An die asten und Mt » ürgcr Wien s. Theuere Mitbürger! lOic unhcilvollc» blutigen Ereignisse der neuesten Zeit sind die traurigsten Beweise, daß wir uns von der so heiß ersehnten Ruhe und Ordnung immer mehr entfernen; anstatt uns derselben nach so großen Gährungen zu nähern. Handel und Gewerbe haben einen schweren Druck erlitten; was Ihr Euch durch jahrelangen Fleiß erspart habt, und was entweder für die Tage des Alters, oder für Eure Kinder aufbehalten bleiben sollte, fällt der allgemeinen Verwirrung zum Opfer. Noth und Elend beginnen sich auszubreiten, und lassen uns der herannahenden rauhen Jahreszeit mit gegründeter Lesorgniß entgegensehen. Unser Zustand ist ein höchst bedenklicher, und wenn Ihr selbst nicht energisch einschreitet, — dann haben wir nur noch Schlimmeres zu gewärtigen, als wir bisher erlebten. Die Errungenschaften der Märztage sind jedenfalls die Grundpfeiler einer besseren Zukunft; sie sind eine üppig grünende Saat, welche eine reichliche, gesegnete Ernte verspricht; — aber wir dürfen die Zeit der Ernte nicht selbst hinausschieben, und uns nicht selbst um alle Vorthcile und Segnungen bringen. Soll die Saat zur Reife gedeihen, so benöthigt sie des erquickenden und fördernden Sonnenscheins der Ordnung, Ruhe und Gesetzmäßigkeit. Wehe uns, wenn die Gewitterstürme des Aufruhrs, der Volksbewegung und des Partheicnkampfes eine Saat vernichten sollten, die wir mit unserem Blute getränkt, die wir mit so großen Mühen gepflegt haben! — Ruhe, Ordnung und Gesetzmäßigkeit müssen cintreten, sollen wir nicht unserem Verderben entgegeneilen. Um diese unschätzbaren Kleinodien, diese wichtigen Garantien des Völkerglückes zu erlangen, ist nicht die Ernennung von Komitees, Clubbs, Ausschüssen u.s.w. nöthig; Ihr braucht nicht erst auf Umwegen und durch entfernte Mittel das zu suchen und zu crzwcckcn, was uns Allen Noth thut; — nein, Ihr trägt jene große, jene unüberwindliche Macht in Euch selbst, — denn sie liegt in Eurem festen Willen. Man hat es Euch hundert Mal gesagt, daß die Souveränität Eures Willens unantastbar sei; wohlan denn, macht diese Souveränität geltend, und bietet den Wühlern die Stirne. Eurem festen Willen wird nichts widerstehen, am allerwenigsten eine Rotte elender, jämmerlicher Wichte, welche, wie die Unken im Schlamme, sich nur in der allgemeinen Verwirrung wohl befinden, und nur durch Frechheit zu imponi- ren glauben. Vor Allem — seid echte, wahre Patrioten! Ihr braucht keineswegs die unternhänigen Knechte zu spielen, und Euch Bedrückungen gefallen zu lassen; denn der seiner Rechte entäufierte Knecht kann nie ein guter Bürger, nie ein Patriot seyn. Haltet fest an den Errungenschaften, die Ihr mit Eurem Blute besiegelt habt; leidet cs aber nicht, daß man Eueren Kaiser, der Euch Alles gegeben hat, was Ihr verlangtet, und der Euere Rechte zu schützen bereit ist, vor Eueren Augen verunglimpfe und durch niedrige Demonstrationen herabsetze. Solche Behandlungen hat er weder um Euch, noch um den letzten seiner Unterthanen verdient. Der Patriotismus der Wiener hatte sich von jeher eines europäischen Rufes zu erfreuen, beraubet Euch nicht selbst dieses ehrenvollen, beneidenswerthen Rufes! — Die Zahl der wahrhaft ehrenhaften und gutgesinnten unter Euch ist sehr groß; diese große Zahl wird der Schrecken aller Wühler werden, wenn Ihr einmal mit Ernst aufrrcten und sagen werdet: „Wir wollen Ruhe und Ordnung haben; wagt es nicht wieder, sie zu stören!" Euer entschiedener Wille, Euer festes Auftreten wird und muß mehr fruchten, als Behörden und Vereine. Tretet den Feinden der Ruhe und Ordnung männlich entgegen; zeigt Ihnen festen Willen und Entschlossenheit, und Ihr werdet Alles ohne Blutvergießen richten. Euer vorzügliches Augenmerk sei auf die immer frecher werdende Schandpresse und ihre Leiter gerichtet. Duldet es nicht, daß Wichte, wie Mahler, Silberstein, Engländer oder wohl gar Hermann Landau und Chaiscs mit maßloser Keckheit Alles besudeln, was auf Herstellung der Ruhe und Ordnung abzielt; macht dem aufrührerischen Treiben eines Häfner, Tuwora, Gritzner und aller Republikaner ein Ende, die nur durch den Umsturz alles Bestehenden zu prosperiren glauben. Solche Subjekte werfen bei allen Gelegenheiten mit den Titeln: „Hochverräther" — „Volksverräther" u.s.w. herum, während doch diese Titel zuerst auf sie selbst passen dürften. Daß sich mehrere dieser Herrchen nach den Bestimmungen unseres Strafgesetzbuches des Hochverraths schuldig machten, davon gibt die Geschichte der letzten vier Monate Zeugenschaft; daß sich aber alle jene, ron der öffentlichen Meinung längst vcrurtheilten Federhelden — darunter vorzüglich jene aus dem Stamme Juda — durch ihr unablässiges Schmähen, durch ihr freches Herabrcißen aller gesetzlichen Verfügungen sorgsam bemühen, die Unordnung, Gesetzlosigkeit und Verwirrung im Zuge zu erhalten, und somit den ehrlichen Bürger und Gewerbsmann im redlichen Erwerbe für sich und seine Kinder zu hindern — davon finden wir jetzt noch täglich die Beweise in den verrufenen Krenzerblättern, Wien, am 28 . August 18 ^ 8 . Zu haben bei I. Bader, Buchhändler in Wien, Stadt, Strobelgasse. die zur Schmach der Literatur öffentlich ausgeboten werden. Wer dem ehrlichen Bürger und Gewerbsmann Ruhe und Erwerb raubt, ist ein Volksverräther, und einem solchen muß man bei Zeiten sein Handwerk legen. Es ist eine große Beruhigung für jeden Gutgesiinnten, daß die Zahl der ehrenhaften Bürger in Wien so groß ist, und daß diejenigen des Bürgerstandes, die sich unlöblich benehmen, keine Wiener sind. Irgend ein hergelaufener, durch Lumperei oder Faulheit zu Grunde gegangener Schneider, oder abgewirth- schafteter Cravatcnmacher, den Eure Gutmüthrgkeit hier blos duldet, äußert demagogische Gesinnungen, schmeichelt sich ein Republikaner zu sein, und schwatzt den schauderhaftesten Unsinn. Jeder ehrenhafte Mann verachtet solch' einen jämmerlichen, allen Besonnenen nur zur Last fallenden Wicht, und sieht hierbei lebhaft ein, das derlei Ungeziefer nur durch unsere Schandpresse gezügelt wird. Schmerzlich muß es jeden Besseren berühren, wenn er bemerkt, daß Ausländer, die in ihrer Heimat nicht genug Kartoffeln fanden, um ihren Hunger zu stillen, und halbverhungert nach Oesterreich kamen, jetzt, wo sic durch die Güte und Theilnahme unserer guten Wiener auch Bürger von Wien wurden, unablässig über unsere Institutionen lästern, und sich so undankbar gegen ein Land beweisen, wo sie ihr reichliches Einkommen fanden. Auf solche Wichte möget Ihr ehrenhaften und gutgesinnten Bürger Wien's ein wachsames Auge haben, und künftig wohl in Erwägung ziehen, wen Ihr in Euere Mitte aufnchmet. Lasset die Nationalgarde, die aus Eurer Mitte hcrvorgegangen ist, und den schönen Beruf hat, Ruhe, Ordnung und Sicherheit aufrecht zu erhalten, nicht von niederträchtigen Schuften verunglimpfen und beleidigen. Die Nationalgarde soll und muß ihr Ansehen behaupten, und bei ausbrechenden Unruhen alle ihr zu Gebote stehenden Mittel anwenden, um Unfügen und Unzukömmlichkeiten zu steuern. Vom Pöbel, oder einer die Schranken der Gesetzmäßigkeit frech überschreitenden Horde darf die Nationalgarde nicht insul- tirt werden, und der Gebrauch der Waffen in solchen Fällen kann nie als Mißbrauch der eingcräumten Gewalt betrachtet werden. Wer die Nationalgarde in der Erfüllung ihrer Verpflichtungen vorsätzlich hindert, oder ein von der Nothwendigkeit gebothenes energisches Einschreiten derselben als Gewaltstrcich bezeichnet, ist jedenfalls ein Volksverräther, der nur bei der allgemeinen Verwirrung, die er sehnlichst wünscht, eine reiche Ernte zu machen hofft. Solche Wichte überwachet sorgsam, denn sie sind die gefährlichsten Feinde der Ruhe und Ordnung. Suchet und findet fortan Eueren Stolz darin, daß selbst der Kaiser das energische Wirken der Garde belobte!!! — Duldet cs nicht, daß man unsere brave Armee, welche seit Monaten in Italien für das gute Recht Oesterreichs stromweise ihr Blut vergossen hat, von elenden Scriblern verunglimpft und geschmäht werde. In neuester Zeit erst wagte es solch ein schändlicher Wlcht, Radctzky's siegreiches Heer „eine Räuberbande — und gemiethete Mörder" zu nennen Solch ein Schurke verdiente den Schandpfahs, denn die Niederträchtigkeit seiner Gesinnung liegt am Tage. Was sollen sich unsere tapferen, aufopfernden Bruder in Italien von uns denken, wenn sie erfahren, daß wir sie zum Lohne für ihr redliches Wirken nicht einmal gegen Verunglimpfungen in Schutz nehmen! Mer da behauptet, Ne Lombarden und Vene- tiancr hätten blos einen Frciheitskampf gekämpfct, den betrachtet geradezu als einen Hochverräther; denn eine grundlose Auflehnung gegen den rechtmäßigen Kaiser, der seinem Volke eine freisinnige Verfassung gibt, ist kein Frciheitskampf, sondern eine ehrlose, gemeine Revolte, und ihre Urheber sind ganz gewöhnliche elende Rebellen. Die gerechte Sache siegte und unser Heer hat sich einen unsterblichen Ruhm erworben. Nur der verächtlichste, bösartigste Wühler kann unsere braven Truppen beschimpfen, — aber er soll dies künftig nicht ungestraft thun. Theure Mitbürger! Nochmals rufe ich Euch aus voller Brust und tiefster Ueberzeugung zu: „Ihr habt Euer und Eurer Mitmenschen Schicksal in den Händen!" Euer Witte kann Wunder wirken, Ihr allein nur könnt Ruhe und Ordnung Herstellen. Sprecht cs ernsthaft aus, das große Wort: Wir dulden keine Schandpresse, wir verweisen die Ruhestörer und Volksverräther aus unserer Mitte; — wir wollen das Ansehen unserer Nationalgarde aufrecht erhalten wissen; — wir protcstiren feierlichst gegen die Uebergriffe der Juden, und lassen nicht ferner mehr unsere tapfere Armee beschimpfen! — Wer kann es wagen, Eurem Willen zu opponiren? — Eure Ehrenhaftigkeit und gute Gesinnung ist bekannt; Euer Wille ist Gesetz. Unser Ministerium, das sich durch ein entschiedenes Auftreten die Lichtung der-Welt erworben hat, wird Euch unterstützen, und gewiß, die gute Sache wird siegen! — Ihr könnt Großes wirken, wenn Ihr es ernstlich wollt, und der Dank der spätesten Nachwelt wird Euren souveränen Willen segnen!!! — W. Drrger. Rvßau Nr. 319 . Preis: »kr. C. M.