. Ä l l I , ^ O«; l e N .Ä . 7^1 l lu l von ol7n lnaln'^nu^'N -^1'N'N 1LOO . t' ^lN'g 01 ' Erklärung des Tttelkupfers. s ^cmks Volkes Geschichte ist bcpnahc so wichtig und der Ewigkeit Merth, als des römischen. Gleich kep femem Entstehen zeigt Sir», Männer, deren Kraft, Slätke und Wohlfahr, gründen, und zu Thaten des Ruhmes und künftiger Größe Samen hinwirst. Auf dem Erdenrund, dazumal noch ,u Rebel gehüllt, war ein fast unmerkbares Planchen an den Ufern der Tiber zum Schauplatz bestimmt, wo wichtige Scenen durch ein Jahrtausend wechseln und die größten Manner im Staale und Felde nicht leicht nachahm,ichr Rollen spielen. Di- Geschichte, erhaben in Wolken, zum Lewahnm bestimm,, die Thaten der Weisheit und Tugend zur Nachahmung und Ruhm für j-d- kiiiistige Welt, wirst den forschenden Blick unoerwandt nach Italiens Lage hin, und schreib! die Reihe er Thaten, die den stolzen Nahmen RomS durch die damals bekannten Welktheilc trugen, und Un ernngen schnfen, daß die mächtigsten Völker, über Berge und Seen entfernt, in Roms einzigen Nahmen zummmenschmolzen. § ^ re.,kern, 77' 6'" »i' Männer, in. Medaiston zusammengestellt, die der CH. wo Rat. Mn,b, Enikchlossenhcit suchten die Wege zu Wasser und Land, Rei- e !" ^"lge ^orbe-rn, nützlich und schön, Roms unternehmenden, Geiste Mit anziehende,II Buch 75".""" 7' - -- ^-lchen erzählen - dieß Strelen nach Ruhm das d-777"'7" ^ "°ch l"' Basrelief zum Titel des Buches di- ersten Stif- bild desV'f 7 und Re,nnS, en,halt. Lott bewache- eln Hahn, daS Sinnstande '' 7/ «Elt, dle Thaten großer Männer, dl- es .7 u k"77 ^she,., Muth und Entschlossenheit zue Reise des größten Stoa. Ruhms durch Sr 7" '7 7^ stutzenden Geister die Unsterblichkeit ihres verdientesten Ruhms dmch Schristen und durch bildeude Kunst mit rastloser Müh- besorgen. führ,- l-rkichsten Werke. Der Zeiten Much, die Chrouos über st- war Bo.b- vr 7/^' ^uchwekt zur Lehre, im Denkmal, und Schrift sorgfältig gesebet 7n V k 777'"' fürs Schöne, uerbrannt N, oe e wn "».°7 7L7: -""7:'-«" -- -'"----* » «»' Werke des Rnhms^ Cin schi^e 7 7 "- ^ H""" ^°'^-n -e gehen.,,.- daS Mer.lu, . fr. 7 -"7' » "om Zwan- r« Forschers kostbare uberwste -u'7" "7" " ^ »i- suchend- Hand ' " uverihjte zu ^,age zu bringen vermag. -) N ' «»* Feldherren Roms, d^e an^neb-nk-nd schone Gaffenen oder rpontiens, kn welchen affe ' die stch e.,.., R..h„. tzat.-ii, z.r.,sti„b„„ ausgestelle- waee.i. A HF l - ) Erklärung des ersten Kupfers. Rom im Triumphe. No. i. ÄuS großen Reichen waren noch immer bisher viel größere entsprossen. Gleich dem Blitze griffe» die Stifter derselben um sich und stürzten darnieder, was kräftig sie hemmte. Dort lagen die Trümmer von Babel und Assur und Mcden, die Cyrus zum Grunde für Persien legte; aber auch Persien zerfiel von Alexanders siegendem Arm zermalmet. Weit bis am Indus hin standen Lropha.n, des Siegers Eitelkeit zum Denkmahl gesctzet. Nur aus den Fluchen der Tiber schwinget ein Geist sich empor, der mtt schöpfrischer Hand aus Hütten der Armuth die stolzeste Stadt Hervorrust und mit der unansehnlichsten Horde die Herrschaft der Welt beginnet. Schon der Keim trug Größe und Dauer; Roms erster König pflog mit Milde und Weisheit sein Volk, und hauchte ihm Geist ein zu Thaten des Muthes und des nicht gewöhnlichen Ruhmes. Aus cben dem Wege, den Romulus klug zum Wachschum des Reiches vorgezeichnet hatte, giengen die übrigen Herrscher, und prägten dem Volke tief ins Innere den Charakter, eigen dem Römer, aus sich selbst zur höchsten Größe und Macht sich aufzuschwingen. Immer beherrschet von Klugheit und billiger Strenge; immer geschäftig im Kriege und Frieden; immer verbunden z» einerlei) Zwecke; immer unter der Ordnung weiser Gesetze stieg der Römer von Stufe zu Stufe bis zum.Gipfel der größten menschlichen Hoheit empor. Schon reichhaltige Quellen zur inneren Macht des Staates wußte der Stiller zu öffnen. Ganze Schaaren von Menschen, bekümmert um Wohlfahrt und Leben, oder sonst von Ungunst dcS Schicksals gedrückt, flohen ihr Mutterland, und bey Roms heiliger Statte war Rettung und Hülle. Ein Driltheil des Volkes führte den Nahmen vom heiligen Haine, zur Aufnahme der fluchtigen Nachbarn bestimmt. Noch edler benahm sich Romulus gegen Besiegte; aus Absicht den auftelmeuden Staat mit Klugheit zu mehren, wurden von ihm die ersten Besiegten nach Rom als Bmger rel pflanzt. Schon dazumal hegte das werdende Rom den Grundsatz von Mäßigung gtgen ^siegte, und hatte das sicherste Mittel in sich, den Abgang der Bürger und vornehmen Geschlechter mit Schnelligkeit zu ergänzen und Kriegshecre durch Verbindung in weiser Bereitschaft zu halten. So wuchs bey diesen Gesetzen die Starke von Rom, daß bey dem Tode des Romulus statt dreytaujcnd Menschen jetzt schon sieben und vierzigtausend den römischen Staat bewohnten. Alle thei.s muthige Krieger, thcils fleißige Bauer, mit keinen anderen Schätzen bekannt, als welche die Pflügung der Felder und reichliche Beute gewähret. d ( 2 ) AS Des Numa friedliche Zeilen lehrten den Römer die Früchte der glücklich geführten Kriege um Bürger und Weiber und Felder mit Klugheit zu nützen. Rom stand jetzt in einer Mittlern Größe, und fein Schicksal wäre vermuthlich für immer entschieden, wenn es mehr Macht bep einem minder eingeschränkten Gediethe besessen hatte. Aber die folgenden Herrscher bauten nicht nur Gebäude, bewundert noch itzt, sondern weckten den Trieb zu stegenden Kriegen, schlossen Vertrage, und standen im Bünduiß zur Mehrung der Kräfte, und selten ward Rom mehr von Feinden besieget. Je- dermal, focht fürs Seinige, wenn er die Sache des Staates verfocht, und jederman zog . mit Gewinn und Siege nach Haus. Der Krieger ward reicher an Ehre, an Schenkung und Beute; der Bürger erhielt beträchtliche Stücke von Feldern, und Rom ward jederzeit durch ein Bündniß der Freundschaft aufs neue verstärket. Dieß reizte zum Krieg; doch niemanden mehr, als welche das Kriegsherr anführten. Diesen stand die größte Ehre bevor, so wie ein unersättlicher Ehrgeiz sie Zn wünschen vermochte. Der prunkvolle Einzug, den ein Triumphator begreng, füllte das Herz mit Hoheit und Würde, und zeigte den Sieger erhaben und groß fast über die menschliche Größe. Aber noch größer wurde der Sieger, wenn er nach rühmlichen Thatcn, gemeinen Bürgern gleich, wie Quinclius Cincinnakus zu seinem Pfluge oder zu seinem einsamen Heerde, wie Curius, ruckkehrtc; oder wie Scipio nach dem Siege bcp Zama, mit eigner Hand die Bäume pflanzte und pfropfte. So tief hatte die Liebe zur Arbeit und zum mäßigen Leben, seit des Numa friedlicher Zeit, ,ns Herz des Römers sich gegraben! Männliche Sorge für dieß charakteristische Eigenthum war der mächtige Schlagbaum, welcher der Wollust und der Üppigkeit durch so lange Zeiten die Lhöre verschloß, und noch spät den Römer an Geist und Körper ungefchwacht erhielt. Noch trug auch der Römer ein nicht gemeines Gepräge von Gottesverehrung an sich. Nicht eine einzige Handlung, im Kriege oder zu Haufe, begann er, ohne zuvor sich selbst durch Opfer, Gebräuche, Gebeter geheiligek zu haben. Die Auspicien waren des göttlichen Willens Deutung und Spur und mit dem festesten Glauben hieng er daran, daß Vögel und heilige Hühner von Schicksalen der Menschen sichere Vorempfindungen hätten. Ohne dieses Befragen der Götter geschah nicht eine einzige Wahl zur obrigkeitlichen Würde, keine Werbung des Volks zu Zeiten des Krieges, keine Verlobung zur Ehe, keine Reife noch Lcichenbegangniß; für jede Verrichtung des Bürgers war Opfer und Vorschrift in Übung. Doch niemals merkte man deutlicher, wie viel Ehrfurcht der Römer gegen die Götter befass, als wenn ein heiliger Eid der Wahrheit feines Versprechens Gewicht und Gewißheit gab. Hatte der Kr-eger dem Feldherrn geschworen, so konnte keine Mißhandlung die Treue verletzen, und Regulus kehrte nach ieinem gegebenen Worte gen Carthago zurück, wenn auch Oualen und Tod und si- cre, Ulucrgang ihn erwarteten. Und >o ward Religion dem Römer in den guten Zeiten feines Staates der einzige Grund des strengsten Gehorsams gegen Gesetze, der wärmsten Liebe gegen das Vater, , er redlichen ^.reue gegen verbündete Nachbarn, des duldenden Harrens bepm Drucke, des tapferen Mulhes im Kampfe, der festen Entschlossenheit bey Gefahren des Lebens. Dahin begab sich der we.,e E-euat, wenn Unglück den Staat bedrohte, und kluger Rath zum Vesten des Ganzen nöthig war Em einziges Angurium, nach Erforderniß mit Klugheit gedeutet, zerstreute den stürmenden Hau.cn oev ^ocks und stillte die Wallungen, welche die Eifersucht erreget halte. . Z! 2 d ( 4 ) HS Dieß war nun meistens der Weg, welcher den Römer, von Weisen geleitet, zur Hoheit und Größe hinfübrte, und Nom, die ewige Stadt, zur Gottheit erhob, die siegprangend auf curuli- schem Stuhle den Völkern der Welt Gesetze erkheilte und zu Wasser und Land ihren Herrschersiah schwang. Italiens kleinere Staaten waren nun schon fest mit Rom zum Lheile verbündet, auch zum Lheile zusamm'engeschmolzen. Da hatten sich Köpfe und Gaben, nur eigen dem Römer, welche die Nachwelt noch immer bewundert, die Menge entwickelt. Gr kannte die Kraft, welche durch ernstliches Wollen alles vermag. Vom Pyrrhus belehret geschickter zu kriegen, und von Carlhagens Schiffen unterrichtet die sinnigen zu verbessern, wagt er den glänzendsten Austritt mit den: damals mächtigsten Staate um die Herrschaft der Welt. Hannibals Geist, geschaffen zu Unglück und Ruhm, stieg über die Alpen, entschlossen den Römer im Eigenthum zu bezwingen. Seine Siege brachten die Nachricht nach Rom vom nahen Verderben. Bey Canna traf der letzte Schlag : römisches Blut floß, Strömen gleich, zum AufiduS hin, von siebenzig tausend erschlagenen Bürgern. Noch nie war Rom so ernstlich erschrocken und zum endlichen Umsturz gebracht. Doch nur kleine Seelen verlieren den Muth, Rom wuchs an innerer Kraft beym Drucke des Unglücks. Auf Hannibals glänzende Rolle warf Marcellus, das Schwert Roms , jetzt drückende Schatten, und Publius Cornelius, von Scipivncn einer, der Carthagens Glück in Spanien vernichtet hatte, faßte den kühnen Plan, nach Afrika Hinzuschiffen. Bey Zama standen die größten Helden, die Larthago und Rom jemals erzeugten. Noch kein Tressen war entscheidender, und noch keines von größeren Männern gefochten. Hannibal ward besiegt und Scipio zwang Carlhago um Frieden den Römer zu bitten. Nach Carlhagens Erniedrigung hatte Rom nicht mehr, wie sonst, für große Kriege nur kleine Siege zu zählen. Es war das siegende Volk und kannte die mächtigsten Staaten im Orient, die es vermochten ibm die Spitze zu buchen, und seiner steigenden Größe Schranken zu fetzen. Die Reiche Makedonien und Syrien, Griechenland und Ägypten hatten schon einzeln innere Kraft sich furchtbar zu machen; dem Römer entgieng es nicht. Er fand bald Mittel und Wege durch Waffen und Lisi eins durch das andere zu stürzen. Philipp, König des ersten Reichs, erfuhr die Macht des röm scheu Arms bey Cynoscephala, und Frieden, erkauft durch harte Bedingungen, war die Folge des mißlichen Treffens. Griechenlands Hülfe ward mit Unabhängigkeit belohnt, ein Geschenk, das kleinere Staaten, dem Römer zum Besten, aus ihren Bündnissen riß, und bald die traurige Folge nach sich zog, die griechischen Staaten zur Provinz von Rom zu machen. Syriens König Antiochus, reich, mächtig und Hannibaln noch an seiner Seite, forderte von Seiten der Römer ungewöhnliche Rüstung; aber Asiens Weichlichkeit hatte die männliche Kraft entnervt, Lucius Scipio schlug das syrische Heer (am Berge SipyluS bry Magnesia); der Besiegte verstand sich zu einem Vergleiche, schimpflich für den großen Antiochus. So hatte der gute Erfolg der römischen Waffen gegen den Philipp, mehr, als alles, den Römern genützet. Sie erkannten cs wohl, und schwiegen zu Manchem, das dem Bündnisse zuwider war. Ruhig Härten Philipps Nachfolger gehcrrschct, hätte nicht Perseus; einer feiner Söhne, mit Gentius König von Jllyrium verbunden, den Zorn der Römer gereizet, bey Pydna verlor er dafür fein Reich. „So warf ein HS ( § ) HS Schlag, wie Plukarch sagt, den Philipp nieder; und ein anderer jagte den grossen AntiochuS aus Assen hinaus; ein Monath war genug Makedonien zu nehmen, und ein anderer Jllprken zu erobern " Ließ war des römischen Staates edelste Zeit, wo Männer entstanden, groß an Tugend und Weisheit und Mukhe, dem Vaterlande geweiht, und edel in Gesinnung und Handlung. Kopf und Herz, Arm und Gut und Blut besorgten das Beßke des Ganzen, und hoben Rom zum höchsten Gipfel empor. Noch waren zwar bis auf Pompejus hin viel Siege zu gewinnen und Lander durch Erbschaft und Eigenmacht einzunehmen; noch stand Carthago und das schöne Corinkh; noch war Achaja nicht, und Mithrkdakcö herrschte noch unöezwungen. Aber Rom blieb sich immer an Klugheit gleich, und wartete bis auch diese, von ihrer Kraft zerschmettert, sanken und mit den übrigen Völkern der Erde den Ungeheuern Körper bildeten, den Rom, als Haupt, beherrschte. Dann saß endlich Koma die Götlinn auf curulischem Stuhl, erhaben auf Stufen, voll Symbolen, die den Finder des Stifters und die Nahrerinn dessen, und Trophäen und die Retterknn des Ca- pitoliums zeigen. Tapfrer Muth im Kleide des Herkules mit der römischen Fahne sieht zur Rechten der Göttinn, und zur Linken Gerechtigkeit und Recht zur Handhabung der Ordnung mit den Fasces und der Lanze, und Sieg und Herrschaft über die Völker der Erde sind die theuern Geschenke, den Lieblingen dargereicht. Auch Könige sieht man am Throne, verbündet mit Rom durch Freundschafts- Verträge; aber an der untersten Stufe liegen die unglücklichen Staaten Carthago und Eorinth, weft che in einem Jahre den Untergang fanden. Geschichte Roms. Vorläufige Anmerkungen- -D,- «st- Geschichte Roms ist in «ieseö Dunkel und dick- Finsternist gehüa-t. McS ward noch dazumal °°n Munde zu Munde «zahl, und mi- Umständen verwebt, weiche der Rehhei. gefielen, und Menschen, bey dem natürlichen Hange zum Wunderbaren, in Erstaunen fetzten; selbst die Spra. che dermalen nach arm und im Werde», war Gelegenheit, manch- durch bild-reellen Ausdruck er- za),,e ^eg-benhe,- mit mythischem Celoeit zu übertünchcn, oder wenigstens manch- W-et- anders zu rau.-en, als sie späterhin sind gebrauchet werden. Daher kam cS, da? die meisten alten BSlker -.Y.-n Ursprung einer Gottheit znscheeiben. und in ihre erste Geschichte ft »ft, FabeihafteS -inmischen, und daß. naa- dem «ieinS, Ren. selbst auf ein göttliches Herkommen Anspruch macht. ru-Mt.en Nachrichten hat Rem, st viel man weiß, erst einige Jahre vor dem zweyten H, ^ 7 '7 ^ ^''"6 Pieter war drr erste, der sich auch in dies, m Stücke um fein Va- .. an. ^-...ensie erwarb, und seine Arbeit war zugleich rin Ersatz für den Verlust jener Urkunden, u» -»'.me Rems unter den Galliern, wie LieiuS meynet, mögen zu Grund- gegangen s-pn- B -KS c § ) -KS Das Land, welches die Römer bewohnten, und das zugleich der Schauplatz war, wo sie ihre große Rolle spielten, war das alte Latium, ein Stück des heutigen Kirchenstaats, das man daS Patrimonium des heil. Petrus heißt. Es ward gen West von der Tiber (levero) begranzek, jenseits lag Hetrurien (loscann), das angcöauteste und volkreichste Land, aus dem sich die Römer manche gute Einrichtung holten; gen Nord strömte der Anko (Veverone) von Ost nach West in die Liber, und trennte zugleich die Sabiner von Nom. In diesem nördlichen Thcile Latiens lag Lavi- nium und Alba longa, die Mutterstadt Roms. Gen Ost waren Samniten und Campaner die nächsten Nachbarn, und im Süd reichte das Land bis an das Vorgebirge Circeji hin (Uonte Eircilli) und hatte die Volsker zu südlichen Bewohnern, ein Volk, das den Römern viel zu thun gab. Hieher, nach Lakien, kam Äneas, jener berühmte Held des Altcrthums, als Latiuus hier über die Aborigknen herrschte. Seine Schicksale und Verdienste erwarben ihm die Huld des Königs, die Hand der königlichen Tochter und die Nachfolge im Reiche. Er baute Lavinium, und vereinigte seine Trojaner mit den Aborigincn unter dem Nahmen der Lateiner. Dieß ist der Mann, von Venus erzeuget a), den Roms Eitelkeit als seinen Stammvater ehret, und dem Virgilius seine Äneis schrieb. Sein Sohn Askanius legte Alba longa an, den nachmaligen Sitz des Reiches , von dem sich alle übrigen Könige nannten. Gründung der Stadt Rom. (Ol/mx. VI. Z. vor Christi Geburt 7L4-) Kupf. II. ^(umitor, des Procas Sohn, war nach einer langen Reihe der Könige in Alba der Erbe des Vaters. Herrschsüchtiger^ als er, war Amulius sein jüngerer Bruder, und unzufrieden mit dem Ver- machtniß des Vaters stieß er Nunütorn vom Throne. Mil diesem Unrechte verband er noch Grausamkeit, und ließ des Bruders Sohn Ägestcs morden und die Tochter Rhea Sylvia zur Vestalr'nn weihen. So glaubte er nun fest zu sitzen; aber wider den Rathschluß der Götter gelingt keine Vorsicht der Menschen; die Vestalin ward Mutter der Zwillinge Romulus und Remus vom Mars dem Gotte b). vnrclnnlo ^NLÜilas -Nma. Huem Venus Zenuit Limoentis aä unäum. der Sohn der göttlichen Venus, den sie dem Anchises am Flusse Simois geboren. d) Oonec UeZioa Lncerckos lVlarte Zi-Zviy Zeminnrrr partu elnbit Ilin prolem. ^6/r. L. (Hectoes Geschlecht wird Alba beherrschen) bis Rhea die Priestri» Zwillingsbrüder gebahrt, vom Mars, dem Krieger, erzeuget. AF ( 7 ) ffE Amulius brannte vor Zorn, daß sein Plan auf einmal scheitern sollte; ohne Verzug sprach er daS Urtheil des Todes über Mutter und Kinder, und weder Götter noch Menschen, wie Livius sagt, konnten die Unglücklichen retten. Auf seinem Befehl erfuhr sie die Strafe — sie mag nun nach Einiger Meinung eingegraben, oder nach Anderer ersaufet worden sepn — und ihre beyden Zwillinge wurden in die Tiber geworfen. Zum guten Glücke der Letzten war der Fluß dazumal stark ausgetreten, und man konnte oder wollte auch nicht, ste in vollen Strom bringen; daher standen ste beym Zurücktrelen des Wassers auf trockenem Lande. In diesem Zustande fand ste Faustulus, der Aufseher der königlichen Heerde«; Erbarmen über die Schuldlosen bewog ihn, ste in sein Haus zu nehmen und der Acca Laren- Lia, seiner Frau, zur Erziehung zu geben n). RomuluS und Rcmus waren nicht fürs Hirtenleben geschaffen. Sie trieben es zwar im Hause ihres vermeinten Vaters, weil sie es treiben mußten; aber Jagd und Skreiscreyen wider die Gewaltthätigkeiten ihrer Nachbarn und herumziehender Horden liebten und beschäftigten sie mehr. In die Hände einer solchen fiel einst Remus und ward zum Könige geführt. Noch wußten die beyden Brüder nichts von ihrem Herkommen. Faustulus glaubte, nun wäre es Zeit, dem Romulus Nachricht zu geben. Schnett raffte dieser einen Trupp seiner Anhänger zusammen und eilte seinen Bruder zu retten und Rache an Amulius auszuüben. Ein Austauf entstand: Amulius ward getödket und Numikor wiederum in sein väterliches Reich gesetzek. Numitor, so viel Dank er auch seinen Enkeln schuldig war, sah doch wohl voraus, daß die Überlegenheit derselben auch ihm gefährlich werden könnte; daher wünschte er eine schickliche Gelegenheit, dieselben von sich zu entfernen. Die Anlegung einer neuen Colonie entsprach seinem Wunsche und schloß zugleich Ruhm in sich. Die beyden Brüder faßten diesen Gedanken, und es mag nun Numitor ihnen den Vorschlag dazu gemacht, oder auch nur ihren Vortrag begnehmiget haben, so war es ihm ausnehmend willkommen , daß er hiedurch einer Menge Leute los ward, von deren Muth und Entschlossenheit er so vieles fürchten konnte. Die Gegend um den Palatinus — ste mag nun diejenige gewesen seyn, wo Faustulus die Zwillinge fand, oder es mag schon hierorts eine Stadt gestanden haben — ward zu diesem großen Unternehmen ausersehen, und, um dasselbe glücklich anzufangen, wurden Auspicien darüber eingeholet. Der Grund der Stadt war noch kaum gelegt, als schon zwischen den beyden Brüdern ein Misverständniß sich erhob, dessen Quelle Ehrgeiz und Herrschsucht waren. Es kann sepn, daß die Au- ,picken selbst Gelegenheit gaben, oder daß Remus seinem Bruder im Grundlcgen verächtlich begegnete ; aoer gewiß ist es, das beyde nach dieser Ehre dursteten und ein jeder sich diesen Ruhm zuzucig- nen wünschte. Das Recht des Stärkeren war das Mittel, welches hier entschied; die Parkcy des BL die d-yd-n Zwillinge v»» einer WSW sängen; und auf dem C-mitium In F», z» »I s and der Aetgendaum kaminal!») und eine metallene Erupkc, welche diese fabelhafte «---u Unterdessen glaubt Matt, Alka habe auch r„pa gedeihen, «der diesen Na,ne» guc chrer nicht zu ehrbaren Lebensart verdient. AS c s) NS Ikomulus siegle und RemuS ward im Auflauft gelödtct. Sa viele Ehrfurcht C>cera soufl gegen de» vergötterteu Quirinus hat, st spricht er ihn dach bep dieser Handlung nicht fehlerfrep - „RamuluS, sagt er, wenn ich cs doch ahne seine Beleidigung sagen darf, hak immer gefchlet." Di- bepgefügte Kupfcrlaftl liefert uns eine N-rsicllnng der Gründung Roms. Numitar erscheint darin mit dem Diadem auf dem Haupte, und in Begleitung einiger Albaner. Faustulus zeigt ihm den Qrt, wo di- bepden Zwiliingsbrüder Ilamuius und RemuS aus. g-setz-k waren. In G-seilschafk dieser Brüder, die mit Schwert und Lanze, mit Kocher und Bogen bewaffnet sind, befinde» sich Hirten und Pflänzer. bereit, mit ihnen den Bau der neuen Stad! anzufangen. Ein Priester-r) nach dem Cäsium- der Alten gekleidet, führet -inen ehernen Pflug, und zieht st tief als möglich eine Furch- b). Vor sich her treibt er -inen weiße» Stier und ein- weiß- jung- Kuh, zusammen an Pflug gespannt c). Entrückt gen Himmel sieht -r ZcvS den Vater der Götter und Menschen mit Venus seiner Tochter— der Stammmutter aller König- von Alba — auf »> Muarch erzählet, daß RomulnS zur Grlmdnng seiner Siadt Männer ans Hrtrnrien Hahr komme» taffen, di- ihn in allen, b-!> dieser f-y-rlichen Handlung, üblichen Gebräuche» haben unterrichte» müssen. b) Diese Furche ward allgemein für heilig gehalten. Sie machte ein Viereck aus; daher ist die koms ouLlirsts der Alten, und die Stadtmauern und Wallgraben wurden darin aufgcfuhret. Wahrender ^eit, daß der Umkreis gemacht ward, wiederholte man die Opfer, und bezeichnete die Orter, wo fie waren verrichtet worden, mir Sternhügcln, die cchpi hießen; auch ruftc man in der Stille die Schntzgötter an. Wo ein Thor stehen sollte, ward ein Platz leer gelassen und der Pflug weiter getragen; daher ?orta, das Thor. «h) Ovidins beschreibt diese gottesdienstlichen Gebrauche, die bey Gründung einer Stadt gewöhnlich waren, in feinen IW. 4. und ich will aus Schröckhs Übersetzung des Waniek diese Verse auch deutsch hersetzen: 6 ie8 leZuvr, HUL nioema siZrrei srLtro. 8 ncrn I^nii 8 8 ukersui z incks movelur o^)u 3 . 1^0853. Lr ack 8 v 1 it 1 um, lruAL 8 jnciunArr in ima, Lt cke vieivo terrs. pelikn 80I0. kkos5L replctur Kümo, plenascius imporiüur ara, Lr Q0VU8 accen 80 ünsiitur iZne Locus- !ru^e ^iLmen8 stivnm ckeLiArrsik moenia 8uleo, jUAUm Qlveo cum kove vnccn iuüt» Ein dazu tauglicher Tag wird erlesen, die Mauern zu zeichnen. Da sich Palilia „ahn, wagt man das wichtige Werk. Wald ist ein Graben gemacht, und man wirft Früchte hinunter, Und vom benachbarten Grund schüttet man Erdreich hinein, Füllet 'hu zn, und über ihn wird ein Altar errichtet, Und der erlauetc Heerd wird dann nut F ucr zenheilt. Und dann zeichnet durch ihn des Pflugschaars Furche die Mauern, Welchen ein weißes Rind neben der we.ßen Kuh zieht. 'AS ( 9 ) AS, Wolken. Mit zärtlicher Thräne erinnert die Holde den Vater an die Verheißung a) und mit des Blickes Huld, der Ungewitter und Stürme erheitert, zeigt er ihr in des Schicksals Buch Roms künftige Größe b). Und so entstand das ewige Rom, klein und eng und von den heutigen Begriffen einer Stadt weit unterschieden. Hauser, mit Wänden aus Weiden geflochten und mit Lehm aus- gefüllt, waren die ersten Paläste, und selbst Romulus hatte keinen bessern. Aber bald unter den folgenden Königen ward eS erweitert, verschönert, verziert. Der Gründungstag Roms ward jederzeit heilig verehrt und mit einem jährlichen Feste ge- feyert. Er fiel in die Palilien, und diente nach der Zeit zu Berechnung der Jahre c). Rom unter den Königen. (Eine Zeit von 244 Jahren.) Romulus. (Jahr nach Roms Erbauung 1, vor Christi Geburt 752. 01 /mx. VI, 4.) Ä)äre Romulus sonst nichts als ein kühner Abentheurer gewesen: so wäre seine werdende Stadt bey so manchem Mangel und der Ungebundenheit seines Haufens bald eingestürzt; aber seine Aussichten und Hoffnungen waren nicht in den engen Bezirk einer Stadt eingeschränkt, sie dehnten sich wei- ter aus und bezweckten ein Werk von längerer Dauer. Allgemein ehrte matt den Mann in ihm, der Alle an Stärke, Klugheit und Einsicht weit übertraf, und oft schon Beweise des entschlossensten Mulhes und sehr kluger Anführung gegeben hatte. Das Zutrauen, das man von jeher in seine s) tzu! märe, yu! terras omni 6it!one tsoersol kollicitus. — — Daß zu Wasser und Land dis Römer die Herrschaft erhielte«. b) M8 e^o rrec meka8 rernm, vec tempvrn pono Imperium sine üas eiecki — — i. Römern ist noch Ziel noch Zeit vom göttlichen Willen Jemals bestimmt. Ihr Reich ftp ewiger Dauer l «) Man hat in der römischen Geschichte hauptsächlich zwcyerley Berechnungen der Jahre. Cato Cen- lormus nahm das 432. Jahr nach der Zerstöhrnng von Troja an, welches nach dem Dionysius on Halckarnaß mit Dlymp. VII, r. znsammentrifft. Varro setzte Roms Erbauung Dlymp. VI, z. man hat diese Berechnung fast allgemein angenommen und such in gegenwärtigen Bögen be- C Eigenschaften und Geschicklichkeiten geseHet hatte, war schon in den Gemächern feiner Anhänger zu fest gegründet, als daß sie die Anführung und Obergewalt über sie einem Andern anvertrauet hatten. Der Stifter Noms ward zugleich der erste König — es mag nun dieß durch Wahl, durch Übereinkunft, oder Auftrag geschehen scyn —' und übernahm alle Gerechtsame, die dazumal dieser hohen Würde im Kriege und Frieden zukamen. Nach hetrurischen Brauch ließ er zwölf Li ctores mit den Fasces — ein Gebünd Stabe mit einem hervorragenden Beile— vor sich hergehcn, und aus dem Volke wählte er dreyhundert junge Männer sich zu einer Leibwache. Man hieß sie Celeres, und sie ihaten ihren Dienst zu Pferde und zu Fuß, und waren der Grund zum künftigen Ritterstande in Rom. Romulus wußte feine erhaltene Gewalt mit Mäßigung zu gebrauchen, und wählte gleich anfänglich solche Mittel, welche seinem werdenden Staate Festigkeit und Dauer für die Zukunft versprachen. Das Erste und das Nothwendkgste, welches er unternahm, und wodurch er zugleich seine innerliche Starke kennen lernte, war eine ordentliche Einthcilung des ganzen Volks. Eine solche setzte ihn rn den Stand cinbrcchendcn Feinden zu widerstehen, oder auch selbst auf Unternehmungen zu denken. Bey Überzahlung der Colonisten, die sich bis daher unter seine Herrschaft begeben hatten, fanden sich Lrey tausend drey hundert Mann, alle geschickt die Waffen zu kragen, und entschlossen für die Erhaltung ihres aufkeimenden Staates kühn alles zu wagen. Diese theilte Romulus in drey Haupttheile, deren jeder von nun andenNahmen T ri bus führte, und einen Vorsteher erhielt, den man von daher Tr i bu- nus nannte. Zu noch leichterer Übersicht ward auch jede Tribus in zehn Curien zerthcilt, und eine jede derselben bekam einen Een tu ri o zum Aufseher und einen Cur io zur Besorgung des Gottesdienstes in jeder derselben. Bey dieser Volkseintheilung blieb man auch in folgenden Zeiten, und wenn auch Umstände manche Umänderung notwendig machten: so ist sie doch jederzeit der Grund geblieben. Nun ward auch nach dem Verhältniß dieser Volkseintheilung das kleine Gebiet um Rom, in drey Haupttheile zerstückt. Der eine ward zum Aufwands für den Gottesdienst bestimmt; der andere warf die Einkünfte des Königs zu Bestreitung der Staatsbedürfnisse ab; und der dritte, welcher zugleich der beträchtlichste war, wurde nach den dreyßig Curien in eben so viele Theile zerschnitten und den Bürgern zum Anbauen, als Eigenthum, überlassen. Ein solches Stück betrug beylaufig zwey Morgen Feldes. Unter den Colonisten befanden sich ansehnliche Männer aus Alba, die selbst großen Anhang unter dem Volke hatten und ihre Herkunft von jenen Trojanern ableiteten, die Äneas nach Latium gebracht hatte. Auch itzt mischten sie sich in das Negierungsgeschäft, und versuchten ihre Anmaßungen immer weiter zu treiben. Romulus sah es wohl ein, daß es noch zu früh, und vielleicht auch nicht zu leicht sey, sie daran zu hindern; er wählte daher einen Mittelweg, der eines Theils ihr schon errungenes Ansehen befestigte, andern Theils aber ihn zum Urheber ihres Ansehens machte. Aus jeder Tribus ließ er drey ansehnliche und erfahrne Männer wählen, und eben so viele aus jeder der dreyßig Curien. Zu diesen neun und neunzig setzte er noch einen dazu. Diese machten feinen Rath aus, und hatten den größten Anheil an der Regierung. Man hieß sie Lenatoreg und der Hundertste: I>rincep5 senuws. Der König ließ seine Vorträge an sie gelangen, und von ihren Berathsrbiagustgen hingen nach Mehrheit der Stimmen die Entschließungen ab, die hernach dem Volke, welches sich in die HS ( rr ) rtzF OomitiL curmta versammelte, vorgeleget wurden. Diese Einrichtung flocht alle Theile des Staates genau unter einander, daß keiner dem andern schädlich werden konnte, und wenn auch selbst die Einrichtung dieses Senates dem Romulus mit der Zeit gefährlich und die Ursache seines Todes ward; so war sie doch zu Erhaltung des Ganzen ungemein ersprießlich, und der Staat konnte nach seinem Tode weder in eine Anarchie ausarten, noch ein Raub einiger Wenigen werden. Dieser Senat mit noch einigen andern ansehnlichen Familien aus Alba machten den Adel des Volkes aus, und hatten schon vordem eine Gattung Lehnsleute unter sich, die ihnen in allem folgten und gänzlich ergebe« waren. Ihres Vorzugs wegen hieß man die Ersten Patricier, und die Letzten, welche das gemeine Volk ausmachten, Plebejer. Jenen bestätigte Romulus ihre eingefnhrken Vorrechte, und diese crhwlten die Erlaubnis, sich nach Belieben einen Schutzherrn aus den Pakrkciern zu wählen. Ein Patricier in dieser Eigenschaft hieß Patronus, und der Lehnsmann, Cliens, und bepde waren an gegenseitige Verbindlichkeiten geknüpft, so daß dieser Schutz und Unterstützung bey Gericht und in der Noth fand; feinen Patron aber auch, als seinen Vater, ehren, und wenn cs die Noth erforderte, aus der Gefangenschaft befrcyen und zu Ausstattung seiner Töchter betragen mußte. Dieser Einrichtung hat man den Geist der Einigkeit und Mäßigung zuzuschreiben, welcher die beyden verbundenen Theile die ersten fünf Jahrhunderte durch belebet hat; und man weiß binnen dieser Zeit kein einziges Beyspiel, daß auch bey den hitzigsten Zwistigkeiten, welche die drückenden Patronatsrechte oft verursachet haben, eine oder die andere Parkey ihre Eiftrsucht bis zum Blutvergießen getrieben hätte. Nun dachte der Stifter auch daraus, seine Volksmenge nach Möglichkeit zu mehren. In den benachbarten Städten m^ - p. ... ^ . HS ( 12 ) HS Fabeln, welche -en Göttern so viel Böses Nachreden, und ihnen die ungeheuersten Verbrechen Schuld geben; denn er hielt dergleichen Erzählungen nicht nur für lappisch und unnütz, sondern auch für gottlos, weil sie die Götter solcher Leidenschaften fähig machten, deren sich Menschen selbst schämen. Dadurch gewöhnte er seine Römer, daß auch sie die Götter solcher schändlichen Thaten, die einige Fabeln denselben aufbürden, unfähig hielten, und nicht anders als mit Ehrfurcht von ihnen dachten und sprachen." Nach diesem Zeugnisse war Romulus fürwahr philosophischer, als man von seiner Erziehung und von seinem Zeitalter erwartet hätte. Zu den Gottheiten, deren Dienst dieser kluge Fürst bey seiner Colonie einführen wollte, - rechnet der heilige Kirchenvater Augustin den Janus, den Jupiter, den Mars, den Picus, den Fau- nuS, den Tiberinus, den Herkules; und Dionysius von Halikarnaß erzählet, Romulus habe zu Ehren eines jeglichen Gottes Feste, Opfer und Ceremonken angeordnet, und den Dienst fremder Gottheiten scharf verbothen. Hiedurch vermied er klug eine Gefahr, aus der bey einem solchen zusammengebrachten Hausen Spaltungen ohne Zweifel mit der Zeit entstanden waren. Gottesdienstliche Personen, die eigentlich ihr Herkommen seiner Anordnung verdanken, sind die schon genannten Curiones, oder diejenige Priester-Ordnung, welche den Gottesdienst einer jeden Curie besorgte. Ihr Vorsteher hieß Cruio maximus. In diese Zeiten gehören noch die Fratres nrvules, welche den Gottesdienst auf dem sreyen Felde verrichteten, wie es die Söhne der Acca La- rentia, die Romulus seine iratres Ärval 63 nannte, thaten. Das Wahrsageramt verrichteten noch bisher noch hetrurische Priester (ftaruspices). Ihr Amt bestand hauptsächlich darin, daß sie den Willen der Götter aus verschiedenen Anzeichen erklärten. Es gab derselben zwey Ordnungen: die Augur e s und A r u sp i c e s. Diese waren Wahrsager überhaupt; jene aber machten den vornehmsten Pricstcrorden aus, und ihr Amt war jederzeit eines der wichtigsten im Staate. Die Aug urien wurden mit Vögeln und Hühnern angestellt, und nach der Meynung dieser Priester lagen die Schicksale der Bürger und des Staates in dem Fluge, in der Zahl und im Gesänge der Ersten und in der Freßlust der Aweyten. u) Unter die ältesten Festtage Roms gehören die Luper c al i en, eine Feyer zu Ehren des Gottes Pan, und die P a li l ie n zu Ehren der Göktinn Pales. Beydes sind Hirtenseste, und daS letzte trifft mit dem Gründungstag Roms zusammen. «) Fürwahr eine Erniedrigungjdes menschlichen Verstandes! Was kann lächerlicher fern, als wenn ein vernünftiges Wesen aus natürlichen Luftzeichen, aus dei» Fluge und Gesänge der Vögel und der Freßlust heilig geglaubter Hühner, aus dem Eingeweide geopferter Thicre, aus dem Geprassel des Brennholzes, aus dem Knastern und Aufsteigen des Nauchwerkes und tausend andern Dingen sein künftiges Schicksal erfahren will? Wohl gut, daß das Christenthum dem Menschen Wahrheit in die Hände gab, wenn er nicht, bey näherer Einsicht dieses Truges, in Unglauben hinsinken und sich in allem, wie in einem, betrogen zu feyn glauben sollte. Menschenwerk zerfallt, und nur Wahrheit erhält den Menschen in der Treue gegen Gott und seine rechtmäßige Oberkeit. ^ X d ^ Sabmischer Madchenraub der Römer wahrender Spiele- Kupf. Ko. III. -Oey allem dem Wachsthume Noms an innerer Kraft und Nützlichkeit seiner Einrichtungen war doch ein heißer Wunsch des Stifters und des Volks noch unbefriedigt. Was nützte der Zuwachs an Männern, wenn ihnen Weiber fehlten, durch deren Hülfe allein jedem Staate wahre innere Dauer zuwächst. Schon vier Jahre waren verflossen, und keiner der Nachbarn zeigte Lufl, seine Tochter mit einem Römer zu verbinden. Diesem Mangel abzuhelfen, wählte Romulus gelinde Mittel, Und versuchte durch Gesandte die benachbarten Völker zu cheligen Verbindungen mit feinen Unterthanen zu bewegen; aber sie wirkten nicht, und die Abgesandten kamen allezeit mit abschlägigen Antworten zurück. Am meisten kränkte sie die Antwort der Sabiner: „Warum, hatten sie gesagt, richtet euer König nicht auch eine Frcpstatte für herumstreichende Weiber und Sklavinnen aus, wie er es für Männer that? Dann könnte er Ehen stiften, bey denen doch wenigstens kein Theil dem andern etwas vorzuwerfen hatte." Ein solcher Schimpf reizte zur Rache; aber der Zeitpunkt war noch nicht da, daß Zorn in Helle Flammen ausbrach, und mit Gewalt sich das nahm, was man der freundlichen Bitte verweigert hatte. List sollte sie alle zur eigenen.Kränkung in verdeckte Schlingen locken, und man glaubte gewiß, gespannte Neugier würde den Trug kaum merken. Der Vorschlag gefiel, und ward vom Volke und Senate mit allgemeinem Beyfall ausgenommen. Romulus machte nun Anstalt zu feyerlichen Spielen, und ließ sie zu Ehren des Gottes Eonsusn) in der ganzen Nachbarschaft ausrufen. Kaum erschien die Zeit, als eine Menge Nachbarn mtt^Weib und Kindern dahkneilten. Niemand argwohnte Trug, besonders da die Feyer eines Gottes Sicherheit verbürgte. Die Spiele begannen. Man rennte mit Pferden, man lief in die Wette, mau rang mir Gegnern, man kämpfte mit Waffen. Jeder Zuschauer bewunderte die Geschicklichkeit der Spieler, und freute sich, so vielen Lohn für feine Neugier zu finden. Aber nun gab Romulus das, nur Römern verständliche, Zeichen: und die Spieler rißen die Dirnen von der Seite der Ettern und Begleiter, und schleppten sie mit bewaffneter Hand nach ihren Wohnungen hin. Es half kein Strauben, kein Bitten, kein Weinen, kein Drohen, kein Grimmen; männliche Stärke ^ ^ fallt in die grauesten Zeiten, und man glaubte, ste stünde den ge- ) men Ll.rath,chlagnngen vor. (veu, oonsilwrum) Man gab diesem Gotte auch einen Tempel, " . ., -77 ^'/'ncn Altar unter der Erde, und wollte hierdurch anzeigen, daß Beratschlag,,n- tta und werden. Von daher hieß man diese Spiele nach der Zeit ftrpen Frld^ftyern^ "achgehends zum Andenken der gerauhten Sabinerinnen mitten aufdear tzS (>4) ^ bezwang das schwache Geschlecht, und ließ es den Vätern fühlen, daß gereizte Leidenschaft Rache verübe. Sechshundert drey und achtzig Mädchen wurden geraubet, eine noch immer geringe Zahl für Taufende von den unbeweibten Römern. Romulus suchte zu Gatten junge rüstige Männer, die durch Schmeicheln und liebvolles Begegnen die Herzen der Dirnen so erweichten, daß auch diese sich zur Liebe verstanden, und willig und froh ihren Räubern anhingen. Schlacht der Römer mit den Sabinern, welcher die geraubten Sabinerinnen ein Ende machen. Kupf. IV. «E^iese verübte Gewaltthätigkeit hatte mehrere Kriege zur Folge. König A c ron von C ani u a, einem kleinen Gebiete an sabinischer Grenze, wagte zuerst mit den Römern ein Gefecht. Romulus drang so weit vor, daß er den König mit eigener Hand erlegte und seiner Rüstung beraubte. Die Besiegten erhielten Frieden, doch so, daß sie ihr Ort räumen und nach Rom ubersiedeln mußten. Sie verloren dabcy nichts; denn sie traten aus Vergünstung des Siegers in alle Vorrechte der römischen Bürger. Dieses kluge Benehmen gegen besiegte Feinde war zu allen Zeiten für Rom die reichhaltigste Quelle, aus welcher cs Stärke und Macht geschöpfet hat. Es gewann an Leuten und Land, und die Besiegten ließen sich gerne an den Vortheil ihrer Sieger anknöpfen; da es nun auch der Ihrige ward. Man blieb auch in Zukunft dieser Regel so treu, daß auch die Feldherren selbst die Schützer und Patrone der Besiegten wurden und als Mittler für sie beym Senate auftraten. Hatte Sparta nach der wichtigen Schlacht bey Lenktra eben so klug gehandelt, und die besiegten Feinde nicht, wie Tacitus sagt, als Feinde von sich entfernet; so wäre es niemal in Ohnmacht versunken, und Theben und Athen hätten bey Chäronea die Herrschaft nicht verloren. Siegreich kehrte Romulus nach Rom zurück und zog in einem feyerlichen Triumphe und mit der erbeuteten Rüstung des gebliebenen Königs in die Stadt. Mit Jauchzen empfieng man den Sieger und mit Dank weihte dieser die vom Acron erbeutete Rüstung dem Gotte Jupiter Fere- trius. Man hieß diese Beute spoliL oximu, und nur noch zwepmal hat Nom diese Ehre errungene). a) Das eine Mal (Erb. R. 518) als der Tribun A. Cornelius Cossus unter dem Diktator Mamertus Ami l ius den Vejertter König Tolumnius erlegte; und das andere Mal (Erb. R. 5.32) da der Conful M. Claudius Marcellus im Kriege mit den Galliern den König der Gälten Virdomarus zu Boden streckte. Daher singt der Poet: Uunc ^ovis iucipiarn cnusa8 nperire V'eretri, cle äucibus trina recexln. tridus. /'ro/,. lo. Von dem Fcretrischen Zevs will ich nun den Namen erklären, Wie er der Rüstungen drep siegend drey Helden entriß. X! HS ( 15 ) -KS Hieraus floß für die Zukunft die Ehre des Triumphes, jener einzige Gegenstand, der den Ehrgeiz des Römers befriedigte und für welchen er Gefahren und Leben wagte. Noch wagten es Antemnaten und Crustuminer, den fabinifchen Dirnenraub zu rachen; aber auch sie hatten kein besseres Gluck. Der fürchterlichste Feind war Tat ius, König von Cures, im Sabinerlande. In seinem Heere fochten die beleidigten Väter und Brüder und Freunde , und alle glühten vor Zorn, den Raub an Römern wüthend zu rachen. Junge Gatten und kaum gewordene Vater von Seiten der Römer standen diesen entgegen, entschlossen, das geraubte Weib mit Blut zu erkaufen. Noch kein Gefecht war diesem gleich an Hartnäckigkeit des Kampfes und der aufgereizten Leidenschaft für einerlei) Gegenstand. Tatius drückte die Römer zurück, und hatte schon das Festungswerk auf dem Capitoliums- Hügel inne, als den Römern Verzweiflung ricth, noch einen Kampf zur Entscheidung ihres Schicksals zu wagen. Schon standen die Kampfer zum Fechten bereit, als plötzlich die rührendste Scene dem Kriege sein Ende geboth. Die geraubten Töchter, jetzt schon Mütter, drängten mit Kindern tm Ar- nie sich unter die mordenden Väter hin. Hier baten andere den Vater, den Bruder, den Freund, ihre Gatten zu schonen, und dort liefen andere ihren Gatten selbst in den Arm, den mordenden Dolch in so nahe verwandtes Blut nicht zu tauchen. Das lächelnde Kind im Arme der Mutter lallte dem Vater entgegen, und der Sabiner sah von Enkeln sich liebkoset. Da standen die Männer im Kampfe mit Menschheit und Liebe, mit gelahmten Arm, der kürzlich noch Verderben drohte. Alle vergaßen, daß sie als Feinde gegen Feinde stünden, und freundlich und voll vom Drange der Liebe reichte ein jeder dem Vater, dem Sohne, dem Schwager die Hand, und drückte den Kuß der herzlichen Versöhnung zum Pfände ihm auf. So wirkten zum Frieden die zärtlichen Weiber, und weckten in Vätern und Gatten den mächtigen Trieb, der alles harmonisch vereinet und zusammenhängend erhalt. Frieden war nun wieder zurückgekehret ( n. Erb. R. 7, vor Chr. Geb. 747) und beyde verschwägerte Parteyen machten jetzt ein einziges Volk, und führten den Nahmen Quirites. Tatius ward als Mitregent anerkannt, und erhielt, wie Nomulus, einen Rath von hundert Senatoren aus dem besten fabinifchen Adel. Das Volk blieb in drey Tribus vertheilt, deren jede einen unterscheidenden Nahmen erhielt. In der Tribus Ramnensium standen Romulus und feine er. sten Pflanzer; in der Tribus Tatienfium die Sabiner, und in der Tribus L ucer u m die Flüchtlinge nach der Frepstatte im Haine. Romulus und seine Römer bewohnten den Palatinos, und Tatius mit den Sabinern den Capitolinus, der jetzt der Quirinalis hieß. Das dazwischen liegende Thal war das ^oruin klomnnum, und diente bcydcn vereinigten Nationen zu einem Markte und Versammlungsplatze. Beyde Könige herrschten mit großer Eintracht, und ihr Volk gewöhnte sich so zusammen, daß es Sitten und Gebräuche von einander annahm, und ein einziges zu feyn schien. Im sechsten Jahre der Mitregentschaft reiste K. Tatius eines Dpsers wegen nach Lavinium und ward unglücklicher Weife ermordet, nicht ohne Verdacht, Romulus habe Antheil daran gehabt. Seine Leiche ward nach Rom geführt und auf den Avenkinus begraben. Romulus herrschte nun wie. der allein, und fand an den Einwohnern von Carneri a Feinde. Er schlug sie in einem Treffen', D 2 HS ( >s ) HS hielt einen Triumph, und machte ihre Stadt zu einer römischen Colonke. Auch die Veg enter waren unruhig, und verloren dafür einige Städte an der Tiber und die dabcy gelegenen Salzgrube»' Sieß glückliche Unternehmen war die Ursache seines dritten Triumphes. Tod und Vergötterung des RorrmluS. Kupf. ^lo. V. ?/(omulus sah mit ^Wohlgefallen fein mit Klugheit und Muth begonnenes Werk gedeihen. Kein Feind wagte es mehr, so lang er noch lebte, seinen Unterthanen lästig zu fallen; alles lebte ruhig um ihn her von innen und von außen, und genoß die Früchte der erfochtenen Siege. Seine Klugheit benützte alles zum Besten des Ganzen, und seine Entschlossenheit trotzte jeder Gefahr. Man sagt, er habe die letzten Jahre seiner Regierung mit heilsamen Gesetzgeben zugcbracht; aber rohe Menschen, so wie sie ihm der Zufall zugeführt , lieben Ungebuudenheit, und immer war cs viel ge- than, daß er an Ordnung und Unterwerfung sie gewöhnte. Sitten, Gebräuche und Rechte hatte ein jeder mitgebracht; durch Umgang, Gewohnheit und Nachahmung schmolzen sie zusammen, und fügten sich stillschweigend in die Lage und Form, in welchen wir sie sehen und dem Romu, lus als Gesetzgeber zuschreiben. Schon lange vorher hielt der alte Römer sich für den unumschränkten Herrn in seinem Hause, und die nachmahligen Rechte eines Gatten und Vaters waren nur hergebrachte Gewohnheiten, welche der König fortdanern ließ und durch sein Ansehen bestätigte. Vermöge dieser Rechte hatte der Vater Gewalt über Leben und Tod seiner Gattinn und Kinder, und durfte sich von jener scheiden und diese als Sklaven verkaufen. Zur Ehescheidung ward nicht immer ein grobes Verbrechen gefordert; es war genug, wenn die Gattinn ohne Wissen des Mannes Wein trank oder falsche Schlüssel sich machen ließ. Bey so leichten Ursachen weiß man dennoch kein Bcyspiel von willkürlicher Scheidung, bis Sp. Carvillus ftmfhundert zwanzig Jahre darnach (Jahr R. L 2 §) der erste es wagte. Viel strenger erfuhren 4ie Kinder des Vaters Gewalt. Gleich bey der Geburt hing cs von ihm ab, das Kind aufzunehmen oder wegzusetzen. Krüppel und ungestaltete Kinder hatten ge. wohnlich dieß grausame Loos und bey der Columna lactea in Rom ward jährlich eine Menge solcher unglücklichen Geschöpfe entweder von Thieren zerrissen, oder von noch wilderen Menschen aufgehoben und zu Zwergen ued verstümmelten Bettlern aus Gewinnsucht erzogen. Ein Kind war ganz das Eigenthum des Vaters, so wie auch sonst alles, was es erwarb; deswegen hirlt er cs auch für erlaubt, nach Willkür damit zu walten. Dieß rohe Gewohnheitsrecht erniedrigte die Kinder weit unter die Sklaven; denn diese waren doch frcy, wenn sie der Eigentümer frey gab; aber ein Kind mußte dreymal in Sklavenstand verstossen und eben so oft freygegeben werden, wenn es aus der väterlichen Gewalt völlig befreyet werden sollte. Bey alle dem Drucke und öfteren Mißbrauch der väterlichen «KS ( -7 ) d Gewalt hat man doch durch sechshundert Jahre kein einziges Beyspicl eines Vatermordes; vielmehr weiß man, daß ungerecht gedruckte Zärtlichkeit eines Kindes den Vater von gerichtlicher Anklage befrepte. Viel menschenfreundlicher war das Gesetz von Schonung gegen die Feinde, welches ganz der Klugheit des Stifters gehöret. Niemand durste den Feind, der sich fteywillig sclbsien ergab, tödten oder zum*Sklaven verkaufen; man nahm ihn zum Freunde auf, und wußte durch Vortheile ihn genau an Rom zu knüpfen. Dieß war eine der reichlichsten Quellen, welche den Abgang der Bürger öfters ersetzte und ausdauernde Macht dem aufkeimendcn Staate Rom verschaffte. Auch in nachfolgenden Zeiten hat man oft daraus geschöpfet und wohl verstanden, alle mit Rom durch Freundschaft verbündete Völker zum inneren Wachsthum zu nützen. Unter der Menge so vieler und nützlicher Geschäfte war Romusus an das Ziel seiner rühmlichen Bahne gelanget, und hinterlicß sein großes Werk seinen Nachfolgern zu künftiger Pflege und Reife. Handelte er dabey oft vielleicht mehr nach Willkür; als es die Eifersucht des Senates ver. trug: so konnten es die Bedürfnisse des Staates fordern, die wohl niemand besser, als er, kannte, und mit einem dringenden Blick in die Zukunft durchschaute. Von Umstanden genöthiget, hatte er der Herrschsucht dieses Ordens einen großen Ankheil an der Regierung eingeraumk, und durch seine kluge Ver- günstung waren sie die Zweytcn im Range und Macht. Damit hatten sic sollen zufrieden seyn; aber sie wollten selbst herrschen und fanden die Perfon des Königs viel zu lästig, als daß sie dieselbe der Befriedigung ihres Wunsches nicht hätten aufopfern sollen. Vielleicht wäre früher ihr niedriges Vorhaben gelungen, hätte sich sonst eine schickliche Gelegenheit dargebothen, oder wäre der König vom Volke minder gelicbet worden. Aber nun kam der unglückliche Tag, welchen die Senatoren benützten. Romulus hielt aufeiner Ebene vor Nom eine Musterung des Volks, und hatte diese feperliche Handlung mit einer Rede begonnen. Plötzlich erhob sich ein Sturm, und Blitz und Donner und Hagel zerstreute das Volk, ein Obdach zum Schutze zu suchen. Nomulus und die Senatoren standen allein noch auf dem Felde, und hier war es, wo der erste König und Stifter des Staates Rom derHerrschsucht und dem Ehrgeize seiner Räche zum Opfer siel. Das Ungewitter hatte ausgetobet, und das Volk sammelte sich wieder unter ihre Fahnen in Reihen. Jederman wartete, daß der König seine Rede,vollende; aber nun bedauerten die Senatoren den Verlost eines so verdienten und geliebten Königs; und betheuerten allgemein: eine flammende Wolke habe ihn aus ihrer Mitte im heftigsten Sturme gen Himmel entrückt. Nicht alle glaubten dieser Erzählung; man murrte, und fand es verdächtig, daß Romulus, ihr König, so plötzlich und ohne ihre Gegenwart hätte verschwinden wollen. Das Mißvergnügen wuchs , und man scheute sich nicht, dem herrschsüchtigen Senate die Ermordung des Königs öffentlich Schuld zu geben. Man fand cs bedenklich, den Argwohn länger zu tragen, und bat den Julius Proculus, einen Senator vom ersten Range, dessen viclgeltendes Ansehen bepm Volke man kannte und seiner unbescholtenen Sitten und bekannten Redlichkeit wegen überall schätzte, das aufgebrachte Volk nach Möglichkeit zur Ruhe zu bringen. Proculns, gerüstet zum. neuen Betrüge, erschien und schwur bcy allen Götte.n, die Wahrheit dem ganzen versammelten Volke rein zu erzählen. „Ich, sagte er, war auf einer Reise, und sah plötzlich den Romulus vor meinen Augen. Viel größer, als andere Menschen, war er, und blendend der Glanz, welcher aus feinen Waffen strahlte. Schauer ergriff mich; doch E HeS ( ^ hatte ich Muth den Vergötterten anzureden : „Warum, sagte ich, hast du uns verlassen, und durch deine Übertragung so viel Anlaß zum Argwohn gegen uns gegeben? Wir werden itzt allgemein für die Urheber deines Todes gehalten!"-Freundlich gab Romulus mir zur Antwort: „Die Götter haben mich wieder dahin, woher ich kam, in ihre Gesellschaft emporgehoben.-Geh, mein lieber Proculus, und sage meinen Römern, sie sollen Mäßigkeit lieben, und im Kriege sich tapfer üben; dann werde ich für sie forgen und als Gott Quirinus ihnen allen gnädig seyn." ' Das beeidete Zeugniß eines so redlichen und ansehnlichen Mannes wirkte nach Wunsch. DaS Volk glaubte nun sicher, Romulus säße ober den Wolken, wo Jupiter herrscht und der Menschen Schicksale durch Winke lenkt. Dorthin, in die Gesellschaft der großen Götter habe ihn Mars, sein Vater, eingeführt, und nun sey er Quirinus ihr Gott, dem ganzen römischen Volke zur Stütze und Ruhm. Man dachte darauf, den neuen Gott gebührend zu ehren, und schon Numa verordnete ihm Altäre und Priester und den i/ten Hornungstag , die Qu i r ina l i en zu fcyern. Dreß ist das erste Beyfpiel in Rom, daß ein «m die Menschen wohlverdienter Mann göttliche Ehre erlangte. In folgenden Zeiten, so verdient auch viele andere waren, hat man doch keinen so hoch geehret, bis zur Zeit der Kaiser kriechende Schmeicheley auch den unwürdigsten der göttlichen Ehre würdig hielt. Romulus starb in einem Alter zwischen fünf und fünfzig bis sechzig Jahren nach einer sieben und dreyßkg jährigen Regierung. (Erb. R. Z 7 vor Chr. Geb. 717) Er hinkerließ eine Volksmenge von sieben und vierzig tausend Menschen, da er nur mit dreytausend und dreyhundert angcfangen hatte. Fürwahr eine für die damaligen Zeiten ansehnliche Anzahl und ein untrüglicher Beweis, daß seine Einrichtungen klug und seine Regierung weise waren. Numa Pompilius (nach Erb. R. Zy vor Chr. Geb. 71F) Krone und Scepter werden dem Numa dargebracht. Kupf. VI. i/l-ach dem Tode des Romulus übernahm der Senat das Regiment, und ließ es bald sehr deutlich merken, daß er künftighin ohne König regieren wolle. Ein jeder Senator führte der Reihe nach durch fünf Tage die Obergewalt, und hieß währender Zeit Interrex, Das Volk war anfänglich mit einer solchen herumwandernden Regierung wohl zufrieden und duldete sie ein ganzes Jahr; aber dann wünschte es unter einem bestimmten Herrn wieder zu stehen, und drang in den Senat, eine neue Königswahl vorzunehmen. Das Dringen des Volks unterstützten viele Senatoren, besonders jene, welche selbst den heimlichen Wunsch vom Throne hegten. Länger war cs nicht rathfam zu wider- WM E tzF ( *9 ) ^ stehen; daher sagte der Jnterrex einst zur Versammlung des Volkes: „Wählet, ihr Römer, einen König! Ist er würdig, dem Romulus zu folgen: so wir- ihn der Senat bestätigen." Aber das Volk hatte zu viel Ehrfurcht gegen seinen Senat, und überließ ihm freywillig dieß wichtige Geschäft. Jht waren zwey Partheyen im Senate entstanden, die römische und sa b ini sche, deren jede einen König aus ihrem Mittel verlangte. Nach vielen Streitigkeiten hatte man endlich sich dahin verglichen, daß die römische wählen, aber keinen , als einen Sabiner wählen sollte. Dieser Vorschlag beruhigte beyde Partheyen, besonders war die römische wohl zufrieden, da er ihr das Mittel ließ eine Person zu suchen, welche ihren Anmaßungen minder gefährlich seyn könnte. Dazumal lebte zu Cures, der Hauptstadt im Sabinerlande, N u m^a Pompilius, ein Mann, der schon lang bey seiner stillen und eingezogenen Lebensart an Weisheit und Tugend seinen Landsleuten zum Muster war. Für diesen stimmten beyde Partheyen, und kamen überein, nach Cures Abgesandte zu schicken und ihm die Krone von Rom ankragen zu lassen. Numa ward bestürzt über den Antrag der Römer, und konnte sich nicht entschließen, eine Lebensart zu verlassen, deren süße Ruhe er in so vollem Maße genoß. Wider alle Erwartung gab er den Römern eine abschlägige Antwort, und stellte ihnen vor: es sey bedenklich, einen Mann, den blos Betrachtungen der Einsamkeit beschäftigten, aus seinem Vergnügen zu reißen und in eine Lebensart zu übertragen, die seiner gewöhnten ganz entgcgcngesetzet wäre. Rom wäre eine zu kriegerische Stadt, als daß ein Mann von seinem Charakter die Regierung über ihre Einwohner übernehmen könne. Ein Volk, das unter lauter Waffengeklirre erzogen ist und nur an Schlachten ein Belieben trägt, brauche vielmehr einen Heerführer, als König. Hätte er Eigenschaften an sich, die ihn in ihren Augen hochachtungswerth machten, so wären das vielmehr solche, die ihn vom Throne entfernen sollten. Mas ihn beträfe, so möge er zwar ein guter Privatmann seyn, aber deswegen sey er noch kein Regent. — Die Römer staunten, und konnten nicht begreifen, wie ein Mensch so viel Hoheit des Geistes haben und eine Krone ausschlagen könne. Deswegen verdoppelten sie ihr Bitten und drangen in ihn, ihr Reich durch Weigerung keinen neuen Gahrungen auszusetzen; er wäre die einzige würdige Person, die beyden streitenden Parteyen gefiele, und es würde vielleicht eher ein Aufruhr entstehen, als daß beyde sich wieder für eine Person einstimmig erklärten. Numa blieb standhaft, und die römischen Abgesandten wären gewiß unverrichteter Sachen zuruckgekehret, hätte nicht sein alter Vater, und Martius, sein naher Anverwandter, neuerdings ihm wichtige Vorstellungen gemachck: „Rühret dich nicht, sagten sie, das Vergnügen Schätze zu sammeln, und kann dich nicht die Ehre, anderen zu befehlen, bewegen, weil du gelernet hast, mit wenigen zufrieden zu seyn, und deine Ehre von der Tugend hcrzuholen: so bedenke wenigstens, daß gut regieren, ein der Gottheit angenehmes Opfer ist. Diese ruft dich, und will, daß das große Gut der Gerechtigkeitsliebe, welches sie in dich gelcget hat, nicht unnütz und müßig bleibe. Entziehe dich al>o nicht der königlichen Hoheit, weil sie für einen weisen Mann das weitläuftigste Feld ist, große und schöne Thaten auszuuben.-Die Römer werden nicht immer Krieg haben wollen; wer weiß, ob sie nicht itzt lchon, dessen müde, in Frieden und unter der Ordnung guter Gesetze zu leben wünschen. Aber lasse sic auch fortfahrcn den Krieg zu lieben; s§ kannst du auch da leicht, mit dem E 2 Zügel in der Hand, ihre Hitze anderswohin lenken, und deine Nation mit ihnen durch unauflösliche Bande der Freundschaft verknüpfen." Die Macht dieser Vorstellungen siegte. Numa trat mit den Abgesandten die Reise an, und jedermann war begierig, den außerordentlichen Mann zu sehen, welcher einem Glücke, das andere Menschen für das höchste halten, mit der kältesten Gleichgültigkeit absagen konnte. Der Senat und das Volk gingen ihm bis vor die Stadt entgegen, und bewunderten eine Bescheidenheit, die ihnen bisher noch ganz unbekannt war. Numa bestieg als Philosoph den Thron, und legte keine von den Tugenden und Eigenschaften ab, die er dahin mitgebracht hatte. Mit ebender Einfalt und Bescheidenheit, mit denen er den Pflug vorher geführet, lenkte er das Ruder des Staats, und verstand die seltne Kunst, den Glanz des Fürsten durch Weisheit und Tugend heilsam zu mäßigen, und den blendenden Stral durch Wohlthun und Herablassung liebenswürdig zu machen. An Genügsamkeit gewöhnt, entfernte er alles, was Stolz und Pracht und Wohlleben verrieth; sogar die drehhundert Celeres, die Ehrenwache des Königs. Er wollte, so sagteer, über kek» Volk herrschen, das ihm nicht traute und dem er nicht trauen dürfe. Nur gegenseitiges Zutrauen zwischen König und Volk knüpfe fester das Band und Lauge, wahres Glück zu gründen. Am sehnlichsten wünschte er, den kriegerischen Geist der Römer aufdic sanften Beschäftigungen des Friedens zu lenken, und einen Geschmack am Feldbaue und stiller Ruhe ihnen beizubringen. Er. kannte das geduldige Ausharren der Römer bey Beschwerden und versprach sich die glücklichsten Folgen, wenn er es so weit brächte, daß sie eine stillarbeiteude Lebensart lieb gewännen. Zu diesem Eude theilte er verschiedene Ländereyen unter diejenigen aus, die entweder keine oder zu wenig hatten, und lehrte sie die Süßigkeit jener Früchte verkosten, welche muthigc Arbeit und männliches Dulden mancher Beschwerden unschuldig und reichlich belohnet. Zur Aufmunterung setzte er in allen Landstrichen, die man zu bauen unternahm, wachsame Aufscher, welche die Fleißigen loben und zur Belohnung auszeichnen mußten. Er selbst besuchte die amsigen Bauer, belehrte, lobte, tadelte; wie cs die Sache und das Verdienst erheischte. Unvermerkt fühlte der Römer zu einem ganz andern Menschen sich umschaffen; er blieb der Muthigduldende, den keine Gefahr erschrecken kann; aber er lernte auch die Vorzüge einer Lebensart kennen, welche mit friedlicher Ruhe und lohnender Arbeit angenehm wechselt, und die sich ins römische Herz so tief einprägte, daß in folgenden Zeiten, Feldherren selbst und Magistraten, eben so geschickt, Geschäfte des Krieges und Friedens besorgten, als sie vorher den Acker zu pflügen verstanden. Rom Halle nun keinen faulen und müßigen Bürger; alle beschäftigte Arbeit und nützlicher Fleiß. Erkanntes Verdienst und Lohn für arbeitende Hände lockte Handwerker die Menge nach Rom. Der weise König theilte sie alle nach Verschiedenheit ihres Gewerbes in Innungen ein , verlieh ihnen Freiheiten und Vorrechte, und bestimmte für sie eigene Feste und Opfer. Junge Römer reisten häufig nach Hetrurien, dem damaligen Sitze der Künste und Wissenschaften, und kamen, reich an Kenntnissen, nach Rom zurück. Benachbarte Städte sahen den blühenden Zustand des Römers; sein Beispiel reizte zur Nachahmung, und allgemein zog man die süßen Früchte des Friedens jedem erbeuteten Reichthume vor. Mit diesen staatsklngen Einrichtungen verband Numa eine ihm ganz eigene Ehrerbietigkeit HS ( ) H.S gegen die Götter. Fürwahr selten, daß Staatsklugheit mit Religion, die so oft gegen einander kämpsen, in einem Manne so innig vereiniget waren! Seine Begriffe von göttlichen Dingen waren viel reiner, als man sie späterhin hatte, und seiner Kenntniß vom Daseyn eines nothwendkgen und unendlichen Wesens war es ganz fremde, durch Bilder dasselbe vorstellen zu wollen; daher verboth er sie alle, und ließ auch nicht zu, die Altäre durch blutige Opfer zu entweihen. Die meiste Sorgfalt trug er für den äußern Glanz feiner Gottesverehrung, und gewöhnte die Römer an Feste, Gebrauche und Opfer, woraus sich nachgehends ihre ganze Religiosität gründete. Schon Romulus hatte P r i esterder Curien und Augure s eingeführet. Das Amt der Letzten war zu wichtig, als daß es in den Händen der Fremden aus Helrurien hätte gelassen werden können. Numa crthcilte es Patrickern, und zugleich die lebenslängliche Beybehaltung desselben. Die übrigen Priester waren in-gewisse Ordnungen eingetheilt, unter denen die Pontifices die Ersten im Range waren. Sie hatten die Aufsicht über die übrigen Priester, und ihre Versammlung (Gol- leZsturn kontlücuin) entschied in allen Dingen, welche den Gottesdienst, Gebräuche und Opfer betrafen. Ihr Oberhaupt hieß komiLex HlLximus, und war in Religionssachen der erste Staatsbeamte. Die F ecia l es oder Waffenherolde machten einen andern wichtigen Orden aus. Ihr Oberhaupt hieß ?ater ?Ktratu5, und ihre Anzahl belief sich aus zwanzig, alle aus den besten Hausern gewählet. Ihre Amtsverwaltung dauerte lebenslänglich, und sie bestand hauptsächlich darin, daß sie für eine dem römischen Volke zugefügtc Beleidigung billige Gcnugthuung fordern mußten. Innerhalb dreyßig Tagen mußte diese erfolgen; sonst wurde der Krieg angekündet. Auch gehörte unter ihre Amtsverwaltung die genaue Untersuchung der Rechtirmßigkeit eines Krieges und der Vorschlag zu billigen Friedensbedingnissen. Ihrem Schutze waren noch ferner die fremden Gesandten anvertraut, für welche sie sorgen und wachen mußten, damit niemand sie beleidige. Für den römischen Staat war dieser Orden sehr heilsam und nützlich: er beschränkte die Neigung des Römers zum Kriege, und hinderte ihn, sich jemals in Händel zu verwickeln, die ungerecht und verderblich waren. Dicß waren die Priesterordnungen, welche zum Dienste aller Gottheiten gewidmet waren; die nachfolgenden gehören zum Dienste einzelner Götter. Die ersten im Ansehen und Range sind die drey F l am i u e s M aj or e s, von ihrer feuer- farbenen Hauplbedeckung, so genannt. Sie wurden aus patricischen Hausern gewählt, und hatten im Collegio Polttisicum, obichon sie nicht eigentlich dazu gehörten, dennoch Sitz und Stimme. Der Flamen Dialis, dem Gotte Jupiter eingeweiht, hatte vor den übrigen den Vorzug, und genoß viele Vorrechte; war aber auch dafür an viele beschwerliche Ceremonien gebunden. Die übrigen beydcn waren der Flamen Marti a US und Oui r in a l is, deren erster den Dienst des Gottes Mars, und der letzte des vergötterten Romulus besorgte. Nach der Zeit erhielten mehrere Gottheiten und auch vergötterte Kaiser ihre Flamines, die man zum Unterschiede der ersten die Flami- nes minores hieß. Eine andere Priesterordnung machten die Sal i i. Sie hatten ihr Entstehen dem An eile, eme.u vom H mmel dem Numa herabgesallenen Schilde, zu danken, von welchem Eg er i a, die vertraute Nl^nyhe desselben, gesagt hatte: jene Stadt, die es aufbchielte, würde immerfort unbezwing- § HS ( -2 ) bar seyn. Um es daher niemals zu vermissen, ließ Numa cilf andere, diesem ganz ähnliche, ma. chen, und übergab sie den Vestalinnen zur Bewahrung. Für diese zwölf Schilde wurden nun zwölf junge adeliche Römer, deren Eltern beyde noch lebten, ausgesucht, und zu Ehren des Gottes Marlis grandivi eingeweiht. Man hieß sie die palatinischen Salier, von den Wohnungen auf dem Pa- latinusberge. Den ersten März fiel der Festtag ihres Gottes, und an diesem trugen sie unter Tanzen und Gefangen diese Schilde umher. Noch stiftete Numa auch einen weiblichen Orden der Vesta linnen zu Unterhaltung des heiligen Feuers, der Göttinn Vesta zu Ehren. Es war derjenige, den schon Äneas nach Italien gebracht, und Numa itzt nur in Rom einführte. Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren wurden vom Pontifex Maximus ausgehoben und der Göttinn geweiht. Numa bestimmte deren nur vier; dann wuchs aber ihre Zahl bis auf sechs. Ihre Oberinn hieß Virgo Maxrma, und eine jede hatte ansehnliche Vorrechte; aber auch beschwerliche Pflichten. Ihr Dienst dauerte dreysig Jahre, und diese ganze Zeit waren sie an strenge Keuschheit gebunden. Ein Fehler in diesem Punkte ward unvermeidlich mit dem Lode bestrafet. Numa führte auch eine Art neuer Gottheiten ein, welche über das durch Grenzsteine bezeichnet Eigenthnm eines jeden Bürgers wachen sollten. Man hieß sie Termini, und ihr Festtag Terminal i a ward den ein und zwanzigsten Februar mit Opfern und Vekränzung der Grenzsteine begangen. Diese muthwillig zu verrücken, war ein Verbrechen, welches einer scharfen Ahndung unterlag. Auch erhielt Fides, die Göttinn, einen Altar, damit jedermann denke, wie treu er seinem gegebenen Worte, und wie heilig ihm ein Eidschwur seyn solle. Dem Janus, als dem Gotte des Friedens und der Klugheit, ward ein Tempel erbaut, der im Kriege offen und im Frieden verschlossen war. Dieß letzte Glück genoß Rom nur dreymal, unter dem Numa, nach dem zweyten punischen Kriege, und nach der Schlacht bep Actium. Dieß sind die vorzüglichsten Einrichtungen dieses Königs in religiösen Dingen. Der alte Römer hing mit Ehrerbietigkeit daran, weil sie sich alle von der Nymphe Egeria hcrschrieben. In politischen Dingen verdienet die menschenfreundliche Einschränkung der väterlichen Gewalt alles Lob; wenigstens durfte itzt kein Vater mehr seinen verheyrathetcn Sohn als Sklaven verkaufen; denn cs wäre unbillig; sagte der Weise, daß eine Römerinn, die einen freycn Mann geheyrathet hatte, jetzt mit einem Sklaven wohnen sollte. Am merkwürdigsten aber war die von ihm unternommene Calenderrefor m. Das römische Jahr hatte bis daher nur dreyhundert und vier Tage, welche in zehn Monathe, deren einige dreysig (mense§ cuvi), andere ein und dreysig Tage (menses pleui) zählten, vertheilct waren. Es war also weder ein Sonnen - noch Mondenjahr, und schon Romulus hatte bemerket , daß die Einteilung desselben nicht zu richtig sey. Numa nahm dreyhundert fünf und fünfzig Tage an, und theilte sie in zwölf Monathe; aber nun waren abermal diese Tage für ein Sonnenjahr zu wenig, und für ein Mondenjahr um sechzehn Stunden zu viel. Diese Unrichtigkeit suchte er durch Einschaltung eines ganzen Monaths zu heben. Man nannte diesen den M e r k e doni u s; und ließ ihn alle zweyte Jahre nach dem drey und zwanzigsten Februar anfangen. Im zweyten Jahre enthielt er zwey und zwanzig Tage, im vierten aber drey und zwanzig. Hiedurch glich sich zwar der Überschuß eines Sonnenjahres einigermaßen aus ; aber für ein Mondenjahr blieb immer noch rin Tag zu ( -Z ) ^ viel; um nun auch diesem abzuhelfen, ließ er alle vier und zwanzig Jahre den Monat Merkedonms aus. Man hatte geglaubek allen Unrichtigkeiten und den vielen Irrungen nach Möglichkeit vorge- beuget zu haben; aber Julius Cäsar fand zu seiner Zeit, daß das römische Jahr um ganzer sieben und sechzig Lage von der rechten Zeit abwich, und eine neue Verbesserung notwendig mache. Alle diese Einrichtungen zeugen, daß Numa des Thrones würdig war, und daß Rom nach der Zeit zwar mächtiger und größer; nur nicht glücklicher worden ist. Seine Weisheit verdient die Bewunderung aller nachfolgenden Zeiten; und wenn man auch nicht weiß, in welcher Schule er sie erlernet, fo hatte er doch eine mit vorzüglichen Fähigkeiten begabte Seele, die sich durch stille Betrachtungen über die Natur und durch eigenes Nachdenken über sich selbst zur Tugend bildete und zu einer so hohen Weisheit emporhob. Dadurch hat er Rom mehr genützet, als durch glänzende Eroberungen, und wenn auch seine Einrichtungen nicht zu lange gedauert haben: fo hat sich doch der Eindruck davon in den Gesinnungen der Römer durch viele Jahrhunderte erhalten. „Staaten sind, wie Cicero aus dem Plato sagt, gewiß dazumal blühend und glücklich, wenn weise Männer sie regieren, oder wenigstens solche, die sich mit Ernst auf das Studium der Weisheit verlegen; denn fürwahr nichts kann einem Staate heilsamer feyn, als wenn Macht und Weisheit in einer Person vereiniget sind." Numa starb imzwey und achtzigsten Jahre seines Alters nach einer Regierung von drey und vierzig Jahren (n.Crb.R.81, v. Chr. Geb. 6/Z. Olymp. 26, 4.) und ward allgemein nicht nur als ein weiser und gerechter Regent, sondern auch als ein liebvoller Vater und theilnehmender Freund bedauert. Er hinterließ eine Tochter mit Nahmen Pompi lia, die an den Numa Martius, den Vater des nachmaligen vierten Königs in Rom, Ankus Martius, verheyrathet war. Tullus Hostilius. (Erb. R. 82 vor, Chr. Geb. 6/2) Nachdem Tode des Numa, eines so guten und geliebten Fürsten, waren die Römer bekümmert, einen andern zu wählen. Ihre Umstände hakten sich aber so merklich geändert, daß sie es itzt für nokhrg fanden, sich einen König zu fetzen, welcher den Staat durch eben die Mittel erhielte, durch welche rhu der vergötterte Stifter gegründet hatte. Die umliegenden Nachbarn waren bey dem an- wachsenden Wohlstände Roms nicht gleichgültig geblieben, und Eifersucht hatte sie gereizt, noch zu cv uma Zctt den Römern ihren glücklichen Mittelstand zu beneiden. Tullus Hostilius, welcher u)oa lange durch ferne Reichthümer und feinen kühnen Unternehmungsgeist sich bey den Römern in - r.!..-en gcsetzet hakte, und auch noch deßwegen geehrt ward, daß erden, wegen seiner Tapferkeit berühmten ^ewäbltt^^'^Ek hakte, war der einzige Mann, welcher den Römern gefiel, und einstimmig, als König, F 2 / HeA ( 24 ) Gleich beym Antritte seiner Regierung zeichnete er sich durch eine ruhmvolle Handlung aus, die ihm die Herzen aller Unterthanen gewann. Bis daher hatten die Könige die Kosten zu ihrem Aufwands aus demjenigen Drittheile der Grundstücke gezogen, welche Romulus bey der ersten Felder» vertheilung dazu angewiesen hatte. Tullus begnügte sich mit seinem eigenen Vermögen, und theilte diese Felder unter diejenigen Bürger aus, welche bisher noch keine hatten. Eine solche Freygebigkcit und uneigennützige Verwaltung des Staates erhob sein Ansehen über die Maßen, und erwarb ihm die Gunst des Volkes und Senates. Die Eifersucht der Nachbarn hatte unterdessen nicht geruhet, und der verschwisterte Staat Alba war der erste, welcher durch seine verübten Streifereyen Rom zu einem Kriege reizte. (Erb. R. 87, vor Chr. Geb. 667.) Beyde Armeen standen gegen einander im Felde, und keine wagte es die and»- -m,»greifen. Man weiß nicht, war -s Aberglauben, oder Furcht »°r dem AuSgange des Treffens, oder Schonung des verwandten Blutes, welches beyde Partheyen zu einem Treffen unschlüssig machte. F uff-- in s, der Feldherr der Albaner, der auf den Clolius folgte, ein feiger und hinterlistiger Mann, schlug deswegen vor, den Streit, durch drey ans jedem Heere gewahlte Vorfcchtcr, auSmachcn zu lassen. Der Vorschlag ward von Seiten der Römer angenommen, und man bemühte sich nun beyd-.s-its geschickte und muthige Kämpfer ausznsnchen. Die Römer wählten die drey S öh n - des alten Horatius, und die Albaner drey andere, die man die Cn- riatier nannte. Livius erzähle« diesen Zwcykampf nach der ihm eigenen Kunst, und ich erlaube mir seine ganze Erzählung hier einzurücken. Zwcykampf zwischen den Horaticrn nnd Cmiatiern. Kuvs. I§0. VH. ,,^as Bündniß war geschlossen a), und die Drillinge griffen, so wie man übereingekommen war, zu den Waffen. Jede Parthey ermunterte ihre Kampfer, und stellte ihnen vor, die Landesgolter, das Vaterland, ihre Eltern, und wer immer von ihren Mitbürgern zu Hause und im Heere sich be- s) Zu Schließung eines Bündnisses erhielten die Fecialen den Auftrag, und ihr Vorsicher, der Pater Patratus. leisiete (xsträb-u) den Eid im Nahmen des römischen Volkes. Bey die,er Handlung trug er ein weißes Kleid und eine Krone von Epheu, und ging mit verhülltem Haupte nach 0m Altäre, das den Schutzgöttern geweiht war. In der einen Hand hatte er eine« scharfen Kieselstein, und in der andern die Tafeln des Bündnisses. Ein anderer Fecial führte neben chm en Schwein, und ein dritter trug Feuer und Wasser. Beym Altäre las der Pater Patratus ^ Bündniß vor, und schlug das Schwein unter einer gewiffenFormcl mit dem Kieselsteine todt. Hiera s schwur er den Eid, und hielt wahrendes Schwures den brennenden Altar. Der bepgelegie Kupst liefert von allem eine Vorstellung. / / " ^ ^"- 7-7 HF ( 2L ) HF fände, habe jetzt seine Augen auf ihre Waffen und Anne gerichtet; und die Kämpfer, trotzig von Natur und durch Aufmunterung noch milchiger gemacht; treten zum Kampfe zwischen beyde Heere in die Mitte hervor. Beyde Armeen standen beyderseits vor ihrem Lager, furchtlos vor gegenwärtiger Gefahr, aber doch nicht ohne Besorgniß; denn es ging um tzle Oberherrschaft, die man auf die Tapferkeit und das Gluck so weniger Personen setzte. In Hoffnung und Ungewißheit war als» Aller Aufmerksamkeit auf ein gar nicht angenehmes Schauspiel gespannt. Man gab das Zeichen zum Angriff, und mit tödtenden Waffen, wie ein Treffen, gehen die jungen Helden, je drey und drey, vom Muthe großer Heere begeistert, auf einander los. Weder den Einen noch den Andern schwebt eigene Gefahr vor Augen; sie denken nur an die Herrschaft oder Knechtschaft und an das künftige Schicksal, welches sie dem Vaterlande bereiten. Gleich beym ersten Waffengeklirre und dem Blitze der blanken Schwerter ergreift alle Zuschauer ein uberaus- großer Schrecken, und da noch auf keine Seite sich eine Hoffnung neigte, stockte Allen Sprache und Athem. Man ward nun handgemein, und es waren schon nicht mehr nur geschickte Bewegungen -es Körpers und ein ungewisses Führen der Trutz- und Schutzwaffen zu sehen, sondern Wunden und Blut. Zwey der römischen Kampfer fielen erblaßt zu Boden; da die Albaner nur verwundet waren. Bey dem Falle der römischen Kampfer erhob das albanische Heer ein Frcudengeschrey, und die römischen Legionen hatte schon alle Hoffnung nur nicht die Besorgniß verlassen; fast besinnungslos waren sie wegen des Einen, welchen die Curiazier schon umgaben. Zum Glücke war dieser noch unverletzt. Allen war er allein nicht gewachsen, aber gegen einen jeden einzelnen voll Muth. Damit er nun seine Gegner zertheile, ergriff er - die Flucht , in Meynung, sie würden, so gut ihr verwandter Körper es zuließ, ihm folgen. Schon eine ziemliche Strecke war er vom Kampfplatz entstehen, alv er sie weit hinter sich Nachkommen sah; den Einen aber in einer nicht zu weiten Entfernung. Auf diesen gieng er mit vieler Heftigkeit zurück. Das albanische Heer ruft die Curiazier ihrem Bruder zu Hülfe; aber schon lag der eine Feind zu Boden gestreckt, und Horazius gieng siegend zum zweyten Kampfe. Durch ein Geschrey, wie es aus unvermutheter Freude theilnehmende Freunde erheben, ermuntern die Römer ihren Kampfer: und dieser eilet den Kampf nun schon zu enden, und durchbohrt abermal einen, ehe der andere aus einer geringen Entfernung Nachkommen kann. Die «beröliebcnen Kämpfer waren nun gleich an Zahl; nur nicht an Hoffnung und Kräften. Des Einen Körper war vom Stahle noch unberührt, und der zwcyfache Sieg gab ihm Muth zum dritten Kampfe. Der Andere hingegen schleppt einen von Wunden und Laufen ermatteten Körper, und schon durch die vergehenden Niederlagen seiner Brüder besiegt, wirft er sich dem Feinde nur hin, daß man es wohl nicht kämpfen nennen kanr^ Jauchzend sagte der Römer: „Ihrer zwey Hab' ich den Seelen meiner Brüder geopfert, der dritte soll für die Ursache dieses Krieges fallen, damit Rom über Alba herrsche;" und stach bey schwacher Vertheidkgung den Degen ihm in die Kehle. Die Rüstung ward beym Falle die Beute des Siegers. Mit Jubel und Glückwunsch empfingen die Römer ihren Horazius; und ihre Freude war eben itzt größer, je näher sie ihre Gefahr gefürchtet hatten. Nun wandte man sich zur Beerdigung der Semigen ,. aber mit ungleicher Stimmung des Herzens ; die Einen hatten ihre Herrschaft beträchtlich vermehrt: die Andern hingegen waren unter fremde Herrschaft gerathen." G HS c -6 ) HF Aussöhnung dcS jungen Hsraziers nach verübtem Schweskermorbe. Lupf. No. VIll. i/i-un ging -er feyerlr'che Zug des Heeres vom Schlachtfelds nach Rom. Alles empfing den jungen Helden mit Jauchzen und Glückwunsch, und dankte ihm die glückliche Rettung des Vaterlands von Knechtschaft unter den Feinden; aber seine Schwester stürzte besinnungslos zu Boden. Verzweiflung, die an Raserey grenzt, hatte sich ihrer bemustert, als sie aus den Schultern des Bruders einen bekannten Waffenrock erblickte. Er war cs, den sie eigenhändig genaht, und einem der Curiazier, ihrem Liebhaber und Bräutigam, gegeben halte. Erblasst war er gesunken von der Hand ihres Bruders, und mit ihm ihre Hoffnung und Freude. Sie hatte sich wieder erholet, und nun vergaß sie ihren Bruder, und verwünschte den Räuber ihrer Ruhe. Sie drängte sich hin durch die Menge, und lud die bittersten Schmähungen und Vorwürfe auf ihn. Trunken vom Siege und Ruhme, vergaß auch er Mäßigung gegen die Schwester, die im heftigsten Kampfe beleidigter Liebe Schonung verdiente: „Geh, sagte er ihr, zu deinem Liebhaber hin! und bring ihm deine unsinnige Liebe, welche dich den Feind dem Ruhme des Vaterlands vorzichen läßt;" und durchbohrte die unglückliche Schwester mit eben dem Schwerte, das er vor kurzem aus der Kehle ihres Bräutigams gezogen hatte. Entsetzen ergriff die anwesenden Burger, und erstickte das Wonnegefühl in der Freude des Sieges. Der Überwinder der Curiazier war zum Schwestermörder herabgesunken, und der Erhalter der Oberherrschaft seines Staats sollte statt des Lohnes die gerechteste Strafe dulden. Seine Hitze hatte an der Schwester den Ausbruch einer unbändigen Leidenschaft zu strenge gestraft, und einem alten Vater, in der Mitte der Freude über den Ruhm seines Hauses, aller seiner Kinder beraubt, und sich selbst bey der Nachwelt zur Schande gebrandmarket. Gern hatte doch der König den trium- phircnden Verbrecher gerettet; aber die That hatte einen zu großen Abscheu beym Volke erreget, und es wäre kaum möglich gewesen, allen Anschein von Parthcylichkcit oder Irreligiosität zu vermeiden. Der Schuldige ward also einigen hiezu niedergcsctzten Richtern übergeben, über ihn ein billiges Ur- theil zu fallen. Zum Unglücke des Verbrechers waren seine Richter auf seinen Ruhm eifersüchtig, und verstanden es zu wenig, sich in die damalige Lage des Jünglings zu denken; alle stimmten daher für Todesstrafe, und schwerlich würde er entkommen sepn, wäre die Gewalt des römischen Hausvaters nicht ins Mittel getreten. Unter dem Volke befand sich auch der alte Vater Horazms, und wartete mit Schmerzen, wie die Richter seines Sohnes diese verwickelte Frage entscheiden würden. Die meisten Stimmen sprachen noch immer für den Tod; auf einmal drängte der Alte sich zu den Richtern hin, und stellte ihrem Gerichte sein väterliches Ansehen entgegen. „Ich, sagte er, war noch vor wenig Tagen ein glücklicher Vater von vier Kindern; durch den Dienst fürs Vaterland bin ich bis auf einen verwaist, / HS ( -7 ) HS und von diesem Einen, fraget ihr: ob ich ihn behalten solle? Wisset! ich als Vater bin Herr über das Leben meines Sohnes, und als dieser spreche ich ihn frey." Mit diesen Worten nahm er den Sohn, und führte ihn aus der Versammlung. Das ganze Volk erklärte sich für den gebeugten Vater , und sprach den Sohn von dem willkürlichen Verbrechen eines verübten Schwestermordes frey. Doch die Religiosität der Römer war mit diesem Urtheile der Menschen nicht zufrieden, und der König selbst, wie Dionysius von Halikarnaß erzählt, glaubte, daß in einer Stadt, welche ihre vorzügliche Ehre in keiner gemeinen Furcht vor den Göttern suchet, das Urtheil der Menschen nicht hinlänglich wäre, einen Verbrecher loszusprechen. Er ließ daher die Pontisicen kommen, und trug ihnen auf, die Götter und GenioS zu besänftigen, und mit dem Verbrecher alle zur Aussöhnung eines unwillkürlichen Verbrechens gebräuchliche Handlungen vorzunehmen. Die Pontisicen errichteten alsobald zwey Altäre, das eine der Göttinn Juno, als der Beschützerin der Schwestern, und das an- dere einem gewissen Gotte oder Genius des Landes, der Janus geheißen, und nachher den Nahmen von den erschlagenen Curiaziern erhielt. Auf diesen Altären brachte man verschiedene Opfer zur Söhnung, ließ nach deren Vollendung den Verbrecher unter dem Joche n) durchgehen, und hielt ihn nachgehends für völlig ausgesöhnt und verbrcchenfrey b). Dieses Joch führte nach der Zeit den Nahmen Tigillum sororium (Schwesterbalken), und ward zum ewigen Andenken auf dem Wege, Vicus a Cyprio, der auf den quirinalischen Berg führte, und nachgehends in der vierzehnten Region lag, aus Mauerwerk errichtet. ZerstLhrmig der Stadt Alba unter öem Befehle des jungen HoraziuS. Kups. No. IX. (Erb. R. 89, vor Chr. Geb. 66§.) -D- Man» standen nun unter der Oberherrschaft der Römer; aber st- waren nichts weniger als aufrichtige Unter-Hanen. FuffetiuS, das Oberhaupt derselben, war, wegen des unglücklich ausgefallenen Vorschlages ,um Zwepkampf- zwischen den Curiaziern und Horaziern, in keinem großen An- scheu, und erfuhr oft das Mißvergnügen seines Volkes. Um seinen Fehler wiederum gut zu machen, — __ G 2 ^ ^rkae 77 »"An-Ste.- Balken mit einem oben darüber,i-gend-n Querbalken. . ? Soldaten mußten halb entblößt zur Strafe durchgehen. Absche^'^ VE" ihren guten bürgerlichen Nutzen; sie halfen den ^ und so lang man bey deren strengen Beobachtung, blieb, nach Ermo ^gen; ^ sobald L. Catilina, -m Brudermörder, wasihen dur^ ^nt H^e Weihkessel des Apollo zu seiner Reinigung machen c-iu « ^"/ solche Ceremome zu nichts andern,, als Mörder und Bösew-chter zu Zur Söhnung H^eu-anderung ist der Gottheit angenehmstes Opfer und das erste Erfordernis «K-S l -s ) -KS unterhielt er mit -en Vejentern ein heimliches Einverständnis, und hetzte ste wider Rom auf. Tullns hatte diese bcschiedcn wegen ihres Betragens, währender albanischen Handel, in Rom Rechenschaft zu geben; aber ste ergriffen dafür die Waffen, in Hoffnung, Fuffetius würde ste unterstützen. Die Römer rückten ins Feld, und Fuffetius mußte, als Bundsgcnosse, zu ihnen stoßen. Am Lügdes Treffens begab er sich mit seinen Truppen auf eine Anhöhe, den Ausgang des Treffens abzuwarten, und stch alsdann zur siegenden Parthey zu schlagen. Diese verräterische List hätte bey der römischen Armee einen Übeln Eindruck machen können; Tullns ließ daher bekannt machen, Fuffetius sey auf seinem Befehl auf die Anhöhe entwichen, damit er, wenn es nöthig wäre, den Feinden in den Rücken fallen könnte. Selbst die Feinde wußten nicht, wie weit ste der Verschlagenheit des albanischen Feldherrn trauen dürften; daher fochten ste zwar tapfer, wurden aber dennoch von -en Römern überwunden. Tullus ließ unterdessen nichts merken, daß ihm die Verratherey des Fuffetius bekannt wäre, sondern begab stch zur Nachtszekt nach Rom, und beratschlagte mildem Senate, was man in Ansehung der Albaner bestimmen sollte. Mit Tages Anbruch befand er stch wieder im Lager, und befahl dem Sieger der Curiazier, sich alsvbald mit einer hinlänglichen und ausgesuchten Mannschaft nach Alba zu begeben und die Stadt zu schleifen. Unterdessen ließ er beyde Armeen unbewaffnet vor stch kommen, und entdeckte ihnen das verräterische Betragen der Albaner; Fuffetius ward zur Strafe von Pferden zerrissen, und seine Mitschuldigen niedergehauen. In Alba ward der Befehl des Tullus vom jungen Horazier strenge vollzogen. Es half kein Bitten, kein Weinen, kein Klagen: jedermann mußte sein Haus verlassen , und mit Schmerzen und Wehmut seine Vaterstadt der Zerstöhrung übergeben. Die Römer machten nicht lange, so lag Alba in Schutt; Eifersucht führte die Hand, und Liebe zur Herrschaft vollendete das Werk. Alba, Roms Mutterstadt, war nicht mehr. Die Bürger wurden nach Rom übertragen , und erhielten alle Freyheiten und Vorrechte der römischen Bürger. Tullus wies ihnen den Berg Cölius zu Wohnungen an, und baute hier selbst für stch ein Haus; sein Beyspiel sollte die übrigen reizen, stch häufig hier anzusiedeln. Die Vornehmsten aus dem patricischen Adel wurden in den Senat ausgenommen, und unter die dreyhundert Celcres gezählt, die Tullus bey seiner Thronbesteigung wieder eingeführet hatte. Und so hatte die Tochter ihre Mutterstadt verschlungen, und auf immer vernichtet. Die Kräfte der Ersten hatten sich so merklich vermehret, daß bald darauf die Fidcuaten genö- thigct werden konnten, von Rom ganz abzuhangen. Der König erhielt dafür einen Triumph. Tullus liebte wenig die Ruhe, und glaubte, daß nur die Beschwerden des Krieges die römische Jugend gesund und stark erhielten; daher suchte er ste abcrmal zu beschäftigen, und kehrte -seine Waffen gegen die noch unbezwungenen Sabiner. Bey E r e t u m fiel ein zweykes Treffen vor, welches für die Römer entschied, und die Besiegten zwang, Frieden auf Willkür zu erbitten. Tullus hielt abermal einen Triumph. In diesen Kriegen hatte er zugleich Beyspiele von seiner Religiosität gegeben. Im Kriege wider die Vejenter, als er bey seinem Heere einige Furch! bemerkte, gelobte er der Furcht und dem Schrecken einen Tempel, und bey Eretum der Rh e a und dem Saturn die berühmten S aturnalie n, ein Fest, das lange schon, noch vor Roms Erbauung, jn Italien und noch eher in Griechenland bekannt war. Er verdoppelte auch die Salier und /»V d ( 29 ) ^ ihre Arrcilia, und setzte auf den H o ch v e rr a lh (?erc!ueI 1 io) eine scharfe Verpönung. Nach einer Regierung von drey und dreysig Jahren starb er, und man weiß nicht, ob der Blitz sein Haus angezündet, oder ob Ancus Martins, sein Nachfolger, ihn erschlagen und hernach, den begangenen Todtschlag zu verbergen, die Feuersbrunst erreget habe. Ancus Martins. (Erb. R. 114, vor Chr. Geb. 640.) 9 kach dem Tode des Tullus versammelte sich das Volk zur neuen Könkgswahl, und Ancus Martins, der Enkel des NuMa aus seiner Tochter, ward einhellig dazu erwählet, und vom Senate bestätiget. Gleich im Anfänge seiner Regierung gab er Beweise, daß er des Thrones würdig sey; die kriegerische Regierung des Tullus hatte den Ackerbau und alle Künste des Friedens vielmehr gehindert, als befördert: Ancus bemühte sich aus Kräften, sie wieder ins Aufnehmen zu bringen, und hatte nichts mehr im Sinne, als in die rühmlichen Fnßstapfen feines Großvaters zu treten, und dessen glückliche Zeiten, an die sich noch jedermann mit Wonne erinnerte, feinen Römern wiederum herbeyzuführen. Aber zu bald ward er überzeugt, daß Frömmigkeit und Beförderung friedlicher Gewerbe nicht das Einzige sey, welches ein Thron erfordert. Dem Numa war es gelungen in Frieden zu leben; weil der römische Staat, aus Mangel nothwendkger Kräfte, auf Eroberungen noch nicht denken durfte. Sein glücklicher Mittelstand war damals zu seiner Erhaltung genug; aber da Tullus Völker selbst angriff und Städte zerstöhrte, mußte fein Nachfolger auch durch tapfere Waffen sich furchtbar zu machen suchen. Ancus Martins kündet durch die Feeialen den Lateinern Krieg an. Kupf. No. X. -v^azumal lag cs in der Sitte der Zeiten und war dem angenommenen Völkerrechte gemäß, daß ein durch Krieg bezwungenes Volr nur so lang durch Unterwürfigkeit an den Sieger sich gebunden glaubte, als er am Leben war; daher war auch jedesmal ein Krieg eine Aussaat zu einem andern, und fast jeder Nachfolger mußte sich neue Unterwürfigkeit durch Kriege erzwingen, oder durch Vertrage freundschaftlich versichern. Die lateinischen Städte, die von Alba abhängig waren, blieben unter dem Tullus ruhig, weil er ihre Felder verwüstet, und sie auf längere Zeit zu einer nachdrücklichen Gegenwehr unfähig gemacht hatte; aber Ancus ward nicht mehr gefürchtet , weil sie auS sci- H HkS ( Zo ) ben friedlichen Gesinnungen sich überredet hatten, er sey zu schwach sie in Unterwürfigkeit zu erhalten; daher wagten sie auch bald nach seinem Antritte Streiserryen in das römische Gebiet und verheerten einen großen Theil der Felder. Ancus ergriff nicht gleich die Waffen, sondern machte zuerst von dem Amte der Fecialen in diesem Stücke Gebrauch. Genugthuung und V e r güt ung waren die Bedingungen, welche» der König und der Senat von den Lateinern zur Beybehaltung des alten Bundes forderten; aber die Lateiner waren weit entfernt, dem Fecialis Genugthuung zuzusichern. Die dreysig Tage, welche jedesmal als Bedenkzeit dem Beleidiger gegeben wurden, waren verstrichen, und keine lateinische Stadt hatte noch an eine Vergütung gedacht; es erfolgte also die feycrliche Erklärung des Krieges. Eine Lanze ward entweder blukroth gefärbt oder unter gewissen Formeln in Blut getaucht, und vom Fecialis in das feindliche Land geworfen. Der letzte Theil dieser Ceremonie ward so lang beobachtet, als Rom noch enge Gränzen hatte, aber bey Erweiterung derselben beging man diese Feyerlichkeit bey der Kriegssäule (Lolumna bellica), vor dem Tempel der Göttinn Bellona, oder auch ausdem Campus hostilis, einem gewissen Felde in Nom. Ancus brachte ein ansehnliches Heer zusammen, und rückte vor die lateinischen Städte. Verschiedene wurden erobert, und einige gänzlich zerstöhret; die Einwohner derselben erhielten Erlaubniß, den avenki- nischen Berg zu bewohnen, der nun zur Stadl gezogen wurde. Unter diesen eroberten Plätzen war auch ihr haltbarster Ort Me d ul l i a, in der Nahe bey Eretum. Wegen dieser glücklichen Unternehmung feyerte Ancus einen Triumph. Währendes Krieges mit den lateinischen Städten hatten es auch die Fidenaten gewagt, sich wider die römische Oberherrschaft zu empören. Ancus bekriegte sie ebenfalls, und nahm Fidena, ihre Stadt, durch Untergrabung ein. — Das erste Beyspiel des Angriffs dieser Art in der römischen Geschichte — (Erb. R. 122, vor Chr. Geb. 6Z2.) Noch wandte er auch seine Waffen gegen die Vejenter und Sabiner (Erb. R. 127, vor Chr. Geb. 627.), die sich auch aufrührerisch gegen Nom betragen halten, und die Kriege mit diesen Völkern haben mit gewissen Zwischenzeiten gegen fünfzig Jahre gedauert. Aus allen diesen so glücklich geführten Kriegen wuchsen den Römern keine geringen Vortheile zu. Rom erhielt eine Menge Bürger, die aus den verwüsteten Städten Hieber übertragen wurden, und ward zugleich um einen daranstossenden Hügel erweitert. Die Vejenter mußten einen zur Anlegung eines Hävens sehr gelegenen Platz an der Tiber abtreten, den Ancus auch wirklich dazu benützte, und ihm wegen des Ausflusses der Tiber den Nahmen O stia gab. Seinen Unlerlhanen ward hiedurch ein Weg geöffnet , sich in der Handelschast weiter auszubreiten. Nahe bey diesem Haven waren auch die berühmten Salzgrubcn, aus deren reichlichem Vorrathe Ancus eine Menge austheilen ließ. Unter seine rühmlichen Sorgen gehöret auch die Verschönerung der Stadt; den Hügel Jani culus, den er den Hctruskern, wegen verübten Streifereyen, abgenommen hatte, vereinigte er mit Nom, und ließ dahin über die Tiber die nachgehends merkwürdige Pfahlbrücke (?ons 5U- dlicius) schlagen. Sie ist die älteste in Rom, und ward nach der Zeit so künstlich gebaut, daß sie nach Belieben abgetragen und ohne viele Mühe wieder zusammengesetzt werden konnte. Er war auch der Urheber eines StaatsgefangnisseS, zu dessen Erbauung ihn die Ausgelassenheit und die -KS ( 2- ) -KS h-lmlich schleichenden Verbrechen seiner Unlerthanen, die aus so mancherlei) Menschen bestanden, auf- forderten. Nach so vielen rühmlichen Thatcn und nützlichen Werken starb Ancus nach einer vier und zwanzigjährigen Regierung (Erb. R. iZ/, vor Chr. Geb. 61 7.) und hinterließ zwey unmündige Söhne, denen er den reichen Hetrusker Lucumo Demeratus, der als Nachfolger des Ancus unter dem Nahmen Lucius Tarquinius bekannter ist, zum Vormund setzte. Tarquinius Priscus. (Erb. R. 1Z 8 , vor Chr. Geb. 616.) tarquinius, mildem Beynahmen: der Ältere, stammte aus Korinth, und hatte stch mit seinem Vater Demeratus, einem sehr reichen Manne, nach der hetrurischen Stadt Tar quin il begeben. Hier fand er das Glück nicht; von dem er sich Hoffnung gemacht hatte; daher wandte er sich mit allen seinen Reichthümern nach Rom, in der sichern Überzeugung, daß er sich dort besser emporbringen würde. Den Römern gleich anfänglich sich gefällig zu machen, veränderte er seinen Nahmen Lucumo in L uc i u s, und den Nahmen seines Vaters vertauschte er mit dem von der Sradt T a rqu ini i hcrgenommenen Nahmen. Hier wahrte es nicht lange, so stieg er empor, und erhob sich durch sein Vermögen, seine Einsichten, Gewandheit und die in manchen Fallen bezeugte Tapferkeit zu einem so großen Ansehen, daß er allgemein geschätzet und mit einer Senatorstelle beehret ward. Vorzüglich hatte der König großes Zutrauen zu ihm, und sicher geglaubet, daß durch das Ansehen und die Macht eines so allgemein geschätzten Mannes seinen Söhnen, unter welchen der älteste nun fünfzehn Jahre hatte, die römische Krone, wenn sie auch nicht erblich wäre, vielleicht doch erhalten werden könnte. Es war auch nicht unmöglich; denn die große Ehrerbietigkeit, welche das Volk zur Familie eines so beliebten Königs trug, hätte leicht die Stimmen zu Gunsten des einen Sohnes lenken können. Aber Tarquinius warb selbst mit Übergehung seiner Mündel um die Ehre des Thrones, und seiner Verschlagenheit glückte es auch, daß ihn das Volk zum König bestimmte. tarquinius war nun gegen jene, die ihn zum Throne befördert hatten, nicht undankbar. Er vermehrte den Senat mit hundert neuen Gliedern, die insgesammt aus den Plebejern ausgeho- ben waren; und deswegen den Nahmen: Patres Minor um gentim erhielten. Dem Volke erwies er sich dadurch gefällig, daß er es durch mancherley Spiele unterhielte; und, um ganz des- fcn Neigung zu gewinnen, ließ er nach griechischer Art, zu bequemerer Feyerung der Spiele, eine Rennbahne (Circus) erbauen. Seine Klugheit hatte sicher gerechnet, daß er dem römischen ->olke gewiß damals gefallen würde, wenn er es durch Vergnügen zu unterhalten verstünde. Unter der Regierung dieses Königs entstanden mancherley blutige Kriege, und die Lateiner waren die ersten, welche abermal mit Rom brachen; Larquin stellte sich ihnen entgegen, (Erb. R. H 2 HS ( Z2 ) HS , 48 , vor Chr. Geb. 606.) und schlug sie in dreyen Treffen jederzeit aus dem Felde. Sie verloren einige ihrer Städte und einen beträchtlichen Theil ihrer Habschasten. C 0 l l a t i a, eine dieser Städte, erhielt Egerius, ein Vetter Tarquins, zum Geschenke, und mit dieser nahm er zugleich den Nahmen C 0 l l a t in u s an. Aus der eroberten Beute ward im m u r c i sch en Thale der schon genannte Circus, dem man nachgehends den Bcynahmen: Maxi 111 u s, zum Unterschiede von andern, zulegte, erbauet. Die immerwährenden Siege der Römer machten die Hetrurier immer besorgter; sie schlosse» daher ein Bündniß unter allen ihren Städten, und griffen Rom mit gesummter Macht an. (Erb. R. 160, vor Chr. Geb. 594.) Fidenä, der Schlüssel zum römischen Gebiete, ward an sie ver- rathen, und das römische Gebiet größten Theils verheeret. Tarquin theiltL seine Legionen, und ließ seinen Vetter Collatknus vor Fidenä rücken; er selbst aber verwüstete die Gegend um Vejk. Col- latin ward einige Male überfallen und geschlagen; aber bald darnach mußte Fidenä selbst an Tarquin sich ergeben. Die Verräther wurden zu Tode gegeißelt, und viele des Landes verwiesen, und ihre Felder unter die Römer vcrtheilt. Die Hetrusker zogen indessen ihre ganze Armee bey Eretum zusammen, wurden aber auch da von den Römern auss Haupt geschlagen. Sie baten nun um Frieden, der ihnen auch unter billigen Bedingungen zugcstanden ward. Tarquin erhielt vom Senate einen Triumph, und von den Hetruriern die bey ihnen gewöhnlichen Zeichen der Oberherrschaft; einen elfenbeinernen Stuhl (relln. curulis) und eine Toga palmat a, oder ein mit Goldstreifen durchwirktes Oberkleid. Sieg des altern Tarquins über die Sabiner und Hetrusker durch Abbrennung ihrer Schiffbrücke. Kups. Xo. XI. (Erb. R. 17Z. vor Chr. Geb. LZ r.) *L^en Sabinern ward zur Last gelegct, daß sie die Hetrusker, währendes Krieges mit Rom, unterstützet hätten. Eine hinlängliche Ursache, welche die Römer zu einem neuen Kriege veranlassen konnte. Tarquin fiel in Sabinicn ein; konnte aber aus Mangel nothwcndiger Reiterei) wenig aus- richten, und brachte es nur mit Mühe dahin, daß sie verstärket ward. Unterdessen hatten die Sabiner eine beträchtliche Verstärkung aus Hetrurien erhalten, und sich an der Mündung des Anio in die Tiber zu beyden Seiten des letzten Stromes gelagert. Eine Schiffbrücke war das Mittel, durch welches sie Gemeinschaft zwischen sich unterhielten. Tarquin sah wohl ein, daß er dem Feinde in dieser Stellung wenig würde schaden können; weil beyde Lager nur eins ausmachten, und jedes das andere bey einem Angriffe ungehindert unterstützen konnte. Es war daher ein Mittel noth- wcndig, sie beyde zu trennen und ihnen alle Gemeinschaft abzuschneidcn. -> - >V'- V <^ 2^42 / 0 ^. Zu biescm Ende nahm Tarquin seine Stellung auf einem Hügel am Am'o, unweit des sa- binischen Lagers, und ließ eine Menge kleiner Boote verfertigen, und mit Schwefel und Harz gut übcrtünchen. Liefe wurden mit dürrem Holze und anderen leicht brennbaren Materien angefüllt und drey Stunden nach Sonnenuntergang in voller Flamme den Strom abwärts gegen die Brücke geleitet. Ein günstiger Wind kam diesem zerstörenden Unternehmen der Römer glücklich zu statten; die Flamme der Brandner ergriff die Brücke: bald stand sie selbst in Heller Flamme da, und machte es jedem unmöglich, der sie zu löschen cs wagte. Verwirrung stürmte in bepdcn feindlichen Lagern. Man kannte den Schaden, und stürzte ins Feuer, in vergeblicher Hoffnung die Brücke zu retten, und vergaß in verwirrender Eile das sabinische Lager gegen die Römer zu bestehen. Der König benützte die vorgefehne Verwirrung, bezog das unbesetzte Lager des Feindes, und ließ zu gleicher Zeit durch einen über den Strom gesetzten Thei! des römischen Heeres die Hetrusker angreifen. Es war Nacht, und nur die Flamme der Brücke erhellte daS Dunkel. Von tödtenden Elementen und feindlichen Menschen umrungen, war kein Ausweg für die Feinde im Lager, alle verschlang das Wüthen des Feuers, die Fluthen des Stromes oder das mordende Schwert der Römer. Die Tiber selbst, noch ehe Tarquin ein Boot abfertigen konnte, brachte durch Waffen und Leichen, durch noch flammende Brandner und Stücke der Brücke die Nachricht nach Rom von glücklich erfochtenen Siege und gänzlich verwüsteten Heere der Feinde. Dreß Stratagema war über alle Erwartung gelungen; Tarquin verfolgte den erhaltenen Vortheil und rückte in der Sabiner Land. Hier trieb er sie dermaßen in die Enge, daß sie um Erhaltung eines Friedens ihm alle wichtige Platze raumen mußten. Ein ftperlicher Triumph war der Lohn des Siegers , und es war, so viel man weiß, das erste Mal, daß der Triumphator sich eines Wagens bediente rr). Acclus Navius weiß die Gedanken des altern Tarquins. Kupf. No. XII. hatte bis daher keine andere Reitercy, als diejenigen dreihundert Ec l e r es, welche Romu- lus zur Leibwache sich hatte wählen lassen, und noch andere dreihundert, welche Tullns aus dem albanischen Adel hinzugefügt hatte. Für ihre Zeiten hatten sie in einem Kriege hinlänglich seyn kön- ncn; aber itzt, da Rom an Land und Leuten immer zunahm, und Fußvolk die Menge ins Feld ffllcn konnte, war es auch nöthig, die Reilerey zu schnellen Unternehmungen zu vermehren. s) Bis daher waren alle Trinmphemzüae nur zu Fuß geschehen. Man behielt nachgehends diese Art Feyerlichi'eit, als eine Gattung eines geringeren Triumphes, bey, und nannte sie vom ge- seblachketen Opferthiere eine Oval io. Von diesem Triumphe Tarquins haben die nachmaligen Triumphatoren das Fahren im Wagen beybehalttn, und sich bemühet, diese Einzüge immer Herrscher und prunkvoller zu machen, I tzS ( 24 ) Tarquln hatte oft den guten Nutzen von der schon bestehenden Anzahl erfahren, und auch deswegen im Kriege mit den lateinischen Städten auf die Errichtung einiger neuen Schaaren angetragen; aber in einem Staate, wie Rom, wo Aberglauben in die Staatsverwaltung so innig verflochten war, durfte man nicht erwarten, daß der Vortrag des Königs, so nützlich und nothwendkg er auch immer war, nicht etwa Schwierigkeit finden würde. A ec ius Na v ius, der vornehmste Augur, stellte dem Könige vor, sein Vortrag ziele auf eine solche Neuerung, welche die ersten Einrichtungen des Nomulus Umstürze und sehr leicht den Zorn der Götter nach sich ziehen könne. Er für seine Person riethe, man solle das Gutachten derselben zuvor durch ein Augurium n) einholcn. Bey dem rohen Volkshauftn konnte wohl das Vorgeben des Augurs blind gehorchenden Glauben finden; aber der besseren Ueberzeugung deS Königs mußte es Unwillen erregen. Um also mit einem Male des Navkus Wahrsagerkunst und alle daher geleiteten Täuschungen zu vernichten, sagte der König, er solle alsobald gehen, und seine Vögel zu Rathe ziehen, ob das Geschäfft, welches er itzt auszuführen gedenke, glücklich gelingen würde/ Der Wahrsager gehorchte, und kam nach einer Zeit mit der Antwort zurück: die Unternehmung des Königs sey thunlich und würde gelingen. „Schön, sagte der König mit Lachen, eben gedachte ich den Kieselstein mit dem Scheermesscr zu schneiden." — Schneide du nur," sprach der Augur, und wirklich ließ sich der Stein zerthcilen. Larguru erstaunte, und gab alsobald sein Vornehmen auf. Damit aber dennoch der Vortheil deS Staates durch diese religiöse Täuschung nicht gehindert würde: so ward beschlossen, die schon bestehenden Centurien der Reiter beträchtlich zu mehren, so daß künftighin die ganze Reiterey aus achtzehn- hundett Mann bestehen sollte. Durch diesen Vorfall wuchs das Ansehen der Augurn in Rom außerordentlich, und es war fast kein Geschäfft im Lager und in der Stadt, im häuslichen und bürgerlichen Leben, zu dem man nicht die Augurien zu Rathe gezogen hätte. Im Grunde ist der Vorfall mit dem A cci ns Na- v i u s zwar nur eine Fabel, die zu den vielen gehört, wodurch sich der abergläubische Romer jederzeit täuschen ließ, und worüber die Vernünftigern im Volke lachten b): aber man hat sie dennoch durch eine eherne Statue verewiget, welche noch zu Kaiser Augusts Zeiten aus dem Conutium stand. Unter der Regierung dieses Königs erhielt auch Rom prächtige Gebäude, und noch keiner der vorigen Fürsten hat so vieles auf Verschönerung, Reinigung und Befestigung der Stadt verwendet. Er konnte es auch leichter thun, weil die glücklich erfochtenen Siege eine Menge Reichthümer und Schätze in die Stadt geleitet hatten. Seine Gebäude schienen alle für die nachfolgenden Zeiten a) Ein Augurium, oder Avigerium wurde aus dem Vögclsiuge hergeholet. Der Augur bezeichn nete unter gewissen Formeln mit seinem krummen Stabe (Umus) eine Himmelsgegend (temxlum) und beobachtete darin die Gattung der Vögel, ihre Anzahl, Flug, Gesang u. dgl.^ Sobald er ein glückliches Zeichen sah, begab er sich weg, damit kein unglückliches Nachfolgen möchte. b) Cicero wundert sich, daß ein Augur dem andern nicht ins Gesicht lache; und hat Schriften über die Wahrsagerkunst verfasset, worin er seinen Unglauben oft zu erkennen giebt; unterdessen will er doch, daß man gegen das Wahrsagen, der Staats- und Volksreligion halber, die größte Ehrfurcht tragen müsse. Es gehörte zur römischen Politik, daß das Volk, nach der Meynnng ees Varro, des größten Hierologen des alten Hcidenlhums, viel Wahres nicht wisse und dafür viel Falsches glaube. AS (55 ) AS gebaut, und waren Wunderwerke für das damalige immer noch rohe Alter. Nach dem CircnS verdienen die großen und weiten Kanäle (Lloacae), zu Ableitung des Unraths aus den Hausern und Gassen der Stadt, alle Aufmerksamkeit. Ihre Wölbung war so stark, daß nachgehends ganze Paläste darauf konnten gebauet werden, und inwendig fo weit, daß ein geladener Heuwagen immer hatte durchfahren können. Um das Forum Rom anu m oder den großen Versammlungsplatz der Römer ließ er Hallen und Gange erbauen, welche dasselbe nicht nur verschönerten, sondern auch für den Verkauf der Handwerkswaaren dienlich machten. Auch zum C a p i to^li uw, dem nachmals fo prächtigen Werke, legte er den Grund, indem er den tarpeji schen Hügel ebnen ließ. Es gab keine Zeit, die er, frey vom Kriege, nicht nützlich und gut zum Besten der Stadt verwendet hatte; fogar Sale zur Verwaltung gerichtlicher Verhandlungen und öffentliche Schulen für beydcrley Geschlechter werden ihm zugeschricben und unter feine Einrichtungen gezahlt. Unter so löblichen Handlungen war Tarquin zu einem Alter von achtzig Jahren gelanget, und hatte ein besseres Ende verdient. Aber die Söhne des vorigen Königs, seine Mündel, hatten gehoffet, nach seinem Tode zu regieren, und merkten, daß er auf feinen Schwiegersohn, Se r- vius Tullius, nähere Absichten habe. Dreß reizte sie zu einer schrecklichen Rache, welche sie unter einer List verbargen. - Zwey, als Holzhacker verkleidete Böfewichter, wurden gedungen, die vor dem Palast des Königs ein großes Gezänk anfangen mußten. Beyde beruften sich auf den Ausspruch des Königs, und dieser ließ sie vor sich; aber als er aufmerksam hörte, was der eine sage, gab ihm der andere mit seiner einen tödtlichen Streich. Beyde entflohen; aber sie wurden eingeholk, und nun gestanden sie alles. Die beyden Söhne des Ancus flohen zu den Volskern, und beunruhigten durch ihren Anhang im Senate wenigstens den Anfang der nachfolgenden Regierung. Tarquin starb an dieser Wunde, und feine Gemahlin Tanaquil verheimlichte fo lange seinen Tod, bis sie es durch ihre Partey fo weit gebracht hatte, -aß dem Sero ius, ihrem Schwiegersöhne, der römische Thron sicher war. Tarquin regierte acht und drepsig Jahre, nnd hat durch seine Einsichten , Einrichtungen und glücklich geführten Kriege der Stadt und dem Staate Rom ungemein genntzet. r^- > , m » ««.«, . »m., ,., »» K . ».. l »«, ,,. »«» , » -»., ... „ .- Servius Tullius. (Erb. R. 176 , vor Chr. Geb. 578.) er v ius bestieg den Thron ohne ein vorhergehendes Interregnum, und hatte viel Klugheit nö- thig, sich anfänglich auf demselben fest zu halten. Er war feiner Herkunft ein Lateiner, und stammte zwar aus edlem Blute; aber seine Mutter ward in den vorigen Kriegen gefangen nach Rom gebracht, und so war auch er, vermöge der Gesetze, ein Sklav. Sein gutes Glück hatte ihn in Tar- huins Haus geführt und Gelegenheit verschaffet, seine guten Eigenschaften zu zeigen. Vorzüglich genoß er die Gunst der Königin, und der König selbst liebte ihn mit der Zärtlichkeit eines Vaters I 2 «ki-e c 2°) «KB Er hatte ihn zum Range eines Paktierers und Senators erhoben, und mit Gcgania, einer vornehmen Römerin, vermahlt, und gab ihm nach deren Absterben seine eigene Tochter Tarquinia zur Gemahlin. Seroius war vollkommen der Liebe und des Zutrauens werth, welches er im königlichen Hause genoß. Er war klug und bescheiden, und konnte dem König durch seine tiefen Einsichten in die Staatsgcschafte sehr viel nutzen.' Die ganze Folge seiner Negierung hat cs gezeigt, daß die Absicht Tarquins, zum Throne wohl auf keinen würdiger» hat fallen können, und daß Lana- quil durch ihre Vermittelung, so eigenmächtig man sie auch immer hielt, dem ganzen römischen Staate einen gewiß wichtigen Dienst geleistet hat. Unterdessen hatte doch Servins mit der? Feinden seiner Person anfänglich viel zu kämpfen. Das unterlassene Zwischenreich beleidigte einen Theil des Senates, besonders diejenigen, welche den Söhnen des Ancuö anhingen. Man hielt daher seine Thronbesteigung vielmehr für eine Anmaßung, und ging darauf um, ihn ganz von der Regierung, nach einem anerkannten Zwischenrcich und der darauf folgenden Wahl, auszufchließen. Man glaubte in seinem vorigen Sklavenstande hinlänglichen Grund zu finden, weil es unanständig wäre, daß ein Mann, der noch vor kurzem Sklave war, über frepgeborne Römer herrsche. Servius hatte aber die Gunst des Volkes; denn es durfte einen Mann, der es wider die Patrieier zu schützen versprach, Schulden tilgen und Ländcrryen unter un° vermögliche Bürger austheilen wollte, von der Partheylichkeit einiger Senatoren nicht unterdrücken lassen. Die Stimmen wurden gesammelt, und Servius blieb König. Dazumal brach ein Krieg mit den Vejentcrn und übrigen Hetrufkern aus, welche nach den Grundsätzen seiner Zeiten dem neuen Könige Unterwürfigkeit verjagten. Servius ward Sieger, und theilte alfobald verschiedene Felder der Besiegten unter diejenigen Bürger aus, welche noch keine hatten. Ein Triumph war der Lohn dieser Unternehmung, den ihn zwar nicht der Senat, wohl aber das Volk, diesem zum Trotze, zusprach, und welchen er mit aller der Pracht, welche sein Vorgänger hiezu eingeführet hakte, feyerke. Diesen glücklichen Umstand benützte er alfobald, sich die Regierung für die Zukunft gänzlich sicher zu machen. Er klagte dem Volke, daß eine Parthey, die Söhne des Ancus noch immer zurückzuruftn, gedenke; wenn es denn glaube, seine Thronbesteigung sey nicht rechtmäßig gewesen, so überlasse er Scepter und Krone, und wünsche einen würdiger» in seine Stelle. Das Volk rüste einhellig, die Curie» sollten sich vcrfammc.ln, und Servius ward cinmüthig nochmals gewählt. Nun erst glaubte er sicher zu ftyn, und verwandte sein großes Herrschcttalcnt zu Einrichtungen, welche dem Staate durch Jahrhunderte genützet haben. Bis daher war es für jeden Regenten Roms schwer, die Anzahl seines Volkes und die alljährliche Zu - und Abnahme desselben zu wissen; Servius wählte hiezu ein leichtes und sehr einfaches Mittel, welches noch über das dem Staate ein Einkommen verschaffte. Bey jedem Sterbefallc ließ er ein gewisses Geldstück in den Tempel der Göttin» Venus lib itina, die den Begräbnissen Vorstand, niederlcgen; ein anderes bcy der Geburt eines Kindes in den Tempel der Juno Lucina; und abermal ein anderes in den Tempel der Göltinn In v ent a, wenn ein Kind aus den Jahren seiner Kindheit trat, und dem mannbaren Alter sich näherte. Diese Einrichtung gab ihm die sichersten Listen, und alljährlich konnte er bey Überzahlung der eingelangten Geldstücke genau wissen, wie Diele geboren, gestorben, oder zu mannbaren Jahre» gekommen wären. HB ( 27 ) 'HB ' Auf dem Lands wurde fast eine ähnliche Ordnung beobachtet; nur kamen die Landleute alr gewissen jährlichen Festtagen bey ihrer Oberkeit zusammen und legten ihre Geldstücke für sich, für ihre Weiber und Kinder bey derselben nieder. Um zugleich das Landvolk vor jähen feindlichen Überfällen zu sichern, legte er auf Anhöhen und Bergen sichere Örter an, die theils von Natur theils von Menschenhänden befestiget waren. Man hieß sie mit einem griechischen Worte P a g u s, und ein jedes derselben erhielte eigene Altäre für die Schutzgötter des Ortes und jährliche Festtage', die man Paganalia nannte, und sie waren diejenigen, an welchen sich alle Einwohner eines solchen Pa- gus bey ihrer Oberkeit versammeln mußten. Diese Einrichtung diente ungemein zu Handhabung guter Ordnung auf dem Lande. Sogar auf bessere Vehandlunz cher römischen Sklaven dehnte sich die Sorge des weisen Königs hin. Diese Gattung Menschen, sie mochte es nun durch Gefangenschaft, Kauf, Geburt oder Strafe geworden feyn, war schon dadurch unglücklich, daß ein widriges Schicksal sie ihres Vaterlandes, ihrer Freyheik, ihres Vermögens, ihrer Angehörigen beraubet, und in die Knechtschaft verstossm hatte; in Rom war der Sklave fast weniger, als Mensch. Er war eine Eigenthumsfache des Besitzers, mit welcher dieser nach Willkür schalten und walten konnte. Ihr trauriges Loos machte ihnen Servkus dadurch erträglicher, daß er erlaubte, sie nicht nur frey zu geben, sondern auch den römischen Burgern einverlekben zu lassen. Man hieß sie alsdann Freygelassene (libeitmi) und nach der Veränderung und Eintheilung des Volks in bestehende Classen und Tribus, war die vierte städtische Tribus diejenige, welcher sie in dieser Eigenschaft beygezählet wurden. Aber auch so lange sie noch in Sklavenstande waren, schaffte seine Menschenfreundlichkeit ihnen eine Erleichterung. Er bestimmte für sie die Sch eidew egsgöt ter (Dii compirales) und ließ auf diesen Wegen klein^ hölzerne Tempel, wie Hallen, errichten. Auch setzte er für sie ein jährliches Fest, die Compika- lia genannt, bey welchem die Opfer und.Gebräuche, niemand anders, als nur Sklaven^ verrichten durften. Es fiel um das Ende des Decembers, und jeder Herr war gebunden, seinen Sklaven an diesem Tage alle Frcyheit zu erlauben. Alle diese Einrichtungen, so gut und löblich sie auch sind, waren nur ein Vorspiel zu jenem Meisterstücke feiner Staasrlugheit: der neuen Volkserntheilung in bestimmte Ela sfen. Zu diesem Ende stellte er der Volksversammlung vor, wie ungleich die Abgaben bis daher vertheilet wären, und wie nothwcndig cs fey, ste nach den Vermögensumständen eines jeden Einzelnen einzurichten. Das Volk freute sich über den Vortrag des Königs, und in Hoffnung einer Erleichterung , ersuchte es ihn, einen Plan zu entwerfen und alles, was ihn gut dünke, zu verordnen und festzufetzen. Servkus unternahm vor allen eine Abänderung der alten Tribus, nicht nur, wie sie Romulus eingefuhret, sondern auch, wie sie der ältere Tarqukn verdoppelt hatte, a) und die noch immer auf alle römische Bürger ohne Unterschied ihrer Wohnung in der Stadt oder auf dem Lande sich bezogen. Diese seitherige Eintheilung warf er um, und machte eine Haupteintheilung des Volkes in städtische (urbmme) und ländliche Tribus. (rusucae) Zu den ersten gehörten diejenigen vier, welche nach den Ge- a) Bey dieser Verdoppelung behielt Tarqinn die alten Name» Vey, und nannte sie nur prim! et secun- Ui immenses, Primi et. Lceund! skütienssZ, primi et. Leeunüi Imeerss. K senden -er Stadt ihre Nahmen erhielten, nahmlich : Suburb a na oder S u c u s ana, Esquilin«, Col l a t ina, und Palatina. Diese blieben unverändert, und sie standen späterhin in einem viel geringeren Ansehen als die ländlichen; es ward sogar nach der Zeit für eine Schande gehalten, wenn man aus einer ländlichen in eine städtische verstossen ward. Die Landtribus enthielten die angesehensten Bürger, und ihre erste Anzahl sechs und zwanzig, ward nacbgehends bis auf fünf und dreyßig vermehret. Zu einer von diesen Tribus mußte sich nothwendig jeder römische Bürger zählen, und es ward nachgchends zur Gewohnheit, daß man den Nahmen seiner Tribus meistentheils seinem eigenen beyseHte. Bey Vertheilung der Bürger in eine dieser Tribussen hatte man noch nicht auf dem Vermö- genstand gesehen. Es befanden sich in jeder Reiche und Arme ohne Unterschied der Abgaben und persönlichen Dienstleistungen im Kriege; dafür genossen aber auch alle gleiche Macht und Rechte. Diese Gleichheit war oft drückend und gab vielmal Gelegenheit zu Unordnungen. Dem Armen siel es schwer wenn er eben so viel, als der Reiche, geben mußte; aber auch dem Reichen war es lästig, wenn er bey seiner besseren Einsicht von dem viel zahlreicheren Theile der Armen bey Wahlen oberkcitlicher Personen, bey Nerurthcilung der Verbrecher und andern wichtigen Handlungen überstimmet ward. Ser- vius ließ sich daher von einem jeden Hausvater eine gewissenhafte Eingabe seines Vermögenstandes mit Wohnung und Nahmen seiner Familie einreichen und setzte bey entdeckten Falle einer falschen Eingabe Verlust der Güter und Freyheit zur Strafe. Nach diesen Fatirungen theilte er den ganzen römischen Bürgerstand in sechs C l assen. In die ersten Classen setzte er die vermöglichstcn, welche freylich an der Zahl die wenigsten waren; aber ihres Vermögens halber größere Lasten tragen konnten; in der sechsten hingegen befanden sich die meisten, aber auch die ärmsten. Den ersten ihre größere Last wieder zu vergüten wies er ihnen mehr Macht und Ansehen an, und gab ihnen auch in den Wahlen und andern Handlungen und Beschlüssungen die meisten Stimmen. Zu diesem Ende wurden abcr- mal diese sechs Classen in Centurien zerschnitten. Man sah dabey abcrmal nicht auf die Anzahl -er Köpfe, sondern auf den Vermögenstand und die Dienste, welche man hiermit dem Staate leisten konnte. Die erste Classe ward zu acht und neunzig Centurien angenommen, die nachfolgenden, nach Verhältniß zu wenigem und die sechste zu einer einzigen, so daß der ganze Bürgerstand hundert drey und neunzig Centurien ausmachte, a) Jede derselben bestand aus zwey Hälften, in deren einer die s) Zu einer genauer» Übersicht dient folgende S ch atz u n g s L a b e l l e. Volks - L lassen Vcrmögensstand nach dem K. nach vstr. Münze i -1 7/8 kr. Ccu- turien Zuschlag dazu Summe Der Centu- cien Der Stimmen i.. il. m. v. VI. 7LOOO ZOllOo 2LOOV weniger als I 7 000 8 I2L si. 2Z4Z 3/4 1^62 1/2 78 l 1/3 343 3/4 80 Z» Aeiterey zu -8 Centurien 98 Handwerker, Schmiede Zimmerleute rc. — 1 Cent-j 21 Hornbläser, Pfeifer. 1 Centurie Hornbläser der Armee » Centurie Staatsdiener, Aufwärker. 1 Centurie Zi 98 Zi 1 Summa 193 HF (Zd) -KS allen Leute, das ist, die Mannschaft über fünf und vierzig Jahre; in der andern die noch jungem sich befanden. Die Vorteile, welche aus dieser weisen Volkscintheilung entsprangen, waren nicht gering» Der Kern der ganzen Nation lag in der ersten Elaste und es ward nicht nur die gesammte römische Ccwalierie, sondern auch ein großer Theil der Infanterie daraus erhoben; daher mag cs auch gekommen seyn, daß sie im Kriege mit dem größten Muthe fochten, weil sie mit der Sache des Staats zugleich für ihr Eigenthum fochten. Aus der letzten Classe sind selten und nur im äußersten Nothfalle Sol. daten geworben worden; weil man in Leute, die nichts, als ihr Leben zu verlieren hatten, kein so großes Zutrauen setzte. Nach dieser Ekntheilung hatte die erste Classe auch alles bey den Volksversammlungen in ihrer Gewalt. Die Comitia kamen nun nicht mehr nach ihren Curien zusammen, sondern nach den itzt eingeführten Centurien. Die Mehrheit ihrer Stimmen entschied fast immer, und selten ward die zweyte oder dritte zur Stimmung aufgefordert. Der sechsten Classe war es hiedurch unmöglich gemacht, Unordnungen zu erregen, oder aus Leidenschaft und hartnäckiger Meynung zu stimmen. Unterdessen ist oft nichts veränderlicher als der Vermögensstand, und es giebt Lausend Zufälle, die bis zur Bettelclasse erniedrigen, so wie auch andere sind, die zu Reichthümern cmporhel- fen; Servius verordnete deswegen, daß diese Schätzung (Oenrus) alle fünf Jahre von einer jedesmal dirigirenden Oberkeik sollte vorgenommen werden, wobey jeder Bürger eidlich und bey Strafe der Ruthenstreiche, der Confiscirung seines Vermögens und des Verkaufs zu einem Sklaven seinen ganzen Vermogensstand und sein Hauswesen angeben mußte. Waren bey einigen Bürgern in Anse, hung des Vermögens solche Veränderungen vorgefallen, die eine Übersetzung in eine andere Classe noth- wendig machten: so wurden sie auch ohne weiters nach dem Verhältnisse ihres Vermögens in eine andere auf-oder abwärts eingeschrieben. Endlich beschloß Servius diese für den Staat so wichtige Handlung mit einer Fe p erlich keit durch Opfer und religiöse Gebräuche.'Das ganze Volk versammelte sich auf dem nachmaligen Marsfelde s Hlnrtius, einer weiten Fläche zwischen der Stadt und der Tiber) und stellte sich nach seinen Centurien; dann ward der Göttin L u a ein Versöhnungsopfer, welches in einem Schweine, Schafe und Stiere bestand, dargebracht, und das ganze Volk feycrlich cingeweiht. Man hieß dieß Opfer von den dreyen geschlachteten Thieren Suovetaurilia, und die ganze Handlung gehörte unter die feyerlichcn Reinigungen; daher man sie auch Lustrum nannte. Von daher kam die Gewohnheit bey den Römern die Jahre nach den gehaltenen Lustrum als einer Zeit von fünf und fünf Jahren, zu bestimmen. Dieser König war der erste, welcher Geld prägen ließ. Es war aus Kupfer und wog ein dazumal übliches Pfund, oder ^.3. Man nannte es Pecuni a und auch Moneta; den er. sten Nahmen mochte es von dem ersten Gepräge, welches Servius darauf schlagen ließ, und welches ein Stück Vieh, (?ceus) meistens ein Schaf, war, hcrhaben; den andern gab man ihm von dem Tempel der Juno Moneta, bey welchem das Münzhaus stand. Der Nahmen N u m m u s, den wan auch dem Gelde gab,, war aus Großgriechenland nach Rom gekommen. Mit diesen rühmlichen und für die ganze Zukunft so wichtigen Einrichtungen verband Ser- "ls noch einen Entwurf, -er eines Thcils seine Liebe zum Frieden an Tag legte, andern Lheils dem römischen Staate eine beträchtliche Stütze und Dauer verschaffte. Er wußte, -aß sowohl die Sabi- K 2 ( 40 ) ner als Lateiner das Emporstekgen Roms mit eifersüchtigen Augen von jeher angesehen hakten; diese wünschte er mit Rom durch gesellige Bande zu verknüpfen und in den Vortheil seines Volkes zu locken. Er lud daher Abgeordnete von beyden Nationen nach Rom und schilderte ihnen die VortheSle einer solchen Verbindung so lebhaft, daß sie mit Freuden einwilligten. Um auch das Bündniß durch Religion heilig zu machen, schlug er einen Tempelbau vor, wo alle Verbündete zusammen kamen , der Gottheit ein Opfer brachten und alle Zwistigkeiten gütlich beylegen sollten. Damit auch das gemeine Volk einen Reiz zu diesen Zusammenkünften hätte, sollte eine Art von Jahrmarkt an die« sen Tagen gehalten werden, wo ein jeder sich mit manchen Maaren würde versehen können. Der aventknische Berg ward zum Tempelbau erwählet, und auf gemeinschaftliche Kosten der Göttin Diana zu Ehren errichtet. Die Punkte des Vertrags wurden mit griechischen Buchstaben in einen ehernen Pfeiler des Tempels ekngegraben, und noch zu Augusts Zeiten waren sie vorhanden. Nom ward hie. durch gleichsam zur Hauptstadt von ganz Latium erkläret, und man kann sicher von dieser Zeit den Anfang der römischen Größe rechnen; denn ohne Hülfe dieser Bundesgenossen würde Rom schwerlich das geworden seyn, was es wirklich ward Mitten unter diesen rühmlichen Beschäftigungen vergaß Servius nicht Rom zu verschönern und zu erweitern. Zur Stadt wurden die beyden Berge Esqui l i u u s und V i m ina l i s gezogen. Auf dem ersten ließ er sich selbst ein Haus bauen, den Einwohnern Lust zu machen, seinem Beyspiele zu folgen. Unter den Gottheiten war Fortuna besonders diejenige, welcher er unter mancherlcy Nahmen Tempel errichten ließ; denn er glanbte nichts fester, als daß er ein Kind des Glückes sey. Auch Sangus eine sabinische Gottheit erhielt ein Merkmaal seiner Ehrfurcht und der Dankbarkeit gegen Tanaquil, seine Wohltäterin; den Spinnrocken derselben hieng er in dm Tempel dieses GotteS zum ewigen Andenken auf. Tullla zwingt ihren Kutscher über die Leiche ihres Vaters zu fahren.' Kupf. Xc». XIII. ^-«-/crvius war nun schon unter der Menge so nützlicher und heilsamer Einrichtungen alt geworden, und hatte seinen Ruhm bcy der Nachwelt gegründet; aber in seinem eigenen Hause war ihm das Glück nicht so günstig. Er hatte zwey Töchter, die einander am Gcmürhe ganz ungleich waren. Lulli a die ältere war ein sanftes und sittsames Frauenzimmer und ihre jüngere Schwester in gleichem Grade heftig, wild, stolz. Beyde hatte er an die Söhne, oder wie man glaubt, an die Enkel des ältcrn Tarqulns, die eben so einander ungleich waren, verheyrathet. Der wilde und ungestüme Lucius hatte die sanfte Tullia, und ihre wilde Schwester den stillen und friedlichen Ar uns. Servius mochte vielleicht erwartet haben, daß Liebe in einer ehcligen Verbindung dir beyden heftigen Charaktere zu sanfteren Empfindungen umsiimmen würde: aber dießmal hatte seine Weisheit sich geftret. Die bcpdrn an Wildheit sich ähnlichen Semüther gewannen einander lieb, und GF ( 41 ) d waren auf Mittel bedacht die bcyden sanften Seelen sich aus dem Wege zu raumen. Gift wurde für das beste gehalten, und Lucius gab es seiner sanften Tullia, und der sanfte Aruns erhielt cs von Tullia der jungem. Nach dem Falle dieser unglücklichen Opfer war selbst der König ihr Vater der Gegenstand ihrer lasterhaften Absicht. Veyde wünschten den Thron und ihre Verbindung knüpfte sich fester durch den schrecklichen Vorsatz den Vater zu stürzen ; zuvor aber versuchte man durch eine förmliche Klage die Absetzung des Königs. Lucius warf ihm Verbrechen vor, daß er den Thron gcraubet, den Pöbel schütze, die Parricier und den Senat hasse. Man sah es ein, daß boshafte Tücke die Lüge ersonnen hatte; das Volk schützte seinen König und Lucius ward zur Aussöhnung Mit ihm genöthiget. Verstellung behielt noch einige Zeit die Larve; aber Haß gegen den König fand dadurch nur noch mehr Nahrung, und der Herrschsucht seiner nngerathencn Kinder war cs unerträglich, eine so gezwungene Rolle noch langer Zu spielen. Ihr wildes Feuer brach endlich in Helle Flammen aus, und ungescheut wagten sie die kühnsten Angriffe auf Krone und Reich und auf die Ruhe und das Leben des Königs. Eines Tages legte Lucius Tarquinius eigenmächtig und ohne Wissen des Körrigs den Purpur an, gab seinen Diener die Fasces und ließ sich mit gewöhnlicher Pracht in die C u r i a host i l i s führen. Hier bestieg er den Thron, und ließ die noch fehlenden Rathsglieder in die Versammlung laden. Je- Hermann glaubte, der alte König ftp tobt, und habe den Lucius zum Nachfolger ernannt; aber nun hielt der angemaßte Regent eine lange und beissende Rede auf den verdienten Servius, und wiederholte alle schon langst als unbillig anerkannte Vorwürfe. Hiezu kam Servius und im gerechten Eifer versuchte der schwache Alte den unverschämten'Rauber vom Throne zu reissen. Aber Targuin ergriff, wie rasend, den König, trug ihn vor die Lhüre des Saales und warf ihn die Staffeln hinab. Seine Parthey billigte die Handlung und die noch übrigen Senatoren hakten nicht Muth, der grausamen Anmaßung sich zu widersetzen. Indessen hakte der ruhmvolle Servius sich wieder aufgeholfen und ward durch einiger Wenigen Dienst nach Hause geschleppt. Hier war es wo die unnatürliche Tochter auf dem Markte erschien und ihrem an Wildheit und Stolz ganz ähnlichen Gemahlc, die ersten Glückwünsche brachte, und zugleich den schwarzen Rath einblies, des Todes ihres Vaters sich bestens zu versichern. Unverweilt fertigte Lucius einige ab, den noch übrigen Lebensrcst den König zu rauben. Da lag der alte ehrwürdige Vater, der durch Ruhm und Wohlthun grau gewordene König unbeweint auf öffentlicher Gasse. Furcht vor grausamer Begegnung hatte alle entfernt, und niemand getraute sich dm Unglücklichen in sein Haus zu bringen. Noch quoll Blut aus dm -Wunden, noch röchelte der Sterbende, als das Scheusal Tullia durch eben die Straße fuhr. Der Kutscher erschrickt beym Anblick des Leichnams, die Pferde stutzen und weigern sich weiter; nur die Tochter ergrimmt: „Fahre, schrie sie, es ist ja nur ein todter Korper!" und warf tobend den Fußschemmel nach ihrem Kutscher. Blut aus Wunden, das auch ihre Adern) freylrch unwerth, füllte, färbte die Räder des Wagens, und auch ihr Kleid wurde bespritzt. So endigte ein verdienstvoller König fem thatmrelches Leben, und fiel der Unnakürlichkeit seiner Tochter und ihres Gemahls, und der Herrschsucht und dem Stolze von beyden zum ungerechten Opfers Servius hatte vier und vierzig Jahre regieret und ein Alter von vier und siebmzig Jahren reichet. Geliebt von feinem Volke, geschätzt vom patricischen Orden und von Bundesgenossen ge- L tzS t 42) d" fürchtet machte er Rom durch feine friedfertige Regierung viel blühender und furchtbarer, als alle vorigen Kriege thaten. Gewiß hatte ein so großer König ein ruhigeres Ende verdient! Seine Gemahlin Tarquinia ließ ihn heimlich begraben, und sie selbst starb in der nehmlichen Nacht; war e- aus Gram oder auch durch ein Laster ihrer Kinder, kann niemand mit Gewißheit sagen. Die Straße, vormals Viens Eyprius genannt, ward für die ganze Zukunft gebranndmarkt und erhielt den Nahmen S c e l eratu s. Lucius Tarquinius Superbus. (Erb. R. 2 20 , vor Chr. Geb. sZ 4 .) Lucius T arg u inin s bestieg also den römischen Thron ohne ein vorhergehendes Interregnum, ohne Wahl, ohne Bestätigung des Senates, sondern durch Anmassung und Eigenmacht und mildem Blute feines Schwiegervaters und Königs besudelt und als Mörder seines Bruders und seiner Gemahlin. So viele Gewaltthatigkeiten ließen eine sehr eigenmächtige Regierung erwarten, und Tarquin verweilte nicht lange die Erwartung zu erfüllen, und durch ähnliche Handlungen eines wilden Charakters seine Herrschaft zu befestigen. Die Vornehmen, besonders die wohlhabend waren, und bey seiner Thronbesteigung ein Mißvergnügen geäußert hatten, traf feine Wildheit zuerst. Unter diesen war seiner Schwester Mann Marcus Junius und dessen Sohn Lucius Junius, deren Güter ihm schon lange lüstern gemacht halten , und zu deren Besitz er sich durch deren Ermordung den Weg bahnte. Des Markus zweyter Sohn würde ein ähnliches Schicksal gehabt haben, hätte er sich nicht wahnsinnig gestellt, und am Hofe des Königs zum Scherze gedient; daher gab man ihm auch den Nahmen Brutus. Solche Auftritte erweckten allgemeines Schrecken, nnd ein großer Theil des pa- tricifchen Adels rettete sich durch die Flucht. Der ärmere Thei! des Volks freute sich über den Druck des Adels ; aber bald trug auch jener die Last der Eigenmacht. Nicht mehr war der König bemüht feine Vorschläge durch die weifen Berathfchlagungen des Senates prüfen zu lassen, nicht mehr wurde das Volk befragt und zu Entschlüssen berufen. Tarquin hob alle Gesetze auf, die ihn nur immer einfchrankten und seine Macht begränzten. Er merkte cs wohl, daß fein Betragen zu üblen Folgen führe und daß Unterstützung und Schutz ihm nothwendig würden; deswegen errichtete er zum Schutze seiner Person eine ansehnliche Wache aus lauter Ausländern, die niemals von feiner Seite wichen, und mit den Lateinern ein Bündniß, zu welchem der Lateiner Octavius Mamilius das Meiste beytrug. Durch feine Vermittelung traten sieben nnd vierzig Städte, unter denen auch hernicifche und volfkifche waren in die Verbindung, und sie war diejenige, welcher Rom nach der Zeit die meisten Eroberungen und fein WachSthum ze? danken hatte. Tarquin belohnte den MamiliuS mit der Hand seiner Tochter und erbaute bey den Trümmern von Alba dem Jupiter LaticUis einen Tempel, wobei) nach tzc* (42) -KF seiner Verordnung jährliche Versammlungen der verbundenen Städte gehalten werde« sollten. Man hieß sie Feriä la Lin a und sie wurden jedesmal den sieben und zwanzigsten April gefeyert. Zu einem ähnlichen Bündnisse suchte er auch die noch übrigen Volsker und unbezwungcnen Sabiner zu bewegen; aber sie verwarfen seine Anträge, und Larquin hielt es für eine hinlängliche Ursache sie mit Krieg zu überziehen. Die Ersten verloren Suessa Pometia, ihre reichste und mächtigste Stadt; Tarquin ließ sie plündern und behielt für sich den zehnten Theil der Beute. Die Letzten hingegen wurden in einigen Treffen geschlagen und zu jährlichen Zinsen gezwungen. Die bey Suessa erbeuteten Schätze waren sogroß, daß alle unvollendeten Gebäude seiner Vorgänger, besonders die großen Cloaken und der Capitolinische Tempel völlig konnten ausgebauet werden; nur mußten die armen Bürger beschwerliche Arbeiten dabey verrichten. Nach diesen Siegen kehrte er seine Waffen gen Gabi i, derjenigen lateinische« Stadt, welche die entflohenen Senatoren und andere Vornehme Roms ausgenommen halte. Aber er fand hier zu tapfer» Widerstand, als daß er viel ausgerichtet hatte Deswegen übernahm es sein ältester Sohn S ex tu s durch Verratherey das zu bewirken, was die Waffen des Vaters nicht vormochten. Er schlich sich nach Gabii hin und klagte über ungerechte Verfolgung seines Vaters, welcher er nur durch die Flucht mit Mühe entgangen wäre. Er wünschte, daß Römer waren, welche einen Aufstand wider ihn erregten, und so viele Gewaltthätigkeiten endlich zu rachen unternähmen. Die Rolle ward gut gespielt, und die Gabier mit allen dahin geflüchteten Römern ließen sich bethören. Mit Freuden glaubte man den Rächer zu finden, wenn -er verfolgte Sohn wider den Vater loszöge, und ohne ein Mißtrauen zu äußern, übergab man dem trüglichen Sohne den Oberbefehl. SeMS berichtete den glücklichen Fortgang seines Truges dem Vater, und wollte sein ferners Verhalten ^wis- sen. Tarquinius führte den Bothen in Garten und statt einer Antwort schlug er alle emporragende Mohnköpfe ab. Sextus verstand daS Räthsel des Vaters, und ließ alle Vornehme von Gabii hinrichten. So überwand Verrätherey und spielte die Stadt dem Vater in die Hände. Eine besondere Begebenheit wird um diese Zeit von römischen Geschichtschreibern erzählet. Sie braucht viel Glauben, den der Römer jederzeit hatte, und — ihrem Wesen nach— gehöret sie unter die vielen, aus welchen der römische Staat von jeher den größten Nutzen zu schöpfen wußte. Ein altes unbekanntes Weib, erzählen sie, kam zum König mit neun Büchern u) zum Verkauf, und begehrte dafür eine große Summe Geldes. Der König wies sie ab, und sie verbrannte drey davon. Sie kam wieder und begehrte eben fo viel für die noch übrigen sechs; aber auch dießmal ward sie weggeschickt, und sie verbrannte abermal drey. Nun kam sic zum dritten Male mit den letzten dreyen, und begehrte eben die Summe. Der König fand endlich das Betragen der Frau und die ganze Sache sehr sonderbar und zahlte ihr die verlangte Summe. Die Frau gieng davon und man hat sie nie mehr gesehen. L 2 ») Pliruiis i.ib. XIII. e. iz. giebt et als eine ausgemachte Sache an, baß diese Sibylle dem Tarquin nur drcy Bücher zum Kaufe angebote» habe; deren zwey sie selbst verbrannte; sdaS dritte aber ging unter dem Sulla bey der Einäscherung des Capitoliums verloren. Diesrn Verlust zu ersetzen hat man alsdenn in verschiedene Gegenden Priester ausgeschickt die zerstreuten sibyllini- schrn Verse aufzusuchen; und dirft sind cs, deren sich Nom nach der Zeit bedienet hat. tz» c 44) 4 i»i Dieß sind die berühmten sibyllinischen Bücher, welche die Römer'der Sibylle von Cumä zueigneten, und die im ganzen römischen Staate im allgemeinen Glauben standen, daß sie verschiedene Geheimnisse, und besonders das Schicksal Roms enthielten. Targuin setzte zur Aufbewahrung und Erklärung derselben zwey Priester, ( Ouurnviri Lncris fncinnäis). Ihre Anzahl wuchs nachgehends auf zehn und Sulla vermehrte sie bis auf fünfzehn. Die Bücher selbst wurden in einer eigenen Cella des kapitolinischen Tempels aufbewahret, und nur auf Befehl des Senats nachgeschlagen. (Lid/IImos aäire) In den Händen solcher Männer konnten sie auch für das gemeine Volk nichts anders, als Geheimnisse und Minke der Götter für die Zukunft enthalten deren Auslegung jedes Mal so aussallen mußte, wie sie der gegenwärtige Vortheil des Staates er, forderte. Sie waren für Rom ein fortdauerndes Orakel, wie das Delphische für die Griechen. Um diese Zeit trug man auch die Fabel herum, welche zur Benennung des Capitvliums die Veranlassung gewesen scyn sollte. Man gab vor, cs sey bey dem Erundgrabeu des Tempels ein Menschenkopf, noch so frisch, als wenn man ihn vor kurzen abgenommen hätte, gesunden worden. Man fragte die Augurn, und diese erklärten, es sey eine deutliche Anzeige, Rom würde das Haupt von ganz Italien werden; und von dieser Zeit habe mau also gleich angefangen den Hügel Tarpejus mit dem darauf erbauten Tempel das Lapitolimn zu heißen. Mag es immer eine Erdichtung scyn, so diente es doch dazu den Geist des Römers empvrzuheben, und mit einer Art Enthusiasmus zu erfüllen, daß er sich zu einer jeden Unternehmung gewachsen zu seyn glaubte. Daher floß die feste Überzeugung, daß er von den Göttern zur Oberherrschaft bestimmt wäre und diese hauchte ihm den Muth ein, daß er m die gefährlichsten Schlachten, wie zu gewissen Siegen, hinging. Bey einem solchen Charakter des Volkes brauchte es uur immer Männer, welche das lodernde Feuer noch mehr anzufachcn und auf einen gewissen Punkt hinzulenken verstanden; und die Zeit ist wirklich da, daß die ganze Nazion durch eine einzige niedrige Handlung eines targuinischcn Prinzen sich beschimpft zu seyn glaubte, und an den sonst wahnsinnig geglaubten Lucius Junius Brutus den Mann fand, der sie durch seinen Enthusiasmus begeisterte, und seinen Privathaß gegen das ganze tarquinische Haus zu einer allgemeinen Volkssache zu machen wußte. Tod der Römerin Lucreüa. Kupf. No. XIV. -König Tarquiv war mit den Rutulern in einen Krieg verwickelt, und lag dazumal vor Ardea, dem haltbarsten Orte dieses Volkes» Tapferer Widerstand, den er bey seinen Angriffen erfuhr, hatte ihn vermocht eine Belagerung vorzunehnren. Hier geschah es, daß die b e y d en Sö h n e Tarquins und ihr VctNl CoIIatinus sich einst mit'einem Gespräche von ihren Gemahlinnen unterhielten. Jeder rühm- N cle Vorzüge und die guten Eigenschaltender feinigen, und bemühte sich ihr einen Vorzug vor den ' -' ^ ^ ^ l ^ HS ( 45 ) HS übrigen beyden einzuräumen. Die Liebe führte das Wort und hatte sie sehnsüchtig gemacht; deswegen verglichen sie sich dahin, cs würde zum Lobe einer jeden am besten seyn, dieselben einst bey ihren häuslichen Geschäften zu überraschen. Der bestimmte Tag kam heran, und die Gemahlinen der Prinzen fand man noch spat in die Nacht bey einem Gastmahle; Collatins Gemahlin hingegen saß noch um eben die Zeit mit ihren Mägden beym Spinnen und Weben — eine auch Damen dazumal übliche Hand- grbeit._ Diese war es, die man mit Lobsprüchen überhäufte, und der man den Vorzug gab, welchen sie vor den übrigen beyden verdiente. Es gehörte dazumal noch zur Sitte des alten Römers seine Töchter zu guten und arbeitsamen Hausmüttern zu erziehen, und erst spät hat ihn Reichthum und Weichlichkeit davon abgebracht. Mit dieser Überzeugung war man wieder ins Lager zuruckgekehret; aber in dem altern Sohne Tarquins hatte unreines Feuer das Herz entzündet. Das Sanfte, das Holde, das Annehmliche einer Lucretia war so lies in ihn gedrungen, daß er es für unerträglich fand, ihren Umgang länger zu entbehren. Gleich den andern Tag verließ SeLtus ohne Wissen der Andern das Lager und begab sich graden Wegs nach Collatins Hause hin. Unschuldige Sittsamkeit argwöhnet nichts Übels: Luerctia empfieng ihn mit aller ihr cigenthümlichen Höflichkeit; aber der Wollüstling hatte geflissentlich seine Unterredung so weit verspätet, daß ihm Lucretia ein Schlafzimmer in ihrem Hause bereiten mußte» Nichts lag ihm näher, als Befriedigung seines niedrigen Wunsches und, was ihn nur immer naher führen konnte, blieb nicht unversucht. Geld bahnte ihm den Weg zum Schlafgcmach . aber keinen sah er offen zum keuschen Herzen der Dame. Hier stand der Verführer eheliger Treue mit gezuckten Schwerte vor ihr und drohte augenblickliche Durchbohrung, wenn sie nur ein lautes Wort zu ihrer Rettung riefe. Bitten, Schmeicheln, Versprechen und was nur immer ein von dieser Brunst entflammtes Herz zu seinen Gunsten unternimmt, wurde an die standhafte Dame verschwendet; aber nichts erschütterte ihre Treue; sogar der avgedrohte Tod nicht: „denn für diese Mohlthat, sagte sie, würde sie ihm noch danken, wenn er sie, durch einen Stoß von seinem Schwerte, von Untreu und Schande befreyte.^ Nun war doch wohl nichts mehr übrig, ihre Treue wankend zu machen ; aber was Liebe zum Leben nicht that, das vermochte zartes Gefühl der Römerin von Ehre. Der Bösewicht drohte erstlich sie, dann einen Sklaven an ihrer Seite zu morden und sich als den Rächer verletzter eheligen Treue bey der Nachwelt glücklich zu preisen. Diese Zumuthung war zu schimpflich, und die Dauer der Schande konnte aus Mangel eines Zeugen nicht vernichtet werden; die keuscheDame unterlag dem Zwange. Die Entehrung war vollbracht, und Lucretia fühlte nun tief im Innern ihre Erniedrigung zur Schande. Viel zu schwach die angethane Beschämung langer zu tragen, und die schmerzenden Vorwürfe ihres Herzens ferner zu dulden, beschloß sie ihr Leiden mit dem Leben zu enden. Gleich den andern Tag begab sie sich nach Rom in Lucretius, ihres Vaters, Haus, und bath auch eben dahin ihren Gemahl und andere Anverwandte und Freunde. Die Zusammenkunft war zahlreich und jeder war gespannt aufdie wichtige Entdeckung, die Lucretia vorgegeben hatte. Unter den Anwesenden war besonders PubliusValerius, nachmals Pop l i col a, undLuciusJunius mit dem Beynahmen B r u- tus, der noch immer wahnsinnig geglaubet ward. Voll Beschämung und unter einen heißen Thränenstrome erzählte die gekränkte Dame ihre E nt eh rung durch Sex t u s den Prinzen des Königs, und Macht des M HS ( 46) HS trmiigsien Schmerzens hemmte oft das Wort. Doch wußten nun alle die niedrige That, und Lurre- tia weilte nicht langer, ihren Vater, ihren Gemahl, ihre Befreundte noch einmal zu umarmen, Zog unter dem Kleide einen verborgenen Dolch, und fiel durchbohrt dem Tode in die Arme. Entsetzen malte sich auf allen Gesichtern, und Verachtung und Rache empörte ihr Herz. Junius Brutus, der W a h n sin n i g geglaubte, war der erste, der sich erholte und durch sein ausserordent. liches Benehmen alle andern ermannte. Hastig zog erden Dolch aus dem entseelten Körper, und schwur „bey diesem Blute Verderben dem ganzen tarquinkschen Hause/' Alle begeisterte dieser Schwur, und einer reichte dem andern den blutigen Dolch zu einem ähnlichen Schwure. Noch erklärte Br», tus sein Wahnsinn sey bisher Verstellung gewesen, zu der ihm nur die Klugheit gerathen, hätte er das Schicksal seines Vaters und Bruders vermeiden wollen. Man breitete nun die traurige Scene i'lberall aus, und gab Lucretiens Leichnam dem Volke zur Schau. Eine feurige Rede goß in alle Begeisterung, und jeder Römer nahm Antheil an der Beschimpfung. Dieser ganze Vorgang war anfänglich nichts anders, als das Werk eines Privathasses, -er in dem beleidigten Brutus tief eingewurzelt und nun im Hause des Lucretius aufs neue ausgereizet ward. Aber wie leicht ist es unter einem trotzigen, unternehmenden und so reizbaren Volke, wie die Römer waren, Lheilnehmer zu finden, besonders wenn man die blutige Veranlassung ihm vor die Augen hinstellt und durch hinreissende Worte die Privatbeleidigung zu einer gemeinsamen Sache zu machen weiß! Im ersten Feuer beschloß man Rache und ließ kein Weilen zu, dieselbe alsobald zu voll. Ziehen. Durch einen Senatschluß wurden die Tarquinier sämmtlich von der Regierung ausgeschlossen, und statt einer einzigen regierenden Person, sollten künftig zwey zu einer gleichen Macht ge. wählet werden. Targuin lag noch vor Ardea, als sein Unglück in Rom beschlossen war. Gleich nach der ersten Nachricht begab er sich dahin, ward aber nicht eingelassen. (Erb. R. 244. vor Chr. Geb. §lo) Unterdessen hatten auch die Armeen Nachricht erhalten und mit den übrigen Bürgern Theil genommen; bey der Rückkehr Tarquins ins Lager, wiederfuhr ihm ein ähnliches Schicksal, und er war gezwungen anderwärts Aufnahme zu suchen. Er nahm daher Gemahlin und Kinder, und begab sich nach Targuinli in Hetrurien. Rom unter den Consuln. (Ein Zeitraum von 461 Jahren) Wahl der ersten Consuln. (Erb. R. 245, vor Chr. Geb. L09.) Mom hatte nun seinem Regenten entsagt, und alle seine Nachkömmlinge von der Regierung ausgeschlossen. Ohne Oberhaupt konnte es nicht ftyu, wenn es nicht in eine Anarchie ausarlerr HS l 47 ) ^ svllre; der Senat kam also überein, die Regierung unterdessen dem Lucretius, als Inter- rex anfzutragen, bis man wegen Festsetzung einer neuen Regier u ng s so r m einen Entlchluß abgefaßt haben wurde. Bey diesem ganzen Geschäfte bewies niemand sich thatiger, alv Junius Brutus und hatte bereits einen Man entworfen, wie.man künftighin den Staat regieren wolle. Das merkwürdige Gesetz, welches in dieser Sache gegeben ward, hat uns Cicero a) anfbehalten: „Zwey Könige sollten künftighin die Regierung führen, und diese würde man wegen Anführung der Armee, wegen Rechtsprechen und Rathgeben, Anführer, (?rnewre5) Richter, (isuäices) und Rathgeber, ( corwules) heißen. Im Kriege sollten sie die höchste Gewalt haben, niemanden gehorchen, und die Wohlfahrt des Volkes für ihr erstes Gesetz anfehn." Auch sollte ihr Amt nicht langer als ein Jahr fortwahren. Ihr gewöhnlicher Antts- nahrncn würde das Wort Consul, sepn: weil man von ihrer Weisheit die besten Rathschlage erwarte. Nach diesen Verordnungen hatte man nichts weiter zu thun, als zur Wahl der neuen Ober- keiten zu schreiten. Der Jnterrex versammelt auf dem Marsfelde das römische Volk, und die Centurien wählten zu dieser neuen Würde eben den Luc. Junius Brutus, den Urheber dieser Veränderung, und den S p. C o l l a t in u s T r i c i p t i i nu s, den Gemahl der Lucretia. Beyde übernahmen die ihnen anvertraute Gewalt, und herrschten in allem, wie vormals die Könige, nur nicht mehr unter diesem Titel. Man hatte bey Einführung dieser Regierungsform, —^ wenigstens war es im Plan des Brutus -— die Absicht eine republicanische Regierung anzunehmen, aber eine solche hat noch niemals bey einem Volke in ihrer wahren Reinheit existiret. So viel auch Brutus den Römern, und nach ihm alle Urheber und Verlheidkger dieser Regierungsform den Völkern vor. träumen, so bleibt sie immer nur eine blos abstrakte Idee, die aber niemand völlig realisiren wird. Die Geschichte des ganzen Menschengeschlechts hat Beweise für diese Wahrheit und es hat noch nieman- den gegeben, welcher das Unmögliche zur Wirklichkeit gebracht hätte. In den meisten Republiken sind cs immer nur Factionen, die regieren, und eine stürzt jederzeit die andere, bis zur Herstellung der Ruhe ein Einzi g er am Ruder sieht. ,,Macht und Weisheit, wie Cicero aus dem Plato sagt, müssen in einer Person vereiniget seyn, wenn die Staaten glücklich regieret werden sollen." Bey Gelegenheit dieser neuen Magistrakenwahl erhielt Rom zugleich ein neues P riestek- thum. Die Könige hakten jährlich gewisse Opfer zu verrichten; diese wollte die Religiosität deS Römers keines Weges aufheben, sondern wegen des vielen von den vorigen Königen erhaltenen Guten alljährlich fortdauern lassen. Man wählte daher aus einem patricischen Hause eine ehrwürdige Person zu Bestellung dieser Opfer und gab ihr den Nahmen Rex Sacrorum (Opferkönig.) Bey wirklicher Verrichtung derselben dienten ihm die Salier und die salinarischen Jungfrauen; übrigens war er dem Pontifex Maximus untergeordnet und gehörte mit Sitz und Stimme in das Collegium Pontificum; war aber sonst von allen andern Verwaltungen ausgeschlossen. a) Cie. cke C. C,. III. Ue§68 iinxrerlo äno 8UMÜ, iicxuc^ prnseunclo, juäicnnöo et consulen- ckc», x>raelore8, juclices , eci 25 ule .8 Mlitine 5ummum jus ündenlo. mini parento. I1ii8 snlu8 xovuli 8urnmL lex e;to. HS (48) HS' Der Consul Fmüus Brutus halt Blutgericht vor dem versammelten Volke über seine zwey Söhne. Kupf. Xo. XV. Tarquinier ertrugen eine so schwere Beleidigung nicht so gleichgültig. Sie wußten, daß sie in Rom einen immer noch großen Anhang im Senate und besonders unter den jungen Leuten der patri- cischen Hauser hatten, und daß es ihnen doch noch durch Hülfe ihrer Parthey möglich werden könnte, zum Besitze Roms wieder zu gelangen; daher ließen sie kein Mittel unversucht sich der Treue ihrer Anhänger zu versichern und durch große Verheißungen zur Dienstleistung aufzufordern. Zu diesem Ende schickten sie einige Hetrurier, als Abgesandte nach Rom, welche die Zurückgabe einiger tarquini. scheu Guter fordern, in der That aber ihre Parlhey zu einer dem neuen Staate gefährlichen Verbindung bringen sollten. Die Abgesandten hatten Gewandtheit und Geschicklichkeit gnug noch viele andere von patricischen Adel eknzuflechten, unter welchen sogar auch die beyden Söhne des Consul Brutus, Titus und Tiber ius, und ihre nahen Anverwandten die beyden Vite Ilie r, mit des Andern Consul Cvllatinus Anverwandten, den beyden Aqu i l i e rn waren. Diese Verbindung hatte einen so gewünschten Fortgang, daß man nur noch nothwendkg fand, den Tag fest zusetzen, wenn man die beyden Consuln stürzen und die Stadt an die Tarquiner übergeben wolle. Zum Glücke für die neue Regierung wußte Vindez-, ein Sklav der Aquilker schon so viel davon, daß eres, m Hoffnung großer Vortheile, entdecken konnte. Er begab sich daher zu dem Pub l. Valerius hin, der in großen Ansehen stand und offenbarte ihn alles was er wußte. Valerius geboth ihm unterdessen strenges Stillschweigen und erkundigte sich noch genauer um die Zeit und den Ort der Zusammenkunft. Nun überfiel er sie in dem Hause de? Aquilier, wo die Gesandten eingekehrt waren, bemächtigte sich ihrer Briefschaften, die man diesen an die Tarquinier mitgegeben hatte und führte alle Verbündete, die man dort antraf, gefangen fort. Den andern Tag früh ließen die Consuln das Volk zu den ComitienZusammenkommen, und nahmen die erste und wichtige Gerichtshandlung vor. Beyde Consuln saßen auf ihrer S e l l a curulis und Valerius führte den Angeber und die Beklagten vor. Die Anklage ward noch einmal mit gewöhnlicher Feyerlichkeit vor dem Volke wiederholt und durch die eigenen Handschriften der Verbrecher bewiesen» Brutus, der strenge Richter fragte seknebeyden Söhne: „Nun Titus und Tiberkus, was habt ihr zu eurer Vertheidigung vorzubringen?" — Thranen, stromweise vcrgoßen, nnd ein banges Schluchzen waren die Antwort. Brutus hob sich hierauf mit tiefen Ernst von seinem curulischen Stuhl und sprach unerschnttert das Urcheil des Todes: „Ich übergebe sie euch, Lictores, sagte er, vollste ecke t an ihnen die Vorschrift der Ge- se tz e!^ — Schrecken durchfuhr Aller Glieder und Mitleid malte sich in jedermanns Blick. Collatinus weinte, und Valerius selbst wurde betrübt. Im Senate hörte man von Verweisnng sich zustüstern, " ^ ^ / - ''.- '- ^ - - 6^ v ) ^Er / ) L>/)^ (->>) / . /E ' ^ /E' ^r?E ÄFM- HS (49 - d- llnd die Volksversammlung rüste ausdrücklich Gnade zu: ,,W i r geben sie dem Vaterlande wieder! Wir geben sie ihrer Familie zurück!" Die Unglücklichen baten, und versuchten alles, das Herz des Vaters zu rühren; aber Brutus blieb unbeweglich, und ertrug mit dem Mukhe des Mannes die Strafe seiner unglücklichen Söhne. Tief fühlte er die Streiche, welche die Lickores schlugen, und sein Herz brach vollends als er die Köpfe fallen sah. a) Die traurige Scene war vollendet und innigst betrübt stieg Brutus vom Richterstuhle hinab. Ohnmächtig langer beym Blute seiner Söhne zu weilen verließ er die Versammlung und übergab die übrigen Mitverbündeten dem Urtheile feines Zimtsgenossen. C 0 l l a t in u s war weicher, als Brutus. Gleich anfänglich erlaubte er seinen Neffen Aufschub zur Vertheidigung, unh befahl sogar die Auslieferung des Sklaven Binder an seine Herren. Allein dieses Verfahre» erregte nach einem so traurigen Beyspielc gesetzmäßiger Strenge widrige Gefühle beym Volke. Valerius nahm Vinder,den Angeber, in Schutz, und das gesummte Volk rufte den Brutus in die Versammlung zurück. Brutus erschien^ und erklärte der Versammlung: sein strenges Verfahren gegen seine Kinder sey Klos eine Handlung der ihm und allen Vätern zukommenden Macht gewesen; bey ihr stünde es nun, ob sie durch ein Beyspie! der Gerechtigkeit dieselbe guthsißen, oder durch ihre Gelindigkeit mißbilligen wollte. Die Curien traten zusammen, und sprachen allen Mitschuldigen das Leben ab. Binder erhielt zur Belohnung das Recht der römischen Bmger und ein Geschenk von füaf und zwanzig tausend Asses (unsers Geldes 781 1/4 fl.) aus dem allgemeinen Schatze. Den tarquinischen Gesandten ward ein Heyer Abzug erlaubt'; die Güter der Tarqumier wurden eknge- zogen und verwüstet; der königliche Pallast niedergerisscn und das Getreide von ihren Fel. dcrn in die Tiber geworfen. Len verwüsteten Platz heiligte man dem Gotte Mars, und gab ihn dev römischen Jugend zur Übung in Waffen. Von daher hieß er nachgehends, das Marsfeld (Lum- xus lVinrtius. ) Obschonman aufden Collatin, als einen Schwesterkind des unglücklichen Königs, keinen Verdacht warf; so hielt man ihn doch zu schwach das Consulat bey dermali'gen Umständen länger zu verwalten, und Brutus bestand eifrig daraus ihm die zu schwere Bürde abzuuehmen. Die Absetzung wäre auch gewiß erfolget, wenn nicht Luererius ihm die Abdankung eingerakhen hätte. Collatin legte also sein Amt nieder und Brutus brachte ihm deswegen ein Geschenk von zwanzig Talenten aus der Staats» kassa zuwcgen und legte noch selbst fünf aus seinem Vermögen bey, um nicht den Schein zu haben^ als ob Privathaß ihn so zu handeln zwänge. Collatin nahm sein Vermögen zusammen und begab sich nach Lav in ium, wo er, ebenso gut, als von Rom verbannt, seine übrigen Lebenstage zubrachte. An seine Stelle kam P u b l.. V al er ius, eilt Mann von. durchgreifendem. Charakter und vieler Beredsamkeit.. Unter der Leitung zweyer Männer, wie die jetzigen Consuln waren, erwartete niemand eine Aussöhnung mit dem verflossenen targuinischen Hause;> vielmehr bemühte man sich sie unmöglicher zw s) Die Lictoe es (Gerichtsdirncr) gehörten zwar eigentlich nur zum Staate der höheren Magistrw. ten; es war aber doch auch ihr Amt fr e y gebar»en Bürger» auf Befehl der OberkeiL die. Todesstrafe anzuthun.. N d c Fs > HA wachen, und jedermann die noch übrige Hoffnung zu nehmen. Man wußte , daß noch viele in Rom dem Tarquin anhiengen und mancher ansehnliche Bürger nach der Entdeckung der geheimen Verbindung aus der Stadt geflohen war: der unglückliche König konnte auf sie, als auf eine Stütze, rechnen; aber die Politik der Consuln vernichtete alles mit einem Male, indem sie eine allgemeine Amnestie verordneten, und jedermann, er mochte an der Verbindung einen Antheil gehabt haben, oder sonst den Tarquiniern ergeben gewesen sepn, erlaubten ohne Furcht einer Bestrafung innerhalb zwanzig Tagen zurückzukchren und seine vorigen Rechte wieder einzunehmen. Eine Menge fähiger und nütz« lichcr Unterthanen kehrte wieder nach Rom zurück und verließ die tarquinische Sache. Man war nun bedacht den Abgang derjenigen Ralhsglieder, die nocp unter Tarquins Re« gicrung ihren Untergang gefunden Hütten, durch taugliche Personen zu ergänzen. Unterden Plebejern kannte man viele ansehnliche und verdiente Mitbürger, die sich zum Besten des Staates in den vorigen Kriegen unter der Rcitercy halten brauchen lassen: zur Belohnung ihres Verdienstes wurden viele derselben unter die Senatoren ausgenommen und viele andere zum Range der Patricier erhoben. Die bcy diesem Vorgänge in die Liste der dreyhundcrt Senatoren waren eingeschrieben worden, hieß man zum Unterschiede der altern: Patres Consc r i p t i; eine Ehrenbenennung, die alsdann allen Senatoren eigen blieb. Unterdessen war Tarquin zu Tarquinii nicht ruhig geblieben; er hakte die Einwohner dieser Stadt, und die von Vezi dahin vermocht, daß sie mit einem Heere seine Sache unterstützten. Rom war nicht unvorbereitet , und die beydcn Consuln rückten ihren Gegnern entgegen. Hier erblickten einander A r uns, ein Sohn Tarquins, und B r u t u s, der Consul: „D i e s i st der Mann, rief d-er königliche Prinz, d c r uns aus dem V a t e r l and e vertreibt. W i e e r so herrlich m i t unsern Kleinodien e inh e r t r i t t l „Bepde spornten ihr Pferd einander entgegen und sanken von ihren Spießen durchbohrt zu Boden. So starb Brutus, der Todsfeind des tarquinischen Hauses, der Stifter des neuen Staates und der erste Consul in Rom. Sein Amtsgenosse erföchte den Sieg und nahm die Leiche seines Collegen mit sich. Herrlich war die Beerdigung, und die römischen Frauen trugen ein ganzes Jahr für ihn, als den Retter der weiblichen Ehre, die tiefste Trauer. Man wählte statt seiner Lucreticns Vater, den Spur.. Lucretius;'. aber er starb und Valerius blieb abermal Consul allein. Valerius misbrauchte die Alleinherrschaft nicht. Er verwendete sie dazu, daß er manches verordnete und vorschlug, von dem sich der Nutzen in späte Zeiten ausbreitetc. Das Volk gleich anfänglich von seinen guten Gesinnungen zu überzeugen, befahl er die Beile aus den Fasten herauszunchmcn, und selbst diese in den Volksversammlungen niederzufenken. (sridmittere ) Diese Bescheidenheit gefiel dem Volke ungemein, daß cs ihm den Ehrennahmen koplicola (Vvlksfteund ) bey» legte. Auch war er der Urheber jenes merkwürdigen Gesetzes, welches einen jeden Bürger die Er« laubniß gab, sich von den Entscheidungen der Consuln und des Senates auf den Ausspruch des Volkes zu berufen. Ein Gesetz, so gut es auch an sich selbsten war, und dem , durch eine überstimmende Faclion , Gedrückten Rettung versprach, so ist es doch in den Händen der nachmahligen Volkstribuittir sehr mißbrauchet worden. Ferner wies er den Tempel des Sakurnus zur Aufbewahrung der Staals- geldcr an und übergab die Verwaltung derselben zweyen Senatoren, welche alsdann die Qu ä st oreS ' 1 / » »s es») d uriani waren, und di- noch i« ihre Verwahrung das Staatsarchiv und d!- Kriegsfahn-n ,'tberk». men. Man zählte st- nachgchends unter die Magistrat us m! u ores und ließ st- vom Volke sack den Tribus wählen. , Alles das konnte dennoch nicht daS, auf die Alleinherrschaft so eiftrsichl,g gemachte, Volk von allem Verdachte auf seine Person reinigen. Er hatte ein Haus , welches m einer so günstigen Lage stand, daß er den größten Lheil des Forum übersehen konnte; dem Volke mißfiel dieß, und m einer Nacht ließ er es niederreißen, und erwarb sich neuerdings die Gunst des Volks. Das erste Jahr der c o n su l a r i sch en R e g i e r un g ging nun zu Ende, und noch vor Verlauf desselben schloß Rom das e rst e B ü nd n i ß mit Karthago der Schiffahrt und Handelschast wegen. Die Punkte des geschlossenen Vertrags waren noch zu des Polybius Zeiten auf dem Fußgestelle emer Säule ln allrömischer Sprache cingegraben, und sie beweisen schon jetzt den Hang zur Vergrößerung bey dem einen, und die Eifersucht beym andern Staate. Für das künftige Jahr (Erb. R. 246. Chr. Geb. LvF.) ward Valerius Pop lies l a in seiner Würde gelassen und erhielt zu seinem Amts- gehttlfcn den Bruder der entehrten Lucretia, den L u c r e t i u s T r i c i p i t i n u s. Die neuen Con- suln nahmen den Census vor, und fanden hundert dreysig tausend waffenfähige Bürger. VMhcidiZirris der Pfahlbrücke dmch den Horaüus Cocles und noch zwey andere Römer. Kupf. No. XVI. 8§aler rus PopNeo la war nun schon zum dritten Male Consul, und hatte für dießma! den M. Horatius PulviNus zum Amtsgenosscn (Erb. R. 247 vor Chr. Geb. L07.) Ihr Rcgierungsjahr ward merkwürdig durch einen schweren Krieg und durch die bezeugte Tapferkeit einiger jungen Römer, welchen Rom feine Erhaltung zu verdanken hatte. Porsenna König von Clusi- u m hatte sich endlich durch die dringenden Vorstellungen der Tarquinier bewegen lassen, sich ihrer Sache anzunehmen, und war mit einem mächtigen Heere wider Rom angerückt. Die Römer erschracken nicht wenig und sicherten in Geschwindigkeit, so gut sie konnten, die Theile der Stadt, welche die Tiber nicht schützet. Auch hatte Furcht viele vom Lande in die Stadt getrieben, und der Senat fand nothweudig alle Vorsicht zu brauchen und Mittel anzuwcnden, leicht zu entstehenden Übeln vorzubeugen. Er ließ die Stadt mit einer Menge Lebensmittel versehen und entließ den armen Bürgern, deren Mißvergnügen ohne das leicht reizbar war, die Entrichtung aller Zlbgaben. Porsenna war unterdessen bis auf den Jani c u ln s vorgerückt und hatte den darauf liegenden festen Platz erobert. Die Römer thaken hartnäckige Gegenwehr; aber die Macht der Hetrusker war ihnen zu überlegen. Sie wurden zum Weichen gebracht, und hatten keinen andern Rückweg in die Sradt, als die hölzerne Pfahlbrückc (pons Lulüiciust) über die Tiber. Das Audringen der N 2 >KS (§ 2 ) Feinde mehrte sich, und ohne viele Beschwerden würden diese mit den zurückweichenden Römern in dir Stadt gedrungen seyn; hatte sie nicht die Tapferkeit eines Einzigen, bis zu Abtragung der Brücke aufgehalten und ihnen ein weiteres Nachsehen unmöglich gemacht. Dieser einzige Mann war Horatius mit dem Beynahmen Cocles (der Einäugige) — ein verdienter Nahmen, den sich der junge Held schon in andern Gefechten mit Ruhm erworben hatte. Me Römer waren nun schön über die Brücke geflüchtet; nur Horatius, mit noch zwey andern, welche sein Heldengeijs beseelte, blieben voll Muth zum Kampfe mit der überlegenen Menge vor dem Eingänge der Brücke. Noch lagen einige Balken, worüber man sich zur Noth retten konnte: Horatius vermochte die zwep andern Gehülsen, durch dieß noch übrige Mittel, ihr Leben zu sichern, und seinem Muthe allein die feindliche Menge zu überlassen. Staunen ergriff den Feind, und kaum wollte er dem Auge trauen, daß ein bloß sterblicher Mensch es wagen könne, einer solchen Überlegenheit Trotz und Widerstand zu bieten. Wie die Löwin am Eingang ihrer Höhle zum Schutze ihrer Jungen grimmt: so wüthete Cocles in die Feinde. Kein Streich fehlte den Mann, Wunden und Tod führte der Arm und sein Schwert blitzte zum Verderben des Feindes. Rom war nun in Sicherheit; denn der Brückenleere Strom trennte die Feinde. Cocles warf stch hinab, und schwamm mit Wunden und Sieg, unter dem Hagel feindlicher Pfeile, zu den Sei- vigen hin. Mik Jauchzen und mit Glückwunsch empfieng man den Sieger und verstand eine That zu schätzen, welche Rom und seinen Staat der so nahen Gefahr, ebenso mulhig als klug entrissen hatte. Seinem Verdienste ward eine eherne Statue zugesprochen, und für itzt erhielt er von den Länderepen des Staates, soviel man in einem Tage kreisförmig umackcrn kann. Verwegener Anschlag des Muems Scavoka auf das Leben des K. Porsenna» Kups. No. XVII. -»/4-ach diesem sehlgeschlsgenen Versuche, mit den Fluchtigen zugleich in die Stüdl zu dringen unternahmen die Hetrusker eine völlige Sperrung und schloßen Rom so enge ein, daß es keinen Zugang offen hatte» Unterdessen waren die vorräthigen Lebensmittel von der Menge fast gänzlich verzehrt, und Mangel und Hungcrsnoth griffen bald so weit um sich, daß Rom sich nun in der größten Verlegenheit befand. Porss'nna wußte den traurigen Zustand dev Römer,, und ließ ihnen Rettung antragen, wenn sie stch mit den Targuuiiern aussöhnten, und sie wieder als ihre Oberherren anerkennen wollten. Aber die Römer kannten die wilde Hitze und den schlauen Charakter Targuins, und glaubten, daß zwischen ihnen und ihm eine wapre Aussöhnung nie statt haben könne» Auch sahen sie es wohl, daß ste die Sacpe zu weit getrieben,, und gänzliche Straflostgkit, wenigstens in die Länge, kaum zu crwa.ten hatten» Sie hielten es daher fürs Beste dem Aäcrbieteu des Königs hartnäckigen Widerstand und beharrlichen Trotz entgegen zu setzen, und zu Erduldung des Elends die letz. HrF ( .53 ) Len Kräfte noch anzustrengen. Ihre Antwort an den König war daher ganz nach dkeser Gesinnung; denn sie wollten lieber, sagten sie, jedem andern Feinde, als den Tarquiniern die Thore öffnen; und, sollte ihr neu errichteter Staat durch Übermacht den Untergang finden r so könne dieß nicht anders geschehen, als wenn mit dem Sturze der Stadt auch sie von deren Trümmern begraben würden. Porsenna merkte wohl, daß er mit Römern zu thun habe , deren Entschlossenheit weder Hunger noch Tod besiegen würden; er ließ es sich daher ganz besonders angelegen seyn, günstige Bedingungen für sie und die Tarquinier zu entwerfen. Unterdessen dauerte die Sperrung fort, und Rom war in Gefahr im Elend zu ermüden und an eine Übergabe zu denken. Aber nun trat ein junger kühner Mann vor den Senat und begehrte Erlaubniß ins feindliche Lager zu fliehen und die Rettung des neuen Staates durch ein Wagestück zu versuchen. Man freute sich über den schwachen Straf, welcher zur Hoffnung glanzte, und die drückende Noch erlaubte willig sein kühnes Begehren. Als Hetrnsker verkleidet begab sich M. Mucius Cord u s ins feindliche Lager, und schlich hin bis zum Zelte des Königs. Hier saß ein vornehmer Beamter, prächtig gekleidet, demselben zur Seite; Mucius Cordus in Meynung, er träfe den König, durchstach diesen für jenen. Schrecken ergriff alle, die gegenwärtig waren. Der Lhäter floh , ward aber ergriffen und vor den König geführt. Dieser befahl in gerechtem Zorne Glut und quälendes Werkzeug zur peinlichen Frage und verdienten Strafe zu bereiten. Cordus bebte nicht beym Anblicke der mordenden Rüstung zum schrecklichen Tode. „Ich bin ein Römer, sagte er, und weiß zu dulden." Plötzlich stieß er die fehltreffendc Hand in die flammende Glut und ertrug des Feuers Muth mit Gleichsinn und standhafter Miene. „Wisse, sagteer, noch dreyhundert sind in Rom, die wir dir, dem Feinde unsrer Stadt, Verderben schwüre n." Hier fiel des Königs Zorn, nicht aus Furcht vor Lebensgefahr; denn dazu hatte Porsenna eine zu große Seele, sondern sein Zorn hatte sich in Bewunderung verwandelt, und die muthigsten Krieger sahen mit starrem Blick den Römer im Dulden; heftigste Liebe zu seinem gedrückten und in Hunger schmachtenden Vaterland hakte ihn zu einem so verwegenen Schritte verleitet. Porsenna beurteilte die Absicht und war völlig überzeugt, daß ein so entschlossenes Volk nur im Schutte seiner Stadt sich selbsten enden wolle. Er entließ den Thäter der Verurtheilung zur Strafe, schenkte ihm Leben und Freyheit, und schickte ihn mit eben dem Dolche, den er zur Rettung Roms mit Kühnheit geführet, den Römern zurück, selbst Nom, die Stadt, mochte er nicht langer drücken; sondern sandte Friedensanträge an sie und forderte Geißeln zur Gewährleistung der Treue, Mucius Cordus erzählte die Großmukh des Königs, und Rom freute sich durch seine kühne Thal Rettung zu finden. Man weigerte sich gar nicht die Friedensbedingungen anzunehmen; weil man dabey das behielt, für welches man das Elend geduldet. Man wählte die Geißeln und lohnte den Mucius mit einem Stücke Feld. Von nun an trug er den Ehrennahmen S c a vol a (linkhändig ) ein Nähme, der jedermann sagte, daß feine Entschlossenheit ihm die rechte Hand gelähmet und nur der Linken Gebrauch verstärke» O US (.54) US Die Römerin Clölia erhält vom König Porsenna ein Geschenk. Kupf. XVIII. Frieden war sehr theuer erkauft, denn die Römer mußten nicht nur einige Landereyen, die schon Romulus von Vejentern erobert hatte, zurückgeben, sondern sich auch anheischig machen da§ Eisen nur zum Ackerwerkzeuge zu brauchen. Aber die Umstande waren einmal so, daß man harte Be- dingnisse viel lieber einginge. Zu Geißeln hatte man, wie es war verlanget worden, zehn Jünglinge aus dem besten patricischen Hausern, und eben so viele Jungfrauen von gleichem Adel, ausgehoben und sie an den König überschickt. Unter den letzten befand sich nach einer alten römischen Sage' ^ eine gewisse Clölia, die andere auch Valeria nennen, welche über ihr Geschlecht hinausschritt, und an Entschlossenheit und Muth den Männern zu gleichen suchte. Sie hatte gesehen, wie vielen Ruhm /ich Cocles erworben und sah es itzt, daß Mucius aus seinem Wagstücke große Ehren davontrug. .Hoch erhob sich ihre Brust zu einer ruhmvollen ThaL und heißer brannte in ihr der Durst nach Ehre bey ' ' der Nachwelt. Die Geißeln' waren dem Könige vorgestellt; sie gefielen alle' und man hörte vom Befehle, das Lager zu räumen und den Rückweg nach Hause zu nehmen. Clölia glaubte durch Flucht aus dem Lager des Feindes dem Vaterlands zu nützen, und für sich Ehre, und Ruhm zu holen. Sie sah es nicht, in wie viele Gefahren sie sich verwebte, wie sie hiedurch den Feind aufs neue reizte, und Rom selbst in Verlegenheit setzte. Nur Verewigung durch Ruhm schwebte vor ihren Augen, und hoch loderte der Wunsch, ihre beschlossene That, sobald als möglich, auszuführen. Die Nacht war angebrochen, die Clöliens Flucht durch ihre Dunkelheit beglücken sollte. Im Lager war alles ruhig; nur der Wachen Zuruf tönte von ferne und nahe. Weibliche List hatte sie bald hintergangen und Clölia stand mit noch einigen Geißeln ihres Geschlechts am Ufer der Tiber. Mannskraft und schneller Rath, kam ihr hierorts zu gute; sie bemerkte in der Nähe einige Rosse, diese bestiegen die jungen Heldinnen und schwammen glücklich über den Strom, a) Rom freute sich, auch im zarten Geschlechte Entschlossenheit zu haben; aber das klügere Alter sah Verletzung des Vertrages und den gerechten Zorn des Königs. So hoch sie auch den Muth dieser entflohenen Mädchen mit Lob erhoben; so wenig erlaubte es ihnen ihre Verpflichtung, und Sicherheit dieselben in Rom zu behalten. Jedermann stimmte dafür sie alsobald zurückzuführen und dem beleidigten König Genugthu- ung anzutragen. Unterdessen hatte man im Lager die Flucht der Mädchen erfahren, und der Unwille des Königs dachte s) Man erzählt, dieß anch so: Clölia und die übrigen Römerinnen hatten von ihren Wächtern Erlaub- ruß begehret sich in der Tiber baden zu dürfen. Die Wächter, die nichts Übels argwöhnten, hätten es ganz gern erlaubt, aber auch bald erfahren, daß sie hintergangen waren, indem die Römerinnen nun über den Fluß schwammen. X . ° . -« X HS ( L5 ) HS auf Ahndung und Strafe. Aber auch nun sah man von weiten die zurückkehrenden Flüchtlinge von einer Schaar Tarqumier , welche die Mädchen und ihre Begleiter muthwillig angefallen hakten, dem Lager zutreiben. Der König, nach erkannter Sache, mißbilligte dieß Verfahren und wußte Absichten von Handlungen, deren Folgen man zu wenig immer weiß, weislich zu unterscheiden. Mochte Clölia, die Urheberin der Flucht einer Seits gefehlet haben, so schätzte er doch ihren edlen Trieb sich rühmlich und verdienstlich um Rom zu machen. Er lobte ihren Muth und schenkte ihr zum Zeichen seiner Achtung ein prächtiges Pferd mit Sattel und Zeug. Sie ward als frey erklärt und durste sich die Hälfte der erhaltenen Geißeln zu gleicher Befreyung auswählen. Auch hier bewies die Römerin ihre edle Seele und an ihrer Wahl hatte Verstand und Herz gleichen Antheil. Sie wählte die jüngsten unter den Geißeln, weil diese, wie sie sagte, den Gefahren der Verführung am meisten ausge- setzet wären. Porfenna war gewohnt seine Handlungen der Großmuth nicht halb zu verrichten. Er wußte den großen Mangel in Rom; er kannte aber auch den römischen Stolz, der ein dargebothues Geschenk entweder abschlagen oder wegen dringender Noth nur mit Beschämung annehmen würde. Er wählte daher eine Art, welche den Mangel lindern und doch nicht beleidigen konnte, und ließ bey Abbrechung des Lagers einen großen Vorrath an Lebensmitteln zurück. Der Senat wußte das edel- müthige Verhalten des Königs nach Würde zu schätzen und verordnete aus Erkenntlichkeit ihm eine Statue in Rom. Auch wurden Gesandte an ihn geschickt, welche ihm danken und einen elfenbeinernen Stuhl mit einem Siegesrock und Scepter und Krone überbringen mußten. Errichtung der Denkmäler, welche die Römer ihren Helden, dem Horatius Cocles, dem Mucius Scavola und der Clölia zugesprochen hatten. Küpf. XIX. »/lun war alles wieder ruhig, und Rom dachte daran seine jungen Helden, denen es seine Rettung zu danken hatte, nach Verdienst zu lohnen. Es berechnete dabey keine geringen Vortheile, die seinen, künftigen Generationen ganz gewiß zufließen würden, wenn der Vater, mit dem Sohne an der Hand- aus der treffenden Vorstellung Handlungen des Muthes und der Klugheit lesen und den Sohn zu ähn lichen Thaten anfeyern würde. Dann würde es nie fehlen, daß, von Beyspielcn gereizt, Männer emporwüchfen, die durch Nachahmung diesen entweder glichen, oder durch eigene Thaten dieselben uberträfen. Reiz zur Ehre und Ruhm war das stärkste und sicherste Mittel in Rom die junge Brust m Flammen zu setzen. Ein Kranz aus Eichenlaub, oder aus Gras, ein Spieß, ein Schild, ein Armband waren viel zu wichtige Geschenke, als daß der Römer dafür sein Leben nicht gewaget hätte. Dieser Unterricht wirkte schnell, und erzog die tapfersten Krieger, die keinen ander» Weg zum Ruhme, als Sieg oder Tod, erkannten. Horatius Cocles hatte durch seine Heldenkhat die Stadt vor plötzlicher Einnahme ge- D 2 AB ( §6 ) HA sichert, und den Feind abgehalten, Friedensbedingnisse, die vielleicht doch auf gänzliche Erlöschung des neugebornen Staates abgezielet haben würden, in Rom zu dictlren. Für diesen wichtigen Dienst hatte ihm der Senat schon so viel Ackerfeld geschenkt, als man in einem Tage kreisförmig umackern kann; nun ließ er ihm noch im V ulcan a l — einem dem Vulcan geheiligten Platze, auf dem Palatinos dem Lupercal gegenüber — eine eherne Statue zum ewigen Andenken fetzen. Das kühne Unternehmen des Mucius Cordus war der erste und nächste Schritt zum Frieden: man verewigte es zwar nicht durch eine Statue; gab ihm aber am Janiculus über der Tiber ein großes Stück des besten Ackerfeldes, welches von ihm den Nahmen bekam. (Nuciä pruw) ClölienS Thak, die selbst Porsenna schätzte und großmüthkg belohnte, gab dem Vaterlande die Hä/fte der Geißeln wieder, und zeigte, daß in zarter Weiberbrust auch ein männlicher Geist wohnen könne. Eine aus Erz gegossene Figur zn Pferde stellte ste vor, und stand zu ihrem Andenken auf dem heiligen Wege. (Via Lsern) So ehrte Rom jede rühmliche Thal, die dem Vaterlande nützte, und sorgte dafür, daß die Nachkommen immerfort Anlockung und Sporn zu ihrer Verewigung hätten. Mit diesen rühmlichen Belohnungen verband Rom noch eine andere Feperlichkeit, welche zugleich für ein Danksest gegen die Götter kann angesehen werden. Der Tempel des Jupiter Capi- tolinus war bereits ausgebauet; aber noch nicht eingeweiht. Diese Ceremonke wollte man eben auch jezt vornehmen. Valerius trug schon zum dritten Mal das Consulat, und niemand zweifelte, der Senat würde ihn dazu bestimmen, wie es auch seine Verdienste erfordert hätten; aber Eifersucht wußte ihn klug zu entfernen. Der Senat trug ihm die Züchtigung einiger lateinischen Städte auf, und ließ unterdessen die Einweihung des Tempels durch seinen Amtsgehülftn Horatius Pulvillus verrichten. Eine Kränkung, welche der würdige Valerius für so viele dem Staate geleistete Dienste wohl nicht verdiente, Das Consulat des nachfolgenden Jahres (Erb. R. 248, vor Ehr. Geb. 506.) ward durch nichts merkwürdig gemacht, als durch die Personen der Consuln selbst. S p. Lartius Flavus und T. Hermini us Aquilinus waren diejenigen bepden verdienten Gehülfen, welche dem Horatius Cooles bey Verteidigung der Pfahlbrücke beygestanden, und diese Ehre vollkommen verdienten. Cooles gelangte nie dazu, weil er ohne das einäugig war, und nun auch wegen empfangener Wunde im Schenkel lahm ging. , Unterdessen hatte sich mit den Sabinern ein Krieg angesponnen, welchen die nachfolgenden Consuln M arc us Valerius ein Bruder des Poplicola, und P. Posthum ius Tubertus (Erb. R. 249, vor Chr. Geb. 50Z.) so glücklich führten, daß ihnen ein Triumph zuerkannt ward, und bepde noch ausserordentliche Ehren erhielten; Valerius zwar : ein Haus mit auswärts auf die Strasse gekehrter Thüre, und Posthum ius einen Begräbnißplatz für sich und die Seinigen innerhalb der Mauern Roms; eine Gunstbezeugung die noch niemanden widerfahren war. Die Sabiner setzten dem ungeachtet den Krieg fort: die bepden nachfolgenden Consuln Valerius P 0 P l i c 0- la (zum vierten Male) und T. Lucreti uS (zum zweytcn Male) fochten wider ste eben so tapfer, als glücklich, und zogen abermal triümphirend nach Rom- -KS ( §7 ) Ließ war die letzte Ehre, welche der würdige Consul Valerius genoß; denu bald nach seinem Rückzuge nach Rom ward er krank , und starb das folgende Jahr. Ganz Rom bedauerte ihn, und die römischen Matronen trugen fteywillig für ihn, so wie für den Brutus — als Beschützer der weiblichen Ehre — durch ein ganzes Jahr die tiefste Trauer. Seine persönlichen Eigenschaften, Uneigennützigkeit und unermüdeter Eifer bey Verwaltung seiner Amtsgeschafte haben ihm den gegründetsten Ruhm erworben. Er war vor seiner Erhebung ein reicher Patricier; aber seine Uneigennützigst bey Besorgung des gemeinen Besten hatte ihn in so dürftige Umstande versetzt, daß er seinen vortrestich erzogenen Kindern weder einmal so viel hinterließ, daß ste ihn auf eine anständige Art begraben lassen konnten. Der Staat übernahm aus Erkenntlichkeit gegen seine Verdienste das Lsi- chenbegängniß und ließ ihm unweit vom Forum ein Grabmaal aufrichten. Auch erhielten bey dieser Gelegenheit feine Angehörigen das Vorrecht stch eben daselbst begraben zu lassen. DerTod dieses Mannes war für die Sabiner ein Losungswort, Rom unvermuthet zu überfallen. Die beydcn Eonfnln P. Posthum ius Tubertuszum zweyten Mal, und Agrippa M cnenins L ana t u s ( Erb. R. 251. vor Chr. Geb. ssZ.) zogen wider sie aus. P 0 st h u m i u s ließ stch unvorsichtig durch das listige Zurückweichen der Feinde gegen einen Wald an die ganze feindliche Armee locken und ward gänzlich eingeschlossen. Menen i u s erhielt zur rechten Zeit Nachricht vou der unglücklichen Lage feines Amtsgenossen: eilte ihm zu Hülfe, und rettete ihn durch blosse Annäherung seiner Truppen. Bey Ere tum kam es zu einem Gefechte, wo beyde Confuln einen völligen Sieg erfochten. Der Senat sprach dem Menenins einen Triumph zu; dem Posthumius aber nur weil man glaubte, erhübe feine Unvorsichtigkeit noch nicht genug vergütet — eine Ovation, a) Die Sabiner setzten indessen den Krieg fort, und konnten erst das folgende Jahr durch ein Treffen bey Cures genöthiget werden, um Frieden zu bitten. Unter dieser Zeit war es auch dem T a rgu in wieder gelungen dem neuen Staate Rom Feinde zu erwecken, und diese zur Vertheidigung seiner Sache zu vermögen. Dreß waren'die Lateiner, welche den Römern nicht nur die Stadt F i den a durch ein Einvsrständniß mit den Einwohnern Wegnahmen, sondern auch wegen Aufnahme der Targuimer eine Gesandtschaft nach Rom schickten. ( Erb. R. 2Z4. vor Chr.,Geb. Zoo.) Targuin hatte einige seiner treuesten Anhänger unter dieg'lben zu mischen gewußt, und ihnen den geheimen Anstrag gegeben, eins dem neuen Staate abermal gefährliche Verbindung zuwege zu bringen. Dicßmal schlugen stch meistens Sklaven, und arme verschuldete Leute dazu r die ersten versprachen ihre Herren zu ermorden; da die letzten sich zu gleicher Zeit der Stadtthore bemächtigen wollten. Man war schon so weit, daß nur der Lag zur Ausführung angesetzt werden durfte; allein die beydcn .Unterhändler Pub l ius und Markus, Tarqnins Anverwandte, begaben sich—^ entweder ans Furcht vor Entdeckung, oder aus Abscheu vor einer solchen Grausamkeit — zum Eon- a) Diese Gattung des Triumphes ist etwas Neues, und ste hat ihren Nahmen von dem d ab c y geopferten Schafe. Sobald man angefangen hatte, daß ein eigentlicher Triumphator stolz in einem Wagen daherfuhr: so blieb der Einzug zu Fusse oder zu Pferde itzt für denjenigen Sieger, dem nur eine Ovation zuerkanut war. Daher) trug auch dieser keinen Lorberrkranz, sondern nur einen- ,vu Myrrhen, und heute den Senat und Nichtsein Heer zur Begleitung. - P HE ( Ls ) HE sul Sero. S u l p i c i u s, und entdeckten ihm die nahe Gefahr. Um Sicherheit von diesen Fremdlingen zu haben, und den Einwendungen der mitverschwornen Bürger zuvorzukommen, überredete sie der Consul, alle Verschwornen noch zu einer nächtlichen Zusammenkunft zu vermögen. Hier wurden sie überfallen, und den andern Tag mit Gutheißung der Curien von den Soldaten nicdcrgehauen. Die beyden Angeber wurden zu römischen Bürgern ausgenommen und erhielten reichliche Geschenke. Bald darauf ward auch F i den a von dem Consul T. Lartius Flavus eingenommen und den Römern wieder unterworfen. Ließ brachte die La t e i n e r so heftig auf, daß sie unter ihren vier und zwanzig Städten ein allgemeines B ündni ß wider Rom errichteten, und fürchterliche Zu- rüsiungen zu einem neuen Feldzuge machten. (Erb. R. 256. vor Chr. Geb. 493.) Die Sache der Römer stand jetzt gefährlicher, als jemals, weil auch die niedrige Bürgerclasse Schulden halber den Dienst verweigerte. Der Senat hielt deswegen häufige Beratschlagungen, und kam endlich darin überein, daß man zur Regierung des Staates, von Notwendigkeit getrieben, ein ganz neues und mit einer unumschränkten Macht begabtes Oberhaupt setzen müsse; damit aber dieß feine Gewalt nicht mißbrauchen könne, so wollte man seiner Amtsverwaltung nur eine sechs monatliche Dauer ein- raumcn. Man hieß die hierzu erwählte Person Diktator a ) und T. Lartius ward mit Übereinstimmung des Volkes zum ersten Male dazu gewählt. Der neue Diktator fing alsobald an, seine unumschränkte Gewalt auszuübcn und ernannte den Sp. Cassi u s zum Feldherrn der Reiterey (ULAisterTcjuiwm.) Auf seinem Befehl ward auch das Volk zu einem C ensus berufen und man fand hundert fünfzig Tausend sieben hundert waffenfähige Bürger. Diese teilte der Diktator in vier Heere, davon drei) in Krieg geführet wurden und eins zur Bedeckung der Stadt zurückblieb. So schnelle und starke Zurüstungcn hakten die Lateiner nicht erwartet; daher hielten sie es dießwal fürs beste, um einen Waffenstillstand anzuhalten, der ihnen auch auf ein Jahr verwilliget ward. Bepm Ausgange des Waffenstillstandes ward in der Person des Consuls A. Posthum ius Albus abermal ein Diktator gesetzt. Dieser teilte eben auch fein ganzes Heer in vier Armeen und zog mit dreyen wider die Lateiner. Die lateinische Armee war beträchtlich stärker, als die römische, denn diese bestand nur aus vier und zwanzig Tausend Mann zu Fuß Tausend Mann zu Pferde; da jene vierzig Tausend Fußgänger und drey Tausend Reiter zählte. Am See Regillus kam cs zu einer sehr blutigen Schlacht, wobey von lateinischer Seite bis dreyßig tausend Mann blieben, unter welchen auch Tarquins Sohn Sextus und Mamilius sein Eidam, waren. Diese Niederlage zwang die Lateiner zum Frieden, und zur Beobachtung der vorigen Verträge, in diesen war besonders der Artikel von einem Defensiv-und Offensivbündniß merkwürdig, welches den Römern so große Vorteile zum Emporwachsen und Erhalten ihrer Größe verschaffte, daß man es jederzeit für den vornehmsten Grundpfeiler ihrer Macht angesehen hat. s) Eine neue Würde in Nom, welche ganz der königlichen glich und diese in der uneingeschränkten Macht noch übertraf. Man setzte jederzeit einen Diktator, wenn manschleinlge und nachdrückliche Hülfe brauchte, nnd erlaubte ihm zum Zeichen seiner Hoheit vier und zwanzig Lictores. Lartiu- war der erste, welcher die Beile wiederum in die Fafces binden, und zum Schrecken der Wider- spänstigen so viele Lictorcs vor sich hertrctcn ließ. HS ( S9 ) HS Larquins letzter Versuch war nun abermal mißlungen.' Die blutige Niederlage der Lateiner zwang ihn zur Flucht nach Capua in Campanien, wo er in einem Alter von neunzig Jahren nach einer fünf und zwanzigjährigen Regierung, als König in Rom, und nach einem vierzehnjährigen Herumirren und vergeblichen Kämpfen um die Oberherrschaft starb. (Erb. R. 2Z8. Chr. Geb. 496.) Die Geschichte — von Republikanern geschrieben — hat diesen König von jeher in keinem zu vortheil- hafttn Lichte gezeiget, unterdessen wird niemand vovtrefliche Geistesgaben an ihm verkennen. Seine Gegenwart des Geistes in Gefahren, seine Standhaftigkeit beym Unglücke, sein Muth bey mißlungenen Versuchen, die Ausführung seiner Werke, die Errichtung seiner Vertrage, sein langwieriges Kriegst,Hren ohne Land und Leute beweisen zur Gnüge, daß er keiner der alltäglichen Menschen war, und vielleicht manchen seiner Vorgänger noch übertroffen hätte, wenn nicht die Wildheit seines Charakters ihn bey der Nachwelt so sehr gebrandtmarkt hätte. Ein Unglück für ihn, daß er von einer Parthey unterdrücket ward, welche die Oberhand behielt. Entweichung des römischen Volkes auf dem heiligen Berg. Kupf. No. XX. E^er neue Staat war nun durch den Tod des unglücklichen Königs völlig sicher und die Familien der Patricicr blieben allein im Besitze der oberkeitlichen Ämter und Würden und aller kriegerischen und bürgerlichen Ehrenstellen. Niemand konnte die Armeen anführen als ein Conful und Diktator, und niemand konnte Conful und Diktator werden, als ein Patricier. Der Charakter dieser Personen war gewisser Massen geheiligcr und hatte ausschließlich- Rechte zu allen hohen geistlichen und weltli- chm Ehrenstellen. Bey so wichtigen und glanzenden Vorrechten war - es von der Klugheit eines so entschiedenen Standes zu erwarten, daß er alle Mittel anwenden wurde, die Aristo kratie aufrecht zu erhalten. Daher war denn die Maxime, die Gemüther des gemeinen Volkes immer in Bewegung zu erhalten, und durch den eingeflößten Haß gegen das targuinische HauS ihm zugleich die ganze königliche Negierung verhaßt zu machen. Das Schattenbild Freyheik war zu lebhaft in ihnen, und war so weit gediehen, daß ein wirklicher Hang zur Un g e b und e u h e i L den Platz einer guten Ordnung cinnahm. In den Händen dieser wenigen Familien vom ersten Adel war das ganze Ansehen und die Macht, woraus staatskluge Köpfe nur zu oft Partheyherrschast errichteten. Bey solchen Regierungen muß das Volk immer schwerere Ketten tragen, und die Freyheit für welche man cs schlau cinzunehmeli sucht, ist nur ein vorübergehender Traum. Das römische Volk erfuhr cs zu bald, daß eS einen schlechten Tausch getroffen hatte; denn seine jetzigen Herren, da sie nach Tarquins Tode nicman. dm mehr zu fürchten hatten, wurden gegen dasselbe nur härter und gebieterischer. Ein untrüglicher Beweis der harten und menschenfeindlichen Behandlung des römischen Burgers ist dav Betragen der Patricier bey der Schuldensache der untersten Bürgerclasse. P 2 l 60 ) Der Stand dieser Gattung Burger war nun einmal so, daß sie nothwcndig Schulden machen mußten. Die Kriege, die Rom führte, waren damals häufig und einen Sold bekam man in jenen Zeiten noch nicht. Der arme Client, wenn er in Krieg zog, war immer gezwungen, aus Mangel eines dienstbaren Sklaven, sein Feld öde zu lassen, und den reichen Palrkeier, fernen Patron, um nöthige Unterstützung zu bitten. Diese hatten schon lange aufgehört, Väter des Volkes zu sepn und durch jh, ren Überfluß armen Clienten zu Helsen. Ihre sonst so menschenfreundliche UnterstüHung war in unbarmherzigen Wucher ausgearkct, bep welchem der Arme immer mehr ausser Stand kommen mußte seine Schulden zu zahlen; der immerwahrende Kriegsdienst hinderte ihn und die Ungeheuern Zinsen wuchsen selbst zu neuen Schulden. Diesem Elende halfen weder einmal die Gesetze ab: sie sprachen vielmehr zu Gunsten des Gläubigers und erlaubten, einen nicht zahlbaren Schuldner ins Gesangniß zu flössen, und sogar mit Werb und Kind, als Sklaven, zu verkaufen. Bepm Entstehen Roms, da so viele und verschiedene Menschen den Staat bauten, mochten diese Gesetze gut und nothwendkg sepn; aber itzt stießen sie den oft ohne Schuld unvermögenden Bürger in den traurigsten Zustand. Wie betrübt war es für den ehrlichen Bürger, wenn grade dazumal, da er flies Vaterland Leib und Leben wagte, sein Gläubiger im Wohlleben zu Hause die Sklavenkette für ihn schmieden lassen konnte! War es Wunder, daß grade der verschuldete Theil der armen Bürger, der letzten Verschwörung beytrak und jetzt im lateinischen Kriege seine Dienste versagte? „Warum, w o ll L c n w i r den n, sagten sie, eine Stadt vertheidigen, in der uns nach dem Siege Elend und Sklaverep erwarten?" Die neue Dictatvrwürde brachte zwar durch strengen Gehorsam alles wieder in Ordnung; aber dem Wucher der Reichen steuerte ste nie, vielmehr sing nach geendigter« Kriege das Elend der Armen von neuen an, und die Gläubiger ließen ste wiederum setzen und verfolgten sie strenger, als jemals. An der Spitze dieser unbarmherzigen Mensen stand A p p i N s C l a u d i u s a) ein vor- nehmcr Sabiner, der unter dem vierten Consulate des Poplicola, weil seine Landsleute seinen Rath von Einstellung des damaligen Krieges nicht befolgten, Sabinien verließ, und mit seinen ganzen Reich- thümern und fünf taufend Menschen seiner Familie und Clienten nach Rom kam und zu Ehren gelangte. Eben dieser Mann, stolz, hartherzig und unbeugsam, ward itzt aus Furcht vor neuen Unruhen zum Consulate befördert. (Erb. R. 2L>). vor Chr. Geh. 49F.) Nach seinem düsteren Charakter stellte er dem Senate vor, die Aufhebung der Schulden höbe den öffentlichen Credit und er könne es nicht cirr,ehen, warum mau gegen eine Vürgerclasse, die sich durch schlechte Wrrthschaft und Lebensart in ein fola-es Unglück gestnrzet hätte und nun Rom zur Schande lebte, wollte nachsichtig sepn. Der sanfte und nachgiebige P. Serviltu s PrlscuS, sein Amtsgehülft, machte viele Gegenvorstellungen s) Rpp'iis Claudius führte ln Sabinien.'den Nahmen Attius Clausus, und diesen hat er entweder selbst den Römern zu Gefallen verändert, oder der römische Mund hat ihn «mgeändert- Dieser Mann mar der Stifter der Claudier, einer der ansehnlichsten Familien in Nom; die aber jeder- M.uurer gezeuget hat, welche die Plebejer augeseiudet und den Vortheilrn desselben entgegen «strebet haben. Ihre Harte und.unöezwiligliche Unuachgiebigkeit trennte mehr als einmal die Glieder en s Staates und bewog diö Plebejer eben auch auf ihren Forderungen zu verharren, bis fie stH b.cTheiu.ahme an alle» Würden des Staats errungen hatten. -KE ( 6i ) HF aber Appins überschrie ihn jederzeit, und hinderte den Senat, einen günstigen Entschluß zur noth- wendigen Erleichterung der Armen zu fassen. Diese Hartherzigkeit bahnte nach und nach den Weg Zu einer wichtigen Umänderung der ganzen bis daher geführten Regierungsform, und war Ursache, daß das Volk zu seinem Schutze sich Rechte erzwang, die dem ganzen Stande der Patricier sehr bald lästig und krankend wurden. Über diese innern Zwistigkeiten Roms freute sich niemand mehr, als die Volsker. Der Gedanken, sie würden Rom itzt unvorbereitet antreffen, spornte sie, ihre Mannschaft zusammenzuziehen, und gegen Rom aufbrechen zu lassen. In Rom war es wirklich dieser Unruhen halber nicht so leicht eine Armee aufzubringen und sie dem Feinde entgegen zu stellen; denn allgemein weigerte man sich, vor gänzlicher Beendigung der Schuldensache, Kriegsdienste anzunehmen. Der Senat kam abermal zu keinem Schlüße, und es war für dießmal ein Glück für den ganzen Staat, daß der Consul Servi- li u s die Liebe des Volkes hatte. Durch seine Leutseligkeit brachte er es dahin, daß wenigstens diejenigen, welche Hochachtung gegen seine persönlichen Eigenschaften hatten, die Waffen ergriffen , und mit ihm den Feinden entgegenzogen. Die Volsker sahen sich in ihrer Erwartung getauscht und baten um Frieden, den ihnen auch Servilius zugestand; doch mit der Bedingung, seine Mannschaft mit Lebensmitteln und Kleidungsstücken zu versorgen. Es geschah; aber die Volsker waren nicht ge- neigt den Frieden lange zu unterhalten. Sie schickten bald darnach Abgeordnete an die H e r- nieier und Sabiner und luden sie zu einem Bündnisse wider Rom. Ein ähnliches versuchten sie mit den Lateinern; aber diese verriethen den Römern das Bündniß und es ward alsobald Krieg wider sie beschlossen. Hier trug sich ein Fall zu, welcher den Senat und selbst den hartherzigen Appms in nicht geringe Verlegenheit setzte. Ein langer Greis, mager und blaß, mit Ketten beladen und erbärmlich anzusehen, erschien im Forum vor dem Volke: „Ich, sagte er, bin frey geboren, und habe mein Leben in acht und zwanzig Treffen fürs Vaterland gewagek. Niemanden hatte ich im letzten sabinischen Kriege, der für mich mein kleines Ackerfeld ^gebauet hätte. Dde lag es da, und mein Haus ward noch über das von einer feindlichen Parthey geplündert und angezündet. Ich mußte Schulden machen meine Bedürfnisse zu befriedigen und ^ die Abgaben zu bestreiten; dadurch wuchsen aber täglich die unmäßigen Zinsen zu neuen Schulden. Ich mußte endlich mein kleines väterliches Erbgut wenigstens zur Bezahlung eines Theiles meiner Schulden hingeben. Mein Gläubiger, ein gefühlloser Mensch, mit dem noch nicht zufrieden, übergab mich seinen "Sklaven, die mich so lang Peinigen sollten, bis ich die Rückstände zahlen würde. Hier sehet da auf meiner Brust die Narben rühmlicher Wunden, aus denen mein Blut für das Vaterland floß; aber zahlet auch auf meinen Rücken die Striemen und Wunden, welche mir mein Gläubiger von seinen Sklaven schlagen ließ.^ Der Alte hatte noch nicht ausgeredet, als schon das Volk in tausend Verwünschungen gegen die Pas tricier losbrach. Geschrey und Lärmen durchdrang die Gassen und ein gänzlicher Aufstand war nahe. Servilius drang in die Menge, bath mit Thränen und innigster Theilnahme, es möchte sich jeder besänftigen, er verspräche es ihnen, daß ihre Beschwerden gewiß abgestellet werden sollten. Schwer glaubte das Volk dem Consul, so viele Achtung es auch sonst gegen ihn hatte; und selbst die Vorstellun- gcu von der Nothwendigkeit einer Erleichterung, die er dem Senate so dringend machte, wurden von dem D HF l 6- ) tzF halsstarrigen Appius vernichtet. Seine Bereitwilligkeit, dem Bedrückten zu helfen, ward für eine schädliche Nachgiebigkeit gehalten und mit dem schändlichen Nahmen einer niedrigen Schmeichelet) gegen das Volk gebrandmarkt. Noch stritten die Senatoren unter einander, als plötzlich die Nachricht einlief, die Volsker wären gegen die Stadt angerücket. Das gemeine Volk freute sich ungemein und viele von den Schuld, «ern die währendes Auflaufes ihren Gläubigern aus den Gefängnissen entflohen waren, schüttelten ihre Ketten und fragten höhnisch: ob es wohl der Mühe werth sey, um solch ein Geschmeide sein Leben i m K a m pfe zu wagen? der Senat und selbst Appius sahen es nun einmal ein, daß Nachgiebigkeit immer notwendiger würde, und daß man wenigstens etwas zur Beruhigung des mißvergnügten Haufen thun müsse. Nach vielen Vorstellungen gelang es endlich dem Con- snl Servilius, daß der Senat eine Verordnung zu Gunsten der Schuldner abfaßte, in welcher strenge verboten ward, jemanden währendes Krieges Schulden halber zu beunruhigen, oder seiner Person und seiner Kinder sich zu bemächtigen. Nur gegen jene dürfte man scharfer feyn, welche sich weigerten, Kriegsdienste zu nehmen, oder sich erkühnten, diefelben eigenmächtig zu verlassen. Übrigens würde der Senat gewiß solche Mittel wählen, wodurch nach dem Kriege alle Beschwerden abgestellet werden sollten. Mit dieser Verordnung war das Volk zufrieden; es ließ sich willig zum Kriege ausheben und zog mit dem Servilius froh den Feinden entgegen. Der Conful schlug die Feinde, und nahm ihnen Suessa Pometia weg, ließ plündern und theilte die Beute, zu Zahlung der Schulden, unter seine Soldaten. Ein so rühmlicher Feldzug hätte die Ehre eines Triumphes verdienet; aber sein Gegner Appius wußte es zu vereiteln. Servilius sprach ihn sich selbst zu, und zog mit allem bey dieser Feyerlichkeit üblichen Gepränge in die Stadt. So gab Appius abermal Gelegenheit zu einer Neuerung, welche späterhin dem römischen Staate schädlich ward» Man.wartete immer, was für Wege der Senat unterdessen zu Tilgung der Schulden eingeschlagen habe. Klugheit und Billigkeit forderten eine Erleichterung der drückenden Last; aber wie erschrack man, als Appius sogar diejenigen wieder in ihre Gefängnisse führen ließ, welche währendes Krieges waren frey gegeben worden. Servilius ward an sein gegebenes Versprechen und an die ihm so treu und tapfer geleisteten Dienste erinnert; aber dießmal war sein Betragen so feige und zweydeutig und er zeigte so wenig Muth, die gerechte Sache des gedrückten Volkes zu vertheidigen, daß er deswegen eben so die Verachtung der Plebejer, als den Haß der Patricke in gleichem Grade verdiente» Tief fühlte der ärmere Theil des Volkes die unverdiente Kränkung, und verlassen von allen, faßte es den kühnen Entschluß, feine Rettung sich selbst zu verdanken. In zahlreicher Menge versammelte man sich jetzt täglich auf den Forum, und wer immer seinem Gläubiger entfloh, fand Schutz in der Mitte dieser Versammlung. Wollten diese ihre entflohenen Schuldner zurückbringen: so wurden sie verjagt und wüthend zurückgeschlagen. Diese Gährungen wurden nicht wenig vermehrt, als man hörte, daß die Sabiner sich wiederum empöret und die Lateiner in einen Stand gesetzt hätten. Hülfe von Rom zu verlangen. Mit dieser Nachricht trafen zugleich die Abgesandten der Volsker ein, welche ihre, im letzten Kriege, verlornen Felder zurückforderten. Es schien im ganzen, die benachbarten Feinde hatten die Absicht, diese Unruhen, so gut als möglich zu ihren besten zu benützen, und Rom zu stürzen. Das gemeine Volk frohlockte d c 6z) tzF über diese Nachrichten und fetzte den Senat in keine geringe Verlegenheit.' Er hielt häufige Veranschlagungen, wie einem so drohenden Übel nachdrücklich abgeholfen werden könnte, und fand nach allen Überlegungen kein anderes Mittel, als das gewöhnliche, dem Staate einen Diktator zu fetzen, (Erb. R. 260. vor Chr. Geb. 494.) M an ius Valerius, des Poplicola Bruder wurde dazu ernannt. Und seine erste Sorge war das Volk sobald, als möglich zur Ruhe zu bringen; er wiederholte deswegen alle die vorigen Versprechungen des ServiliuS und befahl, daß unter seiner Diktatur niemand Schulden halberauf was immer für eine Artgekränket wurde. Das gutmnthige Volk, das an seinem verstorbenen Bruder einen so' großen Freund gehabt hatte, ließ sich auch von diesem bereden, nahlw abermal die Waffen und schlug die Feinde aller Orken. Der Diktator ward bey seiner Rückkehr mit einem Triumphe beehrt, und erhielt für sich und seine Nachkommen den Vorzug, in der Rennbah- ne einen bestimmten Platz zu haben, den man durch einen curulischen Stuhl auszeichnete. Der redliche Valerius ließ sich nun nichts angelegener seyn, als zum Besten der Unterdrückten die Schuldensache zu enden, und den wucherischen Theil des Senates dahknzubringen, sein Versprechen einst dem Volke zu erfüllen. Aber eine so niedrig gesinnte Parthey vergißt zu bald, was sie aus Noth verspricht. Sie verweigerte nicht nur die gerechten Forderungen, welche der rechtschaffene Diktator für das Volk machte, sondern warf ihm auch das Bestreben seines Hauses vor, daß cs von jeher die Volksgunst gesuchet hätte. Entrüstet über eine so laute Ungerechtigkeit verließ Valerius den Senat und erklärte"dem anwesenden Volke, daß alle feine Bemühungen bisher fruchtlos waren. Er für seine Person danke ihnen allen für ihre ihm geleisteten Dienste, und damit er nicht mehr mit einer so unredlichen Parthey zu thun habe, wolle er künftighin viel lieber im Privatstande leben. Das ganze Volk hatte zu viele Ehrfurcht für ihn, als daß es ihm nicht davon Beweise gegeben hätte: stillschweigend und traurig begleitete es ihn nach Hause. Der Senat sah es wohl ein, daß die Beleidigung, welche er einem so allgemein beym Volke geehrten Diktator zugefüget Hatle, üble Folgen haben konnte; daher trug er den beyden Consuln auf, ihre Armeen unter dem Vorwände eines neuen Feldzuges im Eide zu behalten. Aber dießmal sahen die Soldaten den Kunstgriff zu deutlich ein, und glaubten, nach geendigtem Kriege nicht mehr an ihren Eid gebunden zu seyn; sie bemächtigten sich ohne Vorwissen ihrer Befehlshaber, der Fahnen und anderer Feldzeichen und zogen voll des gerechten Unwillens aus der Stadt. Am An io, ungefähr drey Meilen von Rom, machten sie Halt und schlugen auf einem nahe am Fluße gelegenen Hügel ihr Lager auf. Um genaue Ordnung und gute Mannszucht zu erhalten ward S ic ini u s B e l l u tu s, cm Mann aus dem gemeinen Volke, zum Anführer gewählt. Über eine solche plötzliche Trennung des Volkes von den übrigen Theilen des Staates erschrack der Senat und hatte niemanden, als seiner eigenen Harte und Unredlichkeit die Schuld zu geben. Er gebrauchte Mittel eine Rückkehre der Mißvergnügten zu bewirken; aber ihre Antwort fiel immer da hkn- auv: es sey nicht möglich in eine Stadt zurückznkehren, wo die Patricier so unbarmherzig herrschten, und wo man sich einem Senate, der schon so oft sein gemachtes Versprechen verletzet hätte, nicht wieder anvcrtrauen könnte. Die Armen wären eben auch Bürger, welchen ein Antheil an den, durch ihr Blut, errungenen Vortheilen gebühre; nur scheine in ihrer Vaterstadt keine Möglichkeit, jemals da-> ö" M gelangen. Eine so entschlossene Antwort beunruhigte den Senat nicht wenig, und er merkte zu O 2 HS t «4 ) HS Sllt, -aß dieses Mal der Haufen der Mißvergnügten durch leere Versprechungen nicht würde zu de. sonstigen seyn. Seine Unruhe ward noch mehr vermehrt, da man im Lager die größte Ordnung und strengste Mannszucht beobachten sah. Der Soldat stieg vom Berge, wenn er sich Lebensmittel suchte, und begab sich wieder dahin, ohne jemanden zu beunruhigen. Das ganze Unternehmen hatte das Ansehen eines gut überdachten Plans, und kein Kriegsheek hat jemals diesen Nahmen würdiger getragen. Dieß kühne Unternehmen ward nachgehends mit dem Nahmen der Entw e i ch un g des Volkes auf den heiligen Berg (secessus in monier» racruin) beehret. Das Volk gelangt zur höchsten Macht. (Erb. R. 261. vor Chr. Geb. 49Z.) Äbegen dieser Entweichung wurden häufige Rathsversammlungcn gehalten; nur waren die Beratschlagungen immer noch zu hitzig. Die Schuld ward auf die Unnachglebigkeik des Appius und seines wucherischen Anhanges geworfen; und dieser war immer noch nicht der Mann, der nachgcben konnte, vielmehr stellte er mit vieler Hitze dem Senate vor, daß Nachgiebigkeit sein Ansehen verletze. Unter der gemäßigten Parthcy befanden sich M. V a l e r i uS der vorige Diktator und Men en ius Agrippa, beyde klug und bescheiden und für Herstellung der Ruhe eifrig besorgt. Durch vieles Vorstetten und Bemühen brachten sie es endlich so weit, daß der Sena.t beschloß eine Gesand- sch aft von ansehnlichen und beym Volke viel geltenden Männern an die Entwichenen abzuschicken und es ihrer Klugheit zu überlassen, durch welche Mittel sie die Zwistigkeiten schlichten und Ruhe wieder Herstellen wollten. Man wählte deren zehn, und an ihrer Spitze waren die beyden schon genannten Freunde der gerechten Sache, Valerius und Menen ius und T. Lartius der erste Diktator. Bey ihrer Ankunft im Lager entstand eine allgemeine Freude und man empfing sie mit einer ausgezeichneten Hochachtung, die zugleich ein Beweis war, wie bereitwillig das ganze Volk zur Aussöhnung und Rückkehre sey. Menenius bediente sich jener bekannten Fabel von dem, zwischen dem Magen und übrigen Gliedern entstandenen Zwiste, als diese ihm, seiner Unthätigkeit wegen, ihren Dienst versagten und eben deshalben selbst wegen Mangel an Zufluß der nothwendigen Lebenssäfte in eine tödtliche Kraftlosigkeit hinsanken. Dieß, sagte er, wäre das Bild des Volkes, welches sich wider den Senat,ohne welchen cs doch nicht bestehen könnte, hatte einnehmen lassen. — Ruhige Gemüther hätten wohl das Nachdrückliche dieser Fabel empfunden; aber bey einem Volke das Erleichterung bey der großen Last des Druckes suchte, hatte sie nicht die gewünschten Folgen. Es drang tiefer, als Menenius von gänzlicher Hebung der Schuldensache sprach. Auf dieß mächtige Wort wählte es unverzüglich zwcy Männer aus seinem Mittel, und bevollmächtigte sie, billige Vereinigungspunkte mit den Abgeordneten d ( 6Z ) tzS des Senates zu entwerfen. Sieinius Bell u tu s, der Anführer der Mißvergnügten, und ein gewisser Lucius Junius, der aus Prahlerey wegen Gleichheit seiner Vornahmen sich auch noch Brutus nannte, — Männer aus der niedrigsten Volsklaffe ungestümm, unruhig und voller Ränke — waren die Heyden gewählten Männer, welche das Volk in dieser Sache vorstellen sollten. Die Schuldensache war nicht der einzige BerathschlagungSpmckt: sie forderten eine Versicherung für ein künftiges redliches Verhalten des Senates und begehrten auf Anregung des Junius: es sollten künftighin allezeit zwcy Personen aus dem Volke gewählet werden, die dasselbe vorstellten und genau über dessen Vortheile wachten, auch nichts zuließen, welches dieselben auf was immer eine Art schmälern könnte. Auf eine so unerwartete Forderung waren die senatorifchen Abgeordneten nicht vorbereitet: sie konnten und wollten auch nicht in einer so empfindlichen Sache sechsten etwas entscheiden; sondern schickten den Valerius mit noch einigen nach Rom, die Mepnung des Senates darüber zu vermehren. Der Senat stutzte nicht wenig über diese bedenkliche Forderung; aber die Sache stand nun einmal so, daß man aus Nothwendigkeit die begehrten Forderungen entweder einräumen, oder einen Bürgerkrieg annehmen mußte. Die Abgeordneten erhielten daher die Antwort, daß der Senat Friedens halber in alles willige: und noch im Lager wählte man diese beyden Volksrepräsentanten zu dieser neuen Ehrcnstelle. Man hieß sie Volkstribunen ») und sie konnten sich noch drep Amtsgehülfen wählen, welche sie unterstützen und die Aufsicht über das bürgerliche Bauwesen führen sollten. Von diesem Letzten erhielten sie den Nahmen. Ä di l e s. Auf diese Nachgiebigkeit des Senates gegen das Volk kehrte Ruhe zurück, nnd jedermann ließ sich gerne wider die Volsker werben. Der Consul Com ini u s ( Erb. R. 261. vor Chr. Geb. 49 Z.) schlug die Feinde aller Orten, nahm ihnen die Städte L 0 ng u l a und Poluska weg, und belagerte Corioli ihre Hauptstadt. Die Belagerten thaten tapfern Widerstand und trieben einst bey einem Ausfälle die Römer bis in ihre Verschanzungcn zurück. Hier war es, wo sich C aj. Marcius, ein junger Patricier, als ein tapferer Held unterschied. Er sammelte, die Flüchtigen und griff den Feind so muthig an, daß er ihn zur Flucht nach Corioli nöthigte. Der junge Sieger benützte die Verwirrung und drang mit dem Feinde zugleich in die Stadt. Er versicherte sich der a) Die Tribunen stellten die Person des Volkes vor, und sie wurden deswegen durch ein eigenes Gesetz (I^oxSacra) für unverletzbar ( Sacra-SaucU) erklärt. Wer sich immer an ihnen vergriff, durfte ohne alle gerichtliche Form von wem immer getödtet werden, und hatte er Güter: so wurden sie zum Dienste der Göttinn Ceres eingezogen. Die Tribunen trugen keine äußerlichen Ehrenzeichen nnd durften auch nicht in der Ratl'svecsammlnng erscheinen. Ihr Sitz war anfänglich an der Thüre des Rathssaales, damit sie alle Verhandlungen hören auch allenfalls wider ungünstige Schlüffe Einwendungen machen könnten. Das Veto eines Einzigen war genug dei: Gang der Verhandlungen aufzuhalten nnd abgefaßte Schluffe zu vernichten. Aber so groß ihre Gewalt war, so schrankte sie sich doch nur in die Mauern Noms eür; daher war es ihnen auch nicht erlaubt sich von der Stadt zu entfernen. Auch mußten ihre Häuser Tag und Nacht of. fen bleiben, damit jedermann zu jeder Stunde Schutz und Hülfe ben ihnen suchen könnte. Diese Rechte wußten sie bald so schlau aiiszudehnen, daß endlich kein Vorzug im Staate war, den sie nicht angefallen und sich errungen hätten; und ihre Widersetzlichkeit gieng oft so weit, daß sie den Staat in die größten Unruhen setzten. Die anfängliche Zahl fünf, wurde nachgehends auf jehn vermehrt, und alljährlich durch eine Wahl erneuert. R ( 66 ) ftlben und stieß von da alsogleich wieder zu des Consuls Armee. Er traf diese gerade im Gefechte mit dem Feinde an und half auch da den Sieg erkämpfen. Der Consul verkannte nicht die wichtigen Dienste dieses jungen Helden ; er stellte ihn deswegen vor das ganze Heer, dankte ihm im Nahmen des Staates und setzte ihm eine goldene Krone auf das Haupt. Zu einem Geschenke gab er ihm noch ein schönes Pferd mit Sattel und Zeug und die Erlaubniß für sich den zehnten Theil der Beute nebst zehn Gefangenen zu wählen. Marcius nahm von allem dem nichts, als das Pferd und von den Gefangenen einen alten Freund seines Hauses. Diese Uneigennützigkeit und edle Gesinnung brachte selbst den Neid zum Schweigen. Der junge Mann erhielt noch vom Consul den Beynahmen C o- r io lanus von der eroberten Stadt Corioli; ein verdienter Nahmen, auf den er ^jederzeit stolz war, und der seine Tapferkeit verewigte. In diesem Jahre starb Men en ius Agrippa, den der Staat seine innere Ruhe am meisten zu verdanken hatte. Seine Uneigennützigkeit bey Verwaltung der Staasgeschäfte hatte ihn ebenso, wie den Valerius Poplicola, in sehr dürftige Umstände versetzt, und es war bey seinem Tode eben auch weder einmal so viel da, daß er auf eine anständige Art beerdiget werden konnte. Das Volk legte sich deswegen selbst eine Schatzung auf, und bemühte sich sein Lcichenbegängniß zu verherrlichen; aber der Senat nahm nichts von diesem Gelde an, sondern befahl den Quästoren, dem verdienstvollen Manne ein' vornehmes Lcichenbegängniß aus dem öffentlichen Schatze zu veranstalten. Das Volk wollte sein Geld nicht zurück nehmen sondern schenkte cs den Kindern des Verstorbenen. So wußte der gemeine Mann in Rom das Verdienst zu schätzen und gegen seine Beschützer, auch nachdem Tode, dankbar zu seyn. Meneuius hat so, wie Poplicola, den Nachkommen zu einem nachahmungswürdigen Muster der uneigennützigsten Staatsverwaltung gedient, und man weiß, daß großmükhige Verachtung des Reichthums, ungeachtet der vielen Beyspiele des niedrigsten Geizes, jederzeit ein unterscheidendes Merkmal der größten Helden und vortreflichsten Staatsmänner in Rom und in Griechenland gewesen ist. Nach dem Tode dieses Mannes fiel Rom in neue Unruhen, welche die Volkstrübunen aus Gelegenheit einer entstandenen Hungersnoth erregten. Sie wußten das Volk zu überreden, daß der Senat die ganze Schuld trüge, und das vorrälhige Getreide blos zu feinem Gebrauche zurückgeleget hätte. Das Volk ertrug die einrcißende Noth mit Murren, und glaubte seinen Tribunen. Bey nothwendiger Erduldung eines Übels ist man gemeiniglich auch ungerecht; weil man sich nicht bemüht über die Ursachen desselben nachzudenken und leicht wider diejenigen erbittert wird, von denen man vergeblich Hülfe erwartet. Der Senat gab sich alle Mühe den üblen Folgen dieser neuen Gah- rung vorzubeugen, und war auf Einrathen des Appius entschlossen die Tribunen, als Urheber dieser Unruhen zu strafen. Wirklich hatte man das Volk in dieser Absicht versammelt, und die Consul» waren schon in: Begriffe den Rathschluß demselben vorzutragen,; aber die Tribunen unterbrachen sie, und veranlaßtcn eine Volksverordnung, (? 1 ediscitnm) welche einem jeden auftrug: die in den Comitien zum Volke redenden Tribunen auf keinerley Art, unter einer schweren Strafe, z» unterbrechen. (Erb. N. 262. vor Chr. Geb. Z92.) Jcilius und Junius Brutus, die vorzüglichsten Urheber dieser Verordnung, fanden'dabey sehr heftigen Widerstand; aber ste blieben standhaft und brachten es durch ihre Verweigerung: keinen Rathschluß (Lenaius conLulwm) künftighin NB ( 67 > »KB anzunehmen , dahin, daß der Senat die Volksverordnungen bestättigte. Hierdurch ward die Macht und das Ansehen der Volkstribune nicht wenig erweitert, und sie gelangten nun erst in den Stand das Volk mit Nachdruck schützen zu können. Dieser einheimischen Unruhen bediente^ sich die Einwohner von Anti um und unternahmen Streiftreyen in das römische Gebiet. Die Consuln wollten sie dafür züchtigen; aber die Tribunen hinderten abermal die Werbung; diesmal wagte es Corio.lan eine hinlängliche Anzahl Freywilliger aufzubringen und den Feinden entgegen zu rücken. Er vertrieb sie, und machte -abey viele Beute. Seine Uneigennützigkeit behielt sich nichts, sondern sie ward alle unter die Freywilligen vertheilt. Dies war es, was bald zum Vorwände wider ihn diente und seinen Sturz vollendete. Coriolan sucht Zuflucht bey den Volskern. Knpf. XXI. vkun war Getreide gnug vom König Gelo angekommen, und der gemäßigte Therl des Senates rieth, man solle wenigstens ärmeren Familien einen Theil desselben unentgeltlich austheilen: dawider stritt die Gegenparthcy, und glaubte, eben jetzt das beste Mittel in Händen zu haben, die unruhigen Aufwiegler zu strafen, und die Frechheit der Plebejer zu bezähmen. Coriolan stand unglücklicher Weise an der Spitze dieser Letzten und setzte noch hinzu, daß man bey so günstigen Umstanden wohl auf die Abschaffung der Volkstribunen und der auf dem heiligen Berge ekngegangenen Vertrage dringen könnte. Der junge Mann hatte freylich alle Eigenschaften eines tapferen Helden ; aber nur zuwenig die Mäßigung eines weisen und klugen Mannes, der es allein versteht, wie man durch das Sanfte und Bescheidene bey der Tugend, das Herz gewinnen und jedermann an stch reißen kann. Seine gc- haßige Härte brachte die Tribunen rn Harnisch ; sie wiegelten das Volk wider ihn auf und beschloßt seinen gänzlichen Sturz.- Vielleicht hatte man ihn schon im Senate gcmißhandelt, wenn nicht selbst die Tribunen zum Schein einer Mäßigung, die Rachgier des Volkes zuruckgehalten hätten; aber man hob für ihn eine empfindlichere Kränkung auf und lud ihn vor das Gericht der versammelten Cu- rien. Coriolan hatte zu viel edlen Stolz, als daß er Aufwiegler und ein aufgehetztes Volk für seine Richter anerkannt hatte; deswegen suchte man sich seiner mit Gewalt zu bemächtigen; aber sein starker Arm half ihm dießmal durch : und er entkam glücklich durch Hülfe der jungen Patricier. Den andern Tag versammelten die Tribunen das Volk abermal und wiederholten ihre Klage sowohl wider den Coriolan, als auch überhaupt wider den ganzen patricischen Orden. M. Min lick us, der älteste Conful, (Erb. R. 26z. vor Chr. Geb: 491.) übernahm die Verteidigung des Beklagten, und setzte hinzu, das Volk würde bald überflüssig mit Getreide versehen werden. Sk- rin i u s, -er jetzt das zweyte Mal Volkstribun war, dankte dem Consul für die gute Gefmnung ge- R 2 -K S ( 68 ) HS gen das Volk, rleth aber auch dabey auf eine schlaue Art, Coriolan möchte seine Zuflucht zum Volke nehmen. Dieß erregte in dem stolzen Beklagten zu viel Unwillen, als daß er langer geschwiegen hätte. Voll Zuversicht auf sein Verdienst erhob er sich von seinem Sitze, wiederholte alle seine vorhin gelhanen Reden, nannte die Tribunen das Gift dek allgemeinen Ruhe, und schwur ihnen ewigen Haß. Mehr brauchte es nicht, das Volk und seine Tribunen in Muth zu setzen. Sicinins war. tete nnn weder einmal auf eine Berathschlagung mit seinen Collegen oder auf eine Stimmensammlung, sondern sprach ihm eigenmächtig das Leben ab, und befahl den Ädilen ihn alsobald vom tarpejifchen Felsen zu stürzen. Die Patricicr venheidigten ihr muthvolles Mitglied, und das Volk getraute sich nicht die Ädilen in ihrem Dienste zu unterstützen. Sicinius war bey diesem Auftritte nicht verlegen, sondern bestimmte ihm den siebzehnten Tag zum Verhöre nach den Gesetzen in der Versammlung des Volkes nach seinen Tribussen. (Comitin tributn) Die Confuln sahen es vor, daß Coriolan in dieser Versammlung, wo jede einzelne Stimme gehöret wird, nothwendig fallen müsse; daher widersetzten sie sich dieser Neuerung aus allen Kräften, und drangen auf die Volksversammlung nach Centuri en, ( Comitia Centnrintn) wie sie Servius Tullius eingerichtet halte; aber die Tribunen ließen sich nicht davon abbringen; weil sie in diesen Versammlungen den Sieg vollkommen in Händen hätten. Der bestimmte Tag brach an, und Coriolan stand wieder vor dem Gerichte. Anstatt der Verthcidigung auf die wiederholte Klage, erzählte er seine Verdienste um das Vaterland, zeigte die vielen Kränze und nannte zugleich die Bürger, denen er das Leben erhalten, wies die rühmlichen Narben, die er in den vielen Gefechten fürs Vaterland empfangen hatte, und fragte endlich mit Zuversicht, ob ihn dergleichen Handlungen zu einem Vo l kverräthcr machten.? Das Volk ward gerührt und stand schon im Begriffe ihn gänzlich loszusprcchen, als der jüngere Tribun Decius eine neue Klage vorbrachte: „Coriolan habe die Beute bey Antium an seine Soldaten vcrtheilt, welche doch nach den Gesetzen an die Quästoren hätte ausgeliefert werden sollen." Auf eine solche Anklage war niemand gefaßt. Die Tribunen machten sich die Verlegenheit zu Nutzen, und brachten es beym Volke dahin, daß Coriolan durch die Mehrheit der Stimmen zur ewigen Verweisung von Rom verurtheilet ward. (Erb. R. 26Z. vor Chr. Geb. 49t.) So siegten die Tribunen, diese neue Volksobrigkeit, über den Senat und den ganzen patricifchen Ordem Das Volk war ihr Rückenhalt, und hinter diesem machten sie sich zu den obersten Richtern und entschieden vor ihrem Richterftuhle das Schicksal der größten Männer im Staate. Coriolan war der erste verdienstvolle Pa- tricier, der ihrer Leidenschaft zum Opfer fiel und das Volk frohlockte darüber eben so sehr, als wenn es den herrlichsten Sieg über einen mächtigen Feind erfochten hätte. Aber bald erfuhr es, wie viel daran liege, einen Mann zu schonen, der durch feinen Charakter fähig ist, in gleichem Grade zu schaden, wie zu nützen. Coriolan verließ die Versammlung mit einem Herzen voll Rache und war gegen den Senat eben so erbittert, als gegen das Volk und feine Tribunen. In seinem Haufe schwamm alles in Thranen und Mutter und Gemahlin wcrren innigst betrübt. Bcyde verloren, was ste am meisten liebten, Veturia den liebvollen Sohn, und Volumnia den zärtlichstem Gatten. Ihr Schick- HS ( §9 ) tzS- fal wa» traurig und sie hielten es für unmöglich sich darein zu fügen; aber die große Seele CorkolanS kannte nicht, was weibliche Seelen nicderschlagt. Seine Starke flößte der Mutter und Gemah. lin Standhaftigkeit ein, daß sie ein Schicksal übernahmen, das nun nicht mehr zu andern war. Bis an das Stadtthor begleiteten ihn viele Senatoren und Patricier vom ersten Range, und Coriolan sprach zu ihnen kein einziges Wort. Es war nicht stiller Schmerz, der feine Zunge lahmte: es war Strafe für schwache Seelen, die sich nicht getrauet hatten, ihr Ansehen einer lärmenden Menge cntgegeuzusetzen. Auf feinem Landhause überlegte erst der edle Verwiesene fein Schicksal, und entschloß sich endlich: zu den Volskern, den alten Feinden Roms, zu übergehen und Rache gegen sein undankbares Vaterland zu suchen. Ohne lange zu zögern nahm er fremde Kleidung und trat den Weg nach Antium an, wo A t t i us T u l lu s, der Feldherr der Volsker mit dem er schon manches Gefecht glücklich gcwaget, sich dazumal aufhielt. Grade in das Haus dieses Oberhauptes gieng des Verwiesenen Weg. Hier saß er mit ver. hulltem Gesicht am heiligen Heerde unter dem Schutze der Hausgötter im tiefen Schweigen und mit herabgesenktem Haupte. Jedermann wunderte sich über das Betragen eines so ausserordentlichen Fremdlings, und Mins faß grade bepm Abendmahle, als man ihm die Ankunft dieses besondern Menschen meldete; er kam zu ihm am Herd, und nun sprach Coriolan zum ersten Male wieder: „Ich bin Cajus Marc ius, sagte er, welchen Rom aus Schwachheit feines Senats und aus Undank- barkeit des Volks von sich verstossen hat. Man heißt mich noch Cor iol an, und das ist das Ein- zige, was man zum Lohne meiner Verdienste (mir noch übrig gelassen hat. Mein Leben steht in deiner Hand : du kannst nun fr e y das Unheil, welches ich deinem Vaterlande zugefüget habe, an mir rachen; willst du das nicht, so brauche mich wider mein Vater l au d zur Rachen" Tullus kannte nicht die Rache niedriger Seelen; ihm rührte das Unglück und die niedrige Behandlung eines so verdienten Mannes. Voll des edlen Stolzes reicht er ihm zur Aussöhnung die Hand, versichert ihn seines mächtigen Schutzes: „dein Vertrauen , Coriolan, sagte der Großnntthkge, ist das Pfand deiner Sicherheit- Du nahmst uns viel; aber durch deine Person giebst du uns noch viel mehr wieder. Wir wollen Dein Verdienst besser erkennen." Eine so freundliche Aufnahme in dem Hause eines Feindes war Corkolanen unerwartet und fachte noch mehr das Feuer seiner Rache an. Er überlegte selbst und hielt oft Beratschlagungen, wie man Ursache zum Bruche mit den Römern finden könne. Endlich kam man darin überein, daß man noch wahrendes Waffenstillstandes einige von den abgetretenen Heldern zurncksordern wollte. Dieß geschah und die Römer schlugen, wie es die Volsftr wünschten und erwarteten, diese Forderung ab. Die Kriegsrüstungen wurden nun aus allen kästen betrieben, und man glaubte den Oberbefehl über denjenigen Theil der Armee, der gegen om anrncken sollte, niemanden besser, als dem Coriolan anvertrauen zu können; denn sein Haß Segen Nom war bekannt?, und sein Betragen unter den Volskern hatte ihm so viel Achtung erworben, M man ihn schon ganz für den Seknigen hielt. Coriolan war voller Freude, daß er endlich auf sein undankbares Vaterland das schwere Gewicht fl uer Rache werfen konnte. Ohne lange zu weilen trat er den Zug nach Rom an, ( Erb. N. 264. vor Geb. 490.) und verheerte Felder und Ortschaften, wo sie ihm immer vorkamen. Die Rö- S -KS (7°) »KK mcr erschracken über die Ankunft eines Feindes, der in eben dem Grade tapfer als rachgierig war. Das Volk und der Adel machten einander bittere Vorwürfe, und eines gab dem andern die Schuld.' Die Plebejer glaubten, die Patricier hatten ihr beleidigtes Mitglied, ihnen und ihren Tribunen zur Rache, gerufen: und die Patricier schalten ihren Haß gegen den Coriolanus, den nur Verzweiflung bey einer so unbilligen Behandlung zu einem solchen Schritte hatte reizen können. Coriolan stand unterdessen wenige Meilen von Rom, welches dießmal am allerwenigsten zu einer Gegenwehr gefaßt war. Der Senat hielt häufige Berathfchlagungen, und am Ende ward doch kein anderer Schluß gemacht , als an den beleidigten Landsmann eine ansehnliche Gesandschaft zu schicken, und diejenigen Senatoren hiezu zu wählen, die theilö Eonsuln, theils seine persönlichen Freunde von jeher gewesen waren. Coriolan empfing die römischen Abgesandten mit allen, ihrem ho Heu Charakter gebührenden Ehrenbezeugungen, aber auch mit der Würde, und dem Ansehen eines feindlichen Feldherrn, welchem die Macht zur Seite stand. Er ließ fie durch die Reihen seiner Armee durchführen, stellte feine vornehmsten Befehlshaber um seinen Richterstuhl her, und veranstaltete alles, was ihm das Anse- hen gab, daß er Gesetze vorschreiben wollte. Die Gesandten machten ihm dringende Vorstellungen von der Nothwendigkeit des Friedens zwischen ihnen und den Volskern und baten inständig sein Vaterland der Rache nicht gänzlich Preis zu geben. Coriolan ließ sich von alle dem nicht bewegen, sondern beharrte auf Erfüllung der beyden Bedingungen: den Volskern ihre abgenommenen Ländereyen wiederzugeben, und fie eben so wie die Lateiner, zum römischen Bürgerrechte anzunehmen. Würde man sich zur pünktlichen Erfüllung dieser billigen Bedingungen nicht verstehen so wäre nichts gewisser, als daß er ihre Stadt einnähme. Die Gesandten waren hierzu nicht bevollmächtiget und hatten auch zu viel Gewicht in das Nachdrückliche ihrer Vorstellungen gesetzt; daher war ein freywillig angetragener Waffenstillstand auf dreyfig Tage im römischen Gebiete das Einzige, waS fie aus Dankbarkeit wegen großmüthiger Beschützung seiner Mutter, Gemahlin und Kinder von ihm erhielten, Diese Zeit, sagte er, sollten fie dazu benützen, ihm eine befriedigende Antwort zu bringen. Die Zeit war verflossen, und Coriolan befand fich wieder vor Rom. Der Senat glaubte abermal, nach langen Berathfchlagungen, den Starrsinn des Feindes durch eine Gesandtschaft zu brechen: aber Coriolan blieb unbeweglich bey seinem Entschlüße, und erlaubte nur noch drey Tage Bedenkzeit, nach deren Verlauf niemand Zutritt bey ihm mehr finden würde. Diese Antwort erregte in Rom allgemeine Bestürzung und man glaubte nun nichts gewisser, als die Einnahme der Stadt und den Untergang des, Staates. In dieser Verwirrung dachte niemand auf eine ernsthafte Gegenwehr und die Anstalten, die man traf, waren schwach und unbedeutend. Man entschloß sich daher noch zu einer dritten Gesandtschaft an den unerbittlichen Feind, und wählte hierzu die Vornehmsten aus allen Gattungen der römischen Priester. Coriolan empfing fie mit aller Ehrerbietung, und ließ dem Senate melden, die Bedingnissen zu erfüllen, oder den Angriff der Stadt alsobald zu erwarten. Nun war alle Hoffnung hin, und jedermann wartete das traurige Zeichen des einstürmendcu Feindes. > LLSM" ^E8 ^///^ — HS . c 7i) tzS Coriolan wird durch Fürbitte seiner Mutter zum Abzüge von Rom bewogen. Kupf. XXII. §n dieser betrübten Lage nahm alles Volk feine Zuflucht zum Schuhe der Gitter: und Tempel und Altäre waren voll von Menschen aus allen Standen. Unter diesen war auch Valeria, eine ansehnliche Makrone, und Schwester jenes berühmten Valerius Poplicola. Gleichsam von einer Begeisterung ergriffen, stellte fie den anwesenden Matronen vor, es sey noch nicht alle Hoffnung zu einer Rettung verschwunden: man wisse es allgemein, wie zärtlich Coriolan seine Mutter und Gattin liebe. Was er bisher den Senatoren und Priestern als Feldherr der Volsker verweigert hatte, wäre aus billiger Rache gegen den Undank geschehen; aber wenn Mutter und Gattin käme, würde das Herz des Sohnes und Gatten bald erweichen, und Rom einen günstigen Frieden bewilligen. Diese Rede ermunterte Diele der Frauen; sie begaben sich insgesammt zu Coriolans Mutter und Gattin hin. Veturia und Volumina lagen noch tief in Schmerzen und Kummer, als Valeria und die übrigen Matronen einLraten und kniefällig und mit vielen Thränen Rettung für Nom von ihnen Laten. „Nur ihr, sagten sie, sepd noch übrig, deren Bitten und Thränen ein so rechtschaffener Sohn und zärtlicher Gatte nicht widerstehen wird. Wir wollen euch bis hin ins Lager begleiten; kommet, rettet die Freyheik und Ehre des Vaterlands! Wisset ihr, ob nicht die Götter grade euch zu unse- rer Rettung wählen?^ — Veturia, so heftig Kummer und Schmerz in ihr nagten, wußte sich dennoch zu fassen: „Schwach ist die Hülfe, sagte sie, die ihr euch wählet. Seit seiner Verbannung haben wir kein Merkmal seiner zärtlichen Liebe gesehen, weder einmal etwas von ihm erfahren können. Sollte sich wohl sein erhärtetes Herz von der Bitte zweyer römischen Frauen beugen lassen, da es die vornehmsten Senatoren und Diener der Religion nicht bewegen konnten ? " Hierauf stellte sie ihnen noch vor, daß die Bitte selbst seinen gerechten Unwillen erregen müsse, weil deren Bewilligung mit seiner Rechtschaffenheit nicht bestünde und ihn vor Göttern und Menschen brandmarke. Schonung seiner undankbaren Vaterstadt wäre Hochverrath und der gröbste Undank gegen eine großmuthige Nation, die ihn geschützt und zu Ehren befördert hätte. Seine Rache wäre nicht ungerecht; denn das römische Volk hätte ihm so begegnet, als wenn er der größten Laster gegen den Staat fähig gewesen wäre. Sie als Mutter könne sich nicht entschließen ihren rechtschaffenen Sohn zu Gunsten einer undankbaren Stadt um eine so unredliche Handlung zu bitten. Es wäre also nichts anders zu thun, als dem Schicksale sich standhaft zu überlassen. Die römischen Frauen sahen wohl das Gründliche dieser Vorstellungen; aber Liebe zu ihrem Vaterlande zwang sie nochmal mit Thränen und gebogenen Knkeen Mutter und Gemahlin zu bitten: Veturia ward gerührt dicß traurige Geschäft, wenn es sonst der Senat für gut befände, zu übernehmen. Ein neuer Stral zur Hoffnung glanzte: und froh und voll Zuversicht bestiegen die weifen Matronen die Wagen, die ihnen der Senat zum Lager der Volsker vorführen ließ. S s HF t ?r ) HF Corkolan war zwar -er unerbittlichste Fein- gegen feine Feinde und Beleidiger; aber auch gegen Mutter und Gattin eben so liebvoll und zärtlich. Mit innigster Freude und Rührung em, psteng er sie beyde und glaubte im Stande zu seyn ihre Bitte standhaft zu verweigern; ober er hatte seinem Herzen zu viel getraut. Seine Seele schmolz nach einer so langen Trennung von scinenLie- ben, und die ersten Umarmungen, die er von Mutter und Gattin genoß, stimmten ihn ganz zur Vergessenheit der erlittenen Unbild. Veturia begann mit Zuversicht ihr aufgetragencs Werk, lobte die Zuneigung und Freundschaft dieser nütgckommenen Frauen und vergaß nicht den Kummer zu schildern, den sie alle bepm Unglücke des Vaterlandes fühlten. Coriolan fürchtete Verdacht beym Volskischen Heere; ließ alle vornehme Befehlshaber rufen, und erklärte in ihrer Gegenwart die unmögliche Gewährung der mütterlichen Bitte. Die Volsker, sagte er, hätten zu großmüthig gegen ihn gehandelt, als daß er itzt ihren Vortheil verrathen könnte; wollte Veturia und Volumnia das undankbare Rom verlassen : so würden sie gewiß bey den Volskern Glück und Ehre reichlich finden. Aber Veturia beharrte auf ihrer Bitte und erklärte, daß sie nichts begehre, was seiner Ehre nachtheilig wäre: die Vermittelung eines Friedens zwischen den Volskern und Nom mache ihn noch nicht undankbar gegen seine Beschützer. „Diesen mein Sohn, sprach sie, bring uns zu wege," und warf sich zugleich hin vor seine Füsse, und Volumnia, die Gattin, und die übrigen Matronen kha- ten ein Gleiches. Der Auftritt war rührend und die Volsker wurden weich; denn noch nie hatten sie gesehen, daß eine Mutter vor ihrem Sohne kniefällig lag, und mit Thränen, nicht um ihre, sondern um die Erhaltung undankbarer Bürger bäte. Der Kampf im Herzen des Sohnes war schwer, aber kindliche Liebe siegte. Der Sohn der edlen Veturia vergaß, daß er Feldherr der Volsker ftp; voller zärtlichen Rührung hob er seine Mutter empor: ,, Mutt er, sprach er, du rettest Rom; aber dein Sohn ist verloren!" Und nun entwaffnet von den Thränen der Mutter, dachte er nur über Mittel nach, wie er seiner undankbaren Vaterstadt den Frieden wiedergeben könnte. Nach dem Abzüge der römischen Frauen berufte er seine vornehmsten Befehlshaber zusammen, und stellte ihnen vor, wie schwer und fast unmöglich es seyn würde, eine Stadt einzunehmen, die an ihren muthigen und durch Schlachten geprüften Bürgern ein tapferes und wohlgeordnetes Heer zu ihrer Besatzung hätte. Wollte man sie zur Verzweiflung bringen, so würden diese das Äußerste thun; und er zweifle sehr, ob es den Volskern, bey aller ihrer Tapferkeit zum Vortheile gereichen würde. Er, für seine Person, glaube, man solle die Sperrung aufheben, und mir Rom einen gütlichen Vergleich eingehen. Die Volsker ließen sich von diesen Vorstellungen ihres Fcldherrn leicht überreden: sein Ansehen bey ihnen war groß, und itzt durch die Ehrfurcht gegen seine Mutter noch mehr gewachsen. Sie waren zufrieden, als er das Lager abbrechen ließ und traten willig mit ihm den Rückzug nach Hause an. Alle gemachte Beute ward mitgenommen und unter die Soldaten vertheilt, von der er sich auch nicht das Geringste behielt. So endigte sich eiu Krieg, welcher Rom das größte Unglück anfänglich drohte, und durch bloße kindliche Zuneigung gegen eine würdige Mutter gütlich beygelegt ward, u) . a) Die Römer verewigten nachgehends diese glückliche Beylegnug eines so bedenklichen Krieges dnrch Errichtung eines -Lempels und Feyerung eines jährlichen Festes, welches den 6teu Julius siel. -KS c 73 ) «KB Das Benehmen Conolans gegen eine Stadt, an der man sich gern schon lange nachdrücklich gerächet hatte, war bey seiner Rückkunft nicht so gleichgültig ausgenommen, als es diejenigen gelharr hatten, welche Zeugen von der Zärtlichkeit gegen seine Mutter gewesen waren. Am meisten war Attius damit unzufrieden , der, bey aller seiner Eifersucht auf das Glück und die steigende Größe Conolans unter den Volskern, dennoch einen ausschlagenden Sieg über die Römer erwartet hatte. Coriolan merkte wohl die Unzufriedenheit und wollte allen unangenehmen Folgen zuvorkommen. Er verlangte eine Volksversammlung, und wollte ihr, sich vom Verdachte zu reinigen, die Ursachen seines Ver- Haltens angcben; aber Attius, der sich vor seiner Beredsamkeit eben so sehr als vor seiner Tapferkeit fürchtete, sah es vor, daß die Volsker sich gewiß würden überreden lassen; für diesen Fall hatte er Leute gedungen, die einen Auflauf erregen und seinen aufgenommenen Gastfreund tödten sollten. Co- riolan verlor also hier sein Leben oder wie andere erzählen, er rettete sich durch die Flucht und hatte das Unglück, als ein Verwiesener, herumzuirren, bis er lebenssatk vor Alter starb^ Coriolan gehört unter die größten Männer damaliger Zeit und hatte gewiß ein besseres Schicksal gehabt, wenn er im Stande gewesen wäre mit seinen überwiegenden Eigenschaften mehr Mäßigung zu verbinden. Seine kindliche Liebe gegen seine Mutter, die er in manchen Fällen seines Lebens geäußert hat, ist ein immerwährendes Beyspiel, und wäre zu einer jeden andern Zeit besser ausgenommen worden, wenn nicht dazumal die Tribunen alles, was patricisch war, angeftindet und sich dadurch beym Volke wichtig zu machen angefangen hätten. Auf diese Unruhen erhoben sich bald andere, welche über hundert Jahre fortdauerten» Die Gelegenheit hiezu war das berühmte AckergeseH, (l.ex nZrnrin) welches eine allgemeine Fcldervertheilung vorschrieb, damit auch die armen Bürger einen Antheil an den durch ihren Dienst eroberten Ländereyen hätten. Bis daher hatten die Patncier alles an sich zu bringen gewußt, da sie sich eines Theils beträchtliche Landstücke um einen äußerst geringen Preis entweder zuschlagen ließen, oder auch nur als Pachtfelder vom Staate übernahmen; andern Theils den armen Bürgern zu Zah- lung der Ungeheuern Zinsen ungerecht abnahmen. Der Cousul Sp» Cassius Viscellinus schlug also ( Erb. N. 268. vor Chr. Geb. 486.) zum Besten der armen Bürger die gemeldete Verkeilung vor, und wollte, daß die Patricier die auf eine so schlaue Art an sich gerissenen Felder nicht nur zurückgeben, sondern daß auch noch die Lateiner und die unlängst mit Rom verbündeten Hernk- cier, die man sich näher verbinden, und zu wichtigen Diensten gebrauchen könnte, in diese Verteilung gezogen werden sollten. Der Vorschlag gefiel dem Volke; aber von Seiten des Senates und der Tribunen fand er den heftigsten Widerstand. Der Erste warf den Consul Ehrgeiz vor und die Zweyten verdroß es, daß die Hcrnicier in die Thcilung verflochten waren. Der wahre Grund ihres Verdrusses bestand abcv darinn, daß nicht sie, sondern ein Consul, der Urheber dieses Vorschlags waren; daher glaubten Der Tempel war der Glücksgöttin der Weiber (ch'orwnae mullsbri) geheiliget, und nur Frauen hatten das Recht hiueinzugehen. T HS ( 74 ) HS sie auch, si- könnten durch Gutheißung desselben etwas von ihrer Macht vergeben, und verharrten fest auf ihrem Widerstande. Cassius gab noch nicht alle Hoffnung auf, sondern rufte so viele Latek« ner, als möglich war, nach Rom, wo sie ohne das schon das Bürgerrecht hatten. Dieß erregte neue Unruhen und beförderte den Sturz des Confuls; seine Absicht ward dahin ausgelcgt, daß er nur deswegen Fremde nach Rom beriefe, seinen Anschlag wider die Freyheik des Volkes desto gewisser ausführen zu können. Eifersucht lauerte auf Rache und wartete mit Ungeduld, bis sein Amtsjahr vor. über war. Unterdessen hatte der Senat die wahre Absicht der Tribunen bey diesem Widerstande ein. gesehen und beschloß die Beschwerden des Volkes selbst abzustellen. Appius Claudius machte hierzu den Vorschlag, der aber uiemal in Erfüllung kam: der Senat sollte nahmlich Zehn Mann er ernennen, welche eine Untersuchung der Staats.Felder vornehmen, und dieselben theils unter arme Bürger vertheilen, theils verkaufen oder auch verpachten sollten; doch sollte keine Verpachtung lan. ger, als fünf Jahre dauern. Der Senat billigte seine Meynung und verfaßte eine Verordnung, kraft deren die Consuln des folgenden Jahres Zehnmänner mit dieser Vollmacht ernennen sollten. Unter diesen Unruhen war das Consulat des Cassius zu Ende gegangen und Sero. Cor. nelius Maluginensis und Q. Fabius Vibulanus (Erb. R. 269. vor Chr. Geb. 485.) waren an seine und seines Amtsgehülfen Virginias Stelle gekommen. Die beyden Luastores Caso Fabius und Valerius übernahmen die Anklage, und wußten die Handlungendes Cassius beym Volke so schwarz zu machen, daß es ungczweifelt glaubte, er wäre wirklich darauf umgegangen, durch Hülfe fremder nach Rom gcrufter Völker die Oberherrschaft an sich zu reißen. Cassius machte Ein- Wendungen; aber man hatte seinen Untergang beschlossen, und achtete wenig darauf. Das Urtheil des Todes ward über ihn gefallt und er ward als ein Staatsverrather vom tarpejischen Felsen herab, gestürzt, a) So fand aberma! ein Mann, der zu Herstellung der Ruhe und friedlichen Vereint« gung der beyden immerfort streitenden Parteyen die beste Absicht haben mochte, seinen Tod. Der Senat hat sich nachgehends dergleichen Anklagen bey Männern die seinem Vortheile zum Besten des Volkes entgcgenhandelten noch oft bedient. Ganz Rom wartete bis der Senat zu Berichtigung der eigentlichen Staatsfelder die Zehnmänner ernennen würde; aber umsonst: sehr deutlich war es zu merken, daß es ihm nicht Ernst fty, die Consuln selbst suchten Gelegenheit die Aufmerksamkeit der Tribunen und des Volkes auf andere Dinge zu lenken. Ein Krieg war schon von jeher das bekannte und sicherste Mittel, zu dem sich aber dießmal das Volk nur aus Furcht vor dem Appius, den man als Diktator zu setzen drohte, wider die Vejenter und Volsker anwerben ließ. Unterdessen erneuerten die Tribunen ihre Klagen wegen Verzögerung der bewilligten Felderaustheilung immer noch. Der Senat hatte aber schon dafür ge« sorgt, daß nur immer solche Männer zum Lonsulate gelangten, welche die Zehnmänner niemals ernennen würden. Eben itzt brach der Krieg wider die Volsker aufs neue aus und auch die Hernicier hatten bald darauf einige Slreifereyen in das Römische gewagt. Die Tribunen glaubten, den Senat durch Verweigerung der Werbungen zur Zehnmännnerwahl zu zwingen; aber dieser fand jeder- ») Man sagt, des Cassius eigener Vater soll der Ankläger gewesen ftyn, und das Todesurtheil in seine« Hause haben vollziehen lassen. ( 75 ) zeit Mittel -en Widerstand der Tribunen zu vereiteln, und mit einer Armee ins Feld zu ziehen« Wider die Hernicier erfocht der Consul M. Fabius V ib ulanus (Erb. R. 274. vor Ehr. Geb, 480.) einen vollkommnen, aber sehr theuern Sieg, weil eine Menge Patricier auf dem Platze blieb. Unter den gebliebenen war selbst Manlius sein Amtsgehülfe und L» Fabius sein Bruder. Der Verlust des Letzten gkeng ihm so zu Herzen, daß er sich einen Triumph verbath und in der Trauer in die Stadt zog. Bald darauf legte er sogar das Consulak nieder und ließ ein Interregnum. Durch diese letzte Handlung machte er sich und sein ganzes Geschlecht beym Volke so beliebt, daß von .nun an die Fabier in größten Ansehen standen. Die Hetrusker thaken abermal Streisereyen in das römische Gebiet, und wagten sich bis an den Jauiculus hin; das Volk ließ sich wiederum nicht anwerben, es sey denn, man habe das Ackergesetz in Richtigkeit gebracht. Caso Fabius, der damalige Consul (Erb. R. 27Z. vor Chr. Geb. 479 ) nahm es auf sich die römische Grenze gegen den Einbruch dieser Feinde zu vertheidigen, und versammelte deswegen alle waffenfähige Männer seines HauseS, seiner ganzen Familie, an der Zahl -reyhundert sechs, und zugleich alle ihre Schutzverwandte bey vier tausend Mann. Die Anführung derselben übergab er unterdessen dem M. Fabius, bis er selbst Nachkommen konnte. Sln den Ufern der Cremera (la Varc» ) schlugen sie das Lager und verschanzten sich, so gut es die Umstände zuließen. Aus diesen streiften sie in der Feinde Land und verheerten es. Nach der neuen Consulwahl kam Caso Fabius selbst nach Cremera und der Senat gab ihm den Titel eines Procv nsuls, —- ein Nahmen den man neu für ihn erfand und welcher ihm alle Gewalt über sein kleines Herr, aber sonst keine andere Macht einraumte. — Er und die übrigen Fabier verteidigten ihren Posten mit vieler Tapferkeit und fügten den Feinden manchen Schaden zu. Aber unglücklicher Weise ließ sich einst die kleine Schaar in einen Hinterhalt von den Vejentern locken, sie verteidigten sich tapfer, wurden aber doch von der Übermacht überwältiget und sämmtlich getödtet. (Erb. R. 277. voe. Chr. Geb. 477.) Die Nachricht von diesem Unfälle empfingen die Römer mit vieler Bestürzung, daß sie sogar diesen Tag unter die unglücklichen (nefarti) in ihren Calender setzten, und das Carmen talische Thor, wodurch die Fabier ausgerückt waren, von nun an die Porta sc e. l e r a t a hießen. Der Krieg dauerte noch einige Zeit fort, bis die Consuln A. V i r g kni u s und Sp. Servil»s (Erb. R. 278. wor Chr. Geb. 476.) die Hetrusker aus der Gegend von Rom vertrieben, und sie in ihr Land zurückschlugen. Rom genoß nun wieder Ruhe vor auswärtigen Feinden; aber in seinem Innern lag zu viel Samen zu neuen Unruhen. Das harte und unkluge Betragen der Consuln L. Amilins M am er« cinus (zum Zten Mal) und Vopiscus Z u li us (Erb. R. 281. vor Chr. Geb. 47Z.) hatte ßch an den Plebejer V 0 l e r 0 einen neuen und ihren Vorrechten schädlichen Feind zubereitet. Sie hakten für nohwendig befunden eine Werbung -vorzunehmen, und verfuhren dabey zu streng und nicht immer nach der Gerechtigkeit. Volero ein tapferer und geschickter Mann, der schon das Amt eines Centurio in den vorigen Kriegen verwaltet hatte, wurde ausgerufen und wieder als ein gemeiner Soldat eingeschrieben. Der Plebejer klagte wider Ungerechtigkeit gegen sein Verdienst und weigerte sich gehorchen. Die Consuln sahen ihn deswegen für einen aufrührerischen Soldaten an, und besahen ihn nach dem Kriegsrechte mit Stäben zu schlagen. Volero widersctzte sich den Lickoren, und rüste L 2 HS ( 76 ) HS den Schutz der Tribunen an; aber diese fürchteten die Consuln und nahmen sich feiner nicht an. Volero berufte sich auf den Schutz des ganzen Volkes: und chieß fiel über die Lictores her, zer. Hrach ihre Fafces und jagte den Consuln selbst so viele Furcht ein, daß sie durch die Flucht sich zu retten suchten. Der Senat ward alsobald zusammengeruft, und die Consuln führten nun bittere Klage wider den Volero, und forderten Genugthuung und die Herabstürzung vom tarpejischen Felsen zur Strafe für den Verbrecher: die Tribunen setzten sich entgegen und beschwerten sich wider Gewalt- Ihatigkeit der Consuln und Verletzung des volerischen Gesetzes. Unterdessen machte sich Volero diesen Zwist zu Nutzen, suchte die Gunst des Volkes und gab von sich vor, daß wenn man ihn zum Tribun wählen wollte, er es bald dahin bringen würde, daß das Volk gewiß nie mehr vom Senate würde können unterdrücket werden. Diese zur rechten Zeit angebrachte Rede machte Eindruck bey dem Volke, und es gab ihm bep der nächsten Lribunenwahl seine Stimme. (Erb^ R. 282. vor Chr. Geb. 472.) Volero war nicht der Mann, welcher persönliche Rache an den Consuln suchte; er faßte solche Anschläge, die nicht nur diesen, und dem Senate , sondern überhaupt dem ganzen patricischen Orden unheilbare Wunden schlugen. Die Tribunenwahlen waren bis daher in den Versammlungen nach den Curien, (i** cormtür cruintis ) zu denen man die Einwilligung des Senates nothwendig hatte, geschehen. Der Einfluß, den hierin die Patricier hatten, war nicht gering; durch die Menge ihrer Schutzverwandten hatten sie die meisten Stimmen in ihrer Gewalt, und konnten diese fast um mer auf einige ihnen anständige Personen lenken. Volero wollte diese Art zu wählen gänzlich Umstürzen, und machte deswegen in der Volksversammlung den Vorschlag, daß das Volk künftighin feine Repräsentanten nicht mehr nach Curien, sondern nach den Tribus wählen sollte. Ließ war für die Patricier kein geringer Schlag; denn zu diesen Comitien brauchte man keine Einwilligung des Senates, und cs gehörten auch zu den Comitiis tributis die Landtribus, die sich nicht so leicht von einer Parrey lenken ließen. Dem Volke gefiel dieser Vorschlag überaus; aber die Patri- eker widerstanden ihm aus allen Kräften. Man betrieb ihn dennoch so ernstlich, daß man das AckergeseK gänzlich vergaß und in allen Volksversammlungen seine Absicht zu erreichen suchte. Das Tribu- riatsjahr des Volero ging nun unter diesen Zwistigkeiten zu Ende, und das Volk bestattigte ihn, ungeachtet des großen Widerstandes von Seiten der patricischen Partep, auch für das folgende Jahr im Tribunate. Feierliche Vethtage irr Rom wegen einer ansteckenden Seuche, deren Hebung der Todesstrafe der Vestalin Urbinia Zugeschrieben ward. Kupf. XXIII. «O" den letzten Monaten dieses ersten Tribnnatsjahres des Volero entstand in Rom eine schreckliche beuche, welche unter den Einwohnern große Verwüstungen anrichtete. Jedermann ging trau- ^ ^ z / 2 ? -/ ^' 2V? 2/. «-i-F ( 7/ ) rkq einher und wünschte ein kräftiges Mittel, den verheerenden Wirkungen dieses Übels Einhalt zn thun. Der Senat glaubte in seiner Ehrfurcht gegen die Götter ein Mittel zu deren Besänftigung zu finden, und verordnte deswegen fe Y erliche Bethtage. Das Volk fand sich häufig in den Tempelnein, und beobachtete alle Ceremonien, welche für so heilige Tage vorgeschrieben waren. Diese Bethtage oder Supplicationen waren außerordentliche Feyerlichkeikerr, die man nicht nur zu Abwendung eines allgemeinen Drangsals, wie dießmal, verordnte, sondern sie gehörten auch unter die feyerlichcn Ehrenbezeugungen, welche der Senat einem siegreichen Feldherrn erwies, wenn man den Göttern für den erhaltenen Sieg danken, oder auch noch ferneren Schutz von ihnen verdienen wollte. An diesen Tagen war cs nicht erlaubt, Rechtshändel zu treiben, sie mochten, was immer betreffen; es waren heilige Tage, die man blos zum Gebelhe, zu Opfern, zu fleißigen Tem- pelbesuchen und öffentlichen Gasimahlen verwandte. Der Senat bestimmte die Dauer dieser Feycr- lichkeit, und schränkte sie oftmal nur auf einen einzigen Tag ein, oft ward sie auch, wie es späterhin geschah, bis auf fünfzig Tage ausgedehnet. Um eben diese Zeit offenbarte sich in Rom ein trauriger Zufall, den man von jeher für ein großes Unglück gehalten hat. Die Vestalin U r b ini a ward in einem unehröaren Umgänge ertappt. Ganz Rom betrübte sich darüber, und fürchtete, die erzürnten Götter würden noch schrecklicher strafen. Vermöge des Gesetzes stand auf ein solches Verbrechen einer Vestalin die l e b cnd i g e Beer, digung, und es war inRom zwischen dem p in c i sch e n und quir i n a l i sch e n Berge ein Feld, Campus Sceleratus genannt, wo man diese unglücklichen Opfer eingrub. Hichcr ward Ur- binia geführt, und in die ausgemauerle Grube lebendig hinabgelassen. Man gab ihr einen Laib Brod, einen Krug Wasser, ein Gefäß Milch und eine Lampe, vermauerte die Öffnung und ließ sie so verschmachten. Grade um diese Zeit ließ auch die ansteckende Seuche nach, und die Römer glaubten allgemein, der Zorn der Götter hätte sich durch diese Todesstrafe besänftigen lassen. Volero sing fein zweites Tribunatsjahr mit dem beharrlichen Bestreben an, feinen gemachten Vorschlag durchznsetzen. Man hatte dießmal den A p p i u s Claudius, den Sohn jenes strengen und stolzen Appius gcwählet, (Erb. R. 2ZZ. vor Chr.Geb. 4/»-) und ihm den allgemein beliebten T. Quin et in s zum Amtsgehülfen gegeben. Appius betrat die Fußstapfen seines Vaters> und riech zu strengen Maßregeln; da indessen sein College alles gütlich beyzulegeu versuchte. Volero wagte noch mehr: seinem ersten Vorschläge setzte er noch dieß dazu, daß künftighin die Angelegenheiten des Volks nicht mehr in den Comitiis nach den Curien, sondern eben auch nach den Tribus abgechan werden sollten. Appius konnte sich nicht mäßigen, sondern brach wider alle Vorstellungen seines Amtsgenossen in heftige Drohungen und sogar in Schmähworte aus. Ein so unbescheidenes Betragen beleidigte die Tribunen so sehr , daß Cajus Latorius, einer derselben, ihm aus der Versammlung zu gehen befahl. Appius rüste seine Schutzverwandten zu Hülse, und es würde zu Thätigkeiten gekommen seyn, wenn nicht Ouinctius seinen Aintsgenoffen bey der Hand hinaus geführet hätte. Hierdurch ward Ruhe hergestellt; aber das Volk nahm doch den andern Tag das Capitolium ein, und ^ ein Bürgerkrieg schien unvermeidlich zn sepn. Der Senat sah sich gezwungen, die Vorschläge des U »c ? ( 73 ) Vvlcro zur Kraft riucS Ecsches zu crhebm, und nicht mir die Wahl der Bolksobrigkeiteu, sondern such die Schlichtung seiner Handel in den Com i t i i s tributis zuzu^assen. Nun mar wiederum alles ruhig; nur hatten die Äquker und Volsker einen Krieg wider sich nothwendig gemacht. Die Armee des Luinckius ließ sich willig wider die ersten brauchen; aber des Lppius seine hatte kaum das Gebiet der Volsker erreicht, so wars sie die Waffen weg, und weigerte sich zu fechten. Lppius wußte wohl, daß er der Gegenstand ihres Hasses war; deswegen kehrle er zornig nach Rom zurück, und ahndete diesen Ungehorsam, noch ehe er ankam, auf das fürchterlichste. Die Centurionen wurden enthauptet, die Fahnenträger mit Stäben todtgeschlagen, und aus der übrigen Armee ward jeder zehnte Mann zum Tode ausgehoben. Dieß strenge Verfahren war zwar der römischen Kriegszucht gemäß, und der gemeine Mann mußte es sich gefallen lassen; aber Appins wurde noch mehr gehaßt, und die Tribunen warteten nur auf eine Gelegenheit ihn öffentlich zu verklagen. Im nachfolgenden Consulate (Erb. R. 284. vor Chr. Geb. 470.) erhob sich der alte Streit wegen der Feldcrverthcilung aufs neue. Beyde Consuln, L. Valerius, und T i b eriu S Ä milk us waren dem Volke günstig, und viele vom Senate wünschten die Beendigung eines so langen Zwistes; nur Avpius konnte nicht dahin gebracht werden, dem Volke auch das geringste einzuräu. men. Dieser Widerstand reizte die Tribunen aufs neue, sie luden ihn vor Gericht, und verklagte» ihn bcym Volke, als einen Feind der öffentlichen Wohlfahrt. Appius erschien und verteidigte sich so nachdrücklich, daß man kein Verdammungsurtheil fällen konnte. Aber dieser Schimpf Hütte seinen Stolz zu empfindlich gekränket, er säumte also nicht sich in feinem Hause zu entleiben. Sein Sohn hielt ihm eine Leichenrede, welchem das Volk zum Verdruß der Tribunen allen Beyfall gab. Dieser abermal angefaugene Zwist hätte vermutlich wieder fortgedauert, wenn nicht in den folgenden Jahren ein Krieg gegen die Sabiner, Äguier und Volsker, und eine bald darauf gefolgte schrecklich wükhende Seuche denselben auf einige Zeit gehemmet hätte. (Erb. R. 2yi. vor Cor. Geb. 46Z. ?. Zervilio krisco et I^.chAIoutio Loss.) Die Letzte richtete so große Verwüstungen an, daß nicht nur der gröste Theil der römischen Mannschaft, sondern auch die beyden Consuln, einige Tribunen und viele aus den Vornehmen dahinsielen. Zu alle dem Unglück kam noch, daß die Äquier und Volsker sich dessen bedienten, und ihre Streisereyen bis an die Thyre Roms fortsetzten. Dem ungeachtet unternahmen es die Ädilen, die Stadt zu verteidigen, und die Senatoren selbst schleppten ihre kränklichen Körper auf die Wälle der Stadt und standen Wache. Dieß schreckte die Feinde, daß sie weiter nichts unternahmen. Das folgende Jahr sielen die Römer in ihr Land, und schlugen sie in einem Treffen, welches für die Feinde sehr blutig war. In eben diesen^ Jahre war Lcrentius Arsa Volkskribuu , ein Mann, der zum Besten der Gerechtigkeitspflege die Gewalt der Conluln durch heilsame Gesetze einzuschränkeu wünschte. Bis daher waren, aus Mangel eines eigentlichen Gesetzbuches, alle gerichtlichen Händel von den Consuln , entweder nach den Regeln der natürlichen Billigkeit, oder nach eingeführter Gewohnheit und einigen gangbaren Einrichtungen der vorigen Könige, geschlichtet; und man wußte Beyspiele, daß man sich doch nicht immer bcy richterlichen Aussprüchen nach den strengen Regeln einer unpanheylichen Gerechtigkeit haue sichren lassen. Diesem Übel adzuhelsen, und zugleich die ganze Gercch'.igkeitvpfle- Ze auf einen festen Fuß zu fetzen, wollte Terentius, daß der Senat Männer mit konsularischer Gewalt mederfetzte, die ein bestehendes und allgemein anzunchmendes Gesetzbuch verfassen sollten. So nützlich und wohlthätig auch dieser Vorschlag war, so fand er dennoch von Seiten der Senatoren und jungen Patricier heftigen Widerstand. Niemand betrug sich bey diesem Zwiste hitziger, als der junge O. Ca so, der Sohn des berühmten Cincinnatus; sein unzeitiger Eifer jagte die Tribunen in Harnisch, daß sie ihn ungesäumt vor Gericht forderten; aber Caso war noch vor dem angesetzten Tage seines Verhöres fteywillig von Rom entwichen. Sein Vater leistete in diesem Falle für ihn Bürgschaft, und machte sich anheischig, wenn Caso sich nicht stellte, dreyTausend As zu zahlen. Diese Summe, die in den damaligen Zeiten Roms nicht gering war, brachte den guten Vater so weit, daß er alle seine Grundstücke, bis auf ein einziges kleines Ackerfeld jenseits der Tiber, verkaufen mußte; und die§ war uachgehends dasjenige, das er mit feiner amsigen Gattin Rae i l i a eigenhändig allbaute, und nur wegen des Staatsdienstes auf manche Zeit verließ. Mitten in diesen Unruhen wagte es ein reicher Sabiner, App ius Herd on ius, (Erb. R. 204. vor Chr. Geb. 460.) Rom unversehens zu überfallen. Er hatte seine Schutzverwandten bey vier Tausend an der Zahl bewaffnet, und war so glücklich auf der Tiber angekommen, daß er schon vor dem Anbruche des Tages am Fuße des Capitoliums landete, und unvermerkt den Hügel erstieg. Hier machte er alles nieder, was ihm vorkam, und nicht zu ihm stoffen wollte, und bemächtigte sich in kurzer Zeit dks Tempels und des dabey angelegten Festungswerkes. Die Verwirrung war groß, weil man aus Mangel des Taglichtes die Feinde noch nicht unterscheiden konnte. Der Consnl V a l e r i u s machte in Eile Gegenanstalten , und bewog durch Gelindigkeit einen Theil des Volks, daß es wider den Willen der Tribunen die Waffen ergriff, das Capitolium wieder eroberte, und diese streifende Parthey größten Theils erlegte. Herdonius blieb auf dem Platze; aber auch Valerius verlor dabey fein Leben. An seine Stelle berufte man alsobald den L. Cincinnatus. Dieser vortrefliche Mann lebte noch immer einsam auf seinem unbeträchtlichen Landgütchen, und verstand die Kunst mit dem Wenigen, welches ihm die Erde durch saure Arbeit darreichte, zufrieden zu seyn. Er pflügte grade sein Feld, als die Abgesandten vom Senate kamen , und ihm seine Erhebung ankündkgten. Nur ungern entschloß er sich zur Annahme des konsularischen Amtes, das bey diesen Umständen Roms und täglich erneuerten Zwistigkeiten so vieles Beschwerliche hatte. Gleich anfänglich gab er sich Mühe das Volk und seine Tribunen durch ein eben so gesetztes als sanftes Be- lragen im Zaum zu halten, und die alte Ordnung nach Möglichkeit wieder herzustellen. Auch dem Senate machte er Vorstellungen wegen seines bis daher geäußerten Betragens, und wußte alles ss weislich anzuordnen und einzuleiten, daß kein Tribun während seines ganzen Consulates an die Durchsetzung der vorigen Absichten dachte. Daher drang auch der Senat in ibn, die konsularische Würde noch auf das folgende Jahr beyzubehalten; aber Cincinnatus hatte die Geschäfte des Landlebens schon zu sehr liebgewonnen, als daß er sich noch länger davon gckrennet hätte, und die Uneigennü- tzigkeit, die er während seiner Staatsverwaltung jederzeit beobachtet hatte, machte es ihm notbwendig auf die Befriedigung der Bedürfnisse in seinem Hauswesen zu scheu. Cincinnatus begab sich also wieder zurück aus sein Landgut. d s 80 ) HS Quinctius Cincinnatus rettet die Armee des unvorsichtigen Cons. Minucius- Kupf. XXIV. Es stand nicht lange an, so befand sich Rom abermal in einem Zustande, wo es der Person des L. Cincinnatus nothwendkg hatte. Antium war auf die Seite der Volsker übertreten, und diese standen mit den Äquiern schon wieder gegen Rom zu Felde. Die damaligen Consuln L.Fabius Vibulanus und Cornelius Maluginenfis (Erb. R. 29z. vor Chr. Geb. nahmen Antium wiederum ein, und schlugen die Feinde so tapfer, daß ihnen der Senat einen Triumph zuerkannte. Aber der Krieg brach von neuen aus, und auch die Sabiner streiften in das Römische. L. Minucius Augurinus rückte mit einem Heere wider sie aus, und betrug sich so unvorsichtig, daß er in ein enges Thal gelockt, vom Feinde eingefchlossen» keinen Ausweg zur Rettung übrig hatte. Die traurige Lage des Consuls erschreckte Rom, es griff zu seinen bekannten Hülfsmittcl und ernannte alsobald den würdigen D. Cincinnatus zum Diktator. (Erb. R. 296. vor Chr. Geb. 458.) Der neue Diktator eilte mit einem ansehnlichen Heere gegen den Feind und setzte denselben in eben die verzweifelte Lage, in welcher sich vor kurzem noch Minucius befand. Der Feind ergab sich «uf Willkühr und mußte all sein Gcpacke, seine Waffen und Kleider zurücklassen, und unter dem Joche durchgehen. Minucius erhielt seiner Unbesonnenheit wegen vom Diktator einen derben Verweis, und ward gezwungen sein Amt niederzulegen. Minucius betrug sich dabey sehr bescheiden, dankte dem Diktator,.und schenkte ihm für die Erhaltung so vieler Bürger eine goldene Krone. Cin- cinnatus zog im Triumphe nach Rom, und hatte das Vergnügen auch seinen Sohn, als schuldlos anerkannt, wiederum allda anzutreffen. Es war der sechste Tag seiner Diktatur, daß er alles dieß «usgerichtet hatte; er legte sie nun nieder, und kehrte wieder zu seinem Pfluge zurück. Die Äquier und Sabiner waren von dieser Niederlage noch nicht zur Ruhe gebracht; sie erneuerten vielmehr ihre Streifereyen, und machten den Römern abermal einen Feldzug gegen sich noth- wendig ; aber dießmal verweigerten die Tribunen alle Werbung, wofern man nicht den Vorschlag des Tcrentius begnehmigen, und Männer zur Gesetzsammlung bestimmen würde. Der Senat svrderte deswegen den verdienten Cincinnatus auf, und sein.Rath gieng dahin, daß die Senatoren und Pa- tricier ihre Schutzverwandte bewaffnen, und mit ihnen den Feinden entgegen rücken sollten. (Erb. R» 297. vor Chr. Geb. 4 § 7 -) Dieser Auftritt rührte Rom; daher begehrte der Tribun Virginius, wenn man dem Volke nur erlaubte, künftighin statt fünf Tribunen, zehn zu-setzen: so würde die Werbung alsobald vor sich gehen. Cincinnatus rieth dazu in Hoffnung, daß eine größere Anzahl derselben sie wohl schwerlich in ihren Entschlüssen würde einig werden lassen. Der Senat willigte ein, und die Consuln wurden bald in Stand gesetzt, mit einer zahlreichen Armee gegen die Feinde zu rücken, und die verlornen Platze wieder zu erobern. .X —- ». S («l) HS Dit vcrunhrte Anzahl der Tribunen hakte dießmal am allerwenigsten Uneinigkeit zur Folger vielmehr vereinigten ste sich desto stärker zu einerlei- Vorthcil, und wurden kühner, als jemals. Für jetzt begehrten sie nur einige »»gebaute Gegenden des aveniinischen Berges, zu Wohnungen für das zahlreiche Volk. Sieß mäßige Begehren hätte ihnen leicht bewilliget werden können; aber man betrachtete es, als einen sichern Vorbothen des Ackergesetzes. und die Confuin M. Valerius Ma. zimus und Sp. Virgiuius Tricvstus (Erb. R. - 9 s. vor Chr. Geb. 4 zS.) unterließen es. den Senat zu einem Entschluß- in dieser Sache zusammenzurufrn. Der Tribun Icilius wag,-es den Consnln di- Znsammenrufung befehlen zu lassen; aber diese jagten durch ihre LietoreS den an sie abgeschickten Beamten des Tribuns mit Schlagen davon. Ließ war ein Schimpf dev nicht ungeahndet blieb. Jeder Tribun fand di- u N v - r I e h b a r k e i t seiner Person angegriffen.' und farderie mit allem Nachdruck Genug-bnung. Di- Sache hätte itzt schon ernsthafter werden können, «ean der Senat nicht nachgegcben und dem Volk- den aveniinischen Berg abgetreten hätte ' Mi- diesem Rakhsschlnße schienen die Tribunen zufrieden; nur war ihr Herz von einer wahren Ruhe weit -n-fern,. Die beiden streitigen Gesetze, von einem Gesetzbuch-, und der oorgeschla^ »en Ackeroer,Heilung wurden aufs neu- h-roorgesuch,, und aus allen Kräften vertheidiget Die Gährnngen in den Volksversammlungen nahmen zu. und von nun an ging man immer stürmischer -u Werke. Es kan, so weil, daß man die beyden Consuin T. Romilius und C. Vckur ius' weil sie bcy einer Werbung auch z» streng verfuhren. gefangen setzen wollte, und die Palricicr Mü^ h' bauen, ihre Oberhäupter dießmal zu b-freyen. Mau unternahm zwar weiter nichts; aber man d-ohl-, be,-de Vorschläge , besonders den vom Ackergesetze, wenn der Senat sich länger weigern sollte durch di- S.immensammlung des Volkes nach den TribuS durchgehen zu lassen. Wirklich kam es so "ei,; und nur di- Patr cier. die sich dazumal unter das Volk ge.uifchek hakten, zerstreuten dasselbe dmch Schläge und Gewaliihätigkeitcn. Di- Tribunen ließen von Betreibung des Gesetzes nach setz. "N aber zur Volksversammlung einen andern Lag, und forderten dafür die b-pden Consuln nach ge', -tldlgtem Amksjahre v°, Gericht, klagten wider sie. daß sie den Tribunen Gewalt angethan. und d,-selben im Vortrag- an das Volk gestöhre, hätten . und vcrurtheilteu b-,-d- zu einer großen G-ld'busse H,-rauf blieb das lereuzische Gesetz der einzige Gegenstand in den Volksversammlungen, und der Seim sah -S endlich selbst ein. daß ein längeres Weigern dem Staate immer verderblicher war- ge. i-v-ng-n willigt- er endlich ein; und setz,- zur B-dingniß. daß zu einem so wichtigen Geschäfte nur verständige Männer aus den Palriciern gewählet wurden. Man nahm die Bcdiugniß gerne an und verordne,e (Erb. R. Zoo. vor Chr. Geb. 4L4.) daß Sp. P ° sth u m i us. Sero. SulpiciuS «"d A. Man lins nach Griechenland, besonders nach Athen, reisen, und dort di« besten Gesetze °°d Einrichtungen sammeln sollten. HS ( 8- ) HS Staatsverwaltung in Rom wahrendes Decemvirats. (Erb. R. Zog. vor Chr. Geb. 4L».) 9H ungefähr zwey Jahren kamen die Abgeordneten aus Griechenland zurück, und daS Volk drang nun darauf zehn Männer zu diesem wichtigen Geschäfte zu ernennen. Der Senat machte anfänglich Schwierigkeiten; ernannte aber doch, unter dem Consulate des App. Claudius Crafinus und des T. G enu c i u s A g u r inu s (Erb. R. Z<>A. vor Chr. Geb. 45 -.) die öeyden jezigen Con- fuln, diejenigen des vorigen Jahrs, die drey Bevollmächtigten nach Griechenland, und noch drey an. dcre Senatoren zu Verfassern der Gesetze, zugleich ertheilte man ihnen die höchste Gewalt auf ein Jahr, und ließ alle andere Magistraturen, auch sogar das Tribunal, welches doch sonst unter den Dictatoren fortdauerte, unterdessen aufhören. In ihrer Hand lag Krieg und Frieden, und jeder richterliche Ausspruch hing ohne weitere Berufung, von ihrem Entschlüße ab. Diese neuen Regenten Roms, die man von ihrer Anzahl und dem aufhabenden Geschäfte Decemviri legibus scribendis hieß, fingen ihre Regierung mit so vieler Mäßigung und Billigkeit an, daß man allgemein froh war, der Ruhe wieder zu genießen. Sie unterschieden sich durch kein einziges Merkmal, und nur derjenige, welcher an seinem Tage, wie ihn die Reihe traf, die Obergewalt ausübte, führte die Fasses. Selbst App ius stand wegen seiner Herablassung und Freundlichkeit bepm Volke in Ansehen, und niemand fand an der bescheidenen Aufführung aller dieser Männer eine Ursache zu Klagen. Die neue Gesetzgebung war ihr Hauptgeschäft, dem sie sich mit solchem Eifer widmeten, daß ganz Rom sich die glücklichsten Folgen von ihrer Arbeit versprach. Zum Grunde der neuen Gesetze legten sie die schon bekannten Verordnungen und Einrichtungen ihrer vorigen Könige, die bis daher üblichen Gewohnheitsrechte, die Entschlüsse des Senates, und die Aussprüche der Consuln; auch griechische Gesetze, zu deren Übersetzung und Erklärung sie sich des Hermodorus, eines aus Ephesus verwiesenen Griechen bedienten, suchten sie nach Möglichkeit für ihre Römer zu benützen und anwendbar zu machen. Der Eifer bey Betreibung dieses Geschäftes war so groß, daß sie schon nach dem Verlaufeines Jahres die ersten für Rom geschriebenen Gesetze auf zehn eichenen Tafeln aufstcllen, und dem Volke zur Beurtheilung vorlegen konnten. Jedermann war es erlaubt', Anmerkungen zu machen, Veränderungen und Zusätze anzugebcn, und ftey- müthig anzuzeigcn, worin eines oder das andere derselben noch dunkel oder mangelhaft sey. Man nahm sie mit ungemeinen Beyfall auf, der Senat bestätigte sie durch sein Ansehen, und gab ihnen dle wirkliche Kraft der Gesetze. Sie wurden hierauf in zehn eherne Tafeln gegraben , und im Foro zu Rom zu jedermanns Einsicht und Befolgung aufgehängt. Rom hatte nun seine Gesetze, und das Dccemvirat hätte aufhören sollen; man wollte es aber sowohl von Setten des Senates als des Volkes länger fortdauern lassen ; weil nicht nur dieses keine Consuln mehr wünschte, sondern auch jenen die Tribunen zu läst-g waren. Beyde glaubten al- sp an den Zusätzen, die wegen der eingelaufenen Anmerkungen zu den Gesetzen noch zu machen wären, «KE s LZ ) «E Vorwand zu finden, und willigten gerne in die Wahl neuer Decemvirk für das künftige Jahr. Appius ward bestimmt, die Volksversammlung zu halten, und tüchtige Männer zu diesem wichtigen Posten vorzuschlagcn; aber wie erstaunte jedermann , als er sich selbst zuerst nannte, und dann noch -rey Personen bürgerlichen Standes ! Dennoch war sein Ansehen bey dem Volke itzt so groß, daß e- keiner einzigen von den vorgeschlagenen Personen seine Stimme verweigerte. Aber sehr bald erfuhren die Römer, daß sie sich durch Verlängerung des Decemvlrats nicht zum besten gerakhen hatten; denn die neuen Decemviri waren meistens getreue Anhänger des Ap- pius, und blinde Befolget seiner Rathschläge. Sie ließen es sich leicht merken, daß sie gesonnen wären, die Herren von Rom zu bleiben; und gleich bcym ersten Antritte ihres Amtes erschien ein jeder, wie vormals die Könige und nachgehends die Dickakoren, mit zwölf Lickorcn auf dem Forum. Man erschrack über den Anblick von hundert vier und zwanzig Beilen, und hatte bald zu gegründete Ursache Männer von solchen Gesinnungen zu fürchten. Ihre gerichtlichen Aussprüche lauteten nicht mehr nach den Regeln des Rechts und der Billigkeit, sondern wie sie Eigenmacht, Willkür oder Leidenschaft anriethen; selbst das Leben, dke Freyheit und das Eigenkhum der Bürger war nicht mehr sicher, und es ward mancher verwiesen, der kein anderes Verbrechen hatte, als Äußerung des Mißvergnügens über eine so eigenmächtig angemaßte Regierung. Das Einzige, woran man bey diese» traurigen Umständen noch Trost fand, war die gesetzmäßige Niederlegung des Amtes nach dem Verlauf eines Jahres; aber diese Zeit war da, und kein einziger Decemvir dachte daran , sich feines Amtes zu begeben. Alles, was man von ihnen erhalten konnte, waren noch zwey Ge fetztest ln über Religionssachen und Ehen in derer letzten die Eheverlöbnisse zwischen den Patriciem und Plebejern , um sie stets in Uneinigkeit zu erhalten, untersaget waren, (Erb. R. ZOL. vor Chr. Geb. 449.) Und diese beyden Tafeln mit den vorigen zehn sind die berühmten Gesetze der zwölf Tafeln, von denen sich in den Schriftstellern ein zerstreuter Rest bis auf unsere Zeiten erhalten hat. Sie haben das Rohe der ersten Zeiten sehr wenig gemildert, und lassen die Vater und Gläubiger und Herren in Betreff der Kinder, Schuldner und Sklaven noch immer im Besitze unumschränkter Gewalt. Dabet) sind sie aber dennoch deutlich und bestimmt, und übertreffen in dem Punkte die Gesetze deS Solon. Für Rom waren sie kerne gemeine Wohlthat; denn jeder Bürger hatte eine sichere Richtschnur zur Einrichtung feines häuslichen, und öffentlich bürgerlichen Lebens, und den Confuln erleichterten sie die richterlichen Aussprüche bey den Zwistigkeiten der Bürger. Die Decemviri fetzten, ungeachtet des allgemeinen Mißvergnügens über ihre angemaßte Re- gimentsverwaltung, ihr unbilliges Wesen fort, und suchten das Volk und den Adel immer wehr zrr unterjochen. Dieß reizte die Signier und Sabiner, den Römern ihren bis daher geleisteten Gehorsam aufzukünden, und mit den Waffen in der Hand sich um ihre vorige Unabhängigkeit zu bewerben. Die Decemviri geriethen bey dieser Nachricht in keine geringe Furcht; denn sie sahen es wohl ein, daß es bey diesen Umständen nicht zu leicht seyn würde, eine Armee gegen die Feinde auf- zubringen. Appius wagte dennoch einen Vorschlag zu einer Werbung, und wußte dem Volke die lwgenwärtige Gefahr, da der Feind nur einige Meilen von der Stadt entfernt war, so nachdrücklich ju schildern, daß es wider den Rath der alten Senatoren eine Werbung erlaubte. Dieß war es, X 2 « B ( 84 ) -KS was den zehn Tyrannen noch zu ihrer Macht abging, und von dem sie alsobald einen Gebrauch za Befestigung derselben machten. Es wurden zehn Legionen angeworben, davon sie acht den Feinden entgegen stellten; die andern aber unter dem Befehle der beyden Häupter des Decemmrats, des Ä PP ius und Sp. Oppi us zur Bezähmung der Bürger in Rom zurück behielten. Der Krieg ward mit wenigem Glücke geführt; denn der römische Soldat focht muthlos, und ließ dem Feinde manchen beträchtlichen Vortheil über sich mit geringer Mühe erringen. Man gab sogar ein plötzliches Schrecken vor, zerstreute sich unter diesem Vorwände des Nachts, und kehrte in das römische Gebiet zurück. Das Mißvergnügen wuchs mit jedem Tage, und erreichte endlich jenen Grad, "wo man auf Mittel denkt , sich feinen Übeln Zustand zu erleichtern, und jede Gelegenheit ergreift , zu seinen vorigen Rechten wieder zu gelangen. Bey solchen eigenmächtig und selbst gegen einander mißtrauisch handelnden Männern, als die Decemviri waren, konnte es nicht fehlen, daß man nicht bald eine Veranlassung zu Abwerfnug des drückenden Joches hätte finden und benützen können» Virginia wird zu Erhaltung ihrer Ehre und Freyheit von ihrem eigenen Vater getödtet. Knpf. XXV. Äp p ius führte meistens allein das Ruder, und brauchte seine Amtsgehilfen nur dazu, wenn ße feine Absichten begünstigen, oder bey Ausführung derselben helfen mußten ; er erlaubte sich daher alles, was ihm Leidenschaft einrieth, oder Eigenmacht darboth. Jetzt war eine unziemliche Neigung gegen Virginia, die Tochter eines rechtschaffenen und tapferen Plebejers, der im Kriege abwesend war, in ihm entstanden. Sie hatte keine Mutter mehr, und ihr Vater B i r g ini u s halte sie während seiner Abwesenheit einem nahen Anverwandten anvertraut, und dem gewesenen Volksm- bun Jciliu s zur Brant versprochen. Appius wandte anfänglich alle gütlichen Mittel an, seinem Zwecke näher zu kommen, aber keines derselben wollte gelingen; die Aufseherin der Virginia war zu rechtschaffen, als daß sie sich zu einer Verführung bestechen ließ. Der Wollüstling brauchte nutt Betrug und Gewalt, und bediente sich hierzu des Plebejers M. Claudius, eines niederträchtigen Menschen, der zu jeder schändlichen Thal sich willig finden ließ. Dieser sollte sie durch List entführen, oder durch Gewalt sich ihrer Person, unter dem Vorwände, es w äre die L och t er e ine s seiner Sklaven, bemächtigen. Das Unternehmen gelang ; nur nahm das Volk sich der Gekränkten an, und rettete sie dießmal aus den Händen des Räubers; aber Claudius forderte sie vor Gericht , und derDecemvir AppmS-war nun Richter in seiner Sache. Schon sprach erste dem Claudius zu, als das Volk über Ungerechtigkeit schrie , und Virginiens Anverwandte auch zu hören forderte. Appius gab nach; vertraute aber Virginien dem Claudius, ihrem vorgeblichen Herrn zur Verwah» rung bis zur Ankunft des Vaters. Unterdessen hatten Jcilius und Numitorius, Vkrgkniens Oheim, sich zum Richker- ßuble hingedrängt, und dem Appkus sein Unrecht in der ganzen Schwarze vorgehalten. Das Volk entrüstet über die niedrige That, stand bereit, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, wenn nicht der Rich^ ter bey noch nicht bewiesener That nachgiebiger werden sollte. Appius gerieth dabey in Furcht, verschob das Urtheil auf den folgenden Tag, wenn doch Virginias kommen sollte, und ließ Vir^inien ihren Anverwandten unter der sichern Bürgschaft in Verwahrung. Kaum hatte der Richter in den Aufschub verwieget, als der Bruder des Jcilius und der Sohn des Numktorius sich geraden Weges in das Lager begaben, und dem unglücklichen Vater von der Gefahr seiner Tochter .Nachricht gaben. Ungesäumt eilte Virginius nach Rom, und entging glücklicher Weise dem Verhaftungsbefehle, welchen Appius alsobald an die Befehlhaber der Armee ansgefertiget hatte. In aller Frühe strömte das Volk dem Foro'zu, und wartete mit Ungeduld auf Entscheidung einer so verwickelten Frage. Auch Appius eilte dahin seiner thörichten Leidenschaft das Opfer zuzufprechen. In tiefer Trauer und unter Begleitung vieler vornehmen Frauen trat der,gekrankte Vater einher, und stellte sich und seine Tochter dem Tyrannen vor Gericht. Claudius wiederholte die Klage und hatte eine gedungene Sklavin, als die angebliche Mutter mit noch vielen fatschen Zcngcn- schaften bey sich. Virginius und seine Freunde konnten zu seiner Verteidigung nichts anders an- führen, als daß er und Numitoria, seine verstorbene Gattin, jung gcheurathet, daß in der Volksversammlung selbst sich Frauen fanden, die um ihre Schwangerschaft wüßten, andere ihr bey der Niederkunft beygestanden waren, und noch andere sie das Kind hatten stillen sehen. Hatte Numitoria einen Betrug spielen wollen: so wäre es unbegreiflich, warum sie das Kind einer Sklavin und noch dazu ein Mädchen, habe unterschieben wollen. Die versprochenen Zeug en sch asten, uckd viele ?,-F Meffkk dcm Appius eutgkgkn: ^Bkpdiescm Blule, ricf er, sckwöre i ch d i r Vkpdkrb kn, und weihe deinen Kopf zum Opfer den unterirdischen Göttern!" Appius befahl ihn zu ergreifen; aber er drängte sich durch die Menge des Volks und entkam zur Armee ins Lager am Berge Algidus hin. Bey der Leiche standen Numitorius und Jcilius, und spornten das Volk zur Rache. Appius befahl sie als Slöhrer der Ruhe zu verhaften; aber L. Valerius und M. Horatius, zwey rechtschaffene Palricier und geschworne Feinde der zehn Tyrannen, schützten sie durch ihre Parthey vor Gewalt der Lkctoren. Ein allgemeiner Aufstand erhob sich, und Appius selbst mußte Schutz in der Verborgenheit suchen. Sp. Opp ius, der Decemvir und des Appius innigster Freund, versammelte den Senat, befahl Ruhe und schickte einige Abgeordnete zur Armee den Aufruhr zu verhüten, den Virginius vielleicht doch erregen könnte. Aber zu spat; Virginius hatte schon die mißvergnügten Soldaten durch seine Erzählung empöret, und jeder ihm Beystand und den Decemviris Haß und Rache geschworen. Keiner gehorchte von nun an ihrem Befehle; sie sammelten sich um ihre Fahnen und Feldzeichen, und zogen in größter Ruhe und Ordnung durch Rom auf den Aventinus. Einen gleichen Ausstand halten Jcilius und Numitorius bey den wider die Sabiner ausgeschickten Legionen bewirket; auch diese verließen ihre Feldherren und stießen zu ihren Kameraden auf dem Berge. Beyde Armeen wählten sich Oberhäupter, unter dem Nahmen der Kriegstribunen, damit zugleich einige wären, welche für alle das Wort führten. Es wurden deren in jeder Armee zehn gewählet; aus denen man übermal zwey besonders aussuchte. Unter diesen war auch Virginius; aber er verbot sich alle Wahl zu dieser Ehre, weil er noch, wie er sagte, zu unfähig wäre, dem Volke durch gut überlegten Rath zu nützen; das Loos fiel also auf den M. O p p i u s und S ep k. M aniliu s. Der Senat und die Decemviri erschrocken und schickten alsobald einige aus ihrem Mittel an die Mißvergnügten, sie zur Ruhe zu bringen; aber diese erklärten geradezu, sie wollten mit niemand andern, als mit den beyden Palriciern Horatius und Valerius Unterhandlungen pflegen. Der Senat bevollmächtigte demnach beyde; aber auch beyde versagten ihren Beystand, solang noch die Decemviri die Oberherrschaft führten. Die Sache ward in die Länge verschoben, und von langer Zögerung müde, bezogen die Legionen den heiligen Berg, und mit ihnen eine Menge Bürger mit Weib und Kindern. Der Senat sah, zu Herstellung der Ruhe kein anderes Mittel, als die Abschaffung des Deccmvirats und die Wiedereinführung der Consuln und Volkstribunen, und war also gezwungen nachzugeben; nun erst übernahmen die beyden Volksfreunde Horatius und Valerius die Vermittelung, und begaben sich zu den Mißvergnügten ins Lager. Mit allgemeiner Freude nahm die Armee die Abgeordneten des Senates auf, und Jcilius führte für alle das Wort: es habe sie zu diesem Schritte sonst nichts als die Befreyung vom gewaltsamen Drucke des Dccemviratö verleitet; würde man diese eigenmächtige Regierung abschaffen, ihnen ihre Tribunen wieder einsetzen, und die Berufung von den Entscheidungen der Consuln auf sie erlauben, auch eine allgemeine Amnestie für die Armeen wegen des Ungehorsams gegen die Feldherren bekannt machen, und die Decemviri ihren Händen zur Strafe ausliefern; so wollten sie all? wieder zurück in die Stadt kehren und ihrer Pflicht treu Nachkommen. Die Abgeordneten verspra- -K-K ( S7 ) chkn ihnen hie Bewilligung der ersten Forderungen; aber die letzte wäre eine Wirkung der Lciden- scl ait, und könne nicht statt haben. Das Volk war zufrieden, und überließ cs den Abgeordneten solche Bedingungen dem Senate vorzuschlagen, welche sie selbst für gut fanden. Die Abgeordneten erstatteten dem Senate ihren Bericht, und dieser willigte ohne Widerrede in die billigen Forderungen des Volkes. Eine Verordnung zu Abschaffung des Decemvirats und Einführung der vorigen Regierung wurde verfaßt und das Volk ernannte alfobald seine Tribunen, unter welchen V i rgi n r u s, Jcilius und Numitorius, die vorzüglichsten waren. Bey der neuen Confulwahl wurden die Leyden Abgeordneten L. Valerius und M. Horatius zum Consulate gewahlet. "" Die neuen Consuln, welche bey dem Volke ohne das schon sehr beliebt waren, suchten diese Gunst noch mehr zu verdienen. Durch ihre Verwendung wurden einige Gesetze verordnet, welche die Macht des Volkes erhoben und ihm keine geringe Überlegenheit über den Senat verschafften. Bis daher hatten die Volksvcrordnungen (?IebilLÜn) die in den Versammlungen nach den Tribus (in LomitiiZ tridttüd) waren abgefasset worden, nur für die gemeinen Bürger ihre verbindende Kraft; aber nun ward verordnet, daß diese für alle Bürger eben so verbindend seyn sollten, als diejenk« gen Gesetze, welche in den Versammlungen nach Cenlurien (in Eomitiis centuriÄtis) verfasset werden. Noch ward zum Besten der Tribunen festgesetzt, daß die Berufungen auf das Volk von keiner Gattung obrigkeitlicher Würde künftighin könnten ausgeschlossen werden; hierdurch blieben sie in ungestörtem Besitze, in allen den Gerichtshandeln, die an das Volk gebracht wurden, zu erkennen. Endlich damit auch in Zukunft keine Verordnung könne unterdrücket werden; sollten alle den Ädilen übergeben, und in den Tempel der Cer es niedergeleget werden. Diese Streitigkeiten waren nun alle glücklich beygelegt, und cs folgte für die Decemviren der Tag der Rache. Virginias klagte wider den A p p i u s, und Numitorius wider den Sp. Opp ius, weil beyde sich vieler Gewaltthatigkeiten schuldig gemacht. Virginias überging alles und schrankte seine Klage blos dahin ein, daß Appius ganz gesetzwidrig einer sreygebormn Jungfrau vor entschiedener Sache die Freyheit verweigert habe. Appius suchte sich zu verthcidigen und das Gesetz von Berufungen auf das Volk zu benützen; aber ein Mann wie Appius, der alle Gesetze mit Füssen getreten habe, sagte Virginias, sey einer solchen Wohlthat nicht wcrth. Ohne weiters wurden beyde Verbrecher in eben das Gefangniß geworfen, welches Appius erbauet und spotlwcise die Wohnung des römischen Volks genannt hatte; beyde konnten den Schimpf nicht ertragen, sondern entleibten sich noch vor dem bestimmten Tag ihres Verhöres. Die übrigen Dccemvirj befürchteten eine ähnliche Rache; und begaben sich freywillig in das Elend. Ihre Güter wurden eingezogen und zum allgemeinen Besten verkauft. Nach Abstrafung der einheimischen Feinde war man auch bedacht die auswärtigen: die Äguier, Volsker und Sabiner, für ihre Slreifercyen und Plünderungen, die sie wahrend dieser Zwistigkeiten aus- geübt hatten, zu züchtigen. Beyde Consuln fochten sehr glücklich und verdienten vollkommen die Ehre eines Triumphes; aber der Senat, aus einer niedrigen Eifersucht gegen die große Gunst, welche öeyde bey dem Volke genoßen, verweigerte beyden diese Ehre. Es kränkte die verdienten Manner, und beyde wandten sich deswegen an das Volk. Der Tribun Jcilius nahm keinen Anstand beyden Konsuln im Nahmen des römischen Volkes einen Triumph, dem Senate zum Trotze, zuzufprechen. Je- 2) 2 HF ( 88 ) derMtinn hielt diesen Triumph nachgchends für eben so rechtmüßig, als wenn ihn der Senat zuge» sprachen hätte. Diese Weigerung des Senates bereicherte die Tribunen mit einem neuen Rechte, um welches sie sonst gewiß viele Jahre hatten rechten müssen. Das merkwürdige Jahr war nun vorüber und man schritt zur neuen Magistratenwahl (Erb. R. Zo6. vor Chr. Geb. 448.) Mit der Tribunenwabl konnte man dießmal am nahmlichen Tage nicht fertig werden; es ward also für einen ähnlichen, künftigen Fall verordnet, daß die bereits gewählten Tribunen ihre Amtsgenossen zu Ergänzung der Zahl ernennen sollten. Diesem zu Folge ernannten die schon Gewählten ihre noch abgängigen Anitsgehülfen; aber man staunte nicht wenig, als auch unter diesen, zwey Patricier, Sp. Tarpejus und Aterius, Dickatoren und ehemalig^ Con- suln, sich befanden. Für die Patricier war dieß kein geringer Vortheil; denn von nun an konnten sie den plebejischen Tribunen das Gleichgewicht halten, und manche ihrer Vortrage durch gleiche Macht vereiteln. Die Tribunen fühlten zu sehr den Stoß, als daß sie nicht entgegen gearbeitet hätten; deswegen brachte der Tribun L. Treboni us ein anderes Gesetz aus, welches die Versammlung nicht eher zu entlassen befahl, bis das Volk die volle Zahl seiner Tribunen sich ernannt hätte. Es erhielt nachgehends von seinem Urheber den Nahmen des treb 0 ni sch en Gesetzes. In den nachfolgenden Jahren beunruhigten die alten Feinde Roms: die Äquker und Volsker,'das römische Gebiet wiederum, und die Tribunen, welche neue Absichten hatten, ergriffen zu Erreichung derselben ihr altes Zwangsmittel, die Einstellung aller Werbungen. Der Artikel der eilstcn Gesetztafel vom Eheverborh zwischen den Patriciern und Plebejern L) hatte gleich anfänglich mißfallen, und es schien auch, als wenn er vom Appius nur deswegen erdacht wäre, damit er bey einer immerfort dauernden Trennung regieren könne; itzt begehrte man nicht nur die völlige Aufhebung desselben, sondern auch, daß aus den Plebejern geschickte Männer zum Consulate ausgehoben würden. Die Patricier widersetzten sich diesen neuen Eingriffen in ihre Rechte; aber der Feind stand im Felde und setzte seine Verheerungen fort; die Noth zwang sie abermals, wenigstens in einem Puncte, nachzugebcn. Man erklärte also das E h e v e r b 0 L h für ungültig, und glaubte hierdurch die Tribunen beruhiget zu haben. Aber dießmal erklärte ihnen C. Canulejus, er wolle keine Mühe sparen alles zu hindern, solang man nicht auch die zwepte Forderung eingienge. In dieser Angelegenheit fiel man aus eine neue Art oberkeitlicher Würde, die gewisser Maßen ein Mittelweg war, die Tribunen zu befriedigen, und dem Consulate sein Ansehen nicht zu vergeben. Man verordnte, daß sowohl aus den Patriciern als Plebejern Kriegskrrbunen mit consularischerMacht (Iribuni rmlirum coululuri potelrate) (Erb. R. Zio. vor Chr. Geb. 444 -) gewahlet würden. Auch schritt man alsobald zur Wahl, und das Volk wählte aus Ehrerbietigkeit gegen verdiente Familien niemand andern, als drey Patricier. Diese behielten ihr Amt nur drey Monathe; weil man ungünstige Au- spicicn wollte bemerket haben. T. Quin cti u s ward hierauf Jnterrex, und krachte cs durch sein Ansehen dahin, daß die alte Regierungssorm wieder elugeführet ward. Die Tribunen halten dießmal nichts entgegen zu setzen; und es wurden für den noch übrigen Theil des Jahres neue Consuln gewählt. A) I?MrIbos com xlebeä conuukiei jouz nee elloä. -KS ( 89 ) -KS Seit langer Zeit hatten Kriege und einheimische Unruhen den Sensus zu halten gehindert, und dennoch waren viele wesentliche Veränderungen in den Familien vorgefallen, welche eine neue Classificirung derselben nothwendig zu machen schienen. Die Consuln waren jetzt mit Geschäften zu überhäuft, als daß sie durch sich selbst diesen wichtigen Theil ihrer Amtsverwaltung hätten verrichten können. Man wünschte deswegen eine eigene Oberkeik, welche in Zukunft diesen Ankheil des Consulats ungehindert verwaltete, und führte die neue Magistratur der Sensoren ein. Diese Würde schien anfänglich den Tribunen zu unwichtig, als daß sie Einwendungen gemacht oder Plebejer zuzulassen begehret hätten; aber bald sahen sie eben diese Würde zur größten Wichtigkeit sich erheben. Ein Sensor führte nicht nur Aussicht über die Sitten und Gebräuche der Bürger, und über alles was gefährliche Neuerungen erwecken, den Verstand verführen und das Herz und den Charakter der Bürger verderben kann a); sondern hatte auch das Recht nach Gutbesindcn zu strafen, konnte einen Senator aus dem Senate stossen, einen Ritter das Pferd abnehmen, die Bürger m jene Gattung übersetzen, wo man zwar bürgerliche Abgaben trägt; aber doch nicht die Vorrechte genießt (ssrurium kacere). Der einzigen strengen Verwaltung dieses Amtes hat Rom seinen viel- jahrigen Wachsthurn an Wohlstand und Ruhm und die so lange Dauer seiner Verfassung zu verdanken. L. Papirius Mugillanus und L. Sempronius Atratinus waren die ersten, denen man dieses Amt zu führen vertraute. (Erb. R. Zu. vor Chr. Geb.44A.) Kühner Anschlag des Ritters Sp. Malius auf die Oberherrschaft in Rom, und Tod desselben. Kupf. XXVI. Unter dem Consulate des Proeulus Geganius Macerinus und L. Menen ius Lana- tus (Erb. R. Z14. vor Chr. Geb. 440.) brach in Rom eine große Theurung aus , und die Lebens- Mittel wurden mit jedem Tage seltener. Der Senat fürchtete abermal üble Folgen, und gab sich alle Mühe demselben vorzubeugen. Zu diesem Ende bestellte er einen eigentlichen Beamten, welcher genaue Aufsicht und Obsorge über die Lebensmittel hätte, (?rsekectu3 nnnonse) und dessen Eifer nichts unversucht ließ, Rom mit Mundvorrath zu versehen, und mit dem wirklich vorhandenen klug zu wirtschaften. Der Patrkcier L. Minucius, ein kluger und thätiger Mann, trug der erste dieses Amt, und schickte alsobald Leute aus, Getreide zu kaufen und so viel als möglich, in die Stadt zu schaffen; nur hatte der reiche Ritter Sp. Mälius fast alles schon aufgekauft und in sein Haus führen lassen. ») Nach dem Montesquieu haben böse Veyspiele mehr Schaden angerichtet, als offenbare Verbrechen, und mehr Staaten sind durch Untergrabung der Sitten verloren gegangen, als durch Untergrabung ber Gesetze. L ».-O (9°) tz-K Dieser Mann wollte aus diesem unglücklichen Zustande Roms für leinen Ehrgeiz Dortheile schöpfen, und fand es möglich, bey diesen Umstanden die Oberherrschaft an sich zu reißen. In dieser Absicht theilte er eine Menge Getreide unter das gemeine Volk, und suchte es sich durch seine Frey. gebigkeit verbindlich zu machen. Seine Absicht war noch bisher geheim; nur schien es dem einsichts. vollen Minuckus verdächtig, daß nicht immer Armuth und Noth im Hause des Ritters sich versammle und an mitleidiger Unterstützung Theil nehme. Die Pflicht seines Amtes schien es zu fordern, ein wachsames Aug auf das Betragen eines so verdächtigen Mannes zu haben, und cs stand nicht lange an, so sah er unter diesem glanzenden Vorwände eine gefährliche Verschwörung wider den Staat im Werke. Personen vom Stande und Range kamen zur Nachtszeit bey ihm zusammen, und selbst Waffen lagen schon in Menge bereit. Minucius säumte nicht langer dem Senate Nachricht zu ge. ben, und dieser ließ in Eile den Ouinclius Cincmnatus zum Dictator ernennen (Erb. R. ZiL. vor Chr. Geb. 4Z9 ) Der neue Dictator versammelte gleich den andern Tag das Volk, und erschien mit bewaffneten Lictoren auf dem Platze. Jedermann erschrak und wußte nicht, sich eine so plötzliche Erscheinung zu denken. Die Verschwornen selbst glaubten sich noch unentdeckt, und alles war für jetzt noch ru. hig. Stille und in banger Erwartung hörte das Volk: S ervil i ns A h a la solle den Ritter Malius vor den Richterstuhffd cs Diktators führen. Malius erschrak und weigerte sich vor dem Dictator zu erscheinen. Ein Liclor nahm ihn in Verhaft; aber die Getreuen des Ritters ermunterten das Volk einen so wohltätigen Mann zu besrepen. Das Volk brauchte Gewalt, und Mälius benützte die Gunst zur Flucht -urch das Gedränge. Servilius eilte ihm nach und stach sein Schwert ihm mitten durch den Leib. So lag abermal ein Verrälher und büßte mit seinem Tode die ruchlose That seiner Verschwörung. Servilius kehrte zum Richtstuhle zurück, und gab Rechenschaft von seinem Benehmen. Der Dictator, zufrieden mit des Servilius That, lobte die ausgeüble Rache und' die Befrcyung Roms von einem so großen Übel. Auf seinem Befehl ward alles Getreide im Hause des Ritters um den niedrigsten Preis an das Volk verkauft, und selbst das Haus zur ewigen Schande tüedergerissen; aber Minucius erhielt für seinen so wichtigen Dienst eine E h r cnsä u le. So glücklich diese Empörung noch vor ihrem Ausbruche unterdrücket ward, so waren die Tribunen doch nicht damit zufrieden; der Senat erlaubte daher zu ihrer Beruhigung Kriegstribunen, und es wurden abermal drcy Palricier vom Volke gewählt (Erb. R. Z 1 6. vor Chr. Geb. 4Z8.) Unter ihrer Regierung schlug sich die Stadt Fidena zu den Bej e u lern, und hatte auch einige Abgesandte der Römer ermordet. Dicß gab Anlaß zu einem Kriege, dessen Führung den Consuln überlassen ward. Sie erfochten mit vielem Blute einen Sieg; deswegen wollte man lieber einen Diktator wählen, und gab diese Ehre dem Mamercus Ämili u s(Erb. R. Z17, vor Chr. Geb. 4Z7.) Und nun wurden zum zwcpten Male die S p 0 l i a O p i m a erfochten , und dem Jupiter F e re- lrius eingeweihet; cs war A. Cornelius Cossus, der Tribun über eine Legion, dem Könige der Vcjenter Tolumnius so nahe im Gefechte gekommen, daß er ihn erlegte, und seine Rüstung erbeuten konnte. Dem ungeachtet setzten die Fideuaten und Vcjenter den Krieg fort, bis der Dictator A. S er v i li ns Prise us Fidena wieder eroberte. (Erb. R. Z19. vor Chr.Geb. 4ZL.) Ein blinder Lärm vonHetrurien aus machte den Mamercus Ämilius abcrmal zum Dictator. Um doch k 9' ) ktwas zu Lhun, schränkte er -as Amt der Censoren auf achtzehn Monate ein, da es vorher immer auf fünf Jahre ertheilet ward. . Rom wechselte nun einige Zeit mit seinen Oberkelten, und hatte bald Kriegstribunen, bald Eon- suln, bald auch Diktatoren; je nachdem es der Eigensinn der Tribunen oder auch das Beste des Staates erfordert. Unter den Diktatoren zeichneten sich besonders A. Posthum ius Tubertus und Corn. Mamercus Amtl ius aus. Der Erste schwächte die Äquier so sehr, daß sie um Frieden baten, dafür aber einen Waffenstillstand auf acht Jahre erhielten. Der letzte aber brachte den Fidenaten und Bej entern, welche brennende Fackeln unter die Römer warfen, eine derbe Niederlage bcy, und bekam ihr Lager und Fidenä in seine Gewalt. (Erb. R. Z28. vor Chr. Geb. 426.) Durch seine Ungeschicklichkeit würden wohl seine Legionen zu Grunde gegangen seyn, wenn nicht Scxt. Tempanius, der Befehlshaber der Reiterey zu Hülfe geeilet wäre. Der Conful ward aber dennoch von den Volks« tribunen zu einer Geldbusse verurtheilt. (Erb. R. ZZi. vor Chr, Geb. 42Z.) Aus Gelegenheit eines Vortrages, den die Consuln wegen nothwendiger Verdoppelung der Quästoren machten, entstanden neue Unruhen in Rom. Bis daher wurden alle Jahre nur zwey aus den Patriciern gewahlek, und ihre Amtsverwaltung bestand hauptsächlich darin, daß sie die Abgaben einnahmen, die Kriegskosten bezahlten, und über die öffentlichen Gelder Rechnung führten. Diese Amtsverrichtungen forderten ihre beständige Gegenwart; daher waren sie auch niemals aus Rom gekommen. Itzt begehrten die Consuln, man möchte zum Besten der Armee noch zwey andere wählen, damit sie die Feldherren in Krieg begleiten, die gemachte Beute berechnen und verkaufen, und für den Unterhalt der Legionen sorgten. Der Senat und das Volk waren vollkommen zufrieden; aber die Tribunen machten die Forderung, es sollen diese neuen Quästoren aus den Bürgerlichen aus. gehoben werden. Die Consuln und Senatoren hatten nichts entgegen, wenn man sonst dem Volke die Freyheil ließ, nach seinem Gefallen Palricicr oder Bürgerliche zu wählen. Diesen Zusatz wollten die Tribunen nicht, sondern begehrten, man solle wieder anstatt der Consuln Kriegstribunen wählen. Nach vielen Streitigkeiten verglich man sich dahin, daß zn Beruhigung beyder Parteycn sowohl Kriegstribunen als auch Ouastores gewahlek würden; aber zum Verdruße der Tribunen wurden nicht nur diese, sondern auch jene aus ben Patriciern abcrmal gewahlek. (Erb. R.ZZ4. vor Chr. Geb. 420.) In den nachfolgenden Jahren erneuerten sich wieder die Kriege mit den Algeriern und Volskern, und wurden mit wechselseitigem Glücke geführt. Die Römer siegten jedesmal, wenn sie sich anstatt der Kriegstribunen, die nicht immer so einig zu Werke gingen, einen Diktator setzten; denn ein solcher, da er den Oberbefehl allein führte, schlug jedesmal die Feinde, eroberte das Verlorne wieder, und kehrte mit Beute und Sieg nach Rom zurück. Unter diesen Feinden Roms hatte ni - Wand mehr den Zorn der Römer gereitzet und verdienet, als die Bestellter, Sie waren diesen Ge- uuglhuung für eine Beleidigung schuldig, und balhen wegen der einheimischen Zwistigkeiten um Aufschub. Die Römer willigten ein und übergingen großmülhig einen gewiß günstigen Zeitpunkt. Das andere Jahr ward die Forderung erneuert, und die Vejenter trieben die römischen Abgesandten mit Schimpf ans ihrer Stadt hinaus. Diese Undankbarkeit elilflammte die Römer; sie beschlossen Kmg, und übergaben die Führung desselben den dreyen hiezu gewählten Kriegstribunen. (Erb. R. Z 2 HS ( 92 ) d Z43. vor Chr. Geb. 406.) Diese zogen aber zuvor wider die Volsker, und plünderten das Land. N u m. Fabius Ambustus nahm ihnen Anpur (lerrncinn) mit Sturm, und ließ alle dabey gemachte Beute unter sein und seiner beyden Collegen Heere austheilen. Diese Handlung hatte für Rom die besten Folgen; der Soldat ging muthkger ins Feld, weil auch er zu seinem Vorthcile bedacht ward, und nicht mehr ganz umsonst die Last des Krieges ertrug, oder aus seinem Eigenen sich Unterhalt verschaffen mußte. In dieser Beschwerde lag die Ursache, daß man niemals lange anhaltende Kriege führen könnte, sondern sich begnügen mußte, wenn man in einem oder andern Treffen den Feind geworfen oder sein Land geplündert und verheeret hatte; und sie gab oft Gelegenheit, daß man sich den Werbungen widersetzte, weil man nicht neuerdings den grausamen Wucherern in die Hände fallen wollte. Allen diesen Übeln ward itzt auf einmal vorgebeugt, da der Senat in Rücksicht dieser so guten Folgen, die aus dieser Handlung flößen, eine Verordnung ergehen ließ, vermöge welcher das römische Fußvolk im Felde eine Besoldung künftighin beziehen sollte. Die Freude darüber drückte das Volk so lebhaft aus, daß es den Senatoren dankte und den letzten Blutstropfen zum Besten des Vaterlandes hinzugeben versprach. Zu Bestreitung des Aufwandes, den dieser Sold nöthig machte, ward eine allgemeine Auslage, von der kein Bürger ausgenommen war, gefordert; aber eben darin fanden die Tribunen Gelegenheit ihren Verdruß über die, ihren Absichten so sehr entgegen streitende, Vereinigung des Senates und des Volkes zu äußern, und diese wohlthatige Verordnung zu mißdeuten; sie überredeten das Volk, es sey ungerecht eine Abgabe wenigstens von denjenigen zu fordern, die ihre Zeit im Kriege auf eigene Kosten ausgedienet hätten; daher versprachen sie auch allen, die sich weigern würden, ihren Schutz. Aber zu ihrem Verdruße folgte jedermann dem Beyspiele der Patricier, die sich selbst nach dem Verhältnisse ihres Vermögensstandes große Summen aufgeleget hatten, und jeder zahlte willig seinen angewiesenen Theil. Durch dieses Mitte! gelangte Rom bald zu einem Übergewichte über seine Nachbarn, und war ün Stande seine Armeen auswärts zu unterhalten, und derselben sich so lang zu bedienen, als es zu Ausführung eines Entwurfes nöthig war. Seine Kriege waren nicht mehr Einfälle in das feindliche Gebiet, Plünderungen und Verheerungen desselben; sondern es fielen entscheidende Schlachten vor, und man konnte seinen Vortheil weiter fortsetzen. Man machte nicht mehr Frieden um aufs neue zu kriegen; sondern schwang sich zu einer Macht empor, welche Italien nach und nach sich unterwarf und sich bald weiter ausdchnke. Die Stadt Vcji fühlte zuerst die guten Folgen dieser Einrichtung. Sie gehörte unter die vorzüglichsten Städte Hckruriens , hatte starke Festungswerke und sehr reiche Einwohner. Die Römer beschlossen nun mit Ernst sie zu bekriegen. (Erb. N. Z49, vor Chr. Geb. 40L.) Sie wählten hiezu zum ersten Male sech s Kr ie g s tri b u n en , die sämmtlich aus den Patricicrn waren. Einige derselben rückten wider Veji, aber die Vejenter zogen zurück in ihre Stadt, und vermieden hierdurch das Treffen. Die Römer entschloßen sich nun zu einer Belagerung, und gingen dabey auf eine solche Art zu Werke, davon man in ihrer Geschichte noch bisher kein einziges Beyspiel findet. Sie zogen um die Stadt Zweyerley Verschanz u ngslinie u (aperes) die eine gegen die Stadt -KB s 92) »KF (Eontravallationslinie) sich vor Ausfällen aus der Stadt zu bewahren; und die andere gegen das offene Land ( C i rc u m va l l a t i v n S l i ni e) sich vor dem Entsätze zu schützen, welcher von den übrigen Hetrnskern der belagerten Stadt geschicket werden könnte. Man bediente sich zugleich gewisser Maschinen (viness) die so gemacht waren, daß sie die Soldaten bedeckten. Man war auch gesonnen über den Winter die Belagerung fortzusetzen, und ließ innerhalb der Linien Hütten aufschlagen, welche den Soldaten vor Kälte und übler Witterung schützten. Der gemeine Mann arbeitete mit Freude, und halte wegen des Soldes das Feld jetzt lieber, als das Leben in der Stadt. Bey dergleichen Zurüstungen sahen die Vejenter, daß es den Römern Ernst sey, ihre Stadt zu erobern; sie wagten Ausfälle, und erlegten nicht nur viele, sondern verbrannten auch manche ihrer Maschinen. Dieß schreckte die Römer nicht ab ; sie erneuerten ihre Arbeit, und setzten m kurzer Zeit alles wieder in alten Stand. Um noch nachdrücklicher gegen Veji zu verfahren, baten reichere Bürger vom Senate Erlaubniß, auf eigene Kosten sich Pferde zu halten, und als Reiter gegen Veji zu dienen; andere hingegen trugen sich an, die Stellen der beym Ausfälle gebliebenen Soldaten zu ersetzen. Der Senat willigte in alles, und verordnete noch, daß sowohl die Freywilligen, als auch die ganze Reitekey künftighin einen Sold aus den öffentlichen Geldern erhielten. (Erb. R. ZL». vor Chr. Geb. 40Z.) Die Belagerung ward nun wieder muthig erneuert; nur waren die beyden Kriegstribunen L. Virginius und M. Sergius Fidenas, denen man die Anführung der Truppen für das folgende Jahr anvertrauet hatte, uneins, und hielten die Armeen so getheilt, als wenn sie nicht zusammengehörten. Sergius führte die Belagerung, und Virginius sollte die Belagerer decken. Der erste ward von den Faliskern und Capenaten, und zugleich von den Belagerten angegriffen und zum Weichen gebracht. Virginius hätte leicht seinen Amtsgehülfen retten können; aber er unterließ es, und die Feinde richteten ein großes Blutvergießen an. Beyde mußten ihre Feldherrnstelle nie- derlcgen, und wurden zu einer großen Geldbusse verurtheilt. (Erb.R.ZLS.vor Chr. Geb.402.) Die Volkstribunen waren mit der Bestrafung zweycr so ansehnlichen Männer noch nicht zufrieden; sondern kamen neuerdings auf die Feldervertheilung, und hinderten zugleich die Erlegung der Abgabe zur Unterhaltung der Armeen. Diese Widersetzlichkeit ließ ein Stocken in dem glücklichen Fortgange der Kriegsangelegenheiten befürchten; denn" die Feldherren brauchten nothmendig den zu, gesagten Sold für ihre Truppen, die nun schon anfingen wegen der langen Zögerung schwierig zu werden. Zum großen Glücke ward dießmal bey der Kriegstribunenwahl P. Licinius Calvus,- rin verdienter Mann vom Bütgerstände, zu dieser Ehre erhoben. (Erb. R.ZL4. vor Chr. Geb. 400.) Dieß war ein Sieg für die Volkstribunen, und hob zugleich die Ursache ihrer Widersetzlichkeit. Der Truppensvld ward willig erleget, und die Feldherren in Stand gesctzet ihre Truppen zu befriedigen, und ihre Unternehmungen weiter fortzusetzen. Anxur fiel bald in ihre Hände, und bey Veji war schon vordem alles wieder hergestellt. Die sanfte Amtsverwaltung dieses ersten bürgerlichen Kriegstribuns stellte alle Stände so zufrieden, daß für das künftige Jahr nur ein einziger Patricier und vier aus dem Bürgerstande fast mit allgemeiner Übereinstimmung der Curien gewahlet würden. A a ( 94 ) Feyerlichkeit des Lectisterniums oder Göttermahls. Kupf. No. xxvil. sSwey sehr traurige Winter waren jetzt (Erb.R. Z 54 . undz^.) aufeinander gefolget, deren Kälte so grimmig und der Schnee so häufig war, daß die ältesten Leute fich weder eines Hörensagens er, innerten. Auf diese harte Witterung trat plötzlich eine so große Hitze ein, die Felder und Wiesen versengte. Der zu schnelle Wechsel ließ traurige Folgen befürchten, und sehr bald äußerten fich diese an Menschen und Viehe. Bepde fingen an zu stechen, und es währte nicht lange, so nahm das Sterben so überhand, daß morgen der schon nicht mehr war, den man noch heute gegrüfset hatte. Nom sah traurig fich veröden, griff zu Mitteln die nicht halfen, sann auf neue und wünschte das Wahre zu finden. Die fibyllinischen Bücher enthielten das Schicksal der ewigen Stadt: darin glaubte man, wurde fich etwas offenbaren, welches sichere Rettung darböke. Die Aufbewahrer derselben dazumal noch Duumviri 5ncri8 IsciuncliZ-— erhielten vom Senate Befehl, unverzüglich darüber nachzuschlagey. Ehrfurcht gegen die Götter und schnelle Zufiucht zu ihrer Hülfe waren schon oft, wie jedermann glaubte, die bewährtesten Mittel zum Heile des Staates gewesen; auch jetzt wurde das Zutrauen zu ihrer Macht sie nicht täuschen. Die Aufbewahrer gehorchten, und brachten mit feyerlichem Ernste das einzige kräftige Mittel, welches die geheimnißvollcn Bücher den Römern anriethen, vor die Versammlung des Senates. Es war ein feierliches Göttermahl zu Ehren des Apollo, der La t o n a und Diana, des Hercules, Mercurius und Nep t u nu s. Mit Freuden empfing der fromme Senat die göttliche Weisung, und befahl den Epulo- nen keine Kosten zu sparen, eine Feyerlichkeit prächtig und glänzend zu machen, welche in Rom das erjste Mal begangen würde, a) Unermüdet bewarben sich diese, das Beste, das Seltenste, das Theuerste aufzutreiben, und bereiteten ein Mahl, das einer so erhabenen Tischgesellschaft von unsterblichen Gottheiten würdig war. b) Drey Bette wurden in einem Tempel mit allem erdenklichen s) Die Ceremonie eines feycrlichen Göttermahls war schon lange vordem in Rom bekannt. Valerius Maximns gedenket eines unter dem Consulate des Brutus und Valerius Poplicola, wo nur dreyen Gottheiten, dem Jupiter, der Juno und Minerva aufgetischet ward. Der erste lag nach alter Sitte auf einem gut gepolsterten Bette, und die beyden andern saßen auf Stühlen; daher kam denn auch das Wort S ellisternium, weil weiblichen Gottheiten das Sitzen geziemender sev, als das Liegen beym Tische. Nach der Zeit hat man immer noch andere Gottheiten in die Ceremonie mit eingeführt. Veemnthlich mag das Lectisternium dieses Jahrs seiner ausgedehnteren Feyer wegen vom LiviuS für das erste gehalten werden. d) Die Hauptgerichte bey diesen Tafeln waren zwar nur das Fleisch der geopferten Thiere; aber der eigene Priesterorden der Epulonen verstand diese Tafeln so niedlich und leckerhaft zu machen, daß sie alsdann zum Sprichworte geworden sind. Wer immer das Niedliche, das Wohlgeschmäcke und Vornehme einer Tasel ausdrücken wollte, hieß sie: iVlenlss ^ouuiloalos, e^ulse lHiarös, augur-ckes. -'E d ls§) HS Aufwands und der möglichsten Pracht zubereitet a), und den nach alter Sitte daraufliegenden Gök- lerstaluen ein so köstlicher Schmaus aufgetischet, als es nur immer der römischen Frömmigkeit möglich war. Jedermann stand dabey in festem Glauben, daß die geladenen Götter jedesmal kamen > und wirklichen Antheil an jedem Leckerbissen nähmen. Die Dauer der Tage war nicht gleich; jedesmal hing die Bestimmung derselben vom Senate ab, und der Pontifex Maximus hatte ste zu verkünden. Diesmal wurde die Feyer volle acht Tage begangen, und jeder Römer hielt diese ganze Zeit für heilig. Er versöhnte fich mit seinem Feinde, und verglich sich mit der Gegenparthey. Sogar die Gerichte schwiegen, und Verbrecher wurden frey gegeben. Mit diesen öffentlichen Veranstaltungen vereinigte auch noch jedes Prk- vathaus die seinigen; man sah in jedem die Thüren offen, und hinderte weder Bekannte noch Fremde an dem festlichen Mahle Theil zu nehmen. So glaubte der Römer, feine unsterblichen Götter gegenwärtig zu haben, und in ihrer Herablassung zu seinem Tische das sanfte Band, welches Mensche» mit Menschen brüderlich vereiniget, zu finden. Sein Zutrauen auf die mächtige Kraft einer Cere- monie, welche die Götter sich anbefählen, ließ ihn sichere Hülfe erwarten, und der Hebung eines so großen Übels entgegen sehen. Bey Veji ging alles glücklich für die Römer; es hatte fich zwar ein Schrecken unter ihnen verbreitet, da man jetzt wegen angekommener Hülfe von den Ca Penaten und Faliskern drey Kriege auf ein Mahl führen mußte; aber ein einziges Gefecht zerstreute sie beyde, und ein großer Lheil blieb auf dem Platze und bey den Thoren vor Veji. Nicht so glücklich fochten einige der Kriegstribunen der folgenden Jahre. Litinius und Genucius geriethen in einen Hinterhalt, wvbey der Letzte das Leben verlor, und der Erste sich auf eine Anhöhe rettete. Die Nachricht von diesem unglücklichen Vorfälle setzte Rom und das Heer vor Veji in einen ausserordentlichen Schrecken, und es flohen nicht nur viele aus dem Lager, sondern auch in der Stadt machte man alle Zuberei. tung sich vor einem Überfalle zu schützen. In dieser Verlegenheit nahm man abermal feine Zuflucht ju einem Dictator, und ernannte dazu den M. Furius Camillus, und zum Frldherrn der Reiterey den P. Cornelius Scipio. (Erb. R. Z z 3, vor Chr. Geb. Z 96.) Camillus nimmt nach einer zehnjährigen Belagerung die Stadt Veji ein. Kupf. Nro. XXVIII. Kamillus war der Mann, den, nach römischer Redensart, die Hand des Verhängnisses zum Aar «) Die Bettgestelle waren von Holz öder Stein, worüber prächtige Polster und auch Blumen, Zweige und Kränze geleget wurden; daher denn die Bedeutung: l'ulvinaii-r üeorum, obschon es noch nicht ausgemacht ist, was man eigentlich darunter verstehen solle: ein Bette, worauf die Götter lagen, oder ein Gestelle, worauf man ihre Statuen stellte, um sie erhabener vor den Augeu zu haben. HS c §6 > HF Sturze von Veji herbeyfnhrte. Alle Furcht, die bisher die Gemüther noch beugte, verschwand mit seiner Wahl, und jedermann sah an ihm den Retter Roms und den Rächer der Feinde. Er veranstaltete die Werbung frischer Truppen, und fand jedermann willig und gehorsam; so gar von den Lateinern und Herniciern meldete sich junge Mannschaft, und bath unter seiner Führung zu kriegen. Neuer Muth belebte sein Heer, und das Zutrauen in seine großen Eigenschaften erweckte die Hoffnung zum gewissen Siege. Alles war rüstig und erwartete das Zeichen zum Aufbruch gegen die Feinde. Noch war ein großes Werk zu thun; da jedes glückliche Unternehmen von höherer Hülfe kommt. Gelübde und fromme Versprechen hatten die Gunst der Gottheiten auf manche wichtige Unternehmung herabgezozen; auch itzt gelobte der Diktator dieFeyerung der großen Spiele. Und nun, den Göttern und Menschen gefällig, trat Camillus den Zug gegen die Feinde an, und beka n schon im Gebiete vonNepete mit den Capenaten und Faliskern zu thun. Ein Treffen ward von beyden Seiten gewaget, und die Anordnungen, die schon jetzt Camillus traf, machten ihn über die Feinde überlegen. Sie wichen und wurden aufs Haupt geschlagen, und verloren ihr Lager zur reichen Beute für die Römer. Die Quästoren erhielten sie für Berechnung, und nur ein kleiner Theil ward dießmal den Truppen überlassen. Von da ging nun ohne Hinderniß der Zug vor Veji, die so lange Belagerung mit Einnahme der Stadt endlich zu enden. Noch hatte man immer durch so viele Jahre wenig ausgerichtet, und es schien, die Belagerten fühlten noch nichts vom Drucke. Camillus wollte mit einem Schlag den großen Zweck erreichen, und wählte hierzu einen Weg, der, wenn er dem Feinde verborgen bliebe, die Stadt in seine Hände liefern müsse. Es war dieß die Untergrabung bis in die Festung der Stadt. Alle kleinen Gefechte, die sonst oft zwischen einzelnen Soldaten an den Mauern vorsielen, wurden verbo- then, und das Tagewerk nach gewissen Stunden unter eigene Classen arbeitender Soldaten vertheilt. Tag und Nacht ward immer weiter gegraben, und es wahrte nicht lang, so gab man dem Dictator Nachricht, die Linie reichte nun schon bis hin zur Festung, und könne täglich zum Ausbruch geöffnet werden. Camillus sah das reiche und schöne Veji in seinen Händen und zugleich einen unermeßlichen Schatz von Beute, welcher allein alle die übertraf, die in den bisher geführten Kriegen war gemache! worden. Seine Klugheit wollte sich vor manchen Vorwürfen bewahren, die Neid und Habsucht ihm erregen konnten, und fragte deswegen den Senat: „Was er von Verkeilung der Beute gedachte?^ Zwep Meinungen wurden vorgebracht: Die eine sprach die Beute ganz dem Volke zu, wenn es nach Veji ins römische Lager ginge; die andere übergab sie dem Gemeinschatze zu Erleichterung der Auflagen des Volkes. Die erste Meinung behielt die Oberhand, und eine unzählbare Menge Bürger eilte zum Lager, und wartete auf den glücklichen Augenblick, Veji^ stürzen zu sehen. Der letzte Tag brach an, und das sorgenlose Veji träumte noch nichts von seinem Untergang. Camillus that noch ein Gelübd, und versprach dem Apollo zu Delphi das Zehntel von der Beute. Und nun ward Veji von der Menge auf allen Seiten bestürmet, damit es nie merkte, seine Festung ft») schon in den Händen der Römer. Zu gleicher Zeit drangen die Truppen im unterirdischen Wege aus dein junoischen Tempel der Festung hervor, und Lheilten sich durch die Stadt, wie eS ihre Verrichtungen erheischten. Cm Theil siel die Vejenter rücklings auf den Mauern l 97 ) >r--s an; ein anderer eilte die Tbore zn öffnen, und ein dritter um st s) von Steinwürfen von Dächern zu sichern, steckte viele Hauser in Brand. Ganz Veji erfchrack, und konnte es in der Verwirrung kaum sich selbsten glauben, daß seine so feste Sradt bey fo wenigem Widerstande schon in den Händen der Römer sey. Camillus selbst bewunderte sein Schicksal, und bat feine unsterblichen Götter, wenn je einer doch wäre, dem sein Glück beneidenswert schien; so sollten ste es ihm durch ein Ungemach mäßigen. Die Plünderung dauerte den ganzen Tag, und die Beute war wegen Menge und Kostbarkeit nicht zu schätzen. Jedermann ergab sich, und wer immer frey geboren war, ward den andern Tag verkaufet. Dieß war das einzige Geld, was Camillus dem Gemeinfchatze, zum Verdruße des Volkes, überlieferte; denn gern hatte es auch dieß noch stch eigen gemacht, und glaubte daher auch m'emanden, als der licinischen Familie für die Beute zu danken. Die Nachricht kam nun nach Rom, und außerordentliche Freude verbreitete sich durch die ganze Stadt. Man eilte in die Tempel den Göttern zu danken, und der Senat ließ, was bisher noch nie geschehen war, vier Tage zur Feyer des Dankes verkünden. Der Diktator kam nun selbst mit seinem siegreichen Heere nach Nom, und empfing die Ehre des Triumphes. Noch nie hatte Rom bisher eine so glanzende und reiche Eroberung gemacht; aber auch noch nie einen Triumphator in einem so außerordentlichen Einzuge gesehen. Camillus fuhr einher in einem mit vier weißen Rossen bespannten Siegeswagen, und hatte sein Gesicht mit rother Farbe an- gestrichen. Für den Aberglauben des Römers war dieß genug die Wohlthat des Sieges zu vergessen, und den Steger selbst wegen einer solchen Vermessenheit anzufeinden. Weiße Rosse waren nur Jupiters und der Sonne Eigenthum, und ein rother Anstrich gebührte nur den Statuen der Götter. Neid und Eifersucht wußten beydes zum Schaden des Triumphators zu nützen, und bereiteten ihm schon von weiten den nahen Sturz. Sein Gelübd von Zahlung des Zehntels a» den Apollo war ein neuer Grund; denn niemand gab gerne etwas von seiner gemachten Beute, und die eigene Schätzung, mit der sich jeder belegte, betrug bey weitem nicht das, was eines Geschenkes an den pythischen Gott von dem römischen Volke würdig war. Die Priester erklärten die Ächtheit de- Gelübdes, und die römischen Frauen brachten freywillig selbst den Schmuck zur Zahlung desselben. Zu Unterdrückung der Unruhen wollte man Pflanzer zu den Volskern, die nun Frieden erhielten, ausschicken; aber Veji war eine zu schöne Stadt, als daß die Tribunen nicht dahin an- Magen hätten. Der Senat und Camillus waren entgegen, und nur mit Mühe ließ sich der lär- rnende Haufen abbringen« B b HF ( 98 ) VerraLherey und Strafe eines Schullehrers während der Belagerung von Falerii. Aupsi No. XXIX. ^Iwch waren die Gchülsen der Vejenter, die Capenaten undFalisker den Römern zur Strafe übrig. Die ersten erfuhren schreckliche Verwüstungen ihres Landes, und wurden hierdurch gezwungen, die Römer um Frieden zu bitten. Rom willigte ein, damit es gegen Falerii desto nachdrücklicher handeln könne. C a m i l l u s war abermal Kriegstribun ( Erb. R. z6o. vor Chr. Geb. Z94.) und erhielt zugleich den Auftrag gegen F al i sei oder Falerii, der feindlichen Hauptstadt, vorzurücken. Die Erfahrung hatte gezeigt, von welchem Nutzen die um eine Stadt gezogenen Verschall- zungslinien waren; aber dießmal standen sie von der Stadt so weit entfernt, daß zwischen ihr und -em Lager der Römer ein großer Raum übrig blieb. Diesen Umstand benützte rin Lehrer der Falcrifchen Jugend zu einer sehr niedrigen Thal. Nach einer von den Griechen angenommenen Gewohnheit war bey den Faliskcrn die ganze Last der Erziehung und des Unterrichts einem einzigen Manne anverlraut. Dieser unterwies die Jugend in den Wissenschaften, leitete ihre Spiele, und war überhaupt der Mann, von dem alle Bildung abhing. Eine wilde Begierde nach unendlich großen Vorthcilen brachte ihn zu dem schändlichen Entschlüße, die ganze khm anvertraute Jugend an den Feind zu v er rat h en. In dieser Absicht ward auf dem weiten Raume gespielet, und die schlaue Geschicklichkeit des Lehrers wußte die unerfahrne Jugend bald so weit zu entfernen, daß ste unvermerkt im römischen Lager sich befand. Der Verrather eilte nun zum Feldherrn ins Zelt, und hielt Camilln für einen eben so unwürdigen Menschen. „Ich übergebe dir, sprach er, mit dieser Jugend die Falerier und ihre Stadt." Mit Verachtung blickte Camittus auf den Niederträchtigen herab: „Nicht zu deines gleichen, erwit- derte er, bist du mit deinem lasterhaften Geschenke gekommen. Krieg und Frieden haben ihre Rechte., und ich werde mit offenbaren Waffen und durch erlaubte Künste Falerii, eben so gut, als Veji besiegen." Der Bösewicht ward hierauf entblößt, und mit rücklings gebundenen Händen den Ruthenschlägen der Zöglinge übergeben. Diese führten ihn zurück in die Stadt, und eine Menge Leute versammelte sich zu diesem ganz außerordentlichen Schauspiele. Man ergrimmte über die Bosheit des Menschen; aber man staunte auch über eine so groß- müthige und edle Thal des Feindes. Die Falisker änderten ihre Meinung, und anstatt daß ste noch kurz zuvor betheuert hatten, viel lieber das Schicksal von Veji zu dulden, als an die Römer sich ^ ergeben, schickten sie jetzt Abgeordnete ins römische Lager, und handelten wegen Übergabe der Stadl. Camillus verwies ste nach Rom an den Senat, und dieser überließ cs dem Feldherrn, mit den Fa- liskern Frieden auf günstige Bedingungen zu schließen. Camillus begehrte von ihnen nichts anders, als den Ersatz der Kriegskosten, und schloß ein Freundschaftsbündniß mit ihnen. So endigte sich eiu Krieg mit Schonung des Menlchcnblulö, und erwarb der Rechtschaffenheit des Feldherrn ewige» >KS <99) Ruhm. CamilluS zog wieder nach Rom zum Vcrdruße seiner Soldaten; denn ihre Hoffnung vo« reichlicher Beute war getäuscht, und sie wurden deswegen seine Feinde. Nach seiner Zurückkunft erhob sich abermal der Streit wegen Übersiedlung deS halben TheilS der römischen Bürger nach Veji. Camill setzte abermal sein Ansehen dagegen, und stellte den streitenden Partepen vor, beyde Städte würden in verderbliche Eifersucht stürzen, und bald ihren Fein, den zum Raube werden. Das Volk ließ dießmal sich so leicht nicht besänftigen, und nur durch die Mehrheit einer einzigen Stimme ward der Vorschlag verworfen. Der Senat ließ alsogleich eine Ber. ordnung ergehen, (Erb. R.Z6i. vor Chr. Geb. Z9Z.) und wies jedem freygebornen Bürger sechs Äcker Feld um Veji an. Es konnte dieß jetzt leicht geschehen, da das römische Gebiet durch die Eroberungen des großen Camills um zwölf deutsche Meilen jenseits der Tiber erweitert ward. Ungeachtet der wichtigen Dienste, welche dieser große Mann Rom geleistet hatte, reizt« doch der hämische Neid einen Volkstribun, ihn vor Gericht zu belangen, als hätte er sich einen Theil der Beute und besonders eine eherne Thüre zugeeignet. CaMillus hatte fteylich den zehnten Theil dieser Beute zu Erfüllung eines dem Apollo gemachten Gelübdes wegen zurückgefordert; aber die Pvntisicen hatten es für wahr anerkannt, und mit so vielem Eifer auf die Erfüllung desselben getrke- ben, daß selbst die römischen Frauen einen Theil ihres Schmuckes dazu gaben. Die Anklage konnte sich also nur auf den unversöhnlichen Haß gegen seine Person gründen, zu dem er entweder durch fei. nen stolzen Triumph oder durch das zurnckgeforderte Zehntel von der Beute Gelegenheit mochte gegeben haben. Neid weiß alles zu benützen, wenn es darauf ankommt, eine ihm gehäßige Person zu stürzen. Camillus wartete sein Endurtheil nicht ab, sondern begab sich voller Unwillen aus Rom. Auf dem Wege bat er die unsterblichen Götter, wenn er diese Unbild unschuldig litte, sollten sie seiner undankbaren Vaterstadt bald ein Verlangen nach ihm erwecken, und zu bald empfand Rom das Bedrrrfniß, einen Camill in seinen Mauern zu haben, und erfuhr eS zu seinem Schaden, wie schwer es sey, die Stelle Camills mit einem andern zu besetzen. Die Gallier in Italien. ^chon untcr Tarq uin des alteren Regierung waren verschiedene Stämme des keltische» Galliens in Obcritalien eingebrochen, und hatten nach Verjagung der allen Einwohner die Städte Mayland, Como, Brescia, Cremona und noch andere erbauet. Die Senonen waren die letzten, und ihr Landstrich, dessen sie sich vom Flusse U l is (Antone in Romagna) bis an den Äsis hin (Llino in der Mark Ancona) bemächtiget hatten, machte sie zu nördlichen Nachbarn der Helrusker. Gern hatten sie schon längst ihre Besitzungen erweitert; der gute Wein, den sie sehr liebten, und überhaupt das schöne Land hatte zu viel Reiz für sie, und in die Lange würden sie N'vhl selbst einen Weg gesuchet haben. Jetzt both sich ihnen eine Gelegenheit dar, die ihre Absicht tu sehr begünstigte, als daß sie dieselbe nicht benützet hatten. B b , HS ( roo ) HS A r uns, ein reicher Hetrusker aus Clusium (Oriuk im Gebiete von Skena) suchte Ge. uugthuung für eine von seinem Mündel erhaltene Beleidigung. Lucumo war reich, und wußte seinem Vormünder den Weg zu sperren. Eifersucht glühte immer mehr nach Rache, und jede Verzögerung hauste den Verdruß. Aruns des langen Aufschubs müde, schäfte sich selbst Genugthuung; ward aber dadurch der Verräther seines Vaterlandes. Er bat die Senonen um Hülfe, und diese griffen unverzüglich zu den Waffen, und rückten unter der Anführung ihres Feldherrn B renn u s vor Clusium. Jedermann erschrack, und war am mindesten gefaßt ein feindliches Heer von seinen Mauern abzutreiben. In Eile schickte man nach Rom, diese schon so rühmlich bekannte Nation zur Hülfe zu bewegen. Aber dießmal waren die Römer zu sorglos, und ahneten im geringsten die Gefahr, die schon nahe über ihnen schwebte. Die Abgesandten wurden hülflos zurückgeschickl, und nur drey jungen Patriciern aus der Familie der Fabier wurde aufgetragen, sie zu begleiten, und bey den Feinden einen Frieden für Clusium zu vermitteln. Die drey jungen Männer hatten zwar den Muth tapferer Krieger; nur nicht die Bescheidenheit eines klugen Mannes, die allein das Herz lenken und für den beabsichtigten Zweck gewinnen kann. Sie erschienen in der Versammlung mit einem hochmütigen Trotze, und wollten vielmehr Frieden gebieten, als auf billige Bedingungen zuwegebringen. Mit Stolz fragten sie den feindlichen Feldherrn: Mit welchem Rechte er Hetrurien beunruhigen könne? Ein Mann, wie Brcnnus, der ander Spitze von Tausenden stand, ward äußerst hiedurch beleidiget: „Mein Recht, sagte er mit Stolz und Zorne, beruht auf meinem Schwerte, und wer stärker ist, kann sich alles zueignen." Rache kochte in den Fabiern, und der Feind ward selbst noch mehr erbittert. Sie begaben sich in die belagerte Stadt, und hätten noch den Frieden bewirken können, hätten sie die Clusier zu überreden gesucht, einige Stücke Land dem Feinde abzutreten. Aber dafür spornten sie diese zur Gegenwehr, und ergriffen selbst, wider alles Völkerrecht, die Waffen. Bald kam es mit dem erhitzten Feinde zu einem Gefechte, und die Tapferkeit der Fabier warf manchen zu Boden, bis Q. Fabius einen Befehlshaber selbst erlegte, und ihm die Rüstung abzunehmen versuchte. Dieß verrieth ihn dem Feinde und dem gallischen Heere ward zum Rückzuge geblasen. Aller Zorn fiel nun auf Rom, und viele Gallier begehrten in der ersten Hitze grade hin aufzubrechen ; aber der klügere Theil ricth Genugthuung zuvor anzusuchen. Alsobald wurden einige nach Rom abgeschickt, die Ausli eferung der drey Fabier zu Vergütung des Unrechts vom Senate zu fordern. Billig war das Begehren der gallischen Abgesandten, und der Senat selbst verabscheute eine so treulose Thal; aber das Ansehen der Fabier bey dem Volke war groß, und forderte Schonung; ungern konnte man sich entschließen sich einen minder günstigen Ausspruch wider dieselben zu thun; sondern wälzte viel lieber die ganze Sache vor die Versammlung des Volks, und überließ sie der vollen Entscheidung desselben. Ohne Zweifel gebührte dem Unrecht eine Vergütung, und ein zum Aufbruch gerüsteter Feind mußte befriediget werden. Aber der Haufen liebte zu heftig das Fabische H.ms, und erniedrigte sich zu einer Handlung, die eben so ungerecht als unklug war. Die vornehmen Verbrecher wurden nicht nur nicht zur Strafe gezogen, sondern noch für das folgende Iahs (ErV.R.Z64. vor Chr. Geb. Zyo.) zu Kriegstribunen erhoben. Das römische Volk lud sich hiermit, seinen Günstlingen zu Liebe, ein Verbrechen auf, dessen traurige Folgen es fast erdrückten, und schändete seinen Ruhm durch partheyliche Schonung einiger treulos handelnden Menschen. Die gallischen Abgesandten verachteten Rom, und drohten Krieg und Vertilgung seines Rahmens. Ihre Zurückkunft setzte das ganze Heer in Muth: Clusium blieb für jetzt vom Feinde befreyt, und gegen Rom allein richteten Brennus und die Gallier ihren Zorn. Rom hatte stch indessen schon zum Kriege gerüstet, nur nicht so, als es ein neuer, und noch unversuchter Feind erforderte. Es setzte stch weder einen Diktator, und unternahm auch die Werbung, nur wie zu einem jeden minder wichtigen Kriege. Seine Verstandesschwache ging dießmal so weit, daß man sogar ohne die gewöhnlichen Auspicien den Zug unternahm , und hierdurch wenigstens dem gemeinen Manne ein Mittel zu Belebung seines Muthes raubte. Am kleinen Fluß Allia, unweit seiner Mündung in die Tiber trafen beyde Heere zusammen, und auch hier dachte man nicht den Truppen ein gut verschanztes Lager zu einem Zufluchtsorte nach einem unglücklichen Treffen zuvor auszusuchen. Man sah die Gallier ihrer Menge wegen weit in der Gegend ausgedehnt und sing alsobald an, auch die Schlachtordnung weit ausgedehnt ihnen entgegenzustellen. Man wollte hierdurch freplich dem Einsperren von der Menge zuvorkommen; aber man schwächte den nothwen- -igm Zusammenhang, und erleichterte dem Feinde jedes Durchbrechen. Die Gallier machten den Angriff mit einem, nach ihrer Gewohnheit, gräßlichen Geschrey: und der ganze linke Flügel der Römer erwiederte nicht nur kein Geschrey, sondern floh in der größten Unordnung nach Veji. Eine Menge verlor dennoch das Leben theils durch das Schwert der Feinde, theils durch die Fluthen der Tiber. Der rechte Flügel stand noch ein wenig länger; aber auch er ward bald verwirret, und floh grade nach Rom n V D-e Gallier sahen einander verwundernd an, und konnten es kaum glauben, daß sie einen so wichtigen Sieg erfochten hätten. Sie fürchteten feindliche List, und warteten, wie stch diese zeigen würden. Nach langen vergeblichen Marken sammelten sie die Beute und weggeworfenen Waffen der Römer, und machten stch bereit den Zug nach Rom geraden Weges sortzusetzen. Alles bebte hier in banger Erwartung eines so zornigen Feindes, und' niemand dachte dar- an, die Thore wieder zu schließen, die das entlaufene Heer in der Verwirrung offen gelassen hatte. Das Capitolium war jetzt der einzige Zufluchtsort, wohin stch jeder zu verbergen suchte; aber viel zu klein, die Menge zu fassen, mußte ein noch viel größerer Theil ausserhalb Rom Schutz und Zuflucht suchen. Wie sehr suhlte jetzt Rom den Mangel eines Camills, der es gewiß nie so weit hätte sinken laffenj So wird der Würdige oft verkannt, und läßt dem Neide zur gerechten Strafe ein vergebliches Verlangen nach sich zurück. Rom ward öde und menschenleer, und die ehrwürdigen Wohnun- Sen der erst n Stifter wurden dem Feinde zur Zerstöhrung überlassen. Einige Wenige von den Edlen oms konnten sick von ihrer unglücklichen Vaterstadt nicht trennen. Frommer Eifer füllte ihr Herz, uad warme Vaterlandsliebe zwang sie, stch zum Besten des Staats den unterirdischen Göttern wck- 2) Der Tag dieses unglücklichen Vorfalls kam naHgehendS in den römischen Kalender unter dem Nahmen Dies Lilleuüs. Er siel den s6ten Julius, und ward für sehr unglücklich gehalten. U __ C c HS ( ios ) HS hen zu lassen. Der Oberpliester Fabius that im Nahmen Aller daS feyerliche Gelübd, und bat die erzürnten Götter, daß sie durch dieses Opfer versöhnt, vielleicht doch einen Römer wecken möchten, von dessen Hand Rom seine Rettung empfinge. Jeder dieser Edlen zog seine Amtskleidung an, und zierte sich mit allen den Ehrenzeichen, welche seinem Verdienste, seinem Range und seiner Würde ge. bührten; setzte sich auf seinem curulischen Stuhl, und wartete mit Feyerlichkeit und Stille den wichtigen Augenblick seines Todes n). Rom wird von den Galliern eingenommen und in Brand gefleckt. Kups. No. XXX. war bereits der vierte Tag nach d«r unglücklichen Niederlage am Allis, und Brennus ver- ließ sein Lager zwischen Rom und dem Anio, wohin ihn Furcht vor einer Überlistung wegen deS of- fcngelassenen Lhores genöthiget hatte. Mit vieler Vorsicht und Behutsamkeit rückte er in die Stadt, und staunte nicht wenig, als er sie wie ausgestorben fand. Noch immer besorgte er Lisi, und besetzte alle Zugänge zur Festung und alle Platze, die ihm verdächtig schienen. Endlich erlaubte er seinen Truppen, sich in verstärkten Haufen durch die Stadt zu zerstreuen, und die Gassen zu untersuchen. Einer derselben stieß auf jene würdige Versammlung der vornehmen Eingeweihten zum Tode. Plötzliches Staunen hielt den Haufen der Gallier fest; ihr Blick heftete bald an der majestätischen Miene dieser Greise, bald an der hohen Würde ihres Alters, bald an der Pracht des herrlichen Am zugs und an dem feyerlichen Schweigen. Sie glaubten, Götter säßen da in menschlichen Gestalten, und lange hielt sie Ehrfurcht zurück, diesem frommen Zirkel sich zu nähern. Einer faßte endlich Muth, und trat zur Sella des ehrwürdigen Greises M. Papiritts. Sein Bart hing lang herab, und diesen wagte der Gallier zu betasten; aber ein derber Schlag auf seinen Kopf mit dem essender- nerncn Stabe strafte die Vermessenheit des Frevlers. Dieß setzte den Haufen in Muth, und ward das Zeichen des Mordens und Verheerens. Papirius sie! zuerst, und bald lagen auch die andern m ihrem Blute. So hatte -ein jeder das Gelübd den Göttern gezahlet, und dem Vakerlande sich selbst zum Opfer gebracht. Von dieser Scene des Mordens ging man zur Plünderung und Verwüstung der Stadt (Erb. R. Z6L. vor Chr. Geb.Z 89 >). Hatte sich jemand verkrochen, der ward zum Lode vorgezogcn, und schon an vielen Orten stieg die Flamme des Brandes hoch empor. Man wollte hierdurch den Starrsinn des Römers beugen, und ihn zur Übergabe der Festung zwingen. Aber so traurig es war, dm Einsturz der väterlichen Wohnungen von der Höhe zu erblicken : so gewöhnte man sich doch an dieß schreckliche Schauspiel, und blieb standhaft, mit dem Stahle in der Hand für Leben und Heil deS ») E< ist nicht gewiß, wo sie ihren Tod erwartet haben: nach dem Livius saß ein jeder in der Vorhülle seinrs^Hauses, uud^nach Anderer Mepnung begaben sie sich gemeinschaftlich auf bas Forum- d ( -»3 ) H-A Staates zu sterben. Brennus glaubte nun mit Sturm die noch übrige Festung zu erobern; und siebte mit Anbruch des Tages seine Truppen in Reihen, stieg den Felsen hinan, bis er immer jäher und steiler wird, und erwartete bey weiten nicht den tapfern Widerstand, mit welchen er von Römern empfangen ward. Unmöglich fand er eS höher hinauf zu klimmen; die Römer stürzten Mann auf Mann, und einer riß den andern fort, bis ganze Glieder rücklings in die Tiefe hinabwalzten. Brennus ward durch diesen Versuch von allen künftigen abgeschrecket; er sperrte dafür alle Zugänge ins Capitolium, damit wenigstens Hunger die Belagerten zur Übergabe nöthigte, und verheerte das umliegende Land durch herumstreifende Partheyen. Noms gutes Glück führte eine derselben vor Ardea hin, wo Camill us in der Verbannung lebte. Dieser große Mann fühlte das Unglück seiner Vaterstadt mehr als sein eigenes, Und konnte sich nicht genug wundern, wo doch jetzt die Römer waren, die unter feiner Führung Veji erobert, und die widrigsten Schicksale mit Mukh und Klugheit ertragen hatten. Seine Liebe gegen das Vaterland weckte ihn zu Thaten, größer als jene, welche der hämische Neid ihm jetzt mit Undank belohnte. Er kannte die Rache nicht, nur kleiner Seelen Eigenthum; erhabner war ihm das Vergnügen, den Feind durch edle Thaten zu beschämen und Zur Kenrttniß seines Fehlers zurückzuführen. Kaum hakte rr von der Annäherung der Feinde gehöret, so eilte er, wie von einer höhern Macht begeistert, vor den Rath von Ardea hin: „Ihr Ardeaten, sprach er, ich bin euch vielen Dank sur eure Wohltha- tigkeit gegen mich schuldig. Wann werde ich es euch vergelten, wenn ihr nicht jetzt von meiner Krieg-Zerfahrenheit Gebrauch machet ? Wolltet ihr mit Ernst eure Stadt wider die Gallier verthridi- gen: so ergreifet die Waffen und folget mir nach. Ich will euch nicht zum Kampfe, sondern zum Morden führen, und wenn ich euch nicht die Feinde schlaftrunken, wie das Vieh, zum Niedermctzeln übergebe, so treffe mich auch unter euch das Schicksal, wie ich es von Rom aus dulde!" Die Ardeaten befolgten feinen Rath: und Camill übersiel den feindlichen Haufen zur Nachtszeit, da er, vom Weine berauscht, im ersten Schlafe lag, und richtete unter ihm ein solches Blutbad an, daß nur wenige durch die Flucht entkamen« Die Nachricht von diesem Vorfälle breitete sich alsogleich überall aus, und machte den Römern, die noch zerstreut umherirrten, oder nach Veji geflüchtet hatten, neue Hoffnung. Täglich vermehrte sich die Zahl, und brauchte nur ein tüchtiges Oberhaupt, welches sie zu einem glücklichen Kampfe anführte. Man berathschlagte sich, und alle fielen in ihrer Wahl auf den großen Ca- null. Aber hierzu fehlte des Senates Entschluß, und Camill selbst würde die Ehre nicht annehmcn, so lang er noch aus Rom verwiesen wäre. Schwer war es sich hier herauszuwickeln, und ein wirksames Mittel in Vorschlag zu bringen. Glücklicher Weise hatte der Feind den steilsten Abhang deS Felsen gegen die Tiber, wo man es ohne das glatterdings für unmöglich hielt, ins Capitolium zu kommen, nicht besetzet; Pontius Com in ius, ein junger kühner Mann aus den Plebejern, trug sich an, dieß gefahrvolle Magstück zu bestehen. Zur Nachtszeit schwamm er auf einer Baumrinde die Tiber hinab; und kam unbemerkt an den Fuß des Felsen. Aber nun betrat er den gefährlichsten Pfad, und klomm glücklich bis hin auf die Spitze des Felsen. Mit Freuden empsing jeder, der im C c 2 ' (LV4) Capitolium war, ben Dothen des Heils, und tröstete sich mit der Hoffnung einer nahen Befteyung. Der Senat vernichtete das Verbannungsurtheil, und setzte Camilln zum Dictator über -a§ ganze Kriegsheer. Cominius bestand von neuem die Gefahr, und kam glücklich wieder nach Vejk. Die Gallier hatten indessen doch die Spuren des Pontius auf dem Felsen bemerkt, mch Brennus benutzte unverzüglich die Entdeckung. Er suchte die kühnsten und stärksten aus seinem Heere, und schickte sie zur Nachtszeit über eben den Pfad zu einem Überfalle in die Festung. Mit unglaublicher Beschwerde half einer dem andern nach, und in der größten Stille waren die ersten schon an den Mauern. Weder die Wachen noch die Hunde witterten Gefahr; aber die Gänse, der Juno heiligen Thiere, die ihr zu Ehren auf dem Capitolium gefüttert wurden, erregten mit Schnäbeln und Flügeln ein Getöse a), daß M. Manlius, ein ehemaliger Consul, davon erwachte und Gefahr vermuthete. Schnell weckte er andere Krieger auf, und schon sah er wirklich einen Gallier auf der Mauer. Er rennte auf ihn los, und stürzte ihn mit dem Schildknopfe rücklings über die Mauer. Nun eilten noch mehrere Römer zu Hülfe, und warfen Steine und Pfeile unter die herankletternden Feinde. Viele rissen andere mit sich im Sturze, und die meisten schleuderten zurück in Nbgrund. So war abermal ein Versuch vereitelt, und ein Theil des Kernes verloren. Camillus vernichtet die Friedensunterhandlungen der Römer mit den Galliern, und schlagt die letzten aus Rom. Kupf. Xro. XXXI. - ^§s war bereits der siebente Monath der Sperrung, und beyde, sowohl die Belagerer als Belagerten fingen an das Ungemach zu fühlen, und Mangel an nochwendigen Mundvorrach zu leiden. Die Ersten hakten mit der Stadt eine Menge Getreide verbrennt, und durch die Verheerungen des umliegenden Landes sich selbst der Noch ausgesetzet. Noch waren auch in ihrem Heere ansteckende Krankheiten ausgebrochen, und rafften täglich viele Menschen hin. Bey den Belagerten war die Noch noch größer. Durch die ganze Zeit war es nicht möglich eine auch nur geringe Zufuhr zu erhalten, und was man in Eile mitgenommen hatte, langte grade noch hin den Tod eine kurze Zeit noch abzuwehren. Dennoch wollte man feine Noth noch bergen, und warf zum Zeichen des Über, finsss einige Laibe Brod unter die Belagerer. Noch war Hoffnung eines Entsatzes von Seiten des Diktators; aber unerklärbar war es, daß ein Mann, wie Camillus, so lang auf seine Hülfe warten ließe. Das Ungemach überwand, und die beydcrseitigen Wachen bahnten den Weg zu einem Vergleiche. ' s) Die Befrcyung des Capitoliums durch das Geschnatter der Gause ward in Rom für ein Wundee- zeichen gehalten; und alljährlich durch einen fcyerlichen Umgang begangen. Man tödtete davey einen Hund, und trug eine Gans auf einem prächtigen Tepich gleichsam im Triumphe. tzF l '»F ) HA Der Senat übertrug den Kriegstribunen das Geschäft, und O. SulpiciuS kam mit dem Bttlmus überein, zu Hebung der Sperrung Tausend Pfund Gold zu zahlen. Die Summe rvar groß; aber der Hunger erzwang sich die Einwilligung, und die römischen Frauen mußten allen ihren geretteten Schmuck Zusammentragen. Das Ab wägen geschah nach gallischem Gewichte, das schon deswegen schwerer war, weil es die Hand des Feindes in die Schale legte. Reichlich ward zu jedem Pfunde zugewogen, daß SulpiciuS endlich sich beschwerte. Brennus änderte nichts ab: „Weheden Überwundenen!" schrie er ihm entgegen, und legte noch sein Schwert zu dem Gewichte. SulpiciuS gerieth in Zorn, und würde alsogleich die Unterhandlung abgebrochen haben, hätten nicht seine Begleiter ihn mit Mühe zurückgehalten. Gleich dem Krkegesgotte mit unerwarteter Hülfe erschien C am i llus jetzt am Orte der Verhandlung. Er staunte und ließ augenblicklich alles Gold zurück ins Capitolium tragen: „Rom,, sprach er, muß mit dem Stahl und nicht mit Gold losgekaufet werden." Die Gallier entbrannten vor Zorn, und stützten sich auf die Gültigkeit ihres geschlossenen Vertrages; aber ,,kem Vertrag ist gültig, erwiederte Camillus, der ohne Wissen der höher» Oberkeit geschlossen wird. Gehet, und richtet euch zum Kampfe!" Auf eben dem Platze wurden die Reihen geordnet, und ein blutiges Gefecht begann zwischen den Bergen von Asche und Schutt des verwüsteten Roms. Die Gallier wurden aus Rom geschlagen, und das Capitolium von der Sperrung besreyt a). Gleich den andern Tag verfolgte der Diktator den flüchtigen Feind, und erreichte ihn schon acht Meilen von Rom, auf der gabinifchen Strasse. Hier entstand ein neues Gefecht, welches die Gallier so gewal- tig zu Boden schlug, daß ihre Niederlage die am Allia Hey weitem übertraf, und ihnen kaum noch einen Bothen übrig ließ, der die traurige Nachricht ihren Landsleuten überbringen konnte. So hatte Camillus Rom gerettet, und seinem Vaterlande den Frieden wieder gegeben. Mit Ehre und Ruhm kehrte er nach Rom zurück, und feyerte abermal einen Triumph, wo- bey der muntere Krieger ihn den andern Ro mulus, den Vater des Vaterlands, und den andern Erbauer der Stadt in seinen Lobeserhebungen nannte. Er wollte nun auch die Diktatur niederlegen; aber der Senat ließ es nicht zu, weil die Tribunen, immer noch auf ihrem Dor>chlage, nach Veji zu über siedeln, beharrten. Mit vieler Beredsamkeit stellte er ihnen vor, wie unbillig es sey, Rom nach dem Siege zu verlassen, da man währendes Krieges so vieles 5>r die Erhaltung desselben gethan und geduldet hätte. Rom würde aufhören; aber auch sie würden künftighin Vejenter heißen. Nicht Veji sondern Rom sey von Göttern die Oberherrschaft verheißen, und dieser ihre Sache wäre es, das verfallene Rom, zu Fortsetzung ihres Dienstes, wieder hervorzurufen. Die Tribunen änderten ihre Meinung, und das Volk unterwarf sich der Verordnung dck Senates von Wiedererbauung Roms. ( Erb. R. r»or Chr. Geb. Z^y.) Baunrate- rialien wurden unverzüglich herbeygefchafft, und allen denen unentgeltlich ansgetheilt, welche vcrspra- ») Die Erzählung dieser Geschichte nach dem Livkns hat mancherley Unwahrscheinlichkeiten, und wenn man sie dem Polybius entgegen hält, wird sie sehr verdächtig. Der Letzte erzählet, Nom fcy gänzlich den Galliern übergeben worden, und nur der Einsall der Veneter in.ihr Gebiet habe ^ sie zur Beschützung ihres eigenen Landes wieder abgcruft. D » »KS ( 106 ) »KS chen, ihren Bau innerhalb Jahresfrist zu vollenden. Jeder baute nun wie er konnte und wollte, und war nur bedacht eine Wohnung sich in Eile herzustellen. Dieß machte daß man auf Ordnung und Regelmäßigkeit wenig sah, und ein neues Nom aus seinem Schutte förderte, welches das Alte an Lücken und Unrichtigkeiten bey weiten übertraf. Man hakte weder auf die Richtung der Cloaken Acht gegeben, und anstatt daß sie sonst grade durch die Strassen liefen, waren jetzt viele Hauser über ihre Wölbungen gebaut. Kaiser August gab sich nach der Zeit viele Mühe all das Unregelmäßige zu verbessern; aber bey vielem war alle Mühe vergeblich. Indessen macht doch diese Wiedererbauung Roms Epoche, und es entstanden im Einzelnen Gebäude, deren Schönheit und Pracht dem alten Rom unbekannt war. Das Jahr der Wiedererbauung Roms war nun vorüber, und die alten Feinde desselben, die Äquier, Volsker und H et r uske r sahen zu ihrem Verdrusse, daß es sich aus seinem Schutte wieder erholete; sie verbanden sich neuerdings, und suchten cs nochmal zu vertilgen. Zu diesem Schrecken kam noch der Abfall der Lateiner und Hernicier, die seit der Schlacht am Regillus immer treu geblieben waren. Rom wollte sich durch eben das Mittel erhalten, durch welches es hergestellek war, und setzte sich abermal den tapferen Camillus zum Dictator. (Erb. R. Z66. vor Chr. Geb. Z88.) Er unternahm die Werbung, und ließ sogar alte Leute unter die Legionen schreiben. Hierdurch brachte er ein so großes Heer zusammen, daß er es in drey beträchtliche Armeen zertheilen konnte, deren eine er zur Bedeckung der Stadt zurückließ, die andere nach Veji gegen Hetrurien schickte, und mit der dritten selbst gegen die Volsker auszog. Diese hatten geglaubt, die Gallier hatten Rom gänzlich zur Ohnmacht gebracht, und erschracken bey der Annäherung eines so beträchtlichen Heeres. Sie verschanzten sich in ihrem Lager, und legten große Baumstämme um dasselbe herum. Camillus ließ Feuer anlegen, und bahnte sich hierdurch einen Weg. Die Volsker wurden geschlagen, und ihr ganzes Lager erbeutet und den Soldaten überlassen. Von da zog er zur Verheerung ihres Gebietes, und brachte sie so weit, daß sie sich endlich nach einem hundert sieben Jahre langen Kriegen gänzlich ergaben. (Erb. R. Z6/. vor Chr. Geb.ZZ/.) Nun richtete der Dictator seinen. Zug gegen die Äquier, und es währte nicht lange, so waren sie in die Flucht geschlagen, und Bolä ihr Hauplort in seinen Händen. Unterdessen hatten die Hetrurier sich der römischen Bundesgenossenstadt Sutrium bemächtiget, und die Einwohner vertrieben. Camillus eilte dahin, und überfiel den unbedachtsamen Feind, als er sich in die Beute theilte. Eine Menge ward niedergehauen, und eine noch viel größere zu Gefangenen gemacht. Die Sutriner erhielten alle ihre Güter zurück, und Camillus zog nun schon zum dritten Mal im Triumphe nach Rom. Die Menge der Gefangenen ward verkauft, undxdaS daraus gelöste Geld war so ansehnlich, daß man den römischen Frauen nicht nur ihr Gold, welches sie zur Zahlung des vom Camillus gemachten Gelübdes hergeliehen hatten, zurückzahlen, sondern auch noch drey goldene Opfer- schalen mit Camills Nahmen in den Tempel des Capitoliums niederlegen konnte. Hetrurien war demungcachtet noch nicht ruhig, und der Senat hatte mit Fleiß den Krieg verschoben, bis Camillus wieder Kriegstribun ward. (Erb. R. z6y. vor Chr. Geb. Z8L.) Unterdessen standen dieAntiaten in Waffen, und hatten von den Lateinern und Herniciern junge Mannschaft zur Hülfe erhalten. Die übrigen Kriegstribunen übergaben ihre Macht in CamillS Hände, und ( 107 ) HS bestimmten ihn hierdurch gleichsam zum Diktator. Camill Heilte die angeworbene Armee, wie zuvor in drey Heere, und zog mit dem einen gegen die Feinde. Die römischen Legionen erschrocken über die Menge, und zeigten wenig Lust zu einem Treffen. Camill, den kein bedenklicher Fall verlegen machen konnte, wählte ein Mittel, welches in ähnlichen Fällen nachgehends jederzeit glücklich gewirket hat. Er warf ein Feldzeichen unter die Feinde, und schändlich und strafbar war es für den römischen Krieger, dasselbe nicht wieder zu erobern. Mit ungewöhnlicher Tapferkeit ward nun gefochten, und die Feinde wichen und flohen; die Lateiner und Hernicier nach Hause, die Volsker aber nach Satt i cum. Camillus wollte anfänglich den Ort belagern; aber dann entschloß er sich zu einem Sturme, und nahm mit dem ersten Anfalle die Stadt ein. Die Volsker warfen die Waffen weg, und ergaben sich dem Sieger. Antium war noch übrig; aber Abgeordnete von Nepete und Sutrium hinderten noch auf eine Zeit die Unternehmung. Der Senat durfte zwey so wichtige Bundsgenossenfiadte, die zugleich die Schlüssel zu Hetrurien waren, nicht ohne Hülfe lassen; daher ward dem Camillus aufge. tragen, sie wieder von den Hetruskern zu erobern. Die letzte kostete nicht viel Mühe, weil die Feinde nur einen Theil inne hatten; aber die andere war schon ganz in feindlichen Händen, und ein glücklicher Sturm entriß sie ihnen wieder. Mit Ruhm und Sieg kehrte Camillus nach Rom, und fand an M. M an l ius Capito, linus, einen so erbitterten Feind, als ihn Eifersucht und Neid nur immer erwecken konnten. ES verdroß den Erhalter des Capitoliums, daß Furius schon so oft die höchste Magistratur verwaltet hatte; hingegen sein Verdienst, nach seiner Meinung, zu wenig geachtet würde. Hcrrschbegierde riech ihm solche Mittel an, die feiner Person die Gunst des gemeinen Haufen erwarben; die Patricier aber und den ganzen Senat verhaßt machten. Unter andern zahlte er die Schulden derjenigen, die von den Gläubigern in das Gefangniß fortgeschleppet wurden, und verwandte hierzu nicht nur sein väterliches Erbtheil, sondern gab auch vor, die Patricier hatten einen Schatz in Verwahrung, von dem der mit Schulden belastete Theil des Volkes sehr leicht könnte unterstützet werden. Diese Aufführung vermehrte seinen Anhang täglich, und wo er sich immer befand, hatte er die Menge zur Begleitung. Es war Zeit auf Gegenmittel zu denken, und den Übeln Folgen eines Aufruhrs mit Ernst vorzubeugen. Ein Krieg mit den Volskern gab dem Senate die erwünschte Gelegenheit einen Diktator zu ernennen, und A. Cornelius Cossus siegte durch Klugheit und Tapferkeit über die Feinde; eilte aber auch alsobald nach Rom, und forderte den Aufwiegler vor sein Gericht. Manlius erschien mit einer Begleitung von Tausenden aus der Menge, rühmte sein Verdienst, und suchte durch Aus- siuchte sich zu retten. Der Diktator beharrte auf der Entdeckung des vorgeblichen Schatzes : „Wenn das nicht alsogleich thust, sagte dieser, so lasse ich dich alsobald in das Gefangniß führen." Das Letzte geschah, ohne daß jemand aus der Menge sich dawider gereget hatte. Aber nun legte der Diktator seine Würde nieder, und mit der Furcht einer unumschränkten Macht verschwand auch zu- gleich die öffentliche Ruhe. Häufiger als jemals versammelte sich der Pöbel bey dem Gefangniß, und drohte dasselbe zu erbrechen. Die Kriegstribunen, unter denen sich abermal Camillus befand, (Erb. R'Z/i. vor Chr. Geh. Z8Z-) fürchteten noch ärgere Folgen, und befreyten den Manlius aus dem D d T tz-K ( r°8 ) Kerker. Man hakte eS -u wenig überleget, baß man durch birst Nachgiebigkeit der empörten Menge einen Anführer gäbe, und hatte bald Ursache diesen übereilten Schritt zu bereuen. Manlius sprach nun freyer als jemals, rieth zu Abschaffung der Diktatur und des Consulats, und nannte sich den einzigen Mann, der bey einer unumschränkten Macht jedermann glücklich machen wollte. Die Zusammenkünfte in seinem Hause wurden zahlreicher, und man machte kein Geheimniß mehr, daß die alte Verfassung bald stürzen würde. Dieß bewog den Senat, die höchste Gewalt, die man sonst den Dictatoren gab, den Kriegstribunen einzuräumen. Reiflich überlegten diese den wichtigen Handel, und brachten mancherley Mittel in Vorschlag. Einige wollten sogar den Urheber -er Stöhrung wo immer tödten; aber dießmal vereinigten sich glücklicher Weise die Volkstribunea mit dem Senate, und trugen sich an, den Manlius nach den Gesetzen auf Leib und Leben zu belangen. Alle traten der Meynung bey, und es ward ein Tag zum feyerlichen Verhör in den Versamm- lungen nach Curien angesetzt. Der Lag brach an und das Marsfeld ward zum Orte des Gerichtes gewahlet. Dieß war grade die Gegend, wo das Capitolium sich am prächtigsten zeigte; ein Umstand, den der Beklagte trefflich benützte. Die Augen des Volks täuschte dieß blendende Verdienst, und hinderte es, ein billiges Urtheil über den Verbrecher zu fällen. Die Tribunen merkten den Trug, und verlegten das künftige Verhör in den p or t e l i ni s ch en Wald vor dem nomentalischen Thore. Der bezaubernde Blick verschwand, und Manlius stand hier als Stöhrer der Ruhe. Das Volk stimmte für den Tod, und Manlius ward vom tarpejischen Felsen hinabgcstürzt. So ward eben der Ort, welchen der Verbrecher noch als guter Bürger erhalten hatte, auch der Ort seiner Hinrichtung zum Tode. Sein Haus ward niedergerissen, und keinem Patricier auf dem Capitolium künftighin zu wohnen erlaubt. Merkwürdig war es, daß weder feine nächsten Anverwandten für ihn baten, oder in Trauerkleidern einhergingen; vielmehr daß sie sich verschwuren, den Vornahmen Marcus nie mehr zu führen. Kaum war die Ruhe von innen wieder hergestellt, so hatte auch Rom mit seinen auswärtigen Feinden zu thun. Dießmal hatten die P rane st ine r, in Verbindung mit Volske r n, die römische Colonie zu Satricum übel behandelt. Camillus ward abermal als Kriegstribun wider sie abgeschickt, und hatte den L. Für ius zum Amtsgehülfen. (Erb. R. Z74. vor'Chr. Geb.Zgo.) Dieser junge verwegene Mann glühte vor Begierde mit dem Feinde zu kämpfen, und führte wider daS bessere Wissen Camills das Heer zu einem Tressen; aber bald büßte er seine Verwegenheit, und hätte ohne Camill sich und sein Heer verloren. Der würdige Greis rückte nun selbst in die Feinde; sie stoben und überließen dem Sieger ihr Lager. Eine andere Niederlage fügte ihnen der Diktator T. Ouinctius Cincinnatus am Allia bey, und eroberte innerhalb zwanzig Tagen Präneste und noch andere acht Städte. Nicht besser ging es dem verbundenen Heere der Volsker und. Lateiner, die sich abermal bey Satricum gelagert hatten. Die beyden Kriegstribunen P. Valerius und L. ÄmiliuS (Erb.R. Z78. vor Chr. Geb. Z76.) schlugen sie in die Flucht, und erbeuteten ihr Lager. Ihr Weg trieb sie nach A nt i uni; aber die Einwohner, des langen Kriegens müde, waren zur Übergabe an die Römer bereitet. Die Lateiner trennten sich von ihnen mit Verdruß; verbrannten Satricum, und überfielen Trrsculum. Die Antiaten erhielten gute Bedingungen, und in HS ( >09 ) »E Tusculum kamen die Lateiner zwischen zwey Feinde zu stehen. Die Tusculaner und Römer triebe» sie s- in die Enge, daß fast keiner übrig blieb. Die Pleöejer gelangen zu den höchsten SLaaLsbedienungen. >^chon vor ungefähr neun und sechzig Jahren hatte der Volkstribun C. Canulejus den Versuch gewaget, die Consularwürde den Plebejern zu erringen; aber der damals eingeschlagene Mittelweg von Einführung der Kriegstribunen mit konsularischer Macht, vereitelte seinen Vorschlag, und ließ die Patricier in ihrem ausschließlichen Rechte zu der höchsten Würde. Das Consulat ruhte zu ihren Gunsten und das Kriegstnbunat ward bisher aus Patriciern und Plebejern besetzet. Aber die Letzten wurden auch gegen dieses gleichgültig, und die drückende Schuldenlast stumpfte ihren Geist so ab, daß weder jemand um eine Volksmagistratur sich bewarb. Die Patricier hatten auf einmal alles, und ihre Schuldengefängnisse erhielten die Plebejer in einem ganz gefühllosen Zustande. Eine Ruhe von solcher Art ist immer gefährlich; sie ist der Vorbothe eines Sturmes, der seine Muth mit unwiderstehlicher Kraft entladet. Ein unbedeutender Fall war Veranlassung dazu, und ward die Äuelle zu einer der merkwürdigsten Veränderungen in der römischen Staatsverfassung. M. Fabius Ambustus, ein ansehnlicher Patricier, hatte zwey Töchter. Beyde waren verheurathet: die ältere an den Patricier Servius Sulpicius, und die andere an den k. Licinius Stolo, einen reichen Plebejer. Die Gattin des Letzten war einst bey ihrer Schwester, als grade Servius, als Kriegslribun, vom Forum nach Hause kam. Nach Gewohnheit kündigten die Lictoren durch ein starkes Klopfen mit den Fasccs an der Hausthüre die Ankunft des Krkegs- Nibuns an. Fabia, die jüngere, erfchrack und fragte ängstlich ihre Schwester: was dieß Klopfen bedeute, un^> was die Menge Menschen bey ihrem Hause wolle? Die Patriekerin lachte, und erlaubte sich über die bange Unwissenheit ihrer Schwester zu scherzen« Dieß war genug, bey der leich- ) HZlke der Krieg und der Diktator sie abgehalten, und jetzt stunde das Volk sich selbst entgegen, da es zwar die Vorschläge von Aufhebung des Wuchers und von Verthcilung der Felder gutgeheißen r aber von der Wahl eines Consuls aus seinem Mittel nichts hören wolle. Wollte man nicht eine« jeden dieser Vorschläge zur Kraft eines Gesetzes erheben: so wollten sie nicht länger mehr Tribunen bleiben. Das Volk konnte sie nicht entlasse«, sondern wählte sie nun schon zum zehnten Male zu seinen Tribunen. Noch hatten sie auch die Vermehrung der Aufbewahrer der sibyllinische« Ruch e r in ihren Vorschlag ausgenommen. Dieß ward neuerdings rege gemacht, und zu einem Gesetze erhoben. Anstatt zwe y e r wurden jetzt zehn, halb aus den Patriciern und halb aus den Plebejern gewählet. Dieß war zugleich ein Schritt, durch den man sich seiner Hauptsache zu nähern glaubte. Ein plötzlicher Einfall der Gallier vom adriatischen Meere her Lhat abermal dem Zwiste auf einige Zeit Einhalt, und setzte Rom in so große Furcht, daß es seinen bekannten Retter Camillu- sich nun schon zum fünften Male zum Diktator ernannte. (Srb. R. 587. vor Chr. Geb. 367.) Man hatte durch diese Kriege erfahren, daß das gallische Schwert den Römern immer viel geschadet hatte; dieses nun unschädlicher zu machen, ließ der Diktator die Schilde seiner Soldaten mit Erz überziehen, und gab einem jeden einen Helm zur Bedeckung des Hauptes. In dieser Rüstung zog er de« Feinden entgegen, schlug sie mit vielem Blutvergießen, und erwarb sich abermal die Ehre eiueS Triumphes. Der Senat glaubte, das Ansehen Camills würde auch die Tribunen erschrecken, und ließ eS nicht zu, daß er sein Amt niederlegte. Der Diktator suchte nach Möglichkeit die Vorschläge zu hindern; aber die Tribunen erlaubten sich einen Schritt, der zu kühn war, als daß er nicht heftige Bewegungen verursachet hätte. Sie befahlen gradezu den Diktator ins Gefängniß abzufuhren, und der erbitterte Pöbel stimmte ein und schrie: „Herab mit ihm! Herab mit ihm!" Diese Demüthigung beugte den ehrwürdigen Greis; er verließ mit dem Senate die Versammlung, und rieH nun selbst zur Annahme der vorgeschlagenen Gesetze, that auch dabey ein Gelubd, wenn es ihm gluckte, die Ruhe wieder herzustellen, so solle der Göttin Eintracht (ConcorcUu) ein Tempel erbauet werden. Der Senat gab nach, und das Volk säumte nicht sich nach Cunen zu versammeln, und wählte den bisherigen Volkstribun §. Sextius S ex tim u s Lateranus zum ersten Consul aus dem Bürgerstande. Die Plebejer freuten stch ihres Sieges, und die Patricier sschlten zu tief die erlittene Wunde. Ihre Vorrechte waren hin, und mit der Wahl zum Confulate stand jedem Bürgerlichen der Weg zu allen andern Ehrenstetten offen. Noch eins war in ihrer Macht, daß sie dem neugemählten Consul die Bestättigung in seinem Amte verweigerten; aber dieß erregte neue Gährun- gen, und die Plebejer standen schon auf dem Punkte mit den Patriciern gänzlich zu brechen. Ohne die ergraute Weisheit eines Camills wären gewiß noch schrecklichere Auftritte erfolget: „Wollte das Volk, sagte er, aus seinem Mittel Consuln wählen, so sollte es den Patriciern dafür ein andere- Vorrecht eingestehen, daß diese aus ihrem Mittel einen Prätor u) wählen könnten. Diese neue E e 2 ») Die Pratur war in sich kein nenes Amt Adennlsie machte denjenigen Theil des Consulates ans- HF ( rr- ) HF Magistratur besänftigte die erbitterten Partheyen; sie nahmen den Vorschlag an, und Eintracht kehrte wieder nach Rom zurück. Der Senat verlieh dem S p. Für i u s, deS M. Camillus Sohn, diese neue Würde, und wählte den L. Ämilius Mamercus zum Amtsgenossen des bürgerlichen Con- suls. (Erb. R. Z88- vor Chr. Geb. Z66.) Die Freude, die jetzt unter, allen Ständen nach einer so glücklichen Aussöhnung herrschte, war ausserordentlich; der Senat wollte auch feinen Gottheiten keinen gemeinen Dank abstatten, und ließ deßhalben die großen Spiele, um einen ganzen Tag länger, als gewöhnlich, ankünden. Die plebejischen Ädilen weigerten sich dieß Amt zu versehen, und die jungen Patricier trugen sich freudig an, dieß Amt zur Ehre der unsterblichen Götter sehr gerne zu verwalten. Der Senat ernannte sogleich zwey Ädilen aus ihnen, und befahl die Feyerlichkeit nach Möglichkeit glänzendzu machen. Man nannte sie, zum Unterschiede von den plebejischen, die curulischen Ädilen, und rechnete sie zu den Magistraten der zweyten Ordnung. (Uazikratus ordinär!! urknni ininores.) Dieß war Camills letztes Werk. Der ehrwürdige Greis sehnte sich nun nach Ruhe, und wollte seine noch übrigen Lebenslage im Privakstande genießen; aber nicht lange währte sein Glück; eine schrecklich wüthende Pest endete sein thakenreiches Leben. (Erb. R. Z 89. vor Chr. Geb.Z6^. 6e- nnci'o ^ventinenk A (). 8erv!!!o Coss.) Er zahlte dazumal achtzig Jahre, und nahm das Vergnügen mit sich, seine undankbare Vaterstadt noch fünf und zwanzig Jahre nach seiner Verbannung aus den größten Gefahren gerettet zu haben. Niemals mißbrauchte er die höchste Macht zur Rache gegen seine Feinde; sondern legte sie jedesmal nieder, sobald das gemeine Beste gesichert war. Ihm verdanket Rom seine Wiederbauung, und nennet ihn mit Recht den zweyten Romulus. Schmerzlich mußte demnach dem ganzen Staate der Tod dieses Mannes seyn, und man darf sich nicht wundern, wenn jedermann selben für ein Unglück betrachtete, welches Rom allgemein betraf. Mit ihm starben noch viele Magistraten und eine Menge Volks. Der Senat verordnete allerhand Mittel zu Besänftigung der Götter; unter andern auch ein feycrliches Lectisternium. Aber die verheerende Muth ließ nicht nach, und man verordnete die Lud i sc en i c i, eine Art Schauspiele, die dazumal noch in dem Mimus und in der SaLyra bestanden. Man hieß die Spieler in der thuscischen Sprache Histriones, und hatte sie auch aus Hetrurien kommen lassen. Sie schilderten die fehlerhaften Sitten der Menschen durch Gebehrden und auch durch treffende Worte; aber bald arteten sie in grobe Possen und in persönliche Beleidigungen aus. Ein anderes Mittel war die feyer- liche Einschlagung des Nagels in den Tempel des Capitoliums a); denn alte Leute erinnerten der in bürgerliches Rcchtshändeln entschied. Wurde er auch jetzt nur zu Gunsten der Patricier vom Consulate getrennt: so gewann doch dadurch immer viel die öffentliche GerechtigkeitSpflegr- Ein Praror führte in Abwesenheit der Consuln die Regierung, und war gewisser Massen der Amtsgcnoß derselben. Seine Wahl geschah nach den Centurien, und mit allen den Gebräuchen, wie bey der Wahl der Eonsuln. Er trug eine Toga pratrxta, batte eine Sella cnrulis und sechs Lictoren, und znm Zeichen seiner richterlichen Amtsverrichtungen einen Spieß und ein Schwert. ») Die Einschlagung eines Nagels ward anfänglich bey den Hetruskern und nachgchends auch bey der» Römern zu Bezeichnung der verflossenen Jahre in Ermanglung der Ziffern von der höchsten Ober- keit vorgenominen. Zufälliger Weise hatte einst eine ansteckende Seuche aufgehöret, und war» wähnte jetzt die Verrichtung dieser Leremonie werde auch jetzt wirke«. d ( r-S ) sich noch mit Warme an die Wirksamkeit dieser Ceremonie bey ähnlichen Gefahren. Der Senat ernannte dazu einen Diktator, und übertrug diese feyerliche Verrichtung dem L. M anlitt s Imp e- ri o su s. (Erb. R.Z91. vor Chr. Geb.Z6Z.) Der neue Diktator wollte aber nicht blos zu einer feyerlichen Ceremonie; sondern auch zur Staatsverwaltung gewahlet seyn, und bezeugte viele Lust mit den Herniciern zu kriegen. Er nahm wirklich eine Werbung vor- und betrug sich dabey so gebieterisch und strenge, daß er nicht nur diejenigen, die kaum vom Krankenlager aufgestanden waren, zum Kriegsdienste zwang, sondern auch viele, die bey Vorrufung ihres Rahmens nicht alsobald erschienen, ins Gefangniß abführen oder wohl gar peitschen ließ. Ließ rauhe Verfahren erwarb ihm den Nahmen I mp er iosus, und war Ursache, daß man ihn zwang die Diktatur niederzulegen, und eine Anklage wider ihn verfaßte, von der rr sich schwerlich reinigen würde. M. Pomponius, ein Volkstribun übernahm dieses Geschäft, und rügte auch unter andern an ibm die harte Behandlung seines eigenen Sohnes. T. Man lins hatte das Unglück, daß ein Naturfchler seine Zunge band, und ihn minder geläufig zu reden zwang. Dieß war dem rauhen Vater genug, seinen Sohn nicht nur aus dem väterlichen Hause, sondern sogar aus Rom zu entfernen. Pomponius rechnete diese Vergehung dem Vater hoch an, und beschuldigte ihn, er Haufe Übel auf übel, und ersticke durch seine Härte alle noch übrigen Anlagen in dem unschuldigen Sohne zum Nachtheile des Staats. Die Anklagspunkte waren wichtig und gegründet, und das VerdammungS- urtheil wäre unvermeidlich gewesen, hätte nicht eben dieser Sohn seinen Vater gerettet. Kaum hatte sich Nachricht von des Letzten Gefahr auf dem Lande ansgebreitet, so vergaß jener das Unrecht , und eilte mit Anbruch des Tages nach Rom grade zum Ankläger Pomponius hin. Dieser glaubte neue Gründe aus dem Munde des Sohnes zu hören, und ließ ihn mit Freude vor sich; aber wie erschrack er, als jener mit einem gezuckten Messer sich vor ihn stellte, und mit Androhung des Todes eine eidliche Versicherung verlangte, die Anklage wider seinen Vater nicht weiter zu verfolgen. So roh dieß Mittel war, so zeugte es doch von einer ausnehmenden Liebe gegen einen unverdienten Vater, und bewog den Volstribun dem jungen Manlius das Verlangte zu beschwören. Die Anklage ward auf immer vernichtet, und das Volk bewunderte die großmüthtge Zuneigung eines Sohnes gegen den Vater, seinen Verfolger, rühmte die Lhat und belohnte sie mit der zweyten Stelle des bald darnach eingeführten Legionstribunats. T. Manlius gab sehr bald Beweise, -aß er dieser Ehre nicht unwürdig war. M. Curtius weihet sich für das Vaterland dem Lode- Kups. Xro. XXXII. och in eben dem Jahre trug sich in Rom eine Begebenheit zu, welche lu eben dem Grade die lärte des römischen Aberglaubens als den Heroismus der Vaterlandsliebe beweiset. Es hatte sich § f >K» l "4) d mitten km Forum die Erde zu einer sehr tiefen Kluft gespaltet, und niemand glaubte in der Natur die Ursache zu finden. Aberglauben erschrack und nöthigte jedermann kummervoll einherzugehen. Na* hes Verderben schwebte ihm vor den Augen, und mit Schaudern wagte er den zitternden Tritt zum Schlunde hin, blickte zu den erzürnten Göttern, und flehte um ein Mittel zur Aussöhnung. Man bemühte sich den Schlund mit Schutt und Erde, so gut man konnte, zu füllen; aber die Wahrsager erklärten alle Bemühung für vergeblich, so lange man nicht auf Anrathen der Götter das Edelste und Beste zum Opfer brächte. . Dieser Ausspruch war dunkel und nicht so leicht zu deuten; man dachte nach, und kannte doch noch nicht das edelste Kleinod. Aber nun trat ein junger, tapferer Mann hervor, M. Cur- tius mit Nahmen, adelich vom Geschlechts und durch Kriegsthaten berühmt. Diesem schlug das Herz von edler Vaterlandsliebe, und sein Antlitz glühte vom heißen Wunsche, sich für dessen Wohlfahrt zu opfern. Mit Hoheit und Würde nahte er sich dem Kreise der Versammlung, und tadelte die Zweifler, welche H eldenm u L h und Vaterlandsliebe noch nicht für das Edelste eines Römers halten konnten. Voll hoher Gefühle bewies er Jedem die Wahrheit: und jeder hörte und sah mit feyerlichcr Stille. Jetzt wandte sich Curtkus gegen die Tempel hm, die nahe um das Forum standen, und blickte hinauf zu dem Capitolium, wo Jupiter seinen Tempel hatte. Stellung und Gebehrde verriekhen die Ehrfurcht seines Herzens gegen die Götter, und jede Hebung der Hände gen Himmel, jede Neigung derselben in den Schlund vollbrachten seine Weihung zum Tode. Nun bestieg der feyerlich Eingeweihte in voller Rüstung ein Pferd, eben so prächtig als möglich ge- zieret, sprengte gegen den Schlund, und stürzte muthig dem Tode in die Arme a). Atter Augen staunten den Helden an, und waren noch lange hingerichtet, wo er für das Heil des Vaterlands, für immer verschwunden war. Opfer und Früchte wurden jetzt zusammen getragen, und von Männern und Weibern mit frommen Eifer nachgeworfen. Die Kluft ward nun verschüttet, und erhielt zum ewigen Angedenken den Nahmen: Die Curtiuskluft. Nach dieser merkwürdigen Aussöhnung hatte Rom neuerdings mit feinen Feinden zu kämpfen. Die Hernicier hatten diese Zeit her die Römer zum Zorne gcrcizet; der Senat beschloß endlich Krieg wider sie, und das Loos trafdießmal den bürgerlichen Consul L. Genu eins. (Erb. R. Z92. vor Chr. Geb.Zßs.) Jedermann war in Erwartung, mit welchem Glücke und wie geschickt eine Person bürgerlichen Standes zum ersten Male ein Kriegsheer führen würde; aber GenuciuS ließ sich in einen Hinterhalt locken, und blieb im Gefechte. Die Patricier betrübte dieser Unfall nicht; vielmehr wußte es ihre Politik den Plebejern zur Strafe auszudeutcn: „Sie sollten nun fortfahren, sagten sie, sich Consuln aus ihrem Mittel Zu wählen, und durch ihre Volksverordnungen die Patricier aus ihren Rechten zu verdrängen: wider die unsterblichen Götter würden sie wohl nichts vermögen; diese hatten ihnen aus gerechtem Zorne einen traurigen Beweis von ihrer Unzufriedenheit ») Eine ähnliche Selbsiopferurrg begab sich zu Celäna in Phrygien. Auch da spaltete sich die Erde zu einer tiefen Kluft, und verschlang zugleich viele Hauser mit den Einwohnern. Das Orakel begehrte zur Söhnung auch das Vornehmste, und als Gold und Silber nichts halfen, glaubte An churus des Midas Sohn, nichts ftp kostbarer als das menschliche Leben, und stürzte ßch selber in den Schlund. tzS ( "F ) über so widerrechtliche Eingriffe gegeben." Die Plebejer mußten dergleichen Vorwürfe sich gefallen lassen, und noch dulden, daß Ap. Claudius, ihr abgesagtester Feind, zu weiterer Führung des Krieges als Diktator ernennet ward. Mit frischen Truppen rückte er den Feinden entgegen, und schlug sie in einem hartnäckigen Treffen, bep welchem aber viele Paktierer und ein beträchtlicher Theil -es Heeres verloren ging. Gern hätte er noch das feindliche Lager bestürmet; aber die einbrechende Aacht hinderte das Unternehmen, und den andern Morgen hatten die Feinde sich wcggezogen. Ferentinum, eine Stadt der Volsker, die aber den Hernkckern war cingeraumet worden, fiel unter den nachfolgenden Consuln C. Licinius Calvus und C. S ulpiek u s Petr- cus, den Römern in die Hände. Auf ihrem Rückwege nach Rom verschlossen die Tiburliner, die noch immer in einem geheimen Bündnisse mit den Galliern standen, ihnen die Lhore. Die Fe- kiales wurden um Gcnngthuung an sie abgefchickt, und als diese nicht erfolgte, ward T. Quinc- tius Pennus zum Diktator ernannt. Unterdessen hatten die Gallier am jenseitigen Ufer de- Anio sich gelagert, und nur die Brücke, zu der die salarische Strasse führt, trennte beyde Heere. Der Diktator suchte durch häufige Gefechte sich derselben zu bemächtigen; aber die Gallier bliebe» noch immer im Besitze. Und hier war es wo T. Man lins, der schon rühmlich bekannte Sohn, dm merkwürdigen Zweykampf mit einem ungewöhnlich grossen Gallier unternahm. Mit beleidigendem Stolze trat der Riese täglich hervor, und forderte den tapfersten Römer M Kampfe. Niemand getraute sich mit einer solchen Masse von Stärke zu fechten; nur Man- lms fühlte den Schimpf, und bat den Diktator um Erlaubniß. „Wohlan, sagte dieser, geh und ze i ge eben die L lebe gegen das Vaterland, die du noch vor kurzen deinem Vater bewiesen hast!" Manlius vertauschte seine Waffen, und stellte sich mit einem kurzen Schwerte und dem Schilde eines Fußgängers dem prahlerischen Feinde entgegen. Den erste» Streich fing er mit seinem Schilde auf, und rückte zugleich so nahe an ihn, daß er den zweyten verhinderte nnd den Ünterleib desselben einige Male durchstach. Der Gallier fiel, und Manlius riß ihm die goldene Kette vom Halse, hing sich selbe noch voll des Blutes um, und kehrte mit Ruhm und Sieg zu den Seinigen. Jauchzen und frohe Wünsche tönten ihm entgegen; der Diktator stellte ihn vor das sämmtliche Heer, lobte die rühmliche That, und setzte eine Krone von Gold ihm auf das Haupt. Von nun an hieß man ihn von seiner Beute Manlius Torquatus, und schrieb rs seinem glücklichen Siege zu, daß die Gallier die folgende Nacht ihr Lager verließen, und sich vach Tibur und weiter nach Campanien zurückzogen. Der Krieg ward dcmungeachtet wider die H er nie i er und Tibur Lin er fortgesetzt, und den Consuln des nachfolgenden Jahres überlassen. (Erb. R. Z94. vor Chr. Geb. z6o.) M. Fa- dius Ambustus focht wider die Ersten, und überwand sie nach vielen kleinen Gefechten durch eine rühmliche Schlacht. Dem Letzten kamen die Gallier aus Campanien zu Hülfe, und wagten sich nach Vom bis vor das collinifche Thor. Der Senat wollte die Consuln von ihren glücklichen Fortschritten lucht abrufen, sondern wählte den Ä. S er v ilku s Ahala zum Dictator, und den T. Luinc- lius zum Feldherrn der Reiterey. Die Gallier wurden vor eben dem Thore vom Dictator geschla- M, und diese eilten grade nach Tibur hin; aber hier empfing sie und die zu Hülfe eilenden Li- duttiner der plebejische Consul C. Pötelins B albus, und jagte sie beyde mit vielem Verluste F f 2 HK c «6) HS in ihre Stadt. Der Dietator rühmte vor dem Senate und Volke das tapfere Betragen der beyden Consuln, und beyden wurde eine öffentliche Ehre zugefprochen; dem Fabius zwar eine Ovation, dem Pötelius aber ein zweyfacher Triumph über die Tiburtiner und Gallier. Dieser Consul ist der erste aus den Plebejern, dem diese Ehre zu Theil ward. Die Tiburtiner waren noch nicht zur Ruhe gebracht; sie wagten sogar einen nächtlichen Überfall gegen Rom; wurden aber doch bald zurückgekrieben. Eben so unruhig waren die Tarqui- nienser und Hernkcier, und selbst von Galliern kamen erschreckende Gerüchte. Der Senat überließ den Krieg mit den Nachbarn den Consuln, (Erb. R. Zy6. vor Chr. Geb.ZFZ.) und wider die Gallier ward C. Sulp icius Peticus zum Dietator, und M. Valerius zum Feldherrn der Reite, rey ernannt. C. P la utiu s Proculus, der eine Consul, focht glücklich wider die Hernicier, und zwang sie zur gänzlichen Unterwürfigkeit; aber sein Amtsgehülfe C. Fabius Am b ustus erlitt von den Tarquiniern eine große Niederlage. Grade zur rechten Zeit baten die Lateiner jetzt um Friede, und erneuerten mit Rom ihr altes Bündniß; der Dietator, der ohne das schon den Kern der konsularischen Heere an sich gezogen hatte, ward hierdurch in Stand gesetzt, wider die Gallier auszurücken. Dieß war nun schon das vierte Mal,-daß sie ins römische Gebiet einfielen. Sie standen bey Pedum, einer lateinischen Stadt, und brannten vor Begierde sich mit den Römern zu schlagen. Der Dietator sah es vor, daß ein längeres Zaudern bey einem Mangel an Zufuhr von Lebensmitteln sie schwachen und überwinden würde, und befahl, niemand solle ohne feinen Befehl mit dem Feinde kämpfen. Aber diese Klugheit mißfiel den ebenfalls hitzigen Römern; sie kamen so weit, daß sie dem Dietator sagen ließen , sie würden ohne seinen Befehl entweder fechten oder nach Rom zurückkehren. Der Dietator sah ihre Slreitgierde für ein gutes Zeichen an, und bestimmte den andern Tag zum Treffen. Unterdessen dachte er auf eine List, die Feinde in Furcht zu setzen, und befahl dem ganzen Troß die Maulthiere zu besteigen, und bey der Nacht sich oberhalb des Lagers in den Waldungen und aus den Bergen bis zum gegebenen Zeichen verborgen zu halten. Am Fuße dieser Berge stand das römische Heer in Schlachordnung, und die Gallier waren so gierig, daß sie das Zeichen des Angriffs von ihren Befehlshabern nicht erwarteten; sondern mit Muth in die Römer fielen, und den rechten Flügel gewiß zurückgedrücket hätten, wenn nicht die Gegenwart des Diktators ihn aufgehalten hätte. Nun geschah der Ansall auf den linken gallischen Flügel, und der verborgene Troß mußte zugleich gegen das Lager losbrechen. Dieß erschreckte die Gallier, daß sie alle in ihr Lager flohen; aber hier empfing sie M. Valerius mit der Reiterey, und trieb fie mit vielem Verluste in die nächsten Waldungen. Dieser Sieg war so rühmlich erkämpfet, daß man ihn denjenigen , die Camillus erfocht, an die Seite setzte, und mit einem herrlichen Triumphe beehrte. Minder wichtig waren die Kriege der nachfolgenden Jahre; aber von Seiten Hetruriens verbreitete sich ein Schrecken, welcher die Ernennung eines Diktators nothwendig machte. Der plebejische Consul M. Popilius Länas (Erb. R. 298» vor Chr. Geb. ZL6.) ernannte den Plebejer C. Martius Rutilus zu dieser hohen Würde, und dieser den C. Plautkus Proculus, einen andern Plebejer, zum Feldherrn der Reiterey. Es war dieß das erste Mal, daß lauter Plebejer AS ( "7 ) AS -ie höchsten Ehren trugen, und die Patricier zeigten darüber so vielen Verdruß, daß sie alle Zurn< siungen zu dem bevorstehenden Kriege hinderten und dabey die schlaue Absicht halten, damit die Zeit -er plebejischen Diktatur unthätig verstrich. Dawider arbeitete das Volk mit desto größerem Eifer, und brachte es in kurzer Zeit dahin, daß sein Diktator viel eher als sonst den Feinden entgegenrücken konnte. Überall, wo er hinkam, vertrieb er die Feinde, eroberte ihr Lager und nahm acht Tausend Mann gefangen. Die kleinliche Rache der Patricier versagte ihm einen Triumph; aber das Volk achtete nicht darauf, und sprach ihm freudig diese Ehre zu; Dieß reizte aufs neue ihren Zorn; sie wollten weder unter dem Vorsitz des Diktators noch -es plebejischen Confuls neue Dberkeiten wählen, und ließen einige Zeit ein Interregnum. Endlich gefiel es ihnen doch zur Wahl zn schreiten und zu aller Erstaunen wurden zwcy Patricier zum Con- sulate erhoben. Dieß war der lang gewünschte Sieg, welcher nach einer kurzen Zeit von eilf Jahren alles wiederum niederriß, um das man mit so vieler Heftigkeit ganzer zehn Jahre gestritten hatte. Die Tribunen stemmten sich kräftig dagegen, und drangen mit Eifer auf die Befolgung deS liclnischen Gesetzes; aber dem ungeachtet wurden immer noch Patricier zu Confuln gewählct. Die Gährung nahm zu und eine gänzliche Trennung zwischen den bepden Ständen war endlich zu befürchten; dieß brachte die Patricier auf einen andern Entschluß, daß sie wieder in die Wahl der Plebejer zum Con- sulate willigten, und dem C. Marei u s Rutilus zum Amtsgebilfen des patricifchen Confuls P. Valerius Poplicola annahmen. (Erb. R. 402. vor E r. Geb.ZLL.) Unterdessen hatte das Volk sich dvch nicht geweigert, sich zu den Kriegen werben zu lassen, Hatle die Tiburter zur gänzli» chen Übergabe gezwungen und die Tarquinienfer besieget, und würde auch wider die Cäriten gefochtem haben, hätten nicht diese vor dem Ausbruch des Krieges um Frieden gebeten. Die neuen Confuln meinten es mit dem Volke gut, und wünschten ihr Amtsjahr zum Be- sten desselben zu vollenden. Die Schuldenfache, die immer noch nicht auf einem Fuße stand, welcher den Armen vor dem Drucke des Reichen g. sichert hätte, war jetzt ihre wichtigste Angelegenheit. Das Fönus unciarium n), zu dem schon vor vier Jahren der Volk-tribun C. P a tili us den wohs- thätigen Vorschlag gethan hatte, stellte zwar freplich die willkührlichen Zinsen der Gläubiger ein; aber man hielt doch noch nicht alle Quellen künftiger Stöhrungen verstopft, und dachte auf ein Mit-' tcl, welches diesen alten Schaden aus dem Grunde heile. Zu diesem Ende ernannten die Confuln'- fünf Männer von geprüfter Redlichkeit und unpartheyischem Eifer, und übertrugen ihnen das Ge. schall, die ganze Schuldenfache zu untersuchen und ein genaues Verzcichniß aller Privatfchulden abzu» fassen. Damit es ihnen auch nicht an Mitteln fehle, die gedrückte Armuth zu unterstützen, so erhielten sie noch Erlaubniß, aus dem Gemeinfchatze so viele Vorschüsse zu thun, als nothwendig seM wurden. Man hieß sie von daher Quinqucviri m ensar i i. Diese neuen Beamten ließen nun alle Schuldner Zusammenkommen, und untersuchten genau den Stand eines jeden, und ob er unglücklicher Weife in Schulden geratheu und dieselben aus Unvermögen oder aus Saumseligkeit abzutragen unterlassen habe.. Dann mußte sich jeder mit seinem'- ») Das Fönus unciari,im bestand in dem, daß man monalblich das Zwölftel eines Assis dem- Staubiger zahlte; folglich durch ei« Jahr ein ganzes As von hundert Assen. G g «KS < ) «B Schuldherrn schm und ihm nach einer billigen Schätzung so viel von seinem Vermögen überlassen» als die Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse erlaubte. Hatte er nichts Eigenes oder langte sein Eigenthum nicht zu, so ward ihm auf sichere Bürgschaft si> viel aus dem Gemeinschatze vorgeschossen, als zu gänzlicher Abtragung nöthig war. Auf solche Art wurden die Gläubiger befriediget und gehindert sich fernerhin von dem Raube der Armen zu mästen; den Schuldnern hingegen ward alle Gelegenheit benommen, den Staat, durch Klagen über Bedrückung, auf eine elende Art zu zerrütten. Dieß wohlthätige Werk änderte vieles in dem bürgerlichen Zustande mancher Familien, und schien einen Census zu Handhabung der Ordnung nothwendig zu machen. Der Senat ordnete diesen an, und der Plebejer C- Mar ci us Ru t i li us, der schon zweymal Consul und einmal Dictator war, bewarb sich um diese Ehre. Dieß war in den Augen der Patricier, welche Mein bisher dieß Amt verwaltet hatten, eine neue Vermessenheit; ihr Verdruß und ihre Eifersucht suchten nach Kräften die Wahl dieses Plebejers zu himertreiben; aber all des Widerstandes ungeachtet gelangte er dennoch mit dem Patricier En. Man l ius zu dieser Würde. (Erb. R. 40Z. vor Chr.Geb.4H i.) Mochte diese Bewerbung von Seilen des Martius Rutilus nur ein Versuch seyn, so bahnte er doch durch fein Gelingen den Plebejern den Weg zu allen noch übrigen Ehren, von denen sie Eifersucht und Stolz des patricifchen Adels noch bisher ausfchloßen. Es mußte endlich der krankende Uuterschied, den nur manchem seine adeliche Abkunft gab, verschwinden, als rühmliche Thaten das einzig aus- zeichnende Merkmaal wurden. Noch hatte bey dieser Gelegenheit Ovinus, der eine Volstribim, vorgeschlagen, daß das Recht, neue Senatoren zu ernennen, künftighin von den Consuln an die Sensoren übertragen würde. Der Vorschlag erhielt Gesetzeskraft, und gab diesem Amte kri- nen geringen Zuwachs von Wichtigkeit und Ansehen. In dem folgenden Confulake ließen sich übermal die Gallier in Latien sehen, und das gute Glück der Plebejer vertraute dem M. Popillius Sanas, ihrem Consul, die Führung dieses Krieges; denn L° Cornelius Scipio, der patricifche Consul, lag zum Verdrusse des Adels krank, und hatte noch wenig Hoffnung zur Genesung. Der plebejische Consul gab bald Beweise, daß auch er im Stande sey, ein Heer mit Klugheit und Muth anzuführen, und solche Anordnungen zu treffen, die unvorgesehenen Fallen weislich Vorbauten. Durch die Werbung, bey der viele sich freywillig einschreiben ließen, hatte er ein so zahlreiches Heer bcysammen, daß er einen Lheil desselben zur Bedeckung der Stadt unter der Anführung des Prätvrs P. Valerius Poplico la zurückließ, und nur mit dem andern dem Feinde entgegen zog. Diese Vorsicht schien ihm nothwendig, weil man nicht immer die Folgen von einem oft kleinen Umstande voraussehen kann. Eben so vorsichtig führte er das Werk des Krieges, und war entschlossen nie ein Treffen zu wagen, er habe denn zuvor genau erfahren, worin der Frind stärker und gefährlicher sey. In dieser Absicht bestieg er eine Anhöhe, und ließ sie gut verschanzen; aber der hitzige Feind gab ihm nicht Zeit. Kaum hatten sie einander in Augen, so griffen die Gallier mit wildem Gefchrey die Römer an. Vom Berge herab war es diesem leichter zu kämpfen; kein Wurfspieß verfehlte den Mann, und die vielen Wunden brachten jene zum Weichen. Nun erneuerte sich der Kampf aus ebenem Felde und die zahllose Menge der Gallier bildete gleichsam ein neues Heer. Der Kampf war hartnäckig, und der Consul empfing selbst aus Unvorsichtigkeit an der Schulter eine Wunde, die ihn vom Tressen entfernte. Dieser Umstand Hätte bald feinem Heere den Muth benommen, und ihm den nahen Sieg aus den Händen gewunden. Eilends ging er nach dem Verbände ins Treffen zurück, und ermunterte seine wankenden und schon matten Krieger, drang tiefer in die gattischen Haufen, und schlug sie gänzlich in die Flucht. Die Verwirrung trieb diese zerstreut umher, und überließ dem Sieger das Säger zur Beute. Seine Wunde und die Ermattung seiner Krieger hinderte ihn dem Feinde nachzufetzen; zum Lohne für die bewiesene Tapferkeit übergab er ihnen ganz das feindliche Lager, und zog mit Ruhm und Siege nach Rom zurück. Der Senat beehrte ihn mit einem Triumphe, den er aber erst nach seiner Herstellung feyern konnte. Dabey erlaubten sich die Plebejer, die Patrkcker empfindlich zu kützeln, daß es sie wohl nicht reuen dürfe auch plebejische Consuln zu haben. Am meisten ward L. Für ius, des berühmten Camillus Sohn, durchgezogen, daß er als Diktator bep der rieulichen Consulnwahl, dem licinischen Gesetze zur Verachtung, abermal Patricier und darunter noch sich selbst mit dem App. Claudius Crassus (Erb. R. 40F. vor Chr. Geb. Z49.) zum Consulate befördert habe. Die GMier waren indessen aus den Gebirgen bey Alba der Kälte wegen wieder in Vorschein gekommen, und verheerten alles, wo sie nur hinkamen. Auch hatten sich Seeräuber aus Griechenland an der Küste bey Antium und so gar an der Mündung der Tiber gezeiget. Rom brauchte dieß- nial Hülfe, und schrieb sich solche von den Lateinern, seinen Bundsgenossen, aus; aber diese weigerten sich eine fremde Macht langer zu unterstützen, und wollten lieber für ihre eigene Unabhängigkeit kämpfen. Der Senat erschrack über diesen Abftckl, und trug den Consuln auf, den Staat durch seine eigene Kraft zu schützen. Diese unternahmen eine Werbung, und hoben nicht nur aus der jungen Mannschaft der Stadt, sondern auch vorn Lande eine Armee von zehn Legionen aus; aber mitten unter diesen Anstalten starb App. Claudius, und L. Furius übernahm allein die Führung des Krieges. Er theilte nun die Legionen, und ließ zwey zur Bedeckung der Stadt zurück, vier erhielt der Prätor L. Pinari ns wider die Griechen, und die noch übrigen vier führte er selbst gegen die Gallier in das pomptinische Gebiet. Hier schlug er ein Lager und wollte ohne Noth mit dem Feinde nicht fechten, sondern begnügte sich mit dem, daß er den Räuöereycn desselben Einhalt that» Und hier war cs, wo übermal ein riesenförmigcr Gallier in prächtiger Rüstung den tapfersten Römer zu einem Zweykampf ausfor- derte. M. Valerius, ein Lcgionskribun, nimmt die Einladung an, und erbittet sich Erlaubniß vom Consul. Das Gefecht beginnt, und auf des römischen Fechters Gebet kommt ein Rabe, nach dem Aberglauben des Römers, zum Schutze herbeygeflogen, fetzt sich auf den Helm, und vertheidigt Mit Schnabel, mit Klauen und Flügeln den Römer, bis er den Gallier zu Boden streckt. Valerius eilct die Rüstung zu erbeuten; aber nun fallen die übrigen Gallier die Römer an, und auf eben dem Platze erhebt sich ein Gefecht, das einem förmlichen Treffen ähnlich war. Die Gallier wehren stch tapfer; aber der römische Muth, von dem großen Wunder belebt, bringt ste zum Weichen; sie siikhen zerstreut durch das volskische Gebiet nach Apulien hin. Der Consul läßt das Herr in Reihen !>ch sammeln, stellt den glücklichen Fechter ihm vor, und lobt die rühmliche That; setzt ihm eine Kro- "e von Gold aufs Haupt, und läßt ihm noch zehn Ochsen zuführen. Jedermann bewunderte den jungen Mann, und nannte ihn künftig Valerius Corvus. G g r GL ( '-» ) «KS De» Covsul «hielt vom Senate Befehl mit seinem Heere zum Prätor auf her Küste z» stof. ftn; aber es fiel nichts merkwürdiges vor, und Mangel an Lebensmitteln zwang die Griechen diese Gegend zu verlassen. Unterdessen hatte man unter dem Vorsitze des Diktators T. Manlius Tor, qnatus neue Consuln gewählt, und alle Stimmen fielen auf den jungen Helden Valerius Coro u s, obschon er erst in einem Alter von drey und zwanzig Jahren war. Sein Amtsgehülfe ward der Plebejer M. Popillius Länas, zum vierten Mal. (Erb. R. 406. vor Chr. Geb. Z48.) Ihr Consulat ward merkwürdig durch eine Gesandtschaft von Karthago wegen Erneuerung des schon ehemals (Erb.R. 24z.) geschlossenen Bündnisses. Es betraf die Handelschaft, und schien den Römern Gränzen zu setzen; der lebhafte Unternehmungsgeist derselben war dem reichen Karthago schon längst bedenklich, und die kaufmännische Politik dieses Staates forderte es, eine solche Nation jederzeit in weiter Entfernung zu halten. Die Ruhe, welche Rom jetzt von innen und aussen genoß, und der Wohlstand, in dem eS täglich mehr anwuchs, erlaubten unter dem folgenden Consulate die Schuldensache noch mehr zu erleichtern, und die jährlichen Zinsen statt eines ganzen auf ein halbes As von Hundert, (le. rm'unciurium fcenus) herabzusetzen. Noch wurden auch die Schulden selbst in gleiche Zahlungen vertheilt, so daß man immer ein Viertel von denselben innerhalb drey Jahren abstossen konnte. Durch diese Veranstaltung ward nun der.Arme in Stand gesetzt, sich nach und nach von seiner Schuldenlast zu befreyen, und sein Eigenthum sorgenlos zu genießen. Anfang des Krieges mit den Samniten. A-Vom beginnt nun Kriege, die nicht mehr eigene Selbsterhaltung, sondern bleibende Erobcrungm zum Zwecke haben; die innige Veränderung aller seiner Theile hatte es nun schon zu einem mächtigen Ganzen gebildet, das Kraft in sich fühlt, jedem Feinde gewachsen zu seyn. Die Samniten waren die ersten, welche die Macht dieser Stärke empfanden, und dieselbe durch ihren Widerstand durch volle ein und siebenzig Jahre beschäftigten. Diese Nation gehörte nicht zu jenen schwachen und des Kriegswesen allzuunkundigen Nachbarn^ sie war den Römern an Mannschaft, so wie An Kriegserfahrenheit gleich, und brannte vor mulhiger Begierde sich selbst groß und rühmlich zu machen. Nur durch Ströme von Blut ließ sich ihr wildes Feuer den Sieg abzwingen, und nicht ehe trat sie vom Platze dieses so langwierigen Kampfes ab, als bis sie in jene Entkräftung sank, wo mau zu allem Widerstande unfähig wird, und der Macht des Stärkeren unterlieget. Seit eilf Jahren (Erb. R. 400.) hatten beyde Nationen ein F reundschaftsbün dniß unter einander errichtet; Roms glückliche Waffen hatten Samnium dazu verleitet, und noch bisher hatte kein Theil dem andern eine Gelegenheit zur Reue gegeben; aber jetzt ereignete sich ein Fall, welcher auf einmal das gute Einversiändniß hob,, und beyde so hitzig gegen einander brachte, daß nur gänzliche Unterjochung ihre Kriege enden konnte.. S in i c im um (lenno) ein Ort,, welchen ein- -? F ( 121 ) ausonischer Stamm am Livis bewohnte, hatte schon oft -re Einfalle der Samniten erduldet, und suchte endlich bey Cap» a Schutz und Hülfe. Ließ zu weichliche Volk glaubte mit einer zum Kriege geborne« Nation im Kampfe zu bestehen: es kam den Sidkcinern zu Hülfe und ward bald durch die Flucht zerstreut. Die Samniten ließen nun Sidiciuum in Ruhe und kehrten dafür ihre Waffen nach Capua. In dieser Verlegenheit wandte sich die erschrockene Stadt nach Rom und er ließ den Römern, im Falle der verweigerten Hülfe, sich als Eigenthum anlragen: ,,Wenn ihr nun, sagten die Abgesandten im Senate, das Unsn'ge wider ungerechte Gewalt nicht verteidigen wollet, so verteidiget wenigstens euer Eigentum ; denn das campauische Volk übcrgiebt sich euch ganz mit allem, was es hat. Was wir immer alsdann leiden, das wird ein sich euch ergebendes Volk leiden." Der Senat war bey einem so schmeichelhaften Anträge nicht gleichgültig; er änderte seine Mepuung und glaubte den samnitischen Bundsgenoffen die Schonung seines Eigentums ohne Verletzung des Bündnisses befehlen zu dürfen. Man fertigte alsobald einige Römer ab, und ließ die Samniten von diesem Vorfälle unterrichten und die Einstellung ihrer Feindseligkeiten gegen Capua betreiben. Aber eine Nation, die an männlichem Trotze noch die Römer übcrtraf, laßt sich nicht durch fremde Befehle binden; ihr Senat erklärte den römischen Abgeordneten grade zu, daß er ohne weiters diesen Krieg fortsctzen würbe, und sie davon alsogleich zu überzeugen, befahl er seinen Befehlshabern unverzüglich zur Plünderung des campanisbcn Gebietes auszurücken. Dicß hob das Bündniß auf und gab dem ersten samnitischen Kriege seinen Anfang. (Erb. R. 411, vor Chr. Geb. Z4Z.) Dazumal führten M. Valerius Corvus, zum dritten Male, und A. Cornelius Cossus Arvina das Confulat und der Senat überließ bcydcn die Führung dieses so wichtigen Krieges. Der Erste zog nach Campanien und lagerte sich am Berge Gaurus; (Noms Lnrvnro bey Puteolr) der Zweyte rückte in Samnium ein und schlug bey Satricula sein Lager. Beyde Consuln erfuhren bald, daß sie mit muthigen und erfahrnen Kriegern zu lhun hatten, die sich nicht so leicht, wir die übrigen Nachbarn würden werfen lassen. Valerius hatte die stärkste Macht dee Samniten gegen sich und wagte anfänglich nur kleine Gefechte, den Feind zu versuchen und feine Krieger an ihn zu gewöhnen. Bald darauf, da auch die Samniten vor Streitgierde brannten, führte er sein Heer aus dem Lager zu einem entscheidenden Treffen. Hartnäckig war der Kampf und noch nie hatten die Römer mit einem Feinde gefochten, der viel lieber Wunden und Tod empfing, als nur einen Schritt rückwärts wich. Der Consul sah, daß der Sieg noch immer nicht sich auf seine Seite lenkte, weder daß die Reiterey die ersten Reihen der Feinde durchzubrechcn im Stande war: mulhig sprang er jetzt vom Pferde, ermahnte feine Krieger ihm zu folgen und stürzte selbst in die Feinde. Dreß Bcyspicl wirkte: die Römer spornten sich selbst zum Zorne, und erlegten eine solche Menge, daß nur jetzt erst, beym Untergang des Tages, die Samniten wichen, und zur Nachtszeit ihr Lager verließen. Nicht so rühmlich handelte der andere Consul. Unbchutsam hatte er sich in eine bergigte und von Waldungen cingeschtossenc Gegend locken lassen, und zu spät merkte er feine gefährliche La- Überall sah er Feinde und weder vor - noch rückwärts war ein Ausweg zur Rettung. Glücklicher Weife entdeckte der Legionstribun P. Decius Mus einen oberhalb des feindlichen Lagers em- PMagenden Hügel, in dessen schneller Besetzung noch Hoffnung zur Rettung übrig war: „Dieser, H h «KS l 12- ) HxF strgke er zum Consul, ist für uns eine Festung, sobald wir ihn besetzen^ Gieb mir die Mannschaft einer Legion, und sobald du mich oben erblickest: so ziehe ohne Furcht weiter durch das Thal. Für uns wird schon Tapferkeit den Rückweg bahnen. " Der Consul befolgte den Rath und die Samniten geriethen nun selbst unter die Pfeile der Römer und mußten geschehen lassen, daß das ganze römische Heer sich aus der Falle zog. Die Feinde und Decius berathschlagten nun, was jedes in seiner Lage zu thun habe; die Ersten überfiel die Nacht, und Decius benützte diese, dem Feinde unvermerkt zu entwischen. Er war schon milten durch das Lager, als der unersehenr Stoß eines Römers an ein Schild einen Samni- len ausweckke. Dieser weckte noch andere aus und Decius konnte nicht länger unbemerket bleiben; er ließ nun seine Soldaten zur Verwirrung der Feinde ein Gcschrey erheben und ehe fie sich besinnen konnten, gelangten die Römer zum Lager des Consuls. Mit ungemeinem Freude ward die Legion empfangen und Decius zog mir ihr, wie in einem Feldtriumpse, durchs Lager zum Zelte des Consuls. Dieser wollte den tapferen Tribun belohnen z aber dieser unterbrach sein Lob, und rieth, man solle sich lieber der Bestürzung der Feinde zum Siege bedienen und ohne Verzug die Samniten angreisen. Auch dieser kluge Rath ward alsogleich befolget. Die Samniten hatte der nächtliche Schrecken meistentheils aus dem Lager getrieben und waffenlos zerstreuet; die Römer.fielen fie jetzt unversehens an, vertilgten fast ihr ganzes Heer von ungefähr dreyßig Tausend Mann und eroberten ihr Lager. Der Ruhm di^s Tages war nun wieder ganz das Werk des tapferen Decius, und vollkommen verdiente er die Ehre, mit der ihm jetzt der Consul überhäufte. Das ganze Heer mußte sich versammeln und der Consul rühmte die herrliche Thal und dankte ihm für seine und seines Heeres Erhaltung. Zur Belohnung erthetlte er ihm eine goldene Krone, einen fetten weißen Ochsen mit vergoldeten Hörnern und noch hundert andere. Die Soldaten, seine Gefährten, wie auch der übrigen Legionen setzten ihm aus Gras geflochtene Belagerungskrvnen auf und gaben ihm zugleich die bey ihnen gewöhnlichen Geschenke von ihrem Mundvorrath für ihre Erhaltung. Auch feine Legion ward belobet und beschenket vorn .Consul und dem übrigen Heere, und er selbst theilte unter sie die hundert Ochsen und den weißen schlachtete er dem Gotte Mars zum Danke für den glücklichen Erfolg seiner gefährlichen Unternehmung. Unterdessen siel ein drittes Trrffen bey Sucssula (ZeHnia in Campanien) vor. Die Sam- ni.Len hatten nach der ersten Niederlage ihre ganze junge Mannschaft aufgebvten und sich bey diesem Orte gelagert; Valerius erhielt eilends Nachricht , ließ alles unter einer Bedeckung zurück und brach dahin auf. Bey seiner Ankunft stellten sich die Feinde alsogleich in Schlachtordnung uud rückten vor das in einem engen Kreis zusammengezogene Lager der Römer; Valerius wollte eine gelegenere Zeit erwarten und überfiel das feindliche Lager, als man viele Haufen um Lebensmittel ausgeschicket hatte, die Feinde unterlagen seinem Schwerte in ihren Zelten, und das Lager war erobert. Zwey Legionen wurden als Besatzung zurückgelassen, und mit den übrigen eilte er den zerstreuten Haufen nach. Diele blieben im Gefechte, und noch mehrere warfen ihre Waffen weg und retteten sich durch die Flucht. Die Anzahl der Vorgefundenen Schilde belief sich auf die vierzig Tausend und die Feldzeichen und Fahnen auf hundert siebenzig , uud die Beute im Lager blieb den Soldaten zum Lohne. Durch diese N.ederlagen waren die Srmnilea so geschwächt, haß sie sich nun ruhig einige ( IN ) M verhalten mußten. DieConsuln führten also ihre Heere zurück und feyerken einen herrlichen Triumph. Hinter ihnen trat, bey dem Einzuge, Decius mit seinen Belohnungen einher und ward eben so, wie diese, mit Ruhm und Ehre überhäufet. Die guten Folgen dieses Feldzugs offenbarten sich bald: die Falisker, die jetzt mit Rom in einem Waffenstillstände waren, errichteten dafür ein Freundschaftsbündniß, und die Lateiner, die sich schon zu einem Kriege gerüstet hatten, kehrten ihre Massen gegen die Petigner. Selbst über das Meer verbreitete sich der Ruf dieser Siege; von Karthago kamen Gesandte nach Rom mit Glückwünschen und mit einer goldenen Krone von fünf und zwanzig Pfunden dem Jupiter Capitolinus zu einem Geschenke. Aber Capua lebte noch in Schrecken und fürchtete Ucberfälle vom Zorne der Samnitett; es schickte daher Abgeordnete nach Rom und bat um eine Besatzung durch den Winter. Der Senat schickte hinlängliche Mannschaft dahin und verlegte sie in die Stadt und in die umliegende Gegend. Der römische Krieger, so streng er auch an Mannszucht sich gewöhnt hatte, war bey der Menge der Reize einer so weichlichen Stadt und eines so angenehmen Landstrichs nicht unempfindlich. Selbst das muffige Leben durch den Winter entnervte ihn , daß er den schändlichen Gedanken faßte, die alten Einwohner zu morden und sich dafür ins Land zu setzen. In diesem Zustande fand der Consul C. Martius Nutilus, zum 4te Male (Erb. R. 4:2. vor Chr. Geb. Z 4 Z.) die römischen Truppen in und um Capua. Seine Klugheit wußte die Aufrührer zu täuschen, daß sie mit ihrem niedrigen Anschläge nicht eilig zu Werke gingen und die Hoffnung noch auf ein Winterquartier , welches Gerücht der Consul sorgfältig ausbreiten ließ, sie noch bisher in Ruhe erhielt. Dreß gab dem Lonsul Zeit, die Legionen von den Anführern des Aufruhrs zu reinigen und mit den Truppen, sobald es möglich war, in ein Feldlager auszurücken. Währender Zeit wurden unter mancherley Vorwand die unruhigsten Köpfe vom Kriegsdienste entlassen oder wenigstens auf eine Art beschäftiget, daß sie dei: Menge nicht schädlich werden konnten. Die Aufwiegler merkten, daß sie verrathen wären, und auf einmal verließ eine ganze C oh orte (der zehnte Thcil einer Legion, gemeiniglich vier hundert zwanzig Mann) das römische Lager, besetzte den engen Paß bey Aiy-nr und nahm alle auf, welche der Consul entlassen hatte. Es war schon ein beträchtliches Heer beysammen und es fehlte ihm nur ein Mann, der es gegen Rom anführe. Aus ihrem Mittel krauten sie keinem und von Rom aus durften sie keinen erwarten. Während dieser Berathschlagüngen brachten einige die Nachricht: es lebe um Tufculum der Patricier T. Quin t ius im Privatstande und habe den Ackerbau lieber, als jede Ehre in der Stadt. Der Rahmen war vielen bekannt, man wußte von seiner Tapferkeit und von der Wunde, welche ihn an einem Fuße lähmte, und schickte noch zur Nachtszeit hin mit Bitten oder Gewalt ihn abzuholen: /,Kein Mittelweg, sagten sie ihm, sey jetzt übrig, entweder solle er sie anführen, oder von ihrer Hand sterben." Quintius mußte der Übermacht nachgeben und sich zu dem aufrührerischen Heere fortschleppen lassen. Mit allgemeiner Freude ward er, als Feldherr, begrüßt und ersuchet, sie alfo- gleich nach Rom anzuführen. Man richtete sich ohne feinem Befehl zum Zug, kam bis ungefähr acht kölnische Meilen von den Stadt und würde ohne Zweifel weiter gegangen seyn, wenn nicht ein Heer von Rom unter Anführung des M. Valerius Corvus, als Diktators, und des L. Ämilius U smereines als FM9er.ru der Reiterey, sie aafgehalten hätte. H h L tzF ( "4 ) HF Dir Ankunft eines vaterländischen Heeres, aus ihren Mitbürgern angeworben, unter der Anführung eines so allgemein beliebten Mannes, der sie zweyrna! zum Siege wider die Sammler, ange- führet hatte und seines sanften und herablassenden Charakters und der bewundernswürdigen Geschick, lichkeit wegen bey militärischen Übungen von jedermann geschähet ward, brach den Zorn der Aufrührer und mit ehrbietiger Stille hörten sie die Ermahnung des D ctators zur Ruhe. T. Duinlius begleitete diese Worte mit Lhränen, trat vor seine Mannschaft hin und mahnte sie selbst die Waffen niederzu. legen. Ein allgemeines Geschrey bezeugte den Bepfall und nNn bat Ouintius den Dictalvr um Schonung und zu Herstellung ,der Ruhe, daß kein Soldat künftighin vom Kriegsdienste ohne seinen Willen entlassen würde. Der Senat verfaßte hierüber ein Gesetz und alles ward wieder ruhig. Die Samniten fühlten noch immer die tiefen Wunden aus ihren erlittenen Niederlagen und waren weder im Stande den Verheerungen, welche jetzt -er Consul L. Ämilus Mamer- cinus (Erb. R. 4 » 4 . vor Chr. Geb. Z40.) in ihrem Lande anrichtete, Einhalt zu rhun; sondern schickten Abgesandte an ihn eines Bündnisses wegen mit ihm zu handeln. Der Consul verwieß sie anbei, Senat, und dieser erneuerte mit ihnen das alte Bündniß und ließ ihnen nach ihrem Begehren das Recht des Krieges mit den Sidicinern. Diese befanden sich bald in der äußersten Noth und ergaben sich, weil sie die Römer nicht annahmen, an die Lateiner. Hiedurch, und weil auch noch -ie Campaner beytraten, kam ein großes Heer in Latium zusammen, und brachte durch seine Verheerungen die Samniten bald so weit, daß sie Abgeordnete nach Rom schickten und Bepstand wider die Feinde bitten ließen. Rom konnte wohl den Campanern Ruhe befehlen; aber die Lateiner standen nun nicht mehr so genau unter ihrer Gewalt und mau wußte cs zu wohl, daß sie in geheim sich schon zu einem Kriege wider Rom gerüstet hatten. Daher war auch die Antwort, welche die Samniten erhielten, zweydeutig und unbefriedigend. Um aber doch die Sache der Bundsgenossen zu unterstützen, forderte mau zehn Vorgesetzte der Lateiner nach Rom und wollte die Zwistigkeiten schlichten. Die Lateiner sahen die Ursache ihrer Berufung vor, und hatten schon in ihrem Rakhe den Entschluß gefaßt, auf welche Bedingungen sie Frieden erhalten und zum vorigen Bündniß zurücklkh- ren wollten. Ihre Macht hatte sich seit einiger Zeit sehr vermehrt und nicht nur die Sidiciner und Campaner, sondern auch die Volsker und sogar einige römische Colonien standen mit ihnen im Dünd- mß. Daher begehrten sie auch vom römischen Senat, zu Herstellung der vorigen Eintracht sey kein anderes Mittel, als wenn Rom den einen Consul und die Hälfte der Senatoren aus den Lateinern annimmt; denn nur dadurch würden sie beyde ein Volk und Nom die einzige Hauptstadt Latiens stpn. Dicß trotzige Begehren erbitterte den ganzen Senat und voller Zorn erklärte T. Man lins Tor- quatus, der eine Consul, (Erb. N. 41^. vor Chr. Geb. ZZ9.) er wolle jeden Lateiner, dei, er in der Curia sehen würde, durchbohren, sollte der Senat im geringsten nachgiebig seyn. Dieser Unwillen breitete sich bald unter dem ganze» Volke aus und es ward einheilig Krieg wider die Lateiner beschlossen. Dieser Krieg war keiner von denjenigen, wo Fremde gegen Fremde standen und ihre Stärke durch kleine Gefechte zuvor versuchen konnten; es waren Römer und Lateiner, zwey verschwisicrte Nationen, die an Sprache, Sitten und Gebräuchen, an Waffen un-Kricgsregeln vollkommen eitrair- s '.<^- - > ^ ^,^6''. -, i"? ^s- ' - - - - UM: M ( ) HO der glichen und seit der Schlacht am Regillus, durch einen Zeitraum von hundert sechzig Jahren, Gelegenheit hatten, sich ganz kennen zu lernen. Es war gleichsam ein Bürgerkrieg, der eben deswegen mehr Vorsicht brauchte, weil Freunde und Feinde sich in allen Stücken ganz ähnlich waren. Dieß sahen die Consuln, denen die Führung dieses Krieges anvertraut war, sehr gut ein; und wa* ren daher auf nichts mehr bedacht, als ihre Krieger, die an körperlichen Kräften viel schwächer als die Lateiner waren, durch andere Mittel dem Feinde überlegen zu machen und zugleich vermuthlichen Irrungen, die wegen der vollkommenen Ähnlichkeit mit den feindlichen Truppen sehr leicht entstehen konnten, vorzubeugen. Die Feinde waren schon mit ihren Bundsvcrwandten bey Capua zusammengekommen, und die Consuln zogen ihnen mit zweyen Heeren in Verbindung mit den Samniken bis dahin entgegen. Hier war es, wo beyde einen merkwürdigen Traum Vorgaben. Ein Mann von ungewöhnlicher Größe und feyerlichen Ansehen sey ihnen erschienen, und habe gesagt: „In diesem Kriege gebühre den unterirdischen Göttern und der Mutter Erde von einer Seite der Feldherr, und von der andern das Kriegsherr. Von welcher sich nun der Feldherr dem Tode weihen würde, da würde auch der Sieg seyn." Beyde Consuln verrichteten Opfer, und beratschlagten sich mit ihren Wahrsagern. Diese erkannten den Rathschluß der Götter, und jeder der Consuln entschloß sich das Opfer für sein Heer zu werden, sobald cs im Treffen weichen sollte. Sie machten hierauf bekannt, daß Niemand im Heere erschrecken solle, wenn man den einen Consul sich dem Tode freywillig hingeben sehen würde. Mochte nun Aberglauben oder Ehrgeiz die Triebfeder dieser Aufopferungen seyn, so waren sie doch für die Römer kein gemeines Mittel, sie in den hartnäckigsten Treffen zu einer ausserordentlichen Tapferkeit zu spornen, und oft den schon errungenen Sieg dem Feinde aus den Händen zu reiße». L. Manlius Torquatus laßt seinen Sohn wegen verletzter Kriegszucht hinrichten. Kupf. Xro. XXXIII. «Om Kriegsrathe war beschlossen worden, die alte Kriegszucht nach ihrer ganzen Strenge eknzusühren, und zu Vermeidung alles Jrrthums und Truges von Seiten des Feindes, ein Gesetz unter strenger Ahndung Verkünden zu lassen , daß niemand ausserhalb seiner Reihe, aus was immer einerVeranlassung mit je einem Feinde kämpfen solle. Diese vorsichtige Slren- üe war äußerst nolhwcndig, wenn nicht der Römer durch List eines ihm ganz ähnlichen Feindes berücket werden sollte. Unglücklicher Merse hatte der Consul Manlius seinen Sohn als Anführer einer Reiter- schaar unter seinem H ere, und die Reihe traf ihn einst, mit andern Anführern den Feind auszu- kundschasierr. Dieser junge, rüstige Mann war der würdige Sohn seines Vaters, dem eben auch das Blut nach Sieg und Ehre kochte, und der sich um nichts mehr bestrebte, als seinem Vater ganz I i d c >-6 > »S' ähnlich zu werden. Er ritt mit seiner Schaar, und kam bis zu einer Pseilfchußweite vom Feinde entfernt. Auf dieser Vorpost stand tuskulanische Neiterey, und hatte den Geminius M et ius, einen adelichen und durch Knegsthateu berühmten jungen Mann zum Anführer. Dieser war unter den Patriciern in Rom zu gut bekannt, als daß er nicht in dieser Weite des Consuls Sohn erkannt hatte. „Nur mit einer.Schaar, sagte er ihm, wollet ihr Römer mit den Lateinern, euern Bundsgenossen, kriegen? Was werden indessen die Consuln und die beyden Heere thun? "— „Sie werden bey Zeiten da seyn, erwiederte Manlius, und mit ihnen Jupiter. Haben wir am Regillus zu eurer Ersättigung gefochken, so werden wir es auch hier zuwegebringen, daß ein Treffen euch nicht zu nahe am Herzen liegen solle."— Geminius ritt ein wenig vorwärts und ,, Wolltest du nicht, sagte er, es unterdessen, bis diese Zeit kommt, daß ihr eure Heere mühsam beweget, mit mir ein Gefecht ver. suchen nnd erfahren, wie sehr die lateinische Reitern- der römischen überlegen ftp." — ManliuS fühlte Verachtung in den Worten des Gegners, und Ehrgeiz erhitzte noch mehr sein schon kochendes Blut. Unbesonnen und des strengen Verbothes uneingedenk spornte er sein Roß zum unglücklichen Siege. Nicht lange währte das Gefecht, so stack das Schwert des Römers dem Lateiner im Leibe, und seelenlos sank dieser zu Boden. Manlius zog dem Gegner die Rüstung ab, und ritt als Sieger und als ungehorsamer Sohn zurück ins Lager. Das Übermaaß der Freude über ein so unverhostes Glück ließ ihn noch wenig denken, ob Krone oder Tod auf ihn warte. Er ging zum Vater in das Zelt, und mit heiterer Miene legte er die feindliche Rüstung ihm zu Füssen. „Hier, mein Vater, sagte er, damit es jedermann wisse, ich sep dein Sohn, bring ich die Rüstung von einem erlegten Anführer der Feinde, der mich zu einem Kampfe mit sich hohnlächclnd ausgefordert hat." So lieb diese Handlung dem Vater war, so vielen Ruhm sie zu einer jeden andern Zeit verdienet hätte: so sträflich war sie in den Augen des Gesetzes, nnd so vielen Kummer machte sie dem konsularischen Vater. Das Verboth war allgemein und nahm keinen einzigen Fall aus; die Kriegszucht war verletzt, und der Sohn des Consuls selbst war der Übertreter. Wollte man nicht in einem so bedenklichen Kriege üble Folgen befürchten: so durste Schonung nicht Platz haben. Traurig wandte der Vater, gleich beym ersten Anblicke sein Gesicht vom Sohne und befahh die Armee solle alfoglcich ausrücken. Vater und Sohn traten vor dieselbe hin, und der Erste handelte ganz nach der unpartheylichen Strenge eines römischen Consuls. ,,Weil du denn T. Manlius, sprach er, weder auf den Befehl der Consuln, noch auf mein väterliches Ansehen geachtet, und wider das Verboth in einen Kampf ausser deinem Gliede dich eingelassen hast; folglich so viel an dir ist, die gute Mannszucht verletzet, und mich in die traurige Notwendigkeit versetzet hast, daß ich entweder die Sache des Staates oder mich und die Meinigen vergessen muß: so wollen wir lieber für unsere Verbrechen Strafe leiden, als daß der Staat unsere Vergehungen mit seinem Schaden büsse. Traurig wird freylich unser Beyspiel seyn; aber auch in Zukunft für die römische Jugend heilsam. Vaterliebe und der Beweis deiner Tapferkeit reißen mich, vom falschen Bilde der Ehre hintergangen, zu dir hin; aber da nun einmal die Befehle der Consuln, entweder Bekräftigung durch deinen Tod oder Vernichtung durch Schonung deiner erhalten müssen: so glaube ich, wenn sonst manlisches Blut in dir wallet, -u wirst dich nicht weigern die Übertretung der Kriegszucht durch deirun Tod wieder gut zu machen. Geh, Lietor, bind ihn an den Pfahl!" — Wie ein brüllender Donner schlug dieß schreckliche Wort das ganze Kriegsheer nieder. Männer, die dem Tode enkgegenge- hen, beblen; jeder hörte sich dieß Wort gesprochen, und sah den Lictor schon mit dem gezuckten Beile über seinem Nacken. Kein Wort, nur tiefes Seufzen unterbrach die schaudervolle Stille, und ehe sich einer erholke, lag der unglückliche Sieger enthauptet zu Boden. Aber der Anblick des Blutes erweckte lautes Geheul, und schnell verwandelte sich dieß in Bitterkeiten gegen den Vater. Jeder verwünschte seine Harte, und jeder verfolgte ihn mit unauslöschlichem Hasse. Unverzüglich ward die Leiche des Unglücklichen mit der erbeuteten Rüstung bedeckt, und vor dem Lager mit allen militärischen Ehren verbrannt. Diese strenge Behandlung war nicht ohne die erwarteten guten Folgen, und so viel Manlius als Vater verlor; eben soviel gewann er als Consul. Ties grub sich der fürchterliche Anblick der Hinrichtung in das Herz seiner Krieger und blinde Folgsamkeit gegen jeden consularischen Befehl trieb sie in die gefährlichsten Kampfe. Keiner wich dem hartnäckigsten Feinde, und jeder Sieg, den seine Soldaten erfochten, hatte guten Theils seinen Grund in dieser strengen Gcrechtigkeitspflege. Manlische Befehle, (iVlLiümna äiLta. oder imperin) erschreckten und riefen jedermann dieß traurige Blutgericht in das Gcdächtniß zurück. Man hat sie nachgehends sprücöwörtlich gebraucht, und jeden strengen und pünktlichen Befehl damit bezeichnet. Nun war der Tag zu einem entscheidenden Treffen auch angebrochen, und beyds Armeen standen nicht weit vom Fuße des Vesuvius (Monte 6i Zomma) gegen den V esir i s hin. Manlius war, nach der gemachten Übereinkunft mir seinen Amtsgehilfen, am rechten Flügel und Dccius am linken, und es ward anfänglich mit gleicher Kraft und Hitze gefochten; die Lateiner drückten aber immer mehr gegen den linken Flügel und die römischen Hastaten— eine Gattung Soldaten, von ihren Spießen (kalta) so genannt— wichen zurück. Decius glaubte, die Zeit scy da, den unterirdischen Göttern sich zu weihen, rüste den Pontifex, und ließ die Ceremonien an sich verrichten a). Dieser befahl ihm seine gewöhnliche Toga anzulegen, und verhüllte ihm sodann das Haupt, stellte ihn auf einen Wurfspieß, und ließ ihn die eine Hand bis an das Kinn hervorreichen, und die gewöhnliche Weihungsformel nachbeten. Nach vollendeter Ceremonie schickte er die Liclores an seinen Alntsgehilfen, und ließ ihm bey Zeiten seine Weihung zu wissen thun, sprang auf ein Pferd und stürzte voll des religiösen Enthusiasmus unter die Feinde. Furcht und Schrecken eilten voran, und eine so plötzliche Erscheinung verwirrte die ersten Reihen der Lateiner; aber bald durchbohrten Pfeile leinen Körper; er sank vom Pferde, und Wunden und Blut vollendeten fein Opfer für die Erhaltung der Legionen. I i 2 2) Die Dreier haben sich durch dergleichen Selbstweihungen zum Tode berühmt gemacht. Des geges- wärtige» Sohn weihte sich in seinem vierten Consulate gegen die Gallier im samnitischen Kriege, «nd sein Enkel im Kriege wider den Pprrbus. M ( 128 ) M Der Tod des Konsuls brachte unter die Römer neuen Muth; denn alle glaubten, das Opfer des Feldherrn habe sie völlig mit den Göttern ausgesöhnet, und je tapferer sie fechten würden, desto gefälliger würden sie sich ihnen machen. Ihre Hitze entflammte aufs, neue, und sie sielen mit solcher Muth in die Feinde, als wenn das Zeichen des Angriffs jetzt erst gegeben wäre. Die Lateiner wa. ren gezwungen frische Truppen ihrem Muthe entgegen zu stellen, und als sie keine mehr hatten, ließ Manlius die Triari er— die vorzüglichste Gattung der römischen Fußgänger, die jedesmal einer Schlacht den Ausschlag gaben — anrücken, und ihr starker und geprüfter Arm richtete ein solches Blutbad an, daß kaum der vierte Theil vom lateinischen Heere übrig blieb. Diese Überbleibsel retteten sich nach Minturnä, einer kleinen Stadt an der Mündung des Liris, zogen Hilfstruppea an sich, und waren entschlossen ihr Glück nochmal zu versuchen. Manlius zog ihnen bis Trifa- num, zwischen Sinuessa und Minturnä entgegen, und schlug sie nochmals in einem Treffen, verheerte darauf ihr Land, und nöthigte sie dem Sieger sich zu ergeben. Sie erhielten Frieden; verloren aber dabey ihre Felder. Eben dieses Schicksal hatte Capua; aber die campanische Ritterschaft ward zur Belohnung ihrer Treue mit dem römischen Bürgerrechte beehret. Manlius zog nach allen diesen Verrichtungen zurück nach Rom, und hatte den Verdruß, daß nur die alten Leute ihm entgegen gingen. Von der jungen Mannschaft war nicht ein einziger dabey; seine verübte Strenge hatte ihm einen so allgemeinen Haß zugezogen, daß man ihn, solang er lebte, mit Bitterkeit verwünschte. Die Lage, in der sich jetzt die Lateiner befanden, und der Verlust, den sie an ihren Feldern erlitten hatten, machten ihnen den Frieden unerträglich; sie empörten sich und wurden von dem nachfolgenden bürgerlichen Csnsul O. P u b l i l i u s Philo (Erb. R. 4 . A. vor Chr. Geb.ZM) abermal geschlagen, ihres Lagers beraubt und zur Ergebung gezwungen. Sein Amtsgehnlfe, der Patricier Ämil ius M am er einus focht eben auch glücklich wider die lateinischen Bundsgenossen; aber Ley der Nachricht, Publilius habe vom Senate einen Triumph erlangt, ließ er den Krieg unvollendet , eilte nach Rom und hielt eben auch um diese Ehre an. Der Senat konnte in sein Gesuch vor erfochtenem Siege nicht willigen, und wies ihn sehr billig zurück. Dieß verdroß den ehrsüchtigen Mann; er benützte alle Gelegenheit die Patricier dem Volke verhaßt zu machen, und man wußte keinen Volkstribun, der cs ihm darin zuvorgethan hätte. Der Senat wäre deswegen gerne seiner Consuln los gewesen, und ließ zur Fortsetzung des unvollendeten Krieges einen Diktator ernennen. Ämilius wählte seinen bürgerlichen Amtsgenosscn, und gab dadurch dem Senate neue Gelegenheit zum Verdruße. Der plebejische Dictator machte sich merkwürdig durch drey Gesetze, die eben so sehr dem gemeinen Volke schmeichelten, als sie dem Adel zuwider waren. Das erste erklärte alle Volksentschlüffe (?1edilcitA) für alle Römer verbindlich; das zweyte wollte, daß alles, was das Volk in den Versammluiigen nach den Centunen beschließen würde, schon vorhinein vom Senate gutgeheißen werden sollte; und vermöge des dritten sollte -er eine Ccnsor eben so, wie der eine Consul aus den Plebejern gewab-Iet werden. Durch diese Vermehrung der plebejischen Gerechtsame glaubten die Patricier, ihre Niederlage wäre viel großer, als die Vortheile, die man sich und dem Staate durch diese bis daher geführten Kriege erfochten hätte. HS ( i-9 ) ^ Die Vollendung dieses Krieges blieb den nachfolgenden Confuln, L. Furins Eamillus, einem Enkel des großen Camills, und dem C. Mänius. Der Letzte überfiel das verbundene feindliche Heer am Fluße A stur a (im päbsilichen Gebiete) und schlug cs in die Flucht. Camillus rückte vor P e du m, wo vormals Ämilius gestanden war, lieferte da ein Tressen, und drückte nicht nur die Feinde zurück, sondern trieb auch die Einwohner dieser Stadt, welche ihre Bundesgenossen wahrender Schlacht unterstützen wollten, zurück in die Stadt, und nahm sie noch denselben Tag ein. Von da breiteten beyde Confuln ihre Eroberungen weiter aus, und brachten so nach und nach ganz Latium unter ihre Gewalt. Überall, wo es nicht zu sicher war, ließen sie Besatzung zurück, und begaben sich nach Rom, die Ehre zu genießen, die man für sie bestimmt hatte. Sie erhielten einen herrlichen Triumph, und auf dem Forum Bildsäulen zu Pferde ,— eine Ehre, die dazumal selten war. Nun war noch das Schicksal der überwundenen Städte zu bestimmen, und Eamillus hätte es gern gesehen, wenn dieß noch vor der Wahl der neuen Confuln geschehen wäre; deswegen trug er im Senate auf ein Mittel an, damit keine derselben Gelegenheit fände, sich jemals mehr von Rom zu trennen. „Ein anderer Berathschlagungspunct, sagte er zu den versammelten Vätern, ist, wie alle die überwundenen Völker unter unserer Herrschaft ruhig können erhalten werden? Ob Latium sey, oder nicht, haben die unsterblichen Götter in eure Hände geleget. Zwei) Wege sind, wodurch ihr euch, was die Lateiner betrist, Frieden verschaffen könnet. Wollet ihr grausam feyn gegen Leute, die sich euch ergaben, oder die ihr überwandet, so müsset ihr ganz Latium vertilgen, und ein Land, aus welchem ihr so oft nützliche Hülsstruppen gezogen habt, zu einer Wüste machen. Wollet ihr aber die Sache Roms emporbringen, so habt ihr Stoff genug zum Wachsthum des Ruhmes, wenn ihr die Lateiner, nach dem Beyspiele unserer Vorfahren, zu Bürgern an nehmet; denn glaubet mir, nu r j e n e He rrsch a ft ist fest gegründet, deren Unterthancn mit Freude gehorchen." Dem Senate gefiel dieser weise Fingerzeig des Consuls im Allgemeinen; aber weil die Vergehungen der überwundenen Städte gegen Rom nicht gleich waren; so glaubte derselbe, man solle viel lieber auf die Entscheidung des Schicksals einer jeden einzeln antragen. Diese Mepnung behauptete sich, und .es wurden L anu v i u m, Ari c i a, Nomentum und Pedum zu Municipalstädten erkläret; die Tuskulaner behielten ihre alten Rechte und Freiheiten; Velitra ward wegen seiner wiederholten Empörungen geschleift, und dessen Senat in eine andere Stadt jenseits der Tiber verlegt; die Antiaren bekamen das römische Bürgerrecht, mußten aber eine Colonie unter sich aufnchmcn, und ihre Schiffe in die römische Werste abgeben; Libur und P r äne st e verloren ihre Felder, und den ü br i g en La t ei nern wurden ihre Versammlungen und gemeinschaftlichen Märkte, ja sogar die Ehe ausser ihren Stammen untersagt; dafür ward der ca m p an i sch en Ritterschaft, weil sie sich mit den Lateinern nicht empören wollte, das römische Bürgerrecht zugcsprochen; die Cumaner und Suessulaner aber' hatten mit Capua ein gleiches Schicksal. Ein solches Verfahren erwarb dem römischen Staate Land und Leute, und befreyte ihn von Feinden, mit denen er vielleicht oft noch würde haben kampfem tnusscn. Zwey der schönsten Länder kamen unter seine Herrschaft, und sie waren zugleich die erstem wichtigsten Eroberungen«. K k HS l rZ" ) ^ Im folgenden Jahre (Erb. R. 417. vor Chr. Geb. .337.) verloren die Patricier das seit dem großen Camill erlangte Vorrecht, die Prä tu r mit einer Person auS ihrem Mittel zu best. Hen. L. Publilius Philo, ein Plebejer, der aber schon Consul gewesen war, und sich um den Staat verdient gemacht hatte, bewarb sich darum, und sosehr auch der Consul C. Su lpi ciuS Longus sich dawider stemmte, so ward er dennoch zu dieser Würde erhoben. Die Patricier hat, ren gründliche Ursache seiner Person entgegen zu seyn, wenn sie sich erinnerten, wie empfindlich er sie vor zwey Jahren als Consul und Diktator durch seine drey Gesetze getroffen hatte. Noch waren die Sidiciner nicht völlig zur Ruhe gebracht, und Rom glaubte- Ursache genug zu haben, sie einmal unter seine Herrschaft zu bringen; weil sie entweder selbst gegen die Römer gekrieget, oder wenigstens sich als feindliche Hulfstruppen hatten brauchen lassen. Jetzt standen sie mit den A u soni e rn im Felde, und Rom übergab dießmal seinem Consul Valerius CorvuS (Erb. R.419. vor Chr. Geb.ZZA.) die Waffen wider sie. Unter einem so berühmten Feldhcrrn kostete es wenig Mühe den Ausoniern ihren Hauptort Cales, zwischen Capua und Suessa, (Calui irr terra 6i I^avoro) durch einen nächtlichen Überfall abzunehmen, und mit vielen Gefangenen und einer beträchtlichen Beute nach Rom zu einem Triumphe zurnckzukehren; indessen ward aber dennoch der Krieg wider die Sidiciner fortgesetzt. Zu Cales hatte das römische Volk gerne eine Colonie errichtet: Der Senat gab seinem Verlangen nach, und schickte zwey Tausend fünfhundert Menschen dahin. Die Volksmenge war immer noch groß, daß bald darnach die Censoren zwey neue Tribussen, die mäei sch e und sc a p ti sch e, den schon vorhandenen sieben und zwanzig beyzahlen konnten. Aber nun geschah ein Fall, welcher eben so traurig als schändlich war, und der, wenn er wirklich geschehen ist, ein überaus großes Sittenverderbniß verrach, zu welchem doch Rom dazumal noch nicht herabgesunken seyn konnte. Es starben viele ansehnliche Männer jählings in ähnlichen Krankheiten hin, und man glaubte anfänglich eine hcrumschleichende Ansteckung sey die Ursache; aber wie erschrack man, als eine Sklavin daS Einverständniß vieler römischen Matronen, ihre Männer durch Gift hinzurichten, dem Senate verrieth. Es ward alsobald nachgesuchet, und man fand wirklich einige noch mit Zubereitung dieses schädlichen Getränkes beschäftiget. Sie wurden unverzüglich vor Gericht gefordert, und gaben vor, ein solcher Trank sey nichts minder als schädlich. Die Sklavin hieß sie denselben zu ihrer Rechtfertigung trinken, und nach einer kurzen Unterredung mit ihren übrigen Mitschuldigen trank jede ihr Getränk, und fand bald darnach in ihrem eigenen Truge den Tod. Man ergriff noch die übrigen, und es wurden hundert siebenzig zum Tode verurtheilt^ Zur Aussöhnung dieses Verbrechens ward Cn. Qnintilius zum Dickator ernannt, und im Tempel der Minerva auf dem Capitolium ein Nagel eingeschlagen. (Erb. R. 42Z. vor Chr. Geb. AZ t.) Während aller dieser Vorfälle Noms hatten die Samniten schon so viele Kräfte gesammelt, daß sie einige benachbarte Völker beunruhigen konnten; deswegen schickten aus den Volskern die F ab r aterner und Poluskaner nach Rom, und versprachen Treue und Gehorsam, wenn man sie wider die Samniten schützen wollte. Der Senat (Erb. R. 424. vor Chr. Geb.ZZo.) nahm sich ihrer bey den Samniten an; und diese schienen ihnen nur deswegen nachzugeben, weil sie gegen Rom sich noch nicht stark genug fühlten. Indessen brach der Krieg mit den Privernaten aus, mit denen ^ sich die Fnndaner, unter der Anführung des V itru v ius Vaccus, elnrS sowohl HB < iZi ) ktr Rom als unter seinen Landsleuten ansehnlichen Mannes, verbunden hatten. Der damalige Consul L. Papirius Crassus näherte sich dem Feinde, und schlug ihn mit leichter Mühe in die Flucht. Vitruvius verließ hierauf mit dem ersten Einbruch der Nacht sein Lager, und schloß sich zu Priver-- num ein. Der nachfolgende Consul C. P laut ius zog hier seine ganze Macht zusammen, und nahm die Stadt ein. Der Senat ließ ihre Mauern niederreißen, und verlegte ihre Nathe in eine Stadt jenseits der Tiber. Plautius hatte die Ehre eines Triumphes, und Vitruvius und seine Mitschuldigen wurden getödtet. Hierdurch glaubte der Consul den Zorn der Römer besänftiget zu haben, und beym Senate auf ein günstigeres Schicksal für die schuldlose Menge antragen zu können. Der Senat war in seinen Meinungen getheilt, und ein großer Theil wollte nichts von einer gelinden Behandlung wissen; besonders da ein Privernat, der zugleich mit vor dem Senate stand, einem Senator von der strengen Par t Hey eine vielleicht zu freye Antwort gegeben hatte. Diese hatte Plautius gerne gemildert, und fragte den Privernaten mit sanftem Tone: „ Wenn wir euch die Strafe Nachlassen, wie friedlich wollet ihr euch gegen uns betragen?^— „Unser Verhalten, sagte der Privernat, soll ganz von dem eurigen abhangen. Ist der Frieden, den ihr uns bewilliget, rühmlich: so könnet ihr euch auf unsere Treue für allezeit verlassen; ist das nicht : so dürfet ihr unserer Unterwerfung nicht trauen." — Eine so entschlossene Antwort änderte die Meinungen, und Plautius unterließ nichts, die Gemü- ther dahin zu stimmen, daß den Privernaten das römische Bürgerrecht erlheilet ward, und der Se- irak und das Volk hielten sie dessen würdig. Fortsetzung des Krieges Zwischen den Römern und Samnilen. vchon lang hatte man es in Rom bemerket, daß nur Ohnmacht die Samniten zurückhiett, neue Feindseligkeiten auszuüben, und daß ihre Ruhe nur so lang dauern würde, als ste noch zu schwach waren daö Joch abzuwcrfen; sobald es aber ihre Kräfte zuließen, würden ste gewiß jede Gelegenheit benützen, und ohne Zweifel den Krieg erneuern. Hierzu gab Rom jetzt selbst durch eine nach Frcgella (heute dorrte Corvo in Campanien) geführte Colonie Veranlassung (Erb. R.426.vor Chr. Geb. Z28.) Die Samniten waren übel damit zufrieden, und drohten dieselbe wieder zu verja- 6tN; weil sie diesen Ort den Volskern weggenommen und zerstöhret hatten. Dieß war aber nicht das Einzige, welches die Römer beleidigte. Palapolis, eine griechische Pflanzstadt aus Euböa, wagte es die erste unter den Griechen, mit samnitifchen Hülfs- kuppen unterstützt, wider Nom feindselig zu handeln, und einige Ortschaften im Campanischen und Falernifchcn zu beunruhigen. Es wurden Fecialen an ste abgeschickt, und als keine Genugtuung er- tolüte, ihnen Krieg angekündiget. Beyde Consuln erhielten den Auftrag mit einem Heere auszurü- cken; O. Publilins Philo zwar wider die Palapoliten, sein Amtsgehülfe L. Cornelius ^kntulu s aber gegen die Samniten, im Falle ste sich bewegten, (Erb. R. 427. vor Chr. Geb. Zr/,) und beyde Consuln gaben bald dem Senate Nachricht, daß von Seiten der Samniten wenig K k 2 HS f -ZS ) HS Hoffnung zum ferneren Frieden sey. Der erste berichtete, -aß die Nolsner zwey Lausend, die Sam- niter aber vier Tausend Mann nach PaläpoliS zu Hülse geschickt hätten; der zweyte hingegen schrieb von einem Aufstande in Samnium, von einer zahlreichen Truppenwerbung und von Aufwieglung der Privernaten, Fundaner und Formianer. Der Senat zweifelte daher nicht mehr an einem völligen Bruche, und schickte deswegen zuvor Abgeordnete an die Samniten, Rechenschaft von ihnen fordern zu lassen. Ihre Antwort enthielt Vorwürfe gegen die Römer; aber auch von dem, was diese ihnen vorwarfen, konnten sie sich nicht reinigen. Endlich sagte einer: „Wozu, ihr Römer, alle diese Streitigkeiten? Unsere Sache können nicht die Worte der Abgesandten, wohl aber die Ebenen Cam- paniens auSmachen. Dahin schlagt euer Lager auf, und das Schwert wird entscheiden, ob der Sam- nit oder der Römer dem übrigen Italien Gesetze vorschreibe." Dieß war nun eine offenbare Kriegserklärung, zu der die Römer nicht abgeneigt waren. Es begann der Krieg, der alle kleinere Staaten Unteritaliens nach und nach darein flocht, und sich nicht eher endigte, bis sie alle die römische Hoheit anerkannten». Wahrend des Zeit harte Publilms sich zwischen Palapolis und Neapolis so vortheklhaft gelagert, daß keines dem andern zn Hülfe kommen konnte, und das erste täglich in Gefahr war, eingenommen zu werden. Dieß war zugleich Ursache, daß man ihn, obschon fein Amtsjahr vorüber war, von seiner glücklichen Unternehmung nicht abrufen wollte, sondern unter dem Nahmen eines Proconsuls bcy der Armee ließ. Es stand auch wirklich nicht mehr lange an, so wurden die Belagerten selbst des Ungemaches, welches sie von ihrer Besatzung erduldeten, überdrüßig, und übergaben durch List die Stadt in die Hände der Römer. Die Nolaner flohen beym Einrücken der Römer nach Haufe, und die Samniten hatte man zuvor auf eine listige Art zu entfernen gewußt. Pub- lilius erhielt dafür einen Triumph, und er war der Erste, dem nach vollendeten ConfulaLe die Macht verlängert, und ein Triumph zugefprochen ward. Über diesen Vorfall waren die Tarentiner sehr unzufrieden, und machten den Paläpoliten bittere Vorwürfe. Noch mehr brachte sie das mit Rom neuerrichlete Freundfchaftsbündniß der L u- eaner und Apulier auf; daß sie keine Mühe sparten dasselbe auf was immer für eine Art zu zerstören. Eine List machte es ihnen möglich; sie bestachen einige junge Lucaner, daß sie Vorgaben, sie wären von den Coufuln derb gepeitfchet worden, weil sie sich in 'das römische Lager gemagct hätten. Die Lucaner verdroß eine so widrige Behandlung, und ohne zuvor die Wahrheit zu untersuchen, verbanden sie sich auf Zuthun der Tarentiner mit den Samniten. Sie erkannten ftcylich bald darnach den Betrug; aber wegen der an die Samniten ausgelieferten Geißeln ließ sich nichts mehr andern, und es blieb ihnen nur die Reue über ihre unüberlegte Handlung noch übrig. Unterdessen war den Samniten von Seiten Roms schon das vorige Jahr der Krieg förmlich' angekündiget worden, und sie hatten schon einige Städte verloren; jetzt erhielt ihre Macht einen beträchtlichen Zuwachs, da sich die Best in er, ein Volk an der adriaiischen Meerküste, mit ihnen noch verbanden. Rom hatte also auf einmal mehrere Feinde, und die dermaligen Confuln L. Aurins C a m i l l u s (z ZtcnM.) und D. Juni u s Brutus Scäva (Erb.R.42 9.vor Chr.Geb.Z2Z.) übernahmen nach dem Loose die Führung des Krieges. Der Letzte zog wiöer die Vestiner, verheerte ihr Land, und zwang sie zu einem Tressen, welches genug war, sie in ihre haltbaren Platze C a t i na -KS c '22 ) -KS rmd Ctngilta zu zerstreuen. Aber auch hier setzte ihnen her Consul nach,- eroberte bey-e mit Sturm, und überließ sie seinen Soldaten zur Plünderung. Den andern Consul hrnderte eine Krankheit feine Truppen gegen die Samniten zu führen; er mußte daher einen Diktator ernennen, und seine Wahl fiel auf den dgzumal berühmten L. Papi- ri u s C u r sor, von dem Q. Fabius MaximusRullianus zum Feldherrn der Reiterey angenommen ward. Beyde Männer, die sich sowohl durch kriegerische Lhalen, als besonders durch ihren merkwürdigen Zwist rühmlich gemacht haben. Der neue Diktator eilte zu seiner Armee, zwei- ftlte aber an der Richtigkeit seiner Auspicien, und fand für nothwendig zu Wiederholung derselben nach Rom znrückzukehren; unterdessen sollte aber jedermann auf seinen Posten bleiben, und auf keine Art sich mit dem Feinde einlassen. — Ein Befehl, der ein geringes Zutrauen in die Geschicklichkeit der Unterbefehlshaber verrath, und wodurch man sich oft die günstigsten Gelegenheiten aus der Hand entwischen lassen muß. Fabius war nicht gesonnen mit gebundenen Händen vor dem Feinde unkhätig zu harren und günstige Augenblicke unbenutzt zu lassen;, kaum hatte er Nachricht, die Samniten betrügen sich s» sorglos und ausgelassen, als wenn kein Feind in ihrem Lande wäre, ließ er aufbrechen, zog bis Zmbrinium, und lieferte ihnen ein Treffen. Feldherr und Soldat erfüllten dabey so genau ihre Pflicht, daß wohl kaum der Diktator selbst eine bessere Anordnung hatte treffen können. Von sunnitischer Seite blieben bis zwanzig Tausend auf dem Platze, und sehr viele Beute kam in die Gewalt der Sieger. Fabius ließ sie alle Zusammentragen, und auf einem Haufen verbrennen, schrieb auch an den Senat und nicht an den Diktator, sein gehabtes Glück, und ganz Rom, nur nicht der Diktator, waren froh über diese siegreiche Nachricht. In diesem Betragen des Fabius gegen seinen Oberseldberrn lag mehr als eine Beleidigung. Ohne auf die Verletzung des Befehles zu denken, schien es, als wenn er durch seine Nachricht an den Senat mit Übergehung des Diktators dessen Person habe herabsetzen, und die Ehre des Sieges mir ihm nicht nur nicht theilen, sondern gar nichts zu einem Trinmpheinzuge ihm übrig lassen wolle. Gewiß nahm Papirius diesen Vorgang so auf; denn da alle sich freuten, verließ er mit Zorn und schweren Herzen den Senat, klagte wider den Feldherrn der Reiterey, er habe durch die Verachtung des Oberbefehles, wenn ihm. diese so hinginge, das Ansehen eines Diktators eben so gut als die samnitischen Truppen zerrüttet, und reiste eilfeAig und voller Drohungen zurück ins Lager. Unterdessen war schon Nachricht vom Zorne des Diktators dahingekommen, und Fabius suchte den üblen Folgen desselben bey der Armee dadurch vorzubeugen, daß er die Rache des Diktators aus dem Neide herleitete, und wenn es ihm glückte den Feldherrn der Reiterey zu unterdrücken, er auch ganz gewiß über die übrigen Soldaten, wie über Kriegsgefangene herrschen würde. Alle erhoben ein Geschrey, und sprachen ihm Muth zu: so lange sie seyn würden, solle ihm keine Gewalt schaden. Papirius war nun im Lager und ließ ohne Verzug das Heer ausrücken. Fabius ward vor sein Gericht gefordert, und hatte freylich auf einer Seite den Ruhm des Sieges; aber auch zur andern die schwere Übertretung des Oberbefehles. Der Diktator stellte Fragen au ihn, die er nicht beantworten könnte, und der Lictor erhielt Befehl, sein Amt zu verrichten. -Fabius riß sich von ihm Ks, und suchte bey den Soldaten Hülfe. Las ganze Heer nahm ihn in Schütz, und suchte durch HS ( rZ4 ) HS Bitten und Drohen den Diktator zur Gnade zu bewegen. Abdr alles umsonst, er blieb unerbittlich und nur der Einbruch der Nacht machte dem lärmenden Streite ein Ende. Das Gericht ward auf den andern Tag verschoben, und Fabius benützte die Zeit nach Rom zu entwischen. M. Fabius Amdustus, sein Vater, der schon mehrmal Consul und Dictator gewesen war, berufte den Senat und klagte wider das Unrecht und die Gewaltthaligkeit des Diktators. Stoch sprach er, als schon das Geräusch der Lictoren die Ankunft des Diktators selbst ankündigte. Fabius ward ergriffen, und die Vornehmsten im Senate baten für ihn; aber Papirius blieb unbeweglich, und des Unglücklichen Vater wandte sich nun an die Tribunen und an den Ausspruch des Volks. Man ging ans dem Rathe in die Volksversammlung, Papirius von wenigen begleitet; Fabius aber vom Senate und den Vornehmsten des Adels. Hier brach der alte Fabius in Vorwürfe gegen den Stolz und die Grausamkeit des Diktators aus, und fragte unter andern, was doch für eine andere Strafe sein Sohn verdienet hatte, wenn das gelieferte Treffen unglücklich ausgefallen wäre? Er sollte daher vielmehr das Beyfpiel des L. Cincinnakus gegen den L. Minucius, des M. Furius Camillus gegen den L. Furius und selbst des römischen Volkes nachahmen, welches noch keinem ferner Feldherrn wegen ihrer Unbesonnenheit am Leben bestrafet hatte. Dagegen lobte der Diktator die Beyspiele des L. Brutus, des Manlius, und verpflichtete die Tribunen mit ihrem Kopfe für die schädlichen Folgen der verletzten Mannszucht zu haften. Darüber erfchracken -diese, und waren mehr um sich als um den Beklagten besorgt. Aber nun legte sich das römische Volk ins Mittel, und bat, wenigstens sich die Strafe des Feld. Herrn der Reitercy nachzulassen. Dieß thaten nun auch die Tribunen, und Vater und Sohn warfen sich zu eben der Bitte derck Diktator zu Füßen: und jetzt erst sprach der Dictator gelinder: ,,Guk, sagte er, es hat die Kriegszucht und Sie Majestät des Oberfehles, die beyde in Gefahr waren, gesteget. Man nimmt den O. Fabius, weil er wider den Befehl seines Feldherrn gefochten hat , von der Schuld nicht aus; man verdammet ihn, und deswegen wird er dem römischen Volke und den Tribunen auf ihre Vorbitte wiedergegebeu« So lebe denn O. Fabius, und sey glücklicher durch deine Erhaltung als du es durch deinen Sieg wärest! Lebe! obschon du eine Thal verübet hast, die dir selbst dein Vater, wäre er an meiner Stelle, nicht nachgesehen hätte. Ich schenke dir rrrpin Wohlwollen wieder. Dem römischen Volke, welchem du dein Leben zu verdanken hast» kannst'du keinen bessern Gegendienst erweisen, als wenn du, aus dem Vorfälle dieses Tages beleh- ret, im Kriege so wie im Frieden deiner rechtmäßigen Oberkeit gehorchest." Allgemeines Glückwünschen folgte auf diesen Ausspruch, und man schloß bald den Dictator, bald die Fabier in seinen Kreis. Der Dictator ernannte nsch statt des Fabius den L. Papirius Crassus seine» nahen Anverwandten zum Fcldherrn der Reiterey, und begab sich zurück ins Lager. Hier traf er die Armee in einer nicht geringen Unzufriedenheit an. Sie empfand es sehr schmerzlich, daß er gar nichts auf ihre Fürbitte gegeben hatte, und fand an seiner Strenge, mit der er gegen ihren Feldherr» der Reiterey gehandelt hatte, zu viele menschliche Leidenschaft. Dieß Mißvergnügen war nicht so geheim, daß es den Samniten unbekannt geblieben wäre; sie benützten es fleißig, und so oft der Dictator abwesend war, machten sic Bewegung, und erkämpften sich manchen Vvtlheä, weil sie wohl wußten, daß man ihnen wegen deS strengen Befehls keinen zu nach- HS ( »35 ) HS dnrcklichen Widerstand leisten dürfte. Der Diktator machte jetzt alle Anstalten zu einem Treffen, und der Soldat war so gleichgültig dabey, daß es ihm einerley war, ob er siege oder unterliege. An Mitte des Kampfes hörte er geflissentlich zu fechten auf, und hinderte den Diktator an einem vollkommenen Siege. Es sielen zwar freylich viele Samnitcn; aber auch viele Römer wurden verwundet; und nur der vorteilhaften Stellung und den gebrauchten Kunstgriffen des Diktators war es zuzufchreiben, daß der Feind nicht weiter Vordringen konnte. Dieß bewog den Diktator sein? Aufführung zu ändern, und seine bisher beobachtete Strenge durch Leutseligkeit und Güte zu mildern. Diese glückliche Änderung änderte auch das Gemükh seiner Soldaten : sie fingen au ihn eben so sehr zu lieben, als sie ihm vorher abgeneigt waren. Eine bald darauf erfolgte Schlacht bewies cs, in welcher die Samnilen eine solche Niederlage erlitten, die sie zu emer ferneren Unternehmung unfähig machte. Die Beute ward ganz unter die Sieger vertheilt, und die Besiegten baten um Frieden. Der Diktator versprach beym Senate sich zu verwenden, wenn sie seine Truppen mit Kleidungsstücken und dem Solde eines Jahres versorgten ; er zog darauf aus Samnimn, und feperte einen Triumph. Der Frieden kam dießmal seiner Bedingungen wegen nicht zu Stande. Das ganze was die Samniten erlangten, war ein Waffenstillstand auf ein Jahr. Aber sie warteten nicht so lange; denn kaum hatten sie gehöret, Papirrus habe die Diktatur niedergeleget, so standen sie schon wieder in Waffen; doch fiel nichts Entscheidendes vor, obschon die Apulier sich mit ihnen verbunden hatten. Die nachfolgenden Confuln L. Fabius Maxim»s Rullianus, und L. Fulvius Corvus (Erb.R.4A2.vorChr.Geb.Z22.) hatten mehr zu thun. Aus Unvorsichtigkeit hatten sie ihr Lager so nahe an das feindliche geschlagen, daß sie bey Bemerkung desselben weder vor - noch rückwärts, noch auch das Lager selbst befestigen konnten. Überall beunruhigte sie die feindliche Nei- terey, daß siekein anderes Mittel vor sich sahen, als durch.eine Schlacht sich aus dieser Lage herauszureißen. Dießmal ward so hartnäckig und verzweifelt gefochten, daß kein Theil dem andern wich, und Ermattung und Nacht nahe waren. Glücklicher Weise erhielt der eine Conful Nachricht, die feindliche Reiterey plündere das Gepäcke; alsobald ließ er sie überfallen, und nur ein kleiner Theil konnte sich noch durch die Flucht retten. Dieß gab dem Treffen den Ausschlag. Die römische Reiterey schwenkte von da den Feinden in den Rücken, und das Gefecht ging von neuen an. Der größte Theil der Samnitcn ward erleget, und der andere in die Flucht gejaget. Diese Niederlage zwang die Samniten abermal um Frieden zu bitten; aber auch dießmal konnte man der Befugnissen wegen nicht einig werden, und die Kriegsrüfiungen wurden mit aller Anstrengung fortgesetzt. ^ - . L l 2 ( 'Z6 ) Die Sammle» lassen die Römer unter dem Jache durchgehen. Kopf. Xro. XXXIV. ^Zn dem Feldzuge dieses Jahres (Erb. R. 4ZZ. vor Chr. Gebl Ari.) Hallen die Samnilen einen jungen Mann an ihrer Spitze, welcher sowohl am Muthe als Verschlagenheit alle seine Vorgänger übertraf. Es war dies Cajus Pontius, der Sohn des alten klugen und tapferen Heren, nius Pontius, eines Mannes, der bis in sein hohes Alter die höchsten Würden unter seinem Volke verwaltet hatte, und noch so viel an ihm war, mit feinem Rathe nützte. Der Sohn dieses Mannes erschrack nicht, wie die andern, als die Abgeordneten unverrichteter Dinge wiederum von Rom zurückkamen: „Glaubet nicht, sagte er voll des Muthes, daß durch unsere Gesandtschaft gar nichts ausgerichket sey: wir haben uns dadurch mit den Gottheiten, die über unsere Bundbruchig- keit zornig waren, wieder ausgesöhnt, und ich weiß gewiß, daß eben die Götter, welche unsere Unterjochung zugelassen haben, auch die Verachtung unserer Aussöhnung von Seilen der Römer sich werden angelegen seyn lassen. Zweifelt also nicht mehr, daß der bevorstehende Krieg nicht unter ihrer Leitung geführet werde." — Er rückte hierauf mit seiner Armee ins Feld, lagerte sich in der größten Stille bey Caudium, einer Stadt der Hirpiner (heute im Neapolitanischen) und überzeugte die Römer sehr bald, daß nicht immer blutige und hartnackige Tressen einen Sieg erzwingen , sondern daß sich durch eine wohlangelegte Kriegslist oft mehr gewinnen lasse. Hier bey diesem Orte war ein enger Paß, Furcula caudinä (heute Ltretto ä'^r- xsja) genannt, der nach Lueeria in Apulien (heute in der Provinz Eupitunuw) führte. Der Eingang dahin öffnete sich zwischen zwey steilen Vorsprüngen, an welchen sich hohe waldigte Berge anschließen. In der Mitte ist eine weite sumpfige Ebene , die man grade durchgehen muß, wenn man zum Auswege aus dem Thale gelangen will; dann aber wird der Ausweg selbst noch viel enger und beschwerlicher als der Eingang war. Hier um die letzte Verengung lag Pontius mit seinem Heere versteckt, hatte alle Anhöhen besetzt, und den Ausgang selbst mit großen Felsenstücken und Bäumen verrammelt; daher, so war es in seinem Plane, sollten die Römer durch eine klug ausge- dachte List in die Falle gelocket werden. Zu diesem Ende verkleidete er zehn schlaue Krieger aus sei» nem Heere als Hirten, welche in der Nahe der römischen Vorposten Vieh weiden, und das von ihm ausgebrachte Gerücht: „Die Samu iten wären in Apulien eingefallen, und such» ten Lueeria zu erobern," durch ihre Bekräftigung nach Möglichkeit glaubwürdig machen mußten. Die List war zu gut ausgedacht, als daß man sich ein glückliches Gelingen nicht hätte versprechen sollen. Kaum hatten die römischen Consuln von dem traurigen Zustande der Stadt Luteria die falsche Nachricht gehöret, so wurden sie darüber nicht wenig beunruhiget, nnd da zugleich die vorgeblichen Hirten an den Vorposten ihren Fsldherrn durch ihre Versicherungen vortreffliche Dienste leisteten, fragte man im römischen Heere nicht mehr, ob man einer so treuen Vundsgenossenstadt H ? ( -Z7 ) Helfen, sondern wie schnell man Hülfe hinbringen sollte. Es gab zwey Wege dahin, den jetzt genannten sehr mühsamen kurzen bey Caudium, und den viel langem und bequemem auf der adriati- schen Meerküfle. Man hielt Kriegsrath, und Eilfertigkeit wä-hlte ohne Bedenken den kürzer». Mit großer Anstrengung hatte man sich schon bis an die sumpfige Gegend hingearbeitet, und eilte mit verdoppelten Kräften durch den letzten engen Paß ins Freye zu konrmen; aber zum Unglück war dieser vom Feinde besetzt und undurchdrinlich gesperret. Man hielt es fürs Beste den Rückweg einzuschlagen, und alle die vorigen Beschwerden wieder zu überstehen; aber wie standen alle be, taubt, als auch hier die Anhöhen von Feinden wimmelten, und der Paß auf ähnliche Art verschlossen war! Jetzt lag des listigen Feindes Trug allen offen, und niemand wußte ein Mittel zur Rettung. Die Samniten hielten Rath, welche Rache den Römern gebühre; ihre Freude war groß, und ließ sie keinen Entschluß fassen, der alte Herennius mußte entscheiden: „Entlasset sie alle, sprach der kluge Mann; aber man staunte und ließ ihn nochmal fragen: „Go bringet sie alle um!" sagte der Weise, und man staunte noch mehr und bat den Alten selbst ins Lager: ,,W.,S ich fürs Beste gehalten habe, sagte er, habe ich euch gerathen. Entlasset ihr die Römer, so verbindet ihr sie euch zu einem immerwährenden Frieden: tödtet ihr sie, so verschaffet ihr euch zwar aus einige Zeit Frieden; aber haben sie wieder Kräfte, so habt ihr auch den Krieg von neuen; zwischen diesen beyden habt ihr keinen Mittelweg." — Wenn aber doch einer wäre, sagte der Sohn, daß man sie zwar entließe, aber auch als überwundene nach den Kriegsgefttzen behandelte?" — , Diese Meinung, erwiedcrte der Greis, macht weder Freunde, noch hebt sie die Feindschaft. Schenket den Römern das Leben, und erbittert sie dabcy durch Schimpf, so wird sich dieß lebhaft in ihr Herz eindrücken, nnd sie nicht eher ruhen lassen, bis sie auf vielfache Art Strafe von euch genommen haben." — Gründlich und weise war des Alten Rath; aber jugendliche Unerfahrenheit hielt ihren vor- geblichen Mittelweg für besser. Unterdessen hatten die Römer von ihrem Schrecken sich erholet, und manchen vergeblichen Versuch zu ihrer Rettung gewaget; aber sie blieben in der Gewalt der Feinde. Es war nichts anders zu thun, als Abgeordnete an die Samniten zu schicken, die entweder Frieden auf billige Bedingungen fordern, oder sie zu einem Treffen herausfordern sollten- „D a s T r e ffe n i st v o r ö e p, sagte Pontius, ihr ftyd überwunden und gefangen; ihr werdet blos und waffenlos unter dem Joche durchgehen, Samnium verlassen, eure Eolonien wegführen, und uns so gut, als wir euch, nach unfern Gesetzen leben lassen. Auf diese Bedingungen will ich mit euern Consuln Frieden machen; gefallen sie euch nicht, so lasset euch nicht mehr sehen. " Bey dieser schrecklichen Rachricht versank das ganze Lager der Römer in tiefen Kummer, und jedem tapfcrn Krieger war cs, als wenn das Todesurtheil ihm angekündct würde. Die Eon- suln begaben sich in das samnitische Lager, wo Pontius viel von Errichtung eines Bündnisses sprach; aber die Consuln erklärten, sie könnten das ohne Einwilligung des Volks und ohne die dabey ge- wöhnlichen Ceremonien nicht thun. Man war also mit der Zusage und Bürgschaft zufrieden, und E Befehlshaber mußten sich dazu verpflichten. Die schreckliche Stunde kam heran, nnd schon von weiten sah man das schimpfliche ^v ch und die hyhnlachenden Samniten in Reihen. Mit gesenktem Haupte und einem Herzen svl) M m d ( -ZS ) tzS krankender Schaam und unversöhnlichen Rache treten die Römer aus ihren Wällen. Sechshundert Ritter wurden als Geiseln zuerst übergeben und gefangen abgeführt; dann muffen die Consuln ihre Lictores entlassen, ihre Feldherrnkleidung ablegen, und halbnackt -en traurigen Anfang unter dem Joche machen. Ihnen folgen die Unterbefehlshaber und alsdann die Legionen, wie einem jeden feine Reihe im Dienste traf. Verrieth je einer durch Mienen oder drohende Worte seine Rache zu deutlich, so ward er vom wilden Sieger verwundet oder getödtet. So gebrandmarkt wurde das römische Heer entlassen, und wie aus einem düsteren Grabe zog es in bedenklicher Stille bis vor Capua hin. Leicht hätte es noch bey Tage dort anlangen können; aber das Gefühl der Schande wirkte zu heftig: man blieb viel lieber ausserhalb -er Stadt, warf sich auf den Boden hin, und unbeküm- wert um Nahrung und Erholung beschloß man in dieser elenden Lage die kommeude Nacht zu erwarten. Die Campaner wurden zum Mitleiden gestimmt, und schickten eilends den Consuln die Ehrenzeichen ihres Ranges, und für das Kriegsheer Kleider, Waffen, Pferde und Nahrungsmittel. Den andern Tag ging der Senat selbst und das ganze Volk ihnen entgegen, und jeder bemühte sich durch milde Gastfreundschaft und sanften Trost ihr Unglück ihnen erträglich zu machen. Aber die Römer waren zu tief verwundet, und ihr Herz war für freundschaftliche Teilnahme noch nicht empfänglich. Sie blieben stumm, und gingen mit tief zur Erde geheftetem Blick von Capua weg. Der Unglücks- Sothe war ihnen bis Rom vorangegangen, und ganz Rom fühlte mit ihnen den Schimpf, und hüllte sich in Trauerkleider. Das tiefgebeugte Heer näherte sich Rom, und -er Römer sah den Römer m der Kleidung des Sklaven, und ward bis zu Thranen gerührt, als sich jeder Beschimpfte zu verbergen suchte, und nur zur AachtsZeit in seine Wohnung schlich. Die Consuln wollten keine einzige oberkeitliche Handlung mehr verrichten, und cs gehörte ein ausdrücklicher Befehl des Senates dazu, daß sie zur künftigen Magistratenwahl einen Dietator ernannten. Die neuen Consuln Q. Publilius Philo und L. Papi r ius Cursor (Erb.R.4Z4> vor Chr. Geb. Z20.) mußten noch an eben dem Tage ihr Amt antreten, und ihre erste Amtsoerrich- tung war, daß sie die vorigen Consuln wegen des Friedens bey Caudium zur Rede stellten. S P. Posthum ius ward zuerst geftaget, und dieser erklärte, daß dasjenige, was er bey Caudium in jener traurigen Nothwcndigkeit zur Rettung des Heeres unternommen hatte, weder den Senat, noch das römische Volk binden könne; weil cs ohne ihr Vormissen geschehen wäre. Er für seine Person hätte dem Feinde nur ein V er sp r e ch e n u) gethan; und weil dieser auch damit s.) Bey den Römern war ein Bnudniß (kosllus) von einem Vertrage (xacUo) und Versprechen (lxonüo) unterschieden, und eines band starker als das andere. Das Erste konnte ohne Wc« fehl und Einwilligung des Senates nicht errichtet werden, und es geschah mir einer feyerliche» Cerrmonie durch die Feciales. Ein Versprechen hingegen konnte vom Feldherrn und jedem Magistrate gethan werden, und es verlor seine Kraft, sobald man die zusagende Person in die Hände der Gegrnparthey auslieserte. Dieß wird hier im gegenwärtigen Fülle vorgegeben. Hatten die Samnitcn voransfthen können, daß die ersten Staatsbeamten Roms Treue und Ä lau ben in ein Wortspiel brächten, so wären sie wohl nicht zufrieden gewesen; aber die römische Herrschgierde hat sich auch nach der Zeit noch oft über dergleichen gewissenhafte Bedenklichkeiten hiuausgesetzt, und ihren geschlossenen Verträgen dergleichen verfängliche Worte beygefüget, die Rom immer zu seinen Gunsten benützen konnte, und wirklich benützrr hat. -KS k !Z9 ) zvftieden gewesen wäre, so fty man ihm nichts anders schuldig, als die Personen derjenigen, welche sich zur Gewährleistung zugleich mit verbindlich gemacht hätten: „Wir also, sagte er, muffenden Lammten durch die Feeialen nackt und gebunden überliefert werden. Wir müssen das Volk von der Verbindlichkeit, wenn wir es doch zu einer verpflichtet haben, befreyen, damit vor den Göttern und Menschen nichts im Wege stehe, den Krieg gerecht und billig zu erneuern»" Die Entschlossenheit dieses Mannes setzte alle in Verwunderung; man wollte es fast nicht glauben, daß dieß eben dieser Posthumius fey, der vor kurzen einen so schändlichen Frieden eingehen konnte, und hakte Mitleid , daß ein solcher Mann von den Feinden wegen des aufgehobenen Friedens mißhandelt werden sollte. Posthumius und die übrigen Befehlshaber bey Caudknm ließen sich hierauf den Feciale» übergeben, und wurden in Begleitung eines Kriegsheeres, zu dem sich jedermann freywillig und schnell hatte anwerben lassen, nach Sammum geführet« Hier trat der Fecial A. Cornelius Arvina mit den zur Übergabe gebundenen Römern in die Versammlung, und sagte zum Pontius : „Weil diese Menschen da ohne Geheiß des römischen Volkes ein B ündn iß zu errichten versprochen, und deswegen einen groben Fehler begangen haben: so übergebe ich dir eben diese Menschen, damit das römische Volk vom Verbrechen losgezahlet werde." Bey diesen Worten gab Posthumius dem Fecial einen Stoß in die Seite, und sagte: ,,Jch bin ein Samnit untr habe wider das Völkerrecht diesen abgeordneten Fecial beleidiget: Die Römer werden nun mit desto größer m Rechte Krieg führen." Pontius sah diesem Spiele mit Unwillen zu, und erklärte, daß weder er, nvch die Samniten diese Übergabe annehmen könnten. Wenn die Römer über den Vertrag bey Caudium Reue hatten: so sollten sie nur ihre Legionen wieder in die engen Pässe znrück- ßellen. „Ihr gäbet dem Porftnna Geißeln, sagte er, und habt sie ihm wieder heimlich entführet; ihr habt durch Gold eu«e Stadt von den Galliern gerettet; und bey der Übergabe dieselben aus der Stadt gejagt; ihr habt zu Rettung eurer Legionen mit uns Friedensverträge errichtet, und eben diese vernichtet ihr und wisset eurem Betrüge allezeit einen Anstrich des Rechtes Zu geben. Schämet euch mit gewissenhaften Verbindlichkeiten auf eine solche unwürdige Art zu spielen! Geh, L i c- tor, löse den Röm^rn die Bande! Sie mögen h ingehen, wo si e wollen ! " Die Samniten waren also wieder in Krieg mit den Römern verwickelt, und erkannten zu spät ihren Fehler, die weisen Rathschläge des alten Pontius nicht befolget zu haben. Die Consuln trafen mit dem Feinde bey Caudium zusammen, und rächten bald die Beschimpfung des römischen Rahmens auf das empfindlichste. Sie schlugen nicht nur das Heer der Samniten, sondern erhielten auch Luceria, wo die sechshundert Geiseln eingeschlossen waren, in ihre Gewalt. Bey sieben tausend Mann wurden gefangen, und mußten unter dem Joche durchgehen. Die Samniten baten «un um Frieden, und erhielten nur einen Waffenstillstand. Der Krieg ward dem ungeachtet noch viele Jahre, nur immer zum Nachtheile der Samniten fortgesetzt, und Ä. Fabius Maximus Rullianus hatte Gelegenheit, sich dabey manchen Ruhm zu erwerben. Bey diesem fortwährenden Waffenglücke der Römer kam die Nachricht, daß die h etru risch en Städte sich wider Rom verbunden Härten; aber noch ehe dieser Krieg ausbrach, machte sich E. App ius Claudius Cöcus, ein besserer Redner als Feldherr, in seinem C.nsuramte be- M m s HS l 140 ) HS rühmt. Er baute die nach ihm genannte appische Strasse (Via von Rom bis Brun- -ustom, und die claudische Wasserleitung (^yuae clauäiae) auS dem Anio nach Rom. Beydes Werke, deren Überbleibsel noch jetzt Bewunderung erwecken. (Erb. R. 442. vor Chr. Geb. Z12.) Die Kriegsangelegenhekten vertraute Rom seinen Consuln, welche die Feinde abermal durch wiederholte Treffen entkräfteten. Den neuen Krieg wider die Hetruster führte jetzt L. Fabius Rullianus (Erb. R. 444» vor Chr. Geb. Z r o.) welcher den Feinden nicht nur eine große Niederlage beybrachte, sondern ihnen auch, ohne Furcht eines ähnlichen Unfalles bey Caudium, in den c i m ini sch en Wald nachsetzte, und den Römern eines der schönsten Länder öffnete. Am See V a- dimonis 6i Lossunello) erfocht Papirius Cursor einen noch merkwürdigern Sieg., welcher die Hetruster zu allen künftigen Versuchen wider Rom unfähig machte. Die Samniten hatten unterdessen manches Treffen verloren, und nochmals die Schande ge- habt, unter dem Joche durchzugchcn. Diese Niederlagen zwangen sie abermal um Frieden zu bitten-, und dießmal erneuerte Rom mit ihnen das alte Bündniß. (Erb. R. 4so. vor Chr. Geb. Z04.) Bald darnach ward den Patriciern ihr letztes Vorrecht, die Besetzung der P ri est er w ürd e n aus ihrem Mittel von den Plebejern streitig gemacht. Deeius Mus unterstützte die Sache der Letzten durch das Beispiel seines Vaters, daß dir Götter auch aus einer bürgerlichen Hand das Opfer zum Heile des Staates angenommen hätten, und brachte es so weit, daß auch Plebejer Zu Augurn und P 0 nt ific en gewählet wurden. (Erb.R. 4F4. vor Chr.Geb. Zoo.) Die glänzende Außenseite des römischen Adels verschwand Hiemil gänzlich, und Hoheit der Seele in Gesinnungen und Handlungen blieb das vorzüglichste Unterscheidungszeichen desselben» .. Die bis daher gedemüthigten Feinde Roms konnten ihre so vielen Niederlagen nicht anders als mit Bitterkeit ertragen, und wandten in geheim und öffentlich ihr Äußerstes an, der römischen- Macht zu widerstehen. Diesmal war O. Fa bius M axi m us (z. 4tsn M.) mit dem P. Deeius Mus (z. Zten M.) Eonsul. (Erb. R. 4L/. vor Chr. Geb. 297. ) Beyde fielen in Samnium ein, und vertrieben nach wiederholten blutigen Gefechten das famnitische Heer gänzlich daraus. Es floh' zu den H'truskern, und brachte nicht «ur diese durch sein Zureden so weit, daß sie die Waffen ergriffen, sondern daß auch die Umbrier und Gallier mit ihnen gemeinschaftliche Sache machten. Rom hatte also jetzt gegen vier Heere zu kämpfen, (Erb. R. 4L9. vor Chr. Geb». 29A.) und übertrug abermal dem Fabius und Decius das Consulat. In der Ebene von Sentinum kam es zu einem hartnäckigen Gefechte, wo Deeius seinem Vater nachfolgte, und sich für die Legionen dem Tode weihte. Der Sieg war herrlich; kostete aber auch von beydcn Seiten sehr viel Blut. Nach so vielen blutigen Gefechten dachte noch keine Parthey an Frieden. Die Feinde sammelten immer neue Heere aus den verbündeten Städten, und gaben den Römern genug zu thmr. Atilius Regulus siegte blos durch seine Geistesgegenwart; denn da fein ganzes Heer zurück ins Lager ssoh, stand er da: „Wohin Soldat? schrie er ihm entgegen; so lang ich lebe, kommt keiner herein, der nicht gesieget hat." Dreß änderte die Gesinnung seiner Krieger, und der Sieg war auf seiner Seite. Dennoch hörten die Samnlten nicht auf ihre äußersten Kräfte anzumcnden, bis sie end- Ich Curius Den t a tu s nöthigte, abermal um Frieden zu bitten, und ss war bereits das vierte Mal, daß Rom sein Bündniß mit ihnsn erneuerte. (Erb. R. 46Z, vor Chr. Geb. 291.) E HS < -4* ) - S Der Gott Asculapius wird in Gestalt einer Schlange nach Rom auf einer Galeere gebracht. Kupf. Nro. XXXV. Eine Pest, die eine Menge Menschen wegrasste, machte übermal den Senat besorgt, auf ein religiöses Mittel zu Hebung dieses Übels zu denken. Er ließ die sibpllinischen Bücher nachschlagen, und erhielt d e wichtige Nachricht; Den Gott Äsculapius von Epidaurus nach Rom kommen zu lassen» Abgeordnete also wurden dahin abgeschickt, und die Priester dieses GolteS unterließen nichts, denselben alle Merkwürdigkeiten ihres Tempels zu zeigen. Noch betrachteten sie eine marmorne Statue, als plötzlich eine große Schlange s) aus dem Innern des Tempels hervorkroch. Alle staunten und wurden mit einem frommen Schrecken überfallen. Die Priester standen in der ehrerbietigsten Stellung, und gaben durch Gcbehrden uud halblaute Worte den Römern zu verstehen, daß der Gott in dieser Schlange wohne, und st h von Zeit zu Zeit in dieser Gestalt, den Menschen zum Besten, sehen lasse. Gewöhnlich daure dieß zwep Tage, und dann verschwinde sts wieder. Dieses Wunder lockte eine Menge Menschen in den Tempel, und jedermann ward mit frommen Empfindungen erfüllt. Am dritten Tage war der Zulauf noch größer , und hier war es, daß die göttliche Schlange den graben Weg zum Hafen hinnahm, und das Schiff der Römer zur Woh- rmng sich wählte. Ehrbietig und froh über den glücklichen Erfolg ihrer Reise waren diese ihr nach- gefolget, und ohne langer zu weilen, lichteten sie die Anker, und traten unter dem Schutze und in der Gesellschaft dieses Gottes ihre Rückreise an. Den ganzen Weg hielt sich die sonderbare Schlange ruhig; aber nun verhinderte ein Sturm das Hinüberschiffen, und die Schlange schlüpfte aus dem Schiffe, kroch bis zur Vorhalle des Tempels hin, um welchen Mprthen und Palmen in Reihen gepflanzt die Gegend angenehm machten, und wählte einen der Baume zur Ruhe. Die Römer erschrocken und gaben sich alle Mühe diese Gottheit wieder zurück ins Schiff zu bringen; aber sie blieb unbeweglich, und nahm weder ihre gewöhnliche Nahrung zu sich. Drcy Tage harrte sie am Baume, und die Zeit der Prüfung war vorüber. Plötzlich wand sie vom Baume sich herab, glitschte zur Freude der Römer zum Schiffe hin, und ließ sich ruhig an das Ort ihrer Bestimmung hinfnhren. Ganz Rom ergoß sich in Freude. Aus allen Theilcn der Stadt strömte das Volk zur Tiber hin, und brachte am User Opfer und Gaben. Unter diesen frohen Verehrungen war-man nun schon dis dahin gekommen, wo die Tiber in Arme gethcilt, die Zilsel bildet: hier glitschte die Gottheit «ver das Schiff, schwamm gegen das Schilf, und kein sterbliches Aug hat sie jemals mehr gesehem ») Gewöhnlich stellte man diesen Gott durch eine Schlange vor, und die Priester desselben nährten eine Menge zahmer Schlangen, und verstanden die Kunst die Leichtgläubigkeit zu täuschen. Dafür erhielten stx reichliche Opfer, und ihr Tempel war einer der reichsten in Griechenland- N n HS ( '42 ) HS Der Senat glaubte, dieß fty der Ott, welchen die Gottheit zur Wohnung für würdig hielt, und verordnete dorthin den Bau eines Tempels. Die Nachwelt machte ihn berühmt, und führte noch einen marmornen Damm in der Form eines Schiffes auf, an dessen Vordertheile ein Schlangenkopf zum ewigen Angedenken sich gegen den Strom ausstreckt. Krieg mit den TarenLinenr und dem Könige Pyrrhus. W.0M hatte jetzt einige Ruhe genossen, und auch den inner» Aufstand durch Hebung des barbarischen Rechtes der Gläubiger, die Schuldner als Sklaven zu verkaufen, gestillet; aber jetzt nahmen kriegerische Auftritte wieder ihren Anfang, welche die Römer mit ganz Italien verwickelten, und sie endlich zu Herren dieses ganzen Landes machten. Die Taren Li ne r, spartanische Abkömmlinge, die aber ihres Wohllebens wegen schon langst von dem Mukhe ihrer Vorfahren abgewichen waren, hatten Rom schon bey der Einnahme von Palapolis beleidiget, und gingen jetzt in ihrem Haße so weit, daß sie noch den wünschen Fccial Posthumius, welcher Genugtuung für geplünderte Schiffe forderte, auf eine niedrige Art durch Beschmitzung seiner Toga verunehrten. Im gerechten Zorne sagte er ihnen: ,, Lachet nur, bald werdet ihr weinen und die Flecke aus meiner Toga mir mit cuerm Blute auswaschen müssen!" Die Tarenkmer konnten also einen Krieg nicht vermeiden, und führten nicht nur die vereinigte MachL der Lucaner, Bruttier und Samniten in Unteritalien gegen Rom, sondern baten auch den König Pyrrhus von Epirus um Hülfe. (Erb. R. 47Z. vor Chr. Geb. 28r. ) Den großen Entwürfen dieses Königs schmeichelte die Einladung der Tarentiner, mit Freuden nahm er sie wider den Rath seines klugen und rapfern Befehlshabers Cin eas an, und bereitete alles, was ein so wichtiger Krieg forderte. Pyrrhus war für die Römer ein noch unversuchter' Feind, und der gute Ruf, in dem seine KriegserfahrenheiL und die gute Mannszucht seiner tapferen Krieger stand, bewog sie, nicht geringe Zurüstungen zu machen. Unterdessen waren die Vorkruppcn des Pyrrhus in Italien angekommen, und er selbst kam bald darauf mit einer beträchtlichen Armee nach, und gab sich alle Mühe die weichlichen Tarentiner von ihren Vergnügungen abzuzichen, und an das Geklirre der Waffen zu gewöhnen. Pyrrhus kannte das Verdienst der Römer im Kriege, und wvllke anfänglich durch gelinde Mittel die streitenden Partheyen vereinigen; aber der Consul P. Valerius Lävinus (Erb. R. 474. vor Chr. Geb. 2Zs.) ließ ihm sagen, daß er ihn weder als eine Mittelsperson verlange, noch als einen Feind furchte. Der Fluß Lins (6ÄriAliuno) trennte nur noch beyde Heere, und alles Widerstandes ungeachtet setzten doch die Römer über, und lieferten dem König ein Treffen, bey welchem sie fs hihig fochten, daß ihm ein Pferd unterm Leibe erstochen ward, und er zu Bergung feiner Person eine gemeine Rüstung anlegke. Der Sieg war zwar auf feiner Seite, aber es war auch derselbe nur seinen Elephanten zuzuschreiben. Noch nie hatten die Römer solche Ungeheuer gesehen : ihr Anblick ^schreckte, und ihr Anrücken machte die Pferde schüchtern. PyerhuS bewunderte die Tapferkeit der HO (*43) HS Römer, und aus Hochachtung gegen dieselben ließ er ihre Tobten begraben, mrd begegnete den Gefangenen mit besonderer Güte und Leutseligkeit. Der Verlust m diesem Treffen nöthigte ihn die Lueaner, Bruttier und Samniten an sich z» ziehen, und durch Vordringen Rom selbst in Schrecken zu setzen. Er stand jetzt bey Praneste, und wollte nochmals friedliche Unterhandlungen mit den Römern versuchen. Cineas kannte die Welt und glaubte, Geschenke würden kräftig wirken; aber der damalige Römer, an Gnügsamkeit gewöhnt, verwarf diese, und konnte weder durch die hinreißende Beredsamkeit dieses schlauen Griechen berücket werden. Der Senat ließ dem Könige melden: es wäre an keine'Friedensunterhandlungen zu denken, so lang er noch seine Armee in Italien hatte. Diese Antwort erhielt noch mehr Gewicht, als Cineas den römischen Senat, dem Könige, als eine Versammlung eben so vieler Könige vorstellte, und das Volk in Rom mit einer Hydra verglich; Pyrrhus wünschte jetzt mehr als jemals die Freundschaft der Römer. Eine Gesandtschaft wegen Auslösung der Gefangenen gab ihm die hvhe Seele des damaligen Römers noch mehr zu erkennen. C. Fabricius L u sei n u s, ein Mann, der bey aller feiner Armulh schon längst Beyspiele seiner rechtschaffenen Gesinnungen und der frohesten Genügsamkeit gegeben hatte, erhielt diesen Auftrag. Der König versuchte beyde gewöhnlichen Wege, die Tugend dieses Mannes wankend zu machen« Gold und reichliche Versprechen sind blendende Reize, und ein noch nie gesehener Elephant, der mit seinem Rüffel den Untergang droht, schlägt den standhaftesten Mann mit Schrecken. Fabricius verwarf das Erste, und lächelte zum Zweyten: „Weder dein gestriges Gold, sagte er, noch dein heutiges Thier wird meine Gesinnungen ändern. ^ Pyrrhus staunte, und gab unentgeltich alle Gefangenen los. Der Krieg ging dennoch fort. Bey Askulum in Apulien stand schon wieder ein frisches Heer der Römer, und so unbequem auch immer die Gegend war, ward doch ein Treffen gewagce. Pyrrhus siegte abermal; verlor aber auch den Kern seines Heeres : ,, Noch ein solcher Sieg, sagte er, und ich bin verloren!" (Erb. R.47z. vor Chr. Geb. 278 ) Für den folgenden Feldzug erhielt Ftibricius das Consulat, und gab dem König einen neuen Beweis von der Rechtschaffenheit seiner Denkungsartund entdeckte ihm den verrätherischen Antrag seines Leibarztes von Vergiftung seiner Person. Pyrrhus voll Verwunderung, entließ abermal alle Gefangene ohne Lösegeld, und sah es immer bester ein, daß er bey allem seinem Waffenglücke dennoch in einem Übeln Handel verwickelt sey, aus dem er sich gerne mit Ehre losgewundcn hatte. Mit Freuden nahm er deswegen die Einladung nach Sicilien an, und eilte, dieser Insel wider die Karthager beyzustehen. Unterdessen züchtigten die Römer die verbündeten Larentincr, Samniten, Brutkier und Lucaner, und trieben sie so in die Enge, daß sie den Pyrrhus dringend nach Italien zurnckriesen. Manius Curius Dentatus war jetzt Consnl (Erb. R,. 479. vor Chr. Geb. 275.) und hatte sich bey Beneventum sehr vortheilhaft gelagert. Der König wagte einen Überfall, und ward ft hitzig empfangen, daß ihm auch dießma! seine Elephanten nichts halfen, sondern, durch unter sie geworfenes Feuer, wider sein eigenes Heer getrieben wurden. Das ganze Lager sie! in die Hände der Römer, und dessen Regelmäßigkeit belehrte sie künftighin eben dergleichen aufzuschlagen. Der Sieger cchielt einen Prächtigen Triumph zum Lohne, und die Folge dieses Sieges war, daß Pyrrhus N n 2 HO (»44) KB Italien verließ, und daß das verbundene feindliche Heer, welches noch die Karthager zu Hülfe germ. fen hatte, sich nach einer nochmaligen Niederlage an die Römer ergab. So endigte sich ein Krieg (Erb. R. 482. vor Chr. Geb. 272.) der volle zwey und siebzig Jahre gedauert hatte. Die noch übri. gen kleineren Staaten m Italien waren zu schwach der römischen Macht zu widerstehen. Einige Gefechte entkräfteten sie ganz , und machten die Römer zu Herren von ganz Italien (Erb. R. 489. vor Chr. Geb. 262.) welches beplausig die Hälfte von dem heutigen ist. Erster p rr n L s ch e r Krieg. Eifersucht glühte schon lange zwischen den beyden Staaten Rom und Karthago, und Sepde- lauschten nur auf Gelegenheit ihre Kräfte an einander zu versuchen. Diese both sich jetzt den Römern dar, da die Mamertiner in Sicilien sie um Hülfe baten. Der Senat übertrug diese Angelegenheit seinem Consul App ius Claudius (Erb. R. 490. vor Chr. Geb. 262.) und dieser schickte seinen Tribun Claudius voran, welcher sich der Stadt Messana bemächtigte. Den Karthagern war. zu viel daran gelegen , daß die Römer keinen festen Fuß in Sicilien faßten; sie verbanden sich also mit dem König Hiero von Syrakus, und belagerten Messana. Der Consul zerstreute ihr Heer, und dieß waren die ersten Gefechte, welche die Römer ausserhalb Italiens unternahmen. Seine Nachfolger M. Valerius Marimus und M. Otaeilius Crassus griffe» den König selbst in seiner Hauptstadt an, und zwangen ihn zu einem Bündnisse mit Rom, aus welchem sie in diesem und in ihren nachfolgenden Kriegen die größten Vortheile zogen. Von nun an setzten sie sich in den Besitz des ganzen karthagischen Antheils auf dieser Insel, und nur AgrigenL war noch übrig, welches den- Waffen der Römer trotzte. Es ward belagert, nnd vbschon Hanno, der Feld- Herr der Karthager es zu entsetzen suchte, so ward er doch geschlagen, und die Stadt gerieth in die Hände der Römer. So tapfer die Römer auf dem Lande fochten , so unkundig waren sie des Seewesens. Ihre ersten Schisse glichen Booten und Flößen, und erst von einem gestrandeten Schisse kernten sie besser, bauen. Der tapfere Consul C. D u i l in s (Erb. R. 494. vor Chr. Geb. 26a.) erfand noch dazu eine Art Zugbrucken, die an das feindliche Schiss geworfen, dasselbe durch Widerhaken z»m Stehen brachten, und dem römischen Soldaten Gelegenheit machten, dicht an den Feind zu kommen. Don diesem anklammernden Dienste hieß man diese Maschinen Corvi (Raben) und die nachfolgenden Siege haben ihren Nutzen kräftig bewiesen. Den ersten erfocht der Consul damit bcy Mpla (Uillaro in Sicilien) und erwarb sich dadurch eine ganz eigene marmorne Säule (Lolnmu» loürntn ) und besondere Ehrenbezeugungen. Es war der erste Sieg zur See, und hatte dis gute Folge, daß bald darnach die beyden Inseln Corsica und Sardinien erobert wurden. i v HS ( -4L ) F Wichtiger Sieg der Römer zur See bey Eknomos. Kupf. Xro. XXXVL. - 4 >urch diese glücklichen Unternehmungen aufgemunterk faßten die Römer den Entschluß, Karthago selbst in Afrika anzugreifcn. Eine Flotte von hundert dreyßig Segeln unter dem Befehle des Confuls M. Atilius Regulus, welcher das Jahr zuvor glücklich gefochten, und die Inseln Lipara und M'lita eingenommen hatte, erhielt den Auftrag. ( Erb. R. 498. vor Chr. Geb. 2^6.) Die Sache der Karthager forderte es, dieß Unternehmen nach Möglichkeit zu hindern, und eine Flotte von drephundert fünfzig Segeln, die bei) fünzkg tausend Mann am Bord hatte, solltt der römischen zur See begegnen. Bey Eknomos stießen beyde zusammen, und es erfolgte jenes wichtige Treffen, welches den Römern die Oberherrschaft über die See zusicherte, und die Landung auf Afrika erleichterte. Clupea war der erste wichtige Platz, dessen sie sich nach einer kurzen Belagerung bemach, tigten, und zur Bedeckung ihrer Schiffe mit einer starken Besatzung versahen. Das übrige Land ward verheeret Und geplündert, und die Beute war so unermeßlich, dergleichen sie noch in keinem Lande gemacht hatten. Die Karthager erschrocken; faßten aber neuen Muth, als der andere Conful L. Manlius Vulso mit einem beträchtlichen Theile des Heeres nach Italien abgerufet ward. Ein mächtiges Heer.suchte unter der Anführung Hamilkars die Römer bey Adda zu überfallen; aber diese kamen ihm zuvor, und richteten es beynahe gänzlich zu Grunde. Auf diesen Schlag folgte die Em. nähme von Mica und Tunis, und selbst die Numidier erklärten sich für die Römer. Regulus thak nun selbst aus Ehrsucht, diesen Krieg geendet zu haben, Friedensvorschlage; aber sie waren zu de- müthigend, und wurden verworfen. Dafür erhielten die Karthager Mkethtruppen aus Griechenland, die den Laccdämonier Santi ppus unter sich hatten, welcher die bisher begangenen Fehler im karthagischen Heere einfah und zu verbessern versprach. Man vertraute ihm den Oberbefehl, und seine Knegserfahrenhcit gab bald die thätigsten Beweise. Er führte sein Heer den Römern entgegen, und Regulus, der aus Hochmuth und zu großer Sicherheit über sein gehabtes Glück jetzt manchen Fehler beging, ward aufs Haupt geschlagen und selbst gefangen nach Karthago geführt. Die meisten Eroberungen gingen wieder verloren, und Italien selbst ward mit einem Einbrüche bedroht. In Rom war der Schrecken nicht geringe; es traf aber dennoch alle Anstalt seiner zerrütte, ten Sache wieder aufzuhclfen. Eine Flotte von dreyhunderk fünfzig Segeln ward von den Confuln M. Ämilius Paullus und Sero. Sulpicius Pätinus Nobilior (Erb. R. 499. vor Chr. Geb. 2L§.) nach Afrika geführt. Auf dem Wege stieß sie Hey dem Vorgebirge Hermäa auf die feindliche, und das Treffen war für Rom abermall so glücklich, daß hundert vierzehn Schiffe mit der darauf befindlichen Mannschaft den Siegern in die Hände sielen. Die Römer nahmen hier, auf ihre Besatzung in Clupea an Bord, und segelten nr-t den von Regulus zusammengehäuf- Kn Schätzen nach Italien; aber ein schrecklicher Sturm versenkte zweihundert vier und achtzig O v t »46 ) --,-z« Schiffe von ihrer Flotte mit allen darauf befindlichen Schätzen. Dieß Unglück und ein bald darauf erfolgter anderer Sturm mit der Furcht vor de» Etephanten schwächte -en Muth der Rö-> mer, daß sie nur vertheidigungsweise den Krieg führten, und obfchon sie unter der Zeit P anor- rrruS, den wichtigsten Ort der Karthager auf Sicilien, erobert hatten, so hatten sie dafür Agrigent verloren, und ließen ab um die Oberherrschaft zur See länger zu streiten. Dieß währte so lange, bis L. Cäeilius Metellus, als Proconsul, zu Panormus gelassen ward. (Erb.R. L04. vor Chr, Heb. LAO.) Dieftr geschickte Feldherr lockte Asdrubaln, den karthagischen, über den Fluß Orethus, und brachte ihm eine solche Niederlage bey, daß die Karthager ihre Besitzungen in Sicilien bis auf Lilibaum und Drepanum verloren, und ernstlich auf Frieden dachten. M. Atilius Regulus wird von den Karthagern zur grausamsten Todesstrafe verdammt. Kupf. No. XXXVII. E^as wichtige Geschäft des Friedens glücklicher zu Stande zu bringen, entließen die Karthager ihren vornehmen Gefangenen, den ehemaligen Conful Regulus auS seinem Kerker, beehrten ihn mit diesem Aufträge^ und verbanden ihn unter dem kräftigsten Eide zur Rückkehre, wenn sein Auftrag ihm mißlingen sollte. Regulus reiste nach Rom, und hatte zu viel Seelengröße, als daß er aus dieser Gesandtschaft Vortheile für sich gezogen halte. Er stellte die Sache der Karthager dem Se- nale von der Seite vor, daß nur Rothwendigkeit und Erschöpfung sie zum Frieden zwinge; und gäbe man ihnen jetzt ihre Gefangenen los, so liefere man ihnen eben so viele Krieger, die sie wider Rom brauchen könnten. Der Senat bewunderte den großen Mann, der mehr sein Vaterland als sein eigen Heil liebte, und bemühte sich ihm die Rückkehre nacss Karthago auszureden; sogar Gattin und Kinder wurden dazu gebraucht. Regulus liebte feige Familie; aber er ehrte auch Redlichkeit im Wandel, und hatte sich vom Tage der Gefangenschaft an für keinen römischen Bürger mehr gehalten: ,,Jch kann nicht, sagte er, in einer Stadt bleiben, wo ich durch meinen, -en Karthagern geleisteten Dienst die Würde eines ehrlichen Mannes verloren habe." Und unaufhaltbar trennte er sich von den Seinigen, und ging den grausamsten Martern entgegen. Karthago brannte vor Zorn bey seiner leeren Zurückkunft, und barbarische Rache hatte für getäuschte Erwartung Oualen bereit, bey deren langsamen Morden daS Menfchengefühl zurückbebt. Der Unglückliche ward vor seine Peiniger geführt, seiner Augenlieder beraubt, und in diesem elenden Stande dem brennenden Sonnensirale ausgesetzet. Ein enger Kasten mit einwärts getriebenen Spi? Hcn von Nägeln und Stacheln war das Behältniß, worin man ihn die letzte Marter erwarten ließ. Endlich brachte man ein Kreuz und war zufrieden, daß der redliche Römer elend sterben konnte. So starb ein Mann, der seiner Treue wegen auch bey den Feinden Verwunderung und Hochachtung ver- ÄieM hätte, wenn sonst Sklaven des niedrigsten Geizes solcher Empfindungen fähig wären. Mas ">> K» r >47 ) A-» zweifelt, wegen Uneinigkeit der Schriftsteller, an der Wahrheit dieser Geschichte; aber Karthag» hatte ja die barbarische Sitte feine eigenen Heerführer Hey oft schuldlosem Unglücke im Treffen ans Kreuz zu schlagen? Der Krieg hatte also wieder seinen Fortgang. Lilybäum ward durch acht Jahre belagert, «nd währender Zeit litt der ConsulP. Clav-ius Pülcher eine große Niederlage, und sein Amts- gehülfe L. Junius PulluS scheiterte mit dem andern Theile der Flotte. Die erschöpfte Staatskasse war unvermögend eine andere zu errichten, und die Bürger schoßen selbst dazu zusammen. Diese Flotte hatte den Vortheil, daß sie nach einigen rhodischen Geschwkndseglern erbauet war. Der Konsul L. Luctatius Eatulus (Erb. R. 412. vor Chr. Geb. 242.) stach damit in die See, ging -er karthagischen entgegen, und es erfolgte bey den äg ad i schen In se ln das letzte Treffen dieses Krieges, welches die Karthager zum Frieden nöthigte. Der vortreffliche Hamilkar BarkaS, der Vater Hannibals, konnte sich in Sicilien nicht länger halten, und Karthago war nicht mehr vermögend ihn zu unterstützen; er erhielt daher den Auftrag mit dem Consul Frieden zu machen, wodurch die Römer Herren von Sicilien und aller zwischen Sicilien und Italien gelegenen Insel« wurden. Karthago hatte aus Nothwendigkeit Frieden geschlossen, und die Römer ermangelten nicht jede Gelegenheit zu benützen, diesen Staat immer mehr zu demüthigen. Itzt baten die sardknischen Miethtruppcn die Römer um Beystand« (Erb. R. Li6. vor Chr. Geb. »Z8 ) Diese verweilten nicht und nahmen dafür die Insel selbst und bald darauf auch Corsica in Besitz. Wollte das ohnmächtige Karthago nicht neuerdings in einen Krieg verwickelt werden, mußte es damit zufrieden seyn. Bald darauferhielt Rom einen neuen Zuwachs durch die aufeinander folgenden Kriege mit den Illyriern (Erb. R.L2L. vor Chr. Geb.229.) und cisalpinischen Galliern. (Erb. R. A 2 8, vor-Chr. Geb.L26.) Tcuta, die Königin der Ersten, mußte den Römern ihre meisten Drter einräumen, und die See- räuberey einstellen. Den zweyten ward Jnsubrien und Ligurien abgenommen, und so war denn ganz Italien von den Alpen bis an das jonische Meer ein errungenes Eigenthum der Römer. Zw e y t e r p u n i s ch e r Krieg. Aur den vn?en Verlust gegen Rom suchte Karthago sich in Spanien schadlos zu Halten, oder vielmehr nach Hamilkars Absicht, neue Kräfte zu sammeln, sich an den Römern ernstlich zu rachen. Die Eroberungen reichten schon bis an den Ebro hin, und die römische Eifersucht drang auf eine« vergleich, diesen Strom zur Granze zu machen, und Sagunt in ungekrankter Freyheit zu lassen. So blieb es, bis Hannibal, der schon als ein neunjähriger Knab ewigen Haß gegen Rom feinem Vater Hatte schwören müssen, die Führung des Heeres übernahm. Dieser große Feldherr, der eben so schlau als tapfer war, fand durch Unterstützung der Turdetaner einen Vorwand diesen Vergleich zu überschreiten, und Saguntum zu erobern. Das Band des Friedens war also zerrissen, Dos «K ( *48 ) und der römische Senat schickte Abgeordnete nach Karthago, Rechenschaft zu fordern. Die Karrhager suchten Ausflüchte, und Fabius faltete den Saum seines Rockes: „Hier bringen wir euch, sagte er, Krieg oder Frieden; nehmet was ihr wollet!"— Die Karthager schrien trotzig entgegen: „Gieb, was du willst!" — Krieg also, crwiederte der Römer, und Karthago und Rom hatten den blutigsten Krieg, der beyde wechselseitig dem Untergänge nahe brachte. (Erb. R. FZ6. vor Chr. Geb. 218.) Beyde rüsteten sich zu dem schweren Kriege, und Rom hatte den Plan den Feind in Afrika sowohl als in Spanien zugleich anzugreifen ; aber Hannibals großer Geist dachte sich in Italien- Herz, und noch ehe die Römer sichere Nqchricht von seinem Aufbruche hatten, überstieg er die Pyrenäen, und focht um den Durchzug mit gallischen Völkern. An der Rhone stand jetzt der Consul Publins Scipio, und es begegneten sich einige Schaaren Reiter von beyden Partheyen. Ein kurzes Gefecht gab beyden Nachricht von ihrer Anwesenheit; aber für Hannibals Plan war jetzt ein Treffen noch zur Unzeit; er eilte daher vor dem römischen Heere vorbcy, und der Consul ließ den Cnejus, seinen Bruder, für Spanien zurück, und zog eilends wieder nach Italien, das Eindringen dem Feinde zu verhindern. Hannibal kämpfte unterdessen mit der Natur und den wilden Bergbewohnern. Die Jahrszeit hatte die Alpen mit Eis und Schnee bedeckt, und wo man immer einen Tritt hinwagte, gerieth man in Gefahr in einen Abgrund zu stürzen, oder in die ungeheurer Massen von Schnee begraben zu werden. Diesen gefährlichen Weg erschwerten noch mehr die wilden Völker dieser Berge. Sie walzten Felsen und Bäume ins Thal, und schlugen ganze Glieder im Zuge darnieder. Menschen zu Tausenden und ein großer Theil der mitgenommenen Thiere vergingen vor Hunger und Kälte, bis man Jnsubriens Ebenen erreichte, und den Todtengerippen ähnlichen Körpern Erholung und Ruhe erlauben konnte. Eine so plötzliche Erscheinung des Feindes setzte Rom in Schrecken. Sein Consul Pub l. Scipio stand jetzt, verstärkt mit dem Heere der Praloren, am Flusse Ticinus, und wollte den vom Marsche abgematteten Feind angrcifen; aber Hannibal siegte, und der Consul ward selbst verwundet. Eine Menge gallischer Völker trat auf die Seite des Feindes, und der Consul fand es nöthig sein Lager von Placentia an den Trebi« hin zu verlegen. Diese Niederlage nöthigte den andern Consul T. ScmproniusLongus zu seinem Amtsgehülsen zu stoßen, und die Ungeduld dieses Mannes fand es viel zu lang in dieser Lage einen Angriff abzuwarten. Er benützte das erste Herauslocken des Feindes, setzte bey der ungünstigsten Witterung über den Fluß, und lieferte mit seinen von Kalte und Nässe geschwächten Kriegern ein so unglückliches Treffen, daß nur Kehn Taulend nach Placentia sich noch retten konnten. Dieser Sieg bestimmte Hannibaln näher gen Rom zu rücken, und den künftigen Feldzug in Hctrurien zu öffnen. Kaum hatte er Nachricht, der Consul C. Flaminius stünde bey Arre- lium, so verließ er das Winterquartier und wählte den kürzesten Weg dahin. Aber die Beschwerden des Marsches waren unaussprechlich r Menschen und Vieh mu ten drey Tage und Nachte die Moräste, welche der Arno verursacht, schlaflos und hungrig durchwaten, die Thiere verloren die Huse oder blieben im Schlamme stecken, und Hannibal selbst verlor ein Auge. Desto unerwarteter kam er den Römern, zog vor ihrem Lager vorher) und verheerte das L.u.d. Dicß beleidigte den Stolz des -KS < -4!> ) -KS Consuls; seine Hitze wollte ein Treffen, und feine Unbesonnenheit ließ sich am See Th r asim en ns hin in eine Gegend locken, wo Hannibal häufigen Hinterhalt der vielen Hügel wegen bergen konnte. Von allen Seiten her geschah der Angriff unter Bsgünsiigung eines Nebels, und der unglückliche Consul fiel selbst unter den vielen Tausenden seiner Krieger. Diese Schläge belehrten endlich die Römer, daß unbesonnene Hitze ihrer Sache schade; sie wählten daher den klugen Fabius zum Diktator, und sein nach Gründen abgemessenes Betragen überzeugte Hannibaln selbst, daß sein jetziger Gegner die Mittel, ihn zu besiegen, verstehe. Fabius wählte kein Tressen; nur kleine Gefechte und geschickte Bewegungen mußten den Feind in Unruhe erhalten, pnd zu jedem entscheidenden Unternehmen unfähig «fachen. Dicß war cs, was Hannibal fürchtete, und was ihn nach allen fruchtlos angewandten Künsten zur Rückkehre nach Apulien bestimmte; aber auch dieß wäre ihm nicht gelungen, hätten die Wachen der Römer, die ihk jetzt in einem Thale eingesperret hielten, sich nicht durch ein Blendwerk mit Ochsen, die mit Feuer «n Hörnern zur Nachtszeit seinem Heere vvrangetrieben wurden, abschrecken lassen. Doch nicht so klug schien Fabius in den Augen der Römer. Seine gut überdachten Handlungen hießen Feigheit, wegen welcher man ihm den Spotlnahmen: der Zauderer (6unctLtor) gab, und seine von Hannibaln schlau verschonten Güter mußten von einem geheimen Einverständnisse mit dem Feinde zeugen. Niemand als sein eigener Feldherr der Reiterey M. Minucius gab sich mehr Mühe, den Dictator gchäßig zu machen, und einige unbeträchtliche Vortheilc über die Feinde waren den Römern genug, diesen Mann mit dem Fabius in gleiche Gewalt zu setzen. Die Heere wurden getheilt, und Minu- rius trennte sich vom Lager des Fabius auf die Ebene herab. Bald fiel er in einen Hinterhalt, und würde mit seinem Heere gewiß umgekommen fcyn, hätte ihn nicht die Großmuth des Fabius gerettet: „Kommet, sagte dieser zu seinen Soldaten, lasset uns dem Feinde den Sieg und unfern Mitbürgern das Geständniß ihres Fehlers abdrrngen!" So brach endlich, wie Hannibal sagte, die Wolke vom Berge herab, und löste sich in Platzregen und Sturm. Minucius erkannte seinen Fehler, überbrachte dem Dictator seinen Theil -es Heeres, und Umarmung und Freude war im ganzen Lager. Sy kam, wie Livius sagt, der zur rechten Zeit verachtete Ruhm mit Wucher zurück. Hannibals Sieg nach der Schlacht bey Canna. Kupf. No. XXXVIII. «^as kluge Zaudern -eS bedachtsamen Fabius hatte Hannibaln in einen solchen Stand gestürzt, daß er wohl kaum noch zehn Tage in Italien sich hätte halten können. Seine Vorräthe waren aus- gkjehrt, die ganze Gegend verheeret, und seine Truppen singen an mißvergnügt zu werden. Wäre Rom auf diesem Wege fortgegang-en, so hätte es sich leicht von eines Feindes Macht entledigen können , der es noch dreyzehn Jahre durch in Schrecken erhielt. Aber es faßte die Wahrheit noch nicht, und ein noch größerer Schlag sollte eS erschüttern, bis eS Hannibaln auch Hamiibale entgegenfirlltk. P p HO c ^ ) HF Die Rüstungen Roms für den künftigen Feldzug waren groß ; aber in der Wahl seiner Consuln handelte eS unvorsichtig, und wählte nebst dem geschickten und erfahrenen Patricier L. Ami l ius P au l Ius für diesen gefährlichen Zeitpunkt einen Mann aus den Plebejern, mit Nahmen L. Terentius Varro, der kein anderes Verdienst befaß, als den Reichthum seines Vaters, und keine andere Eigenschaft, als Stolz und Unbesonnenheit. (Erb. R. §Z8-vor Chr. Geb. 216.) Deswegen konnte Fa. bius den Conful Ämilius nicht genug warnen, sich eben so sehr vor dem wilden Feuer seines Col. legen zu hüten, als vor Hannibals Verschlagenheit. Hannibal kannte sehr bald die Gemürhsart der neuen Consuln, und das Mißverständniß zwischen bcyden bey wechselseitiger Führung des Oberbefehls machte ihm Hoffnung /einer Sache wieder aufzuhelfen. Er brach von Gerunium in Apulien auf, wo er bis daher sein Lager hatte, und bezog die weilen Ebenen bey Canna, welche der Anfidus (Okanw) bewässert. Die geringen Vortheile, die Hannibal dem stolzen Varro halte gewinnen lassen, und wodurch er, wie LiviuS sich ansdrückt, die Verwegenheit desselben gleichsam anköderte, hatten seine Unbesonnenheit zu einer Schlacht erhitzt. Er benützte dir Tage seiner Amtsführung, ging mit den Legionen dem Feinde nach, und lieferte, wider alle gesunde Vorstellung seines College», ein Treffen. Seme Soldaten fochten mit wilder Hitze; aber die vortheilhafte Stellung des Feindes zum Schutze gegen die Staubgewölke, die ein Südostwind erhob, die leichten Schwenkungen der numidischen Reiter und die vielen gebrauch, tcn Kunstgriffe währendes Kampfes versicherten Hannibal» des Sieges, und innerhalb drey Stunden lagen, nach der mäßigsten Rechnung, fünf und vierzig tausend Römer mit dem braven Conful Ämi- lius zu Boden gestreckt. Eine Niederlage, bey welcher der Sieger selbst seinen Kriegern zurief, der Besiegten einmal zu schonen, und nach welcher er grade vor Rom, wie Viele meinen, hatte ziehen sollen; aber „ein Anders ist, sagt Montesquieu, die Bestürzung eines kriegerischen Volkes, die sich fast allemal in Wnkh verkehrt, und die Bestürzung eines mukhlofen Pöbels , der seine Schwäche fühlt." So vielen Schrecken auch immer dieser Unfall über Rom verbreitete, so schlug doch Fabius solche Anstalten vor, die es in seiner Sicherheit erhielten, und bald, nach einer kurzen Erholung, gab es Beweise, daß cs nur Burger, aber nicht seinen Muth verloren habe. Es verwarf Hannibals Fricdensvorschläge und sogar die Loskausung der Gefangenen, und warb frische Truppen sowohl aus Römern als Sklaven, welche Letzten von daher, weil sie Dienst nehmen wollten, V 0 l 0 nen hießen. Selbst der Urheber dieses Unglücks, welcher mit siebzig Reitern nach Venusia entkommen war, wur. de bey seiner Ankunft in Rom mit Ehrerbietigkeit empfangen, und der ganze Senat dankte ihm noch, daß er die Hoffnung für die Erhaltung des Staats nicht gänzlich aufgegebeu habe. Rom war jetzt fast ganz allein seiner eigenen inneren Kraft überlassen, und die meisten Bundsgenossen, ausser den Lateinern, hatten sich nach diesem Unsalle zur Seite des Siegers geschlagen. Cap u a lud Hannibaln selbst ein, und seine Versprechungen reizten die wollusitrunkene Stadt, daß sie wähnte an die Stelle Roms cmporzusteigen. Im Schooße des Vergnügens brachten hier die Sieger die Winterquartiere zu, und genoßen ein Wohlleben, von dem sie bisher noch keine Kenntniß hatten; aber je ungewohnter dieß ihnen war, je gieriger griffen sie darnach, und entnervten durch um s»sätt.!icheir Genuß die Starke ihrer Körper. Mochte Hannibals Umsturz seines Glückes hierin nicht » AS ( IL! ) AS hie Quelle haben: so floß doch immer häufige überläuferey unter seinen Soldaten daraus, und machte jede« abgehärteten Krieger zu finnlichen Eindrücken weicher, und zu Vergehungen wider die gute Kriegszucht nachgiebiger. Überhaupt war diese Niederlage das Lofungszeichen für die Nationen, die der Wankelmu-th des Glücks in ihrer Politik noch gespannt erhielt , und sowohl König Philipp von Makedonien erklärte sich durch Gesandte für den Sieger, als auch König Hieronymus von Syrakus nahm die Abgeordneten Hannibals mit Freude auf, und brach ein fünfzigjähriges Vündniß mit den Römern. Aber diese hatten nicht immer Consuln, welche mit unbesonnener Hitze ganze Heere zur Schlachtbank führten ; Behutsamkeit und Vorsicht leiteten jetzt ihre Schritte. Sie siegten über Han« rribaln, wenn auch nicht gleich so groß und glänzend; doch immer glücklich und sicher. Ihre Macht war klug vertheilt, und die vielen einzelnen Heere zerstreuten die Aufmerksamkeit des Feindes, .und hinderten ihn, etwas Entscheidendes zu wagen. In Unteritalien hatte Hannibal manche Stadt erobert, und auch Versuche gemacht, einen nothwendigen Landungsplatz am Meere zu gewinnen; aber die Römer entrissen ihm wieder nach und nach manche Eroberung im Süden und Marcell, damals noch Prätor, jagte ihn einige Male von Nola weg. Auch der Consul Sempronius Gracchus züchtigte mit seinen Volonen den Über- rnuth der Campaner, und gegen den Feldherrn Hans ließ er sie bald darauf bey Bencvent sich ihre Frcylassung durch einen herrlichen Sieg verdienen. Die Insel Sardinien brachte Manlkus wieder an Rom, und M« Val. LävinuS ließ den König Philipp kaum noch soviel Zeit fast waffenlos nach Makedonien zurückzukehren. (Erb. R. §40. vor Chr. Geb. 214.) Dafür verloren die Römer Tarent durch Verrätherey der Einwohner, und nur die Festung blieb noch in ihren Händen. Eine wichtige Eroberung für Rom war die Einnahme von SyrakuS und des ganzen körn'g- Zichcn Antheils dieser Insel. (Erb« R. L42. vor Chr. Geb. si3.) Die Ermordung des Königs Hieronymus hatte das ganze Reich verwirret, und die Abgeordneten Hannibals trugen ans allen Kräf. ten das Ihrige bey, die Verwirrung zum Vortheile der Karthager zu vermehren. In diesem Stande fand M. Claud. Marcellus die Infel, und feine Geschicklichkeit glaubte anfänglich einen Vergleich zu bewirken; aber es schlug fehl, und SyrakuS wurde belagert« Zwey Jahre vertheidigtc rS der vortreffliche Mathematiker Archimedes durch seine eben so künstlichen als fürchterlichen Maschinen, bis cs durch einen nächtlichen überfall an die Römer überging. Dieser große Mann fand seinen Tod bey der Plünderung der Stadt, noch da er sich mit mathematischen Figuren beschäftigte, und erhielt ein Denkmal, welches Cicero aus seiner Vergessenheit hervorzog. Marcell schickte eine Menge Kostbarkeiten und Kunstwerke nach Rom, und es war dieß das erste Mal, daß man in Rom die Geschicklichkeit der Griechen bewunderte. Diese Eroberung war für Rom wichtig.: es erhielt von daher sein Korn, und konnte seine Schiffe ungehindert nach Afrika auslaufen lassen. Indessen hatten die Consuln beschlossen Capua zu belagern, und Hannibal gab sich alle Mühe dasselbe zu hindern; es fiel wirklich ein Treffen vor, von dem sich kein Lheil den Sieg zuschreiben konnte. Glücklicher war er gegen den ungeschickten C ent eni u s Pönu l a, und bey Her- donia gegen den Prätor Cn. F ul v ius, deren Heere fast gänzlich vernichtet wurden. Dieß hinderte die Consuln nicht, die Belagerung mit Ernste zu betreiben. Hannibal wagte wieder ein Treffen, welches die Belagerten unterstützten; und als dieses auch unglücklich ausstel, ging er sogar vor P p - HS ( 'L- ) -KS Rom, und mußte auch dieß unverrichteter Dinge verlassen. Capua blieb nun seinem Schicksale auS- geseht, und Verzweiflung nöthigte es, sich an die Römer zu übergeben. Diese Eroberung hatte die wichtige Folge, daß die meisten abgefallcnen Städte in Unteritalien sich wieder den Römern unter- warfen. (Erb. R. 543-vor Chr. Geb. 3 t i.) So stand es mit den Kriegsangelegenheiten in Italien, als der junge Pub l ius Cornelius Scipio in einem Alter von vier und zwanzig Jahren sich selbst zu Aller Verwunderung nach Spanien, den gefährlichsten Posten, antrug. Gleichzeitige KriegSvorfalte in Spanien. ^ N ejus Cornelius Scipio war der Mann, welcher sowohl durch die Macht seiner Waffen, als durch die Leutseligkeit seines Betragens sich eine Menge spanischer Städte unterwarf. Gegen ein solches Glück waren die vom Hannibal zurückgelassenen Feldherren Hanno und Asdrubal, sein Bruder, nicht gleichgültig. Der erste suchte ihn daran zu hindern, und bey Scissis verlor er nicht nur sein Lager mit dem ganzen Gepacke, welches Hannibal an den Pyrenäen zurückgelassen hatte, sondern ward auch selbst gefangen. Der andere kam mit seiner Hülse zu spät; überfiel aber dafür das nachlaßige Schiffsvolk der Römer bey Tarracon, und trieb sie mir Verlust in ihre Schiffe. Nicht so glücklich konnte er seine eigene Flotte an der Mündung des Ebro retten, daß nicht die Römer fünf und zwanzig Schiffe davon in seinem Angesich'te erobert hätten. Abgeordnete von verschiedenen Städten kamen jetzt zu den Siegern, und mehr als hundert zwanzig unterwarfen sich ihrer Herrschaft. In diesem Zustande traf Pu b l. Scipio Spanien an, als er nach vollendetem Amtsjahre mit neuen Verstärkungen zurückkam. Die deydcn Brüder griffen jetzt den Krieg mit allem Ernste an, und Asdrubal hielt sich so lang in einer weiten Entfernung, als er noch zu schwach war; aber mit -er Ankunft frischer Truppen erhielt er zugleich Befehl zu seinem Bruder in Italien zu stoffen. Die Scipkonen durften dieß nicht zulasten, und ein Treffen schwächte ihn s», daß er für jetzt den Zug nach Italien aufgeben mußte. Diese und die bey Jliturgis den verbundenen feindlichen Heeren bep- gebrachte Niederlage bewirkte unt-er den karthagischen Bundesgenossen in Spanien einen so großen Abfall, daß nur noch wenige ihren alten Herrn treu blieben. (Erb. R.L29. vor Chr. Geb. 21L.) Dieß fortgesetzte Waffenglück munterte die Scipione» auf, -en Krieg selbst nach Afrika zu fpielen. In dieser Absicht errichteten sie ein Bündniß mit Syphax, König von Massafylien im westlichen Theile Numidicns, und brachten seinen Truppen den Dienst zu Fusse bey. Dagegen aber st.lltrn die Karthager das Bündniß mit Gala, König von Massylicn im östlichen Theile Numidiens, und dessen Sohn Massinifsa vereitelte auf einmal den Plan der Römer, als er ihren Bundsgenossen zu wiederholten Malen aus dem Felde schlug, und m sein Land zurückzwang. Dafür nahmen diese die Celtibmer in Sold, und cs war dieß das erste Mal, daß sie sich fremder Micthtruppen im Kriege bedienten. Sie hatten deren bis dreyßig Tausend, und waren gesonnen mit deren Hülse den Krieg in Spanien zu enden. Zum Unglücke theilken die Römer ihr Heer: Cnejus führte die Söldner und einen Theil Römer wider den Mago und Astambal, Hannibals Bruder, und Publius die übrigen alten Truppen wider Asdrubaln den Sohn des Gisgo. Cnejus ward von den Celtibe- riern verlassen, und konnte sich kaum mit vieler Mühe zmückziehen; Publius hingegen gerieth durch seine Unvorsichtigkeit zwischen die Feinde, und verlor das Treffen und sein Leben. Cnejus suchte sich irr- ' dessen immer mehr vom Feinde zu entfernen; aber auch er ward erreicht und blieb im Treffen. Das Leidwesen der Römer war groß, und alle ihre Eroberungen waren auf einmal vernichtet gewesen, hatte nicht der Ritter L. Marei u s, ein Zögling des Cnejus, die Überbleibsel gesammelt, und den sicheren Feinden sie wieder durch nächtliche Überfalle entrissen. (Erb. R. Z42. vor Chr. Geb. 212.) Indessen war Spanien immer ein gefährlicher Posten; besonders da bald darauf Asdrubal, Hanni- bals Bruder, den C. C laud. Nero, welcher ihn emgesperret hielt, durch eitle Versprechungen so schlau überlistet hatte; es war also kein Wunder, daß niemand in Rom Lust zur Annahme desselben zeigte, und daß man es für eine glückliche Vorbedeutung hielt, als der sunge Pub l. Cornel. Scipio sich sreywittig dazu anboth. Seine Reise war glücklich, und der Ruf seiner Ankunft breitete sich bald unter Freunden und Feinden in Spanien aus. Das gute Borurtheil für seine Familie und seine vortrefflichen Eigenschaften erwarben ihm ein allgemeines Zutrauen, und schlugen die Karlhager mit einer unwillkürlichen Furcht, die sie schon im voraus ihr Unglück ahnen ließ. Ihr noch übriges Glück mit einem Schlage zu zerstören, war die Hauptsache seines Planes, und zu diesem traf er jetzt Anstalten, daß es ihm nicht fehlen konnte. Neukarthago (CurtkuAeim) war das wichtigste Ort der Karthager, wo Waffen und Vorrakhe, und Geißeln und Schätze beysammenlagen: fiel dieß, so fielen zugleich mit selbem alle noch übrigen Besitzungen, und Karthago konnte m Spanien sich nicht länger halten. Eine feurige Rede entflammte seine Krieger zum beschwerlichen Kampfe; er zog Hey den drey Heeren der Feinde vorbei), und ließ Karthagena zu Wasser und Land bestürmen. Die Arbeit war hark, und der tapfere Widerstand zwang ihn abzulassen. Glücklicher Weise bahnte ihm die Ebbe des Meeres den Weg; er ließ nochmal stürmen, und dran- unterdessen auf seichten Plätzen des anspülenden Meeres in die Stadt. Mago ergab sich mit der Besatzung, und die Beute war unermaßlich. (Erb. R. L44. vor Chr. Geb» 210.) Des jungen Publ. Scipio vortreffliches Beyspiel der Enthaltsamkeit. Kupf. Neo. XXXIX. «^er sanfte Charakter des Zungen Siegers und seine edle Seele hatten jetzt ein Feld, in vollem Glanze sich zu zeigen. Neukarthago schloß die spanischen Geißeln in Menge ein, und Scipio ließ sich alle vvrführen: ,,Sepd gutes Muthes, sprach er, ihr seyd in die Hände der Römer O q gefallen, die nicht durch Furcht, sondern durch Wohlthun die Herzen sich verbinden." Alls wurden für ftcy erklärt und den Abgeordneten der Städte mitgegeben, oder fo lange noch gütlich verpfleget, bis si-e zu den Ihrigen abgeholet wurden. Wie glitschte Manchem eine frohe Thräne über die Wangen herab, und wie strömte dem edlen Manne warmer Dank von Aller Lippen zu! Doch hob diese Wohlthat noch nicht alle Bcsorgniß, die ein zartes Mutterhcrz für die Sache weiblicher Ehre bey den blühenden Reizen der Jugend haben kann. Viele junge Mädchen von Adel waren unter den Geißeln, und unter diesen auch die Töchter Jndibilis des Königs der Jllerge« ten. Für diese alle warf sich die Gemahlin des Mardonius, feines Bruders, dem Sieger zu Füssen, und bat mit Thräncn, für diese ganz besonders zu sorgen. Scipio schien den Sinn ihrer Bitte nicht zu fassen, indem er versprach, es solle keiner etwas fehlen. „Dieß, erwicderte die Makrone, achten wir wohl wenig; denn was sollte uns in unserer gegenwärtigen Lage nicht hinlänglich seyn? Eine andere Sorge ist es, wenn ich das zugendliche Alter dieser Tochter betrachte.,, Voll Verwunderung und tiefer Achtung gegen weibliche Lugend sprach der Edle: „Meine und des römischen Volkes Ehre fordert es, daß man auch unter uns das unverletzt erhalt, was man überall ehret; jetzt da euch auch im Unglücke noch eure Tugend ans die Erhaltung eurer Sittsamkeit denken läßt, werde ich es desto ernstlicher thun. „ Sogleich erhielt ein Mann von unbescholtenen Sitten die Aufsicht und den Auftrag für alle eben so sorgfältig zu wachen, als wenn es Gattinnen der Freunde wären. So rühmlich handelt ein blühender Mann in der freudigen Berauschung des Sieges! und dennoch war dieß noch nicht die größte That, bey der sein eigen Herz den Sieg über sich selbst erhielt. Der Kampf begann, als seine Soldaten eine junge Gefangene von blendender Schönheit und jugendlichem Reize vor ihn führten. Aller Augen riß ihre Gestalt an sich, jedem schlug das Herz, und selbst in Scipions Brust war Liebe entstanden. Sie war von hoher Geburt unter ihrem„ Volke und an Allucius, einen celtiberischen Prinzen verlobet. Scipio wußte über sich Meister zu seyn; er ließ den Bräutigam und ihre Eltern rufen, und wandte sich zum jungen Manne gleiches Alters: „Ich selbst bin ein junger Mann, sprach er, und darf ohne Scheu mit dir von dieser Sache reden. Meine Soldaten haben diese Gefangene zu mir gebracht, und ich höre, dass sie deine Brant ist, welche dir sehr am Herzen liegt. Ihre Gestalt macht es glanbbar, weil ich selbst Liebe zu ihr fühle, und sie mir zur Braut wünschte, wenn ich im Privatstande wäre, und die Sorge für meinen Staat mich nicht beschäftigte« Ich vermag es über mich, ihre Liebe dir zu gönnen. Sie war bey mir so ehr, bar aufgehoben, als wenn sie im Hause ihrer Eltern und Anverwandten gewesen wäre. Ein so unversehrtes Geschenk ist meiner und deiner werth. Dieß Einzige erbiete ich mir zum Lohne: Sey ein Freund des römisch en Vo lkes. Hältst du mich für eben so rechtschaffen, als meinen Vater und Oheim diese Völker gekannt haben: so wisse, daß unsers Gleichen noch mehrere im Rom sind, und daß heut zu Tage kein Volk ist, dessen Freundschaft du und die Deinigen mehr suchen, und dessen Feindschaft ihr mehr fürchten sollet.,, Tief drang diese Rede in das Herz des jungen Ccltiberiers. Verwunderung über die Großmuth eines so jungen Siegers, und Freude über das so theure Geschenk lockten ihm wonnevolle Thränen hervor. Noch hielt er Scipions Hand, und rüste zu den Göttern, daß nur sie für eine so ungemeine Wohlthat zu danken im Stande waren. Mi! diesem rührenden Danke verbanden die Eltern und Anverwandten des Frauenzimmers den Helgen. Sie hatten es nie für möglich gehalten, daß in einer so jungen und mit Siege beglückten Brust ein Herz so voll hohen Geistesadels schlagen könne, und baten auf das dringendste das für die Loskaufung mitgebrachte Gold wenigstens als ein Merkmaal ihres Dankes anzunehm-en. Giner solchen Zudringlichkeit wollte Scipio nicht widerstehen. Er ließ es zu seinen Füssen legen, rüste den Allucius: „Nimm hin, sprach er, dieß Gold! und sieh es als eine Zulage an, die ich dir zu deinem Brantschatze mache., Bräutigam und Braut und Eltern und alle, die noch gegenwärtig waten, staunten neuerdings über die Herzensgröße. Frohlockend kehrten sie in ihre Heyrnath zurück, und rühmten überall den Mann, der wie ein Gott zu ihnen gekommen sey, alles durch Waffen, durch Güte und Wohlthun zu überwinden. So besiegte Scipio sein Herz in einem Alter, wo die Leidenschaft gewöhnlich am meisieBstürmt, und im Zeitpunkte des Siegs, wo man sonst sich alles für erlaubt hielt! So sehr diese schönen Handlungen den Ruhm des jungen Siegers ausbreiteten: eben so^ sehr bemühten sich die Karthager den Verlust von Neukarthago bey ihren Bundesgenossen zu verkleinern. Asdrubal brannte vor Begierde sich mit dem jungen Sieger zu messen, und bey Bäcula war es, wo er ihm den Kober ließ. (Erb. R. L4L. vor Chr. Geb. 209.) Scipio gab die gefangenen Landeskinder ohne Löfcgeld frey, und erwarb sich dadurch abermal solche Bewunderung, daß ihn alle für ihren König ansruftcn; aber seine große Seele war mit dem zufrieden, daß ein königliches Herz in seinem Busen sich bewege. Noch ward der Krieg einige Jahre fortgesetzt, und die Karthager strengten ihre letzten Kräfte an, in Spanien sich zu erhalten; aber wiederholte unglückliche Treffen überzeugten sie von der Unmöglichkeit, und die Einnahme Aon G a des machte den Schluß von Besiegung des ganzen Spaniens. (Erb. R. L4Q vor Chr. Geb. 206.) Scipio kehrte nach Rom zurück, und jedermann freute sich den Helden zu sehen, welcher den Karthagern Spanien entrissen hatte, und bald Karthago selbst in feinem Inneren erschüttern würde. , » »» »-- ...» .. . l , .. > » I I >> Beendigung des zweyten Krieges mit Karthago. ^)annibals Angelegenheiten waren mit dem Sturze von Capua tief gesunken, und daß sie noch mehr sanken, trug Marcell durch seine Siege immer mehr bey. Tarent siel auch wieder in die Hände der Römer , und Hannibal gestand jetzt selbst ein, daß auch sie ihrrn Hannibal hatten. Es glückte ihm den tapferen Marcell, seinen größten Gegner, den man ehrenvoll das Schwert Roms hieß, in einem Hinterhalte zu tödtcn; aber dafür mißrieth ihm jeder listige Versuch, den er mit des Ge- tödteten Siegelring zu Berückung der Städte anstellte. Durchliefe unglücklichen Unternehmungen waren seine Truppen sehr geschmolzen, und Unterstützung von seinem Staate war ihm äußerst nöthig. Asdrnbal, sein Bruder, kam nun einmal mit einem beträchtlichen Heere, und hätte er seinen kurzen und glücklichen Marsch über die Alpen zur schnellen Vereinigung mit . seinem Bruder zu benützen Qq 2 ( r§6 ) gewußt, so Härte Rom abcrmal dem Verderben nahe gebracht werden köttnerr; aber die unnütze Belagerung von Placentia ließ dem Consul M. Livius Salinator Zeit, seinen weitern Marsch zu hindern. Sein College C. Claudius Nero beschäftigte indessen Hannibaln, und versetzte ihm eine beträchtliche Niederlage; zog auch in der möglichsten Stille zu seinem Amtsgehülfen, und Vernichtete am Metaurus in Umbrien Asdrubals Heer fast gänzlich. (Erb. R. L 47 . vor Chr. Geb. 207.) Hannibal erhielt Nachricht davon durch den Kopf seines Bruders, und zog in das äußerste Ende Brutticns. Hier blieb der unglückliche Held ruhig, und auch seine Ruhe erhielt die Römer in Furcht. Aber nun war es endlich an dem, daß man den Plan des Scipio, den Krieg mit Afrika zu enden, mit Ernst befolgen wollte. Bisher hatte nur die römische Adtte das Küstenland zuweilen verheeret und geplündert; aber nun segelte Scipio selbst dahin, und seine Ankunft setzte ganz Kar- thügo in Schrecken. (Erb. R« FL8. vor Chr. Geb. 204.) Es war am mindesten zu einem Widerstande gefaßt, und schickte eilends zu den Königen Philipp und Spphap um Hülse. Scipio, mit dem sich Masinissa verbunden hatte, verheerte indessen das Land bis an die Lhore der Hauptstadt hm, und gewann durch den Winter Zeit die Lager des Syphap und Asdrubals näher zu kennen, und nach gelegener Zeit durch einen nächtlichen Überfall abzubrenncn. So groß auch dieser Verlust war, so erschienen doch beyde wieder im Felde; aber ein unglückliches Treffen schlug sie auch beyde in die Flucht. Masinissa und Lälius setzten dem Spphax nach, nahmen ihn gefangen, und der Erste kam wieder zum Besitze seines Landes. Scipio unterwarf sich indessen eine Stadt um die andere, und machte schon de« Plan von Tunis aus die Hauptstadt selbst zu erobern. Diese Unfälle nöthigten die Karrhager um Frieden zu bitten; aber in geheim ließen sie Hannibaln nach Afrika rufen. Hannibal verließ das Land, wo er fünfzehn Jahre mit wechselseitigem Glücke gekämpfet hat, 6 ?) -; S König »°» Armenien, des ganzen Landes sich zu bemächtigen. (Erb. R. «Zo. vor Chr. Geb. 74,) Der Lonsul L. Liciriius Lucullus, in dem Feldherrngröße mit dem Geschmacke an Wissenschaften vereiniget war, schlug den König zweymal in die Flucht, und traf nach diesen Siegen die menschenfreundlichsten Einrichtungen wider den Wucher, der die asiatischen Provinzen seit dem Sylla auf die unmenschlichste Art zerrüttete. Mithridates suchte bey feinem Schwiegersöhne Tigranes Zuflucht, und Lucullus brach auf, die beyden Könige in Armenien selbst anzugreifen. Sein fast zwanzigmal kleineres Heer warf beyde, und gewiß hätte er den Krieg nach Parthien gespielt, wäre unter seinen Truppen nicht eine Meuterey ausgebrochen, die seinen Fortgang hemmte, und den beyden Königen Zeit ließ, ihre Reiche wiederum einznnehmen. Dieser Umstand begünstigte die ehrgeizigen Absichten des Pompejus, und durch das vom Tribun Manilius vorgeschlagene Gesetz, für welches Cicero feine erste Rede hielt, ward er abermal zum Oberfeldherrn ernannt. (Erb. R. 688- vor Chr. Geb. 66.) Sein Feldzug war glücklich: Mkthrk- dates war schon vom Lucullus äußerst geschwächt, und Tigranes hatte mit dem Aufruhr« seiner eigenen Söhne zu thun. Der erste litt abermal durch einen zuvorkommenden Überfall eine gräuliche Niederlage, und flüchtete nach dem scythischen Bosphorus. Hier brachte er zwar wiederum eine Armee zusammen, und war entschlossen in Italien selbst einzufallen; aber eine Empörung, die Phar- naces, sein eigener Sohn, anführte, zerstörte seinen Plan und die Furcht, den Römern überliefert zu werden, brachte ihn zu dem Entschlüße, Gift zu nehmen; aber als dieß nicht wirkte, ließ er sich von seinem Sklaven ermorden. (Erb. R. 690« vor Chr. Geb. 64.) Tigranes unterwarf sich noch vorher, und Pompejus vergab nun Königreiche, schlug Pontus zu Bithyuien unter dem Nahmen einer römischen Provinz, und eilte nach Rom zu einem Triumphe. Noch vor seiner Zurückkunft war Rom seinem Untergange nahe. L. S e r g. C a t k lina, ein kühner, listiger und.äußerst lasterhafter Patricier, ging mit nichts geringem um, als die Mord- scenen des Scylla zu erneuern und den Staat zn stürzen. Leute seines Gleichen schlugen stch zu ihm, und sein Plan war zur Ausführung reift Glücklicher Weise ward er verrathen. Cicero verdoppelte seine Wachsamkeit, und traf alle Anstalten den Ausbruch desselben zu verhüten. Durch seine feurige Rede jagte er den Bösewicht aus der Stadt, und seine vornehmsten Theilnehmer empfingen die verdiente Strafe. Ein Heer stand schon für ihn gerüstet; man zog ihm entgegen, schlug die Auftührer, und Catilina siel im Gefechte. Cicero erwarb sich durch diesen ausgezeichneten Dienst den Nahmen: Vater des Vaterlands. (Erb. R. 6y r. vor Chr. Geb. 6^.) Cn. Pompejus ahmet in seiner Lriumphfeyer dem Ämilius Paullus nach. Kupf. No. XI,. pompejus kam mit Ruhm und Sieg beladen nach Rom zurück, und ein feyerlicher Triumph ward ihm zum Lohne seines Verdienstes von allen Ständen zuerkannt. Es war dieß bereits der dritte, welchen das Glück seinen Liebling genießen ließ, und zugleich der feyerlichste, welcher die Eitelkeit T t 2 d ( >6z ) HS des Siegers in vollem Prunke zeigte. Africa, wo er die königliche Parkhey des Marius unterdrücken half, gab ihm wider die gewöhnliche Ordnung den ersten; der Fechterkricg den zweyten, und jetzt Asten den dritten. Diesen desto glänzender zu machen, wählte er die Pracht jenes Triumphes, den ehemals Ämilius Paullus gehalten hatte, und es vergingen mehrere Monathe, bis ake Zubereitungen herbeygeschafft, und aller Prunk, der dazu bestimmt war, bestellet ward. Rom sah wirklich eil; noch nie gesehenes Schauspiel, welches dem Ruhme vollkommen entsprach, und staunte über die Menge und Kostbarkeit der mitgcbrachtcn Schätze, zu deren Schau mehr als ein Tag erforderlich war. Der Geburtstag des Siegers, der neun und zwanzigste September (Erb. R. 692. vor Chr. Geb. 62.) nahte heran, und dieser und der vorhergehende Tag wurden dazu gewidmet. Man hatte schon manchen Prachtzug der Triumphatoren gesehen; aber bey diesem stand Rom, wie von magischer Kraft getroffen, und bewunderte eben so sehr den Reichthum der Schätze als die bezaubernde Ordnung , in der sie zur Schau vorgeführet wurden. Unter andern zeigte sich das Brustbild des Triumphators mit Perlen und Edelsteinen reichlich besetzt. Der feurige Stral, der aus diesem und dem übrigen Edclgesteine blitzte, drang durch die Augen ins Herz, und lehrte den Römer den noch unbekannten Merth derselben zur reichlichen Quelle des Luxus. An alle die Kostbarkeiten schloßen sich die Wägen an, welche alle Gattungen von eroberte Waffen, Fahnen, Kriegsmaschinen führten; auf diese folgte der Zug von einer Ungeheuern Menge Gefangener, in den Kleidungen ihrer Nation und noch ftey von Sklavcnketten; unmittelbar vor dem Wagen des Siegers gingen die überwundenen Könige mit ihren Prinzen und Großen, und die erhaltenen Geißeln an der Zahl dreyhundert vier und zwanzig. Endlich zwischen sircrlendem Glanze vom Golde, Perlen und Juwelen am Wagen erschien der Triumphator PompejuS in der Kleidung und Rüstung, die Alexander der Große einst getragen hatte. Freudiger Zuruf von allen Seiten bestatt-gle ihm den rühmlichen Titel: der Große; und er war fürwahr der Einzige, welcher durch fortgesetztes Glück den ersten Rang im Staate behielt, und seine Triumphe aus den damals bekannten Lhcilen der Welt hergeholet hatte. Das Triumvirat des Psmpejus, Crassus und Casars. Erschütterungen, welche der römische Staat von Zeit zu Zeit von feinen eigenen Bürgern er-> litt, ließ an einem gänzlichen Umsturz der bisher gewöhnlichen Regimentsverfaffung nicht zweifeln, die Frage war nur: wie? und durch wen? Unter dem Marius und Splla ward es jedem unternehmenden Kopfe leicht den Zweck seiner ehrgeizigen Absichten zu erreichen; alle hatten das traurige Muster dieser beyden Vorgänger vor sich, und der Punct, worinn sie sich unterschieden, war nur die Auswahl der Mittel. Unter der Regierung des Letzten hatte Pompejus seine Laufbahne angetrcten, und fuhr noch fort durch seine glücklichen Thaten den Ruhm seiner Mitbürger zu verdunkeln. Von der Volksgunst unterstützt genoß er die ausserordentlichstcn Vorzüge, und durch sein Ansehen mit Zutrauen beehrt blieb er im Besitze einer Gewalt, die von keiner Einschränkung wußte; aber eben diese Gewöhnung an Macht und Glanz brachte in ihm die unglückliche Stimmung hervor, Keinen feines Gleichen an Macht und Würde zu dulden. d ( Sein nächster Nachfolger an Thatcn und Ruhm war C. Julius Casar. Der Hang dieses jungen Mannes zur Pracht, zum Putze und Vergnügen, kündigte einen Menschen an, bey dem man weder viel fürchten noch hofssn dürfe; aber Sylla sah dennoch mehr als einen Marius in ihm, und die künftigen Unternehmungen dieses Mannes zeugen, daß ihm jugendlicher Leichtsinn nur zur Decke diente, unter welcher er im Stillen für seine Entwürfe sich vorbereiten wollte. Seine Worte: Lieber der Erste in einem kleinen Orte als der Zweyte in Rom zu ftpn, verrathen eben den granzenlosen Ehrgeiz, als: Keinen feines Gleichen zu dulden. Spanien war das Land, woraus er die Erstlinge seines Ruhmes brachte, und jetzt wider alle Ordnung einen Triumph und das Consulat zugleich verlangte. Die Gewandtheit dieses Mannes wußte es wohl, daß er eine Unmöglichkeit begehre; aber auch daß man seiner Herrschsucht würde ein Opfer bringen müssen. Gewöhnt seine Maßregeln nach den Umstanden zu'andern, machte er Verzicht auf den Triumph, und bewarb sich allein um das Consulat. Hiezu konnten Pompcjus und Crassus am meisten wirken; aber beyde waren sich feind. Cäsar fand Mittel beyde auSzusöhnen, und jeden für seinen Vortheil zu gewinnen. Eine Vereinigung dieser drey Männer kam Zu Stande, und durch den kräftigsten Eid verbanden ste sich, ihren Vortheil nach Kraft und Erforderuiß zu unterstützen, und so war jene dem Staate so gefährliche Verbindung errichtet, welche man das Triumvirat geheißen hat. (Erb. R. 694. vor Chr. Geb.ßO.) Von nun an war es nicht mehr möglich einen Vortrag im Senate durchzusetzen, wenn die Trium- viri nicht wollten, und was ste wollten, konnte niemand.hindern; Pompejus verstand die Kunst sich zu verstellen, Casar mit Gewalt durchzudringen, und Crassus mit seinem Gelde alles zu gewinn neu. Casar ward nach seinem Wunsche Consul, erhielt aber zu seinem Amtsgehülfen den M. Cal- purnius Bibulus, einen Mann von der Gegenparthey. Cäsar, der neue Consul, suchte nun nichts mehr als die Gunst des Volkes, und hatte diese Pompejus durch Abschaffung der syllanischen Gesetze erhalten: so schlug jetzt Casar zu Unterstützung der Armen, die mehrere Kinder hatten, eine Verkeilung noch unbebauter Felder vor. Der Vorschlag fand vielen Widerstand und trennte die Consuln gänzlich. Casar herrschte allein, und ein witziger Kopf nannte dieß das Consulat des Cajus Cäsar und des Julius Casar. Bey diesem Umstande ward dennoch manches Gute verordnet, aber auch nichts vergessen, welches die Parthey der Triumviren verstärken und befestigen konnte. Für die Absichten Casars war der Oberbefehl über eine Armee ein uothwendiges Bcdürfniß; aber Roms Politik litt zur Frieden-zeit keine Truppen in Italien, und diejenigen die im diesseitigen Gallien oder dem Landstriche zwischen dem kleinen Fluße Rubicon und den Alpen, wider unvorgeschene Falle zur Bedeckung des Landes standen, hielt da- alldort (auf dem Wege von Rimini nach Cesena) eingehauene Senatusconsultum, welches denjenigen für einen Feind des Staats erklärte, der bewaffnet ohne Ruf den Fluß überschreitet, von weiterem Vorrücken ab. Dennoch lagen ste die nächsten vor den Thoren Roms, deren Dienst in Casars Plan gehörte. Der Tribun Vatinius ward gewonnen, und Casar erhielt, was er wünschte. Der Senat, so sehr er auch anfänglich entgegen war, bewilligte die gesuchte fünfjährige Verwaltung des diesseitigen Galliens, setzte das jenseitige noch dazu, und zu den drey verlangten Legionen noch eine vierte, und so schuss sich Rom selbst, wie Cato sagte, einen Oberherrn. Bey aller der Machtvolle hatte Casar immer noch einen Mann zu fürchten, den er sich noch U r» HE ( *70 ) vor feiner Abreise in die Provinz unschädlich machen mußte. Er kannte die hinreißende Beredsamkeit des Cicero, und wußte zu gut, wie vielen Nachtheil eine einzige Rede dieses allgemein verehrten Mannes seiner Sache bringen könnte:. Ein anderer kühner Mann mußte entgegengesetzt werden, und diesen fand er ohne Mühe in der Person des P. Clo d ius, eines allgemein übel berüchtigten Menschen. Dieser war schon von jeher ein geschworner Feind des Cicero, und freute sich bey seiner Erhebung zum Tribunale über ein so weites Feld, seinen Haß mit aller Macht auf ihn wirken zu lassen. Er ging langsam und sicher zu Werke, und suchte zuvor sich alle Stande verbindlich zu machen, und alle die ihm entgegen seyn konnten , auf eine ehrenvolle Art zu entfernen. Cicero selbst ward getauscht, daß er die Gefahr nicht ehe merkte, als bis es zu spat war. Nach solchen Vorbereitungen konnte das vorgeschlagene Gesetz: „ Kein römischer Bürger solle vor gerichtlicher Verantwortung hingerichtet werden," leicht durchgehen und Cicero's Untergang war unvermeidlich; es verwarf geradezu fein ganzes Betragen gegen den Catilina und seine Anhänger, so klug und nothwendig es auch für die damaligen Umstande war, und machte den Vater des Vaterlands selbst zum Verbrecher. Tausende baten für den Beklagten; aber Clodius lachte des Unglücklichen, und war über seinen Sieg zu froh, als daß er sein Werk nicht hatte vollenden sollen. Cicero war kaum seiner Verurtheilung durch freywillige Entfernung von Rom zuvorgekommen, so ging schon das Gesetz durch, er fty des Landes verwiesen und aller seiner Güter beraubt. (Erb. R. 6^6. vor Chr. Geb. LZ.) Die Verweisung dauerte sechzehn Monathe, bis es dem Tribun Milo möglich war, die Zurückberufung des Unglücklichen wider die Gewaltthatigkeiten des Clodius zu bewirken, und Cicero wußte es gut, daß auch dazu Pom- pejus, der ihm doch so viel schuldig war, am wenigsten beygetragen hatte. Cäsar in Gallien- ^)ie ersten Unternehmungen Casars in Gallien warm wider die Helvetier gerichtet. Diese Nation, welche die Gegenden um Zürch und Genf bewohnte, brannte ihre alten Wohnsitze ab, und machte sich auf, neue zu suchen. Cäsar war nicht gesonnen ihrer Menge von dreymalhunderttausenden einen Durchzug durch seine Provinz zu erlauben; es kam zu manchen Gefechten, in denen der größte Thcil Llieb, und die unglücklichen Überbleibsel sich auf Gnade ergeben mußten. Sie wurden zurück in ihre abgebrannten Wohnsitze geschickt, und mußten sich hier neuerdings ansiedeln. Eben so glücklich focht Casar wider den Ariovistus, einen König Gcrmaniens, welchen einige gallische Nationen zum Schutze wider die Römer herbeygeruset hatten. Er verlor den größten Theil seines Heeres, und ward schimpflich über den Rhein zurückgejagk. Diese Siege machten Cäsarn den gallischen Nationen furchtbar, daß sich eine mit der andern verband, und eine nach der andern überwunden ward. Die vorzüglichen darunter waren die Belgier und Nervier, und jedes Mal machte er so viele zu Sklaven, daß er aus deren Verkauf, nicht nur die Millionen seiner Schulden bezahlte, sondern auch prächtige Merke anlegen, rrnd die meisten Vornehmen in Rom zu Begünstigung seiner Absichten bestechen konnte. Zu Lucca, wo sich dermalen Cäsar im Minterguartiere befand, erneuerten die Triumviri ihre Perbindung, und versprachen abermal sich gegenseitige Unterstützung. Pompejus und Crassus nahmen d ( l/I ) das ConsulaL für das künftige Jahr (Erb. N. 699. vor Chr. Geb. §§.) mit den Provinzen Spanien und Syrien, und Casarn ward die Bestätigung in seiner Provinz noch auf fünf Jahre zugestchert. Rom sah es nun deutlich, daß drey mächtige Männer über dasselbe herrschten, und seiner Ruhe und Freyheit gefährlich wurden; aber es hatte sie selbst zu mächtig werden lassen, und war ausser Stande wider ihre Gewaltthätigkeiten kräftige Gegenaustalten zu treffen. Cäsar fuhr m seinen Eroberungen fort, und trug den Schrecken seiner Waffen sogar bi- nach Britannien hin; doch war ihm hier das Glück minder günstig. Die Einwohner dieser Insel ergaben sich nur zum Scheine, und selbst Rom sah sie für noch nicht besieget an. In Gallien gab es neue Auftritte. Die schlechte Ernte war Ursache, daß Cäsar seine Truppen weit auseinander legen mußte; die Gallier überfielen sie einzeln, und viele Römer verloren ihr Leben. Cäsar bestrafte die Aufrührer sehr strenge, und vertilgte die Nation der Eburoneu fast gänzlich. Dieß schreckte die übrigen doch nicht ab von Zeit zu Zeit Versuche zu wagen. Ein allgemeiner Aufstand erhob sich jetzt unter der Anführung des Aoernerfürsten Vercingetori^; Cäsar eilte ihm entgegen, und wußte ihn so geschickt einzuschließen, daß er sich ergeben mußte. Dieß war der siebente und beschwerlichste Feldzug. Der folgende erstickte das noch glimmende Feuer in den einzelnen Provinzen, und endigte Len gallischen Krieg, wodurch Cäsar Ruhm und Schätze, und Rom Reichthum und einen Zuwachs seines Gebietes erhielt. Krieg zwischen Casarn und Pompejus. Basars großer Gerst hatte während aller der Kriege über die Unruhen Roms gewachet, und mit Ver, gnügen gesehen, wie alles zu einem Ausbruche reis ward. Sein gallisches Gold wirkte trefflich, und die Herzen der Römer ließen sich eben so mächtig bezwingen als sein römischer Stahl die Gallier unterjochet hatte. Seine Creaturen erfüllten Rom, und es gab kein Amt, zu dem er nicht für diese die Stimmen erkaufet, oder welches man nicht mit Gewaltthatigkeit zu erringen gesucht hätte. Milo erschlug den Clodius, und dieser Mord war abermal die Losung zu blutigen Gefechten in der Stadt. Jedermann sah zum Pompejus um Hülfe, und glaubte in seiner Person das tüchtigste Mittel zur Abstellung des Unheiles zu finden. Ohne Collega ward er dießmal zum Consul ernannt (Erb. R. 702. vor Chr. Geb. L2.) und es glückte ihm die Ruhe, so weit es für die damaligen Umstände möglich war, wieder herzustellen. Aber dafür brannte schon hoch in seiner eigenen Brust die Flamme der Eifersucht, die Cäsars täglich wachsender Ruhm entzündet hatte. Crassus, der sonst zwischen beyden das Gleichgewicht hielt, war nicht mehr; sein parthischer Krieg hatte ihm Leben und Sohn und Heer geraubt, undungehindert machten die beyden noch übrigen Triumviri nun aus einander Versuche, sich allein geltend zu machen« Cäsar hatte seine Agenten in Rom, welche sein Geld nach seiner Absicht vcrtheilten, und bewarb sich um nichts mehr, als nur so lange noch seine Truppen zu behalten, bis er das Consulat oder die Bestätigung in seiner Provinz erlangte; Pompejus hingegen verkleinerte Cäsars guten Ruf, und suchte die Gunst aller Stände zu gewinnen. Nichts äußerte seine Eifersucht mehr als die beyden Gesetze, von Untersuchung der Staatsbeamten seit den letzten zwanzig Jahren und von der Untüchtigkeit sb- U u 2 ( 1/2 ) ^ RS wesender Personen zu den Magistraturen. Offenbar waren sie wider Cäsar» gerichtet, und obschon sie nicht alsobald befolget wurden, so ging man doch schon damit um, dem Casar einen Nachfolger zu ernennen. Die Sache Casars stand also nicht zum besten; denn die meisten Staatsbeamten dieses Jahres (Erb. R.704. vor Chr. Geb.Lo.) waren seine Feinde, und sowohl die Consuln L. Ämilius Paullus und C. Claudius Marcellus, als auch der beredte und unternehmende Tribun C. Scribonius Curi'o waren warme Anhänger des Pompejus. Aber Casar kannte zu gut die Gesinnungen seiner Römer, und hatte schon zu oft erfahren, wie viel sich durch Geschenke gewinnen lasse. Paullus und Curio, auf solche Art gewonnen, traten auf Casars Seite, und als der Consul Marcell die große Frage von der Zurückberufung Casars aufwarf, lobte Curw seine Weisheit, und forderte zugleich, daß auch mit dem Cäsar Pompejus zurückberufen würde. Man erkannte leicht die Absicht, und widersetzte sich heftig ; die Sache blieb aber dennoch unentschieden, weil beyde Triumviri sich anboten, ihre Macht niederzulegen, sobald einer den Anfang machen würde; doch wollte keiner der Erste seyn, bis endlich im folgenden Consu- late, ungeachtet des Widerspruchs von Seiten der Tribunen die Verordnung erging: Cäsar solle sein Amt n'rederlegen, wenn er für keinen Feind des Staates wolle gehalten werden. Dieß brachte seinen Entschluß zur Reise; er bat sein Kriegsheer, dessen Liebe er ganz hatte, um Hülfe wider das Unrecht, und that den bedenklichen Schritt über den Rubicon hin. „Das Loos ist geworfen, sprach er , es sey !" (Erb. R. 70L. vor Chr. Geb. 49 ) Wie vor Hannibaln nach der Schlacht bey Cannä, so erschrack Rom bey dieser traurigen Zeitung und Casars Geschwindigkeit — ein eigener Zug in seinem Feldherrncharakter — kam seinen Feinden viel zu bald, daß sie für jetzt nichts anders thaten, als X was man bey verzweifelten Umstanden zu thun pflegt: Pompejus floh mit den Consuln, dem Senate und vielen Vornehmen aus Rom, und fand kaum noch so viel Zeit sich bey Brundufium nach Griechenland einzuschiffen. Es stand kaum zwey Mvnathe an, so war Cäsar Herr von Rom und ganz Italien. Mange! an Schiffen hinderte ihn seinem Gegner nachzusetzen; er ging daher nach Spanien, und unterdrückte hierorts die Gegenparthey. Pompejus hatte unterdessen eine furchtbare Armee in Asien zusammcngebrachk, und drohte in Italien einzufalleu. Cäsars Lage war dazumal nicht die beste; eine Menge Unglücksfalle traf ihn in feinem Feldherren, und die Truppen selbst, die er bey sich hatte, wurden von Krankheiten sehr verringert; er schiffte sich dennoch nach Makedonien ein, und landete bey Pharsalus, wo er die übrigen Legionen erwarten wollte. Pompejus rückte ihm bis Dyrrhachium entgegen, und war auf seinen Vor- theil, wie es Cäsar selbsten gestand, zu wenig aufmerksam. Nach manchen kleinen Gefechten kam cs endlich auf den Ebenen von Pharsalus zu jener entscheidenden Schlacht, welche Cäsarn zum Herrn des ganzen römischen Staates machte. Pompejus floh nach Ägypten in Hoffnung bey dem jungen K. Ptolomäus dankbare Ausnahme zu finden; aber Unglück laß! wenig Freunde. Mit verstellter Freundschaft reichte man ihm die Hand zur Hülfe, und bald darnach seinen Kopf dem Sieger. Casar weinte, und empfing mit Abscheu dieses traurige Geschenk, und ließ es zu Alexandrien feycrlich begraben. Ein längerer Aufenthalt Casars zu Alexandrien, welchen fein alexandrinischer Krieg und die Reize -er Königinn Cleopatra veranlaßken, hätte bald seine gewonne/.e Sache fast gänzlich rückgängig d c? 72 ) «KS gemacht. Die Anhänger des Pompejus bedienten sich dieser Zeit, in Afrika sich wieder zu sammeln, und Cato, Scipio und die beyden Söhne des Pompejus hatten schon so viel Truppen beykammen, daß sie Cäsar» sich entgegenstellen konnten. Den Krieg in die Länge zu ziehen, war des Cato kluger Plan; aber Scipio, von einigen Vortheilcn erhitzt, wagte alles und verlor alles. Mutlosigkeit breitete sich jetzt überall aus, und Cato, wolcher sich nicht länger für den Staat erhalten wollte, rieth seinen Freunden die Flucht oder die Ergebung an den Sieger. Die Nacht darauf unterhielt er sich mit einigen Freunden über die Unsterblichkeit der Seele, schlief ruhig und erstach sich beym Erwachen. „O Cato, rief Casar bey der Nachricht seines Todes, ich beneide dir deinen Tod, weil du mir nicht den Ruhm gegvnnet hast, dich beym Leben zu erhalten!" Ware Cato weniger Enthusiast gewesen, so halte seine Seelengröße und Vaterlandsliebe vielleicht mehr Gutes hervorgebracht, oder wenigstens mehr Übel verhütet. Numidien und Mauretanien wurden römische Provinzen, und Casar kehrte als Sieger und Atteinhcrr nach Rom zurück. Cäsar Alleinhcrr des römischen Staates. A^as Volk und die übrigen Stände wetteiferten ihren Sieger bey seiner Ankunft mit Lob- und Ehrenbezeugungen zu überhäufen. Man begleitete ihn ins Capilolium, ernannte ihn zum Dictator auf zehn Jahre, machte ihn zum Oberausscher über die Sitten, (?rsekecM5 inorurn) erklärte seine Person für geheiliget und unverletzbar, und die Schmeichelet) ganz vollkommen zu machen, ward seine Statue mit der Inschrift: „ Casarn dem Halbgotte," Jupitern zur Seite gesetzt. Ein viermaliger Triumph über Gallien, Ägypten, denn K. Pharuaces und Numidien war der Lohn seiner Siege, wodurch mehr als sechzig tausend Talente in die Staatscassa niedergelegt, und jedem Soldaten und Bürger außerordentliche Geschenke gemacht wurden. Das Volk ward öffentlich gespeisek, und mit den herrlichsten Fechterspielen und Land - und Seegefechten unterhalten. Dafür betrug sich Casar als Alleinherr, und regierte das Reich in Anderer Nahmen. Er erhob zu Ämtern, die er wollte, und machte Verordnungen, wie er sie nützlich fand. Er gab das Richteramt den Senatoren und Rittern; rüste viele Geächtete zurück, beförderte die Population durch ausgefttzle Belohnungen für die Vater mehrerer Kinder; schrankte den Luz-us ein, und lud Gelehrte allenthalben nach Rom. Unter diesen bediente er sich des ägyptischen Astronoms Sosigenes zur Verbesserung der Unordnungen im römischen Kalender. Das Mondenjahr mit dem eingeschalteten dreyzehnken Monalhe ward abgeschafft, und dafür das Jahr von dreyhundert fünf und sechzig Tagen angenommen. Zur Ausgleichung wurden dem gegenwärtigen (Erb. R. 707. vor Chr. Geb. 47.) sieben und sechzig Tage zwischen dem November und Dccember eingeschaltet, welches von daher Annus Confusionis genennct ward. Unter diesen nützlichen Geschäften Casars in Nom hatte die Parthcy des Pompejus unter der Anführung seiner Söhne Cnejus und S?Ms neue Kräfte in Spanien gesammelt. Cäsar eilte dahin, und unterdrückte auch diese bey Munda in einem hartnäckigen Treffen. Anstößig war es in Rom, daß er über b siegte Bürger einen Triumph hielt; man überhäufte ihn aber dennoch mit Ehrenbezeugungen, und ernannte ihn zum Dictator auf alle Zeit und zum Imperator über alle Armem L' L c >74 ) >?:F Les Reiches. Zur Dankbarkeit ließ er abermal Spiele ftyern, theilte Getreide aus, vermehrte die Anzahl der Senatoren, richtete die niedergcrisseue Statue des Pompejus auf, und war sogar gegen feine Feinde wohlthatig. Von dem Titel Imperator Casar leiteten nachgehends seine Nachfolger ihren Nahmen Casar ab, wovon nach der griechischen Aussprache die deutsche Benennung Kaiser ihren Ursprung hat, und trugen ihn mit aller der Machtvollkommenheit, die das Volk auf Casarn übertrug. Unterdessen wachte dennoch Eifersucht über ihn, und belauschte seine Handlungen im Stillen. Casar, der immer dem Senate gram war, würdigte sich einst nicht, demselben bey Gelegenheit einer, Ehrenbezeugung auszustehen. Mochte dieß nun aus Hochmuth oder, wie er sich entschuldigte, aus Kränklichkeit geschehen seyn, so beleidigte es doch heftig, nnd gewiß ist auch einem Volke nichts so krankend, als wenn man sich über seine Sitten und Gebräuche wegseht; denn immer verrath es Verachtung, und verringert die hohe Meinung, die man sonst von einer verehrten Person hat. Der Senat und das Volk hielten sich dadurch für entehrt, und haßten ihren Beherrscher, den sie zwar nie geliebet hatten. Der Unwillen wuchs, als Cäsar das ihm dargcreichte Diadem nur zum Schein ablehnte, und die Tribunen ihres Amtes entsetzte, die dieses Ehrenzeichen weder an seinen Statuen dulden wollten. Bürger von altrömischer Denkungsart verbanden sich wider ihn, und beschließen seine Ermordung. Cäsar ward gewarnet den fünfzehnten März (Erb. R. 710. vor Chr. Geb. 44.) zu fürchten ; aber voll von großen Entwürfen des parthischen Kriegs begab er sich in den Senat: Die Ver- fchwornen traten um ihn, und P. Servil. Casca führte den ersten Stich. Cäsar sah unter der Menge bewaffneter Hände auch seinen Liebling Brutus: „Auch du, mein Sohn!" sprach er, hüllte sich in seine Toga, und fiel mir drry und zwanzig Wunden. So starb der größte Mann seiner Zeit, der im Kriege und Frieden, als Staatsmann und Held und Geschichtschreiber gleich vortrefflich war. Rom war unter seiner Regierung glücklich, und befand sich wirklich in einem Zustande, der ihm die Herrschaft eines Einzigen nothwendig machte- Casars Leichenbegängnis und Vergötterung. Kupf. Xeo. XU. ^äsars Ermordung ward nicht mit dem Beyfalle ausgenommen, den die Verschwornen erwartet hatten. Das Volk zeigte Bestürzung und Unwillen, besonders da es den Inhalt des Testamentes erfuhr, und der Senat verordncte dem Ermordeten ein feyerliches Leichenbegängniß. Der Consul Antonius übernahm die Veranstaltung desselben, und vergaß nichts was diese Feperlichkeit verherrlichen, und zu Erreichung seiner Absicht dienlich machen konnte. Der bestimmte Tag kam heran, und Mit größter Pracht und Feyer erhob man die Leiche. Sie ruhte auf einem elfenbeinernen, mit Purpur und Gold reichlich ausgeschmückten Bette. Über dieses war eine vergoldete Bedeckung, nach Form des Venuskempels geschnitzt, aus Säulen gestutzt, pnd an einer derselben hing die blutige Toga. Die angesehensten Senatoren trugen sie auf das Forum, und eine unzählbare Volksmenge hakte sich unter einem ungewöhnlichen Leidwesen dahin versammelt. Antonius hielt zum Lobe des Ermordeten die Leichenrede, und breitete sich geflissentlich Aber all dasjenige aus, welches Mitleid erregen, aber auch das Volk zur Rache stimmen kann. Hiezu ... HF < 175 ) Entfaltete er den blutigen Rock, zahlte die Wunden um Leichnam, und schien endlich vor Schmerz, Thranen und Seufzen zu verstummen. In diesem Augenblicke erschien Casars Bildniß von Wach- mit allen empfangenen Wunden, und daS Volk von Raserey ergriffen, fluchte den Mördern, riß Banke und anderes Holzwerk des Forum nieder, und setzte das aufgerichtete Trauergerüst in volle Flammen. Alte Soldaten warfen betrübt ihre Belohnungen ins Feuer, und vornehme Frauen ihren Schmuck und die Zierrathen ihrer Kleider. Endlich stürzte mit flammenden Bränden der wüthende Pöbel zu den Hausern der Mörder hin, und konnte nur mit vieler Gewalt verjaget werden. Auf der Brandstelle ward ein Altar errichtet, und Octavius ließ nachgehends dahin einen Tempel und eine Säule von Jaspis setzen. Auch er war es, -er daS Gerücht ausstreute, Venus habe Cäfars Seele aus der Rathsverfammlung unter die Götter geführt. Manche spöttelten darüber ; aber die damalige Erscheinung eines Kometen kam dieser Meinung trefflich zu statten. Jedermann glaubte in diesem Sterne die himmlische. Wohnung Cäsars zu erblicken, und es gab kein Bildniß vvn ihm, das man nicht mit einem Sterne auf dem Haupte vorgestellet hätte. Das Letzte Triumvirat» E)ctavius, Casars adoptkrter Sohn und Universalerbe, dazumal achtzehn Jahre alt, befand sich bey diesen Vorfällen zu Apollonia, und fühlte zu -viel Ehrgeiz, als daß er nicht nach Rom reisen und wider den Rath seiner Freunde die Erbschaft seines Großoheims in baaren fordern sollte. Antonius war nicht gesonnen diese ihm auSsolgen zu lassen; sondern behandelte ihn seiner Jugend wegen verächtlich. Der junge Mann verkaufte alsobald die Güter und Ländereycn seiner Erbschaft, und zahlte davon alle im Testamente enthaltene Vermächtnisse. Dies war das sicherste Mittel die Gunst dcS Volkes zu gewinnen, und den Antonius verhaßt zu machen; die Vorenthalkung des Geldes war in Jedermanns Augen eine Beleidigung des Sohnes, eine Undankbarkeit gegen den Vater, und eine Ungerechtigkeit gegen die ganze Nation. Man veranstaltete zwar eine Aussöhnung zwischen beydcn; aber beydc rüsteten sich dennoch gegeneinander unter dem Vorwände, Lasars Tod zu rächen. Mochte Octavius dieß im Ernste wollen, so schien doch Antonius es nur zu wollen. Das diesseitige Gallien war dem Letzten eben auch die Provinz, um die er sich zu Erreichung seiner Absichten bestrebte, und mit Waffengewalt an sich zu reißen suchte. Licero hielt bey dieser Gelegenheit seine philippischen Reden, und stellte Casarn dem Volke, anstatt ihn vergessen zu machen, in der Person des jungen Octavius aufs neue vor. Sein Einfluß wirkte so heftig, daß Antonius für einen Feind des Staates erkläret ward, und die beyden Consuln A. Hirtius und C. Pansa, ^Erb. R. 711. vor Chr. Geb. 4Z.) Zu denen Octavius mit seinen Truppen stoffen mußte, ihm entgegen zogen. Antonius ward bey Mu-^ Lina geschlagen; aber die Consuln verloren das Leben. Der Besiegte flüchtete nach dem jenseitigen Gallien, und fand bey den Truppen des Lepidus mitleidige Ausnahme. Octavius suchte jetzt mit bewaffneter Hand das Konsulat, und erhielt nicht nur dieß, sondern auch die Gewalt, die Armee wider den Antonius und Lepidus zu führen. Diese Gelegenheit war für seine Absichten zu günstig, als daß er länger die Maske getragen hätte. Er hielt mit beyden eine dreytägigle Unterredung, und die Frucht davon war jenes andere Triumvirat, welches seiner entsetzlichen Proscriptionen wegen die Zeiten des Marius und Sylla bey weiten überkraf, und dessen Schilderung die damaligen Schriftsteller selbst unmöglich finden. Einer opferte dem andern seine Anverwandte und Freunde und die Liste, welche der Privathaß täglich mehrte, wuchs bis auf dreyhuydert Senatoren und zweytausend Ritter. Keiner durfte den andern unter Todesstrafe Verber- Ken, und wer immer einen Geächteten tödtete oder »erriech, wurde reichlich belohnt. Hier fiel auch Cicero, und sein Kopf ward vom Antonius auf eben den Rostris schimpflich ausgefleckt, wo die wun- X I - d l -76) -KS derbare Macht seiner Beredsamkeit zum Besten des Octavius gesprochen und so viele gekettet hatte. Und nun von so vielem Blute und Raube gcsattiget, ernannten die Triumviri ihre Getreuen zu Magistraten auf mehrere Jahre, überließen dem Lepidus die Beschützung der Stadt, und zogen nach Griechenland , Casars Tod, wie sie sagten, zu rächen. Brutus und Caffius hatten indessen alle Morgenländer eingenommen, und erwarteten wohl-> gcrüstet die Ankunft ihrer Feinde. Der Letzte, welcher es wohl einsah, daß Mangel an Lebensmitteln die Gegner aufreibcn müsse, war nie zu einer Schlacht geneigt; aber die Ungeduld seiner Soldaten wollte nicht länger harren. Bey Philippi, wo Thracien und Makedonien grunzen, kam es zu ejuer entscheiden Schlacht, und beyde Partheyen siegten und wurden geschlagen. Brutus drang bis vor das Lager des Octavius hin, wo dieser krank lag; aber hierdurch fand Antonius Gelegenheit, die Armee des Cassius zu verwirren. Dieser, weil er nichts vom Siege des Brutus wußte, hielt alles verloren, und ward in seinem Zelte Lodk gefunden. Brutus lieferte noch ein Treffen, und ward geschlagen. (Erb. R. 712. vor Chr. Geb. 42.) Er folgte im Tode dem Beyspiele seines Freundes, und beyde hat man uachgehends vorzugsweise die leH t en Römer genannt. Nach diesem Siege thcilcen die Triumviri mit Übergehung des Lepidus die römischen Staaten: Antonius erhielt die Morgenlander und Octavius Italien. Antonius beschied die Königinn Cleopatra wegen ihres zwcydeutigen Betragens nach Cilicien zur Rechenschaft. Sie kam wie Venus im Triumphe, und kettete durch ihre Reize den wollüstigen Tnumvir so fest an sich, daß er in den Armen des Vergnügens auf Rom und alles übrige vergaß. Octavius benützte die Blindheit seines College», und arbeitete unermüdet an seiner Größe. Fulvia, die Gemahlin» Antons, hatte zwar eine Gegenparthey wider ihn erreget; aber sie endigte sich mit der Verheerung der Stadt Perusra und ihrem Tode. Antonius war gezwungen den Ort seiner Vergnügungen auf einige Zeit zu verlassen. Er erneuerte feine Verbindung mit den beyden andern Triumviren, wobey Lepidus dicßmal Afrika erhielt, und Seztt. Pompejus, der sich in Sicilien ftstgefttzet hatte, und Rom mit Hunger drohen konnte, im Besitze dieser Insel bestätiget ward. Antonius vermählte sich noch mit der Schwester des Octavius, und vergaß auf einige Zeit seine Cleopatra. Die Athener gingen bey seiner Rückreise in ihrer Schmeicheley so weit, daß sic ihn mir der Göttinn Minerva vermahlten. Antonius nahm die himmlische Braut; zwang aber auch die Athener zu einem Brautschatze von zweytausend Talenten. Den Krieg mit den Parlhern führten indessen seine Feldherren mit vielem Glücke, und auch Octavius kam in Italien feinem Wunsche, einst mit dem Pompejus zu brechen, näher. Dieser Krieg war nichts Leichtes, und Octavius beging sowohl aus Unvorsichtigkeit als Zaghaftigkeit manchen Fehler. Der berühmte Agrippa erfocht endlich den Sieg, und vertrieb diesen Prinzen aus Sicilien» (Erb. R. 718- vor Chr. Geb. Z§.) Lepidus, der eher mit seinen Truppen eingerücket war, wollte diese Insel behaupten; aber Octavius bestach die Befehlshaber und Truppen, daß sie ihren Feldherm verließen. Auf solche Art waren zwey Nebenbuhler auf die Seite geräumt, und den dritten machte die lange Reihe seiner Verirrungen weniger furchtbar. Von Zeit zu Zeit kamen neue Nachrichten von seinem üblen Betrngen in Ägypten nach Rom, und gaben -em Octavius ein reichliches Feld den Unwillen des Volkes zu benützen, und am Sturze seines Nebenbuhlers zu arbeiten. Man wußte, daß Antonius seiner unsinnigen Liebe zu Gefallen den parthischen Krieg eingestettet, und zu aller Erstau- nung seine tugendsame Gcmahlinn Octavia verstoßen hatte, und jetzt den stolzen Titel, König der Könige führe, und ganze Provinzen an die Königinn und ihre mit ihm erzeugtcw>Kinder verschenke. Dieß empörte das Volk zur Rache, und Octavius trat wider ihn als Kläger auf, ließ zum Beweise das Testament von den Vestalinnen holen, und lenkte den Haß des Volkes dahin, daß es nicht ihm, sondern seiner Königinn Krieg erklärte. Bey A c L i u m, ( Erb. R. 72Z. vor Chr. Geb. Z i.) obschon Antonius an Mannschaft und Schiffen seinem Gegner weit überlegen war, entschied das Seegefecht für den Letzten. Cleopatra floh ohne Ursache, und riß ihren thörichten Liebhaber mit sich fort. Ein heftiger Wind trieb die ägyptischen Schiffe den Römern einzeln hin, und so siegte Oelavius mehr »KS l »77 ) durch Gluck und Unsinn seines Gegners, als durch eigene Tapferkeit. Eine starke Landarmee Antons stand noch zum Fechten bereit; aber Verzweiflung drängte ihn sprachlos in einen Winkel des Schiffes seiner Königin«. Die Armee wartete vergeblich auf seine Ankunft, und ergab sich an den Sieger. Cleopatra die vermutlich noch einen dritten Beherrscher zu ihren Füssen sehen wollte, unterhandelte mit dem Octavius in geheim; Antonius der ihr alles aufgeopfert hatte, erfuhr die Verrätherey, und stürzte sich in sein Schwert. Aber auch sie erfuhr das Fruchtlose ihrer Künste, und kam durch Vergift- tung der Schande, im Triumphe geführt zu werden, zuvor. Nom hörte nun auf ein Freystaat zu ftyn, und behielt davon nichts als den leeren Schall seiner oberkeitlichen Titel. .1 , -- . .-.... . Dergroße Circus in Rom. Kupf. Neo. XL,Il. Huter der Regierung der Triumviren hatten alle öffentliche Ämter ihre jährliche Besetzung und den ehemaligen Glanz verloren; das Triumvirat vereinigte in sich alle Macht, und verschlang alles was sonst Ansehen hatte. Unter diesen Magistraturen fiel am meisten das Amt der Äöilen, weil es zu den feyerlichen Spielen große Unkosten forderte, und für jetzt nichts als ein Titel ohne Mittel und Macht war. Es blieb ein ganzes Jahr unbesetzt, und noch zeigte niemand Lust dazu. Agrippa, der das Eonsulat zwar schon verwaltet hatte, fand es nicht unter seiner Würde dasselbe anzunehmerr und zu feinem vorigen Ansehen wieder zu erheben. Eine Menge Gebäude entstanden unter seiner Lmtsoerwaltung, die entweder ganz neu aufgeführet wurden, oder eine solche Ausbesserung erhielten, daß-man sie für neu ansehen konnte. Dabey wurde nichts gespart, welches sie bequem und zierlich hergestellt und nach dem besten Geschmacke eingerichtet hatte. Unter diesen verdient keines mehr Aufmerksamkeit als die große Rennbahne, (circus mäxl- mus) die schon Tarquinius der Ältere in dem zwischen den Bergen Aventinus und Palatinus gelegenen Thale Murcia erbauet hatte. Es war derjenige Platz, wo die feyerlichen Spiele zu Ehren der Götter mit Wettrennen im Wagen, zu Pferde und zu Fuß und die Thiergefechte gehalten wurden. Agrippa sorgte ganz besonders dafür, daß dieser Ort ausnehmend verziert und nach feiner Würde eingerichtet ward, und die nachfolgenden Kaiser folgten treulich hierin dem Beyspiele dieses große» Mannes. Dieß Gebäude war von einem so weiten Umfange, daß hundert fünfzig tausend, und nach einigen Schriftstellern gar zweyhundert sechzig tausend Zuschauer hinlänglichen Raum hatten. Es war ohne Dach und länglichrund, so daß die beyden Flügel hinten eine runde, und vorn wo der Haupteingang war, eine rechtwinkelige Mauer schloß. Von auffeu waren bedeckte Gänge, Buden, Eingänge, und inwendig untenher die Behältnisse der wilden Thiere, um welche ein neun bis zehn Fuß breiter Bach (Luri'pus), sie von Zuschauern abzuhalten, floß. Hierüber waren die Sitze der Zuschauer in Treppenform aufgeführt, und nach den verschiedenen Volksständen unterschieden. (L'orz Lenawrli, eyuessres, populäres.) Der innere weite Raum war mit Sande bestreut, und durch eine niedrige, breite Mauer, die Spina genannt, in zwey Hälften getheilt. Hierum geschahen die Wettläufe aus bestimmten zwölf Behältnissen, (carceres) die zu beyden Seiten des Hauptekngangs «n der graden Mauer abgetheilet waren. Auf dem Rücken der Spina erhob sich in der Mille ein Obelisk, und zu beyden Seiten bis an die Zielkegek verschiedene Statuen, Tcmpelchen, Altäre, Here« Ganzes der beNgelegte Kupfer mit seinen Numern enthält. AS ( *78) Rom unt e r d en Kaisern: Augustus. ^)cLavius stand nun auf dem Gipfel seiner Wünsche, und hatte für nichts mehr zu sorgen, als stch in der errungenen Macht zu befestigen. Zwey Beyfpiele lagen ihm vor Augen, Cäsar und Sylla; dieß mochte er nicht befolgen, und jenes schreckte ihn zurück. Agrippa, eben so edel als tapfer, riech tzu Niederlegung der Macht, und Macenas, der eben so feine Hofmann als angenehme Gesellschafter, zu Bevbehaltung und Mäßigung derselben. Octavius befolgte das Letzte, und wollte wenigstens von aussen das scheinen, was er in seinem Herzen nie war. Prächtige Spiele, köstliche Gastmahle. Geschenke und Nachlassung vieler Schulden betäubten den Pöbel, der jetzt kein anderes Sedürfniß als Brod und Spiele A circenle8) kannte, und jedermann wünschte die Fortdauer von Wohlstand und Ruhe, welche die weise Leitung eines so gemäßigten Regenten über Rom geführet hatte. Bey dieser günstigen Stimmung des Volks und der Anhänglichkeit im Senate durfte Octavius den schlau erfundenen Plan von Beybehalkung der Obergewalt sicher befolgen« Die Maßregeln waren zu gut gewählt, als daß nicht geschehen sollte, was er wünschte. Das Volk sah die Zierrathen seiner alten obcrkeitlichen Ämter fortdauern und lebte im Überfluß; der Senat war mit lauter Getreuen vermehrt, und die arm waren genoßen Unterstützung aus dem Gemeinschatze; viele schädliche Gesetze des Triumvirats wurden abgeschafft und bessere dafür gegeben; Ordnung und Ruße waren zurnckgekchrt, und Octavius hatte sich allen so nothwendig gemacht, daß man seine Person nicht mehr entbehren konnte. Er legte die Obergewalt nieder , als er sicher voraussah, daß man sie ihm ouforingen würde, und ließ sich erbitten, noch zehn Jahre, wie er sagte, diese Last zu tragen, damit Ordnung und Ruhe fester gegründet würden. (Erb. R. 727. vor Chr. Geb. 27.) Der machtvolle ^.irel Augustus, welcher die ganze Völle der Majestät in sich enthielt, seine Person heiligte und unverletzbar machte, war die neue Ehrenbezeugung, mit der man ihn bey dieser Gelegenheit überhäufte, und die schlaue Theilung der Provinzen des Reiches mit den Senatoren die Gegengesalligkeit, die er diesen dafür erwies. Alle Provinzen, die ruhig waren und keinen Mann in Besatzung hatten, wurden als Ralhsprovinzeu dem Senate überlassen, und alle durch welche das Militär verkheil! war, behielt sich der Kaiser. Und so vereinigte August nnr nach und nach alle bisher durch mancherley Ämter zerstreute Macht in seine einzige Person, und führte als Imperator den unumschränkten Befehl üoer die Armeen, leitete als Präftctus worum die ganze Policeyanstalt, wachte unter der Gewalt eincS^-n-. bunuS über alle Magistraten, hatte vermöge seiner Proconsularwürde in allen Provinzen zu sprechen, und war als Pontifex maximus das Oberhaupt aller Priester und der ganzen römischen Rel«g,orrs,ache. Es war nichts mehr, was ihm zur Machtvölle eines Monarchen abging, und seine Nachfolger war^n bloS in dem von ihm unterschieden, daß sie gleich bey ihrem Antritte die höchste Macht in ihrer gan- zcn Völle übernahmen. Und so regierte August unter der Leitung seiner beyden einsichtsvollen Freunde Agrippa und Mac-nas mit all der Mäßigung, die gerne die vorigen Schreckenscencn, durch welche er seine Erhebung gegründet hatte, vergessen ließ, und alle Stände vollkommen befriedigte. In den Provinzen Britannien, Gallien und Spanien war es nicht so ruhig. Die Gegenwart des Kaiftrs war nöthig, und einige Gefechte stellten die Ruhe wieder her. Spanien erhielt e.mge neuerbaute Städte und eine steinerne Brücke über den Ebro. Aber bald nach seiner Zuruckkunst stet August zum größten Leidwesen des Volkes in eine Krankheit, die gefährlich zu werden drohte. Sem Testament enthielt keinen Nachfolger, und jedermann glaubte ihm jetzt, daß er die Regierung gen trüge. Diese gute Meynung benützte er vortreflich nach seiner Genesung, und zog den r u ng M Marcellus, den Sohn seiner Schwester Oetavia, immer mehr zu den Geschäften; aber der hoffamlä - t HD l »79 ) d «!le Prinz starb schon im nrunjehnten Jahre seines AtterS. Agrippa, de» August, !»ie Näeenat sagte, nun schon so groß halte werden lassen, daß er ihn entweder naher mit seinem Hause verbinden oder aus dem Wege räumen müsse, kam an seine Stelle und erhielt Julia, die Tochter Augusts, Marcells Wittwe zur Gemahlin. Bald darauf unternahm der Kaiser eine Reift nach Griechenland und Asten, und ließ seinen Schwiegersohn als Präfectus Urbi zurück. Hier war es, wo August nicht nur eine Gesandtschaft vom Könige Indiens Zu Abschließung eines Freundschaftsbündnisses empfing, sonder« auch vom parthischen Könige Phraates die unter dem Crassus und Antonius verlornen Waffen, Fähne, Adler und Gefangenen zurückerhielt. Eine Sache, die er für die rühmlichste Thal in seinem Lebe« ehrte , und zu deren Verewigung er den Janustempe! schließen und Dankfeste anstellen ließ. Sogar Münzen wurden auf diesen Fall gcpraget, und Mars, dem Racher, ein Tempel nach dem Muster des- Heuigen, der für den Jupiter Ferekrius auf dem Capitolium stand, erbauet und zu Aufbewahrung dieser zurückempfangenen Denkmäler bestimmet. Die Zurückkunst des Kaisers ward mit Spielen gefeyert, und der Senat gab ihm neue Beweise von der tiefen Ehrerbietigkeit gegen ihn» Er verordnete ihm nicht nur das Confulat auf Lebenszeit, sondern machte sich auch anheischig die Befolgung aller seiner Gesetze im voraus anzugeloben. August gab verschiedene heilsame Verordnungen, welche dem um sich greifenden Sittenverdsrbmsse einen Damm setzten; auch die Armeen wurden nach einer bleibenden Form eingerichtet. Die Zeit des Friedens -noch mehr zu benützen, beschäftigte er sich auch mit der Verschönerung Roms, (Kupf. 4A.) und bediente sich hierzu des Nathes vieler Bauverständkgen, und besonders des dazumal berühmten Baumeisters V i L r u v ins. Dieser entwarf ihm nicht nur einen Plan, wie den vielen Unregelmäßigkeiten, welche die schleunige Wkedererbauung der Stadt nach dem gallischen Brande verursachet hatte, abgeholfen, sondern auch überhaupt wie Rom nach allen seinen Theilen verschönert werden könnte, und in der Thal stieg der Sitz des Reiches unter seiner Regierung zu einer solchen Majestät empor, daß er sich mit Recht rühmen konnte, er habe ein Rom aus Backsteinen erhalten, und lasse es von Marmor zurück. Die vorzüglichsten Gebäude, die seht aufgeführt wurden, waren der schon genannte Martis- tempel mit dem Forum, der Tempel des Apollo von weißen Marmor aus dem Palatums mit einer prächtigen Porticus und einer Bibliothek, der Tempel Jupiter des Donnerers auf dem Capitolinm, Las Erdbcgräbniß (sVlanlolLeuM ) mit Terrassen, Spaziergängen und Obelisken, u. a. m. Auch unter Anderer Nahmen ließ er prächtige Gebäude errichten: so entstand die Bastlica (ein Prachtfaal mit vielen Säulengängen und Statuen) seiner beyden Enkel Lucius und Casus, die Portieus der Livia, -er Oklavia, und das Theatrum des Marcellus. Dem Beyspiele des Kaisers folgten viele Vornehme nach, besonders Cornel. Balöus, Statilius Taurus, Mäcenas, und am meisten Agrippa. Der Letzte erbaute öffentliche Bader, darunter ein warmes Bad seinen Nahmen führt, legte Wasserleitungen an, und errichtete unter andern eine Portieus, den Tempel Neptuns, und das berühmte Pantheon. Ganz Rom, das zugleich in vierzehn Bezirke ( re^ionss) eingetheilet war, erhielt innerhalb eines Menschenalters ein ganz verändertes Ansehen, und Augusts Nachfolger wetteiferten, ihre Hauptstadt durch erstaunenswürdige Prachtgebäude zur Königin der Welt zu erheben« Bey alle den lobwürdigen Bemühungen lebte August dennoch in immerwährender Furcht, und trug , so oft er öffentlich erschien, einen Harnisch unter der Toga. Am meisten suchte er stch dadurch zu sichern, daß er den Agrippa an der Tribunatswürde Theil nehmen ließ, seine beyden Söhne Casus und Lucius adoptirte, und zu seinen Nachfolgern erklärte. Er ging hierauf nach Gallien, Und traf auch da gute Einrichtungen; nur strafte er den Lickmus nicht, der starke Summen erpresset hatte. Agrippa ward nach Pannonien, ausgebrochener Unruhen halber, abgeschickt; aber bey feiner Rückkehr starb der berühmte Mann (Erb. R. 742. vor Chr. Geb. 12«) und August verlor an ihm den tapferste« Feldherrn und klügsten Staatsmann, dessen Geschicklichkeit im Krieg und Frieden er meistenrheils das Reich zu verdanken hatte« Seine hinterlassenen Söhne konnten ihrer Jugend halber noch nicht zu Geschäften gebrauchet werden, und Tiberius, der Kaiserin Sohn, ward als Mitgehülf in der RegierukS Y y r ( >80 ) HF angenommen, und mit der übelöerüchtigten Julia vermahlt. Bald darauf warmer nach Pannonien, und sein jüngerer Bruder Drusus nach Deutschland beordert. Bcyde verdienten einen Triumph; aber diese Ehre ward jetzt ein Vorrecht des Oberherrn, und die Sieger mußten sich mit den Ehrenzeichen eines Triumphators begnügen. Drusus drang über den Rhein und die Weser bis an die Elbe hin ; und fand hier das Ziel seiner Siege und seines Lebens. Er war ein verdienter Prinz und des Leidwesens würdig, welches man seinetwegen bey der Armee und in Rom empfand. Auf diesem Todesfall folgte Macenas zur größten Bestürzung des Kaisers, der in dem Schoose dieses Mannes jederzeit treue Freundschaft, klugen Rath, unbefangene Beurtheilung und frohe Laune gefunden hatte. Sein Haus war der gemeinschaftliche Versammlungsort der schönen Geister damaliger Zeit, und die Liebe zur Bequemlichkeit hatte es ihm nie erlaubet ein öffentliches Amt zu suchen. Ein noch größeres Unglück traf den Kaiser, als er die ausschweifende Aufführung seiner Tochter Julia erfuhr. Sie ward auf die Insel Pandataria verwiesen, und Liberius, den Mißfallen über ihren Wandel nach Rhodus entfernet hatte, mußte sich von ihr scheiden. In diese Zeit (Erb. R. 749 ) fallt nach der gemeinen christlichen Zeitrechnung die erfreuliche Geburt des Weltheilasdes. Eigentlich war aber diese Zeit schon vier Jahre vorüber; indessen folgen die Gelehrten dennoch der gemeinen Meinung, und nach dieser werden noch heut zu Tage die Jahre m der Zeitrechnung angegeben. Die beyden Enkel des Kaisers CaZus und Lucius waren nun schon die Staats- gehcimnisse begleitet. Noch mehr Verdroß erwartete ihn bey seiner Zurückkunft. Er sah die besten ( *S- ) ^ feiner Anordnungen umgesiossen, und jeden zurückgelassenen Befehl durch den unlenkbaren Piso verabsäumt. Germanicus stellte ihn zur Rede, und ihre Feindschaft brach endlich öffentlich aus. Die unglückliche Folge davon war, daß Germanicas wiederholter Malen krank ward, und zu Antiochia starb. (Erb R 772. nach Chr.Geb. 19.) Er war vollkommen überzeugt, daß Piso seinen Tod durch Gift veranstaltet habe, und befahl seinen Freunden die Rache und seiner Gemahlin kluge Behutsamkeit in ihrem Betragen. Seine Leiche ward verbrannt, und von der zärtlichen Wittwe in einer goldenen Urne nach Rom gebracht. (Kupf. 44.) - ^ ^ Das Leidwesen in Asien und zu Rom war gränzenlos. Gleich bep der ersten Nachricht wurden ohne auf B'fehl des Senates zu warten, alle Gerichtshöfe, Buden und Häuser verschlossen, Piso verwünscht, und Liberius selbst mit seiner Mutter Livia mit Vorwürfen überhäuft. Bis Brundufium ging man den Überbleibseln entgegen, und empfing die vorlrefliche Agrippina mit allen Zeichen des tiefsten Mitleids. Vor Rom wartete der Senat, und alles Volk begleitete den Zug bis auf das Marsfeld hin, wo alsdann die Asche mit aller Feyerlichkeit in das Mausolaum Augusts beygeseHet ward. Sein Nähme kam unter die Götter der salischen Lieder, und im ganzen Reiche wetteiferte man das rühmliche Andenken dieses Prinzen durch Triumphbögen und andere Ehrenbezeugungen zu verewigen. Die Trauer des Volkes über den Verlust dieses einzigen Mannes, in den sich jedermanns Wunsch-- und Hoffnungen vereiniget hatten, war so anhaltend, daß Liberins gezwungen war, dieselbe durch Verordnungen einzustellen. Der lasterhafte Thäter ward bald darauf verklagt, und Tibers zwey- deutige Reden konnten ihn nicht retten. Er ward des andern Tages todt gefunden, sey es aus eigener Entleibung, oder daß Tiberius sein schändliches Geheinmiß, von dem Briest wider ihn zeugten, auf solche Art begraben ließ. v ^ - Die Gegenstände der Furcht waren nun alle aus dem Wege geräumt, und Liberius zeigte sich aanz ohne Maske. Das Majestatsgesctz, welches sonst nur gefährliche Verbrechen wider den Staat bestrafte, ward jetzt eine so reichhaltige Quelle des Unglücks, daß man leicht einen reden verderben konnte Schrecklich sind die Beyspiele damaliger Zeit, wo Reden und Schwelgen, Freude und Leid, Gebenden und Zeichen verfänglich wurden, und den rechtschaffensten Männern Vermögen, Freyhett und Leben nahmen. Überall lauerten nichtswürdige Angeber, und der Freund durfte dem Freunde, die Eltern den Kindern, und die Herren ihren Sklaven nicht mehr trauen. Der Ritter Pn'cus las einigen Bekannten ein Lobgedicht auf den nahe geglaubten Tod des Prinzen Trusts vor, und nocy an -ben dem Tage ward er getödtet. Den Vibius Serenus verklagte sein eigener Sohn, und obschon er seine Anklage nicht beweisen konnte, ward der Vater dennoch des Landes verwiesen. Unstrafl.chke.L und Belohnung gab den Angebern Muth, und mit jedem Tage wuchs ihre Anzahl, und wer immer eine Privattache gegen jemanden hatte, konnte sie leicht bis zu einem Majestatsverbrechen erheben. Die meiste Schuld trug bisher GejanuS, der herrschsüchtige Minister des Kaisers, und m der Thal ward auch dieser hetrurische Ritter vielmehr als der Kaiser selbst gefürchtet. Er genoß das volle Zutrauen seines Herrn, und die Ehrenbezeugungen, womit ihm der Senat schmeichelte, liefen bis in das Göttliche, und bewiesen, wie tief das sonst so ehrwürdige Collegium gesunken war. Mit ' dieser Erhebung war sein Ehrgeiz bey weiten nicht zufrieden. Er sehnte sich nach dem Throne, un suchte zu stürzen, der ihm im Wege war. Der Sohn des Kaisers ward vergiftet, und des Germanicus Wittwe und Söhne indessen verleumdet. Um eigenmächtiger, zwar noch unter dem Nahmen des Kaisers zu regieren, überredete er diesen, in einer angenehmen Gegend der Ruhe und dem ->"gnu- aen ganz zu leben. Tiberius wählte Campanien, und verbot jedermann den Zutritt; aber auch drest Einsamk-i- war nach nich, „nzugängttch genug. Di- Insel Caprrä. Neaxalis gegenüber, -»sprach mehr «ngestörle Ruh-, und hier war r«, w» Tiberius ganz dem Haug- seiner wilden Lust- lebie. S-i-nns regierte i-Y, mi, ungebundene» Händen. N-r». des Geemlni-nS ältester Sahn, ward u,I« s-inr, Mutier verwiesen, und der zweyle im Srfängnist aufbewahre,! Nich,s fehl,- dem ehrg-ij'gen Minister zur Völle seiner Rach, und drm Maße sein« Verbrechen, aiS daß TibrriuS selbst g-sturj-, - -'- - ' LÄ, - - ^ ,.: iij «> > .^. .Ä - -L -- .. .E.--.- tzF ( '83 ) «ürde. Tief verborgen lagen hierzu die Anschläge des Ministers; aber eine geheime Nachricht ver- rieth sie dennoch dem Kaiser. Sejanus ward mehr als zuvor geehret, zum Consirl ernannt; aber ^uch in Briefen an den Senat sehr zweydeutig behandelt. Dieß verminderte viel die Zahl seiner Anhänger, und Tiberius ließ ihn, ohne viel Aufsehen zu machen, einziehcn und hinrichte». War die Schmeicheley des römischen Pöbels vordem bis zur göttlichen Verehrung ausschweifend gegen den Minister gewesen, so kannte jetzt dessen Muth gegen die Leiche keine Gränzen. Nach dem Tode dieses B.ösewichts erwartete jedermann eine gelindere Regierung; aber wie erschrack man, als Tiberius nach diesem Falle noch argwöhnischer und zur Grausamkeit so abgehärtet ward, daß er den Tod für eine zu leichte Strafe ansah. Die angesehensten Männer wurden alS Mitschuldige ohne weiteres Verhör hingerichtet, und das Blutvergießen war so allgemein, daß Tack- tus meynet, das ächte römische Blut sei) um diese Zeit völlig erloschen. Indessen trieb Tiberius auch iu seinem hohen Alter alles das noch fort, was das Laster nur immer Schändliches erdenken kann. Eine völlige Entkräftung warf ihn endlich auf das Krankenbett. Macro, der Befehlshaber der Leibwache ließ während einer Ohnmacht, wo mau den Kaiser für todt hielt, den Caligu-la zum Kaiser ausrufen; aber Tiberius erholte sich wieder, und beyde erstickten ihn jetzt aus Furcht vor Strafe. (Erb. R. 790. nach Chr. Geb.Z/.) Er war acht und siebzig Jahre alt, und hatte fast drep und zwanzig regieret. Cajus Caligula. --» Q «-- Eajus Caligula bestieg den Thron mit allen den Wünschen und Erwartungen, die man sich von dem noch einzigen Sohne des allgemein geliebten Germanicus zu machen berechtiget war. Mit Freuden ward ihm alle Machtvölle anvertraut, und der Antritt seiner Regierung entsprach auch allen den Hoffnungen vollkommen. Er xhrte das Gedächtniß seiner unglücklichen Mutter und Brüder, zeigte viele Zärtlichkeit gegen seine Schwestern, stellte alle Hochvcrrathsklagen ein, gab dem Volke seine Comitien wieder, ließ alle Staatsgefangenen los, und bernfte alle Verwiesene zurück. Eine so gemäßigte and gerechte Regierung entzückte alle Stande des Volkes: jedermann lobte den neuen Kaiser, und der Senat verordnte eine Feyerlickkeit, daß das Bild desselben, in Gold geprägt, alljährlich auf daS Capitolium getragen würde. Aber wie kurz war die Dauer dieses Glückes! Im achten Monathe er. krankte Cajus zur allgemeinen Bestürzung, und fing eine Regierung an, die nur das Unglück heftiger fühlen ließ, jemehr man sich in seinen gerechten Erwartungen betrogen sah. Den ersten Mordbefehl erhielt der junge Tiberius, des verstorbenen Kaisers Enkel aus seinem Sohne Drusus. Der hoffnungsvolle Prinz war dazumal achtzehn Jahre alt, und mußte an eben dem Tage, als er vom Kaiser an Sohnesstatt angenommen ward, sich selbst entleiben. Kläglich war es, als die Überbringer des grausamen Befehles ihm sogar den traurigen Dienst, ihn zu morden, versagen muß- deu, und durch Bitten nur dahin konnten gebracht werden, ihm einen Ort zu zeigen, wo der Stich tödt- lich wäre. Auf diesen Anfang des Mordens wird die Menge dieser Unglücklichen nahmenlos, und die Berichte der Geschichtschreiber laufen fast in das Unglaubliche. Gefangene ohne Unterschied und selbst Zuschauer, die zu den Thierkämpfen kamen, wurden ihren wilden Zähnen vorgeworfen, und unter vielen andern mußte selbst Macro, dem doch Cajus Leben und Reich zu danken hatte, gewaltsame Hand an sich legen. An diese Mordlust, welcher Cajus bis zur Raserey ergeben war, ketteten sich eine Menge der thörichtsten Ausschweifungen. In der Meynung, bey seinem zügellosen Wandel mehr als Mensch zu scyn, trug er die Kleidung der Halbgötter, und äffte bald dem Hercules, bald dem Mercurius nach. Er stellte sich zwischen die Statuen der Götter, und hielt mit ihnen geheime Gespräche, ließ sich Opfer bringen, baute sich einen Tempel, und ernannte sich Priester. Casonia seine L t » HS ( -84 ) HF Gemahlin und ftln Pferd Jncitatus hatten unter diesen den ersten Rang, und das letzte wollte ex sogar zum Consulate erheben. Gleiches Gcpräge des Unstnns tragen auch alle seine Gebäude. Mit wahrer Verschwendung und ohne jemanden zu nützen, ließ er Berge abtragen oder durchgraben, Thaler eb-.ncn oder zu Bergen erhöhen, und im Grunde des Meeres ungeheure Säulen und Thnrme errichten. Unter allen zeichnet sich keines mehr aus, als jener eben so kostspielige als unsinnige Brückenbau über die Bay zwischen Bajä und Puteoli. (Erb. R. 792. nach Chr. Geb.Z9) Mochte nun Nachahmungssucht, dem Lerz.es, der zu Übersetzung seiner Armee eine Brücke über den Hellespont schlug, zu gleichen, oder geflissentliche Vereitelung dessen, was der Mathcmaticus Thrasyllus einst dem Tiberius bekräftigte: Cajus würde eben so wenig regieren, als man über die Bay bey Bajä reiten kann, dieß thörigte Werk veranlasset haben: so hat doch gewiß Eitelkeit den größten Antheil; für einen scyn,vollenden Gott war es zu schmeichelhaft, über das Meer eben so gut als auf dem Lande einhergehen zu können. Cajus ließ also so viele Schiffe hsrbeyführen und neue erbauen, bis sie in zweycn halbrunden Linien von einem Gestade zum andern reichten ; dann wurden starke Pfosten darüber gelegt, mit Erde überschüttet, und zu einem festen Boden erhärtet. Der ganze Weg glich der appischcn Strasse, und hakte zu mehrsr Erhöhung des Wunderbaren mehrere Häuser, die mit süssem Wasser vom Lande aus versehen wurden. Dieß ganze Werk, obschon es eine Weite von Zdoo Schritten ausmachte, war dennoch in kurzer Zeit fertig; augenblickliche Todesstrafe strengte einen jeden an, daß er über seine Kräfte zur Arbeit griff. Ein feyerlichcr Zug ward min zur Einweihung dieses prächtig unnützen Werkes ungeordnet. Zwei) Tage währte die Feperlichkeit, und am ersten ritt Caligula auf seinem berüchrigten Pferde (Kupf4L.) mit einer Bürgerkrone von Eichenlaub auf dem Haupte—eine Ehre, die sonst nur derjenige genoß, der einem Bürger im Gefechte das Leben gerettet hatte — und über den seidenen Purpurrock, der mit Gold und Juwelen reichlich verzieret war, K. Alexanders Brustharnisch. Unter den Göttern wurde besonders der Mißgunst geopfert; Caligula befürchtete unter ihnen Eifersucht, wenn sie bemerken sollten, daß ihr Ruhm auf eine fo bewundernswürdige Art von ihm verdunkelt würde. Von da ging der Zug nach Puteoli hin, wo der rühmliche Erbauer in einem eigenen Haufe übernachtete. Das ganze Gebäude und die Brücke war prächtig erleuchtet, und in der ganzen Gegend brannten Fackeln, Laternen und andere Feuer; nur die Gottheit Caligula konnte die Nacht in Tag und die See in Land zu ihrem Vergnügen verwandeln. Den andern Tag ward die Rückfahrt in einer neuen Pracht angetreten. Caligula trug jetzt eine Kleidung der Wettfahrer im Circus, fuhr in einem zweyspännigen Wagen, und führte vor sich den jungen Prinzen Darius, den die Parther zur Geisel geschicket hatten. Die Leibwache in hellglänzender Kleidung und eine Menge des vornehmen Adels machten seine Begleitung. In der Mitte der Brücke bestieg er als Sieger des Meeres einen Thron, hielt eine Rede zum Lobe feines Werkes, und belohnte die Arbeiter desselben. Endlich; um rühmlich zu enden, lud er eine Menge Zuschauer zu sich, und befahl sie plötzlich—ins Meer zu stürzen. Die Unglücklichen wollten sich retten ; aber sie wurden mit Stange« und Ruderscheiten gefühllos zurückgestosscn. Eine Schreckenscene ohne Beyspiel! Durch dieß kostspielige Werk war die Schatzkammer erschöpft, und Caligula ließ sich jetzt m alle Testamente zum Erben einsetzen. Lebten die Erblasser länger als er wollte, so war ihr Reich- thum ein hinlängliches Verbrechen, sie hinrichten zu lassen. Aber es ermüdet, Beyspiele dieser Art uoch länger zu hören; die Zeit kam endlich heran, daß auch Caligula enden sollte. Chärea mit noch einigen Befehlshabern seiner Leibwache wurde das Werkzeug, und befreyte Rom von dieser erdrückenden Last. (Erb R. 794. nach Chr. Geb. 41.) -KS ( Claudius Drusus Cäsar. Claudius war der jüngste Sohn des alteren Drusus, vervachläßiget in seiner Erziehung , und noch jetzt in seinem fünfzigsten Jahre von der Verstandesreife eines Mannes weit entfernt Selbst am Hofe Augusts diente er zum Gespülte, und Caligula gestand es selost. er ließe ihn nur deswegen leben, um etwas zum Lachen zu haben. Dieser Mann ward jetzt, zitternd wie Espenlaub, in einem Winkel des Pattastes von der rasenden Leibwache gesunden, und zum Throne befördert. Der Senat halte zu wenig Ansitzen sich der Anmassung der Soldaten mit Nachdruck zu widersetzen; Claudius ward demnach Kaiser, und erwarb sich im Anfänge seiner Regierung das Lob eines guten Fürsten. Mit Bescheidenheit nahm er die wenigsten Ehrenbezeugungen an, und unterdrückte das Gesetz vom Hochverralh, gab vielen ihre geraubten Güter zurück, und versprach durch fein sanftes Betragen eine glückliche Zukunft. Rom erhielt unter seinem Nahmen eine prächtige Wasserleitung, und Ostia gegenüber ward ein so großer Haven ausgestochcn, den weder seine Nachfolger auszubauen wagten. Auch der See Fucinus ward durch einen Canal (Lmissarium) in den Liris abgeleitet, diesen Fluß zu verstärken und brauchbarer zu machen. Bey alle dem war Claudius doch nur ein schwacher Fürst, und hing in allen feinen Handlungen von den Eindrücken Anderer ab. Seine Gemahlinnen und Freygclaffenen regierten in seinem Nahmen, und er ergab sich dem Schwelgen, und erstickte völlig das noch wenig übrige von seinen Verstandeskrästen. Furchtsamkeit war ein Hauptzug feines Charakters, und vcranlaßte die Gewohnheit, daß jedermann zuvor, ehe man vor dem Fürsten erscheinen durfte, genau untersuchet ward. Vespasian schaffte sie wieder ab. Indessen bedienten sich Meffalina, seine übelberüchtigte Gemahlin, und Nar- cissus, sein Günstling, dieser Schwachheit meisterlich. Wer immer ihren Absichten entgegen war, wurde durch einen ausgewkrkten oder auch eigenmächtigen Mordbefehl auf die Seite geschaft. Sila- nus, Messalinens Stiefvater ward hingrrichtet, weil er ihre lasterhaften Anträge verwarf; und noch viele andere hatten ein gleiches Schicksal, ohne daß Claudius darum wußte. Die Macht dieser Günstlinge wuchs täglich höher, und es gab keine Strafe noch Belohnung, kein Amt noch Ehrenstelle, die Nicht aus ihren Händen kam, und ihren Reichthum vermehret hatte. Eine erwünschte Gelegenheit, manchen Unschuldigen unglücklich zu machen, gab ihnen die Verschwörung des Claudius Camittus, Statthalters von Dalmatien. Die reichen Mitschuldigen kauften sich los, und an ihre Stelle opferte der Privathaß andere hin. Unterdessen machten Unruhen unter den Britten einen Feldzug dahin nothwendkg. A. Plan, tlus setzte aus Gallien hinüber, und hatte den kapscrn Vespasianus zur Seite. Bryde eroberten ein großes Stück Land und die Insel Vcctis CWißkt). Claudius begab sich selbst dahin, und seine Feld. Herren erwarben ihm einen Triumph. (Erb. R. 797. nach Chr. Geb. 44.) Bey dieser Gelegenheit gab -er Kaiser seinem Sohne Germanicus den Nahmen Britanniens, unter dem er auch in der Geschichte vorkommt. Messalina führte noch immer ungcscheut ihre lasterhaften Ausschweifungen fort, und ging so weit, daß sie ihren Gemahl vom Throne stürzen, und ihren Günstling, den schönen C. Silius darauf erheben wollte. In dieser Absicht vermahlte sie s-ch in Abwesenheit des Kaisers zu Ostta, öffentlich Mit ihm zu Rom, und niemand hatte so viel Much dem Kaiser von seiner Gefahr Nackrickt zu geben. Endlich wagte es Narcissus, und traf zugleich alle Anstalten, damit Messalinens Künste auf dem schwachen Kaiser keinen Eindruck machten. Ihre Mitschuldigen wurden hingerichtct- und auch sie traf dieses Loos, als man merkte, der Blödsinn des Claudius wolle sie verschonen. Der Kaiser wollte sich hierauf nicht mehr vereheligen; aber seine Nichte, Julia Agrippina. die Tochter des G.-rman-cus, hielt ihn gefesselt. Sie ward Kaiserin, und verband noch Ehrsucht und Geiz mit allen den Lastern A a HS ( l86 ) chS -er Messallna. Pallas, ein anderer Freygelassener des Kaisers war ihr getreuer Gehülse, und wirkte trefflich mit ihren längst entworfenen Plan von der Erhebung ihres Sohnes Mr» auszuführen. Se° ncca ward ans dem Orte seiner Verweisung zurückberufen, uyd dem jungen Nero zum Lehrer gegeben. Britanniens ward gänzlich vernachläßiget, und Claudius hatte zu viel Schwäche, als daß er die nachthei- lige Aufführung gegen seinen eigenen Sohn eingesehen hatte» vielmehr adoptirte er den Nero, und vermählte ihn mit seiner Tochter Octavia. Nero ward in allen vorgezogen, hielt Reden zum Besten der Bedruckten und Unglücklichen, und ward durch Agrippinens Politik in ein so schmeichelhaftes Licht ge- ftkct, daß es zugleich den häßlichsten Schatten auf den Kaiser selbst warf. Doch Agrippina handelte nicht so verborgen. Ihre Ausschweifungen und Absichten wurden nach und nach dem Kaiser bekannt, und entlockten ihm einige bedenkliche Reden, die ihr Bestrafung drohten. Dieß beschleunigte ihren Entschluß den Kaiser zu morden. Sie wählte Gift, und ihr Gemahl starb davon im vier und sechzigsten Jahre seines Alters, und im vierzehnten seiner Regierung. (Erb.R.807. nach Chr. Geb. §4.) Der Tod wurde solang verheimlichet, bis Agrippina alle Anstalten getroffen hatte, ihrem Sohne die Thronfolge zuzustchern. Nero C l a rr d. Cäsar- ^)ie Regierung dieses Kaisers mußte im Anfänge Lob und Ruhm verdienen; Seneca und Burrhus, der Befehlshaber der Leibwache, wetteiferten ihren Zögling durch kluge Rathschläge immer so handeln zu lassen, wie es das gemeine Beste erforderte, und ihn zu einem gütigen und gerechten Fürsten charaktensirte. Er Heilte Geldsummen unter das Volk, wies armen Senatoren einen jährlichen Gebalt an schränkte die Verschwendung ein, und stellte noch viele andere Mißbräuche ab, welche Unordnungen unter das Volk brachten. Die Schmeicheley des Senates dankte ihm für seine Mäßigung, und'seine Bescheidenheit wollte erst dazumal auf den Dank rechnen, wenn er selben wurde verdienet haben. Sogar bep Uuterschreibung der Todesurteile zeigte er viele Menschenfreundlichkeit, und wünschte oft, viellieber nicht schreiben zu können. , ^ ^ Wer verzärtelte Kinder dulden nur so lange den Zwang, als ihre Neigungen gute Rechnung ssnden, und sie ungebunden ihren Hang befriedigen können. Agrippina, die sich schon zu Lebenszeiten ihres Gemahls in die Reichsverwaltung eingedrungen hatte, forderte vom Sohne die Mltregentschal.t aus Dankbarkeit, und widerstrebte aus allen Kräften seiner Leidenschaft, die er gegen eine Freygelassene mit Nahmen Acte 1 rug§ Seneca und Burrhus waren nachsichtiger, und duldeten diese Ausschweifung an ihrem Zögling aus Besorgnis größererAbel. Dieß belvog auch Agrippinen die Verstellung zu ergreifen : aber es wirkte nicht nach ihrer Erwartung, und nun suchte sie ihren Sohn durch Drohungen zu .schrecken, und stellte sich an, als wolle sie den Britanniens als de« rechtmäßigen Erben zum Throne erheben Nero, der den Pallas, den Günstling der Kaiserin für den Urheber aller der Anschläge hielt, eutsekte ihn von der Einnahme der StaatseiMnfte, und ließ-em Britanniens ein so starkes Grft bey- Lrinaen, welches ihn an eben der Lasel, wo Nero saß, augenblicklich tödtete. Mit ihm erstarb d>e Familie.der Cla.udier, die «der achthundert Jahre zu Rom in großen Ansehen gestanden hatte. Die,er bodcafall zerrüttete Agrippinens fernere Anschläge, und veranlaßte sie zu langen Unterredungen nn Vertrauten. Nero, der mit dem Betragen seiner Mutter immer unzufriedener ward, ließ tyr Befehl erlbeUen, den Pallast alsobald zu verlassen. So befreyte sich Nero alles lästigen Zwanges, rmd achtete auch nicht mehr viel auf die kluge Anleitung seiner Freunde Seneca und Burrhus. <-r "wo bey nächtlicher Weile seine Schwarmereyen fort, und ward einmal so derb hergenommen, daß d,e Narve davon lebenslänglich blieb. Dieß besserte ihn nicht, sondern machte ihn nur behutsamer, daß er zur Nacktheit nie ohne Leibwache auf Schwärmereycn ausging. ' " Eine neue Bekanntschaft nck der berüchtigten Römerin Poppäa Sabina, die alle Vorzüge X - - . - ' ' - / ^ / - - - . » i Ä- HF < »87 ) rtzF «?nes Frauenzimmers an Seele und Körper, nur nicht die Tugend besaß, änderte die Lebensart deS Kaisers, und hatte die schädlichsten Folgen für dir Regierung. Ihr Wuysch war, sich bis zur Kaiserin zu erheben; aber so lange Agrippina lebte, sah sie es zu gut ein, daß jede ihrer ganz eigenen Künste vergeblich seyn würde; sie trug daher kein Bedenken den Wollüstling zu einem Muttermorde zu bereden, um sich wenigstens auf eine solche Art von feiner Marter, wie er seine Mutter nannte, zu befreyen. Ihr Tod ward beschlossen, und zu Bergung des Lasters die Erbauung eines eigenen Schiffes gewählt, welches durch Kunst im Meere zerbersten, und Agrippine« versenken sollte. Nero heuchelte indessen die Rückkehre kindlicher Zärtlichkeit, lud seine Mutter nach Bajä .zur Feyer des Mi-- nervenfests, bewirkhete sie auf daS prächtigste, und bcy der Rückreise geschah, was geschehen sollte, nur nicht mit dem erwarteten Erfolge. Agrippina ward gerettet, und Nero erschrack über die Nachricht. Geneca und Burrhus wurden um Rath gefragt; aber Anicetus, der Erfinder des Schiffes, mußte das Werk vollenden. Die Mutter fiel auf Befehl des Sohnes, von Wunden durchbohret, und Irug den Lohn ihrer Verbrechen, die sie seinetwegen begangen hatte. Reue und Schrecken zernagten sein Herz, aber Schmeichelet) wünschte ihm Glück; daher erlaubte sich Nero von nun an alles, zu dem ihn sein Hang trieb, und ward Wagenrenner im Circus, Sänger auf der Schaubühne, Erfinder der unsittlichen Juvenalicn, und schämte sich weder nach Art der gemeinsten Hifirionen den Beyfall des Volkes mit gebogenen Knieen zu erbetteln. Der Tod des Burrhus, an dessen Stelle der lasterhafte Tigellinus kam, und die Zurückziehung des Seneea vom Leben bey Hofe, beraubten den Staat mancher noch guten Verordnung, zu welcher diese den Kaiser bey ruhigern Stunden veranlaßten; dafür rückte aber bey diesem günstigen Umstande Poppäa ihren Wünschen naher. Die sittsame Oetavia ward verstossen, eines erdichteten Ehebruches halber nach der Znfel Pandataria verwiesen, und daselbst ermordet. Der Kopf dieser Unglücklichen ward der neuen Kaiserinn nberbracht, und der Senat verordnete dafür Opfer zum Danke. So weit waren diese ehemaligen Vater des Volkes gesunken! Es war nun kein Wunder, wenn auch sie und die römischen Ritter, und sogar viele vornehme Frauen auf den öffentlichen Schauplätzen unter den gemeinen Fechtern anftrateri^ Dem Kaiser mißfiel schon längst das Unregelmäßige des alten Roms, und sein auch darin ausschweifender Hang zur Pracht sah es nicht ungern, daß eine schreckliche Feuersbrunst fast zwey Drittel der Stadt verwüstete. (Erb.R..8 > 7°nach Chr. Geb. 64.) Schrifsteller sagen, Nero habe selbst diesen Brand veranstaltet, weil man selbst Befehlshaber gesehen hätte, welche die Löschenden gehindert, und Feuerbrande in die Hauser geworfen hätten, unterdessen daß Nero auf dem Mäcenasthurme der Brunst vergnügt zugefthen, und ein Gedicht von Troja's Zerstöhrung abgesungen hatte. Der Verdacht war sehr gegründet, und zog ihm viele Vonrürfe zu. Diesen von sich abzuwälzen. warf er die Schuld auf.die Christen, deren es dazumal m Rom schon viele gab, die aber das blinde Heidenthum aus Un- bekanrttschaft mit der göttlichen Lehre derselben als gröblich Irrende haßte. Eine Menge dieser Unschuldigen ward ergriffen, und grausam hingerichtet. Ein geschwinder Tod wäre für die Gemülhsart eines Nero eine zu große Wohlkhat gewesen, er wollte selbst ein vergnügendes Schauspiel haben, und ließ viele in Thierhäute nähen, und den wilden Thicren vorwerfen; andere in brennbare Materien hüllen, und zur Nachtszeit in ftinen Gnrten anstatt der Fackeln anzünden. Bey diesen schrecklichen Auftritten konnte noch Nero in einem Wagen hernmsahren, und die Menge dieser Unglücklichen sterben sehen. Dieß ist in der Kirchengefchlchte die erste Christenverfolgung. Auf diese Hinrichtungen folgte die Wiedererbauung Roms. Eine prächtige Stadt erhob sich aus den Trümmern, welche den Glanz der alten verdunkelte, und wegen Größe und Pracht ihrer Gebäude die Verwunderung der Nachwelt verdiente. Ihre Gassen wurden jetzt grade und weit, die Hauser größer und bequemer, von einander abgesondert, und vor künftigem Feuerschaden gesichert. Da und dort zogen sich ansehnliche Portkcus hin, oder es prangten andere Gebäude, die manches noch alte Haus, welches der Brand verschont hatte, bedeckten. Rom erhielt nun dieses Ansehen, das Aar HS ( >88 ) »KS es nach de? Zeit unter immer mehr verschönerten Gestalt erhalten hat. Unter allen diesen Gebäuden zog keines mehr Bewunderung auf sich, als der Pallast, den Nero für sich selbst erbaute, und sein goldenes Haus nannte. Pracht und Größe wetteiferten daran. Es füllte das ganze Thal zwischen dem Palannus und Esquilinus. und überdeckte alle die Baustellen, die vormals hierorts fast einen ganzen Bezirk (rexio) ausmachlen. In seinem Umfange halte es einen großen ausgegrabenen See, wildes Gehölz, Lustwälder, Garten. Felder, Wiesen, Hügel, Thaler, und überall war an Thieren. Fischen und Früchten dasjenige hingesetzt, was immer Seltenes und Gutes die übrigen Melt- theile hatten. Die äußere und innere Pracht übersteigt alle Beschreibung. Meilcnlange Saulcngange vom schönsten und seltensten Marmor, und überall angebrachte Verzierungen aus Gold, Silber, Elfenbein, Schildplatte, Perlmutter, die den Werth des Goldes übertraf, ja sogar aus Perlen und Edel- stciuem ließen eine Verschwendung sehen, die ihres Gleichen nicht hatte. Ein Spciscsaal zeigte eine Decke, woran die Himmelskörper sich künstlich bewegten, und von welcher wohlriechendes Gewässer, wie der feinste Dunst, herabgespritzet ward. Über all dieß ungeheure Gebäude breitete sich noch anstatt des Daches eine Decke von Gold aus , und machte es endlich zu jenem wirklich goldenen Pallaste, in welchem Nero, wie er es selbst eingestand, endlich doch als ein Mensch wohnen könnte. Der bey- gefügte Kupfer (Nro. 46.) zeiget den Eingang in den Pallast durch einen dreyfachen Säulengang von rooo Röm. Schritten. > 6) Einen andern Säulengang, anstatt des Vorhauses, wo man gewöhnlich die Bildnisse der verstorbenen Ahnen aufstellte. E) Den gegrabenen See von einem überaus großen Umfangs, v) Die colossalische Bildsäule des Kaisers Nero. L) Den Fvrtunnitempe! von Krystall und anderen durMchtigeu Steinen, k') Gebäude Roms in der Entfernung. Die Ausleerung der Schatzkammer war eine nothwendige Folge dieser Verschwendung. Nero brauchte allerhand Mittel dieselbe wieder zu erfüllen, und schonte sogar die Tempel nicht, die goldenen Bildsäulen daraus wegznräumen. Nicht Rom allein ertrug diese Erpressungen, auch die Provinzen wurden mit harten Abgaben beleget und ihrer Schätze beraubet' Jedes Amt wurde käuflich, und vom Kaiser selbst an dm Meistbietenden vergeben. Eine Verschwörung, deren Haupt C. Piss war, gab röm Gelegenheit sein Vorhaben von Ausrottung des Senates und Vermehrung seiner Em- künfte auszuführen. Eine große Menge ansehnlicher Personen war darein verwickelt, und des Blutvergießens war kein Ende. Auch Seneca ward angegeben und getödtet. Bald darnach fand auch Poppaa ihren Tod. Sie verwies ihrem Gemahle das späte Zuhausckommen vom Wagenrennen, und ein Stoß in ihren schwangeren Leib endete ihr Leben. Der Senat vergötterte sie, und Thrasäa Pä- tus, der ohne das für die Erhaltung der göttlichen Stimme des Nero keine Opfer brachte, entfernte sich bey dieser Verhandlung aus dem Senate. Dieß war ein Verbrechen, das er mit seinem Leben büssen mußte. ^ - . Noch hatte Griechenland, wo Geschmack und Belohnung der Dichter und Künstler zu Hause war, die Geschicklichkeit des Nero im Singen und Wagenrennen nicht persönlich bewundert: ein Zug dahin von mehr als tausend Wägen, mit Musikanten, Histrionen und Kleidungen angefullt, mußte ihn begleiten. Er erwarb sich in einem Jahre 1 Zoo Kränze, und erthcilte den Griechen dasirr die ansehnlichsten Vorrechte. Seine Zurückkunft ward mit einem Triumphe nach Art der olympischen Sieger gefeyert. Mährend seiner Abwesenheit führte der freygelaffme Helms die Regierung, und seine Räubereyen und Mordthaten hätten bald einen allgemeinen Aufstand wider den Kaiser veranlasset. Dießmal brach er noch nicht ans; aber jedermann war müde. Endlich übernahm es Julius Bruder, Statthalter in Gallien, dem Elend ein Ende zu machen, und dem Galba, Statthalter m Spanien, zu Übernehiriung des Oberbefehls im Reiche zu überreden. Vindex ward vom Virginius, Siatthal- ti-r in Obcrdeutschland geschlagen, und des Galba Angelegenheit stand nicht zum Besten. ei o ormte sich von seinen Vergnügungen nicht trennen. Anstatt kräftiger Gegenanstaltcn klagte " nur. dab man ihn im Vergnügen störe, und ließ seinem Gegner Zeit sich wider ihn zu verstärken. Ein mtt ^ gestilltes Schiff für den Fcchtplatz, statt dessen man zu Steurung der damaligen Hungersn-th Korn aus Ägypten erwartet hatte, sichte den Pöbel in Muth, und machte ihn zum allgemeine« Aufstande vereit. Nero flüchtete auf ein Landhaus, und brachte sich endlich dprch Hülfe seines Frepgelaffenen einen tödtlichen Stich bey. Der Senat erklärte ihn indessen zum Feinde des Staats, und huldigte dem Galba. (Erb. R. 82 r. nach Chr. Geb.68-) Nero flarb im zwey und dreyßigsten Lahre ftines Alters, und im vierzehnten seiner Regierung. ServiuS Sulpicius Galba. Marcus Salvius Otho. Aulus Vitellius. > 2 /alba war bey feiner Erhöhung zum Throne schon zwey und siebzig Jahre alt, und unterbrach der Erste die Thronfolge unter den Cäsaren durch ein Bcyspicl, welches die schädlichsten Folgen nach sich zog. Die Armeen maßten sich das Recht an, Kaiser zu wählen, üud es kostete jedesmal Bürgerblut, daß der Stärkste sich behauptete. Von dem hohen Alter dieses Kaisers erwartete man viele durch Erfahrung erprobte Klugheit; aber seine Fehler, die er gleich anfänglich beging, nahmen ihm Thron und Leben. Bey seiner Annäherung nach Rom forderte eine Menge Seeleute, die Nero zu einer Legion erhoben hatte, Adler und Fahne. Die Ungeflümme, mit der sie ihre Forderung durchseheo wollten, brachte ihn auf: er ließ sie alle wehrlos niederhauen. Die Prätorianer machten sich Hoffnung auf das reichliche Geschenk, welches ihnen in sinem Nahmen war versprochen worden, wenn sie ihn als Kaiser anerkennten; aber Galba war nicht gesonnen, es ausznzahlen. Selbst den Pöbel, dem die Spiele im Circus und auf dem Schauplatze nothwendig worden waren, unterhielt er nicht mehr mit diesen elenden Zerstreuungen. Di.ß alleS mußte ihm Haß erwecken, besonders weil man auch wußte, daß er ganz von der Leitung einiger Günstlinge abhing, die ihn zu mancheu Ungerechtigkeiten verführten, und die ganze Ursache seiner Strenge und seines Geizes waren. Rom sehnte sich «ach einem andern Kaiser, und Otho, der ehemalige Gatte der berüchtigten PoppZa, dessen Lage dazumal seiner Schwelgerey wegen nicht die beste war, gewann die Leibwache, daß sie sich für ihn erklärte. Galba, der kurz zuvor zu Abwendung dieses Unglücks den jungen Piso Licinianus an Kindesstatt angenommen hatte, eilte die Unruhen zu stillen; aber bcyde kamen dabey um. (Erb. R. 822. «ach Chr. Geb. 69) Galba regierte nur sieben Monathe. Während dieser Auftritte in Rom hatten die Legionen in Deutschland, poch vor des Galba Ermordung, ihren Feldherrn Vitellius zum Kaiser ernannt. Otho sah es wohl ein, in welche Verlegenheit er verwickelt wurde; und wünschte zu Schonung des Bürgerbluts einen gütlichen Vergleich mit seinem Gegner; Vitellius verwarf alle Anerbiothungen, so vortheilhaft sie auch immer waren, und schritt zu Feindseligkeiten, die anfänglich für ihn unglücklich aussielen. Zu Bednacpm, unweit Erenrona entschied für ihn das Haupttreffen, und obschon Otho immer noch so stark war, daß er den Krieg fortsetzen konnte; so entschloß er sich dennoch gegen alles Widerrathen seiner Freunde den Krieg durch seinen eigenen Tod zu enden. Ruhig und sanft, wie Cato, schlief er die letzte Nacht fernes Lebens, und erstach sich beym Erwachen. Er regierte drey Monathe, und verdienet, nach dem Ta-citus, gleich großen Schimpf und Ruhm bey der Nachwelt: Des Galba Ermordung schändet sein Andenken auf immer, und sein freywittiger Tod zu Herstellung der Ruhe macht es eben so rühmlich. Vitellius blieb also der einzige Herr des Reiches, und erhielt noch in Gallien von allen den^ Vorfällen und. zugleich von der Huldigung des Senates Nachricht. Unverzüglich brach er nach Italien auf, und besah das mit Todken übersäcte Schlachtfeld. Für eine Seele, wie sie Vitellius Hatto, war der fltzauervolle Anblick so vieler verstümmelter Körper, die schon nach Fäulniß rochen, viel z« erwünscht, als daß er nicht lange genug da verweilet hätte. Von da ging der Zug weiter, und sein Heer erlaubte sich alle die Unordnungen, die immer ein Feind an unglücklichen Einwohnern «usüöen kann. Wo er immer -hiickam, mußte (eine Kafel schwer und reichlich besetzet scpu, und um« B b «KF ( >9» ) HF Hat Müh- olle die Beyspirle'feiner Schwelgerei) und Leckerheifllgkeit zu glauben) die bisweilen soweit -in/ daß Gerüchte von Fischen und Vögeln und n-a« immer apicische Kunst hrrvorbrnigen kannte. Lausenden auf der Tafel standen. Die Einweihung seiner berüchtigten Schüssel, ihrer Größe we. -en das Schild MinervenS genannt, ist ein immerwährender Beweis, und mag e« der jüdisch« Ge. schichtschreiber FlavinS JosepbnS, der Hey einer längere» Dauer der Regierung dieses Kaisers die Em. künfte des ganzen römischen Reiches zu Bestreitung de. Schweiger-» desselben kann, als hml-nglich berechnet, übertrieben haben: s° wurden dach ganze Familien, Hey denen er sich zu Gast- lud, durch seine seltsame Gefräßigkeit zu Grunde gerichtet, , ^ - Ein solcher Regent, der mit dieser niedrigen Leidenschaft nach Blo-'sinn und Grausamkeit verband, durste wähl zu einer Zeit, wo KriegSheere das Reich »ergaben und nahmen, sich keine lanae Dauer versprechen Die Legionen im Orient waren ohne das schon auf ihr-Kameraden IM Lc. «ident eifersüchtig. und fingen an ihrem Bepspiele zu folgen; di- in Mosten und Pannomen kamen diesen zuvor, und sämmiliche erklärten sich für den Feldherr» VespasianuS, der dazumal Jiidaa biS auf Jerusalem erobert hatte. V-spastan, der es wohl wußte, daß -s hier zwischen Siegen und den Tod eines VcrräthcrS kein Mittel gäbe. suchte diese Ehr- »°n sich abjnlehnen; aber Mu-ianuS, Statthalter von Syrien, zwang ihn dazu, und -s ward endlich beschlossen; Titus, der Sohn d-s neuen Kaisers solle Jerusalem einnehmen, B-spasian in Ägypten sich rüsten, und Mucian nach Italien ooransgeh-n: unterdessen aber hatte schon AntoninS Primus di- Legionen aus Pannonien °°r. ansgeführt und Italien beseht. So bedenklich di- Lag- des Vitellins war, s» war » doch me zu blödsinnig, als daß er Wider di- Gefahr G-g-nanstalt-n getroffen hätte. Sern- u-stoh-rr-n Valens und Eäcina rückten zwar den Feinden entgegen; aber der Letzte ward zum Berrarher, di. seine Truppen zu eben diesem Schritte. Bald fühlten diese Reue, banden -Hren Feldr-rr». und stellten sich zur Gegenwehr. DaS Gefecht war lang- zweifelhaft; endlich aber flohen st- doch nach L ^ mona, i-y welcher Gelegenheit dieser Ort von Primus eingenommen und abgebrannt wurde, -u e, schreckt- den Kaiser -inen Augenblick aus seinem Schwelgen. Er begab sich selbst ""6 Lager- vcrrieth aber so viel Ungeschicklichkeit, daß ihn auch d-r gemeinste Man» »„achtete, s> kam noch di- Empörung der Flotte be» Misennm; VitellluS hielt sich st',r gänzlich verloren. w>d g wegen Übergebung d-s Reiches ans gütige Unterhandlungen Mit de», Feinde an. ' VespastanS Bruder, perstcherte ihn lebenslänglichen Unterhalt, und nun «mg d» " ^"U'r, kl-id-rn einher, und empfahl sich und di- S-inlg-n dem Schutze d-S Volkes. Dns» Aust . einem so jähen Wechsel des Glückes veranlasset, war rührend, und jedermann der gegenwa g , fühlte Mitleid. Das Volk widerfttzte sich seinem Entschlüsse, und Vitellins begab sich m sn m n P - last zurück. Flavins ergriff bey dieser Veränderung die Flucht, und suchte ^ ^ Befehl schützen; aber die deutschen Cohorten steckten eF in Brand, und Flavins ward auf Litt r? .Y hinger ch^^ „bitterten die Legionen des PrimuS; sie drangen vor ^ Kaiser zum vorigen Vergleiche schreiten wollte: so verwarf doch Pr.mus alle gu l.che ^ g, und suchte Rom durch Sturm zu erobern. An dreyen Orten ward gestmm , thaten den heftigsten Widerstand. Das Volk, welches dazumal die Satnrnalien fcye , s) ^ Gefecht- Mi. -ben der Gleichgültigkeit zu, als im Drei, s den Fech'-rsp'-i.n, und »mnn e-.e bald diese, bald jene Parthey zum tapferen Kampfe. Rom ward endlich eingenoinmeri, - liche Stadt behandelt. Vitellius wollte im ersten Schrecken fluchen; ^ s ^ takter sind zu jedem ernsten Entschlüße unfähig ; er verkroch sich m e ^ Stande- und ward von einer Pattbey der siegenden T.nppen entdeckt, Ohne ^ ward der Unglückliche schrecklich mißhandelt. Mit Muth r.ß man .hm d.e L b ihm die Hände auf den Nucken, warf ihn einen Strick um den Hals, h.e l z mner-Mter^ tz»e- OesichteS eine Waffenspitze unter das Kinn, und schleppte ihn, wie den gemeinsten ff , HS c -91 > auf das Forum. Vorwürfe, Verhöhnungen, Gelachter über die ungeheure Dicke seines Körpers strömten von allen Seiten auf ihn , und eben der Pöbel, der noch vor kurzen in die Niederlegung seiner Regierung nicht willigte, überhäufte ihn setzt mit Schimpf und niedrigem Gespötke. An der genionischen Treppe fiel der Unglückliche durch Menge der Wunden, und sein Körper ward an einem Haken geschleppt und in die Liber geworfen. So unglücklich endete Vitellius nach einer acht monatlichen Regierung. (Hupf. 47.) Fürwahr ein schauervoller Auftritt, den man bcy Barbaren kaum für möglich halten wird' Aber es ist schon so: das gesitteste Volk fällt nach eben dem Grade feiner Verfeinerung in die Schrecken der wildesten Barbarey, sobald es anfangt durch Zügellosigkeit Sitten und Gesetze mit Füßen zu treten. v. e .. > -" T. Flavius VespaslanuS. -Oerwirrung herrschte im ganzen Reiche, und der traurige Zustand desselben hatte einen Mann n§. thig, der das große Regierungsgeschaft verstand, und mit aller Thatigkeit besorgte. Dieß erwartete man von Vefpasian. Die damals eingeführte I^ex re§iA setzte ihn völlig in die Würde eine- Kaisers, und Abgefertigte wurden alfobald nach Alexandria abgefchickt, ihm den Wunsch und die Sehn, sucht des Volkes zugleich mit der Verordnung des Senates zu Überbringers. Indessen wurde Deutschland und Gallien von ausgebrochenen Unruhen zerrüttet, und auch Sarmaten, die Rhoxolaner, waren in Mösien über den Jster eingefallen. Julius Civilis, ein Bataver, der Urheber des Aufstandes ergab sich nach vielen Gefechten auf erhaltene Begnadigung, und der nordische Schwarm, der erste, der sich hier sehen ließ, ward auch zurü-ckgetrieben. (Erb. R. 82Z. nach Chr, Geb. 70 ) Das folgende Jahr kam der Kaiser nach Rom, und die Freude über die Ankunft desselben war ausserordentlich. Noch mehr ward diese bald darauf vermehret, als Titus mit der Eroberung pon Jerusalem zurückkam, und man Vater und Sohn im ftyerlichen Triumphe in Rom einziehen sah. Und nun;Lhat Despasian alles, was Ordnung und Ruhe festfetzen, und dem Reiche seinen verlornen Glanz wieder geben kan». Titus ward Cäsar Imperator, und Mikgehülf in der Regierung, die Legionen wurden zur strengen Mannszucht zurückgesührk, der Senat feiner unwürdigen Glieder entladen, und mit bessern besetzt, die Gerichlspstege durchgängig verbessert, uns» selbst in den Provinzen alles mit Klugheit eingerichtet. Mitten unter diesen rühmlichen Geschäften ward die Verschönerung dir Hauptstadt nicht vergessen. Das Capitolium ward prächtiger als vormals erbaut, und ein Tempel des Friedens erhob sich über die andern. Jerusalems Schatze uud was immer pon Alterthümern nach Roms Abbrennung noch übrig war, wurde darein zusammcngetragen. Auch für die Zusammenkünfte der Gelehrten ward daran eine Bibliothek errichtet, und nicht weit davon stand das ungeheure Am- phitheatrum, dessen Trümmer noch heut zu Tage unter dem Nahmen il colisseo Erstaunen erregen. Auch Landstrassen wurden an verschiedenen.Orten des Reiches neu angeleget oder verbessert, und selbst viele Städte der Provinzen wurden befestiget und verschönert. Er war es auch, der den letzten C-n- sus hielt, den Lehrern einen ansehnlichen Gehalt anwies, und auf drep-tausend ehernen Tafeln die Reichsgesetze und Verträge ausbewahren ließ. Solche Werke waren kostspielig, und enthebe» den Kaiser ganz von dem Vorwurfe des Geizes. Erfand er auch das berüchtigte Vectra! urinurium, so war die Staatscassa erschöpft, und man weiß kein Bepspiel einer üblen Verwendung. Anstößiger war das Verfahren gegen den Julius Sabknus, der sich vor neun Jahren in Gallien zum Cäsar aufgeworfen hatte. Liebe zu seiner Ge- mahlirin hielt ihn durH diese ganze Zelt in eimi' Höhle verborgen, von der nur sie und zwey Frey, gelassene wußten. Neugierde entdeckte ihn, und Vefpasian weinte selbst bep dem Bitten der Gemah- lin, und der zwey in der Höhle erzeugten Kinder; aber demungeachtel sprach er über bepde düs Ur--- V b s US ( »5» ) US Heil des TodeS, und ließ die Kinder auf öffentliche Kosten erziehen. Unter der Regierung dkeses Kai- scrS fing Agricola, der Schwiegervater des Geschichtschreibers Ta«itus an, sich in Britannien be. rühmt zu machen. Vespasian ward endlich krank, und starb auf seinem Landgute Cukiliä in einem Alter von neun und sechzig Jahren nach einer zehnjährigen Regierung. (Erb- R. 8Z2. nach.Ehr. Geh, 7 y.) Als die Krankheit gefährlicher ward, sagte er scherzhaft: „Mich deucht, ich bin im Begriffe ein Gott zu werden," und als sein Lod herannahete, ließ er sich aufrichken, und sagte: „Ein Kä fer muß stehend sterben/' Größe und Majestät, wie Plinius sagt, brachten in diesem Kaiser keine andere Veränderung hervor, als daß sie ihm eine eben so große Macht, Gutes zu thnn, verliehen, als bereits sein Willen war. LitM F l a V. Vespasian. _ Äuf einem guten Vater folgte ein noch besserer Sohn, der zwar vor seiner Erhebung zum Throne einige Flecken an sich hatte, dieselben aber so vollkommen besserte, daß er das V erg uügen des Menschengeschlechts genennet zu werden verdient. Ganz zur Güte und zum Wohlrhun gemacht, entsagte er der Liebe gegen Berenice, die Tochter des jüdischen Königs Agrippa, weil seine Leidenschaft den Römern mißfiel, vnd bat seinen Bruder Domitian mit Thränen, keine Unruhen zn erregen, und mit der angebotenen Mitregenlschaft zufrieden zu siyn. Niemand ging trostlos von ihm, und nur jenen Tag hielt er verloren, der ihm ohne ein wohlthätiges Werk vergangen war. Vorrechte und Schenkungen seiner Vorgänger, wenn sie gerecht waren, wurden bcstattiget-—eine Sache, die in Zukunft beybehalten ward — und Mißbrauche, die sich eingeschlichen hatten, mit Klugheit ab-, gestellt. Die schändliche Rotte der Angeber wurde verwiesen, oder zu Sklaven verkauft, und damit die Quelle ihrer Bosheit auf immer verstopft blieb, ward das Majestätsgcfttz gänzlich ausgehoben. Selbst Verbrecher wider seine Person bestrafte er nur mit einem ernsten Verweise und den Merkmalen beschämender Güte. Sie aßen mit ihm zur Tafel, und untersuchten an seiner Seile im Fechterspiele statt seiner die Schärfe der Dolche. So wenig fürchten gute Fürsten, die Vater des Volks sind » Für sie ergreift mit Begeisterung der Unterthan die Waffen, und rächet jede Gefahr, die ihrem Throne drohet. . ^ Titus erbaute an das Amphitheatrum seines Vaters prächtige Bader, und feyerte vre rvelhung beydcr Gebäude mit den herrlichsten Spielen. Schreckliche Naturerscheinungen schiene« noch mehrere Beweise seiner gutmülhigen Seele zu fordern. Der Vesuvius verwüstete einen Theil Campsniens, und ein ungeheurer Lavastrom und ganze Gewölle von glühender Asche, die den Tag verfinsterten, und bis nach Rom «nd Afrika fioge», begruben die Städte Herc«lanum und Pompeji. Unglücklicher Weife verlor auch hier her ältere Plinius bey einer zu gewagten Untersuchung sein ver lenst- volles Leben. Eine Feurrbrunnst in Rom, die bald darauf erfolgte, kgte übermal einen großen Lche,l der Stadt in Asche, and eine ansteckende Seuche, die alle die Unglücke beschloss, raffte cme Mengs Einwohner plötzlich hin. Titus beschäftigte sich überall mit Hülfe, und weit entfernt, freywl rge ey° steuern zu Unterstützung deS Unglücks anzunehmen, verkaufte er lieber die Kostbarkeiten ^ * «nd Heilte jedem, der litt, nach seinem Bedürfnisse mit. Unter so rühmlichen Handlungen des oh - Huns überraschte der Tod diesen wohlthätigen Menschenfreund in einem Alter von ftrnf und vierzig Jahren, im dritten Jahre seiner Regierung. (Erb. R. LZ4 nach Chr. Geb. 81 .) » HS l »Sr ) d' T. Fl. Sabin. DomiLianus. «^^omitian folgte ohne jemandes Widerspruch seinem Bruder im Reiche/ und verbarg unser de« An» fang einer guten Regierung seine schändliche Gemüthsart, zu welcher er sich, von seinem Vater gehaßt, im einsamen Müffiggange auf der Villa albana, wie ein anderer Tiberius, gebildet hatte. Seine Furchtsamkeit machte'ihn grausam, und seine Verschwendung räuberisch. Er mochte lieben oder Haffen, so war er gleich fürchterlich, und sein Mißtrauen hat niemal Granzen gehabt. Man freute sich zwar über die guten Einrichtungen, die er anfänglich traf, als er Kammerschuldcn nachließ, alle Verordnungen seiner Vorgänger bestattigte, der Üppigkeit Einhalt that, schlüpfrige Schriften und das Verstümmeln der Kinder verbot, und mit Unpartheylichksit und Strenge die Ge- rechtigkeitspstege besorgte; aber wie erschrack man, als er feines eigenen Oheims Sohn, den Flavins Sabinus, der mit der Tochter des Titus vermählet war, aus keiner a-ndern Ursache hinrichten ließ, als weil dieser aus einem Versehen beym öffentlichen Ausrufen Cäsar anstatt Consul genennct ward. Niemand hielt sich jetzt mehr sicher, und wer immer Tugend und Ehre, Verdienst und Reichthum besaß , konnte mit Grunde seinen Untergang fürchten. Am sichtbarsten zeigte sich Domitians schändliche Gemüthsart nach seinem lächerlichen Zuge wider die Catten. Seine Verschwendung erhöhete ohne Ursache den Truppensold, und baute viel prächtiger als Nero. Dieß erschöpfte die Schatzkammer, und eine Menge ansehnlicher Leute verlor jetzt ihr Leben. Die ruchlose Zahl der Angeber, deren Person unter seiner Negierung unverletzbar war, sorgte dafür, daß immer die Reichsten schuldig waren, und auch diejenigen, die natürlich starben, ihre Güter dem Kaiser, als Erben überlassen mußten» Vielleicht hätte auch der verdienstvolle Agricola, der ganz Britannien der römischen Herrschaft unterworfen hatte, und jetzt aus Eifersucht des Kaisers zurückgerufet ward, seinen Untergang unter der Menge gefunden, wenn nicht der kluge Mann seiu Verhalten immer so eingerichtet hätte, daß es jeden Argwohn vereiteln mußte. Ein gefährlicher und blutiger Krieg erhob sich jetzt mit den Dariern. (Erb. R. 841, nach Ehr. Geb. 88.) Diese Nation, die ehemals die Moldau und Wallachey bewohnte, hatte unter der Anführung ihres Königs Decebalus das römische Joch abgeschüttelt, und glücklich gefochtten; aber nun ward sie überwunden und zum Frieden gezwungen. Domitian zögerte mit der Bewilligung, und kam mit den Markomannen und Ouaden so sehr ins Gedränge, daß er sich gegen die Dacier zu einem jährlichen Tribute verstand, der auch bis auf die Zeiten Trajaus entrichtet ward. Obschon Domitian -der Besiegte war, hielt er dennoch einen Triumph. Bald darauf erschreckte ihn ein fürchterlicher Aufstand, ben L. Antonius, Statthalter in Oberdeutschland erregte. Er ward zwar mit dem Tode des Verrächcrs gedämpft; aber Domitian fand hiebet) ein so weites Feld, verdienstvolle Männer zu. Mitschuldigen zu machen, daß die Inseln, wie Tacitus sagt, mit Verwiesenen bevölkert, die Felsen mit Blute besteckt, und Rom verwüstet ward. Domitian mordete jetzt alles, was gut und edel war, mit eben der Leichtigkeit, als er vorher die Fliegen auf seiner Villa durchstochen hatte. Alle Welt- weise wurden verwiesen, und alle ihre Schriften öffentlich verbrannt. Die Christen, die dazumal scl on zahlreich waren, wurden eben auch in diese allgemeine Verfolgung der Tugend und des Verdienstes verwickelt, und es ist die zweyte, die m der Kirchengeschichtc angemerkt wird. So würhete dieser vorgebliche Hera' und Gott, wie er sich nennen und durch Tempel und Altäre verehren ließ, durch ganze fünfzehn Jahre, bis ein Zufall das vorhergesagte Ende seines Lebens beschleunigte. Ein Kind, das ihm zur Unterhaltung diente, zog dem Kaiser im Schlafe eine Schrift unter den Kissen hervor. Die Kaiserin erschrack, als sie und viele Vornehme zum Tode darauf bestimmet waren. Ohne viele Berathschlagung kam man überein, dieser Grausamkeit zuvorzukom- men. Domitian fiel im fünf und vierzigstem Jahre seines Alters, (Erb. R. 849* nach Chr. Geb. l)6) und war er der Letzte aus der Zahl der sogenannten zwölf Cäsaren. tzS l >94 ) ? Marcus Coceejus Nerva Ä?ard noch an eben dem Tage Kaiser. und bewies durch Weisheit und Tugend, wie unwürdig er -es Thrones sey. Alles Gute wurde bestättiget, und was noch abging, dazu gegeben. Für die Erziehung der Jugend wurde gesorget, und den armen Bürgern selbst von den Kostbarkeiten des Palla- fles Felder angekaufet. Dem Blutvergießen feind, gelobte er dem Senate, keines seiner Glieder mit dem Tode zu strafen, und nie ließ er es zu, daß Calpurnius Crassus seiner Verschwörung wegen vom Senate verurteilet ward; vielmehr zeigte er ihm eben die Großmuth, wie Titus in einem ähnlichen Falle. Rom war glücklich unter seiner Regierung, und Nerva verdiente es am wenigsten, daß die Leibwache einen Ausstand wider ihn erregte. So furchtsam sonst der Kaiser Alters halber war, so stellte er sich den Aufrührern dennoch entgegen, und suchte ihre Wuth zu entkräften. Es fielen zwar einige der Urheber des Todes des vorigen Kaisers; der ganze Vorfall halte aber doch die gute Folge, daß Nerva den Traian adoptirte, und zu seinem Nachfolger erklärte. Diese vorsichtige Handlung hinderte die schrecklichen Verwirrungen, denen das Reich gewiß nach seinem Tode wäre ausgesetzet worden. Er starb im siebzigsten Jahre nach einer Regierung von 16 Monathcn. (Erb. R. 8L». nach Chr. Geb.98.) Ein Forum, nach seinem Nahmen genannt, war sein Werk, und zu Rom und in den. Provinzen ward sein Andenken vergöttert. M. Ulpius Nerva Trajanus. «<-rajan befand sich beym Tode seines Vorgängers zu Köln am Rhein als Statthalter dieser Pro vinz, und gelobte in einem Schreiben dem Senate, auch als Kaiser jedes Gesetz wie der geringste Unterthan zu befolgen. Seine Ankunft in Rom verbreitete ungemeine Freude, und alle seine Freunde fanden in ihm den alten Freund, der sie mit Achtung und Liebe umarmte. Wie ein guter Vater, den daS Glück seiner Kinder vergnüget, so lebte Traian unter seinen Bürgern, und gab es zwischen ihm und ihnen einen Unterschied, so war es das rastlose Bestreben für das gemeine Beste zu wachen. Lebensmittel waren immer im Überfluß da, und seine Freygebigkeit erstreckte sich oft über zwey Millionen Menschen. So wenig er selbst des frühen Kriegsdienstes wegen von Wissenschaften besaß, so war er doch ein ausnehmender Freund und Beförderer der Gelehrten, und sorgte väterlich dafür, daß die Kinder unvermögender Eltern Unterricht und Erziehung erhielten. Das Volk erhielt sein Wahlrecht wieder, und er selbst fand es nicht unter seiner Würde, um die Stimmen für das Consulat sich zu bewerben. Hat je ein Fürst alle die Ehrentitel, mit denen die Schmeicheley des Senates gegen die vorigen Kaiser so freygebig war, mit Würde getragen, und den neuen: Der Beste (Oprimus) verdienet, so war es Traian, und schon diese einzige Handlung, daß er zu den Gelübden, die jährlich für den Kaiser verrichtet wurden, die bescheidene Bedingniß setzen ließ: wenn er den Gesetzen nachkommt, wenn er den Staat gut regiert, wenn er die Glückseligkeit -es Volkes sucht, ist Verdienstes genug, denselben mit Recht zu erhalten. Ein Krieg ward jetzt das Geschäft des Kaisers. Decebalus begehrte den von Domitian bewilligten Tribut, und Traian, den ohne das schon die zunehmende Macht dieses Königs und dessen gutes Einverständniß mit dem parthischen König Paeorus eifersüchrig machte, schickte ihm statt dessen die Antwort: „ er habe ja ihn noch nicht überwunden." Feindseligkeiten von Seiten der Datier waren die Folge, und Traian zog an der Spitze einer starken Armee in das feindliche Land. Es kam bald zu einem Tressen, welches so blutig war, -aß eine ungeheure Menge von bepden Seiten den r. ? 'v.- ./ / ' '!(> -V ( >95 ) Wahlplatz bedeckte. Von römischer Seite waren so viele verwundet, daß daS Leinenzeug zum Der. binden nicht hinreichte. Trajan ehrte die Wunden, die seine tapfern Krieger für des Vaterland- Wohl im Kampfe empfangen halten, und voll des edlen Mitleids zerriß er seine eigene Kleidung, und reichte siezu m Verbinden dar. (Kupf.48 ) So half auch hier Trajan mit aller der Wärme eines guten Vaters, den zärtliche Sorge für seine Kinder beschäftiget l Auch für die Gebliebenen wurde rühmlich gesorget. Mit Feyerlichkeit wurden sie begraben, und zum ewigen Andenken für sie ein jährliches Opfer verordnet. Decebalus fühlte die Größe des Unterschieds zwischen diesem und seinem vorigen Gegner. Er bat um Frieden, und ging alle Bedingungen ein, die ihm vorgeleget wurden. (Erb. R. 854. nach Chr. Geb. 101.) Trajan eilte nach Rom zu einem Triumphe, und erhielt den Nahmen Dacicus. Aber kurz war die Dauer des Friedens. Decebalus fing an über die Punete des Vergleich- mißvergnügt zu werden, verband sich in geheim mit seinen Nachbarn, befestigte manchen Ort, und veranstaltcre alles zu einem nahen Bruche. Der Seirat erklärte ihn für einen Feind des Staats, und Trajan zog neuerdings wider ihn zu Felde. ( Erb. R 8z8. nach Chr. Geb. 10L.) Verräthereyen wider den Kaiser von Seiten des Königs machten den Anfang; aber alle mißlungen. Zermizegethusa, Daciens Hauptstadt, wurde mit Sturm erobert, und alle Schätze, obschon sie der König in einen Fluß hatte versenken lassen, fielen in die Hände des Kaisers. Decebalus, von Verzweiflung ergriffen, entleibte sich selbst; sein Kopf ward nach Rom geschickt, und Dacien zu einer Provinz eingerichtet. Bey diesem Feldzuge ward die berühmte Brücke (zwischen Cjernitz und Fetislan) über die Donau, wo der Strom am engsten und reißendsten ist, erbauet. Überbleibsel-zeugen noch von ihrer Größe. Die nachfolgende Zeit des Friedens ward zur Verschönerung Roms und zu Errichtung nützlicher und prächtiger Gebäude verwendet. Trajan erbaute einen Circus, die Wasserleitung Alarcia, das Forum Trajanum, die Basilica Ulpia, eine Bibliothek und die Columna Trajani, eine hundert zehn Fuß hohe Ehrensäule, zu feinem Denkmahl. Gewiß war Rom unter der Regierung dieses Kaisers glücklich, und würde ohne Zweifel immer mehr befestiget worden seyn, wenn Trajan bey der Völle dieses Ruhmes geblieben wäre; aber Eroberungssucht bemächtigte sich seiner. Er zog wider die Parther, und so schwer auch immer dieß Unternehmen war, so überwand er doch mit Schnell, ligkeit eine Menge bekannter und unbekannter Völker zwischen dem Tigris und Indus. Freylich fielen die meisten wieder ab; das römische Reich hatte aber dennoch dazumal seinen größten Umfang. Tra- jan stürzte wegen Menge der Beschwerden, die er auf diesem Zuge geduldet halte, in eine Krankheit, die bald so zunahm, daß er sich nach Italien einschisste. Er kam bis nach Selinus in Cilicien, von ihm Trajanopsl genannt, und starb nach einer neunzehnjährigen Regierung im drey und sechzigsten Jahre seines Alters. (Erb. R. 870. nach Chr. Geb. 117.) So vielen Ruhm sich auch dieser Kaiser erworben hat, so ist er dennoch in der Kirchengeschichte wegen der Christenverfolgung, welche in der Ordnung die dritte ist, nicht ohne Flecken. Mögen die Christen dazumal aus Haß gegen die neue Lehre, deren Göttlichkeit sie so überzeugend bewiesen, unter die Aufrührer vermenget worden seyn r so war es doch nach einer solchen von Plinius erhaltenen Belehrung nicht gerecht, daß Trajan sie noch immer verfolgen ließ. Mas half es, daß er sie aufzusuchen verbot, und dennoch bestrafte, wenn sie als solche angegeben wurden? Menschenfreundliche Duldung hätte ihn auch in der christlichen Kirche zum immerwährenden Ruhme emporgehoben. Berzeichniß der I. Das triuWphircnde Rom. II. Die Gründung der Stadt Rom. III. Der Raub der Sabinerinnen. IV. Schlacht der Römer und Sabiner, welcher die Sabinerinneu ein Ende machen. V. Vergötterung des Romulus. VI. Krone u.Scept-werden d.Nurna dargebr. VII. Gefecht der Horazier und Curiazier. VIH. Aussöhnung des jungen Horaziers nach v er übte m Sch w est ermorde. IX. Zerstörung der Stadt Alba unter dem Befehle des jungen Horaziers. X. Ancus Martius kündet durch die Fecia- len den Lateinern Krieg an. XI. Sieg des älter» Tarquins über die Sabiner und Hetrusker durch Abbrennung ihrer Schiffbrücke. XII. Aceius Nävius weiß die Gedanken des altem Tarquins. XIII. Tullia zwingt ihren Kutscher über die Eriche ihres Vaters zu fahren. XIV. Tod der Lukretia. ,XV. Der Consul Junius Brutus hält vor dem versammelten Volke das Blutgericht über seine zwey Söhne. XVI. Verthcidigung der Pfahlbrücke durch den Horatius Coclesrrnd 2 andere Krieger. XVII. Anschlag des Mucius Scäpola wider das Leben des Porscnna. XVIII. Clölia erhält v.K. Porsenna ein Geschenk. XIX. Denkmäler, dem Horatius Coclcs, dem Mucius Scävola, und der Clölia von den Römern errichtet. XX. Entweichung des römischen V.olks auf den heiligen Berg. XXI. Coriolan sucht bey den Volskern Zuflucht. XXII. Coriolan wird durch Fürbitte seiner Mutter zum Abzüge von Nom bewogen. XXIII. Feyerliche Vethtage in Nom wegen einer- ansteckenden Seuche, deren Hebung der Todesstrafe der Vestalin Urbina zugeschrieben ward. XXIV. Q. Cincinnatus rettet die Armee des unvorsichtigen Consul Miuucins. XXV. Virginia wird zu Erhaltung ihrer Ehre u. Freyheitv, ihrem eigen. Vater getödtet. Kupfe rtafeln. XXVI. Kühner Anschlag des Ritters S fl Mälius auf die Oberherrschaft in Rom, und Tod desselben. XXVII. Feyerlichkrit des Lectisteriums oder Göt- termahls. XXVIII. Camillus nimmt nach einer zehnjährigen Belagerung die Stadt Veji ein. XXIX. Verräthsrey u. Strafe eines Schullehrers während der Belagerung von Valerit» XXX. Rom wird von den Galliern eingenommen und in Brand gesteckt. XXXI. Camillus vernichtet die Friedensunker- handlungen der Römer mit den Galliern, und schlägt die letzten aus Rom. XXXII. M- Curtius weihet sich für das Vaterland dem Tode. XXXIII, T. Manlius Torquatus läßt seinen Sohn wegen verletzter Kriegszucht hinrichten. XXXIV. Die Samniten lassen die Römer unter dem Joche durchgehen. XXXV. Der Gott Aefculapius wird in Gestalt einer Schlange nach Nom auf eine Galeere gebracht. XXXVI. Wichtiger Sieg der Römer zur See bey Eknomos. XXXVII. M. Atillus Regulus wird von den Karthagern zur grausamsten Todesstrafe verdammt. XXXVIII, Hannibals Sieg nach der Pch.lacht bey Cannä. XXXIX. Des jungen Pnblius Scipio vortreffliches Bey spiel der Enthalt samkeit. XI>, Cn.Pomp.Magn.ahmetüi seiner Triumphs feyer dem Aemilius Paullus nach. XIck. Cäsars Leichenbegängnis' ».Vergötterung-. XDII. Der große Circus in Rom. XL.III, Kaiser Augustus verschönert Rom. XI.IV. Tod des verdienstvollen Germanicus. XOV° Cajns Caligula läßt bey seinem ftyerlk- Mn Einzüge .eine Menge Zuschauer über die zwischen Bajä und PnLeoll erbaute Schiffbrücke ins Meer werfen- XI/VI. Der goldene Pallast des Kaisers Nero. XO V1I. Unglückliches Ende des K. A. Vitellins. XflVIII. Kaiser Trajan zerreißt seine Kleidung, die Wunden seiner Soldaten zu verb'nden. E ing e sch l i ch e n e D r ucks e h l e r. G-r-Z-T-gründen , lleS: gründee. S. 27. Z. a.gviiikurlichen. l. übereilten. G. 51. Z. 7. 10. DcmcratuS ^r. DcmaratuS. S. Z1.Z.7. von unr. grnlim , l. gentium. G. z?. Z.y. e s , ist überflüssi.,. S. z?- Z., fetz re. Usmsutos. l. Namuaarss. S. 47. 3 - 1 S. Trici.prttvuS, t. Lricipitinus. S. 50. A. ijj. Bezi , l. Beii. S. ;z. Z. ^4. Diese» für lenen , l. jenen für diesen. S. s;. Z. 12. vermehre,,, l. vernehmen Ir. Z. y. von unr. in eerNor. könnten, l. konnten. Ä. ss. Z. z. von unk. 5-2, l. 492. S. 70. Z. 2, von unt. wartete, l. erwartete. S. 71- 3 - r?» Volumina , l. Nolumnia. S. 76. Z. y.v olerischcn , l. valcrischen. S. 85. letzt. Z. blutende, 1, blutige. S. yi. Z. 5 - erfordert, l. erforderte. Nr. A. 9, »ach derIahrzahl ist einzuschaltcn : Unglücklicher ivae der Eonsul L. ScmprornuS AcrakinuS^: denn,c. Ir. Z. 20. sorgten, l. sorgen sollten. G. 9z. letzt. Z. würden, l. wurden. S. 9S. von und. sunoischcn, l. lunonjschen. S. 97. Z. 4. Schicksal, l. Glück. 8. 3 -13. starr 471, l. 351. S. i2o.letzr. Z. Sinicinum, l. Sidicinum. G.iri.Z.l- LiviS, l. fl'iriS. Ir. Z. 5. er überflüssig. S. 122. Z. 8, unerfehenc, l. uuver,' henc. S. 12z. Z. re;, st. 3-'8-l-342. S. 139. Z. iz. von unrcn, wo, l. wohin, s. 143.^3. 15. von unr. 278, l. 279. S. 144. Z- rr. stair 2§2, l Ir. Z. 9, von unr. besser, l. bessere. It. Z. 4. von imren, relUI-lrc>. l. S. i.,5. 3 - 9- st- 412, l. 512. G. 15 r- 3- 8, von nur. 529, l. 739. S. 1 z;. Z. 21. ft. 540, l. 748. L. 176. Z.«2, ft. 55?, >-5-2. S >sq. Z. 12, von unr. 5S8, l. <708. G. iü 3 - 3 -23. Sing, l. Sieg. It. Z. 4. von unt. ss,-, l. <^z.L S. r?A. 3 - 19. Denn K. PharuaceS , >. oen K. PharnaceS. . G. 177. nach der letzten Zeile ist die Erklärung der Buchstaben im Kupserblatre einzurückcn ; nlS : -fl. Kleiner Dennsrempek. 6. Altar re» Gorreä EonsuS. L. Drei) Kegel, ^INorse) wobei, der Wcrclauf anflng. O. AIrnr der r!aren. N. §roiilon auf Sä ilen, alS Eingang eines dem. pelg. ?. AchnlichcS Daustück der Schutzgörrinn gewidmet. O. Der Altar. U. Die Siegcügöttinn auf einer Säule l.Alrar. N. ^vulenrca- pel dcS ReprunS oben micOelpoinen verzieret. U. Die Göttinn Evbcle auf einem röwen. bl. Der Obelisk. dl Der Sonnencempel. O. e, Drei>suß. ».Ein Säulcngestell mir den vergoldeten Kugeln (ova)zur Bezeichnung und Richtung im Werclauf. <^> Die Göttinn Fortuna a 1 .siner Säule, k, Alrar »er großen G 5 mr. 6. Kleinerer Sbel,Sk deS Mondes, är. Andere drei- Kegel, wobey vaS Lercrennen sich cnd>g"» 4 k' ^ > 4 »?