Wienei' Naät-kiblioikek. r o g r a m des Festes der feyerlichen Einführung der Schuljugend in das neu erbaute Schulhaus der Gemeinde unter den Weißgarbern in Wien. Am /j. May 1825. Ney der steigenden Bevölkerung der Gemeinde unter den Wcißgarbern wurde daS im Jahr I 78 S erbaute Schulhaus zu klein. Der löbliche Magistrat der k. k. Haupt-und Residenzstadt als Grundobrigkcit und als Patron des Beneficiums, und die Gemeinde erkannten die Nothwendigkeit, ein neues Schnlhaus von Grund aus zu erbauen. Der Bau wurde im Sommer I8r4 angefangen, und im Jahre t» 2 S vollendet. Es wurden nebst der gebührenden Wohnung für den Lehrer und die Lchrgehülfen vier geriiumige und lichte Lehrzimmer hergeflcllt, und mit der erforderlichen Schuleinrichtung versehen. In den Grundstein wurde nebst einigen Münzen eine Zinnplatte mit folgender Inschrift gelegct: Ina ünlnnen Lottes. II n t 6 r cler zlorreiolisn keAleiunZ seiner iVlajestät 6.63 Dr3l:6n ügissrs von O es derrei elz e de. e te. sin 4. im ^abre O^risti MDOOOXXV ^uräe äie8er6runä8tein2uäem,von äem löbl. ^iatrate clerb. 1<. Ilauxt-unü ^68;äenr8tAät ^ien unä äer Oenieinäe unter äen V>H88Aärbern, neu erbauten 8ebu1bau86 von äeni Hoebvvüräi^ten Herrn N a tb i a 8 ?au1u8 Lteinäl, Ll8cboke von ^ntinoxoIi8, b. 1<. u. ö. v^irblieken keZierun^ratbe ote. eto. einZeseAnet, unävonäem LürZerme^ter äer »auxt-unä k68icIenr8tAät, b. 1 <. katbs , Herrn ^nton I-umxert, unter MtwirbunA äe8 Itoebwüräi^en Herrn ^u- 4 AU 8 tin 1 'uro 23 n, Domherrn LU 8. 8texll3n un6 Oiöee83n-8ellulen -Ober- Oufsel^ers , 6e8 Herrn I>l3Ai8tr3t8 - R3tll68 un6 8ts6t - OberIi3innlorer8 Rr^nL X3V. Rnibel, 6e« Herrn I>l3Ai8tr3t8-R3tIie8 un6 8t36 t-Rnt 6r1üulinerer8?6 t s r Lto88, 6e8 Herrn N3Zi8tr3t8> R3tll68, 8cliul - un6 Rircllen - Referenten , IRo- in a 8 Re 8 eil n), 6e8 nl3Ai8tr3ti8oIlen R3u-In8pector8 Herrn 4. n t o n R e 11 8 e 1; 6e86run6riollter8 Herrn 5oIl3NnR3 rtnl 3 nn 6.68 su8. Ratii68, 6e80rtS8eIlul3uf- 8eller8 Herrn 5 o 8 e ^ Il Ri8ell6r 6. su8. R3tll8, 6e8 0ericllt88e1lreiller8 Rlerrn I>I 3 t II i 3 8 O 3 11 3 8, un6 6er Herren Orun6AericIlt8 - Le) 8it2er R r sn 2 W e i- e Denker A er, OsRriel Rrinlnier, 8, flauere, >1 o k. Rap t. R i 8 eRe r, 6. üU8. R3tll69, N i e II. k 1 s 8 0 II I< 0 vv 1 t 2, nn6 N s t II s u 8 N 3 ^ e r 3I8 Oelnein6ever8orAer, iin X3llNlen 6er Oemein6e; 63NN 6e8 8ellu1!ellrer8 Rerrn sodann 8 t ö e Ir e 1 mit Re^llülfo 6es 6i688fül!igen R3unlei8ter8 Rerrn Rete r Oerl fe^erlicll ein§686nlret. Rs 8telle fo8t un6 lange 616868 8eIluI1l3N8 , un6 6er Rnterricllt g66ei1ie in denselben 2ur Rlire 6oites, 2uni RIeile 6er ^ugen6 un6 2liin 8egen für 6io 6enlein6e unter 6ein 8eliut26 6e8 ^llniäelltigen. 5 Äie Schuljugend wird aus dem gegenwärtigen Schul' - Locale feyerlich mit 2 Fahnen bis zum Kirchenplatze von ihren Lehrern geführt und daselbst in zwey Reihen aufgestellt, mit dem Gesichte gegen das Haupt-Thor gewendet, und den hohen Patron der Gemeinde sammt ihren Vorstehern erwartend. Sobald der x>. t. Herr Bürgermeister erscheint, streuen die Mädchen Blumen aus ihren Körbchen; ein Knabe und ein Mädchen aus den Reihen der Schüler treten vor, und halten folgende Anrede.- Der Schüler Adalbert Praschak. Erhabenerl Ein hohes Fest der Jugend, Bedeutungsvoll für Zeit und Ewigkeit, Ein Fest, geweiht der Wissenschaft und Tugend Eröffnet Ihres Herzens Huld uns heut! Die Sorge für die Wohlfahrt zarter Kleinen, Die Liebe zu dem theuern Vaterland » Entbiethet uns, die kaum ans Licht erscheinen, Zum Pfad der Pflichten väterlich die Hand: Und was Sie,heut der Kinderwelt bereiten, Soll Wohlthat seyn den Enkeln fernster Zeiten. Die Schülerinn Katharina Bock. Vollenden Sie, was herrlich ist begründet! Sie sehen bittend hier der Kinder Schaar, Die große Gabe, die uns ward verkündet, Bring Ihre Vaterhuld uns heute dar! O leiten Sie uns zu des Altars Stufen, Den Vater in den Himmeln anzurufen, Und seinen ew'gen Segen zu erflehen: Durch Gott allein kann Gutes nur bestehen. Nach dem Gottesdienste begeben sich die hohen Personen nebst den Gliedern der Gemeinde zu dem Schulhause; die Jugend folgt unter Leitung ihrer Lehrer. An der Schwelle des Schulhauses tritt ein Mädchen aus dem Kreise der Schülerinnen, und trägt dem ?. I". Herrn Oberaufseher d. d. Schulen die ehrfurchtsvolle Bitte vor, die Schuljugend in die neuen Lehrhallen einzuführen: Vorgetragen von der Schülerinn Aloysia Abel. Hoch-Ehrwürdiger! Gnädiger Herr Oberaufseher. Begründet sehen wir die neuen Hallen, Wo sich der Ouell' der Lehre soll ergießen, Der Geist und Herz mit süßer Tröstung labet: Ehrwürdiger, mit Huld für uns begabet. Laß dieses Hauses Thore sich erschließen Und führ' uns ein zu Gottes Wohlgefallen! Der ?. 1*. Herr Oberaufseher und der Patron der Gemeinde leiten die Schüler in das bereitete Lehrzimmer , welches mit dem Bilde seiner Majestät geschmückt ist. Die hohe Versammlung begibt sich darnach zur feyerlichen Legung des Grunbstei- nes, indessen die Schüler von ihren Lehrern in die für sie angewiesenen Plätze, Knaben und Mädchen von einander gesondert, ordentlich eingetheitt werden. Sogleich nach der Ankunft der hohen Personen erschallen Trompeten und Pauken. Ein Knabe tritt vor, und äußert die reine Freude der sämmtlichen Schuljugend über die Ehre der Gegenwart des hochwürdigsten Herrn Weihbischofes. Dann treten zwey Mädchen und ein Knabe vor, und drücken die Gefühle der gelammten Schuljugend folgender Maßen aus: Der Schüler Georg Zeininger. Gnädigster Bis chof. Seelenhirt, Heil Dir in unsrer Mitte! Segnend naht sich Deine Himmelsgüte; Trost und Freude biethet sie uns dar; Trost und Freude fühlt der Frommen Schar. Sieh, was unser feuchtes Auge spricht; Morte hat die schwache Lippe nicht. O, wie wird Dein zärtliches Erscheinen Vater, so beseligend uns Kleinen! Jedes Gute, das Dein Aug bemerkt, Wird mit Glaubenskraft durch Dich bestärkt, Jede Schwäche, die Dein Blick entdeckt, Werde Mittel, das zur Demuth weckt. Die Schülerinn Josepha Höffeter. Erhabene! Edle! Hochansehnlich Sie reichen uns das kostbarste Geschenk Das je ein Mensch dem Menschen bringen kann: Die Mittel einer edeln Selbsterhebung, Der Ausbildung für Zeit und Ewigkeit. Mit großen Opfern, wie nur zarte Liebe, Dem Liebsten, Theuersten zu biethen pflegt. Sie geben das Geschenk in süßer Hoffnung, Daß Ihre Gabe goldne Früchte bringe Und wechselnd von Geschlechtern zu Geschlechtern Zu tausendfält'gem Segen fortgedeihe, Gewährend einen Erntekranz, der einst Für Sie laut zeuge an des Ew gen Thron. Der Schüler Gabriel Landerer. Heil uns, die wir der Liebe Pfand empfangen Als zarte Sprößlinge, die kaum noch fassen Der Wohlthat Große und Bedeutenheit; Nur ahnen erst des Segens Fülle, Die Ihre Großmuth zu begründen strebt: Ein offnes Herz, zugänglich für das Gute, Ein still empfängliches Gemüth für Lehren, Die uns zum hohen Zweck des Daseyns fördern, Soll immerdar der Schule Hallen ehren, Die Ihre Huld und Großmuth heut erschließt. Und mächtig soll des heil'gen Wortes Same Aufkeimen in der Kinder zartem Busen Zum Baume, der mit Kraft den Stürmen steht. Die Schülerinn Juliana Fischer. Ja, fromme Lehre wird uns sicher leiten Zum großen Ziel, das unser Mer harrt; Und unfern Geist zu jener Würde heben, Die ihn zu seinem und des Nächsten Frommen Vom hohen Schöpfer vorgezeichnet ward. Hervorgeh'n wird aus dieser neuen Schule Ein dankbares Geschlecht brauchbarer Bürger Voll Sinn für Thätigkeit und Häuslichkeit'; Mit regem Eifer für das Vaterland, Mit warmer Liebe für den Landes fürsten, Gestählt in Andacht und in Gottesfurcht. Gott leit' es so, wie Sie es edel meinen! Gott segne immerdar den Sinn der Kleinen! 10 Der Herr Grundrichter Johann Hartmann d. ä. R. Ihr guten Kinder dieser löblichen Gemeinde I Dieses schöne und bequeme Schulhaus, in welchem ihr heute zum ersten Mahle versammelt seyd, ist ein kostbares Geschenk von der Liebe eurer Altern und ihrer Mitbürger, es ist eine Gabe von dem besonder» Wohlwollen eures hohen Schirmherrn, es ist ein Beweis des mächtigen und weisen Schutzes der Behörden, und der granzenlosen Huld und Gnade unsers allverehrten Monarchen, unsers Herrn und Kaisers. Wir hoffen von euch, ihr Kinder dieser Gemeinde, daß ihr ein empfängliches Ge- müth und den besten Willen zeigen werdet, die heilsamen Lehren aufzufassen, welchen dieseSchule geweihet ward. Ihr sollet hier, an diesem ehrwürdigen Orte curerBildung, aus guten Kindern einst gute Menschen; brave, thätige, redliche Bürger; treue und achtungswerthe Unterthanen des Staates und musterhafte Christen werden, um stets hoffnungsvoll zum Himmel emporblicken zu können. Im Vertrauen auf den heutigen Tag hoffen wir von euch, daß lebhafter Dank immer eure jugendlichen Herzen beseelen, und Gott, Fürst und Vaterland eurem Blicke auf die erhabenste Meise vorschweben werden. Der Herr Ortsschulaufseher Joseph Fischer d. ä. R. Meine liebsten Kinder! Meine Freude, meine Krone! Die guten Ermahnungen, welche euch der geehrte,Herr Vorsteher dieser löblichen Gemeinde gab, rufe ich euch noch ein Mahl ins Gedächtniß zurück. Ihr guten Kinder, 11 ihr seyd unsere Nachwelt; für euch entstand dieses zweckmässig eingerichtete Schulhaus, und es so feyerlich eröffnet zu sehen, ist wohl die größte Freude, welche ich erlebet habe. Seyd immer gut, und werdet täglich besser; lasset mit dem Zunehmen eurer Jahre auch das Zunehmen an jeder Tugend an euch wahrnehmen, und ihr werdet durch eure Schulbesuche glücklich, unaussprechlich glücklich seyn, wie wir es alle wünschen. Und nun noch meinen Dank, den ich mit gewohnter Aufrichtigkeit bezeuge, ja meinen herzlichsten Dank an die sämmtlichen Glieder dieser mir ewig theuern Gemeinde — für das Zutrauen, das Sie mir einstimmig bezeugten, als vor zehn Jahren die Stelle eines Ortsschulaufsehers zu besetzen war, welche ich seither begleitete. Meinen gehorsamsten Dank statte ich auch feyerlich ab — der löblich kaiserlich königlichen Oberaufsicht der deutschen Schulen, welche den Vorschlag meiner geehrten Mitbürger an die hohe Landesbehörde-gutächtlich einbegleitete, und dadurch die Wahl für meine geringe Person bestätigte. Die Zufriedenheit weiser Behörden mit meiner zehnjährigen Amtsführung wurde der schmeichelhafteste Lohn seyn, den ich mir nun am Ende dieser Laufbahn wünschen könnte. Mein Herz ist in dem gegenwärtigen Augenblicke zu tief gerührt, als daß meine ungeübte Rede mehr als — Heil und Gegenüber so erhabene Schul-und Kinderfreunde — ausdrücken könnte. Jeder Augenblick meiner noch übrigen Lebenstage wird der mir theuern Erinnerung an das viele Gute gewidmet seyn, welches zum Mohle der aufblühenden Menschheit in Österreichs glücklichen Staaten geschieht, und die Liebe des erhabenen Landesvaters mit dem segenreichsten Erfolge krönet. An den Herrn Lrtsschulaufseher. Vorgetragen von der Schülerinn Cäcilia Steinberger. Festlich strahlet heut die Sonne Aus des Himmels Blau hervor, 2 Und des Dankes hohe Wonne Hebt der Jugend Herz empor. In, wir kennen Ihre Liebe; Sahen, wie Sie Ihre Zeit Eifervoll mit edlem Triebe Dieser Schule oft geweiht. Schon zehn Jahre sind entschwunden Mühevoll; doch seh'Ihr Blick Noch einmahl die schonen Stunden Der Vergangenheit zurück. Gott wird Ihnen langes Leben Stetes Wohlseyn auch verleih'n, Und es wird Ihr edles Streben Lebenslänglich uns erfreu'«. Der Lehrer Johann Stöckl. Liebe Schüler und Schülerinnen! D^ frommen Vorsätze, welche ihr heute so lebhaft aussprechet, können uns nur mit herzlicher Freude und inniger Rührung erfüllen. Die treue Vollziehung dieser Vorsätze wird der wahre Dank für das große Geschenk seyn, welches eure hochverehrten Wohlthäter euch bereitet haben. Ihr meine Schüler und Schülerinnen, die ihr die Früchte dieses kostspieligen Geschenkes zuerst genießet, ihr müsset allen künftigen Zöglingen dieser schönen Schule als Muster des Fleißes und der Auszeichnung vorleuchten. Keines, meine Lieben, bleibe im Wetteifer hinter dem andern zurück! Ihr werdet euch dadurch unaussprechlich glücklich machen. In jedem Augenblicke eures Lebens beseele euch Liebe und Treue für den erhabenen LandesvaLer, welchen ihr hier im Bilde schauet. Kein Tag vergehe, ohne von dem Allgütigen Heil und Segen für ihn zu erflehen, und in seinem Glücke das eurige zu finden. Insbesondere fühlet euch heute zu heißen Segenswünschen entzündet! Sie mögen aus freudiger Brust ertönen! Gottes ew'ger Segen schwebe Über unfern Kaiser Franz! Gottes Vaterhuld erhebe Täglich Seines Nahmens Glanz! Schenk Ihm jedes Glück der Erde Hold vereint zum schönsten Kranz! Jede Seiner Thaten werde Segen unserm Kaiser Franz! Seiner weisen Liebe Walten Kröne Frieden immerdar Heil und Wohlfahrt zu entfalten Einer treuen Völkerschar! Seine Huld und Liebe lohne Lieb' und Treu im schönsten Kranz, . Und erfleh von Gottes Throne Segen unserm Kaiser Franz! Dräuen aber Feindesheere Seinem Österreich Gefahr, So umglänze Sieg und Ehre Kaiser Franzens Heldenschar! Jeder Seiner Bürger weihe Gut und Blut für Seinen Glanz Fallend beth' er: Gott verleihe Segen unserm Kaiser Franz! Segne Gott Ihn! — Seine Milde Sey noch spater Enkel Heil! Huldigung Werd' Seinem Bilde Bey der Nachwelt noch zu Theil! Dankes Jubel-Laut erschalle Stets zu Seines Rahmens Glanz Ost'reichs letzter Sprosse lalle Segen unserm Kaiser Franz!