An die -Brüder! Unser gemeinsames österreichisches Vaterland ist in Gefahr. Wollen wir jetzt keinen Augenblick damit verlieren, Jene zu verdammen, welche die Gefahr herbeiführten. Den ewig peinigenden Borwürfen des eigenen Gewissens werden sie nie entgehen. Das vergossene Blut, die vermehrte Bedrängniß, die Thränen Tausender sind keine leichte Last, werden in der Wagschale der Gerechtigkeit schwer wiegen. Es ist aber auch nicht an der Zeit, zu verzagen. Oesterreich's Völker haben in einer hülfloseren Lage viele harte Schläge, große. Gefahren abgewendet. Oesterreich, wenn es will! wird auch die gegenwärtige Gefahr überwinden. Der Vaterlandsliebe kann kein Opfer schwer werden! Kräften der Gefahr offen entgegen zu treten. Die Zahl Jener, welche Gesetzlosigkeit, in ihren Folgen die Unsicherheit des Lebens, des Eigenthums, die Anarchie, welche den Zerfall des österreichischen Kaiserstaates wünschen, ist nicht groß, die Ungerechtigkeit ist ihre Schwäche. Das Bemühen der Vaterlandsverräther wird an dem gesunden Sinne der Völker Oesterreich's scheitern. Sittlichkeit, Charakterstärke, Gemeinsinn, Achtung der Gleichberechtigung Aller, Ehrfurcht vor dem Gesetze werden jeden Oesterreicher, dem die Aufrechthaltung, die Freiheit seines Vaterlandes am Herzen liegt, .beseelen und erkennen lassen. Vaterlandsliebe, Achtung des Gesetzes sind die ersten Zierden eines freien Volkes. Die freien Völker Oesterreich's werden nicht weniger Vaterlandsliebe üben, werden nicht weniger Vertrauen zu ihrem konstitutionellen Kaiser haben, dessen Güte die Freiheit und mit dieser das Glück seiner Völker wünscht. War Vertrauen der Völker Oesterreich's je nothwendig, so ist dies Vertrauen und ein gemeinsames Streben gegenwärtig die größte Notwendigkeit. An die Bewohner Oberösterreich's richtet das Landesverordneten-Collegium seine Bitte, auch in den Tagen der Gefahr für die Herhaltung der Ruhe und Ordnung, der öffentlichen Sicherheit, für die Wahrung der gesetzlichen, Allen gleich zustehenden Freiheit, für die Achtung des Eigenthumes zu sorgen. Ein solch' gemeinschaftliches Streben wird unser Vertrauen stärken, wird uns die nöthigen Kräfte verschaffen, alle Gefahren überwinden zu können. Die Bewohner Oberösterreich's haben nie unterlassen, Gut und Leben für das Wohl des Vaterlandes zu opfern. Die Bewohner Oberösterreich's werden auch in den Tagen der Gefahr die echte Vaterlandsliebe üben. Sie werden fest vertrauen an die durch Se. Majestät, unseren konstitutionellen Kaiser anerkannte Freiheit der Völker Oesterreich's, an die in der Proklamation der hohen österreichischen Reichsversammlung vom 7. d. M. ausgesprochene Sicherstellung des konstitutionellen Staatslebens. Die Bewohner Oberösterreich's werden mit vereinter moralischer und auch gewaffneter Kraft jede Störung der gesetzlichen Freiheit, der Ordnung, die die Pro- vinz bedrohen sollte, besiegen, sie werden fest Zusammenhalten und stets bereit sein, wenn die gesetzliche Staatsgewalt ihre Hülfe aufrufen wird. Bewohner Oberösterreich's! Der Biedersinn, die Vaterlandsliebe der Völker Oesterreich's, die Güte unsers konstitutionellen Kaisers werden die Gefahren, welchen unsere Residenzstadt Wien, der Geburtsort unserer Freiheit, ausgesetzt ist, werden das Unheil eines Bürgerkrieges abwenden. Unser Vaterland wird wieder aufblühen, unsere Freiheit wird endlich die Verwirklichung erhalten. Sollten diese Hoffnungen nicht in Erfüllung kommen, und die Sicherstellung der konstitutionellen Monarchie oder die Freiheit bedroht werden, dann werden die Bewohner Oberösterreich's nicht auf sich warten lassen, um im festen Zusammenhalten mit allen gleich gesinnten Provinzen, insbesondere der gesammten deutschen Bevölkerung, Oesterreich's konstitutionelles Staatsleben unter der gegenwärtigen Dynastie im Anschlüße an Deutschland zu sichern. Die Verschiedenheit der Nationalitäten, der politischen Ansichten, der einzelnen Interessen kann ein gemeinsames Anstreben nicht hindern, mit gemeinsamen Von dem oberostereeichischen Verordneten - Collegium. Linz, am 16. Oktober 1848. Aus der Eurich'schen Buchdrnckerei in Linz.