Wiens»- 8igöt-8!blioi!i6l<. 10812 L x^r- ^5'.' »«e^ v^,- -'«^»» - ^ ^,. », - >^- ' > > . .L r«»»v . . ".'»-LL ^ ' -. üb er Tanzen Kur Beherzigung der Wiene r-S chönen. Von einem Freund der Offenherzigkeit» -1 fodere kein Gestandniß, meine Schönen; ich weis ohnedies, daß mich ihre eigene Erfahrung nicht LHgen strafen wird, wenn ich behaupte, jeder, und auch -et sittstmste Ball gebe der Einbildungskraft einen simtlichen Schwung, berausche den Geist, übertaübe die Ver- > nunft, wiege das Herz in weichlichen Taumel aufgefachter oder verstärkter Begierden, und schmelze selbst aus Frau- * » enzim- 4 enzimmerfeelen Klugheit und Zurückhaltung weg. Wenigstens trifft dies alles bei Mannspersonen zu, und bei aller Ehrfurcht für ihr Geschlecht, glaube ich doch nicht, daß es mit der größeren Reizbarkeit seiner Sinnen weniger hingerissen werde, als wir. Damit will ich freilich nicht behauptet haben, diese Sinnlichkeitsverstarkuttg sei Sünde! In meinen Augen hat ße eine vortrefliche Seite, und ich habe derselben manchen Aufschluß über den weiblichen Karaktet zu dankem Beim Tanz entlastet sich das Augs seines beschwerlichen Schleiers ; die ganze Seele spricht aus den Blikkcnz alle Empfindungen des Herzens schweben auf den Lippen, oder werden in den Zügen und der Stellung sichtbar; der Ton Aon der Stimme, der Gang, die Bewegungen , das Stillschweigen ; kurz alles vom Fersen auf den Scheitel ist redender, auffallender Ausdruk des Ka- rakters; ein Ball oder Redoute der» heißt und gewahrt dem Physiognom die reichste Erndte. Die falsche Spröde, die feine Kokette, die Leichtsinnige, die Stolze, die Wollüstige, alle enthüllen und verrathen sich dem forschenden Aug: die Maske der Unschuld, der Reinheit und der Schaam fallt weg ; jeder Gedanke , jedes Bild, jede Regung schimmert durch, und der Mann, der nicht his in die innersten Falten der Seele seiner Geliebten blikt, muß ein Dummkopf seyn, und das Frauenzimmer, welches sich beim Tanz dem Beobachter picht verrath, ist eine heilige, oder li- * A stiger 6 stiger und heimtükkischer als die Schlan- ge in Eden. Wenn also öffentliche Nedouten und Balle gut benüzr würden, so waren sie ein sichres Mittel, beiden Geschlechtern die Kenntniß ihrer gegenseitigen Fehler, Neigungen, Gefühle und Grundsaze oder Angewöhnungen zu erleichtern; aber ob sie 's werden, ist eine Frage, welche Die Erfahrung mit Nein entscheidet. Verstärkte Sinnlichkeit, die überdies mit hastiger , ermüdender Bewegung verbunden ist, hat mit jedem Rausch wenigstens so viel gemein, daß sie den Geist der Beobachtung schwächt; die Feinheit der Gefühle mindert, die Regungen des Herzens in thierische Triebe verwan- '-- 7 verwandelt; daß sie im Kizel einer Behaglichkeit, die aus sinnlicher Reibung und aus Vergessenheit alles dessen, was außer uns ist, entsteht , die Stimme der Sittsamkeit übertaubt , die zarte Blüte der Schaam vergiftet, und der weiblichen Grazie die schönste Anmuth raubt. Leidenschaftlicher Tanz, der dann bei Frauenzimmern häufiger ist, als bei den Mannspersonen, erzeugt mithin allemal wollüstige Triebe, zweideutige Bilder, allzu sinnliche Gefühle; wenigstens erzeugt er eine größere Reizbarkeit für sie, und öfnet das Herz allen gefährlichen Eindrüken der Unanständigkeit und unerlaubten Freiheiten: ge- sezt jedoch, er führe uns nicht stets so weit irre, sc> ist gewiß erwiesen, daß L er Geist und Körper weichliche, Zurük- Haftung verscheucht, die Sinnlichkeit er, höht, das Herz den feiner« edlern und sanftern Empfindungen für einige Zeit verschließt ; daß er folglich dem Zwek jedes Vergnügens, Seele und Körper zu neuer Thätigkeit zu starken, gerade entgegen arbeitet und sündlich wird, oder unschuldig zu seyn aufhört, so bald er gewisse Granzen überschreitet. Und diese Gränzen? — Freilich last sen sie sich nicht haarscharf bezeichnen; allein zu wenig ist hier, wie bei allen sinnlichen Vergnügen, immer besser, als zu viel! Enden sie ihren Tanz, ehe Entkräftung ihres Körpers sie aufzuhö- ren zwingt, che es ihnen an Geist und Seele schwindelt, ehe ihr Busen sich von unbestimmten aber weichlichen Regungen Hungen gepreßt fühlt, ehe ihre Augen lautpochende Sinnlichkeit sprechen, und so fort. Ob nun dieß bei Redoutmnd Ballen geschehe ; ob nicht ganze Abende und oft ganze Nachte durchgetanzt werden; ob dabei diese Maßigungsre- geln in Betracht kommen, ob überhaupt ein Tanz, der über zwei Stunden dauert , nicht allemal die Sinnlichkeit zu hoch spanne , zu sehr reize, sind Fragen , die kein Vernünftiger mit Nein entscheiden wird, und welche mithin den Werth oder Un.werth unsrer Ballpartheien hinreichend bestimmten, wenn auch übrigens alles in engsten Schranken des Wohlstandes bliebe. Allein wenn diese verstärkte Sinnlichkeit noch durch wollüstige Schlingungen und lascive Geberden gereizt wird; wenn * 5 ent- IO entblöste Busen, freie, schaamlose Blikke und zweideutige Unterredungen, oder geile Zoten und üppige Spiele, Ly die Berauschung des Balls eingestochte» werden , und nach heutiger Mode einen Hauptzweck unsrer Partheien ausmachen , habe ich dann nicht Ursache zu wünschen, mein, und jedes andere gute Mädchen möchte davon wegbleiben, damit es nicht seine Einbildungskraft mit. unanständigen Bildern verunreinj, ge, und das zarte Gefühl der Schaag allmahlig verliere? Unsre Würtemberger und andre deutsche Tanze , die gerade weil sie rasch buntüberck gehen, am häufigsten getanzt werden , müssen jedem unbefangenen Beobachter schaamlos Vorkommen. Keine Keine ihres Geschlechts, sie hatte denn alles Gefühl des Wohlstands und der Schaarn verloren, wird es wagen Lei einer andern Gelegenheit, Arm in Arm geschlungen, und Brust auf Brust gepreßt, oder Blik in Blik geschmolzen mit einem jungen Kerl herumzurollen, bis sich alles um sie her im Kreise droht und Wollust ihr und ihm aus den Augen glüht ; oder glauben Sie etwann, daß einige räkelnde Geigen hier einen Unterschied machen, und daß lascive Schlingungen oder wollüstige Blikke die Sittsirmkeit nicht mehr beleidigen, wenn sie sin Takt gewalzt, empfangen und gegeben werden? Ich geb's Ihnen auf ihr Gewissen, und dieses wird mein Zeuge seyn, daß nach jedem deutschen Aanz ihr Busen starker pocht, das Vluc schneller wallt, ihre Gefühle sinnlicher wer- «s«-> r» werden, daß ein Handedruk Ihnen durch Mark und Nerven bebt, und daß sie uns Ln solchen Augenblikken, wo wir durch die gleichen Regungen hingerissen, unser selbst vergessen, Freiheiten über- fthen, die sie bei jedem andern Anlaß schwer geahndet hakten ; und was sind am Ende die Folgen davon ? daß sich die innerlichen Regungen immer mehr zu sinnlichen Begierden hinabstimmen, und sie uns für Minuten wenigstens, mehr nicht als ein Meib, und wir Ihnen mehr nicht als ein Mann werden, und unsre Berauschung von Ihnen, auf jedes andre schöne Mädchen überschwar^ men. Augegeben indeß , was mir noch nicht erwiesen ist, daß nämlich weibliche Einbildungskraft nicht so leicht abgleiten, als Fs die männlichen, und daß sie oft und mit manchem walzen können, ohne im sinnlichen Taumel und athmende Gefühs le gewitbelt zu werden, so bleibt doch diese Gemüthsverfassung bei den Mittätern selten weg, und ohne Erröthen werden sie ja das Bewußtseyn, der Gegenstand der ausgelassensten Begierden eines Wollüstlings gewesen zu seyn, we^ der sich, noch uns gestehen, geschweige dann sich darüber freuen wollen, zumal wenn sie aus den geläufigen Zweideutigkeiten unsrer Nedouten und Ballen sich die Bemerkungen vorstellen müßen, die ihre Mittänzer oft in einer nahen Ekke über ihre Reize und ihre Gesinnungen einander in die Ohren raunen? Ich läugne zwar nicht, daß die Bemerkungen eines Wollüstlings oder ei? neS nes Gekken um so weniger entehren, als sich ein Frauenzimmer weniger dagegen verwahren kann; allein wenn es sich den Blikken , den Betastungen und Schlingungen derselben Preis giebt, wenn es dadurch ihre Sinnlichkeit reizt, und ihre verwilderte Einbildungskraft aufwekt, so fallt das Entehrende ihrer Begierden zum Theik auf das Frauenzimmer zuruk, und ein jeder sollte mit Werthern den Schwur thun, daß das Mädchen, welches er liebt, und auf das er Ansprüche hat, nie mit einem andern walzen solle, als mit ihm. ^ V' MAB - ^ ^ ' X