Das Berbrüderungs -t im Dkm, oder: Dcr ükrmschmdc Fackclzug mikz Musil, Pilltrsdorf gebracht dem Pannasch, Fitst den weiten schönen Räumen deS Odeons hat es schon manches glänzende Fest gegeben, wo zu Tausenden, falonmäßig gekleidete Herren und reich geschmückte Damm be, einem Lichtmeere und bei entzückendem Saitenklange in unnennbarem Wohlbehagen hm und her strömten; und doch ist noch keines dem gestrigen, am 30. Mai, gleich gekommen kann mit diesem sich nicht messen; denn nicht Mädchen, Tanz und eitles Schaugepränge, sondern die Idee der Gemüthlichkeit, der Eintrachtsliebe, deS echten Biedersinnes hat eS hervorgerufen, und fortwährend als herrlicher Goldfaden die Herzen umschlungen gehalten, und als wohlthuende Sonne das Ganze so beleuchtet, wie Lampenfchein eS nie zu ersetzen vermag. Abends schon hatten sich nach und nach im Garten und in den anstoßenden Sälen deS Odeons Bürger, Rationalgarden, Studenten sowohl hiesige, als auch Brünner und Olmützer, die diese Woche angekommen, gesammelt, und besetzten die Tische, oder lustwandelten Hand in Hand bei vassenden Weisen, die die Artillerie Musik-Bande ertönen ließ; doch bald wuchs die Anzahl der frohen Theilnehmer dermaßen, daß 2 oft denselben Sessel einnehmen, oder stehend die Hand um die Schulter des Nebenmannes legen mußten, und beides trug nur dazu bei, das Fest der Brüderlichkeit desto mehr -u verschönern, und zeigte sich selbst durch Aeußerlichkeiten, was man allgemein innig empfunden, daß enges Anschließen jetzt höchst nöthig sei. ES war ein erquickendes Schauspiel, hier am Tisch« die freudigen Gesichter, die hoch- geschwungenen vollen Gläser anschlagen, und den warmen Händedruck zu sehen; dort wieder unter einem Baum oder in einem Winkel deS Saales „daS deutsche Vaterland/« die Volks- Hymne von stürmischen Vivat unterbrochen aus voller Brust singen, oder daö FuchSlied und den Studentenmarsch bei klingenden Säbelgeklirr spielen zu hören. Als der anerkannte Freihritsheld Hr. Küster, Religions- profeffor den Garten betrat, schallte ihm rin jubelndes Hoch entgegen, und er hatte Mühe durch die Menge die sich um ihn drängte durchzukommea. bald hierauf kam der ueuerwäblte würdige Dberkommandant der gesammten Nationalgarde, Herr Pan- nasch, ein donnerndes Hoch erschallte wieder von allen Seiten. Er hielt hieraus unter strtgesrHtem Beisalle eine gesinnungsvolle eindringliche Rede, wo er vorzüglich die Treue zum Kaiser, die Wahrung der bisherigen Errungenschaften, den innigen Anschluß an Deutschland hervorhob, und dann den Vorschlag machte» das jetzt so wichtige Wort Rationalgarde, weil eS französisch mit dem deutschen Worte Bolkswehr vertauschen, was unter trendigem Zurufe sogleich auch angenommen wurde. Am andern Ende des Gartens umwandelte plötzlich ein Herr den Tisch zu einer Rednerbühne, stieg hinauf und las uns daß. eigendS für dieien Abend gedichtete und gedruckte Commerce Lied, „So lob ich mirS"' von Wilhelm Naar. was außerordentlichen Anklang fand. Hierauf ging man in den großen Saal, wo der Qberkommanba.it auf den Händen getragen' und ihm ein grüner Kranz auss Haupt gesetzt wurde. Die Musik spielte Walzer, Quadrills, Kör- Mazur, und die von Wonne berauschte Menge tanzte Mann mit Mann sestumfchlungen. Die Kalabreser wurden mit NatioualgardekappcN' diese wieder mit Bürger- hütcu vertauscht' zum Zeichen der Einheit und der Jubel wollte t .5 ^ - beinahe kein Ende nehmen. Das Kärnthnerviertel, weil dieser Rahme seit einiger Zeit nickt von sonderlich guten Klange war. nun aber sich von einer bessern Seite zeigte- wurde ein sürlalle Mal das deutsche Viertel benannt. Nach Mitternacht machte ein Student den Vorschlag man möge dem Pannafch, ddrn Füster, die sich mittlerweile entfernt hatten, so wie dem Minister Pittersdorf eine Nachtmusik, und so aut als eS jetzt möglich einen Fackelzug bringen, schnell wurde der Antrag angenommen. Es wurde einer der Eifrigsten für dieses Vorhaben auf die Schultern gehoben und in den ganzen Saal herumgetragen, er hielt zu besagtem Zwecke einen Teller in der einen Hand um für die Musik zu sammeln, in der andern aber eme Glocke, er war von Einigen mit gezückten Schwertern umgeben, um leichter durchzukommen. Nun gings rasch davon, man nahm in Ermanglung der Fackeln, brennende Kerzen so viel man nur zusammenbringen konnte, und zog so Arm in Arm bei klingenden Spiele durch die Jägerzeile in die Ferdinandsgasse zum Herrn Pannafch. Die Musik spielte die Bolkshymne, das deutsche Vaterland und den Studentenmarsch. Herr Pannafch erschien am Fenster, wo ihm ein lautes Vivat entgegen schallte, sprach wieder seine schöne Gesinnungen für das Deutschthum aus, und dankte mit den Worten: " Zu vief dcr Ehre und Freude' nehmet meinen innigen Dank dafür. ° «- - Von da ging- über die Schlagbrücke zum Lorenziberqel, wo Herr Füster wohnt, da wurde eierst ein wahrer Fackelzug, denn die Arbeiter auf der Biberbaftei erschracken, als ste eine solche Menfchenmaffe ankommen sahen, glaubten es feien F indlichgesinnte, und zündeten sogleich Fackeln an, doch als sie ihre Leute erkannten, kamen sie mit ihren Fackeln herunter, schlossen sich dem Zuge an, worauf man den Arbeitern ein Lebehoch brachte. Bei Hrn. Füster wurden wieder benannte Musikstücke gespielt und ein wohlverdientes Vivat ihm zugerufen; er sprach als er am Fenster erschien, von der schönen Errungenschaft der Kanonen, und von dieser Huldigung, die ihm mm wird, und rief dann aus: Heute ist der schönste Abend meines Lebens. Von da gingS wieder weiter, indem die Volkshymne immer ertönte, durch die theil- weise beleuchtete Stadt, durch die Hafner- und BischofSgasse, über den Stefan- und Stock- im-Eisen-Platze, zum Graben hin zum Minister Pittersdorf. Bevor er noch am Fenster erschien, brachte man ihm schon ein donnerndes Hoch, als er sich aber da zeigte und mit seinem weißen Tuche herabgrüßte, war der Freudenruf für den Augenblick zwar stürmischer, legte sich aber gleich darauf ganz um bei gehöriger Ruhe die Worte des Ministers recht hören zu können. Er sprach gerührt seinen Dank ans über diese Ehrenbezeugung, ließ den Kaiser hoch leben, worauf man ihm lautdonnernd beistimmte, und äußerte hierauf vielfältig seine Freude über die Anhänglichkeit an dem Monarchen, die man da wieder öffentlich bekundete, versicherte nur so könne der Staat glücklich werden, und schloß mit den Worten: Wollte Gott unser guter Landesfürst wäre jetzt Augenzeuge um zu sehen wie ergeben ihm sein Volk, wie ergeben ihm seine treuen Wiener sind. — Nun wurde auch die Bolkshymne noch einmal anaestimmt und um 2 Uhr nach Mitternacht reichte man sich gegenseitig die brüderliche Hand- zum Abschiede, und trennte sich so befriedigt. wohlgemuthet mit sich selbst, mit der ganzen Menschheit auSgrsöhnl. und dachte sich nnwillkührlich. ja dieser schöne Abend ist ein außerordentlich freundlicher Glanzpunkt l,i meinen Leben' es wird mir ewig unvergeßlich bleiben. B. Knöpfelmacher. ErtruSt b-i M. Lell.