A« die Arbeiter Als Wien für die'Freiheit gekämpft, als es gesiegt hat, wäret Ihr dabei, Ihr hattet Euren Anthcil an der Errungenschaft. Wir sagen Euren Antheil; denn werlbat sich sonst um Euch gekümmert, wer hat sonst darnach gefragt, ob Ihr lebet oder hinsterbt. Verachtet wäret Zbr, verachtet wie ein fremd Geschlecht. Der Tag der Freiheit hat seine wärmende Sonne Allen noch gebracht; der Reiche, der Bürger eilte, durch Opfer anznerkcnnen, daß Ihr Seinesgleichen seid. Der Staat, dieser Körper, zu dem wir Alle gehören, Reiche und Arme, Herren und Arbeiter, der nur durch uns, nur in uns ist, der Staat bot Euch Arbeiten an in dem Augenblick, wo Ihr keine andere Nahrung finden konntet. Während der Reiche seine Habe schmelzen sah in der Gluth der Revolutionen, welche über Europa zwar himmlische Früchte, aber kein Gold streute, während der Bürger seine Gewerke und seinen W ' sinken sah, während Mancher auf die Wache zog, ohne sich, ohne seine Familie gespeist zu haben, während Alles nur zu ringen hatte mit den Nahrungssorgen, da wurde Euch Euer Unterhalt verbürgt. Glaubt nicht, daß wir Euch erinnern wollen an Wohlthaten, die Ihr bisher empfangen, wir wollen Euch nur erinnern an Menschen, die Menschlichkeit geübt haben, an den Staat, ver Euch genährt hat, ohne daß Eure Arbeit ihm Nutzen brachte. Wir erinnern Euch daran, in dem Augenblick, wo Zhr die Waffen ergreift, die Ordnung dieses Staates zu gefährden, wo Zhr denjenigen gegenübertretet, die Euch ernährt haben Monate lang. Wir erinnern Euch daran, nicht weil wir Euch als einen Theil betrachten, fremd oder getrennt von uns, sondern weil wir Euch als einen Theil unserer Gesellschaft vor der Gefahr schützen wollen, ungerecht zu sein und den Einflüsterungen zu folgen, mit welchen man Euch Mißtrauen und den Leichtsinn in die Seele zu führen sucht. Denkt einmal nach, warum ihr unzufrieden seid? - Weil der Arbeitslohn vermindert wird! Gewiß nicht! Es wird ja der Arbeitslohn nicht vermindert. ES wird nur der Tagelohn herabgesetzt für s olche die nicht arbeiten wollen — Wer arbeiten will, findet bei den Akkordarbeiten oder auf dem Lande, findet an dm Eisenbahnen und in den Fabriken Arbeit und Brot genug. Seid Ihr aber diejenigen, die nicht arbeiten wollen ? Seid Ihr Tagediebe? Gewiß nicht. Einzelne aus Euch sind es nur, welche von Undank, von der Leidenschaft sich Hinreißen lassen, welche träumen, der Staat könne etwas geben ohne Arbeit. Gibt denn der Boden seine Früchte ohne Arbeit! Ist denn irgend etwas auf dieser Erde ohne Arbeit? Freilich es ist etwas, und das wollen wir Euch gleich erzählen. Es braucht nicht viel Arbeit, Unruhe in eine Stadt zu tragen, es braucht gar keine, alle Geschäfte zum Stillstände, alle Menschen an den Bettelstab, alle dem Hungerstode nahe zu bringen. Es braucht dazu nur das Treiben, welches ihr jetzt beginnt, dieses Treiben, welches das Geld von hier fortziehen wird, das ihr verdienen möchtet, welches das Brot hier so selten machen wird, daß Niemand mehr mit Euch theilen kann. Dieses Treiben, durch welches ihr alle Eure Freunde von Euch abwendet, durch welches Zhr sie zwingt die Waffen gegen Euch zu ergreifen. Glaubt Ihr, daß es Euch Ehre bringen wird, glaubt Ihr, daß es Euch Nutzen bringt? Wißt Zhr nicht, daß Zhr nur Werkzeuge seid, gemißbraucht von einigen Menschen, die Euch zu Hunderten umbringcn lassen, um eine Stelle zu erhalten, oder son st Zhres eigenen Bortheils halber? Zhr havt ein Recht zum Mißtrauen! Mißtrauet aber ans -er rechten Seite, mißtrauet jener schlechten Presse, die in gleisnerischen Worten diejenigen in -er öffentlichen Meinung verunglimpft, welche Geschäfte -er Regierung führen, mißtrauet vor Allem jenen, -ie Euch Brot ohne Arbeit versprechen! Stoßt Diejenigen aus Eurer Mitte, -ie Euch abhalten von -er Arbeit, -ie selbst nicht arbeite«, glaubt nicht, -aß -er Bürger, -er Nationalgarde Euch feindlich sei, er ist nur feindlich -er Unordnung, er will die Gesetzlichkeit, er will -ie Ordnung, ohne welche auch Ihr erbärmlich zu Grunde gehen mußt! Gedruckt hei öeop. Sommk. (vormals Strauß.)