C -2,^o8S C ZUM PROJECTE FÜR DAS HISTORISCHE MUSEUM DER STADT WIEN N° 26 ZUM III. BAND, V. HEFT iMnsjt DKTJCK VON ADOLF HOLZHAUSBN IN WIEN G ewiss ist für den Bauherrn eine allgemeine Preisausschreibung der einzig richtige Weg zur Erlangung guter baukünstlerischer Pläne. Das Betreten dieses Weges setzt aber Verhältnisse voraus, die wegen der Verschiedenheit unserer heutigen Kunstanschauungen derzeit nicht bestehen, wodurch ein Erfolg auf diesem Wege recht problematisch erscheint. Während die Moderne alle Terrains der Kunst zu erobern trachtet und zum allergrössten Theile auch schon erobert hat, stellt sich ihr in der Kunst des Bauens eine ziemlich eng geschlossene Phalanx entgegen, welche zu durchbrechen der Modernen wegen Mangel an Aufträgen für Monumentalbauten bisher nicht gelungen ist. Nur ein leichtes Abbröckeln dieser fest geschlossenen Masse findet statt; die abfallenden Theile aber werden beinahe ganz von jener Sorte falscher Secessionisten aufgesaugt, deren ganz verwerfliche Leistungen, zum grössten Schaden der Kunst, der Menge als „Moderne” geboten werden. Da diese Phalanx der Tradition nicht allein von Laien gebildet wird, sondern ihr auch eine namhafte Zahl von Künstlern angehört, so hat dieser Umstand beinahe immer getheilte Meinungen bei Kunsturtheilen zur Folge, wenn sie der Modernen gegenübersteht. Recht scharf treten diese Differenzen bei künstlerischen Wettbewerben zu Tage, weil die Preisrichter gewöhnlich aus beiden Lagern geholt werden. Der Laie wird dieserart gezwungen, sein gewöhnlich schwankendes Urtheil durch eigene Anschauung zu befestigen, statt sich, wie es naturgemäss wäre, an einen einstimmigen Ausspruch der Fachleute zu halten. Corporationen und Behörden, bei welchen das conservative Moment stets vorwiegen wird, werden sich schwer als Pfadfinder der Modernen giriren oder zum Abstreifen aller Tradition bereit finden. Da aber auch von dieser Seite ein völliges Ausserachtlassen der Modernen, dank der Erfolge, welche sie erzielte, nicht gut möglich ist, muss dieser Umstand immer zu einem gewissen Unbehagen führen, der jetzt bei allen Baufragen, welche im Wege der Concurrenz zur Lösung kommen sollen, deutlich zu Tage tritt. Verstärkt wird dieses Missbehagen durch den Umstand, dass die Vertretung der Modernen beinahe durchwegs aus Künstlern besteht, welche noch nicht durch Erfahrung gestählt sind, oder welchen bisher keine Gelegenheit geboten wurde, ihre Kraft im Monumentalbaue zu zeigen, um das leicht begreifliche Misstrauen der Auftraggeber zu beseitigen. Diese und ähnliche Gründe haben den Verfasser dieses Projectes bewogen, aus eigener Initiative mit einer Arbeit, für welche eine Preisbewerbung in Aussicht genommen ist, hervorzutreten. Nachdem die löbliche Gemeinde den Bau des städtischen Museums beschloss, das Programm aber noch nicht ausgearbeitet war, handelte es sich für den Verfasser des vorliegenden Projectes zunächst darum, ein solches festzustellen. 3 Die Abdeckung des Gebäudes geschieht mit Ausnahme des steilen Glasdaches des Centralraumes durch ein System von Traversen, Monier, Asphalt, Sand und Schotter, wie solcher vom Verfasser dieses Projectes am Administrationsgebäude der Absperrvorrichtung in Nussdorf angewandt wurde und eine bis dahin nicht erreichte Solidität aufweist. Als ganz besondere Annahme sei die Ueberdeckung des Centralraumes erwähnt. Der runde Raum ist durch acht parallel liegende Gitterträger überdeckt, so dass die äussere Glasfläche ein gewöhnliches Satteldach bildet. Die Rippen der Zierlichte, welche sich wieder der Saalform anschmiegen, sind an diese Träger aufgehängt. Nebst grosser Vereinfachung der Con- struction und Verbilligung derselben ermöglicht diese Lösung auch die Annahme von sechs Hänggerüsten auf Laufschienen, womit die leichte und gefahrlose Reinigung der Zierlichte erreicht ist. Deckenconstruction, Heizung, Bodenbelag, Stiegen etc. entsprechen unseren modernen Errungenschaften und können als bekannt angenommen werden. Bezüglich der Fenster mag nachfolgende kurze Erklärung genügen. Schon eingangs war auf die Wichtigkeit einer reichen Belichtung der Museumsobjecte hingewiesen. Im Projecte erreichen die grössten Fenster im Hauptgeschosse eine Höhe von 4-6 m bei einer Breite von 2*2 m (Glaslichte). Diese Fenster werden bei Tracttiefen von 8 5 bis 6-5 m die Räume vollkommen genügend erhellen. Derartige Fenster bedürfen aber einer eigenen Construction, wenn sie praktisch sein sollen und allen Anforderungen, welche man an Fenster zu stellen berechtigt ist, erfüllen. Die Fenster sind aus Eisen und dreitheilig angenommen, und ist vom Aussen- fenster nur der Mittelflügel zu öffnen, wodurch das Fenster stabiler und einfacher wird. Die Reinigung dieser Fenster geschieht durch Einhängen von Leitern mit breitem Oberbrett, welches mit der am Fenster angebrachten Schutzstange eine Art Balcon bildet, von dem aus die Reinigung leicht und gefahrlos durchzuführen ist. Die zeitweilig erforderliche Abblendung der Lichtquellen geschieht durch Plachen. Aus den Grundrissen ist ersichtlich, dass die Saalfluchten nur dort durch Quermauern getheilt sind, wo sie zur constructiven Nothwendigkeit wurden, da der Verfasser mit Recht annehmen muss, dass alle erforderlichen Theilungswände leicht verstellbar sein müssen, um es den Organen, welche die Aufstellung durchführen, zu ermöglichen, jederzeit Aenderungen im Arrangement durchführen zu können. Für die von anderer Seite angeregte sehr glückliche Idee, die vielen im Besitze der Gemeinde befindlichen Kaiserporträts in einem Saale oder einer Saalgruppe (Kaisersaal) zu vereinigen, wird sich die Mittellösung des Hauptgeschosses sehr eignen, und wäre der Decor dieser Räume den Gemälden anzupassen. Mit Rücksicht auf die in allen Theilen des Gebäudes angenommene Feuersicherheit, der projectirten Niederdruckdampfheizung, der Construction des Centralraumes etc. ist der Einheitspreis mit 35 K per m 3 angenommen. Nachdem der Rauminhalt des Gebäudes von der Souterrainsohle bis zur Dachoberfläche 59.820 m 3 hat, würden sich die Baukosten auf 2,043.700 K stellen. Wien, im December igoo. OTTO WAGNER. 9 d3">, DiiC> Vi-%- *r ">• -tfKjt. >ihti mi&E. i*iv ll \ ;»r t VW-ct; ^ V }t iAiÜ*