 50 fl. C. M. angefangen bis zum Erträgniß von drei oder vier Tausend steigen. Die Theilnahme an einem jährlichen Erträgniß von 50 fl. C. M. erfordert eine Einlage von 6 kr. C. M. Um an größeren Erträgnissen Theil zu nehmen , steigert sich auch bei je 50 fl. größerer Renten - Versicherungen die Einlage auch um dieselbe Summe, so z. B. wenn Jemand an einem jährlichen Erträgniß von 500 fl. C. M. Theil nehmen will , er auch 1 fl. C. M. einlegen muß. Wenn endlich durch diese Einlagen die Summe von 40,000 fl. C. M. zusammengeflossen ist, so ergibt sich ein jährliches Erträgniß von 2000 fl. C. M., das dem ersten, zweiten, dritten und vierten Rufe alseine jährliche Rentenversicherung ä 500 fl. C. M. zukomnt. Ist aber z. B. auf dieses Erträgniß die Summe von 45,000 fl. °C. M. zusammengekommen, so erhält der fünfte Ruf das Erträgniß der letzten 5000 fl. C. M., nämlich ein« jährliche Rente von 250 fl. C. M. Eine besondere Beruhigung gewährt diese Rentenversicherungs-Lotterie den ärmeren Classen dadurch, indem sie sich nur an solchen Erträgnissen betheiligen, die mit ihrem Bedürfnisse im Verhältniß stehen, als ;. B. von 50 fl. bis zu 300 fl., diese Summe aber dem Reichen nicht genügen kann, und er sich auch daran ganz natürlich nicht betheiligt, woraus sich ergibt, daß die entstehenden Rentenversicherungen immer nur dieser Classe zufließen, aus der da» Stammcapikal entstanden ist. *) 2) Um den Zweck dieser Anstalt vollkommen zu erreichen, dürfte ein solcher Rentenschein denselben gesetzlichen Bedingungen unterliegen, als ein gewöhnlicher Gage- Anwcisungsbogen, nämlich daß die Zinsen nur vierteloder halbjährig und nur auf den Namen des Eigenthü- mers behoben werden können, daß ein solcher Rentenschein unverkäuflich und unverpfändbar sei, und daß / keine Schuldvormerkungen auf denselben Statt finden^ können, damit diese Anstalt stets ihre unerläßliche Theil- nähme für das Volk behaupte, indem jeder Besitzer einer solchen Rentenversicherung unter allen Wechselfällen für die äußerste Noth geschützt bleibt. 3) Endlich dürfte dieses vom Staate zu 5°/o garan- tirte jährliche Erträgniß nur durch Ich Jahre seine »olle Geltung haben, eine Zeit, die ein Familienvater nach der gewöhnlichen Dauer des Menschenleben« 20 bi- 30 Jahre selbst genießen, de« Rest seinen Erben hinterlas- sen kann; die nächste Generation aber ist angewiesen, a dieser Lotterie wieder Theil zu nehmen, um für i Nachkommen bedacht und besorgt zu sein. Wenn nun die heutige Lag« der ganze« Handelswelt betra wo der örwerbszweig täglich schwierigrr und ungl ») lieber die Art und Weis«, wie diese Zieh» sieden soll, und über die gegenseitig«» Eoq Ausweise, so wi« über di« ganze Ausführung glaube ich auf Verlangen eine genügende A>^ zu kSn?en. wird, so läßt sich die eifrigstes Theilname aller Stände «nd aller Klaffen an dieser Anstalt klar und deutlich voraussehen, «eil ein solches gesichertes Etträgniß jedem Familienvater die wohlthätige Beruhigung verschafft, daß man seinm Kindern etwas hinterlaffen könne, was unverkäuflich, unverlierbar und «nverschwendbar ist, und so dürste man die sichere Ueberzrugung gewinnen, daß sich in kurzer Zeit selten ein Familienvater finden dürfte, der nicht mit Aufopferung so manches zeitlichen Vergnügen« «ine verhältnißmäßige Summe alljährlich dieser Anstalt widmen würde, «nd um so mehr, sobald die Kennt-, nißnahme allgemein wird, wie viele Familien alljährlich auf dies« Weise versorgt werden, deren Name und Wohnort zu diesem Zwecke nach jeder Ziehung veröffentlicht werden dürfte. Die gänzliche Tilgung der Staatsschuld. Wenn e- Eine hohe Reich-Versammlung auch dafür erkennt, daß dies« Staat-renten-Versicherung--Lotterie ein Bedürfniß der Zeit und im besonder» Interesse aller Volksklaffen sei« würde, und wenn man ferner das ver- hältnißmaßige große Erträgniß des kleinen Lotto, an der sich nur die unteren Elasten in kleinen Beträgen betheiligen , in'S Auge faßt, so dürfte man wohl die Ue- berzeugung gewinnen, daß die Theilname an dieser Anstalt von 5,000,000 Menschen aus allen Elasten selbst in den 'ersten Jahren höchst wahrscheinlich sein werde. Wenn nun die ganze jährliche Theilnahme für jede Person durch 25 Ziehungen auf 5 fl. berechnet wird, so fließt alljährlich ein Capital von 25,000,000 zusammen, wofür die Verwaltung dieser Anstalt angewiesen ist, eben so viele 5 perc. Staatsobligationen zurückzukaufen, um die jährlichen Erträgnisse für die Folge zu sichern. Die Zinsen von diesem Capital betragen alljährlich 1,250,000 fl. Wenn man nun die daraus entstehenden jährlichen Rentenversicherungen durchschnittlich zu 500 fl. »«nimmt, so müssen auf diese Weis« jede« Jahr 2500 Familien versorgt werden, welche 40 Jahre vor der äußersten Roth geschützt bleiben.'! Nach 40 Jahren endlich sind für 1,000,000,000 Obligationen zurückgekauft oder eingelöst worden, eine Summe, die unser» jetzige ganze schwebende Staatsschuld enthält, und außerdem noch mehrere 100 Millionen, die der Staat im Laufe dieser Zeit auf- zunehmen genöthigt sein würde, dem zu sFolge müßte sich auch der Staatskredit im ersten Moment bedeutend heben, indem die Verwaltung dieser Staatsrenten - Versicherungs-Lotterie alle Monate in der Lage ist, eine so bedeutende Summe Obligationen zurückzukaufen. Endlich dürfte dieses Unternehmen dem Staate die wünschenswerthe Beruhigung gewähren, daß derselbe bei der Aufnahme eines Anlehens weder das Ausland noch irgend eine Mittelsperson bedürfen werde, indem die Verwaltung dieser Staatsrenten - Versicherungs-Lotterie stet- ein zureichender und reeller Abnehmer sein würde. Ignaz Deutsch, Levpoldstadt Nr. 13. (Besondere Abdrücke hiervon sind im Comptoir der Wiener Zeitung zu haben.)