Des Eußigten / und an dem Rreutz erstorbenen Lrlösers. Vor !hro Römisch Mayserlich^ undWöniglichen Watholischen ajestätttn / Und !ero sammentlichen Aoff-Watt/ In der Hoff* Kirchen DermWohlEhrwürdigenkp.^uAuttinernBaarfüssern Um Keil. Uhorfreytag / In der gewöhnlichen Predig; von Ihro Mai. Hoss-Prediger ?. ERA^ci5cO XAVERIO BREAN, auß der Ge- ftUickafft ILSu vorgesteüek. Im Jafrc 1714- _•_ ' V Wienn in Oesterreich / gedruckt bey Andreas Heyinger/ Univcrüt. Buch-Drucker. ' -E 4 ZK(; dbdöcfedkjcfc» eiadbdbct^ cfadacfoda cfe(^ c^<^gfoütocfo : dbdbc3b cfo<±> r.^>»,j,j r. j. 1.J.J «.4»' UiJ CM /AVVr3?W»\ ßMrUMß ^ cfcoi^cfoob .'o.'cto cfc’Obcto lf?' ^Is&sß :o; SBS»l& c^5cpqpcp;c^5qpc^c55c^5^iqpc^^c^5: ? ^5^c55qp'^qpCpqpqpc?3^?5^qp Poftquam venerunt in locum, qui vo- catur Calvarias , ibi crucifixerunt eum. Luc. 23. Wls sie an das Urth kommen / welches die Wchedel«Mtadt genennet wird / reutzigten sie Ihm daselbst. Luc.23. S Un stehen wir a»ff dem Calvari- Berg. Unsere Gedancken haben in ihren Erwegungen / in welchen sie/ von dem Orhlbrrg biß hieher / denen Fuß-Stapffen desLeydenden/ Schritt vor Schritt gefolget/allda endlichen das letzte Orth erreichet / wo Christus JSsus den letzten Athem ziehet. Wegen der Mmge / und undegreifflichen Hochheit so vieler Geheimnuffen / wißen sie sich nicht zuentschiiessen / was all- hier besonders zu erwegen wäre. Wo sie eben durch die leb- haffteste Vorstellung ihres Geereutzigten / den Willen zu allen zartist-so wohl als eyffrigsten Anmuthungen selten anfeueren ; da finde ich selbe vor Forcht und Entsetzung gantz erstarret / und unbeweglich. Ich dann solte Sie durch vorha- bende Red außmuntern / umb gegen dem Sterbenden ihre A 2 letzte ■MMf 4 )GM- letzte Pflicht zuerstatten. In solcher Erwarth-und Hoffnung sihe ich gegenwärtige Allerhöchst-und Zahl-reichiste Versamblung deren Zuhörenden vor mir. Allein vor heut muß ich dieses Begehren Abschlägen; ich kan die Erwart-und Hoffnung deren Zuhörenden nicht erfüllen: All meine Entschuldigung bestehet in dem; weilen man von mir etwas unmögliches verlanget. Ich weiß ja / in keiner Sach möge di« Red/ ob sie schon die eusserste Krässten anspannet/ weniger ihr Ambt vertretten/ weder da Sie die Geheimnuffen eines leydenden GOttes sich anmaffet vorzustellen; Ich weiß / ihr Kunde eygentlich zu / kleine Sachen zu erheben / und durch ihre Kunst-Griff vor denen Gemächern deren Zuhörenden/ selben einen grossen Zusatz/und gewaltigen Nachdruck zugeben; Wo nun die Sach/ von der ich reden solt« / alle Gedancken übersteiget / allda müssen meine Wort verlohren seyn. Ist das gantze Leyden des Sohns GOttes ein unergründliches Meer/ welches alle Gedancken / alle Anmuthungen / aller Menschen / und Engeln verschlinget; Wo werde ich Wort finden/ die letzte / aber eben darumb entsetzlichste/beweglichste/ unbegreifflichste Begebenheit dieses Leydens / nemblichen die Creutzigung/ und den an dem Crrutz erfolgten Tobt Christi JEsu vorzutragen ? kaulus betheuerte gegen seine Corinthier OM. in der i.Send-Schrifft/an dem r. Non judicavi me fcirc » aliquid inter vos, nifi JESUM Chriftum, & hunc Cru- cifixum. Er erachtete nicht/ daß er unter / und vor ihnen etwas versteh« / von etwas zu reden wisse / als von Christo 2Ssu / und diesem dem Gecreutzigten. Verflossenes Jahr hielte ich mich vor dem Eingang meiner Fasten- Redm an die« sen Lehr-Spruch kaulirvor dieses habe ich tieffer nachge, sonnen/ finde das Widerspill/ werde meine Wort zuwider« ruffens •%mc ? )sm- ruffen/ und zu bekennen gezwungen: Ich wüste von Christo JEsu dem Geereuyigten nach Würdigkeit der Sach / und Euerer Erwartung nichts zu reden. Nach Würdigkeit der Sach /nach Erwartung andächtiger Gemüther weiß ich von dem Geereutzigten nichts zu reden ; dessen doch ungeachtet/ darff ich nicht von der Kantzel tretten: «mb weder an einem / noch andern Theil zu flössen / werde ich Wort geben: alle doch sollen nichts anders / dann ein betrachtendes Stillschweigen / oder schweigende Betrachtung ftyn. Eben dieses ist/ was heutiger großer Trauer» Lag erfordert/ und mich bey gegenwärtiger Bersamblung entschuldiget; weilen in Zufällen / welche von ungemeiner Betrübnuß/ein nachdenckendes Stillschweigen mehr dann alle Wort saget. Der Schmery / welcher mit Worten genugsam kan erkläret werden / ist auß denen Geringrrn / und vrr, bienet diesen Nahmen kaum. Ich werde dann die heutig« Trauer - Stille nicht verwirren ; sondern andächtigen Ge» dancken / welche nunmehr» auß dem Ealvari- Berg / als dem Mittl-Punkt ihrer Anmuthungen ruhen / nur die Creutzi» gung/ und dem an dem Creutz erfolgten Tobt Christi JEsu ! iU betrachten vorstellen : je weniger ich von diesrm unauß- hrechlichem Geheimnuß Rede / desto mehr wird sich die Webe/ das Mitleyden / und ander« gegen dem verstorbenen Erlöser schuldige Gemüts - Neigungen derm Zuhörmden/ in die Betrachtung desselben vertieffen können. In Erwartung dessen ermahne ich meinem gewöhnliche« Gebrauch nach nicht mehr / auff! sondern still! still Gedankken! auch all mein Reden muß ein lautheres Stillschweigen seyn / wo das Ewige Wort des himmlischen Nattrrö in dem Tobt er» stammet. «z kost. •Wr 6 MM. _ Poftquam venerunt, laß ich die Vorstellung dessen/ was wir anheut zubetrachten haben / dem Evangelisten machen. Poftquam venetunt in locum , qui vocatur Calvarise, ibi crucifixerunt eum. Nachdem Sie an das Orth gekommen/ welches die Schebel-Stadtgenennet wird/ Creutzigten sie Ihm allda. Crucifixerunt eum , sie Creutzigten Ihme. Wohl kartze Wort vor eine unendliche Erzählung / über welche wir doch anheut / und Lebens - Lang genug zu betrachten haben / und dannoch der Sach niemah- lcns werden auff dem Grund kommen. Ich schlage in allen Evangelisten nach / finde aber nirgends mehr verzeichnet: alle musten kurtz abbrrchen / wo entweders der Schmertz die Hand gesperrct/ und sie nicht mehr schreiben / oder das un- begreiffliche Geheimnuß ihr Gemüth in eine Erstaunung verzückt / und nicht mehr gedenckn liesse. Sie wölken / und kanten von jener Sach nicht viel Wort hinterlassen / welche allein der Geist GOtteS andächtigen Hertzen nach Maaß ihrer Liebe in der Stille pfleget vorzustelle». Crucifixerunt eum. Sie creutzigten Ihme. Dieses ist/ was uns anheut nach seinen Umbständen zu betrachten obliget. - Wir sehen dann auff solche Begebenheit/ und finden Christum ISSUM / welcher in eusserster Armuth bloß / und nackend hatte sterben wollen /auff daß neue aller KI eyder beraubet / und an dem gantzen Leib entblösset. Ich darff all« hier / wie vor der Geißlung in dem Nicht - Hauß Pilati nicht mehr bitten/ die Augen abzuwenden; damit wir dem Jungfräulichen/und eben darumb schamhafftigsten GOttes Sohn durch unser Ansehen den empfindligsten Schmertzen nicht zufügen.Die gewalthätige Abreissung dereoKleydern hat alleWunden erftischet/und dem König der Herrlichkeit am gantzen •mc 7 )m gantzen Leib mit der Purpur seines Bluts bedecket. Nur ««gescheucht dann nicht so viel auff dem bloßen Leib / als eine durch dem gantzen Leib offene / frische Wunden die Augen gewendet. Welt / und sündhaffter Mensch l was sehet ihr ? Welt/ deine Irr - Lehr / welche der bloß - sterbende GOt- tes Sohn widerleget; Du aber sündhaffter Mensch eine Haubt - Lehr / der du nothwendig hast nachzukommen/ wann du doch einstens mit JESU zu sterben verlangest. .Welt! du wilst die Deinige nicht bloß sterben lassen; du überredest Sie grosse Reichthumen auch durch unzuläßige Mittel zu versamblen/umb in diesen zu sterben ; und nach dem Tobt denen Ihrigen zu Hinterlaffen: obschon hierüber dero Leich« nahm mit einem schlechten Sterb-Küttl bedecket in das Grab geworffen / die Seele aber von dem Last des ungerechten Guts in die Hölle gedruckt werde. Infeliciffimi homi- num ! hat zwar diesen deinem Irrthumb Salvianus 1. Z. ad sah. i. Eccl. bebautet. Infeliciffimi hominum! cogitatis.quam adLest, bene alij poft vos vivant; non cogitatis, quam male ipfi moriamini. Euch unglückseeligste Menschen! die ihr euch von der Welt also verführen/und bcthören lasset; ihrgeden- üet und seyet sorgfältig/ damit andere nach euch wohl/ prächtig/ und villeicht auch sündhafft auff der Welt leben; geben- cket aber nicht / und traget keine Sorg umb daö / daß ihr so übel/ und unglückseelig dahin sterbet; es ist euch genug/daß sie eine kurtze Zeit lustig seyn auff der Welt/obschon ihr/und vielleicht auch sie mit euch ewig brinnen müsset in der Höllen. Sehet diese Unsinnigkeit von euren Erlöser widerlegetEr will bloß und nackend sterben / damit auch ihr den Schloß nehmtt/ wann es nicht anderst seyn kan / lieber bloß mit dem armen/ doch gerechten Lazaro in dem Himmel einzugehen/ ■mc s )!»• als mit dem reichen Prasser in Purpur eingewicklet in die ?/• Höllen zufallen. Er hat euch durch David an dem 48. Pf. vorsagen lassen: Relinquent alienis divitias fiias. Ihr wurdet ftrmbden eure Reichthumen hinterlassen; und ihr wurdet darvor wegen der Sünd der Ungerechtigkeit die ewig« Peyn tragen; Alienis. Frembden; weilen auch die/ wel- che im Leben die Eurige/nach dcm Todt entweders so wenig/ als die allerftembdeste/ auff euch gedencken / oder wann sie auch gedencken/vor dieses/was sie genüssen/ und ihrgesün- diget/ keine Hülff werden leiste« können. Uber diese Lehr des Psalmistrn gibt der in eufferster Armuth bloß - sterbende JESUS sein Bcyspill: lasset dann jene unsinnige Sorgfältigkeit vor die Eurige/ welche euch die Welt lehret; Sterbt nackend / wenigstens von allen ungerechten Guth entblößet / mit JESU: Er wird diese Blösse deren Armen / aber Gerechten mit dem «nverwesentlichen Kleyd der Himmlischen Herrlichkeit bedecken. Du aber sündhaffter Menschvornehmlich der du in eine langwierige Laster - Gewohnheit verwicklet / und auß der Zahl deren jenigen bist / welche David an dem 72. Ps. br- vß r- schriben hat. Operti funt iniquitate > & impietate fua. Sie wären von ihrer Boß - und Gottlosigkeit gäntzlich bedecket : wüst du einstens mit JESU sterben / so ist es noth« ^ wendig dieses Laster- Kleyd von dir zu werffen. Exfpoli- antes vos veterem hominem , ermahnet Paulos ZUM Lo- lossccn an dem Z. cum aLkionibus fllis. Ziehet den alten Menschen mit seinen sündhafften Wercken auß. Es ist solche Abkleydung nicht auff dem Todt zu verschieben; da werdet ihr zu schwach ftyn dieses Kleyd / oder besser zu reden / die alte Haut sündhaffter Gewohnheiten von euch zureiffen. - wartet 9 ■iriSt Wartet nicht biß euch wegen vorfallender natürlichen Un- Möglichkeit die Sund verlasse; anjetzo da ihr durch die Entblößung eures JEsu alle Wunden / welche ihr so häuffig geschlagen habt/ erneueren/ und alio Ihm nackend / und bloß sehet auff daS Areutz fallen./faffetdoch einstens einen Schluß den alten/ sündhafften Menschen von euch zu werffen. Geben- cket/ wie osst ihr Ihm solches zugesagk / da ihr nemlichen eure Seelen entweder in dessen Blut gereiniget / oder aber wegen allzutiessen Gewohnheit ohne schuldigen Vorsatz der künsstigemLebens- Aenderung dieses Blut umbsonst über euch habet außgieffen lassen. Heunt dann / wo alle Hcrtzen/ welche Menschlich/ und nicht gar verwildet feyn/einen guten Ge- danckcn schöpffen / heunt fasset den Vesten Schluß/numnehro müsse das Leben geändert seyn ; ihr hättet euch lang genug der Gütte eures Erlösers / und seiner Verdiensten mißbrauchet : die alte Sünden - Gewohnheit welket ihr ungeachtet aller Widerspänstigkeit der Natur / ungeachtet aller Anreitzung des Fleisches von euch werffen / damit ihr doch einstens von diesem Laster - Klcyd entblöffet / mit eurem JTsu sterben mvget. Dessen Allerheiligstes Blut / welches wegen dieser letzten/gewalthatigen Entblößung auß allen Wunden hervor quellet/ Sein herzunahender Todt/ soll alles/ was menschlich/ zu diesem Schluß bewegen /und wird auch in dem genommenen Vorsatz stärcken. Bißhero haben wir nur unfern blossen JEsum/ vor seiner Creutzigung betrachtet: Nun fahren die Peyniger in ihrer Grausamkeit/ wir in unfern Gedancken fort. Sie ergreiffen Hammer und Nägel / schlagen jene Händ/welche Himmel/ und Erden erschaffcn/und erhalten haben; jene Füß/ denen sich alles dieses zum Schamel leget/ mit so gewaltigcn Streichen an B das 438®r io y&m das Creutz / daß davon zwar die Harke Stein i und Felsen des §alvart - Bergs den Widerhall geben; ihrer aber / und unzahlbayrer Menschen / weit mehr erhärtete Hertzen hierüber nicht beweget/ vielweniger zerknirschet werden. Diesen Schmertzen / welcher die Bein durchtrungen/die Senn-Adern abgesprenget/dir Gliedmassen verrücket/ und den Last eines ganyen Leibs an vier Nägel auffgehänget/ kan ich mir zu Genügen nicht einbildcn; will mich dann in Beschreibung desselben nicht verweile». Ich sihe allein meinen würcklich an das Creutz gehessteten JEium an. Was ich hierüber reden/ was ich begehren solle / weiß ich nicht ; I-aurenrius Juftinianus setzet mich in einem gewaltigen Zweiffel / und zwinget mich mit seinen Worten lös incend. Divin. amoris, zu seuffven : laur. Ja- Te videre in tanto dolore non poflum: Te etiam libera- ftin. dein- re mors mihieft : & ideo anguftiae funt mihi undique, cend. Dtv. Mein HErr! ich kan Dich in so großen Schmertzen nicht an- amor. ^hen; ich darff Dich aber auch von dem Creutz nicht befreyen; weilen dieses Dein Creutz mein Leben/ Deine Befteyung mein Todt wäre ; darumb ist mir von bcrden Geyten angst. Quid eligam ignoro: nifi tecum pariter crucifigi. Ich weiß/ was ich erwählen solle; all meineGedancken schlagen mir kein anders / kein beffers Mittel vor/ weder daß auch ich mit Dir gecreotziget werde. Ja / sagt Paulus hierzu / dieses ist das allerbeste / aber auch das notbwendigste Mittl: Es hilfft nichts davor / sammentlich müsset ihr an das Creutz / so fern ihr doch auß der Anzahl deren jenigm seyn wollet / welche der Gecreuyigte mit außgespanten Armben unter die Gal. s. Seinige einschlicssct : Qui Clirifti funt, carnem fuana crucifi- xerunt cum vitijs, & concupifcentijs, Welche Christi seyn/ die haben ihr Fleisch / sambt ihren Lastern und üblen Begierlichkeit -BZ( ii ;i w lichkeiten ebenfalls an das Creutz geschlagen. Ich bin/und will meines JSsu seyn; und darumb / fahret Paulus fort: Mih.i mundus crucifixus eft , Sc ego mundo. Darumb g,i/ ist mir schon die gantze Welt gecreutzlgct / und ich der Welt. Srye es dann/ bey wem es immer geschlossen ist/ Christi zu seyn/ von dem er anheunt umb dem unschätzbahren Werth Seines Bluts ist erkauffet worden / der muß sich/ und seine üble Begierlichkeiten zu seinem Erlöser an das Creutz hefften. Niemand entsetze sich hierüber/was in unseren Erlöser durch leiblich / und enipfindlichsten Schmertzen / solle in uns nur sittlicher Weiß vollzogen werden. Sr ist der glaubwürdige« ren Meynung nach durch vier Nägel / wir seynd durch vier Tugenden an das Creuy zu hesjten. Die vier Nägel haben in dessen Händen/ und Füssen vier Wunden/ und neue Brunn« Quellen des allerheillgsten Bluts eröffnet. Da siehe ich auß dem Göttlichen Paradeys jene vier Flüß entspringen / welche den sammMlichen Erden -Kreyß durchlauffen/und dieHer- tzen aller Menschen/ weiche nicht in »nftuchtbahr« Felsen erhärtet/ zur Fruchtbahrkeit befeuchten : In eben diesen vier Gnaden-Strohmen aber des Göttlichen Paradeys/ welche dir vier Nägel dcsG creuylgterrössnet/entwekffen mirdieH.Vät» ter/als Aug.l.2.degen. contraManich.c y.Sc lo.DerHeil. Amb 1 de Parad.c.3. Und andere dievier sittliche Haubt-Tugenden als nemblichen/ Prudentiam Juftitiam, Fortitudi- netn,&Temperantiam. Die Christliche Klugheit/Gcrechtig- keit/Starcke/uiid MässgkeitDurch diese dann haben wiruns/ und unsere Laster an das Kreutz Christi zuschlagen/ umb hi uns das Kenn - Zeichen eines wahren Christeus nach dem Begehren Pauli ausfzuweisen: Unsere Laster / sprich ich / und vornehmlich die jenige / welche obgemeidten Lugenden B 2 ent« _ E 12 )M- _— E entgegen gesctzet / und dem leydcnden GOltes - Sohn alle Schmach / Unbilden / und Schmertzen haben zugefüget. Nur dann zu solcher sittlichen Creuyigung den Anfang gemacht/cs gehet der Ordnung nach. Die betrögliche/ falsche/ und verstelte Klugheit des Fleisches / und der Welt hat ihme ais einen Thoren verspottet/ als einen Einfalt verlachet/ seine ' Gottheit verlaugnet / und eben darumb all dessen Lehr ver« worffen / wellen diese alles auff GOtt / und die Lugend gründete; mithin ihren Lehr - Sätzen schnür - grad zuwider licffe. Her dann mit dem Nagel der wahren Christlichen Klugheit/ welche vor ihren Grund/ GOtt/ und Sein Gesatz nihmet / welche nichts vor nützlich haltet / was nicht zulästig ist; welche alle List/ Betrug/ schädliche Verstellungen vcrwirffet; die Auffrichtig - und Redlichkeit von Mund / und Hertzen vor ein Anzeigen eines ehrlichen Manns/ und wahren Christens nihmet: mit diesem Nagel der wahren Christlichen Klugheit haben wir die falsche / betrügliche / nicht selten abgötkerische / frey - un - oder irrgläubige Klugheit dieser Welt an das Creutz zuschlagen / von der unskauluz kam. 8. ver- Kgm.i. sichert: Sapientia carnis inimica e'ft DEO: legi enim DEI non eft tubjeÄa. Sie wäre eine Feindin GOtteS / weilen sie sich dessen Gesatz nicht unterwerffen will/ sondern ihren freyen hochmütigen Geist zufolg glaubt/ was sie will; übet / was sie will; lebet / wie sie will. Lasset uns diese an das Creutz Christi hefften; damit sie ihme hinführo nicht widerstreben dörffe. Hierdurch haben wir einem Armb angeschlagen ; nun zu dem anderen. Dieser greiffet allzuwcith umb sich / und wann es der eygen-Nutz erfordert/auch indasGuth seinesHerrns/oder übrigen Neben - Menschens. Ach J der Geitz / die Begicrd r« •fs>§c 13 m- zu haben / hat Christum JESUM den unvergleichlichen Schah Himmels / und der Erde» fall gebokhen/ leinen GOtt/ und HErrn verrathen / und das Göttliche Blut verkauffet: Die Ungerechtigkeit hat rhme von einem Gericht zu dem andern geschleppet/ die «kante Unschuld von der gewaltthäti« gen Unterdrückung nicht errettet / dem Grimm / und Belieben seiner Feinden überlassen / und zum Todt veruttheilet. Her mit dem Nagel der Gerechtigkeit: nur tieff mit diesem jene unmäffigeBegierd Geld zu machen/ und seinen eygen-. Nutz zu befördern/ an das Creutz Christi geschlagen / als welche die Gerichts - Stellen / in Wucher-Bänck verändert / dieStrittigkeiten auffschiebt/ denarmen nicht anhöret/son«- dern unterdrücket/ die schuldige Treue/ das Vatter-Land/ den allgemeinen Nutzen / die Billich - und Gerechtigkeit / die Seele/ und GOtt verkauffet. Nur diesen Armb/ welcher allzuweit umb sich greiffet/ vest an bas Creutz desBerkaussten/ ungerecht verurtheilten/ in der eussersten Armuth sterbenden JESU geschlagen; damit er sich nach dem / was ihm nicht gebühret / hinführo nicht außstrecken möge: damit David nicht auch über uns an dem 25. Ps. seufftzen müsse: die per- <üas cum impijs DEUS animamj & cum viris fanguinum vitam meam, in quorutn manibus iniquitates funt,dex- tera eorum repleta eft muneribus. Mein GOtt! laß meine Seel mit diesen Gottlosen/ und mit denen Männern/ welche frembdes Blut außgesauget / nicht verlohrcn gehen: in dero Händen die Ungerechtigkeiten scynd/und dero rechte Hand mit unzulässigen Schancknussen erfüllet ist. Nachdem wir die Hand durch die Christliche Klug,und Gerechtigkeit an das Creutz Christi geschlagen/ gehet cs auff die Füß loß. Einer auß diesen wancket / und stehet niemah- B Z lens n- -r. 43IC '4 )M- % lms vest ; der andere lauffet allzuschnell; beede dann seynd durch die zwey übrige Nägel der Christlichen Stärck« / und Mäßigkeit zu bevcstigen. Die Forcht / und Zaghafftigkeit, die Mächtigere auß denen Juden nicht zu beleydigen , die Heuchlerey/ und Begierd diesen zu gefallen; bas Menschliche Ansehen / und die darauß erfolgende Sorg die Gnad des Kaysers zu verkehren / hat wider ISSUM falsche Zeugnus« sen abgeleget; diese hat dem Richter zittern / und wancken gemacht / und da er beede Theil halten wolle / den Sohn GOtlcs unterdessen auff das eusserste peynigen lassen; diese hat ihm den letzten Stoß gegeben / Selben nach so grausamen Peynen endlichen zu verurthcilen / und an das Creutz zu schlagen. Nur dann durch den Nagel einer Christlichen Stärcke diese Forcht / und Zaghafftigkeit an das Creutz geschlagen ; damit uns Elias der unerschrockene Prophet/ wie dem versambleten Volck lfrael z. Reg. 18. nicht verflossen und befragen müsse: Ufquequo claudicatis in duas partes ? fi Dominus ctk DEUS , fequimini cum; ü autem Baal, fequimini illum. Wie lang hincket ihr auff beedt Seithen? ist GOtt euer HSrr, so folget Ihm < und Seinem Befehl; Ist es aber Baal, ist euer eygen-Nutz, ist ein Mensch, oder das blinde Glück euer Abgott, möget ihr dieses anbetten ; enlschlikssct euch zu etwas. Unmöglich ist es zweyen so widrigen Herrn zu dienen. Wancket nicht; sondern ste« het vest vor die erkante Unschuld / wahr -und Gerechtigkeit; damit ihr euch weder durch die Hoffnung des günstigen / weder durch die Forcht eines widrigen Glücks von euerer Pflicht, von der Schuldigkeit eueres Gewissens abwendig machen, oder nur einen Schritt bewegen lasset: Schlaget alle Menschliche Forcht / und Zaghafftigkeit durch den Nagel einer •IsIC i? )MS- etncc Christlichen/in allen dem / was GOtt/ die Gerechtigkeit / und das Gewissen erfordert/ unbeweglichen Stärcke an das Creutz eueres Erlösers. Durch die Christliche Stärcke ist der Wanckende/durch die Mäßigkeit aber der allzuschnell lauffende Fuß anzuheff. ten. Ach GOtt! ich höre/ wie die zaumlose Welt-Kinder sich zu diesen Laustauffmuntern. 829.2. Null um pratum suf fit, quöd non pertranfeat luxuria noftra. Es solle kein Feld styn / welches unsere Gailheit nicht durchlausse. Sie eylen mit vcrhengten Zigl blind ihren Begierden nach / ohne auff dem Verlust der Ehr / der Gesundheit / des zeitlichen Guts; ohne auff dem vor ihnen offen stehenden Schlund der unglückseeligcn Ewigkeit; ohne auff dem / vor ihren Füssen ligenden Gecreutzigtcn zusehen: Nur fort! ob man auch diesen zertretten / und über ihm in jenem fallen müsse. Nul- lum pratum fit, kein Feld / kein Orth solte seyn / wohin diese zaumlose Begierden nicht durchtringen : Sie Werften alle Schrancken der Jungfräulichen Unschuld / der ehrlichen Treue/ des GOtt geheiligten Stands / und geschwornen Worts über den Haussen/ umb ihren Laoff fortzuseden. Ve- loces pedes eorum , saget uns von dergleichen David an # dem 13. Pf. ad effundendum fanguinem, D^skö jeynd jene schnellfertige Füß / welche immer fortlauffen/ umb das Blut / aber nicht deren Menschen / sondern des Sohns G Ot- tes zu vergirssen: Durch ihre fleischliche Gelüsten haben sie dessen Jungfräuliches Fleisch zemffen; Sie haben eine Wunden in die andere geschlagen ; sie sehen auß allen das Göttliche Blut häuffig hervor quellen; Alles dieses erbärmliche Ansehen ist doch nicht genug / sie von ihrem ungezaumtcn Lauff zurück Malten. Hier dann ist der Nagel der Christ- _ _«K 16 )A-Z.___ lichen Mäßigkeit/ welche Tugend alle unordentliche Begierden zuruck haltet/ za ergrciffen; solle auch unser widerspän- stiges Fleisch einige Empfindlichkeit müssen außstehen / nur selben zur Abbüssung deren vorigen Lastern tiess hinein gekritzen / und unsere zaumlose Begierden hierdurch an das Crcutz Christi gehefftct. Finden wir in unS nicht genug Kräfften zu solcher Unternehmung / so lasset uns mit vavid zu GLtt Pf nt. rüste». Confige timore tuo carnes meas : a judicijs enim tuis timui. Pf. 118. Mein HErr ! weilen die Lieb deines sterbenden Sohns nichts vermag / durchbohre mein sünd- hafftes/ üppiges/ gailles Fleisch mit deiner Forcht: damit ich jederzeit sagen möge; Ich hätte deine Urtheilen geferchten/ welche dieses mir zur Reinigung angetragene/ von mir aber so offt/ und schmertzlich vergossene Blut Meines Erlösers mit der Zeit nicht werden ungerochen lassen. Hiemit ist der Sohn GOttes durch vier Nägel / wir und unsere Laster/ die Ihm daran geschlagen/ durch vier Haubt-Tugenden Christlicher Sitten an dessen Creutz ge- hefftct. Er wird an diesem erhebt / und auff dem Gipste! des Bergs vorgestcllet. Da ist ein grosses Zeichen / nicht in dem Himmel / sondern auff Erden erschinen. Gebancken! dahin wendet in aller Stille euere Anmuthungen; betrachtet die vier cussersteTheil des Creutzes; Äas aber allhier zu erwegen ftyc / laß ich durch den Seraphischen Lonavemu- 5 . 'Bmai:. rara j n c 23, Luc. erkläre» : Crux Spiritus eft fervor de» ‘ita 13 ‘ vot ‘ on * s • cujus quatuor funt brachia; fcilicet amor, fpes, timor, dolor: Spes furfurn, timor dcorfum, amor ä dextris, & dolor a finiftris. Euer Geistliches Creutz / an welches ihr euch anjetzo sittlicher Weiß augehestttt/ ist der Eyffer euerer Andacht/ die in Betrachtung eueres Gecreu- tzigten Q «MMm tzigten besonders anzufeueren : Die vier eusserste Theil dieses Creutzes seynd folgende vier Annmthungen; Die Hoffnung/ die Forcht / die Liebe/ und der Schmertz. Die Hoffnung - von oben / die Forcht von unten / die Liebe von der rechten / und derSchmertz von der lincken Seythen. Da haben wir die Außthcilung unserer Anmuthungen/ welche in Betrachtung unsers Gecreutzigten/ und da auch wir mit Ihme daran gehefftet/ zuerwecken seynd. Lasset uns von der vornehmi- sten/ nemblich von der Liebe den Anfang machen. Von der Liebe des Gecreutzigten gegen uns bezeuget Joan. an dem iM n- cüra dilexiffet fuos in finem, dilexit eos. Sr hatte die Seinige biß an das Ende/ daß ist nicht allein biß zum Todt/ - und dem letzten Abdruck/ sondern biß auff das eusserste/ wohin die Göttliche / und eben darumb unermessene Liebe gereichen kunte / biß dahin hatte er uns geliebet. Chryfö- ftomus versichert uns Serm. 6 . de prodit. & myft. caen xChryfkom; , Domini. H®c prima caufä eft dominics pallionis, quia '"ß 1 fciri voluit,quantüm amaret hominem DEUS. Dieses ist die erste / und die Haubt-Ursach / das Khristus JE- Do ~ SUS so viel gelitten hat / und anjetzo sterbe; damit alle Welt wissen solle / wie hefftig Er den Menschen geliebet hatte. Alle Wunden ruffen uns diese Lieb zu / und diese sollen nicht fähig styn / unsere Gemüther zu einer Gegcn-Lied zu bewegen ? Ach Hrrtzen! hic redet euch Eonaventura in medit./Jw^t,. m vit,Chrift.c.74. an/ hic Maxime apparet charitas, qua» mtAit.-vn. corda noftra totaliter deberet concremare. Hier/ hier^''/e.e.74 schlaget das Feuer der Göttlichen Liebe am allerhefftigsten auß/ welches auch unsere Hertzen gantzlich entzündten/ ja in Aschen verbrennen solle. In Aschen/ und Zwar einer wahren Büßfertigkeit; wei- - .. ~ C len tTfom i« « 7 . Iß 51 - 2 . P(t, 2 « Lite, 13* C 18 lcn auß der Lieb der Schmertz über euere Sünden folgen muß r Höret den Gccreuyigten gegen euch seufftzen : Attendite, & videte,ü eft dolor, ficut dolor meus! Thren. i. Habt acht/ und sehet / ob ein Schmertz mit dem Meinigen zu vergleichen seyk 1 attendite , habt acht auff die innerliche Schmertzen des Gemüths / und videte , sehet darbey die eusserliche des Leibs. Sehet: a planta pedis, ufque ad verticem capitis non eft in eo fanitas; fed vulnus, & livor, &plaga tumens. IC i. Von der Fuß . Sohlen/ biß auff die Gchaidl des Haubts ist in Ihme nichts unverletztes: dem gantzen Leib hindurch seynd eytl Wunden / Streim- men/ und Geschwulst. Da ihr diese unbegreiffliche Schmer, tzen betrachtet / und ansehet; ist es möglich / daß ihr hierüber keinen innerlichen Schmertzen über euere Sünden erwecket? da euch doch wiederumb ICaias versichert: Vulneratus eft proprer iniquitates noftras, attritus eft propter fee- lera noftra. Wegen/ und durch eure Bvßheiten/ und Laster ist er also verwundet worden. Da euch Petrus in der i. Scnd-Schrifftan dem 2. zuredet: Peccata noftra ipfe per- tulit in corpore fuo fuper lignura. Er hange zwar an dem Crcutz; auff Seinen Leib aber lige der gantze Last euerer Sünden: welcher Ihm unvergleichlich beschwüret / und da Er an vier Mglen hanget / unaußsprechliche Schmertzen verursachet. Christen! wollet dann ihr / die ihr den Sohn GOttes anbettet / euch durch das Volck/welches Ihm kurtz vorhin gelästert hatte/ lassen zu Schanden machen? diese: Percutientes pefiorafua revertebantur. Kehreten zuruck/ und schlugen auff ihre Brust; Und ihr/denen das / was sie mit Augen gesehen / der Glaub weit gewisser vorstellet / ihr sollet keine Reue / keinen innerlichen Schmertzen über euer« Sün- __- &3C «» Sünden schöpffen? euch solte auch in solchen Ansehen/ noch mehr nach diesen lüsten ? Pro re , fraget mit mir der alte Orig.bom. 2 . in Levit. prote DEI Filius jugulatus cft; Orig. hm. & iterum peccare re deledat ? Vor dich / ja vo» dir wird »•»»£«■<<. der Sohn GOtteS ermordet: und du bereuest deine Sünden nicht? lüstet dich dann auch anjetzo nach diesen noch? Amor ä dextris, Dolor a imiitris. Deine Liebe dann solle die rechte / derSchmertz aber über deine Sünden die lin- ~ eke Seythen halten ; damit doch dieser dich in keine Klein- müthigkeit stürtze/ 8pes furfum. Solle die Hoffnung den obern Theil einnehmen. Sünder l Rede ich herüber mich selbsten an / Sünder! so schwär du immer bist/ kaust wohl verzagen / da du den sterbenden Sohn GOttes Seinen Vatter am allerersten vor seine Peynlger / mithin vor dich bitten hörest ? beantworte/was dich hierüber Aug. befraget/ s. Aug. quid converfo non ignoicetur , fi fanguis Chrifti fufiis ignofcitur ? Was wird Er dir nicht verzeyhen wollen / wann du dich zu Ihme bekehren wilst/ da er denen/ welche sein Blutaühicr vergossen/ und über diese Unthat keine Ver- zeyhung verlanget haben/ nicht allein verzyhen / sondern auch vor sie Seinem Himmlischen Vattcr/als umb die letzte Gnad gebetten hat ? tritte dann hinzu zu diesen Gnaden-Orth : Commendat charitatcm fuam , muntert dich Paulus •Rom. 5. au(f/ DEUS in nobis: quoniaro, cum adhuc flmr. peccatores effemus; fecundüm tempusChriftus prono. bis mortuus eft : multö igitur magis nunc juftificati in fanguine iplius, faJvi erimusab rra per ipfum. GOtt gibt seine Liebe gegen uns zu erkennen: da wir annoch Sünder waren ; ist Christus nach der/von Ewigkeit her bestimb- ten Zeit vor uns gestorben: wie viel mehr wird er uns anje- C 2 «0 •mc )M- tzo von den Göttlichen Zorn erretten; da Wik durch sein vergossenes Blut gerechtfertiget worden l Fasse die Schluß-Red Pauli , welche so viel beweiset: ist die Gülte / und Erbarmnus GOttes gegen uns jo groß gewesen ; daß/ bevor noch Christus vor uns hätte genug gethan / GOtt beschlossen, habe/selben zu unfcrenHeyl auff die Welt zu senden/leyden/ und sterben zu lassen: umb wie viel mehr haben wir von/ und durch ihme zu hoffen; da er sich würcklich durch sein Leyden zum Mittler zwischen uns / und dem erzürnten GOtt gesetzet hat ? daß vor Zeiten die Schuß-Gattern des Himmels eröffnet worden / und hierauffbon der allgemeinen Sünd-Fluth die sammentliche Welt überschwemmet worden/ wäre ein Zeichen des Zorn GOttes; das nunmehro alle Adern des Sohns GOttes eröffnet worden / und über uns dessen Aller- heiligstes Blut sich ergieffe / ist ein gewisses Pfand seiner Erbarmnus gegen uns. - ' Spes furfum, Timor deorfum. Der obere Theil UN- sers sittlichen Creutzes bestehet auß der Hoffnung/ und vesten Zuversicht / der untere aber auß der Forcht gegen dem Ge- soreutziglen : Gleichwie die allerichwäriste Sünder / welche ihnen das Blut / und dem Todt Christi JESU / und die Verdiensten seines Creutzes wollen zueyqnen / darauff alle Hoffnung / also haben hart - und verstockte Hertzen / welche diese zu ihren Heyl angctragene Verdiensten immer verwerf- fen / auß selben alle Forcht / und Entsetzung zuschöpffen. Her sterbende Heyland bittet vor SeinePeyniger/ aber die/ welche nicht wissen/ was sie verüben: Därffen wir uns wohl unter diese zehlen ? Er verspricht einem Schächer das Para- deys / den andern lasset Er an Seiner Geyrhen / wo ihme Sein Blut fast besprenget/ in dir Holle fallen- Wir,sehe» -RZc S-? im- die Schärffe der Cjötttichen Gerechtigkeit/welche ynstre Sünden dermassen in seinem eygenrn unschuldigen Sphn züchtiget ; was sollen wir vor unsere Laster erwarten/ sofern wir die Barmhertzigkeit soofft verwerffen ? Hart/ und verstockter Sünder l der du eben dieser Verstockung halber von GOtt verlassen / in deinen Sünden stiebest ; das CreutzChristi/ welches vor sich ein Baumb des Lebens/und drrAncker all deiner Hoffnung ist ; dieses Creutz wird dich zum ewigen Todt verdammen / und in dem entsetzlichen Ungewikker der Göttlichen Gerechtigkeit lassen zu Grund, gehen, Contra te, hat dir dieses vorlengst Chryfqftomus hom. 20 . in Matth, s. cbyf. ;9rtt0&rt/ contra te parebit Chriftus-; contra te fua vul- hom.zo.in nera allegabit; clavi de te conquerentur; cicatrices contra te loquentur; crux Chrifti contra te perorabit. Wider dich wird einstens Christus hervor kommen; wider dich wird er seine Wunden anziehen; die Nägel werden wider dich klagen / die Wund-Mahlen wider dich die Red fort- seyen z das Creutz Christi entliehen den Außspruch machen. So viel du dann Hoffnung auff die Verdiensten dieses Creu- - tzeS seyest/ sofern du dich dessen bedienen wilst: Eben soviel Forcht sollest du darauß schöpffcn / wann du dich deroseiben mit verstockten Hertzen so offt mißbrauchest. Hoc eit teni- orig.hm. bile, gibt dir die Ursach dieser Forcht Orig, hom, 8. in Exod, hoc extremum, cümjam non corrigimur delinquentes. Dieses ist entsetzlich / dieses das letzt / und euflerfte Übel/ wann wir in Betrachtung dieses Creutzes nicht gebessert werden. An dem C> euy hat Christus JESUS das letzte Mittel vor unser Qeyl angewendet; hilfft dieses nicht / lassen wir mich dieses an uns verlohren gehen / so ist nichts mehr übrig / «sff welches einige Hoffnung zumache». Hierdurch . C 3 hat Marc. jy. •mc -- )M. hat uns dünn Bonaventura die Vitt «usserste Theil des Creu- tzcs erkläret/ an welches wir unser« Laster haben angehefftet. Arno: a dextris, Dolor a finiftris, Spes furtum, Timor de- orfum , die Liebe haltet die rechte / der Schmertz die lincke Seithen: Die Hoffnung nimmet den obern/ die Forcht den untern Theil ein. Diesen zufolg lassen wir die Augen stucken/ und Seufftzen in der Stille unsers Hertzens an solchen Creutz: Gecreutzigter JESU! welches Hertz ist so wild/ daß Dich nicht lieben solle / da Du uns biß zum Todt gelie- bet hast? welches so hart/das über seine Sünden nicht Reue/ und innerlichen Schmertzen trage / da es dich hierdurch verwundet / an das Creutz geschlagen / und sterben sihet ? dein Creutz ist derAncker aller Hoffnung /an welchen sich buffende / obschon allerschwariste Sünder unter denen Wellen der Göttlichen Gerechtigkeit sicher halten mögen: Aber auch auß deinem Creutz brechen die Donner-Keull dieser Gerechtigkest auß / welche hart / und verstockte Sünder in die ewige Ver- damnuß schlagen. Auff dich dann gecreutzigter JESU! dessen eintziges Bluts - Tröpfflein genug ist alle unsere Sünden außzulöschcn/auff dich hoffest und vertrauen wir; aber auch dich gecreutzigter JESÜ ! der du dein verworffcnes Blut nicht wirst ungerochen lassen ; auch dich an dem Creutz förchten wir. Unterdessen/ da ich in der Stille meines Hertzens also Seuffye/höre ich unversehens ein gewaltiges Geschrey: ich wende die Augen dahin/ wo dieses herkommet/was siehe ich ? JESUS lasset das Haupt stncken : JESUS emifla voce magnä expiravit ! Marc. 15. Nach so hefftigen Geschrey hat JESUS den Geist auffgegeben.' - --- JESUS ist an dem Creutz gestorben! JESUS ist gestorben! die gan- tzr -E r; tze Natur wird über den Tobt ihres Schöpffers verwirret; waS wir? selten wir nicht ebenfalls crstummen hierüber? ach ! bißhero haben wir in der Stille des Heryens unsere Betrachtung fortgesetzet: anjeyo flösset mirderSchmery die Worthervor; anjeyo bricht mir die Red auß. Auäire c«. „ li, quas Ioquor, audiat terra verba oris mei. Deut, 3 z. Höret dann ihr Himmel / was ich rede; Du O Erden ver- nihme die Wort meines Munds: Ich sag / und verkündige euch: Khristus ZESUS der unsterbliche GOttesr Sohn ist gestorben ! von dem Himmel werde ich wenig angehörek; er überziehet fich mit dicken Trauer -Gewülck / welches meine Stimm nicht durchtringen kan: Angel, pacis ^ araare flebant, If, 7, Die Engel des Friedens weinen bit- J " terlich zusamb; sie hören mich nicht/ob ich ihnen schon über den Todt ihres Königs etwas mehrers klagen wolle. Ich muß mich demnach zu der Erd/ und denen Menschen wenden: Die Erd zwar macht durch allgemeine Erschütterung ein Hess- tiges Getöß: einige/ und viel Menschen aber laflen sich durch den Todt Christi JESU in ihren sündhafftcn Ergötz-oder Bemühungen nicht verwirren; diese seynd fähig meineWort zu vernehmen: Höret dann sündkiaffte Menschen! ich rede mit euch der Ordnung nach. Gaille Wollüstler! welcher vor eueren Unflath ein unendliches Abscheucn getragen/ der hat die Augen geschloffen: Der Jungfräuliche GOttes-Sohn ist vor Menge deren Wunden gestorben / die ihr in ihme eröffnet habt. Ungerechte Wucherer/ und Geldbegicrige Judas- Brüder ! dessen Blut ihr so offt verkauffet habt/ der hat nun- mehro alles vergossen / und ist gestorben hierüber. Rachgierig -undfemdsreligeMenschen! der jenige/ welcher euch 24 EccL 3$, . . H I H I i mmmanm .. - — i w— u i i < ■ — ' iimm i 11 noch an dem Crcutz verzechen gelehret/der ist gestorben ; weilen kommen eueres Neben-Menschens unmöglich ansehen könnet/ der/ welchen ihr durch falsche Verleumbdungen angegeben / und beschuldiget / der ist gestorben; weilen ihr von dem Begehren seines Todts nicht seyet abgestanden. Ungerechte Richter/ undBeambte! der/ den ihr in denen Armen und Unschuldige» so offt unterdrücket / der ist gestorben ; weilen ihr ihmeVemrtheilet/ und seinen Feinden überlassen habt: mit einem Wort,: Christus JESUS ist gestorben ! was ihr Sünder darzu ? erfreuet ihr euch nichk/daß ihr endlichen eueren Zweck erreichet habt ? So wild / und grausamb finde ich niemand auß uns: ob wir schon Sünder / seynd wir doch Menschen verbliben. Uber demTodt dann unsers Erlösers seynd wir beraith Thrä- nen zu geben. Haltet zurück darmit/ ich muß auch diese untersagen. Ein geringer Schmertz ist der jenige/ welcher durch die Augen außdunstet: Es ermahnet uns zwar der weise Sy- rach an dem z8> In mortuum produc lachrymas - - - & fac luftura fecundüm meritum ejus, uno die, vel duobus. Uber dem Verstorbenen gieß deine Thränen auß ... traure über ihm nach seinen Verdiensten ein/ oder zwey Tag. Weilen wir nach denen Verdiensten dieses Verstorbenen unmöglich genug weinen können / ob wir schon ein gantzes Meer deren Thränen vergiessen selten: Damit auch unser Traure» zwischen heunt/ und morgen nicht vollendet werde / verlange ich nicht/ haß man dieser Regl folg leiste. Weinet über ISSUM dem verstorbenen nicht: all unsere Thränen seynd nicht genug ihine zu bethaueren / und über dieses seynd selbe ihme ) Irrsihme zuweilen nicht angenehm; weilen wir uns in dieser Be- trübnuß des Gemüths verweilen /und hierdurch die vorneh« miste Frucht seines Leydens versäumen möchten. Er selbst hat schon in seinem letzten Zug nach diesem Marter-Orth denen Töchtern von Jerusalem das Weinen über sein Leyden verbottcn; damit wir nemblichen selbes nicht gleich einer beweglichen Vorstellung airst einer Weltlichen Schau-Bühne selten ansehen: Auch hier mageine sinnreiche Erdichtung so viel zuwegen bringen; das wir uns über die ungerechte Grau- sambkeit ereiffern / und mit der Unschuld / welche dieser zum Schlacht - Opffer fallen müssen / unter vergossenen Thränen rin Mitleydrn tragen: über dieses aber wird solche weder von «ns errettet/ noch in uns einiger Nutz geschaffet. Wann wir nun den entseelten Todten - Cörpl Christi JESU mitheuffigen Thränen benetzeten; allen Eiffer aber wider^uasm, der ihm verrathen; kerrum, der ihm verlaua- net; die hoche Priester/ die ihm verfolget; Pilatum, der ihm nicht geschützet; die Peynigcr/ welche ihm so grausamb rüge« richtet / und an bas Creutz geschlagen haben; wann wir all «nsern Eiffer wider diese außbrechen liessen ,* feite dieses vor unfern Glauben/undAndacht genug seyn ? unschuldige Seelen mögen sich mit diesen vergnügen; Lasset dann MARIA M die Unschuldigste / und Sünden - reine Mutter weinen - hm uns Sündern / die wir des Tods Christi JESU schuldin/ mag der hitzige Eiffer wider uns / und unsere Laster die eusser- liche Thränen trocknen ; und solle davor zur Bestraff !!nd Verbesserung deren Lastern greiffen. Heunt Christum ISSUM den verstorbenen beweinen/ und heunt/oder moraen wiederum an das Creutz schlagen/wäre ein entsetzliches Svoee- Gedicht. Lasset das Hertz durch zerknürschte Bereüung de- D ten r6 ren Sünden weinen: Wollen auch die Augen gegen dem Verstorbenen ihre Pflicht beytragen; meines Theiis weinet Sün- - der! doch also/ das ihr waich - und mitieydige Zäher nicht vor die Haubt-Frucht haltet/die ihr auß der Betrachtung des an dem Creutz verstorbenen GOktes - Sohn ziehen sollet. Seite das vergossene Thränen-Wasser den Eiffer vor eure Lebensänderung abküllen/ oder gäntzlich außlöschen/ da vcrwurffe ich es; wird dieser hierdurch erhalten/ und auch mehr avge- feueret/da lobeich selbes. So viel gegen die Sünder; bin aber auch mit aller unschuldigen Thränen nicht vergnüget. Unschuldige Seelen / welche in der Einsambkeit/zwischen vier Geistlichen Closter« Muren / oder auch in der Welt vor sich leben / mögen den Tobt meines JSSU beweinen; welche aber andern vorge- setzet/von denen verlange ich Eiffer selben zurächen/ und dessen Urheber zu verfolgen. Obrigkeiten/ und alle/ denen rS vbliget die Laster zu bestraffen; Sehet euer JESUS wird durch öffentliche/in Schwung gehende Ungerechtigkeiten ver- kaufft / durch allgemeine Schand-Thatenalfoverwundet/ durch Ent-Heiligung seiner Kirchen / in diesem seinem beson- deru Wohn-Orth ermordet. Obschon ihr unschuldig/ ist es doch nicht genug Selben zu beweinen: lasset di« Zäher trocknen/ und den Eiffer entbrinnen. Srgreiffet/ wann es die schwäre der Sach erfordert/ das Schwerd der straffenden Gerechtigkeit/schlaget ohne Menschlichen Ansehen darein; das Blut deren Lasterhafften / wird mehr dann euere mitleydige Thränen die Wunden JESU hcylen. Widrigens wäret ihr gleich denen/ welche bey dem auff der Strassen von Jerusalem nach Jericho unter die Mörder verfallenen / und ab« stheulich verwundten Frembdling rntwrders nur vorbey gegangen; 4 E 27 Mär gange»; oder höchstens mit dem mitleydigen Samaritan in dessen Wunden Wein/und Ochl gegossen; keiner doch ist gewesen/ welcher die Mörder aussgesucht/ und verfolget hätte. Bor euch ist dieses nicht genug; wann ihr anderst ein wahres Mitleyden gegen euren ISSUM traget / habt ihr die Urheber Seines Todts nach Möglichkeit außzurotten. An allen Wunden / welche durch öffentlich / und bckante Laster/ von eueren untergebenen JESU werden zugefüget / seyet ihr schuldig; sofern ihr durch gebührliche Strafft so viel es möglich) selbe nicht zuruck zuhalten/ und zu verbessern suchet. Ziehet dann die Thränen zurück/ wann auch einige in die Augen sotten geschossen seyn : wendet diese wiederumb auff dem Gecreutzigten. Weilen das Work GOttes in dem Lobt erstummct/ muß ich allen Menschen erklären/ was er «ach seinen Todt selben vorzutragen hinterlassen hat. Ist dann jemand allhier/ welcher in verbitterten Haaß/ Feind- schafft/ und Rachgierigkeit stecket; dem habe ich auß dem Buch 6en. an dem 50 . folgendes außzurichten: Pater tuus G preecepit nobis, antequam moreretur, ut hsc tibi ver- bis illius diceremus: obfecro, ut oblivifcaris fceleris fxa- trum tuorum, & peccati, atque maliriee, quam exer- cuerunt in te. Dein Batter / der dich an dem Crcuy zum ewigen Leben gebohren/ hat mir vor seinem Todt anbefohlen / daß ich dir folgendes in seinem Nahmen/ und mit seinen Worten sagen sötte: Sr lasse dich umb diese letzte Gnad bitten; du woLst des Lasters / der Boßhett/ und der Bekeydigung vergessen / welche dir deine Brüder haben zugefüget. Kanst du das Andencken der zugefügten Unbild nicht auß deinem Hertzen bringen/ so wollest doch wenigstens dessen Verfolgung/ v»dauchdieäusserIicheFejndsccligkcitaujshcbcn;mBedknckcn, 2> - daß J9 r. Cor, 5. Philip. 2, « täjgC -8 ___ daß solches von dir dein Vatter vor deine Brüder/ das ist/ deine Neben-Menschen begehre/die mit dir wenigstens durch das Blut Christi / wo nicht auch deinem Geblüt nach verbunden stynd. Ist jemand zu gegen / dem der Geitz durch unmässige Begierd / mehr und mehr zu haben / in Geld und Guth vertieffet; dem solle ich auß Paulo 2 . Cor, 8. erinneren: Scitis gtatiaro Domini noftri JESU Chrifti: quoniam propter vos egenus faftus eft, cum eflet dircs, ut illius inopia vos divites effetis, Ihr wisset die Gnad unsers HErrns JLsu Christi: daß er nemblich/ welcher HErr von Himmel/und Erden/ dessen Besttzthumbdie gantze Welt ist / wegen euch arm / und also arm worden; daß Er allhier nackend / und bloß an dem Crcutz gestorben ist: damit Er nur euch durch die Verdiensten dieser seiner Armuth mit denen ewigen Güthern bereichen solle: Er lasset euch dann durch dieses Beyspill ermahnen/ ihr wollet wenigstens jenen Last eines unzulaßigen Guths von euch legen/ welcher euch hintern kunte/ durch das enge Himmels-Thor hineinzu gehen/ daß er durch sein Blut / und Todt euch eröffnet hat. Ist jemand von auffgeblasenen Hochmuth zu gegen / der umb sich zu erheben frembdes Glück / und Auskommen/oder auch den allgemeinen Nutzen zu seinen Füßen drucket / den solle ich auß der Scndschrifft zum Philipp an dem 2 . zu Gemüth führen: Uumiliavir femetipfum, faüus obediens ufque ad mortem , mortem autem crucis. 2)er Sohn GOties / jene unendliche Majestät hätte sich biß zu dem schmählichsten Todt gedemüthiget; seine Erhebung wäre nur an dem Creutz gewesen / an welchem er als ein Ubelthater / ja ein Fluch des Wolcks gestorben ist: in diesem Ansehen / wollet ihr doch jene Geister sincken lassen / welche umb ticffer zu fallen/ sich so hoch erschwingen wollen. Ist jemand / der auch anjeyo/wo er seinenGOtt voll derenWunden/in denen eusserstcnGchmertzeit sterben gesehen/ gleichwohl den en Gelüsten seines Fleisches langet nachzuhengen: dem solle ich alle Wunden weisen/ und außdem68-Ps.hinzusctzen:<2uem1'upercustiüj,pertecuti »- sunt: Sc super dolorem vulneruw meoruw sddiderunt. Den jenigen/den sein himmlischer Natter wegen ihrer Sünden so scharff gezüchtiget / Hütten sie noch mehr verfolget; «nd über dem Schm'ertzen all seinerWunden/ ohne Unterlaß mehr Streich hinzugeseyet: In Betrachtung dieser Wunden /selten sie doch ihre Zaum-lose Begierden zuruck halten/ und nicht mehr wider den Verstorbenen Wutten. Ist endlich jemand/ der in seinen Lastern hartnäckig/und verstockt seinen vor sich verstirben«« GOtt nicht lieben / sondern mit fortgesetzten Haaß, und Grimmen verfolgen wolle; dem solle ich das tu öffnete Hertz zeigen / und anbey erinnern : weilen daß bey dem Hcrtzen auffwallcnde Geblüt' eine Würckung/oder auch «ine Ursach des Zorns ist; darumb seye der leptc Tropffen dieses Heryen - Bluts vergossen worden/ damit nur das Hertz des verstorbenen JESU gegen Sünder/welche sich mit ihme versöhnen wollen/kein Fünckl einiges Zorns/sondern cytl Lieb solle einnehmen Hierüber solle ich so verstockte Gcmüther seiner eygenen Worten bey Joanne an dem > 2. nicht vergeffen , fassen : Ego li exaltatusfuero ä terra, omnia traham ad Jota ' me ipfiim. Wann rch von der Erde wird erhebet sryn/ werde ich alles zu mir / und an mich ziehen : Sie scheten ihm nunmehro also erhebt / in diesen Ansehen wollen sie sich doch seinen Armben nicht entreissm/ die er an dem Zlleutz nach ihnen außstreckek/mit denen er sie zu umbfangen / und in seine Lteb - volle Schooß einzuschliessen verlanget. D 3 DiestS E 30 )Kt|. Dieses hatte ich in Nahmen des Verstorbenen nach seinen Lobt euch zu hinterbringen; dem Befehl bin ich nachgekommen. Was solte ich aber weiters mit dem Gecreutzigtcn vornehmen ? Ich werde den gewöhnlichen / und beweglichen Gebrauch der heiligen Kirchen nicht zuwider handle»; laß demnach den an dem Creutz verstorbenen GOttes-Sohn/ dem wir bißhero nur mit innerlichen Gemüths- Augen betrachtet haben / anjetzo entdecken / umb selben auch mit eusser- lichen anzusehen. Christen ! nun haben wir den Urheber «nsers Heyls anzubetten; Ich frage aber: getrauen sich wohl alle diese Anbettung zu verrichten ? ist niemand der sich billich besorgen müsse / den Gecreutzigtcn hierdurch Mehr auff Jüdisch zu verspotten / als Christlich zu verehren? begangener Sünden halber/ hat sich niemand abhalten zulasten; der aber davon nicht abstehcn / zur nochwendigen Lebens-Besserung sich nicht entschließen weite,- die beftagte ich wiederum: darff ich wohl sicher den an seinem Creutz verstorbenen JE- SUM vor euch entdecken / und durch euere falsch / und hvni- sche Anbettung / neue / und die abscheulichste Unbild zusügen lassen? unglückseelige! dürftet ihr wohl denjenigen anschen/ der auß Lieb vor euch gestorben/ ihr aber auß Haaß gegen ihme auch nach den Tobt noch verwunden/ und beleydigrn wollet ? dürstet ihr dm Gecreutzigten zuweilen in die Hand fassen/gegen ihm ein Mitleyden zeigen/und selben einen Kuß versetzen ? ich will es euch zulassrn / wann ihr mir an dessen gantzen Leib ein Glid/ und Wunden zu zeigen wiftet/ welches ihr euch zu küssen getrauet: da habt ihr ihme. Wollet ihr die Hand küssen ? diese durchbohret ihr; weilen ihr euch beständig auß seinen Armben entreisset/ und die euerige nach so Vielen unzulässigen Griffen außstrecket,' Wollet ihr die Füß küssen? -4E)Ztzz- küssen ? diese hesstct ihr vest an das Creutz / damit sie euch nicht einhollen / und ihr eueren Laster- Lauffungehindert mö- get fortsetzen. Wollet ihr das geneigte Haubt küssen? dieses durchstechet ihr mit Dorn; wellen das euerige so viel boß- hasste Anschläg außflnnet / wider eueren Neben-Menschen/ und den allgemeinen Nutzen einrichtet. Wollet ihr den heiligsten Mund küssen ? diesen verbittert ihr mit Gall / und Essig; weilen euere boßhaffteZung so ftey/und ungeftheucht in ihren Läster - und Verleumbdunge» fortfahret. Wollet ihr das offene Hertz küssen ? dieses verwundet ihr / weilen das euerige voll der Unlauterkeit / des Haß / und Zorns / List / und Betrugs ist. wollet ihr den gantzen Jungfräulichen Leib küssen? diesen zerreisset ihr; weilen ihr eueren Leib alle sinnlich - und sündhaffte Gelüsten verschaffet. Und ihr getrauet euch jene Wunden zu küssen / die ihr mit rasenden Zähnen ohne Unterlaß zu erfrischen / und auffzurcissen gesin- net seyet? Ach! von einen auß becden enthaltet euch; ent- weders zeiget mir kein Mitleyden mit JSSU demGecreu- yigten/umbfanget/küsset mir diesen nicht /ober gebet solchen Kuß zum Gewissen / unfehlbahrcn Pfand euerer beständigen Versöhnung mit ihme. Dieses Letzte machet mich die Andacht / und das Mit- leyden aller Gegenwärtigen hoffen. Dieses tröstet mich / wo die gantze Natur über den Tobt ihres SchöpfferS in Verwirrung fallet: Umb meine Hoffnung vest zu stellen , ermahne ich mit Chryfoftomo dom. i. de jejun. Hac die, chryfifi. in qua Chriftus pro te mortuus > & crucifixus, & tu mo. hsm -. '■ rere, & crucifigere. Mensch! an diesem Tag / wo Ehri- stus vor dich gecrcutziget worden/ und gestorben ist / ist eS nicht genug selben mitleyhig ansehen / zu küssen / undanzu- betten: -AZ( __ betten: Auch du must mit ihme sittlicher Weiß sterben/ und gecreutzigct werden.Ja Chry foftome ! ich und alle Gegenwärtige entschließen uns darzu ; Seufftzcn demnach mit Laur. Later, Ju- Juftin, de incend, Div. amoris. c. 4 , O bone! 6 pie! 6 fiia.dein-dulc is JESU Ghtifte! nihil aliud peto in vita : nisi ut emi.dtv. f em p er tecura perfeäe crucifixus. O gültigst! Q barmhertzigst! O süssester HErr ISSN Christel nichts anders verlange ich durch deinen Todt vor mein gantzes Leben / als daß ich jederzeit mit dir vollkommentlich gecreutzi- get seye. Dieses ist mein letzte Bitt / welche ich vor dir meinem gecreutzigt-und verstorbenen ablege/laß deinCreutz mit mir / und mich mit deinem Creuy vereiniget seyn: Laß mich mit Paulo aber in Warheit bekennen : Chrifto confixus film cruci. Vivo ego, jam non ego, vivit vcrö in me Ghri- GaU. ßus, Gal 2 . Mit dirChriste JESU hange ich/ und alle meine üble Neygungen/und Begierlichkeiten an dem Creutz: ich lebe zwar an diesen Crrutz/ nicht mehr aber ich der Günd- «nd Lasterhaffte Mensch: In mir lebet durch seine Gnad/ durch geänderten Lebens-Wandel Christus JESUS/ der vor mich gestorben ist. AMEN.