I. % I» i- V r i i i i ' *■< i i i 4 t s ■ I. v * i f . i\‘ • ’ <* ■o £ W ■'Vs * 4 d Wiener Stadt- und "l Landesbibliothek 7 - 1524?. I i MA9-SD 25 - 5 - 976- 117418 - 54 M rv a a r\^f ^ w/ ' A / _' S ■- . N'. , //—"A .•■/«—v ■_- a-A a /<• ■ >n;^v iw«. n> QA. W. >'A — «/-n'w r% 5«s, iSfe^S» 5;G"0 ? O#ÄÄä> ,. ^ A «. A-Oiöf«. «üS-Q-flsS* /?*■ l Ä a^’a ^ '■/>^'/ r ’ä. ?Ö >=* l - ®k * 4 ^^ . * |Ak tA /*■“ rv 'S - 03P.W*w-«w- ^: n s8 Ä RSS,He' AA4U'2^? ^ ■fiPf' rip^^r^rs ~ o * v~- Ä ^ ÄSr.;2 *,. -Ä AA^'Ä'-^ * / ~ s ’ T - ' ^ ■■ -'■ * A s ^ - 4 />v' *-V . WV- O O. /£-_•* W ' V - ^ 'Äy , 'A»A A ^ - A * kAisn 5 A0A.;/0« ' /*\' .O d*r\ XHNt 5? s&i, rxfriÄ &'Ja£MüL > '-''M ^Mm'&w'r^' &■?*■-& vyK .Y 'jw '^-^^t^yCr '■••^[W» -Jld jtl*\ 'tf.^ nua i.SvS.retfr. £/ ;*uav/ jßu/y.icBu/nsrSpUuJlSt TStotzen Fiur^iiSftocunnc?. Afic l jucl. riA?. Step/? r'OJmna^r irlpt’js ts Mesuiter C oU ze Kate\ lim a/e-Qfty. t$. 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VORWORT. ie alten Strassen einer Stadt, ihre alten Bauten, Wahrzeichen und Denkmale sind die ehrwürdigen Zeugen der Geschichte. Sie sind die Stein gewordene Erinnerung längst verklungener Jahrhunderte, die Denkzeichen eines Volkes und vermitteln das bessere Verständnis für die Geschichte durch den Augenschein.— Wien, wie nicht so bald eine andere Stadt, ist reich an solchen Erinnerungsbauten. — Die Geschichte vieler seiner alten Strassen und Plätze reicht weit in das Mittelalter zurück, und manches Historische über ihre Entstehung ist festzuhalten, das unserer Zeit zu Ehren und künftigen Geschlechtern zur Belehrung, Ermuthigung und Nacheiferung gereichen mag. Es ist daher angesichts der gegenwärtigen Neugestaltung Wiens heute doppelt anziehend und lohnend, einen Rückblick auf die alten Strassen und Plätze und ihre inhaltsreiche Geschichte zu werfen. Die über diesen Gegenstand bisher geschriebenen, zerstreuten und wenig gekannten Memorabilien dürften wohl, wenn nicht bald gesammelt und ins Gedächtnis zurückgerufen, unwiederbringlich im Strome der Vergessenheit versinken. Um letzterem vorzubeugen, lege ich mit vorstehendem Buche eine „historisch-topographische“ Schilderung alles dessen, was sich über die alten Strassen und Plätze Wiens, über ihre Entstehung, Gruppirung und Fortentwicklung, über die Kenntnis ihrer Namen und die Zurückführung auf ihre ursprüngliche Benennung, über ihre historisch interessanten Häuser, Wahrzeichen und Denkmale sagen lässt, dem geneigten Leser vor. Meine Darstellung umfasst auch das geistige und gesellschaftliche Leben der Kaiserstadt, von Heinrich Jasomirgott angefangen (als dem Beginne unserer städtischen Geschichtsurkunden) bis auf die Gegenwart, und hat sonach eine zweifache Bedeutung: eine topographische und eine culturhistorische. In letzterer Hinsicht bietet der rege Zusammenhang der Culturzustände mit den gesellschaftlichen Formen zu verschiedenen Zeiten eine reiche Ausbeute von Sittenbildern, welche den Nachweis liefern, wie rasch sich bei uns die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern; blicken wir doch in das öffentliche und private Volksleben schon zu Anfang unseres Jahrhunderts wie in eine fremde Welt! Auch die örtlichen Verhältnisse haben sich seit den letzten zwei Decennien wesentlich geändert. Das „alte Wien“ hat seine Fesseln gesprengt, die schützenden Bastionen (die bereits zweimal Deutschland und die Civilisation gerettet) sind dem Gebote des Kaisers Franz Josef I. 1857 gewichen, Hammer und Spaten haben rastlos jene altersgraue Scheidewand durchbrochen, deren endlicher Fall eine tiefe Kluft zwischen der Metropole und ihren spätem Vororten ebnete und sie insgesammt zu einer Grossstadt ersten Ranges vereinigte. Auch manche alte, mitunter geschichtlich interessante Häuser, an die sich noch die Erinnerung unserer Väter knüpft, haben den Neuen, Werdenden Platz gemacht, oder es schwebt bereits das Damoklesschwert der Vernichtung über ihren ehrwürdigen Häuptern. Dieser plötzliche Uebergang vom Alten zum Neuen scheint mir der geeignete Zeitpunkt, um mit meiner Arbeit in die Oeffentlichkeit zu treten; denn in dem Masse, als das „neue Wien“ das „alte“ verdrängt, in dem Masse wächst auch unser Interesse an dem Alten. a (H5-ZH2 7.E*. VORWORT. Dazu kommt noch, dass jeder Zustand naturgemäss seinen Gegensatz hervorruft, und da bekanntlich unsere Zeit bei all’ ihrer Lebensfrische und Rührigkeit an einer prosaischen Langweile, an einer verdammenswerthen Pietätlosigkeit leidet, so darf es uns nicht wundern, wenn wir heute ein regeres Bedürfnis fühlen, uns mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Wir befassen uns heute eifriger als je mit historischen Festen, geschichtlich stylisirten Künstlerabenden, und selbst der ewig denkwürdige Huldigungsfestzug zur Feier der silbernen Hochzeit unseres erlauchten Kaiserpaares, den wir Alle jüngst miterlebt und der einen überwältigenden Eindruck bei der Bevölkerung zurückgelassen, er ist ein beredter Zeuge dieses inneren Herzensdranges. Meine Darstellung weicht von der bisher gebräuchlichen insoferne ab, als die Stadtchroniken bislang nur der Geschichte oder der Topographie zu gute kamen, während ich bemüht war, beide Richtungen zu verbinden, d. i. Wiens Geschichte topographisch zu beleuchten, dasselbe in einem nach Strassen und Plätzen geordneten Gesammtbilde zu besprechen. Ich führe den Leser gleichsam an der Hand der Topographie an jenen Häusern vorbei, wo sich geschichtlich Merkwürdiges oder nur local Bedeutsames zugetragen. Die alten Mauern und Wahrzeichen, die noch heute bestehen, werden zu ihm sprechen und ihn mit dem Geiste der alten Zeit rascher vertraut machen, über den Geschmack und Geist der Zeitgenossen durch den Augenschein schneller belehren, als alle Chroniken und Bibliotheken der Welt es vermöchten. Hier treten Wort und Bild in ihre eigentlichen Rechte ein; beide haben Flügel, um überall hin zu gelangen und sich Jedermann von nur einiger Bildung verständlich, lehrreich und herzerfreuend zu erweisen, ja sich für immer dem Gedächtnisse einzuprägen. Ich war daher bemüht, die interessantesten Ansichten von Strassen und Häusern durch getreue Abbildungen aus den Meisterwerken eines Hirschvogel, Lautensack, Wohlmueth, Hufnagel, Suttinger, Pfeffel, Kleiner, Delsenbach, Schütz, Janscha etc. (die heute bereits vergriffen sind und selbst in vielen Sammlungen fehlen) zu illustriren, sowie auch interessante Wappen, Münzen, Waffen, Baudenkmale, Costume und sonstige Curiosa in genauer Abbildung zu versinnlichen. Einen nicht unbeträchtlichen Theil des Stoffes macht die vaterländische Kunst, Architektur, Musik und Literatur aus, wobei ich besonders bemüht war, den nach immer grösserer Vollkommenheit hindrängenden Krystallisirungsprocess aus den Geistesströmungen der Zeit zu erklären. Auch die bedeutungsvollen vaterländischen Volkssagen und Sprichwörter, die stets ein rührender Ausdruck des Geistes und Charakters eines Volkes sind, werden, wo es der Gegenstand gestattet, zur Anschauung gebracht. Die an mancher Stelle eingestreuten intimen Details und localen Beziehungen, sowie die Volksetymologie dürften ganz besonders den Wiener interessiren, dessen begeisterte Liebe und Anhänglichkeit an seine Vaterstadt sprichwörtlich geworden, wie er es in dem bekannten Volksliede: „Es gibt nur a Kaiserstadt, „Es gibt nur a Wien!“ so naiv zum Ausdrucke bringt. Und somit übergebe ich mein Buch, das Resultat vieljähriger Studien, dessen Vorarbeiten nahezu ein halbes Menschenalter in Anspruch nahmen, den Händen des nachsichtsvollen Lesers. Möge er aus demselben die nöthige Anregung schöpfen, aber auch mit stolzem Hochgefühle die Ueberzeugung gewinnen, dass sein engeres Heim, so sehr es auch von gewisser Seite geschmäht und verlästert wurde, jedem andern sich kühn zur Seite zu stellen vermag, und dass aus Wien und überhaupt aus Oesterreich dem deutschen Volke viele seiner edelsten Geister erwuchsen und noch künftig erwachsen werden. WIEN, December 1883. DER VERFASSER. IN MM EINLEITUNG Wiens erstes Emporblühen unter Heinrich Jasomirgott (1141—1177). ien war bis zu Anfang des XII. Jahrhunderts eine verschollene Stadt, und nahezu bis 1137 in den nebelhaften Dämmerschein der Sage gehüllt. Zwar wird mit diesem I Jahre die Stadt zum ersten Male urkundlich genannt,') doch unterliegt ihr Orts- || name noch manchen Schwankungen, 8 ) auch die graphischen Behelfe fehlen als topographisches Beweismaterial, und selbst der so oft citirte und gepriesene älteste (sogenannte Zappert’sche) Plan (angeblich aus dem Ende des XL Jahrhunderts) kann aus mancherlei Gründen nicht in Betracht gezogen werden. * 2 3 ) Erst Heinrich Jasomirgott, der letzte Babenbergische Markgraf und erste Herzog von Oesterreich, zog Wien aus seinem Dunkel hervor, in welchem es lange genug geschmachtet hatte. Er war der Erste, der die Segnungen der Cultur und des Wohlstandes über das Land verbreitete und Wien zu neuer Blüthe und Ehren erhob. Welche Hebel hier in Bewegung gesetzt wurden und welche Triebfedern hier zu wirken begännet^ sei Gegenstand des Nachfolgenden. Am 17. September 1156 verzichtete bekanntlich Heinrich Jasomirgott zu Regensburg im Streite um Baiern auf den Besitz des letztem und wurde dafür von Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) auf das Glänzendste entschädigt; der berühmte „Freiheitsbrief“ des Kaisers vom 17. desselben Monates erhob ihn zum Herzog der Ostmark und rüstete ihn mit vielen Privilegien aus. 4 ) — , ) In dieser Urkunde übergibt Leopold V. dem Bischof von Passau die St. Peterskirche (in Viennensi loco posilam) gegen einen Weingarten zu Wartberg und ein Stück Landes nächst der Stadt (juxla civitatem) gelegen. (Siehe von Meiller’s Babenberger-Regesten, 2-5, 3.) 2 ) So z. B. wird im Schottenstiftsbrief vom Jahre H61 Wien „Faviana“ genannt, und selbst der Herzog Heinrich Jasomirgott hält die alte Römerstadt Vindobona für die Faviana (siehe von Meiller 51, 52 und 43); eine andere fast gleichzeitige Urkunde von 1159 (von Meiller 56 und 45) erscheint als von „ Win dop olis“, der „Wiendenstadt“, aus datirt; erst in den spätem Urkunden gewinnt die Bezeichnung „Vienna“ oder „Wienn“ gegen Faviana die Oberhand. 3 ) Der Zappert’sche Plan ist von einem gewöhnlichen Rentbeamten der Passauer Diöcese (also durchaus von keinem Fachkundigen) und nur zu dem Zwecke entworfen, um sich über jene Gassen und Weingärten zu orientiren, in welchen das Bisthum Gülden (Zinsrechte) besass, und da sonach von einer geometrischen Genauigkeit keine Rede sein kann, überdies wichtige Bedenken gegen die Echtheit des Planes vorliegen, so ist derselbe gänzlich zu verwerfen. 4 ) Durch diesen „Gnadenbrief“ erhielt er die Erbfolge in der männlichen und weiblichen Linie auf ewige Zeiten und die ausschliessliche Gerichtsbarkeit über seine Länder; er war dem deutschen Reiche zu keiner Heeresfolge (ausser gegen die Ungarn) verpflichtet, auch sollte er die Lehen nur im eigenen Lande erhalten. Was er in seinem Lande verfügte, galt für Kaiser und Reich als unumstösslich, auch durfte das deutsche Reich in Oesterreich keine Lehen haben, und wer solche besass, musste des Herzogs Vasall (Lehensmann, zur Treue verpflichtet) werden ; auch könnte er, falls er keine Nachkommen hätte, das Land vermachen, wem er wolle. Den Rang sollte er unmittelbar nach den „Churfürsten“ (post elcctorcs) haben und den „Erzherzogtitel“ führen. Diese beiden letzten Punkte gaben allerdings Anlass zu vielfachen Bestreitungen der IV Neue Residenz. — Werdendes Bürgerthum. So kehrte er in sein neues Herzogthum zurück, fest entschlossen, alle diese Wohlthaten seinem Hause und Lande zu Nutzen zu machen. — Dazu bedurfte er aber vor Allem eines Mittelpunktes, einer landesfürstlichen Residenz, um mit starker Hand die vielzerstreuten Fäden wie in einem Knotenpunkte zu vereinen. Aber welcher Ort eignete sich besser als das „alte Wien“, das ausgebreitet lag über ein herrliches, sonnbeglänztes, rebenbepflanztes Hügelland, mit seinen festen Bauten und Strassen- zügen, die sich aus aller Herren Länder wie Sonnenstrahlen in einem Brennpunkte seit Römerszeiten hier concentrirten, wo einer der mächtigsten Ströme Europas die weitesten Handelsverbindungen aus Ost und West anzuknüpfen versprach, wo zahlreiche Insassen, die noch von den römischen Ansiedlungen stammten, ein reiches Feld für ihren Gewerbfleiss offen sahen, wo ein werdendes Ritterthum bereits allenthalben feste Burgen auf den steilen benachbarten Bergeshöhen aufzubauen begann. Freilich schien dem klugen, scharfbeobachtenden Herzog jene junge Ritterschaft gefährlich, denn sie konnte aus ihren unangreifbaren Verstecken dem Landfrieden und dem Gesetz leicht ungestraft Trotz bieten. — Er beschloss also die in der Stadt wohnenden friedlichen Insassen vorerst zu begünstigen, ihnen Privilegien und Freiheiten zu ertheilen und so unter dem Schutze des Handels und der Gewerbe ein nützliches Bürgerthum als Gegengewicht gegen das trügerische Ritterthum zu schaffen. Dies beiläufig war der leitende Gedanke des neuen Herzogs, eine Art Hauspolitik, der auch die spätem Babenberger und ersten Habsburger treu blieben. War aber erst ein gesunder Staatsgedanke geschaffen, die Mittel ihn auszuführen sollten nicht lange auf sich warten lassen. Vorerst verlegte er seine Residenz vom Kahlenberge nach Wien in die neue Herzogsburg, genau an die Stelle des heutigen Kriegsministeriums am Hof, *) um (in Mitte seiner Wiener) Zeuge ihres Gewerbfleisses zu sein. Er umgab die Burg mit Wall und Graben, wie es der Geschmack und die Unsicherheit der damaligen Zeit erforderten, zog zahlreiche Lehensleute, hervorragende Ministerielle und wohlhabende Freie an sich, sorgte durch Entwicklung eines glanzvollen Hoflebens, dass einheimische und fremde Kaufleute für die steigenden Bedürfnisse der Stadtbewohner einen immer reichlicheren Markt und ergiebigere Absatzquellen fänden, legte den Grund zum städtischen Rechtsleben, indem er den Wienern einen eigenen Stadtrichter gab und sie von der schwankenden Jurisdiction der bisherigen Landrichter befreite, verlieh den Bürgern Grund und Boden und knüpfte an diesen Besitz manche wichtige Privilegien. — Diese gemeinsamen Vortheile machten es möglich, dass die anfänglich aus den heterogensten Elementen zusammengewürfelte Bevölkerung sich immer enger aneinanderschloss und^ die Gemeinsamkeit der Interessen erkennend, allmälig einen wohlorganisirten, in sich abgeschlossenen Bürgerstand zu bilden begann.’) Echtheit der Urkunde, da der Ausdruck: „Elcctores“ erst später in der deutschen Staatssprache üblich und unter Friedrich I. noch gar nicht bekannt war, auch der Titel: „Erzherzog“ in eine viel spätere Zeit fiel, doch scheint eine spätere Ueberarbeitung dieses „Gnadenbriefes“, wahrscheinlich in der Regierungsepoche Rudolfs IV. von Habsburg vorgenommen worden zu sein, der sich bekanntlich den Erzherzogtite! im Jahre 1359 beilegte, obgleich derselbe erst unter Kaiser Ferdinand III. (1453) gesetzlich anerkannt worden ist. Die Urschrift dieses Gnadenbriefes befindet sich im kaiserlichen Hausarchiv zu Wien mit dem goldenen Siegel versehen. (Siehe Carl Pölitz: „Geschichte des österreichischen Kaiserstaates,“ C.ip. 18, Seite 141, dann Schrötter: „Oester- reichische Staatsgeschichte,“ Seite 297, und v. Senkenberg’s: „Gedanken über d.ij uralte deutsche Staatsrecht,“ Cap. 3, Seite 123.) ’) Der Wiener Gemeinderath errichtete in den Jahren 1868 und 1869 in der innern Stadt mehrere historische Gedenktafeln, um einzelne geschichtlich interessante Erinnerungen im Gedächtnis des Volkes festzuhalten. Eine solche befindet sich am Hof am Gebäude des Kriegsministeriums, welche lautet: „An dieser Stelle stand die alte Burg der Markgrafen und Herzoge aus dem Hause Babenberg, dann im XV. Jahrhundert der Lehens- und Gerichtshof der Herzoge von Oesterreich.“ ’) Damalige und spätere Urkunden sprechen bereits von besondern Erb-, Bürger-, Kauf- und Baurechten, die man unter dem gemeinsamen Ausdruck: „Erbleihe“ zusammenzufassen pflegte. Das Institut der „Erbleihe“ ist überhaupt jenes wichtige Institut, welches durch das ganze Mittelalter eine mächtige Rolle spielt und durch die Ordnung der Verhältnisse von Erbauung des Stefansdomes. — Berufung der Schottenmönche und Kaufleute, — Zweites Kreuzzugsheer in Wien. V Er umgab sich mit einem Beirath von Bediensteten (Officialen), mit denen er zu Gericht sass und die Streitigkeiten schlichtete, *) sorgte für die Ordnung der pfarrherrlichen Verhältnisse Wiens und beschloss schon im Jahre 1144, die noch ausser der Stadt gelegene kleine Capelle des heiligen Stefan in einen der Stadt würdigen Münster umzugestalten, und legte im selben Jahre den Grundstein zum Neubau, welcher unter Baumeister Octavian Folkner (Volkner) aus Krakau so rasch gedieh, dass er schon in 3 Jahren vom Passauer Bischof Regimbert geweiht wurde. Er berief 1155 die irischen Schotten aus dem St. Jakobskloster zu Regensburg, die er während seines mehrmaligen Aufenthaltes dort kennen gelernt, und erbaute ihnen auf seinem Grund und Boden, 400 Schritte von der Stadtmauer, auf dem sogenannten „Steinfelde“ eine Kirche sammt Kloster in Verbindung mit einem Hospital, um Pilger und Kranke zu pflegen und den Gottesdienst und die Erziehung der Jugend zu besorgen. Sie waren Ordensgeistliche des heiligen Benedict aus der^ irischen und schottischen Nation und genossen in ganz Deutschland ihres musterhaften Lebenswandels und ihrer bescheidenen, wissenschaftlichen Thätigkeit wegen ein hohes Ansehen, und hatten in Deutschland einen ausgebreiteten Klosterbesitz. * 2 ) Er bestätigte ihre Rechte in einem besondern Stiftsbriefe vom 1. Mai 1158, stattete sie reichlich aus und schenkte ihnen die innerhalb der Stadtmauer gelegenen (intra muros positi) Capellen St. Maria am Gestade (in Littore), St. Rupert und St. Pancraz. 3 ) Endlich liess er auch aus Regensburg Handwerker und Kaufleute kommen, damit das Geld für die Waare im Lande bleibe, und wies ihnen Quartiere ausser der Stadtmauer in der Wollzeile an, weil sich hier der regste Verkehr mit Ungarn entfaltete. — Dies Alles trug nicht wenig zum raschen Emporblühen der Stadt bei; doch den grössten Antheil an diesem plötzlichen Aufschwung mochten wohl die Kreuzfahrer und Pilger genommen haben. Alljährlich zogen sie vom obern Donaulande in ganzen Karawanen stromabwärts zu uns und suchten in den schützenden Mauern Wiens Erholung und Obdach. Sie priesen die schöne, wirthliche Stadt und die braven, gastlichen Wiener; ihr Lob ging rasch von Mund zu Mund. Schon der zweite Kreuzzug (1147) lockte die Blicke Aller auf Wien. „Grund und Boden“ einerseits und der „Arbeit“ andererseits jenen gefährlichen Gegensatz zu paralysiren wusste, der heute unter veränderten Verhältnissen als Gegensatz zwischen „Capital“ und „Arbeit“ den Kern der socialen Frage bildet. (Siehe „Geschichtsquellen der Stadt Wien“, I. Band, Seite IX, im Auftrag der Gemeinde von Carl Weiss, Wien 1877.) ') Eine Urkunde vom Jahre 1164 ist uns erhalten, welche zum ersten Male den Beisatz enthält: „Mit Beirath unserer Bediensteten“ (officialium). Der Herzog sass nämlich in öffentlichen Versammlungen zu Wien (Krems und Enns) zu Gericht, hörte Kläger und Geklagte an, und die Beisitzer aus dem Grafen-, Herrenstand und der Geistlichkeit schöpften mit ihm das Urtheil und Unterzeichneten nach gefälltem Spruch die Urkunde. 2 ) St. Peter in Regensburg (gestiftet (1070—1080); St. Jakob in Regensburg (gestiftet 1111),-zu Eichstädt, Erfurt, Würzburg, Nürnberg, Memmingen, Kehlheim. 3 ) Zwar wird die Echtheit dieser Urkunde aus guten Gründen bezweifelt, die uns blos in zwei Transsumpten aus den Jahren 1318 und 1461 bekannt ist. (Siehe Wattenbaoh: „Zeitschrift für christliche Archäologie,“ I., 50.) Jedoch wird uns in den im Kloster noch wohlerhaltenen drei Original-Stiftungsurkunden vom Jahre 1161 die Schenkung dieser vier Kirchen nebst den übrigen Umständen bestätigt. Nach den Traditionen des Klosters wird das Jahr 1158 als das Gründungsjahr genannt, ln diesem Jahre stellte der Herzog, noch ehe er in den italienischen Krieg zog, vorläufig eine Urkunde aus. Erst nach völliger Vollendung des frommen Werkes, im Jahre 1161, erliess er diese drei andern Stiftsbriefe (zur Wahrung des klösterlichen Friedens, wie er sich ausdrückte) ; förmlich und feierlich aber erfolgte die Einführung der Ordensmänner und die Uebergabe des neuen Gotteshauses an den ersten Abt Sanctin (laut alter Berichte) schon am Tage des heiligen Philippus und Jaeobus am 1. Mai 1158 unter dem Pontificate des mächtigen Papstes Hadrian IV., daher jene alte Capelle, die noch in dem Prospecte der Stadt Wien von Caspar Maurer 1663 zu sehen ist, und die auf der Freiung gegen den jetzigen Brunnen stand, den beiden Aposteln Philipp und Jakob geweiht war. Der Pfarrsprengel dehnte sich nach Angabe des Stiftsbriefes von dem Burggraben bis zur Capelle St. Johann an der Als und bis zur Einmündung dieses Baches in die Donau aus, und erstreckte sich auf alle „Umwohner“ des Stiftes, über die Angehörigen des Hofes, fremde Gäste und Reisende. Das Hospital stand in der Gegend der ehemaligen Elendbastei. (Vide: Hormayr, Wien, II., 3, p. CCCLXV.) VI Einzug Theodora’s in Wien. — Glänzende Feste — Der Wiener Tanz und die Tanzlieder. Es war ein gewaltiges Ereignis. Durch die Eroberung Edessas war nämlich Jerusalem und mit ihm das heilige Grab bedroht, und es ging durch den begeisterten Abt Bernhard von Clairvaux der Ruf zu einem neuen Kreuzzug von Frankreich aus durch alle deutschen Gaue, und überall fand er den freudigsten Wiederhall; Kaiser Konrad III., König Ludwig VII. und viele andere Fürsten nahmen das Kreuz, und Wien war zum gemeinsamen Sammelplatz all’ dieser Grossen gewählt. Das Heer der Ritter und Reisigen war unübersehbar. Die Deutschen allein zählten über 70.000 gepanzerte Reiter. Im Jahre 1149 kehrte Heinrich zurück und hielt mit seiner Gemahlin Theodora, der Nichte des griechischen Kaisers (um deren Hand er sich in Constantinopel beworben), in Wien einen glänzenden Einzug, worauf er eine Reihe der herrlichsten Feste in ungetrübter Freude verlebte. Die hierbei entfaltete wahrhaft orientalische Pracht der Prunkgewänder Theodora’s und ihres Gefolges, die vielen Grafen und Ritter mit ihren gold- und silberschimmernden Rüstungen, mit ihren Helmen und hohen Federn, den prächtigen Schärpen, Waffen und reichgeputzten Rossen gewährten den Wienern einen bisher noch nie gesehenen Anblick. Auch die Jahre 1158 und 1162 versammelten in Wien viel Kriegsvolk, als Heinrich Jasomirgott mit ansehnlichem Gefolge gegen das empörte stolze Mailand dem Kaiser Friedrich zu Hilfe zog. Im Jahre 1166 machte der Herzog abermals die Stadt zum Schauplatz glänzender Feste, welche zu Ehren der Verlobung seiner einzigen fünfzehnjährigen Tochter, der schönen Agnes, mit dem jungen König Stefan III. von Ungarn veranstaltet wurden, und wobei ein vierzehntägiger unerwarteter Aufenthalt des Kaisers Friedrich (Barbarossa) Anlass -zu den grossartigsten und prunkvollsten Ritterspielen, Tanzunterhaltungen und Festmahlen gab. Bei öffentlichen Gesängen pflegte das Volk, der Sitte gemäss, in Gegenwart des Herzogs und seines Gefolges, nach dem Rhythmus der Melodie zu tanzen, wie denn üherhaupt der Tanz seit ältesten Zeiten zu den Lieblingsvergnügungen der Wiener gehörte. Man tanzte öffentlich oder im häuslichen Kreise aus besondern Anlässen und auch ohne dieselben auf Strassen und Wiesenplätzen oder in den Bürgerstuben fast täglich nach Feierabend. Ein Vorsänger wurde gewählt, der unter Begleitung einer Laute ein Lied (nur Strophenlied) absang, wobei die Umstehenden den Endreim im Chor mitsangen, während die tanzlustigen Paare nach dein Takte der Musik sich bald rascher, bald langsamer, in einfachen oder geschlungenen Figuren bewegten. Es schien nach damaligen Begriffen durchaus nicht anstössig, dass selbst die Babenbergischen Herzoge (wie z. B. Leopold VII. - der Glorreiche) einen eigenen Ehrgeiz dareinsetzten, solche Tanzlieder zu componiren und sie dem Volke zur Laute sogar persönlich vorzutragen. ‘) Auch an den Ritterspielen, die der Herzog häufig und mit grossem Aufwande zu veranstalten liebte,'vergnügten sich die schaulustigen Wiener unter ungeheuerem Zudrang. Am Hof, dem grossen Waffenplatz, wurden die Turniere abgehalten und 3 Tage vorher durch Herolde verkündigt, und der benachbarte Adel durch Sendboten unter Trompeten- und Paukenschlag auf das Wir seher., Strauss und Lanner hatten erlauchte Vorfahren. Uebrigens war der Tanz in Oesterreich, zumal in Wien, eine Macht. Man unterschied damals den „Tanz“ vom „Reihen“ (oder Reihenstiften). Der „höfische Tanz“ war nur ein Umgehen im Saale mit schleifendem Schritt unter dem Klange sanfter Saiteninstrumente und Tanzlieder, die hierzu eigens componirt und von dem voranschreitenden Sänger angestimmt wurden, wobei der Tänzer eine oder zwei Tänzerinnen hei der Hand fasste. Den „Reihen“ dagegen tanzte man im Freien auf Strassen und Wiesen und zwar nicht schreitend sondern springend, wobei die Tanzenden sich durch möglichst weite Sprünge auszuzeichnen suchten. Mit dem Verlalle der höfischen Sitte artete auch der Tanz in wüstes Getobe aus, dessen Frivolität oft Aergernis erregte, und ist uns z. B. eine Straf- und Sittenpredigt aufbewahrt, die über das: „ mitte HluMauiten, un3Ü(htige Trebra, ©reiften Utlb fllauMefeJt" eifert und in folgende Mahnworte ausbricht: „Behüte Sott alte frumben ©etellen für folcbe Jungfrauen, hie 5a Cuit 3 « 5en 5 lben 5 tän 3 en haben itn 6 fid> 5a gerne umb5reben, un 3 Üchtig füffen un5 begreifen taffen; es muff freilich nichts ®utes an ihnen fein, 5a reißt nur eins 5as an5ere 3 ur Un 3 ucht, un5 fi55ert 5em üeufel feine B 6 l 3 e." (Vide Johannes Schern „Deutsche Cultur- und Sittengeschichte,“ I. Band. Turniere. — Ein neues ritterliches Bürgerthum. VII Feierlichste eingeladen. Nur Ritter von Geburt (turnierfähige Geschlechter) und von untadelhaftem Lebenswandel liess man an den Kampfspielen theilnehmen. Fremde vorerst die Ahnenprobe bestehen. Am Hof längs des Burggrabens wurden die Schranken (Rennbahn) aufgerichtet, innerhalb welcher die Ritter unter Ausrufung ihrer Namen zu Fuss oder zu Pferd („üjoften Hltö 23u(mrten'0 einzeln oder in Gruppen nach strengen Vorschriften (Reglements) und unter Aufsicht eigener Kampfrichter (Turnierkönige) kämpften. Man bediente sich anfänglich unbeschlagener Kolben und stumpfer Schwerter oder Lanzen und Speere. Je grösser die Zahl der gebrochenen Lanzen war, die ein Ritter von seinem Gegner aufzuweisen hatte, desto grösser war sein Ruhm; wurde aber der Kampf zu leidenschaftlich, dann schoben die Wächter ihre Stangen zwischen beide Streiter vor oder deckten den zu Boden Gestürzten mit der Stange. „Sie hielten ihm die Stange,“ sagte man, was noch heute Sprachgebrauch ist. Der Herzog bestimmte den Preis (Dank) für die Sieger, der gewöhnlich aus schönen Waffen oder Kriegsschmuck (von Damenhand verfertigt und ausgetheilt) bestand, und trug alle Kosten des Turniers und der Bewirthung der geladenen Gäste. *) Je mehr das Volk damals auf das eigene Hauswesen angewiesen und von dem politischen Leben abgeschlossen war, desto lebhafter empfand es das Bedürfnis, in das Einerlei der häuslichen Zurückgezogenheit und Abgeschlossenheit eine Abwechslung zu bringen, desto grösser war die Begier, sich an den öffentlichen Vergnügungen, Krönungs- und Hochzeitsfesten, Tänzen und Ritterspielen zu zerstreuen, und wir können uns kaum einen richtigen Begriff von dem Frohsinn und der allgemeinen Lustigkeit jener glücklichen Babenbergischen Epoche machen, die damals alle Stände durchdrang. Besonders diese ritterlichen Vergnügungen verfehlten nicht, ein neues ritterliches Bürgerthum zu schaffen, als dessen Begründer Heinrich Jasomirgott zu betrachten ist. Ueberblicken wir nun das bisher Gesagte, so finden wir es begreiflich, wie bei dem sich mehrenden Wohlstand und Luxus das anfänglich so bescheidene Wien mit wahrhaft unglaublicher Schnelligkeit sich zu entwickeln und in den Strom deutschen Culturlebens einzutreten begann, so dass man jetzt schon meinte, in ihm ein neues Regensburg oder Köln erstehen zu sehen. •) Die Turniere (wie schon das Wort tournois, vom Schwenken und Wenden der Kämpfer, verräth) stammen aus Frankreich und wurden schon im IX. und X. Jahrhundert von den Franzosen kunstgerecht betrieben und ausgebildet, ja sogar um das Jahr 1066 die Turniergesetze und Gewohnheiten von Gottfried von Preuilly gesammelt, im Jahre 1036 das erste deutsche grosse Turnier zu Magdeburg abgehalten und hierauf nach Oesterreich verpflanzt, wo es bald eifrige Nachahmung fand. Vide: Rüxner’s „Turnierbuch“, Frankfurt a. M., Folio. Auch befindet sich ein kostbares Bilderbuch von dem Augsburger Meister Jeremias Schemel in der kaiserlichen Ambrasersammlung zu Wien: Pott rofitbumbten uni» 3U erricf>tltltt finb bcibe tmiub/ Er stellt Betrachtungen an: „Me Kreaturen haben „Jhre fefte (Drbnuttg unb ihren fecrrn, „Sas beutfche Polt fteht führerlos/' ') Der Mariencultus war das religiöse Moment des damals tiefsittlich-religiüsen Ritterwesens. Diese besondere Verehrung der Muttergottes gab Anlass zur Gründung unzähliger Marienkirchen und Mariencapellen, ln der Weise aber, wie das spiritualistische Gefühl später in ein sinnliches überging, wurde die Verehrung der Gottesmutter eine sinnliche und auf das ganze schöne Geschlecht mit Leichtigkeit vererbt. ' Ich erinnere hier an jene bekannten Bilder des Mittelalters. ■ in welchen die Madonna dargestellt wird, wie sie besonders verdienstvollen Frommen ihre Brüste zum Trinken reicht. Der Begriff eines solchen naiven sinnlich-religiösen Cultus ist uns abhanden gekommen. b X Walther's religiöser Freimuth gegen Papst und Kirche. Die Verwicklungen der italienischen Politik Kaiser Otto’s IV. führten zur Entzweiung mit Papst Innocenz III. Heftige Depeschen wurden gewechselt. Der Papst drohte mit dem Bann und der Kaiser wies die kirchlichen Prätentionen zurück; der Papst antwortete mit Excommunication. 1 ) Diese Excommunication macht Walther zum antipapistischen Sänger, zum Vorläufer Luther’ und Hutten’s zum gewaltigen Agitator mit seinen Versen, zum Demagogen in der Abwehr clericaler Uebergriffe. . Er empörte sich heftig gegen die Opferstöcke, die der Papst aufstellen liess, um Kreuzzugsgelder einzusammeln; er macht seinem Zorne Luft, indem er den Papst selbstredend einführt, wie er in Rom mit seinen Italienern frohlockt, nachdem er Friedrich II. zum Gegenkaiser gemacht hat: „®, wie fcfiöu 4»riftlicf> 6er papft uns rerlatbf, „IDcnn er 31 t feinen IKälföen jagt: ITun, bab’ icji’s gut gemalt* „3cf> habe 3 n>ei tEebescfn unter eine Krön’ gebraut, „Damit ftc bas Keicb serftören unb uermüften, „Unterboten füllen mir unfere ©ribfiften. fiabe fie an meinen „ 6 toct" geloeft, „Jt>r ©nt ift Xlles mein, „Jbr bentfebe» Silber fährt in meinen mä'lfdien Schrein. „Jbr Pfaffen effet kühner, trinlct Klein, „llnb la|t bie bummcn Deutfdicn faftcu!" Walther redet den Opferstock selbst an: „Sag’ an, ffeerr Stocf! ,/feat <£«4> ber Papft ^ietreu gefanbtl „Damit ih« bereichert* „llnb uns Deutfche ärmer macht unb pfänbet?" Solche Worte zündeten in allen deutschen Herzen. Man begann, ungeachtet der tiefen Frömmigkeit jener Zeit, die „Religion“ von der „Kirchlichkeit“ zu trennen, und mit offenem Freimuth sich auf Seite der Reichsgewalt zu stellen; auch in Oesterreich fand diese Meinung den kräftigsten Widerhall. Wir begreifen daher vollkommen, warum die österreichische Poesie eine volks- thümliche wurde, und warum die Spielleute in Wien sich einer unausrottbaren Beliebtheit erfreuten, aber wir begreifen auch, wie die Sänger die herrschende Politik repräsentirten und den Wienern (im Streit zwischen Papst und Kaiser) zu einer grossem politischen Selbstständigkeit verhalfen. Aber auch ohne den schroffen Gegensatz politischer Kämpfe und leidenschaftlicher Meinungsstreitigkeiten wusste der glorreiche Leopold auf friedlichem Wege seinen Einfluss nach *) Der Kaiser schrieb, wie wir aus Walther’s Schriften in hochdeutscher Uebersetzung erfahren: „Das Geistliche, das Eures Amtes ist, nehmen wir Euch nicht. In weltlichen Dingen aber, wie Ihr wisst, haben wir volle Gewalt, und es kömmt Euch hierüber keine Entscheidung zu. Mögt Ihr in geistlichen Dingen Euere Gewalt frei und unbeschränkt ausüben; seid aber auch versichert, dass der Kaiser im ganzen Umfange seines Reiches das Weltliche nicht aus der Hand geben wird.“ Diese zum erstenmal schriftlich gegebene Erklärung vom Gegensatz der weltlichen und kirchlichen Gewalt entflammte aufs Neue den mehr als hundertjährigen Streit des Kaiserthums und Papstthums um die Weltherrschaft. Auf eine fingirte Schenkung Kaiser Constantins führte 'man nämlich im Mittelalter die weltliche Macht des Papstes zurück, und diese Macht war es, die hier zum erstenmale so rückhaltslos angegriffen wurde. Siehe: Lachmann’s „Walther von der Vogelweide“. Neuhochdeutsch von Koch und Simrock. Desgleichen Pfeiffer’s „Deutsche Classiker des Mittelalters“, I. Band, vom Jahre 1864, und R. Menzel’s „Leben Walthers von der Vogelweide“, 1865, endlich v. K. Luka’s „Leben und Dichten Walthers“, 1868. Leopold VII. Familien- und Regierungspolitik. — Die neue Burg — Michaeler-Pfarrkirche. XI aussen zu erweitern und zu behaupten, indem er durch glückliche Familienpolitik, durch Verehelichung seiner vier Töchter, sich mit den mächtigsten Fürstenhäusern Deutschlands aufs Engste verbündete. ') Stets friedlich und milde gestimmt, hielt er sich schon frühzeitig (besonders seit den sicilianischen Verwicklungen) von jedem Streite zwischen Papst und Kaiser ferne, und wendete lieber seine ganze Thätigkeit dem Nutzen des Landes und insbesondere der Wohlfahrt seiner Hauptstadt zu, die er über Alles liebte und schätzte. Wir sehen ihn wie einen Vater für seine Kinder mit rührender Emsigkeit sorgen, Recht und Gerechtigkeit üben, Wittwen und Waisen schirmen, den gefürchteten kleinen Adel nieder- halten, Bürger und Landmann begünstigen, den Wiener Kaufleuten 30.000 Mark Silbers vorstrecken, damit sie ihren Handel schwungvoller zu betreiben vermöchten. Selbst fröhlichen Herzens, beförderte er die Belustigungen des Volkes und gehörte so zu den populärsten Fürsten, die je die Krone getragen. *) Aber auch durch vielfache Bauten war Leopolds unvergessliche Regierung ausgezeichnet. Der wichtigste und für die Entwicklung und Neugestaltung der Stadt entscheidendste Bau war die neue Burg, beziehungsweise die Verlegung der alten vom Hof an die (damals noch ausser der Stadt gelegene) Stelle des heutigen Schweizerhofes. Die vielen Ministeriellen und Officialen (Bediensteten), der freie und Dienstadel mit seinen Familien und Dienerschaften, die sich nun in die Nähe der neuen Burg zogen, veranlassten neue Ansiedlungen und Bauten an der ganzen südlichen Seite der Stadt. Der Grund der Uebersiedlung Leopolds mag in dem Umstande gelegen haben, dass sich die alte Burg mitten in der Stadt befand, was sich mit den Hoheitsrechten des Landesfürsten nach damaligen Begriffen schlecht vereinbarte. Die neue Burg formirte ein aus vier Gebäudetracten gebildetes regelmässiges Viereck mit eben so vielen massiven Thürmen und war durch Zugbrücke, Thor und einen zum Theil noch heute bestehenden Graben gegen jeden Angriff geschützt.®) • Besondere Sorgfalt verwendete Leopold auf Hebung des kirchlichen Glanzes und auf Kirchen- und Klosterbauten. Zu den wichtigsten gehörte die neue St. Michaelskirche, der Nähe der Burg wegen von ihm zur Hofpfarre erhoben, wie dies der Originalstiftsbrief vom 18. November 1221 besagt: „tmö föaffen nnr, baß bem fdb pt>avm gefyoev y pfcarre al mtfcr Timer tmb al rnfer gefiinb, bie in nnferer bürg roonttm unb at bie burger tutb al Timftleut bie tunber baut bau/' Die älteste Tochter, Magaretha (geboren 1205), war 1225 mit dem römischen König Heinrich VII. vermählt und zwei Jahre später zu Aachen mit grossem Glanze zur Königin gekrönt worden; die zweite Tochter, Agnes (geboren 1206), wurde schon 1222 in Wien an Herzog Bernhard von Anhalt vermählt; die dritte, Constantia (geboren 1212). heiratete 1234 zu Stadlau bei Wien Heinrich den Erlauchten, Markgrafen von Meissen; die vierte, Gertrude (geboren 1214), heiratete 1240 den Landgrafen Heinrich Raspe von Thüringen. J ) Wie sollte Leopold VII. nicht populär geworden sein, da er es stets liebte, sich in die Freuden seiner Bürger zu mischen. Ich erinnere z. B. an die bereits erwähnten Tanzlieder, bei denen er es nie müde wurde, immer wieder neue zu componiren und sie selbst den Tanzlustigen vorzutragen, ich erinnere an die vielgepriesenen Veilchen- und Maifeste, an die Sonnenwend- (oder Johannis-Feier) und endlich an jenes bedeutsame „Weihnachtsfest“, bei dem uns Ennichel, der Dichter, das Einverständnis der Wiener Bürger mit ihrem Herzog in so herzgewinnender Weise schildert: Die Zünfte und Bürger treffen ihn auf der Strasse und bringen ihm jeder kostbare Geschenke, wofür er ihnen einen Wunsch (den sie ihm jetzt nennen sollen) zu gewähren verheisst. Sie klagen über Bedrückung der Fremden und darüber, dass sie ihre ausständigen Forderungen nicht hereinzubringen vermöchten, Leopold nimmt sogleich Einsicht in ihre Schriften setzt einen billigen Termin fest und lässt ihre Forderungen durch die Gerichte eintreiben. 3 ) Nach dem Inhalte der Michaeler-Stiftsurkunde fällt die Vollendung des Baues beiläufig in das Jahr 1221. wiewohl über den Beginn desselben keine bestimmte Nachricht auf uns gekommen ist. doch ist zu vermuthen, dass der Bau um beiläufig 1212 kurz zuvor begonnen wurde, als Leopold den Kreuzzug nach Spanien unternahm. b* XII Neue Kirchen und Klöster. — Kleine Capellen. — Hospitäler. Sie war zu Ehren „unserer lieben Frau Maria“ und des „Erzengels Gabriel“ 1219 erbaut und 1221 vollendet. Weiter erstanden: die Kirche des heiligen Ulrich im Orte Zeismannsbrunn (spätere Vorstadt St. Ulrich); 1214 die St. Katharinencapelle nächst dem Stefansdome; die St. Maria Magdalenakirche mit dem gleichnamigen Nonnenkloster am Fusse der Schottenpoint in Mitte grünender Rebenpflanzungen, und das Cistercienser-Nonnenkloster und die Kirche St. Nikolaus in der Singerstrasse als Tochtergemeinde des vorerwähnten, Kirche und Kloster der Minoriten, die Leopold um circa 1217 nach Wien berufen haben soll (doch scheint das Kloster erst unter Friedrich dem Streitbaren quellenrein); endlich 1230 Nonnenkloster und Kirche St. Agnes in der Rauhensteingasse (an deren Stelle später das „Himmelpforten“-Kloster kam). In einer Zeit, wo die Religion alle Verhältnisse durchdrang, wo das fromme Gefühl sowohl im Staate als in der Familie tiefe Wurzel schlug, war es begreiflich, dass die grossen Staatskirchen und Cathedralen dem immer mehr zunehmenden religiösen Bedürfnisse der Bürger nicht mehr genügten, dass jede Burg und Pfalz, jedes Privatgebäude sich nach seiner eigenen Betstelle, nach seinem eigenen Oratorium oder Bethause sehnte, und dass daher auch in Wien eine Menge kleiner Kirchlein und Bethäuser ins Leben gerufen wurden, die man (als wahre religiöse Chambres separees) Capellen oder Hauscapellen nannte. 1 ) Solche kleine Gotteshäuser waren z. B.t 12L0 die Mariencapelle des deutschen Ordens in der Singerstrasse; die 1214 erbaute St. Katharinencapelle des Domherrn Ulrich von Passau (Secretärs des Herzogs Leopold) nächst der St. Stefanskirche; die 1204 gegründete heilige Dreifaltigkeitscapelle im spätem Lazenhof. Die Hauscapelle des Priesters Ehrenfried Gobi (an der Stelle der heutigen Rochuscapelle) auf der heutigen Landstrasse. Vor allen aber die vielgepriesene stattliche Palast- und Burg-Capelle Leopolds, die er 1218 nach seiner siegreichen Heimkehr vom Kreuzzuge erbauen und nach ihrer Vollendung 1222 von Gebhard, Bischof zu Passau, zu Ehren des „heiligen Johannes des Täufers“ einweihen liess. Aber noch andere wichtige Stiftungen verdanken ihm als drängendes Zeitbedürfnis ihre Entstehung. Die vielen Fremden nämlich, die sich des Erwerbes wegen hier ansiedelten, waren oft in Fällen der Verarmung oder Erkrankung, da sie von ihren ferne weilenden Mitbrüdern auf keine Hilfe rechnen konnten, auf hiesige milde Unterstützung angewiesen, und mussten nicht selten der Stadtgemeinde in Bezug auf Pflege und Quartier zur Last fallen, auch die zahllosen Pilger und Kreuzfahrer, die alljährlich nach Wien gekommen waren, um unter unsäglichen Beschwerden und Gefahren das heilige Grab zu erreichen, und die nicht selten mit bösen Krankheiten („lepra“) aus dem Morgenlande zurückkehrten, bedurften eines hilfreichen Unterstandes und menschenfreundlicher Pflege, ln diesem Sinne stiftete der glorreiche Leopold mehrere wichtige theils weltliche, theils geistliche Orden und Hospicien. *) Im Mittelalter wurden alle kleinern Kirchen Capellen genannt. Man pflegte in ältesten Zeiten auf freiem Felde in Zelten das heilige Messopfer zu errichten; und da dieselben aus Ziegenfellen (capra oder capella) bestanden, so wurde von diesen der Name Capelle hergeleitet und die Geistlichen, welche dabei bestellt waren, Capeliane (Caplane) genannt. Nicht selten fand man bei grösseren Ritterburgen ganze Capitel eingesetzt, um den Gottesdienst zu verherrlichen. Wie sehr die Kirche bemüht war, das religiöse Moment auch formell in das Ritterthum zu verpflanzen, sehen wir bei dem kirchlichen Ceremoniel des Ritterschlages. Wollte ein wehrhafter Jüngling Aufnahme im Ritterstande finden, so musste er sich vorher durch Gebet vorbereiten, dann empfing er im weissen Gewände (wie ein Täufling) kniend am Altar aus den Händen des Priesters das Ritterschwert, hierauf legte er das feierliche Rittergelübde ab, indem er schwur die Kirche zu ehren und nach Kräften zu vertheidigen, seinem Lehnsherrn treu zu sein, keine ungerechte Fehde zu führen, Wittwen und Waisen zu schützen etc. Dann wurde er mit dem ritterlichen Wehrgehänge uingürtet, es wurden ihm die goldenen Sporen angeschnallt, und in kniender Stellung empfing er von einem Ritter den Ritterschlag (symbolisch andeutend, dass nach ihm kein Schlag mehr geduldet werden dürfe). Geistliche Ritterorden. — Das älteste Stadtrecht Wiens von 1221. XIII Die bedeutendsten darunter waren: Im Jahre 1211 das Heiligengeist-Spital mit der Kirche St. Anton auf dem heutigen Obst-(Nasch-)Markt. Ersteres an der Stelle der heutigen Bärenmühle (Wienstrasse, hart am Ufer) und letztere mitten auf dem Markt vor dem heutigen Freihaus. 1210 den deutschen Orden, dem er für seine österreichische Commende ein Haus und eine der heiligen Maria geweihte Capelle in der Singerstrasse widmete. Den Johanniterorden, einen geistlichen Ritterorden, dessen Mitglieder der Herzog auf seinen Fahrten ins gelobte Land kennen und schätzen gelernt hatte, und denen er ein Kirchlein und Hospital vom Baumeister Claudius Scharpok aus Bamberg erbauen Hess. 1211 den Orden vom heiligen Geist mit seinem Allerhei ligen-Spital (dem ersten und ältesten Wohnsitz verarmter Bürger) in den Kumpfluken vor dem spätem Kärntnerthor. Den ritterlichen Orden der Kreuzherrn mit dem rothen Stern, der, aus dem Orient kommend, 1217 zuerst in Böhmen unter dem Namen „Bethlehemiten.“ auftauchte und sich dem Schutze und der Begleitung der Pilger ins gelobte Land widmete. 1226 den Dominikanerorden, dessen Mönche Leopold aus Ungarn berief, und denen er das frühere Tempelhaus beim Stubenthor übergab. ’) Aber auch die Rechtsverhältnisse des Landes, vornehmlich Wiens, erhielten von Leopold dem Glorreichen durch weise Gesetze ihre erste, feste Begründung, indem den Wiener Bürgern durch einzelne Verordnungen, den einheimischen Handelsleuten durch ein gerechtes Stapelrecht, den. Krämern und Handwerkern durch nützliche Markt- und Zunftordnungen ihre Rechte gesichert und verbrieft wurden. Diese Urkunden liefern aber auch den nicht uninteressanten Nachweis, wie bedeutend vorgeschritten damals die Cultur- und Handelsverhältnisse der Wiener gewesen sein mussten. In denselben ist bereits von Kaufleuten aus Cöln, Ulm, Maestricht und Regensburg die Rede: Alles deutet bereits auf einen lebhaften Handel mit Naturproducten (Leder, Pelze, Wachs, Honig etc.), sowie auf einen regen Tauschverkehr mit Industrieerzeugnissen (Tuch, farbigen Kleidern); fremde flandrische Gewerbsleute haben sich bereits angesiedelt und geniessen als besondere Genossenschaft (consortium) laut Urkunde von 1208 gleiche Rechte und Freiheiten mit den Wiener Bürgern. ’) Die landesfürstlichen Einkünfte aus der Stadt sind einem Stadtkämmerer (camerarius) anvertraut; 3 ) die Münze steht unter dem „Magister monetae ", dem ein Münzkämmerer zur Seite steht, unter dem die Münzer (die spätem „Hausgenossen“) dienen. In diesen Erlässen wird Wien häufig als „Forum“, also in seiner hervorragenden Eigenschaft als Markt- oder Handelsplatz bezeichnet. Unter allen den Institutionen nimmt aber das berühmte alte Stadtrecht vom Jahre 1221 weitaus die hervorragendste Stelle ein. Es ist nicht blos ein kostbares Denkmal der Weisheit und Sorgfalt des Herzogs, sondern auch das interessanteste Document für die Beurtheilung der Wiener Verhältnisse des XII., XIII. und XIV. Jahrhunderts, da es alle Seiten des damaligen Bürgerthums beleuchtet, sich seinen Umständen und Bedürfnissen genau anpasst, und durch mehr als zweihundert Jahre die Grundlage aller spätem Satzungen bildet. 4 ) ij £)j e nothwendige Berührung des deutschen Adels mit dem französischen äusserte seine Rückwirkung natur- gemäss in der Verschmelzung des christlichen Mönchthums mit dem christlichen Ritterthum, aus dem zahlreiche geistliche Ritterorden hervorgingen, die dann, wie z. B. der Johanniter- (oder Maltheser-) und der deutsche Herrenorden, sich über Frankreich, Deutschland und Oesterreich rasch verbreiteten und (weil ihre Bedeutung auch auf politischer und socialer Grundlage fusste) sich auch dann noch fortpflanzten, als schon längst das Ritterthum und seine Tendenzen veraltet waren. 2 ) Die Originalurkunde von 1208 befindet sich im landständischen Archiv zu Wien. Vide: Herrgott, „ Monumenta" II., 1, 249 N, 1 und Hormayr 1. Band, 2. Theil, S. 195. a ) Vide: Müller regest. 61, 95, und Hormayr Abth. 1. Urkundenbuch 47. 17. *) Die nachfolgenden Stadtrechte Friedrichs II. (I. Juli 1244), Rudolfs von Habsburg (24. Juni 1278), Albrechts 1. (12. Februar 1296) und Albrechts II. (24. Juli 1340) fussen in ihren Hauptgrundsätzen unverändert auf Leopold des Glorreichen erstem Stadtrechte, welches in so eminenter Vielseitigkeit alle Gattungen des Rechtes: Strafrecht und Strafprocess, Privatrecht und Civilprocess, Polizei- und Marktrecht, Verfassung und Verwaltung in sich schliesst. XIV Strafrecht und Strafverfahren des Stadtrechts. Es ist daher für die Beurtheilung der spätem Darstellungen höchst lohnend, sich mit dem Inhalte desselben etwas vertrauter zu machen. Dieses leider nur in Abschrift vorliegende Gesetz ist in 28 Paragraphen in lateinischer Sprache (der Diplomatensprache des Mittelalters) abgefasst.') Die unverkennbare Absicht der Gemeinde den Frieden zu geben, Ordnung und Rechtssicherheit herzustellen, durchweht das Ganze als Hauptzweck und daher stehen die strafrechtlichen Bestimmungen obenan, unter diesen der Todtschlag (Art. 1), ihm folgen die Verwundungen (Art. 2), die thätliche Injurie (Art. 4), die Nothzucht (Art. 8), der Bruch des Hausfriedens (genannt Heimsuchung, Art. 9). Dieser Absatz ist einer der bedeutungsvollsten im ganzen Gesetze, er gibt uns den Beweis, wie frühzeitig die Grundsätze der persönlichen Freiheit im deutschen Rechtsbewusstsein Wurzel geschlagen und der Ausspruch der grossen englischen Nation: *My house my castle jenes spätere Palladium aller modernen Freiheit, hier schon frühzeitig seinen schönsten und kräftigsten Ausdruck gefunden hat; er lautet wörtlich: „Wir wollen, dass jedem Burger sein Haus eine Feste sei und ein Zuflucht für ihn, seine Hausgenossen und Jeden, der das Haus betritt, oder in dasselbe flieht.“ „Niemand,“ so heisst es weiter, „soll eines Andern Haus mit Bogen und Armbrust betreten, auch soll jedem Bewohner des Hauses gestattet sein, Angriffe auf das Haus auf jede Weise abzuwehren, nur nicht mit Bogen und Armbrust.“ Diesem folgt die Personalinjurie (Art. 13), das falsche Zeugnis (Art. 14), die Gotteslästerung (Art. 15), das Tragen verbotener Waffen (Art. 16) oder von Waffen überhaupt (Art. 24), Feuer im Hause (Art. 25), öffentlicher Auflauf und Streit (Art. 12), Beherbergung eines Geächteten (Art. 6), Nichtannahme der dargebotenen Sühne (Art. 7), falsches Mass und Gewicht (Art. 26). Das Strafverfahren beruht auf den allgemeinen Grundsätzen des deutschen Rechtes. Es befindet sich bereits auf einer Uebergangsstufe, wo die Gottesurtheile durch den Reinigungseid mit Genossen verdrängt werden. Der die Nothwehr vorschützende Todtschläger reinigt sich noch durch die Feuerprobe (Art. 1), so auch der Nothzüchter mit dem Zeugnis zweier glaubwürdiger Männer (Art. 8). Beim Abgang von Eidgenossen tritt die Wasserprobe ein (Art. 3). Ist die Reinigung mit Eidgenossen zu erbringen möglich, so werden 20 Personen vom Richter dem Beschuldigten vorgestellt, aus denen letzterer die Zeugen auszuwählen hat. Die ganze Gerichtsbarkeit, namentlich die Blutgerichtsbarkeit, ist noch ausschliesslich in Händen eines Stadtrichters (judex civitatis), dem ein Unterrichter (stibjudex) und ein Vorsprecher (preco) zur Seite steht; doch behielt sich der Herzog in vielen Fällen, theils wegen der persönlichen Eigenschaft des Verbrechers, theils wegen der Schwere des Verbrechens, seine eigene Gerichtsbarkeit vor (Art. 2). Wir sehen daher, dass die persönlichen Standesunterschiede, Geburt, Adel, Vermögen, liegender Besitz, auf die Strafe und Ueberweisungsart noch einen gewaltigen Einfluss üben und die so gewünschte Rechtsgleichheit beirren, wie dies unter dem lehnsherrlichen Druck des Mittelalters nicht anders zu erwarten ist. Ein Besitz im Werthe von 50 Talenten innerhalb des Burgfriedens berechtigte z. B. zur Reinigung von der Anklage des Todtschlages durch den Zeugeneid (Art. 1). Hat der Geschlagene einen Besitz im Werthe von 30 Talenten, so zahlt der Thäter 10 Talente als Strafe und unterliegt noch insbesondere der Gerichtsbarkeit des Herzogs (Art. 4). *) Wiewohl das Original des Leopoldinischen Stadtrechtes von 1221 nicht mehr vorhanden ist, so bestehen doch die Varianten aus zwei Handschriften der kaiserlichen Hofbibliothek in Wien. Nach diesen erscheint dieses Stadtrecht mehrmals abgedruckt, am besten bei Meiller: „Archiv der kaiserlichen Akademie.“ B. X., Seite 100—107, auch in Hormayr, Wien I., Urkundenbuch 1, p. 38, Nr. 15. Privatrecht und polizeiliche Vorschriften des Stadtrechts. — Wien als Stapelplatz. XV Bei Verwundungen entscheiden die Standesunterschiede (Art. 2). Der gerichtliche Zweikampf kann nur bei Adeligen angewendet werden. Für das Privatrecht finden sich in diesem Stadtrecht bereits die ersten festen und entwickelungsfähigen Keime; z. B. die Aufhebung des so lästigen Heiratszwanges (Art. 19), der Schutz der Waisen gegen finanzielle Benachtheiligung durch Schliessung einer zweiten Heirat der Mutter (Art. 18), das Recht der Mutter und Kinder, den nachgelassenen Besitz des verstorbenen Familienvaters zu erben (Art. 19). Die Ernennung einer Körperschaft, bestehend aus hundert getreuen und verständigen Männern (aus allen Stadttheilen), wovon je zwei bei jedem Rechtshandel über unbewegliche Güter als Zeugen anwesend sein müssen. Mehrere Paragraphe enthalten polizeiliche Vorschriften zur Sicherheit der Stadt und zur Wahrung der Masse und Gewichte. So z. B. darf kein Ausländer die Stadt mit gespanntem Bogen betreten, und wenn er Geschäfte daselbst zu besorgen hat, muss er den Bogen in der Herberge ablegen; ebenso darf kein Bürger mit gespanntem Bogen in die Stadt noch aus derselben gehen, und wer mit demselben innerhalb der Stadtmauern betreten wird, ist dem Richter mit 72 Pfennigen verfallen. Wenn bei einer Feuersbrunst die Flamme zum Dache hinausschlug, zahlte der Hausbesitzer dem Richter ein Talent Strafe. Brennt aber das Haus ganz ab, so hat er nichts zu zahlen, da er ohnedies durch den Schaden genug gestraft ist (Art. 25). Bei wem in der Stadt ein falsches Mass, Elle oder Gewicht (Ham) gefunden wird, der soll dem Richter fünf Talente zahlen (Art. 26). Eine wichtige und für die Zukunft entscheidende Massregel, die wesentlich zum Aufschwünge und zur Blüthe der Stadt beitrug, ist die Erklärung Wiens zum Stapelplatze für ausländische Waaren. Kein Kaufmann aus Deutschland darf seine Waaren nach Ungarn führen, sich länger als zwei Monate mit ihnen in Wien aufhalten und sie nur einem Bürger und keinem Auswärtigen verkaufen. Auch dürfen sie weder Gold noch Silber kaufen, verkaufen aber können sie es blos an die landesfürstliche Kammer (Art. 23); hierdurch wurde Wien der Mittelpunkt des blühenden Handels nach Osten, und nicht den Ausländischen, sondern den eigenen Bürgern fielen die Früchte des Verkehrs in den Schooss. Auch verwaltungsrechtliche Grundsätze und mit ihnen die ersten Ansätze einer Theil- nahme der Bürger an der Regierung der Stadt finden wir bereits im letzten Artikel (Art. 28) ausgesprochen. Da heisst es: 24 Bürger (aus den angesehensten und verständigsten) sollen gewählt und in Eid genommen werden, um nach ihrem besten Wissen und Gewissen über den Markt, dann über Ehre und Nutzen der Stadt zu wachen. Ihre Beschlüsse darf der Richter nicht umstossen. Die Bürger setzen die Marktordnung, den Preis der Lebensmittel und die Geldstrafen fest und sollen so oft als möglich sich versammeln, um sich über die Besorgung der Stadtangelegenheiten zu berathen. Die von ihnen eingesetzten „Marktaufseher“ unterstehen ihrer Controle. Interessant ist die Bemerkung, dass das Stadtrecht bereits zwischen entehrenden und nichtentehrenden Vergehen und Strafen, zwischen freiem Eigenthum (proprietas) und blossem Erblehn (zu Burgrechtsbesitz, hereditario jure) unterscheidet, und auch in Rücksicht des Ranges der Person genaue Unterschiede macht. So spricht es von hochangesehenen Personen (magna et honestior persona, Art. 2); von Ehrbürgern, die ein freies Eigen besitzen (also kein blosses Erblehn) und zu den angesehenen Personen gehören (Art. 4); von Lehnsleuten, Dienstmannen, Hörigen, Soldaten (miles, Art. 19); von ehrbaren und glaubwürdigen Personen (Art. 1); von unehrbaren leichten (Art. 4); von Dienern und Dienstmädchen, ganz leichten Personen, die als rechtlose Personen gelten (Art. 4). Diese kurze Darstellung möge genügen, um die Rechtsverhältnisse und die bereits fest ausgeprägte Rangstellung der Bürger in ihren weitesten Grundzügen zu kennzeichnen, und es erübrigt nur noch, auch ihre sociale Seite zu beleuchten. XVI Die Lebensweise der Wiener. Die Lebensweise der Wiener, ihre Bauten und Kunstbestrebungen im Mittelalter. Aus der Zeit der Babenberger kommen uns rücksichtlich der Lebensweise der Wiener nur spärliche Nachrichten zu; erst später fliessen die Quellen reichlicher und gestatten uns einen genauem Einblick. Anfangs führten die Wiener ein einfaches, zurückgezogenes Leben, beschränkten sich auf die Freuden stiller Häuslichkeit und (zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse) auf Fischfang, Feld- und Weinbau und die Jagd, wobei ihnen das wasser- und waldreiche Terrain um Wien und der hüglige Boden vorzügliche Dienste leisteten 1 ); später, als Cultur und Bedürfnisse stiegen und sie sich mehr an dem städtischen Gemeindewohl betheiligten, traten sie nun auch in die Oeffentlichkeit, nahmen Rathsstellen und öffentliche Bedienstungen an, trieben Gewerbe und allerlei Hantirungen und zogen auf Fehde oder Waffenübungen aus, während die Frau den Haushalt besorgte, mit den Mägden in der Spinnstube spann, oder mit kundiger Hand das „Webeschifflein“ führte, oder wohl auch mit Nadel und Scheere hantirte, eine Arbeit, der sich so gut die Herzogin wie die Bauersfrau unterzog, denn Beide lieferten ja die Hauptstoffe zur Gewandung ihrer Männer und die Schneiderarbeit. Diese schöne Sitte währte bis weit in’s Mittelalter, so lange die Trachten noch kunst- und schmucklos blieben. 2 ) Die grösste Sorgfalt verwendete die Hausfrau auf die Reinhaltung der Stube und des Hausgeräthes. Beide waren in der Babenbergischen Epoche einfach, mehr dauerhaft als zierlich. Jedes Haus hatte ausser verschiedenen Kammern (Kemenaten) noch ein grosses Zimmer zum Empfang der Gäste (möglichst bequem und schmuckvoll eingerichtet); an den Wänden zogen sich breite Bänke, worauf (Suiten (Matratzen) und ßlumiten (Federkissen) lagen. Als Möbel wurden Tische, Stühle, Bänke, Arm- und Lehnsessel aus kostbarem Maserholz mit weichen Polstern (als Ehrensitz der Gäste), dann Kleidertruhen benützt; letztere vertraten die Stelle der späteren Commodekasten und waren nicht selten mit feinem Schnitzwerk und schönen Malereien verziert. Doch das Kostbarste war das Bett, ein Lager in quadratischer Form, möglichst hoch aufgerichtet, mit Staffeln zu besteigen: dem Gastbette war ein besonderes Ohrkissen, Leinlachen (Cinbe IDflt), Bettdecken (ßupertiire Tetfellatfyen) beigegeben. Der Speisetisch war während der Mahlzeit mit langem Tuche bedeckt, und in die Mitte der Tafel ein gemeinsames Salzfass, Brode in verschiedenen Laibformen, dann Messer und Löffel gelegt, denn der Gebrauch der Gabeln kam erst gegen Ende des XVI. Jahrhunderts auf. Anfangs begnügte man sich mit einfachen Speisen und genoss nur, was die eigene Jagd, das Feld oder der Garten bot. Gesalzene oder geräucherte Fische, etwas Wild, Kohl und Obst bildeten das vollständige Mahl. Bei Festen und Gelagen ward dem Gaste das Haupt mit Blumenkränzen geschmückt, die Tafel mit Blüthen bestreut und Rosenguirlanden über den Speisetisch gehängt; bei Begin der Mahlzeit, in der Mitte und am Schlüsse trank der Hausvater dem Gast den üblichen Willkomm mit einem besondern Ehrenbecher zu. Mit dem Verfall der höfischen Sitte nahm auch die Einfachheit der Mahlzeiten ein Ende. ‘) Das Waldgestrßpp reichte nahe zur Stadt, und noch bis gegen das Ende des XVI. Jahrhunderts zog sich ein Ausläufer des Wienerwaldcs weit über die heutige Matzleinsdorferstrasse herüber; auch zahlreiche Weinriede umgaben rings die Stadtmauern, und noch der Lautensack’sche Plan aus dem Jahre 1558 zeigt uns üppige Weinpflanzungen auf dem hügeligen Terrain der heutigen Vorstädte Landstrasse, Rennweg, Wieden, Laimgrube, Alsergrund, den jetzt stolze Paläste decken. Besonders der Gumpendorfer Weinried war sehr ausgebreitet und erstreckte sich von der heutigen Windmiihlgasse bis über die Mariahilferlinie und nahm das ganze linke Wienufer bis gegen den Hundsthurm und Meidling ein; er lieferte die beliebteste Weinsorte, die wir noch im Jahre 1464 in den Rechnungen des damaligen Pilgramhauses in der Kärntnerstrasse erwähnt finden. Vide: Schlager’s „Ueberlieferungen aus handschriftlichen Quellen“. *) Uns sind manche mittelalterliche Gedichte aufbewahrt, die interessante Scenen vorführen, wo des Herzogs Töchter die Kleider zuschneiden und die Dienerinnen das Zugeschnittene nähen. Auch erzählt der angelsächsische Kirchenhistoriker Breda, dass Nonnen häufig kostbare Gewänder verfertigten und damit die Gläubigen beschenkten. Johannes Scherr erzählt in seiner Cultur- und Sittengeschichte, dass zum Zwecke der häuslichen Bekleidung neben der Leinenweberei schon frühzeitig auch die Wollenweberei von den Hausfrauen betrieben wurde. Die Lebensweise der Wiener. XVII Man gewöhnte sich an gewürzte Speisen, pikante Brühen, köstliches Back werk und Confituren; Ingwer, Zimmt und Muscatnuss, Cedrat und Nelken waren an der Tagesordnung, sowie überzuckerter Marzipan und stark gepfefferter Lebkuchen. Die Zahl der Gerichte (Gänge) wollte nicht enden, und nicht selten währten die Schmausereien bei Hochzeiten, Kindel- und Todtenmahlzeiten durch acht Tage; die Frauen tranken stark gewürzte Weine und süssen Meth und das übermässige Gastiren und sinnlose Zutrinken nahm so bedauerlich überhand, dass strenge Verbote hierwegen erlassen werden mussten, die aber wenig fruchteten. Eines der interessantesten dieser Art ist uns in der Polizei-Ordnung Kaiser Ferdinands I. vom Jahre 1542 aufbewahrt. 1 ) Auch Hauseinrichtung und Hausgeräthe nahmen bald einen luxuriösen Charakter an, und an die Stelle des harten Holzes trat massives, oft edles Metall; der weichbretterne Fussboden wurde in dem Gastzimmer nicht selten durch kostbares Getäfel ersetzt, alle Gattungen Singvögel belebten hier die Räume, und in den dicken Zimmermauern pflegte man Lauben (Ciemeil, d. i. gewölbte Fensternischen) mit steinernen Sitzen anzubringen, von wo die Frauen gerne ins Land ausblickten. Bonfin gibt uns im Jahre 1490 eine recht artige Beschreibung eines solchen Gastzimmers. a ) Mit den zunehmenden Bedürfnissen hielt auch die Kleidung gleichen Schritt, Leibrock und Mantel waren im XI., XII. und XIII. Jahrhundert der Hauptbestandtheil der Bekleidung und das einzige Oberkleid für beide Geschlechter. Hosen trugen die Männer, die mit den Strümpfen ein Ganzes bildeten, aber aus zwei getrennten Schenkeltheilen bestanden (einem Vorder- und einem Hintertheil), welche an der Seite mit Bändern gebunden und mit einem Riemen um den Leib befestigt wurden, daher noch heute der Ausdruck „ein Paar Hosen“ gebräuchlich ist. Mit der zunehmenden Civilisation steigerte sich auch der Sinn für Schnitt und Farben. Besonders die Verbindung mit Italien und Spanien, mit Byzanz und dem Orient machte die Wiener namentlich für Kleidung und Farbenwahl empfänglich und wählerisch. Frühzeitig war schon in Wien das Sprichwort im Schwünge: „Das G’wandl macht’s Mandl.“ Die Kleiderstoffe wurden immer kostbarer, man bediente sich der Wollzeuge und Seidenstoffe der verschiedensten Färbung, und die Namen der vielen Gattungen ist geradezu erstaunlich. 3 ) Das Tragen von Hemden war sehr frühzeitig im Gebrauche, und man benützte oft die feinsten Sorten von Leinwand, wie z. B. den so kostbaren „Sabfn‘(, den man aus byzantinischen Webstätten kommen liess. Auch edle Pelze, wie Hermelin, Marder, Zobel und Biber, dienten zur Zierde. Dazu kam noch köstliches Damengeschmeide (Ringe, Arm-, Hals- und Kopfspangen), männliche Waffenzier, an der linken Hüfte das Schwert, dem an der rechten der Dolch das Gleichgewicht hielt. Griff und Scheide, sowie das Wehrgehänge waren oft verschwenderisch geziert. ■) Die Verordnung lautet im Wesentlichsten: „Das ItillMmaM, fO bisfcrc mit grOpU geprdlig, UUtöften Unb unnotturfrtiger Derfcbmcnbung gehalten, ift gdrt^ticb abgeftellt, nur ber lünMpcttmn ift geftattet, ihre (Ettern, ©etefroifter uni> ©cratcrn 3U laben; bei 'bereiten follen ©raffen unb berren nicht über 40 perfonen laben, Kitter, bürger unb Kaufleute nicht über 24, banbmerfer unb dauern nicht über j6 Perfonen 3U ©aft laben/' ebenso wurde die Zahl der Mahlzeiten bei Hochzeiten für Grafen und Herren auf 10, für den Adel auf 8, bei Bürgern auf 2 und bei Bauern auf eine beschränkt. „Kucb foll (so lautet es weiter) mit allen anberen fabfehafften unb ©affungen guete befebaibenbeit gebraucht, alter unuotturpiger UcberflUB abgeftellt werben." Beim Zutrinken ist jedes Uebermass verboten, doch sei ein freundlicher, massiger Trunk erlaubt. Der äusserst rohe, das Schicklichkeitsgefühl arg verletzende Gebrauch, Leichenbegängnisse durch Zechgelage zu beschlossen, währte noch bis zu Anfang dieses Jahrhunderts fort und noch heute wird er beim Landvolke häufig angetroffen. 2j Bonfin sagt: „Die Gastzimmer sind meist herrlich eingerichtet und kostbar getäfelt, und man pflegt den Fussboden im Frühling mit Blüthen zu bestreuen, die Zimmer haben Oefen, in allen Fenstern ist Glas in Blei eingelassen, viele sind sehr schön bemalt, durch Eisenstäbe gegen Diebe geschützt. In den Sommerstuben hält man so viele Vögel, dass der, so durch die Strassen geht, wohl wähnen möchte, er sei inmitten eines grünenden Waldes.“ 3 ) Die beliebtesten Wollstoffe hiessen: iSarransan, Sucferam, iSrunat, Tiafper, Iritfchal, Kamelot, «Eeege, Scharlach, Sei etc. Die Seidenstoffe waren pfellel, 35albefin, iSliat, Sigfat, palmal, Purpur, 3inbal, welche oft mit Goid- und Silberfäden durchwebt wurden. XVIII Die Lebensweise der Wiener. Auch die Damen trugen Gürtel mit kleinen Täschchen, in denen Geld, Riechfläschchen, parfumirte Vorschuhe und allerlei Kleinigkeiten verwahrt waren, dann an der Seite nicht selten einen Schlüsselbund, Scheere und Rockenspindel, indem man aus freier Hand zu spinnen pflegte, da das Spinnrad erst im XV. Jahrhundert erfunden wurde. Beide Geschlechter liebten an ihren Anzügen ein Farbenspiel, welches geradezu ins Regenbogenbunte umschlug, ja man trug nicht selten analoge Theile der Kleidung in verschiedenen Farben, z. B. einen Aermel roth, den andern weiss, eine Hälfte des Beinkleides grün, die andere blau. Doch war die Wahl der Farben nicht so ganz der blinden Willkür überlassen, sondern meist mit Rücksicht auf Farbensymbolik getroffen. Die äussere Erscheinung eines Menschen sollte nämlich auch seine innere Stimmung in einer Weise verrathen, von der unsere monotone und farblose Modetracht wohl keinen Begriff mehr hat. ') Dieses Farbenschillern wurde noch durch die barocke Mode erhöht, das Wappen des Geschlechtes auf verschiedenen Theilen des Anzuges, auch an solchen Stellen gestickt zu tragen, wo es offenbar unpassend war, so dass Herren und Damen wie wandelnde Fibeln oder lebendig gewordene Heraldiktafeln aussahen. 1 2 3 4 ) Mit dem Verfall des Ritterthums ward der einfache Leibrock jetzt manchen Veränderungen unterworfen. Zuerst wurde er auf der Seite ausgeschnitten und verkürzte sich zum „Lenderer“ oder „Wamms“, dann kamen die „gezattelten“ Kleider in Mode, die mit einer Menge von Lappen überhängt waren, wobei die Aermel bei beiden Geschlechtern weit ausliefen, noch später trug man geschlitzte Anzüge, wo Hose und Rockärmel so geschnitten wurden, dass das anders gefärbte Unterfutter durch die Schlitze hervorsah, bis sie endlich zur Zeit der Reformation durch die unsinnigen „Pluderhosen“ und „Pluderärmel“ verdrängt wurden. Die Frauen trugen das Haar in Locken oder Zöpfen geflochten, mit Goldfäden, Goldschnüren oder Perlen zierlich durchwoben, die entweder über die Schultern auf den Busen herabfielen, oder in mancherlei Knoten künstlich aufgeschürzt waren. Die grösste Sorge jedoch wendeten sie der Hautpflege zu, und es ist merkwürdig genug, dass schon im XIII. Jahrhundert von der Kunst des Schminkens der ausgiebigste Gebrauch gemacht wurde. s ) Uebrigens an Ausschreitungen der Mode hat es in der höfischen Ritterzeit wohl nie gefehlt, und ich erinnere z. B. nur an die hässlichen Schnabelschuhe, die durch ihre unmässig langen, nach aufwärts gekrümmten, mit Werg ausgestopften Schuhspitzen gewiss ebenso unschön aussahen, als sie lästig waren und dennoch (sonderbarer Weise) durch 300 Jahre in Mode standen und sich bis in’s XV. Jahrhundert hinüberschleppten, ja sogar von Hofherrn und Rittern mit Vorliebe getragen wurden. *) Was die Eintheilung der Zeit rücksichtlich der täglichen Beschäftigung anbelangt, kann den Wienern seit ältesten Zeiten ein gewisser praktischerSinn nicht abgesprochen werden; der Tag war „beim Manne den Geschäften ausser Hause gewidmet und umfasste die Zeit von der Frühmesse 1 J Die höfisch-ritterliche Gesellschaft bildete die Farbensprache höchst sinnig aus und wendete sie ganz besonders auf die Minne an, so dass der liebegliihende Ritter alle Phasen seiner Leidenschaft der Dame des Herzens in seinem Anzuge auf die verständlichste Weise verrathen konnte, ohne eine Indiscretion zu begehen. Grün bedeutete das erste Sprossen auf- dämmernder Liebe, Weiss die Hoffnung auf Erhörung, Roth den helllodernden Minnebrand, Blau unwandelbare Treue, Gelb beglückte Liebe, Schwarz Leid und Trauer u. s. f. 2 ) Dieser heraldische Missbrauch erweckte nicht selten zürnende Mahnrufe von Seite der Prediger und Dichler, und schon im XIII. Jahrhundert hielt der grosse Prediger Bert ho Id eine Strafpredigt Uber diese bunte Spielerei der modischen Welt, was an den Heine’schen Witz erinnert: „Das mahnt an das Mittelalter so schön, „Die in dem Herzen getragen die Treu „An Edelknechte und Knappen, „Und auf dem Hintern ihr Wappen.“ s ) Vide: Weinhold’s: „Deutsche Frauen im Mittelalter.“ 4 ) Die eisernen Schnäbel an den Schuhen der Ritter waren ihrer scharfen Spitzen wegen, zumal zu Pferde, eine gefährliche Waffe, konnten aber im Nichtbedarfsfalle wieder abgedreht werden. Die Lebensweise der Wiener. XIX bis zum Nachtessen (dem eigentlichen Hauptmahle), die übrige Zeit gehörte der Erholung, dem Vergnügen und dem Schlafe, und erstreckte sich vom Nachtesssen bis zur Frühmesse. Nach beendetem Mahle zog sich die Familie in die Hausstube zurück, und hier offenbarte sich so recht deutlich die ächte Gemüthlichkeit, der Sinn für häusliche Behaglichkeit, Zufriedenheit und Eintracht, Züge, die noch heute den Urwiener auszeichnen; er gab sich willig im trauten Familienkreise dem angenehmen Geplauder hin, oder lauschte einem sinnigen Liede, oder erlustigte sich und die Seinen mit heitern Tänzen; bei vorgerückterer Cultur wählte er Lectüre, Würfel, Karten oder das beliebte „Sdmcfoatelipiet".') Ausser dem Hause suchte der Wiener selten Zerstreuung, nur die Jagd (Sejab) galt ihm als Hauptvergnügen, als Vorschule des Krieges, und muthig zog er aus, mit Speer, Pfeil und Bogen, wenn es galt im Waldesdickicht Bären, Wildsäue oder Wölfe zu erlegen, an denen es^in.^der Umgebung nicht mangelte. Besonders letztere waren lange Zeit eine empfindliche und gefährliche Landplage, der sich die Wiener kaum erwehren konnten. s ) In der niedern Jagd wurden die kleinern Thiere mit Netzen gefangen. Es gab eigene Vogel- und Hasennetze.’) Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Vornehmen und Reichen den „Kilben" (Jagdhunden) und bauten eigene Rüdenhäuser, in denen sie diese Hunde hielten und aufzogen, wie dies auch die Herzoge seit den ältesten Zeiten übten. * * * 4 ) Zu den vornehmsten Erwerbsquellen der Wiener gehörte vor Allem der Weinbau, und schon im XIII. Jahrhunderte bildete derselbe den Grundstein ihres Wohlstandes. Nicht blos in der Umgebung, sondern auch in den entfernten Gegenden hatten sie ihre Weinberge ausgebreitet und waren immer auf Erwerbung und Veredlung neuer Weinriede bedacht. Der„Xat)fal" (veredelte Reben) und das erstreckte sich in die entferntesten Riede von Meidling und Hetzendorf. Fast jeder vierte oder fünfte Hausbesitzer in Wien hatte seinen ‘/ t und V 8 Weingrund und schenkte seinen Bauwein im eigenen Hause aus. Jeder Bürger war sonach ein „Leitgeb“ 5 * ) und hielt in einem Winkel seines Hauses offenen Weinschank oder „fEaperne", wo er den Wein durch einen Bestellten auf die „kleine Maass“ ausschenken liess. °) Zu diesem Behufe waren die Weinkeller in den meisten Häusern äusserst geräumig, und nicht selten waren mehrere Stockwerke übereinander gebaut. 7 ) ‘) Das Wort „Scfyacbjabelipiel" ist gleichbedeutend mit „Schach“ oder „Schachbrettspiel“ und hat eine altdeutsche Wurzel zum Grunde, nämlich das Wort „5abel" (gleichbedeutend mit tabula Tafel oder Brett), ’) Noch bis in’s XIII. Jahrhundert erinnerte die - Brigittenau mit ihrem frühem Namen „Wolfsau“ und die Insel „Wolfspass“, sowie das Dorf „Wolfpassing“, vor Allem aber der zu gewissen Zeiten dem Volke ertheilte „Wolfssegen“ an die gemeinsame Plage der Stadt. a ) So ein „Hasennetz“ finden wir noch in Michael Beheim’s „Buch von den Wienern im Jahre 1463“ angeführt, wo unter dem Vorwände ein Hasennetz zu entlehnen auf eine listige Art die Eröffnung des Thores der Veste Weikersdorf bewerkstelligt wurde. 4 ) Ein solches herzogliches Rüdenhaus befand sich in der Vorstadt Erdberg, in der heutigen Dietrichgasse Nr. 16 (früher Gärtnergasse Nr. 364, Eigenthum der jetzigen Gärtnergenossenschaft), auf das sich noch zwei Urkunden aus den Jahren 1443 und 1311 beziehen, worin Kaiser Max über das Rüdenhaus und seinen Vogelgarten (Fasangarten) mehrere Befehle ausfertigte. Es war dies die erste bekannte Fasanerie in der Umgebung Wiens. Vide: Hormayr’s Geschichte Wiens, Jahrgang II, Band IV, Heft I, Seite 17 und 27. Interessant ist die Bemerkung, dass man schon frühzeitig in Oesterreich verschiedene Arten von Hunden zur Jagd benützte, z. B. Windhunde für Hasen, Schwarzwildhunde für Eber, Bären und Wildsäue, Leit- und Spürhunde, Biberhunde unter der Erde und Habichthunde für Vogelfang, wenn man es nicht vorzog, sich mit der Reiherbeize durch Falken zu beschäftigen. 5 ) Ct’iögeb oder citgeb stammt von dem altdeutschen Wort „Cit" (Most) und ist noch heute im Sprachgebrauch. 8 ) Nach Verordnung vom Jahre 1459 waren für die Bürger eigene „Weinmeister“ (eine Art Oberkellner), sowie nach Verordnung vom Jahre 1461 für die herrschaftlichen Freihäuser sogenannte „Herrenwirthe“ bestellt, welche den Ausschank des Weines besorgten, bis endlich unter Kaiser Rudolf II. diese Verordnung aufgehoben und die „allgemeinen freien Kellerschänken“ gestattet wurden. 7 ) Hans Sachs singt in seinem Gedichte „Lobspruch der Hauptstadt Wien“ bezüglich der weiten „Die IDeinfeller fo tief unb treit, „Stabt IDien, bie (»ab unter ber £rb „bap man »ermeint 3U biejer Seit, „Hier gepeus, beim broben iuttben merb." Kellerräume/ XX Erbbiirger. — Handwerker und Krämer. Wenn der Wein gerietli, war am Tage der Einfuhr des Bauweines stets ein Freudenfest im Hause, und die Zeit der Weinlese war für Wien immer die lustigste, da das Lesen oft viele Wochen andauerte. ') Unter diesen Umständen war es wohl begreiflich, dass der Weinbau immer weiter um sich griff und endlich so bedenklich überhand nahm, dass schon Al brecht V. sich bewogen fühlte, die Anlage neuer Weingärten auf das Strengste zu verbieten, denn er besorgte Gefahr für die Ver- theuerung der Lebensmittel (Getreide und Feldfrüchte) und für die Approvisionirung der Stadt. Welch’ grosse Bedeutung übrigens der Weinbau für Wien hatte, ist aus den vielen seit ältesten Zeiten erflossenen Gesetzen erweislich, da dieselben nicht bloss die Rebencultur zu regeln, sondern auch den Weinhandel vor Concurrenz und Schaden zu bewahren stets bemüht waren. 2 ) Schon im XIV. Jahrhundert lag der Weinbau fast ausschliesslich in Händen der grundbesitzenden Wiener Bürger. Man nannte sie Erbbürger im Gegensätze zu den Handwerkern und Krämern (Kaufleuten), die weder Vermögen noch Zeit hatten, Weinbau zu treiben. Diese Erbbürger waren Urbürger aus Römerszeiten, forterbende Geschlechter, die man kurzweg Geschlechter nannte; ihre Söhne (Bürger von Geburt) bedurften nicht erst des Bürgereides wie die Handwerker, wenn sie Grundherrenrechte erwerben wollten, waren ritterlehensfähig (Besitzer von Ritterburgen 3 ) und rathsfähig, d. i. nur sie allein in den innern Rath wählbar. Es darf uns daher nicht wundern, wenn wir schon frühzeitig diesem Bürgerthum als dem einflussreichsten Theile der Bevölkerung begegnen, der an Vermögen und Stellung alsbald selbst den Adel überflügelte und auf die öffentlichen und Gemeindeangelegenheiten den wohlthuendsten Einfluss übte. Dieses Bürgerthum war die solideste Stütze der Stadt, der Hauptträger ihrer Bildung, ein unschätzbares befruchtendes Element, das alle andern Elemente in sich aufnahm, wie z. B. die Handwerker-Körperschaften (Innungen oder Zünfte), mit denen es später vollkommen verschmolz, bis es sich in seiner Verallgemeinerung zum modernen Begriff des heutigen Staatsbürgerthums emporschwang. Mit der Entwicklung des Bürgerthums und seines Charakters hielt auch die Bauweise der Wohnhäuser gleichen Schritt. Die Bürger nämlich lebten anfangs wenig nach aussen und schlossen sich wie ihre Häuser nach der Strasse hin ab, ihre Behaglichkeit aber, ihr reiches Hausgeräthe, ihren mitunter kostbaren Schmuck zeigten sie desto lieber im Hause; wie sich hier ihr ganzes Wesen aufthat, so breitete sich auch die Wohnstätte in offenen Gängen und Hofräumen nach innen behaglich aus, während sie gegen die Strasse zu nur eine schmale Aussenseite mit kleinen, schmalen Fenstern zeigte. Die Häuser waren mehr hoch als breit, nach innen auf langen Grundflächen aufgebaut und häufig mit Mauern oder Planken umfriedet; über die ungemein hohen Spitzdächer ragten stufenförmige Giebelmauern empor, die der Volkswitz *) Hans Sachs singt über die Weinlese ebenda; meinlefen wert oft vit^iq tag, „Tee tags oft 311, bas wanden tmmbert; „bajj man teglicb einfürt i$ fag: „bafj teglid) pei 3t»elffmnbert pferbeu „Wagen mit mein teglicb brei fmnbert, „3m meinlefen geprauebet werben." *) Die Verordnung Albrechts V. vom 9. März 1430 verbot, im Burgfrieden der Stadt Bier auszuschänken, da dasselbe schon damals als der gefährlichste Concurrent des Weines erkannt war. Die Verordnung vom Jahre 1244 untersagt die Einfuhr des ungarischen, und die Verordnung von 1340 die des italienischen Weins. Erst unterm 12. Octoher 1367 und 9. October 1370 wurde dem Stadtrathe ein neues Weinhandlungsrecht („(Edffernrccbt") gegeben und mit demselben die Befugnis eltheilt, fremde Weine aller Gattungen auszuschänken. Dieses Recht übte der Stadtrath bis zum Jahre 1571 auch wirklich in zwei lavernen (Trinkstuben) aus, und wie aus den Grundbüchern des XIV. Jahrhunderts, sowie aus einer Reihe von Rechnungen hervorgeht, lag die eine in der Wollzeile 778 (neu 17) und führte noch bis zum Jahre 1798 im Grundbuch den Beinamen „bie alte (Edffcftic", und die andere in der obern Bäckerstrasse. Aus den Stadtrechnungen von 1465 geht auch hervor, dass hier der sogenannte und ItrdutebMJeW (der früher sehr beliebt war), dann Hapfal, Hlaloaucr, fflusfatd, sowie auch die ungarischen und italienischen Weine (die man „Osterweine* * nannte, weil sie nur zur Osterzeit eingeführt werden durften) an sitzende Gäste verzapft wurde. 3 ) Die Ritterlehnsfälligkeit wurde -den Bürgern schon mit dem ältesten Landrecht normirt und von König Rudolf I 1278 und Albrecht I. 1296 bestätigt. Wohnhäuser. — Malerei und Sculptur. XXI so treffend „Katzensteige“ nannte. An der Fafade waren nicht selten ein bis zwei Erker angebracht, deren Brüstungen mit schönen gothischen Verzierungen oder mit Wappen der Hausbesitzer versehen waren; ') nicht minder Hausschilde und Inschriften, um bei dem damals so raschen Wechsel der Besitzer dem Gebäude eine bleibende Bezeichnung zu verleihen, dann häufig ornamentale oder figurale Wandmalereien, die aber erst im späten Mittelalter aus Italien zu uns herüber kamen. Im Uebrigen waren bis um die Mitte des XIV. Jahrhunderts die Häuser ein- bis zweistöckig. a ) Das erste Stockwerk diente für die eigentlichen Wohn-, Gast- und Ehrenstuben der Fremden, das Erdgeschoss für das Handwerk und die Beschäftigung des Hausherrn, der rückwärtige Tract für Vieh- Wirthsehaftsstätten oder Werkstätten der Arbeiter, und der vordere für Gewölbe und Verkaufsbuden, zur Unterbringung der Waaren. Anfangs mochten die Bürger wohl ihre Häuser allein bewohnt haben, aber schon gegen Anfang des XIV. Jahrhunderts vermietheten sie dieselben auch an Handwerker, Krämer und andere Bewohner; demgemäss waren die Häuser anfänglich nur für wenig Räume berechnet, später aber, zumal seit dem XIII. Jahrhundert, als die Hausherrn zur unentgeltlichen Einquartierung fürstlicher Gäste und Diener gesetzlich verhalten waren, mussten sie ihre Häuser umfangreicher gestalten; und schon um das Jahr 1450 finden wir die Bürgerhäuser bereits stattlich und geräumig aus Stein erbaut, wie dies aus der Schilderung des Aeneas Sylvius vom Jahre 1450 und dem Lobspruche Wiens von Hans Sachs vom Jahre 1567 erhellt. 1 2 3 ) Am augenscheinlichsten aber belehrt uns die hochinteressante und zugleich älteste Ansicht Wiens vom Jahre 1483 aus dem babenbergischen Stammbaum des Klosterneuburger Stiftes über den Charakter der bürgerlichen Architektur Wiens. *) Ein schöner Zug der Selbstbeschränkung, dem wir während des ganzen Mittelalters durchwegs begegnen, ist jene liebenswürdige Opferwilligkeit, mit der die Wiener stets gross- müthig für die Erbauung ihrer öffentlichen Gebäude sorgten, während sie sich bei ihren Privatbauten mit den bescheidensten Anforderungen begnügten; schon im XII. und XIII. Jahrhundert setzten die Wiener einen eigenen Stolz darein, die kostspielige Gothik deutscher Colossalbauten auch bei ihren neuen Kirchenbauten in Anwendung zu bringen. Die Baubestrebungen des XII. und XIII. Jahrhunderts begünstigten auch die Malerei und Sculptur, indem sie ihr vollauf Beschäftigung gab. Es ist urkundlich erwiesen, dass viele Maler in Wien ihren Sitz hatten s ) und schon um das Jahr 1360 in einem zunftmässigen Verbände standen. 1 ) Von solchen mittelalterlichen Erkerbrüstungen sind uns noch gegenwärtig einige erhalten, so z. B. auf dem alten Fleischmarkt im Darvarhof Nr. 698 (neu 4) und im Steyrerhof Nr. 727 (Griechengasse neu 4), 2 ) Nach dem ältesten Landrecht konnten die Häuser nur bis zur Höhe zweier Stockwerke erbaut werden, erst 1369 bewilligte Herzog Albrecht 111. ausnahmsweise einem Adeligen seinen Hof 3 Ellen höher, als das Landrecht gestattet, zu bauen. Ueber die spätem Stockwerke gibt uns eine graphische Darstellung (Studie) Albert Camesina’s nach den Aufschreibungen des k. k. Quartiermeisters vom Jahre 1566 in der Tafel VII seines verdienstvollen Werkes: „Wiens örtliche Entwicklung“ nähere Aufklärung, und es zeigt sich in derselben, dass die ein- und dreistöckigen Häuser nur selten, die zweistöckigen dagegen am häufigsten vorkamen. 3 ) Hans Sachs schrieb bekanntlich seinen Lobspruch Wiens 1567, also gerade 20 Jahre später nach jenem des Wolfgang Schmelzel, und nur einige Jahre nach dem Lobspruch des spanischen Dichters Christoval de Caställyos, und da Hans Sachs nie in Wien anwesend war, sonach seine Beschreibungen nicht auf Autopsie beruhen, so muss angenommen Werden, dass er die Original-Texte seiner Vorgänger benützte. Die diesen Gegenstand betreffenden Stellen lauten: Sie gaffen fint mit ffaincn hart ©treibt mit Scftroipogcn gmacbsam meit, Surebfcfteinenhe glgstenfter für, ©epflaftert (er merbafter art, Stueben ror fro(t 31t rointersseit, Saran eifern leben unb tbür Sarin bie purgerbenfer bocft, Stallung 3U pferben unb attber tbier, Me gemacb sierticp 3U mal Stainen mit gmel gesieret bocb, Mcft gar feftticfoes bausgcfcfiier, 2 Us eines furften fcfxlner Sal. *) Diese älteste Ansicht Wiens wurde zuerst in einer getreuen Copie von Albert Camesina im Jahre 1856 im I. Bande der Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereines veröffentlicht und mit einem erklärenden Texte versehen. =) Der älteste bekannte IViener Maler lebte im Jahre 1342, er nannte sich Ulricus und hatte in der Curbauner- strasse (Seitzergasse) sein Quartier. Ein Maler Albert findet sich als Zeuge in einer Urkunde vom Jahre 1356, besass Bürgerrecht und einen Hof in Enzersdorf; im Jahre 1360 erscheint Heinrich der Valschang als Schiltner des Herzogs Rudolf, 1368 kurz als jener des Herzogs Albrecht, 1376 Henricus pictor (Sixtus Sternseher cujus dnmus jacet ym Fluder prope XXII Wiens örtliche Entwicklung. Die älteste Malerzunft hiess St. Lukaszeche, deren Existenz urkundlich bis in das XIV. Jahrhundert zurückreicht. Jedoch die eigentliche Blüthe der Malerkunst in Oesterreich (und speciell in Wien) fällt in die neuere Zeit, wovon an geeigneter Stelle ausführlich gesprochen werden soll. Wiens örtliche Entwicklung. Die rasche Zunahme der Bevölkerung Wiens unter Heinrich Jasomirgott und den spätem Regenten musste nothwendig auch eine ebenso rasche und mehrmalige Vergrösserung der Stadt und somit eine öftere Hinausschiebung ihrer Mauern bedingen. Wie oft nun und in welchem Umfange diese Hinausschiebung stattfand, und welches Bild der Umgestaltung sie jedesmal zurück- liess, dies Alles bemühte ich mich in einer besondern (sub Figur 1) beigegebenen Studie möglichst deutlich zur Anschauung zu bringen. Die über diesen Gegenstand bisher gewonnenen Resultate der Nachforschung stützen sich theils auf Urkunden, theils auf die natürlichen Terrainverhältnisse und graphischen Darstellungen, besonders aber auf die Erfahrungen, welche bei Ausgrabung einzelner Stadtmauerreste gemacht wurden. — Man nimmt gemeiniglich vier verschiedene Erweiterungen des Stadtgebietes an: die erste unter Heinrich Jasomirgott 1187)', die zweite unter Leopold VI. oder Friedrich I. (J- 1194); die dritte unter Leopold VII. (J* * 1230) und die vierte und letzte unter Ottokar (J* 1278). Alle spätem Vergrösserungen waren unbedeutend und nur von fortificatorischem Interesse. Die erste Erweiterung (wie sie in der nebenstehenden Studie mit I bezeichnet ist) zeigt uns den Umfang der Stadt nahezu in quadratischer Gestalt, und der schwarze Einfassungsrand versinnlicht die Stadtmauer, die mit Graben und Wall umgeben war. Die Stefanskirche (rechts) und die Schottenkirche jenseits des Ottakringerbaches (links) sehen wir noch ausser dem Stadtgebiete. Der Ottakringerbach bildete an der Westseite der Stadt die natürliche Grenze, indem er über Freiung, Heidenschuss und tiefen Graben durch die hohe Brücke hinab in die Donau (beiläufig in der Mitte der heutigen Werderthor- und Esslinggasse) sich ergoss. Die Stadt war sonach nur von zwei Seiten von Mauern eingeschlossen (im Süden und Osten). Im Süden zog sich die Stadtmauer vom Heidenschuss längs des Grabens--an der Seite des Freisinger- (spätem Trattner-)Hofes und ehemaligen Schlossergässchens bis zum Stock-im-Eisenplatz und bog im Westen in gerader Linie bei der Goldschmiedgasse hinauf zur Brandstätte, über die Kramergasse, Lichtensteg, Rothgasse bis zum Katzensteig (am Bergei) an den Steilrand der Donau, die ebenfalls als natürliche Grenze diente. Ungeachtet des geringen Umfanges der Stadt zählte sie dennoch sechs grosse Plätze, acht Stadtthore und mehrere Kirchen. ‘) Die zweite Erweiterung (in der Studie mit II bezeichnet) fällt beiläufig in die Zeit zwischen 1177 und 1194, und die neue Stadtmauer schob sich jetzt an der Ostseite wie mit einem Ruck so weit hinaus, dass sich das Stadtgebiet um das Doppelte vergrösserte. Nun war die Stefanskirche im Stadtrayon und die Wollzeile, die schon unter Heinrich Jasomirgott der Sitz der von ihm ins Land gerufenen reichen Regensburger Kaufleute und die Stätte eines blühenden Handels Eberhardi), derselbe war 1375 Maler des Herzogs Leopold und Käufer eines Hauses auf dem Kohlmarkt, 1382 kaufte der Waler Leonhard das Haus des Wiener Spruchdichters Peter Suchenwirth in der Curbaunerstrasse u. m. a. *J"Lie Plätze waren: der Hof als Waffenplatz, der Hohe Markt als Mittelpunkt des einheimischen Marktverkehres, der Kienmarkt (beim Ruprechtsplatz), der Kammerhof (heute Wildpretmarkt), der Judenplatz, der Petersplatz, von wo aus ein schmales Gässchen (das heutige Jungferngässchen) an die Stadtmauer führte. Die Thore befanden sich am Ausgange, der Hauptstrassen, nämlich das Peiler- oder Baiererthor (von der Strasse nach Baiern so genannt) in der verlängerten Tuchlaube (spätem Spänglergasse) gegen den Kohlmarkt; ein zweites am Ausgange der Goldschmiedgasse gegen den Stefansplatz; eines am Lichtensteg, dann am unteren Ende der Seitenstettengasse, „der Katzensteig“ genannt, ein kleines Thor bei der Fischerstiege bei Maria am Gestade und bei St. Ruprecht, die beiden letztem auch Gehthore, um den Verkehr mit der Donau zu vermitteln, endlich ein Thor in der Wipplingerstrasse an der (hohen) Brücke über den Tiefen Graben. Zu den Kirchen gehörten St. Ruprecht als ältestes Gotteshaus sammt Friedhof, St. Peter, ebenfalls mit Begräbnissstätten und die Capelle St. Pankratz (von deren Entstehung wir nichts Näheres wissen) am Hof an der Stelle der heutigen Nuntiatur. Planstudie, XXIII nach Ungarn war, erhielt jetzt ein neues Stadtthor. Das freigewordene Terrain, welches die erste Stadtmauer früher mit ihren Wällen und Gräben in Anspruch nahm, wurde nun zu Baustellen benützt. So entstanden jene Häusergruppen, die sich noch gegenwärtig zwischen dem Bergei und der Rothenthurmstrasse, zwischen der Rothgasse und dem ehemaligen Haarmarkt, zwischen Kramer- und FifJ. 1. Planstudie, die örtliche Entwicklung Wiens darstellend. fianv “Saaefa QgToi ga64*& a * tei/ - Jt J4hmn*s ttttrtt; Itt + J-H + t ßptiaZ SC\ rO TffWflfSliitftfnif Vdrbrhnltrn.. WUh . JtLuh. mm//;- ff/Mf/Mu p \ i % rff/ ntwirh 'mz* Bischofsgasse befinden. Auf dem Stock-im-Eisenplatz (der unversehrt blieb), und zwar an jener Stelle, wo die Strasse von Kärnten einmündete, musste früher ein bedeutendes Befestigungswerk mit einem Thore gestanden haben, von wo die Vorgänge an der ganzen südlichen und östlichen Mauer beobachtet werden konnten. Mauerreste dieser Umwallung fand man im Jahre 1866 bei dem Umbau der Häusergruppen auf dem Graben neben dem Trattnerhof, und die technischen Untersuchungen ergaben, dass sie aus dem Mittelalter rührten; die meisten Strassen durchzogen das neue Stadtgebiet von Westen XXIV Dritte Erweiterung Wiens. nach Osten (also der Breite nach von links nach rechts) und einige derselben von Nord nach Süd (also der Länge nach von oben nach unten) fast parallel. *) Die äusserste Stadtbegrenzung im Osten zog sich längs der spätem Riemerstrasse bis hinauf zum Auwinkel und Hafnersteig gegen das Donauufer. Die dritte Erweiterung (in der Studie mit III bezeichnet) dürfte beiläufig um das Jahr 1220 stattgefunden haben, da sie durch die Verlegung der alten Residenz vom Hof an die Stelle des heutigen Schweizerhofes sich als nothwendig ergab. Leopold der Glorreiche erbaute nämlich in der Verlängerung des Kohlmarktes auf freiem Felde (also ausser der Stadtmauer) die neue Burg und zog daher eine Menge Ministerielle und Bedienstete mit ihren Familien und ihrem Gesinde nach sich, die sich jetzt in seiner Nähe um den neuen Pfarrhof (St. Michael) ansiedelten und an der ganzen Südseite der Stadt ausbreiteten. Sie bauten Häuser, die nach und nach Strassen bildeten und dann in die Umfriedung der Stadl einbezogen wurden. So erhielt Wien einen mächtigen Zuwachs an Grund und Boden mit neuen Plätzen und Strassen ’) und gewann seine frühere quadratische Gestalt wieder zurück. In Folge dieser Vergrösserung vermehrten sich die Ausgänge der Stadt wohl nicht, aber sie erhielten andere Stellungen; so kam z. B. der Stadtausgang am Baiererthor von der Spänglergasse weiter südlich an den Michaelerplatz hinab und wurde durch einen mächtigen Thorbau (Barbacan) geschützt. Das Peilerthor verlor seine Bedeutung, der Stadtausgang auf dem Stock-im- Eisenplatz wurde südlich an die Münäung der Kärntnerstrasse hinab verlegt. — Neue Kirchenbauten waren die schon genannte Michaelerkirche und die beiden noch ausser der Stadt gelegenen Minoriten- und Dominikanerklöster; im ältern Stadtgebiete wurde inzwischen das Nonnenkloster zur Himmelpforte gegründet. Schliesslich ist noch zu bemerken, dass der Ottakringerbach seinen alten Lauf gegen die Stadt verlor und späterhin als St. Ulrichsbach in den Wienfluss geleitet wurde. 1 * 3 ) Die vierte und letzte Erweiterung (in der Studie mit IV bezeichnet) fällt in die Besiegungsepoche Ottokars zwischen 1269 und 1277 und erstreckte sich diesmal nicht blos auf die 1 ) Zu den Strassen der ersten Kategorie gehörten, wie die Studie zeigt, besonders die Singerstrasse, sie bildete die südliche Grenze der Stadt und diente als Wallstrasse, die sich in gerader Linie hinter dein Stadtwall bis zur spätem Riemerstrasse fortzog, dann die Wollzeile, welche allein einen Thorausgang besass, während alle übrigen Parallelstrassen zur östlichen Stadtmauer ohne Ausgang führten, wie z. B. die obere und untere Bäckerstrasse, Schönlatern- gasse, der alte Fleischmarkt und die grosse Schulerstrasse. Zur zweiten Kategorie gehörten besonders die Blutgasse, Grünanger- und Kumpfgasse, die alle an die untere Stadtmauer stiessen. s ) Die Strassen, welche sich jetzt im neuen Gebiete bildeten, liefen zumeist von oben nach unten (von Nord nach Süd), also der Länge nach parallel mit der Kärntnerstrasse, wie z. B. der Kohlmarkt (als Verlängerung der Spänglergasse), die obere und untere Breunerstrasse, die Dorotheer-, Spiegel-, Seiler- und Rauhensteingasse. Die übrigen der Breite nach mit der Wollzeile parallel laufenden neuen Strassen waren die Singer-, Weihburg- und Himmelpfortgasse, welch letztere als Wallstrasse sich an der unteren Stadtmauer fortzog, ferner in derselben Linie die Stallburggasse, ebenfalls eine Wallstrasse. In der Naglergasse, die bisher nur aus einer (gegen den Hof zugekehrten) Reihe von Häusern bestand, bildete sich an dem ziemlich steilen Rande der bereits verschwundenen Stadtmauer eine zweite Reihe von Häusern, sowie längs des ebenfalls aufgelassenen Walles die „Wall-“ oder heutige „Wall nerstrasse“. Der Graben, der nun seine fortificatorische Bedeutung verlor, eignete sich seiner breiten Anlage nach besonders zu einem neuen Platze und bildete nun den heutigen Graben, auch der Michaelerplatz und der Neue Markt formirten neue Stadtplätze, nur war der erste durch einen kleinen Friedhof und letzterer durch die Stadtmauer (welche quer durchlief) um die Hälfte des heutigen Raumes verengt. Dagegen verloren einige Plätze der ältern Stadt an Ausdehnung, so z. B. der Hof, weil man längs des tiefen Grabens und der Burg Häuser aufführte, dann das Lugeck, indem die beiden Bäckerstrassen (obere und untere) zusammengebaut wurden. 3 ) Der Ottakringerbach floss mitten durch die Bauarea der Minoriten. Die Auflassung desselben war also unbedingt nothwendig, wenn ein Kirchenbau überhaupt zu Stande kommen sollte. Der Bach wurde also abgeleitet und das Rinnsal längs des tiefen Grabens hiedurch wasserleer. Da aber die vielen Gerber, Lederer und Färber (wie noch heute die Namen Färbergasse und Ledererhof beweisen) dort ansässig waren und ohne Wasser nicht leben konnten, so leitete man den Alsbach längs der Schotten- und Herrengasse bis ans Eck der Strauchgasse (im Fluder) in das alte Wasserbett des Ottakringerbaches hinein und behob so den Uebelstand für mehrere Jahrhunderte, bis endlich in neuerer Zeit auch die Als für immer abgeleitet wurde. Vierte und letzte Erweiterung Wiens. XXV Süd-, sondern besonders auf die Westseite. Wieder waren es die Burg und die westlich gelegenen geistlichen Anlagen der Minoriten und der von ihrem Stifter mit reichem Besitzthum ausgestatteten Schotten, welche neue Ansiedlungen besonders von Adeligen veranlassten. Auch an der Ostseite wurden das Dominicaner- und Jakoberkloster sammt ihren Friedhöfen in die Stadt einbezogen und so die Stadtmauer ihrem ganzen Umfange nach erweitert und auf jene Grösse gebracht, die sie noch heute besitzt. Es entstanden durch diesen Zuwachs neue Strassen und Plätze, und viele der schon bestehenden wurden erweitert. ‘) Auch die Ansiedlungen am Steilrande längs der Donau wurden jetzt in die Stadt einbezogen, so dass der Salzgries und die Kohlmessergasse bis zur verlängerten Rothenthurmstrasse und die Adlergasse hinter die Stadtmauer zu liegen kamen. Schliesslich bemerke ich, dass man erst nach der vierten Erweiterung allmälig systematischere Befestigungsbauten aufzuführen begann. Um die Stadt möglichst vor feindlichen Angriffen zu schützen, wurden die Thorausgänge mit kräftigem Thorbauten versehen, und diese mit Thürmen verstärkt, tiefe Gräben, hohe Wälle errichtet, unter Wasser gesetzt, an gefährlichen Stellen besondere Werke erbaut, an der Donau z. B. die Mauern verdoppelt und überhaupt dort zahlreiche Thürme aufgeführt. ') Erst mit den Fortschritten der Kriegskunst und nach Anwendung des Schiesspulvers wurde die Stadtmauer erhöht, mit Basteien, Erkern und Brustwehren versehen, zur Vollendung der äusseren Vertheidigungs- linie wurden mehrere Thürme und Bollwerke um die Vorstädte erbaut und durch Pallisaden und sogenannte Schreckzäune geschützt und auf Grund der Erfahrungen des ersten Türkenkrieges (1529) unter Ferdinand I. schritt man nach dem Jahre 1532 zur Umgestaltung der Stadt in eine Festung und erbaute die nöthigen Bastionen, Courtinen und Ravelins. Ich glaube meine Einleitung nicht zweckmässiger schliessen zu können, als durch die Beigabe eines Vogelperspectiv - Planes Wiens aus dem Jahre 1642, welcher in treuer Copie der Merian’schen Ansicht entnommen ist und hier (sub Figur 2) beifolgt. Er gewährt dem Leser eine vollkommene Uebersicht über die Stadt, ihre Befestigungswerke und die nächste Umgebung. Wir sehen, dass ihr Umfang so ziemlich mit dem heutigen übereinstimmt, die innere Gestalt jedoch manche Veränderungen erfahren hat, wir sehen von der Landseite aus bereits die unter Ferdinand I. von 1530 bis 1540 neu angelegten Festungswerke, die sich beim zweiten Türkenkrieg (hundertvierzig Jahre später) so trefflich bewahrten, von der Donau aus hingegen noch die schwachem Befestigungen, die alten Zackenmauern, Zinnen, Thürmchen, Schiessscharten und Pallisaden, in der Umgebung nur schwache Spuren von Vorstädten und an der Stelle des spätem Glacis viele Häusergruppen mit Gartenanlagen. *) Za den neuen Strassen gehörten im Westen: die Renngasse, die Teinfalt- (Tuinfoigt-) Strasse, die hintere Schenken- (Mentler-) Strasse, die vordere Schenker,strasse (Stretta pinctrnarum), die Schauftergasse (Schauflerlucken), die sich parallel von Nord nach Süden herabzogen, im Süden die Johannes-, Anna- und Krugerstrasse, die ebenfalls parallel, aber quer von Westen nach Osten liefen und in die Kärntnerstrasse mündeten. Von den altern Strassen verlängerten sich nach Süden die beiden Breunerstrassen, die Dorotheer-, Spiegel- und Seilergasse; die Kärntnerstrasse erreichte ihre gegenwärtige Länge und wurde mit einem Thore und einem daneben stehenden Thürme (Karner) befestigt. Der Neue Markt erhielt seine gegenwärtige Ausdehnung und eine Verbindungsstrasse mit der Kärntnerstrasse und der Seilergasse. Die Klostergasse führte von der Kärntnerstrasse zum Lobkowitzplatz (Schweinmarkt), die Walifischgasse und die Scilerstätte (Seilspinnstätte) bildeten die äusserste Communicationslinie hinter der östlichen Umfriedung; die Wollzeile schob sich nach Osten vor und erhielt -ein neues Stadtthor mit einem mächtigen Thurm daneben. Auch auf der entgegengesetzten Seite der Stadt hatten die Schottengasse und die verlängerte Wipplingerstrasse bei ihrem Strassenausgange je einen Thurm (den Schotten- und Judenthurm). Die Herrengasse (noch vor Kurzem ausserhalb der Stadt gelegen) wurde jetzt in dieselbe einbezogen und erstreckte sich in gerader Linie bis zum'Spitalsplatz und hiess Iloch-trasse; sie war schon unter den Römern als Reichsstrasse (via Regia ) bekannt. s ) So befanden sich an der Donauseite (wie die Studie zeigt) auf der äussersten Linken an der Stadtmauer der Haunalthurm, der Würfelthurm, Durchgangthurm, Goldschmiedthurm am alten Arsenal, der Werderthurm ober dem Werderthore (welches früher den Tiefen Graben schloss) zunächst dem Austritt der Als aus der Stadt; dann an einer Ecke'den Meister-Petreinsthurm (er benützte ihn zur Schiessstätte für die Armbrustschützen), der Salzthurm, der Thurm nächst dem Fischerthürlein, der Rothe-Thurm, der Hafner-, Angelbekhen- und der Biberthurm. d XXVI Vogelperspectivplan Wiens vom Jahre 1642, Cu 3 - cT g- ° c i ", 3 & 3* X Z öi rt ° 2£2Vff§ *; P 3T 3V 5’” - C O « *-*■ C 3 Q- nj. CO 5* Jt üt v> ,^,0-3 äs . <=>« x: ? >r1 C £ * £ S | g> Cu Cu s« 1 *Ä . C: CO Cß — £ — —. ffio » 5 “ E.’O S o t« - a £- fr SS®S ffo 3T r» U> 2 W ia 2 -o s- ™ < ™ »s » a ‘ k 5; ^ =r __ a> o s 'i üiFff 3* r*- >-*, _ 3 >t3 » _ JT' «’ C- ~ Ä i—( n 5 2 tf 3 »*“ 3 3 n. “ « - . o ' _ fcC * il? c : O - « | 3 Xwp ^ <3 °®S ►fl i—i ft ö • cu er r“ m w _ £.<— sec fl ! * v> »t ft w; ( *® S . X t ! Cß t 55* 3 c fl fß • - o J? -1 — „. -t • «* P* c ffOP ^ ose. ä s 3 CU ej O ff 2 2 -o <§. IT ’ 3 . Cf* — 2,9« ä Mi & ■S 2* c re H; —i i_l_ * ; 2. n 5» ; •2. ö w O. B. N < SSIsSs- ^ M ff g. 3, ' tf y P U, S-3 £<=* ä?Ss? 75' c “ °S ff CO ert: f**' 3 po ct I© ^ 3 ft 2 ^ ^ 3 C ffT S"^«g. O CO 2 0*ii« te o __ 3* CU -• a « g 3 O 2 c* c* ( n 7Ö : . IT ( ce ö * CJOQ ' O ft» 5 * ^ : ' » S CO 00 CO ) •e^ c X m { 2. o j =3 p* < m *i s g ; p g: fe* -er 61W.# 'Fstr^l kab gi 1» BliR ■iSülälifi ÄiiB ■’S ifMW ♦«äPiJ \h? ‘itt&bj-m a.;l» g-u-A «5äj ■'-■ 'Sv-^aw. .•■». '»Ä ’O ^■ ; s, Ji' ■*“-•— — S>mi *2BäSt' •2©>-* la^Ä. WSfää BgF cif®*; \“?ü. 1#*, rS«r< v'% L .A.« ‘«*KS vn €Ä I. CAPITEL. „Am Hof.“ ein Platz der sogenannten inneren Stadt dürfte unser Interesse in so hohem Grade in Anspruch nehmen, als der „Hof“. Die wechselvollen Ereignisse, die durch mehr als sieben Jahrhunderte sich hier vollzogen, machen ihn zu einem der interessantesten; Millionen geschichtlicher Thränen haben hier den Boden gefeuchtet, und Tausende von Liedern wurden hier gesungen, tiefergreifende und humoristische Lieder. Heitere und ernste Volksscenen spielten sich hier ab, erhebende und verabscheuenswürdige Thaten wurden hier vollbracht; und wenn wir den Platz heute aufmerksam betrachten, an dem all’ die bunten Bilder vorüberzogen, ist uns zu Muthe, als ob wir den gewaltigen Flügelschlag der Zeiten vernehmbar an unserem Ohre vorüberrauschen hörten. Schon Heinrich Jasomirgott (1155—1177) schenkte diesem Platze liebevolle Aufmerksamkeit; er verlegte seine Residenz vom Kahlenberge hieher, an die Stelle des heutigen Kriegsministeriums, und umgab die neue Burg mit Wall und Graben. Der Hof war sonach seiner grossen Ausdehnung und natürlichen hohen Lage nach nicht blos ein wichtiger, sondern auch strategischer Punkt, und der Herzogshof unzweifelhaft ein Vertheidigungsbau, der die Aufgabe hatte, die gegenüberliegende unverbaute Seite des Platzes militärisch zu bewachen. Die ganze Strecke von der heutigen Creditbank bis hinauf zur Färbergasse musste nämlich unverbaut bleiben, um die feindlichen Bewegungen im Falle eines Angriffes genauer beobachten zu können; auch konnte der Steilrand des „Ottakringerbaches“ (der hier die natürliche Stadtgrenze bildete) trotz des unterhalb liegenden „Tiefengrabens“ leicht vom Feinde erstiegen werden, daher er bei den häufigen Einfällen der Ungarn einer doppelt sorgsamen Beobachtung bedurfte. Uebrigens geht der vorwiegend militärische Charakter dieses Platzes (der gelegentlich als „Waffen- und Turnierplatz“ diente) schon aus seinem Namen „Hofthaiding“ (Hofvertheidigungsplatz) hervor, den er bis auf Leopold VII. dem Glorreichen urkundlich beibehielt. Erst beiläufig um das Jahr 1212, als dieser Fürst seine Hofburg an die Stelle des heutigen Schweizerhofes verlegte, erhielt der Hof eine neue Bevölkerung, somit eine andere Bedeutung und Gestalt. Er verlegte nämlich den ihm so wichtigen „Münzhof“ in die leergewordenen Räume der alten Hofburg; wie sollte auch ein anderes Gebäude so viele Beamte und Arbeiter, Werkstätten, Material und Rüstzeug zu fassen im Stande sein? ‘) Eine weitere Ver- *) Die Münze bildete seit ältesten Zeiten den wichtigsten Bestandtheil der herzoglichen Kammer, ein fürstliches Regale, das bis auf Leopold VII. zurückzuführen ist. Die Beamten unterschieden sich nach zwei Classen, solche, die mit der Münzerzeugung nichts zu schaffet) hatten, und solche, die bei der Erzeugung thälig waren. Erstere waren: der Münzmeister die Anwälte, Hausgenossen und Wechsler; letztere: Giesser, Zain-, Schrott- und Setzmeister etc. Die Geschäfte des Münzmeisters bestanden im Wesentlichsten in der Wahrung der herzoglichen Interessen. Er hatte die Gewölbe der Kaufleute und die Bänke der Wechsler zu untersuchen, zu sehen, dass letztere die Münze nicht „fa?gcril" (d. i. die grösser ausgefallenen Goldstücke gegen geringere vertauschen), den innern Münzbetrieb zu leiten, die Beamten zu ernennen und zu controliren, und dafür zu sorgen, dass jedes Mass, Gewicht und Elle mit dem herzoglichen Kammerzeichen versehen werde, endlich das Strafrecht gegen Falschmünzer zu vollziehen. Seine Jurisdiction umfasste die Münzstätte und namentlich die Schlagstube so ganz, 1 2 Die Färber (Flamänder), ihre Bedeutung fQr Handel und Münze. Änderung traf die Westseite des Platzes durch Verbauung der Hauser, wodurch sich der Hof auf den heutigen Umfang verengte. Handwerker und Kaufleute siedelten sich hier an, besonders jene berühmten aus Flandern eingewanderten Färber (Flamänder), nach denen noch heute die Färbergasse benannt wird. Diese Gilde brachte viel Wohlstand ins Land; ihre gefärbten Tücher und Wollstoffe waren gesucht und bis in den Orient verbreitet, sie belebten den Handel und übten auf das Münzwesen und indirect auf den übermässigen Wucher den wohlthuendsten Einfluss. ') Bis zum Jahre 1386 blieb die alte Herzogsburg als „Münzhof“ in Verwendung; von da an wurde sie abermals einer neuen Bestimmung unterworfen, und die „Münze“ in den heutigen „Bellegardehof“ verlegt. Kaiser Albrecht III, von religiösem Eifer getrieben, berief nämlich die Carmelitermönche aus der Fischervorstadt im Werd (heutigen Leopoldstadt, wo sie abbrannten) dass selbst jeder dahin Flüchtende Asylrecht genoss und nur seiner (des Münzmeisters) Gewalt verfallen war, welches Recht später von Kaiser Rudolf I. auch auf die Hausgenossen ausgedehnt wurde. Es wirft ein eigenthümlich grelles Licht auf das Wesen damaliger Rechtsanschauungen, wenn man bedenkt, dass im XIII. Jahrhundert schon auf den blossen „Verkauf“ von falschen Münzen der .Tod gesetzt war, wie dies aus einer Gedichtstelle des österreichischen Dichters Striker (Berliner Jahr buch 1836 für deutsche Sprache, II. Band, 1. Heft, Seite 89, Vers 134) hervorgeht. So geicbiftt im als einen man, 5er 5en nali(f> (falsch) nic$t erfennen tann lln riet hälfet» Pfennig bat, un 3 « öetn modere gat Be* mtn 3 e mit genelfcbet ift, 5er nimt im in ril linder »ritt Ten lip (Leib) nn alle fin habe. Die Anwälte hatten ähnliche Pflichten wie der Münzmeister, nämlich die Hausgenossen bei der Gebarung zu überwachen und den Herzog in Allem zu vertreten. Die Hausgenossen waren eine Corporation von Kaufleuten, die als Genossen der Kammer Treue, Verschwiegenheit und. Redlichkeit geloben und bestimmte Rechte und Pflichten übernehmen mussten. Nur sie allein durften „Wechse 1 bänke“ halten, den Umtausch fremdländischer gegen einheimische Münzen besorgen, und das Gold und Silber im Lande einlösen, um es der Münze zu übergeben. (Ausgenommen jenes, das sie den Goldarbeitern abliessen, um es in ihrer Kunst zu verarbeiten.) Die Wechsler standen im Solde der Hausgenossen und schwuren ebenfalls einen Eid, alles Gold und Silber und alle eingewechselten Münzen redlich ihren Herren (den Hausgenossen) abzuliefern; dafür wurde ihnen für das .Wechseln und Abwägen der Münzen ein bestimmter Gewinnstantheil zugesprochen. (Vide: Münzbuch Albrechts von Ebersdorf in Theodor von Karajan’s Geschichte der landesfürstlichen Münze Wiens.) So sehr auch Leopold VII. bemüht war, die Münze zum Nutzen der Unterthanen zu schirmen und zu fördern, schlichen sich doch unter seinen Nachfolgern eine Menge bedauerlicher Uebelstände ein, welche die Entwerthung des Geldes und des Credits zur Folge hatten. Die Pfennige wurden so dünn geprägt, dass sie, durch den Verkehr unbrauchbar, schon nach einem Jahre um geringen Preis an die herzogliche Münze abgeliefert und umgeprägt werden mussten; täglich wurde das Land mit allen Gattungen fremder minder- hältigcr Münzen überschwemmt. Dazu kam noch, dass das Münzregale leichtfertig ausgeübt (an Herzoge, Fürsten, Bischöfe und Städte verschleudert), verschiedene Münzfüsse und somit auch vielfache Verwirrungen im täglichen Verkehre veranlasste. Erwägt man noch den hemmenden Wechsel des Gold- und Silberwerthes. die beschränkten handelspolitischen Ansichten der Zeit, die falschen Finanzoperationen und häufigen Betrügereien pflichtvergessener Beamten, so erklärt sich vollkommen jener trostlose Zustand, der durch das ganze XIV. und XV. Jahrhundert wie ein Alp auf dem Münzwesen lastete, bis endlich Carl V. mit seiner Reichsmünzordnung vom Jahre 1524 besseren Zuständen Raum schuf und die Hausgenossenschaft erloschen war. *) Die Flamänderstoffe galten im XIII. und XIV. Jahrhundert ihrer schönen leuchtenden Farbe wegen als besondere Zierde. So preist schon Wolfram von Eschenbach im „Perzival“ (Lachmann’s Ausgabe, S. 144, 313, 4) deren Farbenpracht: „ein brutlacbcn pon Tent „rtotft plfitncr 5etttie ein läiur" und in Seyfried Helbling’s Satiren aus dem XIII. Jahrhundert erscheint bei einem Tadel der österreichischen Bauersleute an ihren plumpen Leibern statt des heimischen „Loden“ sogar „Roth von Gent“. Nicht minder kennt der Steiermärker Ottokar von Hornek die Vorzüge dieser flämischen Stoffe, und auf Seite 596, III. B., von Pez S. S. R. austr. heisst est „Parnaß fant man weit „Un5 in ccm» Fant „Hacf> fogenanten Semant „Tes man 3 « ^'lan5crn rimVt nicftt „Tn fo cboftlcicfier (köstlicher) Xmjeficri". Durch die Kreuzzüge und namentlich seit Balduin IX. von Flandern (1204) auf der. Thron von Byzanz gelangte, hatten die Flamänder im Orient grossen Absatz; sie standen deshalb in Wien in hohem Ansehen und erlangten sogar in Die Carmeliter, die neue Kirche und der Dichter Suchenwirth. 3 Fig. 3. in die Stadt und übergab ihnen den aufgelassenen „Münzhof“ zum Baue einer Kirche nebst Kloster, und noch neun kleine Häuser dazu, die er zu diesem Zwecke am Hof ankaufen Hess, von denen eines dem bekannten Dichter und Wiener Bürger Suchenwirth gehörte. 1 ) Dieser umfangreiche Bau wurde unter dem Prior Michael Hochstetter auf das Schleunigste betrieben und schon 1390 durch Meister Lucas Schwcndtner aus Magdeburg zu Ende geführt; er war für die damalige Zeit immer beachtenswerth und besonders die Kirche, wie sie sich in Fig. 3 (nach Hufnagel^ Aufnahme) in der Seitenansicht (südöstlich) darstellt, auch in architektonischer Hinsicht interessant. Der Thurm (auf dem kräftigen Triumphbogen zwischen dem Chor und dem Langhause ruhend) ist bei seinem Uebergange zum schmächtigen Helm mit vier Eckthürmchen flankirt (ein Motiv, das in Wien bisher vereinzelt geblieben); die hohen Strebepfeiler und Spitzbogenfenster sind von aussen sichtbar und existiren zum Theile noch heute an der Seite des Schulhofplatzes; der innere Bau (bestehend aus drei gleich hohen Schiffen und einem ausgedehnten Chor) zeigte hohe und breite, auf kräftigen Pfeilern ruhende Hallen und beweist, wie consequent die Wiener Bauhütte durch das ganze Mittelalter an dem „Hallenbaue“ festhielt. Hinter der Kirche befand sich ein ausgebreiteter Freithof, der sich später in den heutigen „Schulhof“(platz) verwandelte. Die „Carmeliter“ oder „Weissen Brüder“ (wie sie sich nach der Farbe ihres Kleides nannten) blieben 156 Jahre hier im ruhigen Besitze, bis heftige Religionswirren Anlass zur abermaligen Umgestaltung des Gebäudes gaben. Die lutherische Lehre nahm jetzt in ganz Oesterreich und besonders in Wien so rasch überhand, dass schon um’s Jahr 1546 (dem Todesjahre Luthers) mehr als die Hälfte des Adels sich zur selben bekannte. Es wurden zwar zur Unterdrückung dieser Lehre mancherlei Anstrengungen von Seite der Di £ t Münzangelegenheiten entscheidende Stimme. Ihle Rechte stiegen mit den Geldverlegenheiten der Herzoge; so z. B. wurden sie 1208 von der Jurisdiction des Stadtrichters befreit und unter jene des Münzmeisters und 1373 sogar unter alleinige Gerichtsbarkeit des Herzogs gestellt. Eine Urkunde Albrechts II. (in Rauch's Geschichte, Seite 119, III. Band) motivirt die Gründe dieser Bevorzugungen mit folgenden Worten: „blird) bt'r grtrrirfll bin)! Willen, bie ft) 1111« (Albrecht H, und Otto) llltb ünbem tmffrtt rorbfrn getan habeitt Mb bte »ns nocf) tun flllfent Mb miigcnt. . •. " etc. Ihre Geschäfte wurden daher immer einträglicher und ihr Reichthum immer grosser, dass (wie Sartorius in seiner Geschichte des Hansa-Bundes, I. Theil, Seite 252 erzählt) eine Königin von Frankreich erklärte: „Alle Pracht der Fürsten Europas käme dem Luxus der flämischen Kaufmannsfrauen nicht gleich.“ Als aber später das Münzwesen in Verfall gerieth, die vielen fremden Münzen Verwirrung in Handel und Gewerbe brachten, verarmte diese einst so reiche Gilde und verschwand endlich ganz vom Schauplatz *) Peter Such en wirth’s Leben und Dichten fällt in die merkwürdige" Literaturperiode der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts, wo man sich in didaktischen Arbeiten gefiel und in Form von Schwänken, Fabeln, Priameln (Präambeln), Sprüchen gegen die geistige und sittliche Erschlaffung der Zeitgenossen zu Felde zog. Er lebte zu Wien am Hoflager der Herzoge, von denen er Albrecht II. (f 1358) schon kannte und Albrecht III. (f 1395) überlebte. (Seine allegorischen Gedichte, Lehrsprüche und gereimten Moralpredigten sind für die Geschichte jener Zeit sehr wichtig.) Er gehörte jener eigenthümlichen Classe von Dichtern an, die zugleich "birolbt’, PcrfeMtltcn oder deren Gehilfen waren und welchen oblag, die Unterschiede, Visirung und Blasonnirung der Wappen auszulegen und auch gereimte Wappenbeschreibungen zu verfassen. Seine Muse begeisterte sich besonders zur Besingung der Heldenthaten österreichischer Fürsten und Heerführer; so schrieb er z. B. „VoU beit fünf durften." „Von ben groei pipficit", „Vom kriege ber durften unb Stdbte“, „Vom Mmccbt* * Ümt33ug nach preujjen“ auch hinterliess er ein „Coblieb auf bie Hebe", „Krieg ber fiebe unb Scbdnbeit", „Cobgefang auf bie heilige Jungfrau“, „Ulagegefang auf Üeicbner’s $ 0 b“ etc. Seine aus Handschriften der Wiener Hofbibliothek gesammelten Werke sind von A. Primisser zu Wien 1827 herausgegeben und mit einem Wörterbuclie begleitet; übrigens enthält der vierzehnte Jahrgang der Wiener Jahrbücher der Literatur eine lesenswerthe Abhandlung über Suchenwirth’s Dichtungen. 1 * 4 Der lutherische Fanatismus, — Berufung der Jesuiten nach Wien. Regierung gemacht, aber nur halbe Massregeln getroffen, nur im Uebereifer schlechtverstandene Befehle gegeben, die mehr verdarben als halfen; so z. B. erschien ein Edict (1543): „Dass alle Buchdrucker und Buchhändler, welche ketzerische Bücher nach Oesterreich bringen, ersäuft, die Bücher aber verbrannt werden sollen;“ eine andere Verordnung vom 1. August 1551 befahl: „Dass die Juden zum Unterschiede von den Christen einen runden gelben Tuchlappen am Oberkleide auf der linken Brust zu tragen haben.“ Demungeachtet gewann die „neue Lehre“ immer mehr Anhänger, so dass schon im Jahre 1549 eben so viele Lutheraner als Katholiken in Wien anwesend waren. Allenthalben tauchten neue lutherische Prediger auf. In „Hernals“ war der Hauptsitz der Neuerer und die Freiherren von Jörgen (die Besitzer dieses Schlosses) wechselten selbst Briefe mit Luther, und der Superintendent von Plauen, Mathias Hör, der hier unter freiem Himmel, oft unter Zulauf vieler Tausende predigte, rühmte Hernals als den Hort der gereinigten Lehre. — Die lutherischen Geistlichen bemächtigten sich der meisten katholischen Kanzeln und predigten über die Irrthümer des katholischen Glaubens und erhitzten die Köpfe der Zuhörer von Tag zu Tag mehr. Die Frage: „Wie weit die Irrlehre der katholischen Religion gehe?“ wurde in Wien das Lieblingsthema der Gebildeten und der Zankapfel des Pöbels. Man schlug sich in den Schänken fast täglich die Köpfe blutig, ohne sich eigentlich recht zu verstehen, und Hess sich zu den empörendsten Scan- dalen hinreissen. Kein Priester durfte mehr an Werktagen die Messe lesen, keiner ohne Bedeckung mit der letzten Wegzehrung zu Kranken eilen. Alle Mummereien, Komödien und Schlittenfahrten wimmelten von Angriffen, Hohnliedern und Spottmasken auf die Katholiken. Kein Bürger getraute sich einen Katholiken in den Rath oder einen katholischen Dienstboten in’s Haus zu nehmen. Ein lutherischer Bäckerjunge, Johann Hahn aus Frankenland, riss 1549 dem Priester während der Frohn- leichnamsprocession die Monstranze aus den Händen und warf sie unter fürchterlichen Verfluchungen an das nächste Haus (zum grünen Kranz am Stefansplatz, heute Stock-im-Eisenplatz Nr. 1). ') Alle diese Anzeichen eines masslos überhandnehmenden Glaubensfanatismus zwangen den Kaiser Ferdinand I. zu energischen Gegenmassregeln. Er musste der niedergetretenen Kirche Autorität verschaffen. Den ersten Schritt, den er that und von dem er sich das Meiste verhoffte, war die Berufung der Jesuiten nach Wien, ein Orden, der, erst kürzlich gestiftet, sich die Bekehrung der Ungläubigen zum besonderen Gelübde gemacht. Er decretirte diesen für Oesterreich so folgenschweren Befehl am 2. Jänner 1551 und schon am 31. Mai trafen zwölf Patres, darunter der berühmte A. Jajus (Gefährte Loyolas selbst) und Nikolaus Lanoj, hier ein. Ferdinand übergab ihnen (nachdem sie vorerst bei den Dominikanern untergebracht waren) im Jahre 1554 die in Verfall gerathene Carmeliterkirche und Kloster. Die Jesuiten errichteten hier sogleich ein Collegium mit einer sechsclassigen lateinischen Schule, worin sie der Jugend die lateinische Sprache und andere Wissenschaften lehrten, 1558 sogar ein „unentgeltliches Collegium“ (unter grossem Andrange der Schüler und zum Nachtheile der Bürgerschule) und 1560 ein adeliges Convict. Sie unterzogen Kirche und Kloster der sorgfältigsten Reparaturen und ermüdeten nicht, beide, nachdem sie 1607 bei einer Feuersbrunst bis auf die Hauptmauern ein Raub der Flammen wurden, wiederholt in entsprechender Weise und zwar in kürzester Zeit aufzubauen. Somit war es abermals der religiöse Feuereifer, der dies Gebäude von sicherem Untergange rettete und neues Leben den halbverfallenen Mauern eingoss. Eine Hauptzierde verdankt die Kirche der Eleonora aus Mantua, Witwe Perdinands III., welche die noch heute bestehenden prunkvollen Frontons, sowie die ganze herrliche Kirchenfagade von Silvestro Carloni herstellen Hess und noch vor ihrem Tode die nöthige Summe bestimmte. Der Künstler vollendete das Werk binnen drei Jahren (1662), wie dies die Inschrift besagt: „Anna Eleonora Augusta Deo Reginaeque Angelorum posuit MDCLXII .“ In dieser neuen Gestalt blieb Kirche und Professhaus unverändert bis zur Aufhebung der Jesuiten (1773). Ein interessantes Bild (nub Fig. 4) veranschaulicht die beiden alten Jesuitengebäude *) Vide : Hormayr’s „Geschichte Wiens“, IV. Band. 3. Heft, Seite 2ä, und Geusau's Geschichte, III. Th. S. 234. Das Professhaus und die Kirche der Jesuiten 1773: !' ’-fJ: iS M süw feil m iiüll s um i fi '£SiBe9 ■»Ä'tcii: i!i. L . J» • T*r ^ &PÜ mm .seaäsij V ■ -V, k» assia® mm llpil SSw'Äji'1;V. Ii IIbiwimiiw «MMiwilj jk^äiil ^stvh t -rs '• f r tf IM; ISfi&Si*. >^J mm MW. Ilid «äi? mm f rnm unasjess.-,*«, »MBBRuail S»3,i M-J& aef'~; pl« % .st crt'5' 5«Ig& r> w /‘TP*; 6 Wirkungskreis der Jesuiten, ihre Ausschreitungen. aus der Zeit, als das aufgelassene Professliaus bald darauf in ein Hof-Kriegsrathsgebäude umgewandelt wurde. : ) Ein nicht minder lebhaftes Bild (sub Fig. o) zeigt uns die entgegengesetzte Seite des Hofes 8 ) mit seinen kleinen interessanten Häusern (aus der Zeit der Vierziger-Jahre, ehe die „Credit- anstalt“ sie verdrängte). Jedes der einzelnen Häuser hat seine besondere Geschichte, die erzählt zu werden sich der Mühe verlohnt, da sie mit der Stadtgeschichte auf's Innigste verknüpft ist. — Sollte aber jemand einwenden: „Die Geschichte habe mit den Häusern, Strassen und Plätzen nichts zu schaffen,“ ervviedere ich: „Was haben die Modetrachten, Möbel, das Kunsthandwerk, j^ die Kunst überhaupt mit der Geschichte gemein? Sie alle sind ja* die zutreffenden Dolmetsche der Geschichte,* die geistigen Fühler der Zeitbewegung, die wir nur in ihren äusseren Erscheinungen nachzuempfinden vermögen.“ — Auf diese richtige Voraussetzung gestützt will ich die einzelnen Gebäude dieses Platzes besprechen und beginne mit den wichtigsten, mit jenen der „Jesuiten am Hof“. Das Professhaus der Jesuiten zur Zeit der Aufhebung ihres Ordens in Oesterreich. Am 24. Mai 1554 nahmen die Jesuiten von diesem Gebäude Besitz a ) und begannen von hier aus ihre antilutherische Mission. Anfangs traten sie bescheiden auf, und nur schrittweise erkämpften sie sich Vertrauen und Popularität, obwohl sie Manches von den Prädicanten und dem leichtgläubigen, reizbaren Haufen zu erdulden hatten; doch nichts konnte sie schrecken, nichts beugen oder ermüden. Leise legten sie den Kappzaum dem Volke an, aber desto hurtiger wussten sie die straffen Zügel zu spannen; vorsichtig breiteten sie sieb aus, aber desto sicherer machten sie ihren Einfluss überall und bei Allem geltend. Sie trugen dazu bei, dass z. B. die Juden, des schändlichsten Wuchers und der Spionage mit den Türken wegen arfgeklagt, mit Verordnung von 1554 von Wien abgeschafft wurden; dass am 20. Februar desselben Jahres Ferdinand I. ein scharfes Mandat erliess, wonach' den Laien auf das Strengste verboten war, das Abendmahl unter beiden Gestalten zu Nehmen; dass Pater Canisius, ein Jesuit in Ingolstadt, hieberberufen wurde, damit er seinem (noch bis zum heutigen Tage berühmten) Katechismus in Wien Eingang verschaffe; mit einem Worte, täglich mehrte sich "ihr wunderbarer Einfluss und nichts glich ihrer Macht. Schon 1568 betraute sie Maximilian II. mit der Kanzel der Theologie; 1582 Rudolf II. mit dem Besitze des Klosters und Kirche zu St. Anna; 1625 Ferdinaud II. mit der ganzen Leitung der Universität und mit der Bücher- censur. So hatten sie denn den ganzen Staat in ihren Händen, Volk und Adel, sie waren Beichtväter, Rathgeber und Vertraute des Hofes geworden. Statt von dieser glänzenden Stellung zum Besten der Menschheit Gebrauch zu machen, waren sie nur auf selbstsüchtige Vermehrung ihrer Ordensgelder bedacht; sie liessen sich „Beichtkreuzer“ zahlen,*) verkauften (was sich mit dei^Würde ihres t 1 ) Das seltene Originalbild (22 Centim. hoch und 24 Centim. breit, ans dem Jahre 1773) war dem damaligen Nuntius Garampi gewidmet, von E. F. Erl gezeichnet und von G. M. Sicerist gestochen; es musste unmittelbar nach der Vertreibung der Jesuiten geschaffen worden sein, da es die Aufschrift fuhrt: „Vue de Ilof de la Colonne, de la Coneep&on Imacule di Saint Marie, d • V Eglise, des Ex-ycsuitte et de la Nonciature, ou Palais^ du Nonce-Dedie d sm Eminence, Jowpk Garampi , Arche-Eveque de ßereti, Nonce Afostoliqu ? ä Vienne etc. etc. far les tres humides et tres obaisans Directeurs du Negoce commun di Vacademie Imperiale d‘ Empire 2 ) Diese Federzeichnung von der lland des Altmeisters Vincenz Katzler, jenes verdienstvollen Historienzeichners, der einen Theil seiner nicht unbedeutenden „Alterthumssammlung“ mir mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit zur Verfügung stellte, ^gibt mir Gelegenheit, meinen wärmsten Dank hiermit öffentlich auszusprechen. 3 ) Vide: Geusau’s Geschichte Wiens, III. Theil, Seite 2fH, und Anton Socherius S. J. Histor Prov. austr» Soc. J., Seite 47 und 48. ) Die Beichtkreuzer wurden von Maria Theresia mit Verordnung vom 16. October 1767 als unpassend abgeschafft (vide Kropatschek’s juridisch-politische Gesetzsammlung V,, 223), wie sie denn überhaupt in kirchlichen Angelegenheiten so manche Unzukömmlichkeiten abstellte, wenn sie ihr dem Ansehen der Kirche nachtheilig schienen. So z. B. i Der Hof gegenüber der Kirche aus neuerer Zeit, 7 mm mm : ®s JejIJlP] mim.1 JiUjD $E£-i3s=52<|gTg: M mm Wm\ ■mm $£41536* mm m tfrapg; iss'^trahnisitliE mm wmm feit mm. warn ES« mmt/iU, ■?/m\ WM 5=®»* mm mm TMS t v.., msi WS5f£ •nülrrjlij Mii g35fS1s4!63j*jfc.- W- MM «UfeSaSBg Der Hof gegenüber der Kirche aus der Zeit von 1840—1850. 8 Die Vertreibung der Jesuiten aus Oesterreich 1773. Standes kaum vereinbarte) vor den Thoren ihres Professhauses persönlich an die Armen Wein, Choco- lade, fertige Kleider etc. zu theueren Preisen und vor der Carmeliterkirche, sowie bei St. Anna Heiligenbilder, Rosenkränze, geweihte Gegenstände, Tränkchen und allerlei Heilmittelchen. Ein Brief Maria Theresia’s an die Gräfin Enzenberg spricht sich in Bitterkeit über diese misslichen Gegenstände aus. ') Auch die höchsten Kreise suchten sie zu ihrem Vortheile auszubeuten. Sie mischten sich in Staatspolitik, unterhielten geheime Correspondenzen mit Rom und ihrem Ordensgeneral und Hessen sich zu allerlei Denunciationen gebrauchen. Ihr Druck wurde immer unerträglicher und die edelsten Männer der Wissenschaft drängten zuletzt die Kaiserin zur Aufhebung dieses gefürchteten Ordens.*) Die vielen schlagenden Gründe, die allseits ins Feld geführt wurden, das gleiche Beispiel der kürzlichen Ausweisung der Jesuiten aus Spanien, Frankreich und Parma, vor Allem aber die Staatsraison zwangen die Kaiserin, den drängenden Zeitverhältnissen endlich nachzugeben. Wie geheifnnissvoll am kaiserlichen Hofe die Vorbereitungen zu dieser Aufhebung getroffen wurden lehrt uns die Geschichte. 3 ) Am 10. September 1773 Abends spielte sich im Professhause eine jener denkwürdigen Scenen ab, welche die ganze katholische Welt in höchste Spannung und Aufregung versetzten. An diesem Abend gewahrte man im Hause einen lebhafteren Verkehr als gewöhnlich; Thüren hörte man öffnen und schliessen, die Patres auf Stiegen und Gängen geschäftig hin- und hereilen. Der grosse Empfangssaal war ungewöhnlich herausgeputzt und alle Ordensmitglieder zum feierlichen befahl sie die Aufhebung des Klosterkerkers mit Vdg. vom 31. August 1771 (Kropatschek VI., 374—376); ferner mit Verordnung vom 4. September 1771, dass Geistliche kein Testament als Zeugen unterfertigen und nie Geld ausser Land versenden dürfen, eine weise Verfügung, die auch in die moderne Gesetzgebung überging (Kropatschek VI., 377—381), endlich mit Verordnung vom 23. September 1768, dass Excommunicationen nicht ohne Beiziehung des Kreisamtes vorzunehmen seien (Kropatschek V. 376). ‘) Aus Alfred Ritter von Arneth’s höchst schätzenswerthem Werke: „Maria Theresia’s letzte Regierungszeit" (111. Band, Seite 97) entnehme ich folgende charakteristische Briefstelle der Kaiserin. Sie schreibt wörtlich: „lüegcn öev Jdtntcn bin itf) untröftlicb unb in Per;,n>dtlimg. — Jbnett allein fage xcf>, bafs ich für fie fürchte, öenn man entbecft viel bÜBlicbe Dinge in ffielbiacben, welches fie foroobl in öen llieberlanben als hier unb insbefonbere in lohnten bei Seite gefctfafft haben. Das haus bei 6t. fHttita allein bat, inbem es Heilmittel unb mein rertaufte, monatlich 3000 ffiulben gewonnen, jttm üachtbeile ber dlaftwirtlie unb (Ebocolabemacfjer, benn fie rerfauften biefe Dinge unb eben fo gan 3 fertige Kleiber im profefsbaufe. IPenn ich all’ bief; jttbecfcn fc'nnte, fo wäre ich glüdlicb, aber ich fürchte, bajj noch riet aubere Sachen an’s Dicht fommen werben. Ulan fpricht fogar non rierjig SHiUionen, welche feit bem Jahre 1707 nach inglanb, Hollanb unb Ceipjig gefenbet worben fein follcn." *) Die heftigen Gegner waren zu jener Zeit Gerhard van Swieten, Leibarzt der Kaiserin, Koller. Bibliothekar, Eybl, Schriftsteller, Martini, Rechtsgelehrter, Freiherr von Störk, Hofarzt, Birkenstock, Hofrath, Sonnenfels, Hofrath, vor Allen aber Carl III. von Spanien, der schon sechs Jahre vorher diesen Orden in seinem Staate aufhob und sich deshalb auch mit den gleichgesinnten Königen von Frankreich, Neapel und Portugal zu gleichem Zwecke vereinigte. Er war es auch, der sich schriftlich an Maria Theresia wendete, indem er schrieb: „Der Orden sei seiner ursprünglichen Einrichtung untreu geworden und dessen Fortdauer für die Kirche wie für den Staat gleich nachtheilig. Der gegenwärtige Papst (Clemens XIV.), von den jetzigen Grundsätzen der Jesuiten unterrichtet und mehr als ein Anderer im Stande, ein Urtheil über sie zu fällen, habe zu wiederholten Malen versichert, dass die Aufhebung dieses Ordens dem Wohle der Religion und der Kirche entspreche." — Vide: Ritter von Arneth’s obiges Werk, III. Band, Seite 92. —■ In wie weit die durch mündliche Ueber- lieferung zur Tradition gewordene Sage auf Wahrheit beruhe, dass nämlich ein Beichtvater der Kaiserin die Ohrenbeichte derselben seinem Ordensgeneral brieflich denuncirt und Fürst Kaunitz diesen Brief aufgefangen und der Kaiserin ausgeliefert habe, was zum Motiv der Aufhebung geworden sein soll, lässt sich durch nichts urkundlich erweisen, und selbst der fleissige Geschichtsgelehrte Arneth erwähnt dieses Umstandes mit keiner Sylbe. 3 ) Am 21. Juli 1773 fertigte Papst Clemens XIV. die so beiühmt gewordene Bulle Dominus ac Redemptor, womit endlich die Aufhebung ausgesprochen war, und übersendete sie an Carl III., der sie nach beiläufig drei Wochen am 13. August durch seinen Gesandten insgeheim an die Kaiserin absendete; hier wurden alle Massregeln im Stillen getroffen aber die Publicirung bis zur Ankunft Josef II. verschoben, der zur Bereisung Süd-Ungarns, Siebenbürgens und des neuerworbenen Galiziens von Wien abwesend war, und man sich daher wegen Schwerfälligkeit und Langsamkeit der Verkehrsmittel seinen Rath und Beistand nicht brieflich erbitten konnte. Die Publication der Orden. — Die Volksstimiuung. — Hofkriegsgeb s*B*i yfafjäg: j apte &p*=1 5siS»t; .WPS iiiü*piU«d SSXSsl *--—- |3*f JSÄS# ?P3C Willi.- li 17. . • Hl'iili '. 'I'llf'.liui'iinii.ii Die Segenspendung des Papstes Pius VI. am Ostertage 1782 vom Balcon der Hofkirche. # 14 Klosterverordnungen. — Das bürgerliche Zeughaus. Hess zur Erinnerung goldene, silberne und bronzene „Denkmünzen“ * *) prägen und begleitete ihn endlich bei seiner Abreise bis „Mariabrunn“, wo er auf das Herzlichste Abschied nahm. 2 ) Dennoch ist es für die damalige Situation höchst charakteristisch, dass Josef gerade während der Anwesenheit des Papstes, also gleichsam vor seinen Augen viele der wichtigsten Verordnungen erliess, die sich auf die Aufhebung der Klöster oder Beschränkung mehrerer Kirchengebräuche bezogen. s ) Das bürgerliche Zeughaus am Hof. Je kriegerischer und zügelloser die Zeiten waren, desto höher wusste man den Werth der Waffen zu schätzen. So war es auch im Mittelalter; die Waffe war nicht blos des Mannes bester Schutz und Schirm, sondern auch seine schönste Zierde, und da es noch keine „stehenden Heere“ gab, ist es wohl selbstverständlich, dass eine so muthige und zahlreiche Bürgerschaft (wie es die wienerische war), in deren Händen fast ausschliesslich der Waffendienst lag, schon frühzeitig auf gute Bewaffnung bedacht war und dafür sorgte, dass ihre grossen „Waffenvorräthe“ an gesicherten Orten verwahrt würden. Wir begegnen daher schon im XV. Jahrhunderte urkundlich solchen Waffendepots. So z. B. stand bereits im Jahre 1444 an der Stelle des heutigen Hauptpostgebäudes der sogenannte „Zeugstadel“ und im Jahre 1540 am hohen Markt der „Zeughauskasten“. Als derselbe 1542 wegen Baufälligkeit aufgelassen werden musste, kamen die dort hinterlegten Waffen in ein eigens zu diesem Zwecke „hm Hof“ errichtetes Gebäude und zwar gerade an die Stelle des heutigen Zeughauses, wo ehemals der alte „Fleischhof“ stand. *) *) Die Gold- und Silber-Medaille hatte (Aversseite) das Brustbild Pius VI. und (Reversseite) die Inschrift: „Die II. Maii Aug. Vind. ingressus et VI. Maii egressus 1782. (Roda fec.)— Die Bronze - Medaille (Avers) das Brustbild (Revers) Umschrift: ., Joseph II. Aug. Vindob. hospes a die XI. kal. Apr. ad X. kal. Mai. 1182." *) Eine Marmorplatte ober der Kirchenthüre zu „Mariabrunn“ verewigt den rührenden Abschied. 3 ) Schon am 3. April erliess der Kaiser ein Regierungs-Circulare, dass von nun an keine Leiche mehr in den Kirchen und deren Grüften begraben werden dürfe; dann am 10. April eine eigenhändig gefertigte „Verordnung“, womit der übermässige Aufputz, Prunk und Beleuchtung in Kirchen und Capellen, dann bei Heiligen in Privathäusern strengstens verboten wurde, und machte als Motivirung den originellen Zusatz: „Wegen Feuersgefahr, da der Aufputz meist mit Latten, Brettern, Papier und Stoffen geschehe und die Privat-Capellen mehr aus Unterhaltung und Zerstreuung als aus wahrer Verehrung der Heiligen besucht werden.“ (Vide: Kropatschek, I. Band, Seite 255.) Zur selben Zeit erliess der Kaiser noch fünf Verordnungen die Aufhebung mehrerer Klöster in Wien betreffend. Di^ ersten, welche das Los der Aufhebung traf, waren drei Clarisserinnenklöster in Wien und darunter merkwürdiger Weise gerade „das Königskloster“ nächst der Burg am heutigen Josefsplatz, welches den Anfang machte (wo eine Verwandte des Kaisers, eine verwitwete Königin von Frankreich Stifterin und Vorsteherin war), dann die „Nicolaierinnen“ in der Sjngerstrasse und die „Sieb enbüchnerinnen“ bei St. Josef im Sterngassei. Das erste wurde zum Bau des gräflich Fries’schen (jetzt Pallavicini’sche) Palais, das zweite zu mehreren Privathäusern (und sein Andenken lebt noch im „Nicolaigässchen" fort) und das dritte zu einem Polizeihause verwendet, wie es noch heute im Sterngassei existirt. Vide Verzeichniss aller in diesem Jahre (1782) in Wien aufgehobenen Männer-und Frauen kl öster und Orden (Kropatschek jur.-pölit. Gesetzsammlung, II. Band. Seite 130): Ca rmeliterinnen 21. Ben edic tinerinnen in der Elsterpfarre 19, St. Dorothea 19, Philippi Neri 6, Hieronymitaner 8, Theatiner 11, Trinitarier 62, Canonissier zur Himmelpfort 67, St. Jacob 64, St. Laurenz 50 Seelen. *) Als „Zeughaus der gemeinen Stadt Wien“ erscheint dieses Gebäude urkundlich bereits mit dem Jahre 1562 erwähnt. Vide: Mittheilungen des Alterthum-Vereines in Wien, XVI. Band, Seite 31. Hiernach bestanden die kleinen Häuschen hinter dem Zeughaus gegen den tiefen Graben zu Suttinger’s Zeiten noch nicht, dagegen sind die vielen kleinen Häuschen am Hof gegen den tiefen Graben damals fast ganz verschwunden, um grösseren Platz zu machen. Die Häuserreihe ,,am Hof' von der Bognergasse zur Freiung zählte (1547) acht und auf der entgegengesetzten Seite zwölf kleine Häuser. Ihre nachweisbaren Besitzer reichen nach den Protokollen des kaiserlichen Ouartiermeisteramtes bis in das XVI. Jahrhundert zurück. Vide: Johann Cunibald v. Wenzelsberg, kais. königl. Rath und Obrist-Hoff-Quartiermeister zu Wien, Hoff- quartiermeisterbuch in 2 Theilen, vollendet im letzten August 1664. Dann des Pondv Franz „Häuser-Verzeichniss" und jenes des Werner Arnold Steinhäuser (der auch 1 f l * « t Der Kopf des Kara Mustapha nebst Schnur und Todtenhemd. 15 Seine jetzige schöne Gestalt erhielt es unter Carl VI. (1732), indem es auf Kosten der Bürger ganz neu von Grund aus aufgebaut wurde. Der Bau begann im Mai 1731, wobei die Arbeitsleute beim Graben der Grundfeste viele kleine silberne sehr dünne Münzen fanden, die man für römisches oder gothisches Geld hielt. Die imposante Fa$ade ist vom Hofbildhauer Matielli mit Trophäen und der Giebel mit zwei allegorischen Figuren, die Weltkugel haltend, und einer kurzen Inschrift geziert, welche lautet: Imperante Carolo VI. instauravit S. P. Q. V Anno 1732. Das nebenstehende Bild (sub Fig. 8) zeigt uns die Hauptfront des Gebäudes aus dem Jahre 1732 von der Hofseite aus. ’) Das Innere ist sehr zweckmässig eingerichtet und birgt einen wahren Schatz der kostbarsten geschichtlichen Reminiscenzen, die sich grösstentheils auf die helden- miithige, in der Weltgeschichte ewig ruhmwürdige Verteidigung der „Wiener Bürger“ gegen die Türken (in den beiden Belagerungsjahren von 1529 und 1683) beziehen.’) Unter all’ den vielen Kostbarkeiten fällt uns hier ganz besonders ein kleines Kästchen aus Glas auf, welches am meisten unsere Aufmerksamkeit zu fesseln vermag. Es ist in diesem kleinen Raume wohl ein grosses Stück Ironie des Schicksals zusammengepresst, eine Art Weltironie oder Welthumor, wie ihn Shakespeare am besten zu schildern vermochte. Hier ruht nämlich der „Todtenschädel“ des türkischen Heerführers „Kara Mustapha“. Derselbe Kopf, der die kühnsten Eroberungspläne ausgeklügelt, derselbe Kopf, der die prahlenden Worte gesprochen: „Er wolle in Wien für immer verbleiben.“ Dieser Kopf hat wohl seine Wünsche, jedoch in einem ganz anderen, kläglicheren Sinne erreicht. Er, der noch am 8. September 1683 des „Zauberhügels“ spottete, (so nannte er den Ravelin von der Löwelbastei) und noch am 10. September prahlte: „Er werde Wien zu- einem türkischen Paschalik erheben,“ wurde schon im folgenden Jahre 1684 in Belgrad, auf Befehl seines Kaisers Muhamed IV., wegen Misserfolgen mit der „rothen Seidenschnur“ schimpf- lichst erdrosselt und seine Leiche in derselben Moschee beigesetzt, die er kurz vorher selbst erbauen Hess. Bei Gelegenheit der Erstürmung Belgrads im Jahre 1688 kam sein Kopf in die siegreichen Hände des Herzogs von Lothringen, der denselben nebst der „Schnur“ und einem „Todten- hemde“ an Bischof Kollonitz nach Wien sandte, der diese Gegenstände nach festgesetzter Authen- ticität dem Zeughause mittelst Urkunde vom 17. September 1696 als Geschenk übergab. * * 3 ) Auch das „Todtenhemd“ ist beachtenswerth und wegen seiner vielen Gebete, Beschwörungsformeln und talismanischen Zeichen von culturhistorischem Interesse; nicht minder interessant die berühmte „rothe Blutfahne“, die Herzog Carl von Lothringen vonHamzsabeg erbeutete und die längere Zeit in der Stefanskirche hing, dann die „grüne Fahne des Propheten“, der die Türken eine eigene Wunderkraft zuzuschreiben pflegten und in der Moschee zu Belgrad besonders verehrten, wo sie einen Plan von Wien 1716 herausgab); ferner »Verzeichniss aller in der kais. königl. Haupt- und Residenzstadt Wien befindlichen Häuser“ von Behsel Anton. Stadtbaumeister in Wien 1829. Endlich „Wiener Schildregister“ zwischen 1775 bis 1794. *) Auch dieses Bild verdanke ich der Sammlung des geschätzten Künstlers Vincenz Katzler. Dasselbe ist ganz geeignet, uns mit seinen interessanten Staffagen in den Geist des dritten Decenniums des XVIII. Jahrhunderts zu versetzen. Läufer, Carrossen, Modetrachten etc. sind dem Leber\ treffend abgelauscht. *) Im Jahre 1821 wurden die Waffensäle nach Anleitung des Stadtoberkämmerers F. X. Embel neu eingerichtetleider aber ward bei der Aufstellung kein bestimmtes System beobachtet. Erst im Jahre 1873 wurden diese planlos durcheinandergewürfelten Kostbarkeiten durch das Verdienst des Schatzmeisters Leitner und städtischen Archivars Carl Weiss mit fach- . kundiger Hand gesondert und übersichtlich geordnet. 3 ) Hammer-Purgstall, der geschätzte Orientalist, bezweifelte im IX. Band seiner Geschichte des osmanischen Reiches, dass dieser Schädel je dem Leichname Kara Mustapha’s angehört habe, indem er nicht in Belgrad, sondern zu Adrianopel hingerichtet und begraben worden sei. Neuere Forschungen jedoch, welche in Camesina’s Werker „Wiens Bedrängniss im Jahre 1683, als Anhang zum 49. Bericht des Wiener Alterthum-Vereines im VIII. Bande aufgenommen wurden, haben erwiesen, dass Kara Mustapha wirklich in Belgrad hingerichtet und begraben, und in der Moschee zu Adrianopel nur dessen „Gesichtshaut“ beigesetzt worden sei. ; t i 16 Ansicht des Zeughauses aus dem Jahre 1732 mm NSfcHls-V: TOTf^V-J 'CTjB'd iftsHiRiiiini AP'jwim—iiilii ihüü H “T| 4h i|5E §ü^ ^ggSBgJ i>i>/. s, Bürgerliches Zeughaus am Hot aus dem Jahre 1732. l t I Fahnen, Waffen etc. im Zeughaus. — Die Nuntiatur. 17 Laudon später erbeutete und dem Kaiser als das interessanteste Stück der vielen Siegestrophäen mit einem Schreiben übersandte. ‘) Zu den besonderen Merkwürdigkeiten älterer Zeit gehören auch die berühmten „Todten- schilde“ Friedrichs IV., die am 29. August 1493 als Ausschmückung des Katafalks in der Stefanskirche benützt wurden; dann die Waffen des XVI. Jahrhunderts, die „Trombons“ (Plunderbüchsen),* Wallbüchsen, Stangengewehre, Radschlossbüchsen (mit verdecktem Radschloss), wo über der Pulverpfanne ein Rauchfang angebracht war, auf die ich später zurückkommen werde. Auch viele Stücke als Kriegsreminiscenzen jüngeren Datums sind erwähnenswerth. * 2 ) Die Nuntiatur. Dieselbe, wie wir sie in Figur 5 (und auch zum Theil in Fig. 4) abgebildet sehen, hat sich seit ihrem letzten Neubau (1768) wohl nicht wesentlich geändert. Ursprünglich stand hier die kleine St. Pankratius-Capelle, die bereits 1115 im Schottenstiftsbrief urkundlich als an der Stadtmauer gelegen genannt wird, *) zur Zeit der Suttinger’schen *) Die Erklärung der auf beiden Fahnen vorkommenden türkischen Zeichen, sowie die Uebersetzung aus der türkischen Sprache in’s Deutsche verdanken wir Herrn Karabaczek. So z. B. sehen wir auf den Fahnen: Sonne, Mond und Sterne als Zeichen der türkischen Herrschaft; dann die Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger als Raehehand vom Jahre 660 (nach Christi) über die Ermordung des Khalifen Ali, Schwiegerlohnes des Propheten Muhamed; ferner das Glaubensbekenntniss der Mohamedaner: ,.La il ah illa allahu Mahumcd asul alla\i,“ (Es ist kein Gott ausser Gott und Muhamed ist der ' Gesandte Gottes.) Ferner die Sprüche des Korans. Den 13. Vers der 61. Sure; „Hilfe von Gott und nahen Sieg verkündigen den Gläubigen die frohe Botschaft,“ öder den 2. Vers der 48. Sure: „Im Namen Gottes des Barmherzigen, des Erbarmers, wahrlich wir haben dir einen wahren Sieg verliehen, auf dass dir Gott deine früheren und späteren Sünden vergebe und seipe Gnade an dir vollende, und dich auf den rechten Weg leite.“ — Alle diese und ähnliche Aussprüche zeigen den echt fatalistischen Wunderglauben, dem die Alt-Türken noch heute mit gleichem Feuereifer zugethan sind. 2 ) So z. B. der Hut des Feldzeugmeisters Fouvray; die Feldbinde des Feldmarschalls Freiherrn von Ferrari, ersten Ritters des Maria Theresien-Ordens, dessen Schwiegersöhne, Franz Zichy, dem der Kaiser aus Rücksicht der grossen Verdienste des Verewigten und da letzterer ohne männliche Leibeserben (1801) starb, das Vorrecht ertheilte, den Namen Ferrari als „Zichy-Ferrari“ fortführen zu dürfen; der Hut desKaisers Franz, den er in der Schlacht bei Leipzig getragen, und sein vollständiger Anzug, mit dem er bei dem Einzuge der Alliirten in Paris 1814 bekleidet war; endlich der Degen des Feldmarschalls Clairfait Grafen de Croix, Ritter des Maria Theresien-Ordens. Er war ein Liebling der Wiener. Seine Schule war der siebenjährige Krieg und seine grösste Heldenthat der Sieg über die Türken bei Mehadia, Salzer und Kalafat etc. und 1792 (als # die französische Revolution ausbrach) über die Franzosen bei Longwy, Verdun und Ingelheim. Als er im Jänner 1795 nach Wien zurückkehrte, begrüsste ihn das ganze Volk gleichsam im Triumphe. Der Kaiser selbst besuchte ihn mit dem Erzherzog Carl (der später sein Commando übernahm) und Hess ihm den Orden des goldenen Vllesses überreichen, und als er am 21. Juli 1798 in Wien an einer langwierigen Krankheit verstarb, errichtete ihm die Stadt Wien ein herrliches Grabmal. Er war ein Wohlthäter seiner Soldaten und seine Börse stand jedem seiner Offleiere offen, auch seinen Gutsunterthanen widmete er die gleiche Sorgfalt. Die Wiener erzählten sich von ihm als Curiosum, dass er immer einfach in Kleidung und Lebensweise war und nur am „Schlachttage“ sich besonders herausschmückte. „Denn dieser Tag (pflegte er zu sagen) sei des Kriegers höchster Feiertag.“ — Mitten im Saale sind kostbare, aus carrarischem Marmor vom Professor Fischer ausgefuhrte Büsten ausgestellt, darunter jene des Kaisers Franz I., des Erzherzogs Carl, Feldmarschalls Laudon, des Herzogs von Würtemberg und des damaligen Regierungspräsidenten Grafen Franz von Saurau, als Andenken an das allgemeine „Wiener Aufgebot“ von 1797, welches diese beiden Letztgenannten vorzüglich leiteten; endlich jene des Grafen Rudolf von Wrbna. Hof-Commissär, im verhängnissvollen Jahre 1805 (aus Metall von Zauner). Besondere Erwähnung verdienen schliesslich die im Saale aufgestellten sechs Kanonen. Im Jahre 1805 hatten die Franzosen das Zeughaus unangetastet gelassen, aber 1809 nahmen sie nebst anderen Sachen auch jene sechs Kanonen weg, welche Kaiser Leopold I. den Bürgern für die in der letzten Türkenbelagerung geleisteten Dienste geschenkt hatte. Zum Ersatz dafür liess Kaiser Franz I. eigens sechs neue Kanonen giessen, die er an seinem Namenstage (4. October 1810) in das bürgerliche Zeughaus bringen liess und deren jede in erhabener Arbeit die Aufschrift führt; „Franz I. den Bürgern der Stadt Wien für erprobte Treue, Anhänglichkeit und Biedersinn 1810.“ •) Diese Stadtmauer zog sich schon in den ältesten Zeiten längs der heutigen Naglergasse fort. so dass sie hinter der Reihe der Häuser zu stehen kam, folglich die Gasse nur eine Häuserreihe besass und zwar auf der gegen den Hof zugekehrten Seite; die zweite Reihe kam erst dann hinzu, als die Stadtmauer hier aufgelasssen und behufs Erweiterung weiter südlich als sogenannte Löwelbastei hinabgerückt wurde. 3 f I lg Graf Althan. — Die beiden päpstlichen Gedenktafeln am Hause des Nuntius. Planes*aber bereits verschwindet und unter Ferdinand I. in drei Baustellen abgetheilt, dann aber auf dem Wolmuet'schen Plane (1542) schon in ein Haus verbaut vorkömmt. Nach mehrfachem Besitzwechsel 1 ) gelangte dieses Gebäude zuletzt an Michael Adolf Grafen Althan (der damals vom protestantischen zum katholischen Glauben überging), von dem es der päpstliche Stuhl für die Nuntiatur zum Geschenke erhielt. Papst Clemens XII. liess (1767) das mittlerweile vollständig baufällige Haus vom Grund aus neu aufführen und zur Erinnerung ober dem Hausthore (nachdem der Bau 1768 in seiner heutigen Gestalt vollendet#war) eine Gedenktafel errichten, die noch gegenwärtig an derselben Stelle sich befindet und lautet: „Clemens XII. Pontifex Maximus aedes temporum inivria collabuntes restituit anno Dcmini 1768.“ Als Curiosum sei nebenbei erwähnt, dass noch zwei andere Wappenschilde zwischen den Fenstern des zweiten Stockwerkes sich hier für ewige Zeiten nach altem I Herkommen befinden u. zw. das Haus- und Familien-Wappcn des jeweiligen Papstes und jenes des römischen Kirchenstaates, eine Einführung, die sonst nirgends in den übrigen katholischen Ländern gebräuchlich und wohl auf das stets gute Einvernehmen unseres Hofes mit der römischen Curie zurückzuführen ist. Eben diese gute Haltung macht es auch begreiflich, dass die Nuntiatur seit ihrem Bestehen am kaiserlichen Hofe nie in irgend einen Conflict mit der Regierung oder ihren Organen gerieth. Nur ein einziges Mal fühlte sich der Nuntius gezwungen einen Expressen wegen eines misslichen Falles an Leopold I. (der sich damals bald in Neustadt, bald in Oedenburg aufhielt) um Abhilfe zu senden. 2 ) , ') Im Jahre 1592 war Johann Beck der Isigenthümer dieses Hauses, welcher es 1603 an Hans Brenner und dieser 1604. an Carl Basta verkaufte, dessen berühmter Nachkomme, Marschall Georg Basta, durch seine Kriegsthaten und die in Siebenbürgen verübten Grausamkeiten in der österreichischen Kriegsgeschichte eine hervorragende Rolle gespielt. Er schlug die überlegenen türkischen Heere mehrmals und hielt sie bei Comorn vor weiterem Vordringen auf. Basta widerrieth dem Kaiser den hierauf erfolgten Friedensschluss, wurde aber nicht gehört, seine Feinde bemerkten höhnisch, e*r suche das Kriegsfeuer zu unterhalten, um sich dabei zu wärmen. Gekränkt zog er sich zurück und brachte den Rest seiner Tage hier im Hause zu. Die Früchte seiner Müsse waren zwei sehr geschätzte taktische Werke: ,,Maesho di camfo generale" und „Governo della cavalleria leggiera". Die Erben verkauften nach seinem Tode den Besitz an die Familie Beck. Als eine Feuersbrunst das Jesuiten-Collegium 1607 am Hof zerstörte, kamen dieselben in das Beck'sehe Haus, wo sie bis 1616 verblieben. Später gelangte das Haus an Grafen Althan und von ihm an den päpstlichen Stuhl. 2 ) Am 10. October 1861 fand nämlich zwischen einem Italiener, Marquis Flery, und einem französischen Malteserritter, Namens Maschau (der Oberstlieutenant unter dem Palffyschen Regiment war), ein Duell statt, in welchem Letzterer durch einen tüdtlichen Stoss auf dem Platze blieb. Flery flüchtete in die Wohnung des Nuntius. Der Fall machte grosses Aufsehen und das Volk verlangte stürmisch seine augenblickliche Bestrafung und Auslieferung, und da dies nicht geschah und man die Entweichung des Schuldigen befürchtete, setzte man eine strenge Wache ins Haus, gegen die der Nuntius (nach kirchlichen und staatlichen Rechten) protestirte und um Aufhebung der Wache bat, die jedoch nicht erfolgte. Erst, mit Hilfe eines an den Kaiser nach Neustadt eigens abgesendeten Expressen wurde die Sache zur allseitigen Zufriedenheit beigelegt, gab aber nachträglich Anlass, die Asylfreiheit der Kirche öfter in Berathung zu ziehen, ohne dass eine endgiltige Lösung dieser heiklen Streitfrage zwischen dem kaiserlichen Hofe und der Curie erzielt werden konnte. Noch unter Maria Theresia dauerte der Conflict fort, und es ist hochinteressant die gegenseitigen Meinungen hierüber zu hören, Die Regierung behauptete: die Asylfreiheit sei weder ein göttliches noch ein natürliches Recht, sondern nur in der Gnade der Landesfürsten gegiündet, daher dem Souverän nach Gutdünken jederzeit das Recht zustehe, selbes aufzuheben oder zu beschränken. Uebrigens sei die Asylfreiheit nur eingeführt, um die Tödtung Unschuldiger zu hindern; da aber heut zu Tage niemand zum Tode ver- urtheilt wird, der nicht seiner Schuld überwiesen ist, die Verweigerung der Auslieferung eines Schuldigen aber der Rechtspflege höchst nachtheilig sei, überdies eine solche Zufluchtsstätte dem Uebelthäter die Hoffnung gebe, straflos zu bleiben, was die Vermehrung der Verbrechen nur noch fordere, so habe das Asylrecht durchaus keine Berechtigung. Dagegen erwiederte der Clerus: das Asylrecht, beruhe seit älteren Zeiten auf geistlichen Gesehen und Anordnungen, so dass die Diener der Kirche dieses Recht fast als einen Bestandtheil der Religion gelbst ansehen müssen. Das Zuwiderhandeln dieser alten Kirchengesetze würde aber ihnen unfehlbar „Kirchenstrafen“, wo nicht gar den „Kirchenbann“ zuziehen; übrigens sei es immer ein gottgefälliges Werk, für das Asylrecht der Kirche einzustehen, und die weltlichen Fürsten für die in die Kirche geflüchteten Missethäter um Gnade zu bitten. Dennoch hob Kaiserin Maria Theresia die Asylfreiheit mit Patent vom 15. September 1775 überall und ausnahmslos in allen ihren Staaten auf und verständigte erst nachträglich die Curie von dem Vollzüge. Diese höchst merkwürdige und für die damalige Zeit gewiss fortschrittliche Resolution finden wir im VII. Bande der Kropatschek’schen Gesetzsammlung, Seite 357, vollinhaltlich abgedruckt. Adam- und Eva-Haus. — Das Adam- und Eva-Spiel. — Hallweil’sche und Hannenbeiss-Haus. 19 Das Adam und Eya-Haus Nr. 310 (neu 2) bildet eine Ecke in jenes schmale, finstere Gässchen, das noch zu Anfang des XVII. Jahrhunderts cfen sonderbaren Namen „Hundsfottgässel“ rfihrte, später in „Glocken-“, neuester Zeit in „Irisgasse“ umgetauft wurde, und den Hof mit der Naglergasse, wie noch heute, verband. Das Haus* * hat seinen Namen seit 1683 von dem gleichnamigen Schilde: „Zum Adam und Eva“, welches ohne Zweifel aus irgend einem Anlasse mit dem damals so beliebten „Adam und Eva-Spiel“ in Verbindung gebracht wurde. ') Der älteste nachweisbare Besitzer aus dem Jahre 1511 war Jeronimus Begk von Leopoldsdorf, dessen Familie bis zü Ende des XVII. Jahrhunderts hier sesshaft war. Nach dieser Zeit wechselte häufig der Besitz. 8 ) Das gräflich Hallweil’sche Haus Nr. 320 (neu 3) ist als Nachbar-Nachweis für den ehemaligen Bestand der Pankratius-Capelle höchst wichtig, weil es in den ältesten Grundbüchern als: „an die St. Pankratius Capelle anstossend," ausdrücklich angeführt wird. Im Jahre 1700 gehörte es dem Andrä Cetto, Handelsmanns Erben, die es an Gräfin Hall weil 1775 verkauften, deren Familie durch längere Zeit im Besitze blieb; daher das Haus hinfort das Hallweil’sche genannt wurde, obwohl auch später der Besitz rasch wechselte. 3 ) Das Haus „zum Hannenbeiss“ Nr. 322 B (neu 5) bildete eine Ecke gegen die Freiung und bestand anfänglich aus zwei kleinen Häuschen. Das erste (eben in Rede stehende) mit Hausnummer 322 B gehörte bis zum Jahre 1430 dem kaiserlichen Buchhalter Tobias Schultz und dem Hans Würffel aus einem der ältesten Ritterbürger-Geschlechter, dessen Vorfahren Bürgermeister waren, wie z. B. 1353 Heinrich Würffel und 1397 Paul Würffel. Seit 1785 hiess das Haus nach dem Schilde ; „Wo die Hannen beissen.“ Seit 1637 bestand hier ein Oelerer-Laden, dessen Besitzer bei der späteren Stadtbeleuchtung eine hervorragende Rolle spielte. Unter Leopold I. kam nämlich die Nothwendigkeit einer allgemeinen Stadtbeleuchtung zur . Sprache. Bisher musste Jeder Nachts sein Licht (Laterne) vor sich hertragen, und niemand wurde auf offener Strasse ohne dasselbe geduldet; selbst die reichen Landherren und A'deligen mussten sich vom Gesinde Fackeln (Windlichter) vortragen lassen. Diese Vorschrift wurde bald mehr bald weniger streng gehandhabt, je nachdem besondere Verhältnisse oder Unglücksfälle, wie z. B. Pest, Krieg* Brandstiftungen etc., grössere Vorsichtjerheischten. Johanp Quintin Graf Jörg, Statthalter, arbeitete ') Dieses Spiel waf noch bis in’s vorige Jahrhundert in Wien öffentlich im Gebrauch, wie z. B. heute das „Krippen-“ oder „Heiligen drei Königspiel“ Lande. Da man sich aber dabei zu viel Freiheiten erlaubte, wurde dasselbe unter Carl VI. mit Verordnung vom 19. December 1719 nur auf*die drei letzten Faschingstage beschränkt und das Verbot durch die Geistlichkeit jedermann kundgemacht wie fol&t: „<£« habe bie (Erfahrung Me ärgerliche iKllff librung rerichietiener öieiifttoicr Surften ergeben, Me bei heran ttabettber lMbnacbt« 3 Cit bas fogenannte 2tbatn tt nb <£»a=Spiel ror= fidlen, babei aber ein ungeflüme« 25lafen unb feiern, ein mtgebubrli$e« Springen unb langen rorbringen, jo «Sie alle plage unb @ä|fen bi« fpät am 2 tbenb abgeben, unb bie Jinrobner baburcf» beunruhigen; ba nun auf klebe IDeife rieten frommen «Ebriften ein grobe« 2 tergernijj gegeben unb beebalb auch rou ber Seiftlichleit nucbbrücflicbe 25efcbroerben eingelegt mürben,, fo folle 3 tt berlei £p 3 effe ernftlicber XbfteUung geiebritten, unb befugte« „2(oam unb ira-Spiel" nur bureb bie brei lebten ^afcbing«tage, jeboeb in aller Sprbarteit gefpielt 31 t werben geftattet fein." — Maria Theresia hob dieses Spiel gänzlich auf. *) Im Jahre 1700 gehörte dies Haus laut Grundbuch tlen Georg Faschner, Buchbinders, Erben; 1775 dem August Heckei; 1824 der Frau Franziska und Theresia Fels und später den Heckel’schen Erben, ln Figur 4 sehen wir das Haus (um die Zeit von 1773), zweistöckig mit einem über die ganze Hausbreite laufenden Balcon mit hohem Spitzdach und zwei Mansardenfenstern im französischen Geschmacke; in Figur 5 jedoch schon vierstöckig mit Erkervorsprung ohne Balcon. 1 3 ) Im Jahre 1795 kam Ignatz Raab, 1812 Anton Wagner und dessen Erben an die Gewähr. Erst vor fünf Jahren wurden beide Häuser (dieses und das Nachbarhaus, also Nr. 2 und 3) zu einem wahren Prachtbaue in eines verbaut und sind gegenwärtig Eigenthum des Privaten Franz Fischer. • 20 Strassenbeleuchtung. — Lampenfüllung. ■— Käse-, weisse Hasen- und hohe Haus. einen Vorschlag zur Einführung einer solchen Stadtbeleuchtung aus, den der Kaiser unterm 4. December 1687 genehmigte. Zuerst wurde mit einer Probebeleudhtung in der Dorotheergasse am 7. November 1687 der Anfang gemacht, dann am 5. Juli 1688 *die allgemeine Strassenbeleuchtung“ i^i .Ausführung gebracht. Die ersten Laternen hingen an Schnüren mitten in der Gasse und mussten beim Anzünden jedesmal herabgelassen werden, und dies kleine Flackerlicht aus Unschlitt war matt und konnte in seinem weitbauchigen Glaskasten kaum vor Winden geschützt werden. Besonders mangelhaft war die Manipulation. Die Hausherren mussten für die Lampen vor ihren Häusern selbst Sorge tragen und dieselben täglich mit frischem Unschlitt füllen lassen; und zwar entweder am Hof beim „Hannenbeiss“ oder am Peters-Freithof beim Oelerer. Diese beiden besorgten wieder die Füllung beim „Haupt-Oelerer“ im Gusshause am Kaiserwege (jetzige Favoritenstrasse). Wenn dieser Vorgang auch wenig Kosten verursachte, so war er doch äusserst schwerfällig, da so viele Parteien nicht schnell genug abgefertigt werden konnten. Dennoch beglückwünschte sich ganz Wien und jubelte laut, obgleich damals ein Spötter meinte: „Die Wiener Strassenbeleuchtung sei nur dazu da, um die Finsterniss besser sehen zu können.“ ‘) Das „Käsehaus“ Nr. 322 A (neu 5) ist insoferne historisch interessant, als sich im Jahre 1683 urkundlich die erste städtische Käsehandlung hier befand. Jacob Trobisch, ein Käsehändler, errichtete daselbst den ersten Käseladen Im Jahre 1775 gehörte das Haus dem Johann Groppenberg von Bergenstamm. Das Haus „zum weissen Hasen“ Nr. 324 und 328 (neu 6) bestand einst mit noch mehreren sechs Häusern an derselben Stelle, wo heute die „Creditanstalt“ (neu Nr. 6) sich befindet. Letztere entstand zwar nur durch die Verbauung von zwei Hausplätzen, Nr. 324 und 328, jedoch diese fassten wieder mehrere kleine Häuser im XV. Jahrhundert in sich. Eines von ihnen und zwar das Eckhaus gehörte einem Gewürzkrämer Namens Hans Haas, woher sich seit 1683 das Hausschild „Zum weissen Haasen“ erklärt, das bis in die neueste Zeit hier bestand, bis endlich jener imposante vierstöckige Prachtbau dasselbe verdrängte, der trotz des Mangels besonderer architektonischer Ausschmückung einen befriedigenden Eindruck gewährt. Das hohe Haus Nr. 329 (neu 7) * ist durch Johann Andreas Liebenberg historisch merkwürdig. Er war ein Mann von ungewöhnlicher Thatkraft und Hingebung und leitete während der verhängnitsvollen Türkenbelagerung (1683) die Befestigungsarbeiten. Mit eigener Hand trug er zur Errichtung von Pallisaden mittelst Schubkarren Erde zu, um durch gutes Beispiel anzueifern, unterlag aber während d|s heftigsten Sturmes gegen die Löwelbastei den übermässigen Anstrengungen und oiner eben einreissenden verheerenden Seuche (Ruhr), und starb am 10. September in diesem Hause, also knapp vor Beendigung der Belagerung, ohne die Früchte seines Opfermuthes geniessen zu können. Das Haus stammt von Christof v. Werklein, als es noch aus sechs kleinen Häuschen bestand. 2 ) Er kaufte dieselben 1710 an sich und verbaute *) Nach heinahe hundert Jahren später schreibt der Stadtchronist Fuhrmann über die Beleuchtung Folgendes; „lllle ©affen uttb Straffen önb mit an bie Bctufer mit eifernen Stangen angefiefteten großen Caternen unb außer ber faifer= lieben Burg mit jbsj, ber Burgplafe aber mit 40 brennenben Campen iltuminirt, bie täglich mit Unfcblitt gefüllet unb aus bera eigenen Timt geliefert »erben unb fo fomob unb ficber bei ber Jtacbt als bei lag 3 U geben ift. So prächtiges Hnfeben macht bie gleichmäßige Beleuchtung com Burgthor aus bis Scbihtbrunn, »0 Sommers Seit benen böcbften Berrfchaften 3 u repbiren beliebet, unb bie gan 3 e Straße mit 452 Campen erleuchtet mirb." — Im Jahre 1806 brachte Andreas Ditscheiner und 1820 Anastasius von Margarita dieses Haus käuflich an sieh, dessen Familie es noch gegenwärtig (als Constantin von Margarita’sche Erben) mit dem vorgenannten Hause in eines zusammengebaut, sub Haus Nr. 3, in Besitz hat. • 2 ) Die sechs kleinen Häuschen gehörten und zwar: eines dem Josef Weber, das zweite den Hofbinders Erben, da^ dritte dem Georg Benedict Silberdiener (seit 1670 mit dem Schilde „zur Stadt Frankfurt“), das vierte dem Das schmale Haus. — Der Wasserstadl. — Der Ledererhof. 21 sie in Eines, wie es noch bis in die Vierziger-Jahre verblieb und in Figur 5 ersichtlich ist. Der gegenwärtige Neubau ist ein weitFäufiges Gebäude, noch einmal so breit als früher, umfasst vom Hof aus fünf, vom tiefen Graben sieben Stockwerke, daher im Volksmunde noch immer als „Hohes Haus“ genannt. Im Jahre 1770 gehörte es dem bekannten Handelsmanne Franz Schüller, der unter der Firma Schüller & Compagnie eines der grössten Wiener Grosshandlungshäuser gründete und zur Einführung der ersten Zitz- und Kattunfabrik, jsowie zur Hebung der Tuch- und Wollindustrie wesentlich beitrug. *) Das schmale Haus Nr. 330 (neu 8) war seit dem XVI. Jahrhundert im Besitze verschiedener alter Bürgergeschlechter, von denen die Grundbücher unter andern den Jacob Daniel Tepser (der in der Zeit von 1696 bis 1700 als Bürgermeister, Stadtrichter und Sr. k. k. Majestät Rath sich einer allgemeinen Beliebtheit und der besonderen Gunst Leopolds I. erfreute) und Jonta Sebastian, Goldschmieds Erben, nennen; nach ihnqn ging der Besitz rasch auf andere Familien über.*) Interessant sind die Aufschreibungen des Quartiermeisteramtes (1563), nach welchen das Haus unter allen auf dieser Platzseite stehenden Häusern das einzige war, welches drei Stockwerke (Gaden) besass, während die übrigen nur zweistöckig waren. Der Wasserstadl Nr. 331 (neu 9) hat seinen Namen von den seit früherer Zeit hier bestandenen Wasservorräthen zum Feuerlöschen. Im Jahre 1700 war der eben genannte Tepser auch von diesem Hause Eigenthümer. Seit 1776 war es als Unterkammeramt des Wiener Magistrates und Wohnung des jeweiligen Bürgermeisters bestimmt. Bei entstehenden Feuersbrünsten musste schnelle Anzeige hierher erstattet wiyden, indem die Lösch- 1 2 apparate und eine fortwährende Feuerwehr hier untergebracht waren. Ein Theil der Feuerlöschmannschaft besteht noch heute hier im Hause, sowie die Bureaux des Stadtbauamtes. Der Ledererhof Nr. 340 (neu 11) und Nr. 336^ (neu 12) hat seinen Namen von der Ledererinnung, die hier seit der ältesten Zeit Zunfthaus und Herberge hatte. Die Veranlassung dürfte der in der Nähe durch den tiefen Graben einst fliessende Ottakringer- und spätere Aiserbach gewesen sein. 3 ) Im Jahre 1*658 wird derselbe urkundlich auch „zu den sieben Häusern“ genannt, weil er aus sieben kleinen, zweistöckigen Häusern bestand, die alle gegenwärtig unter zwei Nummern, 11 und 12, zusammengefasst und in zwei Häuser zustimmen- Bukenberger, Schlosser, das fünfte dem Daniel Köstler, Gt>ldarbeiter (seit 1788 mit dem Schilde „zum goldenen Kranz“) und das letzte dem Josef Safer, Goldschmied, mit einem grossen und tiefen Weinkeller „zur Weintraube“, der als beliebter Weinschank und seiner vielen Abenteuer, Liebeshiindel und geheimen Zusammenkünfte wegen zu den interessantesten Orten gehörte. *) Im Jahre 1795 gelangte Johann Baptist Edler von Puthon in den Besitz des Hauses, er war Director der Nationalbank, Chef des Grosshandlungshauses „Schüler & Compagnie“ und Ausschuss des damaligen Handelsgremiums. Der letzte Besitzer war Baron Put hon, der das Haus an die Stadtcommune und diese wieder an den Med. Doctor Adensamer verkaufte. 2 ) Im Jahre 1775 war Theresia Reinthaler, 1795 Katharina Reinthaler, 1806 Jacob Otto, 1820 Elise Otto, dann Elise und Maria Rabel, Theresia Stessel und später Ludwig Rabel’s Geschwister und Theresia Stessel an der Gewähr. Von allen hier befindlichen Häusern dürfte keines seine frühere Gestalt so im Wesentlichen beibehalten haben als dieses, und das heute noch bestehende hohe Spitzdach, die schmalen, niederen Fenster, der enge Thoreingang und die ganze einfache Bauweise zeigt im Vergleiche mit dem Bilde in Figur 5 keine merkliche Veränderung. 3 ) Ein Blick auf die Planstudie zu Figur 1 belehrt uns mit Rücksicht auf den La&f des Ottakringer- und späteren Alserbaches, warum gerade hier die Lederer und Färber sich ansiedelten. Bei dieser Gelegenheit muss ich nachträglich bemerken, dass die obige Planstudie in Figur 1 den Plänen des um dio Erforschung der örtlichen Entwicklung Wiens so verdienstvollen k. k. Regierungsrathes Albert Camesina und k. k. Feldzeugmeisters von Ha-uslab entnommen sind und ich noch Gelegenheit haben werde, auf das bedeutsame Wirken dieser beiden Forscher eingehend zurückzukommen 22 Das Haus „zu den drei Kronen“. Das tiefe Haus. — Das Herberghaus U gebaut sind. Der Ledererhof ist ein alter, unregelmässiger Bau, der sich als Polygon nach rückwärts krümmt, während er an der vorderen Front sich ausbaucht. Die Benennung des Hauses Nr. 11 „zur goldenen Kugel“ ist interessant, denn sie hat sich noch heute am Platze erhalten, obgleich sie ursprünglich von dem Rumormeister Michael Motzi aus dem Jahre 1683 herrührt. In diesem Jahre nämlich flog während der Türkenbelagerung eine feindliche Kugel in das Haus. Motzi, damals Aeusserer Rath und Besitzer des Schank- und Gasthauses,|liess dieselbe in die Wand einmauern und mit der Jahreszahl „1683“ versehen, wie sie noch heute ebenerdig dem Eingänge zur Linken sich befindet; später liess er sie vergolden und so hiess auch das Gasthaus „zur goldenen Kugel“. ') « Das Haus „zu den drei Kronen“ Nr. 341 (neu 13) * kommt im Jahre 1700 grundbücherlich unter der Benennung: ,Haus zu den drei Kronen“ vor und gehörte zum Ledererhof, auch grenzten noch vier kleinere Häuser daran, welche mehrere Besitzer hatten. *) Das tiefe Haus Nr. 418 (neu 14), historisch interessant von seinem tiefen Keller, von dem es auch seinen Namen hat. Diese Kellerräume bestehen noch, in welche sich schon während des Türkenkrieges und in den beiden französischen Kriegsjahren (1805 und 1809) Viele geflüchtet haben. Nach den Aufschreibungen des Quartiermeisteramtes 1563 war dieses Haus bereits damals dreistöckig. * 2 3 ) Das Herberghaus Nr. 420 (neu 16), historisch interessant, da es nach der Vertreibung der Juden 1442 zur Herberge der Fremden bestimmt wurde, nannte man es auch „zum Elend“ nach dem altdeutschen Worte „Elend“, gleichbedeutend mit „Fremd“. Kaiser Ferdinand I. liess dasselbe 1560 zu einem „Convict“ für die adelige Jugend Oesterreichs umbauen und übergab es zu diesem Zwecke den Jesuiten, da jedoch*die Lutherischen Herren vom Kaiser nicht bewogen werden konnten, denselben ihre Kinder anzuvertrauen und sie sich eigene Lehrer in diesen Schulen halten wollten, mussten die Jesuiten auf Befehl des Kaisers Maximilian II. 1565 dieses Haus wieder abtreten, sie selbst aber ihre Schule zu den Dominicanern verlegen. Im Jahre 1611 erkauften die Stände das Haus und schenkten es dem Grafen Thurzo, damaligem Palatin von Ungarn, aus Erkenntlichkeit für die von ihm zu Stande gebrachte Vereinigung und Transaction, 1671 wiurde das Haus als Fiscalgut eingezogen und dem Grafen Collalto übergeben, dessen Familie 'es als fürstliches Fideicommiss noch heute in Person des Fürsten Emerich von Collalto e san Salvatore besitzt. Bemerkenswerth ist noch der hohe Schwibbogen, der von diesem Hause zum *) Die Nachfolger des Motzi. sowohl im Hausbesitze als im Wirthsgeschäfte (das sich fortan einer immer grösseren Beliebtheit erfreute), waren 1775 Franz Dormann, Wirth, 1806 Franz Carl Dormann, 1812 Dormann’sche Erben. 1824 Anna Dormann, Jakob Fellner, später wurde es vom Stadtmagistrate angekauft und die Gasthauslocalitäten vermiethet. Auch das Haus Nr. 336 (neu 12) bestand früher aus drei Häusern und wurde um 1750 zusammengebaut, welche folgende Eigen- thümer hatten: 1700 Lorenz Sauer, königlicher Büchsenmacher, Florian Herzog, Büchsenmeister, Dioni Spady, Strumpfwirker, 1775 Aegidius Vollgruber, 1757 Johann Vollgruber, 1795 Josef Freiherr von Aichen, 1806 Sebastian Goldbach, 1812 Wieser und Bohrer, 1829 Thomas Wieser und gegenwärtig Tobias Carl. * 2 ) Die Besitzer hiessen: 1700 Posch’s Erben, Marianna Gräfin Zeill, geb. Gräfin von Lamberg, Daniel Schräder, kaiserlicher Hof-BartSer, und Mathias Köck. Im Jahre 1700 wurden diese kleinen vier Häuser mit dem Haus Nr. 13 in eines vereinigt und verbaut, wie dasselbe noch gegenwärtig zeigt. Später kam an die Gewähr: 1775 Johann Bleyer, 1783 Marianna Bleyer, 1787 Franz Ignaz Biedermann, 1806 Johann Hocheder, 1812 dessen Erben, 1822 Plattensteiner, später Phil, und Ireiherr von Neumann. Gegenwärtig gehört es dem k. k. Oberstlieutenant Eduard von Singer und dem Hof-Oelfabrikanten Leopold Grohmann. 3 ) Die Besitzer waren: 1700 Johann Carl Nagel von Eisengrub, Hofkammer-Buchhalterei-Adjunct, 1775 Josef Edler von Scusel, 1787 Martin Edler von Scusel, 1806 Ignaz von Schuhmann und Johann Mahler, 1812 Ignaz Held, 1824 Johann Baptista Swoboda. In neuester Zeit verkaufte die Familie Swoboda das Haus an die Commune. Mariensäule. — Das Volksleben am Hof. 23 Altane der Kirche direct führt, dann seit längerer Zeit eine nicht unbedeutende „Gemäldesammlung“ sich hier befand und im Jahre 1805 der französische General Lefrere die Zimmer des ersten Stockwerkes bewohnte und mit den Generälen und Vertretern der Stadt hier verkehrte. Nachdem ich in Kürze Alles erschöpft habe, was sich über die öffentlichen Gebäude sagen lässt, will ich noch zum Schlüsse dieses Capitels einige geschichtlich interessante Bemerkungen (den Platz selbst betreffend) beifügen. Als die Schweden Wien belagerten, machte Ferdinand III. das Gelübde, eine Mariensäule für die glückliche Beseitigung der Gefahr errichten zu wollen, und als die Feiyde abgezogen waren, erbaute er 1645 die noch heute bestehende „Mariensäule“, deren feierliche Enthüllung am 15. August 1645 stattfand. ’) Das Volksleben am Hof. Seit ältesten Zeiten herrschte hier ein besonders reges Leben. Frühzeitig schon war dieser Platz als Markt benützt, und hiess im XIV. Jahrhundert Fischmarkt und im XVI. und XVII. Jahrhundert auch Krebs markt. s ) Maria Theresia und Josef II. widmeten demselben eine besondere Aufmerksamkeit und die Abend-Serenaden, die von der Militärmusik ausgeführt wurden, zogen stets eine grosse Menschenmenge herbei, die oft bis spät in die Nacht zur Sommerzeit zu promeniren pflegte. Auch an geschichtlichen Erinnerungen ist dieser Platz überreich. So z. B. wohnte hier König Mathias von Ungarn im Jahre 1490 kurz vor seinem Tode (vom Podagra schmerzvoll an sein Ruhebett gefesselt) gleichwohl einem Turniere bei, und es freute ihn, dass sein geliebter Sohn Johann Corvin im ersten Rennen einen kampfgeübten Ritter helmlos machte und in den Sand warf. — Auch zu Hinrichtungen wurde der Hof in der Vorzeit (wie beinahe alle Plätze der Stadt) gebraucht. Die Schrecken und Grausamkeiten einer glaubensfinsteren wilden Zeit kamen hier nicht 0 Die Säule nebst Nebenfiguren (zuerst aus Marmor, dann "aus Metall verfertigt), die Gottesmutter mit dem Drachen unter den Füssen und die vier Engel an den Ecken höllische Ungeheuer bezwingend (den Sieg der Kirche über die Ungläubigen allegorisirend), sind von Balthasar Herold geschickt ausgeführt, ln der Nacbt vom 11. Mai 1809, als die Franzosen Wien beschossen, traf die erste feindliche Kugel die Rückseite des Marienbildes. Nach einigen Jahren erst wurde der Schaden gewahr und als man zur Ausbesserung schritt, fand sich in der Statue noch die feindliche Kugel und ein friedliches Taubei.nest. Am 15. August 1745 wurde das Säculum mit einer Procession feierlichst begangen. Noch zwei mit .-chünen Figuren geschmückte Brunnen sind bemerkenswerth, die hier unter Kaiser Franz I. vom damaligen Akademiedirector Martin Fischer ausgeführt und am Namenstage des Kaisers eröffnet wurden. Die Standbilder waren aus weichem Metall, Die Gruppe rechts bedeutete die Vaterlandstreue. Die Monarchie war durch eine hehre Frau mit Schild und Krone dargestellt, als sie eben mit ausgebreiteten Armen einen Staatsbürger empfing, der Treue gelobt; die Inschrift lautete; in fide unw, in unione salus. Man wollte damit sagen: In der Einigkeit liege die Treue und in der Treue das Heil, oder mit anderen Worten: ln der Dynastie liege das einzige Vereinigungsmittel so vieler Nationalitäten, das zum Heile führe. Die Gruppe links zeigt uns den Ackerbau, der unter dem Schutzgeiste Oesterreichs sich der besonderen Gunst des Himmels erfreut. Beide Brunnen, wie sie in Figur 5 ersichtlich sind, wurden ohne besonders erheblichen Grund wieder entfernt. Der eine schon vor mehreren Jahren, der andere erst kürzlich. Derlei grundlose Beseitigungen liebgewordener Denkmale kamen in neuerer Zeit leider nur allzuhäufig vor und sind auf das Strengste zu tadeln, denn die alten Wahrzeichen und Schildereien sind die kostbarsten Erinnerungszeichen eines Volkes und die grundlose Beseitigung derselben, wie die Zerstörung jedes Kunstwerkes ein Vandalismus schlimmster Art, das Kainszeichen der Gedanken- und Pietätlosigkeit, das nicht genug verabscheut zu werden verdient. Regierung und Stadtbehörde sollten in Zukunft auf das Strengste gegen ähnliche Vorfälle w T achen. ä ) Schon die Statuten von Albrecht VI. vom Jahre 1340 und 1350 sprechen von diesen Fischmärkten, auf welchen der Fischer bemüssigt war, „auf Seit Martt mit blofeu Fünfte ohne Hlantel noef) Fut nocf> ©ugel, tsabrenb er ifi|ite feil bat, 3U flehen" offenbar in der wohlthuenden Absicht, dass er sich mit dem Verkaufe beeile und nicht abgestandene Fische verkaufe. Vide Rauch’s Script. Rer. Aust., 111. Theil. Auch in einem städtischen Rentenbuche vom Jahre 1418 kommen „drei Fischmärkte" in der Stadt vor, als: „tefbe <5ifcbmdrtt ÜJltten Kllb Ütujjcn item: oSif(f>marft am Fcf." Der Krebsenmarkt war damals so bedeutend, dass täglich (wie die Stadtrechnungen erweisen) 50 bis 100 Fuder Absatz fanden, und ein eigener „Krebsenrichter" (Kreusenrichter) zur Ueberwachung aufgestellt werden musste. Erst im Jahre 1768 kam der Krebsmarkt vom Hof zum Fischerthor an den Stadtwall. Vide J. S. Schlager’s „Alterthiimliche Ueberlieferungen." Seite 103. t » I 24 Blutige Todesurtheile. — Das vierzigstündige Gebet. — Weltliche Feste. selten zum Vorschein. Der fanatische Parteigeist machte die Todesurtheile martervoll. Das Ohren- abschneiden, Nasenschlitzen, Augenblenden, Riemenschneiden, das Körperbrennen (wobei die Zangen und Eisen in Kohlentöpfen gehitzt und die Körperseiten der Abgeurtheilten gezwickt wurden), das Rädern und Viertheilen, die auf blossen Meineid gesetzte Strafe des lebendig Verbrennens, des , Händabhauens, desj Zungenausreissens und Annagelns an den Galgen etc., sie alle bezeichnen eine schwere Uebergangsperiode der Cultur und Gesittung, eine schwere Krankheit der Zeit, sie bekunden die Kurzsichtigkeit der Gesetzgeber, die nur die Wirkung des Uebels und nicht die Ursache desselben erkannten, die nur abzuschrecken, aber nicht zu bessern verstanden. *) * Auch an kirchlichen Ereignissen hat der Hof manches Interessante zu verzeichnen. So z. B. ertheilte am 19. März 1609 Mathias den Oesterreichern trotz der lutherischen Wirren die freie Religionsübung, der sich jedoch nicht blos der Bischof Khlesel, sondern auch die Erzherzoge Ferdinand und Leopold widersetzten, und daher die Jesuiten noch mehr aneiferten, die katholische Religion mit allen Mitteln zu befestigen. Sie führten deshalb zum ersten Male das „vierzigstündige Gebet“ mit Aussetzung des hochwürdigsten Gutes am Hof ein, wobei sich eine unzählige Menschenmenge und selbst der König Mathias und Erzherzog Maximilian einfanden; ferner als im Jahre 1645 die Schweden von Wien abzogen, errichtete Ferdinand III., seinem Gelübde nach, eine Marienstatue am Hof, deren feierliche Einweihung am 18. Mai 1647 stattfand; und die peinliche Umständlichkeit, mit welcher diese Feier begangen wurde, charakterisirt vollkommen die tiefe Frömmigkeit jener Zeit. ’) Auch viele schöne weltliche Feste wurden hier begangen, so z. B. errichtete der • Stadtrath am 13. April 1741, wie aus den Stadtrechnungen zu ersehen ist, einen grossartigen „Freudentempel“ zur Feier der Geburt des Kronprinzen Josef (späteren Kaiser Josef II.), und niemand Geringerer als Hofkammermaler Meytnis, Director der Akademie, malte denselben auf Leinwand, und die Stadt führte vor dem Tempel einen Brunnen auf, aus dem den ganzen Tag über rother und weisser Wein floss. Ganz Wien und das Landvolk nahmen an diesem hochpatriotischen und bedeutsamen Feste den herzlichsten und aufrichtigsten Antheil. 8 ) *) So wurde am 16. Juni 159S der Oberst Ferdinand Graf von Hardegg, Commandant von Raab, weil er die Festung nicht ohne äusserste Nothwendigkeit den Türken übergab, mit seinem Mitschuldigen Niklas Berlin auf einer hier errichteten und mit schwarzem Tuche behangenen Bühne hingerichtet, ersterem Kopf und Hand, letzterem nur der Kopf abgehauen, den übrigen Mitschuldigen aber nur die Ohren abgeschnitten. Im Jahre 1600 wurde der Hauptmann Lorenz von Schakneg hier geviertheilt und die vier Theile an verschiedenen Strassenecken aufgehangen. Diesen folgte am 19. October 1601 Georg Graf Paradeyser, Commandant zu Kaschau, mit seinen Mitschuldigen, weil sie die Festung gleichfalls ohne Noth übergaben. Hauptmann Wilhelm Uhrmüller und Fähnrich Hugo von Strasso geköpft, dem Pongraz Nusch, Oberwachtmeister. wegen falscher Zeugnisse und Schriften die Zunge zum Nacken (buchstäblich) herausgeschnitten und er sodann sammt seinem Feldwebel Mathias Stekel aufgehängt. Vide Codex Austr., Par. II. pag, 199 und Geusau’s Geschichte Wiens, 3. Theil, Seite 284.— Zum Glück machte der am 11. November 1606 mit den Türken abgeschlossene Friede diesen traurigen Vorfällen ein rasches Ende. 2 ) Math. Fuhrmann gibt uns in seiner historischen Beschreibung Wiens II. Theil, 2. Band, Seite 693 hierüber genauen Aufschluss. — Am 18. Mai 1547 versammelten sich alle geistlichen Orden bei den Augustinern. Schon um 8 Uhr Früh erschien der Kaiser Ferdinand 111, mit seiner Familie in Begleitung des Hofstaates, der fremden Botschafter und Minister, sodann begab sich die Procession unter Zudrang von Tausenden in die Kirche der Jesuiten am Hof; dort hielt der berühmte Prediger und kaiserliche Beichtvater Pater Johann Ganss eine begeisterte Rede und Bischof Breuner sang das Hochamt. Hierauf machte der Kaiser öffentlich das feierliche Gelübde, dass er alljährlich im ganzen Lande einen solchen Festtag halten wolle. Er trat zum Altäre, legte den Degen ab, kniete nieder und schwur mit lauter Stimme in lateinischer Sprache das Eidesvotum aufs Evangeliumbuch. Hierauf begab sich der Kaiser mit der ganzen Clerisei zur Mariensäule, die nun vom Bischof feierlichst eingeweiht und die lauretanische Litanei abgesungen wurde. Abends waren Säule und Fenster der Häuser am Hof festlich beleuchtet und wurde die Litanei nochmals abgesungen. Soweit der Bericht Fuhrmann’s. Am 15. August 1745 feierte Maria Theresia das Säculum dieser Procession. Ein sehr detaillirter Kupferstich aus dem Jahre 1747, diese Procession darstellend, befindet sich in der Hofbibliothek ohne Angabe des Meisters, 62'5 Cmt. breit und 45’5 Cmt. hoch. 3 ) Es war damals eine drangsalvolle Zeit. Der Thron wankte der Kaiserin unter den Füssen, Sachsen, Baiern» Polen und Frankreich machten Erbansprüche auf Oesterreich. Preussen fiel in Schlesien ein, dem man nur ein zusammen- « Der Freudentempel. — Bäckeraufzüge. — Erstürmung des Zeughauses. 25 Die Scenerie dieses wahrhaft grossartigen Festes wird uns in Fig. 9 versinnlicht, ln den Jahren 1805 und 1809 versammelte sich häufig die Bürgermiliz im Zeughause, und am 6. August 1806 Hess Kaiser Franz vom Balcone der Kirche seine Verzichtleistung auf die deutsche Kaiserkrone durch kaiserliche Hofcommissäre feierlichst verkünden Endlich ist noch der „Bäckerzunft“ zu gedenken, die hier ihre alterthümlichen Aufzüge hielt und das etwas sonderbare Recht genoss, auf öffentlichem Platze Kegel zu schieben. *) Zum Schlüsse des Capitels will ich noch eine interessante Episode aus dem Revolutionsjahre 1848 erzählen, die hier beim Zeughause sich abspielte und deren Wahrheit ich als Augenzeuge verbürgen kann. Es war in den ersten Morgenstunden des 14. März, als mich mein Weg über den Hof zur Universität führte. Die junge Freiheit war erst einen Tag alt und eine grosse Menschenmenge hier versammelt, die wie von ungefähr zusammengekommen schienen. Leute aus den verschiedensten Ständen, Arbeiter, Studenten, Bürger drängten sich in dichten Schaaren und versperrten die Passage. Die Neugierde hat sie hieher gelockt und auch die Sehnsucht nach Freiheit, die*sie selbst mit den Waffen in der Hand zu erringen entschlossen waren. Da fiel es' ihnen ein, dafes sie ja gar keine Waffen besässen und auch kaum welche zu erwarten hätten. Zugerafftes Heer unter Neuperg’s Commando etitgegenstellen, aber nicht verhindern konnte, dass die feindlichen Heere in Mähren einlielen und Streifcorps bis Stockerau und Korneuburg vorschoben. Die Entbindung der Kaiserin nahte, ohne dass sie wusste, wo sie ihr sorgenschweres Haupt (wie sie selbst in einem vertrauten Briefe klagt) hinlegen werde. Da war es wohl begreiflich, dass Alles daran gelegen war, einen männlichen Thronerben zu bekommen und dass ganz Wien und alle Vaterlandsfreunde sich einen Prinzen ersehnten. Der Tag der Entbindung kam und mit ihm zum Glück ein männliches Kind! Die Freude war unbeschreiblich. Arm und Reich beglückwünschte sich, Stadt und Vorstadt beleuchteten, und auch der Stadtmagistrat blieb nicht zurück, diesen gemeinsamen Festtag würdig zu begehen. Die Stadt besitzt noch heute jenes Erinnerungsbild „Tempel am Hof“, von Salomon Kleinert gezeichnet und gestochen (37 Ctm. breit und 50 Ctm. hoch). Besonders glücklich gedacht und wahrhaft künstlerisch ausgefuhrt ist die lebhafte Bewegung der Volksmenge; jede einzelne Figur, jede Contour verräth die Meisterhand eines Meytens. Man jauchzt, die Hüte werden jetzt geschwungen, der in hohem Bogen ausströmende Wein, den tuan mit Kannen und Bütteln an lang'en Stangen aufzufangen bemüht ist, wird auf die Gesundheit der grossen Kaiserin und des kleinen Josef jubelnd getrunken und jeder Toast auf das Lebhafteste von den Stadtmusikern mit Trompeten und Pauken erwiedert. Auch die Allegorie des Bildes ist treffend gewählt. Mars, umgeben von den beiden Göttinnen „Gerechtigkeit“ und „Wissen%chaft“ (die als Mutter ihre Jungen nährt), bezwingt das hässliche Drachenungeheuer, aus dessen scheusslichem Rachen statt des tödt- lichen Giftes das erquickende Nass der Rebe entströmt. Ober dem Tempel prangen die enthusiastischen Worte: Sol novus in Terris Genitoribus una Voluptas 'Una salus Rcgnis civibus una amor. l Im Hintergrund sieht man die Fenster der anstossenden Häuser mit glänzenden Transparenten decorirt und unterhalb des Bildes mit folgenden schönen Hexametern und Pentametern die momentane Ueberschwänglichkeit gekennzeichnet: Hoc posuit Templum grato cum cive senatus. Dum •ttova lux, orlu Principis Vrbe micat. ' Crescite Virlutcs, Scelus exturbetur in umbras. Aur^a qui rcvehat sccula, tialus adcst, Gratia sit Patri ncc non tibi Regina mater, Quae paris Auslriacis gaudia tanta. ‘) Dieser Aufzug fand alljährlich am Osterdienstag statt, wobei auch die der Innung gehörigen Silberbecher hcrumgetragen wurden. Die Ceremonie selbst war recht alterthümlicher Natur. So verfügten sich z. B. die Bäckergesellen (die in franzblauem Frack und perlgrauen Beinkleidern mit weissseidenen Strümpfen, Schnallenschuhen und dreispitzigem Hut nebst Degen paradirten) im feierlichen Zuge mit klingendem Spiele in alle Backhäuser der inneren Stadtf und Hessen bei jedem derselben die Musik spielen, während sich die Becherträger hinein begaben, um dem Meister und der Meisterjn Wein zu credenzen. Beim Kommen und Abgehen wurde regelmässig diejvihne geschwungen: wenn der Zug bei einer Militärwache vorbeiging, trat diese regelmässig in's Gewehr. Auch in die Bur| begab sich der Zug, wo er sich kreisförmig aufstellte, und die Bäckergesellen und Vorsteher in die allerhöchsten Appartements sich begaben, um dem Kaiser und der kaiserlichen Familie den Ehrentrunk anzubieten. Zum Schluss verfügte sich der Zug in die Wohnung des Bürgermeisters, wo der Altgeselle nach altem Herkommen einen Spruch sagte, der mit den Worten: A ,fUHb Ultö 5U HMlh'lt 1VI tthXltniglicfU anhub, und worin angeführt wurde, dass sich das Recht des Aufzuges auf ein kaiserliches Zuge*ändniss gründe. Der letzte dieser Aufzüge endete im Jafcre 1848. (Eine in die Kirche geflogene Kegelspielkugel soll die Veranlassung des Verbotes gewesen sein.) 4 i i« I t I t I r « * « I Der Freudentempel am Hot am 23. April 1741 Itt V ^ri 1 —,—«, MBi PI mnsSh i SBS /asüs z % T-? vßbti WfSß i \tr***Z mE&m M&aman *Se w&m •..MtTtP* äl&i a^aa T-?*» mmm UBmaet &gpnii*p0&' Bis*Ä? iSMER ftji Kmffw! IMM*«] Uff», 1 IStagf Waffen vertheil ung. — Ein Placat. — Latnur’s Ermordung. 27 gleich erinnerten sie sich, dass das Zeughaus eine Menge alter und unbenutzter Waffen berge. Der Ruf nach Waffen wurde immer lauter und ungestümer. Man deliberirte, die Studenten meinten, die Arbeiter sollten bewaffnet werden, die Bürger dagegen befürchteten Gewaltsamkeiten. Es kam zum lebhaftesten Meinungsaustausche, dessen Ende gar nicht abzusehen gewesen wäre, hätte nicht ein kleiner, schlanker Bursche mit struppigem blonden Haare, blauem, kurzen Röckchen und Kappe (ich glaube, ich sehe ihn noch heute vor mir) der Discussion ein Ende gemacht. Er schleppte aus dem Nachbarhause eine Leiter herbei, legte sie beherzt, ohne zu fragen, an das obere Thorfenster des Zeughauses und sprang mit den Worten: „Was sollen wir erst lange bitten, wenn wir nehmen können, was wir brauchen,“ kühn die Leiter hinan, schlug mit einer Hacke das Fensterkreuz entzwei und schwang sich in das Zimmer hinein. Beiläufig zwanzig andere Bursche folgten dem ersten Eindringling auf dem Fusse nach, und schon nach einer halben Stunde waren grosse Massen von Säbeln und Gewehren aufgehäuft, ja man warf, um schneller fertig zu sein, Alles, was man finden konnte, durch das Fenster hinaus. Jeder nahm was er wollte oder was er für brauchbar hielt. Die Arbeiter entfernten sich auf ihre Sammelplätze und schon in wenigen Stunden waren mehrere tausend bewaffnet. Eine Rückkehr war nicht mehr möglich, wer wollte auch nur daran denken? — Die Regierung machte gute Miene zum bösen Spiel, und der Kaiser, der hinterher die Volksbewaffnung bewilligte, konnte nicht einmal für sein kostbares Geschenk den Lohn und die Vortheile der freiwilligen Initiative, die Vortheile eines jeden Geschenkgebers (die Dankbarkeit), für sich in Anspruch nehmen. So spielte sich obige denkwürdige Scene auf dem Hofe ab, deren Tragweite wohl nicht zu ermessen war. Aber zur Charakteristik des echten Wiener Humors, der den Wiener auch in der Stunde der Gefahr nicht verlässt, sei hier eines Placates gedacht, dessen aristophanische Kürze und schlagende Laune nicht verfehlte allgemeine Heiterkeit zu erwecken, zugleich aber auch die Stimmung des Tages zu kennzeichnen. Selbes war an jenem Tage bereits frühmorgens an mehreren Plätzen des Hofes und auch an den Thoren des Zeughauses affichirt und lautete: „Vater Metternich, der du bist In Wien, zu uns komme eine bessere Regierung, Der Wille der Unterthanen geschehe In Ungarn, sowie in Oesterreich, Vergib uns unser gerechtes Schimpfen und Schreien, Als auch wir vergeben dir „Das unchristliche Anlehen; Führe uns nicht in Versuchung Durch unnachahmliche Banknoten, Sondern erlöse uns Durch reelles Silber von allen Uebeln.“ Amen. Als wichtiges Ereigniss (welches gleichfalls hier einige Monate später sich abspielte) ist besonders hervorzuheben die grausame Ermordung des Kriegsministers Latour am 6. October, dessen Leiche von seinen Mördern an einem Gascandelaber') aufgeknüpft und noch weiter der Volks- wuth ausgesetzt wurde. Dieser unerhörte, an Grausamkeit ohne Beispiel dastehende Mord bildet gleichsam den traurigen Abschluss jener Epoche; er ist der einzige schwarze Punkt, der die so schön aufgegangene Freiheitssonne verdunkelte und einen langen düsteren Schatten warf über die nachfolgenden Tage. *) Der Candelaber wurde bald darauf von einem Militär-Commandu entfernt, lim jede Erinnerung an die.se scheussliche Unthat aus dem Gedächtniss zu verwischen; derselbe ist auf unserem Bilde sub Figur 5 neben dem*Brunnen bemerkbar. II. CAPITEL ,Der hohe Markt.“ er hohe Markt gehört ohne Zweifel zu den ältesten Plätzen Ur-Wiens ’) und wurde schon von den Römern wegen der Höhe seiner Lage und Beliebtheit seines Marktes „forum altum“ (hoher Markt) genannt, wie dies eine Urkunde vom Jahre 1257 bestätigt. Dieser Eigenschaft blieb derselbe auch fernerhin getreu; denn hier herrschte seit ältesten Zeiten der regste Marktverkehr und das lebhafteste Zunft- und Bürgerleben; auch gab die oberste Gerichtsbehörde diesem Platze eine gewisse Bedeutung, weil sie hier ihren Sitz hatte und die Strafurtheile an den Schuldigen hier öffentlich vollstrecken liess. — Die Eigenthümlichkeiten dieses Platzes, wie sie sich in ihrem Markt-, Zunft- und Gerichtswesen hier ganz besonders abspielten, sind höchst merkwürdig und vollkommen geeignet, uns mit dem Geiste des mittelalterlichen Lebens der Wiener am schnellsten vertraut zu machen. Der Verkauf von Feilschaften am hohen Markt. Der Alles bevormundende Geist des Mittelalters hatte sich auch der Marktverhältnisse bemächtigt und ganz besonders seine Aufmerksamkeit auf den Verkauf von Lebensmitteln gerichtet. 2 ) So war z. B der Ankauf von Esswaaren durch Vorkäufer auf das Strengste verboten. Als Albrecht V. dasselbe bezüglich des Getreides am 25. Juli 1433 in Erinnerung brachte, bemerkte er ganz besonders, dass überhaupt Niemand mehr kaufen dürfe, als er für sich und seine Familie bedürfe. Um diese weise Massregel zu controliren, wurde der Beginn des Marktes durch Aufziehen einer Fahne bezeichnet; zuerst hatten die Bürger, dann die Geistlichen und das Hofgesinde das Recht, bis Mittag Esswaaren einzukaufen. Im Jahre 1504 wurde ein eigener Marktrichter zur Ueberwachung des Marktes eingesetzt. — Auch die Gattung der Waare hatte einen bestimmten Ort, wo sie verkauft werden durfte. Am günstigsten von allen Plätzen war der hohe Markt bedacht. Hier concentrirte sich die Approvisionirung der ganzen Stadt und deckte den Bedarf von Esswaaren und Feilscliaften aller *) Der älteste Theil der Stadt giuppirte sich um den auf der höchsten Stelle gelegenen heutigen „Ruprechts- 1>1 atz“, dehnte sich bis zum Donaugelände aus und bildete nahezu ein regelmässiges Viereck, dessen Mitte der hohe Markt einnahm, der sich mit jenen Strassenzügen schon frühzeitig umgab, wie sie noch heute bestehen. Auf Su t ti n ger’s Stad t p 1 an sehen wir nächst dem hohen Markt bereits die Judengasse, den I\ieninarkt i den Berghof, den Kischhof und das die ehemalige Wallstrasse bildende Rothgassel, welches gegen den Liehtensteg hin r Kochgassel“ genannt wurde, und den Latzenhof, der nach eigener Aussage des D. Lntzius auf einem Theil der alten Stadtmauer erbaut war. 9 ) Die ältesten Andeutungen finden sich in der Verordnung vom 21. März 1288 in den Bestätigungsbriefen des Niederlagsrechtes vom 8. September 1312 und IG. Jänner 1348 und in dem Stadtrecht vom 24. Juli 1340. I ■ I Verschiedene Gewerbsleute. — Die Wiener Kellerschänken. 29 Art. Ein überreicher Fisch- und Krebsmarkt, *) dessen Andenken noch heute in dem nahen „Fischhof“ und der „Krebsgasse“, sowie in dem Hause „zu den drei Forellen“ (Forchen) fortlebt, dann stattliche Hütten für Iböringer 2 ) und ©anftep (Gänseverkäufer), zahlreiche Brod- und Schmertische, 3 ) sowie massenhafte Bänke für Obst, Gemüse, Wildpret, Geflügel etc. belebten seit ältesten Zeiten den Platz und geben uns so recht ein lebendiges Zeitbild vom Wohlleben der Wiener, deren masslose Ueppigkeit bei Gastereien und Gelagen im XIV. und XV. Jahrhundert sprichwörtlich wurde und erst mit der Verallgemeinerung der Cultur seit Anfang unseres Jahrhundertes abzunehmen begann. Auch Gewerbsleute besonderer Hantierung hatten hier ausschliesslich ihre Verkaufsgewölbe, so die Cainbatet’ 4 ) (Leinwaner, Leinwandhändler) im sogenannten Leiwandhause, heute Nr. 4 nächst der Vorlaufgasse (damaligen „Liennengässel“); die IDcnbfrettieP s ) (Nürnberger-Kurz- waarenhändler) längs der zwölf kleinen Häuser zwischen der Juden- und Krebsgasse (heute Sina'sches Palais); die ©(^erlaubet B ) (Tuchscherer, Tuchbereiter) zu beiden Seiten der Wildwercher-(Wipp- linger-)strasse, wo auch die ganz eigenthümlichen „Scbllterijrübdlt" 7 ) und ©eiDfiUbft’lliT 8 ) standen; ’) Schon Albrecht II. gibt im Jahre 1340 Verhaltungsvorschriften den Fischern, die erst nach 400jährigem Bestände wegen fortwährender Unreinlichkeiten von hier in die Rothenthurmstrasse und dann vor das Fischerthor an den Stadtwall versetzt wurden, ohne dass sie deshalb (wie ein Zeitgenosse scherzend berichtet) sich einer grösseren Reinlichkeit befleissigt hätten. — Interessant ist die Bemerkung, dass der Fischmarkt hier schon im Jahre 1473 mit einer Mauer umfangen war, die erst 1616 weggeräumt wurde. Eine Stadtrechnung vom Jahre 1473 sagt: „TlUSgegebeit üUt Me UTitUer Xlltt bctl «Sigbinarft an bem Xiofteittnarft, Me rerworfen Hüb ausgebeffert." Vide: Schlagers alterthümliche Ueberlieferungen, Seite 103. ä ) Im Jahre 1449 erscheinen urkundlich am hohen Markt die ersten zahlenden Häringstische, erst im Jahre 1555 kommen Einnahmen für Häringhütten vor, die später auf die Brandstätte verlegt wurden. 8 ) Nach den ältesten Stadtgrundbüchern war der hohe Markt der einzige Platz, wo sogenannte „Gewähren“ über Brodtische, Schmertische etc. Vorkommen, für welche die Besitzer nicht unbedeutenden Zins zahlen mussten: übrigens beweist eine Stelle aus Vienna Gloriosa vom Jahre 1548 die Reichhaltigkeit dieses Marktes, worin es wörtlich heisst: „Tluf bera Lobcnmartt fann mau pcricbiebcne Sorten Laufen unb Scbilbtrötten übertommen, fo pflegen bann auch allba bie 25urgerli($en Ldringer, (fidtif;, Ptocfnfd) unb Ldring 31 t pertaufen, man finbet gleichfalls auf benanten ttlarft unterfcbteblicbes Seflügelmerch fambt Saft, Butter, Schmalj, Laar (Flachs) unb geborrte 3»efpen.“ *) Die Leinwandhändler erhielten ihre eigene Zunftordnung mit 4. August 1433, und im Jahre 1516 bestimmten Bürgermeister und Rath von Wien specielle Normen, welche den Betrieb regelten. Das Gewerbe selbst war vererblich und verkäuflich, das Haus aber, in welchem sie hier ihr Handlungsrecht ausübten, war ein altes verbrieftes Eigenthum des Wiener Bürgerspitals, welches von den Leinwandgenossen Gebühr zu fordern berechtigt war, die der Magistrat im Jahre 1781 wieder an sich zog; übrigens beschränkten die Leinwanter ihren Handel nicht blos auf dieses Haus, sondern breiteten sich schon zu Anfang des XVI Jahrhunderts in anderen Stadttheilen aus. 5 ) Der Ausdruck „lPenbfremer" findet in dem Schiedssprüche Herzog Albrecht IV. zwischen den Kaufleuten und den Krämern vom Jahre 1432 seine Erklärung, denn darin heisst es: „IDcttlt fo bic ItailflCUt itt ibpflt ©ClPlSlbeU all? bic (leinen Bing perfaufen, bie normal« bie IPenbfremcr unb bie am £i$tenfteg batten perfauft unb gebanbelt." °) Im XIV. und XV. Jahrhundert diente der Ausdruck „unter ben Scberlöbett" oder „Beurlauben“ im Grundhuche als Ortsbezeichnung und wurde damit der obere Theil des hohen Marktes ( 3 U IWpt ber lDilbtPerctyerftrajje) gemeint. 7 ) „PcbmergrÜbellt“ waren unterirdische Verkaufsorte für Fettwaaren auf den Kellerstiegen (Kellerhälse), die ihien Ausgang auf die Gasse hatten und in eigenen Grundbüchern, getrennt von jenem der Häuser vergewührt wurden. • 8 ) Die „ßetoanbfcller" waren unterirdische Verkaufslocale für Kleider, die abgesondert von den Grundbüchern der Häuser in eigenen Büchern vergewährt wurden. Der Eingang führte von der Strasse mittelst schmaler, meist finsterer Stiegen in die dunklen Kellerräume, wo die Kleider feilgeboten wurden. Trotz des Unpassenden und Unbequemen der Sache vermehrten sich diese Gewandkeller ungemein rasch, kamen aber mit der Zeit wieder ab und verwandelten sich nach und nach in sogenannte vftellcrfcbdntetl“, wie sie noch zu Anfang dieses Jahrhunderts allenthalben von den Wienern mit Vorliebe aufgesucht wurden. Heute muthen uns diese finsteren Rüifme allerdings etwas sonderbar an, »wiewohl sie noch vor ungefähr 60 Jahren die Lieblingsschänken der Wiefier waren; die engen Räume genügten damals» ihrer Bescheidenheit, ja gerade das Knapp«, Winkelige, das Stille und Verborgene des Ortes, das ewig herrschende Dunkel der Nacht hatte etwas Anheimelndes, Gemüth- liches für sie und entsprach ihrer Genügsamkeit vollkommen; sie empfanden noch nicht das drängende Bedürfnis nach Licht und Luft wie heut zu Tage fast schon Jedermann. Merkwürdigerweise haben sich viele dieser Kellerschänken bis auf unsere. Tage erhalten und geben uns ein unzweifelhaftes Bild von dem Geschmacke unserer Voreltern, wie z. B. der Annakeller, Johannesgasse Nr. 2, in den Vierzigerjahren zu einem Volksbelustigungsorte („Elysium“) erweitert. Binderkeller, Salvatorgasse Nr. 6 , 30 Der Strafvollzug am nohen Markt. Todesstrafen. dann die Caubet^ewen l ) (Tuchhändler), denen noch gegenwärtig die Tuchlaube ihren althistorischen Namen verdankt. Die Strafrechtspflege des Mittelalters am hohen Markt. Es ist nicht in Abrede zu stellen, dass das Mittelalter an einem geregelten Strafgesetze Mangel litt und dass daher bei dem lehensherrlichen Drucke, bei dem herrschenden religiösen Fanatismus, bei der Sonderstellung Einzelner, durch Geburt, Adel und Vermögen Ausgezeichneter, die so nöthige Rechtsgleichheit vernichtet werden musste. — Auch die Wiener Strafjustiz litt an denselben Uebeln und die österreichischen Herzoge behielten sich in einzelnen Fällen wegen der persönlichen Eigenschaft der Verbrecher oder wegen der besonderen Schwere des Verbrechens die Gerichtsbarkeit selbst vor, wie dies der Artikel 2 des Stadtrechtes vom Jahre 1221 beweist. Sonst fällte in der Regel der Stadtrichter, dem ein Unterrichter und Vorsprecher („prfco") beigegeben waren, das Strafurtheil und liess nach gehöriger Publication dasselbe sogleich in Vollzug setzen. — Der hohe Markt hatte dabei die traurige Bestimmung, der Haupthinrichtungsplatz der Stadt zu im ehemaligen Carmeliterhof, daher auch „Carmeliterkeller“ genannt, seit 40 Jahren aufgelassen. Bürgerspitalskeil er, Neuermarkt 4, auch „Zögerlk eller“ genannt, weil die Landweiber hier ihre Kinder in Zögern aufzubewahren pflegten. Bischofs- keller, Heidenschuss Nr. 2, gegen den tiefen Graben zu, durch den Neubau der Creditanstalt verschwunden. Christofskeller, Fischerstiege Nr. 1, von dem Hausschild „Zum grossen Christof“ so genannt. Dalmatinerkellerin der Naglergasse. Daum keile r neben dem heutigen Versatzamte nächst dem Lobkowitzplatz, noch bestehend. Dominikanerkeller am ehemaligen Stubenthor. Esx t er hazyk e 11 er im Haarhof, heute noch wegen der vorzüglichen ungarischen Weine stark besucht. Futterknechtkeller in der Schultergasse. Fiakerkeller oder „Deutscher Keller“ in der Singerstrasse im deutschen Ordenshause. Federl' keller im ehemaligen Federlhof (heute Lugeck Nr. 3, verbaut). Greissl erkeller am Hohenmarkt Nr. 7, durch den Umbau des Hauses verschwunden. Holzgewölbkeller am Kohlmarkt Nr. 1149 und 1150, im Jahre 1841 in das Haus Nr. 7 zusammengebaut, hat den Namen vom Hausschild : „Zum Holzgewölbe.“ Heiiigenkreuzerkeller, Schönlaterngasse Nr. 677, heute Nr.7, von den Heiligenkreuzer Stiftweinen so genannt. Krebskeller am Hohenmarkt 13, im ehemaligen „Krebsenhause“. Kaiserkeller am Fleischmarkt Nr. 701, heute 3, im ehemaligen k. k. Familien-Fondsgüterhause. Knödelkeller, Salvatorgasse Nr, 382, heute 2, Lampelkel 1 er, Wipplingerstrasse 29, Mirakelkeller, Rothenthurmstrasse Nr. 730, heute 16, im Jahre 1843 wurde das sogenannte „Langehaus“ in einen „ersten Wiener Bazar“ umgebaut, wobei der Keller verschwand. Michaelerkeller, Habsburgergasse 12, hat seinen Namen von dem Michaelerpfarrhause. Neustädterkeller im sogenannten Neustädterhof, noch bestehend. Peterskeller am Petersplatz, durch Umbau der ehemaligen „Schnecke“ verschwunden. Rauchfangkehrerkeller, Freisingergasse 5, nicht mehr bestehend, Rösselkeller im früheren Hühnergassei, heute Bauernmarkt, Sabelkeller, Wipplingerstrasse 23. Seitzerkeller im ehemaligen Syitzerhof, berühmt durch Daum’s Vergnügungs-Etablissemt, das gleieh- sam als eine Art „Generalprobe“ zu seinem später zu eröffnenden „Elysium“ zu betrachten war, mit dem Aufbaue des neuen Bazars Nr. 6 wurde auch der Keller für immer beseitigt. Schottenkeller im Mölkerhof Nr. 3. Stock-im-Eisenkeller am Platze gleichen Namens, bei Gelegenheit des Neubaues aufgelassen. Süssen 1 öchelkel 1 er, Mariengasse Nr. 2, von den Siissigkeiten, Honig, Lebkuchen und Meth, die hier verkauft wurden, so genannt. Scheckelkeller im tiefen Graben. Tischler- keller, Ballgasse Nr. 8, neben der Tischlerherberge, heute ein Kohlenverschleiss, Tirolerkeller im Bürgerspitalsplatz, bereits 1849 verbaut. Türkenkeller am Heidenschuss Nr. 237, heute 3, durch den Neubau des Montenuovo’schen Palais verschwunden. Tiefer Keller am Hof. Wächt erk eil er, Renngasse 10, neben dem Wächtergassei im Klosterneuburgerhofe. Uebrigens werde ich an passender Stelle noch Gelegenheit haben, diese historisch interessanten Kellerschänken ausführlich zu beschreiben. ') Die „Caubcnbcrren" gehörten zu den ältesten Gilden der Stadt, deren Zunftordnung schon am 21. April 1288 bestätigt wurde. Sie hatten ihren Namen von den „Lauben“ („Vorhallen“), die hin und wieder seit Anfang des XII. Jahr-, hunderts auf Strassen und Plätzen an den Häusern vorgebaut waren. Sie wurden aus Italien hieher verpflanzt und ein Theil derselben schon zu Anfang des XV. Jahrhunderts verglast. Ihre Fenster schlossen mit der Dachung rechtwinklicht ab, und nur selten begegnen wir ihnen auch mit „rundhogigen“ oder „spitzbogigen“ Abschlüssen. Die meisten Lauben befanden sich am hohen Markt, die sich längs der Schranne auf der linken Seite der heutigen Tuchlauben bis zum „Igel“ hinauf zogen. Sie wurden um das Jahr 1411 urkundlich noch „Die gc»i5lM«t Taubeit", »genannt und hiessen bis zum Jahre 1529 und zwar jener Theil von der Schranne bis zur Landskrongasse „Die filmen Iltddaubcn" und von der Landskrongasse aufwärts gegen den Igel „Die langen Iiublültben". — Ailf Wolmuet's Plan vom Jahre 1547 sind die Strassenpfeiler der „Kurzen Lauben“ angedeutet. — Obgleich diese Lauben für die Kaufmannschaft grosse Bequemlichkeiten boten, sie vor Sonne und Hitze, vor Staub und Regen schützten und überdies durch ihren freundlichen malerischen Anblick die Strasse belebten, wurden sie dennoch schon gegen Ende des XVI. Jahrhunderts wieder abgebrochen. Der moderne Geschmack scheint sie jetzt wieder ins Leben rufen zu wollen. Körperliche Züchtigungen. — Ehrenstrafen. — Der Verfall der Strafjustiz. 31 sein. Hier stand die „SÜrgetftfyranne", vor welcher alle Strafurtheile feierlichst kundgentacht und sogleich in Vollzug gesetzt wurden; denn der fanatische Parteigeist jener Zeit konnte sein Opfer nicht schnell und nicht nahe genug fallen sehen, und dass der Zudrang des Volkes zu derlei Pro- ceduren um so grösser war, als dieselben mit besonderer Feierlichkeit und Ceremoniell ausgeführt wurden, ist wohl selbstverständlich.') Nicht uninteressant ist die im Stadtarchiv aufbewahrte Rechnung eines Scharfrichters, sie gibt uns einen Begriff von solchen Executionen. a ) Aber auch andere in der blutigen Rechtspflege damaliger Zeit begründete Urtheile wurden hier vollstreckt; so z. B. das „Iförperbrenucit" mit glühenden Zangen, die in eigenen Kochtöpfen erhitzt wurden, das (Einbrennen ber entel)renben Seiten, des Rad und Galgens auf Stirne und Wange, das Stellen auf den „Pranger", das Abstreichen gatljer Itltb falber ©cbülinge. Den Begnadigten oder zur Verbannung Verurtheilten wurde hier der „<£ib 5er ltrfe|)be" abgenommen und den Weibern, welche die Strafe der Verbannung traf, der „Sotffldll" vom Aufladen der Bürde so genannt) gegeben. Diese Steinlast hatten sie öffentlich bis an die Grenze des Burgfriedens (Stadtgrenze) zu tragen und die Stadt sodann für immer zu verlassen. Eine eigenthümliche Ehrenstrafe war auch das sogenannte „'Bimbctragen" im XI. bis XIII. Jahrhundert. s ) * Wie* tief übrigens zeitweilig die Strafjustiz bei uns in Verfall gerieth und an die Stelle einer geordneten Rechtspflege der blind tobende Volkswille trat, bekunden einige eclatapte Fälle, deren Schauplatz der hohe Markt war. *) Eine ganz eigenthümliche, bis tief in dds Mittelalter hinabreichende „Ehrenstrafe“ der Wiener war auch die Anwendung des sogenannten „Harreuföttfrls". Es war dies eine seltsame Art 1 j Fand eine derlei Execution statt, so wurde vorher die rothe Fahne als Zeichen des Beginnes ausgesteqkt. Der Stadtrichter und seine Amtsbeisitzer nahten jetzt dem Geiichtshause in schwarzer Tracht unter Vortragung eines entblössten Schwertes und nahmen auf dem Balcone der Schranne feierlich Platz. Vom Schrannenthurme lauteten die Glocken, „.SroljH' ‘ * boten" riefen das Urtheil aus, der Delinquent wurde unter Vortragung des Crucifixes durch den „33ettclncbter" mit gebundenen Händen im schwarzen Büsserhemde auf die aus Brettern gezimmerte Erhöhung*geführt, vor dem versammelten Volke das Urtheil von einem Mitrichter noch einmal abgelesen und dem Henker, „Slidtter/' das Richtschwert übergeben, worauf der vor dem „Blocke“ mit verbundenen Augen kniende Verbrecher auf ein gegebenes Zeichen den Todesstreich empfing. *) Diese Scharfrichterrechnung lautet wörtlich: „Sem e Sreimann für bie Biurkfitung ber ItTaria TDalbuglin (arme Süttberin fff), treibe ror wenigen lagen hier eine Srau am boben IFarft erftoeben, um ihrer begangenen iltiffctbaten willen am obbetrtelten (toben Hlartt mit bem Scbwerte ttom Ceben 3 um lobe Eingerichtet: Auslagen für bie Einrichtung 30 ff für Schwertabwifchung 6 fr., um paar Eaitbichube 4 fr., bem A’robnbolben für Urtbeitsausrmen 4 fr., bem Settetrichter für (Erucifff rortragen J5 fr. unb bem lobtengraber 1 $ fr." 3 ) Mit der Strafe des Hundetragens wollte man andeuten, dass gleich wie der Verurtheilte das „Schwert“ oder den „Strang“ um den Hals verdient, so auch den „Hund“ um den Hals tragen sollte, und dass er werth sei, erschlagen zu werden wie ein Hund. Man sagte von einem Tiefgesunkenen, er sei bis zur Strafe des Hundetragens oder „(Er fei auf ben Eunb gefommen", ein Sprichwort, welches heute noch im Volke fortlebt. *) So z. B. als Al brecht II., der Weise, 1348 in eine schwere Krankheit verfiel, wurde der herzogliche Küchenmeister Stibar durch unterschobene Briefe der Giftmischerei bezichtigt und durch sechs Monate bei Wasser und Brod gefangen gehalten. Als aber ein Zufall die Unschuld des Mannes an den Tag brachte, wurde der schurkische Angeber vierzehn Tage lang auf einer hohen Säule hier ausgestellt und dann am Stefansfreithof eingemauert. Unter Herzog A1 brecht III. mit dem Zopfe, 1363—1393, wurde die Gegend um Wien von Raubrittern stark verheert. Ein solcher war auch der „Lichtenecker“_ der die Wiener häufig plünderte und verhöhnte, gleichwohl die Kühnheit hatte, sich mitten in die Stadt zu wagen, Bei einem t solchen Besuche wurde Lichtenecker bei dem Eingänge in die Judengasse von Fleischhauerkhechten gleich einem brüllenden Rinde vor den Kopf geschlagen und vom Volke in Stücke gehauen. Man nahm von diesem Vorfälle keine weitere Notiz und hielt diesen Vorgang für ganz in der Ordnung. Im Jahre 1301 ereignete es sich, dass hier der Scharfrichter von dem Volke auf der Stelle erschlagen wurde, weil bei einer Enthauptung der erste Streich fehlschlug. Das grösste Aufsehen aber verursachte die Hinrichtung eines Juden am 26. August 1642 unter Ferdinand III. Derselbe hiess Joachim Engelberger, ehemaliger Rabbiner, zum Christenthume übergetreten und getauft, wurde später beim Diebstahle#ertappt und mit noch zwei anderen Juden zum Strange verurtheilt. Als man ihm das Urtheil vorlas, lästerte er Gott und die heilige Dreifaltigkeit, verfluchte das Christenthum und vertilgte die ihm dargereichte Hostie auf d^s Abscheulichste. Er wurde (wie die Urkunde lautet) wieder* ins Arrest zurückgeführt, wohl examinirt und neuerdings verurtheilt und sodann auf vier Plätzen mit feurigen Zangen gezwickt, I « t 32 Der Narren kotier. Menschenkäfig mit durchsichtigen Gittern von Eisen und Holz, in welchen Trunkenbolde, Nachtschwärmer, schamlose Dirnen und überhaupt jene eingesperrt wurden, die durch nächtliche Ruhestörung öffentliches Aergerniss gaben. Sie wurden alsdann vom Pöbel verspottet (genarrt), woher sich auch der Name erklärt. ') Das Narrenkötterl stand gegenüber der neuen Schranne am Fischbrunnen neben den Lindenbäumen 2 ) und Schmelzel sagt von ihm 1548: „£tit roait rcmt Pronija am honett UTaift £as fTarrenföttcvleiit, IPoM rcrrcahrt mit «£i|e«3aiit A Sarin mancfcm oft lang irarl) öic 11 MI, So or 31t iTac^tö entmint in (Eil/' Im Jahre 1568 wurde diese Strafe auch auf Gotteslästerer, Zauberer und Wahrsager angewendet. 3 ) Das Narrenkötterl behielt seine Bestimmung noch im Jahre 1616 und wurde erst beim Ui^ibau des Fischbrunnhauses (1710) gänzlich beseitigt. 4 ) Mit dem Regierungsantritte Carls VI. (1711—1740) und Maria Theresias (1740—1780) fand ein Umschwung in der Str^ifprocedur statt. Die Vollstreckung der scharfen Ex^cutionen entzog sich nun‘vielfach der Oeffentlichkeit, theils weil an die'Stelle der Leibesstrafen oft „Kerker“ trat, theils weil man von der Ansicht ausging, dass der allzuhäufige Anblick grausamer Bluturtheile das Gennith des Volkes eher abstumpfe als zu bessern vermöge. , Erst unter Kaiser Josef II. (1780—1790) kam wieder die grösstmöglichste Oeffentlichkeit in Straffällen zum Vorschein und die Wiener sahen am hohen Markt nicht blos wieder den Pranger, die Züchtigung mit Ruthen und das Brandmalen, sondern auch fast täglich die Sträflinge in dichten Reihen mit schweren Ketten und langen Besen die Strassen kehren. Der Kaiser befahl noch weiter in einer Separatverordnung, dass allen Sträflingen, welche zum Gassenkehren verurtbeilt waren, die « Haare kurz abgeschoren werden solleh. 3 ) Dieser Befehl wurde von dem Gefängnisspersonale auf zweimal aus seinem Rücken Riemen .geschnitten und sodann mit den Füssen aufgehängt, bei lebendigem Leibe verbrannt und die Asche in die Donau gestreut. Am 12. September 1703 fand gleichfalls hier eine aufsehenerregende Hinrichtung eines zwanzigjährigen Mohren statt. Er hiess Jakob Bock, zu Congo in Afrika geboren, nahm katholischen Glauben an und wurde vor der Strangulirung getauft. Er hatte sich in der Nacht vom 10. auf den 11. September 1703 mit mehreren Haiducken. Laufern und Lakaien gegen die Rumorvvache gewaltsam widersetzt, wobei mehrere Menschenleben zum Opfer fielen. *) Siehe Adelung’s Wörterbuch: jemanden verspotten, gleichbedeutend mit „jemanden narren“, „zum Narren halten.“ *) Line Stadtrechnung von 1616 sagt: ....... ift Me große Cinbcn neben bettt Slarrcntottcrl auf ernftticben Aefcbl Daniel itlofer» fammt ber bafdbft (och auigcfubrten matter iticbcrgeriffcn unb umgebaett irorben." a ) Die Polizeiordnung Maximilians II. vom 31. October 1568 im Codex Auslriacus, Seite 148, II. Theil, belehrt uns hierüber wo es heisst: „Die in IDictt nicht rom 2tbel ober tPtariere finb, welche in ©ottesldfierungen ober fluchen betreuen werben, finb ba® streite Mahl bnreb Baleeifen öffentlich im Rbtferl jtt Strafen," und an einer anderen stelle heisst es höchst drastisch: „Die 3auberer unb ihre Schüler follen ba (im Narrenkotter) bem norubergehenten Dolle ihre oauberfunfte beireifen unb ftcb unfichtbar ober gefroren machen." Dieser Ausspruch des Kaisers ist um so beachtenswert her und seine Weisheit um so bewunderungswürdiger, als mit diesem Ausspruche er das ganze Zauberwesen schon im Jahre 1568 in das Bereich des Lächerlichen verweist, während das spätere Jahrhundert nicht so aufgeklärt dachte, ja noch 130 Jahre nachher der Glaube an Zauberer, Hexenmeister und Wahrsager die blutigsten und grausamsten Opfer kostete und selbst die hoch- nothpeinüche Theresianische Gerichtsordnung vom Jahre 1768 hiervon nicht ganz freigesprochen werden kann. *) Vom Jahre 1710 kommt der Name „Naflrenkotterl“ in den Stadtrechnungen nicht mehr vor und es dürfte die am hohen Markt im XVIII. Jahrhundert bestandene „Sibattbfdulc" oder der sogenannte „Seljfteilt" seine Bestimmung übernommen haben. Nur einmal noch in der Halsgerichtsordnung Maria Theresia’» vom Jahre 1768 in Alt. 6 wird das „Narrenhäusel“ unter den Schandtaten angeführt. , *) Der Kaiser gab diese Verordnung mit dem wohlmeinenden Vorbedachte, damit die Sträflinge, wenn sie auf offener Strasse hantieren, nicht so leicht entwischen könnten,*denn sie tragen ja durch diese Tonsur das „Kainszeichen“ der Strafe an sich und sind so Jedermann erkennbar. Vide: Kropatschek’s juridisch-politische Gesetzsammlung, 1782. Das Zunftwesen der Wiener im Mittelalter. 33 das Pünktlichste vollzogen und hatte für die männlichen Sträflinge nichts besonders Erschreckliches an sich, wohl aber für die weiblichen; ihnen galt diese neue unfreiwillige Haartoilette als etwas Herzzerreissendes, als ein brutaler Eingriff in die natürlichen Rechte des Weibes, als ein Justizmord grausamster Art; sie sträubten sich mit allen Leibeskräften, so dass die Procedur nur unter Militärassistenz ausgeführt werden konnte. Ein Bild von Carl Schütz führt uns eine solche tragikomische Scene in Figur 10 recht lebhaft vor Augen 1 ) und ein zweites von Löschenkohl in Figur 11 macht uns als Gegenstück mit der Freilassung derselben nach überstandener Strafzeit bekannt. Es ist dies ein interessantes, satyrisch moralisirendes Zeitbild, in welchem der Künstler das Zweckwidrige und Lächerliche dieser Strafe bis in seine letzten Consequenzen geisselt, indem er meint, dass auf diesem Wege die Prostituirten keinesfalls gebessert, vielmehr gerade durch diese Tonsur in ihr früheres Lasterleben mit Gewalt zurückgetrieben würden, weil keine anständige Bürgersfrau Wiens ein derart markirtes „Z uch th a us- Men sch“ (wie man sie damals nannte) in Dienst aufzunehmen sich getraute, wenn sie auch noch so ernstlich Besserung verspräche, der Unglücklichen also nichts übrig bliebe, als sich abermals der Prostitution in die Arme zu werfen.®) Erst Leopold II. (1790—1792) stellte das Brandmalen für immer ab, und auch der Pranger wurde nur in den seltensten Fällen bei Vergehen gegen die Sittlichkeit angewendet und erst nach 1848 bei Einführung der neuen Strafprocessordnung gänzlich beseitigt. Das Zunftwesen der Wiener im Mittelalter. Bevor ich von den einzelnen Zünften spreche, wie sie besonders am hohen Markt so glücklich sich entwickelten, glaube ich einige Bemerkungen vorausschicken zu müssen. Der durchaus ehrliche, patriarchalische Charakter des Mittelalters kann nicht deutlicher und zugleich liebenswürdiger zur Geltung gelangen, als wenn wir das Zunftwesen jener Zeit betrachten. Hier finden wir dieselbe herzgewinnende Ehrlichkeit, dieselbe patriarchalische Eintracht, dieselbe Liebenswürdigkeit, wie sie so schön das ganze Mittelalter durchweht. Nicht unwesentlich dürfte hierzu der Umstand beigetragen haben, dass alle Glieder eines Gewerbes oder Hantierung in derselben i Gasse oder in demselben Hause zusammen wohnten und dass die Obrigkeit hierin das tauglichste Mittel erblickte, um die Zünfte und ihre Genossen gehörig in Ordnung zu halten, ihre Erzeugnisse und Preise zu controliren, das Publicum vor Schaden zu bewahren und überhaupt das sittliche, politische und religiöse Betragen der Handwerker scharf im Auge zu behalten. Die Gesetzesstelle lautet.- kct>t, Ütlter ober Strafbauer aus Srunben ber Xeinlitfctrif,. ©efunbbeit unb Sicherheit ber perfon bas Laar abgeuhnitten, unb biefer Sefebl ohne Jfitsnafmte auf bas * genauefle tx>liegen »erben. ') Das Bild führt den Titel: .Die Züchtlinge ih Wien“ von Carl Schütz nach der Natur gezeichnet und gestochen (32' Ctm. breit und 19 Ctm. hoch). Wir sehen hier die Schönen, wie sie händeringend sich gegen die Eingriffe der so sehr verhassten Schere zur Wehre setzen, während ein Söhnchen Israels diesem grausamen Vorgänge eine angenehme praktische Seite abzugewinnen versteht, indem er die reiche Haarernte in einem langen Sacke einheimset. Vor dem Amtstische ertheilt der Strafhauscommandant mit seinem Schreiber an die Militärwache strenge Verhaftungsbefehle und im Hintergründe treten bereits die Sträflinge mit kahlgeschorenem Haupte und langen Rohrbesen aus dem Strafhause auf das Glacis hinaus, damals noch „Esplanade“ genannt. 2 ) Das Bild führt den Titel: „Die Zurückkunft aus dem Zuchthaus'e“. gezeichnet und gestochen von Löschenkohl aus dem Jahre 1782 (44 Ctm. breit und 31 Ctm. hoch). Die Scene versetzt uns mitten in eines jener verrufenen Modemagazine, die von den Prostituirten gleich nach ihrer Entlassung auf ihrem Wege, nach der Stadt förmlich gestüript wurden, um hier die »o lästigen Spuren ihres Zuchthauslebens und namentlich ihre Haarlosigkeit so gründlich als möglich abzustreifen. Das ihnen durch die Güte des Kaisers beim Austritte in kleinen Lederbeutelchen verabreichte Geld wurde hier zum Ankäufe von Perrücken und Kleidern bis auf Heller und Pfennig verwendet; ihre Liebhaber, die von ihrer Freilassung meist verständigt waren, begleiteten sie bei diesem komischen Geschäfte und leisteten ihnen willkommenen Beistand. So glich denn ihr« Rückkehr mehr dem Triumphzuge des Lasters, als dem reuigen Busswege der Bekehrung, die eigentlich von dert Behörden beabsichtigt und angestrebt wurde. S Das BiM von T Carl Schütz: Die Züchtlinge in Wien >rfel 1 iiftiüei wmi ■m : MIIM \ !‘?&r £ ■*[ 1 „in T -- WM >99 lg*«- ■■ ^ S^skf-. SSäfcK iM. •' *> 3üS^ I I I Ein Bild von Dfischeukobl; Die Zurijpkkunfl aus dem Zuchthause (1732). ?^W> l S5 <*■**.=? !M ' isJP. **-•*<. J f Aaei ‘jk |jtM V *4 ^y*£iui** y *iUtS (eine Art Leinwandbörse), ein @ct>Uter(>aus (für Schmalz, Unschlitt etc.), und dass seit ältesten Zeiten ganze Strassen von der Profession ihrer Bewohner den Namen hatten und noch heute an dieselbe erinnern. a ) Allerdings verliessen die Zünfte allmälig ihre alten Stammplätze wieder lind breiteten sich nacrt und nach in allen Theilen der Stadt aus, doch war es bei den wiederkehrenden, Alles verheerenden Türkenkriegen und der stets rastlos zunehmenden Bevölkerung wohl nicht anders möglich. ‘) Mit der Zertrümmerung des alten Zunftwesens, mit Freigebung der Gewerbe musste dieser Corpsgeist vernichtet und die Bande der Arbeiter gelockert werden; schon heute empfinden wir die nachhaltigen Wirkungen dieser unheilvollen Metamorphose. — Namentlich durch das „aus dem Hause schlafen“ der Arbeiter, durch das „aus dem Hause menagiren“ entfremdet sich der Arbeiter seinem Meister, geht er nur seinem eigenen Interesse nach, wird ihm das Wohl seiner Zunft gleichgiltig; dadurch, dass der Arbeiter heute auf seine eigene Faust ausser Haus lebt, hört er auf zu sparen, wird er liederlich, nothleidend, unzufrieden, ein gefährlicher Raisonneur, mit einem Worte, durch die Lockerung dieser Disciplinen werden jene desolaten, unhaltbaren Zustände geschaffen, die wir heute: „schlechte Arbeiter,“ „schlechte Waare“ und „schlechte Geschäfte“ nennen. s ) So hatten die beiden Bäckerstrassen (ol>CFC Utlb UltttTC pdlfenttra&en) ihren Namen von den zahlreichen Bäckern, die hier Jahrhunderte lang ihr Gewerbe ausübten. Bognergasse (vormals Unter bt’lt pognctll) von den Armbrust- und Bogenerzeugern, die zu den wohlhabensten Gilden gehörten. F'ärbergasse von den reichen Färbern, F'utterergasse von den Kutterern (Futterstoffverkäufer). Goldschmiedgasse (vormals „Unter bctt Drottdben") von den angesehenen Goldschmieden, die besonders durch ihre kunstreichen, getriebenen Arbeiten excellirten und mit den Kunsthandwerken Deutschlands wetteiferten, wie z. B. ein Jakob Jäger, der um das Jahr 1658 blühte. Grünangergasse (vormals „Upl (jrttrtClt UniJCt", d. i. ein Stück grünes Feld). Hafnersteig (vormals „Unter beit bafnem") von den Töpfern, die hier Markt hielten. Hühner- gässel vom Hühnermarkt, wurde jedoch im Jahre 1844 durch den Umbau mehrerer Häuser aufgelassen und stellt heute als Bauernmarkt die schmale Verbindung mit dem hohen Markt her. Haarmarkt von dem Flachs- (oder lsaar=) Verkauf. Kohlmesse rgasse von den Kohlenhändlern, Kohlenträgern und Kohlenmessern. Kumpfgasse (vormals auch (SfültnpflUlfcn) von den Spielleuten, die vollständige „Kampfspiele“ zur Belustigung des Volkes gegen Entgelt aufführten, daher Kampfspielgasse oder Kampfgasse und Kumpfgasse. Krugerstrasse (auch Uruggatftf) von den Krugerzeugern. Krämergasse von den Krämern (Nürnbergerhändlern), die hier ihre „(£brctncit"= Verkaufsstände hatten. Kohlmarkt von den Kohlen, die hier verkauft wurden. Kienmarkt von dem alten „Uictt", d. i. harziger Kern der Föhre oder Fichte, der noch zu Anfang dieses Jahrhunderts als Surrogat der kostspieligen Kerzen und als Feuermaterial einen bedeutenden Handelsartikel ausmachte. Krautgässel von den Kräuterständen, gegenwärtig aber durch den Neubau des Hauses Nr. % in der Seilergasse gänzlich beseitigt. Das Krautgässel war nämlich eine Abzweigung der Seilergasse auf den Graben hinaus, und da jene Häuser zwischen diesem Gässel und der auf den Graben ausmündenden, verschmälerten Seilergasse demolirt wurden, verschwand auch selbstverständlich dieses Gässel. Münzerstrasse (gegenwärtig Landskrongasse) von den herzoglichen Münzern, die hier ihre Werkstätten hatten. Mentlergasse (später vordere Schenkenstrasse, heute Bankgasse) von den Erzeugern besonderer Kleidungsstücke, Mäntel. Milchgasse (früher 6t. pdergdffcl) von den vielen Milchgeschäften, die hier seit 1750 bestanden. Nagler" gasse (urspränglich (ijlttcr 6t. Pancra3, dann Unter Öen KlaMern, später flaMergafle) von den analogen Gewerben. Mehlmarkt (auch Neuer Markt als Gegensatz zum alten hohen Markt) von den vielen Mehl- und Früchtenhändlern. PatCFttOftCFgaNC (zwischen Graben und Kohlmarkt im Jahre 1841 durch den Abbruch zweier Häuser gänzlich verschwunden) von den dortigen Rosenkranz- oder Paternosterschnür-Verkäufern. Riemerstrasse (auch Unter bctt Ktctttcrn) erklärt sich wohl von selbst wie Sattlergasse am Kärntnerthor, die Spengler-, Seiler- und Schlossergasse, der Salzgries (auch „am Gries“), wo die Salzhändler oder „BflljCF" wohnten, die schon 1463 in dem Verzeichnisse der Zünfte Vorkommen. Taschnergässchen von den Felleisen- und Taschenmachern, durch den Umbau des alten Taschnerhauses aufgelassen. Wipp- lingerstrasse (einst „UUIbtrcrityerfitrajje' 1 ) von den hier ansässigen Pelzhändlern, die man „IDilbttercfycr" nannte. Wollzeile von den Wollhändlern, deren Namen schon im Stiftbriefe der Schotten vom Jahre 1161 so genannt wird. + I / 4 l Die Bürgerschranne und ihre Umgebung. 37 Die Bürgerschranne und ihre Umgebung. Die Bürgerschranne ist das wichtigste und zugleich interessanteste Gebäude am hohen Markt und in gewissem Sinne mit der Geschichte dieses Platzes auf’s Engste verknüpft. Die „Stadit- schranne“ stand ursprünglich an der Stelle des heutigen „Schönbrunnerhauses“ (Tuchlauben Nr. 8, damals „unter ÖCtI Spättglem") und wurde nach ihrem Verfalle (1325) auf den hohen Markt verlegt und zwar: zuerst an das untere Ende des Platzes (heute Haus Nr. 13, ehemals de Paul’fcche Haus Nr. 524). Im Jahre 1437 ging die „alte 0c(>ranne" durch Feuersbrunst zu Grunde 1 ) und wurde 1440 als sogenannte „neue 6$rre uorber: faeit3jo pfnnö Pfenninge, im Jahre 1441 erscheint der Bau vollendet und es kommt nur noch eine Ausgabe von neunzehn Pfenningen für das „neue Thor“ in diesem Jahre vor. a ) „Der Hausboden“ spielte überhaupt bei den alten Wienern eine nicht unwichtige Rolle. Hier pliegte man nicht blos die gewöhnlichen Vorräthe aufzuspeichern, sondern auch manche alte und theuer gewordene Erinnerungsstücke, Geräthe und Kostbarkeiten aller Art, die entweder längst aus der Mode waren, oder altershalber zu keinem Gebrauche mehr dienten, als wahre „Familienreliquien“ sorgfaltigst aufzubewahren. Des Grossvaters Lehnstuhl zum Beispiel, der mehr als drei Geschlechter an sich vorüberziehen sah und mehr als ein Jahrhundert der Familie gute Dienste leistete, dem aber trotz seines Ehrfurcht gebietenden Alters ein oder das andere Bein fehlte, er hatte für die Jetztzeit keinen Werth mehr, aber am Hausboden wurde ihm liebevoll von der Grossmutter ein Plätzchen der Erinnerung eingeräumt und die Alte besuchte ihn nicht selten, besonders wenn sie ungestört ihren Gedanken nachhängen oder sich der goldenen Jugendzeit erinnernd, alte Papiere n.ct jfeil 1 ma ar®jfI3.1 «rannn mm oder vergilbte Liebespfander hervorsuchen wollte. Das verstaubte Gerumpel hatte für Niemanden mehr ein Interesse, aber für die Grossmutter war es noch immer ein unschätzbares Kleinod, dem sie manche stille Thräne der Erinnerung weihte. Unsere heutige Jugend sammelt wohl keine Erinnerungen für den Hausboden mehr und ihre Möbel und Geräthschaften erreichen auch kaum mehr das Alter der Ehrwürdigkeit. *) Nach den Stadtrechnungen vom Jahre 1609 verfertigte der kaiserliche Kammermaler Jakob Hufnagel eine Aufnahme der Stadt Wien aus der Vogelperspective, die er von Nicolaus Johann Vischer in Amsterdam in Kupfer stechen liess und selbe dem Wiener Stadtrathe widmete' und jedem der Rathsherren ein Exemplar überhändigte. Nach der zweiten Türkenbelagerung (1633) wurden wiederholt unveränderte Aulagen veranlasst. Noch gegenwärtig ist das Stadtarchiv im Besitze eines solchen Kupferstiches von der Auflage aus dem Jahre 1640, welche die älteste bisher bekannte ist. Von grösster Seltenheit ist die Auflage aus idem Jahre 1684—1685, wovon die Stadtbibliothek gleichfalls ein Exemplar besitzt. Hufnagel’s Vogel perspecti vplan ist überhaupt für die ältere Topographie Wiens und seiner Vorstädte von hohem Werlhe. Auch obiges in Rede stehende „Fragment“ (das auch in Braun’s Städtebuch und in Schlager’s Skizzenbuch in verkleinerter Copie vorkommt) ist für uns von grossem Interesse, weil es die ganze südliche Häuserreihe des hohen Marktes und viele andere am Platze befindliche Objecte veranschaulicht. Zum besseren Verständniss des Lesers habe ich die einzelnen Objecte mit Ziffern bezeichnet und lasse nun die Erklärung dieser einzelnen Nummern hier in Kürze folgen: 1 bedeutet die neue ©dtroitne Nr. 545 (neu 5); 2 das ©cbUC= und CctlttPauöbflttS, von dem später die Rede sein wird, Nr. 544 (neu 4); 3 das Ccin®att6gd(fcl (heute Vorlaufgasse): 4 das StlbcrnetwitSt^CItbüUS Nr. 543 (neu 3): 5 das ©tpmttbaUS, 6 das TtreCpl'ettbaU?, beide in eines verbaut mit Nr. 542 (neu 2); 7 das Haus, der „Ibttnit" genannt, Nr. 541 (neu 1); 8 den 'folittCPpilbl. „pübl' j hiess eine hügliche Erhöhung, deren es in der Stadt mehrere gab, und dieser hatte seine Benennung von dem mit 9 bezeichneten gegenüberliegenden fcübnergd&cben (heute Bauernmarkt); 10 den Ort, wo das „©cbmefbaus" mit seinen Schmertischen sich befand, Nr. 524 und 528 (neu 13): 11 den Ort, wo einst die alte StbrattttC gestanden; 12 das 3iegelbilUS und das sogenannte (let3Ctgeit, später zusammengebaut Nr. 523 (neu 12); 13 das Riembaus im Fischhofe Nr. 513 (neu 10); 14 den 6ielberpüp!> gleichfalls eine hügelartige Erhöhung, die sich vor dem Eingänge in die Judengasse befand; 15 die Häuserseite, die sich von der Judengasse bis über das heutige Sina’sche Haus erstreckte und „Ujttent bftt IPCItbdtrnttett" genannt wurde; 16 die Häuserseite an der Wipplingerstrasse, die man „Unter bett ©(^erlüben" hiess; 17 diesen zunächst das tSttCpbrUltnettpaUS, welches bereits 1475 im Grundbuche verzeichnet erscheint und einen grossen Wasserbehälter und Pumpbrunnen enthielt, für welchen die Fischer Zins zahlen mussten. Das Haus wurde im Jahre 1710 in ein schönes zweistöckiges Zinshaus verbaut und im Jahre 1801 von Freiherr von Fellner angekauft und zur Gewinnung der freien Aussicht für das Sini’sche Palais von ihm niedergerissen. Die Pfeffel’sche Ansicht aus dem Jahre 1719 (sub Fig. 17) versinnlicht uns das damals noch bestandene ansehnliche Brunnenhaus; Der ebenerdige Grundriss der Biirgerschranne (1630). 39 Im Jahre 1630 wurde die Schranne durch den königlichen Baumeister Johann Carbon und königlichen Mauerermeister Simon Radegk neuen Reparaturen unterzogen. An die Stelle der früheren „Freitreppe“ kam jetzt eine von beiden Seiten emporführende „Doppelsticge“ mit neunzehn breiten Steinstufen und an die Fagade gleichfalls zu beiden Seiten ein aus Stein gehauener „Reichsadler“ und Löwe, ober dem Dache in der Mitte ein kleines Thürmchen und über der Eingangsthüre zum Gerichtssaale eine schöne aus Stein gehauene und mit Gold reich verzierte „Göttin der Gerechtigkeit“ und unter derselben ein zierliches auf vier Säulen ruhendes Vordach, links und rechts vom Eingänge aber Gedenktafeln. ‘) Interessant ist die Bemerkung, dass bei Gelegenheit der im Jahre 1630 vorgenommenen Adaptirung die bisherige Eintheilung im Innern des Gebäudes in Nichts gestört wurde. Der (silb Fig. 14) beigegebene „Grundriss“ macht uns mit der Beschaffenheit der ebenerdigen Localitäten vertraut. 2 ) So blieb dieses Gebäude in seiner inneren und äusseren Einrichtung bis zum Jahre 1740, also durch volle 110 Jahre unverändert, wie dies eine Ansicht von Fischer v. Erlach aus 18 das tlamnfitterl, das an dem alten Fischbrunnenhause gegen die Mitte des Platzes hin angebaut war; 19 den cSiftbtnarft mit der langen Mauer, die im Jahre 1616 sammt den beiden Lindenbiiumen umgehauen wurde; 20 die 'Bürittgi’rbutU’n, die nach den Stadtrechnungen schon im Jahre 1149 urkundlich hier erscheinen, später aber aul die Brandstätte verlegt wurden; 21 die finden füllten, die sich von der Schranne bis zur Landskrongasse zogen; 22 die langen tauben, die sich bis zum Igel erstreckten; 23 den Pranget gegenüber der Judengasse, der als Zeichen „Halseisen“ und „Schwert“ hatte, weil hier die Justificirung des Kopfabschneidens vorgenommen wurde, befand sich noch im Jahre 1640 hier am Platze und bis zum Jahre 1107 wurde die Köpfung daselbst vorgenommen, dann aber die Richtstätte auf den Rabenstein in die Rossau und später zur „Spinnerin am Kreuz“ versetzt; 24 den KÖbreitbntntien, derselbe war mit Wallfischen und an jeder Seite der Säule mit dem kaiserlichen Wappen und der Jahrzahl 1565 geziert. Am Knopfe der Säule stand ein Blumenstock mit Rosen. Das Wasser wurde nach einer Kammeramtsrechnung von 1564 aus’llernals hieher geleitet. *) Links zum Eingänge in den Gerichtssaal wurde eine Erinnerungstafel an Ferdinand II. in lateinischer Sprache angebracht; sie lautete: „lmperante Ferdinando II. sic Praetorii Opus Noviter Quasi funditus Am tum Surgo S/ructnris, Dando Cuique Suum-Caisaris Hinc Punit Gladio Scelus Omne Potestas. legibus His Mohiti Discite Justitiam Confectum Anno MDCXXXV. Rechts befanden sich zwei rothe durch ein Crucifix getrennte Marmortafeln, welche die Unthat des Juden Engelberger und seine am 26. August 1642 vollzogene Strafe enthielten (wie ich dies bereits früher erzählte), der Texf war in lateinischer Sprache und enthielt den Zusatz: „Tlnbent feines ffilcicfieit jUtn 5 U>f 4 >ett> uni) 3111? Betätigung feines ©cbdcfitnus, ©ott aber- jur Berraebrung feiner @lori tttli» <£br." Vide: Jacob Sturm’s Ehrenkranz und Berichte und Mittbeilungen des Alterthumvereines VIII. Band, Anhangseite LXXXVI1I. *) „Der Grundriss“ der Schranne aus dem Jahre 1630 hatte im ebenerdigen Tracte folgende* Eintheilung: A. Die £t>ur in baz üorhau*. B. Das Suvbam 3n>iWen benen ©efdngnufleit. C. ttJribergrtdngttujj. X>. Das 6ct>rannenbol3 s qewilU. E. Der ©eri^tsöiener Stuben. F Der ©erict>tsMener £uc$el. G. 25 urgftuten.. IT. Waffergew&b. X Die „Ccmcn* ©ruefren" (Löwengruben). Es war dies das Gefangniss für säumige Schuldner und spottweise von den Wienern so genannt von der löwenartigen Gestalt, die es dem Umstande verdankt, dass der ebenerdige Tract durch Wegräumung des Fussbodens mit dem unterirdischen Raume ein Gewölbe bildete, um welches eine Gallerie lief, die der Gestalt eines aufrechtstehenden Iä>wen nicht unähnlich war. Doch verlor .‘■ich dieser Spottname wieder, als man das Schuldgefängniss im Jahre 1666 in den Stadtgraben verlegte. Vide: Stuttinger’s „Consuetudincs Aust pag. 11 und 23. Fiy. 14 . 40 Das Leinwandhaus, — Das Schulhaus. — Wiens ältestes Bierhaus. dem Jahre 1719 (siib Fig. 15) beweist. *) Erst im Jahre 1740 wurde die äussere Stiege gänzlich abgebrochen und auf Befehl der Kaiserin Maria Theresia das schon baufällige und dem Einsturze nahe Gebäude mit einem Kostenaufwande von 15.0^0 Gulden neu hergestellt und im Jahre 1785 von Kaiser Josef II. durch Ankauf des rückwärts gelegenen Debiel’schen Nachbarhauses ver- grössert, dabei auch ein runder mit Mauern umfangener Hof (welcher noch in Wolmuet's Stadtplan von 1547 angezeigt ist) zum Ausbau verwendet. * In dieser Gestalt verblieb das Haus, wie wir es in einem getreuen Bilde*) von Carl Schütz aus dem Jahre 1797 (in Fig. Iß) abgebildet finden und wir es bis in die jüngste Zeit vor Augen sahen. Mit dem Ausbaue des neuen Criminalgebäudes in der Alservorstadt (1839) verlor jedoch die Schranne ihre alte Bestimmung und diente nunmehr dem Magistrate zur Untersuchung der „schweren Polizeiübertretungen“, bis sie mit dem Erscheinen des neuen Strafgesetzes auch diesen Wirkungskreis einbüsste, da bekanntlich Uebertretungen, Vergehen und Verbrechen in eine strafgerichtliche Hand gelegt wurden. Zu Anfang der Fünfzigerjahre aber wurde die Schranne von Grund aus zu einem modernen Zinshaus umgebaut und vom Aerar als gegenwärtigem Eigenthümer zur Unterbringung verschiedener Aemter bis nun benützt. Das Leinwandhaus „zum breiten Stein“ Nr. 544 (neu 4) bestand zu Anfang des XV. Jahrhunderts aus zwei kleinen Häuschen, wovon das eine (544 A) „6d>ued)t>(lUö" (Schuh-/oder Schusterhaus) uhd das andere (544 .B) hiess. Letzteres, das auf unserer Abbildung (sub Fig. 13) mit 2‘bezeichnet erscheint, ist schon dadurch geschichtlich merkwürdig, dass hier das erste und älteste „Bierhaus“ sich befand. Als nämlich die Stadtgemeinde im Jahre 1440 an die §telle ihres alten Mauthhauses die „neue Schranne“ erbaute, errichtete sie hier einen „Bierschank 1 , dessen Gerechtigkeit sie vermöge eines alten Vorrechtes selbst ausübte und (wie die Stadtrechnungen ausweisen) durch sogenannte „23ierleutgcb 3 ) auf eigene Rechnung ’) Die äusserst gelungene Ansicht des Hohen Marktes vom Jahre 1719 (von J. E. Fischer v. Erlach gezeichnet und von Delsenbach gestochen, 33 Cm. breit und 22 Cm. hoch) zeigt uns rechts die „Schra n n e“ mit der grossen noch bestehenden äusseren Stiege, wie sie bis 1740 bestand, und links das schöne zweistöckige „Brunnenhaus“, welches nach Beseitigung des Fischmarktes ebenerdig zu einer Wachstube benützt wurde, von der Küchelhuber berichtet: „allttW dttC Cietpiffe IPücbt liegt, n?elt(>e bes Hacfcts in ben Strafen als !Tacbtn>äcf>ter bie Stnnben abruft unb bie Hacbtiibntürmer unb (Tumultuanten einjufütjren rerpßirifit>pb Rüttgof, Aierleutgeber gemeiner 6taM im L'einroanbbaus, um 53 Dichterin Bleis = uni> 20 Dichterin 25raunbier." Fischer v. Krlach’s Ansicht vom hohen Markt aus dem Jahre 1719. 41 Fiff. t~>. Der hohe Markt vom Jahre 1719. 42 Der Bierconsum. betreiben liess. Erst später trat das Bürgerspital für immer in die Rechte der Gemeinde ein. Dieses erste und urkundlich älteste „Bierhaus“ erfreute sich seit Anbeginn einer besonderen Beliebtheit und wurde trotz seines bescheidenen Raumes von den Honoratioren zahlreich besucht, selbst die Rathsherren verschmähten es nicht, nach des Tages Mühen hier beim vollen Bierkrug und schäumenden Becher den Abend zu verbringen. — So wurde denn der Gerstensaft alsbald der gefährliche Rivale des Weines, und obgleich die Regierung sich bemühte, der Verbreitung des Bieres möglichst Schranken zu setzen, konnte sie es doch nicht hindern, dass der Bierconsum *immer .bedenklicher überhandnahm. *) . Der Name „Zum breiten Stein“ stammt von seinem Hausschilde gleichen Namens, das erst im Jahre 1775 aus den Grundbüchern für immer verschwindet. In diesem Jahre wurden auch die bis dahin bestandenen zwei kleinen Häuschen in eines verbaut; der letzte Neubau ging im Jahre 1866, also nach einem fast 100jährigen mannigfachen Besitzwechsel, 2 ) vor sich. *) Die Bierhäuser der Stadt standen unter strenger Aufsicht der Stadtgemeinde und in besonders gefährlichen Zeiten wurde Nachts sogar mit einer eigenen Glocke vom Stefansthunne das Zeichen zum Schliessen der Bierhäuser gegeben, was oft den jungen Leuten ob des allzufrühen Gebotes Anlass zu witzigen Ausfällen gab. Sie nannten die Glocke/ „Sic ©urgelabfäneiieräi" oder „Sie ©locfe feer uni) sroeibeinigen ißiereiel", auch den „nahen 5aptenitreicb" etc. in Wirklichkeit liiess sie die „pitgloffe" (Bierglocke) und wurde im Jahre 1457 gegossen. Sie hing in dem gegen den Bischofehof stehenden vorderen Thurme. Vide: Ogesser Seite 70 und Gesau’s Geschichte Wiens, III. Theil, Seite 81. ■— Um der übermässigen Bierproduction zu steuern, wurden frühzeitig mehrfache Gesetze erlassen und schon unter Ferdinand I. den Landwirthen, besonders den Müllern und Bauern das Brauen verboten und überhaupt das Recht zur Errichtung von Brauereien bis zum Jahre 1699 ausschliesslich von der Einwilligung der Regierung abhängig gemacht; dessenungeachtet befanden sich schon zu Anfang des XVI. Jahrhunderts viele Brauereien in Wien, so. z. B. um das Jjhr 1524 $n der Leopoldstadt, 1464 am Hundsthurm, 1689 auf dem Königsegg’schen Grundbesitze in Gumpendorf, 1694 in Lichtenthal, vom Fürsten Adam Liechtenstein erbaut, 1706 zu St. Marx, 1732 in Margarethen. Das älteste jedoch unter allen war jenes im Bürgerspitale in der Vorstadt vor dem Kärntner- thore, das nach seiner Zerstörung (im ersten Türkenkriege 1529) in's Bürgerspital zu St. Clara in die Kärntnerstrasse kam. In allen diesen Bräuhäusern wurden nur zwei Gattungen Biere*bereitet, ein UVijp und ein SrflUttbicr," das nach seiner Stoffart entweder ein Gersten- oder Weizenbier war. Das Bafcrbict 1 wurde nur in Horn gebraut. Uebrigens würden wir uns einer argen Täuschung hingeben, wollten wir die damaligen Biere mit den heutigen lür ähnlich halten, da ja die Malzbereitung, die Bitterwürze des Hopfens und die Eiskühlung Errungenschaften unseres Jahrhunderts sind, sonach die früheren Biere unmöglich so substantiös, geschmackrein und dauerhaft sein konnten. Bis zur französischen Invasion 1809 gab es in Wien noch immer nur z wei Gattungen Bier, das lichte „Ulflildttbcr" und das dunkle „StMUnbier", was mit den späteren Ausdrücken „ütaiferbier" und (Aanfd)) übereinstimmt; ersteres war leichter, süsser und gehaltvoller, letzteres stärker und dunkler. Später kam das sogenannte „tTJdrjetlbifr" auf, welches sich durch grösseren Malz- und Hopfenreichthum und längere Haltbarkeit auszeichnete. Man begann jetzt zwischen „Überzeug“ und dem weit beliebteren „Unterzeug“ zu unterscheiden. Bei letzterem ging nämlich die Gährung schon in den Bottichen und bei ersterem erst in den Fässern vor sich. Eine Specialität der Wiener war noch seit 1809 das „piuljcrbifr" (der Champagner der Bierhäuser), es hatte durch Zusatz von Reis und Zucker ein künstliches Mousse und wurde in Plutzern (Krügen) servirt. — Mit der steigenden Liebhaberei des Tabakrauchens vermehrten sich auch die Bierhäuser, denrr sie waren die einzigen Localitäten, in welchen öffentlich geraucht werden durfte, da bekanntlich bis in die Dreissigerjahre das Rauchen auf der Gasst strengstens verboten war. Zu den ältesten und beliebtesten Bierhifcisern der Stadt, die zum Theile noch heute bestehen, gehörten das „ Cotbtittgf f "Überbaus j m D re ji au f er hause (Nr. 523) am Michaelerplatze, das schon zu Maria Theresias Zeiten so beliebt war, dass man den Haushof zum Speiseplatze benützen musste; es leitete seinen Namen von der Vermälung des lothringerisclien Prinzen Franz mit der grossen Kaiserin her und 1 >Tanzte das lothringerische Wappen auf sein Schild; djs NcppbllU in der Goldschmiedgasse (Nr. 503); das IPulUU’nKbe auf der Brandstätte (Nr. 631), jetzt verbaut; das ®a,t’)c()C in der Spänglergasse (Nr. 566) in jenem kleinen Häuschen, das sich zwischen der Polizeidirection und der Sparcassa befand, heute Tuchlauben Nr. 2, verschwand aber mit dem Ausbaue der Sparcassa; die grosse Sabatfepffije im Trattnerhofe; die Sdnieje am Peter (Nr. 912); „3UW KÜbhtjs" (Nr. 561); „3U iflt 3 Köbftt" im Rothgässel (Nr. 645); „bflS IPitthTbtCrbaUp" (Nr, 552); „3ttm (btenlocj)" (Nr. 432). s ) Den ersten Umbau veranlasste Friedrich Appolt von Frankenau, der im Jahre 1775 die beiden kleinen Häuschen von den Erben des seligen kaiserlichen AllCbbültiTei-zKätratb (Rechnungsrath) Mathias Frischenhauser erkaufte. Im Jahre 1787 kamen Fllise von Frankenau, und 1795 Francisca und Josefa Gluderer, 1806 Josefas Farben, 1824 Leopold und Andrä, dann Andreas Gluderer an die Gewähr. Der gegenwärtige Besitzer ist Berthold Stadler. t Carl Schütz’s Ansicht des hohen Marktes aus dem Jahre 1797. 43 -f Ä m T] um jdfeäifefl ■ .zsse ÜÜÜ! : ! j Si »SKT Utjjjf * '',We»fc [Saal wm\ mlfr: s ; IE ■<•*- A iOfilTi mw& mks&sssi "tsm tZ&i ii msb^ibmee g/üggSBill ■"**#*& ~ lilfl »fej ÜiliHij r ;/L tijj f M/l/WHfl'W.'HI .IMHHII 'i<»r«/mffl:M'Wwi)-i ml /■' - JMHMI l lisui 6 * Fig. 10* Der hohe Markt im Jahre 1797. Das silberne Häuschen „zum Pelikan“. Das silberne Häuschen „zum Pelikan“ 543 (neu 3) ist gleichfalls reich an geschichtlichen Erinnerungen, es hatte seinen Namen von seinem Hausschilde ‘) und bestand bis zum Jahre 1795 aus zwei kleinen, unansehnlichen Häuschen, wie sie in unserer Abbildung (sub Figur 13) mit 4 und 5 bezeichnet sind. Erst in diesem Jahre wurden beide von Anna Edle von Schick angekauft und in jenes grosse stattliche Haus umgebaut, wie wir es heute noch unverändert vor Augen sehen und das Bild (aub Flg. IG) uns darstellt. Frau von Schick Hess bei dieser Gelegenheit, da das Haus „Sunt Pelifan" hiess, ein „Basrelief“ in reicher Vergoldung ober dem Mittelfenster des ersten Stockwerkes als Hausschild anbringen, welches diesen Vogel in Lebensgrösse darstellt, wie er seine Jungen mit eigenem Herzblute nährt. Dieses damals höchst zeitgemässe und noch heute am Hause bestehende Sinnbild führt die passende Aufschrift: „6o nährt hie Illutter i(>rc Jungen/'*) wie Fig. 17 zeigt. Auch durch die alten Namen seiner Besitzer ist dieses Haus interessant. So z. B. erscheint hier vom Jahre 1675—1775 das berühmte Patrizier-Geschlecht der „SKofer", also durch volle hundert Jahre im ungestörten Besitze, „raniel tlioier Iberr non unb 51t tEbreicbsborff" war der Erste seines Namens, der dieses Haus besass; er war es auch, der als verdienstvoller Bürgermeister das damals schlechtberathene Wien von einem gefährlichen Einfalle der böhmischen Rebellen im Frühjahre 1619 errettete. Damals stand nämlich die protestantische Bewegung auf ihrer Höhe. Ungarn war unter Bethlen Gabor mit Kriegsvolk überzogen, Ober- und Unter- Oesterreich auf Seite der Missvergnügten, Böhmen mit Hilfe Mährens und Schlesiens mit protestantischen Rebellen überflutet und das Landvolk überdies noch durch das Gerücht ge- ängstigt, es werde in Prag eine zweite „Bartholomäusnacht“ vorbereitet. Dazu kam noch, dass man im unglücklichsten Momente den ehrgeizigen • Führer der böhmischen Protestanten, Graf Mathias Thurn, auf das Empfindlichste reizte, indem man ihm das Burggrafenamt entzog. Dies Alles steigerte nur noch mehr den Hass. Schon im Vorjahre gab jene schreckerregende Scene im Rathhause zu Prag, wo Slavata und Martinitz aus dem Fenster in den Schlossgraben geworfen wurden, das Signal zum dreissig- jährigen Kriege. Noch schlimmer stand es um Wien. Hier starb plötzlich zur ungelegenen Zeit der kinderlose König Mathias am Schlagfluss am 20. März 1619. Ferdinand II. trat zwar über Verzichtleistung der beiden Erzherzoge Max und Albrecht die Regentschaft an, war'aber in der verhassten Schule der Jesuiten erzogen, in ihren Anschauungen befangen unef so für die Gewährung einer freien Religionsübung durchaus unzugänglich; seine Geistesgaben mochten vielleicht nur mittel- mässig gewesen sein, er war kein grosser Staatsmann, Rein Kriegsfürst — wenigstens die Soldaten ._:_ f r ') Schon in den Kammeramtsrechnungen vom Jahre 1424 und im Satzbuche B aus dem Jahre 1460, Seite 125 wird dieses Haus als das „filtmtC FaUCdeiltlHUtS" bezeichnet. s ) „Der Pelikan“ ist ein altchristliches Emblem, das bereits im zweiten Theile der Bibel (im neuen Testament) vorkömmt und auch später in der Kirchenheraldik häufig als „Apotheose des Christenthums“ angewendet wird, da auch Christus mit seinem Herzblute sich für die Menschheit geopfert. Der Pelikan. my iui.j-jlll-vii "Jk lllllk' HHHH O-UAVjlü .UfW 1 '!” II'H.—«Ulllll 1: H'A '-i' 1 « t Daniel Moser. — Protestantische Rebellen. — DampierreSche Cürassiere. 45 sahen ihn nur ein einziges Mal im Lager von Canizsa — aber er war ein Held der Willensstärke, ein Held in der Treue gegen das, was er einmal für recht und wahr erkannte, sein unerschütterlicher Muth, seine unbeugsame Beharrlichkeit half ihm über alle Bedenken hinweg. Diese unbequemen Eigenschaften im Dienste der katholischen Religion waren wohl nicht geeignet, ihn bei den Protestanten besonders beliebt zu machen. Sie misstrauten ihm daher vollständig und besonders die evangelischen Stände weigerten sich ihm zu huldigen und erhoben Bedenken gegen die Verzichtleistung der Erzherzoge; Tschernembl und Thonradtel stellten sich an die Spitze der missvergnügten Protestanten, die ganz ungescheut davon sprachen, sich einen anderen Herrn zu wählen, Ferdinand in ein Kloster zu sperren, seine Kinder in der lutherischen Lehre erziehen zu lassen und alle Räthe der Krone für immer vom Hofe zu vertreiben. So standen die Dinge, als plötzlich Mathias Thurn mit 16 000 Mann böhmischen Fuss- volkes vor Wien erschien, um mit den Protestanten gemeinsame Sache zu machen. In Margarethen schlug er sein Hauptquartier auf und liess von St. Ulrich aus die Burg mit schweren Geschützen beschiessen. Immer misslicher wurde die Lage für die Wiener; es mangelte an Lebensmitteln, an Geld und Soldaten, immer feindlicher standen die erbitterten Parteien sich gegenüber und schon drohte der Aufruhr jeden Augenblick in hellen Flammen auszubrechen und schwebte die Stadt in augenscheinlicher Gefahr. Da war es Daniel Moser, der durch Klugheit und Geistesgegenwart Wien und den Kaiser errettete. Er beschwichtigte die Stände, bewaffnete schnell 1500 Bürger und 600 Studenten, liess die Stadtthore schliessen und gerade noch im rechten Augenblicke, als (am 11. Juni 1619) eben Thonradtel mit 16 protestantischen Landherren in die Burg und Gemächer des Kaisers eindrang, um ihn zu schimpflichen Verträgen zu zwingen, liess er die DantpienT’jc^eil (Eüraffiere, die Bouquoyn aus Krems sandte und Oberst Hilaire * 2 ) befehligte, durch das Fischerthor am Schanzl heimlich in die Stadt hinein. Mit Blitzesschnelle erschienen sie am Burgplatze und jagten mit ihren weithin schallenden Trompeten und schmetternden Heerespauken die erschreckten Meuterer unvermuthet in dem Augenblicke in die Flucht, als Thonradtel den Kaiser am Knopf seines Wamses zerrte und ihm die frechen Worte zurief: „(Sefr Ifant»d (^erbinattb) gib Di($, unter» f#reib A nrillft Du nicht unterjcbfeiben!" 3 ) Mittlerweile kam die Nachricht vom Siege’ der Kaiserlichen vor Prag und Thurn hob schnell die Belagerung wieder auf, um den Bedrängten zu Hilfe zu eilen. So war denn wieder die Ruhe hergestellt und die Wiener konnten dem braven Daniel Moser für die glückliche Errettung nicht genug danken, und es ist vollkommen begreiflich, dass er fortan die einflussreichste Stellung im Stadtrathe bekleidete und auch vom Jahre 1610 bis 1638, also durch volle 28 Jahre (mit Ausnahme einer Unterbrechung von 5 Jahren), Bürgermeister der Stadt und stets ein anerkannter Günstling des Hofes und Liebling des Volkes blieb. Seine früheren militärischen Verdienste, sowie seine erprobte Redlichkeit sicherten ihm bei den Wienern ein ehrendes Andenken für alle künftigen Zeiten. f *) Das Diunpierre’sche Cürassierregiment (das älteste in der Armee, vormals Hohenzol 1 ern, später Grossfürst von Russland) erhielt das Privilegium, so oft es am Marsche Wien berühre, durch die Burg ziehen und drei Tage hindurch werben zu dürfen. Im Jahre 1819 fei.-rte Alfred Windischgrätz sein 200jähriges Jubelfest. a ) Oberst Gebhard Saint-Hi laire wurde zum Danke für die glückliche Errettung mit demPosten eines 6taM‘ gliarti ©berften und Urfenalbaupfmaitttcs belohnt und erhielt erblich das Oberste Schiffamt. fieopold I. erhob später die Familie in den Grafenstand, die aber unter Carl VI. erlosch; doch wallt ihr Blut in dem gräflichen Geschlechte der Wilczek fort, da die Erbtochter in dasselbe einheiratete. 3 ) Bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts feierte man alljährlich den 11. Juni am Schanzl- und Fischerthore durch ein Volksfest. Aus dieser Zeit stammt auch jenes kostbare silberne Crucifix, das noch heute jedermann in der Schatzkammer gezeigt wird, vor welchem einst Ferdinand II. in seiner höchsten Noth vertrauensvoll sich auf die Knie warf und während des inbrünstigen Gebetes es ihm schien, als ob er den erhebenden Zuruf vernehme; „Acrbittattb id) tnerbc Md) nicbt DerlaffenP' 46 Münch-Bellinghausen. — Das Schremliaus. — Krechsenhaus. Nach dem Aussterben des Moser’schen Geschlechtes kam das Haus von 1775 bis 1822 noch an zwei edle Familien und zuletzt an Joachim Freiherrn von Münch-Bellinghausen, der als ausgezeichneter Staatsmann in den Kriegsjahren 1805, 1809 und 1815, sowie als Präsidialgesandter am Bundestage sich grosse Verdienste um Oesterreich erwarb und deshalb auch im Jahre 1831 in den Grafenstand erhoben wurde. Ihn beerbte Eligius Freiherr von Münch-Bellinghausen, der dem jetzigen Eigenthiimer, Baron Brenner, dasselbe testamentarisch hinterliess. Eligius war den Wienern unter dem Schriftstellernamen „Friedrich Halm“ wohlbekannt, da er als einer ihrer talentvollsten Bühnendichter eine Reihe von Stücken ihnen schenkte, die das Repertoire des Burgtheaters bis zu seinem Tode fast ausschliesslich beherrschten. *) Das Schremhaus und das Krechsenhaus, beide zusammengebaut unter 542 (neu 2). Bis zu Ende des XVII. Jahrhunderts stand hier das Schremhaus, wie es auf unserer Abbildung (sub Fig. 13) mit 5 bezeichnet erscheint. Es führt seit ältester Zeit diesen Namen von den Schremen (Schreinern, Tischlern), weil nach der Zunftordnung vom 22. November 1418 die Schreiner hier ihren Aufenthalt hatten. 2 ) Zur selben Zeit stand auch nebenan das j&recfrfcnfyauö, das seine Benennung von dem wienerischen Ausdruck (Kraxen), Tragkörben, herleitete, weil hier die Marktleute ihre Körbe in den weiten Kellerräumen auf bewahrten. 3 ) Mit Anfang dieses Jahrhunderts wurden diese beiden Häuschen von der Familie Edle von Kratzer in eines verbaut, die es noch heute, also durch mehr als 107 Jahre, ununterbrochen besitzt. *) ') Friedrich Halm, ein geborener Wiener, war ein echter Repräsentant des damaligen Wiener Geschmackes und jener vorwiegend sentimentalen Stimmung, die bis in die Märztage vorwährte. Wir finden in allen seinen Stücken einen durchaus lyrischweichen, thränenschweren Charakter, von dem er sich nie recht losmachen konnte (er dürfte denselben von Lenau ererbt haben, in dessen Gesellschaft er im Jahre 1819 in Wien Philosophie studirte). Merkwürdig genug ist es, dass er, der blutjunge Mensch von 29 Jahren, gleich mit seinem, ersten Stück „Griseldis“ einen* durchschlagenden Erfolg errang, der seinen Namen weit über die Grenzen der Heimat trug. Einen noch durchschlagenderen Erfolg erzielte er mit seinem „Sohn der AVildniss”. Noch nie schilderte ein Dichter das Räthsel der Liebe mit zündenderen und zugleich rührenderen Worten: Sprich! Was ist denn Liebe? Zwei Seelen und ein Gedanke, Zwei Herzen und ein Schlag.“ Diese Verse wurden schnell zum geflügelten Wort und drangen tief in’s Herz des Volkes. Drehorgeln, Sänger und Harfenisten gaben entsetzlich lärmendes Zeugnis? von ihrer Popularität und auf einem grossen von August Mannsfeld schön gemalten Schilde eines Hutmachers, der sein Geschäft „Zum Sohn der Wildniss“ nannte, war „Ingomar“ und „Parthenia“ fast lebensgross poträtähnlich (Herr Löwe, Frau Rettich) am Hause Nr. 47 in der Kärntnerstrasse bis noch vor zwei Jahren zu schauen, und Ingomar und Parthenia standen als artige Traganthfigürchen bei allen Zuckerbäckern hinter den Schaufenstern. Selbst Graf Walewsky, der feinfühlige Kenner des Schönen; übersetzte das Stück für seine berühmte Geliebte Rachel in’s Französische. Da aber trotz dieser Popularität alle seine Stücke zu sehr jener Zeitstimmung Rechnung trugen, in der sie geschrieben waren, so erklärt sich dadurch hinlänglich ihr früherer Erfolg und ihr späteres Verschwinden vom Repertoire. 5 ) Bis zum Umbau des Hauses waren die ältesten nachweisbaren Eigenthümer Jakob Eyberger, 1684 Johann Georg Kirnreiter und Johann Kirnreiter des inneren Raths. Nach dem Gewährbuche A Seite 142 vom Jahre 1391 heisst es: ►,neben roeilanb Rrccbfcnbaus gelegen". 3 ) Als die ältesten Besitzer erscheinen im Jahre 1483 Georg von Domwang, kais. Rath, Waldmeister und Hofkriegszahlamts-Controlor, und seine Erben und später Lorenz Haiden, Bürgermeister. Nach dem Gewährsbuch D, Seite 104 vom Jahre 1396 heisst es: Rrecbicnbaus neben bem Ifmrm nnb Scbrembaus [ammt ji Bremen (Verkaufsständen), bie ba3U gehren. 4 ) Der erste Besitzer aus der Familie der Kratzer war 1776 Franz Paul de Kratzer, 1806 Leopold Edler von Kratzer und 1822 Maria Edle von Kratzer und vordem waren schon im Jahre 1684 Johann Kuberger und 1700 Johann Franz Händl, kais. Stadt- und Landgerichts-Beisitzer, an der Gewähr. Der Thurm. — Schmerhäusel. — Wildganshaus. 47 Das Haus „der Thurm“ genannt 541 (neu 1), bildet das letzte Haus in dieser Reihe und hat seine Benennung von der thurmähnlichen Gestalt seines Erkerflügels, wie er noch sub Fig. 15 zu sehen ist. Es bildet eine Ecke zum heutigen Bauernmarkt, welcher ehedem sehr schmal auf der Strecke bis zur Landskrongasse Malter* gaffet hiess, *) von dem Geflügel, welches hier verkauft wurde. Seine gegenwärtige Gestalt erhielt es von der Frau Maria Magdalena Steger, die dasselbe 1796 neu erbauen liess, wie es auch der geschmackvolle Fronton ober dem Hause mit der Aufschrift: „Anno MDCCLXXXXVI“ beweist. Das Haus „zur Wildgans“ Nr. 543 (neu 12) hat seinen Namen von Jakob Wildgans, der im Jahre 1775* das Haus ankaufte und hier einen „Bierschank“ hielt. Für die Localchronik ist es nicht uninteressant, zu bemerken, dass Wildgans eine stadtbekannte Persönlichkeit war und sich durch guten Humor und Freundlichkeit zahlreiche Freunde erwarb, die sich dann um so häufiger in der Schankstube einfanden. Um aber seinem Stamme eine noch grössere Verbreitung zu verschaffen, nannte er das Wirthsschild nach seinem Namen: IDilbgaits" und eines Morgens las man ober demselben die von ihm selbst componirten drolligen Verse : „Cieben ©aft fomtit fdmell 311 mir, haft bu Selb, fo fcktif-icb 23ier, haft bu feine fo mußt bu laufen, 1 Sort beim Brunnen lüaffer taufen." , *) Die Gewähr dieses Hauses ist im Buche der Käufer D, Seite 135 vom Jahre 1418 eingetragen, genannt 6er Iburm an 6er 'Bübncrpubel am 'bobenmarft am <£cf, fo man in 6as tmbnergd&lein gebt. Die ältesten Besitzer waren: Regina Katharina von Seiz, 1700 Georg von Dornwang’s selige Witwe, 1773 Johann Steger. 1783 Maria Magdalena Steger, 1822 Johann Edler von I.agusius, hierauf Bernhardine Freiin von Kitmansegg und die jetzigen Besitzer Carl und Gustav Voigt. s ) Die ältesten nachweisbaren Besitzer des „Scbmert'duids" waren 1546 Rosina, Eheweib des Niklas Stainhäufl Staineckh, Beisitzer des Wiener Stadtgerichts, 1684 Georg Kirweiter, 1700 Johann Kirweiter, des innern Raths, 1773 Jakob Jagatisch, ein Kaufmann, der seinem Kaufgewölbe das Schild „jUI filbCtltCtt Scblüttgc" gab, daher das Haus auch seit jener Zeit im Grundbuche als das „filbcrttf Scblatigaibaus" bis 1836 aufgeführt wird. 1820 Ignatz und Anna Pechet und zuletzt Ignatz de Pauli von Enzebüchl. Vom Jahre 1822 bis 1830 war dieses Haus ein interessanter Besuchsort aller kunstsinnigen Fremden und Einheimischen, denn hier wohnte der bekannte Grosshändler Grünling, der eine kostbare Sammlung, alter Kupferstiche und mehr als 2000 Handzeichnungen der berühmtesten Meister, darunter allein 70 von Albrecht Dürer in allen Zeichnungsarten besass. Die ältesten Besitzer des „Hreb®baufes" waren 1348 der berühmte Stefan Schwarz, Doctor juris, Rathsherr und Regent des Regiments der niederösterr. Lande; 1684 Johann Georg Kulimayer, 1700 Martin Kullmayer des äusseren Rathes und „gemeiner 0ta6t HTetjenaUSleiber", seit diesem Jahre auch Besitzer der Apotheke „zum rothen Krebsen", 1773 Ignatz de Pauli, Apotheker, bei welcher Familie das Haus fortan blieb. Der heutige Eigenthümer ist Carl Diedek. Nach dem Gewährsbuch C, Seite 301 heisst es bereits 142D „Sa$ frans, genannt 6as Scbmergrübl nn6 liegt gegen 6er Schrannen am iefe" (es ist hier das ältere Miliärschrannengebäude gemeint, das 1437 abbiannte). Im Gewährsbuche E, Folio 41 aus dem Jahre 1461 wird es 6as 3iegelbau« am fcobenmartt etmen (einstmal) hinter 6er Schranne genannt. Das Schmerhäusel Nr. 525 und das Ziegler- oder das Krebsenhaus Nr. 524, beide zusammengebaut (neu 13), verdanken ihre einstige Benennung u. zw. ersteres den 6cf>mererit (Fettwaarenverkäufern), die schon von Albrecht III. im Jahre 1376 ihre Zunftordnung erhielten und hier ihren Handel mit Fettwaaren , (Schmalz, Unschlitt etc.) auf eigenen „6merti|cf>en" betrieben, letzteres dem Schilde zum „ro%ll Urebfm" dessen Andenken noch heute in der „Rothen Krebs-Apotheke“ fortlebt und an den einst so berühmten Krebsenhandel erinnert. Beide Häuser wurden im Jahre 1836 in eines verbaut und sind auf unserer Abbildung (in Fig. 13) zwar nicht dargestellt,, wohl aber der Platz, wo sie zu stehen kamen, mit 10 und 12 bezeichnet. 2 ) . » I t 48 Das Riemhaus. — Blaue Gatternhaus. — Markuslöwenhaus. Diese für die damalige Zeit nicht übelklingenden Verslein erregten allgemeine Heiterkeit und hatten auch ihre volle Berechtigung, da sie auf den in der Nähe am Platze befindlichen Stadtbrunnen (,,3u beit Dierrityrtlt") anspielten, wie wir ihn noch auf Fbgur 15 sehen. Im Jahre 1795 starb Jakob Wildgans und hinterliess das Haus seiner Familie, die es bis zum Jahre 1806 im Besitz hatte, dann aber an Anton de Pauli von Enzebühl verkaufte, der es im Jahre 1813 in seine heutige Gestalt umbauen liess, worauf das Schild verschwand und mit ihm auch das Andenken an den launigen Wirth.') Das Riemhaus Nr. 522 und das Haus „zum blauen Gattern“ Nr. 514 beide heute „Ankerhof“ (neu Nr. 11). Das stattliche weitläufige Gebäude der jetzigen Assecuranz-Gesellschaft „Anker“ bestand m XVI. Jahrhunderte (1549) aus fünf kleinen ärmlichen Häuschen, die später in zwei Hauptgebäude verbaut wurden, und zwar in das. „XicinfxiUS", das seine Entstehung der Riemerzunft verdankt, die bereits am 30. März 1403 von Albrecht IV. ihre Ordnung erhielt und hier Innungshaus und Verkaufsbuden hatten“) und in das- „blaue ©atteriplbaus" (von seinem Hausschilde so genannt, das erst im Jahre 1700 in den Grundbüchern vorkömmt). Es war ein sehr schmales finsteres Durchhaus und reichte samrat dem Riemer-Haus mit seiner alterthümlichen winkeligen und unregel- massigen Architektur bis tief in den „Fischhof“ hinein. Seine heutige Gestalt erhielt der „Ankerhof“ erst im Jahre 1854. » . Das Haus „zum .Markuslöwen“ Nr. 315 (neu 13) I! i i n 11n;i,\\V 7 j,), ■,| ‘iY;.y4!i l ifwm ’ Jbiy. 18. -■atamJEl&pife bildete mit der Judengasse eine Ecke und wurde noch im XV. Jahrhundert als: „aitt 6ilberpu()d gelegen" bezeichnet. 8 ) Seit dem XVI. Jahrhundert befindet sich im Hause oberhalb des Einganges zur zweiten Stiege ein schönes Basrelief von rothem Marmor, den „fUcirfuMÖttKU" vor- steliend, wie dies Figur 18 zeigt und von dem auch das Haus seinen Namen beibehielt. Der gegenwärtige Bau stammt aus dem vorigen Jahrhundert, indem Gräfin Josefa Mittrowky im Jahre 1795 das damals ärmliche zweistöckige Haus von Grund aus neu aufbauen liess. Zu Ende des XVII. Jahrhunderts wurde es auch das „iSergetf"- oder „PergclpTjiiUö" nach dem Namen seiner Besitzer so genannt. * * * 4 ) *) Die ältesten Besitzer waren: 1548 Johann Arnold, äusserer Rath und Apotheker, 1684 dessen Erben, 1700 Franz Nossigal, gewesener Handelsmann, 1775 Jacob Wildgans, 25ierleutgeb, 1795 dessen Erben, 1806 Anton de Pauli v. Entze- bühl, 1822 Josef Gerold und später dessen Erben und gegenwärtig Demuth Otrusca. *) Schon im Jahre 1332 kommt in den Stadtrechnungen der Verkauf einer „Tischstatt“ (Verkaufsbude) lur Riemerwaaren vor. So heisst es z. B. im Buche der Käufer C, Seite 165 im Jahre 1382: „ll'olfgüttg Riemer Unb (Santa feine „Hausfrau hüben »erlauft „ein lifcbftatt" auf bern Riembaus am mittein cSenfter gegen her Schranne über, junart lonrab’s „(Eif&ftatt bes Riemers um ein» unb stranjig pfunb Pfenning". 8 ) Laut Gewährsbuch D, Seite 342 hiess der Platz vor diesem Hause noch im Jahre 1458: „üls Otn Silber-- pübel junart ber (Baffe an ben Itienmartt". 4 ) lni Jahre 1684 waren nämlich Karl von Bergen’s Erben, 1700 Karl Graf von Bergen, HicberäPefterr. Regimentsratb (Auditor), 1775 Franz Anton Graf von Perger an der Gewähr, später Josefa Gräfin Mittrowsky, 1806 Joh. Bapt. Grinald, Märchen de Picton, 1822 die Gebrüder Serre, 1828 Franz Sedelhammer, dann Franziska Denk und gegenwärtig Johann F.lie Schuch. I l Das Haus der guten Conradin. — Das Bettel- und Armenwesen in Wien. 49 Das Haus der guten Conradin Nr. 512 B und das Haus des Martin Sybenbürger Nr. 512 A in eines verbaut (neu 9). Beide sind durch manche altehrwürdige Erinnerungen von geschichtlicher Bedeutung. Das erstgenannte Haus Nr. 512B bildete eine Ecke in die Judengasse und gehörte im Jahre 1432 her guten (Eonrabilt bes Hunrats bes ljaU0 pefen lüitib. Man nannte sie die „gute“, weil sie einen durch seine Güte und Wohlthätigkeit bekannten frommen Mann, den „SterjlUüiftet" Gabriel Veit, bei Lebzeiten ins Geschäft aufnahm und ihm (wie die Mammeramts-Rechnung von 1432 ausweist) ‘ein Legat in Geld, ein kostbares Crucifix und dieses Haus testirte. l ) Der Name „6te?5inaiftet: v ' war mit „T>ettdrid)tei : " gleichbedeutend und bezeichnte im XIV. und XV. Jahrhundert in Wien einen Mann, der dem hiesigen „Bettelwesen“ und zugleich der „Armen- und Krankenpflege“ Vorstand und über deren Ausschreitungen zu wachen hatte. Wie sehr übrigens das Unwesen der Bettler im Mittelalter überhandnahm und gerade für Wien zu einer förmlichen Landesplage emporwuchs, ist nicht uninteressant zu erörtern und besonders wenn wir die Umstände näher ins Auge fassen, die auf diese Krankheit der Zeit bestimmend wirken mussten. Das Bettel- und Armenwesen Wiens im Mittelalter. Der fromme, gottergebene Sinn des Mittelalters schien das Armenwesen im hohen Grade begünstigt zu haben. Unverschuldet Verarmte bedurften nur einer einfachen Meldung beim Sdtdri^ter, um das sogenannte „25dtel3dd)cn", d. i. ein „gelbes Tuch“, zu erhalten, das sie um den Hals trugen und sie berechtigte, für eine bestimmte Zeit Almosen sammeln zu dürfen. Fremde mussten sich mit der Kenntniss der christlichen Gebete und mit der abgelegten österlichen Beichte ausweisen, um gleiche Begünstigungen mit den Einheimischen zu erwirken. Es ist daher leicht begreiflich, dass sich auch muthwillig Bettelnde dieselben Vortheile zu Nutzen machten. Uebrigens wirkte auch die „Arbeitsscheu“ des niederen unaufgeklärten Volkes, sein Hang zum Müssiggang, vor Allem aber der mächtige Einfluss des arbeitslosen Klosterlebens verderblich auf Sitte und Gewohnheit. Das Bettlerunwesen nahm alsbald so rasch überhand, dass scharfe Verordnungen erlassen werden mussten. Man bewachte die Stadtthore auf das Strengste, um sich gegen das Eindringen der fremden Vagabumlqn zu schützen (gegen die einheimischen war man wehrlos). Noch schlimmer erging es in den Vorstädten. Die abenteuerlichsten Gestalten, Krüppel, Aussätzige, Sieche, Lahme in bunte Fetzen und Lappen gehüllt umlagerten scharenweise die Kirchen- und Klosterthüren und umstellten die Eingänge der Priedhöfe. Die strengsten Strafen aber erliess man gegen „muthwillige Bettler“; Simulanten, die durch künstliche Blattern, Geschwüre oder sonst ekelhafte Entstellungen das Mitleid zu erregen suchten, wurden mit Zwangsarbeit, bei wiederholter Uebertretung mit Galeere, Frauenzimmer, die sich schwanger stellten, gestohlene Kinder mit sich führten, amFreythof mit dem bestraft. Das laute „Absingen“ von geistlichen Liedern und Gebeten und das Behelligen auf öffentlichen Plätzen wurde verboten _ Die Bettler zogen sich jetzt in abgelegene Winkel und Gässchen, auf die „Lucken“ (kleine Vorstädte) und auf die „iSdtletjliriJd 7 . (wie sie noch heute heisst) oder auf den „ScttlerbÜM", als den ergiebigsten Erwerbsort, zurück, denn hier führte die frequenteste Reichsstrasse über die Laimgrube (heute Gumpendorferstrasse) nach Purkersdorf. Auch an „Strafhäusern“ litt Wien aus diesem Grunde keinen Mangel; so wurde z. B. in der Stadt im tiefen Graben an der Ecke zum Salzgries im Patzmayer’schen Hause Nr. 176 (neu 39) im XIV. Jahrhundert der „Edtdfotter" errichtet, der nie leer wurde und den man erst im Jahre 1679 autliess, um ihn während der Epidemie als „Nothspital“ zu benützen. Im Jahre 1671 liess Leopold I. ein , ,511^)1- OÖCt für 0 lm Satzbuclie vom Jahre 1439, C Folio 193 heisst es wörtlich: „Tflefelbe (£onrabitl) beftitnmt itt ihrem ©efcfxSfte su bctbeiligcn bctt frurnen Ulan, >er hie gefangen leit troft, hie tnan vom leben 3 um ich bringen will, namens ©abriel Peit Sterjmaifter non wegen ba 3 er hie armen gefangen, f o man fie 3»>n Mt fuhrt tröft unh ein irusifir rortregt." 50 Das Martin Capin-Haus und die privilegirte octroyirte Bank. — Die Finanznoth. — Das Sina’sehe Palais. Vagabunden und arbeitsscheue Bettler in der Leopoldstadt erbauen. Ferdinand III. errichtete im Jahre 1638 sogar eine eigene 2CrtttCll=aU0" — (Haus der Kürschner in der Krebsgasse) — und der rückwärts gelegene „Pipgjiof' (Berghof) noch im Jahre 1418 genannt wurden. Noch heute heisst das anstossende Haus Nr. 510 der und bewahrt die ehrwürdige Erinnerung an den vom Markgrafen Leopold dem Heiligen in der ersten Hälfte des XII. Jahrhunderts an dieser Stelle erbauten „Birkhof“, d. i. das Haus eines Beamten, dem die benachbarten „Weinbauern“ Abgaben für» verkaufte Weine entrichten mussten. Nicht ohne Grund hiess das alte Eckhaus Nr. 509 (neu 7) „)Huf bet \)ve$e H , woher noch heute die Pressgasse ihren Namen bewahrt, und an die vielen „Weinpressen“ erinnert, die hier aufgestellt waren. Im XVII. Jahrhundert waren die eilf kleinen Häuschen bereits in vier zweistöckige verbaut, und im Jahre 1800 und 1801 von Andreas Freiherm von Fellner zusammengekauft, niedergerissen und in Eins *) ln den letzten Regierungsjahren Maria Theresia’s 1773—1780 stand es mit der Finanzlvirthschaft äusserst misslich. Der Credit war gesunken, zu den solidesten Unternehmungen nirgends ein billiges Geld zu erhalten, die Steuern durften nicht erhöht werden, ohne den Wohlstand der Bevölkerung zu gefährden, auch stieg die Staatsschuld in Folge des siebenjährigen Krieges um mehr als 166 Millionen, anderseits war an eine Verminderung des Heerwesens bei so gefährlichen Nachbarn gar nicht zu denken. Die Kaiserin selbst erkannte das Trostlose der Finanzwirthschaft, wie dies aus ihrem an Kaunitz gerichteten eigenhändigen Schreiben hervorgeht, das wörtlich lautet: „bet? mcitU’tl picttctl (KMSUttglÜtfen,. „habe noch Me bdrubmts, aus bem protocoi 311 (eben, bas bas finani;»escn gabt? nicht in orbnung, es fomt noch „barjii, bas fcitb einiger 3eith all unser innerliche fachen gar nicht an einanber bangen, unb »ann es noch Jo länger alfo „fortgebet, unsere umbftänbc febr übel »erben, ich fuebe meine billff bei itnne, er fennt meine gebentensarth unb Der* „trauen 3U ibme, es tan auch nietnanb beffer als er bas gantje nberfehen unb ein solides Systeme an bie banb geben, ich „erirarte nur allein oon ibme, bas er mir mit feiner gemobnbeit freimütig ratf>e unb fage, »0 es gefallet ifl, »ie 3U beUffen, „ban es irabrhafft an ber §eit ift, »an nicht alles 3 U grunb gehen folle. Maria übereßa.'' Nicht besser war es beim Regierungsantritte Josef II. (1780) bestellt. Das zur Vertreibung der Türken mit Russland geschlossene neue Bündniss kostete ungeheuere Geldopfer; es musste also rasch auf Mittel gesonnen werden, den zerrütteten Finanzen aufzuhelfen. Man machte mit der Errichtung einer weitreichenden Commercial-Credit- und Wechselbank den Anfang, weil man überzeugt war, dass sie gelegentlich hier in der Lage wäre, auch dem Staate — (wenn nöthig) — Gelder billigst vorzuschiessen. Die Denksäule zu Ehren des heiligen Josef am Hohenmarkt. 51 verbaut. Auch das vor diesem Hause freistehende grosse „Brunnenhaus“, welches wir in Figur 15 sehen, wurde von ihm im Jahre 1801 ebenfalls angekauft und sogleich bis auf den Grund abgebrochen, um dem neuen Gebäude die volle Aussicht zu gewähren. Im Jahre 1805 nahm Georg Simon Freiherr von Sina dieses neue Gebäude in Besitz. Zur Erinnerung an die Römerherrschaft in Wien befindet sich an diesem Hause eine Gedenktafel des Inhaltes: „Hier stand im II. und III. Jahrhundert das „Prätorium“, der Sitz des römischen Befehlshabers, dem Prätorium gegenüber das Forum, der Mittelpunkt des öffentlichen Verkehres der Festung Vindobona.“ I Die Denksäule am hohen Markt. Als Leopold I.,. durch die Macht der Verhältnisse gedrängt, seinen eigenen Sohn, den älteren Prinzen Josef 1702 in den spanischen Successionskri^g senden musste, machte er in der Stefanskirche an deli Stufen des Altars das feierliche Gelübde, eine „Denksäule“ zu Ehren des heiligen Josef errichten zu wollen, wenn der Prinz glücklich zurückkehren würde. Er kam auch wirklich als Sieger der für unüberwindlich geltenden Festung „Landau“ zurück und sogleich musste an die Ausführung geschritten werden. Der talentvolle jugendliche Prinz entwarf selbst mit kunstsinniger Hand die Zeichnung, hatte aber keine Ahnung, dass er, der Lebensfrohe, Vielversprechende, die Vollendung seines Werkes (damals noch aus Holz) nicht mehr erleben, sondern es seinem jüngeren Bruder Carl VI. überlassen werde, der es erst im Jahre 1732, also nach einer Unterbrechung von 21 Jahren,in jener Gestalt zu Ende brachte, .wie wir hier im Bilde (sub* Fig. lü) sehen. *) Wenn wir den Hohenmarkt von der Denksäule aus betrachten, so sehen wir, dass sie nicht in der Mitte des Platzes steht und dass die Entfernung von ihr bis zurWipplingerstras.se eine grössere ist als jene bis zum Lichtensteg. 9 HtUHUfH Fig. 19. Denksäule am Hohenmarkt. i ■) Der auf vier korinthischen Säulen ruhende Tempel (die Vermählung Josefs mit Maria),sowie das architektonische Beiwerk sind von Fischer von Erlach, die Figuren Maria, Josef, der Hohepriester und die ausser den Säulen stehenden 7 * f 52 Das Fischbrunnenhaus. — Der alte Zeughaushasten. — Die ältesten Schiesswaffen der Wiener. Die Ursache dieses Missverhältnisses liegt wohl in dem Umstande allein, dass der zwischen dem Sina’schen Palais und der ehemaligen Schranne gelegenejTheil des Platzes bis noch vor 80 Jahren ganz verbaut war, wie es vor 40 Jahren am Graben derselbe Fall gewesen. Zu diesen Zwischenbauten gehörten insbesondere: * „Das Fischbrunnenhäusel.“ Es war ein niederes einfaches Haus mit einem offenen Pumpbrunnen, in welchen von Hernals das nöthige Wasser für die Fische hineingeleitet wurde, von dem das Haus seinen Namen hatte. Erst im Jahre 1710 kam an dessen Stelle ein neues zwei Stockwerke hohes, im modernen Style gebautes Zinshaus, in welcher Gestalt es bis zum Jahre 1801 verblieb, dann aber von Freiherrn von Fellner angekauft und niedergerissen wurde, um eine freie Aussicht für das im selben Jahre zu erbauende Sin a’sche Haus zu gewinnen. Wirsehen dieses Haus noch in Figur 15 an der linken Seite des Bildes dargestellt. * , Zu Anfang des XV. Jahrhunderts befand sich hier am Platze gegenüber der Schranne auch der sogenannte „alte 5eugJ>ausfaften", der als historische Merkwürdigkeit Erwähnung verdient. Der alte Zeughauskasten. So lange es noch keine „Söldner“ gab und die Bürger und Mitglieder der Zünfte selbst Waffendienste leisteten, war das Bedürfniss für öffentliche Waffendepots nicht vorhanden. Jeder Bürger durfte seine eigenen „Waffen“ und „Rüstungen“ versorgen und zu Hause aufbewahren. Sogar das Tragen kurzer Messer (Dolche, eine heimtückische Waffe, wie sich deren die Italiener, namentlich Venetianer und Genueser, bedienten) war gestattet. Nur die langen „6tc|cf>leHlTltetU genannt) —- führten gewöhnlich halbnackt belustigende Tänze auf und beschenkten das jauchzende Volk mit Blumen und Kränzen, das seinerseits sie wieder mit Bier reichlich bewirthete. Während des Brandes wurden Fahnen geschwungen und nach dem Erlöschen zogen sich die behäbigen Rathsherren in das nahe Bierhaus (Leinwandhaus Nr. 4) zurück, wo sie alsdann bei Gesang und Kartenspiel den gaflzen Abend lustig verzechten. Bis zu Ende des XIV. Jahrhunderts währten diese Feste in ungekünstelter Natürlichkeit. Mit Beginn des XV. Jahrhunderts aber traten auch „Feuerwerke“ hinzu, wodurch die Sache feuergefährlich zu werden drohte und sie auf’s Land verwiesen werden mussten, wo sie noch heute auf den Bergeshöhen bei den Bauern gebräuchlich sind. ') vor dem Abschiessen auf eigenen „.SufgefMeit" aufgestellt und dirigirt werden mussten; Jt-OUlbdltä (Plurtbcrbltcbfen), bei denen die Mündung des Laufes einen weiten Umfang hatte und hauptsächlich dazu diente, mehrere „Kugeln“ (Projectile) auf einmal hinauszufeuern und so grössere Verheerungen anzurichten; die 6teittbÜCt>kn, die ihren Namen von dem „StdtUCblojS" hatten, t>ei deren Abfeuern der Funke vom Stein in die Pulverpfanne fiel und sich daher von allen übrigen „Feuerwaffen“ dadurch unterschieden, dass die übrigen Mos mit der „Lunte“ entzündet wurden. Es gab deren zwei Gattungen, grüßt’ und Heilte „Steinbücbfen"; ferner „litrrdö"', eine Art grössere Handbüchse, die sehr beliebt waren und deren man sich besonders zu Ende des XVI. und Anfangs des XVII. Jahrhunderts nach Art der spanischen oder italienischen Gewehre bediente; endlich , die alten iKabfct>loDbÜ$f(n, von dem Rade so genannt, mittels dessen das Feuerschloss aufgezogen und in Bewegung gesetzt wurde. •) Unsere Wiener von heute dürften sich wohl schwer in jene flammende Begeisterung hineinfinden, mit der ihre Voreltern int Mittelalter die Volksfeste so schön zu begehen wussten. Damals herrschte noch jene volle Ungezwungenheit, Jene ungetrübte Lebens lust, jener unbesiegbare Frohsinn, der allen Festen die Würze gibt. Wollten wir daher heute ein Volks-, fest gemessen wie einst unsere Väter, fehlte uns das Beste, ihre „frohe Laune“, ohne welche es eben keine „Volksfeste“ gibt. Und wollte'man das Volk dennoch mit Gewalt in die alte Lustigkeit hineinzwängen, so möchte man höchstens eine falsche Stimmung erzielen, die uns wie wehmüthige Tollheit anmuthen würde. Die Volksfeste als „Erziehungsmittel* sind uns längst abhanden gekommen. t ♦ I III. CAPITEL. f Der Stefansplatz. it Recht wird cler Stefansplatz oder (wie man ihn früher nannte) als der eigentliche „Centralpunkt“ der Stadt betrachtet, denn hier concentrirte .sich die „Nationaltrauer“, gleichwie die „Nationalfreude“ in einem Punkte und die altehrwürdigen Mauern wiederhallen von hundertjährigen Ereignissen, ja von der Geschichte eines ganzen Volkes. — Hier betrauerten die Wiener ihre grossen Edlen und bejubelten ihre Siege. Und wenn der „Krieg“ seine Brandfackel schleuderte, der gierige Dämon „Hunger“ über die Saaten zog, scheussliche „Pest“ ihren schwarzen Rachen öffnete, wenn „Verrath“ die Thore zu sprengen drohte, oder „Tyrannenwillkür“ die Herzen zerriss: da war es die Glocke vom alten Stefansdom, welche die frommen Wiener zum Gebet vereinte und sie begeisterte in gemeinsamer Noth zur gemeinsamen Tliat. — Wenn aber mit wüthendem Getöse die Belagerer die Mauern erstürmten und die tapferen Wiener den Sturm muthig zurückschlugen, da war es wieder dieselbe Glocke, die jetzt den unten Harrenden den fröhlichen Sieg verkündete. Nichts ist daher den Wienern so sehr ans Herz gewachsen als ihr Stefansplatz und vor Allem ihr Liebling, der alte Stefansthurm,') aber auch nichts hat seine Physiognomie so sehr geändert, als der alte „Stefansfretjtfyofk Unsere heutige Jugend würde nicht wenig erstaunen, würde ich ihr erzählen, wie die Stefanskirche noch vor kurzem (noch vor achtundsiebzig Jahren) mit einer Unzahl von kleinen Häuschen, Buden und Hütten umstellt und verbaut war, die sich wie kleine „Schwalbennester“ ausnalunen. Noch mehr befremden würde es sie, wenn sie erführe, dass die Wiener an ihrem ohnehin riesengrossen Gotteshause noch immer nicht Genüge hatten und überdies ein kleines Kirchlein, „die Magdalenenkirche,“ knapp daneben durch volle vierhundert Jahre beliessen und ein weiter, grosser „Friedhof“ den Dom umgab. Die Verbauung des alten Stefansfreythofes. Zwischen der Hauptfagade der Stefanskirche am Riesenthore und den vis-ä-vis liegenden Häusern der heutigen Brandstätte schoben sichehedem mehrere Gebäude vor, welche die Strasse um die Hälfte ihres heutigen Raumes verschmälerten. 2 ) Sie zogen sich vom gegenwärtigen ’) Die Anhänglichkeit an den Stefansthurm war bekanntlich bei den alten Wienern sprichwörtlich geworden und währte bis in das Achtundvierzigerjahr; zog z. B. der vormärzliche Wiener in die Fremde, war es gewiss der Stefansthurm auf den er den letzten Scheideblick warf, und wenn er heimkehrte, war sein erster Blick wieder auf ihn gerichtet, auf seinen alten guten Freund, der sein greises Haupt hoch emporhob über das Häusermeer und ihm schon von weitem freundlich entgegennickte. Freilich ist dies seit dem anders geworden, wie so vieles Andere aus der guten alten Zeit, das uns älteren Leuten noch fast wie ein schöner Traum in der Erinnerung schwebt, und das wir mit dem beiläufigen Worte „Urwienerisch“, „Urgemüthlich“ bezeichnen, wofür aber die Spätergeborenen kaum mehr ein richtiges Verständniss besitzen. *) Der Weg vom Stock-im-Eisen bis zum heutigen Hause Nr, 1 (Roth en thurm s t r asse) wurde Kärntnerstrasse genannt und war als Fortsetzung der alten Siirtbnfrflrflfef zu betrachten. Erst mit dem Wegfall der obigen Häuser im Jahre 1792 erhielt die Strasse den heutigen Namen „Stefansplatz“. f » « Die Verbauung des alten Stefansfreythofes, 55 * erzbischöflichen Palais gegen den Stock-im-Eisenplatz in gerader ununterbrochener Linie hin, nämlich der Heilthumsstuhl, drei kleine und zwei grosse Häuser, und die Magdalenen- kirche, die den Dom wie eine lange Kette fest umschlossen hielten, so dass der Zugang zur Kirche und dem sie umgebenden Friedhof nur durch jene vier „Friedhofthore“ möglich war, von denen später die Rede sein wird. Eine nicht uninteressante Abbildung 1 ) (sub Fig. 20), die einzige, die sich noch aus jener Zeit erhielt, macht uns mit der „Configuration“ des alten Platzes bekannt und gibt uns einen deutlichen Begriff von der damals so sehr beliebten und heute höchst unbegreiflichen „Winkelarchitektur“. Der 'bdlt^UOTöj'tttt* *! erstreckte sich (wie wir sehen) quer über der Strasse vom erzbischöflichen Palais, genau bis zur Stelle zwischen dem heutigen Hause Nr. 8 und Nr. 8a der Brandstätte, so dass man nur durch den „Schwibbogen“ des Heilthumsstuhles vom Stefansplatz in die Rothenthurm strasse gelangen konnte. Die „fljag&alenettftr^e" war gegenüber der Goldschmiedgasse, die übrigen Häuser aber standen parallel mit der Brandstätte. Weitaus interessanter dürfte die (sub Fig. 21) beigegebene Abbildung s ) sein. Sie versinnlicht uns jene bereits erwähnten drei kleinen Häuschen von der Brandstätte aus Fig. 20. Der Stefansfreythof mit dem Heilthumsstuhl. twf tm/xJfm ilf/tthumsxtuU TJ *) Diese höchst merkwürdige und seltene Zeichnung ohne Namen und Datum dürfte dem XVI. Jahrhundert entstammen und dem kais. Baumeister „Continelli“ zuzuschreiben sein. Sie gibt trotz der vielen Zeichnungsfehler eine genaue Uebersicht über die Situation der einzelnen Bauobjecte, die ich der Deutlichkeit halber numerirte, u. zw. : 1. Messnerthor, 2. Ileilthums- stuhl, 3. Magdalenenkirche, 4, der an die Bürgerschule und Bauhütte anstossende Theil, 5. Domprobst- oder Bischofshof, jetzt erzbischöfliches Palais, 6. die Anbauten der Wollzeile, 7. Brandstätte. Auf obigem Bilde sehen wir den „Slfhinsfretltbof" bereits von Gräbern geräumt, da statt ihrer die Leichenfelder „St. (Eolotltait" und „St. JobilUll" vor dem „lutrtt'nct'tbof" und „hküiertfiOf^ errichtet wurden. Vide Schlager’s Skizzen, II. Theil, Seite 313. *) Diese Originalzeichnung, 28‘3 Centimeter breit und 23‘S Centimeter hoch, ist gegenwärtig Eigenthum der Hofbibliothek. Sie wurde im Jahre 1792 von Pauli de Enzebühl angefertigt und diesem Hofinstitute testirt. Diese drei kleinen Häuschen mit ihrem alterthümlichen Baustyl, mit ihren kleinen ärmlichen Kaufläden, schmalen Thüren und düsteren Der StefansplaU mit dem Messner-, Leihbahr- und Cantor-Haus. +** vW V *-;SC 4 \7! t t •iC s»' Q2P H ü ^IS I” W-M; f*r-*i itilll liöfeSi l]HEBSSS««Jj HpnwwSni Ritt - .^tr&pc&ne3hüt IKISKHJ 8 ! iiKiiiii; ;ilgÄ»i ^..iW > ziz> !s?C - ■ ■ Rpr^-gg: :süiL::e|2 W Js iSfcii jyi ; HfjiuiiiiL.raimiitinniL.Mili! Die Buchhändler. Die Modetrachten. — Gewölbeschilder und Musterwaaren der Kaufleute. 57 besehen, nämlich das „CetybarfWUs" (gleich links neben dem erzbischöflichen Palais), von dem Ausleihen der „Todtenbahre“ so genannt, das „llleßnertxtlts" (wo der Kirchendiener seine Wohnung hatte) und rechts nebenan das noch kleinere — (oder ^(Santotd"), wo die Sängerknaben Unterricht im Kirchengesang erhielten. Die Abbildung l ) (sub Fig. 22) zeigt uns dieselben drei kleinen Häuschen von rückwärts, d. h. vom Riesenthore aus besehen. Wir bemerken hier wieder links das „C an torhaus“ in sehr primitivem Zustande, in der Mitte das „Messnerhaus“, dessen sonderbare Bauweise für seine frühzeitige Entstehung spricht, und endlich rechts das „Leihbahrhaus“, das ebenfalls durch seine unregelmässigen Thoreingänge, schmalen Fenster und vorspringenden „Erker“ sein hohes Alter bekundet. Wichtig sind jedoch hier jene zwei „Figuren“ auf Doppelsäulen zu beiden Seiten des Erkers, weil sie noch Ueberreste des abgebrochenen „Heilthumsstuhl“ sind und ebenso jener unscheinbare ebenerdige „Krämerladen“ mit schmaler Dachung, da er der Bücherladen des bekannten Antiquars und Buchhändlers Binz ist, der nach Demolirung der Häuser in den alten „Füchselhof“ übersiedelte. ! ) Eine andere ebenfalls hochinteressante Zeichnung 3 ) ($iib Fig. 23) stellt jene zwei grossen mehrstöckigen Zinshäuser dar, die in der Flucht der drei kleinen früher genannten Häuschen den „Stefansfreythof“ einschlossen und hinter welchen auch die Magdalenenkirche stand, Gitterfenstern muthen uns ganz eigenthümlich an. Die grossen Mauersprünge lassen bereits auf ihre Bauf.illigkeit schlossen. Charakteristisch sind auch die vielen niederen ..Bogenthüren" der Kaufläden und die schwerfälligen und umständlichen Dachungen ober den Eingängen. Gegen die Mitte des Bildes sehen wir rückwärts einen Theil des oberen „Spitzbogens" des Riesenthores hervorragen, rechts einen Theil der Magdalenenkirche und des damals neu^ebauten Churpriesterhauses und links längs der rückwärtigen Front des erzbischöflichen Palais einen kleinen „Vorbau“; es ist dies eines jener ebenerdigen ,,'Rran3elbinbert>duscben", deren es hier und um den alten Zwettelhof mehrere gab und die erst mit dem Umbau des letzteren (1841) verschwanden, im Hintergründe links aber den alten „^Ütbfdbof" (später Domherrenhof). ') Die Originalzeichnung, 28‘5 Centimeter breit und 23'5 Centimeter hoch, ebenfalls Eigenthum der Hofbibliothek, aus dem Jahre 1780, gestattet uns mit ihrem interessanten Hintergründe einen deutlichen Ausblick auf die alten Häuser der Brandstätte. Besonders bemerkbar macht sich hier das jetzige Rothberger’sche Haus mit seiner hervorspringenden Rondelle, der doppelten Dachung und deh vielen Dachfenstern; links das Kranner'sche und rechts wohl eines der ältesten Wiener Häuser, das (unter dem Namen Pimas’-Haus bekannt) soeben in einen imposanten Prachtbau umgewandelt wurde. ’) Die meisten Buchhändlerläden hatten bis noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts das traurige Aussehen einer ärmlichen Krämerbude, wie wir sie noch manchmal am Lande antreffen. Dieses auffällige Zeichen der Zeit lag wohl in dem geringen Bildungsgrade des Volkes und somit in seinem geringen Lesebedürfnisse, dem die damalige Strassencolportage noch zu Josefs Zeiten mit seinen Pamphleten, Pasquillen und fliegenden Bonmots vollauf genügte. Es kann aber auch mit einer speciellen Verordnung Carl VI. aus dem Jahre 1713 in gewiesen Zusammenhang gebracht werden. Der Kaiser befahl nämlich; „t£s hitrie fein Bit$t>dnblfr in IDicn (bei fonfligcr Strafe ber ionfiscation) ein Bit# eher pertaufen, beror es nicht bie tEenfur ber Bü<$cr= cenforen (batnaligen Jefuiten) paffirt hübe. 3nm 3eiM Ss> £s! :ssa lit*s»£ i^iäS _ - 's Ir^il SRt® .SSi f'JT&S =eL:‘ ■'<#K gSliig ISüliMlilffililililil ff/J/J: I I Der Stock-im-Eisenplatz im Jahre 1779, ÄÜS ■'^'4 mmujuy± %J8m- ■■7 »•.,,>! mm mm. l*b\ ? üprp \wu. * WmSSnt t»mw UfHÜaÜfi sSB/i ClWSl |]S7$ä5«?£ ullil %S$*3 tfijiVijl.i. •'■: 'iS ■ir/££Mm .‘'JJüMM' iSimn; P@v*f Kawit ■ < *^ * — 3?w : «SBal «•a-M >g ,ic* : iSfcs «»3 ^X-.5r, RS» &sts- i% fiija '■ü.t;t'l :i i } ; ii'i!’,Ut1!llh!ttlHHMH, m asnnwmimaumk «js tcn BliaäfflwnB Mwwmwm t 8 * i JVj/. £•?• Der Stock-im-Eisenplatz im Jahre 1779. 60 Die Magdalenenkirche und der Heilthumsstuhl. wie sie auch wirklich auf unserem Bilde über den Hausdächern hervorragt und an der eigenthümlichen mit einem „Hahn“ gezierten Thurmspitze leicht erkennbar ist. Beide Häuser, ziemlich stattlich und modern gebaut, sind auf unserem Bilde unmittelbar unterhalb der beiden Heidenthürme zu sehen, die Fenster, allenthalben mit schweren Eisengittern geschlossen, geben dem Ganzen einen mehr klösterlichen Anstrich, die vielen Kaufgewölbe sind mit reichen Auslagen geziert. Das eine der beiden im Bilde links stehenden vierstöckigen, sieben-Fenster-frontigen Häuser ist mit einem kleinen „Erker“ versehen und die Kaufmannsläden durch ein ziemlich breites Dach beschirmt. Die Auslagefenster lassen auf „Modekleider-Handlungen“ schliessen. Das Haus selbst wurde erst im Jahre 1800 abgebrochen, als der Platz bereits frei war. Das andere im Bilde rechts stehende etwas niederere dreistöckige Haus mit fünf Fenstern wurde bereits im Jahre 1792 bei Gelegenheit der ersten Regulirung des Stefansplatzes demolirt, so dass das nebenanstossende Baldaufsche Haus (von dem später die Rede sein wird) heute eine Ecke bildete. Von den mehreren hier befindlichen Kaufmannsläden machte sich besonders ein Kürschnergewölbe mit ausgeschlagenen Tigerfellen und ein Glockengiesser-Geschäft mit zur Schau gestellten Musterglocken in den Fensterauslagen bemerkbar. Die Magdalenenkirche, wie sie uns (.sub Fig. 24) entgegentritt, wurde bereits im Jahre 1388 an Stelle einer uralten, schon im XIII. Jahrhundert hier befindlichen Virgiliuscapelle erbaut und vom Papste Innocenz XI. 1696 mit vielfachen Indulgentien ausgestattet. Sie diente verschiedenem Zwecke; so war sie z. B. der Versammlungsort der „6(t>rribfr3e<$e" oder „3linft 6er ftäbtil'chen ftotare", welche hier eine Stiftung auf eine tägliche Messe hatten, ebenso der Vereinigungspunkt der in Wien so beliebten und verbreiteten „23tu6er)$flft 6er 3JDdun6ükr3i3 Jünger <£(>rifiti", welche die Geistlichkeit mit Lichtern, bunten Fahnen und goklgestifckten Baldachinen begleiteten, wenn das Allerheiligste zu den Kranken getragen wurde. Am 12. September 1781 brach in der Kirche aus unbekannter Ursache Feuer aus, wodurch sie rettungslos bis auf den Grund niederbrannte. Der Heilthumsstuhl. Das historisch interessante und originellste Bauwerk des XV. Jahrhunderts war ohne Zweifel der „Heilthumsstuhl“. Er diente zur Aufbewahrung der Kirchenschätze und Heiligthümer, daher sein Name. Die Abbildung 1 ) (sub Fig. 25) zeigt uns denselben als stattliches, thurmartiges, einstöckiges Gebäude aus schweren breiten Quadersteinen mit zahlreichen Spitzbogenfenstern und mächtiger Rundbogen-Durchfahrt. ‘) Diese Abbildung ist dem alten „Heilthumbüchlein“., einem höchst seltenen, iöOä bei Johann Winter- bürger in Wien im Drucke erschienenen Werke entnommen, welches zu einem der frühesten Druckwerke der Stadt zählt und zu den bibliographischen Kostbarkeiten gerechnet wird. Das Bild zeigt jiich von Seite des erzbischöflichen Palais besehen. An den mit kostbaren Teppichen geschmückten Fenstern bemerken wir einen Bischof nebst anderen infulirten Geistlichen. Der niedere Clerus hat die rückwärtigen Plätze (dem Zusehen gegenüber) auf der Strasse eingenommen. Auch das damalige Costüm ist charakteristisch, die Männer mit wollenen „Schäppeln“, die Bürgersfrauen mit „Gugeln“ und dem gewöhnlichen Tuchmantel, dessen Schnitt ganz merkwürdig der gegenwärtigen Jyau^nmode sich wieder nähert. K •I- Fi-fft 24. „Die Magdalenenkiiche.“ Die Passage-Knveiterung am Stefansplatz und ihre Ursachen. 61 Er wurde 1483 unter Friedrich III. erbaut. Die Architektur heil. Stefan und die heil. Katharina auf Halbsäulen unter schönen ornamentale Schmuck. Der erste Stock diente zur Unterbringung der reichen Kirchenschätze, massiver goldener und silberner Geräthe, Goldgefässe aus dem Orient, Kreuzpartikeln und anderer mit kostbaren Edelsteinen besetzten Kleinodien aller Art, die für die damaligen Zeitverhältnisse einen nicht unbedeutenden Werth repräsentirten. *) Zu bestimmten Zeiten wurden hier alljährlich „Kirchenfeste“ abgehalten, so z. B. ist edel und einfach, der Baldachinen der einzige zu Ostern oder am heiligen Stefanstag, wo dem Volke die „Heil.igthümer“ unter Ab- singung eigener Kirchenlieder aus den Fenstern heraus gezeigt und erklärt wurden. Zum Schlüsse gab man mit den „Kreuzpartikeln“ den Segen, oder trug sie wohl in feierlicher Procession um die Kirche und in den Strassen umher. Am heiligen Christabend wurde der sogenannte „IPolffcgen" ertheilt, eine Art öffentliches Gebet zur Hintanhaltung der damals so gefährlichen Wölfe, deren furchtbare Verwüstungen zu den empfindlichsten Landplagen der Wiener gehör- ) Zeitgenossen teil, kirchlichen des Volkes erzählen, dass bei solchen Anlässen stets der Zusammenlauf so gross war, dass es selten ohne Unglücksfalle ablief und das Bedfirfniss nach Raumerweiterung daher immer fühlbarer wurde. R t« »I Uff. 25. Der lleilthumsstuhl. Die Passage-Erweiterung am Stefansplatz und ihre Ursachen. Den ersten Anstoss zur Freiwerdung des Stefansfrcnlhofeö gab Leopold I. durch das Abbrechen des „Heilthumsstuhles“, dessen Demolirung mit 1699 begann und mit 1700 endete. Auch die Ueberfüllung der Gräber war im Allgemeinen ein Grund mehr zur Aufhebung der Stadtfriedhöfe, wiewohl man damals nichts Unpassendes darin bemerkte, dass mitten in den Strassen die Friedhöfe und Grabkrpuze die Passage hemmten. Man war an ihren düsteren *) Wie gross der Geldwerth dieser Kirchenschätze gewesen sein mochte, geht schon aus dem Umstande hervor, dass in den Jahren 1526 und 1531 während der drohenden Türkeninvasion 2000 Goldgulden zur Verproviantirung der Stadt und 2000 zur Befestigung der Vertheidigungsmauern durch die Einschmelzung dieser Edelmetalle disponibel wurden, wie dies die über diesen Gegenstand zwischen dem Statthalter und Hofrath Ferdinands des I. und der Bürgerschaft im Jahre 1526 und 1531 gepflogenen Verhandlungen urkundlich beweisen, deren Acten noch heute im Stadtarchiv erliegen. s ) Zu jener Zeit, als noch die ganze Leopoldstadt, Rossau und die Ufer der Wien stark mit Auen bewachsen waren und die herzoglichen Wälder südwestlich bis an die Weingärten der Bürger und die Ausläufer des Wienerwaldes bis nach Matzleinsdorf sich erstreckten, da zeigten sich die Wölfe in sofgrossen Scharen, dass man ihrer kaum mehr Herr werden konnte. Stallungen und Gehöfte waren ihrer Raubgier preisgegeben und noch heute erinnert *Wolfsau“ (heutige Brigitterau), Wolfshrucke (ausserhalb dem Tabor), Wolfschütt und Wolfersdorf an die Calamitäten jener Zeit. Vide Schlager’s „Skizzen**, II. Band. 0 I 4 62 Andere Ursachen der Passage-Erweiterung. Anblick gewöhnt, ja man wandelte oft stundenlang auf allen Spaziergängen ganz ungenirt an Gottesäckern und Grabeshügeln vorbei, ohne auch nur im Mindesten das Bild der Verwesung oder die Schauer des Todes mitzuempfinden. Die Pietät für seine Angehörigen und nächsten Verwandten mochte beigetragen haben, das Unschickliche und Lästige der Sache gar nicht zu bemerken; dennoch erliess Carl VI. im Jahre 1732 eine Verordnung, wonach keine Leichenbestattung am Stefansfreyt- hof mehr vorgenommen werden dürfe. Einen nicht minder wichtigen, wenn auch unfreiwilligen Erweiterungsimpuls gab die Demolirung der niedergebrannten „Magdalenenkirche“ und die Resolution Josefs II. vom Jahre 1782, die Aufhebung der beschaulichen Klöster betreffend. Sein durchdringender Verstand erkannte schon seit lange die Klöster, welche blos ein „beschauliches“ Leben führten, als eine kostspielige, lästige und daher wahrhaft unnütze „Staatsbürde“. Denn (wie er wörtlich in der Verordnung sich ausdrückt) „fie conf'utttircit 6ie @taatefräftd, ofyue für beit Staat etwas 3U probu^trett". Aber mit der Idee der Aufhebung dieser Klöster und ihrer Gotteshäuser war natürlich auch jene der „Gottesäcker“ sehr naheliegend. Er erliess also unterm 9. October 1783 eine Verordnung an alle Bürger, worin er dieselben aufforderte, Rechte auf bie ©rakr ifcrct? Familien innerhalb einer Jabresfrift geltenb 31t juatfum". Freilich war die Durchführung einer so einschneidenden Verfügung bei den damals herrschenden Vorurtheilen des Publi- cums und den hohen Taxen der Geistlichkeit, die dieselben nicht so leicht fahren lassen wollten, eine ausserordentlich schwierige, ja man konnte nicht im Entferntesten daran denken, dass es je möglich werden würde, die Stadtfriedhöfe in Wirklichkeit aufzulassen. Aber noch ein anderes Motiv, ein ästhetisches, schwebte vor Josefs grosser Seele. Es war dies sein natürliches Schönheitsgefühl, sein mächtiger Freiheitstrieb, der ihn anspornte und nicht länger ruhen Hess, bis nicht auch dem herrlichsten Bauwerke des Mittelalters seine „Freiheit“ gegönnt sei. Warum auch sollte einem architektonischen Kunstwerke ersten Ranges nicht der nöthige Raum zur Formenentfaltung gewährt werden? Warum sollten seine architektonischen Reize dem Auge für immer verborgen bleiben? Er erliess also eine besondere Verordnung zur gänzlichen und sogleichen Wegräumung aller fünf Leichen fehler; mit dem Verschwinden der Friedhöfe war natürlich auch das Abbrechen der vier Leichenthore (mit Verordnung vom 17. September 1788) verbunden. Schon zwei Monate darauf war das tlTef>ncr=> ITeibhutL, Stefane und Scopdbötbor (von denen später die Rede sein wird) spurlos verschwunden. Es blieben sonach nicht mehr als die fünf Häuser vor der Kirchenfront übrig, aber auch ihre Stunde hatte alsbald geschlagen und die am 19. August 1792 stattgehabte Rückkehr des Kaisers Franz E von der Krönung aus Frankfurt gab die entscheidende Veranlassung. An diesem Tage nämlich wurde für den Kaiser ein glänzender Empfang und ein solennes Te Deum in der Stefanskirch^ vorbereitet. Die Würdenträger des Reiches erwarteten ihn vor dem Eingänge des Riesenthores. Es musste also vorher hier ausgiebig Raum geschaffen werden und der Kaiser widmete daher schon einige Monate vorher in wahrhaft hochherziger Weise jene 16.000 Gulden (die regelmässig bei Kaiserkrönungen für Aufstellung von Triumphpforten und Gerüsten am Graben und Kohlmarkt in Verwendung zu kommen hatten) zur Demolirung dieser alten Häuser vor der Stefanskirche und leistete auf jede Feierlichkeit für seine Person grossmüthig Verzicht. ’) So kam es, dass schon im Juni 1792 das Messner- und Leihbahrhaus, sowie das eine dreistöckige Zinshaus gegen den Stock-im-Eisen, dann 1800 das Cantorhaus und 1803 das andere vierstöckige Zinshaus fielen, so dass mit 1. März 1804 alle Räume um den Stefansplatz herum frei wurden und derselbe die heutige Physiognomie erhielt. Jetzt erst kam der ehrwürdige l ) Zur Erinnerung an diese kaiserliche Verzichtleistung liess der Magistrat von dem geschickten Künstler Carl Schütz eine grosse Ansicht des Stefansdomej in Kupfer stechen mit der Inschrift: „Dem Andenken Kaiser Franz II., neu- gekrönten römischen Kaisers, der durch Erweiterung und Verschönerung dieses Platzes die Bequemlichkeit seiner Bürger, die Zierde seiner Hauptstadt Ehrenbogen vorzog. Gewidmet von dem Bürgermeister. Käthen und der Bürgerschaft der Stadt Wien 1792." Der Stefansdom. f ,63 Dom zu seiner vollen Geltung, zu der er längst hätte gelangen sollen, und nun erst konnte man nicht blos seine „inneren Hallen“ bewundern, sondern auch seinem „äusseren Kleide“ die verdiente Ehrfurcht zollen. Der Stefansdom. Unter allen Bauten nimmt der alte Stefansdom, von dem ich hier meinen Lesern (sub Fig. 2(i) eine höchst kostbare und seltene Abbildung bringe, die vornehmste Stellung ein. Er ist der ehrwürdige Liebling der Wiener. Jahrhunderte sind an seinem altersgrauen Haupte vorbeigezogen; er hat Vieles erlebt und gesehen, „Leid“ und „Freud’“; er sah Fürsten erheben und stürzen und Könige zu Staub machen, während er oft das stille Gebet des Bettlers, das leise Schluchzen manches gebrochenen Herzens erhörte. Und er ist doppelt ehrwürdig, weil hier Millionen Menschen inbrünstig gebetet und Millionen Trost und Erhebung gefunden. Aber auch in anderer Beziehung ist er bemerkenswerte Er wurzelt nämlich mit seinen Bauten in der „romanischen Epoche“ und ragt in die Blüthezeit der „Gothik“ hinein und bildet so den Nachweis, dass er einer der frühesten „Hallenbauten“ Oesterreichs war und dadurch der österreichischen Kirchenarchitektur eine bestimmte nicht unwesentliche Richtung gab. Und welche Opfer kostete er nicht! Welche Unsummen verschlang er nicht dieser „Steinkoloss“! Der Goldgulden des Reichen und der Kupferpfennig des Armen, die Ablassgelder des Papstes, die Strafgelder der Bürger und die Toleranzsteuern der öffentlichen Frauenhäuser, sie alle wanderten gleichmässig in die Bauhütte, sie alle, „Sünde“ und „Gottesfurcht“, halfen mit gleicher Kraft und Liebe den Bau zu fördern, „Sünde“ und „Gottesfurcht“ haben auch wirklich nach drei Jahrhunderten ihn zu Ende geführt. Und wenn wir heute das „Wunderwerk“ so recht aufmerksam betrachten und recht lange hineinsehen in das bunte Gewirr von Spitzen und Zacken, so können wir uns eines ehrfurchtsvollen Schauers kaum erwehren. Der ganze 1 Zauber der „Gothik“ nimmt uns plötzlich gefangen. Es scheint alsdann, als ob sich jetzt Alles belebte, als ob Alles emporwüchse zum Licht, zum Himmel hinan; eine Spitze aus der andern, immer höher und höher rastlos aufsteigend in endlosen Pyramiden, Fialen und Giebeln. Freilich waren die ersten Anfänge dieses Kirchenbaues sehr bescheiden und ärmlich und das Gotteshaus, als es noch ausserhalb der Stadtmauern lag, erreichte bis in die Zeit Rudolfs IV. und auch später bis Albrecht II. kaum die Hälfte des heutigen Umfanges. Auch die Stirnseite am Hauptportal war dem entsprechend sehr schmal und reichte ^ur Zeit der Regierungsepoche Albrechts II. nicht weiter als rechts bis zur heutigen Eligius- und links bis zur Kreuzcapellc. Die beiden Länge’nsciten erstreckten sich ebenfalls nicht weiter als bis in die Gegend der späteren beiden Thürme. Aus diesen alten Zeiten ist uns nichts übrig geblieben als die Hauptfagade am Riesenthor und die beiden Heidenthürme, die noch die letzten Spuren der romanischen Architektur und Sculptur an sich tragen, mit denen auch die reiche ‘Ornamentik der Säulen im Westp<#rtal, die Stvlisiru/ig der‘Brustbilder der Apostel und Evangelisten und das Mittelbild ober dem Haupteingange der Kirche (von dem später die Rede sein wird) im Einklänge stehen, dagegen die Vorsprünge, die kleinen Giebelansätze, das hohe Spitzbogenfenster und die Gallerieeinfassungen ober dem Riesenthore unzweifelhaft Restaurationsarbeiten einer späteren Epoche (aus der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts) sind. Was die Baugeschichte des Domes selbst betrifft, so haben die neuesten Forschungen auf dem Gebiete der vergleichenden Kirchenbaugeschichte dargethan, dass entgegengesetzt den Annahmen der bisherigen Geschichtschreiber nicht Heinrich Jasomirgott, sondern seine Vorgänger an der Stelle eines alten Kirchleins den Grund zur romanischen Kirche legten, und dass schon 1137 von den passauischen Bischöfen zu St. Stefan pfarrherrliche Rechte geübt wurden h'ig. 20» Der alte Stefansfreythof mitTseinen Grabfeldern und der alten Denksäule. 64 Per alte Stefansfreythof mit seinen Grabfeldern. ßmJmm mm: Itoih fcfi-ik r, [i^i : I IPiii v— msm : ll! L 1 &. . K - : fl *t ! £l I» Mi »»•r.’t ’ rrv • *•’ «Sä- imi xS-SX | S^31WCTr"3B fl S^ :'.S«S23S K£ apE* tj r _LO_L iSMi rlir^mjratswS 3 / s,l»l V na»HS&r ^S5räd :-.f-.f nr ^2=5 *^fa c53| >>*i5 yS=y?^WTni»BhK- .i^i i J 1 Äm# 7JT*« r III In rfr-tT r~ r rr IM 1 U-Ju :S*l*r* *f?rl f I-Li’f. ■m r^T. em-u T~T r.'. ■/ * Geschichte des Dombaues. — Chronologie der Dombaumeister. 65 und der Bau unter Markgrafen Heinrich Jasomirgott im Jahre 1144 nur eingevveiht worden war. Ob jedoch die Westfagade wirklich dem ältesten Baue angehöre oder nicht, ist nicht zu ermitteln, da hierüber alle Urkunden fehlen und erst in den Jahren 1258 und 1276 gelegentlich zweier (einen grossen Theil der Stadt verheerenden) Feuersbrünste dieser Kirche erst wieder Erwähnung geschieht. Nach dem gegenwärtigen Stande der Chronologie der Bauwerke ist es jedenfalls schwer anzunehmen, dass schon zu Anfang des XII. Jahrhunderts in Wien der romanische Styl eine derartige (der Uebergangsperiode nahekommende) Entwicklung des Kirchenbaues und der Portalgliederung gehabt haben sollte; weit eher lässt sich annehmen, dass diese Hauptfagade mit den beiden Heidenthürmen erst gelegentlich dieser Brände (1258 und 1276) entstanden. So viel ist jedoch gewiss, dass bereits Herzog Albrecht die Kirche vergrösserte, den Bau des Hauptportales im Jahre 1339 auf dem Platze der mittleren Apsis in Angriff nahm und diesen so rasch förderte, dass derselbe schon zu Ostern 1340 geweiht werden konnte; *) und dass endlich auch Rudolf IV. an dem Umbau eifrigst Antheil nahm und einen Plan entwerfen liess, dem wir die heutige Gestalt der Kirche verdanken, dem zu Folge er am 7. April 1359 den Grundstein zum Langhaus, sowie auch zum Hochthurme legte. ') Rudolfs Nachfolger, insbesondere Kaiser Albrecht II., setzten mit Eifer den Kirchenbau fort und in die Periode von 1365 bis 1395 fielen folgende Aufbauten: das Fangballs bis zu den beiden Thürmen, die <£li0t' und der zweite nördliche Thurm, dessen Ausbau jedoch an der Ungunst der Zeitverhältnisse scheiterte, obgleich man ihm dieselbe Gestalt und Höhe wie dem jetzigen zu geben bemüht war. Die späteren Jahre waren dem Umbau des oberen Langhauses und der Vollendung des Hochthurmes gewidmet, so dass schon im Jahre 1433 die „Thurmspitze“ gekrönt, * * 3 ) 1446 das Langhaus eingewölbt, und endlich 1490 die Bedachung vollendet werden konnte. 4 5 ) Uebrigens dürften die im Stadtarchive aufbewahrten Original-IltrcJienmäftenT^nunijetl ein lehrreiches Material über die chronologischen Arbeitsleistungen dieses Kirchenbaues geben, da in demselben alle vom Anfang bis zum Ende an dem Bau beschäftigt gewesenen „Baumeister“ angeführt sind. Desgleichen befinden sich dort auch die alten £afdn der IPictKr Saumäftergenoffenföaft desselben Inhaltes. ä ) *) Es existirt eine auf Grund des „Wolmuet’schen Planes“ 1547 von Alb. Kitter von Cainesina ausgearbeitete Zeichnung. 61 Centimeter breit, 47’4 Centhneter hoch, Eigenthum des Stadtarchivs, von hohem Interesse. Die in den Grundrissen des Domes eingezeichnete rothbraune Anlage bezeichnet genau die Gestalt und Grösse der „altert rOmatUilR’IT Pfarrfirite". Näheres siehe: „Berichte und Mittheilungen des Wiener Alterthumsvereines,“ XI. Band. a ) Rudolfs Antheil an diesem Bau. Vide österr. Chronik von Petz, T. 1, col. 1149. llaselbach’s Chron. aus: bei Petz, T. II, col. 406 und 805, dann den Brief des Pfarrers bei St. Stefan Leopold Sachsengang vom Papst Innocenz VI., abgedruckt bei Tilmecz, Seite 139 und ananymi Vienne Chron. Je., col. 550. a ) Ueber die Vollendung des Thurmes gibt die Chronik eines Unbekannten in Petz, Script. R. A. T. II. col. 550 mit den Worten Auskunft: „Anno mill. trics. tertio bat man bert ibnepii auf den Zürn 3 u Sand Stephan gefaxt, bas die „b&b ÖC3 Ultras ift rollbracfit worben." Vide auch „Feil’s kritische Aufsätze über den Stefansdom“ in „Schmidt’s österr. Blättern für Literatur und Kunst,“ 1845, Seite 163. 4 ) Im Jahre 1514 wurde der Giebel des Thurmes durch grosse Ungewitter und Erdbeben stark beschädigt, in Folge dessen der Dombaumeister Georg Hauser zu den nöthigen Reparaturen sechs höchst interessante Grundrisse und Aufrisse der beiden Thürme auf Pergament entwerfen musste, die noch heute im Wiener Stadtarchive als kostbare Documente aufbewahrt sind. 5 ) Nach den Kirchenmeister-Rechnungen und den Tafeln der Wiener Baumeister-Genossenschaft waren folgende Baumeister beschäftigt u. zw,: 1150 Octavian Volkner aus Krakau, als der älteste, über dessen Kunstfertigkeit seine Zeitgenossen das glänzendste Zeugniss geben. 1388 Wenzlar aus Klosterneuburg, der mit Ulrich Hellbing gemeinschaftlich an dem Aufbaue des Langhauses beschäftigt war. 1405 Peter v. Prachawitz, der mit Ulrich Hellbing diese Arbeiten fortsetzte. 1417 Peter v. Brachawitz allein. 1439 Hans v. Brachadicz, dem, wie aus den Kirchenmeister-Rechnungen hervorgeht, das Glück zu Theil wurde, die Spitze des Thurmes zu krönen. 1445 Hans Puchsbaum 9 I 66 Der Gottesacker am alten Stefansfreythof. Der Gottesacker am alten Stefansfreythof. Der Gottesacker am 6tefajtöfreptt>of war einer der grössten der Stadt. Er war in fünf „Leichenfelder“ eingetheilt, wovon jedes seine besondere Benennung hatte 1 ) und ringsum zwischen zwei einfachen Geländern eingeplankt war, wie wir dies in Figur 26 sehen. Die eine Umzäunung trennte die Leichenfelder von der Kirche und die andere von der Strasse. Die vier Zugänge waren Nachts durch besondere „Thore“ abgesperrt. Das eine Einfahrtsthor, „iUejjncrtyor/' stand neben dem Heilthumsstuhl an der Ecke des heutigen erzbischöflichen Palais und führte seinen Namen von der dortigen Messnerwohnung; hier musste man sich Nachts beim Messner melden, wenn es sich um Spendung der Sterbe- sacramente oder uin die Taufe von schwachen Kindern handelte. Das Thor wurde im Jahre 1466 neu erbaut und ist hier in Figur 20 mit ICr. 1 bezeichnet. Es ist an den ober demselben befindlichen drei grossen aus Stein gehauenen „Kreuzen“, sowie an jenen vier „Nischen“ erkennbar, die mit den Statuen der Muttergottes, des heiligen Stefan, Johannes und Sebastian geziert waren.* *) Das zweite Einfahrtsthor zwischen dem Cantorhaus und der Magdalenen- kirche (nach Ogesser), ebenfalls im Jahre 1466 errichtet und im Jahre 1675 neu hergestellt, hiess das „ileibbarbstbot" von dem in der Nähe befindlichen Grabe des ITeibbftrb Jrltdjö. Man gelangte durch dasselbe zunächst zur Magdalenenkirche. Das dritte Einfahrtsthor, „6tefanst()0V/' gegenüber der Singerstrasse, am Ende der heutigen Churhausgasse stiess (wie es der Wolmuet’sche Grundplan andeutet) auf der einen Seite an die „Steinmetzhütte“ und auf der anderen an die unregelmässige Front des „Deutschen Herrenhauses“. Es war (nachOgesser) mit der Statue des heiligen „Stefan“ und der Renovirungs- zahl „1674“ versehen; 3 ) gegenüber diesem Thore in dem kleinen Häuschen an der Kirche, welches (Buxbaum), der auch den zweiten unausgebauten Thurm begann und den Bau des Langhauses beendete, sowie die Ueber- dachung des Innern leitete. 1454 Lorenz Sponyny. 1461 Egydius Paun. 1478 Gily Paun, dessen jüngerer Bruder, und Simon Achleitner, die Alle an dem Bau der oberen Sacristei und der beiden Seitenchöre, sowie auch an dem Umbau des mittleren Chores arbeiteten. 1485 Linhart Steinhawer aus Erfurt, der den Bau des neuvollendeten Thurmes fortsetzte. 1496 Georg Oechsel. 1505 Seifried Künig aus Constanz. 1506 Georg Klaigh aus Erfurt. 1506 Anton Pilgram, dem der Bau der beiden Vorhallen am Bischofs- und Singerthor, sowie der Plan zur Kanzel und der Orgelfuss (von denen zwei letzteren ich später spreche) zugeschrieben wird. 1515 Georg und Leonhard Hauser. 1584 Michael Fröschel aus Trier. 1534 Leonhard Schärtinger. 1547 Bonifaz Wolmuet aus Krakau, der den bereits erwähnten kostbaren Grundriss von Wien verfertigte. 1556 Hans Sapony, der den unfertigen Thurn im Jahre 1579 provisorisch überbaute und mit einem Kupferdach versah. 1590 Peter Krug aus Worms. 1598 Max Schor. 1606 Georg Peninger. 1624 Simon Hund- peller. 1627 Simon Unger. 1637 Hans Horsdorfer. 1809 Architekt Aman. 1840 Paul Sprenger. 1853 Leopold Ernst und endlich 1863 Friedrich Schmidt, dem das Verdienst gebührt, bei der letzten Renovirung, die bis zur Hälfte abgetragene „Thurmspitze“ in einem verhältnissmässig kurzen Zeiträume von 1% Jahren nach einer von ihm selbst entworfenen Construction in gleicher Höhe und Gestalt wieder erbaut zu haben. Zur Bestreitung dieser Restaurirungsarheiten wurden von Sr. Majestät dem Kaiser Franz Josef I. ein Jahresbeitrag von 50.000 fl. und vom Gemeinderathe jährlich eine Dotation von 30.000 fl. auf die Dauer des Baues angewiesen und auch von Seite mehrerer Mitglieder des kaiserlichen Hauses namhafte Beträge gewidmet. Vide „Alt- und Neu-Wien in seinen Bauwerken“, den Mitgliedern der XIV. Versammlung deutscher Architekten und Ingenieure gewidmet vom Loealcomite des Wiener Ingenieur- und Architekten-Vereines. (Selbstverlag des Comites, Wien 1864.) *) Die fünf Leichenfelder hatten besondere Benennungen u. zw.: am nördlichen Langhaus hiess es am ^„Surflenbubl"; an der Südseite am „Pflltttbubl": beim Zwettelhof „SfUbenfettbÜbl"; beim deutschen Haus „KtSlUCrbÜbl". Das fünfte grösste Grabfeld, das vor der Steinmetzhütte und Bürgerschule ausgebreitet lag, hiess am „Karner" (wie in Figui 26) 2 ) Hier pflegte man auch die Todten anzusagen, (was täglich zu Mittag und zur Vesper geschah) und auf Verlangen „Todtenlisten“ auszutheilen. Vide „Ogesser’s Geschichte des Stefansdomes“. *) Noch ein kleines „Gehthor“ befand sich beim Ausgange des IDenigergÜftelS zum Stock-im-F.isenplatz (zwischen den Häusern heute Nr. 1 und 2 Stock-im-Eisenplatz), welches diesen Platz mit dem Stefansfreythof verband. Es wurde Nachts mit einem Eisengitter abgesperrt. Das Hlenigergdffel kommt bereits in der Urkunde der KrätnerjecJie in Hormayr’s Urkundensammlung CCLXXXII vor. Vom Jahre 1385 wurde es im Stadtgrundbuche „Heines ©dfclein 3Und$ft bem SfabtCOllegittm" und vor 1420 „Saubergaffe junatbji betn 25lirgertOl(egtunt" (wahrscheinlich von einem nächtlichen Ueberfall) genannt. Im Jahre Die Kunstdenkmale des Domes von aussen. 67 heute der Messner bewohnt, befand sich im Jahre 1557 der „Stefansthurmwirth“, der auch mit dem Geschäfte des „Feueransagens“ betraut war, wofür er wöchentlich zwei Schillinge erhielt.') Zwischen diesem Leichenfelde und der Steinmetzhütte befand sich eine altherthümliche Säule die wir noch auf dem Bilde bei Figur 26 bemerken. Das vierte Einfahrtsthor, „CeopoIböt^Of,“ bei Ausmündung der grossen Schuler- strasse (nach Ogesser) mit der Statue des heiligen „Leopold“ und der Jahreszahl „1688“ versehen, war an eine alte vier Klafter hohe Mauer angebaut, die durch ihre hohe „Zinnen“ deutlich erkennen liess, dass sie keine blosse Kirchenmauer des alten Stadtbezirkes gewesen sein konnte. Sie lief noch zu Ende des XVI. Jahrhunderts bis zur ehemaligen „Zwettelhof-Capelle“ und von dort in gerader Richtung gegen jenes „alte Bollwerk“, welches auf der Abbildung (unte r Figur 20, Nr. 5) noch als ganz gut erhalten sich darstellt. Mit der Aufhebung der Friedhöfe ging natürlich auch das Abreissen der alten ©rab= und Dentjiäne a ) Hand in Hand, die theils zur Ausschmückung der „inneren“ Kirchenwände, theils auch zur Zierde der „Aussenseite“ benützt wurden, wo sie sich noch heute befinden und von denen einige nicht ohne erheblichen Kunstwerlh besondere Erwähnung verdienen. Die Kunstdenkmale des Domes von aussen. Zu den ältesten und zugleich künstlerisch hervorragendsten Sculpturen des Mittelalters gehören in erster Linie die reich ausgestatteten ornamentalen und figuralen Verzierunge n des grossen Westportales. Der Reichthum der Ornamentik, die Mannigfaltigkeit ihrer Motive, sowie die bis ins kleinste Detail mit Sicherheit und Schärfe gleich ausgeführten figuralen Arbeiten müssen hier wahrhaft überraschen. Gleich beim Eintritt in die grosse Portalhalle bemerken wir oberhalb des Thoreinganges das grosse Mittelbild (Figur 27), den Heiland, im Eirund auf einem Regenbogen sitzend, von zwei knienden Engeln umgeben, Segen spendend. Die Allegorie dieses schönen Portalbildes lässt ihrem Sinne nach an „Klarheit“ und „Deutlichkeit“ nichts zu wünschen übrig. 1580 verwandelte es diesen hässlichen Namen in XircbCtKjdflel, welche Benennung es bis zu dem im Jahre 1742 erfolgten Neubau des grossen C uraten hauses beibehielt, worauf es als „Sackgässchen“ bis zum heutigen Tage verbaut blieb. l ) Eine Oberkammeramtsrechnung vom Jahre 1557 berichtet wörtlich: Itter (ab icb beit Ttttlbröfij 1)013= matt HJiert „tmberbalb 6t. 6terfanstburm" auf bettt cSreijt(of bttrd) 40 B)oc(en iebe jtoet) Schilling besablt. *) Viele der kostbarsten Grab- und Gedenksteine, die als unschätzbare Erinnerungszeichen für die Kunst, für Geschichte, Genealogie und Heraldik hätten dienen können, gingen leider im Laufe der Zeit spurlos zu Grunde. Ein grosser Theil dieser Schuld muss auf Rechnung der Reformation geschrieben werden, denn mit der Bilderstürmerei ging auch die Gräberstürmerei Hand in Hand. Der tiefe Verfall der Sitte, die grosse Verwilderung der Gemüther, der blinde Fanatismus jener Zeit hasste Alles, was den Glauben an die Fortdauer nach dem Tode, den Glauben an die Unsterblichkeit in Bild und Wort aussprach. Selbst die vornehmsten protestantischen Adelsgeschlechter (in den ersten vier Jahrzehnten der Reformation) genirten sich nicht im Mindesten selbst ihre Grabsteine aus der Kirche und aus den Friedhöfen hinwegzunehmen, um sie mit Ostentation als Ecksteine, zur Pflasterung, zu Keller- oder Hausbauten zu benützen. Nur so erklärt es sich denn auch, dass von den zahlreichen alten untergegangenen österreichischen Adelsgeschlechtern seit den ältesten Zeiten bis Ferdinand II. in und um den Stefansdom kaum ein Stein von Bedeutung sich vorfindet, der Kunde geben würde von seinem alten Glanz und seiner alten Herrlichkeit. Und als Graf Ernest Trautsohn 1686—1688 die Gräber bei St. Stefan verzeichnen liess, fanden sich in und ausser der Kirche, an den Capellen und auf den Friedhöfen deren noch gegen fü nfth al bhun dert vor.’ Auch diese schmolzen im Laufe der Zeiten um die Hälfte, ja um das Zehntel zusammen und verminderten sich noch zu Ogesser’s Zeiten (1779) um ein Bedeutendes und als endlich in der spätjosefinischen Epoche (1788) man an die gänzliche Aufhebung der „Leichenfelder“ Hand anlegte, ging auch der letzte Rest durch Unachtsamkeit, Gleichgiltigkeit und Mangel an nöthiger Aufsicht zum grössten Theile verloren. So bot sich uns denn das traurige Schauspiel der Tage aus der Reformationszeit gleichsam in veijüngtem Massstabe wieder dar. das um so strafbarer erscheinen muss, als diese Zeitgenossen ungleich höher an Bildung und Gesittung standen als ihre Vorgeher und offenbar mehr Respect für Kunst und Geschichte hätten an den Tag legen sollen. 9 * 68 Das Westportal des Domes. — Jesu im Eirund. — Die Friese. Es soll nämlich damit der Gedanke ausgedrückt werden: „Der Heiland spende denjenigen Segen und Wahrheit, die zu ihm eingehen und an ihn glauben.“ Gewiss »I fl 1,1 :tti Fig. 27. Jesu im Eirund. ein sehr passendes Symbol für Kirchenthüren, indem es gleichsam die eigenen Worte Jesu paraphrasirt, die wir aus dem X. Capitel Johannis (9. Absatz) kennen und die da lauten: „Ich bin die Thür, wer durch mich eingeht, der wird selig werden.“ ’) Auch die Bildwerke am Friese des Portales sind für die mittelalterliche nationale Archäologie und Symbolik von hohem Interesse. Der Raum gestattet mir wohl nicht, alle einzelnen Details im Bilde zu besprechen, daher es genügen dürfte, die wichtigsten hervorzuheben. So sehen wir z.B. an der Profilseite rechts einen vorschreitenden Löwen mit zornigem Blick, ihm zur Seite zwei abwärts schauende Tauben und in der entgegengesetzten einen *) Der Regenbogen muss hier als Symbol des ausströmenden Friedens genommen werden und vertritt in der bildenden Kunst der romanischen Periode häufig die Stelle des Stuhles, auf dem der Heiland sitzt, denn in der „Offenbarung Johannis“ heisst es: „Der Regenbogen leuchtet um den Stuhl des Herrn.“ (Vide Johanni Capitel IV, 3, ur.d „Hisloire de Dien “ von Diderot pag. 593, und „Oberbairisches Are hi v“ III. Band, pag. 142.) Dann Dr. Eduard Melly’s „Westportal des Domes zu Wien in seinen Bildwerken und Bemalungen“, Wien, bei Sommer, 1850. Fig. 28. | MUH 11 M ( If |Mj Ijff fl M'tl illlllt l'.llllillll:l!i!'M ll'IQ, 'I '». Mil 1 Ui. in iiiililnl mssm MiM 'M tu« mix Das Westportal und die weiteren Friese. 69 jugendlichen Kopf mit kegelförmiger Kopfbedeckung (in Figur 28). Der grimmige Löwe ist hier als „Wächter“ des Heiligthums gedacht, der Umschau hält, dass nichts Unreines eindringe, *) während die Tauben als Sinnbild christlicher „Einfalt" und „Sanftmuth“, zu nehmen sind. „Sie sollen sein sanft wie eine Taube und klug wie eine Schlange“ heisst es im Evangelium des Paulus, wie er sich in dem Verse ausdrückt: ,,Shnplicibus produnt (colmnbae) regna patere Dei.“~) Der jugendliche Kopf dürfte jedenfalls eine ausgezeichnete jüdische Persönlichkeit darstellen, da der „Spitzhut" damals ein Wahrzeichen der „Judentracht“ war und den Kampf des Christenthums mit dem damals (mehr als das Heidenthum) verhassten Juden- thume personificirt. Ein weiteres Bild (in Fig, 29) zeigt uns zwei Paare syrenen- oder sphinxartiger Gestalten, je zwei in einem Mädchenkopfe vereinigt, die Füsse mit löwenartigen Klauen versehen, die Flügel in die Höhe gerichtet. Sie stellen die gefährlichen Lockungen zur „Sünde“ dar, die als „symbolischer Typus“ durch das ganze Mittelalter in vielfachen Motiven wiederholt erscheinen. 2 ) Fig. 29. Endlich ein Bild (in Figur 30), ein langgestrecktes „Drachenpaar“ mit ineinander- geschlungenen Hälsen. Es sind dies jene vielen ungeheuerlichen Thiergestalten, welche die rege Phantasie des christlichen Alterthums so gerne und in so unerschöpflicher Mannigfaltigkeit wiederholt; -FmFr c © 9fäS*m GlIIU™',','»; ff/Jf/wwiwi tfiMiw iiiifMflitlftjfe'/ifillWlffiflJJ'WftfVifiHtfj ||iij iiimMi'i immv i n.• oKitJkuT's'h'i'Lii »i lA tlhyiajM mm mm Fig. 30. sie repräsentiren das „feindliche das Christenthum bekämpfende Princip“, wie z. B. Heiden- und Ketzerthum, „Laster“ und Sünde“.*) ’) Die Löwen kommen in diesem Sinne in ^er spätromanischen Kunstepoche häufig an deutschen Kirchen, noch öfter aber an italienischen und lombardischen Domeingängen vor; so z. B. an der Kathedrale zu Modena, Verona, Chiusi etc. etc. * a ) Paulinus not. Epist. XXXI. Vergleiche auch „Beiträge zur Siegelkunde des Mittelalters von Dr. Eduard Melly“ I, 89, s ) Vide „Piper’s Symbolik und Mythologie der christlichen Kunst“. Berlin 1847 I, p. 377—393. 4 ) Aehuliche Thiere in ganz gleicher Stellung befinden sich an einem romanischen Fragment in der Kirche zu Klosterneuburg. (Abgebildet im 3. Hefte der „Baudenkmale des Mittelalters im Erzherzogthum Oesterreich“ von Ernst und Ascher.) * 70 Die Denkmale Jörg Sigenfelder’s und Johann Straub’*. —■ Der Kreuzweg nach Golgatha. Von jenen „Sculpturen“, welche die Aussemvände der beiden Längenseiten schmücken, sind besonders nennenswerth: Das ©rabbcnfmal des ivientcrmdlters Jörg Bigcnfdöer aus dem Jahre 1517, zwar nicht sehr gross, kaum 150 Centimeter hoch und beiläufig 120 Centimeter breit, aber von tiefer Empfindung und wunderbar reicher Formschönheit. Wie wir sub Figur 31 sehen, nimmt das Steinbild uns gleich auf den ersten Blick gefangen, so überzeugend ist die dramatische Kraft, die dem Bilde innewohnt. Die schwerbekümmerte Mutter Maria, vom Schmerze überwältigt, sinkt fast zu Boden und wird nur noch mühsam von den sie umgebenden Frauen aufrecht gehalten. Es ist ja der letzte Händedruck, das letzte Abschiedswort, der letzte Scheideblick ihres Sohnes Jesus, der ihr jetzt tröstend die Rechte reicht, während er selbst halb abgewendet mit der Linken das Auge trocknet. Im Hintergründe sehen wir Paulus, Johannes und noch einen Apostel, ihres Meisters harrend. Jede kleinste Detail künstlerisch über das Ganze ein Zauber von Wahr- und Liebreiz ausgegossen; es befindet in s und heit sich der einzelnen Figuren ist bis ausgeführt beiläufig vier Klafter über der Erde (zu hoch für die Kleinheit der Figuren), gegenüber dem Churpriesterhause, am letzten Thurmpfeiler gegen die Wohnung des Messners. Ein anderes minder kunstvolles, aber ganz denselben Gegenstand behandelndes Steinbild befindet sich an der Frontseite gegen das deutsche Ordenshaus; es ist von bedeutend grösserem Umfange, die „Figuren“ fast lebensgross, in Zahl und Gruppirung dem ersteren völlig gleich, und weniger scharfer Charakteristik. So erscheinen z. B. die Gesichtszüge Jesus minder seelenvoll und die Frauen ohne Ausdruck, mehr geneigt, sich selbst als Marien zu trösten. Das Werk aus einem cirkelrunden „Mittelstück“ und sieben kleinen „Medaillons“ wurde im Aufträge Johann Gtraub’s, Ittrcbenmeifters 3U 6t. Stefan, Jahre 1540 von einem unbekannten Künstler verfertigt. Tig. 31. Abschied Mariens von Jesu. aber von weitaus geringerer Ausdrucksweise im Am zweiten henster der nördlichen Chorvorlage befindet sich ein merkwürdiges Steinbild aus dem Jahre 1523, „her UreUjtüeg UütJ) ©olgfitfya;" fast die meisten Figuren sind arg verstümmelt, der „Heiland“ unter der Last des Kreuzes tief gebeugt, schleppt sich nur mühsam fort, viele nach Art des XVI. Jahrhunderts gerüstete Pferde und Reiter begleiten den Zug, in welchem sich auch der Hohepriester und andere* mitunter recht ausdrucksvolle Köpfe befinden. Im Hintergründe sind „Fels“ und „Wald“ mit nahezu malerischer Kühnheit in den Stein gemeisselt. Auf einer Anhöhe sehen wir in kleinen, sehr fleissig gearbeiteten Figürchen die Gefangen - nehmung Christi. , Predigerkanzel Johann Capistran’s. — Grabmal Neidhart’s. — Das Veilchenfest. 71 Ein anderes zwar nicht durch seinen Kunstwerth, wohl aber durch seine geschichtliche Erinnerung hochbedeutsames Denkmal ist die grosse gegenwärtig aus Stein verfertigte „Kanzel“ des Heldenpredigers Tofianil (Sapiftnatt gegenüber dem heutigen Zwettelhof, wo er während seines Aufenthaltes fast täglich vor vielen Tausenden seine feurigsten Reden hielt. 1 ) Nach ihm bestieg Niemand mehr diesen Ort, daher sein Zugang verrammelt wurde; als aber die ohnehin nur hölzerne Kanzel alt und morsch dem Einsturze nahe war und überdies zur Erinnerung an die Pestgefahr (in der sogenannten „JCrmenfeelenoctaue'O hier im Freien Predigten abgehalten werden mussten,*) liess die Gemeinde, durch den Clerus angeregt, im Wege frommer Collecten die Kanzel, wiewohl ganz in ihrer ursprünglichen Gestalt, jedoch diesmal aus „Stein“ aufbauen, mit der ganzen Figur Capistran’s und den Siegestrophäen über die Türken geziert. Ein Gedicht ehrt sein Andenken mit folgenden Worten: ITocj) ift am 6tefansfreptt>of 31t i'e^ett bic Ransel ron 6tein, Darauf ber iapiftrau mit cSajm uttb IbeiltgenfödiL Dod) meint auch mar 3«fallen fein ißilb an jenem (ört, lUas er mit (Sott nerüfit, lebt mobl für alle Seiten fort. Endlich ist noch in der Halle zum Singerthor an der südlichen Langseite der Kirche das Grabmal des 1334 verstorbenen ®tto tleibjiart c§u 4 >S, lustigen Rathes Herzog (Ötto’ö des cStöf)* li(f>en A nennenswerth. Leider ist dasselbe stark verstümmelt und die lebensgrosse Gestalt Neidhart’s, in adeliger Kleidung, mit dem Schwert umgürtet und auf dem „Sarkophag“ liegend, kaum zu erkennen. Man nannte ihn den „35aurwfrinb" von den blutigen Kämpfen, die er wegen eines „üeil($enfefteö" mit den Bauern hatte und woher noch ein „Basrelief“ an der Schmalseite der „Tombe“ (wiewohl ebenfalls sehr verstümmelt) Kunde gibt. Das „Veilchenfest“ war nämlich schon zur Zeit Leopolds VII. in Wien eines der erhebendsten und sinnigsten „Volksfeste“. Eine nähere Erklärung darüber mag hier wohl ihre rechte Stelle finden. Das Veilchenfest in Wien. Die Wiener hatten bekanntlich von jeher eine grosse Sympathie für den „Frühling“ und der „erste Mai“ galt ihnen nicht blos als ein „Freudentag“, sondern sie wussten seit ältesten ‘) Wie uns HcttCÜS ßtylhillS, ein Zeitgenosse und Augenzeuge, erzählt, war Capistran, als ihn die Wiener kennen lernten, ein dürres, bis auf Haut und Knochen vertrocknetes, beiläufig 65j übriges Männlein. Er pflegte mit dem „Crucifix“ in der Rechten und der „Fahne“ in der Linken zu predigen. Seine Körperbewegungen waren lebhaft und der Blick seines Auges voll Jugend und Feuer, seine Stimme trotz des Siechthums seines Körpers ein wahrer „Donnerkeil“, der den Zuhörer jählings fast niederzuschmettern schien. Das Merkwürdigste dabei aber war, dass er nicht in „deutscher“, sondern in (damals dem Volke ganz unverständlicher) lateinischer Sprache predigte und jede Stelle von Satz zuSatz von einem nebenstehenden Geistlichen übersetzt werden musste, ein Vorgang, von dem man meinen sollte, dass auf dem langen Wege des Dolmetschers das Original viel von seiner ursprünglichen Kraft verlöre. Dennoch war die Gewalt seiner überströmenden Beredsamkeit so gross, dass alsbald die bei den Wienern allgemein herrschende „Türkenfurcht“ in den zügellosesten „Heldenmuth“ umschlug, was eigentlich von Seite der Regierung bezweckt werden wollte. Capistran wurde vom Kaiser Friedrich IV. als „Kreuzzugsprediger“ wider die Türken und als „Grossinquisitor“ der „Wikleffsehen“ ünd „Huss’schen“ Irrlehre nach Deutschland berufen und kam am 1. Juni 1451 in Wien an, wo ihm (in Folge seines vorausgeeilten Rufes) Alles was lebte von allen Bergen entgegenzog und ihn Hochschule und Magistrat in gleicher Ehrfurcht an den Thoren vor der Wieden erwartete und in das Kloster seiner Brüder zu den Minoriten geleitete. Seine erste Grossthat war eine Predigt in der Stefanskirche über die Worte Jeremias I. 6.: „Ach, mein Herr und Gott, ich kann nicht reden, denn ich bin nur ein Kind,“ Der Zudrang war so gross, dass er mitten in der Rede die Kirche verlassen und am Stefansfreythof im Freien dieselbe fortsetzen musste. *) Vide „Petz’ Geschichte Wiens“, IV. Band, Seite 313. Uebrigens bestand die alte „hölzerne“ Kanzel, auf der Capistran predigte, nicht auf derselben Stelle der heutigen steinernen, sondern etwas seitwärts von der Wand; auch gxistirte vormals zur Zeit der protestantischen Parteikämpfe gegenüber der Capistran-Kanzel noch ein zweiter Predigerstuhl, auf welchem die so berühmten „äontrorerspreMflkn" abgehalten wurden, deren „Inhalt“ und „Tragweite“ ich an geeigneter Stelle erzählen will. Die letzte Renovirung der Capistran-Kanzel fand im Jahre 1846 statt. t i t 72 Steigbäume. — Maibuschen. — Die Blumensprache. Zeiten das erste Erwachen der Natur zu einem besonderen Gelegenheitsfeste zu gestalten. Wer nämlich beim Beginne des Frühlings auf Feld oder Flur das „erste“ Veilchen fand, durfte dem Herzog davon Kunde geben und dieser zog alsdann mit seinem ganzen Hofstaat unter lautem Jubel und klingender Musik hinaus, diesen „Erstlingsboten des Frühlings“ zu begrüssen und auf breitem Rasen den ersten „Zeigen 3tt ftifteit" Das schönste und sittsamste Mädchen musste die Blume pflücken und das „Mailied“ singen, worauf Alles im Chor einstimmte und beim Klange der Flöte und Cymbe! den Maitanz aufführte. ‘) Diese schöne Sitte pflanzte sich bis in die neuere Zeit fort und noch aus der Cogaif sehen Literaturepoche hat sich ein schönes Bälf^eitlieb erhalten, welches dieser Frühlingsstimmung in den wärmsten Naturlauten Ausdruck gibt: anb; (Es Blüht ein „Beileben" gar »onnefam, Ser Jiebenbe JMbliug ift ber Bräutigam, (Er fiijjt unb liebt es inniglid), Pas garte Beiden ime freut es ficf>. Bis zu Carls VI. Zeiten bekundeten die lustigen Wiener ihre Freude an dem Frühling (wohl in anderer Form) alljährlich am 1. Mai durch das Aufpflanzen von hohen „Maibäumen“, die als „Steig-“ oder „Kletterbäume“ zu „Volksspielen“ benützt wurden, wie dies noch jetzt häufig auf dem Lande der Fall ist. Da aber nicht selten die auf dem Wipfel befestigten Geschenke Anlass zu Streitigkeiten und Unglücksfällen gaben, befahl Maria Theresia gleich beim Antritt ihrer Regierung (in einer ihrer ersten Verordnungen vom Jahre 1740) die Abschaffung der so gefährlichen „fllaibä'ume" was jedoch zur Folge hatte, dass jetzt an ihre Stelle die sogenannten „fltaibufcben" traten, wie wir sie noch heute bei den Donauschiffen während des Frühlingsmonates an den Spitzen der Mastbäume prangen sehen. Die Wiener beschenkten sich nun alljährlich am 1. Mai mit riesengrossen Maibuschen, und besonders die Liebesleute erwiesen sich damit schon am frühesten Morgen gegenseitig willkommene Aufmerksamkeiten und selbst die sonst so exclusive Aristokratie nahm jetzt Theil an dieser bürgerlichen Sitte, ja sie vervollkommnete dieselbe sogar noch durch eine besondere „Blumensprache“, die sich nach Art der Pariser zum förmlichen Cultus erhob. Jede Farbe der Blume hatte ihren eigenen Sinn, selbst die Zwischenfarben ihre besondere Bedeutung. Es entstand eine eigene „Liebessprache“, die bis in die Zeit der zärtlich tändelnden Werther- Epoche währte; diese Sprache nicht zu kennen galt damals als sicheres Zeichen von Unbildung. Die Herren schmückten ihr Knopfloch mit kleinen Sträusschen von besonders zusammengesetzter Farbenmischung und die Damen trugen Kleider von bestimmter Farbe, um die Stimmung ihrer Gefühle anzudeuten. Um nun wieder zu unserem Gegenstände zurückzukehren, erübrigt mir nur noch von den „Kunstwerken“ des Domes im „Innern“ zu sprechen. *) Anlässlich dieses Veilchenfestes erzählt die Volkssage, wie Neidhart zu dem Beinamen n 35öttCVltfdn6^ gekommen sei. Er fand nämlich ein solches ,,Veilchen“ im Felde, bedeckte selbes mit seinem Hute und that seinem Herzog davon Kunde. Mittlerweile aber entdeckte auch ein Bauer den Hut, pflückte das Veilchen und verunreinigte die Stelle, wo die Blume stand, und deckte sie wieder mit dem Hute zu; als nun der Herzog kam, den Hut emporhob und den Unrath erblickte, brach Neidhajt in Verwünschungen aus und eilte ins nächste Dorf, wo er die Bauern eben lustig um das Veilchen springen sah. Darob seiner Sinne nicht mächtig, stürzte er wüthend auf die Bauern und erschlug einige auf der Stelle, weshalb man ihn fortan den „Bauernfeind“ nannte. Es ist ein sprechendes Zeichen damaliger Sittengeschichte, dass man eine solche Unthat durch ein Basrelief verewigte, also gleichsam billigte, • i t I Die Kunstwerke des Domes im Innern. 73 Die Kunstwerke des Domes im Innern. Von den vielen Bildwerken der Malerkunst hat sieh merkwürdiger, Weise aus dem .Mittelalter“ fast kein einziges erhalten, und auch die späteren sind ohne besonderen Kunstwerth und nur einige wenige nennenswürdig, wie z. B. das Hochaltar-Bild .die Steinigung des heil. Stefan“ von Tobias Bock (aus Constanz gebürtig, blühte um’s Jahr 1640, Bruder des talentirtdn Bildhauers Jakob Bock), gehört zu einem der besten dieses Meisters, obwohl es von den Fehlern jener traurigen Kunstepoche nicht ganz freigesprochen werden kann, die sich nur in dunkelgrauen halbverschwommenen Mitteltönen gefiel und so gar keinen Sinn für hellleuchtende Farbenpracht bekundete. Zudem ist das Bild noch obendrein auf scharfpolirten „Zinnplatten“ gemalt, die bei manchen Beleuchtungen des Tages unleidliche Störungen und Unebenheiten verursachen und die Leuchtkraft des Bildes schon aus dem Grunde bedenklich abdämpfen, da das Licht nur mühsam aus den dickbemalten und schmalen Fensterscheiben zu beiden Seiten des Altars hereinzudringen vermag. Das Altarbild „Die Kreuzigung Christi“ von Sandrat, in der Manier Poussin's gemalt, am sogenannten „Passiousaltar“ in der rechten Chorhalle, zeigt uns den Heiland zwischen den beiden Schächern am Kreuze, umgeben von Johannes, Maria, Magdalena und mehreren anderen Personen, die sich im Raume gut gruppiren und das Bild vortheilhaft beleben. Aus dem düsteren Colorit tritt die Gestalt Jesu ziemlich deutlich hervor. ln derselben Halle links gegen den Eingang zum Hauptaltar, am sogenannten Altar des heil. Carl Borrom aus, befand sich noch vor Kurzem ein Oelbild vom kais. Hofkammermaler Johann Michael Rothmayer v. Rosenbrunn (aus Laufen in Salzburg 1652 geboren, Schüler Carl Loth’s, blühte 1720—1730), hängt aber gegenwärtig ohne Rahmen an der Seitenwand unter dem unausgebauten Thurme bis zur Zeit einer passenderen Verwendung. Das Altarbild unter dem Namen „Das alte Gnadenbild“ von Spielberger befindet sich seit 1698 am unteren ersten Pfeiler gegen das Adlerthor. Es wurde im Jahre 1672 auf Goldgrund gemalt, auf welchem sich mehrere Arabesken eingegraben befinden. Die Muttergottes wird hier stehend im blauen Mantel dargestellt, das göttliche Kind am Arme, über dem Haupte zwei Engel eine Krone haltend, zu ihren Füssen mehrere Personen (auf den Knien betend), ohne Zweifel Angehörige des „Geschenkgebers“, eines Wiener Bürgers, der es der Kirche 1493 schenkte. Das Altarbild „Die heil. Theresia“ am sogenannten „Sebastianaltar“ an der rechten Kirchenwand in der Nähe der Eligiuscapelle zeichnet sich durch seinen Kunstwerth aus. Es ist ein Oval-Brustbild, offenbar als „Porträt“ aufgefasst; schon das gelbliche Colorit der Hautfarbe verräth die Spanierin. Die Heilige in Karmelitertracht im Dreiviertel-Profil richtet voll Empfindung ihre grossen schwarzen Augen zum Himmel empor. Die blassen, aber geistreichen Gesichtszüge zeigen von tiefem Seelenleiden, drei kleine „Wärzchen“ um den linken Mundwinkel geben dem Ganzen einen zwar interessanten, aber mehr weltlichen Anstrich. Endlich das kleine „Gnadenbild“ der heil. Utam t>ou J)ötjct> am Hochaltar, im Jahre 1676 von einem unbekannten ungarischen Maler verfertigt, ist offenbar eine Nachahmung der älteren griechischen Gemälde, wie schon die beigeschriebenen griechischen Namenszüge andeuten. Bemerken muss ich noch, dass auch in der oberen Sacristei links vom Hauptaltare sich noch einige gute Bilder von Martin Altomonte (recte Hohenberg, Schüler Bacizo’s in Rom 1657—1745) befinden, sowie auch einige alte Bilder von Carlo Auerbach, Gries, Manigella und mehreren anderen Künstlern geringeren Ranges, deren fast durchgehends mittelmässige Arbeiten keine Bemerkung verdienen. Von den vielen herrlichen Glasmalereien des Alterthums, welche einst die hohen Fensterbogen des Domes schmückten und jenes milde Halbdunkel verbreiteten, das so stimmungs- 10 t 74 Di« alten Glasmalereien und die Glasmalereien Geyling's. voll auf das Gemüth des Andächtigen wirkt, ist leider nur Weniges übrig geblieben und das Wenige nur in unbedeutenden, meist unzusammenhängenden Bruchstücken, ja selbst der Name der Künstler bis auf Meister Stephan (1416 — 1430), Meister Caspar und Heinrich (1463—1471) im Strome der Zfeiten für immer verlorengegangen; um so freudiger müssen wir die vortrefflichen Restaurationsarbeiten des (leider nur allzu früh verstorbenen) Professors Carl Geyling begrüssen, d^r ausser den Reparaturen hier auch viel Ndues schuf. Seine Bilder zeichnen -sich durch ausserordentliche Leuchtkraft und harmonische Zusammenstimmung der Farbe, durch Klarheit im Tone aus, und wenn sie auch mehr „Wand“- als „Perspectivbilder“ sind und den Styl verschiedener Zeiten an sich tragen, so enthalten sie dennoch im Einzelnen entzückende Schönheiten, die besser gesehen und empfunden als aufgezählt sein wollen.') > Zahlreicher und ungleich werthvoller als die „Bilder“ sind hier die „Sculpturen“ vertreten, von denen besonders genannt zu werden verdienen: Sßö ©rflfmvoiuuneilt Ratfer cSriebfid» IV. Eine wahrhaft kaiserliche Ruhestätte, ebenso grossartig in ihrer Conception wie genial in ihrer Ausführung, das herrlichste Meisterwerk seiner Zeit. Das Ganze aus rothem Salzburger Marmor ist mit einem Uebermass von Figuren, Köpfen, Thiergestalten, Wappen und Sinnbildern ausgeschmückt, auch fehlt es nicht an mancherlei „Seltsamkeiten und Wunderlichkeiten“, wie es der bizarre Geschmack damaliger Zeit verlangte. Der *) Zu den werthvollen Glasmalereien Geyling’s gehören insbesondere: Am rechten Seitenchor (Kaiser- oder Thekla-Chor) in reicher Ornamentik im ersten Fenster der Heiland, ihm zur Rechten Petrus, zur Linken Paulus, die Zeichnung von Professor Josef Ritter von Führich: der Gemeinderath liess es zur Feier des ausgebauten Thurmes anfertigen; im zweiten Fenster die unbefleckte Jungfrau Maria, rechts Jacobus, links Philippus^ im dritten der heilige Josef, umgeben von Bartholomäus und Mathias: im vierten der heilige Andreas als Nainespatron des vormaligen Bürgermeisters Andreas Zelinka, zu dessen Wiedergenesungsfeier der Gemeinderath diese. Bild anfertigen liess, gegenüber dem Heiligen hinter dem Throne das Bildniss Maria’s und einen Engel mit dem Stadtwappen. Unter dieser grossen Darstellung sehen wir in geschmackvoller Anordnung mehrere kleinere Felder, Scenen aus dem Leben des heiligen Andreas, in der Mitte das Porträt des Gefeierten (er selbst kniend im Pelzgewand). Die Conception ist vom Dombaumeister Friedrich Schmid, die Zeichnung vom Professor Johann Klein, und die darauf befindliche Inschrift lautet: „Zum bleibenden Andenken an die glückliche Genesung des Herrn Bürgermeisters Dr. Andreas Zelinka stiftete die Gemeinde Wiens dieses Fenster 1864.“ und endlich im fünften Fenster die Bürgermeisterin Monica Zelinka vor ihrer Namenspatronin, hinter welcher der Bischof Augustin (ihr Sohn) mit dem Krummstab steht, sich dem Schutze seiner Mutter empfehlend, im Hintergründe Engel mit „Immortellen“, in den einzelnen Nebenfeldern Darstellungen aus dem Leben der heiligen Monica und über dem Ganzen vier schwebende Engel, Gottes Lob mit Musikinstrumenten verkündend. Am linken Seitenchor (Frauenchor) und den oberen Feldern Darstellungen aus dem Leben der Jungfrau Maria und zwar in folgender Ordnung: Zuerst Mariä Verkündigung, im nächsten Fenster die Geburt Jesu, ihm folgt die Anbetung des göttlichen Kindes durch die Weisen mit der Umschrift „omms terra adorat to"• dann Mariä Reinigung, dem zunächst Mariä Schmerzen unter dem Kreuze Jesu mit der Schrift: „ Mutier ecce filius tuus" und zuletzt die Huldigung, welche dem auf dem Schoosse der Himmelskönigin stehenden Jesukinde von Engeln dargebracht wird, ln den unteren Feldern im ersten Fenster zu beiden Seiten des Heilands die Widmungsschrift des Universitätsprofessors Wilhelm Emil von Wahlberg zur Erinnerung an seine verstorbene Gemalin „Hermine“ und unter dieser den heiligen Paulus vor dem Areopag in Athen predigend; im zweiten Fenster die Standbilder der Heiligen Stefan, Josef und Othmar; im dritten die Ausgiessung des heiligen Geistes und unter diesen die Brustbilder der Heiligen Bernhard, Augustin und Benedict, weil zu diesem Fenster die Prälaten, deren Ordensstifter genannte Heilige sind, in hervorragender Weise beigetragen haben; im vierten die Uebergabe der Schlüssel an den heiligen Petrus dargestellt mit der Unterschrift ,,Pasee agttos meos, pasce oves meas" und unter derselben das Wappen und die Widmung des Cardinais Rauscher: Francisco Josepho /. Austriae imperatore, Josepho Othmaro Card. Rauscher Princ. Archiepiscopo Vitidobonensi Friederico Schmid , ecclesiae melropolitanae architecto vitra hujus chori facta sunt;" im fünften das Wappen und Porträt der Frau Maria von Schwenden wein; vor ihr stehend die Gottesmutter mit dem Jesukinde und dann die Widmungsworte des Architekten Herrn von Schwendenwein, der dieses Fenster zur Erinnerung an seine am 11. September 1872 verstorbene Gemahlin Maria stiftete, endlich im letzten Fenster das Bild des heiligen Carl Borromäus, Namenspatron Carl Geyling’s, desselben, der dies Bild selbst malte, der Kirche widmete und zum bleibenden Andenken sein eigenes Porträt hier beifügte. Unterhalb lesen wir die Dedication: ,, Carolus Geyling Vindobonensis in gratam memoriam quod opus vitreum hujus ecclesiae sibi commissum erat hanc fenestiam D. £1." Das Grabmonument Kaiser Friedrich IV. — Denkmal Rudolf IV. und Gemahlin. — Büste Khlesel’s. 75 „Sarkophag“ ruht auf vier mächtigen Sockeln, mit hohen reichgezierten Geländen umgeben. Auf dem Sargdeckel, wie er sich in Fi'j. 32 zeigt, ruht die Gestalt Friedrich IV. im Kaiserornat mit Reichsapfel und Scepter, denselben umschlingt eine Rolle mit jenen fünf bedeutungsvollen Buchstaben a, e, i, o, u, dem Cicblitigsj'prudic des Kaisers: Austria Erit In Orbe Ultimo, (Defterrdd) wirb bis jUM IDeltuntergange befreit. Ueber dem edlen Haupte sehen wir ein gothisches Dach sich wölben mit dem Bilde des heil. Christoph und mehreren anderen Figuren. Dem gegenüber einen „Adler“, der eine zweite Rolle trägt mit dem HJoitOgMMtllt des Kaisers, wie wir es häufig auf alten Münzen und Urkunden gewahren, an den Seitenwänden acht Felder mit schönen Basreliefs, die sich auf „geistliche Stiftungen“ Friedrichs beziehen, ') und ganz unten am Boden zwischen dem Sarge und der Gallerie eine Menge seltsamer Thiere, die sich gegenseitig zu verfolgen und um den Besitz eines „Todtenschädels“ zu streiten scheinen. Es ist dies eine geschickt gemachte ironisirende Anspielung des Künstlers auf das unabwendbare „Menschenlos“ des „Sterbens“. Das älteste und zugleich merkwürdigste Grabdenkmal 8 ) befindet sich im nördlichen Seitenchor nächst dem Frauenaltar. Es ist dem Andenken Rudolf IV. des Stifters gewidmet und zu Anfang des XV. Jahrhunderts errichtet, während sein eigener Leichnam in der von ihm erbauten Gruft ruht. Leider ist dieses kostbare Denkmal arg beschädigt und die beiden am Sarge liegenden lebensgrossen Fürstengestalten (Rudolf und seine Gemahlin Katharina) kaum mehr zu erkennen. Beide stützen ihre Füsse auf Löwen, Sinnbilder der Kraft und des Adels an Geburt und Gemüth; sie tragen „Zinkenkronen“ am Haupte. Rudolf ist in der Art, wie wir ihn auf allen übrigen Statuen abgebildet zu sehen gewöhnt sind, nämlich geharnischt, hat eine „Panzerschürze“, einen breiten tiefliegenden „Gürtel“ und zwei von der Brust herabhängende „Kettchen“ für Schwert und Dolch. Katharina hält das Scepter, wovon nur mehr ein kleiner Stumpf übrig. Zwischen beiden Gatten sieht man „oben“ des Herzogs „Helm“ mit dem historischen „Pfauenbusch“ und „unten“ das Modell einer Kirche. Eine zarte Andeutung, dass dieser Dom seine jetzige Grösse und Ausdehnung nur ihm allein als Stifter verdankt. Die Schrift am Rande des Grabmals besteht aus drei Hexametern: „Alberti Ducis Austrahs jacet incylita Proles“ „Conjugis Ipsius de Ferretisque Joanne “ „Hoc tumulata loco populo recolenda devoto.“ Nicht minder schätzenswerth im sogenannten „Frauenchor“ (vom Altar links an der Wand, u. zw. gleich beim Eingänge hinter dem Eisengitter) ist die lebensgrosse Porträtbüste des Bischofs „ttlelcfcior Ultlefel", dessen Haupt, mit einem Käppchen bedeckt, aus einem kreisrunden Medaillon sich stark hervorneigt. Die charakteristischen und geistreichen, aber etwas derben Gesichtszüge sind ausserordentlich ausdrucksvoll und verrathen einen bedeutenden, von wechselvollem Schicksale schwergeprüften Menschen. Die ziemlich vortretenden Backenknochen, der spitz zulaufende „Knebel-“ und „Schnurrbart“, die in leise Falten zusammengezogene Denkerstirne, sowie der etwas schroffe *) Diese Stiftungen sind: das Paulinerkloster zu Neustadt, (gestiftet 1480); die Benedictiner- Abtei in Obernburg (in Ober - Krain 1461); die Dominicaner in Neustadt (1414); die Augustiner-Chorherren ebendaselbst (1478); die Minoriten und Dominicaner in Graz und der St. Georgenorden (1468). a ) Die ausführliche Beschreibung und Erklärung dieses Grabmales selbst findet man bei „Herrgott“ in der 7’opographie austr., in Ogesser und Tschischka. Ueber die Entstehung dieses Kaisersarges erzählt „Duellius“ in seinem Werke „De fundat. templi Cathedr. Neostrad“ p. 32 und Wenk er in seinem Apparat et Instruct. Archtvorum, dass die Ausführung dieses Denkmales dem Bildhauer „Lach“ aus Leyden übertragen wurde, den Friedrich IV. selbst nach Neustadt belief. Bei dem im Jahre 1493 erfolgten Tode des Künstlers aber war nur der Sargdeckel vollendet, die Fortsetzung musste später dem Meister „Ditrich“ übertragen werden, der ihn im Jahre 1313 vollendete. Als daher Friedrich IV. schon am 19. August 1493 zu Linz starb, konnte sein Leichnam nur provisorisch in die Fürstengruft zu St. Stefan gelegt und dann erst nach Verlauf von 20 Jahren, im Jahre 1513, definitiv und zwar feierlichst in diesen Sarkophag beigesetzt werden. 10 * 76 Büste Kollonitz. — Herzog von Masovien. — Slatkonia. — Leo Nothhaft. Gesichtsausdruck geben ihm ein mehr „weltliches“ als „geistliches“ Ansehen. Dieses der Natur warm abgelauschte, etwas realistisch aufgefasste Steinbild ist um so beachtenswerther, als es uns die Gestalt eines höchst merkwürdigen Mannes in’s Ge- dächtniss ruft, der sich vom lutherischen Bäckerj ungen zum Cardinal und Bischof von Wien und zum allgewaltigen, gefürchteten Minister des Kaisers Mathias emporgeschwungen (gestorb. 1630). Eine andere Porträtbüste (ebenfalls daselbst, mehr gegen den Altar gekehrt) von Raphael Donner zeigt uns Sigmunb ©ra= feit Don Bollonit;, Cardinal und Bischof von Wien, in Lebensgrösse. Die weit milderen (im Gegensatz zur früheren Büste) ruhigeren Gesichtszüge sind voll Noblesse und ehrfurchtgebietender Würde, der im schönen Oval geschnittene edle Kopf ausserordentlich zart und weich gehalten, die kleinen, fast unmerklichen Falten des feinen Seidenkleides („Chorherrenrockes“) von unnachahmlicher Wahrheit wie hingegossen, ein wahres Meisterwerk des Meisseis (gestorben 1751). An derselben Wand sehen wir noch mehrere lebensgrosse Steinbilder: Üdcyattbcp lii’Oög nott üiaföüitn, Cardinal- Patriarch von Aquileja und Domprobst zu Wien (gestorben 1444). ®eorg ron 6lat* fottta, Bischof von Wien (gestorben 1522). £co iloibbaft, Fähnrich, ein noch unvollendetes Steinbild des Fürsten von Lichnovsky (gestorben 1566), jedoch alle ohne besonderen Kunstwerth. Fig. 32. Das Grabmonument Kaiser Friedrich IV. Steinbild des Fürsterzbischofs Rauscher. — Büste Papst Pius. VI. — Pilgram. —Die steinerne Kmzel. 77 An die Stelle des Trautsohn’schen Grabsteines kam vor Kurzem die lebensgrosse Porträtfigur des Fürsterzbischofs Othmar von Rauscher, im vollem Ornate. Ein imposantes Steinbild, die Hände andachtsvoll an die Brust gedrückt, das Haupt sanft nach vorne geneigt, in halb vorschreitender Stellung. Es spricht sich in seinem Gesichte die Ueberzeugung aus, dass er als Oberhirt und Mensch seine Pflicht redlich gethan habe. Diese beruhigende Gefühlsstimmung ist in den Gesichtszügen meisterhaft ausgedrückt und so weit es das spröde Steinmaterial gestattet, auch künstlerisch nachempfunden. Milde und ruhig, wie wir ihn Alle noch kannten, macht er auf uns einen ergreifenden und zugleich wehmüthigen Eindruck; wie es überhaupt immer der Fall ist, wenn wir Menschen, die wir noch vor Kurzem um uns gewöhnt waren, plötzlich starr und regungslos, zu Stein geworden, vor uns stehen sehen. Wir können uns alsdann eines gewissen unheimlichen Gefühles kaum erwehren, und je grösser die Aehnlichkeit, desto ergreifender das Gefühl. Die Glieder, die sich noch vor Kurzem zu bewegen pflegten, sind jetzt regungslos, kalt und vornehm, wie der Tod selbst kalt und vornehm. ') Auf der linken Seite des Hauptaltares, ober dem Eingänge in die Sacristei befindet sich die wohlgetroffene Porträtbüste Papst pius YI., nach der Natur gemeisselt; sie ist um so kostbarer, als die Physiognomie dieses merkwürdigen und genialen Kirchenfürsten (dei einzige, der Wien mit seinem Besuche beehrte) nur noch in wenigen Kupferstichen uns erhalten ist. s ) An der Stiege des kleinen Musikchorcs sehen wir den Chorfuss wie einen „Blumenkelch“ aus einer Knospe nach oben ausgebreitet und in demselben das mehrere hundert Jahre alte Brustbild eines Mannes, dessen Name mit der Baugeschichte dieses Domes auf’s Innigste verknüpft ist. Die buschigen langen Locken wallen über den Scheitel und den wuchtigen Rücken herab, das Barett etwas cokett aufgestülpt, das unbärtige Gesicht zeigt die ausdrucksvollen Züge eines durch mühevolle Arbeit gestählten Mannes, der Blick verräth Klugheit und Erfindungsgabe. Die tiefliegenden Augen, breiten Backenknochen und eingefallenen Wangen, sowie der breite sinnliche Mund mit aufgeworfenen Lippen geben dem Gesichte einen markanten realistischen Anstrich. Der Hals unbedeckt, das Oberkleid mit weitfaltigen Aermeln, das Unterkleid (eine Art Weste) an der Brust verschnürt. Das Ganze ist mit seltener Kühnheit und Sicherheit des Meisseis und mit jener lebensvollen Wahrheit ausgeführt, wie es nur der Meister über seine eigenen Schöpfungen zu verbreiten vermag. Er hält in der Rechten einen „Zirkel“ und in der Linken ein „Winkehnass“. Es ist dies das Bild unseres Pilgram, der den Riss zum Orgelchor entworfen und der hier (nach Vorstellungsweise jener Zeit) selben am Rücken trägt. Dies beweisen seine Werkzeuge, die er in Händen hält, das Zeichen VI, das auch an der Kanzel vorkömmt, und endlich die monogrammirten Buchstaben M. A. P. (Meister Anton Pilgram), womit auch andere schriftliche Angaben und alte Ueberlieferungen gut zusammenstimmen.*) Auch die Kanzel, an einem der mittleren linken Pfeiler der Kirche angebracht, ist eine Zierde mittelalterlicher Sculptur und kann nicht genug bewundert werden. Sie ist mit den herrlichsten Büsten, Figuren, Aesten, Zweigen und Arabesken aller Art im gothischen Style reich geschmückt und in neuester Zeit auf das Sorgfältigste von kunstgeübter *) Diese vortreffliche Porträtstatue verdanken wir dem verdienstvollen Bildhauer Franz Erler. a ) In der Schatzkammer dieses Domes befindet sich noch ein tragbarer TUtar (al/are fortabile), worauf Papst Pius VI. bei seiner Anwesenheit in Wien am 31. März 17S2 vor dem Hauptaltar zu St. Stefan die heilige Messe in Gegenwart des Kaisers und aller geistlichen und weltlichen Würdenträger des Reiches celebrirte, ehe er eine Stunde später den allgemeinen Ablass vom Balcon der Hofkirche ertheilte (wie F i g. 7 zeigt). 3 ) Dieses herrliche Denkmal mittelalterlicher Kunst blieb hier durch mehrere Jahrhunderte verborgen und vergessen, theils der Dunkelheit des Oltes, theils der Höhe des Standplatzes wegen. Erst im Jahre 1817, als der kunstsinnige König Ludwig von Bäiern (damals noch Kronprinz) auf seinen Reisen nach Kunstschätzen auch Wien berührte und während seines längeren Aufenthaltes die Kirchenschätze besichtigte, wurde dieses kostbäre Bildwerk entdeckt undauf seine Veranlassung in Gyps abgedruckt und ein Abdruck 'auch in der hiesigen Akademie der bildenden Künste' aufgestellt, wo sich derselbe noch heute befindet. ... 78 Die Kanzel. — Grabmal Cuspinian’s. — Der Taufstein. — Grabschrift Paul v. Sorbait. Hand restaurirt. Die „Brüstung“ enthält vier mit schön durchbrochenem Ziervverke bedeckte Vertiefungen, aus denen die höchst ausdrucksvollen Brustbilder der vier Kirchenlehrer in Lebensgrösse in den ihnen zukommenden vollen Ornaten hervorschauen. Das durchbrochene steinerne „Treppengeländer“ ist äusserst zierlich und mit den schönsten Motiven der Gothik geschmückt. Ueberall kunstvolle „Rosen“ und „Kleeblätter“ (jene so vielfach und doch immer wieder neu benützte Grundform alter Bauzierde). Das zierliche „Dach“, besonders leicht, luftig und geschmackvoll im Einklänge mit dem Untertheil, mit einer aufsteigenden schönen Spitze gekrönt, zeigt um die Stirnseite die sieben Sacramente. Der „Fuss“, der die Kanzel stützt, besteht aus mehreren freistehenden, äusserst geschmackvoll angebrachten Pfeilern und Bogen, zwischen welchen eine Menge zierlich kleiner Heiligenfiguren stehen, die wohl arg verstümmelt, jetzt aber vollständig renovirt sind. ‘) Unter der Treppe gewahren wir das Bild des Meisters „Pilgram", gleichfalls wie beim Chorfuss aus einem Fenster sehend; die Züge sind dieselben, ebenfalls den Zirkel in den Händen, nur im Ganzen etwas kleiner und in veränderter Stellung. Ausserhalb des Gitters der Kreuzcapelle sehen wir das merkwürdige Familien-Grab- mal Johann (Etljpiniau’s, * * 3 ) des berühmten Gelehrten und Geschichtschreibers Kaiser Maximilian I. Der gutgearbeitete Grabstein aus rothem Marmor zeigt „oben“ sein und seiner beiden Frauen Anna und Agnes Brustbild, „unten“ seine acht Kinder in betender Stellung um seinen Sarg versammelt, auf welchem ihre Namen eingehauen sind. Dann der „iEauffjdtl" in der Katharinen-Capelle aus rothem Marmor, von besonderer Kunstfertigkeit. Der „Becken“ ist zwölfeckig, mit eben so vielen Vertiefungen, an welchen die „zwölf Apostel“ sichtbar sind. Rings um den oberen Rand ist ein „Spruch“ des Evangeliums in lateinischer Sprache und die Jahrzahl 1481 (das Vollendungsjahr) angebracht, am Fussgestelle die vier „Evangelisten“ in gebückter Stellung. Die Bildhauerarbeiten sind vom Meister „Ibeintict)". Unter den vielen Grabschriften dürfte jene des Paul tHUt Sftrhßit als die originellste hervorgehoben zu werden verdienen. 3 ) Treffender und mit weniger Worten kann die Ironie des Lebens und der bittere Hohn des Schicksals nicht ausgedrückt werden. Sie hat trotz ihres nahezu 200jährigen Bestandes nichts an ihrer ursprünglichen packenden Wirkung verloren. Sie lautet in deutscher Uebersetzung wie folgt: „Ich war Musiker, Redner, Philosoph, ' Soldat, Arzt,“ „Professor, Hofmann und Rectormagnificus, „Nun ein Schattenbild, ein Nichts, Ich war“ „Tonkünstler“, um den schönen Einklang des Lebens zu bewahren; „Redner,“ um mich zu“ „einem guten Lebensende zu geleiten; „Soldat,“ um Mühsale zu ertragen; „Professor,“ um“ „Andere erheben zu helfen und mich zu dennithigen; „Rectormagnificus,“ um Standesvor-“ „rechte zu vertheidigen; „Höfling,“ um Anderen, nicht mir dienen zu lernen.“ Aber der bittere Tod blieb taub für die Schmeicheltöne der Musik, und für die Ueberredungskünste des Redners, ') Vordem hatte der Dom nur eine höl/.erne Kanzel, wie die vom Jahre 1417 aufbewahrten Original-Kirchen- meisterrechnungen beweisen, wo es wörtlich heisst: „Jtcm (öit iTttO IDdj DcrtPCfer t»CS 23 dUeS be’t ©t. ©tcffltl UMf) i^U lifäter nor ain prebtgerflucl neu 3c maebtn uni» i»cn alten ab3eprf<$en 1417." *) .lobann itufpinian (eigentlich „©piefcbatntner" genannt) wurde zu Schweinfurt geboren, studirte zu Wien unter <£cltf$. hielt sodann Vorlesungen über Medicin und schöne Wissenschaften, war von Kaiser Maximilian 1. zum Dichter gekrönt und von ihm so hochgeschätzt, dass er ihn zum Wiener Stadtanwalt und zu seinem Geschichtschreiber ernannte und oft zu Gesandtschaften verwendete. Er starb, 56 Jahre alt, am 19. April 1529. Vide: Eischer’s brev. Not. t. 111, pag. 69. 3 ) Paul ©OFbait war Niederländer von Geburt, studirte in Wien Medicin und wusste sich trotz nieder er Herkunft zum Professor, Rector der Universität und endlich zum berühmten Leibarzt der verwitweten Kaiserin Eleonora (Gemahlin Leopold I.) emporzuschwingen. Er war ein merkwürdiger, origineller Mensch. Mit jugendlichem Feuer, jeder Gefahr spottend, führte er als „Obrist-Wachtmeister“ die Studenten während der Türkenbelagerung (1683) an und machte sich um das Wohl der Stadt sehr verdient, opferte sich während der Pest als Arzt für das Wohl der Bürger mit hingehendster Selbstverläugnung, und starb am 29. April 1691. Seine noch gut erhaltene Grabschrift ziert das Motto aus dem 112. Psalm: „De stercore erigens fauptrum". „Aus dem Schlamme erhöhst Du den Armen.“ 79 Grabsteine Vorlauf, Rampersdorffer und Rock. — Die Chorstiihle. und für die Beweisgründe des-Philosophen, und für die Drohungen des Kriegers, und für die Schulvorträge des Gelehrten, und für die Recepte des Arztes, und für die Vertheidigungen des Rectors und für die Selbstverläugnungsqualen des Höfling» Er öntriss mich dem Allen; nun bin ich ein Bettler (Schattenbild), ein Nichts! Ich bitte dich, bete für mich!“ Ferner ist noch des Grabsteines unter den Stufen des Monumentes Friedrich IV. aus rothem Marmor mit Wappen und Buchstaben aus Messing zu gedenken. Er birgt im engen Raume eine grosse wehinüthige Erinnerung an den herrschsüchtigen Rachegeist Leopolds des Stolzen und an die beharrliche Treue jener edlen für ihren unmündigen Herrn Albrecht V. sich in den Tod hinopfernden Bürger <£ottraö üorlauf, RatupCK'borfter und Norf. ‘) t Endlich dürfen nicht unerwähnt gelassen werden jene trefflichen „Chorstühle“ im Presbyterium, die jetzt den Domherren zum Sitzen dienen und zu beiden Seiten des Hochaltars bis zur Balustrade aufgestellt sind; jeder Sitz ist mit einem aus Holz geschnitzten „Brustbilde“ geziert und „Name“ und „Wappen“ beigefügt. Diese fleissigen und schöngearbeiteten lebensgrossen Porträtbüsten stellen vor: den Stifter des Bisthums Kaiser Friedrich IV. und ihren Bestätiger Papst Paul II., dann sämmtliche Bischöfe in chronologischer Ordnung bis auf Grafen Philipp *) Herzog Leopold IV. hatte nämlich wegen eines zu Gunsten seines Bruders Ernst gemachten Aufruhrs am 7. Juli 1408 den Wiener Bürgermeister Conrad Vorlauf, die Räthe Hans Rock, Conrad Rampersdorffer und RudoP Angerfelder, ferner die Bürger Schani und Niehl gefangennehmen und die drei ersteren ungeachtet der Verwendung der angesehensten Bürger der Stadt vier Tage später, am 11. Juli, unj 0 Uhr Morgens am hiesigen „Schweinemarkt“ (heute Lobkowitzplatz) hinrichten lassen. Die letzten Momente am Blutgerüste waren voll rührender Selbstverleugnung und edler Selbstaufopferung, eine echt dramatische, tief ergreifende Scene. Zuerst wollte nämlich der Scharfrichter an dem ältesten, an Rampersdorffer, den Spruch vollziehen, „flidfl (0 3 iemt ei fiel»/' rief jetzt Vorlauf, sich niederkniend, „ionfern nttr, ier icb (tefs (Euer üorlauf in fer VerAäftigung fer natürlichen Xeepte unferee gelietten feer soqs ntar, gebührt her Vorrang. JA 10in (Euch auch im e, iras Vir befohlen. JA oergebe eo Vir bei (Bott, bajj Vu an mir eine Strafe P0ll3iebft, bie iA niAt oer= biene. £lur um (Eines bitte iA ViA, führe mältnlid) ben StreiA-" Hierauf bot Vorlauf willig sein Haupt dar; ruhig und gefasst folgten ihm auch Rampersdorffer. und Rock. Bis nach Sonnenuntergang blieben die Leichen am Blutgerüste, bis sie von ihren Angehörigen Abends auf den „Stefansfreythof“ gebracht und in der Nähe des unausgebauten Thurmes, gegenüber dem Zwettelhof, in einem eigenen Grabe zur Erde bestattet wurden. Oh man aber nach der Aussöhnung der herzoglichen Brüder sie wieder hieher in die Kirche übersetzte, oder nur zum Andenken an sie diesen Grabstein errichtete, ist urkundlich nicht zu erweisen. Doch noch über das Grab währte der Hass Leopolds, denn er liess das Vermögen der Hingerichteten, sowie auch das (im nächsten IV. Capitel zu besprechende) Haus Vorlauf’s am Graben als Staatsgut einziehen.'Aber durch diese Hinrichtung hatte Leopold nichts erreicht, weder die Bürger eingeschüchteit, noch das, was er eigentlich erzwecken wollte (das Vermögen seines Mündels) erlangt. Die Gührung im Volke stieg mir noch mehr und der „Bürgerkrieg“ kam erst recht zum vollen Ausbruche. Erst am 13. März 1409 gelang es den Friedensvermittlungskünsten des Bischofs von Trient und König Sigismund von Ungarn den Frieden endgiltig wieder herzustellen, nach dessen Bestimmungen beide Herzoge, Leopold und Ernst, zum Vormunde (Albrechts V.) eingesetzt wurden und beide schon im Juli desselben Jahres gemeinschaftlich die Burg bezogen. Auch der dritte Bruder, Friedrich von Tirol, kam jetzt nach Wien und alle Drei nahmen eine Theilung des Familienschatzes vor, zum nicht geringen Nachtheile des Mündels, indem sie jetzt den Schatz nicht in „zwei“, sondern in „vier“ Theile schieden. Desto besser dachte König Sigismund, der väterliche Freund des jungen Albrecht, der am 30. September 1409 (für den Fall, als ihm vom kinderlosen Wenzel „Böhmen“ und vom Markgrafen Jobst „Mähren“ zufallen sollte) die Erbverbindung rücksichtlich beider Reiche mit Oesterreich erneuerte. Die etwas verwischten Schriftzüge des Grabsteines geben dem Beschauer (in lateinischer Sprache) Kunde von dem Acte der Hinrichtung mit dem schmerzlichen Hinweis, dass in dieser Welt die grössten bürgerlichen Tugenden vor Gewalt nicht zu schützen vermögen. Diese Inschrift liess ihnen der erste Wiener Bischof £fppolb tCJt Spalter 14"8 setzen, um den Bürgern Wiens, mit denen er in freundschaftlichem Verkehre stand, einen schmeichelhaften Beweis der Verehrung zu geben. Er wies dem Grabsteine den Platz nächst dem Monumente Friedrichs IV. an, nicht ohne Beziehung auf das „Verhältniss“, in welchem die drei Bürger zum Herzog Ernst, dem Vater Friedrichs, standen. Zum ewigen Andenken an diese traurige Katastrophe wurde von der Stadtcommune Wiens jene neu gebildete Gasse (die gegenwärtig die Verbindung der Hohenstaufengasse mit dem Schottensteig herstellt) „Hocf= gaffe" genannt, sowie auch schon früher die Linnengasse am Hohenmarkt in „Vorlailfgflfte" umgetauft wurde (wie wir dies im 11. Capitel bereits hörten); auch dem dritten Genossen ist in der Kaitipetgbcrfcrgafje in Gumpendorf das Andenken für alle künftigen Zeiten gewahrt. t t I gQ Historische Vorfälle in- und ausserhalb der Stefanskirche. Breuner, welcher diese Stühle 1640 anfertigen Hess. Auch jene um 150 Jahre, älteren Chorstühle ' (rechts und links im Untertheil des Hauptchores) verdienen ganz besondere Beachtung. 1 ) Ihre überreichen „Laubverzierun.gen“, tlie schönen figuralen Arbeiten mit ihren abenteuerlichen Thiergestalten, aber vor allem Andern ihre mannigfach/entfaltete Architektur geben uns ein herrliches Muster „mittelalterlicher Kunst“. Die plastischen Darstellungen enthalten schSne Motive aus der Lebens- und Leidensgeschichte Jesu. Der Beginn dieser Arbeiten fällt in die Regierungsepoche Friedrich IV. und ihre Vollendung in jene des Königs Mathias (f 1490) und es ist ganz merkwürdig, dass diese ehrwürdigen Reste altdeutschen Kunstfleisses trotz ihres nahezu 400jährigen Bestandes und ungeachtet der fortwährenden Benützung bis heute noch ( unversehrt geblieben. Alle übrigen an den Wänden und Capellen noch aufgespeicherten Denkmale zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Werkes weit überschreiten, da sie allein schon ein dickleibiges Buch in Anspruch nehmen würden. Ich muss mich deshalb nur auf die wichtigsten beschränken und nur noch beifügen, dass sich hier in und ausser der Kirche eine Menge interessanter Begebenheiten und Geschehnisse vollzogen, die leider durch kein sichtbares Erinnerungs- oder Wahrzeichen festgehalten sind, dennoch aber dem Vergessen nicht überantwortet werden sollten, da sie gleichsam den Epilog zu so manchen hochwichtigen Begebenheiten bildeten. Ich will einige derselben hier aufzählen, soweit sie mit den „inneren“ oder „äusseren“ Räumen des Domes im Zusammenhänge stehep. Historische Vorfälle in- und ausserhalb der Stefanskirche. Am 18. Jänner 1469 fand in der Kirche eine grosse Feierlichkeit statt. Papst Pius II. erhob die Probstei von St. Stefan zum Bischofssitz; zugleich ernannte Kaiser Friedrich den Leopold von Spauer (dessen drei Brüder während der Belagerung Friedrichs in der Burg zu Wien treu an seiner Seite aushielten) zum ersten „Bischol“ von Wien; hiebei wurden viele Spenden unter die Armen vertheiit, die lange Zeit im Gedächtnisse dar Wiener blieben. Im Jahre 1514 wütheten mehrere Gewitterstürme und der Blitz (wie Zeitgenosse Cuspinian berichtet) schlug mehrmals in die Thurmspitze ein, so dass sich die Ilelmstange bog und der Gipfel einzustürzen drohte. Es wurden vom Kirchenbaumeister Georg Hauser nun umfassende Reparaturen vorgenommen, die erst im Jahre 1519 endeten. Bei dieser Gelegenheit wurde die Helmstange wieder geradegebogen und an die Stelle des früheren Thurmknopfes ein neuer aufgesetzt und zwar »die „SlTotlbucbcl mit bau Stevu", wie dies Figur SS zeigt, um gleichsam den Kampf der Kirche mit den Ungläubigen und den „Sieg“ derselben über die Türken anzudeuten, denn alle Siege wurden damals der „Kirche“ zugeschrieben. Es ist daher nicht als heidnisches Abzeichen, sondern (nach den Anschauungen der damaligen Zeit) gleichsam als Andeutung zu nehmen, dass der Bau bis zu den Gestirnen reiche.*) ') Die Chorstühle dürften höchst wahrscheinlich nach Zeichnung des Nikolaus I.ercli von dem Bildschnitzer BMlbelm Hollinger verfertigt worden sein, da der Stadtrath ihm für seine ausgezeichneten Kunstleistungen nach einer Urkunde vom Jahre 1484 das „Bürgerrecht“ verlieh. Von früheren geschnitzten Stühlen in diesem Dome von einem gewissen Meister tltubl macht die Kirchenmeisteramts-Rechnung vom Jahre 1426 Erwähnung (t. 97 bis 99). s ) Nach „Raumer’s Hohenstaufen“, Cap. VI. Seite 80, galt „HTctlö'' und „Stent" im Geschmacke der damaligen Zeit als eine Art Versinnlichung für Hälfet 1 und papft. Uebrigens ist es ganz irrig, wie einige Chronisten meinen, Soliman habe bei Gelegenheit der ersten Türkenbelagerung (1529) den Wienern nur unter der einen Bedingung versprochen den Stefansthurm zu schonen, wenn sie auf die Thurmspitze den 'ßfllblllCTlb und Stent als Abzeichen der Türken aufpflanzen würden. Nach einer Urkunde vom 15. Februar 1530 (die noch gegenwärtig im Staatsarchive aufbewahrt ist) linden sich mehrere Andeutungen, dass dieser Thurmschmuck schon einige Zeit vor der ersten Belagerung aufgesetzt wurde, Vide : „Berichte und Mittheilungen des Altert hum Vereines“, VIII. Band, II. Abthlg., Anhang XXXVI. Auch auf der Meid emann’schen Rund- t I X Die Mondsichel 'mit dem Stern. 81 ; Am 9. Octöber 1529 wurden von den Türken die Minen gesprengt, wobei die Mauern gegenüber dem heutigen Bürgerspital einige Klafter breit einstürzten. Die Türken liefen dann Sturm, wurden aber von den tapferen Wienern mit grossem Verluste zurückgetrieben. Hinter der Bresche führte man sogleich eine neue Mauer auf. Der abgeschlagene Sturm wurde aber jedesmal vom Stefansthurm aus mit pHfJl" und „'bfcrcvpailfftl" feierlichst zur grossen Freude der Wiener mitgetheilt, die sich am Stefansfreithof in dichten Schaaren versammelten und ängstlich der Siegesbotschaft harrten. Im Jahre 1637 zur Zeit der grossen Gegenreformation schlossen sich die Würdenträger des Reiches an Ferdinand II. innigst an, und es fand in der Kirche eine Versammlung derselben statt, von wo aus sie eine feierliche „Wallfahrt“ nach Mariazell (an der sich auch Ferdinand betheiligte) unternahmen. Es ist daher interessant zu bemerken, dass Ferdinand II. als der eigentliche und erste Begründer der später so beliebten „fllamjeßei! zu betrachten ist. Im Jahre 1679 waren in Wien die letzten Spuren der Peft verschwunden. Nachdem in der inneren Stadt 49.486 (und mit Einschluss der Vorstädte 122.849) Personen der Seuche unterlagen, erholte mag sich so rasch und es überkam ‘die Wiener eine so plötzliche Lebenslust, dass schon zu Weihnachten desselben Jahres an einem Tage 95 Paare in der Stefanskirche sich trauen liessen. Gewiss ein Zeichen jener zähen, ^9- 33. Die Mondsichel mit dem Stern, unverwüstlichen Lebenskraft, die iden Wienern noch heute innewohnt. ansicht der Stadt Wien während der ersten Belagerung (deren neue Ausgabe Camesina 1862 besorgte) findentwir den Stefansthurm bereits mit SEonb ltnt> Steril geschmückt. Die Aufschrift „Haec Solymane Memoria tua" und die Hand mit der „Feige“ wurden erst nachträglich eingegraben, als bereits diese Spitze wieder vom Thurme herabgenommen war, was aber erst nach der zweiten Türkenbelagerung geschah. Denn wie es aus Urkunden erwiesen ist, machte erst Leopold I. während der zweiten Türkenbelagerung das feierliche Gelübde, an ’dia Stelle des „Halbmondes“ ein christliches Abzeichen,; nämlich das „Doppelkreuz“, nächstens aufsetzen zu lassen. Und als der Kaiser am 14. September 1683 nach der feierlichen Dank- nfesse die .Stefanskirche verliess, erinnerte Erzbischof Kollonitz den Kaiser beim Austritte aus der Kirche an sein gegebenes Versprechen, das nun sogleich in’s Werk gesetzt werden sollte. Aber es ging damit nicht so schnell von statten, weil man» vorerst die Rückeroberung Ofens durch das Christenheer abwarten wollte und weil sich auch bisher Niemand zu einem so waghalsigen Unternehmen vorfand. Endlich meldete sich der Ziegeldecker Ressytko aus Brünn mit seinen beiden Söhnen Julius und Jakob, der gegen eine Belohnung von 1000 fl. und drei neuen Anzügen am 13. Juli 1686 bei grossem Zulauf von Menschen und unter allerlei abenteuerlichen Ceremonien das Wagstück vollbrachte. Die Beschreibung dieses feierlichen Actes steht im Irafauet? lalcnbcr in 5«t Jahrgängen J722—1720 und füllt 150 Quartseiten. Vide: „Schmiedl’s Oesterreichische Blätter“ Jahrgang 1844, Nr. 18, pag. 138. Aus dieser urkundlichen Mittheilung geht deutlich hervor, dass diese Drei wirklich die äusserste Spitze des Thurmes mit Leitern erklommen und dann der Eine einen Pistolenschuss abfeuerte, während der Andere die Trommel rührte, der Dritte aber Gedenkmünzen (die der Magistrat zu diesem Zwecke besonders prägen Hess) hinabwarf, eine Fahne schwang und einen Pocal Wein auf das Wohl der Stadt austrank, Mond und Sterit aus der Helmstange hob, mit Stricken vom Thurm herabliess und diesen Thurmschmuck dem Erzbischof Kollonitz überbrachte, in dessen Wohnung derselbe Tags darauf bis 6 Uhr Abends vom Volke besichtigt, dann aber am 6. August zum Kupferstecher Martin Lerch getragen, auf die Mondscheibe eine Hand mit einer Feige sammt der obigen Inschrift eingestochen und auf Befehl des Kaisers Leopold 1. in die kaiserliche Gallerie (zur Stallburg) und später von dort in das bürgerliche Zeughaus am Hof zum ewigen Gedächtniss gebracht wurde, wo er sich noch heute befindet. 11 1 g2 Historische Vorfälle in- und ausserhalb der Stefanskirche. I Am 11. September* 1683 war dqr Stefansthurm den Wienern ein Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit. Die Noth war damals (während der zweiten Türkenbelagerung) auf das jdöchste gestiegen, der Proviant aufgezehrt und ringsum, so weit die geängstigten Blicke schweiften, nichts als Lagerzelte, Minenschanzen und Körbe zu sehen und ein unabsehbares Heer von grimmigen Feinden, von denen man wusste, dass sie keinen Pardon geben. Nun stand im inneren Stiegengange des oberen Thurm es in einer Seitenecke (an der nämlichen Stelle wie heute) eine kleine steinerne Bank (ein stilles, lauschiges Plätzchen, von dem man die herrlichste Fernsicht geniesst) und die den Wienern wohl als kostbares geschichtliches „Reliquium“ gelten sollte. Sie diente damals dem @ui5o ©rttfcil ©tar^entberij als Observatorium. Stundenlange sass er da, unverwandt den sorgenvollen Blick nach dem Kahlenberge gerichtet, nach Hilfe spähend. So kam der 11. September; die Noth war fast imerträglich. Schon neigte sich die Sonne zum Untergange, schon brach die Dämmerung ein und noch immer kein rettender Ausweg. Still und ruhig war Alles ringsum, nur (Buibo 6taf()finbcr(j, der Stadtcommandant, sass wieder auf der steinernen Bank, aber diesmal in fieberischer Aufregung, denn er hatte *schon allzulange auf die versprochene Hilfe vergebens gewartet. Unzählige Raketen li^ss er vom Stefansfthurme aufsteigen zum Zeichen, dass es mit der Stadt aufs Aeusserste gekommen sei. Da plötzlich bemerkte er von Nussdorf aus mächtige „Staubwolken“ aufwirbeln und vom Kahlenberge die ersten „Detachements“ vom Vortrabe des Christenheeres heranrücken. Schnell war die Nachricht verbreitet und ein unbeschreiblicher Jubel folgte der allgemeinen Niedergeschlagenheit, und obgleich der Zutritt zum Thurme strenge verboten war, liess sich die freudetrunkene Menge nicht länger mehr halten und Alles, Jung und Alt, stürmte auf den Stefansthurm hinauf, und wer es nicht konnte, erklomm : die Zinnen der Häuser, um sich an dem Schauspiel seiner Rettung zu weiden, unbekümmert um die feindlichen „Kugeln“ und „Bomben“, die ihn umschwirrten und die Viele verwundeten und Manche tödteten, ' Im Jahre 1711, im Spätherbst, als Kaiser Carl VI. von der Krönung von Frankfurt nach Wien zurückkehrte, veranstalteten die Wiener ihrem geliebten Herrscher einen feierlichen Empfang. Sie wollten von der höchsten Thurmspitze zu St. Stefan Fahnen schwingen lassen, aber Niemand meldete sich zu diesem Wagestück. Man verzichtete fast darauf, alk noch im letzten Augenblicke ein Gärtnerbursche mit Namen Gabriel Saltzberger sich hierzu bereit erklärte. Er nahm einen Gehilfen mit sich, der ihm die grosse Fahne nachtrug. Richtig gelang es ihm die äusserste Spitze zu erklimmen, nur musste er sich, so gut es ging, zwischen Rose und Knauf mit einer Hand festhalten, während er die von seinem Gehilfen gereichte Fahne mit der andern schwang. Dies ging mehrere Stunden ganz gut. Als aber die verabredete Zeit vorüber war und er wieder hinabsteigen wollte, bemerkte er zu seinem nicht geringen Entsetzen, dass der Geleitsmann (ohne dessen Unterstützung er weder hinein, noch hinaus zu gelangen vermochte), nicht anwesend sei. Diö Angst bemächtigte sich seiner immer mehr, besonders als es bereits dunkel zu werden anfing. So blieb er denn unter den qualvollsten Schrecken die ganze Nacht zwischen Leben und Tod über einem unendlichen Häusermeere hängen, jeden Augenblick gewärtigend die Kräfte zu verlieren, denen er allein noch sein Leben verdankte. Erst am anderen Morgen wurde ihm Hilfe zu theil.‘) i Im Jahre 1722 e'rhob Papst Innocenz XIII. das Bisthum in Wien zu einem Erzbisthum und der einflussreiche Kollonitz war der erste Erzbischof, der am 23. Februar desselben Jahres feierlichst in seine neue Würde trat. Diese kirchliche Doppelfeier wurde zu St. Stefan in würdiger Weise begangen und noch lange sprach man von der Grossartigkeit dieses Festes und dem kirchlichen Pompe, der bei dieser Gelegenheit sich entfaltete. ’) Dieser interessante, aber etwas sondeibare Stoff wurde unlängst von einem dramatischen Dichter für ein Volksstück bearbeitet. Maria Theresien-Orden. — Messe Papst Pius VI. — Moira’sche Stiftung. 83 Am 7. März 1758 fand eine nicht minder erhebende Feierlichkeit in der Stefanskirche statt. Sie war militärischer Natur und betraf die feierliche Vertheilung des eben von der grossen Kaiserin neugestifteten „HJaria 2$ereficH=©rbm" ‘) aus Anlass des Sieges bei Rolilt. Daun hatte den grossen Sieg auf dem Schlachtfelde zu Kolin erfochten und schon zwei Tage später rief diese Nachricht grenzenlosen Jubel in Wien hervor. Man beglückwünschte sich auf den Strassen, man eilte in die Kirche, um Gott zu danken, kaufte Bilder und Münzen, welche die Heldenschlacht versinnlichten, und den glorreichen Tag beschloss ein glänzendes Hoffest. Maria Theresia selbst bezeichnete in einem späteren eigenhändigen Schreiben an Daun beit 1$. Juni J 757 als beit ©ebltrtstag ber fflonar<$ie und überreichte ihm persönlich den ersten Orden, den sie ihm unter herzgewinnenden Dankesworten eigenhändig an die Brust heftete. Das Fest beschloss ein solenner Gottesdienst, den der Erzbischof in Gegenwart aller Würdenträger celebrirte. Auch das „Piartuitt" (heutige Wiener Zeitung) enthielt eine genaue Relation über diesen Sieg und eine Unzahl von Flugblättern, Reimsprüchen und Sinngedichten (meist schwülstig und bombastisch im Geschmacke jener Zeit) besprachen eingehend dieses Ereigniss. ’) Am 28. Jänner 1765 fand die Vermählung Josef II. mit Josefine von Baiern statt, wobei zur Verherrlichung des Festes die gütige und leutselige Kaiserin Maria Theresia 25 bürgerliche Brautpaare ausstattete und der Trauung in der Stefanskirche selbst beiwohnte. Ergötzlieh für die Wiener war es anzusehen, dass zu je einem „Brautpaare“ aus seinen Vorstädten auch je ein „Jubelpaar" beigegeben war, das seine ftlbeme oder nach Umständen golbette Hochzeit mitfeierte. Am Ostersonntag den 31. März 1782 celebrirte (wie schon erwähnt) Papft Pius VI. eine feierliche Messe nach dem in „Rom“ üblichen Ceremoniel, mit dem Gesichte gegen die Kirchenbesucher gewendet unter Assistenz vieler Kirchenfürsten. Am 14. Februar 1797 wurden aus Anlass der llloira’schen Stiftung 24 arme Mädchen im Dome getraut und einer jeden fünfhundert Gulden und noch überdies für sie und ihren Bräutigam eine vollständige Kleidung gegeben. * * 3 ) Es war eines der glänzendsten und herrlichsten „Siirgei-fejte", die hreFje stattfanden. Gemüthlichkeit, herzliche Schlichtheit drückten gemeinschaftlich dem „Adel“, gleichwie der „Bürgerschaft“ den Charakter auf. Die „33Urgent>e^r" zog dabei mit klingendem Spiele auf und der erhebenden Trauungsfeierlichkeit wohnten die Erzherzoge Anton und Johann, die Erzherzogin Christine und ihr erlauchter Gemahl Albrecht von Sachsen- Teschen bei. Das Ganze endete Nachmittags mit einem schönen heiteren Volksfeste, an dem sich Wiens Bevölkerung vollständig betheiligte und es schien, als seien sich jetzt Adel und Bürger einander näher gebracht. Auch am 16. Jänner 1806 spielte sich hier ebenfalls eine herzerhebende Freudenscene ab, die in den Annalen der Stadtchronik als der grösste „Freudentag“ der Wiener bezeichnet werden muss. Nach langen Kriegsleiden, nach langer drückender Sorge endlich wieder *) Die Statuten des tHaria eiligen STTartprcrn bev jC^nlflUfenö Hitler und stiftete hier eine ewige Messe. Bischof Anton H?*lfrafl> vergrösserte dieselbe 1538 in ihre heutige Gestalt, wie wir sie in Figur 21 sehen, und widmete sie dem Andenken der beiden Heiligen Andreas und Achatius, daher sie noch heute „Hltbreas* UJlt> H(f>atiUS--<£apelIP' genannt wird, auch liess er eine Inschrift in Stein hauen, die noch gegenwärtig ober der Thür rückwärts im Hofgange sich befindet und lautet: „Sactllum Divis Andreas Apostolo et Achatio Sociisque Martyribus jam olim hic Tutelaribus erectum A. D. D. MDCXXXVIII." • *1 Der Ausdruck: „Sf^trifbbogrn^ ist ein sehr altes hochdeutsches Wort und ersetzt seit dem XV. Jahr- Das Haus „zum Primas von Ungarn.“ — Die Moerung. — Die alte Brandstätte. 87 Das Primashaus reichte mit seiner Seitenfront in die heutige „Brandstättegasse“ hinein und bildete einen schreienden Contrast mit jenen stattlichen „Zinsburgen“, die ihn jetzt umgeben. Wie ein altes verwünschtes „Zauberschloss“ stand es da neben seiner neuen Umgebung, zu c\er es gar nicht passte, wie im Traume vergessen und versunken. Das hohe Giebeldach, die niederen mit kleinen eisernen Schräggittern versehenen Fenster, das halbrunde Thürmchen am Dachboden, die schmale, finstere, steilaufsteigende Treppe, die Stuckatur der Decke und vieles Andere, das wir an obigem Bilde sehen, machte das Ganze zu einer verwitterten Häusermumie, wie wir nur noch wenige mehr desgleichen in der Stadt besitzen und die uns deshalb doppelt ehrwürdig erscheinen müssen. Aber das Merkwürdigste an dem Hause war jene alte am ersten flj Stock in die Mauer eingefügte viereckige Tafel, „Die fllocrung') genannt, ^ die wohl zu den ältesten „IPajtFfifidtflU der Stadt gehörte und die ich hier in Figur 35 in getreuer Abbildung den Lesern zur Anschauung bringe. Die Inschrift lautete: „Anno domini MCCCLXXXVII Jar die* *Moerug gemacht ist.“') 1 Aber auch hinsichtlich seiner Eigenthümer (dte grösstentheils den Wiener 2\att>öt>erren=@efct>le4)tetn entsprossen) ist dieses Haus ganz besonders merkwürdig. So z. B. zeigen die Aufschreibungen des alten Stadtgrundbuches, dass die ältesten bekannten Besitzer Ibaitö SHiU und Ulrich i JTniwticimu ißfrCPlOTöiJ jtrc^ttuw Jiiff. 35. Die Moerung. 'ferriüßt waren. Nach ihnen ging der Besitz auf eine Reihe von Eigenthümern über, von denen besonders mehrere nennenswerth sind. 2 ) Die alte Brandstätte gehörte zu den ItrpläfjClt Wiens und hatte ihren Namen von den grossen Feuersbrünsten aus dem Jahre 1276, die eine „Brandstätte“ zurückliessen, welche längere Zeit hindurch unverbaut und offen blieb. Der Platz war in Folge dessen so geräumig, dass zu Faschingszeiten alljährlich hundert den Ausdruck für „S($«BCbeboge«t" und wird von dem althochdeutschen „ftttpogo", mittelhochdeutsch „fiPtbogc", von schweben, suepen, svveben hergeleitet. Yide: Schneller 3, 323, Lexer’s Kärntnerisches Wörterbuch 228 und Mittelhochdeutsches Handlexicon 2—1370. ’) Dieses Wahrzeichen wurde verschiedentlich ausgelegt, doch kommen die Meisten darin überein, dass diese Gedenktafel als „Erinnerung“ errichtet wurde, dass hier ein Banal (HloefUlUj) gegraben und an diesem Hause vorbeigeleitet worden sei. *) So z. B. erscheinen im Stadtgrundbuche vergewährt: im Jahre 1511 £ore««3 <£blFF POtt SflllFFF, kaiserl. Rath und * Vicedom in Niederösterreich, dann der Agramer Bürger 25 ettttfbFFlin (deren Familie zu den alten wappenberechtigten Bürgergeschlechtern Wiens gehörte) testirte. Von den späteren Besitzern hebe ich besonders hervor: zw'ei Rathsfamilien, nämlich „Htiganb" und „$0fl?". ®F0Fg IPigotti» war äusserer Rath und Handelsmann, erscheint 1658 als Käufer, und hinterliess das Haus seiner Tochter Anna Katharina (Gemahlin des kaisefl. Reichsraths- ^anzlisten Christoph Sittel VOtl HittwbFFg), von der es an ihre Tochter Anna Maria, verehelichte „<$01«?" kam. Diese <$oft) sind ein ursprünglich ungarisches, später in Wien wohlbegütertes Geschlecht aus Veszprim. Ein Bis zum Jahre 1560 blieb die Brandstätte noch unverbaut, erst durch den „Vorbau“ l des Hauses Nr. 628 (mit der Front gegen den Stefansplatz) und den „Zubau“ noch zweier anderer rückwärtiger Häuser war nun die Brandstätte vollkommen geschlossen und bildete so eine Art inneren Hofraum, dessen Zugang vom Stefansplatz aus durch zwei Thore rechts und links ver- mitte'lt wurde (wje wir dies noch;vor 10 Jahren sahen). Nur standen diese beiden Thore oben „frei“ und „unbedeckt“, die Mauerüberwölbungen oder „Schwiebbögen“ kamen erst im Jahre 1560 hinzu. 2 ) Interessant ist die BemeVkung, dass noch im XV. und XVI. Jahrhunderte hier auf der Brandstätte das „6täbtif(f>e IDecbfelamt'* bestand, eine Anstalt, die damals sehr nothwendig war, weil bei der schlechten Münzprägung die Landesmünzen alljährlich ausgewechselt, d. i. die alten gegen neugeprägte ausgetauscht werden mussten; hier wurden auch „Holzwaaren“ verkauft, und befand j * sich daselbst stets ein grosses Lager von „Binderholz“. Schon 0>d)md3el sagt in seinem Gedicht „lUiettcr Cobfprucf)": ging hinaus auf Me 25ranbfiatt, Da finbet fid> tnan^erlä 'feausratfc Mm 3 iemli# ©elb fitt? alle ffiag’, Hier fie kbaif unb nur nermag Im XVIII. Jahrhundert war der Platz mit „Verkaufsläden“ ringsum besetzt und nach dem ©emerbefcbema vom Jahre 1787 befanden sich hier zu Josef II. Zeiten fünf Kammmacher, Bürstenmacher und Händler mit Gänsen und Schweinen. Der Hofraum der Brandstätte war noch vor seiner Demolirung, also noch vor 10 Jahren, von sieben Häusern begrenzt. Die Seite gegen den Stefansplatz zu nahm die Hauptfront ein. Ihr zunächst gegen die linke Flanke stand das Haus Nr. 629 zum „golbettett 6tefn", wo sich im Jahre 1700 ein Schenk- und Gasthaus „ 311 m großen <£briftof" befand. Hier machte sich im Jahre 1775 bis 1795 MlttOtt Salfder und später Philipp ©erittger bis 1828 und nach ihm a(ar puthler, @>tdmnd) und gemeiner stabt lüien llh'rtmcijter auf Befehl des Bürgermeisters und der Stadt- räthe ausgeführt und im Jahre 1568 in jene Gestalt umgewandelt wurde, wie wir es im Hintergründe des Bildes sub Fig. 22 und 26 noch ziemlich deutlich wahrnehmen können. Bemerkenswerth ist, dass bei dem „Bombardement“ während der zweiten französischen Invasion im Jahre 1809 die Frontseite des Hauses gegen den Stefansplatz in Brand gerieth und ein Theil der Mauern und das Dach gänzlich eingeäschert wurden. Die hierdurch nothwendig gewordenen Restaurirungsarbeiten stellten das Jlaus wieder her, wie wir es Alle noch bis vor acht Jahren kannten. Heute aber erfreut sich unser Auge hier eines imposanten Prachtbaues, der durch die geschmackvolle und harmonische Anordnung seiner Theile, überhaupt durch seine schönen architektonischen Verhältnisse sich vortheilhaft auszeichnet. Das in seinen unteren Räumen gelegene elegante Cafe „Europa“ ist insöferne bemerkenswerth, als es seit dem Jahre 1848 grösstentheils der Vereinigungspunkt der Fremden geworden, welchen Charakter es im Wesentlichen noch jetzt beibehalten hat. 1 ) Das Rothberger’sche Haus Nr. 627 (neu Stefansplatz 9) besteht noch heute in derselben Gestalt, wie wir es im Bilde suh Figur 22 wahrnehmen. Die grosse dreistöckige Rondelle, das hohe Doppeldach, die Fenstereintheilung der Hauptfront, sowie die kleinen Bodenfensterchen, sie alle sind bis zur Stunde nach Zahl und Form dieselben. 8 ) ») Seit den ältesten Zeiten befindet sich die Familie „Baumtfritlö" hier grundsesshaft und schon im Jahre 1450 kommt ein Philipp „Sauetltfeittb^ als „Caplan bei St. Stefan“ hier vor, und noch bis in das Jahr 1830 erscheinen die 35atiernfcinb’f(hen (Erben grundbücherlich vergewährt. Nach ihrem Aussterben kam Johann Macliio und hierauf mehrere Miteigenthüiner in den Besitz und zuletzt die Wiener Baugesellschaft und der Bauverein, welche das Haus durch den Architekten Frankl und Baumeister Ollbrich und Dehrn im Jahre 1874 neu erbauen Hessen. Gegenwärtig ■ wird das Haus durch zwei neue Gassen (Brandstätte- und Jasomirgottgasse) eingeschlossen und besteht aus zwei gleichen Haushälften, wovon die eine mehr gegen die Rothenthurmstrasse zugekehrte Nr. 8 (oder Brandstätte Nr. 1) der „Ersten österr. priv. Sparcasse“ gehört und die andere gegen den Stock-im-Eisen zugekehrte Nr. 8a (oder Jasomirgottgasse Nr. 2) dem Pensionsfonde der Süd- bahnges el 1 schaft eigen ist. s ) Nach den Grundbüchern des Magistrates erscheinen als Hausbesitzer: im Jahre 1684 Michael von Olbern, 1700 Fianz von Olbern. kaiserl. Hof-Kammerrath, 1775 Johann Ohmayer, 1788 dessen Erben. 1822 Johann und Josef Kraus, 1828 Johann Ohmaver’s Erben, 1833 Josef Kraus und zuletzt Jakob Rothberger. 12 I I 90 Das Kranner’sche, Arthaber’sche und Quarient-Haus. Das Kranner’sche Haus Nr. 626 (neu Slefansplatz 10) dürfte für Musikliebhaber ganz besonders benierkenswerth sein, weil hier durch längere Zeit der einst den Wienern so theure Kirchen- und Operncomponist Johann Schenk 1 ) wohnte und seinen vortrefflichen „Dorfbarbier“ schrieb, wohl das gelungenste, lustigste Singspiel seiner Zeit, das ihn noch lange überlebte und noch heute auf allen deutschen Bühnen am Repertoire stellt. Die heiteren Wiener begrüssten diese Operette gleich bei der ersten Aufführung mit lebhaftem Beifall. Alles sang auf der Strasse die melodischen, leicht fliessenden Arien, wie man z. B. vierzig Jahre später den „Jungfernkranz“ aus „Freischütz“ trillerte. Schenk, der als Vorläufer der späteren „Opera buffa“ betrachtet werden kann, war alsbald ein Liebling der Wiener, weil seine melodiöse Musik ihrem Temperamente am besten zusagte. Auch Kaiser Josef, ein Freund dieses heiteren Genres, unterstützte ihn heimlich. Seine Musik war gut und gründlich gearbeitet und man sah es dem Meister an, dass er es mit seiner Kunst ernst meine und es sich in contrapunktistischer Hinsicht nicht allzuleicht gemacht habe. 2 ) Das Haus „zum goldenen Löwen“ oder Arthaber’sche Haus Nr. 595 (neu Stefansplatz 11) leitet seine Benennung von dem gleichnamigen Schilde her, welches der Apotheker Ferdinand Mori seit dem Jahre 1700 ober seinem Geschäfte hängen hatte. Ueberhaupt scheint seit den ältesten Zeiten hier eine Apotheke gestanden zu haben, denn im Stadtgrundbuche vom Jahre 1409 heisst es schon: „Segen 6t. 6tefaiis Domtir^e über fo bes üleiiters Citens non Beliebig iHpotbefer getnefen nt." Auch übersiedelte der Apotheker Franz Edler von Maficioli um das Jahr 1780 (im Baldaufsehen Hause Nr. 875 am Stock-im-Eisenplatz) mit seinem Geschäfte hierher, wo die Apotheke bald wieder einging, aber das Schild „3U111 golbenen Körnen" hier beliess, wie es noch in Fig. 23 abgebildet erscheint. 3 ) Das Quarienthaus „zur rothen Rose“ Nr. 625 (neu Stock-im-Eisen 7). Es wurde seit 17Q0 wegen seines grossen Schildes (wie wir es in Figur, 23 sehen) zur „rollten Koje" genannt und bildete eine Ecke in die Goldschmfedgasse. Es gehörte damals dem Regimenterotb Anton Edlen von Quarient, der so wie seine ganze Familie durch sein Vermögen, reichen Grundbesitz und Geistesbildung zu den angesehendsten und einflussreichsten Honoratioren der Stadt gehörte. Der Gartengrund und das Gebäude, worauf jetzt die Kirche und das Kloster *) Johann Schenk, in Wiener-Neustadt 1761 geboren, studirte in Wien Musik. Er versuchte sich frühzeitig im Componiren, doch sagte ihm die „Liedform“ und „Kirchenmusik“ am besten zu und nachdem er sich durch mehrere Kirchencompositionen vortheilhaft bemerkbar machte, debutirte er 178-’) mit der Operette „Die Weinlese“, die im hiesigen Kärntnerthor-Theater beifällig aufgenommen und gleich populär wurde. Nun folgten rasch mehrere grössere Opernwerke und Singspiele, die wir aber nur noch mehr dem Namen nach kennen: „Die Weihnacht auf dem Lande,“ „Im Finstern ist nicht gut tappen,“ „Das unterbrochene Seefest,“ „Der Erntekranz,“ „Achmet und Almanzine,“ „Die Jagd“ und vor Allem „Der Dorfbarbier“, der in gewisser Hinsicht noch heute als Muster dieser Musikgattung dienen könnte. Er starb hier am 29. December 1836, allgemein geliebt und betrauert. s ) Die ältesten nachweislichen Eigenthümer wann: 1684 Josef Pezollo, 1700 Josef Pezollo, des äusseren Rathes Wohnhaus, 1773 Josef Stadlbauer, 1783 Katharine Stadlbauer, 1793 Jacob Passy, 1822 Michael Walzer und Anna Huber, zuletzt die Familie Kranner, die es noch gegenwärtig besitzt. 3 ) Dieses Haus gehörte im Jahre 1770 der Frau Marianne von Schick, welche es erst im Jahre 1800 an Josef Arthaber verkaufte, worauf es dann an Rudolf Edlen von Arthaber kam, dessen Familie es noch heute besitzt. In den „Hilft) lefensmürbigen (Erinnerungen rom Jahre J70’" wird das Arthaber'sche Haus mit dem Schild „zum goldenen Löwen“ bezeichnet und das <£01)Uni¥dßlfc^ltn t Das Haus „zum goldenen Becher“. — Die Frevelthat des Johann Hayn. 93 Das Haus „zum goldenen Becher“ Nr. 876 (neu Stock-im-Eisenplatz 2) zählt gleichfalls zu den altmerkwürdigen Häusern der Stadt. Wie -FVfir. 3t zeigt, war ober dem Thoreingange in einer Mauernische zwischen dem ersten und zweiten Stockwerke ein „goldener Becher“ als historisch-interessantes Gräuelthat, von der das Haus seinen Namen „ 311 m gulbeneti Seiner" ableitet. Am 8. Juni 1549 nämlich drang ein lutherischer Bäckerjunge frech in die Frohnleichnamsprocession, riss dem Priester die Monstranze aus der Hand, warf sie an die Wand dieses Hauses und trat sie mit Füssen, ein Frevel, den der Bursche allerdings durch den Feuertod am „Scheiterhaufen" büsste. Der Bösewicht hiess Johann Hayn, aus dem Frankenlande gebürtig. Kaiser Ferdinand liess an dem Ort, wo von demselben die Monstranze liin- geworfen wurde, eine Denksäule errichten, damit diese Stelle nicht mehr mit einem Fusse betreten würde und daneben zwei Tafeln, eine mit lateinischer, die andere mit deutscher Inschrift, welche die Ge- schichtq des Thäters und seine Strafe der Nachwelt aufbewahren söllte. Die deutsche Inschrift lautete also: Anno domini J54c) am achten bcs ^eiligen ^rofmleicffnamstag ift burtf» einen gottlofen Üienichcn einem Priefter in bet proceffiou bas ffcxfwürbige Saerament unverk^ens aus beit Mh-- ben geriffelt unb an biejem ©He mit erfthrecflicher ©otteöfäfferung auf bas tErbreid) geworfen morben, um tnelcffe graufaitte ©bat iffttte „3unge" ttttb ,/fcanb" abgebauen, folgenbs 3 U bet „Wahrzeichen“ angebracht, erinnernd an jene religiös-fanatische □153 Fig. Das Haus „zum goldenen Becher und „Schloss“ mit Hilfe des Bösen in wenigen Stunden und legte es an die Mauer um den Stamm. Das kleine Männlein nahm sodann den Schlüssel mit sich fort, der Bursche aber wurde durch diese Arbeit irei und trat als Geselle die Wanderschaft an, gar wundervolle Arbeiten verrichtend. Nach Jahr und Tag kehrte er wieder nach Wien zurück. Da hörte er, wie es den hochweisen Rath der Stadt verdriesse, dass ein unbekannter Mann den Schlüssel zu jenem Schlosse mit sich genommen, und wie demjenigen das Meister- und Bürgerrecht veisprochen sei, der einen neuen Schlüssel dazu machen würde. Der Ge-elle ging an’s Werk. Damit aber war dem rothen Männlein nicht viel gedient; es setzte sich, wie der Schlosser den Schlüssel schweisste, unsichtbar ins Feuer und verdrehte ihm den Schlüsselbart. Der Geselle aber merkte den Schabernack, schob den Schlüssel mit verkehrtem Bart wieder in den Ofen, so dass der Teufel ihn abermals im Zorne verdrehte und dieser nun richtig stand. Hier- i I $ 9 * 1 t' * I 94 i * Die Wahrzeichen: Der Becher“. der Name Jesu“. — Das Moiegjschäft »zur scheinen Wienerin“. Ricbtftatt gereift unö öaielbft kbenöig oerbrennet worben, Sie« ift anberu 3ur IDaritung biefe ©ebacbtmiB Im Laufe der Zeit ging die Denksäule verloren und es blieb zur Erinnerupg nur der »Becher“ an diesem Hause übrig. (Vide Geusau’s »Geschichte Wiens, IV. Theil, Seite 254 und 255.) Im Laufe der Zeit verwandelte sich die Darstellung der Monstranze in einen »Kelch“ oder Becher, wie wir ihn sub Figur 38 abgebildet in einer altarartig eingewölbten tiefen Nische aufgestellt sefien. Zwischen dem zweiten und dritten Stockwerke bemerken wir ein interessantes in die Mauer eingelassenes „Wahrzeichen“, den Namen Jesu darstellend in einer altartig reichverzierten Einrahmung, Es war dies ein Zeichen, dessen sich die Jesuiten oder Mitglieder aus der Gesellschaft Jesu (wie sie sich nennen) gleichsam als „Monogramm“ bedienten, wir sehen es sub Figur 39 abgebildet. Noch bekannter war dies Haus unter dem Namen „zur Fig. 38. Der Becher. Fig • 30. Der Name Jesu. .j-Ä-ir.- . SßL schönen Wienerin“, von einem Damen*Modegeschäft so geifannt, welches hier etablirt war und in seinen Schaufenstern seit 1804 eine Wachsfigur ausgestellt hatte, die, eine elegante, reichgeputzte Dame in Lebensgrösse vorstellend, den neuesten Modegeschmack von Paris plastisch repräsentirte pnd als Novität durch längere Zeit nicht geringes Aufsehen erregte. Zur Beliebtheit dieses Geschäftes dürfte hauptsächlich diePersönlichkeit der Besitzerin desselben beigetragen haben, es war dies die stadtbekannte Modistin Frau Schoberlechner (die Mutter des nachmals berühmten Hofopernsängers Franz Schober), die noch in den Vierzigerjahren im hohen Renommee stand. Sie war ein Mannweib von seltener Geistesschärfe, nichts weniger als schön, daher ihr Schild sich nicht als Anspielung auf ihre Person, sondern auf jene lebensgrosse Wachs- Fig. 40. Das Eisengitter im XVI. Jahrhundert. figur bezog, r auf ging der ganze Rath mit dem Schlosser zum Baumstamm, öffnete das Schloss, ward Bürger und Meister und schlug jauchzend den ersten Nagel in den Stamm und warf den Schlüssel in die Luft, der aber zu Jedermanns Entsetzen nicht wieder herunter- fiel. Eine Zeitlang ging Alles gut; der Ruf von des Schlossers Geschicklichkeit stieg immer höher und mit ihm auch sein Einkommen. Er aber hütete sich wohl, eines Sonntags die Messe zu versäumen. Doch der Böse, der seine Beute nicht leicht fahren lässt, verwickelte ihn endlich in sinnliche Neigungen durch wüstes Leben und Kartenspiel, und als er eines Sonntags Morgens mit einer Rotte leichtsinniger Bursche im Keller „zum steinernen Kleeblatt“ Stunde um Stunde verrinnen Iiess, langte er erst am Stefansfreythof an, als der Priester bereits das Ite mlssa est der letzten Messe (oder Zwölfuhrmesse) gesprochen und wurde von ^3em zur liesigen GriLse anwachsenden rothen Männlein mit Geheul durch die Luft geführt. ÜIHÜLll \ I t I Der Hnuseinsturz. — Das alte Eisengitter. — Die Apotheke Maficioli’s. 95 Ober dein Hausthoreingange befand sich ein altes schöngearbeitetes Eisengitter aus dem XVI. Jahrhundert, wie wir es in Fig. 40 wahrnehmen, ein Kunstwerk der damaligen Schmiedearbeit, das sich durch seine besondere Formschönheit abszeiclmete. ') i Das Baldaufsche Haus „zum goldenen Männlein“ Nr. 875 (neu Stock - im-Eisenplatz 1) * * zeichnet sich durch seinen geschmackvollen Baustyl aus. Üas schöne Portal, die prächtigen Verzierungen ober den Fenstergesimsen, der herrliche Dachaufsatz mit seinen imponirenden grossen Figuren bilden noch heute die Zierde des altehrwürdigen Gemäuers. Es war früher ein geistliches Besitzthum, wie es die klösterlichen Gitterfenster in Figur 23 beweisen. Im Jahre 1775 w 7 ar (laut Grundbuch) der Apotheker Franz Maficioli der Hausbesitzer, der hier seinen Apothekerladen hatte, dem er das Schild „31UH golöfllCII lUßniUciu" gab, von dem dann das Haus seinen Namen erhielt. Diese Apotheke war damals eine der ältesten und berühmtesten der Stadt und ging im Jahre 1783 auf Anton Edlen v. Maficioli über. * 2 ) Später übersiedelte dieselbe in das Arthaber’sche Haus 595, wo sie jedoch wieder einging. Das Curaten- oder Churpriesterhaus Nr. 874 (neu Stefansplatz 3). Seit 1740 erhebt sich gegenüber dem ausgebauten Thurm entlang der ganzen Länge des Platzes das neue „Churpriesterhaus“, das seine Existenz der Fürsorge und Munificenz des Cardinais Khlesel verdankt. Denn vornehmlich er w T ar es, der den Gedanken anregte, eine Pfiegestätte junger Geistlicher für das Erzbisthum zu gründen und der in liebevoller Weise bereits 1618 zwaitzig- tausend Gulden zur Stiftung eines Alumnats oder Seminariums und später in seinem Testamente noch weitere zwanzigtausend Gulden widmete. Es wurde festgesetzt, dass zur Bildung für so viele Alumnen für die Erzdiöcese in Wien und in Wiener-Neustadt gesorgt werden müsse, als die Zinsen des Capitals es gestatteten. 3 ) Im Jahre 1806 wurde das Haus um einen vierten Stock erhöht und in der Gestalt erweitert, in der wir es noch heute sehen, wie dies auch eine ober dem schönen Hauptportale angebrachte Marmortafel besagt: „Francisco II. Roman, ac Haered. Aust. imp. Regt. Hung. Bo/i. Gälte. Arch. Aust, et Principi. Augustissimo Piissimo quod aucto ecclesiasticorum Tyronum Numero iis recipiendis Xtedes has nova contignatione amphavit atque opportuna supcllectili . instruxit archipraesttl et Universum Collegium Sacerdotum arcltidioecesis Viennensis in beneficii tanti memoriam 4 ) Dieses Haus war schon längere Zeit baufällig und es! schwebte längst schon das Damoklesschwert der Demo- lirung über seinem altersgrauen Haupte und es wäre diesem Schicksale auch sicherlich nicht entgangen, wenn n'cht kürzlich (am 13. August 1881) eingestürzt wäre. Eine dort etablirte Theeverkäuferin, die während des Zusammensturzes unter dem Hausthoreingange stand, wurde beim Herabstürzen der Steine nur durch das obenerwähnte Eisengitter gerettet, welches glücklicherweise Widerstand leistete. Dieses Haus gehörte 1700 Franz Xaver Bredl, 1775 Leopold Lengfeld, 1783 dessen Erben, 1787 Josef Lengfeld, 1795 Therese Fladung, 1822 den Fladung'schtn Erben. 3 ) Die ältesten Hausbesitzer waren: 1684 Johann Sattler, Leinbatcr (Leinwandhändler), 1700 Georg Frei’s (niederösterr. Regimentsraths) Eiben, 1773 Franz Maficioli, 1783 Anton Edler v. Maficioli, 1806 Melchior Edler v. Bald- auf, eine damals in Wien höchst populäre Persönlichkeit, von dem auch das Haus gewöhnlich das Baldaufsche genannt wurde, später Ritter von Mack’s Erben Die Tochter des Zuckerfabrikanten Mack, nachmalige Gräfin Lazansky und spätere verwitwete Fürstin Vrede, teslirte dieses Haus ihrem Sohne aus erster Ehe Namens Leopold Grafen Lazansky in dessen Besitz es sich noch gegenwärtig befindet. 3 ) Die Kosten zu diesem Neubau wurden vom Kaiser Carl VI., vom Bischof Ernst Gr/tf Kollonitz und wie schon erwähnt vom Cardinal Khlesel bestritten. Vide: Ogesser’s- „Geschichte der Stefanskirche“ vom Jahre 1779. Seite 330* Das Gebäude wurde erst im Jahre 1742 vollendet und die daselbst befindliche Capelle „Maria Vermählung“ im Jahre 1744 zu Stande gebracht und am 21. November desselben Jahres vom Erzbischof Kollonitz geweiht, das erzbischöfliche Alumnat (Seminar) aber erst im Jahre 1759 errichtet. Gegenwärtig werden jährlich 25 Stellen des Säcularclerus besetzt und befinden sich 96 Alumnen daselbst. Das schöngeschnitzte „Frauenbild“ am Seitenaltare mit der Jahrzahl 1470 ist ein Ueberbleibsel der Capelle des alten Cnratbanses. . I t 96 Die Bürgerschule bei St. Stefan. — Das alte Schulwesen in Oesterreich. posuerunt. XI. Kalcnd. Junii atino MDCCCVI“ Von weit grösserer Bedeutung als dieses Curaten- liaus sind aber jene beiden althistorischen Häuser, die ehedem an dessen Stelle standen, u. zw. die alte Süvget-föltfc und die IPietn’r Bauhütte (Steinmetibüttenhatte), erstere an der Ecke der heutigen Churhausgasse, letztere gegen den Stock-im-Eisen, beide in der Mitte durch das „Raubergassel“ getrennt, deten beider Geschichte näher kennen zu lernen gewiss von Interesse sein dürfte. Die Bürgerschule bei St. Stefan war die älteste Lehranstalt im Lande, sie ist uns ein theures Vermächtniss altehrwürdiger Zeiten und gestattet uns insoferne wichtige Einblicke in das Culturleben der Stadt, als sie mit dem Schulwesen derselben seit den ältesten Zeiten im innigsten Zusammenhänge stand. Schon Ferdinand 11. setzte die Bürgerschule bei St. Stefan mit Handfeste vom 11. Februar 1237 als erste Lehranstalt ein und unterordnete ihr gleichzeitig die beiden Schulen bei den „Michaelern“ und „Schotten“. Albert I. bestätigte 1296 ihre Freiheiten und erweiterte dieselben noch durch die Verordnung, dass das alte Herkommen der Fürsten von Oesterreich, den jeweiligen Schullehrer zu ernennen, der Stadt überlassen bleibe und dieser Schullehrer als „Rector“ über alle anderen Schulen der Stadt gesetzt bleibe und die anderen Schullehrer zu ernennen habe. Diese Lehranstalt war sonach als „Musterschule“ zu betrachten und erfreute sich des blühendsten Zustandes. Es wurde in ihr lateinische und griechische Sprache und von vier Meistern die freien Künste, Poesie und Rhetorik, Philosophie und Mathematik gelehrt. Kaiser Ferdinand gab ihr 1559 eine fünfclassige Schulordnung, auch Rudolf IV. (obgleich er in der Nähe des Stubenthores eine Universität gründete) bestätigte ihre Freiheiten. So gedieh sie immer mehr und mehr bis zum Jahre 1658. ') Später aber, als die Jesuiten auf der Universität ähnlichen Unterricht ertheilten und die Jünglinge durch ihre Beliebtheit aus der Bürgerschule an sich zogen, war ihr alter .Einfluss vernichtet und sank sie zu einer blossen deutschen Schule herab, umsomehr, als die Jesuiten jetzt auch „Am Hof“ und bei „St. Anna“ Schulen errichteten, 1660 die Ursuliner-Nonnen den Mädchen in der Johannisgasse und vom 16. November 1701 angefangen auch diePiaristen in der Josefstadt Unterricht ertheilten, ja sogar ein gewisser Georg Prandstätter 5000 Gulden schon im Jahre 1572 für eine Mädchenschule widmete, welche zugleich die „erste“ war, die für das weibliche Geschlecht eröffnet wurde. Mit dem Verfall dieser ältesten 23ürgetJ<$ttle hielt auch der Verfall Ser übrigen Schulen in Wien, wie in ganz Oesterreich damals gleichen Schritt. War doch der Keim dieser Degenerirung nicht so sehr in den äusseren misslichen Verhältnissen, als vielmehr in deren eigenem Verschulden gelegen, zu f suchen. Ein näherer Blick auf die damaligen Schulverhältnisse dürfte gewiss lohnend sein. Das alte Schulwesen in Oesterreich. Wie wir aus den schriftlichen Ueberlieferungen wissen, begann das Schulwesen schon seit Mitte des XVI. Jahrhunderts zu kränkeln. Die aufregenden Religionswirren, die vielen blutigen und langen Kriege verwilderten das Volk. Ueberhaupt war Oesterreich niemals ein besonders günstiger Boden für die Pflege der Wissenschaften. Die erlauchten Personen, die an der Spitze des Staates standen, die Träger der Kronen und ihre Rathgeber, ihre Helfer und Vertrauten hatten kein Interesse an den Wissenschaften. Dieser Vorwurf traf ganz besonders die letzteren. Denn da sie selbst jeder anstrengenden‘und aufreibenden Geistesarbeit vornehm aus dem Wege gingen und überzeugt w r aren, dass sie auf diesem Felde keine Triumphe feiern würden, so waren ihnen auch die wissenschaftlichen Leistungen Anderer ganz gleichgiltig, und wenn die *) Der Wiener Gemeinderath hat im Jahre 1868 am Churpriesterhaus Nr. 3 eine historische Gedenktafel errichtet, lautend: „Hier stand „5t€ iSÜrgerft^Ult" der Gemeinde, die Ulteste und bis zur Gründung der Universität durch bCfjOg Klltolt IV. mich die bedeutendste Lehranstalt der Stadt *) ** Der Verfall des Unterrichtswesens in Oesterreich. — Reformplüne. 97 Leistungen der Gelehrten, der Forscher, Schriftstellef und Dichter noch so verdienstvoll waren, so erfuhren dieselben dennoch nie aufinunternde Anerkennung oder Belohnung. Die Rathgeber der Krone pflegten nur kriegerischen und staatsmännischen Verdiensten Anerkennung zu zollen und lenkten, sogar nicht selten, absichtlich die Aufmerksamkeit ihrer Herrscher von wahrhaft verdienstvollen Leistungen der Männer der Wissenschaft ab. Man konnte sich damals also nur Lorbeeren im „Feldlager“ und in der „Rathsstube“, nicht aber auf dem „Katheder“ öder auf der „Lehrkanzel“ holen. Die vornehme Jugend der Aristokratie wurde in allen Künsten des Reitens, der Jagd, der «Saltcnbeijjc und des Fechtens geübt, die Wissenschaften aber nur so nebstbei behan lelt; Feldherren schlugen die glänzendsten Schlachten, aber sie konnten kaum lesen und schreiben. Die deutsche Sprache wurde vernachlässigt, mit ihr auch das Lesen und Schreiben und die Schule beim Volke. Selbst bis in die neueste Zeit währte in Oesterreich dieser geistigtraurige Zustand, und während Männer der Wissenschaft im Auslande für ihre Leistungen Ansehen und Werthschätzung erhielten, gereichte es unseren Staatsdienern in den Augen der Höhergestellten oder Vorgesetzten zum Nachtheile, wenn sie nebst ihren amtlichen Geschäften sich auch mit „literarischen“ Arbeiten beschäftigten. Und während im Auslande das „Schriftstellern“ zu Auszeichnungen und Anerkennungen verhalf, wurde es bei uns von Seite der Amtsvorstände höchst missfällig vermerkt, ja geradezu als erschwerender Umstand angesehen, und der Betreffende konnte von Glück sagen, wenn seine Extrabeschäftigung milde beurtheilt oder nachsichtsvoll verziehen würde. Diese sonderbaren Anschauungen, die in den höheren Kreisen herrschten, machten sich nun auch in den unteren Schichten des Volkes geltend. So erklärte es sich denn auch, dass mit der Vernachlässigung der deutschen Sprache, mit der Vernachlässigung des Lesens und Schreibens auch der Schulunterricht und das Schulwesen arg vernachlässigt wurden. Es fehlte an der nöthigen Beaufsichtigung der Schule von Seite des Staates, in Folge dessen sich allenthalben verderbliche Ungleichheit in der Methode des Unterrichtes (der damals ganz in die Hände der Geistlichkeit gegeben war) fühlbar machte. Besonders die „Jesuiten“ gingen willkürlich nach ihrem eigenen „Lehrplane“ vor. Die Erlernung der lateinischen und griechischen Sprache bildete in den höheren Schulen de» Kernpunkt, und die deutsche Muttersprache wurde immer mehr und mehr zurückgedrängt und vernachlässigt; es kam so weit, dass alle Lehrgegenstände ausschliesslich nur in „lateinischer Sprache“ vorgetragen wurden. Das trockene, gedankenlose Auswendiglernen, die unnützen spitzfindigen Streitfragen der Dialektik, die steife Pedanterie des Vortrages, sie alle machten den Unterricht für das praktische Leben gänzlich nutzlos. So kam es denn, dass das ganze Unterrichtswesen in Oesterreich immer mehr und mehr in Verfall gerieth, und (als der Jesuitenorden im Jahre 1773 aufgehoben wurde) die Uebelstände des Schulwesens um so deutlicher hervortraten und die unabweisbare Nothwendigkeit einer eingreifenden Reform im Schulunterricht jetzt neuerdings zur Sprache gelangte. Es wurden allenthalben Verbesserungsvorschläge gemacht, Reformplüne verfasst und eine eigene „Studien-Hofcommission“ von der Kaiserin Maria Theresia eingesetzt, die in dieser Angelegenheit (von Josef II. unterstützt) mit gutem Beispiele und Eifer voranging. *) *) Wie Kaiser Josef II. über das Schulwesen in Oesterreich dachte, beweist am besten ein eigenhändiges Schreiben desselben vom lö. Juli 1772, worin er unter Anderem wörtlich sagt: „Tiefer Wichtige gcjenttaub ber (Et^iCbllUiJ erfordert meines (Erachtens alle Sorge uni» Tünmertfamfelt. Tie 25ilbung ber Jügenb gibt in bas Sufunitige bem Staate bie Hoffnung, taugliche Befolget uub nuirbige uttb einfebenbe »cfeblsbaber 3 U ftbcrlomnun. STiemanb n»irb leiber in Hbrebe (teilen, bafs betber Kttjabl bergeftalten bet? unsr gebriebt, bafs bie betten Ttnorbnungcn nieftt juin Totlsuge gebracht unb bie reinften Ttbficbten vereitelt werben, ba man niebt 21 lies felbft tbun fatin." Und auf das Ansinnen seiner Rathgeber, man solle fremde Gelehrte vom Auslande kommen lassen, und insbesondere auf den schriftlichen Vorschlag des Grafen Pergen schrieb der Kaiser die Worte (die vielleicht noch „heute“ zutreffend wären): „Tor 2tllcm muffen Wir trachten, bafs alle Unter- tbanen febreiben, lefen unb etwas rechnen lernen, basu ftnb alle gelehrten uuntitj. lüir tollten unfeve Terfafiung, untere * ®ebrecf»en, unfere Fnndos mol»! heffer leimen als jeher noef» fo einflutige frembe gelehrte, her bi eher berufen würbe.-" 98 Das .Schulwesen durch Maria Theresia unterstützt. Die Normalschule in Wien. Die grosse Kaiserin in ihrem Feuereifer nahm sich des Schulwesens so sehr au, dass sie oft selbst die Schule besuchte, sich die Handschriften der Schüler und Schülerinnen vorzeigen liess, die Lehrer und Schüler durch anerkennende Worte aneiferte, die Auszeichnungen und mitgebrachten Geschenke eigenhändig austheilte, aber andererseits Strafen denjenigen Eltern dictirte, die ihre Kinder dem Schulunterrichte entzogen. In ihren Lustschlössern zu Laxenburg, Hietzing, Hetzendorf und Schlosshof errichtete sie für die Kinder ihrer niederen Schlossbediensteten neue Schulen, und auf jenen Gutsherrschaften, wo sie das „Kirchenpatronat“ besass, liess sie Schulhäuser bauen, und einen von der Studien-Hofcommission ihr vorgelegten und von ihr gutgeheissenen Studienplan ergänzte sie noch mit folgenden eigenhändig geschriebenen „denkwürdigen“ Worten: „(T|t hie IMftöria meines ßrsfwujes kijufefjen unh nach heu klaffen ciu3utbeilen, unh ift in jeheut ©pmafium hie padiculargefc(>ict>te hesjenigen £anhcs, in meinem üd) hie ©»tmtafien beanhen, 3U lehren, um heuen Schülern einen erteil Unterricht ihres Paterlanhes 3U geben, ülaria Von den vielen Vorschlägen, welche der Kaiserin zur Verbesserung des Schulwesens vorgelegt wurden, dürfte ganz besonders eine markante Stelle aus dem Reorganisationsplane des Grafen von Pergen zu beachten sein, da er die damals herrschende Ansicht der Rathgeber der Krone im Wesentlichen repräsentiert; er sagt unter Anderem: es erscheine sogar wünschenswert!), wenn der Unterricht bei den niederen Ständen, welche zu den härtesten Arbeiten bestimmt seien, auf das Allernothwendigste beschränkt würde; es wäre sogar für das Wohl des Staates am geratensten, den geistigen Gesichtskreis dieser Menschen nicht allzusehr zu erweitern, weil sie sonst ihre Arbeit nur höchst ungerne verrichten und ihre drückenden Lebensverhältnisse nur um so peinlicher empfinden würden. Die Vorschläge Aller kamen aber in folgenden „Hauptpunkten“ darin überein: dass der Unterricht (der bisher den Ordensgeistlichen allein gleichsam als „Monopol“ anvertraut war) auch weltlichen Händen übergeben und eine Gleichförmigkeit in der Unterrichtsmethode erzielt werden müsse; denn nur durch einen gleichförmigen Unterricht könne eine gleichförmige Denkart aller Untertanen und somit ein wahrer „Nationalgeist“ wachgerufen werden, dass ferner die Lehranstalten ausschliesslich der Oberaufsicht des Staates zu unterziehen seien und dass von nun an die deutsche Sprache und Geschichte in den Vordergrund zu treten habe. Um aber eine schnell zum Ziele führende Ordnung in das Schulwesen zu bringen, sorgte die Kaiserin dafür, dass mit den Normalschulen der Anfang gemacht werden sollte. Der österreichische Regierungsrath Franz Carl Hägelin arbeitete bereits 1770 einen Organisationsplan für die Normalschulen in Wien aus und die Organisationsarbeiten wurden zur Realisirung dem wackeren Schulmanne Josef Messmer anvertraut, den die Kaiserin zum ersten Director der Normalschulen ernannte. Es wurde für Acquirirung tauglicher Lehrkräfte und besserer Schulbücher gesorgt und die Organisirung so rasch fortgeführt, dass mit Schluss des Jahres 1770 alle Arbeiten beendet waren. Und der 2. Jänner 1771 sollte für die Bürgerschule zu St. Stefan nicht blos ein wichtiger, sondern auch zugleich ein Ehren- und Freudentag sein, denn an diesem Tage befahl die grosse Kaiserin die Grundzüge der neuen Normalschulen für Wien im Churpriesterhause feierlichst zu eröffnen, wobei nicht blos die Mitglieder der Studien-Hofcommission, sondern auch die berühmtesten Schulmänner Oesterreichs eingeladen waren. So fand denn in diesem historischen Hause jene wichtige Arbeit ihren Abschluss, die auch für alle künftigen Zeiten und für ganz Oesterreich gedeihlich und segenbringend sein sollte. ‘) ') Das Patent vom 6. December 1774, welches die Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Irivialsehulen enthält, ist in der Kropatschek’schen Gesetzessammlung, VII. Band, 116—137 abgedruckt. Vide Ilelfert’s Abhandlung in der deutschen Vierteljahresschrift, 3. Heft 1835, Seite 63—108 und Helfert’s Beiträge zur Geschichte des österreichischen Unterrichtswesens, Seite 63—83. Die Steinmetzwerkstätte am Stefansfreythof. — Das deutsche Ordenshaus. — Der Domherrenhof. 99 Die Bauhütte (Steinmetzhüttenhaus) am Stefansfreythof zählte zu den drei grossen „alten 25auhittteu", welche für ganz Deutschland in Strassburg, Köln und Zürich vertheilt waren, und wo bei wichtigen Anlässen (ähnlich den „Architektentagen“ unserer Zeit) Versammlungen stattfanden, um sich über künstlerische oder technische Fragen zu vereinen. Jede einzelne Bauhütte unterstand wieder dem „Baumeister“ des betreffenden Gebietes. Die „Baukunst“ selbst wurde geheimgehalten und daher in eine fpiltbolifcfre Sprache und in fputbolifche cSormeil gehüllt, deren schriftliche Aufzeichnungen und Mittheilungen an Fremde strenge verboten waren, gleich ihren späteren Brüdern, den „Ulautern", welche im XVIII. Jahrhundert die JfrfilUültrcr- Cogeil gründeten. Es wehte ein eigentümlicher erquickender Freiheitszug durch ihr ganzes Wesen und durch alle ihre Einrichtungen. Es war ein „poetisches“ Element hier nicht zu verkennen. Man denke sich alle Meister und Gehilfen unter einer einzigen Gerichtsbarkeit, unter einem einzigen „Hauptmeister“ vereinigt, wie Glieder einer Familie sich nähergebracht, durch ihre Institutionen von der Aussenwelt abgeschlossen! — Wie konnten sie sich da frei fühlen und frei bewegen, ungehindert Gedanken und Meinungen in ihrer eigenen (den anderen nicht Eingeweihten unverständlichen) Sprache mittheilen, und in welchem Ansehen standen sie nicht zu den übrigen Mauerern und Steinmetzen, die nicht zu ihrer Genossenschaft gehörten? Und da die grossartigen Bauarbeiten des Stefansdomes fast durch die ganze Epoche des gothischen Baustyles, also durch mehrere Jahrhunderte anwährten, so erhielt auch die Bauhütte selbst durch ihren Bestand und ihre uralten Traditionen eine grosse Ehrwürdigkeit, die sich von Geschlecht zu Geschlecht forterbte und erst mit der Zertrümmerung der Bauhütte ihr Ende erreichte, wie so manches Grosse, Erhabene und Herrliche aus dem Mittelalter, was unserem heutigen, mehr auf das „Einzelne“ und „Kleinliche“ gerichteten Particularsinne fast gänzlich unverständlich ist. 1 ) Das deutsche Ordensritterhaus Nr. 783 (neu Stefansplatz 4) versetzt unsere Phantasie in jene altersgrauen Zeiten desRitterthums, in die glücklichen Tage Leopold VII. des „Glorreichen“, wo noch das St. Stefanskirchlein ausser dem Weichbilde der Stadt lag, denn schon um das Jahr 1200 kamen die Ritter des deutschen Ordens ins Land, denen Leopold VII. für ihre österreichische Commende ein gastliches Haus und eine der „heiligen Maria“ geweihte Capelle widmete. Dieses weitläufige Gebäude hatte (wie die ältesten Grundbücher beweisen) in seinem gegen den Stefansfreythof zugekehrten Tracte einen grossen Wirthschaftshof, der von „Rossstellen“ umgeben war. In der Zeit von 1666 bis 1670 wurde dieser Theil umgebaut und erhielt erst im Jahre 1785 vom Landcomthur Alois Grafen Harrach durch das Aufsetzen eines vierten Stockwerkes und durch Umhau jene moderne Gestalt, die sie noch gegenwärtig unverändert besitzt. a ) Der alte Domherren- oder Chorherrenhof Nr. 872 und 871 (neu 5). Derselbe bestand bis zum Jahre 1845 aus zwei völlig von einander geschiedenen Häusern, wovon jenes mit Nr. 871 der und das andere der „alte HotU^errenltOf" genannt wurde. Der //c Sij:el(>C>f" war unstreitig eines der interessantesten Bauwerke alter Zeit und imponierte mit seinen Erkern und seinen auf Spitzbogentragsteinen ruhenden, vorspringenden Etagen. Eine im ») Die staatliche Organisation erhielt die Zunft der llTötierrr und etdltirei^r erst mit der lDieilcr 6kimnet;= und UTauererorttn ng vom Jahre 1-41?, 6. Juni 1430 und 2. August 1435, wodurch nur ihre „LohnVerhältnis? e u und „Meisterrechte“ geregelt wurden, das innere Wesen der Genossenschaft aber unberührt blieb, ln welchem Verhältnis jedoch diese Bauhütte zu der Wiener Mauerer- und Steinmetzzunft stand, ist durch keine „Urkunde“ bisher aufzuklären. 3 ) Kine eingeherde Beschreibung dieses Hauses durfte schicklicher an jener Stelle ihren Platz finden, wo von der Singerstrasse gesprochen werden wird, weil die Hauptfront des Gebäudes gegen diese Strasse gekehrt ist, 13 * 100 Pie Katakomben am Stefansfreythof. Stadtarchive noch heute verwahrte Urkunde belehrt uns, dass der Wiener Bürger Hiflas (oder cSitfcfd) dem Capitel von St. Stefan im Jahre 1450 dieses Haus „5tt filtCUt Ctüigett testamentarisch vermachte, das fortan gleich dem Domherrenhofe im Besitze des Wiener Dom- capitels verblieb und mit seinen zwei Stockwerken gegen die Schulerstrasse ein Viereck bildete. Das grössere dreistöckige Haus aber mit seinem „Fahrthor“ gegen den Stefansplatz und der „Rückfront“ gegen die kleine „Schulerstrasse“ und „Blutgasse“ wurde (laut Grundbuch) schon im Jahre 1684 „(EtKN^CFreilHbofr" und im Jahre 1700 „Scr Keilte üfnuttfuTrcnhot" genannt. Die beiden ttub Figur 41 und 42 nebenstehenden Abbildungen gewähren uns die merkwürdige Ansicht des ^Olllfcemntwfeö nach zwei Seiten hin. Das eine Bild (Figur 41) zeigt uns den Tract im Hintergründe des Hofes, welcher mit der massiven überdachten Stiege, den unregelmässigen Thüren und Fenstern und den eigenthümlichen Spitzbogentragsteinen den ältesten, wohl schon im XIV. Jahrhundert entstandenen Theil des Hofes bildet; das andere Bild (Figur 42) aber jene Partie, die gegen den Stefansplatz zugekehrt ist und mittelst einer Mauer (die über das schwerfällige Einfahrtsthor gewölbt war) den andern Theil des Hauses verband. Weiter auf dem Bilde ist jenes niedrige „Thtirchen“ unter der Treppe bei der Abbildung (Fig. 41) links, und das vergitterte kellerartige Fenster, vor welchem der Wagen steht, auf der Ansicht (Fig. 42) rechts, ganz besonders ins Auge zu fassen. Beide waren Ausläufer der uralten unter dem Hause sich erstreckenden „(Btüjtc l'Olt 6t. 6tcjait u , von welchen bei der Abbrechung beider Höfe im Jahre 1841 ein Theil blossgelegt wurde; denn bis hierher und bis über den ganzen Stefansplatz entlang, weit über die Grenzen des heutigen Zwettelhofes und des erzbischöflichen Palais hinaus erstreckten sich die „Itütflfontbcn", die in ihren stillen, in ewige Nacht getauchten Räumen die düsteren Ueberreste der Verstorbenen aus längstvergangener Zeit bewahrten, von denen ich hier eine kurze Beschreibung geben will. Die Katakomben am Stefansfreythof sind colossal ausgebreitete Souterrains, aus dreissig Gewölben bestehend, wo seit den ältesten Zeiten die Leichen bestattet wurden. Sie waren zuletzt so überfüllt, dass sich fast gar kein Raum mehr bot, weitere Todte unterzubringen. Im Jahre 1849 besuchte ich mit mehreren Collegen diese schauerlichen Räume des Todes. Ich war damals Hörer der juridischen Facultät an der hiesigen Universität, also in einem Alter, wo bereits das Auffassungsvermögen genügend entwickelt ist, um die Aussenwelt ziemlich richtig beur- theilen zu können, ohne durch die allzurege Phantasie der Jugend beeinträchtigt zu sein. Es verlautete das Gerücht, dass diese „Katakomben“ demnächst dem Publicum für immer verschlossen würden. Um so grösser war unsere Neugier, und um so rascher beeilten wir uns, noch gleichsam vor Ihorsperre die Wunderstätte des Todes zu besichtigen. Wir liessen uns also durch einen sicheren Führer mit Fackeln geleiten und gelangten durch eine eiserne Fallthüre, welche in der sogenannten Crucifixcapelle unmittelbar neben der Capistrankanzel sich befindet, auf eine Treppe, die in das unheimliche Innere dieser Grüfte führt. Im Ganzen waren die Gänge schmal und die Gewölbe niedrig (nach Art der Bauweise unserer Voreltern), das Mauerwerk fest und undurchdringlich, als ob die Wände aus einem einzigen riesigen Granitblock gehauen wären, die Pfade zum Gehen an manchen Orten sehr schmal, weil rechts und links zu beiden Seiten Menschenknochen von Armen und Füssen w 7 ie Holzscheite klafterhoch aufgeschlichtet waren, symmetrisch in gewissen Abständen zwischen Todtenschädel eingepfercht. Der weiche Tritt der Füsse liess merken, dass wir auf Moder gingen und der fahle Schein der Fackeln warf unheimliche Schlagschatten auf die seltsam ausstaflfirten Wände. Das Gestein glitzerte wunderbar in unzähligen kleinen Flimmerchen, wahrscheinlich die schönen „Flim- mertäfelchen“ des „Granits“. Manchmal stiess der I'uss auf modrige Lappen von einst kostbaren Der alte Domherrenhof. 101 •n T* • ä fäpsx iß a*a, ■ l ^':fe]ld'v\ S: ara§! r&A*: VW ■*M§& E?1 g&£& r ?g*f4 hgf* \ t«y*v 102 Der alte Zwettelhof und die Stiftshöfe in Wien. und noch schimmernden Seidenstoffen. In einigen mehr abgelegenen Gruftgewölben trafen wir sogar ganz gut erhaltene Leichen an, mumienartig vertrocknet, von denen die Gewänder fast alle zerstäubt und vermodert herabgefallen waren, aber die Körper — seltsam genug — sich unverändert erhielten. Es scheinen hier die Luft- und Temperaturverhältnisse dem Verwesungsprocess Einhalt geboten zu haben. Die Haut war sanft getrocknet und wie weiches Leder anzufühlen, auch das Zellengewebe des Fleisches war ausgetrocknet und füllte die untere Haut so, dass die Muskeln elastisch blieben. Die Gesichtszüge mancher Leichen waren wunderbar gut erhalten und boten uns einen seltsam gespenstigen Anblick. In manchen Gewölben fanden wir Berge von Moder aufgethürmt und aus dem Schutt hingen Lappen von Kleidern hervor, meist Linnen- und Seidenzeug, letzteres von ganz besonders starker Textur. An manchen Orten gingen wir über harte etwas gewölbte Stellen hinweg, aber überall hatten diese Grüfte Mangel an Licht und Luft und (des engen Raumes halber) etwas Unheimliches, Erstickendes, ja auf die Länge der Zeit Unerträgliches, so dass wir froh waren, endlich das durch einen Schacht beim deutschen Hause in blassen blauen Streifen herabfallende erquickende Tageslicht begrüssen zu können und wir uns freuten, als der Führer uns jetzt eine schmale „Flügelthür“ öffnete, durch welche wir wieder auf das Steinpflaster des Stefansplatzes ins Freie hinausgelangen konnten. Der Zwettelhof Nr. 870 (neu Stefansplatz 6) reicht in jene wildbewegten Zeiten zurück, wo noch die Sicherheit der Person und des Vermögens der Raubgier der Ritter und ihrer Söldlinge preisgegeben war. Je bedeutender sich die Schätze der Klöster und Stifte vermehrten, desto grösser war auch die Gefahr ihres Verlustes und desto nöthiger die Vorsicht, um die reichen „Kirchengüter“ in Sicherheit zu bringen. Aber wer konnte ihnen besseren und ausgiebigeren Schutz gewähren, als die wirthlichen Mauern Wiens, die „Hauptstadt der Christenheit“ mit ihren hohen Wällen und tiefen Gräben? Es ist daher leicht begreiflich, dass sehr viele Hochstifte, Schutz suchend, ■ im Laufe der Zeit sich hier niederliessen und sogenannte „Stiftshöfe“ gründeten, deren Namen noch heute fortleben. So verdankt auch der alte „Zwettelhof“ seine Entstehung dem Stifte „Slbcttd", welches im Jahre 1304 das Haus am Stefansplatz von dem Rittergeschlechte der „(Brcifctlftcitter" um 340 Mark Silber käuflich an sich brachte und dem Hause den Namen verlieh, den es noch heute unverändert durch fünf Jahrhunderte trägt. ') Eine Abbildung (sub Fig. 43) zeigt uns diesen alten „Zwettelhof“, wie er noch im Jahre 1842, also vor vierzig Jahren, kurz vor seinem heutigen Umbau ausgesehen. Er war als einer der letzten Reste des uralten Wien, als ein Stück aus der älteren Bauperiode zu betrachten, und *) Eine Menge solcher alter Stiftshöfe bestehen noch zum Theil gegenwärtig in Wien, die aus demselben Grunde hieherzogen und den Namen ihrer geistlichen Stifte bis zum heutigen Tage grösstentheils unverändert beibehielten. So z. B. der ehemalige „^reifltgerbof" am Graben Nr. 618 (neu 29), von Bischof Otto, Sohn des Markgrafen Leopold VI. des Heiligen, für das Stift „Freisingen“ 1140 gegründet; „@amingerf>0f' v , heute „Seitcnftclteitbof" in der Seitenstettengasse Nr. 464 und 463 (neu 5), von Herzog Albrecht II. für die Karthause zu „Gaming“ gestiftet und von dem Benedictinerstift zu „Seitenstetten“ 1782 angekauft; „©dttTOribciboU in der Spiegelgasse Nr. 1089 (neu 9), von Kaiser Friedrich II. dem Stifte „Göttweih“ 1237 geschenkt und 1830 in seine heutige Gestalt umgebaut; ,/feetligentrCU3erbof" zwischen der Köllnerhof- und Schün- laterngasse Nr. 676 (neu Grashofgasse 6), von Herzog Albrecht I. dem Cistercienserstifte zu „Heiligenkreuz“ 1286 gewidmet; ,,'Ber30genburgerbof" in der Annagasse Nr. 1002 (neu 6), im Jahre 1600 von Simon Freiherm von Lamberg für das Stift „Herzogenburg“ angekauft; „Jo$annit(t$0j" in der Johannesgasse Nr. 981 (neu 2), vom Markgrafen Leopold VII. 1200 für die „Commende“ des Johann iter - Ordens gebaut und 1839 vom Grund aus neu aufgeführt; ,,Ti 1 Ottt’rHCl! Mt IV erbot" in der Plankengasse Nr. 1111 (neu 6), welcher nach Aufhebung des Stiftes zu St. Dorothea 1 <82 dem Klosterneuburgerstifte zufiel; ausserdem kaufte den heutigen „Stiftshof“ in der Renngasse Nr. 131 (neu 10) der Propst Bernhard I. im Jahre 1630 von einem Herrn Volka und wurde derselbe in der Zeit von 1749 bis 1766 in seiner gegenwärtigen Gestalt vom Grund aus neu aufgebaut; „ltreittSltUt1tjierbof v/ in der Annagasse Nr. 1003 (neu 4), welchen das Kloster „Seissenstein“ an das Kremsmünsterstift 1673 um 3600 fl. verkaufte, das ihn noch heute besitzt; „Ciltfltfdbcrbof" in Der alte Zwettelhof kurz vor seiner Demolirung iin Jahre 1843. 103 rwjNomvn MDMOvr 1 W ipJKi r'ife: 1 t?i 5^*?- mm -äsa®! Jäüäi. Fig. 43. Der „Zwettelhof“ im Jahre 1842. 104 Der innere Hofraum des Z wette] hofes und die Stiftshöfe in Wien. viele alte Wiener dürften sich noch recht lebhaft aus eigener Anschauung dessen erinnern. Die vielen winkeligen, unregelmässigen Ecken, der Hofraum mit seinen zahlreichen Buden und Kaufläden mit den niedrigen Thoreingängen, mit der alten gothischen Katharinencapeile, sie alle gemahnen an die alte gute Zeit, und zaubern uns recht lebhaft das Bild irdischer Vergänglichkeit vor unsere Seele! Wir sehen neben den vielen kleinen Holzhütten auch grosse Kaufläden, so z. B. das „Glasgewölbe“ rechts neben dem Thore, dann die von 1824 bis 1830 hier befindliche Verlagshandlung der damals schon blühenden Sollinger’schen Buchdruckerei, dann einen „Kupferstecherladen“, rückwärts links im Bilde ein „Schustergewölbe“ und rechts unter der Laterne jene stadtkundige blinde Harfenspielerin, die durch 30 Jahre alltäglich hier bettelte, endlich in der Mitte die „Katharinencapelle“, nach mehrfachen Rcstaurirungen nur noch in ihren Hauptformen in schwachen Spuren die „gothische Bauweise“ erkennen lassend. Der Zwettelhof erstreckte sich schon seit den ältesten Zeiten vom Stefans platz bis rückwärts in die Wollzeile hinein, wo auch die Briefpost sich befand. Dieser rückwärtige Theil hatte nur ein Stockwerk mit kleinen Fenstern, die durch starkausgebogene Eisengitter bemerkbar waren. Der vordere, gegen die Stefanskirche zugekehrte Tract war entschieden der ältere, da eine bedeutende Feuersbrunst (der 146 Häuser zum Opfer fielen) am 21. April 1627 nur hauptsächlich das Haus gegen die Wollzeile hin zerstörte, daher auch nur dieser Theil des Hauses grösseren Restaurirungsarbeiten unterzogen werden musste. Im ersten Stockwerke gegen die Wollzeile hatte das „Hofrichteramt“ des Wiener Domcapitels seine Kanzlei, und zu beiden Seiten der Capelle in der Tracten, welche unser Bild zeigt, waren die Wohnungen der Domherren, zu deren Gemächern gleichfalls enge Stiegen mit massiven Eisengittern führten; in den ebenerdigen Räumen war die k. k. Briefpost untergebracht. Was die eigentliche Entstehungsgeschichte des Zwettelhofes und der Katharinencapelle betrifft, wird dieselbe im letzten Capitel dieses Werkes behandelt werden Zum Schlüsse will ich nur noch bemerken, dass die alte Stefanskirche seit mehr als einem halben Jahrtausend in kirchlichen „Ceremonien“ und „Festlichkeiten“ den Ton angab und nach dem alten Kirchenritus zu St. Stefan sich die übrigen Pfarreien richteten. Es dürfte daher viele unserer Leser interessiren, Einiges über die Abhaltung solcher besonderer „Feierlichkeiten“ kennen zu lernen, da sie meist aus dem frühen Mittelalter stammen. Einige der wichtigsten waren folgende: der Weihburggasse Nr. 908 (neu 9), den aber das Stift nach dem grossen Brande vom 13. September 1810 an Carl Grafen von Strachwitz verkaufte, hierauf aber in der Krugerstrasse Nr. 1016 (neu 4) ein neues Haus käuflich an sich brachte; „lUciltiSHariajcUcrboL in der Annagasse Nr. 984 (neu 5). welcher 1483 dem Kloster „Klein-M ariazell“ von Stefan von Hohenberg zum Geschenke gegeben und 1834 neu 'umgebaut, dann aber für die oberste Rechnungsbehörde bestimmt wurde, welche sich noch gegenwärtig hier befindet; „IHötfcrböL in der Schottengasse Nr. 103 (neu 3), bestand aus drei verschiedenen kleinen Häusern, welche von Zeit zu Zeit für das Stift Molk, u. zw. 1439 von Adam Dietram, 1631 von Hans Rösche und 1770 von Michael Aspal angekauft und im Jahre 1773 in den heutigen ansehnlichen „Mülkerhof“ umgebaut wurden; der „Hcuftibterbof" in der Pressgasse Nr. 507 (neu Sterngasse 3), 1750 von der Cistercienserabtei zu Wiener-Neustadt für sich angekauft, welche es noch heute besitzt; ,, Üe U b C t\K V b 0 t w in der Griin- angergasse Nr. 833 (neu 1), von Herzog Albrecht und Otto dem Fröhlichen 1331 angekauft und der Karthause zu Neuenberg in Steiermark zum Geschenke gegeben, und zuletzt 1846 um ein Stockwerk erhöht und in seiner gegenwärtigen Gestalt restaurirt; „jHGlterboi'' in der Domgasse Nr. 846 (neu 4) ist ein uraltes, früher zum Erzstifte Trient gehöriges, 1775 ganz neu gebautes und dem Wiener Domcapitel einverleibtes Stiftungshaus; ,,PilÜüUevbof" in der Salvatorgasse Nr. 365 (neu 11), vom Bischof Fürst Georg von Passau 1415 um 360 Pfund von Pfennige dem Wiener Bürger Georg Grüneberg für das Passauerstift angekauft, 1806 an Private verkauft und 1821 ganz neu vom Grund aufgebaut; „St. Poltncrbüf" in der Krugerstrasse Nr. 1007 (neu 5), 1727 von den Klosterfrauen zu Tulln an das St. Pöltener Kloster verkauft und (als Kaiser Josef II. das Bisthum im Jahre 1784 nach St. Pölten übertrug) wieder als Stiftshaus aufgehoben und Privaten käuflich überlassen. Das Krolinleichnamsfest und die Fahnenweihe bei St. Stefan. 105 Das Frohnleichnamsfest. Dasselbe wurde bereits im Jahre 1334 in Wien eingeführt, bis auf die neueste Zeit abgehalten und die Umzüge in der Stadt mit besonderer Feierlichkeit aufgeputzt, indem alle Zünfte, geistlichen Orden, der Hofstaat und die Würdenträger des Reiches mit grosser Prachtentfaltung an der Procession selbst Theil nahmen. Es bildete von jeher den „Hauptfesttag“ der Wiener, besonders vor dem Jahre 1848, wo es noch immer seinen alten Glanz bewahrte und überdies das zur Parade ausrückende Bürgermilitär die Schaulust des Volkes zu reizen vermochte. Man muss es miterlebt haben, um sich einen leisen Begriff zu machen, mit welcher Liebe die Wiener an ihrem „Fro*hnleichnams- tage“ hingen. Auf den Strassen, am Graben, Michaelerplatz, am Neuen Markt und Josefsplatz wurden „Strassenaltäre“ aufgeschlagen und auf das Glänzendste herausgeputzt, vorausgesetzt, dass nicht ungünstige Witterung die Freude der Wiener vereitelte. Schon am Vorabende bildete das „Wetter“ das Hauptthema aller Gespräche, und jedes kleinste Wölkchen wurde von den Stadtbewohnern mit ängstlichem Misstrauen beobachtet; die Musikbanden der verschiedensten Bürgercorps brachten den angesehensten Bürgerofficieren am frühesten Morgen „Ständchen“, und mit dem ersten Morgengrauen wogte es von Tausenden und Tausenden von Menschen, die aus Nah und Fern herbeiströmten und in den Strassen und Plätzen sich gerne zusammenpferchten und lieber das grösste Ungemach erduldeten, als nur den kleinsten Theil der bevorstehenden Augenweide, nur eine einzige „Grenadiermütze“ sich entgehen zu lassen. So war und blieb es bis zu dem verhängnisvollen Jahre 1848. Nach diesem Wendepunkte, nach dieser allgemeinen Umkehr der Geister hatte sich so Manches geändert, andere Gefühle, andere Bedürfnisse sind jetzt in die Brust der Wiener gekehrt; es hatte sich zwar die alte Schaulust des Volkes erhalten, aber neue Elemente kamen hinzu, das politische, das Nationalgefühl. Man fand jetzt nur Reiz und Befriedigung an Festen von nationaler und politisch- radicaler Färbung. Arbeiterfeste, Demokraten-, Schützen-, Wahltags- und Weltausstellungs-Feste kamen an die Reihe und mundeten dem Gaumen besser, zudem war ihre ehrfurchtsscheue Bewunderung für bürgerliche „Prunksoldatenspielerei“ seit Errichtung der „Nationalgarde“ und der sie später verdrängenden „Veteranenvereine “ längst verflogen, und daher das „heutige“ Frohnleichnamsfest kaum mehr ein schwacher Widerschein dieser einst so volkstümlichen, zwar kindischen, aber dennoch so erhebenden Feier. Die Palmenweihe am Palmbühl bei St, Stefan. Seit ältesten Zeiten feierte di(j Geistlichkeit hier alljährlich das sogenannte „Patmeitfejt", ein nach besonderem Ritus und Ceremoniel ausgeschmücktes Kirchenfest von um so grösserer Bedeutung, als es uns ein die mittelalterliche Zeit veranschaulichendes, scharf charakterisirendes Bild gewährt. , Jene Momente, wo Jesus auf einem Esel reitend in Jerusalem einzieht, das enthusiastische • Volk ihm entgegeneilt, Hosianna rufend, auf allen seinen Wegen die Kleider ausbreitet, „Blumen“ und „Palmen“ streut, wurde gleichsam von der Clerisei in scenisch belebten Abschnitten dargestellt. Es zogen nämlich zuerst in feierlicher Procession der Dompropst, die Domherren, der übrige Clerus, Chorknaben' und Stadtrath, ein jeder grosse Palmenzweige in den Händen haltend, zum „PallllbitM" hin. Dieser etwas sanft erhöhte Platz (23Üt>l genannt) zwischen der Magdalenenkirche und dem Stefansdome, der jetzt mit Palmen und Fahnen umsteckt war, bot genügend Raum, um dort einen grossen Teppich ausbreiten zu können, auf dem ein hölzernes Crucifix in einen blauen Mantel gehüllt lag. Vor diesem Crucifix machte nun die Procession Halt, der - I * *) Ein in dem Jahre 1580 geschriebener Codex enthält eine genaue Beschreibung der uralten Kirchenfeste nach altem Ritus bei St. Stefan, die sich bis zu Ende des'XVII. und Anfangs des XVIU. Jahrhunderts unvermindert und rein erhalten haben. Ogesser in seiner Beschreibung der Stefanskirche gibt Seite 272 Aufschluss, wie im Jahre 1779 diese Feierlichkeiten abgehalten wurden. 14 t t ! I 106 Die Puinpermetten. — Das PassionsspicI in der St. Stefanskirche. i Dompropst oder älteste Domherr schlug ihn mit einein „Palmenrohr“ dreimal auf den Rücken, die erklärenden Worte dazu sprechend : „Scriptum est enim: Percutiam Pastorem“ etc., welche Stelle ' die Chorknaben zu Ende sangen. Zuletzt sprach der Bischof die Worte: „Postquam autem surrexero“ fetc. Nachdem sich, der Pontificirende wieder von der Erde erhoben, wurde die Procession fortgesetzt, vom Domcantor das „hohe Amt“ gesungen und zum Schlüsse vor dem Cantor- hause eine übergrosse Zahl von „Palmenzweigen“ feierlichst geweiht und unter die jauchzende Menge vertheilt. Den Hauptefifect des Ganzen, seinen Glanzpunkt aber bildete jener grosse aus Holz geschnitzte „E^el“, 'den die Geistlichkeit in der Procession mit sich führte, und der, mit Blumen und Palriien reich geschmückt, der Hauptgegenstand ihrer Neugierde war und die Veranlassung zu jenem noch heute im Munde des Volkes fortlebenden Sprichworte gab, das wir Alle kennen. Die stets zum Spotte geneigten Wiener sagten nämlich scherzweise von einer auffallend geputzten Person: „6ie fei gepult wie bcr <£tel am pahnfonntag“ oder kurzweg „wie ein Patmefel". „patmefet" ward sonach zum geflügelten Worte. Die Pumpermetten, deren Name und Ceremoniel sich noch bis auf die Gegenwart erhalten hat, ist gleichfalls sehr alten Ursprungs und wird alljährlich am Mittwoch, Donnerstag und Freitag in der Charwoche abgehalten. Man pflegte sonst nur einen Leuchter in Form eines „Triangels“ mit 15 angezündeten Wachskerzen vor dem Altäre aufzustellen und nach jedem abgesungenen Psalm „eine“ Kerze auszulöschen. (Die Kerzen sollen gleichsam die Erinnerung an die zwölf Apostel und drei heiligen Marien vorstellen.) Später wurden 31 Kerzen aufgesteckt, weil nach Absingung eines jeden Psalmes „zwei“ Kerzen ausgelöscht wurden und die oberste letzte unausgelöscht blieb, da sie das Andenken an den unsterblichen Christus den Herrn bedeutet. Nach Absingung aller Psalmen wurde jedesmal eine feierliche Procession um den Freythof und in der Kirche veranstaltet und dabei einer der ältesten „Kirchengesänge“, „fllaria rofcnroty" genannt, abgesungen. ') Das Passionsspiel in der St. Stefanskirche. Am Charfreitag wurde alljährlich das „PafttOltöfpieP' mit uralten Gebräuchen und höchst sonderbaren Gewohnheiten von den Wiener „SttJUCrbklteni" aufgeführt. * 2 ) Zu diesem Zwecke wurde in der Mitte der Kirche eine „Bühne“ errichtet, wo diese ßteuerdiener gleichsam als „Acteure“ das' ganze Fdbfn: (von der Gefangennehmung bis zur Kreuzigung) in Dialög, Kostüm und Scenerie dem Volke vortrugen. Die Hauptbeschäftigten waren ein Prologus, ein Schutzengel, Pilatus und Nicodemus, Johann und Simon, Magdalena und i>rei Feldebene Ülüricil, deren jede nach dem damaligen Geschmacke der Zeit an einem anderen Punkte aufgestellt war und besondere Worte zu sprechen hatte. Nachdem die Acteure ihre Rolle gesprochen, knieten die Leviten vor ') ln Schlager’s „Wiener Skizzen“ ist uns im II. Bande, Seite 14 dieser merkwürdige und zugleich älteste deutsche Kirchengesang aufbehalten, daher auch hier ihm eine Stelle der Erinnerung gestattet sein möge: „<£brifti erhöre uns, Maria Cidjtcr Morgenftern, £hrißi macfie fceltg uns, Maria hei? bir wären wir gern, Maria je? gnäbig uns, Maria rotbe rofen rotb, Maria bitt beitt Hinb für uns, Maria hilft uns aus her flotb." 2 ) ln den Wiener Stadtbüchern finden sich viele Aufschreibungen, die auf Ausgaben für das Passionsspiel Bezug haben, so z. B. dem Messner 2 fl. und den bürgerlichen Steuerdienern 8 fl. wegen gehaltener Passionskomödie am heiligen Charfreitag in der Stefans-Domkiiche. Noch im Jahre 1705 ist in dem Wiener Diarium Nr. 174 eine ausführliche Beschreibung dieser Bussprocession zu lesen. I I * Die Freitags-Processionen. 107 dem Kreuze nieder, hoben es dreimal von der Erde empor und sangen dabei das „Ecce lignum Cructs“ etc., welches die Chorknaben völlig aussangen und hiebei die weissen Chorröcke, die sie über den schwarzen Kutten trugen, auszogen und auf den Boden ausbreiteten. Nun legte sich der pontificirende Priester neben dem Crucifix auf den Teppich hin und nachdem die Handlung bis zur Kreuzerhöhung fortgeschritten war, wurde die Komödie wieder unterbrochen, und eine feierliche Protession begann jetzt, an der sämmtliche Cavaliere, Damen, der ganze Stadtmagistrat und alle der Corporis Christi - Bruderschaft einverleibten Brüder und Schwestern (brennende Fackeln und Kerzen in den Händen tragend) sich betheiligten. Der Zug begab sich zum „heiligen Grab“, nachdem vorher der Leichnam Christi auf der Bühne vom Kreuz herabgenommen, auf eine Bahre gelegt, in der Procession mitgeführt und im heiligen Grabe wirklich beigesetzt worden war. Vor dem Grabe standen mehrere Statuen und 26 versilberte hölzerne Leuchter und auf jedem Leuchter eine „sechzigpfündige“ Wachskerze, sogenannte „5ed)ter3e", weil jede Zunft oder n 5edpe", die ihre Fahnen und den Quatember-Gottesdienst in dieser Kirche hatte, derselben Kirche auch eine solche Wachskerze beistellen musste.— Sobald der Leichnam beigesetzt war, erschienen wieder dieselben Steuerdiener, die das Passionsspiel am Grabe fortsetzten, worauf der Pro- logus das Schauspiel mit einer Ansprache an das Publicum beendete. — Diese Passionsspiele sind, wie wir sehen, als die eigentlichen Uranfänge der künftigen Theaterstücke, als die Anfänge der dramatischen deutschen Kunst überhaupt zu betrachten, denn sobald sich das Volk an einen gesprochenen Dialog, an das Fortspinnen einer bestimmten Handlung gewöhnte, sobald es die geistlichen Komödien liebgewann und sich für dieselben interessirte, war auch der Uebergang zu den „weltlichen Komödien“ gar bald gefunden. Man suchte weltliche Begebenheiten von allgemeinem Interesse hervor, setzte sie in Scene, schmückte sie mit passenden Dialogen aus und das „erste Volksstück“ war geschaffen. Man sang später auch passende Lieder dazu oder liess den ganzen Dialog statt zu sprechen lieber gleich singen, und es war das „erste Singspiel“, die „erste Oper“ geboren. ') Die Freitags-Processionen. Alle Freitage wurde in der Stefanskirche eine sogenannte NrdtüiJ^Proccilion mit dem Austragen des hochwürdigsten Gutes angestellt als bleibende Erinnerung, weil an einem Freitag während der ersten Türkenbelagerung „Soliman“ die Belagerung aufhob, daher die Christenheit zum dankbaren Andenken auch durch diese Procession daran erinnert werden sollte. Im Sommer ging die Procession ausserhalb der Kirche zu zwei Stationen, nämlich zuin Ecce- homo- Bild, welches sich noch ausser der Kirche an nämlicher Stelle befindet, und zur Crucifix- capelle neben der Capristrankanzel, im Winter aber in der Kirche herum, wo nur „eine“ Station in der „Kreuzcapelle“ »bgehalten und die Oratio „contra Paganos“ gesungen wurde.* *) Bei vorgerückter Bildungsstufe bedurfte es wohl nicht solcher äusserlicher Zeichen und Ceremonien, die höchstens nur zu sinnlichen Zerstreuungen, abir kaum zu inn erlicher Selbstanschauung führten, daher sie im Laufe der XVIII. Jahrhundertes alle wieder aufgelassen oder modificirt wurden. Am längsten erhielten sich die sogenannten „Rircticnilwfcn", von denen ich eine der originellsten hier erzählen will. *) Der vollständige Text dieses alterthümlichen Passionsspieles wurde von Albert Ritter v. Camesina in den „Berichten und Mittheilungen des Alterthums-Vereines“, X. Band, veröffentlicht und zwar in einer der Sprache des Mittelalters angehürigen Fassung. Derselbe gibt uns einen deutlichen Begriff von dem (ieiste dieser religiösen Komödien, die sich noch bis in die neueste Zeit erhielten und in den so beliebten Ammergau er Passionsspielen noch heute fortblühen. *) Nebst dieser Procession bestanden noch bis ins XVU. und XV11I. Jahrhundert hindurch bei den Stefanern die „Jemiteti'L „tliicbaeler"» und „5 Xofenfrait 3 "-Processionen. 14 * 108 Die Kirchenstrafe vor dem Thoreingairge dtr St. Stefanskirche. t Die Kirchenstrafe zur Zeit des Advents. Diese „Kirchenstrafe“ wurde nach abgehaltenem Fasching an dem unmittelbar auf den Aschermittwoch folgenden Tage ertheilt. Die Freuden des Faschings waren damals lebhafter und lärmender, da man sich (nach italienischem Muster) in Wien auch auf der Strasse vermummte und oft die ganze Nacht maskirt durch^chwärmte. Da traf es sich denn oft, dass manche Jungfrau, die gern einen Mann bekommen hätte, sich allzusehr den Freuden des Fäschings hingab und durch das Dunkel der Nacht und die Vermummung begünstigt, die Grenzen des Schicklichen weit überschritt, was sie meist zu spät zu bereuen hatte. Dieselbe verfiel 1 dann den strengsten Kirchenstrafen. Sie musste mit ihren Leidensgefährtinnen (und deren gab es damals keine geringe Anzahl) vor dem Thoreingange der Stefanskirche stehen, barfuss, ein graues Büsserhemd mit einem „Strohkranz“ in der Hand oder auf dem Haupte. Natürlich bekam so eine gewöhnlich keinen Mann und blieb als „alte Jungfrau“ sitzen, ja musste noch überdies den Spott der Vorübergehenden sich gefallen lassen. Die Wiener verglichen alsdann den sentimentalen Strohkranz mit einem „Strohwisch“ und riefen diesen Mädchen zu, sie sollten jetzt lieber die Kirchenthürme reiben oder gar den Stefansthurm. Der Ausdruck „Stefanöt^urmreibeit" wurde alsbald ein Scherzwort, gleichbedeutend mit „als alte Jungfer sitzen bleiben“, und ist heute noch im Volksmunde gebräuchlich, aber sein historischer Ursprung, trotz seiner Popularität, den wenigsten Wienern bekannt. < I I t 4 « i IV. CAPITEL. 4 Der Graben. is in’s XII. Jahrhundert war der Graben ein wirklicher „Festungsgraben“, der sich von der „Naglergasse“ über den „Freisingerhof“ (heute Trattnerhof) foitsetzte, dann aber bei zunehmender Bevölkerung (zur Zeit der dritten Stadt- erweiterungs-Periode unter Leopold VII.) wieder aufgelassen, ausgefüllt und mit Häusern bebaut wurde. Die neue Stadtmauer kam weiter südlich herabversetzt und die an der Stelle des alten Festungsgrabens aufgebauten Häuser an der Seite des heutigen „Sparcassagebäudes“ bildeten (wenn der Ausdruck erlaubt ist) eine Art „Erste Wiener Ringstrasse“.’) Bald war der Graben ein Hauptverkehrspunkt der Stadt; es concentrirtc sich hier der Handel, der Verkehr, die Promenade; eine Reihe für die damalige Zeit ungewöhnlich stattlicher Häuser, wie z. B. jenes des „PitltFiUll" oder „DorhiUf" etc, fand hier ihre Stelle und noch aus dem XVII. und XVIII. Jahrhundert sind uns kostbare Abbildungen von Bauten erhalten, die durch ihre hohen Giebeldächer, schmutzigräucherigen kleinen Fenster, schmalen Thoreingänge und Stiegen ihren frühzeitigen Ursprung verrathen. Aber mit dem Wachsen des Verkehres machte sich auch das Bedürfniss nach „Erweiterung“ fühlbar und so manches alte Winkelwerk musste jetzt der Spitzhacke der Demolirung zum Opfer fallen und dem nach freiem Athem ringenden W 7 ien wieder Platz machen, so z. B. im Jahre 1840 die beiden Häuser vor dem Sparcassagebäude, welche das „Jlatetnojlcrgüjjfl" bildeten, s ) und im Jahre 1860 die Häusergruppe des ehemaligen ßcfylojffttjcffd. Jetzt war eine breite Durchfahrt gegen den Kohlmarkt und Stefansplatz hergestellt, wodurch der Graben unendlich an Schönheit und Ausdehnung gewann; es trat an die Stelle der alten schmalen Häuser neben dem Trattnerhof der imposante „Aziendahof“ und an die Stelle der schmutzigen Häusergruppe im „Schlossergassel“ *) Zur Zeit der dritten „St adterweiterungs-Periode“ wurde die alte Stadtmauer (die während der zweiten Erweiterung durch die Naglergasse über den Graben, längs der heut'geh Sparcassa, Trattnerhof, über den Stock - im-Eisenplatz sich hinzog) etwas südlicher herabgerückt, so dass sie (vom Heidenschuss durch die Strauchgasse herabreichend) jetzt die ganze Herrengasse durchlief den Michaelerplatz, Neuen Markt und Kärntnerstrasse durchschnitt und die ganze Himmelpfortgasse entlarg bis zur Seilerstätte sich erstreckte, in Folge dessen die neuen „Grabenhäuser“, welche an die Stelle des ausgefullten „Festungsgraben“ zu stehen kamen, in den Stadtrayon einbezogen wurden. Vide: Ritter v. Camesina’s „Oertliche Entwicklungen der Stadt Wien“, Tafel V. -) Das TMrid cnhtUtS Nr. 510, das gegen die heutige Sparcasse gekehrt war, und das Pctyflllenbcrg’sche Haus (569\ das gegen das erstere um einige Klafter zuiücktrat und durch seine Rondellen erkennbar war, beide schlossen den Graben ab, Indem sie quer über denselben parallel mit dem Kohlenmarkt liefen und mit der einen Front des Schallenberg’schen Hauses an der den Rondellen zugekehrten Seite das TafCt nohercaffcl bildeten, das seinen Namen von den vielen Verkäufern von „Kojenfwitjcn" (Pateinoffericim'rtn) herleitet. Die „Kofinfranjlttfl^cr" wurden bereits 1405 unter 2Ufiret V. zu einer eigenen Zunft erhoben und ihre Rosenkninze oder „Seihen" waren so allgemein in der Modd, dass man sie bei Jedermann als „ToiIettestfick“ fand; die Mädchen trugen den Rosenkranz am Gürtel, die Männer am Schwerte. Durch diesen grossen Absatz wurden sie eine reiche Gilde, auch waren sie die Ersten, die im Aufgebote gegen die Ungarn unter Stadtrath Nikolaus Fluchalt die Waden ergriffen. 110 Der Graben als Spiegelbild seiner Zeit. das prachtvolle „Haas'sche“ Haus im reichsten französischen Barockstyl mit seinem kostbaren „Portal“, das die ganze Höhe des Gebäudes einnimmt. 4 ) Und somit bildet der Graben in seiner jetzigen Erweiterung die belebteste Verkehrsader der Stadt, die besuchteste Promenade, aber auch das berüchtigteste Terrain für alle jene Lebenslustigen, die ihren einzigen Beruf und ihre Lebensaufgabe im Genüsse des sogenannten „Pflastertretens“ finden. Aber auch in anderer Rücksicht auf die „Culturgeschichte“ hin besehen, ist uns der „Graben“ ein hochbedeutsames „Spiegelbild“ seinerzeit, ein getreuer Widerschein aller jener immer npu auftauchenden Lebensformen und Wandlungen, die sich von Zeit zu Zeit hier vollzogen, und die durch die geänderten socialen Verhältnisse immer wieder neue Sitten, neue Gebräuche uncF neue Gewohnheiten zum Vorschein brachten. Eines aber ist dem Graben seit altersher treu geblieben, die ewige Rührigkeit, das ewige Gewühl, die täglich in einem endlosen Gewirre sich kreuzende Menge. So erzählt uns z B. Rücfyelbäfo? als Augenzeuge, dass noch unter Carl VI. täglich bei der Dreifaltigkeitssäule „Andachten“ abgehalten wurden und zur Sommerzeit um 7 Uhr immer eine Predigt unter zahlreichem Zudrange stattfand; und PC33^ dass schon unter Josef II. (also kaum nach 40 Jahren) der Graben der beliebteste Promenadeplatz der eleganten Welt geworden, und dass im Sommer die ganze untere Seite des Graben von 7 Uhr Abends an mit Stühlen besetzt war, aut denen man bis Mitternacht in aller Gemüthsruhe sorglos plauderte, Limonade trank oder Eis verzehrte, während im nahegelegenen „Scfcfoffergaftd" im Kram ersehen Kaffeehaus die Schöngeister und Schriftsteller täglich sich versammelten. Die Herrschaften fuhren Abends mit ihren schweren „Carossen“ am Graben vorbei und Hessen sich durch ihre Läufer Windlichter vortragen, die „Sesselträger“ keuchten unter der Last ihrer Passagiere vorüber, und die schmucken „Grabennymphen“ warfen ihre verlockendsten Netze hier mit besonderer Vorliebe aus. Dies Alles ist heute wohl anders geworden. Die lange Reihe von Stühlen hat sich in zwei elegante Pavillons („Limonadehütten“) verwandelt, nur fehlen ihnen die Gäste, die in jener bewunderungswürdigen Ruhe von ehemals bis Mitternacht ausharrten, denn schon gegen ‘/ 2 11 Uhr, nach Theaterschluss, sind heute alle Strassen vollständig geleert. Die „Sesselträger“ mit ihren hell— rothen Röcken, so vernünftig und praktisch auch ihre Einführung war, sind gänzlich vergessen und verschwunden, die „Schriftsteller“ geben ihren heutigen Collegen wohl keine täglichen Rendezvous mehr und die sogenannten Genies sind gänzlich aus der Mode gekommen und tragen wenigstens nicht äusserlich ihre Kraft zur Schau, wie sie sich einst durch langwallendes Haar, durch weit flatternde Halsschleifen a la Lord Byron signalisirten. Das sogenannte „Genie“ ist heute miss- creditirt, und wer noch etwas von diesem göttlichen „Funken“ in sich verspürt, der hütet sich wohl klüglich, selbes zur jSchau zu tragen, er schert seine Haare kurz und kleidet sich fein säuberlich wie andere Alltagskinder nach gleichem Schnitt und Muster, denn die Alles nivellirende Cultur duldet keine Extravaganzen und keine Kraftgenies. Auch die schwerfälligen „Adelscar ossen“ haben leichten, handsameren Gefährten Platz gemacht, in denen jetzt auch sogar „Bürgerliche“ zu fahren sich erdreisten. Ueber sie Alle kam mit der Zeit der böse „Dämon“ der modernen Specu- lation, die fieberisch erregende, Alles überhastende Gewinnsucht — Der alte Adel ging unter die Bürgerlichen und wurden jetzt Banquiers, Bankdirectoren, Verwaltungsräthe, Fabrikanten, und mit ihnen verblasste die tausendjährige Poesie des romantischen Ritterthums. Die Kau Heute ‘1 Die Häusergruppe beim „Sttdcft’crgitficU, welche diesem Neubau zum Opfer fiel, umfasste folgende Hausparcellen und zwar: im Schlossergassei Nr. S98, 597, 596 und 595 und gegen den Stock-im-Eisenplatz die Haus- parcellen Nr. 619, 620, 621, 622, 623 und 625, endlich im bereits verschwundenen „ItriHitgdf(tetl" das Haus Nr. 1093, welches die Seilergasse bei seiner Ausmündung gegen den Graben in zwei Arn e theilte, wovon der eine „SrüUtgßl’iel" und der andere „Seilergasse“ hiess. Bei dem Wegfall dieses Hauses ist natürlich auch das Krautgässel verschwunden. Verschiedene Grabenbilder aus älterer üeit. 111 wurden statt ihrer „Aristokraten“ und die Aristokraten „Kaufleute“, beide wechselten die Rolle. Da aber keiner der beiden sein neues Geschäft recht verstand, der „Altadelige“ nie ein rechter Kaufmann war, der „Kaufmann“ nie zum wahren „Aristokraten“ ,sich emporzuschwingen vermochte, so ging Vieles schief, und keiner fand seine eigentliche Rechnung dabei. Es dürfte daher wohl heute an der Zeit sein, dass beide nun wieder zu ihren gewohnten Beschäftigungen zurückkehrten. Die kleinen, niederen, mit vergitterten Auslagekästen versehenen Kaufmannsgewölbe der alten Patricierfamilien, die oft ein volles Jahrhundert hier ihr Geschäft unter selbem Namen und am selben Flecke betrieben, wurden seit den letzten vier Decennien durch elegante Magazine mit prachtstrahlenden Auslagen und neue speculative Firmen (jetzt wohl oft nur von kurzer Dauer) ersetzt. Mit einem Wort Alles ist grossartiger geworden, eleganter, geschmack- und stylvoller, ob aber auch „besser“ und „vertrauenerweckender“, das ist eine andere Frage. Selbst die vielen alten Schilder, die den Platz gemüthlich belebten und besonders die Fremden durch ihre bunte Farbenpracht anheimelten, sind längst verschwunden und bis auf ihre Namen vergessen. Wer erinnert sich heute noch am Grabender „schönen Linzerin“, des „Erzherzog Carl“, „P apageno’s“, „zum Jüngling“, Laporta’s „zum Amor“? Es sind dies längst versunkene Namen, und die wenigen bejahrten Firmen, die noch übriggeblieben, sind zu zählen; und wenn ich die „weisse Katze“, die „goldene Waage“, die „Jungfrau von Orleans“, Maurers „Husaren“ und Striberny’s Waffenhandlung nenne, so dürfte ich bis auf zwei oder drei wohl alle alten populären „Firmen“ genannt haben, die der Sturm der Zeit nicht weggefegt. Wie es mit den „Häusern“ und ihren „Schildern“ erging, so ging es auch mit der Art und Weise, sich hier am Graben zu unterhalten. Andere Zeiten, andere Sitten. Der Graben trug immer die getreue Physiognomie seiner Zeit. Wir besitzen viele herrliche Ansichten vom Graben aus verschiedenen Jahrhunderten, und würden wir sie alle mit einander vergleichen, so gäbe dies wahrlich ein lehrreiches Studium für Cultur- und Localgeschichte, für Bau- und Kostümkunde, und wir könnten überdies noch mancherlei erspriessliche Wahrnehmungen machen über die wunderbar raschen Wandlungen unserer socialen Zustände, über die erstaunlich schnelle Entwicklung unseres öffentlichen Lebens. *) Eines der vorzüglichsten „alten“ Grabenbilder ist uns aus dem Jahre 1719 erhalten geblieben, es macht uns (wie Figur sub 44 zeigt) mit dem damaligen Strassenleben, sowie in seinen trefflichen „Staffagen“ mit dem damals herrschenden Geschmacke bekannt, der sich im Bilde durch mancherlei intime Details so recht lebenswarm und für Jedermann verständlich ausspricht. 2 ) *) Eine herrliche Ansicht, gezeichnet von Hackhoffer, gestochen von Peffel und Engelbrecht, welche dem Mayer’schen Erbhuldigungszug Carls Vf, vom 8. November 1712 beigegeben ist, dann ein Quartblatt, von Fischer v. Erl.ach gezeichnet, und von Delsenbach gestochen, ferner eine andere Delsenbach’sche Abbildung, die Katzler neu gezeichnet und in der gediegenen Waldheim’schen illustrirten Wochenschrift Nr. 20 vom Jahre 1860 abdrucken liess,^endlich jene von Schulz 1781, Probst, Wilder, Sandmann, Bensa etc., sind schätzenswerthe Erinnerungsbilder des alten Graben. 8 ) Das Bild, von Fischer von Erlach gezeichnet und von J. A. Delsenbach gestochen, aus dem Jahre 1719, fuhrt die Aufschrift: Ansicht des Wienerischen Grün Markt, der Graben genannt. 32 cm. breit und 22 cm. hoch. Wir sehen rechts in der Ecke das sogenannte (EUpbaittenbitUS (auch „3Utn golbctten C6meit" genannt), wo hoch in den Fünfziger-Jahren gegen die Schlossergasse zu Bemann seine Bilderhandlung hatte und durch seine reichbesetzte Bilderauslage oft Hunderte von Neugierigen anlockte; diesem zunächst den alten „..SrriSngerbof', an dessen Stelle 1774 der Trattnerhof kam, dermalen aber noch die vier kleinen Mansardenhäuschen vorgebaut stehen; ferner vor denselben den Brunnen, um dessen Becken damals noch (wie wir sehen) ein reichverziertes „Eisengitter“ lief, welches jedoch (in Jahre 1804 cassiert und der heilige Leopold als Brunnenstatue von Matielli, ziemlich klein, ohne erheblichen Kunstwerth, durch ein grösseres Steinbild von Fischer ersetzt wurde, um den Brunnen und zwischen diesem und der Statue dreifache Reihen Stände von Grünwaaren, von denen der Graben damals seinen Namen „©rütttnarlt" erhielt; in der Mitte die „Pestsäule“, die damals an die Stelle einer früheren hölzernen kam, im Hintergrund das gräflich Schallenberg’sche Haus mit seinen zwei gegen den Kohlmarkt zugekehrten Eckrondellen und etwas mehr vorgebaut das alte Hirschenhaus mit der gleichnamigen „Apotheke“, endlich gegen die heutige Sparcassa das durch diese beiden Häuser gebildete Patemostergassel, welches aber wegen der vorstehenden Pestsäule am Bilde nicht bemerkt werden kann, vor dem Hause den Springbrunnen mit der Statue des heiligen Johannes, ebenfalls mit Eisengitter. Zwischen ' Der Graben im Jahre 1719, 'mkM ►>Ä*ÄSSS ugwg jwgii gwm Isstöl iS»,; im mm uSs.'- paiiHUlHI HIUI i :£» s Neue Grabenbilder, — Die Grabenfiaker. 113 Was jedoch die „neuen“ Grabenbilder betrifft, so erinnere ich mich ganz besonders an Eines. Es wird mir durch seine frappirende Wirkung in Farbe und Composition gewiss unvergesslich bleiben. Ich sah es das erste Mal im Künstlerhause; es machte viel von sich sprechen, wurde bald berühmt und kam schliesslich ins Belvedere, wo es sich noch jetzt befindet. Es ist von unserem wackeren Landsmann, dem trefflichen Carl Karger mit ausserordentlicher Bravour gemalt, und ich würde dieses grosse Oelbild jedem zur Ansicht empfehlen. Einstweilen mögen sich meine Leser mit einer getreuen Copie begnügen, die ich hier in Figur 45 folgen lasse. Es gibt uns in kräftigen, der Natur warm abgelauschten Zügen ein treues Spiegelbild des Jagens und Treibens am heutigen Graben, und führt uns die schreiendsten Contraste vor Augen, eine wahre „Musterkarte“ von Pferden, Wägen und Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft, die hier in drängende Berührung aneinandergerathen. Zwischen „Taschendieben“ und „Speculanten“, „Staatsmännern“ und „Modegecken“, blassen Hungerleidern und behäbigen Gourmands hindurch sind auch jene vielen permanenten „Grabenfiguren“ nicht vergessen, die als prägnante „Typen“ des ächten Wienerthums zu beachten sind und die wir noch heute am Graben antreffen. Ich meine jene aufdringlichen Pintschverkäufer, jene lachenden „Figurini“, keck chaussirte Wäschermädel, coquette Marqueure und kreuzfidele Schusterjungen mit dem niefehlenden Cigarrenstummel im Munde. Der Künstler hat auch einige Porträts von Persönlichkeiten beigefügt, die zu den populärsten Erscheinungen Wiens gehören; vor allen den einst so freundlich grüssenden, verstorbenen greisen Vater unseres Kaisers, den drastischen Maler Streift mit seiner herausfordernden Stellung, den gleichfalls verstorbenen ewig jungen Baron Henikstein, der sich gefiel mitten im schneeigsten Winter im Frack und weissen Beinkleid im Prater zu reiten, und mehrere andere Koryphäen des Salons, der Börse und der Wiener Gesellschaft. Aber unter allen diesen merkwürdigen Specialitäten dürfte der sogenannte „Grabenfiaker“ ganz besonders bemerkenswert!! sein. Er ist das originellste Prototyp aller Wiener Fiaker, der reinste Typus des Volkes, unter den gemeinen Civilisten das, was der „Deutschmeister“ (Edelknabe) unter der Militärmannschaft. Der „Graben-Fiaker“ par excellence ist unter allen Wiener Fiakern bekanntlich der beste, er hat die schärfsten Traber, die nettesten Wägen und die schneidigsten Kutscher. Es ist mir eine köstliche Anekdote erinnerlich, die des Erzählens werth. Anfangs der Zwanzigerjahre war es, als Graf Wurmser das erste Mal nach Wien kam. Er nahm in der Kärntnerstrasse sein Absteigquartier, das er am nächsten Morgen verliess, um den vielberühmten „Graben“ kennen zu lernen. Unbekannt mit den Strassenzügen schlen- derte er eine kurze Strecke fort, bis er auf einen Fiakerplatz kam, wo er den ersten besten Wagen wählte und dem Kutscher zurief: „Auf den Graben!“ Dieser sprang vom Bocke, öffnete den Wagenschlag, der Passagier setzte sich ein, worauf der Kutscher flugs um den Wagen bog, den anderen Schlag aufriss und ehrerbietig sagte: „So, Euer Gnaden, wir sind schon da, nit wahr, dös geht g’schwind mit an Wiener Fiaker?“ Es war nämlich knapp vor dem Trattnerhof. Der Graf, diesem Brunnen und der Front des Hirschenhauses wurden hei den jedesmaligen Iirbhuldigungsfesten die Triumphbögen und Festgerüste aufgestellt, wo rother und weisser Wein floss und Fleisch und Brod unter das Volk vertheilt wurde. Charakteristisch sind an den Dächern der linken Häuserreihe die grossen „tPüifcripcit’r" (Dachrinnen), die bis in die Mitte der Strasse reichten und bei starken Regengüssen oft gefährlich wurden. Ganz eigenthümlich muthen uns die vor den Kaufläden angebrachten kleinen Auslagekästen an, in welchen sich hinter Glas und kleinen Gitternetzen die verschiedensten kostbaren Musterwaaren befanden und durch weit vorspringende „Vordächer“ vor Sturm und Regen geschützt waren, endlich die reiche Staffage mit schwerfälligen Reitern und noch schwerfälligeren Carossen und behäbigen Fussgehern, darunter Hofherren voll Grandezza, im Vordergrund ein fsOtbäluflicr mit Mantel und Hellebarde, gegen die Mitte Sesselträger mit einer Sänfte, mehrere Stutzer mit grossen Allongeperrücken, wegen deren Umfang sie ihren Chapeau nicht aufsetzen konnten, sondern ihn stets auch auf der Gasse unter dem Arm tragen mussten. Rechts im Vordergründe fallen uns mehrere „Höckerinnen“ („Fratschlerinnen“) in’s Auge, die ihre Meinungen (wie dies damals häufig stattfand) etwas lauter und handgreiflicher auszutauschen pflegten, als es sonst nöthig war. 15 Fig. 45. Der Gruben aus der Gegenwart. Der Graben aus der Gegenwart, m&8£Ti pggs**T mm - 7 $ l Siifäsi V ■S' ff S.-' "Vvä ■**>■> : H iS^W ':• «■*? v;>;- v >*ri* rj-j* ■ Der Trattnerhof. 115 anfangs verblüfft, verstand sogleich die Situation, lächelte und gab dem Manne, der so ehrlich war, ihn, den Fremden, seine locale Unkenntniss nicht mit einer stundenlangen „Kreuz- und Ouerfahrt“ biissen zu lassen, einen Ducaten und behielt ihn fortan als „Leibfiaker“. Graf Wurmser, später stockblind, erzählte gerne diese Anekdote und sagte stets: „Ich habe die sprichwörtlichen Eigenschaften der Wiener, ihre „Ehrlichkeit“ und ihren „Witz“, zuerst an einem „Wiener Fiaker“ auf dem ureinzigen, ureigenen Graben kennen gelernt.“ Von den vielen alten Häusern, die hier noch von der Demolirungsmanie unserer Tage glücklich verschont blieben und an die sich ein geschichtliches oder locales Interesse knüpft, sind wohl nur noch wenige übrig, und von diesen wenigen folgende besonders bemerkenswerth: Der Trattnerhof Nr. 618 (neu 29). Er hiess früher „^rdfttTjäerfyof", weil er vom Bischof Otto von Freisingen (dem berühmten Sohne Herzog Leopolds des Heiligen und Bruder Heinrichs Jasomirgott) im Jahre 1146 erbaut wurde. Es war ein alter, weitläufiger und höchst unregelmässiger Bau, der rückwärts aus vier und gegen den Graben aus fünf kleineren Häusern bestand. Der auf unserem alten Grabenbild sub Figur 44 hinter dem Röhr- brunnen sichtbare Theil dürfte wohl der älteste gewesen sein. Noch deutlicher versinnlicht unseine Ansicht in Figur 46 den „Freisingerhof“ mit all' seinen An- und Umbauten. Das alterthümliche zweistöckige Hauptgebäude mit seinem massigen schwerfälligen Thoreingange erinnert ganz an eine einsame Burg des Mittelalters. Seine schwarzen Gitterfenster, das schmutzige, finstere Gemäuer, das unregelmässige Zickzack der spitzigen Dachstühle jener fünf schmalen vorgebauten Häuschen, sie alle tragen ganz den Charakter des Baustyls ihrer Zeit. In der Mitte des Bildes sehen wir das hohe Dach, ober dem Hauptportale .eine „Nische“ mit dem Freisinger’schen Hauswappen, rechts eine Steintafel mit der Inschrift vom Jahre 1684, die sich auf die glückliche Errettung Wiens 1683 aus der Türkengefahr bezieht. ') ») Die Tatet, welche nach dem Abreissen des Hauses 1773 verschwand, lautete: „Ulte, bie ihr nonibergebt — Siefen Stein tno(»l befetn; 2 tnno }b$3 am 14. Juli bat ber Iiirt mit 100.000 mann, — Sie Stabt gegriffen an; Den iz. September ift unfer Succurs angetommen, — Unb ihm feine Start benommen, mit Perluft Mer feiner Sacben, — <£r ibn non H)ien bat meinen machen; Darum bie biefes lefen wern, — muffen loben, preifen unb eftren Don nun an bis in ätnigfeit — Die (»eilige Dreifaltigfeit? Hans Kaspar Neuhauser.“ Fig. 46 . Der alte Freisingerhof. III B IlllltJ: IjMtai iisi 116 Johann Trattnern. Eigenthümlich muthen uns die ritterburgartigen Erkervorsprünge zu beiden Seiten des Portales an, sie sind mit eigenthümlich hohen Spitzdächern gekrönt. Im Hintergründe erhebt sich die „Georgscapelle“ mit ihrem schlanken viereckigen Thurme und runder Blechkuppel. Rechts an der Mauerwand ober dem hölzernen Balcone ist eine mächtig grosse Sonnenuhr bemerkbar. Weiter im Schlossergässchen standen die beiden übrigen Theile des Freisingerhofes, wovon der eine beim Eingang in’s Schlossergässchen aus zwei und der andere aus drei Stockwerken bestand. Im Jahre 1773 kaufte der Hofbuchdrucker Johann Thomas Edler von Trattnern den bereits baufällig gewordenen Freisingerhof nebst den anstossenden Häuschen, liess Alles noch im Mai desselben Jahres niederreissen und erbaute den herrlichen, für die damalige Zeit nicht wenig imponirenden, nach ihm benannten Trattnerhof, der bereits im Mai 1776 in seiner heutigen Gestalt vollendet wurde. Auch eine neue Hauscapelle kam an die Stelle der früheren; sie wurde zwar am 13. Mai 1778 eingeweiht, musste aber schon fünf Jahre darauf (bei Gelegenheit, als Josef II. das Verbot der Privat capeilen ergehen liess) wieder aufgehoben werden. Beachtenswert!! sind die schönen, edlen Verhältnisse des Baustyles, die der Architekt Peter Mollner der Hauptfront verlieh, auf der Höhe des Gebäudes die schönen Figuren des Bildhauers Tobias Kögler und in der Mitte des Daches der Adler mit der Devise Trattner’s: „Labore et favore ,“ sowie ebenfalls von ihm jene überlebensgrossen imposanten „Karyatiden“ zu beiden Seiten der Thoreingänge als Balconträger (wie wir sie in Figur 45 sehen), an die sich eine köstliche Liebesanekdote aus der Jugendzeit Trattnern’s knüpft. ') Am 16. Februar 1826 war der Trattnerhof der Gegenstand allgemeinen Aufsehens; im dritten Stockwerke im vorderen Tracte des Hauses wohnte nämlich der in aristokratischen Trattnern kam nämlich, nachdem er seine Lehrlingsjahre in Wiener-Neustadt zubrachte, als armer Setzergehilfe nach Wien, wo er in der Officin des Hofbuchdruckers von Ghelen Beschäftigung fand und sich in ein bildhübsches, aber hochnäsiges Edelfräulein verliebte. Seine Bemühungen, ihr zu gefallen, blieben erfolglos. Als er später nach Jahren selbstständig wurde und seine eigene Druckerei besass, setzte er seine Liebesbewerbungen fort, doch mit gleichem Misserfolge. Die holde Angebetete blieb kalt und wies den bürgerlichen armen Mann zurück. Zwischen „Herz“ und „Geld“ (den beiden einzigen Endpunkten aller weiblichen Philosophie) fiel eben letztes bei ihr zu schwer in die Wagschale, um einem armen, aber braven Manne Gehör zu geben. Nun erwachte in ihm der Stolz eines schwerbeleidigten Gemüthes, er schlug sich die Liebesgefühle aus dem Herzen und warf sich mit verdoppeltem Eifer auf sein Geschäft. Die damaligen Buchdruckerverhältnisse waren ihm just günstig, die Vermehrung der Brochurenliteratur, der bedeutende Nachdruck (dessen Begünstigung damals im Staatsprincipe lag) schnellten ihn rasch empor, seine Redlichkeit und sein anerkanntes Genie verschafften ihm Freunde, durch deren Unterstützung er schon im Jahre 1748 eine grosse, wohleingerichtete Druckerei in der Josefstadt errichtete, wo er alle Zweige der Buchdruckerei und des Buchhandels mit kundiger Hand vereinte und leitete. Jetzt war seine Cariiere gemacht, und, wie ein Pfeil vom Geschosse einmal abgedrückt unaufhaltsam zum Ziele jagt, so wurde er vom Glücke emporgeschnellt von Erfolg zu Erfolg. Maria Theresia ernannte ihn zum Hofbuchdrucker, Franz I. zum Reichsritter mit dem Prädicate Edler von Trattnern, und Leopold II. gab ihm den ungarischen Adel. Der „Ehre“ folgte alsbald auch ein nicht unbedeutendes „Vermögen“; er kaufte im Jahre 1767 eine eigene Papiermühle und 1773 den bereits baufällig gewordenen Freisingerhof. Der Zufall aber, der im Leben wie in der Liebe gleich oft eine Rolle spielt, wollte es, dass seine ehemalige, aber bereits alternde Spröde am Graben und noch dazu vis-ä-vis im heutigen Dob el h o ffschen Hause ein bescheidenes Stübchen hatte. Der Ruf von Trattnern’s Ruhm und Vermögen drang auch zu ihren Ohren, und der Glanz des vor ihren Augen emporwachsenden Palastes blendete vollständig ihr Auge und erweckte in ihr die qualvollste Reue. Sie beschloss endlich ihm zu schreiben, wobei sie unter den wärmsten, aber auch nichtigsten Entschuldigungen die Gründe ihrer ehemaligen Sprödigkeit auseinandersetzte. Der Brief langte wohl an seine Adresse, aber welche Wirkung machte er auf den jetzt weltklugen, erfahrenen Mann! Trattnern blieb standhaft, durchblickte die „Heuchlerin“ und schickte den Brief zurück, auf den er die „zwei“ Worte schrieb: „Zu spät,“ und befahl sogleich seinem Bildhauer Kögler, eine jener nackten Figuren mit dem weniger ästhetischen Theile des Körpers gegen das Fenster der enttäuschten Dame zu kehren, und die Wiener haben noch heute eine bleibende Erinnerung an das Ende dieses Liebesromanes, der so traurig für die Romanheldin ausfiel, denn noch heute nimmt die Statue jene allzu pikante Stellung gegen das Fenster der Spröden ein. — Die Rache also währte über das Grab. Jaroschinsky’s Verhaftung und Hinrichtung. — Das Elephantenhaus. 117 Kreisen wohlbekannte angebliche Graf Jaroschinsky. Er unterhielt damals ein Liebesverhältniss mit der so berühmten und populären Schauspielerin des Leopoldstädter Theaters, „Therese Krones“. Da seine galanten Aufmerksamkeiten mehr Geld in Anspruch nahmen, als er zu bestreiten vermochte, verfiel er auf den ruchlosen Gedanken, sich des Vermögens seines ehemaligen Lehrersund Freundes, des 80jährigen Abbes Johann Conrad Blank, gewaltsam zu bemächtigen. Am 12. Februar schlich er sich in dessen Wohnung, Johannesgasse Nr. 19, wo er ihm mit einem Küchenmesser zwei tödtliche Stich- und sieben Hiebwunden versetzte und sich seiner sämmtlichen Obligationen bemächtigte, die an ihm zum Verräther werden sollten. Am 16. Februar feierte Jaroschinsky bei ( sich zu Hause eine seiner gewöhnlichen Orgien in Gesellschaft mehrerer seiner Freunde und seiner vielgeliebten Therese. Fs floss der Champagner in Strömen, Therese sang ein lustiges Lied, die Freunde scherzten und lachten, und auch Jaroschinsky bemühte sich, in den heiteren Ton des allgemeinen Frohsinns mit einzustimmen. Die Tafel war bereits aufgehoben und die lustige Gesellschaft war im Begriffe sich an den Kartentisch zu setzen, als plötzlich dumpfe, langgezogene Töne wie Trauermusik von der Gasse aus hörbar wurden. Man öffnete die Fenster, ein Leichenzug schritt langsam und feierlich vom Stefansplatze über den Graben. Es war das Begräbniss des erschlagenen Conrad Blank, dessen räthselhafte Ermordung seit einer Woche das allgemeine Tagesgespräch war. — Die Gäste bemerkten wohl eine momentane Verstimmung am ganzen Wesen Jaroschinsky’s, die aber alsbald wieder weggescherzt wurde. Nun aber pochte es laut an den versperrten Thüren des Salons. — Eine Stimme verlangte Einlass (für Jaroschinsky glich sie der mahnenden „Stimme“ des „bösen Gewissens“). Ein weiterer Widerstand war fruchtlos, denn eine Schaar von Polizisten besetzte die Stiegen und Thoreingänge, man bemächtigte sich der Person Jaroschinsky’s, und unt^r grossem Zulaufe des Volkes wurde seine Verhaftung und Transportirung in’s Gefängniss vorgenommen. Dieser seltene Fall von Brutalität machte einen tieferschütternden Eindruck auf die Bevölkerung, und noch nie fand eine Hinrichtung in Wien unter grösserem Aufsehen statt, als jene am 30. August 1827. — Therese Krones aber, die Repräsentantin des echten Wiener Humors, der Liebling der Wiener, die ewige Jugend, wurde schwer krank, und als sie wieder nach ihrer Genesung die Bühne betrat und vom Publicum mit Zischen empfangen wurde, verfiel sie in düstere „Schwerinuth“, der sie schon nach zwei Jahren durch hinsiechendes Fieber erlag. Das Elephantenhaus oder das Haus „zur goldenen Krone“ Nr. 619 hat seinen Namen von dem gleichnamigen Schilde „jUttt fcfitüür^en (ElcpbnutClF’', einem Steinbilde, das an der linken gegen den Stock-im-Eisen zugekehrten Seite des Hauses unterhalb der Fenster des ersten Stockwerkes aus Sandstein angebracht war. Dieses Basrelief, „einen Elephanten“ darstellend, stammt aus der Mitte des XVI. Jahrhunderts und verdankt seine Entstehung der Rückkehr des Prinzen Maximilian II. aus Spanien nach Wien, an die sich ein damit in Verbindung stehendes merkwürdiges Ereigniss knüpft. Der Priijz wurde nämlich von seinem Vater Ferdinand I. aus Spanien berufen, um in Wien bleibend.seinen Wohnsitz zu nehmen. Der 14. April 1552 war daher für die Stadt ein Tag freudigster Erregung, als es verlautete, der Prinz werde mit seiner erlauchten Gemahlin, der schönen Marie (Tochter seines Oheims Kaiser Carls V.), nun seinen feierlichen Einzug halten. Schon früh Morgens waren alle Strassen wie in einen blühenden Zauberhain umgewandelt; wohin das Auge sah, nichts als duftende Blumen, grünende Zweige, flatternde Fahnen, Tücher aller Farben, Teppiche, vor Allein aber jene kostbaren „Prunkgefässe“ und altererbten aus getriebenem Silber und Gold, die an den weitgeöffneten Fenstern und Erkerbrüstungen aufgestellt waren, und auf die sich die wohlhabenden Bürger nicht wenig zu gute thaten, daher sie keine Gelegenheit verabsäumten, selbe als Zeichen ihres Wohlstandes bei derlei Anlässen ziemlich aufdringlich allenthalben in den 118 Der Einzug Prinz Maximilians II. in Wien. Vordergrund zu stellen. Die Strassen wogten jetzt von der herbeiströmenden Menge, die gekommen war, den ritterlichen kaum 25jährigen Prinzen und seine blühendschöne Gemahlin zu begrüssen. Alles schimmerte in bunter Farbenpracht, von milden Strahlen eines warmen Lenztages beglänzt. Um 2 Uhr ertönte das erste Zeichen von den Mauern der Stadt; die Neugierde war aufs Höchste gespannt; nur langsam näherte sich der Zug, und man hatte jetzt Gelegenheit, die Pracht und Herrlichkeiten der spanischen Trachten und ihre kostbaren Schmucksachen zu bewundern. Doch die goldgestickten Gewänder, die achtspännigen schwer von Gold strotzenden Wagen, die lichtstrahlenden Pferdegeschirre, sie alle waren nichts gegen die Ueberraschung, die der liebenswürdige Prinz seinen getreuen Wienern eben darbot. Ein schwarzes, vierfüssiges, colossales Ungeheuer, das wie ein auf vier runzeligen Pilastern langsam sich hinschiebender Berg sich ausnahm, nahte jetzt mitten im Festzuge, und Aller Augen waren nun auf dieses Thierungeheuer gerichtet. Anfangs wich man wohl scheu zurück, dfenn man hatte noch nie ein ähnliches gesehen und hielt es für ein wildes und im Verhältnis zu seiner Körpergrösse sicherlich auch raubgieriges Thier. Erst als man sich demselben näherte und es gefahrlos betasten konnte, begann die Furcht allmälig zu schwinden und man drängte sich jetzt ganz sorglos herbei, und der galante Prinz liess den Zug öfter halten, um den Wienern Gelegenheit zu geben, den Elephanten gemächlich zu betrachten. So ging es eine Weile glücklich vorwärts, bis in die Mitte des „©rÜtt’lUacttes" (wie damals der Graben genannt wurde). Unter den Zuschauern befand sich hier auch Marie Gniger, zweite Gemahlin des Hausbesitzers „zur goldenen Krone“, des Raitraths Anton Gniger. Sie hatte ihr fünfjähriges Töchterlein am Arme. Als nun der Zug knapp vorbeikam und das Volk sich herzudrängte, erhielt die Frau von der rückwärts nachschiebenden Menge plötzlich einen heftigen Stoss, wodurch das Kind ihren Händen entglitt und zu den Füssen des Elephapten kollerte, so dass es im nächsten Augenblicke zertreten zu werden in Gefahr stand. Dem herzzerreissenden Aufschrei der Mutter folgte ein hundertstimmiger Hilferuf, und Alle blickten voll Entsetzen nach dem Elephanten. Doch dieser, klug und ernst wie er war, beschrieb jetzt mit seinem Rüssel, um sich Raum zu schaffen, einen weiten Bogen und hob dann ruhig und behutsam das schreiende Kind mit seinem Rüssel hoch über die Häupter empor und überreichte es mit dem Anstand eines Cavaliers unverletzt der weinenden Mutter. Natürlich folgte ein nicht endenwollendes Jauchzen, das den Elephanten auf seinem weiteren Zuge begleitete. Der Vater aber liess zur Erinnerung an sein errettetes Kind einen grossen Elephanten aus Sandstein anfertigen, und selben an die Mauerseite des Hauses mit folgenden Versen setzen: Dies ffifrier fcrijjt (Ekpbant, M)die ber Kaifer feinen Sobn Ütarimilian 2tus ttifpanien bat bringen la’n Jtn MTonat 2tpf?il für mar, 211s man 3 ält J552 Jabr. bis 1727 unverändert auf derselben Stelle, war aber um diese Zeit bereits verwittert, so dass man es nun ganz beseitigte und an dessen Platz ein grosses Wandgemälde setzte. Erst 1780 während einer Renovirung wurde das „Gemälde“ übertüncht und dann nicht wieder hergestellt. Der Elephant aber, der so viel von sich f reden machte, kam zur öffentlichen Besichtigung in die grosse Scheune der sogenannten „Slbrfmitjaluten", wo ehemals das Wasserglacis bestand, und dann in die damalige „Menagerie“ des „Neugebäudes“ bei Simmering (heute „Arsenal“), wo er aber schon das nächste Jahr zu Grunde gegangen sein muss, denn aus einer Stadtarchiv-Urkunde vom Jahre 1554 geht unzweifelhaft hervor, dass dem städtischen Rathe Scbaftiatt Lmtftall ein elfenbeinerner „Armsessel“ auf Befehl des Kaisers zum Geschenke gemacht wurde, der aus den Knochen dieses Elephanten angefertigt ward. Mit dem Verschwinden des Bildes trat auch sein ,Name immer mehr in den Hintergrund, und es gewann die Bezeichnung „3U1? golbenen Rrotie" immer mehr die Oberhand. Seit 1700 gehörte das Haus dem Apotheker Paul Leonhard Gimnich, der hier seine Apotheke mit dem Schilde „3ur golbenen Rtfone" * * 9 Das Kramer’sehe Kaffeehaus und seine Stammgäste. 119 hatte und an der Front des Hauses zwischen dem ersten und zweiten Stockwerke eine in Feuer vergoldete Krone in einem reichverzierten Rahmen in die Mauer als Wahrzeichen einfügen liess. * *) Aber noch eine andere interessante Specialität barg dieses Haus in seinen bescheidenen Mauern, es war dies das berühmte „Kramer’sche“ Kaffeehaus, das schon zur Zeit Maria Theresias bis in die Josefinische Epoche als ein „Unicum“ Wiens angesehen werden konnte. Der Kaffeesieder, ein speculativer Kopf, kam auf den vernünftigen Gedanken, alle bestehenden Zeitungen Deutschlands und die Wiener Journale in seinem Locale aufzulegen. „Den Schriftstellern fehle es (so meinte er) am nöthigen Gelde, um sich all’ die kostbaren Zeitungen anzuschaffen, und so werden sie denn ohne Zweifel alle meine Gäste sein.“ — Er begann also mit dem „Wiener Diarium“, der Augsburger Woll'schen „Ordinary“ und der „Neuwieder“ aus dem Reiche der Todten und wirklich, er hatte Recht. Schriftsteller, Literaten, Gelehrte, Künstler und alle Schöngeister kamen jetzt hieher, und in kürzester Zeit fand sich ein geselliger Kreis von Bekannten und Gleichgesinnten zusammen. Es bildete sich gleichsam ein geistiger „Mittelpunkt“ der Stadt. Man las und conversirte, man besprach die wichtigsten Ereignisse oder disputirte über Politik, Kunst, Literatur, kurz man sah sich täglich wieder und wurde sich täglich mehr zum Bedürfnisse. Von hier aus erhielt manche wohlthätige „Einrichtung“ ihre erste Anregung, manche nützliche „Neuerung“ ihren ersten keimenden Gedanken. Der joviale Humorist Bl um au er, der ein schalkhaftes Lächeln nie ganz zu unterdrücken vermochte, der schneidige Satiriker Liskow, der Stifter der böhmischen Brüder (vom Jahre 1740), Alxinger, Ayrenhoff, Rautenstrauch, der übereifrige Censor Retzer, der Gelehrte Leon, der Dichter Ratschky, der spätere Verfasser des österreichischen Volkshymnentextes Leopold Haschka und viele Andere waren hier tägliche Gäste. Doch ungeachtet dieses lebhaften Verkehres war das Kaffeehaus nichts weniger als elegant. Die schmutzigen Räume von „Talglicht“ spärlich erleuchtet, die Wände mit Eichenholz getäfelt, sechs massive Eichentische und mehrere schwarzgepolsterte massive Lederstühle und Bänke nebst einem grossen plumpen Wandspiegel waren das einzige Mobiliar dieses bescheidenen und doch so berühmten Locales. Eben so unansehnlich wie die inneren Räume war das Aeussere. Ober der niederen Eingangsthüre hing eine übergrosse blankgescheuerte Kanne und zu beiden Seiten ein etwas verblasstes Mohrenbild von nur bedenklichem Kunstwerthe. Neben der Häuserreihe zwischen Trattnerhof und Sparcassa hat sich nichts besonders Bemerkenswerthes erhalten, nur das Haus des unglücklichen Bürgermeisters „üodCUlf", das ihm die Stadt im Jahre 1405 für seine Verdienste schenkte, lebt in einer einzigen Urkunde fort, ’) ohne dass man jedoch den Standort näher bezeichnen könnte. Von den übrigen ebenfalls bereits verschwundenen Häusern ist uns vornehmlich noch in Erinnerung: Das gräflich Schallenberg'sche und das Hirschenhaus, Nr. 569 und Nr. 570. Beide standen, wie schon erwähnt, zwischem dem Sparcassagebäude und dem vis-ä-vts gelegenen Grabeneckhaus Nr. 18, und beide zählten zu den althistorischen Häusern der Stadt. *) Der älteste nachweisbare Besitzer des Hauses war 1684 Franz Kauf mann, 1700 Paul Beonhard Grimnich, der das ziemlich baufällige Haus in jene Gestalt umbauen liess, wie wir es Alle bis zu seiner gänzlichen Demolirung noch bannten. Nach dessen Tode kam 1775 Josef Bock, Medicinue-Doctor , und 1783 sein Vater, 179o Carl Marinelli und - 1822 Jeremias Bermann und Tschitschmann und zuletzt Bermann allein an die Gewähr. *) Im städtischen Grundbuche (Buche der Käufer D, Blatt 252) heisst es; Peter 2tngerfel6er hie Seit Stabtricbter unb her Xatgemain her Stabt 3 e Wien babent geben bem erbaren Wann „Ebunraten bem Porlauf" bk 3eit purgerraeiöer 3 e Wien unb feinen (Erben bunb ben getreuen Dienft ben er ber genannten Stab getan bat unb nocb furber tun foll nnb mag ain Baus gelegen „am ffiraben .je Wien" senabft bem Baus bes meilent (Erbarbs feligen bes Boftocb gemefen ift (is. (Pftober anno J403). I 120 Das Schallenberg’sche und das Hirschenhaus. Das „SffyaHeilbei'g’fätf Ibaus" stand einige Klafter hinter dein' „Hirschenhaus“ und war durch seine beiden grossen „Eckrondellen“ erkennbar. Die eine Frontseite mit den „Rondellen“ stand gegenüber jener Häuserreihe am Graben, die heute mit Nr. 17 und 18 bezeichnet ist. Die andere Front bildete die Seite gegen den Kohlmafkt und die dritte, dem Sparcassa- gebäude zugekehrte, das „Patemojtergalfd", die vierte und letzte Seite aber, die eigentlich als „Hauptfront“ hätte dienen sollen, weil sie gegen den Grabenplatz gestellt war, wurde durch das vorgebaute „Ibirfcftcitfauis" zum Theile verdeckt, da letzteres die übrige Frontlänge gegen den Graben einnahm. Die Geschichte des Schallenberg'schen Hauses reicht weit in das Mittelalter zurück, und an dessen Stelle stand einst das Meter’sche Haus, welches schon im Jahre 1371 in den Grundbüchern vorkommt und als am Graben neben dem Ellerbach'schen und Zucksschwert’schen Hause gelegen bezeichnet wird. ‘) Das wie ich es noch aus eigener Anschauung in seiner letzten Gestalt kannte, dürfte sich aus dem letzten Viertel der XVII. Jahrhunderts datiren und ist für jeden Wiener gewiss ein kostbares Erinnerungsdenkmal verschwundener Pracht und Herrlichkeit. Hier an der Front des Hauses wurden regelmässig zur Feier der (Erb^ulbiglUtg die Gerüste aufgestellt. Aus weitbauchigen Fässern floss in hohen Bogen „weisser“ und „rother“ Wein, auch Brod, gebratenes Fleisch und Denkmünzen wurden unter die Menge geworfen. Es lag im Geiste der Zeit, bei allen freudigen oder politisch wichtigen Ereignissen das Volk auch theilnehmen zu lassen, gleichsam sich mit ihm zu identificiren. Und es ist wohl selbstverständlich, dass in jener autoritätslüsternen Zeit der jedesmalige Regierungsantritt mit möglichster Pracht und imponirendster Glanzentfaltung gefeiert wurde. Diese jedesmaligen Huldigungsgerüste (falls sie uns durch alle Jahrhunderte zur Einsicht vorliegen würden) könnten als untrüglicher „Gradmesser“ des jeweiligen Volksgeistes uns zur Belehrung dienen. Denn auf welcher Stufe der jedesmalige Unterthanenver- stand sich befand, je mehr oder weniger tief das Vorstellungsvermögen von Vaterlandstreue, Bürgergehorsam, Unterthanenpflicht im Herzen des Volkes wurzelte, mit desto mehr oder weniger überschwänglichen „Emblemen“, mit desto mehr oder weniger überraschenden „Symbolen“ waren diese Gerüste geziert. Ihre stereotype Stelle aber war stets das Hirschenhaus am Graben, so dass regelmässig dieser Platz im Verlaufe des XVI., XVII. und XVIII. Jahrhundertes den eigentlichen „Mittelpunkt“ aller „*f$£ hatte die alten schwäbischen Ritter von Ellerbach (die schon unter Rudolf I. und Albrecht I. nach Oesterreich einwanderten) zu seinen ersten Besitzern. Von ihnen erzählt die Geschichte,, dass sie als tüchtige, kriegsbewährte Männer ihren Dienstherren in allen Wechselfällen des Lebens mit eiserner Treue ergeben, glänzende Kriegsthaten in Oesterreich vollführten. Gegen Ende des XV. Jahrhunderts verschwindet ihr Name in den städtischen Urkunden. Nur sind uns in den Schriften des Wiener Spruchdichters pptpp öucbciUDirt drei seiner Lobsprüche erhalten, worin uns ein lebenswarmes Bild von den ritterlichen Thaten dieser Ellerbachs gegeben wird, Vtäe Duellins hist. ord. Teut.p. 85 und Alois Primisser’s Schriften aus dem Jahre 1827 über die Kriegsthaten der beiden Burkarde von Ellerbach. —■ Das Haus der (Erbbur^CP 5tt(f@fcbtDCtt hatte früher den bedeutendsten Theil des Schallenberg’schen Hauses an der Ecke des Pateinostergassels eingenommen und war noch in unseren Tagen trotz seiner Vereinigung mit den Nebengebäuden an dem Fenstervorsprunge (auf dem einst im Geschmacke jener Zeit ein ThGrmchen gestanden) wohl erkennbar und zeigte sich noch bis zu seiner Demotirung in derselben Gestalt, in der er von <£on?äb ursprünglich erbaut ward. Dieses Haus nun war der Stammsitz jener angesehenen alterbgesessenen Pätrizierfamilie „5llCf9l4>lt)CFP^ deren derber Name einer rüstigeren Zeit entspricht, einer Zeit, die ihre Gefühle ungeschminkt und unverlogen zur Schau trug, (tbunrath cMUtefttUDPVt war der Erste, der in den Gewährsbüchern urkundlich vorkommt und der nach einem Rathsprotokolle vom Jahre 1397 eine jener 200 cSficbenö* fteUen bekleidete, welche zur Erleichterung der Rechtspraxis in allen Strassen und Plätzen Wiens die kleineren Streitigkeiten zu schlichten und (gleichsam als summarisches Verfahren) auf der Stelle zu entscheiden hatten, ln dieser Eigenschaft erscheinen die 7,uckssch wert s npch bis in das erste Viertel des XV. Jahrhunderts und von ihnen blieb fortan die Benennung des Hauses im Munde des Volkes, sowie in den Grundbüchern bis zum Jahre 1768 beibehalten, ln diesem Jahre kam es durch Kauf an den Grafen Christoph Leopold vbn Schallenberg, den Grossvater des letzten Besitzers. Die Modetrachten aus der zweiten Hälfte des XV11I. Jahrhunderts. 121 Offenheit bei solchen Anlässen das Volk stets seine Freude zur Schau trug, und mit welch’ aufrichtigen Gefühlen sich pch die öffentliche Meinung des Landes bei solchen Gelegenheiten aussprach. Die erste dieser Huldigungen fand zur Zeit der Krönung Ferdinands!, im Jahre 1531 statt, worauf jene des Kaisers Maximilian II. folgte. Eine der erhebendsten aber war die feierliche Ärbbulbipng JKaria am 22. November 1740. Wer es weiss, was damals auf dem Spiele stand, tver es weiss, welche übermenschlichen Anstrengungen gemacht werden mussten, um die Dynastie vor Raubgier zu retten und eine kaum den Kinderschuhen entwachsene, unerfahrene, in Abhängigkeit und stiller Einsamkeit erzogene Prinzessin in das bedrohte rechtmässige Erbe ihrer Väter einzusetzen, der wird die volle Wichtigkeit dieses Augenblickes wohl begreifen können. Schon um 7 JJhr Morgens wurden in der Hofburg und in den Strassen Vorbereitungen getroffen; jener herrliche Ru hmestempel, der vof dem Hirschenliause aufgestellt war, von acht epheuumrankten Säulen gestützt, die bis zum dritten Stockwerke hinanreichten, trug in seiner Mitte auf hohem Sockel das lebensgrosse ovale Brustbild Maria Theresia’s, von zwei Göttinnen („Weisheit“ und „Tapferkeit“) gehalten, während ein Genius des Ruhmes mit ausgebreiteten Fittigen und mit der Ruhmesposaune über dem Bilde schwebte. Um 11 Uhr bewegte sich der feierliche Zug vom Hofe über den Graben zum Stefansdom. Ein ebenso kostbares als seltenes Originalbild jener Zeit zeigt uns in Figur 47 mit aller Genauigkeit jene Personen, die bei diesem Feste betheiligt waren. 1 ) Ganz besonders belebend wirkt die Scenerie im Vordergründe des Bildes, wo die Zuschauermenge, recht wirksam gruppirt, sich vom eigentlichen Festzuge glücklich abhebt. Vorzügliches Interesse erwecken die Costüme, und jeder einzelne der Zuschauer verdient unsere volle Aufmerksamkeit, ja jedes einzelne Toilettenstück bildet ein wahres Schatzkästchen von curiosen und belehrenden Details, die uns zusammengenommen keinen unwesentlichen Beitrag zur Costümkunde jener Zeit abzugeben geeignet sind. Vor Allem fassen wir die Damen in’s Auge. Da macht sich bei den Vornehmen die weitbauschige Robe und Mantille, bei den niedem Ständen das enge Oberkleid und der kurze Spenser bemerkbar. Als Kopfbedeckung gilt die breitfaltige Maschenhaube, die mit ihren beiden Enden weit wegsteht und die alte „Gugel“ fast gänzlich verdrängt. Die jungen Frauen tragen meist gepudertes Haar mit Masclien oder mit farbigen Bändern, die älteren dagegen Hauben. Ein besonderes Toilettenstück der dienenden Classe ist das leicht um den Nacken gewundene Halstuch und die coquette musterhaft w'eisse Schürze mit Brusttheil. Bei den Herren ist Mantel und Staatsrock mit breitem Revers vorherrschend, ebenso anliegende kurze Beinkleider mit Schuhen und Strümpfen. Als unentbehrliche Toilettenstücke figu- riren aber Haarbeutel und Degen. Wollten wir übrigens die Modetrachten von damals den heutigen gegenüberstellen, so würden manch’ helle Streiflichter auf die damaligen Culturverhältnisse fallen, die nicht ohne Interesse für uns wären. Ich glaube daher, dass es mir gestattet sein wird, hier einige Bemerkungen darüber anzuknüpfen. Die Modetrachten der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts. Gegen das Ende des vorigen Säculums war man sorgfältiger auf die Toiletten bedacht als heute. Die gegenseitige Achtung, die man sich mit grösster Gewissenhaftigkeit und schwerfälligster Umständlichkeit zu zollen für unumgänglich nothwendig hielt, wollte man auch in der Kleidung ausdrücken. Dazu kam noch, dass man meist helle Farben wählte, wie z. B. lila, apfelgrün, hellgrau, hellgelb, lichtblau, blassrosa etc., die stärker ins Auge fielen, daher eine sorgfältigere Schonung *) Das Bild mit darunterstehender Erklärung befindet sich auf Seite 124. 16 t I 122 Das Mack’sche Haus. und häufigeren Kleiderwechsel bedingten als unsere schwarze Durchschnittsfarbe, deren sich heute fast Jeder bedient. » Wollte ein Wiener Modeherr von damals besonders elegant erscheinen, so trug er einen ponceaurothen Frack, mit grossen blitzenden Stahlknöpfen geziert und mit weissem Atlas oder Gros de Tours gefüttert, dazu eine weissseidene Weste mit buntfarbigen Stickereien, ein kurzes Beinkleid von paillegelbem Kaschmir, hohe Reiterstiefel mit silbernen Sporen, oder nach Umständen Schuhe mit stählernen Schnallen, die durch ihre feine Arbeit den silbernen im Preise gleichkamen. Das Haar war stark gepudert, nach rückwärts gebunden, oder auf jeder Seite in zwei grossen Haarwülsten über die Ohren gelegt und rückwärts, in einen langen steifen Zopf auslaufend, mit schwarzen Bandschleifen versehen, oder in einem schwarzen Beutel verwahrt, daher man ihn „Haarbeutel“ nannte. Den Anzug vollendete ein grosser dreieckiger Hut, der meist mit sehr breiten schwarzen Cocarden geschmückt war und den man auf der Gasse nicht aufsetzen konnte, wenn man eine Allonge- perrücke trug. Als weitere Attribute der Mode galten eine Lorgnette an farbigem Band, zwei möglichst lange Uhrketten, die bei jedem Schritte durch ihre schwingende Bewegung genirten, musterhaft weisse Handschuhe, ein Paar Brillantrosenringe und vor Allem aber ein „spanisches Rohr“ mit grossem goldenen oder silbernen Knopfe. Dieses Rohr (oft so hoch, dass es bis zur Brust hyianreichte) war der „Repräsentant der Autorität“. In diesem Sinne wurden auch die Militärs mit diesem Symbol der Macht und Würde, und (merkwürdig genug) nicht blos die Chargen vom Feldwebel aufwärts, sondern auch die höheren Officiere bis zur Generalität betheilt. Später wurde der Zopf immer kürzer, bis er zwischen 1804 und 1806 in Wien gänzlich verschwand; auch das „spanische Rohr“ fand allmälig sein Ende, bis es in der bescheidenen Gestalt eines sogenannten „Haslingers“ nur noch bei Corporalen anzutreffen war und nach dem Jahre 1848 auch bei dieser Charge gänzlich verschwand. Im Schnitte gab es gleichfalls bestimmte Modegesetze, die Hose z. B. war möglichst eng, der Rock weit, mit hohen Stehkrägen und Aennelaufschlägen, oft mit kostbaren Gold-, Silber- und Seidenstickereien an den Kanten reich geziert, wie wir es noch heute bei den Staatsuniformen höherer Kategorie zu sehen Gelegenheit haben. Damals kam auch der Klapphut (Chapeau) in die Mode und wurde alsbald ein unentbehrliches Toilettenstück aller jener galanten Herren, die sich besonders in Damengesellschaften zu bewegen pflegten, daher jede Wiener Dame ihren Begleiter „Chapeau“ nannte, ein Ausdruck, der noch heute fortlebt. Eine grosse Rolle spielte das blendendweisse weit wegstehende „Jabot“ und die untadelhafte „Manchette“, beide mit Spitzen reich geziert und sorgfältig in Falten gelegt. Bei den Damen dagegen galt als Haupttoilettenstück das unvermeidliche „Schön- pflästerchen“ h /«Pompadour, der mächtig grosse Fächer, das duftende Blumenbouquet und das Seitentäschchen, in welchem man Riechfläschchen, Spiegel und Schminktöpfchen verwahrte. Die Schuhabsätze, auf welchen das kleine Füsschen ruhte, waren hellroth gefärbt und möglichst hoch. Als Schmuck trugen die Damen Arm- und Halsbänder, Finger- und Ohrringe von Gold mit grossen färbigen Steinen, Kopfnadeln in den Haaren und Stirnbänder. Das ganze Kriegsarsenal weiblicher Toilette- und Eroberungskünste war also damals viel complicirter, die Feldzugspläne und Schlachten, die uns die weiblichen Heldinnen vormals lieferten, viel langwieriger und umständlicher als heute, wenn auch nicht, geleugnet werden kann, dass die „Wunden“, die uns die Schönen heute beibringen, nicht weniger tief und schmerzhaft sind, und die „Fesseln“, die sie uns heute schlagen, nicht weniger binden als damals. Ferner sind an historischen Häusern bemerkenswert!!: Das Mack’sche Haus Nr. 1094 (neu 7). Es bildet eine Ecke in die Seilergasse und hat seinen Namen von dem damals berühmten F ranz Mack, der es im Jahre 1775 von dem Dcctor iuris Franz Payrl erkaufte. Er war derselbe i i Das Haus „zur blauen Krone“. —- Das Keess'sclie Haus. — Das Pilgramhaus. 123 welcher später, zum Kainmerjuwelier der Kaiserin Maria Theresia ernannt, von ihr in den Adelstand erhoben wurde. Sein Andenken lebt noch heute in „Kalksburg“ fort, da er nicht blos die schöne Pfarrkirche dort erbaute, sondern durch herrliche Parkanlagen viel zur Verschönerung dieses Ortes beitrug. Nach seinem im Jahre 1805 erfolgten Tode kam die Witwe Julie Edle von Mack und 1822 Valentin Edler von Mack in den Besitz dieses Hauses, dessen Gassentract im Erdgeschosse mit Aufrechthaltung der übrigen Stockwerke im Jahre 1844 neu hineingebaut wurde. ‘) Das Haus „zur blauen Krone“ Nr. 1095 (neu 8), von seinem gleichnamigen Schilde so benannt, hiess auch das gräflich „Wallis’sche Haus“, weil es Olivier Graf Wallis und dessen Erben vom Jahre 1806 bis 1840 bcsassen. Olivier Franz Ernst Graf Wallis war Vicepräsident des böhmischen Appellationsgerichtes und Besitzer der Herrschaften Mährisch-Budwitz und Budischkowitz, Sohn des berühmten Franz Wenzel Graf Wallis, der als Ritter des goldenen Vliesses und als Hofkriegsrath im Jahre 1774 starb. Das Haus ging sodann im Jahre 1840 durch Kauf auf Josef Lommer und 1847 auf die Josef Lommer'schen Erben über. 2 ) Das Keess’sche Haus „zum grünen Kranz“ Nr. 1105 (neu IO). Es hat seinen Namen von seinem Besitzer Johann Georg von Keess, der hier vom Jahre 1725 bis 1754 lebte. Plr war seinerzeit berühmter Kenner beider Rechte, Doctor und Professor des Kirchenrechtes an der Wiener Universität und schrieb mehrpre juridisch schätzenswerthe Werke, die im Druck erschienen; 3 ) er starb im Jahre 1754 und hinterliess diesen Besitz seiner Tochter Anna Katharina, verehelichten von Haan, ihr folgten die Johann Georg v. Keess’schen Erben, 1787 Josef Arthaber und 1795 Franz Xaver Mayer, der später in den Adelstand erhoben wurde, und dem wir die heutige Gestalt des Hauses verdanken, indem er dasselbe 1796 ganz neu aufbauen liess, wie wir es noch gegenwärtig sehen. Er besass das Haus noch bis in das Jahr 1820, worauf es auf Barbara Freiin von Gerway überging. Das Pilgramhaus Nr. 1119 und 1120 (neu 11) bestand einst aus zwei schmalen Häusern, die im Jahre 176f> von Anton Pilgram angekauft und in eines zusammengebaut wurden. Pilgram war eine in der Gelehrten weit hochgeachtete Persönlichkeit. In Wien geboren (3. October 1730), ergab er sich frühzeitig und mit Leidenschaft den astronomischen und meteorologischen Forschungen, wurde 1769 dem berühmten Astronomen Hell als Assistent auf der k. k. Wiener Sternwarte beigegeben, erhielt als Doctor der Philosophie und der freien Künste den Titel eines „kaiserlichen Astronomen“ und starb zu Wien den 15. Jänner 1793 mit Hinterlassung mehrerer wichtiger Schriften, wobei als besonderes „<£ut?io)UllV hervorzuheben ist, dass er der Schöpfer’ jler sogenannten „Sauernregellt" war, die nach ihm die Runde durch die ganze .Welt machten und noch heute in den Bauern-Kalendern als heiliges Regulativ der Witterung den Landbewohnern dienen. 4 ) ~ I *) Die ältesten nachweisbaren Besitzer waren 1684 Mjtrtin Tätennig's Erben, 1700 Franz Payrl, Doctor juris, 1775 Franz Mack und die späte™ Mack’schen Erben, *) Die ältesten nachweislichen Besitzer waren: 1684 Mathias Haindl, Leinwater, 1700 Mathias Ernst Andreasi, Handelsherr, 1775 Franz Schadt, 1783 Josef Schadt, 1806 Olivier Graf Wallis, 1820 Stefan Olivier Graf Wallis, 1840 Josef’ Lommer und später die Lommer’schen Erben. Das Haus behielt noch bis in die Vierzigerjahre das Schild „zur blauen Krone“. 3 ) Im Druck erschienen von ihm mehrere Werke, wie z. B. „Commentaria ad jtustiniani imtitutionum quatuor libros" Wien 1711, neu aufgelegt 1742. Die ältesten Besitzer des Hauses waren: 1684 PaulFranz Garth, Doctor juris, 1700 Mathias Arnold v. Pallingers selige Erben. Seit ihm hiess das Haus „zum grünen Kranz“. 4 ) Zu den hervorragendsten Werken Anton Pilgram’s gehören: „Ephemerides astronomicae" für das Jahr 1769, 1770 und 1771, dann „Calendarium chrenolog. medii aevi etc.," Wien, 1781; endlich „Untersuchungen über das Wnhr- 16 * t 1 4t « * t f t Die feierliche Erbhuldigung Maria Theresia’s in Wien am 23. November 1740 SjSwSWl -»—’ - Ju r : fegs: %£C HS HHH j! SfcgJSrvga! HSHSs^' «M£ ^ya v.. «*p. SratfSP ^Skfc3 HÜ® iii map gi n .«* « * [ölDlfiln^ EI c.j ■S Li ipa iüiioiciöir^ i rV'h i IrT^l'r -fl“'™ r'3^ ^ raiOff mgm a 5 £. - 4 ävfi ’% JFFi'V, rW ■»' Ä f -< kw^ .-« ; r Ö it < “/SS 1 r.%*Ät¥, '.&5* ' /.* ‘ £ W ^«e'.-iea •i ja crr*' ••■»y; *-.'*»4fci’l äS3äf3 2S“*,5 mm iRüSNits 4®! Die feierliche Erbhuldigung Maria Theresia’s in Wien am 22. November 1740. Vor Allem sehen ‘wir im Vordergründe des Bildes die liebreizende, jugendliche Kaiserin, die in prächtiger Sänfte getragen, freundlich grösst. Ein Regiment regulärer Fusstruppen leistet „Ehrenbezeigungen“, das Gewehr wird präsentirt, die Fahne geschwenkt und die Trommeln gerührt. Der Zug bewegt sich vom untern Ende des Grabens gegen den Stock-im-Eisenplatz. Rechts, am äussersten Ende unterhalb des Elephantenhauses sehen wir den ,,Can5fd?aftS ! !EbC>rflet>er" gleich den übrigen mit Allongeperrücke und schwarzseidenem Mantel und Degen, mit dem Gesichte gegen den Zug gewendet; ihm zunächst einen der Abgeordneten der „miNftjtehben Stdbtf Uttb iHdr(tC v/ ; der letzte dieser Reihe unmittelbar vor dem Fahnenträger ist der älteste „Cdltbfcbaftsfecrctdr", er ist mit ganzem Gesichte gegen die Fahne gekehrt. Nach dem Fahnenträger folgen in schwarzsammtenem Staatsrocke mit Degen und hoher Allongeperrücke die Würdenträger des „Herren-“ und „Ritterstandes“, von zwei Paaren Hellebardisten begleitet. Nach diesen* folgt der ,,nieberdlft’VPeictlifcbC Canbtnaricball", er ist an seiner grossen Allongeperrücke erkennbar, die in langen Locken über die Schultern wallt. Ihm folgt paarweise ein langer Zug von „tEbdfnabcn" in Schuhen und Strümpfen und schwarzem Mantel, zu beiden Seiten von je einem Hellebardenträger begleitet. Demselben schliessen sich sechs Paare „geheimer Xdtbe" und „Kämmerer" an. gleichfalls zu beiden Seiten von je zwei HellelArdisten umgeben. Diesen'zunächst der „(Erbftabelltteifter", den grossen „Stabelmeisterstock“ vortragend, der an beiden Enden mit Goldrändern und in der Mitte mit einem Handgriff beschlagen ist. Ihm folgt unmittelbar der „®bcr ; (£rb-- tlllb Citnbfaltenmeiftcr" Johann 65raf rott 6t. Julian, er ist an einem grossen lebendigen „galten" erkennbar, den er in Händen trägt; ihm zunächst der ,,i£rb--£anb=£rud>jcfi" (firai Julius latter ’BamtUon, den „Scicfisapicl" gleichfalls auf sammtenem Kissen tragend; dann der „i£rb=i y atlb=3Tunb(cbenf" ffiraf <£arl Üarbcgg, in gleicher Weise den „frjbcrjOgsbllt" (das „Mtel" genannt) haltend. Hoch zu Ross der „®bt , r=£rb--ütnb='froimavilf>üU" ®Uttb. tTbOttt. ©l-af POU Starbclttberg mit dem „ivdcftsiclnPCrtc"; ihm folgte der „£rb=£anb=64«(btrdger" mit dem „Nricbsfcbtlbc" und ihm zunächst der „£rb--Canb4taI(meiftcr" Jcjcpb Ooraf Tarradj; hierauf Iflarta Iberdia selbst, in reicher Seidenrobe mit HermelinverbrUmung und blossen Armen und Hals, mit weissem, knappanliegendem, toupirtem Haar; den Schluss machte rechts ein königlicher „featfct>tercit=" und links ein königlicher „(ErabanteilffoaupttnaiUl"; interessant ist der nun folgende prachtvolle „Leibwagen“ der Kaiserin mit hohen Glasfenstern und schwerfälligen Rädern, das rückwärtige breite Gestell mit einköpligen „Ad 1 erpaaren“ und der „Reichskrone“ geziert. Aeusserst geschmackvoll sind die schwarzmontirten Pferdegeschirre der sechs stolz ausschreitenden spanischen Rappen, deren Kopfgestelle mit reichen Quasten und schwarzseidenen Glockenaufsätzen geputzt, dem französischen Geschmacke genau nachgebildet erscheinen. Auch der „architektonische Hintergrund“ des Bildes ist vollkommen geeignet unser Interesse auf das Lebhafteste zu fesseln. Gleich links im Bilde bemerken wir das gräflich Sch a 1 lenberg’sche Haus mit seinen Rondellen und das diesem vorgebaute Hirschenhaus und beiden zunächst jene zwei imposanten Häuser, die gegenwärtig zur Sparcassa ^gehören und schon damals mit ihrer ganzen Frontlänge bis zum Jungferngässchen reichten. Ihre Gesimse,»Stuccaturen und Wandverzierungeft lassen den Ge^phmack ihrer Zeit kaum verkennen; die Säulenverzierungen und Fenstereinrahmungen fallen uns ganz besonders auf. Die weit vorspringenden Dächer ober den Gewölbethüren sind ebenso schwerfällig wie die plumpen Strassen-Laternen, die mit massiven langen Eisenstangen an der Mauer befestigt sind. Weitaus geschmackvoller in der Architektur sind die Häuser vom Jungferngässchen aus gegen den Freisingerhof, von denen auch nicht ein einziges mehr heute in seiner früheren Gestalt stehen geblieben. Recht deutlich tritt uns rechts im Bilde das „E1 ephantenhaus“ mit seinen Giebeldächern und seinen beiden Schildern („Elephant“ und „Krone“) entgegen; ebenso „rechts“ der heilige Leopo 1 ds- und „links“ der Josefsbrunnen. Beide bereits der schwerfälligen alten F.isengitter entkleidet; aber noch mit den kleinen niedrigen Figuren geschmückt, an deren Stelle erst 1804 die lebensgrossen schönen Statuen von Martin Fischer traten. f i t I I I I I 126 Das Doblhoff’sche Haus. I Nach ihm ging das Haus im Jahre 1775 auf Maria Anna Pilgram und 1795 auf Johann Josef Edlen von Pilgram, 1896 auf dessen Erben, 1829 auf Johann von Pilgram’s Erben über, worauf dann in rascher Nacheinanderfolge der Besitz unter mehreren Eigentümern wechselte. ‘) Das Doblhoffsche Haus Nr. 1121 (neu 12) wurde ll 84 von Jflfob 25ci : c()toIteil erbaut, der es testamentarisch seinen Erben hinterliess. Seit dem Jahre 1700 erscheinen bereits die „©rajCU Tkldjlbolö" im grundbücherlichen Besitze und zwar als erster Franz Benedict Graf von Berchthold. Nach dem Tode des letzten Grafen Franz von Kerchthold ging das Haus durch Erbschaft an die Freiherren Doblhoff-Dier über, die es noch gegenwärtig besitzen und zwar als „Fideicommiss“ in der Person des gegenwärtigen Eigentümers Heinrich Baron Doblhoff, Neffe des verstorbenen Vorbesitzers Baron Anton. Das Geschlecht der Doblhoff war ursprünglich eine „alt-steiermärkische“ Familie mit dem eigentlichen Geschlechtsnamen „Holler“. Schon ein Jjrailj IboUer war Leibarzt Kaiser Josef I. und Carl VI. mit dem Prädicate „roit Soblboff" und wurde in den Ritterstand erhoben. Sein Sohn Carl Hieronymus Holler, Edler von Doblhoff war 1740 Hofrath bei der böhmischen Hofkanzlei und erlangte durch Heirat die Herrschaften Rauchenstein, Weikersdorf, Rauheneck uhd Rohr in Baden bei Wien, welche Güter noch gegenwärtig im Besitze dieser Familie sind. Dessen Sohn Anton wurde von dem im Jahre 1756 verstorbenen k. k. Hofrath und gemeinten liammeröablmdftcr Carl Josef von Dierzum Universalerben eines grossen Vermögens bestimmt, nahm dessen „Wappen“ und „Namen“ an, und da er 1772 den „Freiherrenstand“ erlangte, nannte er sich fortan „Freiherr von Doblhoff-Dier“. Schon 1756 begann er die öffentliche Laufbahn als k. k. Regierungsrath im Justizfache und wurde am 16. März 1762 zum wirklichen Hofrath und Beisitzer bei dem „Commerzienrath“ ernannt. In jener allgemeinen Umwandlungsperiode der Industrie erwarb er sich auch als wahrer Vaterlandsfreund durch rastlosen Eifer grosse Verdienste. Er gründete mehrere Fabriken, berief vom Auslande tüchtige Werkführer,sorgte auf dem Gebiete der Gewerbe- und Kunstindustrie für Veredlung des Geschmackes und grössere Formenanmuth; auch war er der Erste, der eine rationelle „Seidencultur“ in Oesterreich einführte. Insbesondere trug er zum raschen Aufschwung der Stahlfabrikation viel bei. Kaiser Franz ernannte ihn zum Mitglied der damals bestandenen Wohlthätigkeits-Hofcommission, in welcher Eigenschaft er sich bis zu seinem am 20. December 1810 erfolgten Tode zum Wohle der Menschheit auf das Wirksamste bewährte. s ) scheinliche der Wetterkunde, 2 Theile, Wien, 1788, ein voluminöses und mühsames Werk, das jedoch im Ganzen ausser einer grossen Anzahl von „Bauernregeln" und „aftronomifäen Ihitteningsbemertungen" wenig Interessantes enthält. Auch gab er eine neu verbesserte und vermehrte Auflage von Belidor’s Anfangsgründen der Artillerie heraus und lieferte einen Aufsatz „Ueber scheinbare Grösse der Jupiter-Trabanten und ihre Folgen auf die Finsternisse“. *) Der letzte Besitzer aus der Familie der Pilgram war laut Grundbuch Johann Baptist von Pilgram, dem Clara von Wellenburg, Barbara von Klempay, Cäcilie von Petternegg, Maria Auguste Freiin von Schloissnigg und Carl von Petternegg folgten. Gegenwärtig gehört das Haus einer Actiengesellschaft. ’) Schon damals hatte die Akademie der bildenden Künste unendlich viel zur Veredlung und Verfeinerung des Geschmackes beigetragen und ihr belebender Einfluss wurde allenthalben durch das thätige, gedeihliche Wirken des Anton Freiherrn von Doblhoff-Dier, der dieser Anstalt als Präses bis zu seinem Lebensende Vorstand, stets rege erhalten. Auch das Armenwesen Wiens fand an ihm eine kräftige' Stütze. Nicht so bald nahm Jemand an dem Schicksale seiner leidenden Mitbürger wärmeren Antheil als er, so zum Beispiel leitete er mit aufopfernder Nächstenliebe als Vorstand das St. Johannes-Spital in Wien (eine Schöpfung seines Vaters), und nachdem dasselbe gleich anderen Versorgungshäusern von Kaiser Josef wieder aufgehoben wurde, da letzterer einen neuen Plan für die Versorgung der Armen fasste, so wurde er bei der neu errichteten ,,'bofcotntntnton öcr TtritTenTerforgungSiinftaU" als .Referent“ angestellt, bei welcher er nach dem Austritte des Grafen von Buquoy das Präsidium fortführte, und es sind manche heilsame Neuerungen und treffliche Verbesserungen im Armenwesen Oesterreichs zu verzeichnen, die ihre wohlthätige Einführung wohl ihm allein zu » l i » Das Schallenheim’sche Haus. — Spielmann und Kaiser Franz ]. 127 Das Schallenheim’sche oder Spielmann’sche Haus Nr. 1112 (neu 13) bildet die Ecke vom Graben in die Bräunerstrasse und verdankt seinen Namen dem alten hochangesehenen Patriziergeschlecht der 6($alam(>dm. Schon im Jahre 1675 gelangte Franz Anton Pfeiffer v. Schallenheim (Stadtrichter in Wien von 1675—1678) durch Kauf an die Gewähr und das Haus verblieb fortan durch 116 Jahre ununterbrochen im Besitze dieser Familie, bis die Erben endlich im Jahre 1795 dasselbe an den Hofrath Anton Freiherrn v. Spielmann verkauften.') Spielmann war eine hochangesehene, stadtbekannte, sonst auch höchst merkwürdige Persönlichkeit. Von armen bürgerlichen Eltern geboren, schwang er sich 1791 zum Freiherrn, 1792 zum Commandeur des Stefansordens und (nachdem er auch das ungarische und böhmische Indigenat erhalten) im Jahre 1801 zum Vicepräsidenten der vereinigten Hofkanzlei empor. Er war als geschickter, einflussreicher Staatsmann bei Hofe beliebt und als der Rathgeber und Beschützer der Bedrängten bekannt. Wenn man etwas Wichtiges beim Kaiser Franzi, auszurichten hatte, wendete man sich gewöhnlich früher an ihn, denn er galt beim Kaiser sehr viel. Aus seinem persönlichen Verkehre mit dem Monarchen haben sich mehrere kostbare und den Kaiser scharf charak- terisirende Einzelnheiten erhalten, von denen ich mehrere erzählen will. Kaiser Franz I. war ein durchaus praktischer, hellsehender, zugleich auch äusserst rechtliebender Regent. Fremde Ideen, die er nicht für gut fand, liess er sich nicht aufdringen. Seine schlagfertigen Antworten waren meist durch ihren gesunden Humor und natürlichen Mutterwitz frappirend und machten schnell die Runde durch die Stadt. So z. B. wollte Spielmann den Kaiser zur Aufhebung der „Prügelstrafe“ in der Armee bereden und brachte die eindringlichsten Argumente vor. Der Kaiser hörte eine Weile ruhig zu, dann aber unterbrach er ihn mit den Worten: „Ja, mein lieber Baron, Sie „ham schon Recht, aber wenn Sie mir statt der Stockprügel eine andere Strafe sagen „könnten, bei der der Mann so schnell wieder diensttauglich wird und so wenig „kost’, so bin ich gleich dabei.“ — Als Kaiser Franz bemerkte, dass der Hofrath Keess, dem die Bearbeitung des bürgerlichen Gesetzbuches ganz allein anvertraut war, den Gegenstand nicht bewältigen konnte und daher niemals fertig wurde, nahm er die Sache selbstthätig in die Hanoi, erwählte eine eigene Commission, ordnete die Grundsätze und Normen der Bearbeitung an und überwachte und betrieb Alles mit hingehendster Aufopferung. Als nun das bürgerliche Gesetzbuch im Jahre 1811 fertig war und Spielmann den Kaiser aneiferte, das Gesetz jetzt in Wirksamkeit setzen zu lassen, erwiederte der Kaiser: „Nein, das wäre zu früh, wir „müssen’s noch ein wenig in Galizien probiren, zwei Jahrln, ob es sich auch praktich verdanken haben, doch gestattet mir der Raum nicht, hier in nähere Details einzugehen. So lange es in Wien „Wohlthäter der Armen“ gibt, wird sein Name immerdar glänzen in den Blättern der Stadtgeschichte. Ihm folgte im Besitz sein Sohn Carl, der das Haus in den Zwanzigerjahren renovieren liess; nach seinem Tode gelangte der nun bereits gleichfalls im Jahre 1812 verstorbene Anton Baron Doblhoff an die Gewähr, er ist derselbe, der im verhängnisvollen Jahre 1818 zu einem der ersten Verfechter der jungen Freiheit zählte, und schon in den ersten Märztagen durch Rath und That de] kaiserlichen Familie wichtige Dienste leistete, indem er den Muth besass, der Erste zu sein, den beiden greisen Erzherzogen Ludwig und Rainer die volle ungeschminkte Wahrheit über die politische Lage der Dinge klar vorzustellen, ein Verdienst, das nicht hoch genug angerechnet werden kann. Er errang sich zugleich das Vertrauen des Volkes und der Regierung und wurde Minister, welche Stelle er durch die ganze Revolutionszeit zum Wohle der Gcsammtheit und zum Heile der einzelnen Völkerstämme bekleidete. Es gab auch wenige Männer, die so uneigennützig, so aufopfernd ihre Kräfte dem Vaterlande weihten wie er. Ihm folgte im Besitz des Hauses seines Bruders Sohn, der junge Baron Heinrich von Doblhoff, gegenwärtig Reichsrathsabgeordneter. *) Die Besitzer dieses Hauses waren in der Zeit von 1366 bis 1345: Christian Pfeiffer, Hans Koller, Tiwald Jagenberg, Gabriel Ungar, Wolf Jungmayer, Christof Wertick, Radolt Christof, Rudolf und Hans Holzer. Um 1679 kaufte es Franz Anton Pfeiffer, 1C84 gehörte es Johann Franz Pfeiffer von Schallenheim’s Erben, 1795 Anton von Spielmann, 1825 Mathias Welzer und die gegenwärtigen Besitzer sind die Welzer’sehen Erben, nämlich Frau Anna Schwarz, Theresia von Wolfstein, Josefa Marschall, Andreas und z\dolf Capellini, Eugen und Ludwig Pacher von Theinburg. i i 128 Spielmann und Kaiser Franz I. — Der neue Grabenhof. „bewährt, denn den Galizianern schad's nix und uns möcht’s geniren, wenn's schief „ging. Also nur Geduld, mein lieber Baron,“ und schnitt das Gespräch rasch ab. — Der Kaiser war ein grosser Tauben freund und züchtete die kostbarsten und seltensten Arten, die er im innern Burghof frei umherflattern liess. Man sah den Kaiser täglich um 11 Uhr vor den Basteifenstern der Hofburg diese Lieblingsthiere persönlich abfüttern. Dies Beispiel verleitete manche Honoratioren der Stadt Tauben zu halten, und es kam so weit, dass endlich ein Gebot zur Abschaffung dieses Sports erging. Spielmann machte den Kaiser bei Gelegenheit einer solchen persönlichen Abfütterung auf sein (des Kaisers) eigenes Tauben verbot aufmerksam. Der Kaiser erwiederte ruhig: „Wir wer’n’s halt einsperr’n, dass d’Leut’ nix zu reden haben, aber „später lassen wirs halt wieder aus.“ Damals pflegten die gemüthlichen Wiener über ihren Kaiser, den sie über Alles liebten, mancherlei harmlose Bonmots circnliren zu lassen und Spielmann äusserte dem Kaiser gegenüber, man sollte gegen die „Pamphletisten“ strenger einschreiten. Aber der Kaiser erwiederte begütigend: „Das macht nix, mein Lieber, so längs „Witze reissen“, ist’s gut, wenn’s aber amal „aufhören, dann is g’fährlich.“ Spielmann starb, allgemein geachtet und geliebt, am 27. Februar 1813 mit Hinterlassung* eines bedeutenden Vermögens, einer grossen Bibliothek und vieler Cu riosa, da er ein eifriger Raritätensammler war. Das Haus ist übrigens noch durch einen anderen Umstand bemerkenswert!]. Hier begründete nämlich ein durch glückliche Speculationen begünstigter Geschäftsmann ein bedeutendes Bank- und Wechslergeschäft. Noch zu Anfang der Vierziger-Jahre war derselbe ein armer Tabaktrafikant, der seinen bescheidenen Krämerladen im fürstlich Collalto’schen Hause Nr. 16 am Hof an der Ecke zum Schulhof kümmerlich besorgte. Er befasste sich anfänglich mit dem Verkaufe von Loosen, später mit Ausspielen von Realitäten. In den Dreissiger-Jahren war nämlich in Wien das Ausspielen von Häusern und ganten Gutskörpern mittels Loose stark in der Mode. Er wusste sifch durch geschickt entworfene „Spielpläne“ den Cavalieren nützlich und unentbehrlich zu machen, stellte sich an die Spitze grösserer Unternehmungen, war der Erste, der das heute noch so beliebte „Promessenspiel“ in Wien einführte, wurde Begründer eines bedeutenden Bank- und Wechselhauses und schwang sich so vom armen Trafikanten zum mehrfachen Millionär, vom schlichten Geschäftsmann zum ordenbeglänzten Freiherrn empor. Freilich verdankte er Vieles dem glücklichen Zufalle, noch mehr aber seinem Scharfsinne, womit er die Umstände zeitgemäss auszunützen verstand. *) Auch ein anderer Millionär kann mit dem Graben in gewisse Verbindung gebracht werden; es ist dies Salomon Freiherr von Rothschild, der „Erste“ seines Glaubens, der das „Wiener Bürgerrecht“ erhielt, weil er im Jahre 1840 bei Gelegenheit der Demolirung der beiden Grabenhäuser Nr. 569 und 570 („Schallenberger-“ und „Hirschenhaus “) die Summe von 340.000 Gulden der „Stadtcommune“ auf die Dauer von fünf Monaten „gratis“ und von da ab gegen „dreipercentige“ Verzinsung darlehensweise vorstreckte. Der neue Grabenhof Nr. 14 und 15, aus dem Freiherr von Selb’schen Haus Nr. 1133 und dem Haffner’schenHaus Nr. 1134 zusammengebaut. Der „Grabenhof“ mit seinen rothen kühn emporstrebenden Marmorsäulen ist einer der glänzendsten und zugleich jüngsten Prachtbauten dieses Platzes. Derselbe wurde im Jahre 1875 in Angriff genommen und zwar an der Stelle der früher hier gestandenen beiden alten Häuser. Sein getreues Bild sehen wir sub Figur 45. ’) Baron Sothen (so hiess der Geschäftsmann) wurde auf seiner Herrschaft Cobenzl im Jahre 1881 von seinem eigenen Jäger aus Privatrache erschossen. Die Arcaden im Freiherr Selb’schen Hause. — Das Pragma ticalgesetz. 129 Eines dieser beiden Häuser an der Ecke der Bräunerstrasse mit Nr. 1133 (neu 14) ist das sogenannte ^reiften? DOIl Sdb’fätf IbflUS. Es ist den Wienern gar wohl in Erinnerung und nach dem Trattnerhof das älteste Gebäude am Graben, zugleich eines der schönsten unter den wenigen Stadthäusern des XVI.iJahrhunderts, welche noch vor Kurzem hier bestanden und besonders im inneren Hofraume durch seine rundbogigen Arca- Schneckenstiege ausge- den und zierliche zeichnet. Ich bringe anb Figur 48 den Lesern eine genaue Abbildung der Innenansicht des Hauses. So oft ich in früheren Zeiten den Hofraum betrat, konnte ich mich eines eigen- thümlichen Gefühles nicht erwehren, und würden nicht jedesmal die heimatlichen Klänge der „Wiener Mundart“ an mein Ohr gerauscht haben, meine Phantasie würde mich längst in die schattenreichen Kastanienwälder Andalusiens oder an die kühlenden Gestade eines Ebro oder an die blumenreichen Ufer eines Manzanares versetzt haben, so seltsam muthete mich der maurisch-spanische Baustyl dieser alten Stiegen- und Hofgänge an, so fremd schienen mir die Rundbogen-Durchsichten, die gleichmässigen Bogengänge im Hintergrund, die eigenartigen Motive an den Capitälerverzierungen der Säulen und an den Brustwehren der Schneckenstiege. Aber so romantisch uns auch diese Arcadengänge stimmen, so prosaisch wirken auf uns auch andererseits jene rückwärtigen ebenerdigen Innenräume, wo im XVI. und XVII. Jahrhundert die Arrestlocale des Stadtgerichtes sich befanden, deren Räume zuletzt der beliebten MusikalicnhandlungDiabelli, nachher Spina, als Notenmagazine dienten, und wo wirklich noch kurz vor der Demolirung lange eiserne; O uer- s tan gen am Plafond und grosse eiserne Ringe an welche geschmiedet waren. Uebrigens ist dieses Haus noch aus einem anderen Grunde geschichtlich bemerkenswert!!. Als nämlich Kaiser Franz I. den Titel eines Erbkaisers von Oesterreich annahm, wurde das „Prag- maticalgesetz“ von 1806 am 11. August vom Balcone des ersten Stockes durch den Regie- rungssecretär Grafen von Kienburg im Beisein dreier Magistratsräthe und gleichzeitig vom Balcon der Kirche am Hof durch den Regierungs- secretär Freiherrn von Heinke ebenfalls in Gegenwart dreier Stadträthe feierlichst verkündet. 1 ) ‘) Diese Kundmachung besagte, dass Kaiser Franz die bisher getragene deutsche Kaiserkrone ablege, den bestandenen römisch-deutschen Reichsverband als gänzlich aufgelöst erkläre, sich von nun an allein: „Franz den I. erblichen Kaiser von Oesterreich“ nenne und neben dem neuen Titel auch neue Wappen annehme. in den Wänden sich yörfanden, die Ketten für Arrestanten XI Fiy. 48. Innenansicht des Selb’schen Hauses. 17 130 Das GunkePsclie Haus. Das andere Haus an der Ecke der heutigen Habsburgergasse mit Nr. 1134 (neu 15) ist das sogenannte Haus mit dem Schilde , ,511111 (Jtflöcncit Ropf". Seine ältesten nachweislichen Besitzer waren des Batutö ülartill Jbßffltet 1 , Doctoris Juris und niederöstcrrcichischen Regimentsraths, Erben. Der Name des Schildes aber stammt schon aus dem Jahre 1476 von feaitltö IHn^ainer, bem ©olbic^mibt. Auch stand hier 1443 eine Capelle zu St. Barbara, die durch Haffner restaurirt und von Kaiser Josef 1782 aufgehoben wurde. ') Hier an der Ecke der heutigen Habsbyrgergasse befand sich zu Ende der Zwanzigerjahre das berühmte Kaffeehaus des „Taroni“, den man damals mit einer sehr pikanten Affaire in Verbindung brachte, und von dem auch das Kaffeehaus lange Zeit „zum Taroni“ hiess. Alle Italiener, die Wien zum bleibenden Aufenthalt erwählten, pflegten sich regelmässig hier einzu- finden. Später führte es den bescheidenen Namen „zum Jüngling“, und ein elegant gekleideter junger Mann im Frack von neuestem Schnitt und Muster, mit makellos weissen Beinkleidern, mit hohem Cylinderhut, Reitpeitsche und mit Cigarre im Munde, in Lebensgrösse gemalt, diente als modernstes Kaffeehausschild und zugleich als erstesMuster der Wiener Herrenmode. Auch Hörschel, der bravouröseste Billaidspieler und berühmte Schöpfer der sogenannten „Kinderballete“, die damals im Theater an der Wien ihre Zugkraft bewährten, kam zuweilen hieher, wenn er Geld brauchte, um die Partie zu hundert Gulden zu spielen und sie auch regelmässig zu gewinnen. Das Kaffeehausgeschäft ging später auf den Kaffeesieder „Schweiger“ und zuletzt auf „Schlögel“ über. Im Jahre 1848 war das Kaffeehaus der Hauptsitz aller Gutgesinnten oder „Schwarzgelben“, wie man sie nannte. Das Gunkel’sche Haus Nr. 1144 (neu 16), von Gunkel, dem berühmten Schneider, so benannt, von dem sogar Heinrich Heine, als er Wien besuchte, Notiz nahm und ihn in seinen Memoiren mit in die Unsterblichkeit hinübertrug, indem er von ihm sagte: „Es freute mich, auf dem Hause des berühmten Mannes das schlichte Wort „Schneider“ gelesen zu haben.“ Und in der That, Josef Gunkel war kein gewöhnlicher Schneider von Profession, sondern ein „Denker“, ein „Genie“ in seiner Art; schon seine Erscheinung war die eines bedeutenden Menschen, und es verlohnt sich, meine Leser mit ihm näher bekannt zu machen, um so mehr, als ich ihn persönlich kannte und öfters im elterlichen Hause sah, da mein Vater bei ihm arbeiten liess. Seine äussere Gestalt war die eines vollendeten Gentleman, seine ruhigen, aristokratischen Manieren zeugten von feinstem Umgang, sein Profil war geistreich, die Gesichtszüge interessant, eine legere Frisur, eine bequeme Cravate signalisirten den genialen Menschen. So leicht und ungezwungen er sich auf dem glatten Parquette des Salons bewegte, so einfach und schlicht wusste er seine ganze Haushaltung zu führen. Gunkel war der Schneider der Aristokratie; von den Zwanzigerjahren an bis hoch in die Fünfziger hinauf bekleidete er beinahe ausschliesslich den österreichischen Adel. An ihn knüpft sich ein Stück Geschichte aus der hohen Wiener Gesellschaft. Man liess damals die Pferde von Gauermann, seine Frau von Amerling und Schrotzbferg malen, oder von Kriehuber lithographiren, aber seine Person von Gunkel anziehen. Seine „Clientei“ und noch mehr sein „Schuldbuch“ war eine vollständige Adelsgenealogie. Ehrgeizig, feinfühlig, voll Geist und rascher Auffassung wandte er Alles an, um sein Metier zur höchsten Vollkommenheit emporzuheben. Er *) Die ältesten Besitzer des Hauses waren.- 1445 Dlarget (Erhalt bt’S ©rU’ÜCtt it’liij lüittib jUnegö ÖC3 OdUü POIt Pettait; dann 1572 (Babriel ücitdjl, Maler, 1684 Martin Fanncr’s (Erben, 1700 lhro Gnaden Maria Unna ürciin ton ütria^aga, 1766 Herr und Frau non Mon&ens, 1775 Frau non Mottben«, 1786 tEMcr non ©eeger, 1795 dessen Erben, 1806 Ja fob non 25cinlein, 1812 2tapbarl non Jvcintein, 1824 Iberefia non Tteinlein, später Jatob non Kcinlein. Dieses und das vorbenannte Haus wurden von der Wiener Baugesellschaft unter dem Najnen „Grabenhof“ in eins verbaut und an den gegenwärtigen Besitzer Philipp Xtorfcp verkauft. Eine Anekdote mit Gunkel's Fiaker. Eine andere mit Fürst Metternich. 131 war Poet in seinem Fache, mit ihm hob das romantische Zeitalter des „Bügeleisens“ an und mit ihm ging es auch zu Grabe, Er machte es wie ein tüchtiger Porträtmaler, er studirte vorerst seine Kunden, ihre Haltung und Manieren, ihre Gewohnheiten und Bewegungen, ehe er daranging, sie zu bekleiden, er arbeitete nie nach der Schablone und verstand die Kunst, mit feinem Tacte zu individualisiren, d. h. er machte (wie damals Saphir scherzhaft bemerkte) niemals aus einem Statthalter einen „Ellenritter“, oder zog einen Künstler als „Zahlmarq ueur“ an. Wie sehr eres mit seiner Kunst ernst nahm, beweist, dass f er Anatomie hörte und die natürlichen Körperdimensionen studirte. Er formte Modelle aus Thon, bekleidete sie und stellte dieselben an der Wand seines Studirzfmmers auf. Dort besuchten ihn Fürsten, Grafen, Dichter und Künstler, in diesem Studirzimmer hegte er seinen Lieblingsplan aus, den Gedanken der „Double-Röcke“ und der „englischen Fracks“, die dann die Runde durch die ganze Welt machten. Doch plötzlich ‘ kam das Jahr 1848, und mit ihm änderte sich Vieles, ja auch seine Kundschaften blieben nicht immer dieselben. Viele wurden weniger eitel und weniger prätentiös, andere zwangen die Verhältnisse, ihre kostspieligen Passionen einzuschränken und das blaublütige Gebot „sich bei Gunkel bekleiden zu lassen“ wurde nicht mehr so unverbrüchlich, so heilig gehalten, wie es vormals der Fall war. Sein Glück, dass er es Gott ‘sei Dank nicht nöthig hatte, Schneider zu sein, denn er besass Vermögen, einen Antheil des Hauses am Graben Nr. 16, ein noch grösseres Haus in der Tuchlaube Nr. 11 und früher schon einen Hausantheil bei den „drei Laufern“ am Kohlmarkt, und ich glaube nicht zu irren, wenn ich sage, auch eine Villa in Hütteldorf. Er hielt Equipage, fuhr aber nur (wie echte Cavaliere) in seinem eigenen Fiaker. Eine köstliche Anekdote erinnert an eine solche Gunkerschc Fiakerfahrt. Als nämlich Gunkel eben in den Wagen steigen wollte, rief ihm d0 und gemeinten 5ü(l ttU’ifkrö Hieronymus Scalvinoni, der bereits seit dem Jahre 1700 im Stadtgrundbuche au der Gewähr erscheint, dessen Besitz aber im Jahre 1766 auf die Jagscky’schen Erben und dann 1775 auf Theresia Contrini überging, von da an bei dieser Familie nahezu ein volles Jahrhundert verblieb. ’) * \ Das Haus „zur grossen Bethen“ Nr, 1146 (neu 18), ein Eckhaus vom Graben zum Kohlmarkt, in welchem sich heute Maurers Reiserequisitenhandlung „zum Husaren“ befindet, gehörte 1684 dem Friedrich Leopold von Löbenthurn (Löwenthor), 1700 Friedrich von Löbenthurn, niederösterr. Regimentsrath. Es führte schon damals den Namen „jur großen 25et(>en" zur Erinnerung der grossen „SdhttxmüCberjUltfL, die hier ihre Rosenkränze verkaufte und zu diesem Zwecke früher zahlreiche Verkaufsstände aufgeschlagen hatte.’) Das Storchenhaus Nr. 281 (neu 19) ist durch eine Reihe ausgezeichneter Gelehrten und berühmter Männer merkwürdig, deren Andenken sich an den Besitz dieses Hauses knüpft. Besonders ehrwürdig ist uns die Erinnerung an Wan ürcifiiauertDrin non (Ebrcntreif,, den Geheimschreiber des Baiiers Warimilian I., ein Name, unvergänglich wie der Ruhm des ritterlichen Kaisers, dessen Thaten er selbst der Nachweit in seinem flUiig" zurückliess, indem der Kaiser sie ihm, dem Vertrauten, fast grösstentheils persönlich in die Feder dictirte. Alles, was an diese ZeitepochQ und ihren Kaiser erinnert, ist für uns hoch interessant und besonders bemerkenswerth. Ich könnte in der ganzen Weltgeschichte keine Zeitperiode nennen, wo in einem verhältnissmässig so engen Zeiträume so viele, so bedeutende, so reformatorische und weltumgestaltende Erfindungen und Entdeckungen sich zusammendrängten, als eben in jener Epoche. Die Erfindung des „Schiesspulvers“ (1365—1371), die „Buchdruckerkunst“ (1440—1442), die „Entdeckung Amerikas“ (1492), sie alle gaben der Welt eine neue Gestalt, einen plötzlichen Ruck nach vorwärts; und während noch die Geistlichen mühsam in klösterlicher Zelle Bücher schrieben, wurden bereits in Mainz hunderte von Bibeln gedruckt und nach Paris auf den Markt gebracht; und während noch in Deutschland „bie geeinte blühte und die Geister knebelte, wurden vom Kaiser bereits ordentliche Richter eingesetzt, die nach römischen und canonischen Gesetzen Recht sprachen; und während noch vor kurzem schwerfällig gepanzerte Ritter mühsam das Schwert zogen, die Lanze schwangen (ohnmächtig gegen das weittragende '„Kugelrohr“), schuf derKaiser „ftcjienbe üruppcn", und es handhabten bereits seine berü hinten „Cattjflietbtc" dietvon ihm selbst verbessere „Schusswaffe“ und das „grobe Geschütz“. *) Die ältesten Besitzer sind. 1536 Hans Gösl, bet fieben freien üunfte fljdfier, 1571 Wolfgang und Martin Gossl (Gebrüder), drei Sechstel Haus, 1635 Franciscus Gannser, Med.-Dr., und Friedrich Stol, ÜlflUer, 1684 Franciscus Gannser, Med.-Dr., 1700 Hieronymus Scalvinoni, fapf. gehehlter öttbltnetfler, 1775 Therese Contrini, 1795 Contrini’sche Erben, 1806 Maria Anna Contrini, 1820 Dr. Johann Baptist Engert, Maria Anna Contrini, Maria Anna Engert, Josefa von Scharf, Wilhelmine Engert und Carl Scharf, M, A. Contrini’s Erben und gegenwärtiger Besitzer Emil Ritter von Murmann. Uebrigens fand sich im Grundbuch eine auf dieses Haus bezügliche Stelle welche wörtlich lautet: „percbtoltt ron ßllcrbad?, purtbarb t>pn <£llerba fdiger fon, bat ein baue mit aller feiner öugebörung gelegen 3enagft bem „pratbaus", ob bas non feinen Pater unb non feinen pruber pnrtbart "feannicn feligen erblich aintomen nnb geftorben ift J4-J3." , 2 ) Als Hauseigenthümerin erscheint seit ältester '/.eit grundbücherlich vergewährt. - Thomas Ruef, Dr.-Juris, ein Sechstel Haus von Hans Gösl selig Haus, 1684 Friedrich Leopold von Löwenthurn, 1700 Friedrich Löwen- thurn, niederösterr. Regimentsrath, 1766 Frau von Fuhrenberg, 1775 Maria Rubertin, 1783 Barbara Bernadin, 1795 deren Erben, 1806 Maria Anna Gräfin von Martiani und Steinhof, 1822 Franz Mälzer, 1833 Johann Mälzer und später Andreas Strasser. Der jetzige Besitzer ist Ritter von Maurer. Charakteristik des Kaisers Maximilian I. und seiner Zeitepoehe. 133 Der Kaiser berief Künstler und Gelehrte, gab der Wiener Universität die erste Professur der Dichtkunst, errichtete die erste Fahrpost, schuf neue Handelsverbindungen, theilte Deutschland in zehn Kreise und schenkte endlich der Welt am Reichstage zu W orms 1495 den „ewigen Kanbfvicben“. So kam es denn, dass das Mittelalter zu Grabe getragen wurde und eine neue reformatorische Zeit hereinbrach mit modernen Gefühlen und Anschauungen, mit neuen Ansprüchen und neuen Bedürfnissen, und so kam es auch, dass sich das„Alte“ an das „Neue“ hart drängte, sowie sich im ganzen Wesen des Kaisers beide Endpunkte concentrirten. Sein Gemüth gehörte dem Mittel- alter an, seine Thatkraft aber war der neuen aufdämmernden Zeit gewidmet, sein ganzes Wesen, seine Gewohnheiten und Sitten wurzelten im Mittelalter, während sein Geist vorwärtsdrängte in neue, freie Bahnen. Es war daher begreiflich, dass der Gedanke dem Kaiser naheliegen musste, sein vielbewegtes, thatenreiches Leben der Nachwelt in einem schriftlichen Denkmale zurückzulassen. Denn er selbst schrieb einst die merkwürdigen Worte: „Ulet? title ill feinem Cebett fein ®ebüddnu$ inacbt, ber bat nach feinem Cobe fein (beöücbtmts unb beleihen ilTenfcfien wirb mit bettt ©locfenton rergenett." Er gab also im Jahre 1514 seinem Geheimschreiber flTarr £reii}faiiern)eitt pon (Efnentreitj den Auftrag, die vom Kaiser theils selbst geschriebenen, theils von demselben .dktirten Aufsätze zu sammeln, zu ordnen und sie im Geschmaeke derZeit in eiper geheimnissvollen romantischen Einkleidung darzustellen. So entstand denn das vielberühmte Buch der „lücijffuitiij", zu dem Tsan* 25urflf s inatjr (Freund und Schüler Albrecht Dürers) 237 Zeichnungen in Holzschnitt beifügte, die bei aller Schwerfälligkeit der Zeichnung doch für die Kenntniss damaliger Zeit, Bewaffnung, Kleidung, Kriegskunst, Bauart, Sitten und Gebräuche unendlich wichtig- sind und noch heute demjenigen, der ein Buch über deutsches Volk und Sittengeschichte schreiben würde, ein überreiches Feld neuer Forschungen darböten. * Je mehr wir uns in diesen Gegenstand vertiefen, desto stärker drängt sich uns die Ueberzeugung auf, dass die Zeitgenossen Maximilians von dieser umgcstaltenden Sturm- und Drangperiode selbst nichts bemerkten und keine Ahnung hatten von diesem plötzlichen Fortschritt. Plbenso klar wird es uns auch, dass keine Zeitepoche jener Maximilianischen Periode so ähnlich war, ihr so auf ein Haar glich, wie unser heutiges Zeitalter. * Auch in unseren Tagen (und diese Bemerkung ist interessant genug) drängen sich in verhält- nissmässigknappem Zeiträume von nur wenigenDecenniendie wichtigsten Erfindungen zusammen; auch wir bemerken gar nicht den plötzlichen Ruck nach vorwärts, das riesenschnelle Vorwärtsstürmen in eine andere, reformatorische Welt. Was z. B. haben wir Zeitgenossen nicht Alles entdecken gesehen? Welche epochemachenden Erfindungen auf dem Gebiete der Physik, Chemie, Mechanik etc. haben wir nicht selbst miterlebt? Die Ausnützungen der Elektricität, des Dampfes! Welch weltstürmende Neuerungen wurden nicht in Scene gesetzt für die Bfedürfnisse des Lebens, für den Comfort, für Kunst, Wissenschaft und den Haushalt, ohne dass es uns heute besonders auffiele! Wir nehmen diese Neuerungen gleichgiltig hin, als ganz natürlich, als selbstverständlich. — Erst spätere Geschlechter werden erstaunen über die Masse der Erfindungen, von deren Entstehung wir so glücklich sind selbst Augenzeugen zu sein. Eisenbahn und Dampfschiffe (neuestens die elektrische Bahn), das Gas- und elektrische Licht betrachten wir als etwas ganz Gewöhnliches; Telegraph, Kabeltau, die Stenographie, die pneumatische Post, das Telephon als etwas Selbstverständliches; Daguerreotypie, Photographie, Gliche, Farbendruck, Zinkophotographie und Heliographie als natürliche Vervielfältigungsmittel; ebenso in der Verbesserung der Waffe: die Torpedos, Mitrailleusen, das Zündnadelgewehr, Hinterlader, Kugelspritze, Revolver, Stahlgusskanone etc. Auf dem Gebiete der Mechanik jenes Heer von Hammer-, Schneid- und Nähmaschinen, die sich der menschliche Geist in allen Zweigen der Industrie, auf allen Gebieten des Lebens dienstbar gemacht! , *. 134 Der Weisskunig des Kaisers Maximilian I. Dies Alles berührt uns heute kaum, wir sprechen kaum mehr davon, und wir ahnen auch nicht die reformatorische, überwältigende Kraft, die in diesem Allen noch schlummert, ganz so wie einst in den Zeiten Maximilian’s I., wo sich Alles vollzog, ohne dass es die Mitlebenden auch nur fühlten oder bemerkten. Wollten wir noch weiter eine Parallele ziehen zwischen dem Maximilianischen Zeitalter und unserer Gegenwart, so bemerken wir deutlich, dass damals wie jetzt dieser allzu plötzliche Uebergang vom „Alten“ zum „“Neuen“, dieses allzu rasche Vorwärtsstürmen unfertige Zustände, Zerfahrenheit, Zerrissenheit und somit auch in allen Schichten der Gesellschaft Erregtheit und Unzufriedenheit erzeugen musste. 1 ) In dieser Beziehung ist uns 1 also der „MMjjfumg" ÖCS Itaiferö HTarimiliatt I. ein Geschichtsdenkmal besonderen Werthes, da er nicht blos ein Werk von unzweifelhafter Echtheit, sondern auch ganz besonders eine „Fundgrube“ der wichtigsten culturhistorischen Nachrichten ist, deren Consequenzen die Geschichtschreiber und Forscher unserer Tage noch lange nicht gehörig zu würdigen und aus?unützen gewusst haben. Dieses kostbare Manuscript von der Hand (ErdijfüuertDChl’s war lange Zeit verschollen, bis es endlich im Jahre 1665 vom Gelehrten CaitlbeciltS im Stammschloss zu Ambras in Tirol entdeckt und nach Wien in die Hofbibliothek gebracht wurde, wo es so lange in stiller Verborgenheit ruhte, bis endlich die dazu gehörigen Holzschnitte unvermuthet in Graz aufgefunden wurden, worauf man dann das Werk (mit diesen Abbildungen begleitet) in Folio unter dem Titel: „rer IDci&Iiiniij, eine Crjafilung non heu ühateu Itaifer SlTarintilian’s T. im Tabrc J7JÖ iw IBictl" vollständig herausgab. 2 ) *) Ich erlaube mir hier eine Stelle aus der Zeitschrift „Wiener Kunsthalle“ (die ich in den Jahren 1871 bis 1874 als Eigentümer und Redacteur lierausgab) zu citiren: „Dieses rastlose Vonvärtsstreben eharakterisirt vornehmlich unser Jahrhundert und bildet gleichsam sein „Sch 1 agwort“; und sowie jedes Zeitalter sein eigenes charakteristisches Merkmal hat, in welchem sich alle seine geistigen und materiellen Interessen vereinigen, und durch welches der Ideengang der ganzen Menschheit wie in „einem“ Brennpunkte sich concentrirt, und sowie das frühere Jahrhundert das Zeitalter der Gleichheit, das diesem vorhergehende das Jahrhundert der „religiösen Freiheit“ hiess, so hat auch unser jetziges Jahrhundert sein eigenes „Schlagwort“ und dies heisst „Eilfertigkeit«. Die Menschheit eilt heute in wilder Hast nach vorwärts; dieser fieberische 7,ug durchzuckt stärker als sonst all ihr Thun und Dassen. Mit diesem 7.uge ist freilich auch jene r unglückselige Zustand des Ueberganges, des Unfertigen, des Zerfahrenen verbunden. Es scheint, als ob plötzlich ein gewaltiger „Gä hrun gsp rocess“ eingetreten wäre, als ob all’die grossen Erfindungen auf dem Gebiete der Physik, Chemie, Mechanik sich zu rasch, zu plötzlich in einen engen Zeitraum von nur wenigen Decennien hineingedrängt hätten, als ob diese Neuerungen die Menschen gleichsam unvorbereitet träfe und daher alle bisherigen Verhältnisse in jähe Verwirrung gebrachte. Eine tiefe Erregtheit und Unzufriedenheit unterwühlt bereits alle Stände und bekundet heute schon deutlich genug ihren gewaltsamen „Gührungsprocess“. So erklären sich denn auch die heutigen socialen und politischen Missstände. Nichts konnte sich noch klären, nichts sich Ausgleichen. Ueberall finden wir unfertige Zustände, Zerrissenheit. Zerfahrenheit, Spaltung und Trennung. Die „Schule“ trennte sich erst kürzlich vom „Staate“, der „Staat“ unlängst von der „Kirche“, das „Capital“ von der „Arbeit“, die „Autorität“ vom „Glauben“! s ) Der IDeifcfunig umfasst den Zeitraum von 1430 his 1313 und zerfällt in drei Abtheilungen. Der erste Theil erzählt, wie Maximilian’s Vater Friedrich IV. sich vermählt und mit seiner jungen Gemahlin in Rom gekrönt wird; der zweite von Maximilian’s Geburt, Erziehung. Unterricht und Jugend; der dritte von Maxim ilian’s Kriegen und Heerfahrten. In der Erzählung selbst wird Niemand mit seinem eigentlichen Namen benannt, sondern alle bedeutenderen Personen unter' erdichteten Namen aufgeführt. So heisst Maximilian I. der 0ung4Dfi£funig, ein Name, den ihm schon sein Lehrer gegeben indem er, als Maximilian schon frühzeitig als Kind überraschende Fortschritte in den Wissenschaften machte, öfters ausrief: „So„juitg" noch, toeifi der lutlttg schon so viel!“ Dafür wurde der kaiserliche Vater Friedrich IV. nie anders als der „alte ÄWfltlinig" genannt. Herzog Carl von Burgund ist „Rltnig bet Xflt reifen"; Mathias Corvinus von Ungarn der „grüne JtUttig"; Ludwig IX.»von Frankreich der „blaue Kunig"; Eduard IV. von England der „alte Itutüg Pott TSlUtnen"; Richard 111. von England der „rotbe ÄUnig"; Herzog Johann von Cleve der „Kunig mit Petit S((»lpan" u. s. w. Wie viel übrigens von Maximilian’s eigener Hand herrnhren mag und wie viel von Treitzsauerwein, ist wohl nicht mehr zu ermitteln: so viel jedoch ist gewiss, dass viele Schilderungen nebst manchen Einförmigkeiten mit so viel Liebe und warmer Theilnahme entworfen sind, dass der unbefangene I.eser gewiss in ihnen den wahrhaft poetisch eil Sin n und das überfeurige Gemüth des grossen Kaiiers leicht zu ei kennen vermag. ' I Das Nadlerbaus. 135 (Emjjfaucrmcin, lier Vertraute des Kaisers (oder wie er in dem Stadtgrundbuche vom Jahre 1524 benannt wird: „Der (Ebel geftemge Kitter "feerr Wart £mj$fa»crt»rin: feiner fürftlicfieii Turcblaucbt nuferes genäbigiften fcerrn Katfi uub Derroalter ber ilieber-öleftcrr. Canbe"), verfasste den „lüeifftnnig" in der Zeit von Johannis und Weihnachten 1514, also kaum fünf Jahre vor dem Tode des Kaisers, und starb am 6. September 1527 mit Hinterlassung eines Testamentes, worin er seiner Ehefrau Barbara das 6torcf>enf)aus vermachte, in Folge dessen dieselbe im Jahre 1527 an die Gewähr kam. Ihr folgte in dem Besitz die Schwester des Treitzsauerwein, ÖlarttX Strajjpurgcr, die das Haus später im Jahre 1539 an Philipp ©liltbtl, der Rechte Doctor, kaiserl. Majestät Rath und Kammer- procurator der niederösterreichischen Lande, verkaufte, dessen Name in seinem damaligen Besitz- thume, dem „Gundelhof“, noch heute fortlebt. Auch dieser Hausbesitzer war ein berühmter Gelehrter von glänzendem Namen. Er hielt im Jahre 1519 öffentlich in Wien dem eben verstorbenen Kaiser Maximilian I. eine gehaltvolle Leichenrede, wurde 1530 zum Rector der juridischen Eacultät und 1640 zum Rector der Wiener Universität ernannt. Durch seine Tochter Margarethe gelangte das Haus nach seinem am 4. September 1567 erfolgten Tode in den Besitz ihres Gatten, des angesehenen Doctors ffobattll Ktltbroo Srafficaili DOU Jfcödbutg, 1566 Decan der juridischen Eacultät zu Wien, 1573 Rector der Wiener Universität starb er 1589 als wirklicher niederösterr. Hofkammerrath, nachdem er seit längerer Zeit an der Spitze der akatho- lischen Partei zu Wien gestanden, deren Leitstern und Stütze er bekanntlich bis zu seinem Lebensende war. Das Storchenhaus hatte übrigens im Laufe der Zeit einen wirklichen „Storch“ im Schilde erhalten und erscheint mit der Benennung „3UIK IDCiijcit Btorcfl" in dem ersten „Häuserverzeichnisse Wiens 6<£ufj llltb 6cf)aU3" vom Jahre 1701. Seine ursprüngliche Benennung dürfte cs jedoch wohl schon von seinem ersten Besitzer und wahrscheinlich auch Erbauer, dem Domherrn von St. Stefan Jacob Btord) herleiten, denn in dem Grundbuche vom Jahre 1451 heisst es: „Citbwig 6torcf>, tumbber 51t 6t. 6tepf>an, itnb feilte ©ebritber, worauf dann ftattns (öcber, 6r. f. fflaieftd't Katb llltb ealjamtmamt 3 U lüieit, an die Gewähr kam, der dann das Haus an seinen Schwiegersohn (Ereijjfauerroeitl vermachte. Eigentlich bestand das Haus früher aus zwei kleinen Häusern, wovon das eine bei der ersten Häusernumerirung die Nummer 170 und das zweite die Nummer 171 führte. 1 ) Beide Häuser wurden schon im Jahre 1798 von Josef Freiherrn v. Hagenmüller erkauft, die er das Jahr darauf zusammenreissen und zu Anfang unseres Jahrhunderts in eins verbauen Hess, wie wir es noch vor Kurzem sahen. Im Jahre 1828 gehörte es den Hagenmüller’schen Erben, 1838 Josef Freiherrn von Pasqualati und zuletzt den freiherrlich von Hagenmüller’schen Erben. Das Nadlerhaus Nr. 282 (neu 20) % bildete eine Ecke vom Graben in die Naglergasse und bestand aus zwei Häusern, 2 ) deren eigen- thümliche Bauart ein mehr als 300jähriges Alter vermuthen, Hessen. Die hohen Dächer und , niederen Fenster, die Mauerbögen und Wandverzierungen contrastirten gar seltsam gegen ihre *) Die ältesten Besitzer des Hauses Nr. 170 waren: Andreas Spökhl, Camiuerdraxler des äusseren Rathes, 1445 Georg Goltperg, Sattler, I486 Hanns Goltperger, Licentiat der heiligen Schrift, Schulmeister zu St. Stefan, 1700 Thomas-Lang’s Erben, 1770 Rosina Kramer, Lebzelterin, 1783 Rosina Hauer, 1793 Mathias Hauer, 1798 Josel Freiherr von Hagenmüller. — Die ältesten Besitzer des*Hauses Nr. 171 aber waren: Thomas Lang, Handelmanns Erben, 1441 Helene Linhart, Neuschofer Wittib, 1434 Jacob Storch, Richter und Bürgermeister, 1494 Ludwig Storch (oder Starch), 1313 Hans (Jeder, Rath und Salzamtmann zu Wien, 1324 Marx Treitzsauerwein, 1339 Philipp Gundel, 1367 Doctor Johann Ambros Brassicani von Köelburg. 1589 dessen Erben, 1684 Thomas Lang’s Erben, 1700 Mathias Zimmermann, Schneidermeister, 1773 Carl Schütz, 1795 dessen Erben und zuletzt Jo> ef Freiherr von Hagenmüller, der obige beide Häuser, wie bereits erwähnt zusammenkaufte und in eines umbauen Hess. s ) Die beiden Häuser führten nach der ersten Häusernumerirung die Nummern 172 und 173, und c(as eine Haus (Nr. 172) gehörte im Jahre 1461 dem Jacob Storch und 1513 dem Meister Ludwig, das andere (Nr. 173) dem 136 Das Sparcassagebäude und die Entstehungs-Geschichte dieser Anstalt. moderne Umgebung. Sie hatten zwei Thoreingänge, den einen von der Naglergasse, den andern vom Graben. Das Eckhaus in die Naglergasse bildete das eigentliche „Habichaus" mit einem alten kaum bemerkbaren „Wandbild“, wie Jacob mit dem Engel ringt, und unter demselben die halbverwitterte Inschrift: „Jacob ruiuje mit öem äuget, öarumb mürbe tyme bec Harne Jfraet gegeben/' An der Grabenseite bemerkte man als „Hausschild“ zwischen dem zweiten und dem dritten Stockwerke ein Basrelief, das „2tuge @otte$" darstellend. Erst im Jahre 1770 wurden beide Häuser unter Maximilian Lechner in einen Besitz vereinigt und in derselben Gestalt in eines zusammengebaut, wie wir es noch vor Kurzem zu sehen gewohnt waren. Das Sparcassagebäude Nr. 567, 568, 572 (neu 21) bestand aus drei kleineren Häusern, ') die von der Direction der seit 1819 gegründeten „Spar- cassa“ 2 ) in den Jahren 1824, 1826 und 1827 angekauft, abgetragen und in der Zeit von 1835 bis 1839 in das imposante, weitläufige Gebäude zusammengebaut wurden, wie wir es Alle noch gegenwärtig kennen. Die Hauptfront ist gegen den Graben und die Seitenfront gegen die Tuchlauben gekehrt, die hier an ihrem oberen Ende früher ,, Spenglergas.se“ (unter bell Spenglern) genannt wurden. Caspar lilassing, kais. Hofbuchhalters (KdtöiciU’rs) Erben und im Jahre 1432 dem Michel von Mennerstorf, der es 1473 an Wenzel Schenkh (öie 5eit OTuntjmeifter ilt ©eftemicb unb bes rats, feinem Scpmeber) verkaufte. Nach Maximilian Lechner, Med-Dr„ der im Jahre 1770 beide Häuser in seinem Besitze vereinigte, folgten 1793 dessen Erben, 1806 Anton Hoff und später die Hoffschen Erben. Es führte seit den ältesten Zeiten im Grundbuche die Bezeichnung.' ,,71 Hl TioMniürft uttbern flaMern." *) Von den früher hier bestandenen drei Häusern war das mit Nr. 386 bezeichnete das bedeutendste. Es gehörte 1700 dem Moriz Bayer, Schnürmacher, 1775 Johann Baptist Bürge mit dem Schilde „3UHt jdjnxtrjen 'feltttb" und zuletzt 1806 dem Erasmus Danderlau. Mit diesem Hauptgebäude wurde das etwas kleinere Nr. 567 vereinigt. Es war ein Durchhaus, an dessen Gewähr 1700 Hof-Klampferer, Caspar Stockinger, 1775 Zinnschmied Zacharias Kreml, 1812 Laurenz Prüll und zuletzt 1822 Zacharias Pröll standen. Als Zubau wurde mit den beiden vorbenannten Gebäuden das Haus Nr. 572 vereinigt, deren Besitzer im Jahre 1700 Franz Ferner, äusserer Rath, 1793 Josef Parrath und 1806 Franz Edler von Bogner waren. 2 ) Die Anstalt führt den Titel: „Erste österreichische Sparcassa“ und ist schon deshalb besonders merkwürdig, da sie ursprünglich aus ganz kleinen Verhältnissen hervorging und in kurzer Zeit zu einer so riesigen, machtgebietenden Grösse emporwuchs. Um die Leser mit der Entstehungsgeschichte dieses ältesten Sparinstitutes Oesterreichs bekannt zu machen, will ich in Kürze die wesentlichsten Momente ihrer Entwicklung hervorheben. Die erste Anregung erhielt die Anstalt durch Grafen Saurau, damaligen obersten Kanzler und Minister des Innern, weichereinige Bürger der Leopoldstadt ermunterte, nach dem Vorbilde mehrerer bereits in England und in anderen Ländern bestehenden Anstalten eine ähnliche für Wien zu gründen. Der damalige Pfarrer Joh. Bapt. Weber, ein intelligenter, menschenfreundlicher, würdiger Priester, ein wahrer Patriot und Wohlthäter der Armen, nahm sich der Angelegenheit mit begeistertem Wohlwollen auf das Wärmste an und legte sogleich in seinem Pfarrlocale Subscriptionsbogen auf, um den nüthigen I*ond sicherzustellen, und brachte es auch wirklich dahin, dass binnen Kurzem 50 Namen edler, wohlhabender Bürger der Leopoldstadt die erste Subscriptionsliste bedeckten, so dass bereits am 19. August 1S19 die „Statuten“ veröffentlicht* und am 4. October desselben Jahrfs am Namensfeste des Kaisers Franz I. die Anstalt dem Publicum eröffnet werden konnte. Anfänglich waren nur Dienstag und Freitag als „Amtstage" bestimmt, an welchen Einlagen von den Parteien angenommen werden konnten, und das Gründungscapital erreichte blos die bescheidene Summe von 9159 fl. 48 kr. und die Partei- Einlagen im ersten Jahre nur 19.816 fl. 32 kr., also im Ganzen ein Verwattungsvermögen von nur 28.975 fl. 80 kr.; bald aber war tler Andrang der Parteien immer grösser und grösser und bereits im künftigen Jahre so bedeutend, dass man schon im Jahre 1821 das Amtslocal aus der Leopoldstadt ins „Deutsche Haus“ in der Singerstrasse verlegen und die Geschäftszeit von zwei auf drei Tage wöchentlich nnd später auf die ganze Woche ausdehnen musste. Alle lleissigen und^sparsamen Gewerbsmänner, Fabriksarbeiter, ja selbst Dienstboten drängten sich jetzt herbei, um ihre kleinen mühsamen Ersparnisse dem Institute anzuvertrauen. Der Credit nahm zu und das allgemeine Vertrauen steigerte sich so sehr, dass der Geschäftsverkehr immer bedeutendere, immer staunenerregendere Dimensionen annahm. Natürlich wurde auch das Amtslocale im „Deutschen Hause“ viel zu klein, und es mussten bereits in den Jahren 1824, 1826 und 1827 drei Häuser am Graben auf dem Licitationswege angekauft und in derZeit von 1835 bis 1839 umgebaut und für den Geschäftsverkehr eingerichtet werden. — Der wohlthätige, gemeinnützige Einfluss der Sparcassa auf das öffentliche Wohl, sowie auf die Sittlichkeit der einzelnen Familien blieb nicht aus und machte sich in immer weiteren und weiteren Kreisen bemerkbar und das Bedürfniss, ähnliche Anstalten auch in anderen Orten der Monarchie zu errichten, wurde immer lebhafter empfunden. Das Peilerthor. 137 Die übrigen Denkmale der Vergangenheit, die uns der Graben einst bot, und von denen einige wenigstens noch im Bilde erhalten blieben, sind folgende: Das Peilerthor, Dasselbe stand zwischen dem heutigen Sparcassagebäude und der Naglergasse und vermittelte so die Verbindung des Kohlmarktes mit der Tuchlaube. Wie eine Abbildung sub Figur 49 zeigt, war das Thor mit einem thurmartigen Gebäude gekrönt. Das hohe Spitzdach, die drei kleinen Fenster oberhalb des Thoreinganges und flas mit breiten Gesimsmauern umgebene Dachfenster verrathen das hohe Alter dieses Baues. Schon unter Alb recht 11. (1330) und Albrecht III. (1390) kommt dieses Thor unter dem Namen „Per>erertbor" (t»on „Petjemthurm") vor und behielt diese Benennung urkundlich bis ins XVI. Jahrhundert, wo es dann im Munde des Volkes in die Benennung pdler® und iSllljerthor überging. Es war wie alle anderen Stadtthürme Wiens aus dem Vermögen der Bürgerschaft erbaut und sonach Eigenthum der Stadtcommune selbst, die von dem Stadtthurm (der übrigens bewohnt war) Zinsen bezog. Nach alter Sitte hatten die „iSognet" t und „Pfeilf(Jmitter' v diesen Thurm bis zum Jahre 1361 ausschliesslich iff ' 4 Das Peilerthor ' ■ Schon im Jahre 1823 wurden in der Mitte der Residenz, und zwar in der Alservorstadt, in Michelbeuern, Breitenfeld, Hernals und Währing Filialen errichtet und im Jahre 1826 auch in Salzburg, Krems und Wr.-Neustadt. Die Zahl dieser Filialen steigerte sich schon im Jahre 1829 bis auf 43. Da aber eine Concentrirung des Geschäftes sich für heilsamer erwies, der Zweck der Commanditen übrigens auch bereits erfüllt war, so beschloss man endlich im Jahre 1840 die Auflösung dieser Filialen und im Jahre 1843 wickelten die letzten drei Commanditen in Brünn, Lemberg und Salzburg ihre^Geschäfte ab. Hiedurch stärkte sich noch mehr die Mutteranstalt; von'Jahr zu Jahr steigerte sich die Theilnahme des Publicums und die staunenswerte Vermehrung des Verwaltungsvermögens war die natürliche Folge davon. Schon mit Ende Juni 18S3 belief sich dieses „Verwaltungsvermögen" auf achtunddreissig Millionen (nämlich genau in Ziffern ausgedrückt auf 38,036.671 fl. 24 kr.) und lieferte, da Ziffern unerbittliche Richter sind, den schlagendsten Beweis, dass eine Anstalt, wenn auch aus noch so unbedeutenden Keimen entsprossen, dennoch durch streng rechtliche Gebarung und itlurch geordnete und umsichtige Verwaltung allen gerechten Anforderungen zu entsprechen und selbst auch die grössten Ziele zu erreichen im Stande sei. Wie vollkommen übrigens diese „Erste österreichische Spprcassa" ihre Aufgabe gelöst, wie schnell sie amtirte, wie sicher und nutzbringend sie die ihr anvertrauten Fonds anzufegen wusste, wie sicher und unerschütterlich sie ihn ihren Grundfesten seit jeher dagestanden, dies beweisen jene vielen siegreich bestandenen Stürme, denen sie in den Jahren 1830 und 1831, im Jahre 1841 und vorzugsweise in dem verhängnissvollen Jahre 1848 'ausgesetzt war und die nicht im Mindesten geeignet waren die Anstalt in ihrem Bestände zu erschüttern, sondern vielmehr beitrugen, ihre Existenz dauernd zu befestigen und daher als eben so viele Prüfsteine für die Trefflichkeit ihrer Organisation zu betrachten sind. Als nämlich gegen Ende Juli 1830 in Frankreich die Revolution ausbrach, verschwand mit einemmal der Geldüberfluss, die Staatspapiere kamen ins Sinken und bewirken in gleichem Verhältniss eine Erhöhung des Zinsfusses im Privatverkehre. Es entstand plötzlich ein Bedarf nach Bargeld,*und binnen drei Monaten mussten in der Sparcassa zwei Millionen als Rückzahlungen an Parteien geleistet werden. Die Auszahlungen, die sonst nur dreimal in der Woche geleistet wurden, fanden nun täglich statt, welche Verfügung dem Publicum mit dem warnenden Bemerken* bekanntgegeben wurde; „den „gegen die Sparcassa erhobenen böswilligen Gerüchten nicht so leicht und zum eigenen Nachtheile „der Partei Glauben zu schenken.“ Die weitern in der zweiten Hälfte des Jahres 1830 sich drängenden Weltereignisse übten ihre Wirkung auch auf das Verwaltungsjahr 1831 in einem beinahe noch höheren Grac?e aus. Die kostspielige Ausrüstung des Heeres im Beginn des genannten Jahres, das fortwährende Sinken der Curse der Staatspapiere, die Erleichterung des Einkaufes derselben, das Steigen der Disconti der Mercantil- und Staatseffecten, endlich vor Allem aber die in den östlichen Theilen des Kaiserstaates verheerend ausgebrochene und plötzlich inmitten der Residenz drohend auftretende Choleraseuche waren für viele Interessenten zwingende Monjente genug, um ihre bei der Sparcassa erliegende Einlage so schnell als möglich zurückzunehmen. Es wurden also in einem Zeiträume von zwei Jahren auf den Zahltischen der Sparcassa acht Millionen und dremialhunderttausend Gulden an die Einleger zurückbezahlt. Die Zeit der Besorgniss ging jedoch glücklich vorüber und das Vertrauen in die Sparcassa (welche sonach ihre erste Feuerprobe abgelegt) wurde in nichts erschüttert, sondern bewährte sich vielmehr in einem noch höheren Grade. Schon am Schlüsse des Jahres 1831 belief sich das . 18 138 Die Dreifaltigkeitssäuhj am Graben. allein zu bewachen. Als aber der „fttytttarjC loö" des XIV. Jahrhunderts viele Lücken in diese Stadtwache gerissen, befahl Rudolf IV. in der „Ibanöfejite" vom 20. Juli 1361, dass diese Pflicht der Bewachung allen Stadtbürgern auferlegt werden müsse. *) Unter Albrecht IV. wurde der Thurm 1426 ranovirt und seit 1565 als „buTgerlit^CS ©effmgnijj" benützt. Er blieb in dieser Eigenschaft als städtisches Eigenthum bis zu seiner im Jahre 1732 erfolgten gänzlichen Auflassung. In diesem Jahre befahl Carl VI. zur Erweiterung der Passage und um einen besseren Ausblick auf die Hofburg zu ermöglichen, dieses Stadtthor vom Grund aus abzubrechen. 3 ) t , Die Pestsäule am Graben. * Als im Jänner 1679 die Pest oder der „fdupat-jC lob", wie man diese schreckliche Seuche nannte*, in Wien zu wüthen begann, wurde im selben Jahre eine hölzerne Denksäule vom Magistrat errichtet und am 18. October feierlichst aufgestellt. Es war ein ziemlich schmuckloses Werk F.inlagecapital auf 5.954.007 fl. 30 kr., und bis zum’Jahre 1841 wiesen die Tabellen eine sttte Vermehrung des Einlagsvermögens aus. Eine im Monate Juli eingetretene Handelskrisis, der einige bedeutende Handelsfirmen am hiesigen Platzij zum Opfer fielen, riefen das durchaus unbegründete Gerücht hervor, dass die Sparcassa von schweren Verlusten bedroht sei. und veranlagten hiedurch aufs Neue einen Andrang an den Rückzahltisch der Anstalt, welcher so heftig einwirkte, dass schon in der zweiten Hälfte desselben Jahres allein 3,593.408 fl. rückbehoben wurden. Noch folgenreicher und ungleich wichtiger erwies siclj das über die Anstalt hereingebrochene Jahr 1848. Die Summe der in diesem Jahre an 117.178 Parteien zurückgezahlten Beträge betrug dreizehn Millionen (genau 13,072.841 fl. 42 kr.). Um dem so sehr erhöhten Begehren nach Rückzahlung entsprechen zu können, welches sich in dem 'genannten Jahre vorzugsweise in den ersten Monaten nach dem Ausbruche der Februarrevolution in Frankreich und so lange am lebhaftesten erwies, als die österreichische Nationalbank ihre Zahlungen in Silber nicht eingestellt hatte, hat die Sparcassa ihre Verleihungen von Vorschüssen auf Realhypotheken sistirt, den „Escompte“ bankfähiger Wechsel bedeutend eingeschränkt»und Sorge getragen, dass die auf Staatspapiere und Bankactien verliehenen Vorschüsse so viel als möglich flüssig gemacht werden. Auf diese Weise ist es der Anstalt gelungen, den schwersten Sturm, der seit dem Bestände derselben über sie hereingebrochen war, ohne Anstand und ohne irgend ein# Stockung in der Befriedigung der Parteien zu begleichen und hiedurch das in ihre Verwaltung gesetzte Vertrauen glänzend zu rechtfertigen. Zu diesem Behufe wurde insbesondere der Stand der Hypotheken durch Cedirung von Satzcapitalien an die Allgemeine Versorgungsanstalt oder an einzelne Privatpersonen vermindert und hiedurch bewirkt, dass der zu Ende des Jahres 1848 so sehr herabgesunkene mobile Fond im darauffolgenden Jahre auf nahezu 18 Millionen Gulden erhöht wurde. Das Jahr 1850 wurde gleichfalls für weitere Herstellung des nythigen Gleichgewichtes in der Verwendung der Fonds benützt und erst im Jahre 1851 die Verleihung von Darlehen auf Realhypotheken wieder aufgenommen und seither vorzugsweise begünstigt. Bei dem überreichen Schatz an Erfahrungen, welche der Sparcassa-Verein besonders in ;den hier erwähnten drei verhängnisvollen Epochen zu sammeln Gelegenheit hatte, kann derselbe nunmehr allen kommenden Ereignissen mit dem vollsten Vertrauen entgegensehen, denn es wird dasselbe von dem für den Verein so lohnenden Bewusstsein gehoben, das Wohl seiner Mitbürger nicht allein beabsichtigt, sondern auch durch treue Erfüllung von freiwillig übernommenen Pflichten ohne Absicht auf persönliche Vortheile wirklich nach Kräften gefordert zu haben. Ich schliesse nun diesen Gegenstand mit dem Bemerken, dass die ziffermässigen Daten aus den Originalacten und Rechnungen der Anstalt selbst entnommen sind, welche mir mit entgegenkommendster Bereitwilligkeit von der Geschäftsleitung zur Einsicht überlassen wurden, und wofür ich hiernyt meinen wärmsten Dank ausspreche. Eine eingehende weitere Auseinandersetzung über die innere Orga^iisatlbn der Sparcassa selbst und der mit derselben vereinigten Versorgungsanstalt aber, der ich seit 12 Jahren als Vertreter der Gesammttheilnehmer nach §. 6 der Geschäftsordnung vorzustehen tjie Ehre habe, würde zu weit führen und den Rahmet^ dieses Werkes zu weit überschreiten, als dass der Gegenstand, so interessant er auch ist, hier besprochen werden könnte. *) Die Handfeste von Rudolf IV. vom 20. Juli 1361 sagt: „Don 6cm lobe rnbSterben, 6a 3 in beit oerlourten jaren 6a firenge gemein ift, folle allen Aürgertt 6as miener Stabtpsimlegium 6er 35en>a4>iing obtte Ausnahme auferlegt irer6en." Vide das Werk „Oesterreich unter Rudolf IV.“ von Kurz, wo auf Seite 365 diese „Handfeste“ vollständig abgedruckt ist. J s ) An das Peilerthor knüpft sich noch eine geschichtliche Reminiscenz. Im Jahre 1690 hatte nämlich eine Mandolettitfäckerin Namens (Edrilie Stapf ih$en Bäckerladen urkundlich an diesem Thor u. zw. gegen die Seite des heutigen Sparcassagebäudes. Sie war durch ein köstliche* Gebäck berühmt geworden; die Wiener nannten es nach ihr „(Eilli-- tugeln", und lange Zeit galt es als Leckirbissen. Dreissig Jahre später gab sie ihrem Gebäck^ eine wesentliche Verbesserung, indem sie es besonders zu Faschingszeiten mit eingesottenen Früchten füllte, daher die vornehme Welt diese Kuchen auch „Faschingskuchen“ und da ihr Name, „tüdcilie Stapf," schon stadtkundig war, nach ihr auch „^afc^ingsfrapfen" nannte, welche Benennung dann die Oberhand gewann und sich seitdem in Wien und In ganz Europa einbürgerte. Die frühere hölzerne Denksliule. - Die Predigt des P. Abraham a Santa Clara. 139 mit hohem Postament, auf wllchem neun Engel und vier lateinische Inschriften sich befanden und in der Mitte eine schlanke Säule emporragte, auf welcher die Dreifaltigkeit thronte. ’) Diese hölzerne „Dreiialtigffitöiäule" sollte aber noch einmal berufen sein eine Rolle .zu spielen, ehe sie für immer von diesem Platze verschwand. Ein Jahr nach ihrer Errichtung fanden sich nämlich die niederösterreichischen Landstände bewogen, eines ihrer«erhebendsten Dank- feste, welche je in Wien gefeiert wurden, an den Stufen dieser Dreifaltigkeitssäule zum Danke für das Verschwinden der Pest abzuhalten, oder, wie sich damals die Geistlichkeit auszudrücken pflegte: „5ur gnäöigeu Nbwenbuug 6er über uns uerbängten kbwereit Straff 6er Peft eine proceffion atijUtMcti." Die Geistlichkeit war nämlich damals bemüht nicht blos zu beweisen, dass die Menschen grosse Sünder seien, sondern hauptsächlich, dass Gott zur Strafe für so viele Laster und Sünden, für ihre Ueppigkeit und Völlerei, ihren Hochmuth und ihre sinnlichen Gelüste die Pestseuche über sie verhängt habe, um sie zu bessern; und weil nun die Menschen in sich gegangen seien, und weil sie als sichtbares Zeichen ihrer Reue diese Dreifaltigkeitssäule errichtet hätten, so habe auch Gott ihnen verziehen und die Strafe von ihnen gewendet. Durch diese und ähnliche Vorstellungen wurde das Volk begreiflicher Weise gehorsam, gutwillig, gefügig, ein wahrhaft blindes Werkzeug des überlegenen Geistes. So kam der 17. Juni 1680, an welchem Tage dieses denkwürdige Fest veranstaltet wurde, und man am Graben eine feierliche Procession und ein gesungenes Hochamt veranstaltete. Und wieder war es also der Graben, der jetzt mit hundert Schwibbögen und Triumphpforten herausgeputzt und mit zahlreichen Blumenkränzen und Guirlanden umflochten, einem Zaubergarten glich, dem Düfte und Wohlgerüche entströmten gleich den blühenden Gefilden Tibets und Schwas’. Die Sonne erwärmte und beglänzte alle diese buntfarbigen Herrlichkeiten mit ihren glühendsten Strahlen, und ein wolkenloser Himmel lächelte freundlich hernieder auf die glücklichen Menschen, die sich nun aus so überschwerer Pein, aus so namenlosem Elend emporgerafft. Schon um acht Uhr Früh versammelte sich die Geistlichkeit mit den Landständen im Stefansdom, und um neun Uhr begann der feierliche Umzug und die Procession zur Dreifaltigkeitssäule, wo der Jesuitenpater Jellenschitz eine Predigt hielt und Nuntius Franciscus Bonvisius ein gesungenes Hochamt celebrirte, während auf zwei aufgestellten Chören zahlreiche Musikanten ihre Posaunen und Trompeten fröhlich erschallen Hessen und die daneben aufgestellte Stadtguardia dreimal die Salven abfeuerte; und Abends, als bereits die Dämmerung eintrat und die Nebelschleier, von der blutroth untergehenden Sonne gefärbt, sich zu senken begannen, hielt Abraham a Santa Clara gegen acht Uhr an den Stufen der Säule eine seiner ergreifendsten Predigten. Nie floss beredter das zündende Wort von seinen Lippen, nie schlug seine donnernde Stimme kräftiger an das Ohr der athemlos lauschenden Menge, nie schlichen seine lispelnden Schmeicheltöne sanfter in die Herzen der andächtigen Hörer als diesmal. Jede Sylbe erhielt Fülle und Nachdruck, jedes Wort fiel mit Wucht und Schwere nieder, und aus jedem Satze schien ein neues Bild hervorzuschauen. Die Rede hatte den originellen Titel: „Merks Oesterreichs Bürgerschaft“ und erschien später als Brochure beim Universitätsbuchhändler Peter Paul Vivian und machte nicht geringes Aufsehen. Der Zufall spielte mir vor einigen Tagen dies seltene und kostbare Büchlein in die Hände, und sein origineller Titel lautet folgendermassen: „(Defterreits Deo gratias, bas ift eine auefübrlite Beitreibung eines f)od>fcienlid>en Danffejtes, weites 3 U rt5ptx'^lgUt|frtt auj^Tuijttv’i^eÜti gk’flauc'f 1( . 1). '„Ote ut fcticwT i'VrOin truj A]?rmnuA)cnz>rai)f.itgtimnji)t. F.öor Oafat z .XJtni fern ff n a ufvjc fufirtfXljtJr für So OJtujtarnJm. (iurtt oid'Tromlw.tfvm Fi P. Xbrabatu, 2Iuguftincr Barfüßer un5 i Battferliifycn Prebiger. ©eörucft 51 t lüieit in art mobl perait. ünö norfpang non ©ofbe Silbrain peeber nttb tiugcrleitt 2Us maus ttnnijcbcn lnolöe." so hat sich auch durch alle Wechselfälle des Lebens sechs volle Jahrhunderte hindurch die schöne christlich fromme Sitte der „lüd^ltatfyisfdei-" bei den Wienern unverändert in dem sogenannten „Weihnachts-“ oder „Krippenmarkte“ bleibend erhalten, und die stille, heilige, salbungsvolle Weihnachtszeit mit all’ ihren kindischen Freuden, überraschenden Erwartungen und Ueberschwänglich- keiten war den Wienern von jeher ganz besonders theuer und ehrwürdig. Als mif Beginn des XVIII. Jahrhunderts die Nothwendigkeit einer Verkehrserweiterung am Graben eintrat, befreite man denselben von allen seinen lästigen Buden und Verkaufsständen und verlegte auch den Krippenmarkt seitdem auf den Hof. Doch büsste er auch hier nichts von seiner alten Herrlichkeit ein, , ^ 7 vielmehr nahm er bei gesteigerter Bevölkerung'und Luxus an Glanz und Grossartigkeit zu. Mit dem Verschwinden der Verkaufsstände hat der Graben seine frühere Bestimmung verloren und mit derselben auch eine andere Benennung erhalten; überhaupt änderte sich im Laufe der Jahrhunderte sein Name häufig und nahm die Benennung nach den Gegenständen an, die hier feilgeboten wurden . 3 ) *) Nicht zu verwechseln sind diese „©lücfsbäkn" mit jenen, die aus besonders festlichen Anlässen auf städtische Kosten aufgestellt wurden, wie z. B. der efste diesfalls bekannte vom Jahre 1563 bei Gelegenheit des Einzuges Kaiser fllanmUian’3 II., der besonders reich dotirt war, wobei die Silberkleinodien allein schon nach der städtischen Aufschreibung den Werth von 5633 Pfunden bezifferten, eine für die damalige Zeit gewiss hohe Summe, ln dieser Urkunde heisst es wcjrtlich: .„Slaictfen, Itanbl mb IrinfgeKbtrr, ein Silbrein groß Iu’ltcrjCicf>Utnc IPieitö („6$a(k 6(()lt/*, und 64>att3") vom Jahre 1701 werden beide Benennungen: „Notl)--" oder „Untere Sräutterftrage" aufgeführt. Eine vielleicht aus der Epoche der Babenberger herrührende Capelle der heiligen iSrigitfa (Sancta Briguia) hatte dieser Strasse ihre älteste Benennung „Srigifrcttftragc" verliehen. Aber die damals allgemein übliche Uebersetzung des lateinischen „Brigida“ in das deutsche Wort „Breida“ dürfte die damalige st rata sanctae Brigüiae in Prcgöcnftragc verwandelt haben. Im Laufe der Zeit hatte sich jedoch die Prcijöenftrajgc im Munde des Volkes in das abgekürzte Wort Prciltftrage und zuletzt wieder in PreilterftragC umgeändert. Die in der letzten Corruption wurzelnde heutige „Bräunerstrasse“ würde daher wohl kaum mehr ihren früheren Ursprung von „Brigitta" errathen lassen. Die Habsburgergasse hiess noch vor Kurzem Obere Bräunerstrasse zum Unterschiede von der weiter unten gelegenen „Unteren Bräunerstrasse“. Die heutige „Spiegelgasse“ hiess „Kleine £orot(>eerga)je" oder „Läuter St. Torotbea" auch ,/feiutcrgaije". kleinen Häuser des Freisingerhofes die Mehlverschleisser, und dieser Theil des Grabens hiess sodann „ItfcttläCilC“ oder „Unter öcit SHelbertt“. welche Benennung bis gegen 1630 verblieb. Nach dem ©h<6irctlictipiiccb von) Jahre 1418 gab es vierzig solcher „Bäckertische“. Auch wurde hier mehrmals das sogenannte „35dcferf(bupfen“ in Anwendung gebracht, eine originelle Strafe für gewissenlose Bäcker, die zu kleines Brod erzeugten. Ebenso stand hier ein altes „Kreuz“, auf welches nach der „Bäckerordnung“ vom Jahre 163a betrügerische Bäcker gespannt wurden. Im Laufe der Zeit kam der „Brodmarkt“ auf den „Neuen Markt“ und seit 1621 erscheint der Graben als „TlicmartU. Mit Beginn des XVIII. Jahrhundertes eihielt der Graben abermals eine neue Bestimmung als „gruitcr ÜTiirtt“, welche Eigenschaft er beinahe durch ein Jahrhundert beibehielt. Als solcher zeigt er sich auch auf unserem Bilde sub Figur 44 und in dem Buche „Vienna curiosa" vom Jahre 1720, wo es heisst: „Murr 6cm ol, IBas mau fiur notturft hüben foll, Bon ruhen, Rrebn, Rraut peterfil, 6alat bas ganh, jar, finbt man nil, Xll Sing ift in eint rechten Rhauff!" ‘) Die Ansicht der Peterskii che mit dem sie umgebenden Stadttheil ist der grossen Vogelperspective von Hufnagel entnommen, von welchem das einzige meines Wissens glücklich erhaltene Blatt im Besitze der k. k. Ilofbibliothek in Wien sich befindet. a ) Mit dem Jahre 1399 beginnen die ersten verlässlichen Urkunden über den Bau der Capelle zu Ehren des heiligen Valentin. Der Bau scheint aber sehr langsam vor sich gegangen zu sein, denn noch im Jahre 1419 werden in den Urkunden milde Beiträge zu diesem Bau genannt mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass diese Capelle nicht nur dem heiligen Valentin, sondern auch der heiligen Jungfrau und den beiden Heiligen ItOSmüv und Vamiatt geweiht werden sollen. Im Jahre 1421 dürfte diese Capelle fertig geworden sein. 3 ) Fuhrman sagt in seiner „Beschreibung von Wien“, II. Theil, I. Band, pag. 40ö: Es scheint die alte Peterskirche eben so klein gewesen zu sein, wie noch jetzt die uralte St. Ruprechtskirche ist, lag tief in der Erde und man musste beim Eingänge über einige Staffeln hinuntersteigen etc. 19 * Fig, tf‘2. Die Peterskirche aus dem Jahre 1732. 148 Die Peterskirche aus dem Jahre 1732. £ S.S.. tTuuuu W.We fpm mm MM hSÄ-N; mmm ">S'& »i 5## 1i ä^ 5 V 11 S 5 a* ' ks>.: gsa.' mm ki fKSSsfe rzßii | j££?ijr niuhi\M £ ,\V %. ^v^iPTDe* n >■ * .r j,< Sr i>u r izuuiuwiuimntim ■iv*m ajfaar*? D>'cSi»i^rariis® ■•t «-Jh-flitHE wN*va.*a ' • ••• •; ? •ÜfnUHitis s^M «<•* WFz K-T-'b v - :'.gj S®£ 4 %-.*'■■ ,T ' Die restaurirte Peterskirche 1 ■mä iDD'bDDlDiUD'fl n iSaoüaüoaöQB naoa Die restaurirte Peterskirche. 150 Die neuere und neueste Peterskirche. Gegen Ende des XVII. Jahrhundertes war die alte Peterskirche bereits sehr baufällig, auch für die Masse der Andächtigen viel zu klein. Kaiser Leopold I. beschloss daher den Neubau nach einem neuen, grossartigen Plane auszuführen. Mehrere Wiener Bürger steuerten hierzu beträchtliche Summen bei und am 30. Juni 1702 legte der Kaiser feierlichst den Grundstein zu dem neuprojec- tirten Gotteshause, und man schritt nun mit regem Eifer an den Bau. Die Form der Kirche sollte an die gleichnamige Peterskirche in Rom erinnern; den Bauplan lieferte der berühmte Fischer von Erlach, den Bauriss zeichnete Jankei, und Baumeister Franz von Cischini führte den Bau aus. Zehn volle Jahre dauerte die Arbeit, und als im Jahre 1712 Maurer, Steinmetze und Zimmerleute fertig waren, erhielt 1713 der damals hochangesehene Maler Johann Freiherr von Rothmayer, Schüler Carlo Loth’s, den Auftrag, die Kuppel und die Capellendecke al fresco zu malen. Die Gewölbdecke des Chores wurde dem Anton Bibiena, Schüler Carlo Cignani's aus Bologna (der zwischen 1657 bis 1743 blühte), zur Ausführung übergeben, die Altarbilder malten der berühmte Altomonte, Georg Schmid, Reen und Scosianni. Johann Gaymüller leistete die „Marmorirung“, Albert Camesini die „Stuccaturarbeiten“ und Steidl die „Zeichnung der Ornamente“.') Endlich wurde im Jahre 1730 der Hochaltar vom kaiserlichen Hofarchitekten Bilbena ausgeführt und die Arbeit im Jahre 1732 vollendet, so dass am 17. Mai 1733 die Kirche von Cardinal Erzbischof Kolonitsch feierlichst eingeweiht wurde. Die neue Kirche hatte wohl ein imposantes Aussehen, wie sie in Fig. 52 sich uns darstellt, aber sie entsprach äusserlich doch nicht vollkommen allen Ansprüchen, namentlich das Portal der Hauptfront war zu düster und gedrückt, die beiden Eckthürme standen nicht im harmonischen Einklänge mit den übrigen Theilen, der Thüreingang war zu niedrig und ärmlich, kurz man beschloss einen Umbau zu schaffen, der der Würde des Ganzen mehr entspräche. So bekam denn die neue Kirche nach sechs Jahren abermals eine neue und diesmal edlere Gestalt. Die ganze Vorderseite z. B., die bisher als Rohziegelbau (d. i. ohne Anwurf) dastand, wurde im Jahre 1734 ganz neu hergestellt. Die Thüren, früher nur rohgezimmert und niedrig, wurden erhöht und schöner ausgeführt, das bogenförmige unansehnliche Fenster ober dem Haupteingange beseitigt, die beiden Seitenthürme mit prächtigen Kuppeln gekrönt und im Jahre 1756 das neue Säulenportal aus grauem Marmor mit jenen herrlichen vom Bildhauer Knoll modellirten Figuren geziert, wie wir dieselben noch heute zu bewundern gewöhnt sind. In Fig. 53 bieten wir den Lesern eine Ansicht der restaurirten Peterskirche, wie sie noch heute besteht. Auch die „innere“ Ausschmückung hielt mit der „äusseren“ gleichen Schritt und es sind hier mehrere Kunstwerke vorhanden, die besondere Erwähnung verdienen. Die Kunstschätze der Peterskirche im Innern. Den ersten Rang behaupten hier unstreitig die herrlichen Fresken der Kuppel von Rothmaier. Die Malweise dieses Künstlers ist hier äusserst wirkungsvoll, die Farbentöne sanft und milde gestimmt. Farbenprächtiger und weit kräftiger im Tone sind wohl die wunderschönen Fresken an den Wölbungen der Chordecke von Anton Galli von Bibiena. Leider ist hier die Beleuchtung weniger günstig als jene bei den Rothmaier’schen Fresken, die schon durch das aus der Kuppellaterne gleichmässig ausströmende Licht in der Farbenwirkung weit mehr gehoben werden. Der Hochaltar ist mit vier Marmorsäulen geziert, welche den Bogen tragen und zwischen denen zwei lebensgrosse schöngeschnitzte Figuren'stehen. Ober dem Tabernakel befindet sich die „heilige Dreifaltigkeit“, eine fleissige zierliche Schnitzarbeit; das Hochalfarblatt, den heiligen Petrus *J Nach den Kirchenrechnungen sind die Preise, die man an die Künstler und Handwerker ausbezahlte, so gering, dass diese Honorare wohl den damaligen Zeitgeist hinlänglich bezeichnen. So erhielt z. B. Steidl für das Zeichnen der Ornamente 60 fl.; Camesini für die ganze Stuccaturarbeit 450 fl.; Gaymüller für die Marmorirung 1480 fl., nur dem Maler Rothmayer wurde die halbwegs anständige Summe von 3000 fl. ausbezahlt, Der alte Pfarrhot. — Das Hubliaus. 151 darstellend, wie er Kranke heilt, ist von Martin Altomonte.' 3 ) Von demselben sind auch tfie Altarblätter der nächsten zwei Seitenaltäre. Sie gehören den • besten Arbeiten dieses Meisters an und lassen die römische Schule Bacizo's des XVII. Jahrhundertes kaum verkennen; alle Vorzüge und Fehler sind hier mitvererbt; die Breite der Composition, die allzu realistische Auffassung und zu geringe Vermittlung der Mitteltöne. Die zwei folgenden Altarbilder sind von Rothmaier und Sconians und die zwei letzten von Altomonte und Reen, der „Tabernakel“ von Nitt und Moll. Interessant ist das Grabdenkmal der uralten Bürgerfamilie der „64)attait3er" einer Familie, die sich von den Tagen Albrechts V. bis in jene Ferdinands I. fortpflanzte und zu den verdienstvollsten erbgesessenen Patriciergeschlechtern der Stadt zählte. Links vom Haupteingange das Grabmal H)oIf 6er lia(m im Spiegel ftfyaui" (heute eine elegante Strohhutniederlage). Sie spielten das beliebte „alla mora“. Es waren zwei echte „Wällische“ (wie man sie damals nannte). Sie gesticulirten so lebhaft mit den Händen und schlugen so kräftig mit den Fäusten drein, dass ein vis-a-vis im Oppenheimer’schen Hause zufällig unter der Einfahrt stehender Jude, der dort bedienstet war, sich des Lachens nicht erwehren konnte. Dies bezogen die beiden Spazsa cammini auf sich und nahmen es gewaltig übel. Es kam zum Wortwechsel, an dem mehrere Schusterjungen, Schlossergesellen aus der Nachbarschaft, sowie auch vorübergehende Bediente und Haiducken theilnahmen und gegen die Juden sogleich Partei ergriffen. Sie nahmen den in der Nähe sitzenden Höckerweibern die Eier vom Stande weg und bewarfen die Fenster des Oppenheim’schen Hauses damit. Der anwachsende Haufe belustigte sich jetzt, hetzte den Pöbel noch mehr gegen die Juden und die allgemeine Erbitterung stieg so weit, dass man das Oppenheim’sche Haus zu stürmen begann. Die einige Schritte hievon auf der Peterswache befindliche Stadtguardia verhielt sich dabei ganz ruhig und theilnahmslos. Der johlende Haufe aber sprengte jetzt das zur Noth verrammelte Thor und drang in das Haus ein, plünderte die Oppenheim'sche Wohnung und Magazine, erbrach die Geldkasten und Schränke, warf Bücher, Schriften, Uhren, *) Laut Grundbuch hiess das Haus nach einem gleichnamigen Schilde noch im Jahre 1700 „JUtn 25auent= öantj" und gehörte damals den Jakob Ilutter’schen Erben; 177ö Johann Gotteschnick von Domeslau; 1783 Franziska Koderneck; 1795 Franziska von Stock; 1806 Josefa von Ransonet; 1822 Maria Clara Freiin von Kansonet; 1828 Johann Gerber, hierauf Carl Maria und Eduard Gerber. 20 154 Die Judenverfolgungen in Wien und die alte Judenstadt. Silbergeräthe und Waaren durch s Fenster auf die Strasse hinab, wo die brüllende Menge sie auffing. Die zu Tode bedrohten Juden hatten sich mittlerweile in die Keller geflüchtet. Oppenheim selbst soll (wie die Geschichte seines Hauses erzählt) sich in dem rückwärtigen Theile des untersten Kellers hinter,-Fässern versteckt haben. Endlich kam ein kaiserlicher Befehl an die Burgwache, den Pöbel zu vertreiben. Das Militär rückte nun an, es wurde „Feuer“ commandirt und Todte und Verwundete bedeckten den Boden. Man entfernte die Leichen und brachte die Verwundeten in das sichere Winkel des Eisgrübels. Die abgekühlte Menge verschwand zwar rasch, aber Abends schlichen sich neuerdings Pöbelhaufen und Neugierige herbei. Da wurden auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers Leopold I. Kanonen aufgeführt, worauf sich die Excedenten wieder zurückzogen. Die Untersuchung wurde gegen die Schuldigen eingeleitet, die beiden Rauchfangkehrer und ein Schwertfeger Nachts aus den Betten geholt, vor das Stadtgericht gebracht. Schon in den ersten Morgenstunden wurden alle drei an den Fenstergittern des argverwüsteten Hauses aufgehängt. Erst gegen Abend wurden die Leichen, die Sühnzeichen des beleidigten Gesetzes, die Urheber jener grässlichen Frevelthat, abgenommen und in aller Stille begraben; auch hatte sich der Tumult für immer gelegt und in die beruhigten Gemüther zog wieder jener scheinbare Friede, jene künstliche Ruhe ein, die nur auf den Lippen, aber nicht im Herzen der Menschen lebt, denn der Hass gegen die Juden wucherte seitdem fort wie glimmende Kohle unter heisser Asche und war nicht mehr zu bannen. ') Die Regierung verlegte zwar eine Abtheilung der Rumorwache in das Oppenheim'sche Haus, setzte ebenerdig eine Wachstube in Permanenz, schloss den Bierhauskeller auf längere Zeit, entschädigte gelegentlich auch Oppenheim auf Eugens Fürbitten wenigstens theilweise für die grossen Verluste, die ihn trafen. Aber trotz alledem konnte Oppenheim selbst sich nicht wieder erholen und der plötzlich hereinbrechenden Handelskrisis nicht mehr genügenden Widerstand leisten. Schon nach drei Jahren musste er seine Zahlungen einstellen, und im Jahre 1703 wurde über sein bedeutendes Vermögen der Concurs verhängt, der viele Handelsfirmen mit sich hinabzog und die ganze Wiener Kaufmannswelt, wie nicht minder den Staat selbst in nicht geringe Verlegenheit brachte. So endete Samuel Oppenheim der Hofjude, so endete ein Mann, der als der reichste im Lande galt, mit dem sich Niemand messen konnte, als Werthheimer der Hoffactor, den einige Jahre später das gleiche Schicksal ereilte. Die Judenverfolgungen in Wien und die alte Judenstadt. Die alte Judenstadt, das alte „Ghetto“ (vom talmudischen Worte „get“, Scheidung) hatte in ältesten Zeiten in Wien eine grosse Ausdehnung. Sie erstreckte sich durch die ganze Wipplingerstrasse, Färbergasse, Ledererhof, Schulhof, Currentgasse, Schultergasse bis wieder hinauf in die Wipplingerstrasse. Dieser grosse Häusercomplex beweist, wie mächtig und einflussreich damals die Stellung der Juden war. Sie waren des Herzogs Kammerknechte, unterstanden unmittelbar seiner Gerichtsbarkeit, hatten einen eigenen Judenrichter und einen selbstständig gewählten Gemeindevorsteher (den Vorstand der ^JubettjCdtc")- Ihre Stadt war von jener der Christen vollkommen abgesperrt, was besonders ihrem Gemeindewesen zu Gute kam. Denn alle Anstalten befanden sich im abgesperrten Rayon, so z. B. das Judenwirthshaus in der Wipplingerstrasse, der alte Judenfleischhof an der Stelle des heutigen bürgerlichen Zeughauses, der Judengarten an der Mauer der Karmeliterkirche, die Cantorei (oder das Cantorhaus) am Schulhof, die Synagoge, das Spital und vor Allem aber die alte grosse Judenschule am heutigen Judenplatz. Die Stadt hatte vier Judenthore, eines am Anfänge der Wipplingerstrasse (d. i. am Ausgange gegen den Hohenmarkt), ein zweites an der Hohenbriicke, ein drittes am Ende der Färbergasse gegen den Hof, ein viertes (worüber jedoch die *) Nach den amtlichen Erhebungen, welche damals gepflogen wurden, belief sich der Schaden, der damals den Hoffactor Samuel Oppenheim traf, auf beiläufig 100.000 Gulden. Vide: Geschichte Wiens von Tschischha, Seite 360. Das Haus „zum silbernen Vogel“. 155 Urkunden fehlen) am Ausgange des Schulhofes in den Hof. Die etwas schmutzigen schmalen Gassen hatten keine eigene Benennung, man nannte sie im Allgemeinen „JubengafleiU, nur die Häuser führten den Namen des jeweiligen Familienoberhauptes. Allabendlich bei einbrechender Dämmerung wurden die Thore von den „JubeiUPädffcnt" mit ängstlicher Sorgfalt geschlossen, nur am Freitag etwas früher, weil da bekanntlich die Sabbath- feier beginnt, der sich Alle mit um so rückhaltsloserer Frömmigkeit hingaben, als sie gewiss sein konnten, dass kein Späherauge der Christen sie belausche, oder ihre heiligen Ceremonien störe. Und wenn dann die Thore richtig verschlossen waren und in allen Häusern die Lichter brannten und in Mitte der nächtlichen Stille aus hundert und hundert Kehlen die frommen Gebete wie Choräle emporstiegen zum Himmel ihres „alten Jehova“, da hatte dieses dumpfe, unverständliche Summen und Murmeln etwas Unheimliches, Gespensterhaftes, das bis Mitternacht währte und mit dem zwölften Glockenschlage verstummte, als ob hier nicht Menschen, sondern Geister wohnten. Alle diese Herrlichkeit aber hatte mit dem Jahre 1421 ihr jähes Ende erreicht, es kam die letzte grosse Judenverfolgung, die grosse Vertreibung der Juden aus Wien! Ihre Thore und Mauern wurden niedergerissen, die Judenhäuser unter die Christen vertheilt, die Urkunden, Verträge und Schuldscheine öffentlich verbrannt und die Erinnerung an das alte grosse „Ghetto“ für ewige Zeiten ausgelöscht, um nie wieder zu erstehen. Seitdem gab es wohl noch mehrere Judenverfolgungen, wie z. B. unter den Ferdinanden und unter Kaiser Leopold I., aber immer wurden sie vertrieben und immer kamen sie wieder zurück, doch jedesmal in gedrückter, abhängiger Stellung; und selbst durch das so hochgepriesene Toleranzpatent Josefs II. waren sie nichts mehr als geduldet. Selbst Maria Theresia, die gütige aber fromme Kaiserin, theilte die Ansicht über die Juden mit ihren Zeitgenossen. Wie sie über dieselben dachte, mag wohl folgendes Beispiel am treffendsten erweisen: Eines Tages konnte sie es nicht verhindern einen Juden in Audienz empfangen zu müssen; es handelte sich hier um die Existenz von nahezu 1000 Juden aus Prag, sie liess also den Bittsteller zu sich kommen. Da sie aber von einem Juden nicht einmal angesehen werden wollte, stellte sie sich hinter eine spanische Wand und der Bittende musste jetzt zitternd seine Ansprache an die spanische Wand richten. So blieben denn die Verhältnisse unverändert bis in die Mitte des XIX. Jahrhundertes, bis endlich im Jahre 1848 eine neue „Freiheitssonne“ emporstieg, die mit ihren goldigsten Strahlen auch diese Finsterniss durchbrach, um humaneren, menschenwürdigeren Anschauungen Platz zu machen. *) Das Haus „zum silbernen Vogel“ Nr. 609 (neu 14) bildet eine Ecke vom Peter in die heutige Freisingergasse. Zu Anfang des vorigen Jahrhundertes lebte hier ein reicher Goldschmied Namens Zacharias Feull, der daselbst sein Gold- und Silberwaarengeschäft schwungvoll betrieb, dieses Haus im Jahre 1700 ankaufte und (seinem Metier entsprechend) „jttnt filberneit t>ogri" beschildete, wie es auch im Grundbuche verzeichnet erscheint. Seit dem Jahre 1775 aber ging das Haus auf andere Besitzer über und verlor auch für *) Angesichts der heutigen „antisemitischen Bewegung“, die jetzt in Wien so hohe Wellen schlag^, ist jedes Capitel über die „Juden“ interessant und zeitgemäss. Man kann gegen sie sagen, was man will, man kann Argumente gegen sie Vorbringen, welche man will, Eines doch steht fest: „Wenn ein Volk, das durch fast 2000 Jahre auf das Grausamste und Blutigste verfolgt wurde, dennoch nicht aulgehört hat, ein ganzes, ein einiges, ein racehältiges Volk zu sein, so muss doch ein „gesunder Kern“ diesem Volke innewohnen;“ und dieser Gedanke allein schon gibt uns genügenden Stoff zu ernsten und sinnigen Betrachtungen; und in der ihat, die Juden sind und bleiben das merkwürdigste Volk in der Geschichte; und wenn man die Symbolik ihres Stammes, die Symbolik ihrer Sprache versteht, darf man sie wohl in einem gewissen Sinne auch „das auserwählte Volk Gottes“ nennen. Ich werde daher bemüht sein, an geeigneten Stellen die Begebenheiten ausführlich zu besprechen, die sich auf die Geschichte der Juden in Wien überhaupt und insbesondere auf ihre ehemalige „judenstadt“ und ihre einzelnen Verfolgungen beziehen. 20 * 156 Die „Peterswache“. — Das „Eisgrübel“. immer seine frühere Bezeichnung. Die überaus schmale und steile Wendeltreppe, der niedere Thoreingang, die vielen kleinen Dachwohnungen, die alle noch heute bestehen, besonders aber der rückwärtige altersgeschwärzte Theil des Hauses, der mit dem „Eisgrübel“ ein schmales Gässchen bildet und diesen Platz von einer Seite abschliesst, gibt dem Gebäude ein ehrwürdiges, wiewohl russiges Aussehen und lässt auf sein hohes Alter schliessen. *) Das alte „Wachstübel“ am Petersfreithof war ein Vorläufer der späteren „Peterswache“ und befand sich ehemals am rückwärtigen Theile der alten Peterskirche angebaut, wie wir selbes noch in Figur 51 sehen. 8 ) Es waren daselbst zwei cSä’l»nldll t)Cl : 25urgerfcl>flft (zwei Abtheilungen) untergebracht. In den Stadtrechnungen vom Jahre 1602 wird bereits dieses sogenannten „JDatfyftÜbeP gedacht. 3 ) Erst im Jahre 1701, als der neue Kirchenbau projectirt war, wurde es auf den gegenüberliegenden „ftaftterplaj)"’ (oder „(ERgritbel") transferirt; das neue dem städtischen Wachdienste gewidmete Haus wurde äusserst zierlich in geschmackvollem Style mit zwei Seitenflügeln und einer offenen Balustrade erbaut, gross genug, um 150 Mann der damaligen !KluncFltKl$£ („Stadtpolizei“) unterzubringen, die täglich um 12 Uhr Mittags mit „pift’U" und „feeliebßrbeiP' die Wache bezog. Vor der Wachstube befand sich damals ein langer Waffenschrank und querüber vier Kanonen (Feldgeschütz), wie wir sie in Figur 52 deutlich bemerken. Viel später und zwar etwa um das Jahr 1800 erst geschah der Aufbau der späteren Wachstube (Nr. 15), wie wir sie unseren Lesern sub Figur 5",,l U I l ' . ,, '■(' l 1. ,i m ; ,■\ i.', m ■, \r--V\\ ,TV 1 ’ RYjV 11 fei W«fa m tl! '• ; \\ \ V' \ :4 „■ k " ' 1 > ,!,! v mmm fe pfeife-": ISil^ij j ®¥KJ 1 w ’-rmfM 54. Der Petersplatz mit der „Peterswache 158 JJas Eisgrübel. V jfgfii hii'v/,''', V FifJ. 55, Das Eisgrübel. die später wieder verschwand, um den Eisverkäufern Platz zu machen; und in der That wird dieser Ort in den Wiener Stadtgrundbüchern schon im Jahre 1559 „unter Öen (Eignern" genannt. * *) Später diente derselbe (bis zum Jahre 1701) als Verkaufsplatz für Töpferwaaren, daher er in Weiss- kern’s „Topographie“ als „(Eöpfcr- marft", auch , /hinter bem Jrrcifmgerbof" vorkommt. Beifolgende Abbildung sub Fig. Si 5 versinnlicht uns das „Eisgrübel“ in seiner heutigen und dennoch alterthümlichen Gestalt, und obwohl seit länger als hundert Jahren hier kein Eis verkauft wurde, hat sich dennoch der Name bis heute unverändert erhalten. ') Von den übrigen dem Hauptein - gange der Kirche zugewendeten Häusern, welche die Nummern 1 bis 5 umfassen, sind in jüngster Zeit elegante Neubauten erstanden. An der Stelle des heutigen Hauses Nr. 4 stand vor fünf Jahren noch das altberühmte „6(lmecfent>aU6' v , dessen Name sich von dem bis in die jüngste Zeit hier bestandenem alten Sch necken markte herleitet. Das alte Schneckenhaus Nr. 612 (neu 4) wurde im Jahre 1789 von Anton Zahlbruckner angekauft, der hier ein renommirtes Bierhaus „Zur Schnecke“ gründete, das in kurzer Zeit populär wurde und eines der beliebtesten alt- *) Schon zu Ende des XV. und durch das ganze XVI. Jahrhundert wurde hier der Eisverkauf massenhaft betrieben, denn der grosse Eleischverbrauch und die vielen in der Nähe (am Graben) befindlichen Fleischbänke machten ein Eisdepot hier noth wendig. Heute existiren bereits überall, wo es Fleischhauer oder Wirt he gibt, auch Eiskeller oder tragbare Eisschränke. In den modernen Bierschänken besonders darf das Bier mit Eisfrische nicht fehlen. Ganz anders verhielt es sich früher damit, als Wien noch so viele Keller besass, dass die Geschichtschreiber Aeneas Sylvius und Bonfin behaupten konnten, „die Wienerstadt sei eben so tief unter der Erde als über derselben gebaut.“ In den vielen Ißpernctt des Mittelalters gaben diese tiefen, aus Stein gebauten Kellerraume dem Getränke jene natürliche, liebliche und gesunde Kellerfrische, die noch heute die echten Feinschmecker und Bierkenner der künstlichen „Eiskühle“ vorziehen. Damals gab es freilich noch kein „Eisbier“, daher auch noch keine Gedärmentzündungen (Darmkatarrhe), ein Pathengeschenk unserer sonst so aufgeklärten, vor Schaden sich bewahrenden Zeit. *) So unansehnlich auch dieses kleine viereckige „Eisgrübel plätzch en“ erscheinen mag, so war es dennoch schon mehrmals von der Vorsehung avisersehen, eine wichtige Rolle zu spielen; so z. B. wurden hier im Jahre 1679 zur Zeit des „grojjett Sterbens" ({cfynwrjer (Eob) die Leichen aufgeschichtet, um von hier aus in die Pestgruben überführt zu werden. Am 21. April 1706 während des Oppenheim’schen Tumultes reichte man hier den Schwerverwundeten die erste ärztliche Hilfe, Das alte Schneckenhaus. 159 renommirten Bierhauser Wiens war. Wie merkwürdig gross damals der Zuspruch der Gäste in den Bierhäusern Wiens überhaupt war, erklärt sich hauptsächlich aus dem Umstande, dass zu jener Zeit das Pfeifenrauchen auf öffentlichen Orten (Cigarren gab cs noch nicht) verboten war, man daher nur in den Bierhäusern dem Genüsse des Tabakrauchens mit voller Lust sich hingeben konnte. Es ist uns ein altes Bild erhalten geblieben, das im Geschmaeke damaliger Zeit eine Gesellschaft von Bierfreunden darstellt, wie sie sich dem Genüsse des Biertrinkens und Das Bierhaus yzur Schnecke“. Kartenspielens im ersten Stocke des Schnecken-Bierhauses hingeben. Das Bild in Fig. ■'>(> bringt uns interessante Details von Rauch- und Trinkgeräthen; cs belehrt uns z. B., dass damals die „Thonpfeifen“ sehr beliebt waren und jeder Stammgast bereits sein Thonpfeifchen und Bierkrügelchen an der Wand hängen hatte. Schliesslich muss noch hier ober dem Thoreingange eines den ersten Nothverband; im Jahre 1848 wurden die auf den Barricaden Verwundeten hier in Sicherheit gebracht; kur/, die schützende natürliche Lage des Platzes bot schon oft den bedrängten Wienern eine schirmende Zufluchtsstätte. Das sub Fig. 55 beigegebene Bild zeigt uns links den rückwärtigen Theil der ehemaligen „Peterswache“, wo sich bis zum Jahre 1854 die Stallungen des Cav.illerie-Feuerpiquets und ein kleiner Xothstall für Pferde einiger berittener StabsofTiciere des Kriegs - ministeriums befanden, jetzt aber als Magazin für die Denk’sche Porzellanhandlung benützt werden. Die Gewölbe der dem „Peter“ zugekehrten Seite sind gegenwärtig von einem Kaufmann, der Musikalienhandlung Lewy und einer Rasirstube besetzt, ln den beiden erstgenannten Gewölben war die Peterswache bis zum Jahre 1855 untergebracht. Die jetzige Rasir- stube bildete das ehemalige Officierszimmer dieser Wache. Rechts itn Bilde sehen wir die beiden alterthümliehen vierstöckigen Häuser, die mit dem rückwärtigen Hart’schen Gebäude den Platz abtchliessen. Als besonderes Curiosum verdienen jene beiden pfeilgeraden, kaminartigen „Mauervorsprünge“ hervorgehoben zu werden, die wir im Hintergründe des Bildes an der Front des Hart’schen Hauses deutlich bemerken, und die vom obersten Dachstuhle bis zur Erde hinabreichen. Es sind dies jene Canalschläuche, die bereits durch mehr als 200 Jahre im Gebrauche stehen und keine Spur von Feuchtigkeit an sich tragen. Unsere modernen Baumeister könnten sich da ein lehrreiches Beispiel nehmen. Auch soll sich ein tiefer Keller hier befinden, der an die „Katakomben“ des ehemaligen „Stefansfreithof“ stösst. 160 Das Lagusiushaus „zum Pilati“. — Historische Vorfälle am Petersplatz. alten schöngearbeiteten Steinbildes erwähnt werden: die Gottesmutter mit dem in ihrem Schoosse ruhenden Heiland darstellend, das leider mit dem Hause spurlos verschwand. Das Lagusiushaus '„zum Pilati“ Nr. 570 (neu 6 und 7) erhielt im Jahre 1822 von seinem Besitzer Georg Edlen von Lagusius das Schild „zum Pilati“ und hatte bis zum Jahre 1837 hier ein beliebtes Gasthaus. In neuester Zeit wurde es niedergerissen, wobei in den Grundfesten acht Klafter tief die alte Stadtmauer zum Vorschein kam. Vor wenigen Jahren war an diesem Hause bekanntlich noch ein uraltes Schild „SUltt fcbroarjCIt liunb" zu sehen, an das sich eine historische Erinnerung knüpft. *) An der Ecke befand sich am selben Hause eine eingemauerte Kugel mit der Jahreszahl „1683“, und bei dem Bombardement am 11. und 12. Mai 1809 gerieth dieses Haus in Brand und brannte vollständig ab; das hierauf neu aufgebaute Haus (in welchem sich vor einigen Jahren die elegante Restauration „Breying & Möbus“ befand) musste vor fünf Jahren abermals einem modernen Neubaue weichen, der gegenwärtig Eigenthum der österreichischen Sparcassa ist. 2 ) Durch das Hineinrücken dieses neuen Hauses wurde das alte Jundferngü^ett bedeutend erweitert und gewährt gegenwärtig vom Graben aus auf die „Peterskirche“ einen imposanten Ausblick. Noch vor Kurzem war es so schmal, dass zwei Schwiebbögen die beiden gegenüberstehenden Häuser verbanden. Diese Schwiebbögen gaben auch Veranlassung zu einer alten Sage, von der einige Chronisten den uralten Namen „JttngfctHgäpcbcu" ableiten wollen. 3 ) Historische Vorfälle am Petersplatz. Im Jahre 1444 wagten die empörten Wiener gegen das alte „IHjetylHttfwuö" neben dem Pfarrhofe einen Sturmangriff, weil der hier wohnende Hubmeister der Partei des Kaisers Friedrich getreu anhing. Der erhitzte Pöbel warf Steine auf das Haus und schickte sich bereits an, selbes nie- derzureissen, nur den begütigenden Vorstellungen des Stadtrathes gelang es, die erregte Menge wieder zu beschwichtigen und zum friedlichen Auseinandergehen zu bewegen. Bei dieser Gelegenheit erlitt auch die Peterskirche erheblichen Schaden. ’) Als Kaiser Friedrich im Jahre 1462 von den aufständischen Wienern in seiner Burg belagert und vollständig eingeschlossen war, klagte eines Tages die Kaiserin Eleonore, dass sie nicht mehr Brod genug für sich und den kleinen Prinzen zu essen habe. Da erbarmte sich der TboffcbttCtber JtrOnbcrget' dieser Noth, liess siah des Nachts in einem Korbe über die Mauer an einem Seile hinab und brachte Lebensmittel in die Burg. Bei dieser Gelegenheit aber wäre er von den Aufständischen beinahe entdeckt worden, da fing er, um sich zu retten, plötzlich wie ein Hund zu bellen an. Seine List gelang und zum Danke dafür schenkte ihm der Kaiser, als der Aufstand niedergeworfen war, dieses Haus, welches Kronberger zur Erinnerung an seine glückliche Errettung „ 3 U 1 tl Butlü im Rorbc" benannte, aus welchem später der Name , ,311m fdurarjCIt entstand. Vide: Hormaver’s „Geschichte Wiens“, 1. Jahrgang 3. Band, 2. Heft, Seite 194, und Geusau, 3. Band, Seite 89 und 90. s ) Die ältesten Besitzer waren laut Grundbuch: im Jahre 1684 Regina Seitz, 1700 Franz Carl Ferner, Stadt- und Landgerichtsbeisitzer, 1775 Johann Steger, 1783 Maria Magdalena Steger, 1822 Josefa Edle von Lagusius und Griesinger. a ) In diesem Hause (Nr. 570) wohnte nämlich ein bildhübsches, aber leichtfertiges Mädchen Namens ,. = Sr0!t)I3it‘ < . Ihr gegenüber hatte der Stadtrath Stefan jfttlogl(r seine Behausung, dessen Sohn, ein schmucker Junge, die gedachten Schwiebbögen immer als Brücke benützte, um seiner liebreizenden Nachbarin Besuche zu machen. Einmal kletterte er wieder des Nachts im betrunkenen Zustande über diese „Schwiebbögen“, als sein Vater ihn erblickte und ihm eine Drohung zurief. Erschreckt hierüber, verlor der Junker das Gleichgewicht, stürzte hinab und brach das Genick. Der Vater machte hierauf der Dirne den Process und sie musste öffentlich Kirchenbusse thun. D*ese Sage will, dass man von daher das Gässchen das ,,lei(t)tjxnnige Jttngferngdffd" und später das „ Jungientgdßcficn*' schlechtweg hiess. Eine andere Version ist aber folgende: Seit ältesten Zeiten waren die beiden Häuser, welche die Gasse bildeten (sowie auch noch heute), ohne Eingang, unzugänglich wie eine brave Jungfrau, daher die etwas biderben Vorfahren dem Gässchen den seltsamen Namen Jungferngasse beilegten. Vide: Albert Wiesinger’s „Geschichte der Peterskirche“, Seite 90. Historische Vorfälle am Petersplatz. 161 Zur Zeit der zweiten Türkenbelagerung (1683) wurde die Stadt sehr hart mitgenommen. Am empfindlichsten traf sie der Nahrungsmangel, und die Noth stieg in den letzten Tagen des August und Anfangs September so hoch, dass am Peter die „Sa^aien' 1 ' (wie sie der Volkswitz scherzweise nannte) als kostbarer Leckerbissen um theueres Geld in aufgestellten Ständen verkauft wurden. Es waren dies gewöhnliche Katzen, die man von den Hausdächern und aus den Kellerwinkeln einfing und dann gespickt, wiewohl roh, theuer verkaufte. ‘) Nur die. reichsten Bürger konnten sich Sonntags einen solchen Luxusbraten erlauben und mussten es gerne dulden, dass die kluge Hausfrau darob erzürnte, wenn aus dem vielversprechenden „Dac^alciP* sich nicht selten ein alter, zäher Kater entpuppte. Der „Kaninchensport“ war damals leider noch nicht erfunden. Am 5. Juni 1688 begann zum ersten Male die allgemeine Stadtbeleuchtung in allen Strassen der innern Stadt. Zu diesem Behufe wurden den Hausbesitzern die Lampen für die Strassenlaternen von Seite des Magistrates unentgeltlich beigestellt, jedoch anfänglich mit der Verpflichtung, dass sie die Lampenfüllung mit Unschlitt täglich selbst gegen Bezahlung beim Städter ler er zu besorgen hätten. Dieser Oelerer befand sich am Peter in einem der Häuser rückwärts hinter der Kirche, wo er ein Verkaufsgewölbe hatte. Hier mussten diese Lampen täglich am Morgen zur Reinigung und Füllung überbracht und Nachmittags abgeholt werden. Dieser Vorgang war natürlich sehr umständlich und lästig, und es gab anfänglich mancherlei Streitigkeiten und Gezänke, denn der Andrang vor dem Oelererladen war sehr gross, und jeder wollte zuerst bedient sein. Der Oelhändler aber, ein pfiffiger Mensch, wusste diesem Uebelstande alsbald auf die einfachste Weise abzuhelfen; er gab nämlich einer jeden Partei einen Zettel, auf welchem er Namen und Nummer (von eins angefangen) verzeichnete und dann die Parteien in arithmetischer Reihenfolge aufrief Wer zu spät kam, musste warten, bis die Andern, welche die Reihe tra£ abgefertigt waren. Diese Einführung verschaffte ihm alsbald Ruhe und zugleich ein solches Ansehqn, dass er sogar in den Stadtrath gewählt wurde. ‘ Im Jahre 1698 bei Gelegenheit des ^Umbaues des Engelhofschen Hauses (heute Nr. 10) stiess man bei den Erdgrabungen auf eine Menge Menschengerippe, die von dem früher hier weitausgebreiteten Friedhofe herzurühren schienen und grosses Aufsehen erregten. Am 29. October 1702 trat hier ein bedauerlicher Unfall ein. Leopold I. erschien nämlich mit seinem Hofstaate und vielen hohen Würdenträgern vor der Kirche (die eben im Baue begriffen war), um einer feierlichen Procession zur heiligen Dreifaltigkeitssäule beizuwohnen. Die Bretter, womit der tiefe Baugrund bedeckt war und über welche mau in die Kirche gehen musste, brachen plötzlich zusammen, und fünfzig Personen, unter Andern auch Hofcavaliere und Pagen, stürzten in die Tiefe. Fast alle waren verwundet, einige sogar getödtet, selbst Erzherzog Carl befand sich nur einen Schritt weit von diesem gefährlichen Abgrunde; nur Wenige kamen mit dem Schrecken und argbeschmutzten Kleidern davon. 2 ) • Im Jahre 1762 wohnte am „Peter“ beim jetzigen Eisgrübel ein frommer, gottesfürchtiger Kaufmann Namens Josef Peisser, welcher eines Abends, als man eben „Ave Maria“ läutete, im Keller etwas zu thun hatte und bei dieser Gelegenheit einen Topf mit Goldmünzen fand. Weil man nun gerade zum Gebet läutete, so betrachtete er dies als Fingerzeig Gottes und mächte von dem ganzen gefundenen Golde eine Stiftung für einen Beneficiaten der Peterskirche. 3 ) ‘) Vide: Schimmer’s „lViens Belagerungen durch die Turken“. Wien, 1847, Seite 431, und Schimmer’s „Das alte Wien“, I. Theil, 1. Heft, "■Seite 19. ») vide.- Geusau’s „Geschichte Wiens“, IV. Theil, Seite 208 und Fuhrmann’s „Geschichte Wiens“, II. Theil, Seite 1219. ») Vide: „Geschichte der Peterskirche in Wien“, Seite 110, von Albert Wiesinger, Curat-Beneficiat bei St. Peter. Derselbe erzählt, es habe ihm dieses Factum ein Johann Peisser v. Wertenau aus Trient geschrieben und Wiesinger sei selbst der letzte Beneficiat dieser Peisser’schen Stiftung. 21 VI. CAPITEL. I Der neue Markt. lach der „neue Markt“ zählt zu den aljthistorischen Plätzen der Stadt und erhielt schon zur Zeit der vierten und letzten Stadterweiterung (1269 bis 1 1277) unter Ottokar seine heutige Gestalt. *) Seit frühesten Zeiten wurde hier j der Mehlhandel betrieben, daher der Platz früher „Mehlmarkt“ hiess, wie er noch heute im Volksmunde genannt wird. — Ein interessantes Bild aus dem Jahre 1600 sub Figur 57 belehrt uns, wie dieser Platz damals ausgesehen. Er hatte dieselbe Ausdehnung wie heute, doch mit kleinen, unansehnlichen Häusern, wovon nur die Mehlgrube und das damalige gräflich Taxis’sche, jetzt fürstlich Schwarzenberg'sche Palais eine Ausnahme machten. Die Stelle des»Kaj)uzinerklosters nahmen noch drei kleine Privathäuser ein. Der Bürger- spitalslfeller (jetzt Hotel Meissl) existirte bereits, auch ein kleiner Brunnen mit einem Wasserstrahl. Nur vermissen wij noch die Kapuzinergä#te» und Wirtschaftsgebäude, an deren Stellen sich damals der Schaumburger-, Altenburger- und Sekkauerhof breitmachten und wie nicht minder der Garten des Grafen Kuefstein. a ) Eine andere treffliche Ansicht des neuen Marktes Von Delsenbach, wovon ich hier sub Figur 58 eine gelungen^'Copie liefere, * * 3 ) gewährt uns durch die genaue Versinnlichung der Gebäude, wie auch durch seine reiche Staffage ein gleich hohes Interesse. Wir sehen auch aus dem Bilde, dass damals an der Stelle des heutigen grossen 0 Schon im Jahre 1220 formirte der neue Markt urkundlich einen wirklichen „Stadtplatz“ („forunt novum" genannt), doch war sein Umfang noch um die Hälfte kleiner als heute, da noch die Stadtmauer (zur Zeit der dritten Stadterweiterung) mitten durch den neuen Markt lief, nämlich von der Plankengasse quer über den Platz durch die heutige Donnergasse und Hiinmelpfortgasse. Erst, unter Ottokar, zwischen 1269 und 1277 (als bei Gelegenheit der vierten und letzten Stadterweiterung die alte Stadtmauer abgerissen und weiter südlich verlegt wurde), erhielt der neue Markt Gestalt und Umfang von heute. 3 ) Die Originalzeichnung vom Jahre 1600 befand sich im Besitze des Herrn Theodor Karajan, wovon Schimmer’s „Häusercbronik“ 1840 eine gelungene verkleinerte Copie liefert. Aus diesem Bilde entnehmen wir auch, wie sich zwischen dev hinteren Häuserreihe des Mehlmarkts und dem Kuefstein’schen Garten die „Hungergasse“ als Fortsetzung der Seilergasse fortzog, wie das Schönkirchen’sche Haus sich an den Kuefsteinschen Garten anschloss, und wie die „Badei gasse“, spätere Spiegelgasse auf einer Seite aus einer langen Gartenmauer bestand. ^Der Zugang vom gräflich Taxis’schen Hause zu dem Bürgerspitalsplatze (jetzt Lobkowitzplatz) war sehr schmal und wurde später durch die neugebildete „Kapuzinergasse“ ersetzt. Die Stelle des heutigen Lobkowitz-Palaisnahmen noch viele kleine Häuschen ein, von denen wir einen Theil rechts im Bilde bemerken können. 3 ) Das Bild aus dem Jahre 1719, gezeichnet von J. lim. Fischer v. Erlach, gestochen von J. A. Delsenbach, 31‘6 Cm. breit und 21T Cm. hoch, Eigenthum der Stadtbibliothek, versinnlicht uns eine jener Schlittenfahrten, wie sie damals vom kaiserlichen Hofe hier abgehalten zu werden pflegten. Ein mit sechs Pferden bespannter grösserer Schlitten, mit einem Musikcorps besetzt, eröffnet den Zug. Hierauf folgen die einzelnen Schlitten, muschelförmig gebaut und nur einen Sitzplatz für eine Dame enthaltend; jeder Hofcavalier steht hinter seiner Dame am Wagenbrett und lenkt das Pferd, welches mit Draperien und Federbuschen reich herausgeputzt ist; auch die Schlitten sind mit prächtigen Gold- und Silberknäufen kostbar geziert. Der „alte Mehl markt“. — Der Donner’sche Brunnen. ir»;i Brunnens ein kleiner stand, der später ein reichverziertes, oben geschlossenes Gitter erhielt. Dieser Brunnen wurde urkundlich schon 1562 gegraben, später aber in der Nähe des Fürst Schwarzenberg'schen Palais ein zweiter errichtet, aus dem vier grosse Wasserstrahlen sich ergossen. Int Jahre 1635 wurde letzterer durch eine Säule verschönert und die Spitze mit einem Adler gekrönt. So blieben beide Brunnen, wie wir sie auf unserem Bilde sub Figur 5S sehen, bis zum Jahre 1738 unverändert, worauf der kunstsinnige Kaiser Carl VI. den einen beim Schwarzen- berg’schen Palais abtragen, den andern aber vergrössern und mit wahrhaft kaiserlicher Munificenz mit den herrlichen Figuren Raphael Donners schmücken Hess, ein Meisterwerk ersten Ranges, das unsererseits die pietätvollste Beachtung verdient, nicht blos seines inneren Werthes, sondern auch seiner künstlerischen und besonders kunsthistorischen Bedeutung wegen. ('haosisrh ii i i i i i (II I I I I Hl TTlSTt ■ I I II II II ■ttlil •AXcofonutt - •- . Ai! II II • »ur^spifäIkeIl.eT -JLXf ■ i i im ii i iii i'*> ■ ■ ■ i i im i i i • i«ii ■ 111 Hlijp^ggasS rBnr^feT SpitaT = ~ Platz nH—i 1 1 1 11 1 1 1111 llll i i i i i Jtrribur-A «er>- flof. B ■ r < r lanAiMmp i iekkaui H«r. ., , 1 p. SIL#- Fhj. 57 Der neue Markt ini .Inlire 1600. Der Brunnen am neuen Markt. Dieser Brunnen zählt zu den vollendetsten Schöpfungen Raphael Donner’s (Schülers Giuliani’s). Die zarte Innigkeit, die Anmuth des Ausdruckes, die Klarheit der Motive, die edle Durchbildung in den Linien und Contouren reihen diese Arbeit überhaupt den besten Meisterwerken Vor jedem Schlitten zwei Stallmeister mit langen Stangen: jedem Pferde sind seitwärts zwei Käufer mit Peitschen beigegehen. Auf dem Bilde sind achtzehn Schlitten sichtbar, womit jedoch der Zug noch nicht zu Ende ist, denn noch immer scheinen andere aus der Seilergasse (wahrscheinlich vom Graben her) einzubiegen, wahrend der erste nach dreimaliger Umkreisung des Platzes sich der Klostergasse nähert, um hier durch die Augustinergasse über den Josefsplatz die Burg zu erreichen. Der bei dieser Gelegenheit entfaltete ausserordentliche Prunk, die zahlreichen Zuseher. die verschiedenen Trachten jener Zeit geben dem Bilde ein erhöhtes Interesse. tiff. 5S. Schlittenfahrt am neuen Markt im Jahre 1719. Schlittenfahrt am neuen Markt im fahre 1719, El ras k ? mi ssH^ » j s . I 1 Per Donner’sche Brunnen am neuen Markt. H 35 « .!JoSe Hl 166 Der Donner’sche Brunnen. der Wiener Kunstepoche an. Wie uns das Bild sub Figur 50 zeigt, befindet sicli in der Mitte des Brunnens auf erhöhtem Sockel die Göttin der „Klugheit“; vier Knaben, wasserspeieude Fische in den Armen haltend, umgeben dieselbe, während vier lebensgrosse Gestalten an der niederen Brüstung des Brunnenkranzes in anmuthigster Stellung gelagert die vier österreichischen Flüsse „Enns“, „Traun“, „Ybbs“ und „March“ repräsentiren. Die Grossartigkeit der Composition, gleichwie die künstlerische Ausführung des Details gehen hier Hand in Hand und lassen uns den hohen Werth dieses Werkes, das auch in kunsthistorischer Beziehung von Interesse ist, nicht verkennen. Vor Allem muss es uns Wunder nehmen, wie sehr Donner in diesem Werke durch Kraft und Naturwahrheit seinen Zeitgenossen vorausgeeilt war. Wer nur halbwegs mit den Kunstwerken und dem Geschmacke der damaligen Zeit (der Brunnen wurde am 4. November 1739 zur öffentlichen Benützung übergeben) vertraut ist, der wird es wissen, dass die Künstler sich damals nur in schnörkelhafter Umständlichkeit, schablonenmässiger Uebertreibung und Verlogenheit gefielen; die ganze Kunstepoche kränkelte an dieser allgemeinen Geschmacksverirrung. Auch Donner war anfangs dem Zopfstyle vollkommen verfallen, und seine Jugendarbeiten beweisen es sattsam. Welch weiten Weg musste daher Donner durchgemacht, welchem Läuterungsprocesse sich unterzogen haben, bis er endlich zu jener hohen Vollendung gelangt war, die uns in den Brunnenfiguren mit so grosser Deutlichkeit und Sicherheit entgegenleuchtet, und die ihm als unerreichtem Meister eine bleibende Erinnerung in der Kunstgeschichte unseres Vaterlandes bewahrt. Wir müssen uns aber auch zugleich wundern, wie ungerecht die damaligen Kunstrichter mit ihm verfuhren, da sie seine Werke nicht sonderlich schätzten, sondern dieselben einem Canova, ja selbst dem Berliner Sehletterer nachsetzten, obgleich weder seine Zeitgenossen, noch seine Nachfolger ihn je erreichen konnten. Mit Wehmuth muss es uns daher erfüllen, wenn wir bedenken, dass dieser verdienstvolle Mann während seiner langen Künstlerlaufbahn vom Glück wenig begünstigt, in kümmerlichen Verhältnissen lebte und nach einer Reihe von Bitternissen und kummervollen Enttäuschungen mit Zurücklassung bedeutender Schulden (1741) starb. ’) Interessant ist auch die Bemerkung, dass der damalige Unverstand in Beurtheilung sittlicher Fragen und jene Prüderie, jene Zimperlichkeit des Schamgefühles sich so weit verirrte, die nackten Brunnenfiguren für anstössig zu halten, so dass man dieselben wieder nach 32jührigem Bestände im Jahre 1770 auf Befehl der Kaiserin Maria Theresia abtragen und ins bürgerliche Zeughaus ins Materialdepöt werfen musste, von wo man sie dann dem Bildhauer Fischer als blosses Bleimaterial zum Einschmelzen übergab, damit sie ihm für seine nächsten Arbeiten dienen mögen. 5 ) Fischer erkannte aber neidlos ihren hohen Werth und leistete eine rettende That, indem er für ihre Erhaltung wacker sprach und sie auch wirklich nach 37 Jahren, im Jahre 1801, wieder mit Sorgfalt aufstellte. Ihm allein hat man es sonach zu danken, dass dieselben 1872 in Bronzeguss abgeformt, nun erst in voller Kunstreinheit uns heute wieder neu erstehen konnten. 1 ) Der herrliche Brunnen im Rathhause in der Wipplingerstrasse, das schöne Crucifix in der Hofcapelle, zwei wenig bekannte Basreliefs im Belvedere, die Porträtbüste des Grafen Althan in der k. k. Akademie, Christus und die Samariterin am Brunnen, ein Marmorrelief und als Gegenstück Hagar und Ismael, beide Eigenthum des allerhöchsten Kaiserhauses, die Bronze-Porträtbiiste des Hugo Altgrafen Salm; Pieta, ein Relief, Eigenthum des Edmund Grafen Zichy, sie alle sind unschätzbare Werke dieses hochverdienten vaterländischen Meisters. Die Commune ehrte sein Andenken, indem sie das Gässchen, welches zwischen Hotel Munsch und Meissl die Verbindung des neuen Marktes mit der Kärntnerstrasse herstellt, nach seinem Namen „Donnergasse“ benannte. * * *) Unsere^ Ansichten über das „Nackte“ in der Kunst sind wohl beute ganz andere, ganz verschiedene, vielleicht auch richtigere, denn die Darstellung schöner Leiber hat in der -Kunst ebenso ihre volle Berechtigung wie die Schilderung der schönen Natur, vorausgesetzt wenn sie modest ohne Speculation auf die Sinnlichkeit geschieht und namentlich in die „Mythologie“ oder „Allegorie“, kurz in das goldene Zeitalter der Dichtung verlegt wird. Während Hetärenmalerei und Sculptur aller Art unter allen Vorwänden schlechterdings zu verwerfen ist, diente die Darstellung schöner Leiber von jeher und zu allen Zeiten bildsam und die edlen, rein künstlerischen Interessen bestens fördernd. Auch hat die „Moral“ nichts mit der „Kunst“ zu schaffen. »t Das Bauer’sche und GcisenholPsche Ilaus. — Das Haus „zu den sieben Schwaben“ und Hotel Meissl. 167 Bei Besprechung der Häuser, die hier den Platz umgeben, beginne ich mit jenen, ‘die sich auf unserem Bilde siib JPlgur 58 auf der linken Seite befinden. Das Bauer’sche Haus Nr. 1049 (neu 1) trägt deutlich den Geschmack und den Stempel seiner Zeit. Die weitvorspringenden Gitterfenster, die beiden Aufzuglöcher und die hölzernen Laubengänge mit dem vorspringenden Dach, die den Händlern .und Krämern damals zum bequemeren Verkaufe dienten und den Handwerkern nicht selten Gelegenheit gaben, ihre Profession gleichsam öffentlich, d. i. auf offener Strasse, auszuüben, geben uns einen deutlichen Begriff von der wiewohl praktischen, doch keineswegs schönen Bauweise jener Zeit und von den patriarchalischen Zuständen jener Epoche, wobei es die Vorübergehenden nicht im Mindesten genirte, wenn z. B. ein Wagner vor dem Hause „Räder“ verfertigte, oder ein Steinmetz seine Steine behaute. Die Wiener waren in der Regel gutmiithig genug, nichts einzuwenden, wenn ein Professionist durch die Ausübung seines Gewerbes die ohnehin schmalen Gassen für die Vorübergehenden völlig unpassirbar machte. Unsere heutigen Zeitgenossen würden eine solche Verkehrsstörung weniger nachsichtsvoll hinnehmen. — Im Jahre 1710 wurde dieses Haus mit seinen beiden kleinen Nachbarhäusern in Eins verbaut u. zw. in derselben Gestalt, wie wir es noch heute sehen; auch befand sich hier die „Hofapotheke“ des Günther von Stern egg, und wurde im Jahre 1766 die „hölzerne“ Laube durch eine entsprechende „steinerne“ ersetzt, die noch heute besteht. ') Das Geisenhoffsche Haus Nr. 1050 (neu 2), aus zwei kleinen Häusern in Eins zusammengebaut, trat etwas weiter in die Front zurück, hatte lange Quergitterfenster, weit in die Strassen reichende Dachrinnen und verdankt seinen Namen dem Hans Georg Geisenhoff, Goldschläger, der das Haus aus zwei kleineren zusammenbauen liess. Gegenwärtig ist Fürst Liechtenstein Eigenthümer. * 2 3 ) • •*Das Haus „zu den sieben Schwaben“ Nr. 1051 (neu 3) war ein schmales zweistöckiges Gebäude mit hohem Spitzdach und weiten Aufzugtluiren. Der älteste nachweisliche Besitzer war 1684 Johann Baptist Romanini, Auch diese* Haus bestand früher aus zwei kleineren Häusern, welche die Nummer 1101 und 1115 führten und von $ Adolf Röder, „'BOfbingktjev," im Jahre 1700 in Eins zusammengebaut wurden. 3 ) Das Hays „zum blauen Hirschen“, heute Hotel Meissl Nr. 1052 (neu 4) wird schon urkundlich im Jahre 1600 als Keller des Bürgerspitals erwähnt, in welcher Eigenschaft es bis in neueste Zeit verblieb und zum Besten der Stiftung als Zinshaus benützt wurde. Es *) Die Eigenthümer dieses Hauses waren laut Grundbuch: im Jahre 1710 Thomas Strasser, Sattler- meister; 1766 Elisabeth Günther von Sternegg. Hofapotheker; 1787 dessen Erben; 1828 Josef Rebham und August Eerdinand Döpper; 1833 Josefa Rebham. später Josefa Bauer; zuletzt war es Eigenthum eines gewissen VVitta, von dem es gegenwärtig Profes:or Josef Bauer käuflich an sich gebracht. 2 ) Laut Grundbuch war im Jahre 1700 Georg Geisenhoff der Besitzer des Hauses, der dasselbe im Jahre 1773 an Jo V nn Neuf, Kupferamtsoflicier, verkaufte, worauf dann 1820 Josef Pigl an die Gewähr kam. Die beiden kleinen Häuser, welche früher hier standen, führten bei der ersten Hüusernuinmerirung die Conscriptionsnummer 1078 und 1100. Die ältesten Eigenthümer von Nr. 1078 waren: im Jahre 1684 Andreas Fleischer und 1700 Andreas Fleischer und Riemers selige Erben; 1786 Magdalena Imberin; von Nr. 1100 jedoch waren im Jahre 1684 Johann Peter Rausch; 1700 Hans Georg Geisenhoff; 1775 Johann Neuf; 1806 Johann Michael Neuf und 1820 Josef Pigl. 3 ) Die ältesten nachweislichen Besitzer waren: 1684 Johann Baptist Romanini; 1700 Adolf Röder, 'bojf» 3itKjic£cr; 1775 i Georg Pichler, Oebstler; 1783 Magdalena Pichler; 1806 Therese Pichler; 1820 Magdalena Pichler; 1828 Therese Pichler; 1833 Therese und Magdalena Pichler und später Josefa Schnitzer. Der gegenwärtige Besitzer is< der Kaufmann Teller. I 168 Das Stitrmer’sclie Haus. — Die Mehlluken oder Mehlgrube. — Die Ahnenbälle. bestand ursprünglich aus zwei Häusern mit der Nummer 1102 und 1116 und wurde bereits im Jahre 1700 von Johann Widmann ("damaligem Hausbesitzer) in Eins zusammengebaut. In diesem Jahre erhielt es auch das Schild: „5uiU blßUt’n IMtJd)," das erst in neuester Zeit von diesem Hause verschwand. Die Hauptfront reicht in die Kärntnerstrasse, mit der Seitenfront bildet es die Donnergasse, frühere öpitfilsgßfte, weil sie zum Spitalsplatz führte. ‘) Das gräflich Stürmer’sche Haus Nr. 1053 (neu 5) war noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts ein wenig ansehnliches, dreistöckiges Gebäude mit zwei hohen Spitzdächern, einem grossen Dachaufzuge und Gitterfenstern, wie wir es links im Bilde xub Fig. 58 an die „Mehlgrube“ angebaut sehen; erst in späterer Zeit erhielt es durch Umbau seine heutige, vollständig neue Gestalt. Es war Eigenthum der Katharina Gräfin v. Stürmer und ging dann durch Kauf auf den heutigen Besitzer, einen Herrn Ujfay, über. Ungeachtet dieses Besitzwechsels erhielt sich der alte Name „Stürmer“ dennoch im Volksmunde und das Haus wird noch immer das Stürm er sehe genannt. 2 ) Die Mehlluken oder Mehlgrube, heute Hotel Munsch Nr. 1045 (neu 6). Dieses althistorische Haus, an das sich viele kostbare Erinnerungen knüpfen, kommt schon in den ältesten Urkunden als magistratisches Eigenthum vor und diente als städtisches Mehldepot und Metzenleihanstalt, daher der Name „illcJllluÜCH" und später „ITU’bliJtTlbc", und wurde stets zum Ausmiethen und die Locale im ersten Stocke, insbesondere im Fasching, zur Abhaltung von „Fastnachtstänzen“ benützt. Dieser imposante Monumentalbau wurde 1698 von Fischer v. Erlach entworfen und von den Baumeistern Georg Bowanga und Christian*Oetl in jener herrlichen Gestalt ausgeführt, wie wir ihn in Figur 58 sehen. Mit der Geschichte dieses Hauses ist auch die Geschichte der Faschingsvergnügungen Wiens aus dem vorigen Jahrhundert enge verbunden, und ich will hiervon einige interessante Vorfälle erzählen. Im ersten Viertel des XVIII. Jahrhunderts z. B. machten die sogenannten* ,jH(>nenbäIle" hier viel von sich reden und waren so e'genthümlicher Natur, dass sie, genau besehen, als Beitrag zur Culturgeschichte der Sitten, Moden und des herrschenden Geschmackes der damaligen höheren Wiener Gesellschaft betrachtet werden können. Die Ahnenbälle in der Mehlgrube vom Jahre 1726 bis 1790. Es war dies die Zeit, wo bereits französischer Einfluss die steife spanische Sitte, das spanische Ceremoniel am Wiener Hofe verdrängte und wo sich schon leichtere; Umgangs- ‘) Die ältesten Besitzer waren laut Grundbuch im Jahre 1684 Johann Christian Geist und Johann Zwenger’s Erben; 1700 Johann Widmann; 1775 Anna Barbara von Fetz er’, 1806 Barbara von Fetzer und Johann von /.oller; 1822 Johann Zoller, Francisca Salbin und Maria Anna Pittner; 182S Johann von Zoller’sche Erben und später Josef und Josefa Nitter. a ) Das edle Geschlecht der „Sturmer' schenkte dem Vaterlande viele ausgezeichnete Staatsmänner, so z. B. als sich die Familie noch im Freiherrenstande befand, glänzte ein -Jgtlilj Freiherr von Sturmer, der im Jahre 1787 zu Cherson in der Krim bei der Zusammenkunft Josefs 11. mit Katharina II. intervenirte und im Jahre 1791 nach den Türkenkriegen die türkische Gesandtschaft in Wien als Hofcommissär zu empfangen hatte. Er ist derselbe, der später als Director der zweiten Abtheilung der geheimen Hof- und Staatskanzlei mehrmals in Abwesenheit des Fürsten Metternich die Oberleitung des Aeparte- ments der auswärtigen Angelegenheiten führte. Er war am 21. August 17.10 in Wien geboren und starb hier am 2. December 1829. Ebenso wurde auch 73artf)(>lötni3l!S Jfreiberr DOtt Stürmer zu wichtigen diplomatischen Sendungen verwendet. Er war der Erste, der im Jahre 1813 die Nachricht vom Rückzuge der Franzosen aus Russland ins österreichische Hauptquartier brachte und im Jahre 1816 nach der Insel St. Helena als erster österreichischer Commissär abgesendet wurde, wo er bis zum Jahre 1818 mit Napoleon verblieb und im Jahre 1820 als Augenzeuge des grossen Gefangenen mancherlei pikante Nachrichten und intime Details nach Europa brachte und sich dann abwechselnd in Wien, Paris und London aufhielt, bis er endlich im Jahre 1833 zum kaiserlichen lnternuntius bei der ott^manischen Pforte ernannt wurde. « Die Ahnenbälle in der Mehlgrube. 169 formen in der höheren Gesellschaft nach Muster der französischen bemerkbar machten. Die Fastenpredigten, die kirchlichen Feste, wobei z. B. früher Leopold I. oft dreimal im Tage officiell eine Messe hören musste, die steifen Hoftafeln und Festlichkeiten, selbst die läppischen Stegreifkomödien und einfältigen Spässe eines Hanswurst langweilten den hohen Adel. Man fühlte die tiefe Geistesnacht, in der man geknebelt war, denn während bereits Racine’s „Bajazet“ (1672), „Phädra“ (1677), Moliere’s „Tartuffe“ (1667), „Der eingebildete Kranke“ (1673), Voltaire’s „Alzire“ (1736), „Mahomet“ (1742), „Merope“ (1743) im Theatre frangais die Geister erhitzten, fand man sich mit den schalen Spässen eines Stradnitzky noch immer ab, so gut man konnte. Langweile war also der Grundton der hohen Gesellschaft und der Kampf gegen diese Ueber- macht der einzige Hauptberuf, die einzige Hauptaufgabe der Wiener Gesellschaft. Ein solcher Kampf jedoch liess sich natürlich nur gemeinsam führen, es entstand sonach eine Art „neue Disciplin“, eine Art neuer Cultus, den man „Salonleben“ nannte. Schon am Morgen drängte sich die Frage auf, wie der neue Tag todtzuschlagen sei: wenn man sich im Theater oder bei einer Musikaufführung langweilte, wenn man trotz der luxuriösesten Jagdpartien, Pirutschaden, Schlittaschen eine geistige Leere verspürte, wenn das Lesen in spanischen und italienischen Büchern zum Ueber- druss wurde: dann sehnte man sich Abends in die Gesellschaft, wo man über Theater, Musik, Literatur zu sprechen begann. Ein Jeder trug zur allgemeinen Unterhaltung etwas bei und es entspann sich ein anregender Wettstreit der Wechselrede, wobei die Gedanken wie Brillantfeuerwerk aufleuchteten, um schnell wieder wie eine Rakete zu verlöschen, kurz, man fühlte zum ersten Male das Bedürfniss einer geistigen Friction, das Bedürfniss der gesellschaftlichen Conversation, es entstand das Salonleben, die „Salon-Causerie“, die es nach französischem Muster mit der Moral wohl nicht sehr Ernst nahm, bei der man sich aber dafür gut unterhielt und zerstreute., Um 1 Uhr Mittags pflegte man zu diniren, um 7 Uhr ins Theater zu gehen, um 10 Uhr zu soupiren, die Zwischenzeit gehörte dem Salon, der Gesellschaft. Es war daher ein wahres Labsal, dass ein gewisser Accriboni, der, ein Liebling des Adels, bei Prinz Eugen als Garderobier und Arrangeur von Bällen und Festlichkeiten im Dienste stand, vom Prinzen die Erlaubniss erhielt, im Jahre 1726 glänzende Maskenbälle in dem grossen Saale der Mehlgrube für den höchsten Adel mit dem Eintrittspreise von einem Ducaten geben zu dürfen. ’) Natürlich drängten sich alle hohen Herrschaften hinein und es war eine illustre Gesellschaft, die sich durch Geburt und Machtstellung auszeichnete. Man ging bei der Wahl der Geladenen so ängstlich vor, dass sich die Besucher, um Zutritt zu erlangen, über eine bestimmte Anzahl Ahnen auszuweisen hatten, was diesen Tanzvergnügungen scherzweise den Namen im Volksmunde einbrachte. Eine neue Anziehungskraft hatten die von ihm im Jahre 1728 arrangirten „Kinderbälle“. Selbige mussten aber schon um 9 Uhr zu Ende sein, worauf die vornehmen Herrschaften den Ball fortsetzten. Die höchste Blüthe erreichten die Ahnenbälle um die Zeit von 1729 bis 1730; es war bereits gang und gäbe, den höchsten Glanz, den reichsten Toiletteprunk hier zu entfalten; die kostbarsten Diamantgarnituren, die man das ganze Jahr über sorgfältig im Schmuckkästchen verwahrte, *) Accriboni war Italiener von Geburt, leichte gefällige Manieren, schöne Umgangsformen, die man damals besonders schätzte, gewannen ihm die Sympathie des Adels. Durch Empfehlung kam er frühzeitig in das Haus des allvermögenden Prinzen Eugen, der ihn als Garderobier und Festarrangeur in seine Dienste nahm. Er war ein oll'ener Kopf, machte sich durch Geschmack in Anordnung von Festlichkeiten Renommee und war so der Liebling der Wiener hohen Gesellschaft, Alles sprach von accriboni „hcttt icftönen Sarberobier bcs alten prinjen". Man wollte nur von ihm die Feste arrangirt haben: so kam es denn, dass er der Schöpfer der Adelsbälle wurde, die ihm viel Geld eintrugen, aber zugleich auch den Untergang bereiteten, denn als verschiedene Misshelligkeiten durch die strenge Abschliessung der Aristokratie von der Bürgerschaft entstand und deshalb eingestellt werden mussten, ging er in Pension und zog sich nach Pisa zurück, wo er als öffentlicher Tanzmeister im Jahre 1730 starb. 22 170 Die schöngeistige Literaturepoche von 1830 bis 1848. hier mussten sie strahlen und schimmern, um die Andern schadenfroh zu verdunkeln, es entstand ein Wettstreit an Luxus und Reichthum. Bei Gelegenheit dieser Feste wurden eines Abends mehrere Personen niederen Ranges auf eine sie compromittirende, Aufsehen erregende Weise vom Tanzsaal entfernt, was Anlass zu verschiedenen missliebigen Reden und Sticheleien im Publicum gab. Das Volk nahm wie gewöhnlich Partei für die Beleidigten und sprach sich hierüber öffentlich aus; man beklagte zwar den Vorfall, liess aber dabei nicht undeutlich durchschimmern, dass es denn doch eine grosse Anmassung des Adels gegenüber den Bürgern gewesen sei, und setzte hinzu, dass die Bürgerlichen wohl gut seien, dem vornehmen Adel Geld darzuleihen, der Adel es aber dennoch unter seiner Würde halte, mit der bürgerlichen Canaille in Verkehr zu treten. Diese Reibungen drohten wirklich grössere Dimensionen anzunehmen, daher es der Adel vorzog, sich lieber zurückzuziehen; die Bälle wurden zwar fortgesetzt, bekamen aber einen durchaus bürgerlichen Anstrich. Accriboni ging in Pension und die Bälle verloren bis zum Jahre 1790 immer mehr und mehr an Prunk und Eleganz und wurden endlich nach diesem Jahre ein wahrer Tummelplatz des ordinärsten Pöbels und kamen endlich in so eklen Ruf, dass sie gänzlich geschlossen werden mussten. Mit Beginn des XIX. Jahrhundertes war die Mehlgrube ein „Casino“ und es wurden neuerdings Kinderbälle gegeben, da sie aber in einem gewissen Zusammenhänge mit den gräflich Pälffy’schen Kinderballets im Wiedener Theater standen, die wegen verschiedener Unzukömmlichkeiten auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers Franz I. geschlossen wurden, so mussten auch diese aufhören, und es wurden die Saallocalitäten nur noch für einzelne Festlichkeiten von Fall zu Fall geöffnet. In den Dreissigerjahren jedoch bemächtigten sich die Wiener Journalisten dieser verlassenen Stätte, und obgleich es damals keine Vereine gab, noch geben durfte, so wusste es dennoch der damals in die Mode gekommene und tonangebende M. G. Saphir durchzusetzen, dass allwöchentlich sogenannte Journalistenabende während des Winters gegeben werden durften, die man „Concordia“ nannte. So kam die alte Mehlgrube unter dem Namen „Casino“ wieder in neuen Flor. Dass aber Saphir überhaupt in der schöngeistigen Wiener Literatur eine dominirende Stellung einzunehmen vermochte, war offenbar ein böses Zeichen der Zeit und ein sprechender Beweis dafür, dass die geistigen Bestrebungen auf dem Felde der schönen Literatur gegenüber den so bedeutsamen Meisterwerken Deutschlands bei uns noch sehr im Argen lagen und es nur aus socialen und politischen Missständen sich erklären lasse, wenn Saphir in Wien wirklich eine so unbegreifliche Suprematie erreichen konnte, wie es in der That der Fall war. Es dürfte daher den Leser interessiren, die Wiener Literaturepoche jener Tage näher in’s Auge zu fassen. Die schöngeistige Literaturepoche Wiens vom Jahre 1830 bis 1848 ; und ihr Schildträger Saphir. Es war dies die trübe Zeit der allgemeinen Blasirtheit und geistigen Bevormundung. Die traurigen politischen Verhältnisse brachten dies so mit sich. Nach jedem freien Wort wurde gefahndet, jeder freie Gedanke ängstlich bewacht. Man nährte sich also nur vom Klatsch über Schauspieler, Virtuosen und Possenreisser. In den Schaufenstern der Wiener Kunsthändler sah man nichts als Porträts schöner Tänzerinnen, gefeierter Sängerinnen etc.; von verdienstvollen Männern der Wissenschaft, von Denkern, die ihrem Jahrhundert vorangeeilt, sprach man kein Wort. Dieselbe Blasirtheit machte sich auch auf dem Felde unserer Wiener Literatur bemerkbar. Es gab in Wien überhaupt noch keinen eigentlichen „Schriftstellerstand“, d. h. man war noch nicht zur Erkenntniss gelangt, dass die literarische Arbeit mindestens eben so gut dasselbe Anrecht auf Entlohnung habe wie jeder andere Stand. Dieses Missverkennen kam daher, weil das Volk die Würde eines Standes nach seinen Einkünften oder pecuniären Vortheilen zu schätzen pflegte. Nun war es in der That in Wien fast Niemandem möglich von dem blossen Ertrage seiner Feder zu leben, und man witterte daher hinter jedem einen „Thunichtgut“, der nicht nebstbei einen bestimmten Beruf, »Saphir und seine literarische Thätigkeit. 171 eine specielle Stellung, ein Aemtchen oder Dienstclien hatte, und verband mit dem so schönen und stolzen Namen „Literatur“ einen gerade nicht sehr ehrenvollen Nebenbegriff. Derlei despectirliche Anschauungen machten natürlich die Stellung eines Schriftstellers zu einer nicht eben beneidens- werthen und das Literatenthum zu einem unsicheren, ja nahezu rechtlosen. Unter diesen Umständen war es wohl begreiflich, dass die ganze Literatur in Oesterreich, namentlich die „schöngeistige“, bei uns in Wien sehr im Argen lag. Zum Glück nahmen es die sogenannten gemüth- lichen Wiener mit dem Bücherlesen nicht sehr genau und stellten an ihre Schriftsteller keine grossen Ansprüche. Die gutmüthigen, leichtlebigen, genusssüchtigen, von der Polizei mit Argusaugen überwachten Wiener verlangten daher von ihren Schriftstellern nichts als oberflächliche Unterhaltung, flüchtiges Amüsement, kein tieferes Versenken in den Gegenstand, keine geistige Sammlung, kein ernstes Wollen, sie nahmen mit dem Rauch statt mit dem Braten in der Literatur vorlieb. Sie wollten sich in dieser geistigen Einöde wenigstens mit Lachen die Zeit vertreiben, Lachen um jeden Preis, gleichviel worüber oder über wen immer, war die Parole. Diesen Zustand machte sich Saphir wohl zu Nutzen und verlegte sich also auf Spässe, auf Wortspiele und Wortverdrehungen und wurde ein literarischer Clown. Natürlich verfehlten derlei Witze nie ihre durchschlagende Wirkung, und schnell wie der Blitz gingen sie von Mund zu Mund durch die ganze Stadt. Die Wortspiele wurden ihm endlich so geläufig, dass er wo er ging und stand Witze riss; man drängte sich förmlich in seine Nähe, um von ihm ein improvi- sirtes Witzwort zu hören und war glücklich, solches weitercolportiren zu können. Man lachte über ihn und übertrug dieses Lachen auch auf seinen „Humoristen“, eine satirische Zeitschrift, die er seit dem Jahre 1833 herausgab und selbst redigirte. Man las das Blatt mit einem wahren Heisshunger und sah nur, ob heute von ihm etwas geschrieben stände. Fiel ihm unglücklicherweise an diesem Tage just kein Witz ein, so hungerte geistig die ganze Stadt. Natürlich musste er unter solchen Verhältnissen eine dominirende Stellung einnehmen, und hinter ihm trabten seine Nachahmer Castelli, Bäuerle etc. wie Bediente hinter ihrem Herrn. Im Casino am Mehlmarkt, in der sogenannten „Concordia“, beherrschte er die ganze Gesellschaft, auch war er seines boshaften Witzes wegen sehr gefürchtet. Doch als das Achtundvierzigerjahr hereinbrach, war auch seine Herrschaft zu Ende. Seine Wortspiele genügten nicht mehr, man sehnte sich nach besserer, kräftigerer Kost, man wurde mündig, man sah ein, dass der blosse Witz, soll er auf Geist Anspruch machen, in anderer Weise gehandhabt werden müsse, als durch schale Wortspielereien, Verdrehungen und Verrenkungen, und nach seinem im Jahre 1854 erfolgten Tode war er, der ehemalige Lieblingsspassmacher, wieder vergessen. Still und stumm schloss sich über ihm das Grab, und wehmuthsvoll lesen wir auf seinem Grabsteine am Matzleinsdorfer protestantischen Friedhofe die von ihm selbst gedichteten Verse: „Meine Seele, Herr, leg’ ich in deine Hand, Wenn du mich einrufst in dein Sternenland. Zu jeder Stund’, zu jeder Zeit Bin ich auf deinen Ruf bereit. Ich bin mir keiner Sünd’ bewusst, Die in der Todesstund’ beengt die Brust. Was ich im dunklen Lebensgang Geirrt, gefehlt mein Lebelang, Vergebe mir in Gnad’ und Huld, Denn Irrthum war es und nicht Schuld.“ Seitdem rollte das Rad der Zeit bereits eine gewaltig weite Strecke hinab, und alle Verhältnisse Oesterreichs haben sich seitdem gleich einem Märchentraume geändert. Auch unsere literarischen Verhältnisse sind nicht mehr dieselben geblieben, sie haben sich zum Besseren gewendet; unsere heutigen Dichter und Schriftsteller können sich stolz mit ihren deutschen Brüdern messen in sinnigem und innigem Schaffen, und auch das Volk betrachtet bereits den Schriftsteller als nützliches Mitglied der Gesellschaft und achtet seinen Beruf gleich jenem der anderen Stände. ') ') Saphir, den ich persönlich kannte und in dessen Gesellschaft ich oft manche Stunde zubrachte, war mittelgross, etwas untersetzt und trug eine blonde Perrücke in kleinen gedrehten Locken. Hinter seiner goldenen Brille blitzten mattgraue, schalk- 22 * 172 Saphirs Wortspiele. — Das Haus „zum weissen Schwan“. Das Haus „zum weissen Schwan“ Nr, 1044 (neu 7) war seit «ältesten Zeiten ein Mehldepöt und wurde „der gemeinen Stadt Wien Getreidekasten“ genannt, auch befand sich liier der sogenannte „Stadtmetzen“, d. i. ein als gesetzliches Mass geltender „Mustermetzen“, mit dem hier an Markttagen das Mass officiell probirt wurde. im Jahre 1684 kam es in Besitz der Georg Hardit’schen Erben und wurde im Jahre 1700 als „Gast- und Einkehrwirthshaus“ mit dem Schilde „zum weissen Schwan“ umgebaut, von dem die anstossende Gasse ihren jetzigen Namen „Schwanengasse“ erhielt. Im Jahre 1775 wurde es von Franz Herzog, Juris Doctor, angekauft, von dem es im Jahre 1783 auf die Familie Unterreiner überging und von der es endlich im Jahre 1806 Josef Fürst von Schwarzenberg erkaufte. Im Jahre 1847 wurde es von Grund aus niedergerissen hafte Augen hervor. Sein Gesicht, etwas von Blattern markirt, war nichts weniger als schön, vielmehr verlieh ihm die nach innen eingedrückte platte Nase und der von einem rothblonden, unordentlich herabhängenden Schnurrbarte bedeckte grosse Mund einen fast hässlichen Ausdruck. Seine Stimme war näselnd und schwach, so dass seine Aussprache oft undeutlich wurde, sein Temperament immer lebhaft und meist von heftigen Gesticulationen begleitet. Seine Eitelkeit zu gefallen liess ihn immer in der sorgfältigsten Toilette erscheinen. Mit Fremden sprach er nie und nur in kurzen abgerissenen Worten. Sein zündender Witz hatte allerdings etwas Bestechendes, dem er oft persönliche Vortheile opferte: auch seine Kunst zu rühren, wie z. B. in seinen „wilden Rosen“, kann nicht geleugnet werden. Gewiss waren Saphir reiche Gaben verliehen, doch benützte er sie zu hastig, zu oberflächlich. Seine Muse gab uns nur flüchtiges Wallen, selten nachhaltiges Fühlen. Er warf schnödes Brausepulver in gewöhnlichen Wein und wollte uns überreden, es wäre echter Champagner. Die älteren Wiener werden sich seiner recht gut erinnern und werden es wissen, wie eigenthümlich sein ganzes Wesen und seine Art Witze zu machen war. Ich erinnere mich noch recht lebhaft eines Sonntages in Baden, wo ich den ganzen Tag über bis spät in die Nacht in seiner Gesellschaft zubrachte, und will meinen jüngeren Lesern ein Blatt aus meinem Tagehuche mittheilen, das über jenen denkwürdigen Sonntag referirt. Saphir gab nämlich alljährlich in Baden, wo er den Sommer über wohnte, sogenannte humoristische Vorlesungen, die von der Elite der Residenz bis zum Erdrücken besucht waren. Auch an jenem Sonntage fand eine solche Vorlesung statt. Ein kleines Tischchen, auf dem einige geschriebene Blätter und mehrere Gläser Wasser standen, war der ganze Apparat. Er trat ein, verbeugte sich dreimal und fing aus den vor ihm liegenden Blättern zu lesen an. Er hatte sich Baden zur Zielscheibe des Witzes gewählt und fing an: „Meine freundlichen Hörer und Hörerinnen! Baden kömmt mir vor wie eine mathematische Figur, „es ist ein rechter Winkel,“ und über die neuen Parkanlagen sagte er; „Die Badner machen es mit ihren Anlagen wie Pythagoras mit seinen Schülern, der behauptete, „man muss die Anlagen sich selbst überlassen.“ Nach dem Speisen gab er Nachmittags ein kleines Kartenspiel in seiner Wohnung, und jeder der Geladenen musste ihm ein Geschenk bringen. Die verstorbene Schauspielerin Waas war auch geladen und brachte ein kleines „Petschirstückchen“ aus „Onyxstein“; Saphir nahm es in die Hand, hielt es hoch empor und rief laut mit Betonung: „0, nix!“ (o, nichts) auf die Geringfügigkeit des Geschenkes anspielend. Abends war Theater und nach demselben gingen wir in die Badener Redoute, wo sämmtliche Schauspieler anwesend waren. Saphir trat auf den Souffleur zu, klopfte ihm auf die Achsel und sagte bedeutungsvoll: „A, mein Herr, von Ihnen habe ich schon Vieles gehört,“ beschämt zog sich der Souffleur zurück. Eines Abends war er bei der Schauspielerin Waas geladen. Es war noch Niemand anwesend als Herr Weiss (damals Komiker der Josefstadt) und Frau Waas, der ich die nachfolgende charakteristische Anekdote verdanke. Saphir trat nun zu beiden hin und flüsterte ihnen die Worte „Ich weiss was“ mit besonderer Betonung zu, indem er zuerst auf sich, dann auf Herrn Weiss und zuletzt auf die Frau des Hauses mit dem Finger zeigte. Neugierig drangen sie natürlich jetzt in ihn, zu sagen, was er denn wisse. „Ja,“ erwiederte er lachend, „ich habe nichts Anderes gesagt, als: Ich weiss was („Ich“ „Weiss“ „Waas“). Derlei Gelegenheitsspielereien pflegte er immerzu machen, sie kennzeichneten seine Stegreifmanier und genügten vollständig, einen ganzen Tag hindurch die Lachlust der blasirten Gesellschaft rege zu erhalten. Saphir wurde am 8. Februar 179o in Lovas-Bercny (einem kleinen Dorfe bei Stuhlweissenburg) als Kind armer jüdischer Eltern geboren, machte sich frühzeitig als Literat und später als Herausgeber von Zeitschriften („Berliner Schnellpost,“ „Berliner Courier,“ „Deutscher Horizont“ und „Bazar“) in Berlin und München bemerkbar, kam dann in den Dreissigerjahren, als eben der gemüthliche „Literaturschlendrian“ in voller Blüthe stand, nach Wien, gab hier zuerst mit Bäuerle die „Theaterzeitung“ und dann allein den „Humoristen“ heraus und wurde durch seine fortgesetzt boshaften Ausfälle gegen Schauspieler und Theaterdichter ein äusserst gefährlicher, sehr gefürchteter Kritiker. So nannte er z. B. den hochverdienten Anschütz einen „Patron der Hausmeister“, weil alle Stücke, in denen er die Hauptrolle zu spielen hatte, durch sein allzu gedehntes Pathos um eine halbe Stunde später endeten, daher auch das Publicum regelmässig „Thorsperre“ zahlte. Ueber die damals neu auftauchenden politischen Dichter sagte er z. B.: „Es gibt keine politischen Dichter, denn wären sie politisch, so wären sie keine Dichter.“ Von seinen vielen Arbeiten, die übrigens meist nur für den Tag berechnet waren, dürften die „wilden Rosen“ wohl alle übrigen weit überragen. t i Gideon Ernst Freiherr von Laudon. 173 und durch ein modernes vierstöckiges Zinshaus ersetzt. Der gegenwärtige Besitzer ist Johann Adolf Fürst von Schwarzenberg. Als historische Merkwürdigkeit verdient besonders angeführt zu werden, dass das frühere Einkehrwirthshaus im April 1744 den grossen Laudon beherbergte. Er war eben aus dem russischen Kriege gekommen, wo ihn hier sein früherer Kriegsgenosse, der Pandurenoberst Baron Trenk, zufällig aufland und ihn bestimmte, eine österreichische Hauptmannsstelle anzunehmen. 0 \ on dieser Zeit an vollzogen sich die Lebenswege dieses Kriegshelden so merkwürdig und für die Geschicke Oesterreichs so entscheidend, dass ein kurzer Rückblick auf die Person Laudon’s hier willkommen sein dürfte. i i Gideon Ernst Freiherr von Laudon, der Kriegsheld, führte anfänglich ein vielbewegtes, wenig vom Glücke begünstigtes Leben. Schon mit »15 Jahren kam er als Cadet in russische Dienste. Etwas Geometrie und Geographie war Alles, was er mitbrachte. Die mangelnden Kenntnisse wusste er jedoch durch reiche Naturgaben zu ersetzen. Seinen ersten Feldzug machte er in Polen (1733) mit, kam mit den russischen Hilfsvölkern an den Rhein (1735) und dann zurück unter Feldmarschall Münch gegen die Türken (1736). Nach dem Frieden mit der Pforte fand er zu Petersburg nicht die Befriedigung seiner Wünsche und wendete sich nach Berlin, wo er sich dem grossen Friedrich vorstellte mit der Bitte, eine seinen Fähigkeiten entsprechende Stelle zu erhalten. Lange bittere Tage wartete er auf die Audienz, währenddem er, mittellos wie er war, sich durch Abschreiben kümmerlich ernähren musste. Endlich nahte die entscheidende Stunde. Der grosse Friedrich, sonst ein Menschenkenner, sah ihn einen Augenblick scharf an, kehrte Laudon den Rücken und sagte zu den ihn umstehenden Officieren in französischer Sprache: „Die Physiognomie dieses Menschen gefällt mir nicht.“ Nun verfolgte Laudon seinen alten Vorsatz und ging nach Wien, wo er am Neuen Markt im Schwanenwirthshause sich einlogirte. Seine unvermuthete Zusammenkunft mit dem Pandurenobersten Trenk und eine zufällige Unterredung mit dem Grossherzog, nachmaligem Kaiser Franz, welchem Theresia so manches verkannte Talent zu danken hatte, in den Vorzimmern von Schönbrunn, wo er wartete und sich mit dem Prinzen, ohne ihn zu erkennen, längere Zeit unterhielt, verschaffte ihm eine Anstellung als Hauptmann unter dem Pandurencorps des Obersten Trenk. Leider war er auch hier nicht glücklich, denn schon heim nächsten Feldzug bei einem Uebergang über den Rhein wurde er bei Elsasszabern das einzige Mal in seinem Leben, aber schwer, verwundet und gefangen, denn eine Musketenkugel fuhr ihm an der rechten Brustseite in den Leib und beim Schulterblatte wieder heraus. Die Cur war langsam und schmer7diaft, weil ein metallener Knopf seines Dollmans, den sie mitgerissen, wieder aus dem Leibe geholt werden musste. Nach seiner Auswechslung betheiligte er sich bei der Schlacht von Hohenfriedberg und Sorr. Indessen hatte er mit seinem Obersten, dem kühnen, aber iibermüthigen und grausamen Trenk, heftigen Streit bekommen und war genöthigt seine Entlassung zu fordern und nach Wien zurückzugehen, wo er einer neuen Anstellung entgegenharrte. Laudon lebte als reducirter Hauptmann in Wien sehr kümmerlich. Seine ganze Erholung bestand, wie seine Geschichtschreiber erzählen, darin, dass er Abends einen Garten in der Alsergasse auf ein Glas wohlfeilen Weines besuchte, und sein einziger Kummer war, dass er nicht vermochte sich die nöthigen Hilfsmittel zu seinen Lieblingsstudien, den mathematischen Wissenschaften und der militärischen Ge9graphie, b'efzuschaffen. Endlich verschafften ihm seine Freunde eine Majorsstelle im Liccanerregimente, und er zog in den Hafen des häuslichen Glückes ein, indem er sich zu Pösing in Üngarn mit Clara von Hagen, der Tochter eines croatischen OfFiciers, verheiratete. *) Vide Täubner’s „Leben Laudons“ Seite 60—62. I 174 Kriegsthaten Laudon’s. Nun lebte er über fünf Jahre ruhig in der Licca. Alle Müsse, die ihm der Dienst gelassen, verwendete er zur Erweiterung seiner wenigen theoretischen Kenntnisse, wobei die Landkarten der Gegenstand seiner Lieblingsbeschäftigung waren; sie blieben es auch im späteren Leben. Er selbst trug nicht wenig dazu bei, den bedenklichen Aufruhr zu stillen, der bei den Grenzvölkern der neuen Reformen wegen entstanden war. Aber das Unglück heftete sich auch hier wie immer an seine Sohlen. Der Commandirende in Croatien General Petazzi warf ohne besondere Veranlassung einen glühenden Hass auf Laudon und strich ihn geradezu aus der Liste-jener Officiere, die mit den Regimentern zu Felde ziehen sollten, welche der eben ausgebrochene siebenjährige Krieg (1756) nach Böhmen und Mähren rief. Laudon, hierüber auf’s Tiefste in seiner militärischen Ehre gekränkt, wagte den unerhörten Schritt, ohne alle Anfrage auf eigene Faust nach Wien zu gehen, um dort Gerechtigkeit zu suchen. Aber auch dahin verfolgten ihn Petazzi’s Berichte, die ihn als einen ruhestörenden, intriganten, gefährlichen Menschen schilderten. Es waren dies die gewöhnlichen Waffen »der beschränkten Mittelmässigkeit gegen das sie verdunkelnde Talent, durch freche Verleumdung das Herz anzugreifen, wenn man die Vorzüge des Kopfes nicht mehr zu läugnen vermag. Schon war der Bescheid im Expedit des Hofkriegsrathes angelangt, der Laudon mit einem derben Verweis wegen seiner Insubordination an die Grenze zurücksenden sollte, als eben noch zur rechten Stunde Elias von Hochstetten, sein Freund, aus Petersburg als rettender Engel erschien und ihn beim grossen Kaunitz, dem mächtigen Staatskanzler, einführte. Von da ab schien sich sein Missgeschick zum Bessern wenden zu wollen. Denn dieser Kenner des wahren Verdienstes hatte bald seinen Mann entziffert und war von dieser Zeit an Laudon s thätigster Beschützer und blieb auch in der Folge sein wärmster Freund. Loudon wurde zum Oberstlieutenant ernannt. Der Befehl traf ihn in einem ärmlichen Dachstübchen bei einem Schneider in der Ungargasse, wonach er zu Feldmarschall Browne nach Böhmen einzurücken hatte. Die Schlacht bei Lobositz war zwar bereits geliefert, doch kam er in die Lage, die uns befreundeten Sachsen am 8. October 1756 aus dem Lager bei Pirna zu befreien und ihnen seine 2000 Croaten zuzuführen. Auf dem Rückweg überfiel er Teschen, richtete die darin befindliche preussische Cavallerie zu Grunde und machte reiche Beute. Aehnlichc (Streifereien vollführte er im darauffolgenden Winter 1757 mit ausserordentlicher I^ühnheit und ununterbrochenem Kriegsglück. Beim Ueberfall von Hirschfeld (Februar 1757) hatte Laudon den schwersten Antheil und rückte am 17. Februar 1757 zum Obersten vor. Bei Prag theilte er die Gefahr der Schlacht (6. Mai 1757), verfolgte den Feldmarschall Keith und machte viele Gefangene und Beute. Am 26. Juni 1757 nahm Laudon einen grossen preussischen Transport zwischen Lobositz und Welmina weg und that sich in verschiedenen anderen Gefechten ungemein hervor. Ein merkwürdiger Zufall ist es, dass Laudon sein „Generalspatent“ gerade aus den Händen seines Feindes, des Königs von Preussen, mit einem verbindlichen Compliment zugeschickt erhielt, denn ein Courier aus Wien, der ihm das Generalsdiplom überbringen sollte, wurde von den preussischen Huszaren aufgefangen und zum König gebracht. Bei dem denkwürdigen Ueberfall bei „Hochkirchen“ (14. October 1758) hatte Laudon den entscheidendsten Theil. Daun schrieb selbst in seinem Hofbericht: „tUatl mujj biefen 6icg bt’P lapferfät, 6tanbf>aftigfät 3J>reu HIaicftät (Eruppm beioubers bcr (Infanterie, tmc auch beit ©rändern unter ©eijeral Cauboit fittfchreiben." Er erhielt zur Belohnung für seine Tapferkeit den Theresienorden und sechs Monate später wegen seines entscheidenden Antheiles an der Befreiung von Olmütz das Grosskreuz desselben Ordens und die Erhebung in den Freiherrnstand. Der Sieg von Kunetsdorf brachte ihm den Rang und Titel eines Feld zeug nt eisters ein. 4 Es ist kein Zweifel, dass Laudon während des'siebenjährigen Krieges glänzendere Ruhmesthaten vollführte als Lacy und auch dadurch berühmter wurde als letzterer. Da aber keinem Sterblichen das Glück ungetrübt zu Theil wird, so sollte gerade sein glänzender Sieges- I Die letzten Lebensjahre Laudon’s. 175 rühm zur Dornenkrone werden, indem Lacy neidvoll diese Ueberlegenheit empfand und seine natürliche Abneigung gegen Laudon auch dem Kaiser einzuilössen sich bemühte; und als Daun starb, wurde nicht Laudon, sondern Lacy zum Präsidenten des Hofkriegsrathes ernannt. Der zum Trübsinn ohnehin geneigte Laudon wurde so verstimmt, dass er mehrere Male auf dem Punkte stand, seinen Kriegsdienst in Oesterreich aufzugeben und mit jenem von Sachsen zu vertauschen. l 2 3 ) Dass übrigens Lacy wirklich den Stachel der Eifersucht fühlte, ist kein Zweifel und geht sogar aus einer Stelle eines Briefes hervor, den Kaiser Josef eigenhändig an Lacy geschrieben. Die bezügliche Stelle lautet: „IDas aber ben Keinen Krieg angefct, Öen Sie gegen uns wegen ber an Caubon unb ftabi! getriebenen Briefe tübren, fo fann ich Jjmeu nichts Knberes antworten, ats baß bie cSreunbfcbatt bem (Ebebunbe gleißt. £s fall barin leine cEiterfucbt geben unb eine üöllige Beruhigung über bie gegen» (eilige Kebliditeit unb Numrfdigfät bat ihre ©runblage 31t hüben/' Jofef. ”) Zehn Jahre später trug sich Laudon abermals mit Austrittsgedanken und begehrte wegen seiner leidenden Gesundheit seine Entlassung, worauf man ihn zum Generalinspector der Infanterie machte. Als man aber diese Stelle, wahrscheinlich auf Antrieb Lacy’s, wieder aufhob, zog er sich auf sein Gut Beczmar in Böhmen zurück, wo er in stiller Zurückgezogenheit dem Studium der Militärwissenschaften lebte. Man entriss ihn zwar abermals der ländlichen Ruhe, indem man ihn (1769) zum commandirenden General in Mähren machte, aber das Soldatenspiel im Frieden war nicht seine Sache, er hielt es nicht lange auf diesem Posten aus und zog sich abermals nach Beczmar zurück. Da er aber dieses Besitzes der in Böhmen ausgebrochenen Unruhen wegen überdrüssig wurde und in der Person der Kaiserin selbst eine gute Käuferin fand, so machte er das Gut zu Geld und kaufte sich in Hadersdorf bei Wien im November 1776 an. Hier blieb er einsam und zurückgezogen und nur an Galatagen sah man ihn zuweilen bei Hof. Mittlerweile brach der Krieg gegen die Türkei aus. Anfangs glaubte der Kaiser, den Krieg auch ohne Laudon siegreich beenden zu können; da sich aber die Sache in die Länge zog, berief Josef den Heldengreis noch einmal auf die Bahn des Ruhmes (1788—1789). Laudon ging abermals zu seinen croatisch- slavonischen Truppen, die ihn als Gott verehrten, und als die Nachricht vom Siege Belgrads in Wien eintraf, sendete ihm der Kaiser aus seinem Familienschatze den grossen, ganz aus Brillanten besetzten Stern des Theresienordens, den sonst nur der Kaiser als Grossmeister des Ordens trägt. *) Im März 1790 kam er nach Wien zurück. Seine Reise glich einem Triumphzuge. Er hielt sich hier nicht lange auf; erschöpft durch die vielen Kriegsstrapazen kehrte er in sein Hauptquartier nach Neutitschein zurück, wo er schon kränkelnd ankam. Am 26. Juni 1790 brach ein förmliches Fieber aus, von dem ihn cjer Stabschirurg Göpfert am 5. Juli wohl ganz herstellte, aber eine Erkältung bei einem längeren Ritte warf ihn abermals aufs Krankenlager. Am 14. Juli 1790 fand er endlich das Ziel seines Lebens, aber nicht seines Ruhmes, der ewig in der Geschichte glänzen wird, von dem Niemand bescheidener dachte als er selbst. „Wir haben,“ sagte er noch am Sterbebette, „einen gütigen und edeldenkenden Kaiser, wir werden Frieden haben, und so wird man meine Person um so weniger vermissen.“ Er ruht in seinem Parke in Hadersdorf auf einem freien von Bäumen beschatteten Platze; die Steine der Grabstätte, aus denen sie aufgeführt ist, sind ein redendes Denkmal, sie sind nach türkischem Geschmack verziert und geordnet und einer Grabstätte aus Belgrad entnommen, die seine Aufmerksamkeit während seines dortigen Aufenthalts am meisten auf sich zog. ») Die erste sehr interessante Mittheilung hierüber enthält das Werk des Freiherrn O. Byrn: „Johann Georg Chevalier de Saxe.“ Dresden, 1876, 111. Band Seite 139—143. 2 ) Dieser Brief befindet sich unter Kaiser Josefs II. Correspondenz, in französischer Sprache geschrieben. Vide Arneth's Werk: „Maria Theresia’s letzte Regierungszeit“ Seite 622, 3 ) Nach Laudon’s Tode löste Kaiser Leopold II. diesen kostbaren Ordensstern um S0.000 fl. von der Witwe wieder ein. 176 Laudon's körperliche und geistige Eigenschaften. Laudon s äussere Gestalt war so eigenthümlich wie seine ühaten. Seine Zeitgenossen erzählen, er war mittlerer Statur, gut gebaut, aber sehr mager, die Stirne hoch und gewölbt, die Haare in der Jugend röthlich, die Augenbrauen röthlich und sehr buschig aus dem Gesichte wegstehend, die Wangen stark eingefallen, das ganze Gesicht etwas länglich, die Hautfarbe sonnverbrannt, der Gesichtsausdruck ernst, verschlossen, strenge, nachdenkend. Er sprach wenig, langsam und mit Bedacht. Man würde es ihm bei ruhigein Zustande kaum angemerkt haben, dass eine so feurige Seele hinter diesem scheinbaren Phlegma schlummere; das lichtgraue Auge war im Zustande der Ruhe ohne besonderen Ausdruck, wenn aber ein Gedanke zu arbeiten begann, wurde es belebt, eine Menge Lichter sprangen plötzlich auf, die Lippen bewegten sich und das kluge Auge leuchtete mit seltsamen Glanze. Er schien alsdann wie ausgewechselt. Sein Temperament war einerseits cholerisch, andererseits melancholisch, letzteres herrschte besonders vor, wenn seine Seele ruhig war; das cholerische brauste heraus, wenn er handelte, da wurde die kalte unbewegte Seele voll Sturm und Flamme. Alles das, was von jeher allen grossen Generalen eigen war, das war auch bei ihm zu finden, Langsamkeit und Umsicht im Entwürfe, Raschheit und Stärke in der Vollbringung. Alle beiden entgegengesetzten, sich widersprechenden Seelenzustände wohnten in dieser Brust enge zusammen: Hitze und Kälte, Besonnenheit und Schnelligkeit. Alle seine grossen Handlungen bis in die kleinsten Züge lassen sich auf diese zwei Endpunkte bei ihm zurückführen. Josef II. sagte einst von ihm: „Wer überlegte, auskundschaftete, anordnete wie er und vollzöge wie er, der müsste siegen wie er.“ Bescheidenheit war der Grundzug seines Charakters. Er klagte daher oft selbst dem Kaiser über nichts so sehr, als über seinen Mangel an Kenntnissen. *) Leider hatte er in der Jugend wenig gelernt und musste als Mann das Versäumte mühsam nachholen. Sein natürliches Genie hob wohl diesen Mangel auf, und wenn er trotz der fehlenden Schulbildung dennoch viel Grosses und Herrliches vollführte, so erklärt es sich eben nur dadurch, dass im wirklichen Leben nicht so sehr die Fülle der Kenntnisse, als die Festigkeit des Willens Wunder wirken, und dass der Verstand oft höher steht als die Wissenschaft. Ein anderer schöner Zug seines Charakters war seine Gerechtigkeitsliebe. Wie erbittert er auch gegen seine Gegner sein ^ konnte, so dankbar war er gegen seine Siegesgefährten. Alles liebte ihn, aber Alles fürchtete ihn auch. In seinen Kriegsberichten an den Kaiser gab er jedem das gebührende Lob, vergass auch nicht des kleinsten Verdienstes, aber seine eigene Person vermisst man stets. Wenn auch Josef II. dem grossen Organisationstalente Lacy’s den Vorzug gab, so wusste er dennoch Laudon’s treffliche Eigenschaft zu schätzen, und auch Maria Theresia gab ihm vielfache Beweise des Wohlwollens und der Dankbarkeit und überhäufte ihn mit Geschenken. Als z. B. Laudon sich bei Maria Theresia für eine Gnadenbezeigung bedankte, welche sie seinem Neffen Alexander zu Theil werden liess, erwiederte sie ihm in einem eigenhändigen Schreiben: ' 2 ) „<£tn halbes TntjCUÖ Caitbhoil wären mir nicht gu nill, wenn er noch einige hat, febiefe er wir iie Klle, ich jehe fie als wie Kiitber an/' und Josef II. setzte im Jahre 1783 dem hochverdienten Kriegshelden ein ewig ehrendes Denkmal, indem er an die Porträtbüste Laudon's, die er im Sitzungssaale des Hofkriegsrathes aufstellen liess, die Worte durch Hofrath Sperges beifügen liess: „©ibeoit CanbottS, ÖCS ftets ftrengen cSclbmarftballs, bcs tapfern, gllicflicjjen Kriegers, hes trefflichen Sürger--25ei|piels befahl Kaifer Jofef II. auf ba§ ihm Twcr= fiifwer unb Krieger ftets nachahmen, hier in feinem iSilbe aufgufietlen/' Diese Büste. und Aufschrift bilden noch heute im Sitzungssaale des Kriegsministeriums ein unvergessliches Andenken an den Ruhmeshelden Gideon Ernst Freiherrn von Laudon. *) Vide Ebert’s „Briefe“ von Geliert, Leipzig, 1828; ebenso M. Heinrich Richter’s „Geistesströmungen“, Hamburg, 1878, Seite 130. 8 ) Der Originalbrief befindet sich gegenwärtig im Besitze des Ernst Freiherrn von Laudon und ist vom 7. December 1773 datirt. I Das fürstlich Schwarzenberg’sche Palais. — Das Kapuzinerkloster und die Kirche. 177 Das fürstlich Schwarzenberg’sche Palais (Majoratshaus) Nr. 1054 (neu 8) mit jener früher bestandenen imposanten, gegen den „neben Markt“ gekehrten Hauptfront, wie wir selbe im Bilde sub Fig. 58 bemerken, ist von Fischer von Erlach entworfen und hat sich bis zur Stunde nicht geändert. Nur das Frontispice ober dem Hause ist heute viel einfacher und unbedeutender. ‘) Einst stand das Palais ganz frei, indem von der Klostergasse in die Kärntnerstrasse in gerader Richtung eine Strasse lief, die das Bürgerspital auf diese Art vom Palais trennte. Heute bildet der Raum, wo diese Strasse durchlief, einen Hof. des Hauses, der einen Ausgarig in die Kärntnerstrasse bildet; das diesen Ausgang vermittelnde Thor ist jedoch immer geschlossen. In diesem Hause gründete Ferdinand Weidner von Pillerburg 1586 eine Capelle. Das Brunnenwasser dieses Hauses war lange Zeit das beste in der ganzen Stadt, und selbst der Hof trank mit Vorliebe davon. Noch unter Maria Theresia befand sich hier die Hauptwache der Rumorknechte, und vor dieser W&che wurden auch die militärischen Straferkenntnisse vollzogen. ln diesem Hause befindet sich noch die Kanzlei des unter dem Protectorate des Fürsten Adolf von Schwarzenberg stehenden allgemeinen Pensionsinstitutes für Witwen und Waisen und des in neuester Zeit gegründeten Militär-Veteranenvereines. Im Jahre 1556 besass das Haus der Hofpostmeister Mathias de Taxis, er war derselbe, der die Posten nach deutschem Muster zuerst in Oesterreich einführte. Das Kapuzinerkloster und die Kirche wurden 1618 unter Kaiser Mathias II. an jener Stelle erbaut, wo rückwärts zwei dem Stifte Stokau und Altenburg gehörige Häuser und die einstige „Zaunburg“ bestanden. Letztere war eine zum kaiserlichen Hofstalle gehörige Sattel- und Zeugkammer, die man auch „Schaumburgerhof“ nannte. Auch wurde fürs Kloster ein grosser Garten errichtet, der bis in die Spiegelgasse reichte. Wir können uns nur dann einen richtigen Begriff von der Grösse und Ausdehnung dieses Gartens machen wenn wir bedenken, dass er noch über die Plankengasse hinausreichte und daher nicht'blos den Raum der heutigen Plankengasse einÄahm, sondern auch den Raum jener Häuser, die, wenn man vom neuen Markt in die Plankengasse einbiegt, an der rechten Häuserfront dieser Gasse liegen. Auch die Seilergasse erlitt durch die Errichtung des Kapuziner-Klostergartens eine wesentliche Veränderung, denn einst lief die Seilergasse in gerader Linie vom Graben bis hinaus auf den Lobkowitzplatz, während sie heute nur noch bis zur Plankengasse reicht und da von der ihr gegenüberliegenden Häuserreihe abgeschnitten wird. Interessant ist die Bemerkung, dass damals die Fortsetzung der Seilergasse (nämlich jener Theil der Seilergasse, der sich von dei 4 Plankengasse bis zum Lobkowitzplatz fortzog) „Üiaifijßffc" hiess und dass daher auch durch die spätere Ausbreitung des Klostergartens dieser Strassentheil gänzlich wegfiel. Die Seileroder Raifgasse wurde früher auch ,/feuttgarpjIe" genannt und ist« im Bilde sub Figur 57 genau ersichtlich. Die Kapuziner wurden bereits 1599 von Kaiser Rudolf II. nach Wien berufen und wohnten anfangs bei den Minoriten, bis ihnen in St. Ulrich Kirche und *) Ein im vorigen Jahrhunderte ausgebrochenes Dachfeuer, dem die Figuren und das Frontispice zum Opfer fielen, soll die Ursache dieser Veränderung gewesen sein. Fig. 60 . Die Kapuzinerkirche. 23 I 178 Die kaiserliche Familiengruft bei den Kapuzinern. Kloster (heute Mechitaristen) erbaut wurde. Erst im Jahre 1622 bezogen sie das für sie erbaute i Ordenshaus am neuen Markte. Wie das Bild sub Flg. 60 darstellt, war die Hauptfagade gegen den neuen Markt ganz einfach und schmucklos, nur mit einem grossen, fast die ganze Wandfläche einnehmendem Kreuze (mit Lanze, Rohr und Schwamm, .Dornenkrone und anderen Marterwerkzeugen, Emblemen des Ordens) geziert, wie bei allen anderen Gotteshäusern dieses Ordens. Ein ähnliches Kreuz war auch an der Gartenmauer gegen den Lobkovvitzplatz aufgerichtet. ^ In der Zeit von 1782 bis 1784, als Kaiser Josef II. die Klöster einschränkte, wurden auch den Kapuzinern die weitläufigen Gärten, die fast die halbe Spiegelgassenlänge entnahmen, entzogen und zu Bauplätzen verwendet. So entstand denn eine neue Gasse, indem der Kaiser befahl, „lange bt’J- plante Käufer 3U bauen/' daher diese Gasse den Namen „Planfengafie" erhielt. Nur die Seilergasse in ihrer Fortsetzung wurde nicht mehr erneuert, hatte aber durch die Eröffnung der Plankengasse dennoch einen Vortheil, denn während sie früher durch die Gärten der Kapuziner sich fortsetzte und dort gegen den Lobkovvitzplatz eine „Sackgasse“ bildete und ihr Salier nur gegen den Grabpn zu ein einziger freier. Ausgang gestattet war, bekam sie jetzt zwei neue Communications- vvege und zwar: rechts von der Plankengasse auf den „neuen Markt“ und links von der Plankengasse in die „Spiegelgasse“. Die vorzüglichste Merkwürdigkeit des Kapuzinerklosters ist die kaiserliche Gruft, die näher besprochen zu werden verdient. , • t Die kaiserliche Familiengruft bei den Kapuzinern. Kaiser Mathias in einer Anwandlung von Trübsinn und Todesahnung hat diese Gruft zu bauen begonnen. Die vielen traurigen Tage der Religionswirren, der Bruderzwist, die Uneinigkeit 1 im eigenen Hause machten, dass er und seinq kinderlose Gemahlin Anna die Blicke nach jenseits 1 ' richteten und sich das Haus der Armuth und Demuth erkoren, um für sich und die Ihrigen eine letzte Ruhestätte zu gründen. Mathias legte den Grundstein zur „Familiengruft“, und wirklich kurze Zeit darauf, am 20. März 1619, hauchte er seine betrübte und ruhelose Seele aus, und es musste der Bau von seinem NjichfolgeV Ferdinand II. fortgesetzt werden; da aber auch dieser vor der Vollendung im Jahre 1632 starb, führte erst Ferdinand III. diesen Bau vollkommen zu Ende, mit der Bestimmung, dass alle Familienglieder des Habsburger-Herrscherstammes hier ihre letzte Ruhestätte ohne Ausnahme finden sollen. Und dieser Grundsatz wurde auch bis zum heutigen Tage aufrecht erhalten, mit Ausnahme jener wenigen Fälle, wo es die Verhältnisse nicht gestatteten. ‘) Die Kapuzinergruft, so geräumig sie auch war, wurde dennoch bald mit Särgen so überfüllt, dass schon Kaiserin Maria Theresia nach dem Aussterben der Habsburger «für die Erweiterung der Grabgewölbe Sorge tragen musste. “) Sie eröffnete also im Jahre 1748 einen neuen Tract für die „Lothringer’schen“ Familienmitglieder und schied denselben von jenen der *) Diese Ausnahmen sind: Königin lEliiabetl), Gemahlin Carl IX. von Frankreich, Tochter Kaiser Maximilian 11., welche das „Bötligsflofter" auf dem jetzigen Josefsplatz erbauen liess und ihrem Wunsche gemäss nach ihrem Tode (1592J dort begraben werden musste. — (Eleonore^ zweite Gemahlin Ferdinand 11., welche sich in dem von ihr gegründeten Kloster zu den „Siebenbüchnerinnen“ in der Salzgasse ihre Grabstätte (j - 1658) w'ählte. — <£IctUÖüT jSt’liritdS, zweite Gemahlin Leopold 1., die im Jahre 1676 starb und mit ihrer Mutter Anna in der Dom inicanerkirche au Wien ruht. — IDilbelminC Kmalia, Gemahlin Josef I., eine geborne Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, welche in dem von ihr gebauten Kloster der ,.Sa 1 esianerinnen“ am Rennweg als Witwe 17411 starbund inf Kl osterhabit unter dem Hochaltäre der Kirche beerdigt liegt. — £ 13 ( 1(1303 Jfriehricf) (f 1847 zu Venedig), beigesetzt in der Kirche St. Stefano. 1843 übertragen ^iach der Malteser-Ordenskirche (Giovanni Battista). — <£r3(>er30g Stefan (f 1867 zu Mentone), begraben in der Schlossgruft zu Ofen. — £ 131)((303 Johann (f 1859), zu Graz begraben, im Jahre 1869 nach Schloss Schönau bei Meran übertragen. — Wur?* ’-*«g ®yÜä!i ^V‘£' : j5*w. Geschichtliche Vorfälle bei den Kapuzinern und in der Gruft. 181 Völker und das Recht, fortan im Herzen ihrer Unterthanen zu leben für immerdar. Schon der Umstand, dass beide Majestäten mit dem Oberleibe des Körpers in halbaufrechter Stellung am Sargdeckel dargestellt sind, verleiht diesen beiden lebensgrossen Porträtfiguren eine unbeschreibliche Lebhaftigkeit und Natürlichkeit. Ausserordentlich wirksam vertheilt sind hier die Embleme des Thrones und die Sinnbilder der Herrschermacht. Wahrhaft poetisch wirkt der Schmerz der trauernden Völker, durch Genien allegorisirt, die den Sarg umgeben. In recht effectvoller Darstellung werden die wichtigsten Momente aus dem thatenreichen Leben der grossen Kaiserin durch schöne Basreliefs behandelt, die an den Wänden des Sarges angebracht sind, wie z. B. die Krönung in Frankfurt, in Pressburg und Prag. Das Grabmal ist von Zinn und das Ganze geeignet, einen tiefergreifenden Eindruck auf den Beschauer zu machen; gewiss wird Niemand diese Stelle verlassen, ohne einen bleibenden, mächtigen und zugleich wehmüthigen Eindruck mit sich fortzutragen. Geschichtliche Vorfälle bei den Kapuzinern im Kloster und in der Gruft. Am 20. Mai 1691 brannte das Kloster zum grössten Theile ab, nur Kirche und Nebengebäude blieben von den Flammen verschont. Am 12. August 1697 starb hier der beim Volke im Rufe eines Wundermannes stehende Kapuzinermönch Jllarcus HpiüUllö, der bei dem Entsätze Wiens von den Türken im fahre 1683 die Fürsten und ihre Fahnen segnete, und der dem Herzog von Lothringen so thcuer war, dass er ihn auf allen seinen Feldzügen begleiten musste. Leopold I. selbst hatte seinem alten Freunde Avianus auf dem Sterbebette die Augen zugedrückt und er war nur mit Mühe abzuhalten, ihn in der kaiserlichen Gruft beisetzen zu lassen. Am 18. August 1765 starb plötzlich zu Innsbruck vom Schlage gerührt Franz von Lothringen, der kaiserliche Gemahl Maria Theresias, und wurde am 24. desselben Monates bei den Kapuzinern in der Kaisergruft in dem bereits zehn Jahre vollendeten „Mausoleum“ beigesetzt. Dieser unvermuthete Todesfall machte auf die trauernde Gattin einen überwältigenden Eindruck. Augenzeugen erzählen, dass sie sogar die Regierungsgeschäfte niederlegen und in’s Kloster gehen wollte; nur mit Mühe wurde sie von ihren Kindern von diesem Schritte abgehalten. Dieselbe Fürstin, die noch vor wenigen Jahren gerne dem Vergnügen lebte, leidenschaftlich tanzte, Maskenscherze trieb, stundenlange sich mit Musik beschäftigte, Heiratsverbindungen für ihre Familie und selbst auch für Fremde mit Vorliebe stiftete, war ernst und trübsinnig geworden, man sah sie fortan nur in Trauerkleidern; ihren Privatschmuck und ihre Kleider verthfeilte sie unter ihre Kammerfrauen,* selbst das üppigreiche Haar, das sie sonst in Locken zu tragen pflegte, sah man kurz abgeschnitten und glatt gekämmt. Oft dreimal in der Woche kam sie zu den Kapuzinern in- die Gruft, nicht selten zur Nacht, wo sie bei Fackelschein am Grabe ihres geliebten Gatten ihr Gebet verrichtete. Fs,war, als ob sie sich bei ihm Rath holen wollte. So oft ihr etwas Wichtiges am Herzen lag, so oft sie eine schmerzliche Enttäuschung drückte, so oft sie zweifelnd vor einem wichtigen Ereignisse stand, sah man sie längere Zeit allein am Sarge ihres geliebten Gatten verweilen. In den letzten Jahren, als ihre Körperfülle bedeutend zunahm, wurde hier wde in der Hofburg und zu Schönbrunn eine Maschine aufgestellt, an der sie sich selbst hinablassen und wieder hinaufziehen konnte. Am 20. November 1780 besuchte sie gleichfalls die Gruft und blieb länger als gewöhnlich am Grabe ihres Gatten. Eine ungewöhnliche Rührung bemächtigte sich ihrer und sie begann, gegen ihre Gewohnheit, laut zu w'einen. Wahrscheinlich fühlte sie schon die zunehmende Schwäche dps Alters. Im Hinaufziehen blieb die Maschine dreimal stecken, und die Kaiserin sagte zu dem sie begleitenden Kämmerer in bedeutungsvollem Tone: „Mir scheint, die Gruft will mich nicht mehr .herauslassen. “ Und wirklich, es war dies ihr letzter Besuch. Mit Todesahnungen erfüllt kehrte sie in die Burg zurück, schon am dritten. 'Page verliess sie nicht mehr ihr Gemach, und 182 Geschichtliche Vorfälle hei den Kapuzinern und in der Gruft. schon am 29. November hauchte sie ihre grosse Seele aus. Noch eine andere, weniger bekannte Scene spielte sich einige Jahre früher jfier ab, oder war vielmehr die Veranlassung schweren Leides. Am 15. September 1767 war ein höchst feierliches Hochzeitsfest in der Hofburg angesagt, es sollte nämlich die schöne, liebreizende Prinzessin Josefa, Maria Theresias sechste Tochter, mit Ferdinand IV. vermählt werden, und die gottesfürchtige Kaiserin verlangte, dass die Braut nach Familiengebrauch vorher noch in der Kapuzinergruft an den Särgen ihrer Ahnen ihr Gebet verrichte. Die kaum sechzehnjährige Prinzessin fühlte aber eine unüberwindliche Abneigung gegen diesen Ort und beschwor ihre Mutter, ihr diese Ceremonie zu erlassen, da sich ihrer eine unerklärliche Todesfurcht bemächtige. Die strenge Mutter schenkte ihr aber kein Gehör, und so musste das zarte, äusserst empfindsame Geschöpf widerwillig, vor. Thränen überströmend, zur traurigen Behausung der Todten gebracht werden. Kaum hatte sie dort ihre Andacht verrichtet, befiel sie ein grauenhafterSchauer, sie fühlte sich unwohl, statt zum Traualtäre musste sie in’s Krankenbett gebracht werden, und schon einen Monat später, am 15. October, raffte der unerbittliche Tod ein junges, hoffnungsvolles Menschenleben dahin. Wie gerne hätte jetzt die verzweifelte Mutter ihrer Tochter den Willen gelassen, dcJch zu spät, die schöne Josefa hatte nicht geahnt, den von ihr so verabscheuten Ort so bald wieder und diesmal für immer zu betreten. Am 1. Februar 1782 machte ein Vorfall in der ganzen Stadt grosses Aufsehen. Eine Regierungscommission fand nämlich in den unterirdischen Räumen des Klosters viele dem Kapuzinerorden angehörige Patres als Gefangene gefesselt, die den damaligen geheimen „Kirchenstrafen“ verfallen waren, wovon einer bereits 11 Jahre, ein anderer 18, der dritte 16 und der vierte mit Namen Frater „Nemesian“ sogar 53 Jahre in den dunklen, öden Räumen sassen. ‘) Am 25. März 1782 besuchte Papst Pius VI. Kloster und Gruft und las auch hier die Messe, nachdem er vorher die Schatzkammer und die übrigen Räumlichkeiten des Klosters besichtigt und sich dann in das Refectorium begeben hatte, wo mehrere hohe Herrschaften zum Fusskusse zugelassen wurden. Der 5. October 1809 gehört gleichfalls zu den interessanten Episoden der Kapuzinergruft. Spät Abends nämlich hörte man ein ungewöhnlich heftiges Pochen an den Klosterpforten. Der Guardian öffnete und erkannte in dem ungestümen Pocher den damals so gefürchteten, weltbeherrschenden Napoleon Buonaparte, der ohne frühere Anmeldung in Gesellschaft eines einzigen Begleiters gekommen war und in die Kapuzinergruft geführt zu werden verlangte. Ehrerbietig öffnete man .ihm die Pforte und geleitete ihn mit Fackeln in die Gruft, wo er nicht ohne Rührung vor den Särgen Josefs und Maria Theresias längere Zeit verweilte. Er ahnte nicht, dass 23 Jahre später an derselben Stelle, wo er sich jetzt befand, der Sarg seines geliebten Sohnes, des Herzogs von Reichstadt, stehen werde. Im Jahre 1809 während der zweiten französischen Invasion diente das Kloster als Mehldepot. ’ * • Im Jahre 1835 machte Nikolaus I. von Russland, der zweite Bruder des Kaisers Alexander I., dem Kloster einen Besuch, um am Sarge des verstorbenen Kaisers Franz I. seine Andacht zu verrichten. Im Jahre 1844 liess Kaiser Ferdinand I. abermals einen Theil der Gruft neu erbauen, so gross, dass derselbe hinlänglichen Raum für einige Jahrhunderte gewähren dürfte. Im Jahre 1847 wurde das Kloster renovirt und mit einer schönen, wiewohl einfachen Fa^ade versehen. Am 2. November jeden Jahres, am Allerseelentage, wird die Gruft dem allgemeinen Besuche geöffnet, und die Wiener fiftden hier Gelegenheit, alljährlich den Hingeschiedenen eine wehmuthsvolle Thräne nachzuweinen.' Mit Blumen und Kränzen werden alsdann die Särge geschmückt, und die Ruhestätte der Todten gleicht einem Blumengarten. Alljährlich strömt die Bevölkerung Wiens zur stillen Gruft der 9 Vide Realis „Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon“ I. Band, Seite 302. Der Allerseelentag in Wien. 183 Kapuziner, dort am Sarge ihres unvergesslichen Kaisers Josef II., der in der Erinnerung fordert, weilen die Wiener am liebsten. Dieser Sarg bleibt für ewige Zeiten ein leuchtendes Wahrzeichen allen Jenen, welche für Licht und Wahrheit, für Freiheit und Recht im Kampfe stehen. Der Allerseelentag in Wien. Es gehört zu den charakteristischen Zügen der Wiener, dass sie sich an diesem Tage rückhaltsloser als andere Grossstädter dem Gefühle der Trauer hingeben, um das Andenken an ihre theuern Todten durch Gräberbesuche zu ehren. Ein jeder von ihnen hat ein theueres Lieb, ejnen Wohlthäter zu betrauern, denn die Gutthaten überdauern den Menschen und das Edle im Menschen lebt fort, wenn auch längst schon Gras über seinem Grabe gewachsen. An diesem Tage alsdann sehen wir ganze Karawanen in unübersehbarer Menge wallfahrten nach den Grabstätten ihrer Lieben, Jung und Alt, Arm und Reich, Menschen aus allen Schichten und Berufs- classen, schöngeputzte Herren und Damen. Alle überwältigt hier nur ein einziger Gedanke, der Gedanke „an das Jenseits“, und dieses gemeinsame Gefühl macht sie Alle hier gleichsam zu alten Bekannten, zu einer einzigen grossen christlichen Familie. Aller Todten wird hier mit gleicher Liebe gedacht, denn ob sie nun selig im Herrn entschliefen nach einem Leben voll „Tugenden“, oder dahinfuhren ip „Sünden“, anstatt des Grabgesanges von Flüchen begleitet, das Grab versöhnt sie alle, wischt die Flecken ab und macht uns nachsichtsvoller in der Beurtheilung von Fehlern und Mängeln. Auch die Friedhöfe sind jetzt stattlich herausgeputzt. Tausende von Blumen und Kränzen, nicht blos Astern, Rosmarin und Cypressen, die Repräsentanten des Todes, schmücken officiell die Gräber, auch weltliche Rosen glühen und blühen in Menge, und Tausende von Lichtern, Laternen und Wachskerzchen, welche die Andächtigen mitgebracht, funkeln und flammen jetzt und verleihen dem Ganzen einen seltsam erhebenden Anblick. ’) Aber den Glanzpunkt des Tages bildet doch nur die Kaisergruft bei den Kapuzinern. Sie wird mit besonderer Vorliebe und Pietät von den Wienern besucht und die ehrfurchtgebietenden Räume sind alljährlich zum Erdrücken voll. 1 2 ) Am liebsten verweilen sie am Sarge ihres geliebten Josef. Er, der störrige Sohn, der so oft im Leben der Mutter widersprochen, gehorsam liegt er jetzt im Tode zu ihren Füssen, schlicht, im einfachen Sarge gebettet. Ihm, der die beste Absicht, den redlichsten Willen gehabt, seine Völker glücklich zu machen, ihm ist so Weniges gelungen, und das Wenige erst längst nach seinem Tode. Auch der Sarg der Gräfin Caroline Fuchs (gestorben 1754) gibt uns ein rührendes Beispiel seltener Dankbarkeit. Maria Theresia hielt es nicht unter ihrer Würde, sie, die Erzieherin ihrer Kindheit, aus Dankbarkeit in die Reihen ihrer erlauchten Ahnen aufzunehmen. Ebenso nimmt die Ruhestätte des Herzogs von Reichstadt die Aufmerksamkeit Vieler gefangefi. 3 ) Es liegt ein wehmuthsvolles Gefühl in dem Gedanken, dass gerade er, der hoffnungsvolle Prinz, der glückliche Erbe einer grossen Erinnerung, der aufgespart war, auch viele Thaten zu verrichten, gerade in der Blüthe seiner Jahre hingerafft wurde. Auch dem Sarge Josef I. wird nicht geringe Beachtung geschenkt; er war der schönste und talentirteste Prinz des mächtigen Habsburger - Herrscher- 1 j Wenn auch die fromme Sitte des Gräberbesuchcs seine volle Berechtigung hat, so kann ich dennoch die Bemerkung hier nicht unterdrücken, dass ich die Ruhestätte eines mir theueren Todten lieber in einsamer, stiller Stunde betrete als im Gewühle der lärmenden, wild drängenden Menge. ä ) Betreffs des Besuches in der Kaisergruft der Kapuziner vide E. Straub’s „Localskizzen Alt- und Neu- Wiens" aus dem Jahre 1842. 3 ) Interessant ist die Bemerkung, dass lebhafte Correspondenzen noch in neuester Zeit zwischen der französischen Regierung und dem österreichischen Hoie wegen Reclamirung der Leiche des Herzogs von Reichstadt gewechselt wurden, die aber zu keinem Resultate führten, da die hiesige Regierung erklärte, die Leiche des Prinzen nur dann ausliefern zu wollen, wenn man ihr jene der Königin Maria Antoinette zurückerstatte, die aber bekanntlich nicht aufznfinden war. I # 184 Die Kunstdenkmäler der Kapuzinerkirche. geschlechtes. Der Sarg ist ganz von Silber, geschmückt mit einem kostbaren Basrelief, „Barcelona“ darstellend, eine der grössten und schönsten Städte Spaniens am Mittelländischen Meere, mit der kurzen und bescheidenen Aufschrift: „Barcelonam liberavit.“ Eine nicht minder bewunderungswerthe, vielbesehene Grabesstätte ist jene des am 2. März 1835 verstorbenen Kaisers Franz I., des Vaters seiner treuen Völker. Der Sarg ruht in Mitte des Gewölbesauf schmucklosem Sockel von Sandstein, ganz einfach, wie es der Fürst im Leben gewesen, nur mit den Insignien der Kaiserwürde geziert. Bedeutungsvoll umgeben ihn vier Särge. Es sind dies die Grabesstätten seiner vier Frauen, die ihm im Leben wie im Tode treu zur Seite standen, nämlich: Elisabeth die Sanfte, Maria Theresia die Schöne, Maria Ludovitja die Gütige und Carolina Augusta die Mildthätige, die wahre Mutter des Volkes, die noch heute im Herzen der Armen fortlebt als Muster weiblicher Tugend und edler Herzensbildung. Ausser der Kapuzinergruft, deren zahlreiche Schätze Raumes halber nicht erschöpfend besprochen werden können, bietet die Kirche noijh andere Kunstwerke, die hier Erwähnung verdienen. Die Kunstdenkmäler der Kapuzinerkirche. Die meisten Altarbilder, welche diese Kirche schmücken, rühren von der Hand des berühmten Kapuziners Norbert, eines in Rom gebildeten Malers, *) und das schönste Werk von seiner Hand ist hier das grosse Altarbild: „Die Opferung Mariä.“ Die Correctheit der Zeichnung, die Kühnheit der Composition, wie der harmonische Wohllaut des schön zusammengestimmten, wiewohl etwas dunklen Colorits verdienen gewiss volle Anerkennung. Das schöne Altarblatt der sogenannten „Kaisercapelle“ ist von Gabriel Matthäi aus Rom, und die beiden grossen Altarblätter, für die öffentlichen Andachten zu Maria Verkündigung und für Weihnachten bestimmt, sind treffliche Kunstarbeiten unseres unvergesslichen Ludwig Schnorr. *) Die Kuppeldecke im neuen Zubau der Gruft wurde von Josef Milldorfer al fresco gemalt, das Bild zeichnet sich wie alle seine ‘ anderen Arbeiten durch shöne Composition und Farbengebung aus. 3 ) Die dem in die Kirche Eintretenden zur Linken befindliche Kaisercapelle weist die schönen Standbilder des Kaisers Mathias, der beiden Ferdinande (II. und III.) und des römischen Kaisers Ferdinand IV. aus. Es sind dies lebensgrosse Porträtstatuen von untadelhafter Formschönheit. Die Schatzkammer zunächst der Kirche ist reich an Reliquien, byzantinischen Monstranzen und versthiedenen alten Holzschnitzarbeiten, letztere von nicht sehr belangreichem Kunstwerth. Der kostbare „Marmoraltar“, der auf Befehl Kaiser Josefs II. von der *) Norbert (recte Johann B a u mgärtger), im Jahre 1717 geboren, war in Rom gebildet, seine Arbeiten blieben nicht ohne Einfluss auf die Kunstschule seiner Vaterstadt Wien, ^er er als Mitglied der Akademie angehörte. Er bildete auch mehrere ausgezeichnete Schüler, wie z. B. den berühmten Maler Hubert, den nachmaligen Schutzverwandten und späteren Professor der Wiener Akademie. Norbert trat frühzeitig in den Orden der Kapuziner und vollendete im Kloster mehrere ausgezeichnete Altarbilder für die Kapuzinerkirche. Alle seine Arbeiten zeichnen sich durchwegs durch unvergleichliche Natürlichkeit und Innigkeit des Gefühls, sowie durch schöne Farbengebung aus. Er blühte um die Zeit von 1730 bis 1770 und starb 1773 zu Wien. Seine vorzüglichsten Bilder sind: „Die kleine Maria vor dem Hohenpriester im Tempel,“ noch gegenwärtig Eigenthum des Kapuzinerconvents, dann „Die heilige Familie“, Eigenthum der k. k. Akademie, endlich noch im Besitze des Kapuzinerklosters zwei treffliche Skizzen „Der Tod des heiligen Josef“ und „Der heilige Stefan vor dem Throne der heiligen Maria huldigend“. s ) Ludwig Schnorr v. Carolsfeld, in Leipzig im Jahre 1789 geboren, Schüler der Wiener Akademie, wurde später Custos der Gemäldegallerie im Belvedere, blühte in der Zeit von 1800 bis 1840 und starb am 13. April 1833; er cultivirte mit Vorliebe das historische Fach und die Heiligenlegende. 3 ) Josef Ignaz Milldorfer, zu Innsbruck geboren, war Schüler des Paul Troyer, Directors der Wiener Akademie, und berühmt als Historien- und Schlachtenmaler. 185 Das gräflich Draschkowitz’sche Haus. > untern Gruft in die Kaisercapelle übertragen werden musste, ist ein von Strudel geschaffenes Kunstwerk von hohem Interesse.') Von den übrigen Häusern, welche sich dem heutigen Kapuzinerkloster anschliessen und auf der dem Hotel Munsch gegenüberliegenden Seite des Platzes sich befinden, sind folgende besonders einer Erwähnung würdig: O O t Das gräflich Draschkowitz’sche Haus Nr. 1057 (neu 9) ist ein weitläufiges, fünfstöckiges Zinshaus, das die gegenwärtige Gestalt seinem ersten Besitzer und Erbauer, dem Nikolaus Grafen Draschkowitz, verdankt und diesen Namen in dankbarer Erinnerung bis in die jüngste Zeit fortführte und noch heute an dieses in der Geschichte Ungarns durch Jahrhunderte berühmte Geschlecht erinnert, dessen Glieder als Diener der Kirche, als Staatsbeamte und Feldherren in hervorragender Weise wirkten. Schon Georg Draschkowitz, unter Rudolf II. Bischof von Raaji und Erzbischof von Colocsa, wurde vom Papste Sixtus V. im Jahre 1585 mit der Cardinaiswürde ausgezeichnet und »war bis zu seinem am 31. Jänner 1588 in Wien erfolgten Tode gleich thätig im Dienste der Kirche, wie in jenem seines Fürsten. Dessen grosse Verdienste würdigend verlieh Kaiser Maximilian II. seinem Bruder Caspar im Jahre 1509 das Schloss und die Herrschaft Trakostian (Drachenstein) in Croatien, die bis jetzt noch immer als die Hauptherrschaft dieser Familie gilt. Johann Draschkowitz war Kämmerer des Kaisers Rudolf II. und geheimer Rath, General der Cavallerie, sowie auch zuletzt Hofkriegsrath. Er schlug die Türken als Feldherr bei Kopreinitz, entsetzte im Jahre 1592 die Festung Essegg, befestigte Petrinia, besiegte in mehreren Schiachten die Türken und trug 1600 sehr viel zum ruhmreichen Siege bei K-anisza bei. Kaiser Ferdinand II. erhob die Familie im Jahre 1631 in den Grafenstand. Johann Draschkowitz bewies gleichfalls bei mehreren Schlachten in Ungarn und Slavonien seltene Tapferkeit und wurde 1637 Commandant der Festung Kreutz. Schon nach drei Jahren wurde er zum Banus von Croatien und 1646 zum Palatin von Ungarn erhoben, und als ihm die eigenen Magnaten den Vorwurf machten, dass er in Ungarn nicht begütert sei, überliess ihm Ferdinand III., der ihn sehr liebte, die Herrschaft Ovar (Ungarisch-Altenburg). Seiner ausgezeichneten Thätigkeit verdankt Ungarn mancherlei weise Gesetze und viele gute Vorkehrungen gegen die Türken. Schade, dass ihn das Geschick so früh seinem grossen Wirkungskreise entriss, denn als er eben von der königlich ungarischen Commission in Ovar installirt wurde, ereilte ihn am 5, August 1648 der Tod. Sein Leichnam wurde nach Pressburg gebracht, wo er in der Domkirche beigesetzt wurde und noch heute ein schönes Grabmonument sein Andenken ehrt. Nikolaus Graf Draschkowitz, dessen Enkel, ist der Gründer und Erbauer dieses eben in Rede stellenden Hauses (Nr. 1057) auf dem Mehlmarkte. * 2 ) ') Die Kaiserin Maria Theresia befahl im Jahre 1751 in der Gruft der Kapuziner und zwar in jenem Grabgewölbe, das für das Mausoleum bestimmt war, einen kostbaren Altar aus Marmor zu errichten und anvertraute die Arbeit den Händen des Bildhauers Dominik Strudel, jüngeren Bruders des Akademiedirectors Peter v. Strudel (der damals schon längst gestorbeto war). Auch bestimmte sie, dass auf diesem Altar alltäglich zehn Messen für verstorbene Glieder ihres erlauchten Kaiserhauses gelesen werden sollen. . Seitdem hielt sie sich mit besonderer Vorliebe in dieser Familiengruft auf, wo sie regelmässig an gewissen Erinnerungstagen die Messe hörte, oder beim Sarge ihrer frommen Grossmutter E1 e o n o r a > oder noch lieber und öfter beim Grabe ihrer Eltern das innigste Gebet verrichtete. Als mm Josef 11. zur Regierung gelangt war, liess er den Zutritt zur kaiserlichen Familiengruft für immer sperren, gestattete denselben für das Publicum nur für den 2. November jeden Jahres am Allerseelentag, liess den Altar aus der Gruft in die kaiserliche Capelle übertragen und stellte die täglichen Trauermessen ab. *) Die weiteren Besitzer dieses Hauses waren: im Jahre 1700 Hlartfl ftlagktlenü (büiifitt »Ott ItälfifOlDif;, Witwe (nach Nikolaus); 1775 Johann von Bauerspach; 1783 dessen Erben; 1822 Maria, Ludwig und Josef Puffer, Theresia Gigant, Franz, Caroline, Theodor, Carl und Johann Schloissnig, Jakob und Elisabeth Heindl; 1828 die Bauerspach’schen Erben; später Aloisia Hasenöhrl und gegenwärtig Freiherr von Heintl. 24 186 Das rothe Dacheihaus. Die alte Theaterbude. Das Haus „zum rothen Dachei“ Nr. 1058 (neu 10), ist ehrwürdig durch hundertjährige Erinnerungen. Seine Benennung „3 UM rotyflt Thldld" erhielt es von jener kleinen Bedachung, die oberhalb der Eingangsthüre angebracht war, wie wir sie im Bilde sub Figur 58 bemerken. Das rotbc Sücbelbaus gehörte zu den ältesten und besten Bierhäusern Wiens und gemahnte noch bjs zum Jahre 1873 durch seine altartige Gasthauseinrichtung, seine breiten Ledersessel und schweren eichenen Pfostentische an die ältesten Zeiten. Man nannte es in der Volkssprache das „Fiakerbeisl“, von den auf dem Platze befindlichen Fiakern, die hier zu den nie fehlenden Stammgästen gehörten. Uebrigens ist die Bezeichnung „Zum Dachei“ mehreren alten Wiener Bierhäusern eigen gewesen, wovon die Bierschänke „zum rothen Dachei“ auf dem Mehlmarkt, dann an der Ecke des alten Fleischmarktes und des Hafnersteiges seit einem Jahrhunderte die beliebtesten Besuchsorte waren, und noch in der allerjün^sten Zeit geschieht vom sogenannten „Dacheibäck“ auf der Seilerstätte Erwähnung, der sich durch vorzügliches Brodgebäck auszeichnete und den alten Wiener Spruch Lügen strafte^ • „Ehr und Nutzen wohnln, *ach! Selten unter einem Dach.“ Auch bestand knapp vor diesem Hause noch zu Ende des XVII. und zu Anfang des XVIII. Jahrhundertes ein aus Leinwand ausgespanntes grosses Zelt, in welchem die herumziehenden Komödianten und fahrenden Possenreisser, namentlich der ,/feÄttSWUfjit", ihre beliebtesten Spässe pro- ducirten und eines grossen Zulaufes sich erfreuten. Man nannte es gewöhnlich „die alte Theaterbude“. Unsere genügsamen Vorfahren vergnügten sich trotz der so primitiven Schaustellung ganz vorzüglich, und die schlichte Bude war sets von Zuschauern umlagert. *) Auch befindet sich noch gegenwärtig zwischen dem ersten und zweiten Stockwerke dieses Hauses ein rauchgeschwärztes, kaum in seinen Contouren erkennbares Wandgemälde aus dem vorigen Jahrhunderte, das Zeugniss gibt von dem hohen Alter dieses Hauses. Es ist eines jener vielen altehrwürdigen Wandgemälde, welche die Häuser der Stadt noch im XVII. und XVIII. Jahrhunderte zierten und sich entweder' auf die Geschichte des Hauses oder seines Eigenthümers bezogen, im Laufe der Zeit aber fast gänzlich verschwanden, ohne dass man ihnen ein pietätvolles Andenken in Wort und Bild geweiht hätte. a ) *) Es ist sehr fraglich, ob sich heute unsere modernen Theaterhabitues wohl besser unterhalten, als damals die Besucher jener einfachen leinwandbehangenen Theaterbuden trotz der ungeheueren Maschinen- und Flugapparate, trotz des colossalen Raffinements von Licht- und FarbenefTecten, mit denen man heute das Interesse des Zusehens zu fesseln vermeint. „O nutzloses Beginnen!“ Diese Effecte müssten ja immer mehr und mehr, von Jahr zu Jahr gesteigert werden und wir gelangten endlich durch diese Steigerung doch nur an jenen gefährlichen Wendepunkt der „Blasirtheit“, wo es weiter keine Steigerung mehr gibt, wo keine weitere Anreizung mehr auf den Zuseher ausgeübt werden kann, wenn nicht auch innerer Gehalt, wahre innere Befriedigung für Herz und Geist einen wesentlichen Antheil an der Schaustellung nimmt. Auf jedem Kunstgebiete sind äussere Effecte für sich allein fruchtlos, wenn nicht dabei auch Herz und Geist ihre Rechnung finden. s ) Jene verdammenswerthe Pietätlosigkeit, mit der man gegen Wandgemälde an den alten Stadthäusern in der abgelaufenen Zeitepoche verfuhr, kann nicht genug getadelt werden, sowie die Unsitte, alte Sculpturen durch häufiges Ueber- tünchen der Wände bis zur Unkenntlichkeit zu verwischen. So z. B. existirt heute noch am Hause Nr.* 998 (neu 14) in der Annagasse ober dem Hausthore eine kostbare „Amorettengruppe“ von Professor Kleiber, die man durch zu häufiges Uebertünchen mit Kalk (oder „weissingen“, wie es die Wiener zu nennen pflegen) kaum mehr deutlich zu erkennen vermag. Mögen gute Götter uns in Hinkunft vor ähnlichem Vandalismus bewahren. In Deutschland verhält sich die Sache ganz anders. Dort besteht ein Gesetz, wonach kein Gebäude abgetragen werden darf, bevor nicht der Hausherr vom Ministerium für Kunst und Unterricht hiezu die Erlaubniss erhalten hat, und es wird ihm diese Demolirungslicenz auch nicht früher ausgefolgt, bis nicht die Behörde sich überzeugt hat, dass dadurch kein für die Kunst oder Kunstgeschichte wichtiges Denkmal verloren gehe. Diese praktische Vorschrift wäre auch in Oesterreich von Nutzen und sollte (bis wir erst ein Ministerium für Kunst besitzen, d. h. bis auch bei uns die „Kunst“ im grossen Staatshaushalte sich auf der Tagesordnung befinden wird) den massgebenden Gesetzgebern nicht warm genug zur Nachahmung empfohlen werden. Doch um wieder zu unserem Gegenstände zurückzukehren. Die ältesten Besitzer dieses Hauses waren, wie es die städtischen Grundbücher ausweisen, folgende : Das „goldene Adler“-Haus. — Ein französisches Spielhaus. 187 Das Haus „zum gülden Adler“ Nr. 1059 (neu 11) zählt gleichfalls zu den altehrwürdigen Steininvaliden, die hier in Reih und Glied aufgestellt sind, und die trotz ihres Alters und trotz ihrer Mauernarben noch immer rüstig aufrecht stehen und mit der Redseligkeit des Alters manche kleine Geschichten und lustige Stücklein zu erzählen wissen. Also lauschen wir ihren Erzählungen. Schon im Jahre 1663 betrieb hier ein gewisser Mathias Zelner in den weiten und tiefen Kellerräumen als Hauseigenthümer ein einträgliches Wirthsgeschäft. Im Iahre 1700 kam Mathias Zehntner des äusseren Rathes an die Gewähr, der gleichfalls in diesem Keller Schank- und Gasthausgerechtigkeit übte und dem Geschäfte das Schild „jum ljulbeu iHbler" gab, von dem auch das Haus den Namen erhielt. Noch heute zeigt dieser Keller unverkennbare Spuren jener früheren Bestimmung, und noch heute führt eine schmale, überaus steile Stiege gleich vom Thoreingange in die unterirdischen weitläufigen Räume, die gegenwärtig zur Unterbringung von Marktgeräthschaften dienen. ‘) Ein französisches Spielhaus Nr. 1060 (neu 12). Die Schlacht von Aspern (22. Mai 1809) und jene von Wagram (5. Juli 1809) waren soeben geschlagen, namenloses Elend brach über beide Heere ein und Tausende von Verwundeten beider Theile bedeckten das Schlachtfeld, aber beide Theile lernten sich jetzt kennen und achten. Die Franzosen selbst waren gerührt von den zahllosen Werken der Barmherzigkeit, welche die Wiener an ihren Feinden übten, und mittelst Anschlagzettel an den Strassen der Stadt sprachen die Franzosen ihren Dank unverhohlen aus; auch bezog jetzt gemeinschaftlich mit den Franzosen die Wiener Bürgermiliz die Wache. Dies Alles half zum gegenseitigen besseren Einverständnisse, beide Theile Hessen es an gegenseitigen Aufmerksamkeiten nicht fehlen; so beeilte sich z. B. der Generalgouverneur Andreossy schon am 18. Juli den Wienern ihren Prater, Augarten, Schwarzenberg- und Schönbrunnergarten wieder freizugeben und Napoleon, der in Schönbrunn wohnte, schloss schon am 11. Juli einen Waffenstillstand mit Oesterreich ab, so dass man auf einen baldigen Friedensschluss hoffen konnte, der auch wirklich schon drei Monate später erfolgte. a ) Fast täglich besuchten die französischen Officiere das Kärntnerthor-Theater, da sie an der Oper und besonders am Ballet grosses Wohlgefallen fanden. Die Direction räumte ihnen die vordersten Sitzbänke des Parterres zur Benützung ein und Hess die Theaterzettel während ihres sechsmonatlichen Aufenthaltes auch in französischer Sprache drucken, * * 3 ) und am 15. August wurde der Geburtstag im Jahre 1684 Christian Wolfsstriegl, 1770 Ludwig Edler von Wolfskern, 1775 Johann Georg Mossbauer, 1795 Josef Eisenhut, 1823 Wenzel und Theresia Jabureck, 1833 Heinrich Dürrenbauer und Theresia Stiegelmayer, 1853 Alois Vögele, 1869 Gast- wirth Kren und zuletzt 1873 die Gebrüder Josef und Dominik Wild, die sich durch einen ausgebreiteten Käsehandel in Wien Renommee erwarben. Siegehören einem alten Wiener Geschlechte an, das bereits im Jahre 1818 auf dem Bürgerspitalsplatze und im Jahre 1830 im ehemaligen Komödiengassei neben dem bekannten Komödienbierhaus einen kleinen, aber sehr besuchten „Käseladen“ inne hatten. Erst im Jahre 1873 (nach Demolirung' dieser Häuser) übersiedelten die beiden Brüder Josef und Dominik Wild in das in Rede stehende Haus auf dem neuen Markt, wo sie sich noch jetzt befinden. *) Die ältesten Eigenthümer waren laut Grundbuch: 1684 Mathias Zelner, IDtttäl), 1700 Mathias Zehntner des äusseren Rathes, 1775 Adam Gütz, Schneider, 1787 Königshuber, 1795 Alois Sartory, 1833 Josef Sartory und später Carl und Josef Droll und deren Erben. a ) Am 14. October um 9 Uhr Morgens* verkündete Kanonendonner den beglückten Wienern die Unterzeichnung des Wiener Friedens, und in allerhöchsten Kreisen trug man sich bereits jetzt schon mit dem Spinnen jener feinen Fäden, die endlich sechs Monate später zum Hochzeitskleide Maria Louisen’s werden sollten. 3 ) Diese Aufmerksamkeit wussten die französischen Officiere auch zu schätzen und liessen es an Gegenaufmerk- samkeiten nicht fehlen, nur ein einziges Mal kam es aus Missverständniss zu einem etwas scandalösen Auftritt. Am 11. October 1809 hielt Napoleon in Schönbrunn grosse Revue ab, er wollte seine Gäste Abends mit einem Ballet im Schlosstheater überraschen und befehligte also das Theaterpersonal nach Schönbrunn; nun war aber auch im Kärntnerthor-Theater ein Ballet angekündigt und schon sassen die französischen Officiere zahlreicher als sonst auf ihren Sperrsitzen, als plötzlich das versprochene Ballet 24* 188 Napoleon und die französischen Officiere in Wien (1809). Napoleons sogar mit einer grpssartigen Stadt-Illumination gefeiert, wobei auch nicht ein einziger Misston laut wurde. Nur am Hause eines Bürgers in der Bäckerstrasse sah man als Transparent mit grossen Buchstaben das Wort „Zwang“; als man näher trat, waren es blos grosse Anfangsbuchstaben eines ganzen Satzes und man las: Zur Weihe An Napoleons Geburtstag! Dieser Witz erregte allgemeine Heiterkeit und wurde zum Glück von den Franzosen gar nicht beachtet. ‘) So knüpfte sich denn fast unmerklich ein unsichtbares Freundschaftsband zwischen Siegern und Besiegten, zwischen Frankreich und Oesterreich. Dazu kömmt noch, dass eine sehr grosse Partei am Wiener Hofe auf die Begründung eines dauerhaften Friedens mit Frankreich ihr unverrücktes Augenmerk richtete. Es waren dies jene hohen und einflussreichen Cavaliere, die sich seit jeher altfranzösischen Vorbildern zuneigten und denen es auch jetzt wieder gelungen war, den Kaiser zu überzeugen, dass nur in dem innigsten Anschlüsse an Napoleon das einzige Heil der Monarchie zu suchen sei, 2 ) und man trug sich wirklich schon allgemein mit der beruhigenden Hoffnung eines baldigen, lange andauernden, glückverheissenden Friedens. Dies war die Stimmung, während welcher ein abenteuerlicher Pariser im Hause Nr. 12 auf dem neuen Markt im ersten Stockwerke ein französisches Spielhaus nach ächtem Pariser Muster etablirte. Er richtete glänzende Salons ein mit hohen Spiegelwänden und strahlenden Lustres und Girandoles, mit Gobelins und Tapeten und fand auch richtig reichen Zuspruch. Die französischen Officiere, die bei Tag ihre Quartiere nur selten verliessen, s ) fanden sich hier Abends zum Kartenspiele ein. Auch unsere Cavaliere lockte die Neugier herbei. Die Herren kamen, um das Glück im Kartenspiel zu versuchen, und die Damen, um Pariser Sitte und Mode an der Quelle zu studiren. Das Haus glich nun einem Tempel, in welchem die Göttin der Mode ihren Sitz aufgeschlagen, um hier ihre glänzendsten Orgien zu abgesagt wurde. Darüber geriethen die französischen Officiere so in Wuth, dass sie über das Orchester auf die Bühne stiegen, mehrere Instrumente zertrümmerten und erst dann beschwichtigt werden konnten, bis einer der Regisseure vortrat und den Absagebefehl Napoleon’s bekanntgab. *) Es ist für die damalige Situation sehr bezeichnend, dass die Wiener den Napoleonstag mit ausgesuchtester Prunk- haftigkeit feierten. Früh Morgens schon flaggten die Donauschiffe und feuerten um acht Uhr ihre Freudensalven ab. Um neun Uhr war grosse Parade in Schönbrunn. 60 Kanonen donnerten von den Wällen und es läuteten alle Glocken. Punkt zehn Uhr zog der Vicekönig in grosser Pracht zum Te Deum nach St. Stefan, in allen Strassen sah man schöngeputzte Herren und Frauen, in allen Theatern gab es Festvorstellungen, und bis weit über Mitternacht wogte die schaulustige Menge durch alle Theile der Stadt und Vorstädte, die festlich beleuchtet waren. Andreossy gab eine Tafel im Rittersaale der Burg, und zwischen dem Burgthor und den k. k. Stallungen wurde ein Feuerwerk abgebrannt. a ) Nur eine kleine Gegenpartei befand sich in den aristokratischen Kreisen Wiens, die das Glück und die Rettung der Monarchie in der entgegengesetzten Politik finden wollten, nämlich in dem Gedanken, dass nur mit der gänzlichen Vernichtung Napoleon’s und der Napoleoniden der Welt Friede geschenkt werden könne. Die Wortführer dieser kleinen aber einsichtsvollen Partei (die zuletzt doch Recht behielt) waren Graf Rasumovsky undPozzo di Borgo, und merkwürdig genug, der eigene Bruder des Kaisers, der Sieger von Aspern, Erzherzog Carl, der auch deshalb von der Leitung des Heerwesens jetzt zurücktrat. 3 ) Die französischen Officiere hielten sich in dienstfreien Tagen meist in ihren Quartieren auf, das galt auch besonders von den Elsässern, die sich sogar mit ihren Quartierträgern und deren Familien auf das Innigste befreundeten. So erklärt es sich, dass man auf der Strasse nur wenigen französischen Officieren begegnete. Auch Napoleon Hess sich selten öffentlich sehen und ging nie zu Fuss auf offener Strasse, sondern fuhr nur zweimal in der Woche in einem grossen schweren und festverschlossenen Wagen von Schönbrunn nach Wien, wenn er den General Berthier auf der Wieden besuchte. Dieser wohnte nämlich, des schönen Gartens wegen, in der Alleegasse Nr. 70 (heute neu 29) im gräflich Kiehnansegg’schen Hause, das später Bäuerle ankautte. Wenn Napoleon bei diesem Hause ankam, liess er das Gespann in den Hof lenken und das Hausthor hinter sich schliessen, Berthier empfing ihn, führte ihn in den Garten und befahl unter einem, dass Niemand im ganzen Hause weder im Hofraum, noch an den Fenstern sich blicken lassen düife. Sogar der Gärtner hatte strenge Ordre, während der Anwesenheit des hohen Gastes sich im Glashause verborgen zu halten. Napoleon blieb häufig eine Stunde, ja noch länger hier, stets im eifrigen Gespräche mit Berthier. Bei seiner Entfernung spähte Napoleon ängstlich, ob er nicht beobachtet würde, warf sich dann rasch in seinen Wagen und kehrte schnell nach Schünbrunn zurück. Der Gärtner Weigl (ein Augenzeuge), welcher den wiederholten Besuchen Napoleon’s in diesem Hause eine „Denktafel“ widmete, hat das eben Erzählte Bäuerle mündlich mitgetheilt, das er dann später in seinen Memoiren (11. Band, 53. Capitel) veröffentlichte. Vide: Carl Hofbauer’s „Historisch-topographische Skizzen zur Schilderung der Vorstädte“. Wien, 1864. • » Das Kupferschmiedhaus. J89 » feiern. Mit Leidenschaft gab man sich der Nachahmung Pariser Muster hin, man huldigte dem Pariser Modeflitter, dem glitzernden, schimmernden Tand mit all seinen verwegenen Regungen, mit seinen damals* revolutionären, .Gewalten, aber auch mit seiner schlaffen Weichheit und frivolen Ausgelassenheit. Es schien, als ob jetzt unversehens in diese Räume aus allen Thüren und Fenstern Pariser Luft einströmte, die auf unsere Gemüther mit berückendem Zauber wie betäubend wirkte. « Man scherzte und lachte oft die ganze Nacht hindurch, ohne zu bedenken, dass es unsere Feinde seien, mit denen man lache und scherze. Es wurden hohe Spiele arrangirt, gewagte Wetten gemacht, es unterliefen allerlei pikante Abenteuer, deren sich die übermüthigen Franzosen schuldig machten, kurz, das Local kam allmälig in Verruf und wurde zuletzt von keinem Inländer mehr besucht, und als am 20. November 1809 die französischen Truppen Wien wieder verliessen, hatte das wüste Treiben für immer ein Ende. ') Das Kupferschmiedhaus Nr. 1064 (neu 13) hat seinen Namen von dem Kupferschmied Georg Adam Hässing, der im Jahre 1684 mit dem Zeugsdrechsler Paul Mayr zwei Häuser an jener Stelle besass, die später den Platz für den Eingang in die Plankengasse abgaben. Im Jahre 1796 wurde das gegenwärtige Haus als eine Ecke in die Plankengasse von Carl Freiherrn WetzlÄr von Blankenstern erbaut, daher es noch heute das Wetzlar’sche Haus genannt wird. Im Jahre 1806 ging es durch Kauf auf Regina Freiin von Aichelberg über, von der es Caroline Freiin von Wetzlar zurückkaufte, deren Erben es noch heute im Theilbesitze haben. ? ) Bemerkt sei noch, dass seit dem Jahre 1816 der Bilderhändler Paterno sich hier mit seinem Kunstladen etablirte, von dem sich manches Erzählenswerthe sagen lässt, 3 ) wie denn überhaupt vom Wiener Kunsthandel manches Interesfante hier berichtet werden kann, das für die Cultur- und Kunstgeschichte der Stadt nicht ohne Bedeutung ist. Ich will -daher in Kürze das Wesentlichste vom Wiener Kunsthandel und seiner ersten Entwicklung hervorheben. , t ‘J Im Jahre 1796 wurde dieses Haus (Nr. 12) von Freiherrn Carl Wetzlar von Blankenstern in der heutigen Gestalt aufgebaut und es ist vollkommen irrig, dass, wie Einige meinen, die durch diesen Aufbau neu entstandene Gasse von ihrem Erbauer, dem Baron B lKnkenstern, den Namen „Plankengasse“ erhielt. Bis zum Jahre 4782 erstreckten sich nämlich die Gärten der Kapuziner bis an jene jetzt bestehende Häuserreihe, welche, wenn man vom neuen Markt in die heutige Plahkengasse einbiegt, die rechte Seite der Gasse bilden. In diesem Jahre befahl aber. Kaiser Josef II.; „5lOCi drittel 6 er liloftergdrten auf 'biuspliitjc 311 comafitren un 6 längs 6 er „ffiartenptanfe" Eauier 3 U bauen/' Jene neu erstandenen Häuser, die an die Stelle der Planke traten, gaben daher der Gasse d?n Namen „ p 1 ü n f C tl ü ü HC' den sie bis heute unverändert beibehielt. Hier befand sich auch seit 1820 das sogenannte Neuner’sche Kaffeehaus, das, von Künstlern und Literaten zahlreich besucht, eine gewisse Berühmtheit erlangte. Im Jahre 1830 kam Leibenfrost als Kaffeesieder hieher, dessen Familie das Geschäft durch 50 Jahre in ununterbrochenem Besitze hatte, ein Fall, der ausser dem Nikola-Kaffeehause in der Färbergasse, in Wien gewiss ohne Beispiel dastehta Die ältesten Hausbesitzer laut Grundbuch waren: 1684 Horaz Bucelin’s Erben, 1700 Julius Friedrich Graf von Bucelin, faifcrl. OOtt (tüllfjlcr, Bis dahin bestanden diese Baulichkeiten aus drei kleinen Häusern, die im Jahre 1796 durch Freiherrn Wetzlar von Blankenstern in Eines und zwar in der heutigen Gestalt neu aufgebaut wurden. 1806 Carl Wetzlar Freiherr von Blankenstern’s Erben, 1820 Xaver Ritter von Mayer und zuletzt Elisabeth Gräfin von Gourcy. , 1 2 2 ) Die Theilbesitzer sind gegenwärtig: Gustav Freiherr Wetzlar v. Blankenstern, Sidonia Freiin v. Nell, Cölestine Freiin v. Bailion und Gabriele P'reiin v. Wetzlar. 3 J Anton Paterno, ein armer Krämer, kam 1812 nach Wien und handelte anfänglich auf der Strasse mit sogenannten „Mandelbögen“, „Zuckerbildern“ und kleinen „Aufschlagkarten“, die ihrer Neuheit und Billigkeit wegen allerseits rasch Absatz fanden. Später schlug er „Verkaufsstände“ (Bilderbuden) auf der Strasse auf, die gleichfalls des lebhaftesten Zuspruches sich erfreuten, so dass er bereits 1816 das heutige Gewölbe miethen und einen ausgebreiteten Bilderhandel eröffnen konnte. Zu diesen beliebten „Mandelbögen“ kamen auch sogenannte „Schattenbilder“ (damals etwas ganz Neues) hinzu, ebenso ausländische kostbare Kupferstiche und Radirungen. Er machte glänzende Geschäfte und als er im Jahre 1848 starb, führte die Witwe das Geschäft fort und nahm später ihren Sohn Friedrich mit in die Firma auf, der nach dem Tode der Mutter (1852) das Geschäft wohl einige Zeit allein fortführte, es dann aber am 25. September 1878 an den Kunsthändler Wawra verkaufte. I » l f • « 190 Die Wiener Kunsthändler in der Zeit von 1780 bis 1820. Die Wiener Kunsthändler in den letzten zwei Decennien des XVIII. und zu Anfang des XIX. Jahrhundertes. • « In der Zeit zwischen 1780 bis 1820 lag der „Wiener Kunsthandel“, wie die „Kunst“ überhaupt noch sehr im Argen. Kostbare Kupferstiche, alte Handzeichnungen und werthvolle Kadirungen, wie sie damals Frankreich bereits in Masse aufzuweisen hatte, waren für das grosse Publicum so gut wie gar nicht vorhanden. Es gal) nur einige Sammler, wenige Kenner und fast gar keine Käufer. Ebenso schlimm verhielt es sich auch mit dem „Selbstverlag“. Der Verleger konnte nicht leicht des Preises halber mit dem Auslande concurriren. Wir hatten wohl damals mehrere treffliche Kupferstecher, ich erinnere nur an Schmutzer, an Josef Pichler, der die Schabkunst zuerst, auf delicate Art behandelte, an Clark und Wrenk (im figuralen) und Piringer (im landschaftlichen Fache ausgezeichnet), vor Allen aber an David Weiss, der in Wien zuerst die Punktir- kunst betrieb und wirklich schon in seinen ersten Arbeiten Vollendetes lieferte. Aber das Publicum besass damals kein Kunstverständniss, es begnügte sich mit flüchtigen Zeichnungen, mit Scenen aus der Tagesgeschichte, wenn sie nur oberflächliche Zerstreuung und Unterhaltung zu bieten im Stande waren. Es darl uns also nicht wundern, wenn «die Kunsthändler damaligen Schlages sich nicht so sehr mit der^ Kunst, als vielmehr mit praktischen Dingen befassten und ihre Verlagsartikel fast ausschliesslich jiur auf Stick- und Strickmuster, auf „Visit- und Gratulationskarten“, auf Bilderbücher für die Jugend und vor Allem auf jene sogenannten. „Gelegenheits-“ und „Zeitbilder“ beschränkten, wie sie das ßedürfniss des Tages, der Stunde, ja des Augenblickes erheischte. Man gewöhnte sich förmlich daran, alles Neue, alle Vorfälle und Tagesereignisse, welche die Phantasie der Menge nur halbwegs zu beschäftigen und zu erhitzen vermochten, wie z. B. die Explosion des Pulverthurmes an der Nussdorferlinie (26. Juni 1779); den ersten Luftballon im Prater mit Blanchard (6. Juli 1791); den Brand des Hetz-Amphitheaters auf der Landstrasse (7. April 1793); die Anwesenheit Wielands (1771) und Lessing’s (1775), die Eröffnung der Josefinischen Akademie (7. November 1785), das Abkommen des Zopfes (um circa 1800 bis 1803) etc., im Bilde festzuhalten. Man folgte gleichsam mit dem Stifte in der Hand den Tagesereignissen auf dem Fusse nach, um sie möglichst rasch in Bilder umzusetzen. Es bildete sich ein förmlicher Gelegenheitskunstzweig heraus. An Stoffen fehlte es wahrlich nicht. Waren doch die Neunzigerjahre überreich an immer neuen tumultuarischen Scenen, und bot doch die ganze französischp Revolutionsep'oche eine wahre Musterkarte von aufregenden, ergreifenden und mitunter ganz unerwarteten Momenten. Diese leidigen Erzeugnisse erfreuten und befriedigten das Volk, und dies genügte vor der Hand, wenn auch die Bilder schlecht gezeichnet und noch schlechter colorirt waren und wir ihnen heute kaum einen besseren als den echt wienerischen wegwerfenden Namen „Mandelbögen“ beilegen würden. Der Kunsthandel vertheilte sich noch zu Maria Theresia’s Zeiten auf drei Personen: Artaria, Torizelli und Eder, zu denen während Josefs Regierung beiläufig sechs bis sieben neue Kunsthändler hinzukamen. Es verlohnt sich wahrlich der Mühe, dieselben der Reihe Einer köstlichen Anekdote sei hier zum Schlüsse gedacht, die ausser ihrej drastischen Seite auch noch das Gute für sich hat, dass sie wahr ist, da ich sie aus dem Munde des alten Paterno selbst vernahm. In den Dreissigerjahren kam eines Tages ein etwas sonderbar aussehender Engländer ins Geschäft und wünschte sämmtliche Bilder der Auslagefenster ohne weitere Umstände zu kaufen. „Uas kosten ualle Bilder?“ herrschte er in ziemlich brüskem Tone dem Bilderhändler zu. Commis und Principal sahen sich verwundert an und vergebens bemühten sich beide, dem Engländer begreiflich zu machen, dass dies eben Auslagebilder wären und schon deshalb unveräusserlich seien, weil keine Doubletten existiren. Der Engländer beharrte aber bei seinem Begehren. „Uas kosten ualle Bilder?“ fragte er wiederholt und deutete dabei auf das in der Nähe befindliche Hotel „zur Mehlgrube“ (Munsch) und gab sich nicht eher zufrieden, bis nicht Anstalten getroffen waren, sämmtliche Bilder aus den Schaufenstern hervorzuholen, einzupacken und in Kisten wohlverwahrt mit einer ziemlich ausgiebigen Rechnung ihm zuzuschicken. « » Die Wiener Kunsthändler. 191 nach näher kennen zu lernen und zu sehen, welchen fördernden Einfluss sie auf die Kunst zu nehmen vermochten. * Die ältesten und bedeutendsten unter ihnen waren Franz und Carl Artaria. ’) Wir finden sie bereits im Jahre 1770 am Peilerthor auf dem Graben, im heutigen Sparcassagebäude in einem bescheidenen Laden mit dem Schilde „Zum König von Dänemark“, in welchem sie Kupferstiche und Handzeichnungen alter Meister und Schulen feilboten. Im Jahre 1780 übersiedelte die Firma in das Dreilauferhaus auf dem Michaelerplatz und im Jahre 1786 in das Haus auf dem Kohlmarkt „Zum englischen Gruss“ Nr. 1131 (neu 5 ), wo sie sich noch heute an eben derselben Stelle wie vor 97 Jahren ununterbrochen befindet. Nach dem Ableben den Beiden trat Dominik ins Geschäft, dem seine Zeitgenossen reiche Kenntnisse, liebenswijirdiges, gefälliges Betragen und distinguirte* Umgangsformen nachrühmten. Ihm gebührt das nicht geringe, Verdienst, die erste Composition des jungen und noch unbekannten Beethoven (Sonate opus 1) im Druck herausgegeben zu haben, nachdem Letzterer nirgends einen Verleger fand und auch die Geldsammlungen des kunstsinnigen Grafen Laschansky zur Deckung der Unkosten nicht hinreichten. Ein weiteres Verdienst Dominiks ist, dass er die Schmutzer’schen Kupferstiche, dann die geschabten Blätter Josef Pichlers zwischen 1790 und 1810 edirte. Nach dem Tode Dominiks übernahm sein Sohn August das Geschäft, der den Glanz des alten, mehr als 113jährigen Patriciergeschlechtes zu erhalten wusste, indem er, eingedenk der Traditionen seines Hauses, das Geschäft mit derselben Liebe, mit derselben Coulance und Solidität, wie sie seinen Voreltern eigen war, noch immer fortführt. • Gleichfalls auf dem Kohlmarkt, nur einige Schritte abseits, befand sich die Kunsthandlung Löschenkoh 1 ’s, der seine Bilder alle selbst zeichnete und in den Handel brachte. Er war ein merkwürdiges Original von einem Kunstspeculanten, indem er auf das Bedürfniss des Tages speculirte. Und so wie es Gelegenheitsdichter gibt, so war er ein Gelegenheitsbilderfabrikant, der jedes interessante Tagesereigniss als fingerfertiger Schnellzeichner sogleich im Bilde zu illustriren wusste. Als z. B. die Ankunft des Czars Paul und seiner Gemahlin Feodorowna (10. November 1781), dann jene des Papstes Pius VI. (22. März 1782) oder der marokkanischen Gesandtschaft mit Abdul Malek (20. Februar 1783) in Wien bekannt wurde, gleich war Alles in Kupfer vorbereitet und am Tage der Ankunft prangte bereits das Bild hinter den Schaufenstern seines Gewölbes. Ja er wusste sogar weltgeschichtliche Ereignisse noch vor ihrem wahrscheinlichen Ausgange im Bilde festzuhalten. So z. B. dictirte Robespierre noch im Convent jene schreckenerregenden Todes- urtheile, während er auf dem Kohlmarkt bereits guillotinirt zu sehen war; oder eine entscheidende Schlacht erregte allgemeines Interesse, man war auf den Ausgang gespannt, die Armeen kämpften noch auf dem Schlachtfelde, aber der Sieg glänzte bereits in den Auslagekasten seines Geschäftes. Löschenkohl war kein bedeutender Künstler, aber ein bedeutender Geschäftsmann, der die Kunst verstand, sein Talent zu Geld zu machen, und in der That hinterliess er ein ansehnliches Vermögen. Weniger glücklich war Frister, der bekannte Wiener Kunsthändler, der auf dem Bauernmarkt und später auf dem Mehlmarkt sein Geschäft hatte. Er versplitterte seine Kraft mit allerlei Tändeleien und nichtigen Kunstsächelchen. So war er z. B. der Erfinder der „mechanischen Visitkarten“. Wenn man an einem Knopfe drückte, flog eine Taube aus einem Gebüsch oder einer Baumgruppe hervor und hielt einen kleinen W'unsch mit zierlichen Versen im Schnabel. Dies gefiel den Wienern ungemein, sie rissen sich förmlich um die kleinen Wunschbillette, nur des geschickten fieissigen Mannes eigene Wünsche gingen nie in Erfüllung. Er gerieth allmälig in Noth und Elend und fristete zuletzt im hohen Greisenalter kümmerlich sein Leben mittelst Papparbeiten, die er auf *J Ein altitalienisches Bürgcrgeschlecht vom Comosee, und der Urenkel August Artaria ist noch heute im Besitze jenes Landgutes am Comosee, welches den Stammsitz der Familie bildet. Auch findet sich unter den Schriften dieser Familie eine Urkunde vor, worin die Kaiserin Maria Theresia mit eigenhändiger Unterschritt dem Franz und Carl Artaria ausdrücklich die Bewilligung zur Führung eines Kunsthandels für Wien ertheilt. 192 Die Wiener Kunsthändler. Bestellung fabricirte. Welimuthsvoll musste der Aermste jetzt am Ende seiner Laufbahn zurückblicken auf jene vielen Glücklichen, die in seiner Kunsthandlung »sich einst die zierlichen, schönen, kleinen Wünsche holten, die ihnen besser in Erfüllung gingen als ihm, und denen ein glückliches Dasein lächelte, während er, der tüchtige, strebsame Kaufmann, vergessen, in einsamem Winkel dem Hunger preisgegeben, nur noch einen Wunsch hegte, recht bald durch den Tod erlöst zu sein. Im schmalen Paternostergassei gegenüber der Sparcassa las man oberhalb der Eingangsthüre eines kleinen, unscheinbaren Gewölbes die für die Wiener damals noch unverständliche Aufschrift „Chemische Druckerei“. Es war dies eine Kunsthandlung der beicfen Compagnons Steiner und Senefeldei^ welch’ Letzteren man scherzweise den „lithographischen Gutenberg“ nannte, weil er der Erfinder der lithographische^ Druckerei war. Er wendete diese neue Vervielfältigungsart auf verschiedene K^instzweige an, so auch auf den Musiknotendruck, scheiterte »aber schon bei den ersten ^ Versuchen derart, dass er die Sache wieder aufgab. Erst später im Bunde mit Tobias Haslinger, dem strebsamen und unternehmungslustigen Musikalienverleger, wurde der Versuch für Notendruck erneuert und bewährte sich diesmal auf flas Beste. Der lithographische Druck wurde später hauptsächlich für Musik-Titelblätter angewendet und schwang sich alsbald auf jene glanzvolle Höhe empor, auf welcher er noch heute die grössten Erfolge feiert. Auch die Kunsthandlung Tranquillo Mollo’s auf dem Hof zählte zu den altbewährten P'irmen der Stadt. Sein feiner Tact, seine industriöse Thätigkeit kennzeichneten den stets zeitgemässen grossartigen Unternehmungsgeist. Er besass Geschmack, Talent und Vermögen, drei Eigenschaften, die den Verlagsartikeln und namentlich ihrer Ausstattung sehr zu gute kamen. Josef Pjchler’s geschabte Blätter, seine Costümbilder, die pittoresken Ansichten von Carlsbad, Baden etc., die zahlreichen Militärbilder machten den Weg durch die ganze Welt und verschafften ihm einen bedeutenden Namen. Er überliess die Firma später seinen beiden Söhnen Eduard und Florian, die aber leider sich schon frühzeitig trennten und das Geschäft jeder unter besonderer Firma für sich fortführten. So war denn der Name zwar gerettet, aber die Sache selbst verloren. Das Geschäft ging unter, bis auch der Name in Vergessenheit gerieth, wie so manches Grosse, Nützliche und Gute. Auf dem „Graben“ an der Ecke ins schmale „Schlossergässchen“ im sogenannten „Elephanten-“ oder „Kronenhaus“ befand sich seit 1789 die Eder’sche Kunsthandlung, die später unter der Firma Bermatin’s in ihren umfangreichen Schaufenstern durch grossartige Bilderschaustellungen die Aufmerksamkeit jedes Vorübergehenden auf sich zog und gewiss noch heute in der Erinnerung der älteren Wiener fortlebt. Sie war die drittälteste in der Stadt, denn damals hatte ausserdem Niemand eine Befugniss für diesen Handelszweig als Artaria und Torizelli. Josef Eder war in Wien (1759) geboren, ein Prototyp echt wienerischer Gemüthlichkeit und Biederkeit. Sein schlichtes, einfaches Aeusseres, sein biederes, ehrliches Wesen erwarb ihm schnell die Herzen Aller. Er war der Erfinder der sogenannten Visit- und Neujahrsbillets. Das Aufsehen, welches diese neuen Erzeugnisse bei ihrem ersten Erscheinen in Wien machten, war so gross, dass das kauflustige Publicum zu Hunderten vor dem Verkaufsgewölbe stand, die Strassen füllte, die Passage sperrte und Wachen aufgestellt werden mussten, um Ordnung zu erhalten. An gewissen Namenstagen (die Nannetten wurden zu Josefs II. Zeiten besonders gefeiert) und noch mehr am Neujahrstage wogten hier viele Hunderte von Käufern aus und ein, der Laden kam in den Zustand fortwährender Bestürmung. Tausende von Billets mit gedruckten Versen in schönen farbigen Couverts wurden zu ein bis zwei Gulden per Stück verkauft. Anfangs waren sie nur auf Papier, später auf Seide und Atlas gepresst, mit Füttern gestickt, transparent, mit beweglichen und unbeweglichen Bildern, mit Versen geziert, in allen Farben und Formen, in allen Grössen und Schattirungen. Ihre Verfertigung verschaffte Hunderten von Familien Brod und gab den ersten Impuls zu den späteren, viel feiner ausgeführten und heute noch bestehenden sogenannten Wiener Kunstbillets. Die Wiener Kunsthändler. 193 Diese kindische Freude am nichtigen Flitter ist ein achter und zugleich feiner Charakterzug der Wiener, der bei allen Gelegenheiten immer wieder aufs Neue zum Vorschein kommt, der aber im Laufe der Zeiten (zur Ehre der Wiener sei es gesagt) auffallend stark verblasste. Sie sind nicht mehr die kindischen Leute von ehedem. Ihre fortschreitende Bildung, die überraschend grosse Absorption so vieler fremder Elemente, vor Allem aber der Ernst des Lebens, der seit dem Achtundvierzigerjahre über Alle hereingebrochen ist, hat auch diese Wandlung vollbracht, wie so manche andere. Eder machte sich auch durch den Verlag der Clark’schen Figuren, Heiligen- und Historienbilder, der Piringer’schen Landschaften und Wrenk’schen Kunstblätter verdient. Im Jahre 1811 nahm er seinen Schwiegersohn Jeremias Bermann mit ins Geschäft, das er ihm im Jahre 1815 gänzlich abtrat. Bermann behielt nach dem Tode Eder’s (18. Februar 1835) das Geschäft bei und übertrug es 1847 seinem Sohne Josef, der es bis zur Demolirung der Grabenhäuser (1865) an derselben Stelle fortführte. Mechetti Carlo betrieb sein Geschäft als Kunsthändler auf dem Michaelerplatz im Hause Nr. 1153 (neu 4) und befasste sich grösstentheils mit Musikverlag; sein Neffe Feter setzte das Geschäft im selben Geiste fort und ihm gebührt ein pietätvolles Erinnerungsplätzchen- im Herzen der alten Wiener, weil er es war, der die so beliebten acht wienerischen Tanzweisen unseres unvergesslichen Josef Lanner im Drucke erscheinen lie'ss. Zu seinen Specialitäten gehörten auch die kostbaren Porträts hervorragender Künstler, Schauspieler und Virtuosen, Tänzer etc. von der Hand des genialen Kriehuber, die noch heute gesucht und theuer gekauft werden, ’) und ein reiches Lager von Alabastergegenständen. 1 Ein Kunstladen ganz eigenthümlicher Art war das grosse düstere Gewölbe in der Seitzer- gassitionen in seinem Verlage, wie z. B. Fesca, Spohr, Merchelti, C. Czerny, Mayseder, Thalberg, Pixis, Rzehaczek etc. 25 l 1 t 1 194 Das Hatschierenhaus. Das Mayseder-Haus. herzig hinweggespült. Nur der Name Schreyvogel ist in den Blättern der Literaturgeschichte geblieben. ') In der Rauhensteingasse endlich, neben dein „goldenen A-B-C“ (dem Sterbehaus Mo zart’s) stand einst die Kunsthandlung des Gelehrten Reilly; er schrieb Bücher, und was er schrieb, verdient volle Würdigung, nur als Kaufmann war er nicht glücklich; seine Atlanten und „Schema der Armee“ waren berühmt, aber seine kaufmännischen Calcüle fielen stets zu seinem Nachtheile aus. *) Noch wären an ältern Kunsthandlungen Otto in der Seilergasse, Maisch auf dem Bauernmarkt, Weigl auf dem Graben und Hoh enleitner auf dem Kohlmarkt zu nennen, die aber kein besonderes Interesse bieten, daher sie füglich übergangen werden können; nur die beiden Weltfirmen Cappi Diabelli (später Anton Diabelli allein) und Steiner & Tobias Haslinger (später Haslinger) bilden glänzende Ausnahmen und müssen als reine Musikalienhandlungen an geeignetem Stellen besprochen werden, da sich an dieselben so viele wichtige musikgeschichtliche Momente knüpfen. Das Hatschierenhaus „zu den sieben Säulen“ Nr. 1065 (neu 14) bestand bis zum Jahre 1700 aus zwei kleinern Häusern und leitete die Benennung von seinem Eigenthümer ab. Jm Jahre 1684 war nämlicli ein Leibhatschier der damals verwitweten Kaiserin Ferdinand III. namens Joachim Credula an der Gewähr, der später zum kaiserlichen Stadt- Guardi-Lieutenant avancirte und als Liebling und Vertrauter der Kaiserin bei den Wienern in hohem Ansehen stand. Er verkaufte diese Baulichkeiten im'Jahre 1710 an Rauchmüller von , Ehrenstein, der das Haus in seiner gegenwärtigen Gestalt im selben Jahre aufbauen und mit einem auf sieben Säulen ruhfcnden, vorspringenden Laubengang versehen Hess, wie wir* ihn in Figur 38 noch deutlich sehen. Auf dem Frontispice des Hauses sah hi|n einen donnernden Jupiter im Geschmacke der Zeit mit der lateinischen Inschrift: „Non semper fulminat sed Kemunerat“' („nicht immer blitzt er, sondern beglückt auch“ ), eine Anspielung auf die damalige politische Lage des Landes. Im Jahre 1783 kam der reiche Lederhändler Josef Heydenburg, 1798 Andreas Edler von Peck und 1801 der Medicinae-Doctor Josef Zimmermann an die Gewähr, der die obere Seite des Hauses abermals verändern, den donnernden Jupiter als nicht mehr zeitgemäss entfernen und zu Ende der Dreissigerjahre auch die Laubengänge cassiren liess. Noch immer sind Josef Zimmermann’s Erben die Eigenthümer des Hauses. * Das Mayseder-Haus Nr. 1066 (neu 15) verdankt seine Benennung dem verdienstvollen Violinvirtuosen Josef Mayseder, dem die Gross- commune für seine Wohlthätigkeits-Concerte (sogenannte „Bürgerspitals-„Concerte“) die grosse goldene Salvator-Medaille und nach seinem Tode der durch den Neubau des Bürgerspitals entstandenen Gasse den Namen „Maysedergasse“ zur bleibenden Erinnerung an ihn verlieh. „Er war eine echte Künstlerseele und ein ganzer Mann obendrein,“ dies wäre wohl die beste Grabschrift die man ihm setzen könnte, und da sein Name bereits der Musikgeschichte angehört und ich ihn persönlich kannte, ja sogar durch längere Zeit bei ihm Unterricht im Violinspiele genoss, so glaube ich ihm einige Worte der Erinnerung weihen zu dürfen. s ) *) Ich erinnere mich mit Vergnügen an die siegreichen Kämpfe Schreyvogel's mit dem unermüdlichen, aber unglücklichen Liechtenstern in der „Wiener Zeitung“ und an seine erspriessliche Dienstleistung als Secretär des Burgtheaters, die ihm ein bleibendes Denkmal in der Geschichte dieses Hoftheaters setzt. *) Von Reilly’s Werken verdient hefvorgehoben zu werden: seine „Bibliothek der Scherze“, sein „Norra^lin“ und vor Allem seine „Epigramme“, die den Sinngedichten Kästners und Hessings kühn zur Sejje gestellt werden könnten. *) Ich lernte Josef Mayseder Anfangs der Vierzigerjahre kennen, er war damals nahe d$n Fünfzigen, aber* noch immer rüstig. Seinjganzes Wesen wie seine Gesichtszüge trugen etwas Vornehmes an sich. Alles, was er sprach und that, \ I 1 1 f Mayseder's Biographie. — Das Hufschmiedhaus. 195 Das Hufschmiedhaus Nr. 1085 (neu 16) hat seinen Namen von dem damals hier sesshaften wohlangesehenen, reichen Hufschmiedmeister Jacob Biedermann {alias Piötermattn), den Kaiser Leopold I. mit der Würde eines Hufschmiedes beehrte, und der im Jahre 1684 bereits hier (laut Grundbuch) zwei kleine Häuser besass, und dessen Erben diese Baulichkeiten im Jahre 1775 an Johann Holzer weiter verkauften, der dieselben niederreissen und in seiner heutigen Gestalt in Eines verbauen liess. Auf unserem Bilde $ub Figur 58 sehen wir an der äussersten Ecke rechts noch jene beiden alten Häuser in ihrer frühem Gestalt abgebildet; die schrägen Fenstergitter, die weitvorragende Dachrinne, der schwerfällige hölzerne Laubengang, sowie überhaupt die prunklose Bauart der beiden dreistöckigen Häuser, sie war gemessen und ruhig. Nur wenn er die Violine zur Hand nahm, leuchtete sein Auge und das Feuer seiner Seele kam sprühend zum Vorschein. Kr sprach in der Regel mehr leise als laut und niemals über Musik. Sein Urtheil über andere Künstler war stets ohne Anmassung und Selbstüberhebung, ohne Neid und Cabate, also eine Eigenschaft, wie sie in heutiger Zeit bei Seinesgleichen kaum mehr vorkommt. So weit mir seine Biographie aus Familientraditionen (nicht aus biographischen Lexicis) bekannt ist, war Josef Mavseder am 26. October 1789 in Wien geboren. Sein Vater, Decorationsmaler, konnte ihm keine sorgfältige Erziehung angedeihen lassen, da er selbst nur in bescheidenen Verhältnissen lebte. Eines Tages schenkte ein im Hause wohnender Professor dem Knaben eine Kindergeige, wie man sie in den Spielereigewölben zu kaufen bekommt. Dieser Scherz gab die erste Veranlassung zur späteren Berufslaufbahn, denn der talentirte Knabe wusste dem ungelenken Instrumente wohlgeordnete reine Töne zu entlocken. Der Professor machte den Vater deshalb auf das entschiedene Talent des genialen Knaben aufmerksam, und es wurde ihm jetzt als erster Lehrer ein gewisser Suche und später Josef Wranitzky und zuletzt der berühmte Ignaz Suppanzigh beigegeben. Der Knabe brachte es durch unermüdliches Studium in kurzer Zeit so weit, dass ihn Suppanzigh zu seinen damals beliebten Morgenconcerten im Augarten, wo sich immer das eleganteste Publicum zu versammeln pflegte, bei der zweiten Violine beschäftigte. Am 24. Juli 1800 gab der elfjährige Knabe (die sogenannten Wunderkinder waren damals noch nicht in der Mode) das erste öffentliche Concert und schon im nächsten Monat ein zweites und bald darauf ein drittes, alle von glänzendem Erfolge begleitet. Der 17. October 1802 sollte dem 13jährigen Knaben ein Erinnerangs- und Freudentag sein, denn von seinem Vater nach Laxenburg mitgenommen, war er in die Lage gekommen, vor der Gemahlin des Kaisers Franz I. (Maria Theresia) sich produciren zu dürfen. Im selben Jahre begann er auch sein Studium in der Composition bei Förster und brachte es bereits nach einundeinhalb Jahren so weit, dass er Bach’sche Fugen und bezifferten Bass spielen konnte. Wie ernst er es übrigens mit der Kunst nahm, beweist, dass er bei Albrechtsberger und Eybler Contrapunkt studirte. Mit gründlichem Wissen ausgerüstet ging er nun an die selbstständige Arbeit. Er verlegte sich auf Composition, ohne dabei sein Virtuosenspiel zu vernachlässigen. Einschmeichelnde Melodik und leidenschaftlicher Rhythmus zeichneten seine Arbeiten vortheilhaft aus. Seine musikalische Sprache bewegte sich stets nur in kurzen, aber klaren Sätzen, seine leichtfliessenden Gedanken verriethen tiefes Gefühl und natürliche Empfindung, daher seine Compositionen auch bei dem weniger musikalischen Theil der Zuhörerschaft schnell ins Ohr und zum Herzen drangen. Wenn auch seine Compositionen zunächst nur für sein eigenes Virtuosenspiel berechnet waren, so waren sie dennoch so geschrieben, dass sie auch von mindergeübten Geigern effectvoll gespielt werden konnten, oder wie der technische Ausdruck lautete, „gut in den Fingern lagen.“ Weil aber Mayseder meist nur Polonaise- und Variationsform (den hüpfenden, springenden Rhythmus) zum Ausdrucksmittel wählte, was damals hoch in der Mode war, so kamen seine Arbeiten selbst auch schnell in die Mode und erhielten auf diese Art unwillkürlich einen allzu modischen Anstrich, in Folge dessen sie um so rascher in Vergessenheit verfielen, da die jüngere Generation bereits an combinirtere und mehr polyphon gedachte Compositionen gewöhnt war. Als Violinspieler war er immer einer der bedeutendsten, er kann in gewissem Sinne der letzte Violinvirtuose seiner Zeit genannt werden. Sein markigbreiter und starker Ton, der den jetzt lebenden mit wenigen Ausnahmen fast abhanden gekommen zu sein scheint, seine kühne Bogenführung und vor Allem seine staunenerregende Geläufigkeit bei stets reinster Intonation, die man selbst in den höchsten Lagen nicht vermisste, sind Eigenschaften, die gewiss nur bei den wenigsten Violinspielern vereinigt Vorkommen. Als Paganini ihn hier in Wien zum ersten Male hörte, sagteer: „Vor diesem Collegen hab’ich Respect.“ Dieser Wahrspruch blieb ihm fortan ein Stachel des Ehrgeizes. Mit 21 Jahren wurde er im Hofoperntheater als Concert- und Solospieler und im Jahre 1816 in der Hofcapelle angestellt und 1835 zum Kammervirtuosen ernannt. Seine Kunst hatte stets einen goldenen Boden. Die Lectionen, die er gab, wurden ihm mit zwei bis drei Ducaten per Stunde bezahlt; damit schaffte er sich eine sorgenfreie Existenz. Die bei Kaufmann Rohrer im Jahre 1813 arrangirten Concerte, an denen sich Hummel, Giuliani und später auch Moscheies betheiligten, wurden berühmt und hiessen Ducatenconcerte, weil man das Entree mit einem Ducaten bezahlte. Später gab er mit Merk Concerte, die er bis zum Jahre 1837 fortsetzte. Von da an liess er sich nicht mehr öffentlich hören und betheiligte sich nur mehr bei Privatquartetten, wie z. B. bei Zmeskal v. Domanovetz, wo er an einem jener Abende auch Beethoven kennen lernte, oder in den Jahren 1817 bis 1822 bei Vincenz Neuling, seinem Schüler, später bis 1837 beim Hofkriegs- agenten Demscher und endlich vom Sommer 1837 bis Mai 1836 bei dem Kunstfreunde und Gönner Constanti n Fürst Czarto- rysky, wo Borzaga, Dolleschal, Durst und Strebinger mitwirkten. Mit kindischer Hartnäckigkeit hing er an seinen alten 25 * i I 196 F>as Herrenhutter- und Lebzeltejhaus. alle lassen den Baustyl des vorigen Jahrhunderts kaum verkennen. Auch bemerken wir unter der hölzernen Bedachung jene grossen schwerfälligen Wagenräder, sowie sonstige Werkzeuge, die offenbar zur Ausübung des Schmiedehandwerkes gehören, welches hier öffentlich (also gleichsam auf offener Strasse) vor den Augen des Publicums ganz gemüthlich und ungenirt betrieben wurde. ’) Nun gelangen wir zu den drei Häusern, welche jene Front des Platzes bilden, die dem Fürst Schwarzenbergischen Palais gegenüberliegt. Das Herrenhutterhaus „zu den sieben Körben“ Nr. 1067 (neu 17) hat seinen Namen von jenem altehrwürdigen Leinwandgeschäft „JUKI JÖftTCUbutter", welches schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts, 1797, von der Familie Felbermayer gegründet wurde, und deren Rechtsnachfolger noch heute dasselbe fortführen. Später kamen die Felbermayer auch an die Gewähr, und die Grundbücher weisen schon im Jahre 1820 eine Anna Felbermayer als Haus- eigenthümerin aus, worauf 1828 die Franz Xaver Felbermayer’schen Erben und später ein Franz Xaver Felbermayer in den Hausbesitz gelangten. Auch bestand seit vorigem Jahrhundert hier ein renommirtes Bierhaus „31t i»en lieben Körben", welches noch in den Zwanzigerjahren bestand, dann aber bald darauf einging. a ) Das Lebzelterhaus Nr. 1068 (neu 18) wurde schon im XVII. Jahrhundert so genannt, weil tllatbias teeb als Hausbesitzer hier ein sehr beliebtes Lebzeltergeschäft errichtete. Erst im Jahre 1700 kam Georg Neuhauser durch Kauf an die Gewähr, der dieses Haus in seine heutige Gestalt umbauen Hess und hier einen Branntwein- schank etablirte. * * 3 ) Lebensgewohnheiten. Die Wagner-Musik liess ihn wie alle damaligen Violinvirtuosen völlig gleichgiltig. Zu Kunstreisen konnte er sich nie entschliessen, nur ein einziges Mal ging er in Begleitung seines Schülers Neuling nach Paris, wo er bei Rudolf Kreutzer und Baron Braun spielte und dort auch die berühmten Violinisten Lafont, Viotti, Baillot, Mazas, Felbeque und Cerulini kennen lernte. In letzterer Zeit verlegte er sich mehr auf Compositionen und liess sich nur noch bei seinem Schwiegersöhne Köchert, einem Schüler von ihm, und Oberfinanzrath Franz Ritter von Heintl hören, wo er noch im 73. Lebensjahre, ja noch acht Tage vor seinem Tode rüstig Quartette spielte. Eine unscheinbare Erkältung warf ihn auf’s Krankenlager, und schon nach wenigen Tagen setzte der Tod seinem reichen Künstlerleben am 81. November 1863 ein unerwartetes Ziel. Mit Befriedigung konnte er auf seine lange Künstlerlaufbahn zurückblicken. —• Wenigen wurden wie ihm so vielseitig Auszeichnungen zu Theit, er erhielt im Jahre 1811 die grosse goldene Medaille, 1817 das F.hrenbfirgerrecht Wiens und ein Jahr vor seinem 'Jode vom Kaiser das Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens. Er lnnterliess 63 gedruckte, mehrere noch ungedruckte Werke und eine Reihe von tüchtigen Schülern, die als Virtuosen glänzten, wie z. B. Panofka, Trombini, Wolf etc. Seine gedruckten Werke sind: 3 Concerte, 6 Polonaisen, 4 Rondos, 20 Hefte Variationen, 7 Streichquartette, 3 Quintette, 1 Phantasie, 1 Trio für Violine, Harfe und Horn, 2 Potpourris, 3 Duos für 2 Violinen und 1 Heft Etüden. Seine noch ungedruckten Werke sind: eine grosse Messe in Es, die er 1846 für die Hofcapelle componirte, dann noch ein achtes Quartett und ein viertes Quintett, endlich eine Concert-Ouverture (eine Jugend- und Lieblingsarbeit des Meisters). Josef Mavseder war dem Staate ein wackerer Bürger, der Familie ein trefflicher Vater, der Kunst aber einer ihrer treuesten Söhne. Immer strebte er nach dem Höchsten, erreichte auch manches Tüchtige, setzte aber auch immer seine ganze Kraft im Leben ein. F.r lnnterliess eine Witwe und zwei Töchter, von denen die jüngere den bereits genannten, nun gleichfalls verstorbenen Hofjuwelier Köchert heiratete, dem auch der Meister seine Leibgeige (eine Zanol) vermachte. ’) Die ältesten nachweislichen Besitzer waren laut Grundbuch: (1609) Georg Wolff, (1624) Hans Puez, 1684 Jakob Pidterman, Hufschmied (Biederman), 1700 Jakob Biedermann, Hofschmieds Erben, 177S Johann Holzer 1787 Georg Dallschmidt, 1806 Josef Wegscheider, später Philipp Graf Griinne und gegenwärtig die Gräfin M a r m u t h. 2 ) Die ältesten Hausbesitzer sind laut Grundbuch: 1684 Johann Weikhardt, 1700 Paul Kautz, Barbier’s selige Erben, 1766 Friedrich von Kraftenhurg, 1783 Anna Fleischmann, 1793 Leopoldine Jaudrin. 1820 Anna Felbermayer und Kinder, 1828 Franz Xaver Felbermayer’sche Erben und später Franz Xaver Felbermayer, 3 ) Die ältesten Besitzer waren laut Grundbuch: 1684 Mathias Lom’s Erben, 1700 Georg Neuhauser, 1775 Josef Diewald, 1806 Barbara Diewald, 1833 Franz Carl Landesmann und später Josef Thür, Zuckerbäcker, und Jakob Tepser und seit 1863 Anna Jerger, die Witwe eines Hornplatten-Fabrikanten. Das Zuckerbäckergeschäft befindet sich bereits seit 1801 wie noch heute hier im Hause. I I I Das Obermayer’sche Haus. — Das „Bäckerschupfen“. 197 Das Obermayer’sche Haus Nr. 1069 (neu 19) bildet das Stammhaus der alten Wiener Bürgerfamilie der (ÖbertlUUjer. Schon im Jahre 1775 erscheint eine Maria Anna Obermayerin an der Gewähr. Es ist dieselbe Familie, welche in den Dreissiger- jahren durch die Gründung des sogenannten „Rlumenstöckel-Bierhauses“ im Ballgassel und später in den Vierzigerjahren durch das noch heute bestehende „Winterbierhaus“ in der Landskrongasse eine gewisse Popularität erlangte. *) Somit wäre die Aufzählung sämmtlicher Häuser dieses Platzes erschöpft, und es erübrigt mir nur noch jener historischen Merkwürdigkeiten zu gedenken, die sich hier vollzogen. Historische Vorfälle auf dem Neuen Markt. Das „Bäckerschupfen“, Eine der originellsten und zugleich empfindlichsten Strafen des Mittelalters war das sogenannte „Süderidnipteit". Es charakterisirte den Geist des Mittelalters und die eigenthümlichen Gerichtszustände jener Zeit vollkommen. Dieselbe naive Schalkhaftigkeit und Ehrlichkeit, aber auch dieselbe sanguinische Ueberstürztheit und Leidenschaftlichkeit, welche das ganze Mittelalter so gewaltsam durchzuckte, spricht sich auch hier in deutlichen Zügen aus. Die etwas sonderbare Procedur erweckte bei den Zusehern stets lautes Lachen und war wohl von den heitersten Seenen begleitet. Aber diese lustige Schale hatte einen bittern Kern, den Stachel der öffentlichen Beschimpfung, und dieser Makel lastete schwer auf dem also Bestraften und er hatte lange genug zu arbeiten, um seinen Fehler vollkommen wett zu machen und wieder bei seinen Genossen als „ehrlich“ zu gelten. Diese Strafe wurde nur für ungewichtiges Brod verhängt und zumeist auf dem Mehlmarkt als dem Hauptorte des Brodverschleisses in Anwendung gebracht, und schon unter den Babenbergerherzogen war das sogenannte „Schupfen“ in Wien im Gebrauche. Herzog Albrecht II. brachte sie am 24. Juli 1340 neuerdings mit einigen Zusätzen und Verschärfungen in Anwendung, indem er befahl: „SUatt tttigC bic Päft’tt nad) alte« fürftlicbett Ke4>t unb ißraucb „Stfcupmi" unb ninbeft nit burcb (Bdbftraf ablaÜt’uV Die Procedur selbst war folgende: Man setzte den Schuldigen in einen viereckigen hölzernen Kasten (Strafkasten), wie wir ihn xul) Figur 6 <2 abgebildet sehen, ’) und belestigte letztem am äussersten Ende eines Hebels, den man rasch emporzog, um ihn eben so schnell wieder in eine Pfütze herunter zu lassen, so dass der darin Sitzende ganz durchnässt wurde. Dies wiederholte sich mehrmal nach der Grösse der Strafwürdigkeit. Im XVII. Jahrhundert kommt diese Strafe auch am rothen Thurm- und Fischerthor vor, am häufigsten aber in der Rossau mittels Tauchen in die Donau. Fiff. 62. Der „Strafkasten“ *) Die ältesten Besitzer waren: 1684 August F.rbl, Kürschner, 1700 Johann Caspar Schmid, Käsesfecher und Bierschänker, 1775 Maria Anna Obermayer. 1806 Alois Mayer. 1820 Alois und Helene Mayer und später die Mayer’schen Krben und gegenwärtig Ruzischka. Die weitläufigen Kellerräume, zu denen vom Thoreingang eine schmale und äusserst steile Kellerstiege hinabfuhrt, lassen noch heute deutliche Spuren jenes ehemaligen „Kel 1 ersch ankes“ erkennen, dem laut Grundbuch der Käsestecher und Bierwirth Johann Caspar Schmidt seit 1700 bis 1765 Vorstand >) Schlager hat in seinen „Wiener Skizzen“ die Abbildung eines stächen „Straftaten«", der über fönt Schuh hoch, und gross genug war, um eine Person darin unterzubringen, mitgetheijt, wonach ich hier eine verkleinerte Copie gebe. , * i 198 Das Bürgerstechen. Erst Kaiser Josef II. cassirte dieselbe als nicht mehr zeitgemäss und zwar diesmal für immer, und es fand sonach „bas Stupfen" zum letzten Male im Jahre 1773 in der Rossau unter ungeheuerem Zulauf der Menschenmenge statt. ‘) Sub Figur 63 bieten wir den Lesern eine Abbildung dieser sonderbaren Strafe, wie sie in der „Rossau“ zur Ausführung gebracht wurde. Das Bild entlockt uns unwillkürlich ein Lächeln, wenn wir sehen, wie der arme Insasse des Kastens sich mit Händen und Füssen der Massregel zu widersetzen bemüht ist, was ihm jedoch nicht gelingt. Fig. 63. Das „Bäckerschupfen“. Das Bürgerstechen auf dem Mehlmarkt. Auch die Bürger und Zünfte ergötzten sich an ritterlichen Spielen und Vergnügungen. Alljährlich zu Faschingszeiten fand auf dem Mehlmarkt (Neuenmarkt) durch das ganze XV. Jahrhundert ein „23iirn, fid) allioglei* Jn bieten Sorb ju fetjen. Unb 30 g ihn bann — Bebenft ben (firaits. Stets in bas IDafier ein unb aus. Pier 3oll tnar bas beftimmte 3iel, Sür bie 3 U leichten Cotbe; Hur fehlte manchmal fchrecflicb riet 2tn Semmeln unb an Brote, So bap man (tras febr oft gefchab) flur blojj bes tHannes flinke fab." *) Ueber die Anordnung dieser Feste haben sich leider keinerlei Andeutungen erhalten, auch kommen diese Burgerftethen oder bürgerlichen lurniepe nur im X V. Jahrhundert vor. Das letzte dieser „Streben" fand (nach den Magistrats- rechnungen) im Jahre 1444 statt. % Die Hofschiittagen und das Lottospiel auf dem Neuenmarkt. 199 Die Hofschiittagen auf dem Neuenmarkt entfalteten noch zu Maria Theresia’s Zeiten einen wahrhaft überraschenden Luxus, wie ich dies gleich im Anfänge dieses Capitels bei dem Bilde sub Figur 58 andeutete. Ganz Wien strömte neugierig zu diesem Schauspiele, und wie sehr es dem kaiserlichen Hofe mit diesen Festen Ernst war, mag der Umstand beweisen, dass er schon einige Tage vorher die umfassendsten Anordnungen traf, die Strassen mit Ketten absperren, die Zufahrten auf den Platz untersagen und fortwährend frischen Schnee zuführen liess, endlich auch Costüme nach eigener Zeichnung angab und die Farbe der Toiletten für die Herren und Damen der Art vertheilte, dass jeder Schlittenbesitzer sich von dem anderen durch besondere Farbe unterschied. Das prächtigste und zugleich letzte dieser Feste fand zur „Congresszeit“ im Winter 1815 auf dem Mehlmarkt statt. Ein Augenzeuge berichtet darüber umständlich, und sein Bericht wird für uns um so werlhvoller, als er auch die Mitbetheiligten und die Rangordnung derselben bei der Ausfahrt angibt, ein Umstand, der sich hier sogar zur politischen Bedeutung steigert. Es wurden nämlich nicht blos Staatsmänner und berühmte Heerführer zu dem Feste geladen, sondern auch jene gekrönten Häupter und Cavaliere, die während des Befreiungskrieges berufen waren, eine glänzende Rolle zu spielen und die Schicksale Europas durch diesen Congress zu besiegeln. Je einflussreicher dabei ihre Stellung war, desto mehr wurden sie in den Vordergrund gestellt. ') Das Lottospiel auf dem Neuenmarkt im Jahre 1752. Im Herbste des Jahres 1752 wurde die Zahlenlotterie in Oesterreich eingeführt, und obgleich mancherlei Bedenken entgegenstanden, so siegte doch' die Macht der Thatsachen, die sich stets über moralisirende und nationalökonomische Velleitäten hinauszusetzen weiss. Die Macht der Thatsache war diesmal die grosse Finanzcalamität. Das Land blutete noch aus tausend Wunden, der Staatssäckel war geleert, die Einnahmsquellen erschöpft, noch immer war der kriegerisch gesinnte Preussenkönig Friedrich zu fürchten, der das grosse Talent besass sich immer wieder aufs Neue Geldmittel zu verschaffen, um eine tüchtige Armee ins Feld zu stellen, die er als schlachtenkundiger Führer selbst zu leiten pflegte. Eine Vergrösserung des Kriegsbudgets war unausführbar, eine Erhöhung der Steuern unmöglich, ohne das Wohl der Unterthanen, wie Kaunitz im Staatsrathe erklärte, auf das Höchste zu gefährden. Es musste also auf andere Mittel gesonnen werden, welche die Staatseinkünfte vermehren sollten, ohne darum das Steuersystem zu alteriren. Unter diesen vielen noch im Projecte schlummernden kleinen Mitteln fand man im .Lottospiel“ ein vollkommen geeignetes, sonach höchst willkommenes Auskunftsmittel. Es kam nur noch auf die Form an, in welcher man dem Volke dies Spiel plausibel zu machen gedachte. Auch diese Form war bald gefunden. Die Regierung hatte nämlich schon zu öftern jVIalen die missbilligende Wahrnehmung gemacht, dass gerade in neuester Zeit sehr stark mit ausländischen Losen gpspielt werde, daher sehr viel Geld zum Nachtheile des Staates ins Ausland wandere. Demnach erschien im Sommer 1752 eine Regierungsverordnitng, welche das Spiel mit fremdländischen Losen aufs Strengste verbot, die inländische Zahlenlotterie dagegen gleichsam als Ersatz unter den gesetzlichen Bestimmungen gestattete. ‘) Unser Gewährsmann erzählt, dass mehr als dreissig Schlitten in Verwendung standen. Man fuhr von der Burg über den Kohlmarkt und Graben durch die Seilergasse auf den Neuenmarkt und von da nach sechsmaliger Umkreisung de*s Platzes durch die Klostergasse über Mariahilf nach Schönbrunn, wo ein grbssartiges Mahl eingenommen wurde, und von hier kehrte man wieder in die Burg zurück. Im ersten Schlitten fuhr der Kaiser hranz 1. mit seiner Gemahlin Elisabeth, im zweiten Kaiser Alexander von Russland mit Fürstin Auersperg, im dritten der König von Dänemark mit der Grossfurstin Maria von Weimar, im vierten der König von Preussen mit Gräfin Zichy, im fünften der Grossherzog von Badenmit der Obersthofmeisterin Laszansky. In den übrigen Schlitten befanden sich Cavaliere mit Damen, die ihnen durch das Los zugetheilt waren. In den kaiserlichen Remisen sind noch heute iene kostbaren historischen Schlitten aufbewahrt, von denen aber seither kein Gebrauch gemacht wurde. 200 Das Lottospiel aul dem Neuenmarkt. Da aber die Regierung sich nicht selbst mit der Ausführung des Lottogeschäftes befassen wollte, so iiberliess sie dem Otto Grafen Castaldi das Lottoprivilegium auf zehn Jahre in Pacht, und schon am 21. October 1752 fand die erste Lottoziehung auf dem Augustinerplatz und später auf dem Neuenmarkt statt, wobei unter Intervention zweier Magistratsbeamten öffentlich fünf Nummern aus dem Glücksrad gehoben und verlautbart, die Gewinnste aber den Gewinnenden unter Vorweisung ihres „Lottozettels“ im Magistratsgebäude sogleich ausbezahlt wurden. Nach Verlauf der zehn Jahre erhielt Castaldi den Pacht auf weitere acht Jahre verlängert, und als auch dieser Termin im Jahre 1770 ablief und die Regierung einsehen lernte, dass ihr 'durch Privatverpachtung denn doch zu viel Vortheile entgingen, nahm sie das Zahlenlotto in eigene Regie und die öffentlichen Ziehungen hatten somit auf dem Neuenmarkt zu fungiren aufgehört. Aber noch heute hat das Aerar die Lottoziehung in eigener Verwaltung, und noch heute wie damals werden von Nationalökonomen und Moralisten heftige Angriffe gegen dieses verderbliche Spiel gemacht, jedoch vergebens, denn heute wie damals herrscht die Macht der Thatsachen, und heute wie damals wird das grössere Üebel dem kleinern, das schlechtere Mittel dem bessern Zwecke geopfert, und heute wie damals haben sich die Menschen und ihre Thorheiten nicht geändert, ihr Aberglaube, ihre Traumbücher und Traumdeuter, ihre blinde Zuversicht, sie alle sind dieselben geblieben, obgleich eine mehr als 130jährige Erfahrung hinter diesen Trugbildern steht, gleich eingm warnenden Cherub mit dem brennenden Flammenschwerte. r t « I t • 4 9 / VII. CAPITEL. Die Freiung oder der Schottenplatz. einrich Jasomirgott, der letzte Markgraf und erste Herzog von Oesterreich, berief im Jahre 1155 die schottischen Mönche in’s Land. *) Sie standen im Rufe grosser Frömmigkeit und Gelehrsamkeit und eigneten sich daher am besten, Religion und Wissenschaften bei den Bewohnern der neuen Residenz zu verbreiten, sowie auch für die Pflege der kreuzfahrenden Pilgrime zu sorgen. Jasomirgott erbaute ihnen daher auf eigenem Grund und Boden ausserhalb der Stadt (400 Schritte vor der Stadtmauer) Kirche, Kloster und ein mit demselben verbundenes Hospital. 5 ) Die Einführung dieser Ordensmänner und dietUebergabe der Baulichkeiten von Seite des Stifters an den ersten Abt Sanctin erfolgte jedoch erst am 1. Mai 1158 (am Tage der Heiligen Philipp und Jakob) unter dem Pontificate des machtbewussten Papstes Hadrian IV. Der Herzog war diesen schlichten und gottesfürchtigen Klosterbrüdern äusserst zugethan und zeichnete sie durch mancherlei Privilegien aus. a ) So ertheilte er ihnen z. B. das Recht der „Freiung“ (Befreiung, von gerichtlicher Verfolgung oder Asylrecht), *) welche Benennung auch auf den Platz überging, der noch heute von diesem mildthätigen Vorrechte „.Srfhtng" genannt wird. Das Schottenkloster, das älteste Kloster auf Wiener Boden, das auch nach der Auswanderung der eigentlichen Schotten (scoti)") den Namep bis zur Stunde beibehielt, stand ursprünglich *) Die Urkunden, welche sich auf die Stiftung beziehen, sind in meiner Einleitung, Seite IX, in der Adnotation 4 näher angegebeif. =j J3 as Hospital war mit dem neuerhauten Kloster verbunden und befand sich in der nächsten Nachbaischaft der Abtei im „<£lent>" in der Gegend der ehemaligen „baftei". Vide: Hormayr’s „Geschichte Wiens“, II. Band, pag. CCCLXV. I 3 ) Diese Privilegien waren laut handschriftlichen Urkunden des Klosters folgende: die Gerichtsbarkeit über alle Klosterleute und Unterthanen des Stiftes, demzufolge niemand der Stiftsangehörigen vor das landesfürstliche Gericht gezogen, sondern jede Streitigkeit vor den Abt zur Verhandlung gebracht wurde, mit Ausnahme jener Criminalfalle, die mit dem Tode bestraft wurden, wobei aber dem Stifte stets das Recht der Einziehung aller Güter zustand; ferner Ausdehnung der pfarr- herrlichen Rechte auch auf andere Kirchen, insbesondere auf die St. Pankraz-Capelle am Hof (heute Nunciatur), St, Peter. Maria am Gestade, St. Ruprecht-Capelle etc. Nach Angabe des Stiftsbriefes 'dehnte sich der Sprengel des geistlichen Grundes und Bodens mit allen seinen Nutzungen und Einkünften vom Burggraben (am Hoff bis zur Capelle St. Johann am Alsbach und bis zur Einmündung dieses Baches in die Donau aus; endlich auch das Recht der freien Abtwahl und Aufnahme aller neuen Mitglieder, sowie auch die Verwaltung und Regelung aller Angelegenheiten mit Ausschluss jeder Einmischung eines Dritten. *) Das Asylrecht, wie es bereits im XI. Jahrhundert für Kirchen und Klöster in Deutschland üblich war, wurde in Oesterreich unter den ersten Habsburgern merkwürdiger Weise auch auf alle Bürgerhäuser Wiens ausgedehnt. Kaiser Rudolf der Stifter hob es wieder aut und beliess es blos für die Burg, Schotten- und Stefanskirche; später beschränkten Leopold I. und Carl VI. es noch mehrfach und Hessen es zuletzt nur noch für die Schottenkirche allein gelten, bis endlich Maria Theresia im Jahre 17'76 dasselbe ausnahmslos und für immer aufhob. *) Der Ausdruck Schotten (scoti) bezeichnete im Mittelalter alle jene Mönche keltischer Abstammung, welche von den britischen Inseln nach dem Continent gewandert waren; unter dem Namen „Scoti" sind also nicht blos Mönche aus 26 « 202 Die alte Schüttenkirche und Umgebung. I nicht auf der heutigen Stelle, sondern etwas nach rückwärts gekehrt, auch die älteste Kirche stand anfangs nicht dort, wo sie sich heute befindet, sondern mehr gegen die Renngasse zu, auf dem* selben Punkte, wo gegenwärtig ! das Privathaus Nr. 137 (neu 7) steht. Im Rücken der alten Kirche schloss sich der Friedhof und ein schöner ausgebreiteter Gartengrund an. Der Vogelperspectivplan nach Merian, dann die Ansicht aus Vischer’s Topographie, mehr aber noch die grosse Vogelperspective von Jakob Hufnagel vom Jahre 1609, welche allen ähnlichen Zeichnungen zur Grundlage dient, l ) zeigen uns die älteste Ansicht der Schottenkirche. Ein Segment dieses Bildes, sub Fig. 64, mag hier seine Stelle als Commentar zu Obgesagtem finden. &TSt IÜBEmVi rn * i S 19] fftt'ifßl Hä jj0Ü» a mM i äT; MxA ää P hi mm fig. 64. Ansicht der Schottenkirche und Umgebung aus dem XVI. Jahrhundert. ■ < Wir gewinnen aus diesem Bilde die Ueberzeugung, dass die alte Kirche in Gestalt und Form von def heutigen grundverschieden war. Schon das Schiff war anders gestellt, die hohen Bogenfester reichten bis zum Dach, Thurm und Thurifihelm waren schmal, und die Kirche selbst, mit einer Mauer eingefriedet, stand nahe am Eingänge der Renngasse. Das an die Kirche • anstossende grosse einstöckige Wohnhaus mag die Stelle des heutigen Hotels „zum römischen Kaiser“ Nr. 138 (Renngasse, neu 1) vertreten haben. Schottland, sondern auch aus Irland zu verstehen. Im Mittelalter führte nämlich Irland nebst dem Namen Hybernia auch den Namen Scotia, das zum Unterschiede von dem eigentlichen Schottland Scotia Major genamft wurde. Vide: „P. monum. Germ.“ 6. 484, I., 5, und „Sitzungsbericht der k. k. Akademie der Wissenschaften“ vom Jahre 18S4. *) Jafüt» bufttagd, kaiserlicher Hofmaler, zeichnete eine Aufnahme der Stadt aus der Vogelperspective, liess dieselbe in Amsterdam von J. N. Vischer in Kupfer stechen und widmete diese Arbeit dem Wiener Stadtrath, indem er im Jahre 1C09 jedem Rathsherrn ein Exemplar präsentirte, wie aus den Stadtrechnungen dieses Jahres hervorgeht. Von dieser Ansicht wurden bis nach der zweiten Türkenbelagerung (1683) wiederholt fast unveränderte Auflagen veranstaltet und mit einem kurzen Texte in deutscher und holländischer Sprache begleitet. Im Stadtarchive befindet sich gegenwärtig ein Exemplar von der Auflage im Jahre 1640, welche die älteste ist, die bisher aufgetrieben werden konnte. Das Bild ist 55 - 5 Cm. breit und 73'5 Cm. hoch. Von grösster Seltenheit ist die Auflage aus dem Jahre 1684—1685, wovon] das Stadtarchiv gleichfalls ein Exemplar besitzt. Die Ansicht ist von hohem Werthe für die ältere Topographie der Stadt und Vorstädte. Erbauung der neuen Schottenkirche im Jahre 1638. 203 Von besonderem Interesse ist wohl jenes kleine, auf dem Bilde ersichtliche, capellenartige Gebäude, welches vor der alten Kirche stand. Es war dies das alte „Baptisterium“', eine den Heiligen Philipp und Jakob geweihte kleine Capelle, als Erinnerung an ihren Stifter Heinrich Jasomir- gott. Sie stand beiläufig an der Stelle des heutigen Brunnens, verlor aber schon nach der ersten Türkenbelagerung (1529) ihre kirchliche Bestimmung und wurde von da ab, bis um das Jahr 1631, als städtisches Pulvermagazin verwendet. *) Erst im Jahre 1638, als bereits Kirche und Kloster baufällig wurden, begann der Abt Johann X. den neuen Bau der heutigen Kirche in Angriff zu nehmen, der aber, durch dessen am 27. November 1641 erfolgten Tod unterbrochen, erst von seinem Nachfolger Abt Anton fortgesetzt und beendet wurde. So stand denn die neue Kirche zum ersten Male in reichem Schmucke da, und es ist uns eine genaue Ansicht dieses Gotteshauses sub Figur 65 aus damaliger Zeit erhalten geblieben, aus der wir den Geschmack des vorgeschrittenen Baustyles uncf die schöngegliederten Verhältnisse der Hauptfront, die zu beiden Seiten befindlichen Aufsätze, die charakteristischen Fensterrundbogen, die schöngezierten schweren eisernen Flügelthüren des Haupteinganges, die figuralen Wandverzierungen etc. zu betrachten Gelegenheit haben. l * 3 ) Dass übrigens dieser Kirchenbau wirklich in die Zeit Ferdinandsill, fällt, beweist schon die Aufschrift auf dem Rundbogen des Presbyteriums: ,,Templum hoc erectum est imperatore Ferdinande ///.“, wie sie noch heute daselbst zu lesen ist. Noch ausgebreiteter als Kirche und Kloster war der sogenannte „Wirthschaftshof“ des Stiftes. Er lag hinter der Kirche, erstreckte sich-rückwärts bis tief an die Bastei, während er mit seiner Hauptfront von der Kirche bis zum Schottenthor sich hinzog und so die ganze Strassen- länge der heutigen Schottengasse dem heutigen Mölkerhof gegenüber einnahm. Ein Bild von Vischer aus dem Jahre 1672 sub Figur 66 versinnlicht uns diesen Wirthschaftscomplex mit all seinen ausgebreiteten, vielfachen und doch so interessanten Details. Es ist überhaupt kein einziger Bau aus dem ganzen XVI. und XVII. Jahrhundert uns im Bilde erhalten geblieben, der die Eigenart seiner Zeitgenossen, ihr Fühlen und Denken so scharf charakterisirte, ihre Gesinnungen uns so deutlich und unzweifelhaft offenbarte, wie der Wirthschaftshof der Schotten. Wirsehen in diesem Bilde eine Menge kleiner Höfe, schmaler Seitenmauern, Zwischenthore und Nebengänge. Ein jeder Raum ist wieder durch Zwischenmauern in einen kleineren untergetheilt, und diese mannigfachen Einschachtelungen machten die Wohnungen ungemein düster und beengt. l ) ln den Kammeramtsrechnungen vom Jahre 1529 bis 163t wird diese Capelle mehrmal, als pilll'CrfUrrctT auf &er Scbottemräung ober bem Scbottenpfibel genannt. *) Abt Johann X. (Walterfinger) eröffnete den Bau der heutigen Kirche durch Baumeister Marcus Späz aus Linz und Anton Carlon aus Wien im Jahre 1638. vollendete das Presbyterium sammt Oratorium und Sacristei, erbaute im Klosterhause den Speisesaal, das Schlafhaus, die Zimmer der Conventualen, den Kreuzgang und andere Gemächer, wodurch das Conveiitgebäude ganz erneuert wurde. Nach dem Tode dieses emsigen Seelenhirten setzte sein Nachfolger Abt Anton im Jahre 1642 den Bau fort. Er erbaute das Schiff der Kirche und die beiden Thürmchen an der Frontseite nach einem schönen Plane der beiden Baumeister Gebrüder AU io. und vollendete den Kirchenbau trotz Ungunst der 7-eiten, trotz grosser Kriegswirren, Schwedeneinfälle, hoher Kriegscontributionen, in der verhältnissnnissig kurzen Z.eit von fünf Jahren (von 1643 bis 1618), so dass, nach seinem am 11. November 1648 erfolgten Ableben, sein Nachfolger Abt Peter Heister nur noch für die Ausschmückung der inneren Räume zu sorgen hatte. 3 ) Das Bild, von Salomon Kleiner im Jahre 1716 gezeichnet, zeigt uns im Vordergründe die Kirche, die siit 1643 hier unverändert blieb und nur während der zweiten Türkenbelagerung (1683) einige unwesentliche Veränderungen erfuhr; ausserdem bietet uns diese Ansicht noch mancherlei anderes Interessante, so z. B. gleich rechts das Harrach'sche Palais in seiner neuen Gestalt, wie es zu Anfang des XV11I. Jahrhunderts erbaut wurde; im Hintergründe den Ausblick auf den Heidenschuss, den Hof und das Professhaus der Jesuiten (jetziges Kriegsministerium); dann die mehreren kleinen Häuser gegenüber dem Heidenschuss, die zum Tiefen Graben führen; endlich im Vordergründe an der Ecke der Kirche jenen „Baumstrunk“, einen Rest ehemaliger Anpflanzungen, die sich noch zu Ende des XVII. Jahrhunderts hier erhielten und auf dem Hufnagel'schen Perspectivplane ersichtlich sind. 26 Mg. 05. Ansicht der Schottenkirche und der Freiung aus dem XVII. Jahrhundert. Ansicht der Schottenkirche und der Freiung aus dem XVII. Jahrhundert. tiB* m & i •§Ä' Bi £4 mm 1 T* ;a SifM MIEI iSSS-it, jrgw .■ . .. ■ueatm mm mm mm mm wmm Ei&ZBfi mm* Ansicht des Wirthschaftshofes der Schotten. 205 Es scheint, als ob die Zeitgenossen des glaubensfinstern und geistesbeschränkten Mittelalters sich nur in finstern und engen Wohnräumen und nur durch freiwillig auferlegte Rauin- beschränkung im Schoosse ihrer Familie wohl und behaglich fühlten. Ihr finsterer, unduldsamer Glaubenseifer scheute die wohlthuende Wirkung von Licht und Luft. Ihr beschränkter Gesichtskreis sehnte sich durchaus nicht nach geistiger Erweiterung, mit starrer Widerspänstigkeit hielten sie fest an den Glaubenssätzen der Kirche und den altererbten Grundsätzen über Kaiser und Reich, über Staat und Gesetz, und an den Gewohnheiten ihrer Väter. Diese geistige Beschränktheit und Finsterniss übertrugen sie auch auf die leibliche; und so kam es, dass sie nur in engen und dunkeln Wohnräumen sich der stillen Behaglichkeit eines wahren Familienglücks und der selbstzufriedenen Heimlichkeit eines ruhigen Privatlebens erfreuen konnten. Bemerkenswerth sind im Vordergründe des Bildes jene vielen kleinen primitiven Häuschen, welche Fly. (Hi . Der Wirthschaftshot (1er Schotten aus dem Jahre 1672. Schotten C^lo^ter. i i i i ii i * 11 UULLff .{■ ap| jflF’SlS Vflffif v fftSVIVVWW« ■ |R1Y 11VI1VVIIW I III II 11 f| U |l *■ ft H 1 VMM IHM 1 £iP! ■■ heute durch die prächtige Häuserfront der Schottengasse ersetzt sind. Die Baumpfianzungen im Hintergründe des Bildes erstreckten sich weit hinauf bis zur Bastei und waren mit einer ziemlich hohen Mauer eingeschlossen, die Wirthschaftsräume, in drei Höfe eingetheilt, und ein grosser Theil dieser Gebäude (links im Hintergrund neben einem Taubenschlag) aus Holz gezimmert. An der Bastei befand sich eine Rossschwemme und im grossen vordem Hof ein Brunnen mit dem Standbilde Leopold IV. (des Heiligen), das in neuerer Zeit durch eine moderne Brunnenstatue ersetzt wurde. Historische Vorfälle in und ausser Kirche und Kloster. Kloster und Kirche sind seit ihrem 725jährigen Bestände reich an wechselvollen Geschicksfällen und manche buntfarbige Bilder tauchen aus dem Meere der Vergangenheit an die Oberfläche empor, welche ihre Zeit und die Menschen, ihr Denken und Fühlen, ihr Walten und Handeln trefflich zu beleuchten geeignet sind. Die wichtigsten derselben mögen hier eine passende Stelle finden. 206 Historische Vorfälle in lind ausser der Schottenkirche. Am 18. Jänner 1177 wurde die Leiche Herzog Heinrich Jasomirgott’s nach seinem ausdrücklichen Willen unter dem St. Georgsaltar der Stiftskirche mit grosser Feierlichkeit beigesetzt 1 ) und von den dankbaren Schotten ihrem erhabenen Stifter ein Monument mitten in der Kirche gesetzt, auf welchem des Herzogs Bild in Stein gehauen war, wie dies auch ) Vide: Fuhrmann s Geschichte Wiens und Consf. Hist. Urin/. Viens. 27 210 Historische Vorfälle im Schottcnkloster. rückwärtigen, der Bastei • zugekehrten dreistöckigen Miethsgebäude ’) (1724—1727), und da die Häuser, die früher iin grossen Hofe dem Hauptthor gegenüber gestanden hatten, zu feuergefährlich und baufällig waren, wurde hier vom Baumeister Mathias Gerl auch ein Zinstract in der Zeit von 1754—1755 ausgeführt. Der schöne Bibliothekssaal und das neue Refectorium gegen den Stiftsgarten wurden erst im Jahre 1767 * * 3 ) und das steinerne Gartenhaus, sowie eine Stiege von der Sacristei in den Wohntract des Convents, im Jahre 1775 3 ) vollendet. Erst im Jahre 1827 begann der Bau des prächtigen Schottenhofes an der Vorderseite, der im Jahre 1832 an der Hauptfront und seit der Stadterweiterung auch an der rückwärtigen Front seiner Vollendung zugeführt wurde; es finden sich daher noch heute an diesem weitläufigen Gebäude Bauformen der ältent und jüngern Periode vor; doch kehren wir wieder zu unserem Gegenstände, zur Aufzählung der weitern historischen Vorfälle, zurück. Der 13. Juli 1701 ist in den Annalen des Schottenstiftes durch einen schönen Zug Kais'er Josef's 1. verherrlicht. Noch war Josef römischer König, als er an diesem Tage, von der Jagd zurückkehrend, das heilige Sacrament zu einem Kranken tragen sah; sogleich sprang der junge Fürst aus seinem Wagen, empfing knieend den Segen, begleitete das Hochwürdigste zu dem Kranken in die Vorstadt Margarethen, und nachdem er den Unglücklichen beschenkt hatte, auch wieder zurück nach St. Stefan. Am Charfreitag des Jahres 1782 wurde dem Schottenstifte die Ehre zu theil, den Papst Pius VI., der das heilige Grab in der Kirche besuchte, begrüssen zu können; auch das Volk brachte ihm mit ehrfurchtsvoller Begeisterung aufrichtige Verehrung entgegen. Nach Besichtigung des Klosters sprach er sich in italienischer Mundart (er war der deutschen nicht mächtig) unverhohlen und öffentlich auf das Lobendste aus und setzte hinzu: dass er die Frömmigkeit der Wiener rühmen müsse, dass aber auch die Gastfreundschaft des Kaisers, seine ausgezeichnete Gottesfurcht, der mit hohem Geist gepaarte seltene Regierungseifer sein Herz in hohem Grade erfreue. Am 4. November 1807 feierte das Stift die Eröffnung des Schottengymnasiums auf solenne Weise, und damit ward ihm jenes vorzügliche und älteste Feld der Thätigkeit des Benedictinerr ordens, das Feld der wissenschaftlichen Jugendbildung, wieder zurückgegeben, ein Feld, auf dem er bereits in früheren Zeiten Erfreuliches leistete. Auch das verhängnisvolle Jahr 1809 blieb nicht ohne Einfluss auf die Schicksale des Klosters. Am 14. August 1809 war das Stift von einer furchtbaren Gefahr bedroht. Durch die Unvorsichtigkeit der Franzosen ging ein Pulverthurm in der nächsten Nähe in die Luft. Zum Glück wurden die grossem Wurfgeschosse nicht entzündet, sonst wäre das Stift 'sicherlich der ärgsten Verwüstung nicht entgangen. Während der Wirrsale des Krieges nahmen die Franzosen jeden freien Raum des Klosters in Anspruch. So wurden z. B. stets im Hofraume 200 bis 300 Mann Soldaten einquartiert, für deren Verpflegung das Stift selbst Sorge zu tragen hatte. Der Kreuzgang wurde zu Magazinen verwendet, daselbst auch eine Bäckerei aufgestellt und die Klostenveine von den Franzosen mit Beschlag belegt. Aber trotz des bedeutenden materiellen Schadens wetteiferte das Stift dennoch mit der übrigen Bevölkerung an Opterwilligkeit für den Staat und rüstete das vierte Bataillon der Wiener Freiwilligen, das ganz aus Stiftsunterthanen bestand, fast ausschliesslich mit den eigenen Stiftsgeldern aus und fühlte sich so durch den rühmlichen Antheil, den dieses Bataillon an dem Gefechte bei Ebersberg in Oberösterreich und in den darauffolgenden Schlachten nahm, geehrt und gehoben, ja es 0 Nach den Klosterrechnungen leitete der Baumeister Franz Jankel den Bau. s ) Der Bau des neuen Bibliothekssaales und Kefectoriums wurde vom Baumeister Ludwig Kaltnes geführt und der Plafond der Bibliothek vom Meister Bergl gemalt. 3 ) ln sechs Nischen an der Gartenmauer gegen das Prioratshaus malte Johann Gfall Scenen aus dem Leben des heiligen Benedict. 211 • 1 Die Kunstschätze der Schottenkirche. t .gab ‘sogar auf Anordnung des Kaisers sein bedeutendes Kirchensilbergeräth hin, um dem Vaterlande in seinen Nöthen zu dienen. Auch betheiligte sich der Schottenprälat bei der Deputation, die in Schyn- brunn den siegreichen Napoleon um Schutz für Wien, welches als unhaltbar von den kaiserlichen Truppen verlassen wurde, anflehte. Nicht unerwähnt darf gelassen werden, dass unter Carl VI., dem pracht- und kunstliebenden Kaiser, und dessen Vorfahren mehrere Aebte bemüht waren, die Kirche mit zahlreichen Denkmälern der Kunst zu schmücken. Sie gingen von dem Gedanken aus, die Herzen ihrer < Pfarrkinder auch durch den bezaubernden Einfluss der Kunst zu begeistern, ihr Gemüth auch durch äussere Pracht und Herrlichkeit gleichsam zur Glorie und wahren Majestät Gottes erheben zu müssen.- Sie umgaben also unter ungeheurem Kostenaufwand die innern Kirchenräume mit den herrlichsten Werken der Sculptur, schmückten die Altäre mit trefflichen Gemälden und die Wände mit kostbaren Teppichen; natürlich blieb diese Art von Verherrlichung des Gottesdienstes nicht ohne Nachahmung. Ich glaube, es wird meinen Lesern willkommen sein, wenn ich sie mit diesen einzelnen Kunstschätzen der Kirche näher bekannt mache. ‘) Die Kunstschätze der Schottenkirche stammen grösstentheils aus der Zeit von 1643 bis 1780. Abt Peter Heister, ! ) ein Kenner und Verehrer der Künste, liess zwischen 1643 bis 1659 fast von allen bedeutenden Wiener Malern Altarbilder für die Kirche anfertigen, die noch heute als vornehmste Zierde derselben dienen; so z. B. das meisterhaft lebendige Hochaltarbild von Joachim Sandrart von Stokau, die Aufnahme der Seele des Gerechten in den Ort der ewigen Glorie darstellend, in dem Augenblicke, in welchem die Seele, umgeben von Engeln und Heiligen, sich zum Throne der Dreieinigkeit emporschwingt. Ganz oben in einem kleineren Bilde thront die heilige Dreifaltigkeit. Die Gemälde der zwei Seitenaltäre, nämlich das eine mit den Apostelfürsten Petrus und Paulus (gemalt 1652) und das andere, Christus am Kreuze (1654) vorstellend, sind beide von Bock; 3 ) sie gehören zu den ältesten Arbeiten dieses Künstlers und erwecken gewiss im Herzen jedes Beschauers tiefe Andacht. Ueber dem Frauenaltare deckt die hohe und breite Wand die Darstellung der Himmelfahrt der heiligen Jungfrau von Tobias Bock, 4 ) und darüber in einem kleinen Bilde fesselt die Krönung Mariens das Auge. Ferner sind zu erwähnen: das Altarblatt des heiligen Sebastian (gemalt im Jahre 1655) und jenes des hfeiligen Benedict (1658), beide gleichfalls von Bock, dann an beiden rückwärtigen Seitengewölben die Gemälde der heiligen Barbara (1659) °) und der heiligen Anna (1659), *) Nach den Original-Kirchenrechnungen des Schottenstiftes betrugen die Summen, welche Abt Carl für Kirchen- geräthschaften in der Zeit von 1724 bis 1734 Zahlte, eine erstaunliche Höhe: tso z. B. kostete eine Monstranze 3000 Gulden, das Altarkreuz (welches 140 Mark Silber wog) 3230 Gulden, die sechs silbernen Leuchter des Hauptaltares (im Gewichte von 224 Mark Silber und 1() Loth) S600 Gulden; auf Kirchenornate wurden 60.000 Gulden, für die Orgel von Lothar Franz Walter 6000 Gulden, für Musikalien 4000 Gulden, für die Anschaffung neuer Bücher 201000 Gulden und für ein kunstvoll gestickt ek Benedictioinat (an dem die k. k. Hofcontroloramts-Protokollistensgattin Barbara Schweiger durch sechs volle Jahre ununterbrochen arbeitete, wofür sie jährlich 200 Gulden bezog) für Gold, Silber und Nähseide allein 856 Gulden verwendet. 2 ) Peter Heister. Abt bei den Schotten in der Zeit von 1649—1662, war aus edlem Geschlechte entsprossen. Er stand mit seinem Vetter, dem kaiserlichen 8eneralfeU>n?acbtmeifter und Öhristen Gottfried von Heister, der in Ungarn lag, in lebhafter Correspondenz, und es haben sich im Klosterarchive mehrere Briefe erhalten, welche nicht unerhebliche Andeutungen über die damalige Kriegsbereitschaft in Ungarn zu geiwähren vermöchten. Auch andere Correspondenzen enthalten historische Daten über den Gang des 30jährigen Krieges, die zur Aufhellung der Geschichte von nicht geringem Belang sein dürften. 3 ) Für jeejes dieser beiden grossen Bilder zahlte der Abt Peter an Sandrart nur 300 fl. 4 ) Die Kosten des Frauenaltares wurden von der Bruderschaft Mariens „umb eine glUCfli($e StcrbeitUhbe" besorgt, wozu noch Dr. Herzog ein Legat von 1300 fl. vermachte. • * s ) Albrecht von Zinzendorf, Oberstjägermaister gind Reichshofrath, stellte das Bild der heiligen Barbara selbst bei, und weil die' Gruft der Zinzendorf sehen Familie unter dem Barbara-Altare hergerichtet wurde, so steuerte Albrecht für die Aufstellung dieses Altares und besonders für die Stuckaturarbeiten 1500 ft. bei. * 27 * 0 * « I f 212 f t Die KunstschUtze der Schottenkirche. beide von Hieronvnius Jockmus, endlich das Bild des heiligen Gregor (1652) von Gtorg Bachmann. ') t Von den übrigen Bildern im Kloster ist nichts zu berichten, * * 3 4 da sie während der häufigen Feuerbrände fast sümmtlich zu Grunde gingen und nur in der Erinnerung fortleben, so weit in den Geschichtswerken dieses Klosters Erwähnung« geschieht. s ) r Von den übrigen Sculpturen, welche die Kirche zieren, verdienen einige Grabmonumente ihres künstlerischen Werthes wegen besonders hervorgehoben zu werden. Gleich rechts beim Eingänge in die Kirche steht das herrliche Denkmal des unsterblichen Ernst Rüdiger Grafen von Starhemberg, des heldenmüthigen Vertheidigers der Stadt gegen die Türken (1683). Die Composition ist von ausserordentlicher Wirkung, der Sieg über die Türken in seinem figuralen Theile, gleichwie in den sinnig angedeuteten Emblemen trefflich zur Anschauung gebracht, die Porträtbüste edel und £■ *Ztt nr sc •:• .’t-v • .> |Bgj>P>iW» :f*03=®RPB Ijj; rr- : *Hgi «'iguart! H»fc w-i -F .✓V-« s-v '* v? f« i 214 Das Volksleben auf dem Schottenplat/.e im XVIII. Jahrhundert. I Von besonderem Interesse ist liier die Staffage im Bilde, sie entrollt uns ein getreues Spiegelbild des öffentlichen Lebens und Treibens der Stadt vor dritthalbhundert Jahren. Es zeigt uns, wie die Hantirungen, die sich heute in die Räume der Werkstätten oder gar aus dem Umkreis der Stadt geflüchtet haben, damals auf offenem Platze, gleichsam vor den Augen des Publicums betrieben wurden. Die Kessel und Braten ambulanter Garküchen dampfen in der Mitte des Platzes lustig empor, und lustig dreht sich der Bratspiess, der die Vorübergehenden mit den verführerischesten Wohlgerüchen zu einem improvisirten Mahle unter freiem Himmel einlädt. Ein solches Mittagsmahl gibt Zeugniss von der altwienerischen Geselligkeit, Gemüthlichkeit und Bescheidenheit unserer Voreltern. ’) Aber mitten im Bilde fesselt uns am meisten jenes sogenannte ^.Rrcu^crtjicfitfr", das wandernde Schauspieler hieraufgeschlagen hatten; eben sind sie in voller Thätigkeit begriffen und haben eine grosse Anzahl Zuseher tftn sich versammelt. Ueberhaupt gab es, so lange die wandernden Schaubuden durch Kaiser Franz I. nicht abgeschafft wurden, in Wien oft zwei und mehrere Spectakelbuden auf einem Platze zu gleicher Zeit; besonders zur Marktzeit, wo Taschenspieler, Seiltänzer, Possenreisser, Quacksalber, Marionettenspieler und Gaukler mit dressirten Pferden, Hunden oder Affen ihr Unwesen trieben. Man muss die Eintracht bewundern, mit welcher diese Budenbesitzer freundnachbarlich hart neben einander ihr mühsames Geschält trieben, ohne Groll zu hegen, ohne neidvoll hinüberzuschielen, wenn der Nachbar bessere Geschäfte machte und ein zahlreicheres Publicum um sich zu versammeln vermochte. Es ist merkwürdig genug, dass selbst der berühmte Josef Stranitzky, Director des Kärntnerthortheaters (laut Magistratsrechnung), es nicht unter seiner Würde hielt, ein Marionettentheater auf der Freiung zu einer Zeit zu besitzen, wo er längst schon das Kärntnerthortheater in eigener Regie hatte. Es gibt uns vom Zeitgeschmäcke einen deutlichen Begriff, wenn wir bedenken, dass Niemand den geringsten Anstand nahm, ja, dass es sogar Jeder ganz natürlich fand, wenn Stranitzky, der allgemeine Liebling der Wiener, der Hanswurst par excellence, Abends das Hoftheater leitete, während er unter Tags die Spectakelbude auf der Freiung betrieb, ja sogar rückwärts der Bude ein Kämmerlein besass, wo er den Leuten um ein Billiges die Zähne riss, wie dies noch heute in Italien üblich ist. 2 ) Aber von allen diesen Gewerben und Hantirungen hielt sich doch keines so lange auf diesem Platz wie die Obst- und Gemüsehändlerinnen, die wie vor undenklichen Zeiten noch heute hier einen guten Theil des Tages über ihr Handwerk schwungvoll betreiben und durch ihre eigenartige Staffage den Plat£ äusserst wirksam beleben. Was die HäuseP betrifft, die hier den Platz umgeben, so zählen sie alle zu den eminent historischen Bauten dieser Stadt. kleinen Häusern bestand, in seiner heutigen Neugestaltung, wie sie zwischen 1700 bis 1702 vollendet wurde; ebenso das Fürst Kinsky’sche Majoratshaus, im Jahre 1720 von Johann Lucas v. Hildebrand vollendet. Nur das Probsthaus (Schuhladkasten) ist hier noch nicht ersichtlich, da dasselbe erst 54 Jahre später (1774) an die Stelle der Steinmetzhütten trat, wie wir dieselben nächst der Kirche rechts auf dem Bilde bemerken. Auch die Kirche hat sich seit ihrem letzten Aufbau (1643 bis 1654) üusserlich in nichts geändert und ist bis auf den oberen Sockel der Hauptfront ganz dieselbe geblieben. Dieser Sockel zeigt uns jene unausgebaute Stelle, an welche an der Hauptfront zwei Seitenthürme hätten treten sollen: jedoch die projectirten Bauten unterblieben und wurden durch zwei niedere thurmartige Aufsätze ersetzt. ’) ln den „kurz lesenswürdigen Erinnerungen“ vom Jahre 1702 erhalten wir Andeutungen, dass die Zunft der Köche seit dem Ende des XVII. Jahrhunderts in die Reihe der andern Innungen mit einbezogen wurde, und dass dieselbe auch ihre eigene Fahne besass, mit der sie gar stolz bei allen Processionen einherzog. Auf der einen Seite des Fahnentuches war die „heilige Anna“ und auf der andern die „Hochzeitzu Kana“ in Galiläa abgebildet; gewiss ein passendes Symbol für Köche. ’) In Schlager’s Wiener Skizzen, III. Band, kommen sogar die Namen aller Budenbesitzer und die Rechnungen über die bezahlten ©pedatelgcl&er vom Jahre 1771—1795 vor, aus denen erwiesen ist, dass Stranitzky wirklich eine Schaubude auf der Freiung jjesass, ajs er bereits Director des Kärntnerthortheaters war. Auch geht aus diesen Rechnungen hervor, dass unter den Budenbesitzern der Freiung die Mehrzahl zur Classe der sogenannten Sail&anjer, nTdriOncttcmpUller, PolHinellCb Doltiger, Luftspringer und Komödianten gehörte, In der Rechnung vom Jahre 1733 findet man auch einen eraminirtcn ©perateur Hamens Johann ®eorg Xucbs mit einem Marionettentheater, ln den Rechnungen vom Jahre 1721 » » Das Hardegg’sche, Traun’sche und Harrach’sche Palais. 215 Das gräflich Hardegg’sche Palais Nr. 238 (neu 1) bestand einst aus zwei kleinen Häusern, wovon das eine, mehr gegen den Heidenschuss gekehrt, die Nr. 120 führte und seit 1590 den drei Grafen Brenner, Weissenwolf und Palffy gehörte, daij andere aber mit der Nr. 121 Eigenthum des Reichs-Vicekanzlers Dominik Andreas, Grafen Kaunitz war. Beide blieben seit 1694 bis 1797 im gemeinschaftlichen Besitze der Familie Kaunitz, kamen dann im Jahre 1806 in den der Gräfin von Metternich, die endlich im Jahre 1825 selbe an Rudolf Fürsten Colloredo verkaufte, der beide Häuser in Eines umbauen liess. Das neue Haus blieb nun 21 Jahre im ruhigen und ununterbrochenen Besitze dieses Fürsten, bis es im Jahre 1846 von Franz Munsch angekauft und zu dem Zwecke abgebrochen wurde, um ein Hotel in grossem Style zu erbauen. Mittlerweile brachte Graf Hardegg diese Baustelle käuflich an sich, und liess im Jahre 1847 hier ein neues Palais aufführen, wie wir es noch heute zu sehen Gelegenheit haben. *) Das gräflich Abensberg-Traun’sche Palais Nr. 240 (neu 2). Dieses Haus wurde schon im Jahre 1401 durch die damaligen Herren von Traun erkauft, und zwar vom Wiener Bürger Hans Wisterberger, und es blieb ununterbrochen fortan im Besitze dieser Familie. Im Jahre 1700 kam Otto Ehrenreich Graf von Abensberg-Traun, Landmarschall in Oesterreich, und zuletzt Franz Graf von Abensberg-Traun an die Gewähr. Gegenwärtig bildet es ein zur Nationalbank gehöriges Nebengebäude und wird als Durchhaus benützt, indem es die Freiung mit der Herrengasse verbindet. ’) Das gräflich Harrach’sche Palais Nr. 239 (neu 3), zählt zu den eminent historischen Punkten der Stadt; die Herren von Harrach oder haftiufycv besassen hier 1470 mehrere kleine Häuser, die schon zu Anfang des XVII. Jahrhunderts in Eines zusammengebaut wurden. Während der Türkenbelagerung 1683 gerieth durch den Brand des Schottenhofes auch dieses Gebäude in Flammen und wurde im Jahre 1689 in seiner heutigen imposanten Gestalt nach dem Geschmacke der Zeit wieder aufgebaut und bei dieser Gelegenheit auch ein herrlicher Garten mit dem schönen Pavillon angelegt. Nur zu Jahrmarktzeiten blieben vor dem Palais noch immer die kleinen hölzernen Hütten der mährischen und böhmischen Juden stehen, worin sie Zwirn, Leinwand etc. verkauften. Eine dieser Hütten ist uns in einem interessanten Bilde vonCanaletto (aus der Zeit vom Jahre 1760—1770) erhalten geblieben, wie Figur 68 zeigt. a ) ln diesem Bilde ist auch das Har rach-Palais bereits in seiner neuen Gestalt, sowie die Kirche und die Gebäude am Vogelsang mit der Finfriedungsmauer (an deren Stelle später 1774 das Probst- haus kam) besonders hervorzuheben. Das Palais theilt mit dem Kinsky-Palais, sowie mit vielen andern der Stadt das gleiche Schicksal, dass es nämlich auf den Trümmerstätten und Schutthaufen, welche die Türkenbrände 1683 -— l erscheint zugleich Josef Stranitzky als Director im Kärntnerthortheater und als ülanondU’IhSpÜUinbäbCC 311 f der hreiung neben Rudolf Lang’s Hütte mit künstlichen Hunden. Alle diese Spectakelbuden wurden erst unter Kaiser Franz I. 179ö in der inneren Stadt abgeschafft, und die Productionen zogen sich in Gasthöfe zurück, so z. B. in das Wirthshaus „zu den drei Hacken“ (Hotel „römischer Kaiser“) und in die Mehlgrube. Im ersten producirte sich 1803 Schwanenfeld mit seinen berühmten mechanischen Künsten und 1827 Georg Heppner mit optischen Vorstellungen. ‘) Im Jahre 1534 hiess das Haus: „Ttttf ihm Itlhft gegen Öen Stötten." Nach seinem ehemaligen Besitzer Johann Carl Schlüge 1, kais. könig. Mt. Rath, hiess das Haus auch das 6cf)l<5gelf>(lUS. “) In den ältesten Grundbüchern erscheint im Jahre 1585 auch ein fliclfls und ©eOig ©Itff Serin ßlä auf beit illift 3!Mf$en flr. zs$ mb zag fd&baft, ebenso auch ein cSeröinanb irnft ©raf Iraun trab Ttbensberg in der Herrengasse. 3 ) Dieses im Belvedere befindliche Bild von B. Belotti (genannt Canaletto), 28 Cm. breit und 21*5 Cm. hoch, wurde von Emil Hutter copirt, der es meinem Werke mit zuvorkommendster Freundlichkeit überliess, wotür ich hier meinen besten Dank ausspreche. 216 Die Ansicht der Freiung aus derZeit von 1760—1770. Zurückhessen, aufgebaut wurde, so dass jene grosse, herrliche Bauepoche eigentlich erst seit der zweiten Türkenbelagerung datirt. Denn alle die vielen stolzen Monumental- und Frachtbauten Wiens, die jetzt wie Pilze aus der Erde schossen, und deren Glanz und Prunk wir noch heute bewundern, verdanken ihre Pintstehung dem letzten Türkenkrieg. ’) I !»jtTtf i ßjrSJ 53™ ,i iiiif stifö-j Pig. 68. Die Ansicht der Freiung aus der Zeit von 1760 —1770. Diese rege Bauperiode ist für uns von hohem culturhistorischen Werthe, weil sich an dieselbe manche lehrsame und zugleich interessante Bemerkungen knüpfen lassen, die noch heute für uns von Bedeutung sind, und. hebe ich sie hier besonders hervor. Die grosse Bauperiode nach dem zweiten Türkenkrieg und ihre culturelle Bedeutung. Knapp nach der Vertreibung der Türkenhorden, am 14. September im Spätherbste 1683, als Kaiser Leopold I. mit seinem Hofstaat in W*en wieder eingetroffen war, kehrte der reichbegüterte ehrgeizige Adel nach \Vien zurück, in der Absicht, dem Kaiserhause zu dienen, den Thron mit tapferem Schwerte zu wahren, ihn und das Vaterland vor jedem feindlichen Angriff zu schützen. 1 ) ]fi diese Zeit fiel der Bju des Belvederes von Hildebrand (1693—1724); das fürstlich Liechtenstein’sche Palais *n der Schenkenstmsse von Hildetrand 1694; der Umbau des Schönbrunner Schlosses 1696; der fürstlich Liechtenstein’sche Gartenpavillon, Dominik Martielli 1701—1712; das Prinz Eugen-Palais in der Himmelpfortgasse, jetziges Finanzministerium, von Fisdher von Erlach 1703; das Schwarzenberg-Palais von Fischer von Erlach Junior 1703; das gräflich Daun’sche Haus (jetzt Fürst Kinsky-Palais) von Hildebrand 1710; der Palast des Pürsten Auersperg in der Josefstadt von Fischer von Erlach junior 1725; die Stallburg vor dem Burgthore von Fischer von Erlach junior 1725; das Palais des Grafen Fries auf dem Josefsplatz von Hohenberg 1784; das evangelische Bethaus in der Dorotheergasse von Wigelly 1784 und viele andere Prachtbau.en. Die grosse Bauperiode des XVIII, Jahrhunderts. 217 Freilich kam ihnen dieser rettende Gedanke etwas zu spät in den Sinn, jedes falls trug er doch nützliche Früchte. Denn Leopold I. schenkte allen den Grossen und Mächtigen, die sich hier bleibend niederlassen wollten, unentgeltlichen Baugrund, und so kam es, dass die vielen mit Glücksgütern gesegneten grossen Herren des XVIII. Jahrhunderts ihrer noblen Passion freien Lauf liessen und in verhältniss- mässig kurzer Zeit die imposantesten Monumentalbauten aufführten. Dort, wo man noch jüngst in den niedergebrannten Vorstädten unter Schutthaufen und Trümmern halb verbrannte Kameele, geschmorte Maulthiere und verweste Christenleichen eine ungeheuere Pestilenz unter schwarzen Rauchwolken verbreiten sah, stiegen die stolzen Paläste empor, die mit wahrer französischer Prachtliebe ihrer ärmlichen Umgebung zu spotten schienen. Hierdurch war den vielen Baukünstlern und Bildhauern Gelegenheit gegeben, ihr Talent zu erproben und ihre künstlerische Schulung auch praktisch zu bethätigen, ein Umstand, der nicht hoch genug in Anschlag gebracht werden kann. Denn was nützen die vielen Künstler dem Staate,' wenn sie nicht Gelegenheit finden, ihr Können und Wollen entsprechend zu verwerthen und zu erweitern? Was nützt das reichste Talent, wenn es sich nicht entfalten kann? Mit der That reift auch die Kunst; denn der Mann, welcher die Tragweite seines Talentes noch nicht erprobte, wird sich bei dem ersten Schritte, den er wagt, durch Zaghaftigkeit, Zweifel und hemmende Erwägungen beengt und gelähmt finden, erst durch die rasch vorwärtseilende That reift sein Talent und vermag immer reichere Früchte zu tragen. Auch die Bauherren jener Zeit sind als Muster der Freigebigkeit zu bewundern. Damals galt es bei den grossen Herren für vornehm, wahrhaft edle Passionen zu pflegen. Sie suchten mit aufopfernder Begeisterung nach jungen aufkeimenden Talenten, sorgten für ihre Erziehung und Ausbildung, schickten sie selbst auf Reisen und zahlten fürstliche Honorare, damit nicht etwa die kleinlichen Sorgen des Lebens, die Noth des Tages ihre Arbeiten störe und verkümmere. Die Künstler des XVIII. Jahrhunderts fühlten sich daher auch als vornehme Leute und waren als solche thätig, so dass sie in der besten Gesellschaft aufgenommen wurden. Diese Bevorzugung, die Behaglichkeit des materiellen Wohlseins und einer gesicherten Lebensstellung spricht sich daher auch deutlich in ihren Bauwerken aus, und die Arbeiten eines Johann Bernhard Fischer v. Erlach, seines Sohnes Josef Emanuel, eines Lu ca s v. "Hildebrand, Hohenberg, Nigelly, Hackenberg etc. glänzen noch heute in einer Reihe der herrlichsten Kunstbauten als vornehmste Zierden der Stadt, und noch heute bewundern wir ihre vornehme Art zu bauen, besonders wie sie ihre Gebäude, ihre Portale und Treppenhäuser zu stellen wussten, wie sie ihre Figuren (in Absicht auf malerische Effecte) in den Vordergrund zu bringen, ihre Ornamente zu verwerthen, ihre Säle und Corridore zu vertheilen verstanden. Alles dies w r ar gross, selbstbewusst, vornehm, mit feinem Blick auf das grosse Ganze gerichtet und stets auf schönheitliche Wirkung componirt und ausgeführt. Wenn wir daher zwischen den Baubestrebungen des XVIII. Jahrhunderts und des jetzigen ohne Voreingenommenheit eine Parallele ziehen, erkennen wir merklich die Unterschiede: die Cavaliere jener Zeit z. B. bauten mit bewunderungswürdiger Generosität und suchten in edlem Wetteifer wie einst die Fürsten und Städte der italienischen Renaissancezeit einer den andern an Grossartigkeit und Reichthum des Baues zu übertreffen und sorgten dafür, dass nie das Nützlichkeits- vor dem Schönheitsprincipe bei den Rechnungscalcülen den Ausschlag gebe. Denn, soll ein Monumentalbau diesen Namen in Wahrheit verdienen, darf nie die Schönheit der Nützlichkeit untergeordnet werden, wie dies bei modernen Bauten oft der Fall ist, wo leider aus kleinlichen Rücksichten fast immer das Schöne dem Nützlichen zum Opfer fällt. Die grossen Herren sorgten nicht blos für Prachtbauten, sondern legten sogar Kunst- gaiierien und Kunstsammlungen an, auf die wir Wiener bedeutend weniger stolz sind, als wir es zu sein berechtigt wären, obgleich sie doch dem ganzen Volke zu Gute kommen; denn die Kunst ist und war zu allen Zeiten und bei allen Völkern nicht blos eine ästhetische, sondern auch eine vorwiegend nationalökonomische Frage. Die Kunst zieht den luxusbedürftigen Adel und mit 218 Die Gärten Wiens im XVI. und XVII. Jahrhundert. ihm auch die Künstler und Arbeiter in die Residenz, gibt zahlreichen Händen Beschäftigung und verbreitet im Lande Wohlstand, Reichthum und Sitte. Der Luxus, welcher im XVIII. Jahrhundert an den Höfen der Grossen und in den Palästen der Reichen herrschte, mag ohne Zweifel seine Nachtheile gehabt haben, die vielleicht der strenge Moralist verdammt, aber auf die Kunst selbst, auf die volks- wirthschaftlichen Verhältnisse wirkte er weckend, fördernd und belebend. Was hat Frankreich, was hat Paris so gross gemacht? Nichts als die Kunst. Es ist also nicht zu wundern, wenn die baulustigen Cavaliere von damals die Künstler auf das Freigebigste unterstützten und ihnen alle Mittel zur Ausbildung an die Hand gaben und es nicht so machten wie manche moderne Bauherren, die in weniger edler Weise die Künstler in ihrem eigenen Interesse ausbeuten und bei kärglichstem Lohn die möglichst grösste Arbeit verlangen. Auch darf nicht unerwähnt gelassen werden, dass damals die Baukunst mit der Malerei und Bildhauerei (bei Ausführung ihrer Kunstwerke) Hand in Hand gingen, eine die andere unterstützte, eine der andern fördernd und ergänzend zur Seite stand, und dass alle auf die optischen und perspectivischen Effecte gleiche Rücksicht nahmen und auf den harmonischen Zusammenklang von Form und Farbe gleichmässig bedacht waren, um nur ja gewiss jene grandiosen Effecte zu Stande zu bringen, die sie in ihren Bauwerken auch wirklich erzielten. Ein schlagendes Beispiel für das Gesagte ist uns noch heute in dem herrlichen Büchersaale unserer Hofbibliothek, einer Meisterschöpfung Fischers und Daniel Gran’s, erhalten geblieben, wo z. B. die Kuppel durch die Bauart und Malweise viel höher erscheint, als sie in der That ist, und wo z. B. der Architekt die wirkliche Gallerie verborgen durch die Fensterwölbungen führt und es dem Maler überlässt, sie künstlerisch und organisch wirkend herzustellen, eine Aufgabe, die Daniel Gran durch grossartig erfundene Fresken meisterhaft löste, während heutzutage es nicht selten der Fall ist, dass der Bildhauer neidisch auf die Erfolge des Malers blickt und dieser wieder mit scheelem Auge die Verdienste des Architekten betrachtet, ja dass nicht selten der Eine dem Andern ein Schnippchen schlägt, ohne zu bedenken, dass solche Missgunst dem Ganzen zum Schaden gereicht. Fassen wir also das Gesagte in einen Satz zusammen, so müssen wir ohne dünkelhafte Selbstüberhebung gestehen, dass damals Mäcene und Künstler nicht eben die schlechtesten waren und wir in mancher Beziehung noch heute jene Künstler um ihre Mäcene und diese um ihre Künstler beneiden müssen, und dass wir noch heute von beiden lernen könnten. Es wäre nur wünschenswerth, dass kommende Geschlechter auch uns ein so glänzendes Zeugniss abgeben würden. Doch kehren wir zu unserem Gegenstände zurück. — Die Hauptfront des Harrach’schen Palais beherrscht die ganze Längsseite vom Heidenschuss bis zur Herrengasse, wo noch vor Kurzem in einem Nebenflügel ein stattlicher Garten mit seinem frischen Blättergrün das Auge ercjuickte und reiche Baumäste über die hohe Umfangsmauer emporragten. Dieser Garten wurde zwei Jahre nach der letzten Restaurirung des Palais (1837) aufgehoben, und somit verlor Wien den letzten Repräsentanten jener vielen und kostbaren Gartenanlagen, deren sich die Stadt noch zu Ende des XVII. Jahrhunderts in reicher Menge erfreute,') und die dann durch den Ausbau der Strassen und Plätze in einem Meer von Häusern untergingen. ‘J Den fleissigen Forschungen Camesina’s ist es auf Grund der Aufschreibungen' des Quartiermeisteramtes vom Jahre 1566 gelungen, ein genauesTableau zusammenzustellen, in welchem alle jene Stadtgärten und Baumpflanzungen aufgezeichnet sind, die Wien noch im Jahre 1566 besass. Aus diesen Zusammenstellungen sind folgende Gärten der inneren Stadt nennens- werth; auf dem Josefsplatz zwischen dem heutigen Schweizerhof und dem Augustinerkloster der „taijerlicfee JnäjartCtt", ferner zwischen der Michaelerkirche und dem heutigen Burgtheatereingange der „f£tilerlt(f>e FuftgartCll'', der sich bis zur Schaufler - und Herrengasse erstreckte; auf der Freiung beim Eingang in die 2üenoits(trafe (Teinfaltstrasse) mehrere kleine Gartenanpflanzungen, wie sie noch auf dem Hufnagel’schen Vogelperspectivplan zu sehen sind; in der TeinfaItstrasse vis-it-vis dem Klepperstall drei Hausgartengründe: im Jrlttbff (Strauchgasse) an der Stelle des heutigen Cafe Central und der alten Börse ein schöner schattenreicher Garten; zwischen der Renngasse und dem alten Schottenstifte grosse Baumanpflanzungen (Pogd|ünumpf (tttfen); dann in der Schönlaterngasse gegenüber dem „Basilisken“ kleine Blumengärten. In dem verhältnissmässig jüngern Kärntnerviertel finden wir die zahlreichsten Gartenanlagen, so im Eckhaus gegen die Seilergasse zu ein kleines Gärtchen, in der Annagasse im heutigen Malteserhaus und zwischen der Johann es-und Himmelpfortgasse acht kleine Hausgartenplätze, dann zwischen der Himmelpfort- und Weihburggasse an der Seite des alten Blumenstöckels iünf Gartenplätze, endlich im Rücken der Franziskanerkirche, längs der unteren Weihburggasse einen schönen schattenreichen Blumengarten mit herrlichen Baumpflanzungen, die noch bis in's XVIII Jahrhundert fortbestanden. ') Die ältesten urkundlich nachweisbaren Besitzer waren hier: die Herren von Rauchenstein; 1435 Jörg von Puchha i mb; von ihm stammt der Seitenbau gegen die Herrengasse (damals Hochstrasse), wo sich die Als durch die Strauchgasse Uber die Freiung und den Tiefengraben in die Donau ergoss, das Gebäude aber führte den Namen „Das Haus zu Wien auf dem Mist“; 1890 Franz von Dietrichstein, 1625 die Herren Grafen von Harrach, die es wieder an die Stände verkauften; im Jahre 1660 ging es sammt einem damit verbundenen Bürgerhaus an den damaligen Landmarschall Johann Weikhardvon Auersperg über, von welchem es Ferdinand Graf von Harrach wieder zurückkaufte. Noch ein zweites Haus (das noch im Jahre 1616 der Bürger Mathias Meyer besass) kam in den Besitz der Harrach, die ausserdem hier noch zwei kleine Häuser besassen, welche jedoch mit dem obgenannten zusammen in Eines verbaut wurden. Nach dem Türkenbrand von 1683 wurde im Jahre 1689 das jetzige Harrach-Palais erbaut und zuletzt im Jahre 1848 renovirt. Im Jahre 1702 erbaute der gottes- fürchtige Ferdinand Buon aventura von Harrach hier (gegen die Herrengasse) eine öffentliche Capelle „zur unbefleckten Empfängniss Maria’s“, welche Kaiser Josef II. 1782 aufhob. ’) In der Urkunde über das Patronatsrecht des Klosters Hohenfurt zu Retz vom 19. März 1292 wird zum ersten Male als Zeuge Benisius von "feoract» (Harrach) genannt; Ulrich Harrach wird als Ahnherr aller heutigen Grafen von Harrach bezeichnet und schon am 26. März 1865 ein Leonhard Harrach von Kaiser Maximilian II. mit dem Oberst- Erblandstallmeisteramt in Oesterreich ob der Enns für sich und seine männlichen Nachkommen betraut; ein Carl Harrach (Liebling Ferdinand’s II.) wurde durch Diplom vom 10. August 1624 und 25 August 1625 mit der Rechtsgewalt ausgestattet Hochgerichte und Mauthen anzulegen und Gold- und Silbermünzen mit seinem „Brustbild“ und „Wappen“ (aber nach kaiserlichem Münzfuss) zu prägen. Er war der Vater jener Maria Isabella, welche dem berühmten Herzog von Friedland, Wallenstein, als zweite Gemahlin angetraut wurde. 28 “ 220 Die gräflich Harrach’sche Familie. und England zum vollendeten Weltmann. Metaphysische Studien aber brachten ihn endlich auf ein seltsames Gebiet der Menschenbeglückung im grossen Style, aus dem er sich ein eigenes System der Nächstenliebe mit aller Schärfe und Genauigkeit eines Dogmatikers abstrahirte und zurechtlegte. Er wollte der leidenden Menschheit nützen, und Nächstenliebe, unbedingte, hingehendste Nächstenliebe war ihm fortan jene Devise, die er für s ganze Leben als Leitstern aufpflanzte. Er wurde Arzt, und mit dem ganzen Feuereifer einer jugendlich schwärmerischen Seele warf er sich auf das Studium der Medicin und hatte das Glück, die gelehrtesten Männer seiner Zeit, Frank, Adam, Wilhelm, Schmidt, Prohaska und Jacquin, zu Lehrern zu haben. Am 25. Juni 1803 wurde er zum Doctor der Medicin und am 10. August desselben Jahres zum Magister der Geburtshilfe graduirt. Nun stand seiner schwärmerischen Lebensaufgabe nichts mehr im Wege. Er war ein echtes Sonntagskind des Glückes. Mit vielen Gütern reich gesegnet, mit bedeutendem Vermögen ausgerüstet, hätte er allerdings Gelegenheit gehabt, sich wie Andere mit vollster Bequemlichkeit dem süssesten Wohlbehagen des Nichtsthuns hinzugeben, aber gerade jetzt gab er mit schwärmerischem Opfermuth seine Ruhe, seine Bequemlichkeit, sein Vermögen der leidenden Menschheit hin. Von früh Morgens bis spät in die Nacht sah man ihn in die entferntesten Vorstädte, in die dunkelsten Kammern der Armen eilen, ihnen Trost und Linderung reichend. Er verschrieb den Kranken die Arzneien, aber er bezahlte sie auch; er sorgte für die Kranken, aber er verschaffte auch den Genesenen die nöthige Nahrung und Arbeit. Er stellte den Armen die Werkzeuge bei. Er war ein Arzt, wie es kein anderer war, wie es kein anderer sein konnte. Freilich hatte sein ganzes Wesen für den Fremden etwas Sonderbares, fast Spukhaftes, Dämonisches. Schon seine Hastigkeit und eilfertige Geschäftigkeit hatte für die Fremden etwas unheimlich Märchenhaftes; aber in Wirklichkeit war es doch nur die reine Nächstenliebe, die ihn antrieb, der leidenden Menschheit rastlos zu Hilfe zu eilen, wenn sie seiner bedurfte. Er pflegte seine Handlungen in mystische Schleier zu hüllen, daher Viele, die ihn nicht genau kannten, ihn für einen müssigen Schwärmer und seine Ideen für schillernde Seifenblasen hielten, die, wenn man sie mit der Hand anfasst, zerplatzen. Seine äussere Gestalt verrieth zwar nichts von alledem, er trug sich wie andere Leute, aber aus seinen Augen loderte ein seltsames unheimliches Feuer, wenn er handelte, seine blassen Wangen rötheten sich, wenn er Wohlthaten übte, und wenn seine schöngeformten Lippen sich öffneten, da entquoll ihnen ein Strom wohlthuendster Beredsamkeit. Während der ersten französischen Invasion (1805) übernahm er in wahrhaft hochherziger Weise das Spital der österreichischen Gefangenen und behandelte seine Landsleute mit solcher Liebe und Sorgfalt, dass er sogar den Feinden Bewunderung abnöthigte, und als einst Napoleon, von seinem Arzt Corvisart auf ihn aufmerksam gemacht, den Wunsch äusserte, ihn zu sehen und kennen zu lernen, wusste er mit feinem Tact dies stets zu vereiteln, denn er war hinreichend durch sein Bewusstsein belohnt und durch das Hochgefühl entschädigt, seinem Kaiser und seinem Vaterlande gedient zu haben. Im Jahre 1814 übernahm er das Spital der Elisabethinerinnen auf der Landstrasse. Als Hauscomthur in den deutschen Orden aufgenommen, hatte er später Gelegenheit den Wirkungskreis seiner Wohlthaten noch mehr zu erweitern, und kurz vor seinem Tode erhielt er von Erzherzog Anton, dem Grossmeister des Ordens, zum Beweise der Anerkennung seines edlen Strebens die Erlaubniss, mit seinem Vermögen frei und ohne Rücksicht auf den Orden verfügen zu dürfen; als die Todesstunde nahte, blieb er noch im letzten Augenblick sich und seinen Grundsätzen treu und vermachte sein bedeutendes Vermögen den Armenanstalten Wiens. Dieser seltene Arzt und edle Menschenfreund starb den 19. October 1829. ’) ’) Carl Borromäus Graf v. llarrach erwarb sich die Freundschaft vieler deutschen Gelehrten und stand in Correspondenz mit ihnen, auch Goethe und B 1 umenbach zählten zu seinen persönlichen Freunden. Er hinterliess mehrere werthvolle Schriften im Manuscript. Im Druck erschien eine Uebersetzung von Good’s Werk: „lieber Krankheiten der Gefängnisse“ I Wallenstein im Harrach’schen Palais 221 Wenn wir in der Geschichte des Harrach’schen Hauses zurückblicken, so Aväre noch als interessante Reminiscenz bemerkenswert!!, dass diese Mauern den berühmten Wallenstein zweimal durch längere Zeit beherbergten. Wallenstein im Harrach’schen Palais. Wallenstein, Herzog von Friedl and und Sagan, stand eben im Zenith des Glückes, als er das geschlagene Heer des Mansfeld über Schlesien nach Ungarn verfolgte. Das kaiserliche Heer wuchs durch seine Ergänzungen zu einer nie geahnten Grösse empor, ohne dass er es gehörig mit Kost und Quartier hätte versorgen können; es brachen aus Mangel an Nahrungsmitteln Lagerkrankheiten aus, die viele der tüchtigsten Leute hinrafften, selbst Wallenstein Verfiel in Siechthum und musste, schwer erkrankt, eiligst nach Wien gebracht werten, um im Hause seines Schwiegervaters Carl Grafen Harrach (er hatte dessen Tochter Maria Isabella als zweite Gemahlin geheiratet) Hilfe zu suchen. Doch sein Zustand wurde immer bedenklicher und endlich so gefährlich, dass man an seinem Autkommen fast zweifelte. Da meldete sich eines Morgens ein Gemeiner aus einem seiner kroatischen Regimenter und erklärte, er wolle und könne seinen Kriegsherrn zuverlässlich curiren. Wallenstein liess ihn vor sein Bett treten und erkannte in ihm einen jener Deserteure, denen er vor Jahren das Leben geschenkt. Wallenstein besass nämlich nebst andern wunderbaren Gaben auch jene, die Physiognomie eines Menschen, mit dem er nur einmal im Leben gesprochen hatte, nie wieder aus dem Gedächtnisse zu verlieren. „Also Bursche,“ herrschte der Generalissimus ihn an, „mache schnell und zeige deine Kunst! Du kannst dich aut eine reiche Belohnung gefasst machen, obwohl wir eigentlich quitt wären, denn im besten Falle schenkst du mir ein Leben, das ich dir schon früher geschenkt.“ ') Ein zweites Mal besuchte Wallenstein Wien im Winter 1633, um den berühmten Astrologen Argoli (nachmaligem Professor in Padua, der damals im ^eberl^öf", Bäckerstrasse Nr. 768, neu 2 wohnte) über sein zukünftiges Geschick zu befragen, denn schon erhob der Verdacht eines Treubruches wie eine giftige Hyder im Lager seiner Neider ihr finsteres Haupt, und die Unthätigkeit Wallenstein’s mitten in der Kriegsaction bestärkte auch den kaiserlichen Hof in diesem Glauben. Man vermuthete geheime Unterhandlungen des Generalissimus mit französischen und schwedischen Heerführern, sein seltsames Betragen nach der Schlacht bei Lützen erweckte volles Misstrauen; das Heer war ihm persönlich sehr anhänglich, und mit Mecklenburg belehnt, sah er sich ohnehin schon als deutscher Reichsfürst an; wie leicht also konnte er, vom Schicksal begünstigt, an der Ostsee ein unabhängiges Reich gewinnen und mit Hilfe deg Heeres sich als Köni^ des Ostlandes ausrufen lassen. Im Falle des Gelingens stünde Oesterreich dann in höchster Gefahr. Wie sollte sich aber der Kaiser dieses gefährlichen Hochverräthers entledigen? Ihn vom Oberbefehle ein zweites Mal abzuberufen, war unmöglich, ihn mit Gewalt gefangen zu nehmen, bei seiner Beliebtheit im Heere ganz unausführbar. Man wollte ihm »Iso einen Befehl zukommen lassen, demzufolge er dem spanischen Cardinalj-Infanten, der aus Mailand mit einer nach den Niederlanden bestimmten Armee hferanzog und Mangel an Cavallerie hatte, 6000 Reiter zur Bedeckung entgegenführen sollte. Wallenstein bekam von Freundeshand einen geheimen Wink von der Existenz dieses Befehles, noch ehe er ihm zugestellt wurde. Eine List des kaiserlichen Hofes merkend, über sein eigenes Schicksal im Zweifel, am Scheidewege seines Glückes stehend, beschloss er die Sterne zu befragen und heimlich in Verkleidung nach Wien zu eilen, um sich bei dem berühmten Astrologen Argoli Rathes zu erholen. Die Unterredung dauerte mehrere Stunden, und Wallenstein soll, wie die aus dem Englischen (Wien 1798), und das Memoire über eipe Quarantaine gegen die Pest, die er dem Wiener Congresse vorlegte, zeigt von seltener Menschenliebe. Er hinterliess eine sehr bedeutende medicinNche Bibliothek. Sein Wahlspruch war: est sacra miser, dem er auch stets tre i blieb. Vide: Hamburger Correspondenz vom Jahre IM) , Nr. 29. l ) Nach der Geschichte des Hauses soll Wal lenstein auch wirklich bald darauf genesen sein. t I 222 Das fürstlich Kinsky’sche Palais. Geschichte des Hauses erzählt, betrübt und traurigen Muthes, den Gelehrten verlassen haben und schon nach einigen Monaten erfolgte bekanntlich zu Eger am 25. Februar 1634 seine Ermordung. ') Wenn schliesslich vom altösterreichischen Adel die Rede ist, der sich hier durch seine Kunstbestrebungen Verdienste gesammelt, muss auch der Name Harr ach genannt werden. So ist z. B. die Bildergallerie zu nennen, die sich hier im Palais befindet und durch ihre Reichhaltigkeit an schönen und seltenen Stücken von altern Meistern sich auszeichnet. 8 ) Das fürstlich Kinsky’sche Palais Nr. 62 (neu 4) t < erhielt seine heutige imposante Gestalt vom Architekten Lucas v. Hildebrand 8 ) im Jahre 1710 bis 1720 und zeichnet sich durch seine schönen architektonischen äussern Verhältnisse und durch die besondere decorative Ausschmückung seiner Innenräume aus. Die herrlichen Frontons, die acht grossen steinernen Statuen an der Stirnseite des Gebäudes, besonders aber das schön profilirte, grossartige Treppenhaus gestalten diesen Bau zu einem der schönsten und edelsten Werke dieser Stylrichtung. Auch an historischen Reminiscenzen ist dieses Palais reich. So z. B. erblickte am 2. Februar 1711 der nachmals berühmte’Minister Fürst Wenzel v. Kaunitz-Rietberg in diesem Hause das Licht der Welt. Ferner bewohnte während Maria Theresias Regierung die kaiserliche ©t^tDeijet? Cfib= garbe diesen Palast, bis sie in ihr neues Quartier im Stallgebäude vor dem Burgthore am 7. Juni 1784 übersiedelte. Seit 1790 ist das Gebäude im ununterbrochenen Besitze der Fürsten Kinsky und bildet ein Fideicommiss. 4 ) ') Vide: D. B. Dudik’s Werk: „Wallenstein von seiner Enthebung bis zur abermaligen Uebernahme des Armee-Obercommandos vom 13. August 1630 bis 13. April 1632 nach den Acten des k. k. Kriegsarchivs in Wien“ (Wien 18S8) und W. Janko’s: „Wallenstein, ein Charakterbild im Sinne neuerer Geschichtsforschung auf Grund der angegebenen Quellen“ (Wien 1867). * s ) Von den werthvollsten Bildern sind in dieser Gallerie zu nennen: eine „Maria mit dem Kinde“ aus der Schule Leolardo da Vinci, die bekanntlich als Skizze zu dem grossen Bilde in St. Rocco zu Venedig diente; dann die > „Kreuzigung Christi“ von Tintoretto; eine andere „Maria mit dem Kinde, von verschiedenen Heiligen verehrt“ von Solimena; ferner: „Das Urtheil des Paris,“ eine im Kleinen von Luca Giordano ausgeführte Wiederholung des bekannten Gemäldes im Museum zu Berlin und in der Eremitage zu Petersburg; es ist eines der anerkannt besten Bilder dieses Schnellmalers; endlich ein „Infant alsi Kind in der Tracht eines Carijinals“ von Velasquez. Unter den vorzüglichsten Landschaften müssen als Hauptbilder bezeichnet werden: mehrere Gemälde von Dirk v. Berghejp, dann eine „Abendstimmung“ von Everdingen; „Am Morgen,“ „Ein Seesturm“ und „Eine Mondnacht“ von Jos. Vernet. Diesen ebenbürtig, doch in einem andern Genre sind die „Blumenstücke“ von Jos. Eyt und mehrere „Thierstücke“ von Franz Snydes und vor allem Andern eine herrliehe „Hirschjagd“ von Jakob van Esse hervorzuheben. Es würde den Rahmen des Werkes weit übersteigen, wollte ich von diesen Kunstschätzen jedes einzelne Bild besprechen; ich beschränke mii^i daher nur auf die wichtigsten und füge nur noch bei, dass sowohl die Richtigkeit des Kataloges, als die treffliche Placirunj» der Bilder selbst nichts zu wünschen übrig lassen, ein Um- Kunst Verständnisses stand, der nicht genug betont zu werden verdient, da er stetes Zeugniss eines geläuterten Kunstverständnisses gibt., 3 ) Johann Lucas v. Hildebrand war im Jahre 1666 geboren, verlebte seine Jugend- und Lehrjahre in Italien und ging mit General Bräuner nach Wien, wo er, vom Kaiser zum Hofarchitekten ernannt, eine ausserordentliche Thätigkeit entfaltete. Seine beiden Hauptwerke waren: das Belvedere 1693 bis 1724 und das Liechtenstein’sehe Palais 1694 in der Schenkenstrasse. Es ist nicht zu leugnen, dass in allen seinen Arbeiten sich eine leise Hinneigung zur französischen Renaissance geltend macht und überall ein feiner Sinn für edle Formschönheit und richtige Betonung der Verhältnisse sich kundgibt. Er starb am 17. November 174ö, 79 Jahre alt, mit Ruhm bedeckt, den er aber fhit dem biedern Fischer von Erlach zu theilen hatte. 4 ) Laut Grundbuch von 1538 waren bis 1713-vier«Brüder von Lamberg und Judith Rebekka Gräfin von Lamberg, dann die Grafen von Waldstein an diesem Hause vergewährt. Im Jahre 1700 hiess es: J(tro (Etcdlet 13 ffifttj) «Earl IDaUenüeitl, Ttapi'erl. ®t>ri(b£diumerer. Im Jahre 1713 gehörte das Haus dem Grafen Daun, 1750 Josef Grafen Kheven- hiiller-Metsch, dann dem Grafen Harrach, seit 1790 aber kam es in den Besitz der Fürsten von Kinsky. Das alte Dicasterialgebäude. — Gräfin Kinsky. 223 Das alte Dicasterialgebäude Nr. 63 (neu 5), anstossend an das vorhergehende, bildete ein Eckhaus in die Tcinfaltstrasse; es bestand ehemals aus drei kleinen Häuschen, 1 ) die im Jahre 1621 von demnachmaligen Besitzer Wilhelm Grafen von Starhemberg in Eines verbaut wurden. Im Jahre 1675 kam Max Graf Lamberg und 1795 Rosa Gräfin Kinsky an die Gewähr, die aber früher schon (vor ihrem Ankäufe) im Hause ihre Wohnung hatte. Sie machte zur Zeit Kaiser Josefs II. durchuhre körperlichen und geistigen Vorzüge viel von sich sprechen. Sie galt als die schönste Dame bei Hofe, ihre Liebenswürdigkeit war stadtkundig, und ihre Gesellschaftsabende bildeten den Mittelpunkt der vornehmen Gesellschaft. Bei ihr versammelte sich Alles, w r as auf Geist Anspruch machte, oder durch Vermögen und Stellung glänzte. Fast alle Abende sah man bei ihr den auserlesensten Kreis von Gelehrten, Künstlern' oder sonst berühmten Männern. Selbst Kaiser Josef II. liebte es, manchmal den Abend dort zuzubringenq und nicht selten sahen die Wiener den kaiserlichen Wagen bis spät in die Nacht vor dem Kinsky- schen Hause warten. Man unterhielt sich bei der schönen Kinsky immer auf das Angenehmste. Einzelne interessante, in Briefen und Correspondenzen zerstreut Vorgefundene Mittheilungen damaliger Zeitgenossen, wie z. B. eines Melchior Johann Birkenstock, Josef v. Sonnenfels, Rautenstrauch, Ayrenhoff etc., über solche Gesellschaftsabende dürften uns mit dem Unterhaltungsstoff jener höhern Kreise hinreichend bekannt machen. Die Gesellschaftsabende der Gräfin Rosa Kinsky. Nirgends herrschte in der ganzenStadt ein so ungezwungener und heiterer Ton, wie damals bei ihr, dem Liebling der hohen Gesellschaft, bei Rosa Gräfin Kinsky. Sie war die Seele von Allen. Was Kunst und Wissenschaft, was das Leben an herrlichen Bliithen und Früchten erzeugte, hier fand es liebevolle Aufnahme und würdigen Nachhall, hier lähmte kein starres Rangsverhältniss, keine kleinliche Nebenrücksicht den aufstrebenden Genius, frei und ungezwungen scherzte und lachte man, sprach von den neuen Siegen Laudon’s bei Belgrad (8. October 1789) ebenso gut wie von den boshaften Bonmots Kaunitz’, von Salieri’s neuer Oper „Axur, König von Ormus“ (die ganz Wien in Athem erhielt) und verglich sie mit Mozart’s „Don Giovanni“, der zum ersten Male am 7. Mai 1788 im Hoftheater gegeben wurde, wobei die Urtheile immer zu Gunsten ihres Lieblings, des unvergleichlichen Saliere (wie sie ihn nannten), ausfielen, während man für Mozart kaum ein Wort des Lobes fand und ihn eigentlich als viel zu gelehrt, zu gekünstelt zu übersehen schien. Wie ganz anders hat die Nachwelt beide gerichtet! Nicht eine einzige Oper Salieri's kam auf die Nachwelt, während Mozart’s Werke in unverwelklicher Schönheit und Jugend fortan glänzen werden als die reinsten Sterne am Kunsthimmel der Musik, so lange es edelfühlende Menschen gibt. Man pries auch die göttliche Sacco (als „Medea“) und glossirte über die schöne Kathi („Jaquet“), weil sie im Burgtheater als Ariadne in modernen „Spitzleibchen“ und gepuderten Haarlocken auftrat, und konnte sich vor Entzücken nicht fassen, als ihre ältere Schwester (Marie) von ihrem naiven Rollenfache (1789) als „Gurli“ für immer Abschied nahm und die letzten W'orte „Gurli gewesen“ so köstlich pointirte. Man sprach von den schönen Blumen und Pferden Hamiltons (kaiserlichen Hofkammermalers), von Altomonte’s Madonnen, Jacobi’s Schabkunst (er war Professor an der Akademie) und Schmutzers Kupferstichen; man machte sich lustig über den jovialen Blumauer, der, kurzgeschoren, ohne gepudertes Haar und ohne Zopf, den Krämpenhut verwegen aufgestülpt, es wagte, in den Strassen Wiens umherzuspazieren, immer ein schalkhaftes Lächeln auf den Lippen, und wohl 4 ) Diese drei Häuser gehörten dem Caspar Rath, Niklas Lyon und Johann Kh ran dl er, welche Wilhelm Graf von Starhemberg im Jahre 1620 erkaufte und in Eines verbauen liess; im Jahre 1675 kam es an Max Grafen von Lamberg und blieb (mit Ausnahme einer kleinen Unterbrechung) Eigenthum dieser Familie. Im Jahre 1795 gehörte es der Rosa Gräfin Kinsky. Zu Anfang dieses Jahrhunderts wurde es vom Aerar angekauft und hiess bis 1830 k. k. Dicasterialgebäude, worauf es ausschliesslich (wie noch heute) militärischen Zwecken gewidmet wurde. 224 Der alte Schottenhof. — Das Prioratsgebäude. gelegentlich selbst seine Verse declamirte: „Es war einmal ein grosser Held, der sich Aeneas nannte und bewunderte den gewiegten Philologen Stein, der vor allem andern das Tabakrauchen hasste und den Schülern, welche sich diesem Laster ergaben, alle Zukunft absprach. Kaiser Josef II. mischte sich gerne ins Gespräch, er blieb nicht kalt und wusste immer etwas Treffendes zu erwiedern; die Abende, die er hier zubrachte, zählte er zu seinen angenehmsten. 1 ) Leider währte dieses Vergnügen nicht lange, denn schon im Spätherbste (1789) erkrankte er bedenklich und konnte sich nicht mehr erholen, und am 20 Februar 1790 verlor die Kunst ihren wärmsten Gönner und die Welt einen ihrer besten Monarchen. Der Scholtenhof Nr. 136 (neu 6) hatte noch kurz vor seinem letzten Brandunglücke (1818) seinen alterthümlichen Charakter bewahrt, namentlich gilt dies von der der Kirche zugekehrten Front. LBMIni i'wj IL. 17^7= = a F=y s [MXlffi l und in die Augen springend darstellen zu lassen. Er dachte, ein tDofyhüdfeP, ülkjCit gefreiter, fiftftc^txgpp, itt= l ) Die ältesten Besitzer dieses Hauses waren laut Grundbuch im Jahre 1684 Ihomas Leyer, 1700 Andre Haintzmann, 1773 Friedrich Schwab, 1783 Josef Schwab, 1787 Schwab’s F.rben, 1793 Clara Schwab, 1812 Melchior Ritter v. Steiner und später Anton Wandrath. Nicht unerwähnt darf gelassen werden, dass nach dem ältesten Grundbuche im Jahre 1443 das Haus die Bezeichnung führte: 2tuf ödlt Pucbl gCgCll i)etl Spotten Uber, und dass im Jahre 1638 der berühmte Bildhauer Peter Concarz unter dem Namen „3v0tnil(f> huii. IFüil’ltitt piltbülU'V hier seinen Sitz hatte. *) Das Bild „Die Freiung in der Gegenwart“ ist nach der Natur von Emil Hutter gezeichnet. Besonders beachtenswerth ist hier das Prioratshaus, die neuen Häuser um den Heidenschuss, welche Oertlichkeit früher hiess „XDo i)ff ■feeif» icfieuft/' dann das Harrachpalais und die bereits ausgebauten Seitenthürmchen der Schottenkirche. 29 mg. 70. Die Freiung in der Gegenwart 226 Die Freiung in der Gegenwart. “Air" M.l‘A ;,, T Ji j la r~S mm ■SrL'-k ^ l | j •iummi \ i:. '••ffT P t \ i|S^»- |äS. ürsüzi e* MM mi ia iEHSI! pe--*5. WeM I iU!!!!!H 1 OTlsid^ mm t££r-A-Jt\ Das Haus „zum rothen Mandl“. 22 t louber^cit gejtretiger Ötabtrath könne nie genug schreckhaft auf das Volk wirken und machte sich von dem Effecte dieses Schreckbildes die anspruchsvollsten Hoffnungen. Aber er kam bei den jovialen Wienern schlecht an, sie lachten ihn aus und neckten ihn beständig und brachten sogar an dem vis-a-vis befindlichen Hause einen steinernen Reiter an, der noch heute als Wahrzeichen dient, indem sie ihn in Verbindung mit dem Frescogemälde, im Spottgedichte sagen liessen: „Jd> will jefjt" (so hiess es) barem reiten, beim ich hin nun be* blutigen ifin'chaueit» inübe", und wirklich sieht man auf diesem alten Wahrzeichen den Reiter auf hochgebäumten Rosse, gleichsam zum Sprunge ausholend und davonreitend. Durch diese und ähnliche Witze verlor im Laufe der Zeiten der Blutmensch wohl das Furchtbare seines Anblicks und sank zu einem gewöhnlichen rothen Männlein (roth’s Mandl) herab, bis wir ihn selbst endlich als populär gewordenes Kaufmannsschild noch in unsern Tagen unter dem obigen harmlosen Namen kennen lernten. Als aber nach dem Umbau 1836 der neue Besitzer Lippmann die Front des Hauses mit keinem Gewölbe mehr bedachte und somit auch das hier befindliche Zuckerbäckergeschäft der Elisabeth Patzelt aufgelassen wurde, verschwand auch dieses historisch gewordene Schild für immer. *) *) Im Jahre 1506 führte das Haus nach den ältesten Grundbuchsaufschreibungen die Benennung: ,,7tui öfltt Puebl bep bellt Icuffengraben", ein Beweis, dass sich damals hier eine hügelartige Anhöhe befand. Auch führte das Haus den Namen „5ur (cbrnerjbaften ITIutter'. Die ältesten Hausbesitzer waren: Carl Mansuet v. Orellv, 1684 Maria Katharina Aurelio (Orellv), 1700 Georg Hans’, 2JanbttU’ifJer0 (Rentmeisters) selige Erben, 1775 Michael Schineker’s Witwe, 1783 Maria Anna Schnieker, 1806 Schönmayer’sche Erben, später Elisabeth Patzelt und gegenwärtig Lippmann. Nach dem Umbau des Hauses (1836) wurde dasselbe im Jahre 1854 restaurirt. 29 * VIII. CAPITEL Der Burgplatz und die Hofburg. Wie man die Geschichte unserer Stadt in gewissem Sinne eine Weltgeschichte im Kleinen nennen könnte, so kann auch die Geschichte unserer Hofburg in mancher Hinsicht eine „Stadt- und Reichsgeschichte“ genannt werden. Und in der That, an den Aufbau der Burg knüpfen sich buntfarbige Bilder, historisch interessante Erinnerungen, und der Ausbau jedes einzelnen Theiles unserer Hofburg gemahnt an wichtige Zeitperioden und Personen der österreichischen Geschichte. Schon der Gedanke allein, dass hier die erlauchten Babenberger und Habsburger resi- dirten, dass seit 600 Jahren ununterbrochen alle Landesfürsten hier lebten und wirkten, von hier aus mächtig in das Schicksal ihrer Völker eingriffen, von hier aus, oft gut, oft schlecht berathen, ihre Schicksale auf Jahrhunderte hinaus entschieden, macht diese Stätte gewiss für Jedermann bedeutsam und ehrwürdig; besonders aber für den Wiener, dessen Liebe und Anhänglichkeit an sein Herrscherhaus beinahe sprichwörtlich geworden ist. Und wenn auch die alte Kaiserburg in ihrer einfachen Gestaltung keineswegs ein gigantischer Monumentalbau genannt werden kann wie andere stolze Burgen, und wenn auch ihre Erscheinung gerade nicht blendet wie die Tuilerien in Paris, St. James-Palast in London oder der Kreml in Moskau, so hat sie doch Eines vor allen Andern voraus, so hat sie doch Eines, was allen Uebrigen fehlt: ihre Hallen wurden noch nie entweiht von ruchloser Blutthat. Nur langsam und stückweise fügte sich unsere heutige Hofburg in ihren einzelnen Theilen zu verschiedenen Zeiten und nach verschiedenem Geschmacke mühsam zusammen und bildet daher nur ein ungleiches, labyrinthisches Ganzes. Wollen wir daher die Baugeschichte unserer Hofburg richtig und gründlich verstehen, so müssten wir zu ihren ersten Anfängen zurückkehren und die einzelnen Theile und Zubauten in ihrer Zeitfolge beobachten. u) ^ RoK*r Air, E . 229 Die Baligeschichte der. Hofburg. I Die Baugeschichte der Hofburg. • Schon Leopold VH. der Glorreiche verlegte im Jahre 1221 seine Burg vom Hof an die Stelle des heutigen Schweizerhofes; die Zeitepoche schien diesem Neubau günstig, Handel und Gewerbe blühten in nie geahnter Weise auf, und ein 32jähriger glücklicher Friede versprach noch für lange Zeit hinaus ein segensreiches Gedeihen. Auch persönliche Gründe mochten den Herzog zur Uebersiedelung bewogen haben; die engen Räume der alten Burg genügten den gesteigerten Ansprüchen und Bedürfnissen nicht mehr, und nach den Anschauungen der damaligen Zeit vertrug es sich schlecht mit der Würde eines Landesherrn, so mitten unter seinen Bürgern wie unter Seinesgleichen zu wohnen. Der Herzog erkor sich also ausserhalb der Stadtmauer auf freiem Felde in der Verlängerung des Kohlmarktes (Ro^lcniWÄTltcS^n carbonum) eine Stelle, wo er seine Burg erbaute. Sie war mit tiefen Gräben umzogen (ein kleiner Rest ist noch heute vor dem Hauptportal des Schweizerhofes bemerkbar), ihre Gestalt bildete ein regelmässiges Viereck, und an jeder der vier Ecken befand sich ein fester Thurm, von denen der eine an der Nordseite massiver war als die übrigen. Die Lage und Ausdehnung entsprach dem heutigen Schweizerhof vollkommen, und trotz der noch spärlich fliessenden Geschichtsquellen ist es bis zur Gewissheit erwiesen, dass an dieser Stelle die Uranfänge unserer Hofburg wirklich begannen. *) Freilich war es kein Prachtbau und sein Umfang nicht viel grösser als die Jasomir- gott’sche Markgrafenburg auf dem Hof, aber der Bau war mehr gesichert vor feindlichen Angriffen, auch fester und stärker, seine hohen Wälle und tiefen Gräben, seine wuchtigen Thürme und Mauern schienen jeder Gefahr zu spotten; auch hatte derselbe noch einen anderen Nutzen im Gefolge, er trug nämlich wesentlich zur Stadterweiterung bei, denn jetzt siedelten sich eine Menge Ministerielle und Bedienstete mit ihren Familien und ihrem Gesinde in der Nähe der neuen Fürstenburg und um ^len neuen Pfarrhof (St. Michael) an und breiteren sich so an der ganzen südlichen Länge derStadt- theile aus und bauten endlich Häuser und Höfe, die nach und nach Strassen bildeten *und in die Umfriedung der Stadt später einbezogen wurden. Auf diese Art nun erhielt Wien einen mächtigen Zuwachs an Grund und Boden, einen unerwarteten Zubau von neuen Plätzen und Strassen. 2 ) Wie zahlreich übrigens diese neuen Ansiedelungen waren, geht schon aus dem Stiftsbriefe Leopolds VII. an die Michaelerpfarrkirche de dato 18. November 1221 deutlich hervor. 3 ) Vor der Burg (d. i. vor der Front des heutigen Schweizerhofes, also an der nordwestlichen Seite) lag ein mit Mauern umfriedeter Raum, eine Art Vorhof, wo Turniere und andere Ritterspiele öffentlich abgehalten wurden, und der dem heutigen Franzensplatz entspricht. Dem Schweizerhof gegenüber lag die alte <£iU?erburg, ein Besitzthum der mächtigen und reichen Grafen von >) Die hinter dem Graben laufende Strohmauer, sowie das Peilerthor am oberen Theile des Kohlmarktes bildeten die natürliche Grenze,, hinter welcher sich die Stadt von dem gegenüberliegenden Burggebiete abschloss. -) Die Strassen, welche sich jetzt im neuen Stadtgebiete bildeten, liefen zumeist von oben nach unten, von Nord nach Süd und zwar der Länge nach unter sich parallel, wie z. B. die Verlängerung des Kohlmarktes als Fortsetzung der Spänglergasse, die obere und untere Breunerstrasse, Dorotheer-, Spiegel- und Seilergasse; die übrigen neuen Strassen liefen der Breite nach parallel mit der Wollzeile, wie z. B. die Singer-, Weihburg- und Himmelpfortgasse, welch' letztere sich an der untern Stadtmauer fortzog; in der Naglergasse, die bisher nur aus einer gegen den Hof zugekehrten Reihe von Häusern bestand, bildete sich jetzt an dem ziemlich steilen Rande der bereits verschwundenen Stadtmauer auch eine zweite Reihe von Häusern; so wie längs des ebenfalls aufgelassenen Walles die ..IPülluraijc", oder, wie sie heute heisst, die „Wallnerstrasse". Der Graben aber, der seine fortificatorische Bedeutung jetzt verlor, eignete sich seiner breiten Anlage nach besonders zu einem neuen Platz und bildete nach dem Wegfall der Mauern den heutigen ,.Graben“. Auch der Michaeler- platz und Neumarkt formirten jetzt neue Stadtplätze, nur war der erstere durch einen kleinen Friedhof (».tlÜcbaelTrcitboi'') und letzterer durch die Stadtmauer, welche quer durchlief, verengt, Vide: die Planstudie in meiner Einleitung Seite XXIX. 3 ) Dieser Stiftsbrief lautet wörtlich: „unb fcßafren trir, baf> felben pfarrer gebäre 3 ur pfarr alle uttfere biener ltnb alle unfer getinbe, bie in unierer veno 25urg wobnen, unb alle bie burger unb alle bic bienßleut, bie untber gebart haben.'" 230 Die B.iugeschichte de^ Hofburg. Cilly, die später nach dein Tode des letzten Grafen Ulrich längere Zeit als kaiserliches Zeughaus diente und zuletzt (1525) durch eine Feuersbrunst gänzlich zu Grunde ging. Die Abschlussmauern der Burg an der Nordseite traten bis beiläufig gegen die Mitte des heutigen Mic.haelerplatzes vor und bildeten mit den Häusern der Herrengasse bis hinauf zum Lobkowitzplatz eine gerade laufende Strasse. Bis in die Zeiten Ferdinands I. erhielt die Burg keine wesentliche Veränderung, nur wurden im Laufe der Zeiten zu den vier grossen Eckthürmen kleinere niedrigere Thürmchen zur grossem Befestigung von Albrecht, dem ersten Habsburger, von seinem Sohne Albrecht, dem Lahmen, und Rudolf hinzugebaut, ohne dass man es urkundlich nachzuweisen vermöchte. Die Thürmchen hatten verschiedene Namen, wie uns dies Michael Behaim in seinem „Buche von den Wienern“ (1462—1465) näher erzählt und sie Jungfrauen», S^neÜH’D und fTeuer=2j(>urm nennt; doch büsste die Burg deshalb ihre viereckige citadellenartige Gestalt nicht ein. Es ist uns ein interessantes Bild von Hirschvogel aus dem Jahre 1547 erhalten geblieben, welches die Burg von der südöstlichen Seite darstellt, und welches ich in getreuer Copie in Form einer Vignette (Figur 71) am Anfang dieses Capitels zur Anschauung bringe. ') Ein noch ausführlicheres, sub Figur 72 beifolgendes Bild von Lautensack aus dem Jahre 1556 zeigt uns die Burg von der Südseite mit einer Menge kleiner Häuser im Vordergründe, welche hier die sogenannten „lUieömer Cllten" bildeten und sich nach dem ersten Türkenkriege hier zahlreich vermehrten. 2 ) Erst mit Ferdinand I. fand die erste Erweiterung und Verschönerung der Burg statt, und erst ihm hatte Wien seine heutige Gestalt und die eigentliche Befestigung der Basteien zu verdanken, denn als er am 12. Jänner 1519 nach dem Tode seines erlauchten Ahnen mit seinem Bruder Carl aus Spanien in Wien ankam, war die Burg bereits alt und theilweise baufällig geworden, auch zeigten sich in den Hauptmauern bedenkliche Sprünge, und als zehn Jahre später die Burg durch die Belagerung der Türken (1529) grossen Schaden litt, drängte sich dem Kaiser die Nothwen- Das Bild ist die genaue Copie eines Segments vom Hirschvogel’schen grossen Originalplan aus dem Jahre 1547, der auf Befehl Ferdinands I. angefertigt wurde. Als nämlich nach dem Jahre 1541 ein grosser Theil Ungarns durch einen Eroberungszug der Türken unter osmanische Botmässigkeit kam und die Gefahr noch weiterer Türkeneinfälle nach Oesterreich für Wien permanent zu werden drohte, beschloss Ferdinand I., die Stadt Wien mit neuen mächtigen Festungswerken zu umgeben; zu diesem Zwecke liess er vom Nürnberger Ingenieur und Künstler August Hirschvogel die Stadt im Jahre 1547 genau aufnehmen und zugleich einen Entwurf der Bastionen beifügen. Aus dem Bilde ersehen wir an den Thürmen einfache Gesimse, die eigentümlich in zwei Spitzen auslaufenden hohen Thurmdächer und in denselben kleine schmale Fensterluken. Der ganze Bau gehört offenbar dem römischen Baustyle an und hat einen mehr massiven als prächtigen Charakter. Man merkt es dem bescheidenen einstöckigen Gebäude an, dass es jener Zeitperiode angehört, wo die österreichischen Herzoge sich noch nicht mit kühnen hochstrebenden Plänen trugen, sondern vorerst auf den Schutz ihres eigenen Hauses und ihrer Person bedacht waren. An der nordöstlichen Seite sind bereits zwei kleinere und an'der südöstlichen ein grösserer, breiterer und zwei schmälere Nebenthürme angebaut. Auch ein einstöckiges Wohnhaus mit dem Thoreingange auf die Bastei macht sich an der Südseite der Burg mit einem hohen Rauchfange bemerkbar; um die Burg, die bereits hohe Festungsmauern umgeben, ist noch immer öder Grund, der Hauptthoreingang mit der Zufahrt befindet sich auf der westlichen Seite der Festungsmauer und ist im Bilde kaum bemerkbar. Die Minoritenkirche ist noch nicht von hohen Häusern verdeckt. — Von diesem interessanten Bilde, dessen Original b4'3 Cm. im Durchmesser beträgt, existirt auch eine Nachbildung von Albert Ritter von Camesina. 8 ) Obiges Bild ist ein Segment aus der grossen Radirung von Hans Sebald Lautensack aus Nürnberg. 1 Meter 14*5 Cm, breit und 19*8 Cm. hoch. Sie wurde von Ritter von Camesina getreu nachgebildet und im 1. Bande der „Berichte und Mittheilungen des Wiener Alterthumsvereines“ (1854) einem Aufsatze von Josef Feil über Lazius beigegeben. Das Bild ist um so interessanter, als hier die ganze südliche Front der Burg mit allen vier Thürmen ersichtlich ist. Auch erscheinen die Festungsmauern bereits erhöht und links im Bilde das an die Stelle des abgebrannten alten Cillyerhofes gekommene neue Haus (die neue Burg, später Amalienhof genannt) bereits vollendet, rechts im Hintergründe des Bildes die Augustiner-und Michaeler - kirche, den Vordergrund nehmen die vielen Häuschen ein, welche sich unter dem Namen IPieÖMCF Cltfftl nach dem ersten lürkenkriege hier atlmälig ausbreiteten. Sie waren grösstentheils hölzerne Wirthschaftsgehöfte mit kleinen Gärten hinter Holzplanken. Ueberhaupt entstanden nach dem ersten Türkenkriege mehrere „Luken“ und es bildeten sich bis hinab zum Kar ntne r~ und Stubenthor zahlreiche Ansiedelungen dieser Art, ja seihst ganze Vorstädte. Die Baugescliichte der Hofburg. 231 digkeit der Restaurirung ihrer Mauern und Verschönerung ihrer Umgebung mit unwiderstehlicher Gewalt auf. Ferdinand I. wurde somit der Schöpfer der neuen Gestaltung der Burg, und an sein Andenken knüpfen sich eine Reihe von Zubauten, die den Grund zu dem heutigen Aussehen unserer Hofburg bilden. So erkaufte er das Marschall Ebersdorf sehe Haus auf dem Michaelerplatz, liess es nieder- reissen und legte an dessen Stelle dann auf dem Michaelerplatz auf dem Grunde der heutigen Winterreitschule, Stallburg und Vogelmarkt zur Freude seiner Gemahlin, Anna aus dem Hause Jagello, einen schönen grossen Lustgarten an und an der Stelle des jetzigen Josefsplatzes hinter einer hohen langen Mauer, die sich vom Michaelerplatz bis zur Augustinerkirche in gerader Linie fortzog» einen Reit- und Tummelplatz, den man Irrgarten nannte. Im Jahre 1525 gab ein unglückliches Ereigniss einen weitern Anlass zur Vergrösserung des Burgplatzes. Der alte Cillyerhof, der beinahe ein Drittel des heutigen Burgplatzes einnahm, brannte in diesem Jahre gänzlich ab, und es trat jetzt an dessen Stelle ein Neubau, der um ein beträchtliches Stück zurücktrat und an jener Stelle aufgebaut wurde, an der ei* sich noch heute befindet, und wo heute der Amalienof 1 ) steht, war 6 JA\C HA EG Fig. 72. Ansicht der Hotburg aus dem Jahre 1556. Kq! K^y: MatTo ECV. ACVST1NE\ iLk/rty unn J ' 'J** ii ■mm hi. V - 4// iU ! -iLy4 > n; il 'W. fr j', 1 ?, Wtv rjr '«wO. 'TiTijti Inüw "> liüM S sia \ ... *|r Hilf SS ,\\ iv ÄKS« ijii-vi: ,^SSfBSiu»g SJr'üJ mm jedoch noch immer auf beiden Seiten frei, schloss also noch nicht den Burgplatz ab, wie dies heute beim Amalienhof der Fall ist. Im Jahre 1529 kaufte Ferdinand I. das Haus des spanischen Freiherrn von Gusmann an der Ecke der heutigen Schauflergasse und erbaute auf dessen Grunde, doch mehr gegen die Burg‘zu (parallel mit dem heutigen Leopoldinischen Tracte), die sogenannte Hotkanzlei, ein bescheidenes, unansehnliches, einstöckiges Gebäude. Er verlängerte auch den Schweizerhof durch einen Zubau. Die Front dieses alten Gebäudes nämlich, die bisher nur sieben Fenster zählte, wurde jetzt bis zur Stelle des heutigen Burgtheaters hinausgeschoben, ein zweiter und dritter Stock aufgesetzt und alle Stockwerke hach dem neuen Geschmacke mit Kreuzstöcken versehen, ’) Der Amalienhof hat seinen Namen von der Prinzessin Amalie Wilhelmine, einer Braunschweig-Lüneburg’schen Prinzessin, die als Gemahlin Josefs I. nach dessen Tode hier ihren Witwensitz hatte. 232 Die Baugeschichte der Hofburg. ein schönes Einfahrtsthor vom Burgplatz in den Schweizerhof errichtet, eine Zugbrücke mit Aufzugsketten angelegt, die Wölbungen der Einfahrt mit reichen Frescomalereien ausgeschmückt und der Eingang rechts und links mit schönen Steinwappen geziert; 1 ) auch vergrösserte er das auf dem Ballplatz gelegene Spital, welches seitdem Kaiserspital genannt wurde; a ) ferner führte er über das ehemalige Wiedmerthor und über das daneben angelegte Bürgthor hinaus nächst der Burgwache ein ganz neues Gebäude auf, welches den Anstoss zu dem künftigen Leopoldinischen Tract gab, Hess den nördlichen Eckthurm gegen die Michaelerkirche, den Thurm auf dem Wiedmerthor abtragen, das im Rücken der Burg gelegene umfangreiche Hofstallgebäude niederreissen und auf dessen Grund eine neue Burg für seinen aus Spanien kommenden Sohn Maximilian II. und dessen Gemahlin Maria (Tochter Carls V.) erbauen, daher dieser Theil der Burg noch immer Stallburg genannt wird. Schliesslich darf nicht unerwähnt gelassen werden, dass er auch in der Stadtmauer ein neues Burgthor eröffnete, weil das gleich daneben gelegene Wiedmerthor durch die Anlegung eines Bollwerks vor demselben unbrauchbar wurde. Die Verdienste Ferdinands I. um die Wiederherstellung und Verschönerung der Hofburg können nicht dankbar genug anerkannt werden, und sie sind auch kommenden Geschlechtern zum Gedächtnisse in mehreren Erinnerungstafeln erhalten geblieben. So befindet sich z. B. noch heute eine verwitterte und unlängst sorgfältig restaurirte grosse Marmortafel auf dem Burgplatze an der Wand des Schweizerhofes gegen den Burgtheater-Eingang 3 ) mit der Jahreszahl 1552 und, wie schon gesagt, eine Erinnerungszahl 1536 über dem Einfahrtsthore des Schweizerhofes. Aber auch ein Gedicht Wolfgang Schmelzel's, dessen Ankunft in Wien mit diesen Restaurirungsarbeiten zusammenfällt, hat sich zum Lobe der Burg erhalten. Er sagt in seinem „Lobspruch der Stadt Wien“: Darein oil Mitigfli^er jtjtniuer, (Bar feft gemernr, wie ein nnmmer. *) Tn bas lieft ift ein CHbler gflogen, Dil feböuer jung öarinn aufoogen. „ftier Ibutttb nur 31t 6er 25 urgf geleid), Das ift bas baut; non (Deftcrreicb, * Tn meinem Inniglich Ulaieftat »atnbt jrem (Bwa^el wouimg bat. (Ein jrrgarten 3U luft ge3iert, cSrtfdb water barein gefürt wirbt, * • 2 UI Ding, gepawt 3U luft, furljweil, Rein fefter Surgt finbft ettlicb tneil Olit tbiirmen, graben 3U ber webr." Was übrigens Ferdinand 1. nach der ersten Türkenbelagerung noch weiter .für die Befestigung der Stadt im Jahre 1530 und namentlich in der Zeit zwischen 1542 bis 1547 geleistet, wie er jetzt zum ersten Male Wien durch seine Befestigungsanlagen zu einer für die damalige Zeit wahrhaft bedeutenden Festung erhoben, mag bei Gelegenheit jler Besprechung der „Basteien“ füglich seine passendere Stelle finden. ‘) Aus Ferdinands I. Zeiten hat sich das schöne Einfahrtsthor bis heute noch unverändert erhalten, auch die ' t herrlichen Fresken über der Wölbung, dann in den Aufzugslöehern die Radscheiben, in welchen die Aufzugsketten liefen, sowie auch zu beiden Seiten der Einfahrt die Steinwappen. Bei Gelegenheit einer vor Kurzem erfolgten Restaurirung des Thores Wurde mit pietätsvollster Sorgfalt alles aus jener Zeit noch bestehende Alte geschont und beibehalten, so auch die Aufschrift übel dem Thore mit der Gedenkzahl 1536 zur Erinnerung, dass in diesem Jahre dis Eintahrtsthor errichtet wurde. *) Das Kaiserspital befand sich beiläufig in der Flucht der heutigen Staatskanzlei gegen die Minoriten zu; ursprünglich wurde dieses Spital von dem reichen Weinbauer Leopold Weinberger und dem Spanier Diaco de Sarava gegründet, und die Minoriten gaben ihVe Kakharinencapelle zur Spitalskirche her. 3 ) Die Marmortafel enthält den Text mit grossen goldenen Buchstaben eingravirt, die Greifen als Zeichen der Macht und die Arabesken in erhabener Arbeit aufgetragen. * 4 ) Das Wort „tDimtnet" ist ein altdeutscher Ausdruck und bedeutet knorrigen Auswuchs, Verhärtung, woraus das wienerische Wimmerl (als Diminutivum des Wimmer) sich ableiten lässt, welches heute ein kleines Geschwür an der Haut bedeutet. Das Portrait Ferdinands I, rrrrt 5gf* r ^?.'’ J KÜSS ®Wfc H/tC R^'\ANDI^?V\ E5T FeKPNANOI Kgois LWAGO Ck (JMsqvis DEBE.S Hvicq^DEO^SVWvv. v M.Di <1SL, LV1 mFil; mm 'irtm ««■ fl ir wz&y. A?. {M&\ Ml gvm E**»£*5Ö V;gvy sga&y* fmimmi «vnnnfiift ap ?i*nvi^s . /i- .- /• -, SfS JN5; ’x^rz' sr 1!> N i-*!M stTVW rwmi tmi Fig. 73. Portrait Ferdinands 1. mit der Ansicht der Burg aus dem Jahre 1556, 30 234 Die Baugeschichte der Hofburg. Wir können das Andenken an Ferdinand I. als den Regenerator der alten Hofburg und Schöpfer der Stadtmauern, sowie den eigentlichen Begründer der heutigen Gestalt der Stadt nicht besser ehren, als dass wir sein wohlgetroffenes Bildniss (das bisher noch nie publicirt wurde) hier sub Figur 73 beigeben. Es bietet uns schon deshalb ein um so grösseres Interesse, als auch im Hintergründe die Burg in ihren Details ganz so zur Anschauung gelangt, wie sie aus den Restaurirungsarbeiten Ferdinands I. hervorging. *) Die Nachfolger Ferdinands I. thaten für die Verschönerung der Burg, besonders während des dreissigjährigen Krieges, soviel wie gar nichts, dafür sorgten sie, besonders die beiden Ferdinande (II. und III.), um so eifriger für die Verschönerung ihrer Hofgärten. So überhäuften sie z. B. den Lustgarten mit neuen Springbrunnen und Cascaden, mit Badehäusern und Grotten, legten Gallerien, Lusthäuser und die sogenannte „iStUtUtcnftube" an, wo ein automatisches Silberbergwerk vom Wasser künstlich getrieben wurde; einige Spuren dieses seltenen Kunstwerkes fanden sich zu Anfang dieses Jahrhunderts in der Zuckerbäckerei des Burgtheaters vor. Wir gelangen nun zu einer neuen Bauperiode, zur Regierungszeit Leopolds I., mit welcher mächtige Bauunternehmungen für die Hofburg in’s Leben traten. Gleich im Jahre 1660 wurde der Bau des stattlichen Flügels in Angriff genommen, welcher die alte Burg mit dem Amalienhofe (ehemalige Cillyerburg) verbindet und noch heute der Leopoldinische Tract genannt wird. Die Bauarbeiten wurden zwar durch die Türkenkriege gehemmt, aber 1666 vollendet, als eben die Vermählungsfeierlichkeit des Kaisers mit der spanischen Prinzessin Margaretha vor sich ging. Der neue Bau bestand aber leider nur zwei Jahre, denn er brannte am 13. Februar 1668 durch die Unvorsichtigkeit eines Tischlergesellen beim Leimsieden gänzlich nieder. 2 ) Leopold I. aber liess ihn in kürzester Zeit wieder aus dem Schutt erstehen und gab auch dem anstossenden Theile der alten Burg (Schweizerhof, der bisher nur aus drei Stockwerken bestand) durch einen aufgesetzten vierten Stock die gleiche Höhe. Jetzt schloss sich zwar der linke Flügel des Amalienhofes an den Leopoldinischen Tract an, aber der rechte Flügel blieb noch immer frei, denn daneben (einige Klafter seitwärts) stand noch immer jenes unansehnliche, schmucklose Gebäude, worin die Hofkammer, die Hofkanzlei und der alte Reichsrath ihre Sitzungen hielten. Die beiden Bilder sub Figur 74 und 73 zeigen uns den Leopoldinischen Tract, wie er nach der innern (dem Burgplatze zugekehrten) und nach der äussern (den Vorstädten zuge- *) Das Bild datirt aus dem Jahre 1536, also aus einer Zeit, wo die Kestaurirungsarbeiten der Burg und die Festungsmauern bereits vollendet waren. Es ist um so merkwürdiger, als es von Lautensack selbst gestochen wurde. Das Portrait ist radirt, der ornamentale und landschaftliche Theil gestochen. Die Originalgrösse beträgt 27 Ctiu. Breite und 35 Ctm. Höhe. Das Bild zeichnet sich besonders durch grosse Portraitühnlichkeit und Naturwahrheit aus; die Gesichtszüge des Kaisers verrathen den Kopf eines Denkers, sie haben etwas Beobachtendes, Vorsichtiges an sich. Das kluge, ruhige Auge blickt zuversichtlich vor sich hin. Das interessante Costüm in spanischem Geschmacke gehört der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts an; der Oberrock, mit Pelzwerk reich verbrämt und mit der üblichen grossen Goldkette geschmückt, die weiten Puffen, das enganschliessende Aerinelleibchen und die niedrige barettartige Mütze gemahnen an die Zeit zwischen 1550—1570. Bewunderung verdient gleichfalls die wahrhaft künstlerische Ausführung der Ornamentik, so z. B. jene leichthingegossenen Eck- tigureji rechts mit der „Palme“ und links mit dem „Füllhorn“, den Frieden und das Glück symbolisirend; dann die zu beiden Seiten angebrachten schönen Säulen, die Figuren an den Schäften und Capitälern und in der Mitte des Bildes, oben der noch immer einköpfige Reichsadler als Landeswappen, reich geziert; vor Allem aber, was uns am meisten am Herzen liegt, die architektonische Staffage des Hintergrundes. Wir sehen hier die Burg noch mit ihren vier Eckthürmen und Nebenthürmchen und die Bastionen bereits fortificatorisch mit Ziegeln umkleidet und vor derselben die IDicbltlcrlufflt mit ihren zahlreichen kleinen hölzernen Häusern, wie sie noch auf dem Hufnagel’schen Vogelperspectivplan vom Jahre 1609 Vorkommen. *) An den Brand des Leopoldinischen Tractes (1668) knüpft sich die Entstehung des „Sternkreuz-Ordens“. Eine bei der frommen Kaiserin Eleonora, Witwe Ferdinands III., verwahrte „Kreuzpartikel“ soll (obgleich das Gold der Fassung geschmolzen war) nach fünf Tagen unversehrt aus dem glühenden Schutt gezogen worden sein. Dieser merkwürdige Fund gab der frommen Fürstin Veranlassung, den Sternkreuz-Orden für adelige Damen zu stiften. Die Baugeschichte der Hofburg. 235 kehrten) Seite ausgesehen hat. Beide sind von G. M. Vis eher gestochen und datiren aus der Zeit von 1666—1670, und beide Rüder verdienen besondere Beachtung, da sie uns auch mit der Umgebung näher bekannt machen, was besonders bei letzterem Bilde der Fall ist, da hier die Basteien, der alte „Spaninger“ und das äussere Burgthor zur Anschauung gelangen, Gegenstände, welche um so interessanter sind, als sie seitdem gänzlich verschwunden sind und die an ihre Stelle gerückten Objecte heute ein ganz anderes Bild der Oertlichkeit geben. *) Der nach dem am 13. Februar 1668 stattgehabten Brande neu aufgebaute Leopoldinische Tract ist mit Ausnahme einiger unwesentlicher Restaurirungsarbeiten derjenige, welcher sich noch heute unverändert auf derselben Stelle befindet. a ) Auch der Amalienhof, der sich jetzt mit seinem rechten Flügel an den Leopoldinischen Tract anschloss, erhielt nach dieser Feuersbrunst einige Renovirungen, blieb aber seit dieser Zeit bis heute im Wesentlichen unverändert. Er wurde nach dem schrecklichen Brande (1525) und nachdem er längere Zeit in Trümmern gelegen, von Rudolf II. neu aufgebaut, daher derselbe in den älteren Grundbüchern unter dem Namen neue Burg oder „Rubolfsburg" vorkommt. Ein höchst interessantes Originalbild dieses Amalienhofes ist uns aus dem Jahre 1652 erhalten geblieben; ich lasse es sub Figur 76 folgen, 8 ) da es uns mit diesem alten Bau und seiner damaligen Umgebung bekannt macht. *) Das erste Bild sub Figur 74 zeigt uns den innern Burgplatz nur nach drei Seiten hin. ln der Mitte des Bildes befindet sich der Leopoldinische Tract. Er ist charakteristisch durch die Einförmigkeit seines Baustyls, durch die vielen Fensterreihen, die sicli in unabsehbarer Länge zu langweilen scheinen, und durch jene kleinen ebenerdigen Kellerfenster, die später gleich den übrigen der andern Stockweike vergrüssert wurden. Der Platz wird durch einen Festzug belebt; es scheint dies die Vermählungsfeier Leopolds I. mit seiner ersten Gemahlin, der spanischen Infantin Margaretha Theresia, zu sein. Die sechsspännigen Galawagen schreiten soeben aus dem Schweizerthor hervor, und der ganze Zug scheint sich gegen den Michaelerplatz zu bewegen. Die vierte Seite des Platzes, wo noch das alte Reichsgebäude Ferdinands I. stand, ist hier im Bilde weggelassen, um uns einen bessern Ueberblick über den Burgplatz zu gewähren. Nur das grosse Eingangsthor, welches den Zutritt vom Burgplatz auf den Michaelerplatz vermittelt, ist hier stehen geblieben; an dessen Stelle kam jener Triumphbogen, von dem ich später erzählen werde. In der äussersten linken Ecke sehen wir das alte ,, EuillipicllHniv" (giuoco di Ballo), an dessen Stelle sich vormals (unter den Ferdinanden) im Burggarten eine Gallerie befand, das aber gegenwärtig jenen Theil des Burgtheaters repräsentirt, der heute gegen den Michaelerplatz gekehrt ist. Das zweite, noch interessantere Bild sub Figur 75 zeigt uns den Leopoldinischen Tract von aussen. Er liegt so tief hinter der Basteimauer, dass das erste Stockwerk gar nicht, das äussere Burgthor nur zum Theil gesehen werden kann. Auch macht uns dieses Bild mit der Zufahrt zum äussern Burgthore bekannt. Der Weg führte über einen hohen Erdwall und einen tiefen Graben zwischen Pallisaden zum Thore hinein. Von diesem Thore gelangte man in ein zweites, unmittelbar an den Leopoldinischen Tract angebautes äusseres Burgthor. Der Platz zwischen diesen beiden äussern Burgthoren wird heute äusserer Burgplatz oder Heldenplatz genannt, weil sich hier die Monumente der Helden Eugen und Erzherzog Carl befinden. Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts war hier die beliebteste Promenade mit der sogenannten „ff'Cf)klt11lÜblC rt , von der später die Rede sein soll. Der Weg, der von den Vorstädten zu dem ersten äussern Burgthore führte, konnte, wie wir sub Figur 75 im Bilde sehen, mittelst einer quer über die Strassen gelegten Mauthschranke abgesperrt werden; auch befanden sich zwischen diesen in dem Thore zwei kleine Mauthhäuschen, die aus dem tiefen Festungsgraben über die Pallisaden nur zum Theil mit ihren Dächern hervorsehen. Bemerkenswerth ist hier links vom Thore jener dreieckige Ravelin (Vorbau), der zur grossem Befestigung der Stadtmauer diente und an seinen drei vorspringenden Ecken mit je einem Thürmchen versehen war. An der rechten Seite des Leopoldinischen Tractes sehen wir zwei kleine Häuschen und den aufsteigenden alten Augustinergang angebaut und am linken Flügel den rückwärtigen Theil des Amalienhofes hervortreten. 2 ) Bei den Erdausgrabungen zu dem Bau des Leopoldinischen Tractes wurden merkwürdige Funde zu Tage gefördert, welche damals die gelehrten Köpfe erhitzten, so z. B. am 28. Jänner 1662 ein steinerner Sarg mit dem Gerippe eines vornehmen Römers, der eine priesterliche Würde bekleidet haben mochte. Man fand in demselben Sarge auch römische Münzen, dann in einem ziemlich grossen Gehäuse von Erz eine Glasurne, eine bronzene Lampe und eine dünne Goldplatte mit unbekannten Zeichen, welche nur mit starken Vergrösserungsgläsern ausgenommen werden konnten. Dieser merkwürdige Fund ging aber spurlos verloren. 3 ) Dieses Bild, eine getreue Copie von Emil Hütter, zeigt uns den zweistöckigen Amalienhof in seiner Hauptfront als unregelmässiges Viereck mit einem Durchgang auf den Ballhausplatz, einem Ilauptthore und zwei Seitenthoren, wie sie noch heute zu sehen sind. Auf dem kleinen Thurme befindet sich eine astronomische Uhr und darunter ein künstlicher Mondglobus, der die Mondviertel anzeigt. Nur auf der obersten Thurmspitze fehlt noch das bewegliche „schwarze Röss- 30 * Mg. 74. Ansicht des innern Burgp ■tzes aus dem XVII. Jahrhundert. •JiayfcrÄt $uÖ*ottnn fern Oß n t im&ftgrn i m ■ ■ I 1 1 1 1 • ■MS 1 M B •I Ansicht dör Burg von a uS 1 a us dem XVII. Jahrhundert. Fig. 76. 238 Die Baugeschichte der Hofburg. Was Leopold I. begann, wurde von seinem Sohne Carl VI. in noch weit grossartigerer Weise fortgesetzt. Gleich bei Beginn seiner Regierung, unterstützt durch das Talent eines Fischer von Erlach, eines der grössten Meister aller Zeiten, fasste er besonders das Stammhaus seiner Väter iiVs Auge und entwarf einen grossartigen Plan zu den später auszuführenden Neubauten. So liess der prachtliebende Kaiser schon im Jahre 1712 das Eingangsthor vom Michaelerplatze in die Burg erstehen und gab demselben die Gestalt eines Triumphbogens. Den Plan hierzu lieferte der gelehrte Director des kaiserlichen Münzcabinetes Gustav Adolf Herräus, ein warmer Vertreter des damaligen Zopfstyls, die Ausführung wurde dem Hofarchitekten Lucas v. Hildebrand übertragen und mit aller Pracht und Zierlichkeit des damals herrschenden Geschmackes ausgeführt. Da aber Herräus durch allzu grosse Devotion gegen den Kaiser sich verleiten liess, alle Gross- thaten desselben, ja fast seine ganze Biographie durch symbolische Zeichen auszudrücken, wurde das Ganze masslos und unschön; *) schon nach 16 Jahren wurde es wieder niedergerissen und bei Gelegenheit des Aufbaues einer neuen Reichskanzlei durch ein schöneres Einfahrtsthor ersetzt. Das herrliche Bibliotheksgebäude, welches Kaiser Carl durch Fischer von Erlach an der .Stelle des frühem Komödienhauses oder des ehemaligen Reit- und Tummelplatzes erbauen liess, die prächtige Botschafter- und Säulenstiege, die eine zur rechten, die andere zur linken Seite im Schweizerhofe, die Adlerstiege zwischen der Leopoldinischen Burg und dem Amalienhöfe, die sogenannte Batthyanystiege, dem Michaelerplatz zunächst und gegenüber dem Burgtheater, 2 ) die Stiege beim heutigen Redoutensaale sammt den beiden schönen an sie stossenden Gängen, das grosse Opernhaus an der Stelle des heutigen kleinen und zum Theile auch des grossen Redoutensaales, sie alle sind sprechende Zeugen von der Baulust des Kaisers. Carl VI. war es auch, der den ganzen rückwärtigen Tract der alten Hofburg völlig erneuerte. Doch die schönste Zierde verlieh der Kaiser seiner Hofburg im Jahre 1728 durch den Aufbau der neuen prächtigen Reichskanzlei, die noch heute ihre alte Pracht nicht eingebüsst hat und oberhalb des Giebels den Namenszug des Kaisers trägt. lein“, dessen Stellung den erfahrenen Bewohnern der Stadt als untrügliches Zeichen der zu erwartenden Witterung diente. Wenn das Rösslein, wie einst die Wiener versicherten, nach Norden oder Westen schaut, so ist Sturm und Regen im Anzug, wenn es aber gegen Süden oder Osten steht, so kann auf Sonnenschein gerechnet werden. J.inks im Bilde sehen wir die ersten Anbauten Ferdinands, die Anlass zum Zubau des Leopoldinischen Tractes gaben. Der ebenerdige thurnigekrönte Vorsprung links im Bilde versinnlicht uns die damalige Wachstube. Rechts zeigt sich das alte unansehnliche Hofkanzleigebäude, das an der Stelle des Gusm ann’schen Hauses von Ferdinand 1. aufgebaut wurde und zu jener Züt noch gegenüber dem Amalien - hofe eine Gasse frei liess, im Hintergründe die alte Minoritenkirche mit einem schönen Thurmhelm, den sie später im Türkenkriege 1683 einbüsste. Auch die Staffage mit ihren vielen Reitern, Wagen und Hellebardisten ist beachtenswerth. ’) Herräus wollte z. B. den Wahlspruch des Kaisers „Fortitiidint et Constantia" (mit Tapferkeit und Beständigkeit) durch Figuren symbolisch ausdrücken, ebenso die Reise des Kaisers durch Deutschland, Holland, England, Portugal und Spanien glorificiren, ferner den Gedanken ausdrücken, dass auf den Schultern des Kaisers allein die ganze Regierungslast liege, alle Mühe und Sorge sich auf ihn häufe, endlich dass er in einem Jahre drei Siege erfochten. Da aber Herräus nur ein trockener Gelehrter und Numismatiker war, aber keineswegs ein künstlerischer Schwung seine Seele beflügelte, fiel die Sache äusserst schwerfällig und unschön aus. Er stellte auf beide Enden des Plateaus des Thores zwei Statuen, und zwar rechts eine weibliche Gestalt in griechischem Gewände, auf eine Säule gestützt, und links den Hercules mit der Keule, um damit den obigen Wahlspruch anzudeuten: über der Mitte des Thores befand sieh ein grosses Steinbild, der die Weltkugel tragende Atlas, um die Bürde der Regierungslast anzudeuten. An den zwei Nebenpforten waren vier Marmorbasreliefs angebracht, erstens: „Iason, das goldene Vliess suchend,“ als Sinnbild jener Reise mit der Inschrift: „Sic patriam pugimus“ („so fliehen wir das Vaterland“); zweitens: „Italien, wie es dem mit dem goldenen Vliesse heimkehrenden Iason Glück wünscht,“ mit der Inschrift; ,,Quanta per aequora vectus accifiio" („wie viel bringe ich nach diesen Stürmen heim“); drittens; „der an seinen Säulen mit drei Lorbeerkränzen ruhende Hercules,“ die drei Siege andeutend, die Guido Starhemberg in dem einen Jahre (1710) bei Almenara, Saragossa und Villa Viciosa für Carl erfocht, mit der Inschrift: „Ter victor in anno" („dreimal in einem Jahre Sieger“); endlich viertens: „Barcelonas Entsatz während einer Sonnenfinsterniss,“ mit der Inschrift: „Tibi signa dedit" („Gott gab dir ein Zeichen“). ~) Die Batthyanystiege hat ihren Namen vom Fürsten Carl Batthyanv, dem Erzieher Kaiser Josefs II., und führt ihn heute noch. i Die Rudolfsburg (später Atnalienhöf) aus dem Jahre 1652. 239 " -J:A n r l imirn ’Äj ; mm k & e; '• 76 . Die neue Rudolfsburg (später Amalienhof) aus dem Jahre 1652. 240 Der Amalienhof. — Die Reichskanzlei. An die Stelle der alten unansehnlichen Reichskanzlei, die noch von Ferdinand I. herrührte, trat nun der neue imposante Rau. Durch diesen war jetzt das längliche Viereck der Burg geschlossen und der Amalienhof mit den übrigen Bauten vereint. Das Gebäude hatte auch zwei grosse Ein- fahrtsthore, das eine rechts auf den Michaelerplatz, das andere in die Schaullergasse. Vier colossale Statuen aus Sandstein von der Hand des Bildhauers Matielli wurden auf der Seite des Burgplatzes bei den Thoreingängen aufgestellt. Sie stellten die Arbeiten des Hercules dar, seinen Sieg über den erdgebornen Riesen Antäus und über den Busiris, über den ungeheuren Stier und über den nemeischen Löwen. Die weitern Arbeiten Fischers von Erlach wurden nun nach jenem grossartigen Plane des Kaisers fortgesetzt und die Winterreitschule in grossartigem Style vollendet. Noch andere Prachtbauten hätten den bisherigen folgen sollen, so z. B. hätte die Burg gegen den Kohlmarkt hin eine herrliche Front erhalten sollen, wobei die Winterreitschule den rechten und ein gleiches (^ebäude gegen die Schauflergasse den linken Flügel gebildet hätten. Bei der Einfahrt vom Michaelerplatz wäre man durch ein mächtiges Fahrthor in eine Rotunde und durch diese in die Burg gelangt. Korinthische Säulen, Statuen, Wappenschilder, Trophäen sollten das im blühendsten Style entworfene Bauwerk schmücken und ober dem Thore hätte der bekannte Namenszug Carls in einer riesigen, gekrönten Weltkugel glänzen sollen. Aber all’ dieses, der Ausbau des Plinfahrtsthores gegen den Michaelerplatz, sowie die andern projectirten Bauten wurden durch den mittlerweile ausgebrochenen polnischen Wahlkrieg leider unterbrochen, und es ging sogar der Plan, der von der Hand P'ischer’s von Erlach verfertigt wurde, unter den Papieren des Architekten Hohenberg verloren. So blieb denn der Ausbau der Burg für eine längere Zeit unvollendet, und noch heute sehen wir an der unausgebauten Rotunde die rohen Ziegelführungen über dem Burgtheater und die kuppelartige Wölbung. , i • , ' Doch ungeachtet dieser unliebsamen Unterbrechung hatte die Burg durch die bisherigen Baubestrebungen Carls VI. bedeutend an Ansehen gewonnen, und schon ein flüchtiger Blick auf die Umgestaltung des innern Burgplatzes vor dem Jahre 1728 im Vergleich mit seinem späteren Ausbaue gibt uns wohl einen deutlichen Begriff. So z. B. sehen wir in dem Bilde sub Figur 77 ‘) den Burgplatz, wie er noch im Jahre 1725 ausgesehen, wie düster und gedrückt, wie unansehnlich das alte „Reichshofrathsgebäude“ war, wie geschmacklos das Ausfahrtsthor gegen den Michaelerplatz sich ausnahm, wie sehr noch jene drei Eckthürme an die mittelalterliche Zeit gemahnten, da sie mit ihren spitzigen hohen Dächern so frei über die Häuser emporragten. 4 ) Das Bild ist von Salomon Kleiner aus dem Jahre 1725. 35 Centiineter breit und 18 Centiineter hoch, und zeigt uns die Physiognomie des Platzes, wie sie noch vor Beginn der Carolinischen Bauthätigkeit war, denn Alles, was wir im Bilde sehen, datirt noch von Ferdinand I. und Leopold I., nur das Fahrthor links im Bilde wurde von Carl VI. im Jahre 1712 errichtet. Der*Mauthschrank vor dem Schweizerthor, die Bedachung der Wachstube, der riesige Adler vor dem Thüreingange zum Ilofkeller, sie alle sind dieselben, wie wir sie bei den Vorfahren Carls VI. sahen. Interessant ist die reiche Staffage im Bilde, weil sie uns mit den Costiimen der verschieden® Hofherren, Diener und Chargen des Kaiserhofes aus jener luxuriösen Glanzperiode bekannt macht. Auf unserem Bilde zeigt sich von der Linken zur Rechten ein Trupp Stadt-Guardi- Soldaten mit breiten Hüten, der zur Wachablösung zieht, diesem zunächst ein kaiserlicher Leibkoch, der, im Discurse begriffen, jene Grandezza zeigt, die solchen Respectspersonen zukommt, weiter weg zwei Trompeter der Trabantengarde mit eleganten breiten Krämpenhüten und weissen Federn; in der Mitte des Vordergrundes und zwar am äussersten Rande zwei Hofherren in eleganter schwarzseidener spanischer Tracht und kurzen spanischen Pumphosen, langen Mänteln und mächtigen Allonge - perrücken, deren grosser Umfang sie nöthigte, auf der Strasse barhaupt zu gehen. Diesen zunächst zwei Trabanten, die Hellebarden auf der Achsel, in schwarzen, gelbbordirten Mänteln gegen die Burg marschirend, noch weiter rechts zwei Hatschiere mit sensenartigen Lanzer» („Cusi“ genannt) nebst dem, rückwärts quergesteckten Degen, der damals ein nothwendiges Toilettenstück jedes Hof- und Galakleides war. Uebrigens geben die vialen Fussgeher, Reiter, Carossen, etc. einen Beweis von der Lebhaftigkeit der Passage, obwohl dieselbe durch das doppelte, unter dem Walle durchführende Thor, die lange Brücke über den Stadtgraben und der in einem doppelten Winkel gebrochene Weg damals weit umständlicher als heutzutage war. Die Baugeschichte der Hofburg unter Maria Theresia. 241 In dem Bilde sub Figur 78 ') zeigt sich uns der innere Burgplatz bereits mit der neuen Reichskanzlei, wie sie Kaiser Carl VI? (1728) ‘erbauen liess. Die schöngegliederte Fagade mit dem herrlichen Figurenschmuck am Giebeldache, die geschmackvoll postirteri Genien mit langen Tuben, die den Ruhm des Kaisers in gewaltigen Stössen weithin erschallen lassen, das prächtige Wappenbild in der Mitte mit dem grossen weithin leuchtenden Namenszug des Kaisers und vor Allem die deutsche Kaiserkrone, die seit 1806 wohl nur noch als historische Zierde betrachtet werden kann, geben dem Ganzen etwas Feierliches und zeugen von dem hohen Genie eines Fischer v. Erlach. Auch Maria Theresia, die grosse Kaiserin, war nach dem Tode ihres Vaters Carls VI. (1740) eifrigst bedacht, dem ehrwürdigen Stammsitze ihrer Väter grössere Schönheit und »Regelmässigkeit zu verleihen. Kaum war die drohendste Gefahr einer französisch-bairischen Belagerung (1741) beseitigt, liess sie an Stelle des alten styllosen „Rallspielhauses“ (giuoco di ballo) nach einem vom deutschen Schauspieler Weisskern entworfenen Plane das neue Hoftheater (jetziges Burgtheater) erstehen, das anfangs nur für deutsche Komödien bestimmt war, später aber, unter dem Impresario Selliers erweitert, auch für italienische Opernvorstellungen hergerichtet wurde; dagegen liess sie das alte Komödien- oder Opernhaus in die beiden noch jetzt bestehenden Redoutensäle umgestalten, in welchen schon im Jahre 1748 der erste Maskenball gegeben wurde. Ein Jahr später kam noch ein eigener Stiegengang hinzu, der diese beiden Säle mit den übrigen kaiserlichen Gemächern in Verbindung setzte. Im Jahre 1746 liess der Hofbaudirector Graf Taroucca auf der Augustinerbastei an der Stelle eines Theils des heutigen Erzherzog-Albrecht-Palais den „alten Stadl“ (sogenannten Tbofftabl) niederreissen und an dessen Stelle das neue Hofhaus (später Hofbauamt) erbauen. Die Friedensepoche vor Ausbruch des siebenjährigen Krieges (1753—1756) benützte die Kaiserin zur Vergrösserung der Räumlichkeit ihrer Hofburg. So wurde z. B. im Jahre 1753 der IDiebmerltmrm und kurze Zeit darauf der sogenannte „alte Thurm“ beim ehemaligen Paradiesgärtchen an der heutigen Sommerreitschule, wo man noch jetzt einen thurmartigen Ansatz bemerkt, niedergerissen, eben so auch der alte Augustinergang und das an denselben angebaute Hofkrankenhaus cassirt; im selben Jahre liess sie auch nächst dem Kaiserspitale das neue Ballhaus erbauen und durch einen eigenen Gang mit dem Amalienhof verbinden, wonach der neue Platz den Namen Ballplatz erhielt und auf ihr Geheiss wurde hinter der Hofbibliothek ein Theil des neuen Augustinerganges errichtet, um die Communication der Burg mit der Kirche herzustellen. Im Jahre 1769 liess Maria Theresia die Hofbibliothek repariren, da das schöne Gebäude wegen der gewaltigen Last seines Bücherschatzes bedeutenden Schaden litt und bereits bedenkliche Sprünge zeigte; damals war das mächtige Haus noch immer hinter einer hohen Mauer versteckt, welche sich von der Hofreitschule bis zur Augustinerkirche hinzog und so das grosse Terrain vor der Hofbibliothek, das man damals Bibliotheksplatz (später Josefsplatz) nannte, vollkommen einschloss. An Stelle des aufgelassenen alten Parabicsgärtdwis a ) hinter dem heutigen Burgtheater ') Das Bild: Die innere Ansicht der kaiserlichen Hofburg aus den Jahren 1780 bis 1790, gezeichnet von C. Schulz, gestochen von Mansfeld. 40’5 Centimeter breit und 26'5 Centimeter hoch, Eigenthum der Kunsthandlung August Artaria, ist schon deshalb von hohem Interesse für uns, weil dasselbe bereits zu den seltensten gehört und die Originalpla'.te, die aus dem Jahre 1790 datirt, im Laufe der Zeit mehrfachen Wandlungen unterlag. So wurden die Figuren aus der Caroli- nischen Epoche aus der Platte ansgeschliffen und mit Costümfiguren aus der Congresszeit (1814) ersetzt und im Jahre 1846 bei (ielegenheit der Enthüllung des Franzensmonuments diese Statue neu hineingravirt: so erklärt es sich, dass ein Anachronismus ans drei verschiedenen Zeitepochen auf einem Bilde vorgefunden wird, jedoch sind die Figuren am Balcon und an den Fenstern der Reichskanzlei noch aus der Carolinischen Zeitperiode. *) Die Wiener konnten sich lange nicht mit der Idee vertraut machen, dass sie demnächst ohne Burgbastei bestehen könnten und besuchten den der Demolirung geweihten Erdhaufen auch dann noch, als bereits statt der wohlklingenden Harmoniemusik die hässlich knarrenden militärischen Schiebkarren der Pionniere sich daselbst bei den Erdarbeiten hören liessen. Dennoch blieb die Kaffeehütte bis 1817 stehen. t 31 242 Die Baugeschicbte der Hofburg unter Josef II. errichtete die Kaiserin die neue Hofsommer-Reitschule, die sich noch heute an derselben Stelle befindet. Tätlich wurden hier die Reitlgctionert der jungen Erzherzoge öffentlich abgehalten, denen nicht selten 'die Kaiserin* selbst und zahlreiche Zuschauer beiwohnten, es gehörte damals förmlich zur Gewohnheit der Wiener, an schönen warmen Sommermorgen in dichtgedrängten Schaaren den Reitübungen der Erzherzoge zuzusehen und sich an dem Heranblühen der Söhne Theresia’s herzinnig zu erfreuen. Gewiss ein Zeichen der Anhänglichkeit eines Volkes an sein Herrscherhaus, eines Gefühles, das wie Treuherzigkeit und Biederkeit einen der Grundzüge des fröhlich-leichtsinnigen Wiener Volkscharakters bildet. * Maria Theresia hätte sicherlich, besonders auf Andringen ihres kunstsinnigen Gemahles Eranz von Lothringen, den Weiterbau der Hofburg vollführt, hätte ihr nicht die Ungunst der Verhältnisse, die andrängenden Kriegsstürme und die finanziellen Missstände besondere Sparsamkeit auferlegt. • Erst Josef II. war es Vorbehalten, das Werk seiner Väter dort fortzusetzen, wo sic es unterbrochen hatten. Schon das Jahr 1782 gab ihm vollauf Gelegenheit, für den Ausbau des Bibliotheksplatzes zu sorgen, denn mit der Demolirung des alten Königsklosters (1782, heute Pallavicini- Palais, Josefsplatz Nr. 1155, neu 5) wurde die eine Seite der Stallburg und somit der Zugang zur Bräunerstrasse frei und die Communication der heutigen Stallburggasse mit dem grossen Bibliotheksplatz hergestellt. Ueberdies liess der Kaiser auch die hohe Mauer vor dem Bibliotheksplatze niederreissen und das Naturaliencabinet als die dritte correspondirende Seite parallel den gegenüberliegenden Redoutensälen erbauen: so gab er Anlass zur Herstellung eines neuen Platzes, denn mit dem Wegfalle der Mauer und dem Ausbau des Naturaliencabinets war jetzt ein grosser, freier Platz in Gestalt eines regelmässigen Vierecks geschaffen, von dem die Burg drei und das im Jahre 1783 erbaute gräflich Fries’sche (heute Pallavicini-) Palais die vierte Seite bilden. Jetzt ist der Platz mit dem Reiterstandbild seines unsterblichen Schöpfers geziert, nach dem Namen des menschenfreundlichen Monarchen benannt, dessen eherne Statue hoch in der einen Hand die Bulle religiöser Duldung, dieser glanzvollen Errungenschaft des achtzehnten Jahrhunderts, emporhält, indessen die andere segnend über das altgetreue Wien hinstreckt. Der Kaiser liess 1767 den Burggraben der alten Burg an der Chorseite der Hofcapelle einwölben, wodurch ein enger Hof entstand, wie er noch gegenwärtig zu sehen ist, endlich auf dem heutigen Ballplatze das Sclavignon’sche und Buchhalterhaus niederreissen, um auch von dieser Seite her den Zugang zur Burg frei zu machen. Die meiste Sorgfalt jedoch wandte er dem äussern Burgplatze zu: es war dies die alte Burgbastei oder spanische Bastei, auch Paradeplatz genannt. Der Kaiser liess denselben 1782 mit Bäumen bepflanzen und zu einemallgemeinen Belustigungsort umgestalten und eitheilte 1784 dem Kaffeesieder Johann Millano, der bereits durch sein Kaffeehaus auf dem Kohlmarkt rühmlichst bekannt war, die Bewilligung, hier eine Kaffeehalle zu errichten, das Publicum Früh und Abends mit Erfrischungen zu bedienen und mit Harmoniemusik zu unterhalten. Gleichzeitig liess der Kaiser den spanischen Ravelin (oder kurzweg „©panier") durchbrechen und über den Vorgraben eine Brücke errichten, welche die Communication vom innern Burgthor unmittelbar zu dem Belustigungsorte herstellte. Diese Brücke wurde allgemein das „grüne 25rü(fd" genannt und spielte damals in der galanten Welt und namentlich in der Geschichte der Wiener Abenteuer, wie wir später hören werden, eine hervorragende Rolle. Das Kaffeehauszelt mit seinen Promenadeanlangen aber nannten die vorlauten Wiener die weil die spazierenden Herren und Damen des beschränkten Raumes wegen immer und ewig die Runde vor diesem Zelte machen mussten, wodurch allerdings eine gewisse Aehnlichkeit mit der einförmigen Bewegung einer solchen Mühle nahelag. Trotz dieses hässlichen Spitznamens bildete dieser Promenadeplatz dennoch täglich den Lieblingsaufenthalt und Vereinigungspunkt der eleganten Welt, ja was noch mehr ist, die Celebritäten der Kunst, der Wissenschaft und des Adels stellten sich hier fast täglich vollzählig ein. Es gab Personen und ganze Familien, die hier alle Abende t .Erweiterung der Burgbastei und der „Ochsenmühle“ durch Kaist-f Frans I. 243 ohne 'Ausnahme zubrachten, und die den Tag für verloren hielten, an welchem sie nicht auf der Bastei waren. Kaiser Josef erwarb sich daher bei den Wienern durch die Erschaffung und weitere Verschönerung dieses ihres Lieblingsplatzes ein grosses Verdienst. Die auf die Josefinische Epoche folgende zweijährige Regierungsdauer Leopolds 11. war zu kurz, als dass sie etwhs Bemerkenswerthes für die Weiterentwicklung der Burg hätte beitragen können, und selbst die erste Hälfte der langen Regierungszeit des Kaisers Franz 1. war zu sehr mit Kriegswirren, Finanznöthen und allerlei auswärtigen politischen Complicationen in Anspruch genommen, um etwas Wesentliches für die Erweiterung und Verschönerung der Hofburg selbst zu leisten. Erst die Sprengung der Festungsmauern durch französische Geschütze während der zweiten Invasion 1809 gab indirecte und unfreiwillige Veranlassung zu einer bedeutenden Umgestaltung und Verschönerung des äussern Burgplatzes, denn nachdem am 4, November um 5 Uhr Abends der Ravelin vor der Burg in Schutt gelegt worden war, mussten auch die Basteimauern sammt der den Wienern so liebgewordenen Burgbastei und ihrer theuern „lDd))etUUÜl)lc" abgetragen werden. Man kann sich den Schrecken der Wiener denken, als im Jahre 1812 eine kaiserliche Verordnung den Lieblings-Promenadeplatz als dem allgemeinen Demolirungsplane verfallen erklärte ') Mit der Abtragung der Burgbastei war aber auch die Demolirung des alten Burgthores verbunden, welche im Jahre 1818 erfolgte. Hiemit war auch eine äusserst unbequeme, lästige Passage zwischen der Burg und den Vorstädten glücklich beseitigt und den Wienern endlich Gelegenheit gegeben, angenehmere Ausgangswege nach dem Glacis zu schaffen. Der frühere Weg führte nämlich vom inneru Burgthor, das sich beim Leopoldinischen Tracte unterhalb des neuen Rittersaales befand, zu einem zweiten Thore, das in einem schiefen Winkel unter der Bastei endete, daher es allgemein das „finstere Thor“ genannt wurde. Aus diesem gelangte man mit Hilfe einer hölzernen Brücke über den Stadtgraben zu einem dritten und letzten Thore, das aber gleichfalls in einen schiefen Winkel gestellt war, und vor dem man noch einen letzten Wall zu passiren hatte, um endlich an das Glacis zu gelangen. Vor diesem letzten Thore, bei welchem eine Mauthschranke und der erste Wachtposten sich befand, lag ein kleiner, schlechtgeebneter, ungepflasterter freier Platz, auf dem die deh- und Fahrwege in einem Halbkreise ausmündeten, und um welchen herum sowohl die Fiaker standen als auch die Höckerinnen ihre Stände mit Victualien aufgeschlagen hatten. *) Im Jahre 181*9 wurde der Graben vor dem ehemaligen sogenannten „SpiUlingctU, der bereits 1805 beseitigt wurde, verschüttet und geschlossen, und nachdem im selben Jahre der neue Paradeplatz vollkommen geebnet worden war, auf der einen Seite der neue Hofgarten vom Kanzleidirector des Hofbauamtes Ludwig von Remy und auf der anderen Seite der Volksgarten angelegt. Auch dieser verdankt seine Entstehung den Sprengungen der Franzosen, da sich auf der Area desselben mehrere Festungswerke und der alte Stadtgraben befanden- Im Jahre 1822 errichtete Corti hier ein Kaffeehaus, das in seiner ursprünglichen Form (es ist dies ein halbkreisförmiger Säulengang, von Nobile erbaut) noch gegenwärtig ziemlich gut erhalten ist und bald ebenso einen Vergnügungspunkt der eleganten Welt bildete wie ehedem die „Ochsenmühle“. Der Volksgarten wurde übrigens erst am 1. März 1823 eröffnet, nachdem einige Monate vorher der Theseustempel vollendet und die berühmte Gruppe „Theseus’ Kampf mit dem Centauren“ aufgestellt worden war. Eine besondere Verschönerung erhielt der Paradeplatz durch das neue vom PTofbau- rathe Pietro de Nobile entworfene und im Jahre 1821 erbaute äussere Bürgt hör. Der Grundstein wurde durch Kaiser Franz I. am 22. September 1821 gelegt und am 18. October 1824, am zehnjährigen Gedenktage der Schlacht bei Leipzig, wurde das Thor feierlichst eröffnet. " ♦ ’) Vor diesem Burgthore waren immer die berüchtigtesten und vorlautesten Höckerweiber (oder wie sie nach Wiener Mundart hiessen: „Fratschleriunen“) mit ihren Ständen sesshaft. Besonders der stadtbekannten „Burgthor JEverl“ dürften sich noch die altern Wiener erinnern, die mit Obst, Brod und Würsteln Handel trieb, durch Corpulenz und entschiedene Geschäftssprache ihre Colleginnen weit überstrahlte, ja auch vor einem kleinen lnjurienprocess eben nicht zurückschrak, daher sie sich auch eines gewissen selbstbewussten Stolzes auf ihre Ueberlegenheit erfreute. ’ 31 * * t 1 244 Der innere Burgplatz aus dem Jahre 1725, *> -Vs.:, 1 ir S** »7 .1 ^ ft ^ ■i 5 : iS . ns ft j* &• ea'Saä'SSt® ? & &■' (M£l üCJ SKI® ■s ^ S5J$4 ®^£j *1 *4 SI ag^ ft4 is| rfPm - fe ^'mm ‘ “ii p*5S£.=C®jj Äl «2i fcg^av äsi' -Wak*M\\ .•fe'V •^36« ;5^?£ W-/J. ar->»«»igie I % Der innere Burgplat? mit der neuen Reichskanzlei aus den Jahren 1180—90. mm —SiTfTi ä_§- MIM: s mm mm TTiTtnHii^g 3 «es -J tagiiai MM-mns MM InWiMg K^ammssa ii¥i| rnrn^mm «IIHf mm üiritfüi imufI iT§5H5i r»_«9“ rt.T3 hwim i]i;TLijyKteralbifc$en Sucher hintanjulaffeu, uttö jcöem gemalte ober geflogene ©reifen, T&örner ober was immer für Ipiere unö Dieser, wenn fie ihnen Pergnügen perf (taffen, jU führen geftatten." — Auf eine Verordnung, welche den Handkuss und das Kniebeugen vor den Personen der kaiserlichen Familie und das Niederknieen vor dem Lanflesherrn verbot, schrieb er am 4. Jänner 1784 als Begründung die Worte: „Weil folcbes ron fllenfibcn 3 U ffTenfcben feine paffenbe Banblung ift unb blos gegen ©oll allein nor= behalten bleiben muß." — Und im Juli 1783 gab er folgenden schriftlichen Befehl: „Slacbbcm j)ic fcbüblicbe Wirtung bes ©ebraucfcs ber tltieber, um eine fcbonc (Taille erpreffen 3 u wollen, auf bie 6eiun5f>eit unb hefonbers ben Wuchs bes weiblichen ©eicblechtes Allgemein erfannt ift unb bie ttichttragung berfelben banptfacblich 3 u ihrer guten «Sonftitution unb ehelichen Frucht* bartcit ttncnblicb riet befträgt, fo bat öie lanslei ein cEirculür an alle Cdnberftetten 3 U erlaffen, in welchem in allen Waifcn-- häufern unb llöftern unb wo immer fonft eine öffentliche weibliche Trpiebung ficf» norfinbet, bie Tragung ber Hlieber ron was immer für ©attung fogleich 3 U unterfagen ift, auch toll in fämmtlichen Schulen anbefof>len werben, öag fein Kinb weiblichen ©eichlechtes mit Wicbcr anfgenommen unb gelitten werbe, ba gan 3 e ITationen ohne felbes leben, ja nur um fo gefünber unb ftdrfcr babei finb." ’) Vide: Meynert’s „Kaiser Josef II.“ (fVien 1868) und Hübner’s Lebensgeschichte Josefs II. Die Promenade auf der Burgbaslei. 251 Schatzes (für den Studienfond) in ihrem materiellen Nutzen geschädigt, die 111 Bruderschaften durch •‘ihre Auflösung ihres Heiligsten beraubt. * Mit dem Tode des grossen Kaisers zerstoben die Anfänge der neuen Aufklärung spurlos. Der Grund lag darin, dass die Reform-Ideen Josefs während seiner Lebenszeit fast lediglich von den höchsten Schichten der Gesellschaft getragen wurden, die aber in Oesterreich nie eine grosse Widerstandsfähigkeit zeigten, vielmehr sich beeilten, beim Regierungsantritte Leopolds II. ihre liberalen Sünden abzuschwören und dem neuen Kaiser eine willige Handhabe zur Reorganisation des Bestehenden zu leihen. Nur durch die bescheidenen Schichten des Mittelstandes sickerten noch längsam jene hinterlassencn Freiheitsideen des grossen Kaisers, um im Jahre 1848 plötzlich als mächtiger Quell des Fortschrittes hervorzubrechen. Die Promenade auf der Burgbastei. Um meinen Lesern einen Begriff von der allmäligen Entwickelung der interessanten Promenade vor der äussern Burg zu geben, bringe ich hier sub Figur 80 ein Bild aus dem Jahre 1725. Um diese Zeit bestand unmittelbar vor der Burg ein kleiner Ravelin, der bereits .im Jahre 1529 erbaut wurde, und den man später die Burgbastei oder spanische Bastei oder auch allgemein den „Spanier“ (Spaninger) nannte. Er nahm seinen Anfang an der Stelle, wo man heute beim Erzherzog-Albrecht-Palais zur Augustinerbastei hinaufgeht, und zog sich bis zum Thore, welches sich gegenwärtig unter dem Vorsprunge (mit dem Spitznamen „die Nase“) befindet, den Kaiser Franz I. im Jahre 1804 zur Erweiterung des Rittersaales erbauen liess. Um diesen Ravelin lief, wie wir im Vordergründe des Bildes sehen, die eigentliche Stadtmauer, von welcher in gleicher Richtung mit dem „Spanier“ der eigentliche Burgravelin ausbog, den man schon damals als Paradeplatz benützte und mit diesem Namen belegte. Der alte Thorweg unmittelbar vor der Burg bestand nur aus einem Fahr- und Gehthore (in gekrümmten Linien). Eng, finster und unansehnlich war diese Passage. Als Kaiser Josef im Jahre 1782 diesen Platz mit schönen, schattigen Bäumen besetzen, den „Spanier“ durchbrechen und über den Vorgraben eine Brücke (das „grüne Brückel“) errichten liess, welche die Verbindung vom innern Burgthor mit der Promenade herstellte, gewann dieser Platz ungemein an Beliebtheit und wurde, nachdem eine Kaffeehütte und eine Musikcapelle täglich Früh und Abends für das Bedürfniss des Publicums sorgten, der allgemeine Lieblings- und Belustigungsplatz der Wiener. Die Wiener gewöhnten sich an diesen Vergnügungsort so sehr, dass sie sich grösstentheils nur hier ihre Rendezvous gaben und das Wort: „Abends auf der Bastei“ von Mund zu Munde ging; ') und als Kaiser Franz 11. im Jahre 1794 die Brücke erweitern, 1798 hier neue Baumpflanzungen, regelmässigere Anlagen, einen geschmackvollen Pavillon und zwischen den Bäumen bequemere Bänke errichten liess und Abends für eine bessere Beleuchtung durch zahlreiche Laternen sorgte, gewann diese Promenade einen noch grossem Aufschwung und das Bild sub Figur HP) aus der Zeit vom Jahre 1797 gibt uns einen deutlichen Begriff von dieser neuen Umgestaltung. ‘) Die Volkstfiümlicfikeit dieses Platzes eab einem hiesigen Theaterdichter den StolT zu dem Bühnenstück: „Der Geist auf der Burgbastei“ lind einem andern Dichter zu dem bekannten Docallied: „Auf der Bastei, auf der Bastei, Ja da sieht man so Mancherlei.“ ’J Dieses Bild ist eine genaue Copie nach der Originalzeichnung von L. Janscha aus dem Jahre 1797, 32 Cm. breit und 19*o Cm. hoch. Wir sehen in der Mitte den eleganten Pavillon und etjvas seitwärts rechts eine erhöhte hölzerne Tritftine für ein Musikorchester und auf derselben Seite am äussersten Rande des Bildes die Kaffeehütte des Corti (Nachfolger Milano’s). die an der Front gegen die Burg mit .Leinwandschutzdächern versehen und zeltartig verziert war; um den Pavillon bemerken wir eine vierfache Baumreihe mit Sitzbänken und unmittelbar vor dem Leopoldinischen Iractden Durchstich des „Spaniers'* mit dem „grünen Brückel“ und dem grünen Gitter. Im Hintergründe des Bildes zeigt sich uns der Leopoldinische Tract bereits mit dem * Fiff. SO. Die alte Burgbastei mit dem „Spanier“ und dem alten Burgthor aus dem Jahre 1723. t 252 Die alte Burgbastei aus dem Jahre 1723. t iS J |i*> 5*W u n jseüiciij ed ai”3 ISS asr-j] jtlfutmiii' Die Burgbastei aus dem Jahre 1797. KSff F T :;,f '- ;:,i - - y S'Ä;?*'j ; ■MykOM L$ .1 1 “ * -t -■i,^ W *■>&■- j> 3& : lau ii - •. .v-^.i.L’irfeifV ■? s :i;ifc,i|i!>5iS!"}:-i?| w-ipn lüf-it fc'wraai.^ ™l:; »■*. j« |p, gisljHg:| "fl Litwa» ■i'Äi ; X” ■s.'(, r 5M5S 'JSW#¥ J -> i 'S v" «fSJrfs®^- ,, m anal "Ml M. 254 Das „grüne Brückel“. Das „grüne Brückel“. Als Kaiser Josef II. im Jahre 1782 den „Spanier“ durchbrechen und über den Vorhaben eine Brücke errichten liess, um die unmittelbare Verbindung der Burg mit der Burgbastei zu ermöglichen, wurde auch gleichzeitig ein grünes Holzgitter zu beiden Seiten der Brücke aufgestellt, von dem dasselbe nun allgemein das „grüne Srücfeh genannt wurde. Unter diesem Namen war dieselbe auch durch längere Zeit wegen der Abgelegenheit des Ortes als interessantes Stelldichein galanter und politischer Abenteurer bekannt und als solches berufen, in der Wiener Stadtneuen Vorsprung (die Nase) mit den drei Fenstern, ober demselben der astronomische Thurm mit der Sternwarte und unter demselben das Burgthor und rechts die ganze l'»ont der sogenannten Kaiserterrasse. Dieselbe, mit einem Glasdache überwölbt, nimmt das obere Stockwerk des Augustinerganges ein, welcher schon 1769 erbaut wurde, um eine bequeme Verbindung der kaiserlichen Gemächer mit der Augustinerkirche herzustellen. Ueber der Terrasse sieht das Gebäude der Hofbibliothek und rechts von demselben die Augustinerkirche in jener Gestalt hervor, wie sie ihr schon im Jahre 1669 von Kaiser Ferdinand III. ertheilt worden war, und weiter rechts an der Stelle des alten Bauhofes das bereits im Jahre 1795 erbaute Palais der Erzherzogin Christine und ihres Gemahls, des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen. DerThunn der Heiligen-Geistkirche aber, den wir noch im vorhergehenden Bilde sub Figur 80 sahen, ist bereits verschwunden, da Kaiser Josef II. dieselbe bei Gelegenheit der Aufhebung der Klöster im Jahre 1783 niederreissen liess. Die auf dem Bilde sichtbaren Casematten, Wallgänge und sonstigen' Ueberreste der ältern Befestigung, welche die Promenade damals umgaben, verschwanden gleichfalls bei der nach dem Jahre 1817 begonnenen letzten Anlage des äussern Burgplatzes und Herstellung des Kaiser- und Volksgartens. Nicht uninteressant sind einige gleichzeitige Schriften über diesen Promenadeplatz, aus denen ich Einiges hier im Auszuge mittheile. So z. B. sagt Pezzl in seiner „Beschreibung der Haupt- und Residenzstadt Wien“ im Jahre 1802: „Seit 1798 ist die grosse Burgbastei oder der sogenannte Paradeplatz mit jungen Bäumen bepflanzt, in deren Mitte ein niedlicher Pavillon steht, und am Ende davon ein Sommerhaus eines Kaffeewirthes. Dieses wird bei günstiger Witterung die ganze bessere Jahreszeit hindurch alle Abende geöffnet, der ganze Platz mit einigen hundert Stühlen besetzt und beleuchtet, wo dann Jedermann Sitz nehmen und die gewöhnlichen Sommererfrischungen gemessen kann. An den meisten Tagen ist dort eine gute Musik von Blasinstrumenten zu hören.“ — Ebenso erwähnt das in Briefform abgefasste seltene Büchlein: „Neueste Sittengemälde von Wien“ 1801 dieses Ortes, wo es im zwölften Briefe heisst: „Auf dem Paradeplatz ist seit drei Jahren ungefähr durch die gütigen Anstalten des kaiserlichen Hofes ein kleines Gloriett gebaut und eine Menge Bäume mit artigen Bänken dazwischen gesetzt worden, die dem Theile der Wienei', welche den Sommer über nicht in Gärten wohnen und entweder keine Equipage oder keine Zeit haben, täglich weite Spaziergänge vor die Stadt oder die Linie zu machen, zur einzigen Abendpromenade und Erquickung dienen.“ Ebenso heisst es im zwanzigsten Briefe: „Abends ist die Ansicht der Bastei ganz verändert. Jetzt ist die ganze Menschenmenge, die im Anfänge des Frühlings sich Vormittags auf einem Viertel des ganzen Umkreises der Stadt zu zerstreuen pflegt, auf den einzigen Paradeplatz und die nächst daranstossenden Wege gedrängt. Mehr als hundert Lichter erleuchten das schöne Gloriett und die neuen Alleen: im zweifelhaften Schimmer, den sie um sich herstreuen, sitzen auf den Bänken und Stühlen eine unglaubliche Anzahl geputzter Leute oder gehen rings um das Gloriett im ewigen Einerlei herum, so dass dieser Spaziergang der Einförmigkeit wegen schon den Beinamen die „©C^fetlinüttlf“ erhalten hat.“ — Von besonderem Intetesse ist die Staffage im Bilde. Sie macht uns mit den herrschenden Modetrachten um das Ende des XVIII. Jahrhunderts bekannt, indem sie uns die einzelnen Figuren und Costüme deutlich zur Anschauung bringt- Es war dies die Periode des Ueberganges der spanischen Modetracht zur französischen Neuerung, der Uebergang vom übermässig weiten, übergrossen Reifroch, von der aufgethürmten Frisur der Frauen, dreispitzigen Hüten, langen Zöpfen, Haarbeuteln, langschössigen Röcken und l'racks zur griechischen enganliegenden Tracht der Frauen, wozu der Kopfputz häufig nur in einem schmalen Bande oder doch in der kleinen phrygischen Mütze und Kappe bestand, welche mitunter eine schwanke Feder zierte. Die Herren trugen niedere Hüte mit breiten Krampen, wulstige Halstücher, Fracks mit enormen Schössen und Brustlappen (Revers), kurze Westen, enganliegende Beinkleider mit kurzen Stiefeln. Nur einzelne Elegants blieben den Schuhen und Strümpfen getreu, so wie bei manchen Anhängern des alten Systems der dreigekrämpte Hut und der Zopf zu finden waren, wie z. B. bei dem durch unzählige Anekdoten bekannten, in der Wiener Stadttradition fortlebenden General Lindenau und mehreren Andern, die sich noch bis in die Zwanzigerjahre hinein mit dem Zopfe gefielen, obwohl die Kinder mit Fingern auf sie wiesen. Das neu aus Paris zu uns herübergekommene „Griechenthum" in der Kleidung hatte wohl viel Bestechendes für sich: so z. B. traten die jugendlichen formen der Damen recht deutlich hervor, jede Bewegung, jedes leiseste Muskelspiel theilte sich den enganliegenden Kleidern mit, deren Stoffe überdies so dünn waren, dass man sie beinahe durchsichtig nennen konnte. Allerdings fehlte es nicht an gewichtigen Stimmen, welche gegen die Unsitte der griechischen Modetracht eiferten und besonders bei Frauen wegen des rauhen Klimas, aber leider umsonst. Die Mode « la gr 'eque gefiel den Wienerinnen so ausserordentlich, dass sie sich trotz dem gesunden Menschenverstand nichts ausreden Hessen, bis endlich das beste Gegenmittel aller Moden, die Veraltung, und mit ihr eine neue Mode aus Frankreich auftauchte, welche die alte wieder verdrängte. — Pezzl sagt in seinem Buche „Neue Sitten von Wien" im 21, Capitel: „Als die Pariserinnen anfingen Griechinnen zu spielen, war der i Die Bellaria. 255 chronik eine hervorragende Rolle zu spielen. 1 ) Wirsehen dieses Gitter im Bilde links sub Figur 81, unmittelbar vor dem Leopoldinischen Tracte hinter der letzten Baumallee, zwischen den beiden Ravelins. ‘ , • Die Bellaria befindet sich am nordwestlichen Ende der Burg an den Leopoldinischen Tract angebaut und bildet eine gedeckte Zufahrtshalle, unter welcher die Glieder des Kaiserhauses ihre EquipageA zu besteigen pflegen. Noch vor zehn Jahren war die Auffahrt bis zum Niveau des zweiten Stockwerkes erhöht und hatte die gleiche Höhe mit der Löwelbastei, die sich in gerader Linie bis zum Kaffeehaus des Paradiesgärtchens erstreckte. Mit dem Wegfall der Basteimauern hat auch die Bellaria ihre frühere Gestalt eingebüsst, und die neue Zufahrtshalle befindet sich gegenwärtig zu ebener Erde. Mit dem innern Burgplatz ist die Bellaria mittelst der Adlerstiege, sowie mit dem Amalienhofe durch eigene Communicationsgänge verbunden. Die Bellaria erhielt (wie das Belvedere oder Bellevue) von der schönen Aussicht ihren bezeichnenden Namen, weil sich von hier aus ein herrlicher Ausblick über die nordwestlichen Vorstädte und die nahegelegenen reizenden Gebirgszüge darbietet. Ehe die spanische Bastei in einen öffentlichen Belustigungsort umgewandelt wurde, befand sich an der Stelle der heutigen Bellaria keine Zufahrt zur Burg, denn hier stand früher die alte Festungsmauer mit einer wallartigen Umfriedung, die den Zugang wehrte, wie wir dies im Bilde sub Figur 80 bestätigt finden; und in der That zeigt sich uns auf der linken Seite dieses Bildes an der Stelle der heutigen Bellariazufahrt ein Theil der nicht abgebrochenen Festungsmauer und ein casemattenartiges ebenerdiges Haus vorgebaut, wodurch ein Zugang zur Burg von dieser Seite aus damals wohl unmöglich wurde. Ueberhaupt war bis zur Umgestaltung des neuen Promenadeplatzes (1817) und dem Aufbau des neuen äussern Burgthors (1819) die Communication zwischen Burg und Vorstädten äusserst beschwerlich und umständlich, besonders die Passage durch das sogenannte „puffere JEpor" von dem hier besonders die Rede sein soll, unbequem. erste Abscheu vor Frankreich bereits (in Wien) ziemlich verschwunden, und man wagte es schon wieder den alten Schlendrian in Modesachen zu befolgen, d. h. die Pariser Sitten zu copiren. Also entstanden denn auch bei uns die atheniensischen und korinthischen Mädchen zu tausenden, die Haare wurden in Flechten und Knoten um den Kopf geschlungen, Hals, Brust, Busen und Arme wurden so heidnisch nackt, als es nur immer noch einigermassen mit der christlichen Decenz vereinbarlich war. Der ganze Körper wurde so leicht gemacht als möglich: ein kurzes Hemdchen ohne Aermel bis unter die Schulter und Brust ausgeschnitten, darüber ein knapper Sack von dünnster Seide, von Mousselin oder von irgend einem andern feinen Gewebe, das jede Bewegung des Körpers und alle seine Wendungen und Stellungen getreulich abformte und zur Schau stellte. Manche dieser modernen Griechinnen haben ihr Griechenthum schon theuer, einige sogar mit dem Leben bezahlt, denn das beliebte Costüm vom Ufer des llissus und der korinthischen LatAlenge, an den Ister verpflanzt, den der Wind von den Sudeten und Karpathen 4 manchmal monatelange mit Eis überzieht, verursacht häufige und gefährliche Erkältungen, welche selbst tödtlich werden, wenn man aus dem strotzenden Schauspielhaus, vom erhitzenden Ball oder begeisternden Souper in der starren Winternacht so leicht bekleidet zum Hausthore kommt, wo der Nordwind durchpfeift und dort zu Viertelstunden auf den im Gedränge befind» liehen Wagen oder Tragsessel warten muss.“ Uebrigens ist uns noch von einem andern Chronisten über das Treiben der ■» Wiener an jenem Vergnügungsorte folgende charakteristische Bemerkung erhalten geblieben; er schreibt: „Die Zahl der soliden und flüchtigen Bekanntschaften, die hier an- und ausgesponnen wurden, ist kaum zu berechnen. Nie und nirgends haben die Götter Amor und Hymen ein thätigeres Geschäftscomptoir gehabt, als diese „Ochsenmühle“ war, und ihre Hauptbücher würden beweisen, dass ein grosser Theil der reiferen Bevölkerung Wiens diesem Erholungsorte seine Existenz verdankt.“ — Diese verschiedenen Vorgänge gaben Anlass zu einer stattlichen Reihe von höchst populären Volksliedern, die alle mit dem bekannten Refrain endeten: »Auf der Bastei, auf der Bastei. * Ja da sieht man so mancherlei.“ 1 j So machte z. B. ein politisches, durch gedruckte Quellen beglaubigtes Abenteuer des Abbe George), damaligen Secretärs der französischen Gesandtschaft, viel von sich reden. Ihm wurden nämlich von einem treulosen Beamten am „grünen Basteibrückel“ mehrere wichtige Documente gegen reiches Entgelt ausgefolgt. Der Verrath war alsbald entdeckt; da aber besondere Umstände der Bestrafung entgegenstanden, so traf man den Ausweg, dem treulosen Beamten nur unechtes Material in die Hände zu spielen, so dass er als betrogener Betrüger nach Auslieferung der falschen Papiere an den französischen Secretär sich verrathen sah und. beschämt, in Verzweiflung gerieth und seinem Leben in den Wellen der Donau ein Ende machte. 256 Das finstere Thor. Das finstere Thor. Die alten Wiener werden sich wohl’dieses merkwürdigen Thores noch gut zu erinnern wissfen. Es war das zweite (mittlere) von jenen drei Thoren, die man zu passiren hatte, wenn man von der Burg zu dem Glacis (damals Esplanade genannt) nach den Vorstädten hinaus oder zurück gelangen wollte. Es stand an der Stelle des heutigen äussern Burgthores, nur etwas schiefer und 15 bis 20 Kläfter näher zui* Burg gerückt. Eine Ansicht dieses sogenannten finstern Thores (von der Vorstadtseite aus) hat sich uns iri einem höchst seltenen Originalbilde erhalten, das ich hier sub Figur 82 in treuer - Wiedergabe folgen lasse. 8 ) Es hatte seinen unheimlichen Namen von der viele Klafter langen finstern Passage, die man im Thorwege zu durchwandern hatte. Um meinen Lesern einen Begriff von der Schwerfälligkeit dieses höchst sonderbaren Communicationsweges zu geben, lade ich dieselben ein, mir auf meiner Wanderung von der Vorstadt in die Stadt schrittweise zu folgen, und es wird sich dieser kleine Spaziergang sicherlich lohnen, da wir daraus den unendlichen Abstand zwischen der damaligen Unbequemlichkeit und dem heutigen Comfort werden dankbar anerkennen lernen. Wir beginnen also im Halbkreise unsern Marsch auf jenem weiten Platze, der sich beim Ausgang der Vorstadtalleen unmittel- ' bar vor dem letzten Stadtthore ausdehnt; wir waten hier entweder im fusshohen Staube oder Kothe. Zwar stehen hier Fiaker in mehreren Reihen zur Verfügung aufgestellt, aber sie sind hier theurer als anderswo, denn sie wissen recht gut, man werde sich, falls man ihrer wirklich benöthigt, schon lieber zum höhern Fahrpreise bequemen, als erst wieder in feinem unendlichen Staubmeere den weiten Weg in die Stadt zurück bis zu den Michaelern oder hinauf in die Vorstadt bis zur Laimgrube zu keuchen. Nun wollen wir von der Chaussee zum Thore hinein; doch das geht nicht so schnell, denn früher müssen wir einen etwa sechs Klafter langen Geh- oder Fahrweg durch drei aus grossen Quadersteinen erbaute niedere Mauern passiren. Diese werden gegen die Stadt zu immer höher, weil das Terrain jetzt etwas aufsteigt. Auf diesen alten schon sehr verwitterten, ausgebröckelten Stein&n sitzt eine Menge *Gesindel: Bettler, Vogelhändler, Höckerinnen, die ihre Waaren ausrufen und durch ihr entsetzliches Geschrei die Vorübergehenden arg molestiren. Man hört hier die ori- s ) Dieses interessante Bild ist eine Copie nach einem seltenen Originale, gezeichnet von Herrn Emil Hutter, und zeigt uns die hölzerne Brücke find den Thoreingang jenes sogenannten finstern Thores im Zustande, wie selbes noch kurz vor seiner Demolirung (1819) ausgesehen. Im Hintergründe bemerken wir die ganze Frontseite des Leopoldinischen Tractes bereits mit dem von Kaiser Franz I. (1804) neu hinzugebauten Erker. » rt v.js ss: fin UM * t» 4 t i i ll 4 1 i ' * r * Fig. 82. Das finstere Thor 4* -f .äi-taL Ansicht des Schweizerthores aus dem Jahre 1836. 257 ■TT MW W mm äffl mm ,i'i : ‘i‘ ; fip; 0!»!!. rtillu : J!TOi i,u Vii,l^WÄky' 1 -/ nWW.il !\\ irap: .'J-ift: mmüiy jtWWSMK »if iiirn-M't'^VAWXVi'^K fiyf'.üvUyfo ,l"1 • LÖS*-,. fcSHhr »Sä^ sppir nm »/■Mi i>' T i'f\ni'' arnjqüjff mam ialM A\A"A^W- -»Vir iUl'MWfl* ; wjrjtiii n|^>jjK»iN: yiüiuHhli •mm ttml v Hh<&$£$ tat "‘ff vf -*rm& 258 Das -finstere Thor. — Die Kaiserterrasse, ginellsten Rufe: „60 Zwetschken um ein’ Kreuzer!“ — „15 Pfirschich um ein’ Kreuzer!“ Auch: „Lemoni, grossi!“ —' „Bamarandschen, siassi!“ — „Häring, frischi!“ oder „Fuss- sohlen hab’ i da!“ Es waren dies grosse längliche Fladen von ordinärem Mehl in Schweinsschmalz gebacken, das Stück zu anderthalb Kreuzern, sie sind-aber heute bereits bis auf den Namen verschwunden. Jetzt passiren wir jene ziemlich lange Brücke, wie sie auf dem Bilde sub Figur 82 erscheint; sie ist mit schwarz und gelb angestrichenen hölzernen Geländern versehen, aber bereits sehr schadhaft. Es muss im Schritt gefahren werden, denn die Frequenz ist stark und es ist nur ein schmaler Weg. Nun gelangen wir, zwar noch immer langsam, aber doch endlich zu dem zweiten, eigentlichen sogenannten „ßnftew üboF', das (wie wir im Bilde sehen) nur einen Fahr- und zwei Gehwege besitzt. Es sieht uns mit seinen schwarzgrauen, verwitterten Steinen trüb und ernsthaft an. Ueber dem Thorvveg breitet sich die ganze Bastei aus, und das Thor sieht daher so gedrückt aus, als ob es unter der Last zusammenbrechen und uns selbst erdrücken müsste. Dieses unheimliche Gefühl wird durch das trostlose Dunkel des Ortes noch mehr gesteigert. Es ist uns, als kämen wir in ein finsteres Tunnel oder in einen tiefen Schacht, dessen Ausgang wir nicht zu erspähen vermögen, weil sich der Weg hier stark biegt. Wir treten endlich ins Freie, aber noch immer nicht in die Stadt selbst, denn jetzt müssen wir noch einen mehrere hundert Schritte langen, offenen Weg durchschreiten, um zu einem niedern, schmalen Thore zu gelangen, wie es noch heute (Figur 81) besteht, durch welches wir endlich in die Räume des innern Burghofes eintreten. * Die Kaiserterrasse bildet gleichfalls ein theures Stück Jugenderinnerung der Wiener. Sie nimmt den ganzen obern Stock des Augustinerganges ein und ist auf unserem Bilde sub Figur 81 an dem überwölbten Glasdache erkennbar. Diese Terrasse war einst das Lieblingsplätzchen der zweiten Gemahlin Kaiser Franzens. Ungetrübter Frohsinn, Leutseligkeit und Wohlthätigkeit waren die herrlichsten Eigenschaften ihrer schönen Seele. Sie brachte den grössten Theil des Tages auf dieser Terrasse zu, und es wurde ein eigener Zugang zu derselben aus ihren Appartements für sie hergestellt. Kein Wiener ging in jenen Tagen des Weges vorbei, ohne zur Kaiserterrasse cTen Blick zu erheben. Augenzeugen erzählen, dass die Kaiserin oft von hier aus den Armen Geschenke zuwarf und dass, wenn sie in Begleitung einer Hofdame über die Bastei oder im Augarten spazieren ging, gewiss kein Bettler unbeschenkt blieb. Ja die Kaiserin rief in ihrer Leutseligkeit oft selbst Kinder zu sich, um sie über die Verhältnisse ihrer Eltern zu befragen, und liess Wärterinnen, die es an der nöthigen Aufmerksamkeit auf ihre Schutzbefohlenen fehlen Hessen, zurechtweisen. Häufig langte das Nadelgeld der Kaiserin nicht aus, dann verwendete sie Schmuck und Kleiderstoffe zu ihren wohl- thätigen Zwecken. ’) *) Maria Theresia wurde am 19. September 1790 mit Kaiser Franz vermählt. Ihr froher Sinn machte sie stets zu heiterem Scherze aufgelegt, ihr lebhafter Geist bedurfte stets einer Nahrung und Zerstreuung und es ist charakteristisch, wie der Kaiser, der seine Gemahlin auf das Zärtlichste liebte, für ihre Zerstreuungen sorgte. Er wusste z. B., dass sie sich . gerne einen grossen Theil des Tages auf der Terrasse aufhalte, daher sorgte er dafür, dass sie hier die verschiedenartigsten Spielwerke, Geräthschaften zum Experimentiren, physikalische Apparate, chinesische Schattenspiele, Ehantasuiagorieen und andere Curiositäten vorfinde. Eines Tages überraschte sie der Kaiser auch mit einer eigenen Art von Camera otscura in Gestalt eines Teufels, in dessen Unterleib allerlei unerklärliche Dinge vorgingen, ln der Kehle des Unholdes nämlich staken Glasröhren oder Glaslinsen durch welche Alles, was im Nebenzimmer vorging, sich verkleinert wiederspiegelte, so dass man glaubte Wunder zu sehen und sich das Ganze so darstellte, als ob im Magen des Satans ein Liliputanertheater zu sehen sei, auf welchem sich allerlei Dramen, meist Schauergeschichten, abspielten. Auch ein künstlich angelegter Garten mit exotischen Gewächsen und eine kleine Menagerie von Affen und Papageien belebten diese Räume. Das alte Schweizerthor. — Die Burgwache. 259 Das alte Schweizerthor zählt gleichfalls zu den historischen Merkwürdigkeiten unserer Hofburg. Wie wir im Bilde sub Figur 83 sehen, *) ist dasselbe als Einfahrtsthor in den Schweizerhof von der Seite des innern Burghofes aufgenommen. Die Merkmale des Alterthümlichen sind nicht zu verkennen, schon die Aufschrift ober dem Thoreingange mit der Erinnerungszahl 1536 bekundet, dass Kaiser Ferdinand I. in diesem Jahre dieses Thor errichten liess. Auch die Aufzugslöcher mit den Scheiben deuten auf jene Zeit, wo noch die Aufzugsketten hier durchliefen, mittelst welcher man den Aufzug der Thorbrücke bewirkte und so zur Nachtzeit die Burg von der übrigen Stadt gänzlich absperrte. Bis in die Zeit Ferdinands III. bestand diese Zugbrücke und vor derselben überdies ein Schlagbaum, wie wir ihn noch im Bilde sub Figur 77 bemerken, den aber erst Kaiserin Maria Theresia entfernen liess. Auch unter der Wölbung des Einfahrtsthores befinden sich herrliche Frescomalereien aus dem XVI. Jahrhundert, die noch bis zum heutigen Tag bestehen, da sie bei Gelegenheit einer erst kürzlich stattgehabten zweckmässigen Renovirung unter möglichster Schonung historischer Denkmäler erhalten blieben. Die Burgwache befindet sich seit der ältesten Zeit noch immer an derselben Stelle wie heute, und noch auf dem Vischer’schen Bilde aus dem Jahre 1666 sub Figur 74 und auf jenem sub Figur 76 aus dem Jahre 1652 sehen wir die Wachstube mit ihrem thurmartigen Vorsprunge in ihrer frühem primitiven Gestalt. Noch in den Tagen Carls VI. wurde die Wache vom Stadtguardia-Regiment beigestellt und genoss als solche hohe Bedeutung, da ihr jedesmaliger Oberst im Range eines Feld- marschalls und der Oberstlieutenant und die Majore in jenem eines Feldzeugmeisters standen. Sie hatten ihr eigenes Kriegsgericht und eigenen Xegimentsfdmltyeifj (jetzt Auditor genannt). Seit Aufhebung dieses Corps bestand die Burgwache stets aus einer Grenadiercompagnie, die täglich zur Mittagszeit, von zwei Officieren geführt, mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiele aufzog. Der Burgplatz -war daher während der Burgmusik täglich der Versammlungsort der eleganten Welt, und man pflegte noch bis zu Maria Theresia’s und Kaiser Josefs Zeiten regelmässig während der Mittagszeit auf dem Burgplatz zu promeniren und sich an den Klängen der türkischen Musik, wie man sie nannte, zu ergötzen; heute wird die Burgmusik nur mehr vom Volke besucht. Die militärische Sitte, zwei Kanonen vor der Wachstube aufzupflanzen und die Gewehre an den Schranken zu lehnen, zeigt sich uns schon in dem Bilde sub Figur 77 aus dem Jahre 1725 und jenem sub Figur 78 aus dem Jahre 1790. Bis zum 13. März 1848 bezogen Grenadiere die Burgwache, nachher leistete eine Zeit lang gemeinschaftlich die Nationalgarde mit regulären Infanterietruppen den Dienst, bis wieder vom November 1849 die Wache regelmässig von Linientruppen bezogen wurde. Das Franzens-Monument. Der uralte Burghof, den man seit 1817, als der äussere oder Promenadeplatz entstand, zum Unterschied den innern Burgplatz nannte, hat seit 1846, als das Monument des Kaisers Franz ). hier aufgestellt wurde, seinen alten Namen in den neuen: Franzensplatz umgewandelt. *) Das Bild ist von G. Wilder im Jahre 1826 gezeichnet, 40 Cm. breit und 26'5 Cm. hoch; als Staffage sehen wir noch die alte sogenannte Stakrlntacf), wie sie die Wiener einst von wegen der Stöcke (Stab, in der Mundart als Diminutiv „Staberl“) nannten, welche diese Hofburgwächter nebst ihrem Wehrgehänge bei sich trugen; auch bestand ihre Kopfbedeckung noch bis in die Vierzigerjahre in dem alten „Dreispitz“, den sie querüber zu tragen hatten. Die Uniform war hechtgrau und das Lederwerk ihres Ueberschwunges schwarz lackirt, ihre Fussbek lei düng bildeten hohe bis an die Knie reichende Stiefel. Seit den ältesten Zeiten hatten die Habsburgerregenten, wie dies bei andern Höfen der Fall war eine eigene Leibwache, die noch im XV. und XVI. Jahrhundert aus wirklichen Schweizern bestand, daher man alle derlei Wachen Schweizerwachen nannte. Aus diesem Grunde hiess auch dieser Theil der Burg, wo die Schweizer ihre Wachstube hatten, seit den ältesten Zeiten Scbrofi.vrbof. 33 * 260 bas Franzeils-Monumeht. Diese Statue, welche ich sub Figur 84 hier im Bilde folgen lasse, wurde am 16. Juni 1846, als dem Erinnerungstage, an dem Kaiser Franz mit seinen Verbündeten die Einnahme der Stadt Paris bewirkte und in dieselbe als Sieger einzog, feierlichst enthüllt, nachdem vorerst am 18. October 1843, am Jahrestage der Schlacht bei Leipzig, der Grundstein gelegt worden war. Das Monument wurde von Marchesi in Mailand BKWMFTM die glücklichste Idee in der Conception des Ganzen ist die Gruppirung der vier weiblichen Genien: Gerechtigkeit, Macht, Friede und Religion, anspielend auf die vier Frauen des Kaisers, die den Monarchen als zärtlich liebendeGattinnen gleichfalls im Leben treu umgaben und selbst im Tode gleichsam Wache halten. Imposant ist die Fagade mit den vier Worten: „Amorem meum populis meis “ („meine Liebe meinen Völkern“) aus dem 14 des Testamentes des Kaisers, in welchem es lautete: „Meine Liebe vermache ich meinen Lmter- thanen, ich hoffe, dass ich für sie bei Gott werde beten können, und ich fordere sie auf zur Treue und Anhänglichkeit gegen meine legitimen Nachfolger.“ Als am 6. März 1835, vier Tage nach dem Tode des Kaisers, dieser Paragraph veröffentlicht wurde, riefen diese kaiserlichen Worte bei den Bürgern und im Landvolk eine so tiefe Rührung und freudige -tif/. 84. Das Franzens-Monument. Erregung hervor, dass das Plakat in tausenden von Exemplaren abgedruckt und unter das Volk vertheilt werden musste. Viele von den Landleuten bewahrten als treue, begeisterte Anhänger des Kaisers durch Jahre hindurch dieses Plakat unter Glas und Rahmen in ihren Wohnungen auf. Und noch bis in die letzte Zeit fand man dasselbe als theueres Vermächtniss Das Josefs-Monument. 261 ihres Landesvaters, dem sie stets mit kindlicher Liebe zugethan waren, in den Wohnstuben an der Wand hängen. ’) Das Josefs-Monument bildet in künstlerischer Auffassung einen vollständigen Gegensatz zu dem vorigen. Denn obgleich beide Monumente im römisch classischen Styl nach strengen Grundsätzen der Antike aufgefasst sind, so sind sie doch beide in Conception und Ausführung grundverschieden. Wie überladen zeigt sich uns z. B. die Franzensstatue, welch’ grosser Apparat wurde hier entwickelt, um einen Effect zu erzielen? Die vier Colossalstatuen nehmen als symbolischer, also als untergeordneter Theil des Ganzen den grössten Raum des Monumentes ein und ziehen die grösste Aufmerksamkeit auf sich, Das Josefs-Monument. so dass die eigentliche Hauptfigur fast als ganz nebensächlich verschwinden und auch wirklich (im Verhältniss zur Körpergrösse) gar nicht bemerkt werden möchte, wenn dieselbe nicht so unverhältnismässig hoch gestellt wäre, so dass sie schon durch ihre Höhe auffallen muss. Wenn auch gegen *) Mit welch’ grosser Anhänglichkeit besonders das Landvolk dem Kaiser zugethan war, mag folgende wahre und durch Urkunden beglaubigte Anekdote beweisen: An einem Tage, an dem der Kaiser Franz Audienzen ertheilte, wurde jeder Bittsteller von ihm angehört, der sich früher anmelden liess und j eine Bittschrift mitbrachte. Auch ein Bauer kam zu diesem Zwecke in die Burg, da er jedoch zuvor zur Audienz nicht aufgeschrieben war, liess man ihn unbeachtet und er musste warten, bis Alles zur Audienz zugelassen war. Kndlich fragte ihn der dienstthuende Beamte: „Was wollt Ihr, lieber Alter?“ —• „Möcht’ gern’ rnit’n Kaiser reden.“ — „Habt Ihr eine Bittschrift?“ — „Brauch’ keine.“ — „Aber, lieber Mann, es ist der allerhöchste Befehl, Niemanden vorzulasssen, der nicht vorläufig aufgeschrieben ist und seine Bittschrift mit- hringt.“ — Das mag,“ sagte der Bauer, „die Wiener angeh’n, den Landleuten is nix davon verkindt worden; tnelden’s mi nur.“ Der Kammerherr that es, und der Bauer wurde sogleich vorgelassen. Als er vor den Kaiser trat, sagte er: „G’loht sei Jesus 262 Das Josefs-Monument. die Porträtähnlichkeit nichts eingevvendet werden kann, so erscheint doch der Unterkörper des Kaisers ohne Zweifel viel zu langgestreckt und daher die ganze Figur viel zu gedehnt, unnatürlich, ja ganz unmöglich, und nach der künstlerischen Raumvertheilung das ganze Monument mit allen Nebenfiguren viel zu massig und plump. * *) Ich gebe in Figur 84 eine Abbildung des Franzens-Monuments und lasse in Figur 85 die Reiterstatne Josefs folgen. Wie einfach erscheint nicht dagegen das losefs-Monument, wie ebennrässig, lebensvoll und wirksam ist nicht Alles hier bis in’s kleinste Detail durchgebildet! Wie schlicht und einfach die edle Gestalt des Kaisers und seines Pferdes und doch so zu Herzen sprechend! Wie einfach und natürlich die Handbewegung am rechten Arm und doch so vielbedeutend! Prunklos, in römischer Toga sitzt der Kaiser barhaupt auf hohem Rosse, und doch umstrahlt die Glorie der Herrschermacht das Haupt des Kaisers, und die Unvergänglichkeit seines Ruhmes, der Zauber seines Namens wird leise angedeutet von dem Lorbeerkranze, der seine Schläfen umwindet. Schon der Gedanke Zauner’s, das Pferd in langsamer Gangart während des Fortschreitens darzustellen, indem es zu gleicher Zeit den rechten Vorder- und den linken Hinterfuss zum Ausschreiten hebt, war für damals noch neu und aus technischen Gründen auch schwierig auszuführen. Wie das Monument, so ist auch die Inschrift desselben einfach. An der Stirnseite des Sockels lautet sie: „Josephns II. Aug. qui salutipublicae vixit non diu sed totus“ („Kaiser Josef II., welcher dem Wohle des Volkes lebte, nicht lange, aber ganz“). Gewiss eine passende Aufschrift für den populärsten Kaiser, den es je auf Erden gegeben, und rückwärts: „Franciscus Rom. et Aust. Imp. ex fratre nepos alteri parenti posuit 1806 .“ An der Ecke stehen vier Pilaster in Form von korinthischen Säulen, und an diesen sind 16 kleinere P>asreliefs in Form von Medaillons und nach wirklichen Münzen gearbeitet, welche auf die denkwürdigsten Ereignisse unter der Regierung Josefs Christus. 1 hat/ g’hört, dass die Franzosen die ganze Welt umkehren wollen und dass Euer Majestät Alles aus eigenem Beutel bestreiten wollen und ka Kriegssteuer verlangen, aber doch annehmen, wenn man freiwillig ane gibt. So hab’ i mir halt denkt, wir Bauern am Land haben heuer a mittelmässig’s Jahr und hiatzt a gute Winterfrucht, hab’ also was z’samm’ng’sucht und hab’s Euer Majestät einmal bringen wollen.“ Nun langte er einen grossen schmutzigen Lederbeutel hervor und leerte ihn auf dem Tische aus. Es waren lauter Ducaten im Betrage von 1000 fl. C. M. Der Kaiser verwunderte sich und sprach: „Lieber Alter, das ist ja zu viel, Ihr werdet euch weh thun!“ —• „Dann hält’ i’s nit bracht, Majestät.“ —■ „Nun das freut mich,“ fuhr der Kaiser fort, „um so mehr, dass auf dem Lande eine solche Liebe zum Vaterlande herrscht,“ sprach der Kaiser gerührt. „Nicht nur dank ich Euch dafür, spndern ich versichere Euch auch, dass dieses Geld zweckmässig soll verwendet werden. Habt Ihr eine Schrift, damit ich Euern Namen in den Zeitungen kann bekanntmachen lassen?“ — „Das mag i nit, na des is nix.“ — „Ihr denkt edel, aber die öffentliche Bekanntmachung macht Euch und Euerer Familie Ehre, gibt auch ein gutes Beispiel und — — ■—“ — „Das Alles will i nit“ —- „Aber mir werdet Ihr doch nicht Euern Namen verhehlen?“ — „Ich sag’ ihn nicht.“ —■ „Doch Euer Dorf, wo Ihr her seid?“ — „A nit, hierzt sag’ i: g’lobt sei Jesus Christus, und wann mir Gott ’s Leben schenkt und mir san Beide noch g’sund, so kuram' i auf’s Jahrl schon wieder her.“ — Der Kaiser entliess ihn gnädig lächelnd und musste auf seinen Willen verzichten, den Namen des Mannes je zu erfahren, und obgleich zwei Hofbedienstete augenblicklich nachgesandt wurden, um ihm auf pfiffige Art seinen Namen zu entlocken, wusste der kluge Bauer alle Bemühungen zu vereiteln, und sie kehrten unverrichteter Sache in die Hofburg wieder zurück. *) ln der franeisceischen Epoche waten die Wiener Bildhauer-Traditionen bereits im Niedergange begriffen, und eine tüchtige Schulung junger, nachwachsender und aufstrebender Geschlechter hörte nach dem Tode Zauner’s fast vollständig auf. Weder Käsmann noch der alte Schaller und noch viel weniger der so viel producirende Klieber waren bedeutend genug, um bei all’ ihrer Tüchtigkeit einen nachhaltigen Einfluss auf die Bildhauerschule zu üben. Selbst Professor Bauer, der durch viele Jahre an der Akademie der bildenden Künste erspriesslich wirkte und als Lehrer der Anfangsgründe und des Handwerksmässigen in der Kunst Tüchtiges leistete, reichte mit seiner Kraft nicht aus, um grossem künstlerischen Intentionen zu genügen; und so kam es denn, dass man damals, misstrauisch gegen die eigenen heimischen Kräfte, seine Blicke nach auswärts richtete und dass man immer, wo es sich um grosse Aufträge handelte, massgebenden Ortes fremde Künstler berief und die eigenen vaterländischen Monumente, durch fremde Hände ausführen liess. So berief man z. B. damals auch den Italiener Pompeo Marchesi, um den Burgplatz mit einem bedeutsamen Colossalmonument zu schmücken, leider hatte man sich auch in der Leistungsfähigkeit dieser fremden Kraft getäuscht. Der Josefsplatz, 263 des Zweiten geschlagen wurden. Das Ganze ist ein Kunstwerk seltenster Art und reiht sich den schönsten ganz Europas an,') Der Josefsplatz. Der Bibliotheksplatz (später Josefsplatz) erhielt erst jetzt durch dieses Monument seine architektonische und stylvolle Einheit und hat sich seit Aufstellung des Monuments in seinen Theilen in nichts geändert, nur wurden im Laufe der Zeit die am Giebel de$ Bibliotheksgebäudes angebrachten Figuren mehrfachen Reparaturen .unterzogen. Das Bild sub Figur 86 gibt uns einen Begriff von den Raum verhältnissen dieses Platzes. s ) • i Fiff. 86. Der Josefsplatz. \-r T~ H V'' .Jjg&f *\ mw ITOCWlj «“»Li Die der Hofbibliothek gegenüberliegende Viertelseite des Josefsplatzes umfasst heute das gräflich Pallavicini’sche und Palffy’sche Haus, von denen jetzt näher die Rede sein soll. •- • » *) Franz Zauner verfertigte das Werk in der Akademie der bildenden Künste in der Annagasse, wo es noch sehr an Raum gebrach, und liess dasselbe im kaiserlichen Gusshaus auf der Wieden aus Erz giessen. Am 30. Juni 1806 wurde das Pferd und am 14. Juli desselben Jahres Josefs Erzbild aus dem Gusshause nach dem Josefsplatz geführt und dann ersteres am 2. und letzteres am 16. Juli aufgezogen, das Ganze aber am 24. November 1807 feierlichst enthüllt. Bemerkenswerth sind an beiden Längenbeiten des Piedestals die zwei grossen Basreliefs, wovon eines yechts auf der in unserem Bilde dem Beschauer zugekehrten Seite den „Ackerbau“ und auf der entgegengesetzten links den „Handel“ vorstellt, wie er von Josef Beförderung und Aufmunterung erhalten. s ) Den imposanten Hintergrund in seiner ganzen Länge nimmt das Hofbibliotheksgebäude ein. Die Fafade ist ober den Fenstern mit basreliefartigen Verzierungen und drei Altanen herrlich ausgeschmückt. Am Giebel befindet sich eine schöne Steingruppe: Minerva auf einem Triumphwagen, von vier Pferden gezogen. Der Wagen rollt über zwei menschliche Gestalten dahin, welche von den Pferden zu Boden getreten werden, und wovon die eine den „Neid“, die andere die „Unwissenheit“ bedeutet. Neben Minerva in der Mitte des Seitentheiles rechts steht „Atlas“, die Himmelskugel tragend, von zwei auf die Astronomie deutenden Figuren umgeben; und am anderen Seitentheil links „Tellus“ mit der Erdkugel, gleichfalls von zwei Figuren umgeben, die Sich auf die Geometrie beziehen. Wie eine lateinische „Inschrift unterhalb der Kuppel darthut, wurde unter Carl VI. im Jahre 1723 mit dem Bau des Gebäudes begonnen und dasselbe 1726 vollendet, und eine weiter unten i I 264 Das Pallavicini-Palais. Das Pallavicini-Palais Nr. 1155 (neu 5). An dieser Stelle stand einst das Haus des Grafen Niclas Salm, des heldenmiithigen Vertheidigers der Stadt gegen die Türken während der ersten Belagerung (1529); und als ihm am 14. October während eines Angriffes der Türken, da er eben den Feind auf allen Punkten zurückschlug, (also im ruhmwürdigsten Augenblicke seines Lebei\s) ein abspringender Stein einen Schenkel zerschmetterte ufid er in Folge dieser Verwundung im Frühjahre 1530 starb, kam dieses Haus in den Besitz seines Nachfolgers Hector von Salm, der dasselbe im Jahre 1559 um 6500 Pfund Pfennige an Kaiser Ferdinand I. verkaufte, worauf es Eigenthum Erzherzog Carls (des Bruders Ferdinands) wurde, von dem es dessen Schwester Elisabeth, die Tochter Kaiser Maximilians II. und Gemahlin König Carls IX. von Frankreich, nachdem» sie als Witwe Vach Wien zurückgekehrt war, im Jahre 1582 käuflich an sich brachte, um hier das sogenannte „Königskloster“ zu stiften. Sie stand demselben als erste Aebtissin vor, daher es auch den Beinamen das „königliche Frauenkloster“ oder kurzweg Königskloster erhielt. Es ist uns aus jener Zeit der interessante Original-Kaufbrief 1 ) erhalten geblieben, der uns mit der Oertlichkeit vollständig vertraut macht. W as Elisabeth die Vielumworbene, die Vielbeneidete, bewogen ht/ben mochte, in die stille Abgeschiedenheit eines Klosters zu flüchten, war wohl nichts Anderes, als das drängende Bedürfniss, sich nach so viel bewegten» Stürmen des Lebens, nach so riiannigfachen bittern Enttäuschungen endlich ihrem gepressten Herzen die Segnungen des Himmels zu erflehen, ihrer gequälten Seele die Ruhe wiederzugeben, die Wunden, die ihr die Welt geschlagen, mit dem Balsam der Religion zu heilen. Und in der That waren die Schicksalswege, die Elisabeth zu wandeln hatte, eben nicht sehr beneidenswerth. angebrachte gleichfalls lateinische Aufschrift besagt, dass dieses Haus im Jahre 1766 durch einen zweckmässigen Vorbau unter der gemeinsamen Regierung der Kaiserin Maria Theresia und Josefs 1J. gestützt und das Ganze stylgemäss restaurirt wurde. Die rechte Seite des Platzes nimmt die Front der beiden Redoutensäle zunächst der Winterreitschule, die linke Seite das zoologisch-botanische Naturalien-Cabinet ein. Es ist nur zu bedauern, dass die vierte Seite des Platzes zu Staats-Bauzwecken verloren ging, d. h, dass damals, als das Königskloster (an der Stelle des heutigen Pallavicini-Palais) aufgehoben wurde, diese vierte Seite des Josefsplatzes nicht zum Ausbau der Burg zu Staatszwecken revindicirt, sondern der öffentlichen Versteigerung zu Privatbauten überlassen wurde. Die Burg hätte sonst ein natürliches regelmässiges Viereck gewonnen. *) Dieser Kaufbrief vom 1. October 1382 lautet wörtlich: „Die ItOttigitt Taute tes t£l? 3 f>er 30 Cj (Earl iSebültllttliJ, in 6er Staöt ’ lüicmt bei Jrer ÜtaieiHt 7x>i=Stal( gelegen fambt allen Jr Xecbten unb ffiereebtigfeiten trie Sc mit 6er einen Seiten an 11)ilbdlttt Jfreiferrn non boftirett Sebauiung mit 6er anberu tceillanb Kne6olffcn=lbuen ron belaiic Freiherr mit 6er Drib an 6ie corgebenbe ©affen unb mit ber Birten an 6a« ©dpi fo steinten 6er tan. ITtaift. ttetnen Stalle unb gemelter unier Sebauiung liegt, rainen tfntet," Der Raum, auf welchem nämlich das Königskloster sammt Kirche und Wohnhaus erbaut wurde, bestand damals (1382) aus dem Salm’schen Hause, aus dem Hause des Freiherrn von Hofkirchen und aus einem dem Khuen’schen Hause gehörigen Garten, den die Freifrau Maria Magdalena von Khuen unentgeltlich zum Klosterbaue widmete. 2 ) Elisabeth. Tochter Kaiser Maximilians (1334 in Wien geboren), wurde frühzeitig, als 16jährige Prinzessin am 22. October 1370 dem schwachen und wanketmüthigen Carl IX. von Frankreich anget'raut. Am 26. November wurde das Beilager mit grosser Pracht vollzogen und sie selbst am 26. März zu St. Denis als Königin vor. Frankreich gekrönt. Leider fiel ihre Anwesenheit zu Paris in die traurige Epoche der hugenottischen Religionskämpfe. Schroff standen sich die Charaktere der sanften Elisabeth und der grausamen Katharina von Medicis entgegen, die einen unheilvollen Einfluss auf den jungen launenhaften König übte, und trotz der besten Absichten konnte sie die gräuelvolle Bartholomäusnacht nicht hindern, kaum dass es ihr mit Mühe gelang, den Prinzen Heinrich von Navarra und Ludwig Conde zu retten. Ihre Lage wurde umso drückender, als auch ihr Vater, der weise und humane Maximilian II., die Gräuel jener Mordnacht laut missbilligte. Schon im Mai 1574 brachten Aufregung und Gewissensbisse den erst 24jährigen König ins Grab. Elisabeth aber kehrte kurz darauf zum Leidwesen des französischen Volkes, welches in ihr sein Heil für immer scheiden sah, nach Wien zurück, um im Schoosse der Kirche den Rest ihrer Tage zu beschliessen, und als sie erfuhr, dass das Clarakloster im Bürgerspital und die nach St. Anna versetzten Frauen bereits seit der ersten Türkenbelagerung (1529) ausgestorben seien, beschloss sie, ein neues Kloster der Clarissinnen aus eigenen Mitteln zu erbauen. So wurde denn schon am 5. März 1582 vom Wiener Bischöfe Kaspar Neubeck der Grundstein zum Königskloster gelegt und am 2. August 1383 vollendet und von den Klosterfrauen (die Zahl derselben war Das Königskloster. 2H5 ■'kmsh?- ms* äsm Ip^fp •0mmr- HimK ismmi JT.CX'EC - ^ mu»:i:i:m iiaiHi mm. 34 r f: 1 : jj ;: I [ji l i Das Königskloster oder das Kloster zu St. Maria. Königin der Engel 1740. 266 Das Königskloster. — Zauner's Karyatiden. Int Jahre 1782, also genau 200 Jahre nach der Gründung, schlug auch für das Königskloster die Stunde der Aufhebung. Die reichen Güter des Klosters fielen dem Religionsfond zu, zu dessen Gunsten auch das Gebäude und der Gartengrund in drei Theile zerstückt und um 27.000 Gulden verkauft wurden. Den östlichsten Theil (ehemals Salm-Hofkirchen-Haus, später Wohnung Elisabeths) erstand GrafMoriz v. Fries und erbaute im Jahre 1783 bis 1784 durch den Architekten Hohenberg den noch unverändert bestehenden prachtvollen Palast, dessen Portal er von Franz Zauner mit vier herrlichen Statuen schmücken liess. Das Gebäude führte die Nummer 1155 (neu 5) und steht noch heute mit dem in der (untern) Bräunerstrasse liegenden Hause Nr. 1128 (neu Dorotheergasse 16 und 18) in Verbindung. Durch diesen Bau wurde die Bräunerstrasse, welche hier zwischen der Stallburg und dem Klostergebäude einen auf beiden Seiten durch Mauern geschlossenen, engen, kaum für einen Menschen passirbaren Durchgang bildete, zu einer bequemen Strasse (gegenwärtig Stallburggasse genannt) erweitert und bis zum heutigen Josefsplatz fortgeführt. Noch Kaiserin Maria Theresia kannte das Königskloster in seiner ursprünglichen Gestalt, und es bestand ein eigener gedeckter Gang von der Burg aus, durch welchen die Kaiserin mittels eines Schwiebbogens, der die Communication zwischen Stallburg und Kloster herstellte, in die Kirche gelangen konnte. Wie wir aus dem sub Figur 87 ‘) beigegebenen höchst seltenen Bilde ersehen, war die Kirche in Gestalt einer vollkommenen Kreuzform, jedoch ohne Seitenschiff erbaut, an dem untern Ende des Langschiffes ein viereckiger, kupfergedeckter Thurm und an den beiden Enden des Ouerschiffes noch zwei kleinere Thürmchen angebracht. Das auf dem Bilde dargestellte Portal entstammt dem Jahre 1712, wo dasselbe umgebaut und mit folgender Inschrift versehen wurde: ,,Regina Elisabeth fnndabat sapientissimae poli reginae sacrabat .“ Ueber dieser Inschrift befand sich ein Basrelief (die heilige Marie, von Engeln umgeben), und durch die Pforte gegenüber dem Josefsplatze gelangte man in einen kleinen, mit Bäumen besetzten llofraum und zur Kirche. Die beiden andern ebenfalls auf dem Bilde ersichtlichen Eingänge, jener links mit der Statue der heiligen Clara und das Fahrthor rechts, führten zum Convente und waren immer verschlossen. Der vom Grafen Moriz Fries auf dem Klostergrunde erbaute Palast zählt zu den schönsten Bauwerken Wiens. Die vier herrlichen, colossalen Karyatiden am Portale werden von allen Kennern als die beste Arbeit Franz Zauners geschätzt. In diesem Palaste wohnte im Jahre 1809 auf 60 bestimmt) in liesitz genommen. Der vordere Theil der Baulichkeiten war das zum Kloster gehörige Wohnhaus Elisabeths (es stand an der Stelle des heutigen Pallavicini-Palais); die eigentliche Klosterkirche ist das mit wenigen Veränderungen umgewandelte und noch heute auf derselben Stelle bestehende Bethaus der Augsburger Confessionsverwandten, und der gegen das PallTy-Palais gelegene Theil des (ihrigen Baugrundes wurde zur Errichtung sehr vieler im üeschmacke der damaligen Zeit auf das Sorgsamste geschmückter kleiner Capellen und zierlich herausgeputzter Andachtsorte benützt. *) Dieses Bild ist einer Zeichnung aus Placitus Herzoges „Ictmographia Aitstriaco-Franciscana * zu Köln aus dem Jahre 1740 entnommen und dürfte die im zweiten Theile von Fuhrmann’s „Historische Beschreibung“ enthaltene, jedoch nur mangelhafte Vignette an Deutlichkeit weitaus übertreffen, da hier auf unserem Bilde nicht blos eine getreue Abbildung des einstigen Bestandes, sondern auch der Einblick in die innern Räume des Klostergebäudes geboten wird. Das Künigskloster enthielt ausser der eigentlichen Kirche noch zahlreiche kleine Capellen und Andachtsorte, dann den sogenannten (Mterg zunächst der Kirche mit lebensgrossen Steinfiguren und die CcrdtOCiipdU’ im Garten in der Ecke gegen die heutige Bräunerstrasse zu, die auf unserem Bilde im Hintergründe ersichtlich sind. Der Garten wurde von den Klosterfrauen mit grosser Sorgfalt gepflegt und enthielt manche seltene Pflanzen, darunter als besondere Merkwürdigkeit eine 200jährige Akazie (eine Rob'mia hispida), die älteste in der Monarchie, deren Senkreis — dazumal eine naturhistorische Seltenheit — von den Klosterfrauen angepflanzt, zum grossen schattenreichen Baume heranwuchs und sich noch bis in die neueste Zeit erhielt, worauf endlich zu Anfang der Vierzigerjahre der fsaum umgehauen wurde. Vide: Mailaths „Geschichte Wiens“, 1832, pag. 247. Ausserdem enthielt das Kloster noch mehrere kostbare Bilder und vielerlei Kirchenschätze, darunter die Copie des berühmten Gnadenbildes St. Maria Maggiore in Rom, das dem Evangelisten Lucas zugeschrieben wird. Vide: Fuhrmanns „Historische Beschreibung“, II. Theil, 1. Band, Seite 349, und Fischer’s „Brv. not.", 111. Theil, pag. 72. Schliesslich ist noch zu bemerken, dass das Wohnhaus Elisabeth’s knapp gegen die Strasse, afso in der Fortsetzung der heutigen Augustinerstrasse gelegen war, und dass diese Strasse von der Augustinerstrasse bis zum Schwiebbogen der Stallburg noch im Hiljschvogel’schen Plane als Tlltgußtncrgaffe bezeichnet wird. 1 i I ■ Die Fries’sche Familie. 267 der französische Stadtkommandant Meriage, der seiner Hauswache den etwas sonderbaren Befehl ertheilte, auf die Statue Kaiser Josefs II. Acht zu haben; und genau zu wachen. In diesem Palaste war auch die weltberühmte, von dem Grafen Moriz von Fries zusammengebrachte Sammlung'von Kunstschätzen aufgestellt, welche die Aufmerksamkeit der Liebhaber gleichwie der Kenner auf das Lebhafteste in Anspruch nahm und bei ihrer Zertheilung nach dem Falle des Hauses Fries & Comp. manche andere Privatsammlung in Wien und besonders in Amsterdam mit ihren Trümmern i bereicherte. Dieses Museum war eine Zierde der Stadt und die Familie Fries eine der kunstsinnigsten der Monarchie, daher ich von beiden besonders sprechen will. Die vorerwähnten imposanten Karyatiden aber, die ich hier sub Figur 88 im Bilde folgen lasse, sind heute noch ein Gegenstand der lebhaftesten Bewunderung für Kenner und Liebhaber; sie sind vielleicht das Beste, was Franz Zauner') geleistet hat. Die Leichtigkeit und Ungezwungenheit in der Bewegung, das Edle, Schöne und Massvolle in der Formgebung sind Vorzüge, die ihm unzweifelhaft hier um so höher angerechnet werden müssen, als er damals schon einem starren Classicismus verfallen war. Die Fries’sche Familie. Wenn uns manchmal im Verfolge der Geschichte einzelner Familien das plötzliche Aufblühen und rasche Sinken, der schnelle Wechsel vom höchsten Reichthum zur tiefsten Atmuth wahrhaft überrascht, so muss dieses Schicksal im Hause der gräflichen Familie Fries um so mehr erschüttern, da es plötzlich und unerwartet hereinbrach. Johann Fries, zu Mühlhausen am 19. Mai 1719 geboren, widmete sich frühzeitig dem Manufacturgeschäfte und wusste als Mann von umfassenden Kenntnissen und grossem Scharfblick seinem Gewerbe, das er nach Wien verpflanzte, rasch Aufschwung zu verleihen und sich alsbald so grosse Reichtluimer zu erwerben, dass er während des siebenjährigen Krieges mit Preussen sogar der Kaiserin Maria Theresia bedeutende Geldsummen vorschoss. Sie erhob ihn aus Dankbarkeit im Jahre 1762 in den Freiherrnstand, und da er der Erste war, der den österreichischen Erzeugnissen im Jahre 1777 einen blühenden Handel auf der Donau nach Rezuk eröffnete, ein deutsches Handelshaus in Constantinopel mit grossem Erfolge gründete, auch durch 24 Jahre die Direction sämmtlieher k. k. Bergwerksproducte ohne Besoldung leitete, ernannte ihn Kaiser Josef II. im Jahre 1782 für so vielfache Verdienste zum Reichsgrafen. Leider genoss er diese Ehre nicht lange, denn als er sich im Jafire 1783 zu Vöslau ein Gut angekauft, das noch heute besteht, fand man ihn am 19. Juni 1785 in seinem Schlossgarten plötzlich todt zu Boden gestreckt. Niemand wusste die Ursache seines gewaltsamen Todes, jeder kannte nur die Unermesslichkeit seines Reichthums, von dem er stets zum Besten der Armen den edelsten Gebrauch gemacht hatte. >) Kranz Zauner war im Jahre 174C in Felpatan, in. Tirol, geboren, lernte die ersten Anlangsgründe in der Kunst von seinem Vetter Hörer nächst Passau und kam sodann nach Wien, wo er als schüchterner Schüler des berühmten Schletterer an der Akademie alsbald so grosse Fortschritte machte, dass er aus Anlass eines gelungenen Modells zu einem Bassin im Schönbrunner Garten den ersten Schulpreis erhielt und als erster romfahrender Zögling im Jahre 1776 Gelegenheit hatte, die Antike an der Quelle zu studiren. Als er zurückkam, wurde er Professor und Hofstatuarius, später auch Rath und Director der Maler- und Bildhauerclasse an der Akademie, und im Jahre 1807 wurde er mit dem Prädicate Edler von Felpatan in den Adelstand erhoben und starb zu Wien am 3. März 1822. Seine vorzüglichsten Werke, welche ihm den Ruhm für alle künftigen Zeiten sichern, sind ausser den Karyatiden und dem Josefs-Monumente noch das schöne Grabmal Kaiser Leopolds II. in der Augustinerkirche; eine herrliche, lebensgrosse Büste Kaiser Franz I. in Bronze, Eigenthum des allerhöchsten Kaiserhauses, eine treffliche Statuette Kaiser Josefs II., in Terracotta bronzirt, Eigenthum Dr. Rudolf Frankl’s,» eine lebensgrosse Demosthenes-Büste und eine gleiche von Homer beide in Marnuy, 65 Cm. hoch, Eigenthum der Frau Christomano; dann eine hochinteressante lebensgrosse Marmorbüste des berühmten Josef Sonnenfcls mit der Jahreszahl 1787, *zu welcher Zeit derselbe bereits Freiherr und Präsident der Akademie war, Eigenthum der Akademie der bildenden Künste; endlich eine lebensgrosse fironzebiiste des Grafen Rudolf Wrbna, Kigenthum ries städtischen Zeughauses. ‘ 34 ’ t t t 268 Das Pallavicini-Palais, Nichts wurde bekannt, das mit Grund auf ein so tragisches Ende hätte schliessen lassen. Er war glücklicher Familienvater, und keine seiner grossen Handelsunternehmungen und weitgreifenden Spetulationen, keiner seiner Wünsche waren je fehlgeschlagen. Er genoss die Liebe,seiner Angehörigen, die Achtung des Kaisers, die Verehrung seiner Mitbürger; dennoch musste ein geheimer tig. SH, Das Pallavicini-Palais auf dem Josefsplatze. ililiiP»“- ■'liWClUiuP V V/Jf üUmIGbtW. v/AKi lIMEI , iinHH . 1 II! I L i-V. 1 » ->, tr£' , <±L’ jtsm mm* -k''< »Wurm an ihm nagen, der still und unbemerkt für keines Menschen Auge sichtbar an seinem Marke zehrte. Sein Sohn Moriz Graf Fries (1777 in Wien geboren), lier Erbe seines grossen Vermögens und Ruhmes, bemühte sich, den Glanz seines Hauses durch üussern Schimmer noch mehr t Die Kunstschätze des Gtafen Moriz Fries. 269 t zu erhöhen. Er erbaute auf dem alten Klostergrunde das herrliche Palais mit wahrhaft fürstlicher Pracht, schmückte das Portal mit jenen herrlichen Figuren, die noch heute ein leuchtendes Zeugniss geben von seinem ausserordentlichen Kunstgeschmacke, und saihmelte mit dem Eifer eines wahren Kunstliebhabers und feinen Kenners die herrlichsten Gemälde, Kupferstiche, Handzeichnungen, Bücher etc., die er alle in seinem Hause aufstellte und dasselbe so zu ehiem weltberühmten Museum machte, das kein Fremder und Einheimischer unbesichtigt liess; Fries wurde deshalb von der Akademie der bildenden Künste zum Ehrenmitgliede gewählt, und es gab keinen Wiener ^Künstler, der nicht bei ihm die ausgiebigste Unterstützung erhielt. Er war auch Chef des Grosshandlungshauses Fries & Comp., dem er als Bankdirector Vorstand. Eine plötzliche Geldkrisis 1822 machte grössere Speculationen nöthig, die aber fehlschlugen und den Zusammensturz des Hauses unaufhaltbar herbeiführten. Aller Mittel beraubt, flüchtete er mit Zurücklassung aller seiner Schätze in die Schweiz, wo er arm, verlassen und ungekannt im Jahre 1825 starb. Seine kostbaren Sammlungen aber wurden in den Jahren 1826 und 1827 öffentlich veräussert, wobei der werthvollste Theil der Kupferstiche (italienische und holländische Schule) in Amsterdam zum Verkaufe gelangte. So endete ein Werk, auf das man so viele Mühe und Kosten gewendet, so endete ein edles Menschenleben, das berufen war, die ruhmvolle Laufbahn glänzend zu beschliessen, und die Ironie des Schicksals lässt uns nicht einmal den einen Trost, diese Kunstschätze dem Vaterlande erhalten zu wissen. Die Kunstschätze des Grafen Moriz Fries. Von den vielen im Fries’schen Palais bis zum Jahre 1826 aufgespeicherten Kunstschätzen war besonders die Sammlung von alten Kupferstichen und Handzeichnungen ausgezeichnet. Sie bestand aus mehr als 100.000 Stücken und war im Erdgeschosse (vom Thoreingang links) untergebracht. ’) Nicht minder nennenswerth ist die Gemäldesammlung aus 800 kostbaren Stücken, die im ersten Stocke aufgestellt war; sie enthielt Prachtwerke, die als Perlen jeder Gallerie betrachtet werden können. ') Die Biichersammlung bestand aus 16.000 Bänden, grösstentheils Bibliothekstücke und . Prachtwerke, die gehörig verzeichnet und systematisch geordnet im zweiten Stockwerke untergebracht und für Jedermann zugänglich waren. 3 ) Endlich auch eine kostbare Sammlung von Mineralien in.grösserem Format, welche al»; einer der merkwürdigsten »Beiträge für die Vergleichung des unentwickelten Zustandes der damaligen mineralogischen WiSsenschaft mit dem jetzigen mächtigen Fortschritt derselben betrachtet werden kann. 4 ) ' l 2 ) Die merkwürdigsten Stücke waren hier: Eine kostbare Federzeichnung, eine Grablegung von Raphael; eine Madonna. Christus und Johannes von A. Carracci, mit Rothstein gezeichnet; Originalentwürfe von G uerci n o, Clan de etc.: Viehgruppen von H. Roos; herrliche Sepiazeichnungen,von Girgenti; vor Allem aber die bekannten, uns Wiener am meisten interessirenden Entwürfe Fitger’s zu Klopstock’s „Messiade“, auf blauem Papier entworfen. 2 ) Die wichtigsten Gemälde waren: Ein A. Dürer, die sterbende Maria von Burgund; der todte Christus von van Dvk; ein Schlachtstück von Wou werm ans: Madonna mit dem Kinde von Andreas del Sarto; Guido Reni s berühmter Amor; die heilige Familie von Parmeggiano: Madonna vclata von Sassoferrato; ein Sonnenuntergang von * Saftleven; eine Kundschaft von Poussi n; V^ertumnus und Pomona von Rembrandt; Aurora und Cephalus von Albani; Christus und die Samariterin von Hannibai Carracci; ein köstliches Porträt der Königin Johanna von Aragonien von Raphael und viele andere Prachtwerke von Mengs, Füger, Schönberger etc. 3 ) Unter diesen Bücherschätzen befand sich auch Macklin’s Bibel, die Werke von Shakespeare in der ersten Original-Ausgabe. Zu den typographischen Seltenheiten gehörte auch ein Exemplar der Prachtausgabe von Uzen’.s Werken, zwei Bände auf Pergament aus Degen’s Oft'icin. Am reichsten versehen war die Bibliothek mit kostbaren artistischen und naturhistorischen Büchern, dann mit seltenen Classiker-Ausgaben und ausführlichen zahlreichen Reisebeschreibungen. *) So z. B. befand* sich auch unter den Mineralien eine reichhaltige Sammlung von seltenen Stufen von braunem Eisenrahm aus dem Banat, strahligein Bleiglanz von Mies, krvstallisirtem Glaserz von Joachimsthal, ausserdem eine reiche Anzahl von Stufen von Schweizer Gebirgsarten aus einer Sammlung von Krystallmodellen von dem Mineralogen Hang in Paris. t 270 Das gräflich Palffy’sche Palais Die k. k. Winterreitschule. Ueberdies besass Fries noch eine grosse Sammlung griechischer und römischer Münzen, sowie auch ein ansehnliches Museum von Gegenständen älterer und neuerer Sculpturen- und Bronzearbeiten*. In dieser Abtheilung befand sich auch die berühmte lebensgrosse Gruppe „Theseus auf dem erschlagenen Minotaurus“ von Canova (aus carrarischem Marmor), das erste Werk, womit sich der berühmte Künstler in Europa einführte und über Nacht zum grossen Manne machte. Raphael Morghen stach die Gruppe in Kupfer, wovon Graf Fries die Platte besass. Als Curiosum ist schliesslich nocht zu bemerken, dass Fries auch eine grosse Sammlung von Porträts und Materialien besass, die Lavater zu seinen physiognomischen Werken benützte, und die der Graf von dessen Familie erkauft hatte, und dass sich zu Ende der Zwanzigerjahre im Erdgeschosse rechts das Corti'sche Kaffeehaus und links die Niederlage der k. k. Porzellanfabrik, die später in die Schauflergasse übersiedelte, befand. Das gräflich PalfTy’sche Palais Nr. 1056 (neu 6). Mit Ende des XV. Jahrhunderts befand sich in diesem Hause noch die „nieöer=Öften?cii|d>C welche zwei Jahrhunderte früher aus der (Xat(k, jetzt Bräunerstrasse genannt) hieher versetzt worden war. Noch auf Hirschvogel’s Vogelperspectivplan ist das Haus als „Niederösterreichische Canczelley“ bezeichnet. Im Jahre 1547 gehörte dies Haus dem Fürsten Kinsky, 1573 dem Rudolf Khuen von Beläsy, Freiherrn von Lambach. Er erbaute dieses Haus vom Grund aus neu und vergrösserte es durch Zukauf zweier Bürgerhäuser und eines Theils des Satirischen Hauses und errang sich unterm 22. September 1578 vom Kaiser Rudolf II. die gänzliche Befreiung von Abgaben für sein Haus als ständisches, adeliges Freihaus. Er starb hier am 27. Juni 1581.. Durch seine Enkelin Maria gelangte das Gebäude in den Besitz der Familie Palffv und wurde im Jahre 1684 zum Majoratshause mit der testamentarischen Bestimmung erhoben, dass dasselbe nach dem Aussterben des Niclas Palffv’sehen Mannsstammes zu einer Stiftung für 15 adelige Wittwen zu verwenden sei. Zuletzt kam A. Fürst Palffv von Erdöd an die Gewähr. Die k. k. Winterreitschule. Auch mit diesem Bauwerke kommt das grosse Talent unseres genialen Fischer von Erlach so recht wirksam zum Ausdrucke. Schon die Aussenseite dieses Gebäudes, das mit seiner Hauptfront der Michaelerlcirche zugekehrt ist, macht auf den Beschauer einen wahrhaft grossartigen und würdigen Eindruck. Das Ganze bildet, wie Figur 80 zeigt, ein .längliches Viereck, dessen eine Schmalseite am Giebel mit einer schönen Kuppel und fünf prunkvollen Aufsätzen mit Kriegs; trophäeti, und dessen Langseite mit hohen, zwischen grossen Bogenfenstern gestellten korinthischen Säulen reich verziert ist. Die durchwegs schöngegliederte Architektonik drückt dem Ganzen unverkennbar den Stempel einer edlen Geschmacksrichtung auf, wie sie zu der Zeit der Spätrenaissance vorherrschte. Das Gebäude, welches im Rücken an die alte Burg angebaut ist, brachte Fischer von Erlach in der Zeit von 1729 bis 1735 zu Stande; es wird für die schönste Reitschule in ganz Europa gehalten. Die ausserordentlich hohen Innenräume sind von einer herrlichen, bequemen Gallerie umgeben, die rings um den Reitplatz läuft, und mif schönen Steingeländern geziert, auf 46 Säulen ruht. An der rückwärtigen Schmalseite ist eine für den kaiserlichen Hof bestimmte Loge und ein colossales Reiterbild Carls VI. angebracht. Die Räume sind so gross, dass sie über viertausend Menschen fassen. Schon häufig, war dieses ausgezeichnete Gebäude der Schauplatz glänzender Feste und Versammlungen, so z. B. das Carroussel am 2. Jänner 1743. Die Veranlassupg dazu, gab die glückliche Wiedereinnahme Prags, welches Genehai Belleiste mit seinen 14.000 Franzosen lange genug besetzt hielt. Maria Theresia wollte diesen für sie so wichtigen Sieg durch ein ebenso merk- Die Feste in der k. k. Winterreitschule. 271 würdiges als originelles lest verherrlichen; sie ordnete also ein Carroussel an, welches aber nur von Damen höchsten Ranges ausgeführt wurde und aus acht reitenden und eben so viel fahrenden Quadrillen bestand. Die Damen waren alle als Amazonen gekleidet; die leichtgeschürzten Gewänder, die kleinen casquetförmigen Helme, der leuchtende Farbenschmuck der Federn und Edelsteine bei so viel Liebreiz und Anmuth, wie musste dies Alles bezaubernd auf die Zuschauer gewirkt haben? Die jugendlich blühende Kaiserin selbst führte zu Pferde die reitende Quadrille, und zum Schlüsse wurden von männlichen Kampfrichtern die Preise vertheilt, die sich die Damen mit Lanze, Pistole und Degen erkämpften; es waren nämlich Türkenköpfe aufgestellt, nach welchen man zielte, und diejenige unter den Damen, welche die meisten Köpfe traf, bekam den Preis, bestehend aus kostbaren Toilettestücken. Die Personen der ersten Quadrille zu Pferde bestanden aus der Kaiserin, der Gräfin Niklas Palffy, der Gräfin Leopold Kinsky und der Hofdame Comtesse Proskau. Die Farbe dieser Quadrille war Purpur mit Goldstickerei und goldenen Tressen; ebenso waren die Satteldecken und die Zäumung der Pferde gefärbt. Die Personen der zweiten Quadrille zu Pferde waren die verwittwete Gräfin Nostiz, Hofdame Comtesse Wurmbrand, Gräfin Niklas Eszterhazy und Baronesse Hager. Das Costiim war in weissem Droguet und rothem Gros de Tours mit Goldstickerei, die Pferde waren ebenso decorirt. Die erste Quadrille zu Wagen bestand aus der jungen Erzherzogin Maria Anna, der Fürstin Lobkowitz, der Gräfin Loschi und Gräfin Cobenzl, gefahren von dem Prinzen von Sachsen- Hildburgshausen, Grafen Niklas Palffy, Freiherrn von Hager und Grafen Kinsky. Das Costüm war ponceaurother Sammt und weisser Atlas mit Silberstickerei und silbernen Tressen, so auch die Decorirung des Wagens und Gespanns. Die zweite Wagenquadrille bildeten die Fürstinnen Auersperg und Eszterhazy, die Gräfin Kollonitz, die Gräfin Mich. Joh. Althan, gefahren von den Grafen Qolloredo, Loschi, Künigl und dem überststallmeister Fürsten Auersperg. Die Roben waren blauer Sammt mit Silberstickerei, so auch die Ausschmückung der Wagen und Pferde. Am rückwärtigen Ende präsidirte die verwittwete Kaiserin-Mutter mit den Türnierpreisen, welche auf drei Tischen aufgestellt waren. Die Namen der Preisrichtec, die Preise und die Art und Weise ihrer Vertheilung wurden durch ein besonderes gedrucktes Verzeichnis bekanntgegeben, ,‘j Nach zweistündiger Production war Alles beendet, und damit sich die lieben Wiener auch an der Pracht dieses seltenen ui\d abenteuerlichen Schauspieles ergötzen mögen, ordnete die Kaiserin an, dass sämmtliche Heldinnen mit ihren Paladinen zu Pferde und in ihren Phaetons und Costümen in der Reihenfolge, wie sie gekämpft, von ihr selbst geführt, sich durch die Dorotheergasse über den Graben und Kohlmarkt in die Burg zurückbegeben sollten, worauf eine öffentliche Tafel und zuletzt ein herrliches Ballfest diese pittoreske Festlichkeit schloss. Noch lange blieb den Wienern dieser romantische Amazonenaufzug, im Gedächtnis, der noch überdies durch das freundlichste Wetter begünstigt war. Auch Kaiser Franz I. veranstaltete seinen hohen Gästen zu Ehren beim Congresse im Jahre 1814 in den prachtvoll decorirten Räumen der Winterreitschule ein herrliches Fest. Am 2. October nämlich, als bereits sämmtliche gekrönten Häupter in Wien versammelt waren, gab der - i ‘) Die Preise für die Quadrille zu Pferde waren : Mit der Lanze: ein in Gold gefasstes, mit Brillanten besetztes Besteck von Bergkrystall, diesen Preis gewann Maria Theresi a selbst, trat ihn aber der Gräfin Palffy ab, die an Geschicklichkeit der Kaiserin am nächsten kam; mit der Pistole: zwei kostbare Brillantringe, gewonnen von der Comtesse Wurmbrand; mit dem Degen: zwei Ohrgehänge von Brillanten, erkämpft von der Baronesse Hager. Für die Wagenquadrille: Mit der Lanze: sechs indische • Becher mit Untertassen, Siegerin die Gräfin Althan; mit der Pistole; sechs goldeingelegte Porzellanbecher auf einer indischen Tasse. Siegerin die Gräfin Kollonitz; mit dem Degen: ein Paar brillante Schuhschnallen in einer grossen goldenen Dose, Siegerin die Krzherzogin Maria Anna. Uebrigens beschenkte Maria Theresia auch die Cavaliere und jene Damen, denen keine Preise zugelallen waren, grossmüthig mit kostbaren Gaben. Die Preisrichter waren: Obersthofmeister Graf Zinzendorf, Fürst Lamberg als Oberststallmeister der Kaiserin-Mutter, Feldmarschall und Obersthofmeister Graf Königsegg, Obersthofkanzler Graf Uhlefeld, Landmarschall Graf Khevenhüller und endlich Obersthofmarschall Graf Sereni. t Sit. Die k. k. Winterreitschule im Jahre 1733; links die kais. Kunstkammer, rechts das neue Michaelerhaus. 272 Die k. k. Winterreitschule, iS <5 , wpVf! I ütii!' 1 1- ,\mn I Die Feste in der k. k. Winterreitschule. 273 Kaiser in den neu verzierten Redoutensälen eine grosse Hofredoute; weil aber die Räume der Redoutensäle die 10.000 geladenen Gäste nicht fassen konnten, wurde die Winterreitschule in einen herrlichen Saal umgewandelt, ein Strahlenmeer strömte von Lustres und Lampions hernieder, und die Räume waren mit heraldischem Schmuck, mit Wappen und Emblemen, mit Blumen und Gartengewächsen feenhaft herausgeputzt und zugleich mit den Redoutensälen in Verbindung gesetzt. So wogten in blendendem Prunk Könige, Fürsten, Diplomaten und Strategen durcheinander, hier im tollen Zauberspuk des glänzenden Festes freundlich vereint, um sich gleich darauf in den Congresstagen, ihrem kleinlichen Privatinteresse fröhnend, ebenso bitter zu befehden. Auch am 9. October war dieselbe Winterreitschule der Schauplatz eines herrlichen Festes. Der Kaiser gab seinen Gästen einen bal pari ', wobei 4000 Gäste geladen waren. Die Räume glichen diesmal einem herrlichen Garten, die Wände waren mit mächtigen Palmen und Farrenkräutern bis an die Decke geschmückt, zu beiden Seiten war eine Allee von Orangenbäumen aufgestellt, und während früher das Lichtmeer zwischen steifen Wappen und Schildern die Gäste durch seine unerträgliche Hitze fast erdrückte, spendete jetzt das frische Blättergrün duftende und labende Kühle. Am 23. November veranstaltete Kaiser Franz eben dort zu Ehren der fremden Gäste ein Carroussel von 24 Rittern, das mit einem Contretanz schloss. Herren und Damen, nur Sprossen des höchsten Adels, glänzten diesmal in streng historischer Rittertracht; es war, als ob man fünfhundert Jahre zurück versetzt wäre, in die Welt der Ritterzeit, in die lieblichen Tage der Minnesänger und Troubadours. Nach dieser Production wurden die Ritterfräulein sittiglichst von ihren Rittern in den kleinen Redoutensaal geführt, wo eine glänzende Abendtafel mit trefflichen Speisen und blinkenden Humpen ihrer harrte. Während des Soupers versammelten sich im grossen Redouten- saale die geladenen maskirten Gäste zu einem Maskenballe; ihre Zahl betrug diesmal dritthalbtausend ; alles was an Reichthum und Schönheit der Masken aufgeboten werden konnte, war hier versammelt. Am 29. November aber ergötzte in diesen der Freude geweihten Hallen ein Hochgenuss anderer Art die hohen Gäste. Es war dies ein Monstreconcert, componirt und dirigirt von dem damals im Zenithe seines Ruhmes stehenden Beethoven. Tausend Musiker gehorchten jetzt seinem Tactsehlage, der sich leidenschaftlich und oft maasslos bewegte und Zeugnis gab von der geheimen Lohe, welche die Brust des unsterblichen Meisters durchglühte und durchwühlte. Zeitgenossen erzählen, Beethoven war damals blass und aufgeregt, er war unzufrieden mit den Leistungen der Musikprobe; kraus und wüst umflatterte das schwarze Haar die hohe Denkerstirne, nachlässig war das Halstuch um seinen Hals geschlungen und die dunkeln grossen Augen stachen seltsam aus dem Kopfe hervor, sein finsterer Blick aber war nur auf die Noten geheftet, und kein Lächeln umspielte den Mund. Er dirigirte zum ersten Male „Die Schlacht von Vittoria“, ein Werk, das er erst kürzlich fertiggemacht. Dem Concerte wurde auch eine Cantate eingelegt: „Der glorreiche Augenblick.“ Lautlos lauschte die Zuhörerschaft den bald sanft aushauchenden, bald stürmisch aufbrausenden Tönen, plötzlich aber wie mit einem Zauberschlage brach der Beifallssturm los, als die Worte ertönten: „Was nur die Erde Hoh’ und Hehres hat, In meinen Mauern hat es sich versammelt.“ Die Anwesenden wurden von der Macht der Töne so gewaltsam mit fortgerissen, dass trotz der Anwesenheit der hohen Gäste unter minutenlangem Beifallsklatschen einige Stellen wiederholt werden mussten, und trotz einer zweistündigen Production hatte es Niemand gewagt, den Saal vor Beendigung des Concertes zu verlassen. Seit dem wiederholten sich in der Winterreitschule oftmals die Monstreconcerte, die bei der zunehmenden musikalischen Bildung der Wiener immer grossartiger und massenhafter auftraten, so dass nicht selten: sogar 2000 und noch mehr Musiker in- Vocal- und Instrumentalvorträgen sich 35 274 Das Hofleben in der Burg. hier hören Hessen. Der Umfang des Werkes gestattet es jedoch nicht, in diese einzelnen Productionen einzugehen. Ich will daher nur noch zum Schlüsse bemerken, dass am 1. December 1814 das Carroussel zu Ehren des Kaisers Alexander von Russland wiederholt werden musste, weil er damals krankheitshalber der ersten Production beizuwohnen verhindert war. Nach der Vorstellung zogen sich die hohen Herrschaften mit den Damen und Rittern des Carroussels wieder in die Appartements der Hofburg zurück, wo im Cereinoniensaale ein grossartiges Souper auf fünfzehn Tafeln ihrer wartete. Obenan stand die Hoftafel, mit goldenem Service gedeckt, an welchem nur die Monarchen und ihre Gemahlinnen sich niederliessen; zu beiden Seiten des Saals standen fünf andere Tafeln, an denen die Erzherzoge und die obersten Hofämter die Honneurs machten, und in der Mitte des Saals wieder vier Tafeln, an denen die Ritter des Carroussels mit ihren Damen speisten, bis sich erst gegen Mitternacht die Gesellschaft trennte. Das Hofleben in der Burg und die historischen Vorfälle daselbst. Es ist nicht zu leugnen, dass das Hofleben unserer Regenten, die am Hofe jedesmal herrschende Sitte und ihre wechselnden Ceremonien und Feste als ein getreues Spiegelbild unserer Zeit, als ein getreuer Widerschein der herrschenden Geistesströmungen betrachtet werden können, die daher zweifellos auch auf das Culturleben unseres Volkes beleuchtend und erklärend zu wirken vermögen. Ich will daher einige der interessantesten Momente aus dem Hofleben unserer Regentenfamilien hervorheben und meinen Lesern in kurzen Umrissen schildern. Der innere Burghof war schon oft der Schauplatz prächtiger Ritterspiele gewesen, zumal in den Zeiten Ferdinands I., wo man den persönlichen Muth, die männliche Tapferkeit und Entschlossenheit hoch hielt, wo im Volke der Glaube an ritterliche Ehre und ritterlichen Handschlag unerschütterlich fest wurzelte. Es ist daher nicht zu wundern, dass Ferdinand I. bei Gelegenheit der Ankunft des Herzogs Albrecht von Baiern, Schwiegersohnes des Kaisers, ein glänzendes Turnier auf dem innern Burghofe (heute Franzensplatz) veranstaltete. Dasselbe fand am 12. Juni 1560 statt und bestand in der Bestürmung einer künstlichen Stadt und Festung. Das erste grosse Turnier wurde zu Fuss in zehn Abtheilungen oder Parteien von kostbar in verschiedene Farben gekleideten Rittern abgehalten. Es glänzten die Waffen, die Rüstungen und die kostbaren Kopfschilde, es leuchteten die buntfarbigen Federbüsche über den Häuptern empor. Das Einbrechen und Aneinanderschlagen der Ritter, das Zerbrechen der Speere und die wuchtigen Schwerthiebe glichen Donner und Blitz. Zweifache Stärke musste der Ritter haben, um im Felde mehr leisten und ertragen zu können als der Knappe und Reisige, daher war auch ihm allein die Ehre vergönnt, Gold zu tragen, von Gold waren seine Ketten, und an den goldenen Sporen erkannte man den Ritter, aber mitten im Kainpfgewühle trieb sich der Spassinacher umher, verkehrt auf einem mit Hose und Wamms bekleideten Esel reitend. Am 17. Juni 1560 hatte auf dem Burgplatze abermals ein prachtvolles Turnier .stattgefunden, doch diesmal zu Pferde, wobei auch gleichzeitig eine allegorische Vorstellung von dem Siege der Liebe vorkam und allerlei Preise vertheilt wurden. Diese Vorstellung war im Geschmacke der Zeit, wiewohl etwas derb mit allerlei Anspielungen ausgeschmückt. Der arge Schalk „Cupido“ sollte nämlich für seine vielfachen Schelmenstreiche gehenkt werden, wurde jedoch, wie es nur recht und billig ist, von dem „Jfratucnjitltcr" in Schutz genommen und gerettet, worauf zum Schlüsse ein herrliches Feuerwerk abgebrannt wurde. ') *) Diese Festlichkeit wurde in einem eigenen IltrnierbUCb von dem kaiserlichen Herold iiattS POtt -SriMCblill durch acht grosse Kupferstiche verewigt, deren zwei 'Banä CfiUtenißcf lieferte. In diesem Turnierbuche lautet die betreffende Originalstelle würtlich. „Der (Eupiho iß geroeien ein itbdtter kbtiab ron 3ebn Jartt, her ging in leibfarben laifat, welcher öaju Das Hofleben unter Leopold I. 275 Auch im Jahre 1666 fand ein ähnliches Fest auf dem Burgplatze zur Vermählungsfeier Kaiser Leopolds 1. mit der Prinzessin Margaretha von Spanien statt. Es zeigte so recht deutlich die Umständlichkeit und Schwerfälligkeit des herrschenden Zeitgeschmackes. Auf dem Platze war eine eigene, zwei Stockwerke hohe Gallerie ringsum aufgerichtet. Der Mummenschanz stellte allegorisch den Streit der Luft und des Wassers um den Vorzug in der Erzeugung der Perle vor. Die vier Elemente erschienen personificirt, die Luft als ein Wolkenwagen, auf dem „Juno“ thronte, das Feuer als ein zerklüfteter Berg mit „Vulkan“ und „Cyklopen“, das Wasser stellte ein Becken mit Tritonen vor, in der Mitte „Neptun“ auf einem Throne mit Meerrossen, und die Erde wurde durch einen Lustgarten mit der Statue „Flora’s“ dargestellt, ln der Mitte des Burgplatzes erschien auf künstlichen Wellen das Schiff „Argo“, reich geschmückt und mit einer zahlreichen Musikbande besetzt. Jedes Element hatte eine Anzahl Kitter zu Begleitern, kostbar in verschiedene Farben gekleidet, welche, als die Götter und die Sänger auf dem Schilfe bei einer Gesangsproduction über die Perle durchaus nicht ins Reine kamen, ein Kampfspiel anhuben und den Platz fechtend nach allen Richtungen durcheilten. Endlich wurden vom Amalienhofe Trompetenstösse vernommen, die Wolken vor demselben zertheilten sich, und man erblickte den Tempel der Unsterblichkeit mit Säulen, Trophäen und den Statuen aller olympischen Götter. Aus demselben bewegte sich ein neuer prachtvoller Zug, zuerst der Triumphwagen des Ruhmes und hierauf die Genien der österreichischen Herrscher zu Pferde, wobei Kaiser Leopold I. seinen eigenen Genius vorstellte, mit einer grossen Anzahl von Begleitern zu Pferde und zu Fuss. Der Ruhm verkündete nun, dass die Perle (Margarita, als Anspielung auf die kaiserliche Braut) Leopold als Lohn seiner Tugend zu Theil geworden sei, woraut ein Reitertanz, an dem Leopold und alle Ritter theilnahmen, die Festlichkeit beschloss. Ueber tausend Personen, darunter bei zweihundert Musiker und achtzig Reiter, wirkten bei diesem prachtvollen Feste mit. Endlich muss der grossartigen Serenade erwähnt werden, welche am 28. Februar 1699 bei der Vermählung des römischen Königs Josef (als Kaiser 1.) mit der Prinzessin Amalie Wilhelmine von Hannover aufgeführt wurde. Es erschienen drei Triumphwagen von ausgezeichneter Pracht und Grösse, auf welchen sich „Hymen“ mit einer grossen Anzahl von Göttern und allegorischen Personen befand, in Begleitung von fünf kleinen Wagen, mit Musikern und Sängern besetzt, von einer grossen Menge Gefolges zu Fuss umgeben. Bemerkenswerth ist, dass die darunter belindliche Schaar von Dichtern und Dichterinnen, welche die Begleitung „Apollos“ bildeten, durchaus aus Personen bestand, welche sich damals wirklich durch poetische Arbeiten ausgezeichnet hatten. Der Zug umkreiste den Burgplatz und stellte sich in dessen Mitte aul, worauf unter Fackelschein ein Concert begann, „Le triomphant kymenee “ betitelt, welches volle drei Stunden währte. Das Hofleben unter Leopold I. Ganz eigenthümiich gestaltete sich das Hofleben am Hofe Leopolds I. in der Zeit von 1657 bis 1705; das prunkende Cerentoniel, die steile Hofetiquette stand in höchster Blüthe, aber auch die Frömmigkeit und die gezierte, umständliche Weitschweifigkeit gehörten zum guten Tone, drückten dem öffentlichen Leben den Stempel auf und bürgerten sich in allen Kreisen ein. Die prunkhafte Umständlichkeit des lästigen Hofceremoniels kam am deutlichsten bei den Ausfahrten des Kaisers zum geriet unb gemalt geweien, alio fauber, baf> nieiumt anbres gemeinbt, beim er wäre nafbet, mb bie äugen waren im rer= bunben mit einem weilen fcpleiertucb, bat auch an ben rufben gar fcbdite wei|e flugl, welche febern mit golbt geicbmutfbt waren, in ben banben trug er ein banbtpogen nnb etlich piept; alio bat in ber bentper ober tcpaltbsnarr hin unb b er gefriert in bem S’raroen.ümer rnib jem, bem diupibo fuer mb frier mit feinen riemen mb (irifben getrot, er roilt in benfben, wofern jem bas Srawen^imer nicht ju hilf fbomme, was benn auch 3um altfeiiigen Irofte gefchab." Francolin erfühlt nun weiter, wie noch ein Bankett und die Vertheilung der Turnierpreise folgte, wobei der sieghafte Ritter aus den Händen seiner Dame den Preis, in einem Kleinod bestehend, erhielt und setzt noch weiter hinzu: ,,welchen Preis er autfo mit gebubrenbev ^anf 1 iagung empfangen, ber Jungfrawen wieber gefchentht, fie gebäht mb bann jum Santj gefuert." 276 Das Hof leben unter Leopold I. Vorschein. Nur langsam bewegte sich jedesmal der grosse, von Gold strotzende, schwerfällige kaiserliche Leibwagen von der Stelle, ‘) denn es mussten ihn rechts und links zur Seite die Hoftrabanten zu Fuss und die Leibwache zu Pferde begleiten, und mehr als zwanzig Wagen folgten dem Zuge nebst einer Menge von Läufern und Pagen. Auch die Minister gaben dem Kaiser das Geleite, und dies Alles selbst bei schlechter Jahreszeit in spanischem Costiim. Erst ausserhalb der Stadt durften sie sich zu ihm in den Wagen setzen. Die bigotte bis an Fanatismus streifende Frömmigkeit des Kaisers theilte sich auch den übrigen Hofkreisen mit und wirkte auf das Volk zurück; Leopold I. hörte dreimal im Tage die Messe und liess sich während dieser vorgeschriebenen Zeit selbst bei den wichtigsten Staatsgeschäften hiebei nicht stören. Sein Beichtvater, ein Jesuit, hatte jederzeit zu ihm freien Zutritt. Die öffentlichen Processionen und Andachtsübungen nahmen einen unerhörten Aufschwung, so zählte man z. B. im Jahre 1702 in der Zeit vom April bis November sechzig Wallfahrten; der Kaiser selbst nahm alljährlich an der Mariazeller Wallfahrt und an jener auf den Kalvarienberg ausserhalb der Hernalser-Linie Theil und liess sich in die Bruderschaft „der heiligen Dreifaltigkeit“, welche von Papst Innocenz XL im Jahre 1677 bestätigt wurde, als Mitglied einschreiben. Bis zum Jahre 1705 zählte Wien 103 solche Bruder- und Erz-Bruderschaften, welche keine andere Aufgabe hatten, als den Geist des Katholicismus in alle Kreise zu verpflanzen. Das Urkundenbuch der allerheiligsten Erzbruderschaft „zur heiligen Dreifaltigkeit“ ist im St. Peter-Pfarrarchive noch heute aufbewahrt * * 3 ) und sagt über den Zweck derselben Folgendes: „ 5 u mertbcu tmb 31t mpen ift, büp bitte Dochlöblitlje (Erjbruberfäafft anbers nichts fe?, alp ©ne rcrfammtung filier flteufckn, bie iid> autf eine ionberbar roeip nerpftidden, benen englifdten Säften int 'Bimmel hierin nacb3urathen / tmb ftetts tjteuls in bem Fersen, tbeuls in bcttt fltunb bie Xllerbeiligjte ?rei?faltigfeit 31t ehren. 31t loben unb 3U preipen." Aber auch die Gesuchtheit und Gespreiztheit des Kaisers waren ein stehender Charakterzug, der sich auch den übrigen Holkreisen mittheilte und sich in den Künsten und Wissenschaften mit tausendfältigen Reflexen wiederspiegelte. Das Zopfthum in der Malerei und Sculptur, in der Architektur, in der Amtssprache, der Musik und Dichtkunst und die vielen allegorischen Festlichkeiten waren der getreue Wiederschein dieses Zeitgeschmackes, und überall finden wir das Gesuchte und Geschraubte wieder. Es war z. B. eine Lieblingsbeschäftigung des Kaisers, in den diplomatischen Noten, die damals noch in lateinischer Sprache abgefasst wurden, alle lateinischen Fehler, die darin vorkamen, eigenhändig auszubessern, und er wurde nicht müde, solche lateinische Schnitzer, wie er sie nannte, aufzusuchen und sich darüber oft stundenlang zu unterhalten. Seine gelehrte Pedanterie und bewunderungswürdige Geduld zeigte sich auch in andern Dingen, so z. B. fand sich nach seinem Tode ein Kalender vor, in welchen er immer mit minutiöser Genauigkeit die Ducaten verzeichnete, die er im Kartenspiele (Ecarte) täglich verlor. Mit derselben gewissenhaften Genauigkeit vertiefte er sich auch in die Schwierigkeiten der Com- positionslehre, in den Generalbass und den Contrapunkt. Er componirte geistliche und weltliche Lieder, und wir müssen seine Ausdauer bewundern, wenn wir hören, dass er allein 300 Motette componirte und mit eigener Hand niederschrieb. Diese kostbare originelle Handschrift befindet sich noch heute im Rudolfinischen Museum in der Akademie der Gesellschaft der Musikfreunde zu Wien (ein altehrwürdiges Geschenk des längst verstorbenen Erzherzogs Rudolf). Er componirte auch mehrere *) Für gewöhnlich fuhr Leopold in einem Staatswagen, der mit rothem Juchten ausgefüttert und mit gelben Nägeln ausgeschlagen war, die Fenster waren aus Krystn 11, weswegen bei seiner Ankunft die Einwohner Wiens ehrerbietig mit dem Ausrufe auf die Seite traten: „Da kommt der Krystallwagen.“ 3 ) Vide: „Geschichte der Pfarrkirchen in Wien“ von Albert Wiesinger, Curat-Beneficiaten bei St. Peter, Seite 104. Wien, 1876. Das Hofleben' unter Leopold I. 277 Opern, die bei Hoffesten zur Aufführung kamen, ja er wirkte sogar gelegentlich bei Hofconcerten selbst mit. Er hielt auch zwei Hofzwerge und einen Hofnarren, deiner aber „bei Familientrauer sich jedes Scherzes zu enthalten ernstiglichst befahl“, wie eine eigene Verordnung lautete. Doch den grössten Einlluss auf das gesannnte Hofleben übte wohl das spanische Element, welches unter Kaiser Leopold am stärksten zur Geltung kam. Der Kaiser selbst liebte die spanische Sitte, daher auch das ganze Cermoniel bei Hof nach spanischem Zuschnitt und Muster auf das Aengstlichste geübt werden musste Spanische Tracht und spanische Mode waren an der Tagesordnung. Man lauschte verliebten spanischen Romanzen und überschwenglichen Liebesliedern, man verschrieb sich italienische und spanische Dichter, Sänger und Vorleser und vernachlässigte dabei die eigene Muttersprache. Der spanische Einfluss machte sich aber auch auf die Politik zum Nachtheile Oesterreichs geltend, ‘) denn gerade der spanische Gesandte war es, der den Kaiser glauben machte, Oesterreich müsse seine ganze Streitmacht an die spanische Grenze werfen, angeblich, um die Erblande vor der Raubgier Frankreichs zu retten, in Wirklichkeit aber, um die eigenen (spanischen) Grenzen vor französischen Eroberungsgelüsten zu bewahren. Die Folgen dieses unverzeihlichen Irrthums liessen nicht lange auf sich warten, denn als im Jahre, 1683 die türkischen Schaaren über Raab bis Wien vordrangen, war so wenig Militär vorhanden, dass nicht einmal die Posten besetzt werden konnten. Leopold I. war ein kleines, unansehnliches k Blick und wankendem Gange, begabt mit vielen Tugenden eines Privatmannes, aber mit wenigen eines Regenten, ln seinen ‘blassen Gesichtszügen lag etwas Stolzes, Finsteres, Zurückschreckendes. Die dichten Augenbrauen, die unschön hervorragende Unterlippe, das spitze, vordrängende Kinn, sowie die ungeheuer aufge- thürmte Allongeperrücke erhöhten diesen unsympathischen Ausdruck. *) Seine Zeitgenossen schilderten ihn als ruheliebend, bigott, vergnügungssüchtig, prachtliebend und als einen Freund des Theaters und der Gelehrsamkeit. Nach Fürst Lobkowitz’, seines ersten Ministers, Sturze (1670) bestand er mit aller Hartnäckigkeit darauf, wie Ludwig XIV. selbst erster Minister im Staate zu sein, aber seine Fähigkeiten reichten nicht aus, und statt seine Minister zu lenken, wurde er fast immer selbst von ihnen geleitet und — missleitet. Sie waren fast Alle die gewissenlosen Diener ein es lässigen Herrn. So z. B. hatten Erzbischof Lippai von Gran, Palatin Franz Graf Wesseleny, der oberste Land- und Hofrichter, Graf Nadasdy und der Ban von Croatien Peter Graf Zrinyi mit dessen Schwager Stefan Tököly, Niklas Bethlen und Graf Tattenbach schon im Sommer des Jahres 1665 eine Verschwörung angezettelt, die auf die Losreissung ganz Ungarns von Oesterreich berechnet war, und erst drei Jahre später gelangte Leopold I. durch einen Zufall (durch Verrath eines griechischen Dolmetsches) zur Kenntnis, als es fast zu spät war. Noch schlimmer stand es mit den Reichsfinanzen. Die Einkünfte des Staates waren damals auf 120 Millionen ange- •) Des Kaisers zweite Gemahlin Margaretha war eine spanische Prinzessin, und die Wiener nannten sie „die kleine Spanierin“. Auch war es dem Einflüsse Leopolds zuzuschreiben, dass der spanische Franziskaner Spinola als Bischof nach Prag berufen wurde. 2 ) Das beste Porträt Kaiser Leopolds I stammt von Christof Lauch und zeigt den Kaiser lebensgross in dem mehr als reich mit Gold gestickten spanischen Galagewande als Stifter der Akademie der bildenden Künste. Das Bild, 211 Centimeter hoch und 127 Centimeter breit, befindet sich gegenwärtig im Stadtmagistrat und ist dessen Eigenthum; es rührt aus der Zeit zwischen 1690 bis 1695. Lauch war damals kaiserlicher Gallerie-lnspector, und er, der berühmte Kainmer- inaler der Kaiserin Eleonore hatte als solcher oft Gelegenheit den Monarchen in der Nähe zu sehen und seine Züge zu studiren. Er war 1647 geboren und starb 1730. Der Ausdruck des Gesichts gehört offenbar einem Menschen an, der, von Sorgen gedrückt, den Blick nach einer besseren Zukunft spähend wendet. Das Auge ist matt und wie in Nachdenken versunken. Die kleinen, schmächtigen, wenig bewegten Gesichtszüge werden durch die übergrosse Allongeperrücke noch kleiner und die unproportionirt hervortretende Unterlippe und das Kinn durch den Ernst der Miene noch augenfälliger. 278 Das Hof leben unter Leopold I. und unter Carl VI. schlagen, und kaum die Hälfte gelangte in die Staatscassa. Die Defraudationen wurden auf das Schamloseste betrieben, und der Leiter der Finanzen, der Hofkammer-Präsident Graf Sinzendo rf, ging hierin mit gutem Beispiele voran. Er trieb es so arg, dass er im Jahre 1680 strafgerichtlich verurtheilt werden musste. ’) Der finanzielle Nothstand des Staates stieg immer höher, und es traf sich manchesmal, dass der Staatssäckel ganz leer war und die Couriere nicht entsendet werden konnten, ja einmal sogar die eigenen l>0fcannttCt>lHujici sich in Gegenwart des Kaisers entschieden weigerten, die vorgeschriebenen Musikstücke abzuspielen; in der Zeit von 1676 bis 1690 konnte die damalige Hof- kammer (jetzt Finanzministerium) die den Augustinern schuldigen Mess- und Musikgelder nicht bezahlen, so dass diese Schuld bis zur Höhe von 6674 fi. anwuchs, und im Jahre 1704 war das Kloster gezwungen, seinen ganzen; Kirchenschatz und sein Silber in das kaiserliche Münzhaus zur Einschmelzung zu führen. Leopolds Hauptfehler war die Unschlüssigkeit, und gerade bei den wichtigsten Angelegenheiten blieb er fast immer mit halben Mitteln auf halbem Wege zaudernd stehen. Nur zweimal im Leben raffte er sich zur entschlossenen, muthigen That auf. Das eine Mal, als er den Minister Wenzel Euseb J^obkowitz in seiner Wohnung plötzlich gefangen nahm und ihn auf dessen Landsitz zur Intemirung überführte, und das andere Mal, als er den Grafen Na'dasdy wegen Hoch- verrathes zum Tode durch das Schwert verurtheilen liess. Ein noch abträglicheres Zeugnis stellte ihm der venetianische Gesandte aus. * *) Mit seiner Umgebung war der Kaiser sehr streng, und die Etkjuette liess er selbst im engsten Famflienzirkel nicht ausser Acht. Die untergeordnetsten Lakaien und Hausdiener mussten ihm in spanischer Tracht aufwarten. Er hielt es unter seiner Würde, demjenigen seiner Günstlinge, dem er einmal seine Gunst entzogen, seine Huld wieder aufs Neue zuzuwenden. Und doch besass dieser vom äussern Glanze seiner Würde so sehr voreingenommene Fürst ein weiches, wohlwollendes Herz; es wurde ihm schwer, einen Bittsteller abzuweisen. Eine andere ausgezeichnete Eigenschaft war sein ausserordentliches Gedächtnis, dem er seine Sprachkenntnisse verdankte, und es gab kaum einen Menschen, der wie er italienisch, spanisch, französisch, deutsch und böhmisch so geläufig sprach. Ein unbeweglicher, nicht zu erschütternder Gleichmuth aber war ein hervorstechender Charakterzug seiner eigenthümlichen Gemüthsart, denn seine Umgebung sah ihn selten lachen oder auch nur scherzweise lächeln. Sein Geschichtsschreiber, der Lehrer seines Sohnes Josef, Freiherr Wagner von Wagenfels, spricht des Kaisers Herz von vielen seiner Fehler frei, denn sie waren, wie er meinte, Irrthvimer, ein gemeinsames Erbtheil der Menschheit. 3 ) Das Hofleben unter Carl VI. Nach dem frühzeitigen Tode Josefs I. (17. April 1711) trat nun sein Bruder, der spanische Carl, die Erbschaft an. Am 26. Jänner 1712 traf er in Wien mit grossem Hofstaate ein. Die Mitglieder desselben waren geborene Spanier, die sich der besondern Gunst des Kaisers erfreuten, und die sich hier bleibend niederliessen, was auf das Hofleben nicht ohne Rückwirkung *) Das Strafurtheil des Grafen Sinzendorf lautete auf Diebstahl, Meineid, Betrug und Amtsveruntreuung und auf Ersatz von 1,970.000 Gulden. *) Unter den Acten dieses Staatsmannes findet sich folgende bezeichnende Stelle zur Beurtheilung der Eigenschaften des Kaisers. Es heisst darin wörtlich: „Die Unfähigkeit des Hasses, die mit Grausamkeit, die Unfähigkeit der Liebe, die mit Gemüthlichkeit gepaart war ;“ und an einer andern Stelle heisst es: „Seine Freigebigkeit basirt auf Kosten des fremden Sackes: Leopold gewährt Straflosigkeit denen Verbrechern, wenn sie zum Katholicismus übergehen, und die durch den West- phälischen Frieden garantirte „Gewissensfreiheit“ macht er illusorisch durch Eingriffe in unzweifelhafte Privatrechte.“ a ) Vide: G. J. Hauffs „Denkwürdigkeiten aus dem Leben Leopolds I.. römischen Kaisers“, Tübingen 1812, und A. Wolfs „Fürst Wenzel Lobkowitz, erster geheimer Kath Kaiser Leopolds ].*, ebenso Wagners ,, Historia Ltopoldi Magni Caesaris Augusti “ vol. II. t . 4 Das Hofleben unter Carl VI. 279 blieb. Aber noch eine andere Ursache wirkte entscheidend auf die Umgestaltung des Koflebens. Es war dies nämlich der Umstand, dass, als jetzt der äussere und innere Friede hergestellt war und somit geordnetere Verhältnisse wiederkehrten, die geistige Entwickelung nun ungestört ihren Fortgang nahm. Auch bei Hofe neigte man sich jetzt den Künsten und Wissenschaften zu, um das Versäumte nachzuholen. Man berief Metastasio an den Hof und las seine Gedichte oder liess sich dieselben vorlesen, erlustigte sich an glänzenden italienischen Op^rnvorstellungen und betrieb Musik und schöne Künste mit grosser Vorliebe. Auch Carl VI. neigte sich dieser Richtung zu, waren doch seine ersten Erzieher: Fürst Anton Liechtenstein und der weltkluge Jesuit Ernst Bauer, bemüht, ihn frühzeitig schon für die humanistischen Studien empfänglich zu machen. Es ist daher wohl erklärlich, dass der Kaiser gleich bei seinem Regierungsantritte sich mit ernsten Wissenschaften befasste und sich mit Gelehrten umgab, ') ausserdem noch eifrigst bemüht war, nach allen Richtungen hin die Forschungen der Gelehrten zu fördern. Beweis dessen sein näherer Umgang und seine eifrige Correspondenz mit Leibnitz, dem grossen Philosophen. s ) Kaiser Carl VI. bereicherte Wien mit kostbaren Sammlungen und rief wichtige Institute ins Leben, die ihm und dem Lande zur Ehre gereichten; so legte er z. B. den Grund zu einem Münzcabinet. Er selbst war ein grosser Freund der Münzkunde und man erzählte sich, dass er auf Reisen stets eine kleine, aber ausgewählte Münzensammlung mit sich führte. Doch nichts gereichte ihm mehr zur Ehre als die Stiftung der grossen Hofbibliothek. Er war es, der mit wahrhaft kaiserlicher Pracht diesen Tempel der Wissenschaft erbaute und ihn auch mit kostbaren Schätzen füllte. _ • « Alles was damals die Zeit an wiederauflebender Wissenschaft hervorgebracht, Alles was sonst in öden Klostermauern unwiderruflich für immer zu Grunde gegangen wäre, Eugens reichen Bücherschatz, seines Generaladjutanten von Hohendorf auserlesene Sammlung, die kostbaren griechischen Handschriften seines hochgeschätzten Freundes Apostolo Zeno, alles Schöne und Seltene, was ihm selbst auf seinen weiten Reisen durch Holland, England, Portugal, Spanien und Italien begegnete, alles dieses legte der Kaiser sorgsam mit wahrem Bienenfleiss in die grossen, weiten Räume hart an der Hofburg nieder, auf dass die Wissenschaft dem Throne nahe sei. Carl VI. war von starkem Körperbau, mittelgross, untersetzt, die Gesichtszüge etwas in die Länge gezogen, sein Wesen ernst, doch (jnilde, sein Gang gravitätisch, behäbig und männlich; aus den dunkeln Augen leuchtete ein scharfer Blick, aber Wohlwollen umspielte den schöngeformten Mund. Bei vorgerücktem Alter traten die Augenbrauen etwas stark hervor, ,und die Gesichtshaut färbte sich etwas dunkelbraun. Sein Naturell war dem Phlegma zugeneigt. Nicht selten überraschte ihn seine nächste Umgebung in melancholischer Stimmung, die er jedoch wohl zu be- frieistern verstand. ') Kaiser Carl VI. berief aus Italien Apostolo Zeno, den er mit seiner Freundschaft beehrte und zum Hofhistoriographen ernannte; Garetli, seinen Leibarzt, dem er die Leitung der Hofbibliothek übertrug; den gelehrten Abt von Göttweih Gottfried Bessel, den Verfasser des verdienstvollen Werkes „Chronicon gottvicmu"\ den Jakob Marinen i, den er zum Hofmathematicus, und Leander Aquissola, den er,zum Hofingenieur ernannte, worauf die beider» Letztgenannten sich im Jahre 1707 durch die Herausgabe eines Planes vom Wien grosse Verdienste erwarben; die Geistlichen Hieronymus und Bernhard Petz, Benedictiner aus Melk, die mit den Melker Geistlichen Philipp Huber, Martin Kropf und Anselm Schwab hier im MOlkerhofe eine Art Gelehrtenakademie im Kleinen gründeten; den Gelehrten Marquard Hergott aus dem Schwarzwalder Stift St. Blasien, den Verfasser des berühmten ,,Monum. aug. domus Austria ,“; Boerhave. Gentilotti; alle diese und viele andere verdienstliche Männer schaarte er um sich. 2 ) Der Kaiser beabsichtigte die Errichtung einer Akademie der Wissenschaften, die mit Verbannung aller scholastischen Streitfragen blos der Geschichte und ihren Hilfswissenschaften, sowie auch anderen gemeinnützigen Kenntnissen gewidmet sein sollte, daher er sich brieflich an den grossen ^lelehrlen Leibnitz wendete und mit ihm darüber in eine längere Correspondenz trat, die aber leider ohne Erfolg blieb. I 280 Das Hofleben unter Carl VI. Die Besucher der historischen Ausstellung im Künstlerhause im Jahre 1877 werden sich vielleicht noch jenes herrlichen lebensgrossen Bildes erinnern, welches Kaiser Carl VI. im goldgestickten spanischen Galacostüm in Lebensgrösse darstellte. Die imposante Gestalt des Vaters der grossen Maria Theresia mit dem goldenen Vliesse vorne auf der Brust machte auf jeden Beschauer gewiss einen gewaltigen Eindruck. ’) Aber auch die ^Schuhe mit den grossen Schnallen, breiten Fussmaschen' und hohen zinnoberrothen Absätzen, die farbigen Kniebänder, die hochaufgethürmte Allongeperrücke, der weit wegstehende Radkragen gemahnen an das steife spanische Hofcermoniel, dem sich damals Niemand entziehen konnte, am wenigsten der Kaiser selbst. Jeder Schritt und Tritt war vorgezeichnet, und selbst bei den heitersten Unterhaltungen, bei Jagden, Concerten, Opernvorstellungen hatte jede Bewegung ihre besondere Vorschrift. Die alljährlichen Festtage waren immer voraus- bestimmt und wurden mit unverbrüchlicher Genauigkeit gehalten und nach dein kaiserlichen Hoffeiertags-Verzeichn iss“ in Toisonfeste, Galatage und gewöhnliche Andachten und Solennitäten eingetheilt. a ) Jede dieser Feierlichkeiten war auch mit einem Kirchengang und feierlicher Hoftafel verbunden, wobei beide Majestäten öffentlich speisten, ohne dass Jemand mitspeisen durfte. Die Ceremonien bei einer solchen kaiserlichen Hoftafel waren ungemein streng, 3 ) und es waren stets Trabanten und Hatschiere mit ihren Lanzen und Hellebarden in ihren schwarzen, goldbordirten und rothen Mänteln rings um die kaiserliche Tafel aufgestellt. Wie lästig wohl den Majestäten diese Ceremonien in der Hofburg gewesen sein mochten, ist selbstverständlich, und es ist daher auch ganz erklärlich, wenn sie trachteten, so wenig als möglich in Iler Stadt zu verweilen, d. h. so bald als nur immer möglich (wenn es die Jahreszeit erlaubte) den Landaufenthalt aufzusuchen. Schon zu Ostern rüstete man sich zur Uebersiedlung auf’s Land, und gleich nach den Feiertagen zog man in das freundliche Laxenburg, wohin auch der ganze Hofstaat folgte. Wie gerne legte hier der Kaiser seine Majestät und Hoftracht a[j! Wie gerne vergass er hier der lästigen Etiquette und fühlte sich von allem Zwange frei! Fröhlich und munter schwanden die Tage dahin, und in den schönen, weiten Parkanlagen, in den grossen Waldrevieren gab man *) Es ist von Johann Jakob van Schuppen aus der Zeit von 1725 bis 1730, als der Kaiser im Lebensalter zwischen 40 und 45 Jahren stand und der Künstler bereits Hofkammermaler und Pirector der Akademie war. *) An den Toisonfesttagen hatten die Ritter des goldenen Vliesses mit den Insignien ihres Ordens und mit ihren prächtigen purpurrothen, goldgestickten Gewändern in der Kirche zu erscheinen. Derlei Feste gab es allmonatlich wenigstens drei (Hier vier; im December auch neun. Zu den Galatagen wurden die Namens- und Geburtsfesttage der allerhöchsten Herrschaften gerechnet, wobei' der Hofstaat und das diplomatische Corps' zum Handkuss und zur Tafel zugelassen vyurden. Die gewöhnlichen Andachten und Solennitäten erreichten alle Monate die Zahl von acht, oft auch noch 1 mehr, ®) Nach der kaiserlichen „Hoftafel-Vorschrift“ hatte der Oberst-Küchenmeister vorerst sich genau zu überzeugen, ob Alles zum Speisen vorbereitet sei, und hierauf dem Monarchen dies persönlich zu melden. Der Kaiser schritt sodann in Begleitung der Kaiserin zur Hoftafel, welche mitten im Saal auf einer Estrade (eine Staffel hoch) aufg^stellt war. Nachdem die Majestäten die Estrade erstiegen, wusch sich der Kaiser mit dem dargereichten Wasser die Hände, und beide setzten sich auf ihre bestimmten Plätze, die Kaiserin zuerst. Das Tischgebet wurde laut gesprochen, wobei der Kaiser das Haupt entblösste; sonst speiste der Kaiser während der ganzen Mahlzeit mit bedecktem Kopfe, nur wenn die Kaiserin auf seine Gesundheit trank, nahm er den Hht ab. Das aufwartende Hofpersonale bestand nur aus dem kaiserlichen Oberst-Küchenmeister, dein kaiserlichen Oberst-Stabelmeister, aus mehreren Kammerherren und zvfei Mundschenken. Es wurde auf Silber gespeist und knieend das Getränke servirt. Nur die Gesandten und der Nuntius standen hei der Tafel mit bedecktem Haupte, nahm aber der Kaiser den Hut ah, so entblössten auch sie das Haupt; dasselbe geschah auch, wenn der Kaiser trank. Gewöhnlich aber zogen sich der Nuntius und der Gesandte schon nach dem ersten Trünke zurück. Nach der Tafel wurde jedesmal wieder das Handwasser mit der Serviette präsentirt und das Tischgebet laut vom Kaiser gesprochen. An Sonn- und Feier-, sowie an Galatagen spielte grosse Tafelmusik. Zu Weihnachten wurde sogar gesungen, und der Chor der Hofcapelle stimmte jetzt die ersten Strophen des Liedes an: „Der Tag, der ist so freudenreich“, und zu Ostern sang man: „Erstanden ist der heilige Christ“ etc. Nur viermal im Jahre speiste der Kaiser gemeinschaftlich mit denjRittern des goldenen Vliesses, nämlich an den drei höchsten Festtagen und am Andreastage. I • Das Hofleben unter Carl VI. . 281 sich freudig dem Land- und Jagdleben hin. Der Kaiser selbst war ein eifriger Jäger und besass weite Gehege bei Mannswörth, aber anctl (noch weiter hinaus zog es ihn fort, hinauf in s steirische Hochland, nach Gemsen und Steinböcken zu pürschen. Seine robuste Gesundheit und kräftige Körpergestalt erlaubten ihm diese Strapazen. So bestieg er z. B. im Jahre 1728 in der Obersteiermark den gewaltigen Bergkegel „Reiting“, und noch heute cursiren beim Landvolke jener Gegend zahllose Geschichten über diesen kaiserlichen Jagdzug, die Leutseligkeit des Kaisers und seine enorme T reffsicherheit. Ganz besonders eine Anekdote von jener Hirschjagd, an der auch Carls Günstling Gral Veit Trautson theilnahm, verdient der Vergessenheit entrissen zu werden. Der Kaiser hatte eben einen Hirsch mit meisterhaftem Schüsse zu Boden gestreckt, als Trautson freudig ausrief: „Dös is a Schuss! War g’scheiter, Majestät wären a Jaga word’n!“ Auch der Monarch bediente sich bei guter Laune des Wiener Dialects. „Na 11 a,“ erwiederte er lächelnd, „i hab’ ja so a no z'leben.“ Zu Laxenburg schoss man nach Krähen, und die sogenannte Reiher- und Falkenbeize war hier besonders beliebt. Im Juli verliess der Hof auch diesen fröhlichen Landsitz und zog sich (um der Stadt näher zu sein) in die „Favorita“, jenes kaiserliche Lustschloss, dessen Bau sich noch zur Stunde in dem heutigen Theresianum forterhalten hat, und dessen Name die Favoritenstrasse vor dem Vergessen schützt. Noch fröhlicher ging es hier zu als in dem entfernten Laxenburg, und die Favorita war der Schauplatz der Täuschendsten Feste. Wie glänzend waren hier nicht z. B. Con- certe, Maskeraden, italienische und spanische Komödien und wälsche Opern, die mit ungeheurem Kostenaufwand in Scene gesetzt wurden. *) Wie beliebt waren nicht z B. die prächtigen Scheibenschiessen, die der Kaiser alljährlich gegen Ende Juli arrangirte und an denen der ganze Adel und auch die Kaiserin theilnahm, oder die noch beliebteren sogenannten „Best-“ und „Kränzelschiessen“, *) denen der Kaiser selbst präsi- dirte und bei denen es nicht selten sehr lebhaft herging. a ) Auch grössere Jagden fanden in der Favorita statt, denn das Gebiet bildete damals ein sehr weites und ausgebreitetes Jagdrevier, *) und auch die kaiserlichen Nebengebäude nahmen einen grossen Umfang ein. Sie dienten zum Bedürfnis des Hofes und des Hofstaates, der damals ungemein zahlreich war. Mehr als 2000 Personen befanden sich stets in bleibendem Solde. ’) Lady Montague erzählt (in ihren Wiener Briefen 1716), sie habe nichts Prächtigeres gesehen. Costüine und Decorationen dieser Schauspiele mochten den Kaiser über 300.000 Gulden gekostet haben. Die Bühne sei zuweilen auf das grosse Wasserbassin des Gartens verlegt worden, auf dein man italienische Opern mit Seetreffen aufführte, ja sogar (zum Ergötzen der erlauchten Zuschauer) ganze Schiffbrüche executirte, wobei es sich einmal ereignete, dass ein Schill wirklich scheiterte und dabei eine der berühmtesten Sängerinnen das Leben verlor. *) Eine authentische Beschreibung eines solchen „Kränzelsclhessens“, wie selbes am 11. August 1710 in der „Favorita“ abgehalten wurde, liegt mir zufällig vor; dasselbe wurde unter der Aufsicht des Obrist-Hofmarschalles Adam Franz P'ürsten Schwarzenberg und des kaiserlichen Geheimrathes Otto Christoph Volka, Grafen von Heidenreichstein, abgehalten, wobei Kaiser Carl VI. die zwei ersten Kränze mit den dazugehörigen Hauptfahnen gewann. Unter den Geladenen und mit Besten ausgezeichneten Cavalieren begegnen wir dem Infanten P.manuelvon Portugal, dem Marchese Rofrano, dem Bischof von Kollonitz, den Grafen Paar, Altliann, Palffy, Starheinberg, Mollart, Sinzendorf etc. etc. *) Wie besonders aniuiirt zuweilen die Stimmung bei solchen Anlässen gewesen sein mochte, dürfte am besten aus jener famosen „Hof- und Schützenordnung“ vom 30. Juni 1720 erhellen, welche in einem ihrer gedruckten 36 Paragraphen unter Anderem auch sagt; „Jedes Schelten und Sakramentiren ist auf das Strengste zu verbieten.“ ») Nach den alten Grundbüchern und Plänen erstreckte sich der Gartengrund der Eavoiita zur Zeit Carls VI. rückwärts weit über die heutige Besitzung des Barons Rothschild und über das Terrain der gegenwärtigen SchmüIIerlgasse (die erst im Jahre 1836 eröffnet wurde) und seitwärts über jene Grundfläche hinaus, auf welcher sich heute die Häuser Nr. 1 bis 7 der Taubstu mm engasse befinden. Uebrigens gehörten zum Bereiche der Favorita noch folgende kaiserliche Nebengebäude, die im Laufe der Zeiten an Private abgetreten wurden, u. zw.: Die kaiserliche (Eiegrubc befand sich an der Stelle des heutigen Hauses Nr. 17 in der Favoritenstrasse (gegenwäitig das Fickhaus der Theresianum- und P'avoritenstrasse 17). Die kaiserliche Stallmeisterei; sie nahm die Stelle ein, wo sich jetzt die kaiserliche Fiisengiesserei (Favoritenstrasse 3) und das 36 I 282 Das Hof leben unter Carl VI. Ein altes, überaus seltenes Büchlein von kaum hundert Seiten hat mir der Zufall in die Hände gespielt. Es führt den seltsamen Titel: L)0f-- Ult 5 (E^reuTtcloitbcr auf Öaö Jfafcr unfcrcs öeriigtitackrs Teilt ©eburt, yjiq, juiu ©ebraudje bet faiierl. ßot=6tatt=Ncgu : uttij etc. IPicu, gebrucft bei Tob. 25apt. Seligen, ltnimfitact Bitcbbrucfent in bet lEdrtiter Straf, int Tbof-Kpoibeteriidiett Tsailf.'^ Eine flüchtige Durchsicht dieses merkwürdigen Büchleins gibt uns den besten Aufschluss über das Hofleben und die Etiquette am damaligen Hofe des Kaisers Carl VI., aber es wirft auch, was noch viel werthvoller ist, grelle Schlaglichter auf die culturellen Verhältnisse des Staates, 'sowie auf den damaligen Stand der Künste und Wissenschaften Oesterreichs. Schon das Verzeichnis jener Personen, die berufen waren, Kunst und Wissenschaft am Hofe zu vertreten, zeigt uns, dass kein bedeutender Mann unter ihnen aus Oesterreich war, sondern dass der Hof fast ausschliesslich Ausländer (Italiener) berief. So sehen wir im Verzeichnis z. B. auf dem Gebiete der Geschichte als ftoftiftoricitö Franz Wilhelm Triangi aufgeführt, dessen Berühmtheit wohl eine sehr zweifelhafte gewesen sein muss, denn wer kennt seinen Namen oder ein Werk von ihm? Die Stelle eines deutschen Hofpoeten vertritt ebenfalls ein Italiener, der Venetianer Apostolo Zeno;’) auch ein zweiter Poet, Pietro Pariati, und ein deutscher Poet, Antonius Prokoff, wird hier genannt. Die ganze Armseligkeit jener Literaturepoche wird uns in diesem Namen offenbar, denn Niemand kennt denselben, weder die Literargeschichte, noch irgend ein Lexicon oder Nachschlagebuch, und doch muss er damals für etwas Besonderes gehalten worden sein. Auch auf dem Gebiete der Kunst begegnen wir derselben Kläglichkeit, und es werden auch fast durchgehends unbedeutende Namen genannt. So paradirt unter der Bezeichnung Kuitfri ©flllcric» Ultb KlUU>Kami1U’r--Tnipcctov der Maler Fabricius Cerini, von dessen Wirken auch nichts weiter als einige unbedeutende Historienbilder und Porträts auf die Nachwelt kamen. Von den Kammermalern sind genannt: Johann Friedrich Fischer, Ignaz Heinitz von Heitzenthal, Johann Anton Negelein und eine gewisse Maria Anna Kratochwillin mit dem seltsamen Hoftitel Tltbiaitihbe llainintriäTalerilt. Eine Ausnahme machen vier andere Namen, die nur wie von ungefähr so nebenbei genannt werden, und doch sind sie vier glänzende, ewig leuchtende Sterne am Himmel der Kunst, es sind dies: das unvergessliche Brüderpaar Georg und Ferdinand von Hamilton, der treffliche Abraham Godyn und der verdienstvolle Johann Jakob van Schuppen. Sie sind zwar alle Ausländer, aber doch durch ihren langem Aufenthalt und durch ihre vieljährige Thätigkeit an der hiesigen Akademie naturalisirt. 2 ) Wiedener Bezirksgericht (Favoritenstrasse 5) befinden. Das sogenannte kaiserliche otorfcl, das zur Wohnung« der kaiserlichen Beichtväter und als Logis der kaiserlichen Kammerdiener diente und im Jahre 1698 aufgebaut wurde. Später wurde ein beträchtlicher Theil an den kaiserlichen Kammerzahlmeister von Dier abgetreten, und auf seinem Grunde befindet sich heute das Taubstummen-lustitut (Favoritenstrasse 13). Dort, wo heute die Häuser 26, 28 und 30 der Alleegasse (früher untere AUee- gasse genannt) stehen, war damals ein Theil der Gärten der Favorita, und da, wo sich gegenwärtig die Häuser 1, 3, ö und 7 der Taubstummengasse befinden, war gleichfalls ein Theil des kaiserlichen Schlossgartens. Der kaiserliche DOljftßi'Cl nahm die ganze Kaumfiäche ein, auf der sich an der gegenüberliegenden Seite der Favoritenstrasse heute die Häuser Nr. 1 der Mayerhofgasse, Nr. 2 der Waltergasse und Nr. 21 und 26 der Favoriten strasse befinden. Die kaiseiliche illlUtMltCbC stand damals an der Stelle des heutigen Hauses Nr. 30 der Favoritenstlasse und Haus Nr. 1 und 3 der Waltergasse, und endlich das alte StdMgtUtrbWbßUS befand sich auf dem Baugrunde, wo gegenwärtig die Häuser Nr. 22 der F'avoriten- strassc und Nr. 2, 4, 6 und 8 der Mayerhofgasse 2 stehen; die letztgenannten drei Häuser wurden erst im Jahre 1782 nach Aufhebung des Stadtguardi-llauses in Baugründe abgetheilt und an Privatbaulustige versteigert. *) Seine „Drammi stellt“, seine „Dissertazioni Vossiane“ in zwei Bänden, sein „Giornale dei letterati tfltalia“ in vierzig Bänden, welche er mit seinem Bruder herausgegeben, mögen damals vielleicht bedeutend gewesen sein, heute sind sie verschollen und vergessen. 2 ) Ferdinand (Philipp) von Hamilton, zu Brüssel 1664 geboren, kam frühzeitig nach Wien und wurde von Kaiser Carl VI. zum Kammermaler ernannt. Kr malte Blumen, Früchte und Thierstücke und war bei seiner Vielseitigkeit gleich ausgezeichnet; er starb zu Wien 1750. Sein älterer Bruder Georg (Johann) von Hamilton, gleichfalls zu Brüssel 1666 geboren, ist vielleicht der beste Pferdemaler aller Zeiten und starb in Wien 1740 gleichfalls als Ilofkammermaler. Abraham Das Ilofleben unter Carl VI. 283 Ein viel befriedigenderes Bild gewährt uns jedoch der alte Kalender auf dem Gebiete der Musik. Hier sehen wir allenthalben ein reges Kunstleben entwickelt, und an der Spitze des Namensverzeichnisses sehen wir den Hofeapellmeister Josef Fux, eine damals musikalische Grösse ersten Ranges, und schon ein flüchtiger Blick auf das Register gibt uns Kunde von der splendiden Besetzung der Hofcapelle, die über 140 Musiker zählte. ') Diese merkwürdige Erscheinung erklärt sich wohl von selbst. Kaiser Carl Yl. hatte ein lebhaftes Interesse für Musik; selbst Musiker und Componist, konnte er leicht auf der Stufe der Vollkommenheit eine Capelle erhalten, welche bereits die Aufmerksamkeit Aller auf sich zog und sogar in Italien ihren Ruhm verbreitete. Werfen wir nun zum Schlüsse noch einen Blick auf die vielen Personen des Hofstaates, wie sie der alte Hofkalender aufzählt, und welche für den Kaiser Carl VI. selbst, für die Kaiserin Elisabeth Christine und für die Kaiserin-Wittwe Amalie Wil- helmine (Wittwe des verstorbenen Josef I.) bestimmt waren, so finden wir viele erlauchte Aclels- personen und hohe Würdenträger, aber auch viele überflüssige Hofämter und längst verschollene Titulaturen aufgezählt, die wir heute nicht einmal mehr dem Namen nach kennen.’) (Iodyn aus Antwerpen, der sich längere Zeit in Prag aufhielt, genoss als Historienmaler einen bedeutenden Ruf, und seine Bilder, deren mehrere sich im Belvedere befinden, gehen noch heute Zeugnis von seinem grossen Talente. Endlich Johann Jakob van Schuppen, in Antwerpen 1669 geboren, des berühmten Meisters Largillieres herfihmter Schüler, gab der wiedererstandenen Wiener Malerakademie im Jahre 1126 neue und zweckmässige Hinrichtungen und zählt selbst zu den besten Porträtmalern seiner Zeit. Carl VI. ernannte ihn zum Hofkammermaler und für seine vielen Verdienste zum Pirector der Akademie: der Künstler starb zu Wien im Jahre 1751. *) Der Stand der Musiker für die kaiserliche Hofcapelle war damals (1727) folgender: 4 Compositori, S Cantntrici, (Sängerinnen), 1 Concertmeister nebst Adjuncten, 4 Sopranisten, 6 Altisten, 8 Tenoristen, 8 Bassisten: dann von der Instrumentalbesetzung: 8 Organisten, 1 Cvmbalist, 2.8 Violinisten, 6 Violoncellisten, 2 Cornetisten, 4 Posaunisten, 5 Fagotisten. 7 Hautboisten, 14 Trompeter und J Borpautev mit den musikalischen Hofscholaren, den iHufici jubitalt und den SlltUtCpJVtU fionifkn. Vide: Köchers „Die Pflege der Musik am österreichischen Hofe vom XV. bis XVIII. Jahrhundert,“ Wien, 1866. s ) An der Spitze des kaiserlichen Obrist-Hofmeisterstabes stand der Graf Rudolf Sigmund Sinzendorf als Ohrist-IIofmeister. Es bestanden ausserdem die obersten Hofamter des Obrist-Kuchelmeisters (Graf Mollart), Ohrist-Stabelmeisters (Graf Appastoff), Übrist-Silberkämmerers (Graf Cavriani) und rnter-Silberkämmerers (Graf Pachta), nächstdem vier kaiserliche Mundschenke, ebenfalls Vertreter des Adels, zwei Vorschneider und 15 Truchsesse: zwei J'alres S, J. (Societatac Jesu) funguten als kaiserliche Hofprediger, ein Canonicus von St. Stefan als Ober-Hofcaplan und ausserdem neun Hofcapläne; Kapelldiener und Kapelljungen u. dgl. niedrige Stellen vervollständigten diesen grossen geistlichen Hofstaat des Monarchen. Daran schlossen sich noch eine Unzahl der merkwürdigsten Hofchargen aller Art. die bereits gänzlich verschollen und bis auf den Namen vergessen sind; ein kaiserlicher Hofcontrolor, ein Kuchelinspector, ein Hof-Kuchelschreiber, ödVdüVblUT, ThOhdÜH- tauft«, 3ehr.ir» *-fgS ? ■ .yt.sÄ >eS r _ ÄjSSsi p-.rr*^ K»5 g%i pF* ^ aqgiitaamwSri V»; r 3 ~- r^Ä^rrra» 5 j^ ÜB§^ v-fcte;-__, a"t 9 fe l*u-c -■»ff 35Bgii ^ -**■*; mma mm: >£■***»* yjp*** >"/ # ///* / 5 V* V«. V r —% apaahfe. #ywi » i i ®nö Te Deum in ber HnifErlirtjcn i)Qfiiunjc,iqeiic aninglirij bet hrüumnj btt ftaiferin Äaria Ct’im'iia am 22. ©obemlicr 1740. I . «' -*■' - - - » 28(3 Das Hof leben unter Maria Theresia. So leuchten uns flenn aus den alten, längst vergilbten Blättern des Hotkalenders von 1727 gar seltsame Bilder entgegen: eine lange Reihe starrer, glänzender Gestalten, illustre steife Cavaliere, wie sie das Marionetten-Ceremoniel an den Drahtfaden der Etiquette gelenkt und geleitet, dann die liebreizende Kaiserin Elisabeth Christine 1 ) und die Prinzessinnen, darunter aber auch ein frisches, munteres Kind mit grossen, grauen, lächelnden Augen und gesundheitstrotzenden Wangen, die spätere grosse Kaiserin Maria Theresia. Es sind dies Bilder, wie sie am Wiener Hofe bis in die Mitte des XV1I1. Jahrhunderts zu schauen waren, bis endlich das Franzosenthum auch in Oesterreich eindrang und seinen Einfluss auch am Wiener Höfe geltend machte und da dem Ceremoniel, den Künsten, den Wissenschaften und dem Volksleben eine andere, neue Richtung gab. ^ t Das Hofleben unter Kaiserin Maria Theresia. Kaum hatte Maria Theresia die Regierung, das Erbe ihres Vaters, angetreten, das ihr nach der pragmatischen Sanction von allen Mächten nicht blos bestätigt, sondern auch verbürgt worden war, so erhob sich treulos fast halb Europa gegen die erlauchte Fürstin. Die Schwiegersöhne Kaiser Josefs I„ nämlich Herzog Carl Albert von Baiern .und Friedrich August von Sachsen, waren die Ersten, die sogleich Ansprüche auf den Besitz Oesterreichs erhoben, eben so auch König Friedrich von Preussen, der jetzt Schlesien, und Don Philipp von Spanien, der jetzt die Lombardei für sich verlangte, während Frankreich als Bundesgenosse die Baiern mit Truppen unterstützte. So sah sich denn Maria Theresia bald in die bedrängteste Lage versetzt. Es bedurfte des ganzen Muthes, der ganzen Entschlossenheit, um so vielen Feinden die Spitze zu bieten. Sie eilte am 11. September 1741 nach Pressburg, wo sie vor den versammelten Reichsständen erschien, um die edlen Ungarn zur Hilfe zu rufen. Voll Zuversicht und herzgewinnender Anmuth war ihr Wesen, und von ihren schönen Lippen floss die zündende Rede. Sie sprach von ihrem Rechte und von der Treulosigkeit ihrer Feinde, von der Gefahr und der dringenden Hilfe für sich und ihr Kind. Diese Worte drangen zum Herzen, der glühendste Enthusiasmus bemächtigte sich Aller, die Säbel flogen aus der Scheide, und ein tausendstimmiger Ruf erscholl: ,.Moriamur pro rege uostro Maria Theresia!“ Doch schnell folgte die That den begeisterten Worten. Mehr als 3000 Edelleute stiegen zu Pferd, und das ungarische Volk eilte in Masse für sie zum Kampfe. % Am 11. December 1741 um 2 Uhr Nachmittags erschien Maria Theresia wieder in Wien, diesmal zu Pferd in ungarischer Tracht, mit einem auserlesenen Gefolge ungarischer Magnaten. Man hörte wieder die alten Namen Caroly, Andrassy, Forgäch, Nadasdy, Szirmay, Bellesznay, Batthyany, Uj väry etc. und von der St. Marxerlinie aus hielt sie ihren Einzug. Ganz Wien wogte in freudiger Bewegung seiner Kaiserin entgegen. Die Bürger zogen auf die Wälle und Basteien und gaben ihr bis in die Hofburg das Geleite. Von jetzt an heftete sich der Sieg an die Fahnen Oesterreichs. Grossbritannien, Russland und Sardinien waffneten sich für Maria Theresia. Khevenhül 1 er erfocht einen glänzenden Sieg bei Braunau und eroberte Prag aus den Händen der Franzosen. Diese glückliche uiicl muthvolle Ueberwindung all' dieser«mächtigen Hindernisse, die seit Anbeginn der Thronbesteigung sich der Kaiserin in den Weg gestellt hatten, machten einen gewaltigen Eindruck auf die Gemüther der Wiener, und mit grösserem Selbstbewusstsein und mit höherem Stolze blickten sie jetzt auf die geliebte Kaiserin und auf ihr theueres Vaterland zurück. Aber noch eine andere -1 ') Elisabeth Christine war eine braunschweigisch-lüneburgische Prinzessin vop seltener Schönheit. Die berühmte Reisende Lady Montague schildert sie als die schönste Frau ihrer Zeit und sagt, dass alle Nationen ihren Liebreiz bewundern. s ) Vide: J, B. K üchel b äcker’s „Allerneueste Nachrichten vom römisch kaiserlichen Hof, nebst einer historischen Beschreibung“ etc., Hannover, 1730, und „Oesterr. PIu|arch“ von Josef Freiherr v. Hormayr, II. Band, Seite 39, Wien, 1807. Vide auch: Wolf’s „Vierundzwanzig eigenhändige Briefe Elisabeths, Gemahlin Kaiser Carls VI .“ Wien, 1831 und J. E. Zschackwitz* „Leben und Thaten Kaiser Carls VI.,“ Frankfurt a. M„ 1723. t I I i Das Hofleben untei* Maria Theresia. - 9 * 287 • * * Wirkung übten diese Siege auf das Volk und'auf das IJofleben der alten Kaiserburg. Maria Theresia batte nämlich etwas von der prachtliebenden Natur ihres Vaters ererbt. Sie war eine Freundin von prunkhaften Festen und rauschenden Aufzügen und Vergnügungen und nahm daher gerne Gelegenheit, die glücklichen Siegesnachrichten jedesmal mit einem glänzenden Feste zu beschliessen. So verherrlichte sie z. B. die Siegesbotschaft über die Wiedereroberung Prags mit jenem grossartigen Damen-Carroussel in der Winterreitschule, von dem ich bereits gesprochen, und nach dem glücklichen Sieg bei Rossbach (5. November 1757) veranstaltete sie ein grossartiges Ballfest. Zu Ehren der Schlacht bei Hochkirch (14. October 1758) gab sie eine herrliche Maskerade, und die fröhliche Nachricht vom Siege bei Landshut (23. Juni 1760), wo Laudon gegen die Preussen unter Fouquc 10.000 Mann überwältigte und in Folge dessen auch die Hauptfestung Glatz im Sturm einnahm, feierte sie mit einem imposanten Gartenfest, wo zur Tafel über 2000 Personen geladen waren, und endlich den grossen Sieg Dagn’s auf dem Schlachtfelde bei Kolin (18. Juni 1757) verewigte sie sogar mit der Stiftung des Maria Theresien-Ordens und gab ein prächtiges Hoffest, wobei sämmtliche dienstfreie Officiere geladen waren. In Folge dieser ähnlichen häufigen Feste herrschte damals in der Hofburg ein ungemein bewegtes, stets lärmendes Leben, und die Burg war immer der Versammlungsort vielfacher Gäste, was sich auch einigermassen durch die zahlreiche Familie der Kaiserin erklären lässt; denn Maria Theresia schenkte ihrem Gemahle 16 Leibessprossen, darunter 11 Prinzessinnen, welche (mit Ausnahme einiger früh verstorbener) ihren eigenen zahlreichen Hofstaat hatten und mehrere von ihnen glänzende Heiraten mit gekrönten Häuptern schlossen: so wurde Prinzessin Maria Antoinette Königin von Frankreich, Maria Josefa Königin von Neapel und Maria Christine Herzogin von Sachsen-Teschen. Prinz Ferdinand Carl wurde Gouverneur von der Lombardei, Prinz Leopold Herzog von Toscana und Maximilian Churftirst zu Köln. Nach den noch vorhandenen Rechnungen waren in jener Zeit die Hofställe stets mit 2200 Pferden belegt und zum Dienste der Burg jährlich über 12.000 Klafter Holz erforderlich. Die Rechnung für Tafelfeste, Beleuchtung und Decorirung erreichte oft unerhörte Summen, und noch nie sah man in diesen ehrwürdigen Räumen, weder früher noch später, ein buntbewegteres Leben und Treiben, als zu den Zeiten der grossen Kaiserin Maria Theresia, und noch nie entfaltete sich grösserer Reichthum und feinerer Geschmack des kaiserlichen Hofstaates als damals. Maria Theresia beherrschte dies Alles mit sicherer Ruhe und Würde. Sie war in Wohlthaten verschwenderisch und wollte lieber, dass mitunter auch ein Unwürdiger beschenkt werde, als dass auch nur das winzigste Verdienst unbelohnt bleibe Dankbarkeit und Gerechtigkeitsliebe waren ein stehender Zug im Charakter dieser merkwürdigen Frau. Sie war nicht gelehrt, ihre Bildung ragte kaum zum Gewöhnlichen hinan, aber ihr durchdringender Verstand ersetzte die fehlende Schulweisheit und wusste immer den Schein von der Wahrheit zu unterscheiden. Die Verordnungen und Befehle, die sie meist selbst concipirte und mit eigener Hand niederschrieb, richtete sie immer so ein, dass sie nur den Kern der Sache feststellte, die Ausführung aber Andern überliess. Noch nie hat eine Frau die Herrscherkrone getragen, die grösser auf dem Throne und musterhafter im Privatleben war. ') Nur widerwillig konnte sie sich in die Heirat ihrer Tochter Maria Antoinette mit Ludwig XVI. oder in einen Briefwechsel mit einer Pompadour fügen; ihr Herz sträubte sich dagegen, aber ihr Verstand brachte dem Vaterlande dieses Opfer. Sie war die liebevollste Gattin und zärtlichste Mutter und bildete noch in späteren Jahren an ihren erwachsenen Kindern ') Vide: „Maria Theresias letzte Regierungszeit“ von Alfred Ritter von Arneth, Wien, 1879, bei Wilhelm Braumüller; dann: Ch. G. Richter’s „Lebens- und Staatengeschichte Maria Theresias“ in fünf Bänden, Leipzig, 1847. Vide: Kd. Duller’s „Maria Theresia und ihre Zeit“ in zwei Bänden, Wiesbaden, 1844; dann Carl Ramshorn’s „Geschichte der grossen Kaiserin und ihre Zeit“, Leipzig, 1861; endlich die schätzenswerthe Arbeit Adam Wolfs „Aus dem Hofleben Maria Theresias nach den Memoiren des Fürsten Jos. Khevenhüller“, Wien, 1839. 288 Dit kaiserliche Hofburgcapelle. * i i Rathgeberin und Freundin. Auch die ^Entfernten * * liess siet nie aus dem mütterlichen Auge. Nach Paris, nach Neapel, nach Parma flogen die Briefe, voll Muttersorge und zärtlicher Liebe, und alle drei Wochen eilte ein Courier regelmässig von Wien ab, um von ihren verheirateten Töchtern eigenhändige Kunde zu bringen, von ihrer Wohlfahrt und Gedeihen, und lag eine dieser Fürstinnen iin Wochenbette, wurden alle neun Tage Staffeten entsendet. Sie war mehr blond als alle Habsburger, glich aber mehr ihrer Mutter als ihrem Vater. Die Zeitgenossen schildern sie als eine schöne Frau von herzgewinnendem Zauber und sympathischem Aeussern. Ihre Gestalt war majestätisch hoch und schlank, grösser als ihre übrigen Geschwister, ihr Auge, wiewohl grau, von mildem, freundlichem Blick, ihr Antlitz, ein schönes Oval, durch geistigen Ausdruck und durch herrliche Farben belebt, sie hatte nicht mehr die hervortretende burgundische Unterlippe; die Stimme war hell, die Sprache rasch und von lebhaften Geberden begleitet, das Temperament unverkennbar sangujnisch, überaus reizbar, leicht aufgebracht, doch leicht wieder besänftigt. Und dennoch besass sie die unschätzbare Herrschergabe, ihre Stimmung zu meistern und, wie es die Situation erforderte, jetzt freundlich oder gebieterisch, dann aufmunternd oder zurückweisend zu erscheinen. Die besten Porträtbilder Maria Theresias befinden sich: im grossen Speisesaale zu Schönbrunn, dann im Stiegenhause der ungarischen Leibgarde (VII. Bezirk, Hofstallstrasse 7) und im Sitzungssaale des Wiener Stadtmagistrates. Es ist von Meytens 1 ) gemalt; lebensgross steht sie da, in Goldbrocat gekleidet, mit einem weissen Spitzenüberwurf und weiten Spitzenärmeln, einem Geschenk der Wiener Weberzunft, die es ihr einst als Brautgeschenk überreichte, • und welches auch Zumbusch gegenwärtig bei seiner monumentalen Colossalstatue für den künftigen äussern Burgplatz so glücklich in Anwendung brachte. Das Bild ist von wunderbarer Weichheit und Rundung, von grosser Farbenpracht, aber auch von überraschender Naturwahrheit: die ganze hohe Seele scheint aus dem Antlitz zu sprechen. Die wenigen Andeutungen über die grosse Kaiserin und ihr Hofleben dürften zu ihrer Charakterisirung genügen, da ein weiteres Eingehen in die Begebenheit viele Folianten beanspruchen würde. Ich eile daher zum Schlüsse dieses Capitels, indem es mir darum zu thun ist, noch von den weitern einzelnen Bauobjecten zu sprechen, und zwar von der kaiserlichen Hofburgkirche und von jenen Objecten, die zwar zur Hofburg gehören, aber ausserhalb derselben gelegen sind, von dem Kaiser- und Volksgarten und dem Paradiesgärtchen auf der Löwelbastei. Die kaiserliche Hofburg-Capelle erfreut sich eines sehr hohen Alters. Ihre ersten gewissen Spuren reichen bis in die Zeit Albrechts zurück, doch fehlen bezüglich ihrer Gründung verlässliche Urkunden. 5 ) Pkst Maria Theresia gab der Kirche durch Renovirung ihre heutige Gestalt, indem sie marmorne Altäre an die Stelle der hölzernen setzte und den Hauptaltar mit dem herrlichen Crucifix von Raphael Donner (aus Erz) schmückte. Später kam auf den linken (Katharinen-) Altar das treffliche Bild Maurers und rechts an die Stelle des noch aus dem XVI. Jahrhundert datirten geschnitzten Marienbildes das berühmte Füger’sche Bild ,Johannes“, das aber in letzterer Zeit in die kaiserliche Belvedere- ’) Martin von Meytens, in Stockholm 1689 geboren, Schüler des Peter Martin Meytens, wurde Hofkammermaler und Director der Wiener Akademie und starb zu Wien 1770; er war ein Günstling Maria Theresias. Von seiner Hand existiren noch mehrere andere vortreffliche Originalbilder über Maria Theresia, Josef 11. und Maria Antoinette. *) Eine Urkunde fand sich wohl vor, aus welcher wenigstens die Existenz dieser Capelle schon im Jahre 1298 erwiesen ist. ln dieser Originalurkunde ddto. 21. December 1298 gab Herzog Rudolf, Sohn Albrechts, dieser Capelle und ihrem Capellan Martin die Gerichtsbarkeit über alle ihre Grundsolden und in einer andern Urkunde ddto. Speier den 19. December 1301 nennt er sich „den Stifter dieser Capelle“ („cujus fundator existimus”). Im Jahre 1639 wurde die Sacristei in ein fürstliches Oratorium verwandelt, und zwei neue Oratorien hinzugefügt. Der Kaisergarten. — Der Volksgarten. 289 Gallerie wanderte und so das ehrwürdige Marienbild wieder an seine alte Stelle gelangte. Ein vortreffliches Originalbild von Altomonte (welches meines Wissens noch nie publicirt wurde, daher heute schon als Seltenheit gelten mag) biete ich sub Figur 00 in einer genauen Copie. Es zeigt uns die innern Räume der Burgcapelle, wie sie zur Zeit Maria Theresia’s bestanden, und stellt das Tedeum vor, welches zur Krönungsfeier am 22. November 1740 abgehalten wurde. l ) Ei Der Kaisergarten. Wir gehen nicht fehl, wenn wir heute den schönen Kaisergarten als einen dein Gedächtnisse der Wiener halb entschwundenen Theil der Hofburg nennen. Die Verhältnisse brachten dies eben mit sich. Er war dem Publicum stets verschlossen und von den Gliedern der kaiserlichen Familie selbst in letzterer Zeit gar nicht mehr besucht, so glich er einem verlassenen Posten, von dem man nicht mehr spricht. Und doch war er einst der Lieblingsaufenthalt der Erzherzoge Ludwig, Rainer und Franz Carl und sein grosses Gewächshaus (Wintergarten genannt) war an Schönheit und Zweckmässigkeit ein in Fachkreisen damals noch angestauntes Wunder der Horticultur. Dasselbe besteht aus fünf Theilen: der mittlere nimmt den Blumensaal ein, der durch Tausende von herrlichen Pflanzen, sowie durch schöne Wandverzierungen und Bildhauerarbeiten geschmückt ist; diesem schliessen sich zu beiden Seiten rechts und links Glashäuser an, in welchen zwei Drittel der Pflanzen auf Gestellen und nur ein Drittel (Bäume und grössere Gewächse) im Grunde stehen. Der Kaisergarten befindet sich über dem ehemaligen Basteigraben; das Terrain ist durch Erdanschüttungen trefflich benützt und in Terrassen, Alleen und englische Parkanlagen eingetheilt. Auf einem der freundlichsten Plätzchen ist das Reitermonument Franz I., des Gemahls der grossen Maria Theresia, aufgestellt; die Statue wurde aus dem ehemaligen alten Paradiesgärtchen hieher übersetzt und wurde von dem vaterländischen Künstler Balthasar Moll verfertigt und in weichem Metall gegossen. Sie trägt an der Vorderseite die Aufschrift: Divi. Francisci I. Rom. Imp. Statuae. Franciscus. I. Aust. Imp. Avi. Opti. Maximi. Memoriam. Veneratus. Hunc. Locum. Optavit. Vt. In. Svorum. Conspectv. Semper. Esset. D CID ID CCCXIX. Die ältern obern Glashäuser über dem Antiken- und Mineraliencabinete stossen an die Gemächer der Hofburg und sind, sowie auch der Augustinergang, durch eine bequeme Stiege und einen unterirdischen Gang mit dem Salon zur Rechten verbunden. Das Wohnhaus für den k. k. Hofgärtner befindet sich an der linken Seite des grossen Gewächshauses, bedeckt den Rest der alten Basteicourtine und schliesst sich an die rechte Flanke der ehemaligen Augustinerbastion unmittelbar an. Die Pläne des Kaisergartens wurden vom Hofbaudirector Ludwig von Remy nach den eigenen Bestimmungen des Kaisers Franz I. entworfen und ausgeführjq Der Volksgarten ist noch heute den Wienern werth und theuer und wird noch immer als vorzüglicher Vergnügungsund Erholungsort besonders der ältern Wiener betrachtet. ‘) Das Originalbild, 42 Centimeter hoch und 31 Centimeter breit, von Altomonte aus dem Jahre 1740, zeigt uns diese Festlichkeit mit den verschiedenen Gruppen nach,der Natur. Vorne beim Altar die Würdenträger des Reiches, die Erbtruchsesse und der Landmarschall, und rückwärts die kaiserlichen Hatschiere mit ihren Hellebarden. Links im Vordtf- grund sehen wir Maria Theresia sitzend, umgeben von den Räthen der Krone- 37 290 Der Volksgarten. Trotz seines verhältnismässig noch jungen Lebens hat er dennoch eine grosse Geschichte hinter sich. Auch er verdankt seine Entstehung den Sprengungen der Bastionen durch französische Geschütze, denn auf den ehemaligen finstern Trümmern der alten Festungswerke und über dem wüsten Stadtgraben erhoben sich in den Jahren 1819 und 1820 allmälig die heute so lieblichen, freundlichen Gartenanlagen des Volksgartens. Am 1. März 1823 wurde derselbe feierlichst eröffnet, nachdem ein Jahr vorher vom Kaffeesieder Corti durch den Hofarchitekten Nobile ein Kaffeehaus mit kaiserlicher Bewilligung hier erbaut und einige Monate vorher der Theseustempel daselbst vollendet worden war. Das Kaffeehausgebäude bildet, wie Figur 91 zeigt, einen auf drei Stufen stehenden halbkreisförmigen, gedeckten Porticus, welcher an der äussern Seite von 22 jonischen Säulen getragen wird. Die beiden Enden bilden eine schmale Front von drei Fensterbreiten, mit zwei jonischen Säulen geziert. Damals war nur in der Mitte des Halbkreises der Eingang (auf acht Stufen) errichtet, später aber kamen auch an den beiden Seiten- wänden Eingänge hinzu, wie sie noch heute (auf drei Stufen) bestehen. Die Rückwand ist mit den trefflichen lebensgrossen Porträts der Kaiser Franz I., Ferdinand I. und Franz Josef 1., sowie ihrer Gemahlinnen Carolina, Maria Anna uird Elisabeth geschmückt, während die Vorderseite mit hohen Glasfenstern geschlossen ist. An diesem Gebäude hat sich während seines sechzigjährigen Bestehens nichts wesentlich geändert, nur erhielt bei Gelegenheit einer Reparatur die Bedachung eine moderne Platt- Mg. 01. Das Kaffeehaus im Volksgarten. form. Was die Gartenanlagen betrifft, so haben sie sich im Laufe der Zeiten vielfach umgestaltet; der frühere steife Geschmack, der sich in einer gewissen Regelmässigkeit und Einförmigkeit gefiel, wurde durch schönere, sogenannte englische Parkanlagen verdrängt. So kam es, dass also die hohen geradlinig aufgestellten, noch in den Vierzigerjahren bestandenen Pappelbäume und monotonen Wiesenplätze verschwanden und an ihre Stelle schöne Linden- und Ahornbaumgruppen, zierlich umrankte Wasserbassins und elegante Blumenparapete traten, darunter ein Hauptbassin, dessen Springbrunnen mit einer trefflichen Bildhauerarbeit Tilgners geziert ist; dieselbe stellt eine Wassernixe dar, wie sie von einem Faun geraubt wird. Die Composition ist äusserst wirksam und auf das Sorgfältigste ausgeführt; besonders effectvoll sind die weichen, runden Mädchenformen neben denen, der knorrigen Männergestalt. Doch den Glanzpunkt des Volksgartens bildet der Theseustempel mit Canova’s unsterblicher Meisterarbeit, dem Siege des Theseus über den Centauren. Der Theseustempel ist, wie wir in Figur 92 sehen, eine äusserliche Nachbildung des noch heute zu Athen befindlichen Tempels, welchen einst Cimon dem Theseus geweiht, doch sind die beiden Anticellen (aus Terrainrücksichten) weggelassen worden. Der Porticus wird an beiden Langseiten von je, zehn, und an beiden Schmalseiten von je sechs Säulen dorischer Ordnung getragen. Im Innenraum aber, U4ZZZ nrp l 4 I Der Theseustempel. 29 L * durch schönes Kuppellieht erleuchtet, prangt Canova’s colossale Meistergruppe. Wer kennt die Arbeit nicht, und wer bewundert sie nicht gerne wieder, wenn er sie auch hundertmal gesehen, hätte? i mm wz£<- ä? ^ Ar üiSüirfll l^gilPlawia» lai.m- S ktx m§& r-'.rL;--.g.-«säa»gfcM!8Mfe JFig. 92. Der Theseustempel im Volksgurten. Canova’s Theseusgruppe. Wir stehen hier vor einem der vollendetsten Meisterwerke aller Zeiten und fragen uns: worin liegt wohl das Grosse und Uebervvältigende dieser Darstellung? Es liegt einzig und allein in dem überaus geschickt und glücklich gewählten* Momente der Handlung selbst. Der Künstler hat hi^r den Augenblick festgehalten, in welchem, Theseus seinen Gegner zu Boden schleudert, um ihm,' kräftig ihn an der Kehle erfassend, mit der Keule des Periphetes den gewaltigen < letzten Todesstreich zu versetzen. Krampfhaft wühlt die linke Hand des Besiegten noch im Boden, und krampfhaft stemmt sich die Rechte in den starken Arm des Siegers, während die Hinterfüsse noch zum letzten Widerstande gewaltsam aber fruchtlos sich emporzuringen bemüht sind, und aus dem weitgeöffneten Munde des Centauren glauben wir den letzten Schmerzensschrei zu hören. Canova's sonst so weiche, zarte und runde Formgestaltung ist hier im carrarischen Marmor fast gar nicht wieder zu erkennen, so markig und kräftig ist hier Alles zum Ausdrucke gebracht. Die sehnige, muskelstarke Heroengestalt Theseus', sein übermenschlicher Zorn, das von Angst und Schreck erstarrte Antlitz des Centauren. Und so vollendet in seinen Formen, ebenso naturwahr ist auch Alles in seiner Darstellung, so dass wir gestehen müssen, es könne nicht anders sein, als wie wir es eben vor unseren Augen sehen; alles erhält Leben und Bewegung, selbst der Mantel scheint sich während des Ausfalles fortzubewegen. 37 * I 292 Canova’s Theseusgruppe. Eine sub Figur 03 beigegebene genaue Abbildung dieses Meisterwerkes dürfte das Gesagte nicht Lügen strafen. *) ♦ Fig. 93. Canova’s Theseusgruppe im Y r olksgarten. *) Eben so merkwürdig wie dieses Kunstwerk selbst ist auch seine Geschichte. Es dürfte vielleicht wenigen Lesern bekannt sein, dass niemand Geringerer alsNapoIeon selbst es war, der beiCanova die Bestellung dieses Werkes für den Corso zu Mailand machte. Er hatte sich eben im Dome zu Mailand die Krone aufs Haupt gesetzt und wollte den Mailändern ein Andenken zurücklassen, ein sichtbares Zeichen seiner Gewalt, eine Art Apotheose seiner unüberwindlichen Herrschermacht über das ohnmächtige Europa. Das Werk wurde vom Meister bereits im Jahre 1805 angefangen, aber wichtige Arbeiten verzögerten die Vollendung, und so kam es denn, dass Kaiser Franz I. bei Gelegenheit seiner Anwesenheit in Rom dieses edle Werk für seine Hauptstadt gewann und sogleich den überaus schwierigen Transport selbst anordnefe und leitete. Das Paradiesgärtchen. I 293 Das Paradiesgärtchen nahm das Ende der Löwelbastei ein. Es war, wie Figur thum des kaiserlichen Hofes), welches der Familie Cor Jahre 1823 gegen geringen Pacht überlassen wurde. Da war ein herrlicher Ausblick über die Vorstädte und Gebirgszüge, Cobenzl, Leopolds- und Kahlenberg, und mitten auf dem Platze zwischen schattigen Bäumen und Blumenrabatten war ein grosses Musikorchester aufgestellt, wie Figur 95 zeigt, woselbst, sowie ■üi '.»Üi-fjll Fig. 94. Das Paradiesgärtchen. 94 zeigt, eine Artj Gartenhaus (Eigen- ti zur Errichtung eines Kaffeesalons im unten im Volksgarten, einstensdieheiternWal- zermelodieen eines Johann Strauss undjo- sef Lanner die Herzen unserer Mütter und Gro’ssmütter ergötzten. Beide Orchesterräume bildeten die Wiege des spätem Rufes dieser beiden Walzerheroen, die in ihren Melodieen noch heute im Herzen unserer Wiener fortleben. Fig. 95. Das Paradiesgärtchen auf der Löwelbastei. Strauss und Lanner. Beide sind die populärsten Musiker der Welt. Ihre Namen reichen weit über den Ocean hinüber, und ihre herzgewinnenden Melodien entzücken noch heute die Hörer und beflügeln die Schritte der Tänzer, aber auch bei den ältern Wienern, die nun nicht mehr tanzen, machen sie die Pulse l I I I 294 t Strauss und Lanner. heftiger schlagen und erwecken theure Erinnerungen an eine glückliche Jugend. Strauss und Lanner sind die Repräsentanten des echten Wiener Humors. Mit diesen beiden Namen lässt sich in gewissem Sinne das ganze vormärzliche Wienerthum der letzten fünfzig Jahre zusammenfassen ich meine das Wienerthum von seiner liebenswürdigsten Seite, von der Seite seines Frohsinns, seiner Leichtlebigkeit und seines göttlichen Leichtsinns. Strauss und Lanner werden daher auch immer gleichzeitig genannt, und doch sind sie von einander so grundverschieden. Während die feurigen Töne des temperamentvollen Strauss im Sturme erobern, schleichen sich nur langsam die sanften schmachtenden Melodien des sentimentaleren Lanner in die Herzen der Hörer ein. Die Strauss’schen Weisen sind immer geistreich und pikant und ihre Themen so glücklich gewählt, dass sie das Weiterspinnen der musikalischen Gedanken erleichtern. Die Lanner’schen Compositionen dagegen sind vielleicht tiefer gedacht und empfunden, aber breiter, mit schwierigeren und reicheren harmonischen Unterlagen und contrapunktischen Ausschmückungen geziert. Die Strauss’schen Walzer brausen wie im Sturme dahin, die Lanner’schen ziehen sich sanft fort in weichen, lieblichen Accorden. Bei Lanner wie bei Strauss gingen die Erstlingswerke aus bescheidenen Verhältnissen hervor. Die Wiener Täuberl- und Kettenbrücken-Walzer t (Opus 1 und 3), der Döblinger Reunion-Walzer (Opus 2) waren noch sehr einfach und ohne schwierigere Harmonisirung, doch melodisch und herzgewinnend; sieatro an Dero fö'itiglicber ißurg eine toellii^e gelungene (Dpera mit ansubörert unb lief) mit fonberbarer 5ufriebenbeit Jit belectiren geruhten/' doch scheinen diese Räume nicht hinreichend gewesen zu sein, denn schon im Jahre 1743 erfolgte eine Erweiterung dieses Theaters durch Niederreissung einer Scheidemauer auf der Seite der jetzigen Sommer-Reitschule und der alten ehemaligen Schatzkammer. Nach Selliers wurde Baron Lo Presti Pächter, und unter seiner Leitung wurden die Theaterräume im Frühjahre 1748 abermals erweitert und am 14. Mai desselben Jahres mit der Gluck’schen Oper „Semiramis“ eröffnet, der eine Reihe glänzender Opere Serie und buffe , sowie auch reichausgestattete Ballete unter dem Tanzmeister Hi 1 verding folgten. Leider hatte Baron Lo Presti mit einem grossen Deficit zu kämpfen, so dass Maria Theresia den Pachtvertrag als erloschen erklärte und das Ballhaustheater in die eigene Regie übernahm. Noch immer hatte dieses Hoftheater nicht seine heutige äussere Gestalt. Diese erhielt es erst im Jahre 1756, wobei die Bühne um etwa sechs Klafter gegen den Michaelerplatz hinausgerückt und mit der noch heute bestehenden schönen Tagade verseilen wurde, wie sie uns in Figur 97 entgegentritt. Das Haus erhielt vom Michaelerplatz aus ein Stockwerk mit schönen hohen Bogenfenstern, ein mit einem Adler gekröntes schöngeziertes Dach und einen grossen Balcon, und die inneren Räume erhielten die Gestalt, welche sie noch heute besitzen. Im Jahre 1752 vereinigte die Kaiserin beide Hoftheater unter einer „Hof-Direction“ unter Leitung der Grafen Franz Eszterhäzy und Jakob Durazzo, und das Burgtheater erhielt jetzt eine französische Theatergesellschaft, daher man das Kärntnerthor-Theater das deutsche und das Burgtheater das französische nannte. ’) Die französische Komödie kostete sehr viel Geld, und obgleich Maria Theresia im Jahre 1754 einen Zuschuss von 16.000 fl. bewilligte, sah sich Graf Durazzo dennoch genöthigt im Juni 1759 sich ausgiebigere Hilfe zu erbitten. 1 ) Die Franzosen eröffneten am 14. Mai 1752 ihre Vorstellungen mit „Essex“ von Corneille; es war eine tüchtige Schauspielgesellschaft mit reichem Repertoire, die unter der Glanzepoche der französischen Komödie unter Ludwig XVI. geschaffen wurde. Ich erinnere nur unter den Mitgliedern an die glänzenden Namen eines Ehepaars Bienfai t und Ribou und an die später dazugekommenen Rousselois, Clavareau und Sou le. Auch ein treffliches Ballet unter dem Balletmeister Angiolini hatten sie mitgebracht. Doch befahl Maria Theresia „an Freitagen und gebotenen Fasttagen nicht zu spielen“. Fig. 96. Das Giuoco di ballo-Haus. HÜHpll Das Burgtheater. 301 Nach längerer Ueberlegung bewilligte die Kaiserin einen jährlichen Aufwand von 150.000 fl., aber nicht mehr, indem sie ausdrücklich gebot, dass bei Anschaffungen von Decorationen mit der äussersten Sparsamkeit zu Werke gegangen, und bei allen Neuanschaffungen, die 200 fl. überstiegen, ihr vorerst ein Kostenüberschlag vorgelegt werden müsse. Sie setzte die eigenhändigen Worte hinzu: „Denn es ist gar keine Schande, wenn die Leute sehen, dass auch da gespart wird, was nöthig ist.“ Nach dem Tode ihres Gemahls (1765) entfernte Maria Theresia die französische Theatertruppe und wollte das Theater auf zwei Jahre schliessen. Doch der Adel drang nach längerer Hoftrauer auf die Wiedereröffnung und Wiedereinführung des französischen Schauspieles. Diese erfolgte nun auch wirklich im Mai 1767, und es wurde ein Contract mit Oberstlieutenant Giuseppe d’Afflisio geschlossen, der die Leitung dieser Bühne übernahm. Eine neue Singspiel- Gesellschaft und ein Ballet unter der Leitung des berühmten Balletmeisters Noverre wurde vorgeführt. Fig. 97. Das Burgtheater. Sjjtr*. *£**!•« JjaffiBj ifli - jr«) £.t «aarasi Doch auch diese Unternehmung d’Afflisio’s ger.ieth sehr bald in Gelduoth, und er associirte sich daher mit Bender, dem jüngeren Baron Lo Presti und endlich mit dem berühmten Compo- nisten Christof Ritter von Gluck, dessen Gesellschaftsvertrag am 11. October 1769 abgeschlossen wurde. Die neue Compagnieschaft setzte ein eigenes ökonomisches Directoriüm ein, um über Ersparungen zu berathen und trug sich mit der Hoffnung (da namentlich Gluck eine sehr beliebte Persönlichkeit bei Hofe war), der Hof werde doch endlich in die Entlassung der so kostspieligen französischen Truppe willigen. Diese Hoffnungen aber schlugen fehl, die Ersparungen blieben fromme Wünsche, die Schulden erreichten endlich die Höhe von 110.000 Gulden. Gluck selbst beklagte sich darüber bitter in einem Schreiben an den Fürsten Kaunitz. 1 ) *) Es ist uns ein Originalbrief erhalten geblieben, in welchem Gluck an den Fürsten über die Verluste schreibt, die er bei d’Affiisio erfahren: „Oleine Srau bat fatt tyr ganjes üerm< 5 gen öabei juaebrocft unb bitte babei allbereits barüber ihre ffiefunbbeit rerlobrett." 302 Das Burgtheater. Da erschien noch in letzter Stunde ein rettender Engel in der Person des Grafen Kohary. Er übernahm die Leitung und setzte ein Theatercomite fest, in welchem auch Sonnenfels Platz nahm. Nun begann der eigentliche Kamp! des alten Regime mit dem neuen, von dessen Sieg die ganze Zukunft des künftigen deutschen Schauspieles abhängen sollte. Das eigentliche deutsche Kunstschauspiel nämlich wurde bisher noch immer verkannt und mit Füssen getreten, denn während im Kärntnerthortheater nach dem Tode des Hanswurst Stranitzky (16. Mai 1726) Gottfried Prehauser an. dessen Stelle kam und in seinen von ihm selbst geschriebenen extemporirten Stücken, namentlich in seinen Verkleidungs- und Charakterrollen excellirte und im Jahre 1734 sich Friedrich Weisskern hinzugesellte, der den neuen Charakter des Odoardo schuf, späterhin auch Josef Kurz 1737 die Kärntnerthortheaterbühne betrat, welcher die neue komische Figur des Bernardon erfand, indem er zu der Dummheit des Hanswurst auch noch die Spitzbüberei hinzufügte und sich selbst die Stücke dazu schrieb, wie z. B. „Sepnarbott bet 50{ä()rigc XS<£=Sd)iltj/' „Sertiarbfm’ö ttngläctsfätte/' „Sernarbon, ber faktutpche ©rojjtnogul" etc.: so schien es, als ob die Zeit der improvi- sirten Hanswurstiaden sich neu beleben und jetzt erst recht festsetzen würde. Von der Kärntnerthortheaterbühne hatte also das deutsche Schauspiel nichts zu hoffen, noch weniger vom Burgtheater, denn hier waren bereits die französischen Tragödien und die blendenden Ballets erbgesessen, denen der allmächtige Staatskanzler Kaunitz ein mächtiger Protector war, und der alle Hebel in Bewegung setzte, um die französische Truppe in Wien bleibend zu erhalten, die noch obendrein der Adel beschützte. Auch Maria Theresia hatte nicht jenes literarische Verständnis, dem zufolge sie sich dem deutschen Geiste und der deutschen Nation eine Heimstätte zu gründen verpflichtet gefühlt hätte, sie sah nur die glänzende Aussenseite der ausländischen Stücke und betrachtete letztere lediglich als ein Mittel flüchtiger Unterhaltung, nicht aber als jenes nothwendige, ja unerlässliche Mittel der Volksbildung und Veredlung. Dass, die Kaiserin es nicht eben ernst mit dem Theater nahm, geht aus mehreren ihrer Handlungen unzweifelhaft hervor. ’) Erst der gänzliche finanzielle Ruin der Kohary’schen Theaterwirthschaft musste hereinbrechen, um die deutsche Theaterfrage in Fluss zu bringen. Sonnenfels hatte den Muth, offen für das deutsche Schauspiel auf den Kampfplatz zu treten und in einer Art Proclaination bekannt zu geben, dass es nun die höchste Zeit wäre, endlich eine deutsche Schauspielbühne zu gründen. Er sagte unter andern in derselben, und dies ist für die damalige Zeit gewiss hochbedeutsam: „Der ') Sie gestattete z. B. in Faschingszeiten dem Entrepreneur Baron Lo Presti, dass er das Burgtheater schon um fünf Uhr beginnen dürfe, damit die Leute auf die Maskenbälle gehen konnten, und befahl sogar, dass ein Verbindungsgang mit den Redoutensälen hergerichtet werde, damit das Theaterpublicum, welches auch dem Maskenbälle beiwohnen wollte, nicht erst nach der Vorstellung nach Hause gehen müsse, sich urnzukleiden, sondern gleich vom Theater im Maskencostume die Maskensäle besuchen könne. Die Verordnung datirt vom Jahre 1748. Noch auffallender ist die Verordnung vom 1. Juli 1759, laut welcher sie dem Theaterdirector Grafen Durazzo zur Erhöhung des Cassaertrages die Errichtung einer „Spielcassa“ bewilligte; die Stelle lautet: „J* beroiUigf, bajj in öem Ibeater attcf» Satten gefpielt roerbe tote in lUailanö, au* »erbotene Spiele, jebocb mit ber Seftridton, bag nur um bares Selb gefpielt »erbe, bajs bas Spiel nirftt langer bauere als bie £omö6ie, ttttb baß nur jene perfotten fpielen burfen, toelcpe aucb in bie Keboute geben tonnen unb allba in bie Säle eingelaßen tocrben." Zum Zwecke des Spieles wurden seitwärts des Parterres oder der sogenannten Galierie noble eigene Spielsäle eröffnet. Nachträglich aber wurde damit auch für jene, „fo coramet3fpiele 5 U ma*ett luft haben, genugenb piatj »orbanben fei," weiter befohlen, dass die Berechtigung zu Tailliren (Karten austheilen) nur auf Kammerherren und Officiere vom Obersten aufwärts eingeschränkt und eine eigene Spielordnung erlassen werde, welche dann wirklich in deutscher und französischer Sprache an den Eingängen des Theaters und der Spielsäle, sowie an den Säulen der Redoutensiile angeschlagen wurden. Die Abgabe an die Spielcassa bestand darin, dass jeder, der sich zum Tailliren niedersetzte, zehn Ducaten sowohl in Sommers-, als in Winterszeiten entrichten musste. Wir sehen aus dem Wenigen, wie wenig es damals dem hohen Adel trotz Gottsched und Sonnenfels um die deutsche Schauspielkunst ernstlich zu thun war, und wie wenig Verständnis selbst in den gebildeten Kreisen vorhanden war, um auf eine baldige und glückliche Erhebung der deutschen Bühne mit Grund rechnen zu können. Das Burgtheater. 303 Hanswurst hat sich überlebt und das studirte Stück schon die Oberhand gewonnen. Der feinere Theil der Nation fängt an, an dem Nationalschauspiel mit einiger Wärme Antheil zu nehmen und die Weisheit des Monarchen hält diesen Theil der allgemeinen Ergötzungen ernstlicher zu berücksichtigen, nicht unter ihrer Würde. Diese Betrachtungen erfordern unsere vorzüglichste Aufmerksamkeit für das Deutsche, d. i. für das Schauspiel der Nation. Man wird es daher weder an Aufwand, noch an Sorgfalt fehlen lassen, eine Gesellschaft gewählter Schauspieler zusammenzubringen. Sie werden, um sich den nöthigen Anstand zu eigen zu machen, in der Hauptstadt häufige Muster vor Augen haben. Die Schauspielerin wird an der Dame, der Schauspieler im Kreise der Cavaliere die Urbilder zu der Leichtigkeit des Umganges und zu der feinen Höflichkeit studiren können, und wir haben von der Güte des hiesigen Adels zu erwarten, er werde sich um das Nationalschauspiel nicht allein durch seinen Schutz verdient machen, sondern auch an der Bildung des Schauspielers nähern Antheil nehmen. Man würde es als einen Mangel an Achtung ansehen, wenn wir die Ballete an deutschen Schaubühnen auf dem bisherigen Fusse fortsetzen würden etc.“ Diese Proclamation brachte einen gewaltigen Sturm hervor. Der französisch gesinnte Kaunitz sprach laut seine Missbilligung aus, indem er dieselbe: cette belle picce d'eloquence de Mr. de Sonnenfels nannte. Mittlerweile wirtschaftete Graf Kohary gleichfalls mit seinem Unternehmen ab, er verfiel in Concurs, und der Sequester Graf Keglevich erklärte im Jahre 1776 das absolute Unvermögen, die Theater weiter fortzuführen. Und so wurde der Pachtvertrag des Grafen Kohary für erloschen erklärt und das französische Theaterpersonale entlassen. Aber die unermüdlichen Anstrengungen Sonnen fei s’ blieben nicht fruchtlos. Er fand einen Helfer in der Noth in der Person Kaiser Josefs II. selbst (damals noch Mitregent). Der Kaiser beschloss also im Jahre 1776, nur die deutsche Schauspielgesellschaft in eigener (des Hofes) Administration beizubehalten und das Theater als deutsches Hoftheater fortzuführen. Somit blieb das Burgtheater vom Jahre 1776 fortan die unbestrittene Stätte des deutschen Schauspiels, Kaiser Josef II. aber der wohlwollende Schöpfer und mächtige Beschützer desselben. Das Theater führte nun auf ausdrücklichen Befehl den stolzen Namen .Nationaltheater“ als Erinnerung, dass es der deutschen Nation gewidmet sei. Interessant ist es, wie sich dieser neue, kräftige Gedanke des Kaisers inmitten der engherzigen feindlichen Ansichten Bahn brach und endlich doch zum Siege gelangte. Den ersten Anlass gab das Ballet. Es sollte so bald als möglich aufgehoben werden, da es sich mit dem Geiste des neuen Systems nicht vertrug. Der hohe Adel stemmte sich aber aus Leibeskräften gegen eine solche Zumuthung. Sie hielten das Schauspiel ohne Ballet für absolut unausführbar und (was die Hauptsache schien) für unrentabel. Dazu kommt noch, dass der berühmte Balletmeister Noverre (den die Franzosen den König der Tänzer nannten) wiederholt von Paris nach Wien reiste und zahlreiche Anhänger für die Beibehaltung des Ballets beim hohen und höchsten Adel warb. Förmliche Intriguen wurden geschmiedet, um den Kaiser für diese Beibehaltung zu stimmen. So z. B. unterbreitete der gesammte Adel eine Petition, die direct an die Adresse des Kaisers gerichtet war. .Es steht zu befürchten,“ hiess es, „dass Niemand ins Schauspiel ohne Ballet gehen werde.“ Der Kaiser aber schrieb auf das merkwürdige Aktenstück die prophetischen Worte: „Sie werden schon kommen!“ und legte das unnütze Schriftstück ad acta. Und da der Kaiser erklärte: „Ich habe ja ohnehin das Burgtheater in eigene Regie übernommen,“ so war hiermit jeder weitern Einwendung die Spitze abgebrochen. Aber bald sah man es, der Kaiser habe Recht behalten. „Sie sind wirklich ins Theater gekommen“ der hohe Adel sowohl als auch der Bürger, und beide hatten sich überzeugt, dass das deutsche Schauspiel auch ohne Hanswurst und ohne Ballet bestehen könne und seine Berechtigung habe durch das geistige Wort, durch die zündende Kraft der Rede, die mehr noch vermag als die Füsse des Tänzers oder die zweideutigen Spässe des Hanswursts. — Schon zu Ende des Jahres war das Nationaltheater der ausgesprochene Liebling der Wiener, und Kaiser 304 Das Burgtheater. Josef II. hatte die lohnende Genugthuung, Recht behalten zu haben. Er schrieb auch an seinen Bruder, den Erzherzog Leopold, unterm 5. December 1776 nach Florenz einen Brief, in dem er ihm die glücklichen Cassenerfolge freudenvoll mittheilte. Charakteristisch bleibt es für die starke Willenskraft des Kaisers, dass er auch nach dem Gelingen seines Werkes nicht abliess, mitten in den dringendsten Berufsgeschäften thätigst für das Unternehmen zu sorgen. ’) Die Schauspieler lohnten die Aufmerksamkeit ihres Kaisers mit ausserordentlichem Fleiss. Die Truppe bestand aus 22 Personen, und schon während der Fasten waren sie bemüht, die nöthige Anzahl Stücke einzustudiren, und bereits am Ostermontag, den 8. April 1776, traten sie zum ersten Male als k. k. Hofschauspieler im Burgtheater auf. Der erste Theaterzettel nennt als Eröffnungsstück „Die Schwiegermutter“, ein neues Lustspiel in drei Aufzügen, dein das einactige Lustspiel „Die indianische Wittwe“ folgte. 2 ) Wie fleissig übrigens die neue Gesellschaft im Einstudiren von Novitäten war, zeigt der *) So z. B. fertigte Josef II. am 11. September 1776 während eines Uebungslagers aus Königgrätz eine Estaf- fette an den Oberstkämmerer Grafen Rosenberg ab, worin er den Befehl erlheilt: „Schauspieler Müller möge sogleich nach Hamburg abreisen, um Brockmann spielen zu sehen und für unser Theater zu engagiren, falls er das wäre, was sein guter Ruf von ihm sagt, in der Folge aber auch mehrere Theater zu besuchen, von jedem eine getreue Charakteristik einzusenden und vorzüglich eine gute Soubrette aufzunehmen.“ Wie der Kaiser übrigens auch in die Leistungen seiner Schauspieler einging und für die Hebung der Bühnenliteratur besorgt war, beweist, dass er dem Schauspieler Lange für sein vortreffliches Spiel in dem Klinger’schen Stück „Die Freiwilligen“ 100 Stück Ducaten einhändigte und auf Anrathen Lessing’s am 13. Februar 1777 einen Befehl erliess, der sich durch seine Originalität auszeichnet, umsomehr, als derselbe den Kaiser selbst zum Verfasser gehabt haben soll; er lautet wörtlich: „Die k. k. Hoftheater-Direction will durch öffentliche Erklärung alle fähigen Geister in Deutschland ermuntern, der Nationalbühne Ruhm befördern zu helfen, und wenn sie für Wien gute und brauchbare Originalstücke liefern wollen, so sollen sie zur Vergeltung Folgendes erhalten: für ein ungedrucktes Stück von gewöhnlicher Grösse ganzer Schauspiele (es sei ein Lustspiel oder Trauerspiel) die Einnahme, wie sie nach den gesetzten Preisen am Abend der dritten Vorstellung baar eingeht, ohne den mindesten Abzug baar ausbezahlt am nächsten Tage; kleine Stücke von Werth können um die Hälfte geschätzt werden. Jeder Verfasser kann übrigens noch versichert sein, dass die Annahme oder Verwerfung seines Stückes ohne hochgespannte Kritik nur in Rücksicht auf unser Theater und Publicum geschehen soll, auch dass die k. k. Censur mit nachsichtsvoller Billigkeit ihren Ausspruch zu thun gewohnt ist.“ Im Jahre 1778 gab der Kaiser dem Theater ein Organisationsstatut, das unter dem Namen „Das Josefinische Theatergesetz“ bekannt ist, und das (mit Ausnahme geringfügiger Aenderungen) noch bis zu Anfang unseres Jahrhunderts in Kraft verblieb. Auch dieses Statut soll den Kaiser zum Verfasser haben, und einzelne, noch heute zu beherzigende Stellen lauten: wie z. B. vom Trauerspiel: Es sei reich an Handlungen erhabener Gesinnung, ohne ins Grässliche, ins Uebernatürliche zu fallen, und soll Mitleid und Furcht erregen, aber nicht Abscheu und Entsetzen. Die alten guten französischen Dichter Hessen nicht einmal einen Mord öffentlich Vorgehen, viel weniger hatten sie todte Körper ganze Acte hindurch aufgestellt. Dergleichen Schaustellungen revoltiren. Das Trauerspiel habe eine edle Sprache zu führen, aber keinen voll Phantasie verwebten Wortkram. Das rührende Schauspiel, dessen Handlung zwischen dem Täglichen und Seltenen innesteht, besondere Charaktere, möglichere rührendere Handlungen als das Trauerspiel, ohne in das Romanhafte zu fallen, Die Empfindungen, die es erregt, seien angenehm, ohne zu erschrecken. Jeder Charakter desselben sei belehrend, und das Ganze zwecke zur Sittenlehre ab, ohne abgeschmackt und ermüdend zu werden. Die Sprache sei erhebender als die der gewöhnlichen Lustspiele, ohne den Schwung des Tragischen zu haben. Das gewöhnliche Lustspiel enthalte im Gegensatz zum rührenden Trauerspiel Charaktere aus dem gemeinen Leben, doch nicht ohne Interesse, es enthalte Satire, ohne Pasquill zu werden, errege durch Witz und Satire Lachen, nicht durch Posse und Unanständigkeiten, es zwecke zur Besserung ab durch Schilderung seiner lächerlichen Charaktere, ohne den Anschein eines Lehrgebäudes zu haben, die Sprache sei von der Natur und nicht vom Pöbel genommen. Stücke von dieser Gattung werden sich immer am Theater erhalten, sie können aber nicht aufkommen, so lange Possenspiele, Raritätenstücke daneben aufgestellt werden, denn der Haufe bleibt zu sehr am Aeusseren hängen;" weiter verordnet der Kaiser: „Keiner der Schauspieler, wenn ihm Beifall gespendet wird, soll während des Actes oder nachher noch einmal erscheinen, um sich vor dem Publicum zu bedanken, indem dadurch der Eindruck der darzustellenden Handlung gestört wird." Nach dem Tode der Kaiserin Maria Theresia (1780) wurden auf Befehl des Kaisers Josef II. die bisherigen drakonischen Normen Maria Theresia’s aufgehoben, dass nämlich zu Fasten und Adventzeit, an Freitagen und Feiertagen nicht gespielLwerden dürfe, dafür gönnte Josef II. seinen Schauspielern statt der Fastenvacanz eine Erholung von sechs Wochen in der milderen Jahreszeit. 2 ) Der Anfang war nicht mehr wie früher um 6 Uhr, sondern auf 7 Uhr bestimmt und die Preise (da kein Ballet gegeben wurde) bedeutend herabgesetzt. Die Loge im ersten Parterre, sowie im ersten und zweiten Stock 3 fl., ein Parterresitz 1 11., zweiter Stock 30 kr., dritter Stock 20 kr., vierter Stock 7 kr. Das Burgtheater. 305 rasche Wechsel des Repertoires; sie entwickelten die grösste Rührigkeit und spielten fast regelmässig sechsmal in der Woche, obwohl sie ursprünglich nur viermal zu spielen verpflichtet waren, und bemühten sich unablässig, wie wir sehen, durch ein abwechselndes Repertoire ') das Publicum anzuziehen und in Athem zu erhalten, galt es ja doch die Durchführung eines neuen Systems, den Sieg des deutschen Geistes über die Fremdherrschaft! An regem Eifer und aufrichtiger Hingebung Hessen es die Schauspieler und der Kaiser an Aufmunterung nicht fehlen; Letzterer verordnete sogar, zum Zeichen besondern Wohlgefallens, „dass jeder Schauspieler, der in einer Rolle sich ganz besonders auszeichnete und den einstimmigen Beifall des Publicums erwarb, vom Hofmaler Hickel gemalt und sein Porträt im Burgtheater aufgehangen werde.“ Hiedurch schuf Josef II. eine köstliche Sammlung, die bald zur stattlichen Porträtgallerie emporwuchs, aber er selbst setzte sich damit auch ein bleibendes Denkmal wahren Kunstsinnes und edler Herzensgute. Diese Sammlung existirt noch heute als eine der bedeutsamsten Zierden unseres Burgtheaters und dürfte die Wiener zumal gewiss interessiren. *) Aber noch ein anderer Umstand schien die edle Schöpfung des Kaisers vornehmlich zu begünstigen. Es war dies die neuerwachende deutsche Literaturepoche, jene Geistesströmung, mit der auch eine neue Erkenntnis heranreifte, dass nämlich das Schauspiel nicht blos ein Gegenstand der Unterhaltung, sondern ganz vorzüglich ein Correctiv für Bildung und Gesittung des Volkes sei. Um dieses zu erreichen, musste aber vor Allem der Schauspielerstand selbst gebildet werden. Jede Kunst hatte damals ihre Pflege und Schulung, die Malerei so gut wie die Sculptur, die Musik wie die Architektur, der Schauspieler allein wuchs aber wild auf. Fast jeden Abend versammelten sich in Deutschland vor der Schaubühne eine Anzahl von mindestens 60.000 bis 80.000 Menschen, um die Eindrücke der Darstellung zu empfangen: und es sollte gleichgiltig sein, welcher Art diese Eindrücke wären? ') Interessant ist hier das erste Repertoire: man gab nämlich schon am 10. April 1776 „Der Hausvater“ von Diderot, am 13. April „Minna von Barnhelm“, am 14. April „Die Essighändler“, am 15. April „Die falschen Vertraulichkeiten“, ein Lustspiel nachMarivaux von Götter (welches noch in den Fünfzigerjahren oft gegeben wurde), am 16. April „Der Minister“ von Freiherrn von Gebier, am 20. April ein neues fünfactiges Trauerspiel: „Olivie“, von Brandes, am 24. April „Der Neugierige“ von Stephanie dem Jüngeren, am 4. Mai Beaumarchais’ Lustspiel „Der Barbier von Sevilien“ oder „Die unnütze Vorsicht“, welches die Grundlage zur Rossini’schen Oper gleichen Namens gab, am 23. Mai „Jurist und Bauer“, ein sehr beliebtes Lustspiel von Rautenitrauch, und so ging’s in einem Zuge fort. Von den 22 Mitgliedern der damaligen Gesellschaft waren: Christian Stephanie der Aeltere (launige Väter), Friedrich Müller (sogenannte Chevaliers und alte Gecken), Gottlieb Stephanie der Jüngere (polternde Alte und rauhe Soldaten), Josef Lange (feurige Liebhaber), Josef Weidmann (Komiker in derben und feinen Rollen), Christine Friederike Wei dner in, verwittvvete Huber, die von der Neuber sehen Truppe 1748 nach Wien kam. Sie ist auch literarhistorisch als die Jugendliebe Lessing’s interessant. Beide Liebende trennten sich von einander, als sie, ein 17jähriges Mädchen, Leipzig (1748) verliess, um dem Rufe nach Wien zu folgen. Hier war es, wo sich beide 1775 wieder begegneten und er sie als Mutter Claudia in seiner „Emilia Galotti“ wiedersah. Sie spielte edle Mütter, Caricaturdamen und eifersüchtige Ehefrauen und war sonst vielseitig verwendbar. Anna (Nanni) Jaquet die Aeltere, eine äusserst anmuthige Erscheinung, im Fache der Naiven unnachahmlich, später mit dem Sänger Adamberger vermählt. Madame Stephanie (junge Heldinnen und coquette Anstandsdamen), endlich Demoiselle Katharina Jaquet die Jüngere (eine äusserst talentvolle Darstellerin tragischer Heldinnen). Sie starb 1786 leider zu früh im 26. Lebensjahre. Sie war dieselbe, welche Kaiser Josef 11. ihrer Ausbildung wegen zweimal nach Paris sandte, wofür sie sich auch zeitlebens dankbar erwies. 2 ) Diese Porträtsammlung, mit dem Jahre 1786 begonnen und noch heute fortgesetzt, befindet sich gegenwärtig im Hofe der Sommerreitschule im ersteh Stockwerke neben der früheren Tagescassa in den beiden Entreezimmern, die in die Hofsäle führen, und sind wahre Meisterwerke der Porträtkunst, grösstentheils lebensgrosse Brustbilder. Besonders beachtenswert!» sind: Madame Weidner als Königin Elisabeth in „Gunst des Fürsten“, Sacco als Medea, Madame Adamberger als Rosine in „Jurist und Bauer“, Demoiselle Kathi Jaquet als Ariadne; von den älteren Schauspielern die Porträts des Prehauser, Weisskern, Müller, Lange, Steigentesch, Bergobzoomer, Weidmann, Brockmann; von den jüngeren Heurteur, Costenoble, Korn, Wilhelmi, Anschütz, Löwe, Fichtner, La Roche, Herzfeld. Dieselben sind zugleich die verlässlichsten Theater-Costümbilder jener Zeit. 39 306 Das Burgtheater. Schillers Zuruf an die Künstler: „Der Menschheit Würde ist in Eure Hand gegeben, Bewahret sie! Sie sinkt mit Euch, Mit Euch wird sie sich heben!“ schien gleichsam direct an die Adresse der Schauspieler gerichtet. Darum glaubte man auch und war fest davon überzeugt, dass es im allgemeinen Interesse liege, die Bildung des Schauspielers bis zur höchsten Blüthe der Humanität zu treiben. Was daher Eckhof durch seine „Akademie“, suchte Lessing durch „Kritik“, durch seine „Dramaturgie“ (1767—1768) zu erreichen. Auch Freiherr v. Dalberg in Mannheim (1783—1785) war eitrigst bemüht auf praktischem Wege den Schauspielerstand zu heben, damit er der Kunst und der Zeit gewachsen sei, damit er selbstständig werde, auf dass er seine Begeisterung an der eigenen Flamme entzünde, und nicht erst an der Begeisterung eines gebildeten Leiters. Er zog daher die Schauspieler Iffland, Beil und Back heran, um mit diesen auch auf das übrige Schauspielerpersonale praktisch zu wirken. Dasselbe ideale Streben machte sich auch in der Josefinischen Schöpfung bemerkbar. Das k. k. Hof- und Nationaltheater stieg daher zu einer ungeahnten glanzvollen Blüthe und Würde empor. Mit Josef II. aber starb den Schauspielern der Schützer und Gönner hinweg. Leopold II. machte die Schauspieler zwar pensionsfähig (1791—1792), nahm aber sonst keinen weitern Einfluss auf dieselben. Kaiser Franz I. dagegen dachte sofort daran, das Theater zu verpachten, leider fand sich kein Pächter. Birst im Jahre 1794 erfolgte mit 1. August die Verpachtung an Peter- v. Braun unter dem Titel eines „Hoftheater-Directors“, ohne dass jedoch der Hof sein Aufsichtsrecht über die Bühne aufgegeben hätte. Dieser kaiserliche Einfluss war aber nur mehr eine Art Polizeigeschäft geworden, und die künstlerischen Interessen sanken allmälig in ihre frühere Haltlosigkeit zurück. Die Kritik wurde verboten, eine strenge Theaterordnung und Censur eingeführt und Kotzebue als Alleinherrscher zur Bühne berufen, der die Abende der Woche höchstens noch mit Ziegler oder Madame Weissenthurn theilte. Die Werke der grossen Classiker wurden vernachlässigt oder von einer allzu ängstlichen Censur auf das Unbarmherzigste verstümmelt und verschiedene Polizeivorschriften erlassen, von denen einige ganz merkwürdig sind, die aber mit der Kunst nichts zu schaffen hatten. *) Mit 1. Jänner 1807 begann die Direction einer Theaterunternehmungs-Gesellschaft, die aus Cavalieren bestand. Es .waren sechs Personen: Eszterhäzy, Schwarzenberg, Lobkowitz, Zichy, Laudon und Palffy, doch zahlten diese Cavaliere ihre Passion sehr theuer, und mit dem Jahre 1817 kehrte die Leitung wieder unter die Hofregie zurück. Mit dieser Zeit begann aber aufs Neue eine Reaction zum Bessern, eine Erhebung der Kunst und Förderung der künstlerischen Interessen; der bisher nur allzu realistische Sinn neigte sich wieder den idealistischen Bestrebungen zu, und so gestaltete sich allmälig für das Schauspielwesen eine neue Glanzepoche, welche die erste weit *) So lautet z. B. eine Verordnung: „Obschon gestattet ist, Jemanden im Theater zum Platzhalten zu schicken, so wird doch zur Vermeidung aller Unglücksfälle verboten, Kinder unter 16 Jahren dazu zu gebrauchen.“ Eine andere Stelle sagt: „Es ist zwar nicht untersagt, den Beifall zu äussern, jedoch muss hiebei alles Larmen und Getöse verboten werden. Das dreimalige Applaudiren ist blos eine Ehrenbezeigung des Publicums gegen den allerhöchsten Hof, dasselbe .wird daher gegen das Theaterpersonale untersagt. Da übrigens allen Mitgliedern des Hoftheaters verboten ist, nach geendigtem Stück unter was immer für einem Vorwand noch einmal auf der Bühne zu erscheinen, noch weniger eine Art Dank oder Rede an das Publicum zu halten, so ist alles sogenannte Herausrufen oder Herausklatschen als eine vergebliche Handlung zu unterlassen. Nur dann, wenn ein Theatermilglied das erste Mal die Bühne betritt und sich um den Beifall des Publicums verdient gemacht hat, so will man geschehen lassen, dass selbes hervortrete und sich noch einmal zeige. Da die Bezahlung des Eintrittsgeldes Niemandem ein Recht geben kann, eine unanständige Handlung zu begehen, so wird das Pfeifen, Zischen. Stossen mit Stöcken und Füssen und dergleichen als Zeichen des Missfallens, welches öfter die Wirkung einer Laune oder Cabale ist, bei wirklicher Arretirung und Strafe verboten.“ Das Burgtheater. 307 überstrahlte. Um diese Zeit finden wir bereits einen Heurteur, einen Korn, Frau Koberwein und Juliane Löwe als Schauspielerin ersten Ranges für tragische Rollen. Bald kam auch (1815) Sophie Schröder nach Wien. Ihr Ruhm als tragische Mutter verbreitete sich bald über ganz Deutschland, leider heiratete sie allzu früh (1829) den am Wiedner Theater als Heldenspieler beschäftigten Wilhelm Kunst, in Folge dessen Madame Schröder um eine Audienz bei Kaiser Franz I. ansuchte, welche sie auch erhielt. An diese Audienz knüpft sich die Erinnerung an eine höchst amüsante Scene, die sich zwischen dem Kaiser und der Schröder abspielte, wobei der Kaiser seinen köstlichen Humor leuchten liess. Kunst heiratete wahrscheinlich nur deshalb die grosse Burgtheatertragödin, um selbst durch sie ins Burgtheater zu gelangen. Sophie Schröder machte auch wirklich deshalb alle möglichen und unmöglichen Schritte, die sich aber als nutzlos erwiesen. Endlich stützte sie ihre letzte Hoffnung auf die vorerwähnte Audienz, auf ihren Ruhm, auf ihre Beliebtheit und Unentbehrlichkeit. Bittend nahte sie sich den Stufen des Thrones, fand aber von Seite des Kaisers kein Gehör. Sie glaubte also auf den Kaiser eine Pression üben und ihn einschüchtern zu können, indem sie sagte: „Majestät, wenn mein Mann, der jetzt im Wiedner Theater engagirt ist, nicht bald ins Burgtheaterkommt, nehme ich meine Entlassung.“ Der Kaiser antwortete ruhig und begütigend: „Seg’n’s, meine liebe Frau, da ham’s schon Recht, ’s Weib g'hört zum Mann.“ Natürlich war damit jede Conversation abgebrochen. Sie bat wirklich um ihre Entlassung, die aber nicht angenommen wurde, und nahm später einen Urlaub, von dem sie jedoch nicht mehr zurückkehrte. Sie wandte sich nach Petersburg und später nach München und blieb im Jahre 1833 auf ihrer Durchreise einige Wochen in Wien, wo sie im Burgtheater ein Gastspiel gab, das ihr auf längeres Bitten endlich bewilligt wurde, obwohl Kaiser Franz in Dingen wie Contractbruch keinen Spass verstand. „Diesmal, weil’s halt die Schröder is,“ meinte der Kaiser, „will ich ausnahmsweise ein Aug’ zudrücken und meine Zustimmung in Gottesnamen ertheilen.“ Im Jahre 1836 wurde sie abermals engagirt, trat aber schon 1839 in den Ruhestand. Doch kehren wir zu unserem Gegenstände zurück. Das Hauptverdienst an der Hebung der Bühne gebührt unbestritten Schreyvogel, der der Hofbühne sowohl neue Bühnenstücke als auch neue Schauspielkräfte von Bedeutung zuführte. Er wurde rücksichtlich seiner allbekannten literarischen Kenntnisse zum k. k. Hoftheater-Secretär ernannt, und im Jahre 1817 reiste er in Gemeinschaft mit Treitschke nach Deutschland, um dort geeignete Kräfte für die Bühne auszuwählen. Ihm verdanken wir hierdurch eine Reihe der glänzendsten Talente, deren Namen fortleben werden in der Geschichte dieses Hoftheaters. Dieselben sind folgende: Heinrich Anschütz. Er wurde anfänglich (1821) für jugendliche Heldenliebhaber engagirt. Doch nicht in diesem Fache lag seine Stärke, und es zeigt vom grossen Scharfblicke Schreyvogel’s, dass er der Erste war, derin Anschütz das Talent zu Heldenvätern erkannte, und schon ein Jahr darauf sah man ihn wirklich als Lear, Erbförster, Beiisar etc. excelliren. Er war ein Meister der declamatorischen Rede; wem war das edle Pathos, der tragische Gestus in höherem Maasse eigen als ihm? Am 16. September 1857 feierte er sein 50jähriges Künstlerjubiläum und wurde mit dem Franz-Josefs-Orden ausgezeichnet. Am 4. Juni 1864 sollte er als Musicus Miller (eine seiner gefeiertsten Leistungen) das letzte Mal den Vorhang fallen sehen und an dem donnernden Applaus sein altes Herz noch einmal erquicken. Eine Krankheit überfiel ihn, welcher der 80jährige Greis nicht Widerstand zu leisten vermochte, und am 29. December 1865 that Heinrich Anschütz den letzten Athemzug. ') Friedrich Wilhelmi, mit dem Familiennamen v. Panwitz, war ehemals Officier in preussischen Diensten, widmete sich, wegen eines Duells flüchtig geworden, der Bühne und kam nach* Wien, wo er (1822) im Burgtheater das Fach der Intriguanten und Charakterrollen übernahm. •) Wenigen dürfte es bekannt sein, dass er in seiner'Jugend auch Opernsänger war und noch als k. k. Hofschauspieler bei einer Ferienreise in Graz (1822) den „Don Juan“ sang. 39 * 308 Das Burgtheater. Später aber zeigte es sich, Hass er ein Meister der Jovialität und der liebenswürdigsten Laune war. Liebenswürdig und viel geliebt war er auch im täglichen Leben, und allgemein betrauert starb er am 2. Mai 1832. Carl Fichtner kam 1826 ins Burgtheater. Ganzklein und bescheiden fing er an, um sich bald zu bedeutender Grösse zu erheben. Er war beseelt von glühendster Begeisterung für seine Kunst, ein Künstler in des Wortes edelster Bedeutung, rastlos eifrig in seinem Streben. Eine überaus sympathische Erscheinung verband sich in ihm mit einer bestrickenden Liebenswürdigkeit. Als Schauspieler war er ein wahrer Proteus, immer ein Anderer und doch immer mustergiltig. Er war der zärtlichste Liebhaber, der ausgelassenste Taugenichts, der verführerischeste Lebemann, in ernsten Rollen voll edler Würde, im tragischen Fache wusste er solche Töne tiefsten Gefühles erklingen zu lassen, dass sie erschüttert zum Herzen drangen. Doch die Palme gebührte ihm als Darsteller vornehmer Salonherrn. Sein Klingsberg, sein Marquis Auberire waren unübertreffliche Leistungen. Wien hatte ihm ausserordentliche Genüsse zu verdanken, und nur Wenige wissen es, mit welchen Anstrengungen er sich diesen Dank erkämpfte. Sein von jeher schwaches Gedächtnis hatte durch eine Krankheit (1840) noch mehr gelitten und verursachte ihm bei jeder Wiederholung einer Rolle neue Schwierigkeiten. Diese Schwäche wurde noch empfindsamer, als später auch Schwerhörigkeit hinzutrat und der Souffleur für ihn nicht mehr bestand. Es ist daher wahrhaft zu staunen, dass es seinem ausdauernden Streben gelang, den vollen Blüthenkranz seines Künstlerruhmes in das Privatleben hinüberzutragen. Am 31. Jänner 1865 nahm er als Gluthen im „Letzten Mittel“ Abschied von der Bühne. Seine letzten Worte, die er an’s Publicum richtete, waren tief ergreifend. Er gedachte der Zeit, da er als 19jähriger Jüngling ins Burgtheater kam, seitdem sei sein unablässiges Streben nur auf das Schöne, Einfache und Wahre gerichtet gewesen. Acht Jahre nach seinem Rücktritte starb er am 3. August 1873 im Bade Gastein. Ludwig Löwe war das Gegentheil von Fichtner. Letzterer erkämpfte sich sein Terrain nur schrittweise, Löwe dagegen lief Sturm und siegte. Mit dem Zauber seines Naturells überwand er alle schauspielerischen Schwierigkeiten und entzückte mit hinreissender Gewalt das Publicum. In dem kaum mittelgrossen Körper wohnte eine vulcanische Kraft. Sein Feld war die romantische Tragödie, da schuf er glühende Heldengestalten, doch auch im Charakterfache bewährte er den grossen Schauspieler, man denke nur an seinen Garrick. Dass sein bewegliches Temperament auch Witz und Humor zum Ausdruck bringen konnte, beweisen seine Leistungen im Lustspielfache, z. B. als Vertillar in den „Biedermännern“ etc. Sein Correggio, sein Heisssporn Percy waren wahre Meisterleistungen, sein Mortimer hinreissend, er war der beste Ottokar und ein prächtiger Cassius, obgleich er für das Antike niemals Vorliebe zeigte. Aus Anlass seines 50jährigen Jubiläums erhielt er am 9. Februar 1861 einen Brillantring mit dem kaiserlichen Namenszug und am 15. März 1868 nach 40jähriger Dienstzeit den Franz-Josefs-Orden. „Ein Löwe kömmt nicht wieder,“ war der Trauerruf Dingelstedts, da Löwe am 9. März 1871 verschieden war. Eine köstliche Anekdote darf hier nicht übergangen werden. Löwe verstand es nie, mit seinem Einkommen Haus zu halten. Das Geld wurde ihm immer zu wenig, und er kam endlich mit seinen Schulden Anfangs der Dreissigerjahre in so arges Gedränge, dass der gütige Kaiser Franz I. sich ausnahmsweise bewogen fand ihm seine Schulden zu begleichen. Löwe wurde zur Audienz zugelassen, um sich beim Kaiser zu bedanken. Er trat ein, aber anstatt sich den allgemeinen Audienzvorschriften zu fügen, stürzte er zu den Füssen des Kaisers hin, liess sich auf ein Knie nieder und wollte dem Kaiser huldigend eine fulminante Rede halten, indem er mit beiden in die Höhe gehobenen Händen gesticulirend ausrief: „Es gibt nur einen Kaiser. ...!“ Der nüchterne Kaiser liess ihn aber nicht ausreden und sagte trocken, ohne sich zu ereifern: „Sie sein a wahrer Komödiant!“ Natürlich war Löwe jetzt wie mit kaltem Wasser übergossen und jede weitere Das Burgtheater. 309 Huldigungsextase in die gehörigen Schranken gewiesen. Er musste sich vielmehr begnügen, in herkömmlich ruhiger Weise, ohne schauspielerisches Beiwerk seinen Dank abzustatten. Hochbedeutsam für die Hofbühne war Carl La Roche, der letzte noch lebende Heldengreis aus der alten, längst ßftei. Sie hatte ihren Namen noch von jenem Thurm, der bis zur Demolirung der Basteien bestand, und in dem sich bis zum Jahre 1683 eine Wasserhebemaschine befand, womit der kaiserliche Lustgarten der alten Burg (auf dem Michaelerplatz) bewässert wurde. Auf der südwestlichen Seite der Stadt entstand in der Zeit von 1546 bis 1547 die CötDCl- bflftci; im Jahre 1558 die fleutyor* und QU>n$baftri ; an der Nordwestseite im Jahre 1561 die (Eleitb- baftt’i oder Fremdenbastei (weil das altdeutsche Wort „elend“ gleichbedeutend ist mit „fremd“). Zwischen dem Neuthor und dem Rothenthurmthor lag die auf einem Roste von Erlen- und Lärchenbäumen erbaute ffioiifiagabaftei. Jedoch waren die S4>ottm=, ©oiifiaga--, 2vot(>entt>urnu und RärntneD bßftri bis zum Jahre 1656 nur provisorisch angelegt und wurden erst von dieser Zeit an neu gebaut und befestigt.') Uebrigens bestand das ganze Festungswerk nur aus einer einfachen sogenannten Zinkenmauer, die aber nur gegen die Wasserseite zu, vom Schanzelravelin bis zum alten Rothenthurmthor in einer doppelten Reihe (wegen der Nähe und Gefährlichkeit des Angriffs) aufgestellt war. Eine der interessantesten und zugleich ältesten Ansichten Wiens aus dem Jahre 1483 ist uns in der Zeichnung nach dem grossen, in der Schatzkammer des Stiftes Klosterneuburg befindlichen Original-Oelgemälde (den Babenbergerstamm vorstellend) erhalten geblieben, dessen Abbildung in Figur 99 zu ersehen ist. * 2 3 ) Nicht unerwähnt jedoch darf gelassen werden, dass zur Befestigung der Stadt und zur Erhöhung ihrer Sicherheit und Widerstandsfähigkeit jene vielen Festungsthürme nicht wenig beitrugen, die rings um den Mauergürtel der Stadt in gewissen Entfernungen aufgestellt waren und die Stadtthore wie den Festungsgürtel nach allen Seiten hin schützten. Ich will daher meine Leser mit diesen Thürmen näher bekanntmachen. Die Festungsthürme der Stadt. Noch auf dem Hirschvogel'schen Rundplan (1552) finden sich sechs solche Thürme äufgeführt, s ) u. zw. der ßcbotteuthuriu, dessen schon im Jahre 1300 urkundlich Erwähnung geschieht, und auf dessen Stelle sich heute das neue Schottenthor befindet, dann der Jtärntnfrtfutrtn, der schon ') Man kann drei Bauperioden rücksichtlich des Ausbaues der Basteien unterscheiden. Die chronologische Ordnung, nach welcher die Festungswerke in diesen drei Perioden ihre Vollendung seit 1530 erhielten, war folgende: Erste Periode: im Jahre 1545 Biber- und Burgbastei, dann Braun- und Wasserkunstbastei, 1546 Lüwelbastei, 1558 Neuthor- und Miinch- bastei, 1561 Elendbastei. In der zweiten Periode: im Jahre 1641 die Kärntnerbastion, 1646 Schanzelcourtine, 1647 das Vorwerk vor dem Schottenthor. In der dritten und letzten Periode: im Jahre 1656 die Melkerbastion und Schottencourtine und Melkerravelins, 1658 die Bastion am untern Fall, 1659 die Burgbastion. 1660 der Burgravelin. 2 ) Es zeigt uns die Stadt, von der Nordseite (von der Leopoldstadt aus) besehen, und ist 47’4 Cm. breit und 32'9 Cm. hoch. Es wurde nach obigem uralten Oelgemälde von Albert Ritter v. Camesina gezeichnet. Das Bild gibt uns einen deutlichen Begriff von der ältesten Befestigung der Stadt, von dem Charakter seiner damaligen Wohnhäuser, ihren hohen Satteldächern, abgestuften Giebelmauern, vorspringenden Erkern und eigenthümlichen Thürmen bei den alten Höfen und Herrenhäusern. Auch sehen wir in der Mitte des Bildes das alte Rothenthurmthor vor seinem im Jahre 1511 vorgenommenen Umbau und die alte doppelte Stadtmauer, auf deren Fundamente noch heute jene sieben Häuser der Kohlmessergasse stehen, nämlich: Nr. 480 (neu 3), 479 (neu 5), 478 (neu 7), 477 (neu 9), 476 (neu 11), 475 (neu 13), 474 (neu 15). 3 ) Ein städtischer Codex vom Jahre 1418 macht uns mit 19 solchen Stadtthoren bekannt, welche die Stadt wohl schon auch im Jahre 1369, im Jahre des Schärdinger Friedens besass, wo sie bereits einer Renovirung unterzogen wurden. Dieses merkwürdige auf Papier geschriebene Buch führt den Titel: „(Eober nacj) (Ebrifti gepurb lauienb üierbltnöcrt Jahr, 6artta4> in bem acbt.jebnten Jahr etc." Die Festungsthürme der Stadt. 319 im Jahre 1295 als vornehmstes Stadtgefängnis diente, indem Herzog Albrecht I. in seiner berühmten Handfeste dem Stadtrathe das Recht einräumte, widerspänstige Bürger hier gefangen zu halten. *) Im ersten Türkenkriege diente dieser Thurm zu einem wichtigen Vertheidigungspunkt, und auf seiner Plattform waren von den Wienern, wie wir aus der Kriegsgeschichte wissen, die vornehmsten Geschütze aufgestellt, womit sie dem Feinde arg zusetzten. Hier schlug auch im glorreichsten Augenblicke des Sieges ein Steinwurf dem Stadtcommandanten Salm eine Wunde, an der er starb. Im Jahre 1671 wurde der Thurm beim Baue des jetzigen Kärntnerthores grösstentheils abgetragen, und seine letzten Spuren verschwanden bereits im Jahre 1753 bei Gelegenheit einer Salpeterexplosion im Laboratorium auf der Augustinerbastei (12. December 1752), derzufolge die Basteimauern zerstört wurden. Heute steht an der Stelle dieses Thurmes das Baron Todesco’sche Haus (Kärntnerstrasse Nr. .51). Nicht minder wichtig war der ppb«tf>urm. Er befand sich vor dem A.uwinkel zwischen der heutigen Bibergasse und der Dominikanerbastei, beiläufig an der Stelle des heutigen Hauses Nr.17 und stand an der äussersten Ecke der in einen rechten Winkel auslaufenden Stadtmauer, so dass er die Aufgabe hatte, diese Mauer nach beiden entgegengesetzten Seiten hin, links gegen den Auwinkel und den Hafnersteig und rechts gegen die Dominikanerbastei, zu decken. — An der Donauseite standen noch 11 verschiedene Thürme, wie sie auf dem Vogelperspectivplan vom Jahre 1642 (Figur 1) und zum Theil auf der Zeichnung Camesina’s (Figur 99) zu sehen sind. Der wichtigste und grösste von ihnen war der 21ot()et()Urnt; er stand am äussersten Ende der heutigen Rothenthurmstrasse zwischen dem jetzigen Müller’schen Gebäude und dem Hause Franz-Josefs-Quai Nr. 3. Er hatte eine mächtige Durchfahrt. Die übrigen kleinen Thürmchen hiessen: der jHltgripftfentbimn zunächst dem Pyber- thurm, gegenüber der heutigen Ferdinandsbrücke; der ftafltertyimn am Ende der heutigen Adlergasse; ein Thürmchen, genannt jtmägft bellt welches die Verbindung zwischen der Stadt und dem Donauufer herstellte, der Sal3t(>untl an der Stelle des heutigen Röhrbrunnens auf dem Fischmarkt (vor dem Hause Kohlmessergasse Nr. 14); der Uleifter Pelrdtns^urm an der Stelle des jetzigen Polizeihauses auf dem Salzgries, wo auch eine Schiessstätte der Armbrustschützen war. Dem zunächst stand der HJerbertyltritt an der Stelle des erst kürzlich verschwundenen Werderthors auf dem Salzgries, gegenüber der Marienstiege, zwischen der Salzgriescaserne und dem Hause Nr. 12, die heute beide gleichfalls demolirt sind; der Thurm auf ber ©olbfcfyltliebe, im alten Arsenal gelegen, endlich der letzte Thurm an der Donauseite, an der Ecke des heutigen Franz-Josefs-Quais und des Schotten rings, also beiläufig an der Stelle des heutigen Schottenring-Hauses Nr. 32, mit Namen 'feautiolbttfiurm; ’) ferner der Jubentyuwt, der am Ende der Wipplingerstrasse zwischen dem Hause Renngasse Nr. 16 und Wipplingerstrasse Nr. 28 stand und später in das alte Militärarsenal verbaut wurde. An der westlichen Seite der Stadtmauer stand nur noch der IDiebttierttuifllt und an der östlichen der Stuben* tf>urm, welche beide als bedeutende Bollwerke zum Schutze ihrer beiden gleichnamigen Stadtthore dienten und am Ausgange derselben aufgestellt waren. * * 3 ) *) So lag z. B. 14S5 Jean von Moschenau (früher Hauptmann) mit 171 Söldnern wegen kleiner Raubzüge hier gefangen, ein Beweis, wie umfangreich die grösstentheils sehr tiefen unterirdischen Räume gewesen sein mussten, um eine so bedeutende Zahl von Verbrechern aufzunehmen. Im Jahre 1512 war auch Christian v. Nordhausen hier inhaftirt. Er war nämlich von der Republik Venedig mit einer grossen Mordbrennerbande hiehergesandt, um das Land sowie die Stadt durch Feuer zu verheeren. Die peinlichen Verhöre mit Christian brachten merkwürdige Aufschlüsse zu Tage, so z. B. dass Venedig meist verabschiedete Soldaten dazu dang, und dass von ihm allein 42 Feuersbrünste in Wien herstammten. 3 ) Zwischen dem Goldschmiede- und Haunoldthurm befanden sich noch zwei kleine Thürme, u. zw. der IPÜfkltbuntt beim alten Gamingerhof und der sogenannte Dururnt, die aber wegen ihrer Kleinheit nicht von Bedeutung waren. 3 ) In den fortificatorischen Rechnungen des XIV. und XV. Jahrhunderts wurden alle diese obgenannten Thürme aus Anlass von Reparaturen genau benannt, und von diesen werden namentlich vier Thürme als die vier grossen Stadtbollwerke hervorgehoben. Diese sind: das Stuben-, Kärntner-, Wiedmer- und Schottenthor. Nach der Erfindung des Schiesspulvers und der dadurch erfolgten gänzlichen Umgestaltung der Kriegskunst konnten die Ringmauern und mit ihnen auch ihre VMNKOTJNONIE 3gO Ansicht Wiens aus dem Jahre 1490. ll afeatiw r mm i - *^**^.: jjgpmiatr, !£Ü 3*nT iS“ A m* me&'\ ißBi ä-^äir a^l ;IM ^565*^ Vj :\w*r ft,»:: '&£&*•§(( Eine merkwürdige Ansicht Wiens, sub Figur 100, ist uns aus Hartmann Sche- del’s Chronik erhalten geblieben; sie datirt vom Jahre 1490, also noch aus der Zeit vor der fortificatorischen Umgestaltung durch Kaiser Ferdinand I. und ist ebenfalls wie das Bild sub Figur 99 vom untern Werd (Leopoldstadt) von der Donauseite aus aufgenommen, nur ist die Manier eine viel ältere und der Gesichtskreis ein weiterer, daher auch mehr Festungsthürme und der ganze Gebirgshinter- grund zum Vorschein kommen. ‘) Seit den ältesten Zeiten dienten die Basteien nur militärischen Zwecken und durften von Niemandem betreten werden. Selbst noch unter Maria Theresia mussten die Bürger (wollten sie über die Basteien promeniren) um einen Erlaubnisschein bei der Fortifica- tionsbehörde nachsuchen. Erst Kaiser Josef II. hob diese Beschränkung auf und machte die Wälle zu einem der beliebtesten Spaziergänge. Kaiser Franz I. erhöhte deren Annehmlichkeit noch dadurch, dass er die Wälle nach dem Jahre 1817 mit Akazienalleen und den Stadtgraben mit schönen Pappelbäumen bepflanzen liess, welch’ letztere so rasch emporwuchsen, dass sie trotz der Tiefe ihres Standortes die Stadtmauern um ein gutes Stück überragten. Bis zur zweiten französischen Invasion blieben die Basteien mit ihren Vor- und Nebenwerken ziemlich unverändert. Erst als fran- Thürme und Gräben nicht mehr genügen, es entstanden nun Basteien, Eck- und Brustwehren; die alten Thürmchen wurden zurückgedrängt, neue Vorwerke erbaut und die Thürme selbst nach und nach beseitigt, oder mit den Mauern und Thoren, wie z. B. das Schottenthor und Stubenthor, in Eins zusamnrengebaut. Vide: Carl Oberleitner’s „Finanzen und Kriegswesen unter Ferdinand I.“ im Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen, XXII. Band und Jacob Sturms „Ehrenkranz der Stadt Wien“, herausgegeben von Th. G. v. Karajan 1866. ’) Wir sehen im Bilde die Stadtmauer in doppelter Reihe aufgestellt. Unmittelbar vor derselben verlässt der Alsbach das Stadtgebiet und ergiesst sich hier in die Donau. Von den vielen Kirchenthürmen treten besonders der Stefansthurm und jener der Kirche von Maria am Gestade deutlich hervor. Charakteristisch ist die Aufschrift: „Vienna Pannonie ." Die Stadtthore Wiens. 321 zösische Geschütze (1809) die Festungsmauern sprengten, und Kaiser Franz I. im Jahre 1817 die Stadt als Festung definitiv aufhob und sie in die Reihe der geschlossenen Städte stellte, erhielten die Basteien eine andere, neue Gestalt. Die gesprengten Mauern wurden geschleift, die Brustwehren an der Stadtseite abgetragen und nur die Basteien und die wenigen Vorwerke, die unbeschädigt geblieben waren, behufs Vermeidung grösserer Kosten bis zum Jahre 1857 unverändert belassen. Von da an erfolgte aber die Demolirung dieser Basteien und ihrer Thore so rasch, dass diese schwierige Arbeit schon in zehn Jahren vollständig beendigt war. Die Stadtthore im Allgemeinen. Begreiflicherweise widmete man den Stadteingängen schon seit dem Mittelalter grosse Aufmerksamkeit, schon darum, weil die Ueberwachung des Verkehrs mit den Vorstädten eine viel strengere als heutzutage war. Die Thore wurden nur bei Tage offen gelassen, bei einbrechender Dämmerung aber geschlossen, und die Thorschlüssel von der Thorwache dem Bürgermeister überbracht. Den Thorwachtdienst leistete ausschliesslich die Stadtguardia, und desshalb wurden kleine ebenerdige Häuschen (für eine oder höchstens zwei Familien) zuerst bei den Thoren und später auf der Kärntner-, Schotten- und Biberbastei erbaut, und am 25. October 1662 erging ein Befehl, dass kein Stadtguardia-Soldat wo anders als in diesen Basteihäusern wohnen dürfe. Nach Auflösung der Stadtguardia (im Jahre 1741) wurden auch die niedrigen Soldatenhäuser abgebrochen und auf den Basteien an ihrer Stelle grosse Zinshäuser erbaut. Der tägliche Verkehr zu Fuss und zu Pferde zwischen der Stadt und den Vorstädten wurde seit dem Mittelalter nur durch sechs Thore: Burgthor, Kärntnerthor, Stubenthor, Rothenthurmthor, Neuthor und Schottenthor, vermittelt und der Zugang durch eine Menge von Zwischenbauten erschwert, denn jedes Thor hatte damals eine Aufzugbrücke, von der man über einen langen Graben zum Schutzgitter und endlich zum Schlagbaum zwischen einer Reihe von Palissaden in die Vorstadt hinaus gelangte. Last- und Kaufmannswagen aber durften (der Mauth halber) nur durch das Rothenthurmthor passiren, wo sich das alte „Ulaut^ätfleD befand. Zu diesen Passagehindernissen und Schwierigkeiten kam noch der Uebelstar.d, dass für die im ersten Türkenkriege (1529) zerstörten Vorstädte und Vorstadtluken auf dem Glacis-Terrain dem Publicum gar kein Ersatz geboten war. Die vielen wüsten, unebenen, hie und da mit Safran bebauten, nach allen Richtungen von Fuhrwerken willkürlich durchkreuzten Sandsteppen bildeten eine wahre Landplage für alle Diejenigen, die ihren Weg in die Stadt oder aus derselben zu nehmen gezwungen waren. Kaiser Josef II. erkannte zuerst die Misslichkeit dieser Umstände und gleich nach dem Antritte seiner Mitregentenschaft nahm er das Glacis unter seinen besondern Schutz. Er liess dasselbe 1770 vollständig umgestalten, rings um die Stadt Strassen und von einem Stadtthor zum andern, sowie um die Vorstädte selbst, Gehwege anlegen, den übrigen freien Raum mit frischem Rasen bepflanzen und vom October 1776 an die Glaciswege mit Laternen beleuchten, was nicht wenig zur nächtlichen Sicherheit beitrug. Im selben Jahre wurde mit dem Setzen der Glacisbäume begonnen, die bald zu jenen herrlichen schattenreichen Alleen heranwuchsen, wie wir sie noch im Jahre 1857 und 1858 gut kannten. Die Stadtthore waren mit grossen schweren Quadersteinen verkleidet und lagen meist hinter starken Vorbauten, durch welche sie geschützt waren. Zu den sechs alten Thoren kamen später noch zwei andere hinzu, nämlich das Fischer- und Theresienthor und in neuerer Zeit (1817) das Franzens- und Carolinenthor. Um nun meinen Lesern ein zutreffendes Bild aller dieser Stadtthore und ihrer interessanten Umgebung vor Augen zu führen, will ich dieselben einzeln der Reihe nach in Wort und Bild Revue passiren lassen und sie in jenem Zustande zeigen, wie wir sie noch in letzter Zeit zu sehen gewohnt waren. 41 322 Das Stubenthor. Das Stubenthor gehört zu den ältesten geradlinigen Thoren der Stadt. Dasselbe wurde int Jahre 1600 auf der Grundfeste des alten Stuben- thurmes mit Bausteinen der in Ruinen gelegenen alten Dominicanerkirche aufgebaut, daher sich dasselbe einer besonderen Festigkeit zu erfreuen hatte. Es hatte ein Geh- und ein Fahrthor und über dem letzteren einen kleinen Thurm, der aber später verschwand. Man nannte es auch von der hier nach Ungarn führenden Strasse das „Un- «Pf > ,rTfC JFiff. 101. Das Stubenthor. garthor“. Zur Deckung desselben und der Brücke über den hier sehr breiten Stadtgraben befand sich jenseits dieses Stadtgrabens eine Schanze, Stubenthor - Ravelin genannt. Die in j Figur 101 beigegebene Ansicht zeigt uns das Stubenthor noch in seiner alten Gestalt. Die Figur 102 dagegen ruft uns das Bild seines letzten Bestandes in Erinnerung, wie es im Jahre 1858, kurz vor seiner bald darauf erfolgten Demolirung ausgesehen. ') Mg. 102. Ansicht des Stubenthores. !* ti s» %» #fi »;*• m i % 1 i« * % 4 * * ibSi mwm ■.Säw*.- *-****y. i ) Das Bild ist von Emil Hutter sehr flott nach der Natur gezeichnet. Im Hintergrund sehen wir rechts die Dominikanerkirche und links das „Radihaus“ (von seinem Schild gulhfttcn so genannt); es fuhrt heute, die Nummer Wollzeile 36 (alt ’/SQ). Das Theresienthor. — Das Rothenthurmthor. 323 Das Theresienthor. Im Jahre 1746 wurde der vor der Biberbastei liegende Ravelin („Judenschanzel“) bis gegen die Donau vorgeschoben und bei dieser Gelegenheit 1746 ein Thorweg durch denselben geführt, welcher den Namen Theresienthor erhielt und seinen Ausgang gegen die Weiss- gärber und Erdberg hatte. Das Bild sub Figur 103 ist für uns schon darum von hohem Interesse, weil es uns mit der eigenthümlichen Configuration des Platzes und mit der eigentlichen Stellung L i St-'* & * *' ;,v. vyä ^ Fig. 103. Das Theresienthor. dieses Thores bekannt macht. Es scheint eines der kleinsten Fahrthore gewesen zu sein und jedenfalls eines von kürzester Dauer des Bestandes, denn es wurde im Jahre 1817, also schon nach 71 Jahren, niedergerissen. *) Der Ravelin war so nahe zur Donau vorgeschoben, dass er das Weitervorgehen des Fussgängers gegen die Schlagbrücke und das Rothenthurmthor am Donauufer verhinderte; auch zeigt die Thorbrücke von grosser Versumpfung des Terrains. Das Rothenthurmthor stand ehemals an einer ganz andern Stelle als später, nämlich am Ausgange der heutigen Rothenthurmstrasse mit der Front gegen die Donau. Es hatte eine spitzbogige Durchfahrtshalle, vor der die kaiserliche Hauptmauth mit einer Palissadenumzäunung stand. In Figur 104 sehen wir dieses *) Das Bild, von Emil Hütter nach einem Original-Oelgemälde copirt, zeigt uns im Hintergründe rechts die „Schlagbrücke“ über den Donaucanal und links die „Stubenthorbrücke“ mit dem grossen Hauptmauthgebäude. Das Bild gewährt uns ferner die Aussicht über den ganzen östlichen Theil der Stadt bis zur Rossauerlände. Das Thor selbst war äusserst einfach und führte ober dem Fahrthore die Inschrift: Maria Theresia Rom. imj). II. B. R. A. A. 114. Vide Geusau’s „Geschichte Wiens“, IV, B„ S. 347. 41 * 324 Das Rothenthurinthor. Fig. 101. Das Rothenthurmthor aus der Vogelperspective. mm \ IVk'lF* ’ WKXä illi £ Thor und einen Theil der Rothen- thunnstrasse von der Vogelperspective aus. Das Thor wurde unter Kaiser Maximilian I. erneuert aufgebaut, wie dies eine Sculptur an der Innenwand des Thores beweist, welche die Jahreszahl 1511 trägt. Diese Sculptur in Figur 105 stellt im Geschmacke damaliger Zeit die Landes- und Stadtwappen zwischen zwei geharnischten Männern dar. Mehrere lateinische Sprüche verherrlichen die Sicherheit der Stadt und loben die Tugenden Kaiser Maximilians I.; sie lauten: „Quam ftlix urbs est , quae facis tempore bellum Ante oeulos ponit et sua quaeque notat. Incassum vigilat, qui custodire pu/abit Urbem armis, si non anno. Del apfnennt. Sud Deus et virtus tutanfur Maximiliani Caesaris haec urbis inoenia cum populo." Dieser imposante Thorbau wurde erst unter Kaiser Josef JI. im Jahre 1776 zur Erweiterung der Passage abgebrochen, obgleich er schon 118 Jahre früher alle Bedeutung verlor, da schon im Jahre 1658 die neue Stadtmauer vor demselben aufgeführt wurde. rMk. «WS ^ 0. UN ' l ^ - tEonvuis SED DeVS,ET VIRTVS TVTANTVB A 1 ä 50 MILIANI| INARIS.Hä.C VRBIS MOENIA CVM I’lH’VldBj Fig. 105. Sculptur an der Innenwand des Rothenthurmthores. Mit dem Aufbau der neuen Festungsmauer war auch eine Aende- rung des Stadtausganges verbunden. Das alte Rothenthurmthor musste also verlegt werden und kam jetzt weiter abwärts gegen die Schlagbrücke (Fer- dinandsbrücke). Hier führte es den Namen „Neues Rothenthurmthor“. Es war ein stattlicher Bau, besonders die Aus- senfagade zeichnete sich durch reichern Das Rothenthurmthor. 325 Ornamentenschmuck aus. Die abgekürzte Aufschrift kann als Beweis für die Zeit des Aufbaues dienen; sie lautet: MDCLXII. Leopold I. R. J. A. A. Die Figur 106 bringt uns die Ansicht des Thores von der Vorstadtseite aus. ') Knapp am Thore u. zw. an der innern Stadtseite befand sich seit 1700 die Wacht- stube der Garnison in den sogenannten „Casematten“, welche ehemals „hinter der Sperre“ genannt wurden, wo auch das kaiserliche Feldrequisiten - Depo- sitorium war. Um diese Zeit wurde auch auf der andern Seite der Mauer gegenüber dem Laurenzerberg (damals Laurenzergasse) ebenfalls ein Gehthor (Nothausgang) eröffnet. Eine kurze Courtine schloss sich von da an die Bieberbastei an, die durch ein kleines an die Donau reichendes und gegen die Weissgärber gerichtetes Vorwerk (Judenschanzel) geschützt war, durch welches, wie bereits gesagt, das „Maria Theresienthor“ durchgeschlagen wurde. L.X Fig. 106. Das neue Rothenthurmlhor in früherer Zeit. Fig. 107. Das neue Rothenthurmthor in letzterer Zeit (bis 18S8). Sbl» p * * wmn «ja? * ~'Vas-ria-« . * «BMi w:M mm Das neue Rothenthurmthor hatte, wie wir sub Figur 106 sehen, nur ein Geh- und ein Fahrthor. Ueber letzterem befand sich ein grosses Wappenschild mit Reichsadler und Kaiserkrone. Die Stirnseite des Thores war ober den vier Thorsäulen mit vier flammenden Granatkugeln geziert, ein Schmuck, der damals als historisch-militärisches Abzeichen galt und seitdem beibehalten wurde. Das zweite Gehthor (Blindthcr) wurde erst unter Kaiser Franz I. eröffnet. 326 Das Rothenthurmthor. Das Fisrherthor. Die spätere Physiognomie und Umgebung dieses Thores, von der Vorstadtseite betrachtet, sehen wir sub Figur 107. *) Es zeigt uns auch zugleich die grossen Veränderungen, die im Laufe der Zeit vorgenommen wurden. Das Gehthor links wurde zu einem zweiten Fahrthore umgewandelt und dafür das etwas niedere Blindthor für Fussgänger eröffnet; die Stirnseite des Thores aber wurde erhöht, mit einer neuen Brustwehr versehen und in der Mitte mit einem Reichsadler geziert. Die Demolirung des Rothenthurmthores fällt in die Zeit vom 29. Mai bis 2. Juni 1858 und jene der Gonzagabastei vom 10. April bis 9. Juni 1859. Das Fischerthor hat seinen Namen von dem in der Nähe gelegenen Fischmarkte. Es wurde vor dem ersten Türkenkriege (1529) das genannt und bekam erst später seine eigentliche Benennung, als es nach Fig. 108. Das Fischerthor. RJ. Hirschvogel’s Plan in jene Gestalt umgebaut wurde, wie wir es noch zuletzt vor seiner im Jahre 1860 stattgehabten Demolirung kannten. Nach beiliegender Ansicht sub Figur 108 zeigt sich das Fischerthor in seiner sehr einfachen Gestalt als mit einem Geh- und geradlinigen Fahrthor versehen. s ) *) Die ebenfalls von Emil Hütter nach der Natur trefflich gezeichnete Ansicht des neuen Rothenthurmthores lässt uns links die Häuser der Adlergasse und das Müller’sche Gebäude erblicken und bietet uns rechts einen Ausblick“ über die ganze Gonzagabastei bis hinab an die kleine Bastion am „untern Fall“ („ Wasserschanzel“). a ) Das Bild, von E. Hütter gleichfalls nach der Natur gezeichnet, gibt uns einen deutlichen Begriff von der Configuration dieses Platzes. Hier befand sich auch neben der Fischercapelle (die noch heute besteht) das alte k. k. Wassermauth-Amtsgebäude Nr. 1202 und seit dem Jahre 1795 das Polizeiwachtstübel und zugleich Mauthmagazin. die aber alle im Jahre 1860 dem Stadtenveiterungsplane weichen mussten. Das Neuthor. 327 Das Neuthor wurde im Jahre 1560 (nachdem hier die Befestigungsbauten bereits beendet waren) als neuer Stadtausgang eröffnet, daher sich sein Name .Neuthor“ erklären lässt. Dieses Thor vermittelte den Weg vom tiefen Graben gegen die Rossau, und unmittelbar hinter demselben befand sich das Arsenal der ehemaligen Donauflottille. Der dort angelegte Hafen stand mit der Donau durch einen schiffbaren Canal in Verbindung, der hinter der Neuthorbastion aus der Stadtmauer heraustrat und sich zwischen dieser und dem Wasserravelin zur Donau wendete. '} Fig. 109. Das Neuthor von der Vorstadtseite. n *4 v V* A jpjfeäiS^ -äferi# V wm isss Das Arsenal war ein aus mehreren Hallen bestehender Bau, der von Hermes Schallautzer im Jahre 1585 ausgeführt und erst in neuester Zeit im Jahre 1876 abgetragen wurde. Der über dem Thore gegen die Stadt querliegende Schlussstein des Gewölbes galt in Wien allgemein als der grösste Stein in der Mauer der Stadt und als Wahrzeichen Wiens. Früher las man auf demselben die Worte: .Dieser Stein wiegt 164 Cent. 51 Pfund.“ Durch spätere Ueber- tünchungen aber verschwand diese Inschrift wieder vollständig. a J Die Figur 109 zeigt uns das Neuthor in jener modernen Umgebung, wie wir cs zuletzt vor seiner Demolirung zu sehen gewöhnt waren. a ) ‘) Es ist wahrscheinlich, dass für diesen Canal das alte Bett des Alserbaches verwendet wurde. Vide: „Berichte des Wiener Alterthum-Vereines“, VIII. B., pag. CLXXXVI. 2 ) Ueber den an diesem Thore befindlichen Stein vide: Jacob Sturm, V. S. 52. a ) Das Bild, von Emil Mütter nach der Natur gezeichnet, bringt uns das Neuthor und einen Theil des Glacis mit seinen stattlichen Pappelbäumen und Kastanienalleen und drei grossen Hausern auf der Neuthorbastei zur Anschauung, die aber alle dem Stadterweiterungsrayon weichen mussten. Die drei Stadthäuser auf der Neuthorbastei, welche im Bilde ober dem Thore sichtbar sind, waren: links das Gutherz’sche Haus Nr. 1172. welches die Familie seit dem Jahre 1812 grundbücherlich besass; in der Mitte das Franz Edler v. Galffy’sche Haus Nr. 1171, das sich durch einen schönen Glasbalcon auszeichnete, und rechts das Rothmann’sche Haus Nr. 1170. I 328 Das Neuthor. iS«« »»r* j. ü. tnilff® ÖÄ =5^* e -■*'. iki- *-£5> i%. 110 . Das Neuthor von der Stadtseite. fty, 111 . Die Figur 110 aber macht uns mit demselben Thore von der Stadtseite aus bekannt und bietet manches Interessante rücksichtlich der originellen Umgebung. *) Die Figur 111 giebt uns eine detaillirtere Ansicht der nächsten Umgebung des Neuthors, besonders das Militärstockhaus mit seinen vorspringenden Gitterfenstern mit Holzblenden. 4 ) Das Neuthor mit seiner Innenansicht von E. Hütter ist dem Volke ganz besonders im Gedächtnis, denn man pflegte durch die letzten 50 Jahre alle zum Strange verurteilten Verbrecher durch dieses Thor zum Richtplatz zu führen. Hier wohnte auch gleich neben der Wachtstube (die an das Thor angebaut war) der Scharfrichter mit seinen Frei- knechten. Auch das Militär-Garnisonsstockhaus existirte hier, an seinen schweren Gitterfenstern und vorspringenden Holzverkleidungen erkennbar, und verlieh dem Ganzen ein gewisses düsteres, unheimliches Aussehen, das noch obendrein durch die Abgelegenheit des Ortes erhöht ward. Links am Thoreingange stand ein niedriges einstöckiges Schankwirthshaus und rechts, diesem gegenüber, die Wachtstube; dieser schlossen sich das alte Scharfrichterhaus und in einer Vertiefung die Casematten und diesen zunächst das altbekannte Haus „zum heiligen Martin“ an. In derZeit vom 8. Mai bis 9. October 1860 wurde die Neuthorbastei demolirt, bei welcher Gelegenheit auch das Thor dem gleichen Schicksal unterlag. Das Neuthor. Das Schottenthor. 329 tii.A.A, |'l; färSil™ ntpiiur lavy 1111(11 UIH'IIUI jiiiruimriHni luiTiim feaa^fflaasBi l i-hB'--' ■ kn Hiulinu uiütTjh {uiillllll» Ullll tjJO'i lunu luia nniuVui , mi »ui .miu iipnrii 1 ’ .lim uiiamiKiaui tfuraj&Miflii Hi'8 Rtt Das Schottenthor. Das ehemalige Schottenthor wurde an der Stelle des uralten 6$ottent(mrmfS erbaut. Letzerer war ein aus der ältesten Befestigungsperiode herrührender Wehrbau und wird bereits um das Jahr 1300 ge- CAl.H.oiisA 17 fANW) ® HV.BO .»Bi [MOflNl Zfl ;„'Prot| Dl'llltWl !vsr: Fig. 112. Das alte Schottenthor von der Innenseite. 9 Fig. 113. Das alte Schottenthor von der Aussenseite. nannt. Eine vor dem Schotten- thore angebrachte Brücke führte über den breiten Stadtgraben in das Vorwerk (Schottenravelin), = durch das der Weg in das Gebiet JF ausserhalb der Stadt führte, und ein an die Mölkerbastei angebauter Flügel reichte bis hart an die Thorbrücke. Die Aussenseite des Schot- tenthores wurde 1656 vollendet. Nach j Figur 112 hatte das Thor am Innenwerke (von der Vorderseite aus besehen) eine recht schmucke Gestalt, *) war aber am Vorwerke (von der Vorstadtseite aus), wie Figur 113 zeigt, sehr einfach. Drei Medusenköpfe und zwei Feuergranaten waren der einzige Schmuck, und das Ganze krönte ein kleines Th örtlichen ober dem Fahrthore. 2 ) ‘) Wie das Bild zeigt, sah man ober der Stirnseite auf erhöhten Pyramiden flammende Granaten, ober der Einfahrt den doppelköpfigen Reichsadler, mit der Kaiserkrone geziert, und die Inschrift lautete: MBC — Ferd. III. R. I. A. A. — L VI. ’) Die Aufschrift ober dem Thore lautete: Carl VI. £>. G. R. I. S. A. CE. HI. IIV. BO. REX. A. A. D. B. C. T. Anno Domini 1724. Fig. 114. Das neuere Schottenthor von der Stadtseite vom Jahre 1716—1836. 42 330 Das Schottenthor. Das Franzensthor. ]m Jahre 1716 wurde der Thurm bis zur Höhe der heutigen Basteimauer abgetragen und auf dessen Fundament das Haus Nr. 105 gebaut, welches zuletzt Doctor Guldner v. Lobes 1812 grundbücherlich besass. Seit diesem Umbau bildete das alte Schottenthor mit dem Guldnersehen Hause gleichsam ein Ganzes, und Figur 114 gibt uns ein treues Bild von der Gestalt dieses Thores, von der Stadtseite aus gesehen.’) Erst im Jahre 1836 wurde das Guldner’sche Haus aus fortificatorischen Rücksichten niedergerissen und auch das Schottenthor einer gründlichen Umgestaltung unterzogen, die Thoreingänge erweitert, um zwei Fahr- und ein Gehthor vermehrt, die Brücke über den Stadtgraben der Breite nach bedeutend vergrössert und das Thor selbst mit einer Plattform und mit der Inschrift: „Ferdinand I. 1836“ versehen. Die Ansicht sub Figur 115 gibt uns einen deutlichen Begriff von der Aussenseite dieses neuen Schottenthores. a ) Fig. 115. Das Schottenthor von der Vorstadtseite vom Jahre d 836—1861. >T’ '•M \3 .-»I* St#.W f fff iV Ml" f_9 flfJMf ’M 1 * * j ' ? f * - _ aV“ AÄÄtl latTTji Das Franzensthor hat seinen Namen von Kaiser Franz I., der dieses Thor zur bessern Communication mit der Josefstadt erbauen liess, daher es auch „Josefstädter-“ oder „Löwelthor“ von der Nähe der Löwelbastei genannt wurde. ‘) Wir bemerken hier links die Thorwache und in der Mitte das Thor selbst mit seinem doppelten Fahr- und Gehweg und ober dem Thore das grosse Guldner’sche mehrstöckige Zinshaus. a ) Das Bild, ebenfalls von E. Hütter nach der Natur gezeichnet, zeigt uns das neue Schottenthor mit seiner Umgebung, vom Stadtgraben aus besehen. Im Hintergründe rechts die Häuser der Mölkerbastei, die noch gegenwärtig bestehen, links die Schottenbasteihäuser, deren es 22 gab, die aber alle durch Neubauten ersetzt wurden. Das hervorragendste unter ihnen an der äussersten Linken war das alte „HjgetyausU. Es zählte zu den Merkwürdigkeiten der Stadt, weil es als das höchste siebenstöckige Wiener Haus bekannt war. Es hatte seinen Namen von dem Hoffourier Kögel, der es erbaute. Die letzten Besitzer waren: 1822 Carl v. Baadenfeld und dann Carl Graf Berchtold. Die Schotten- und Mölkerbastei wurde in der Zeit vom 2. October 1861 bis 8. März 1862 abgebrochen. Nur ein kleiner Rest mit dem gräflich B reuner’schen Palais auf der Mölkerbastei blieb stehen, wurde aber im Jahre 1870 gleichfalls beseitigt. Das Franzensthor. 331 Das Thor stand an jener Stelle, wo die Teinfaltstrasse mit der Löwelgasse zusammen- stiess, und war nur für Fussgänger bestimmt. Es gehörte zu den jüngsten Thoren der Stadt, denn es wurde erst im Jahre 1815 bei Gelegenheit, als Oberstlieutenant Cronöster die von den Franzosen 1809 zerstörten Courtinen zwischen der Löwel- und Mölkerbastei wieder neu herstellte, erbaut und im Jahre 1817 eröffnet, wie dies die einfache Aufschrift ober dem Thoreingange beweist. Sie lautete: Franz I. MDCCCXVII. Uebrigens war das Thor sehr einfach und schmucklos, krummlinig und hatte eine lange, auf steinernen Pfeilerbögen ruhende Brücke über den Liniengraben. An der Stelle dieses Thores steht heute ein Theil des rechten Flügels des neuen Hofburgtheaters. Das Thor wurde in der Zeit vom 10. März bis 14. Juni 1862 demolirt und hatte sonach nur einen 45jährigen Bestand. Die Zeichnung sub Figur 116 stellt uns dieses Stadtthor mit seiner Umgebung dar, wie wir es noch in letzter Zeit vor seiner Demolirung zu sehen gewöhnt waren. ') 99 t «***5iY *1 mm Y» ’ ü/** s • 1 ■ '&* •* Fig. 116. Das Franzensthor vom Jahre 1817—1862. *) Die äusserst Botte Zeichnung ist gleichfalls von Hutter nach der Natur entworfen und interessirt besonders durch seine im Hintergründe befindlichen Stadthäuser, die heute fast sämmtlich imposanten Neubauten weichen mussten, so z. B. links im Bilde ein Theil des ehemaligen Fürst Lubomirsky’schen Palais auf der Mölkerbastei (Haus Nr. 1165), dessen sich die altern Wiener gewiss recht gut noch zu erinnern wissen, weil es durch seine schon von weitem sichtbaren Säulenhallen und schönen Wintergarten auffiel, und weil es zu den wenigen Häusern gehörte, die am längsten dem Demo- lirungsfieber widerstanden. An seiner Stelle befindet sich heute die Oppolzergasse. In der Mitte des Bildes ober dem Thore sehen wir auch das berühmte althistorische Haus Nr. 49 (neu 10), welches noch heute besteht und das alte „Türkenhaus“ genannt wird, weil hier während des zweiten Türkenkrieges (1683) der heftigste Angriff geschah, und deshalb zur ewigen Erinnerung gleich nach der Belagerung unter dem Dachrande ein Türkenkopf mit der Jahreszahl 1683 angebracht und in der Mauer eine grosse türkische Kanonenkugel belassen wurde. Beide Stücke existiren noch heute am Hause und bilden den Nachweis seines ehrwürdigen Alters. Seit 1790 ist die gräflich Seilern’sche Familie im grundbücherlichen Besitz und der letzte Eigenthümer Carl Graf von Seilern und Aspang. 42 * 332 Das äussere Burgthor. w>: Das äussere Burgthor stammt aus derZeit Kaiser Leopolds I. aus dem Jahre 1660, wie dies die Inschrift ober dem Thor- eingange beweist, und wurde bei Gelegenheit der damals vollendeten fortificatorischen Ausbauten errichtet. Das Thor stand mehrere Klafter weiter als das heutige äussere Burgthor gegen die Stadt gerückt, und zeichnete sich durch seine reiche architektonische Ausschmückung aus. Es hatte ein krummliniges Einfahrts- und zwei Geh- thore, eines derselben war vermauert; dieses w r ar mit dem böhmischen, jenes mit dem ungarischen Landesvvappen geziert. Die abgekürzte Aufschrift ober dem Thore lautete: Leopoldus Roman, imperat. Archid. MDCLX. Von der Stadtseite aus, wie Figur 117 zeigt, war das äussere Burgthor viel einfacher und niedriger als von der Aussenseite, es war ohne Aufschrift und Wappen, ohne besondere Verzierungen, drei Pyramiden und eben so viele Granaten bildeten den einzigen Schmuck. Nach der Demolirung der Spani- schen-Bastei und des Paradeplatzes kam 1821 an dessen Stelle das neue äussere Hg. 117. Das alle äussere Burgthor von der Stadtseite. Burgthor, etwas näher gegen die Vorstadt gestellt. Es hat fünf Thore, wovon die beiden Seitenthore als Geh thore benützt werden. Der herrliche Bau ist nach dem Muster der athenischen Propylaeen aufgeführt und entbehrt jeder schnörkelhaften Verzierung. Die fünf Durchgänge sind durch vier Reihen mächtiger dorischer Säulen von einander geschieden, und über dem Mittelthore aussen stehen bloss die Worte: Franciscus I. Imperator Anstriae, nach innen der Wahlspruch des Kaisers: Justitia Regnorum fundamentum. Auf dem rechten Flügel dieses Thores befindet sich noch heute rechts eine Wachtstube, mit Mannschaft und einem Officier belegt, und links einige Localitüten für die Fortification. Dieses Burgthor wurde im Jahre 1819 vom Hofbaurath Peter de Nobile entworfen und 1821 erbaut, der Grundstein am 22. September 1821 durch Kaiser Franz I. gelegt, und am 18. October 1822 wurde cs zur Erinnerungsfeier an die Schlacht bei Leipzig mit grosser Festlichkeit eröffnet. Wenn auch dieses Thor mit seinem strengclassischen Styl den Ansprüchen jener Zeit nach allen Richtungen hin genügte und auch seinem Zweck entsprach, nämlich einen festen Abschluss als Hintergrund zu geben, so ist gegenwärtig dies nicht mehr der Fall, vielmehr erscheint es im Verhältnis zu den gegenüberliegenden Colossalbauten (den beiden Museen) zu gedrückt und nach unserem jetzigen Geschmacke zu kahl und prunklos. Nun ist auch über dieses Thor das Damoklesschwert der Vernichtung gefallen, um hier zu einem freien Ausblick Raum zu schaffen. Ich gebe sub Figur 118 eine Ansicht des neuen Burgtfiores, wie dasselbe und seine nächste Umgebung bis zur Zeit des Stadterweiterungsbaues (also bis 1858) ausgesehen. ‘) 4 ) Das Bild, ebenfalls von E. Hutter nach der Natur gezeichnet, veranschaulicht uns den landschaftlichen Theil mit den schönen Kastanienalleen, an deren Stelle sich heute die beiden Museen befinden, auch die Festungsmauern rechts und links vom Thore, die jetzt durch zierliche, reich vergoldete Eisengitter substituirt wurden, und die hohen Pappelbäume ragen noch über die Mauern aus dem alten Stadtgraben empor. Den Hintergrund schliesst der leopoldinische Tract mit den übrigen Theilen der Holburg und die Michaeler- und Stefanskirche. Die Grundbücher vom Jahre 1398 und 1528 geben uns Aufschluss über Das äussere Burgthor. Das alte Kärntnerthor. 333 Fig. 118. Das neue äussere Burgthor von der Vorstadtseite vom Jahre 1821—1858. S2l- » J fiua tmiji 3^3*3 W Ä* «U“ — ■ayaste# -»iiiiteftfara .Sfik'S U3£s&'. 3SSHS3»?: .ptff jggft at > ■ ■ 7*rÄ|i» rfl *\j . • • f e. 9 1* "*r> 4 -"f ;• • - C -S» ' Fig. 119. Das alte Kärntnerthor von der Innenseite. * V «• A pMP ?•»*-* haben sich die Erklärer bisher nicht einigen können. Einige hielten es für Luther (älteste Erklärung), einige für Abraham a Sancta Clara, noch andere für Pilgram, Hirschvogel etc., ohne hinreichenden Erklärungsgrund, doch hat die nachfolgende Ansicht die meisteWahrscheinlich- keit, dass dieses Steinbild, ohne eine bestimmte Persönlichkeit vorzustellen, ein Spottbild auf den Protestantismus gewesen sei. Hieftir spricht das Predigergewand, Kragen und Barett und der Umstand, dass damals, namentlich in frühem Zeiten, ähnliche Spottbilder existirten und ähnliche Anspielungen gemacht wurden. Die Figur 120 zeigt uns dasselbe Thor von der Vorstadtseite aus. Die abgekürzte Inschrift lautet: „Anno L. D. G. R. I. S. A. G. H B. R. A. A. iß'ji“ und über dem Einfahrtsthor das grosse Reichsschild und zu beiden Seiten einen einköpfigen Adler, rechts mit dem Scepter und links mit dem Schwerte, und in der Mitte eine grosse Pyramide mit Wappen auf einem Piede- stal. Fig 120. Das alte Kärntnerthor von der Vorstadtseite. n«lba Das neue Kärntnerthor. — Der Münzgraben. 335 Das neue Kärntnerthor. Auch das Thor im Kärntnerravelin wurde von Kaiser Leopold I. im Jahre 1673 erbaut, wie dies die Inschrift ober der Einfahrt bewies. Es hatte ein Einfahrts- und zwei Gehthore, wovon eines zugemauert war. Eine Couttine mit dem Vorwerk (genannt Augustinerravelin) stellte die fortificatorische Verbindung mit der Burgbastei her. Sub Figur 121 sehen wir die Ansicht des neuen Kärntnerthores von der Stadtseite aus. Charakteristisch ist die Plattform mit einer schön durchbrochenen Brustwehr mit zwei zierlichen Eckthürm- chen. Die Figur 122 versinnlicht uns das neue Kärntnerthor samnit der langen Brücke, vom Stadtgraben (Vorstadtseite) aus besehen, links der mächtige Kärntnerravelin und im Hintergründe die Stallungen des Erzherzogs Albrecht. ‘) Fiff. 122. Das neue Kärntnerthor von der Vorstadtseite. S iß Ni h i ¥* das »•w? SSÜ •fj» **;*:•* - -Ft mm Zwischen dem alten Kärntnerthor und dem Carolinenthor befand sich bis zum Jahre 1830 im „Miinzgraben“ (so hiess der Stadtgraben hinter der damaligen „Wasserkunstbastei“) die alte Münzstätte. In nachfolgender Abbildung“) sub Fig. 123 biete ich den Lesern die äusserst ’) Die Ansicht ist von E. Mütter nach der Natur gezeichnet und gibt uns einen Begriff von der Breite des Stadtgrabens. Das Thor wurde seit 1802 als Einfahrtsthor benützt, da das alte Kärntnerthor für Ein- und Ausfahrten zugleich nicht genügenden Raum hatte, daher letzteres nur zu Ausfahrten aus der Stadt in die Vorstädte in Verwendung stand. Das neue Kämtnerthor stand an derselben Stelle, an welcher sich heute der Albrechtsbrunnen befindet. a ) Das Bild ist eine gelungene Copie nach dem äusserst seltenen Original von Emil Hütter und war bisher noch nirgends publicirt. •IhiBlSlS». Fig. 121. Das neue Kärntnerthor von Innen. 336 Die alte Münzstätte. — Das Carolinenthor. interessante Ansicht dieses Gebäudes, welches, trotzdem es ausserhalb der Stadt lag, dennoch zu dieser gezählt wurde; es trug die Nummer 1214. Fiff. 123. Die alte Münzstätte im Münzgraben. ^nnamrtignfltii» i i i i ^ ■£* 'S * ' .»* ,-G'> ilililiiis J' ml KP Das Carolinenthor. Welcher ältere Wiener würde sich nicht mit Vergnügen des Carolinenthores erinnern? Die ruhige und schöne Lage dieses Stadttheiles machte das sonst schmale und nur für Fussgänger bestimmte höchst einfache Thor zu einem der angenehmsten der Stadt, und die hohen Pappelbäume zu beiden Seiten, sowie der grosse Ravelin rechts, der später in die Anlagen der Gartenbaugesellschaft einbezogen wurde, spendeten kühlenden Schatten. Das Thor wurde im Jahre 1816 von der Stadtgemeinde zur Bequemlichkeit des Publicums und besonders für die Bewohner der gegenüberliegenden Vorstadt durch die Stadtmauer durchgeschlagen, im Jahre 1817 eröffnet und zu Ehren der Kaiserin Caroline „Carolinenthor“ genannt. Es stand zwischen den Häusern Nr. 26 und 27 (neu). Von letzterem führte eine bequeme Stiege auf die Bastei, und im Jahre 1840 wurde das Haus umgebaut * und mit einer Thorwache belegt. Die Figur 124: zeigt uns das Carolinenthor von der Vorstadtseite aus. Die Aufschrift ober dem Thore: „Franciscus /. Imperator - 18 - 11 * beweist das Alter des Thores. *) Wenn man aus der Stadt über die Brücke ging, gelangte man zu beiden Seiten zu einem ziemlich abschüssigen Weg in den offenen Stadtgraben hinab und geradeaus, wenige Schritte ’) Das Bild, ebenfalls von E. Hütter nach der Natur entworfen und gezeichnet, macht uns mit der Lage dieses interessanten Thores und seiner althistorischen Umgebung vertraut Links im Hintergründe sieht man das grosse Feldzeugamt und Gusshaus, an dessen Stelle sich heute ein Theil des Stadttheaters erhebt, und das schon im Wohlmuet’schen Plan im Jahre 1345 unter dem Namen ®ujp oder und im Daniel Suttinger’schen Plane vom Jahre 1684 als ÄtnjfeFlic^es unteres 3eu8fiaus genannt wird, und rechts das imposante Coburgpalais, das aber erst im Jahre 1843 aus zwei Häusern aufgebaut wurde, und in der Mitte den Kirchthurm der Franciscaner. Das Carolinenthor. — Das Wasserglacis. 337 weiter vom Thore, zum berühmten Wasserglacis, das seines eigenthümüchen Charakters wegen besonders erwähnt zu werden verdient. Fig. 124. Das Carolinenthor von der Vorstadtseite. iwi n « f. .1J mH iX* vT'iP] ■Z *£* ••KVaVV **> Das Wasserglacis war jenes Lieblingsplätzchen der alten Wiener, das man mit Recht den Vorgarten der Residenz, den * Solitär“ der echten alten Wiener Gemiithlichkeit nennen konnte. Hier kam Jung und Alt zusammen, um sich zu erheitern und für die Beschwerden des künftigen Tages neueKräfte zu sammeln. Jedermann suchte mit Vorliebe dieses Erholungsplätzchen auf: der Jüngling, um vielleicht seinem Herzenslieb zu begegnen, der Bureaukrat, um sich vor Milz- und Leber Verhärtung zu retten, die Kinder, um auf frischem Rasen zu spielen, oder sich im Uebermuthe herumzutummeln, die geputzte elegante Welt, w mm MM v iS* •>2* •?: 5ti'»; Hl: V SSiSe Fig. 125. Das Wasserglacis. 43 338 Das Wasserglacis. — Das „ Verbrennhäusel“. um zu sehen und gesehen zu werden, die Verkäufer von Ziegenmilch und die Hohlhippenweiber mit ihren süssen Vorräthen und grossen weiten Pappendeckelschachteln, an schwarzen Lederriemen getragen, um gute Geschäfte zu machen. Dieses Lärmen und Treiben und inzwischen die Orchester- musik, das Alles zusammen gab ein buntes, anmuthiges Bild von behaglichster Sorglosigkeit, wie es sich kaum mehr auf einem Punkte der Stadt so lustig zusammenfinden dürfte, und auch schwerlich je künftig mehr zusammenfinden wird. Im Jahre 1818 erhielt ein Wiener Bürger Namens Pelikan die Erlaubnis, hier ein Kaffeehaus und eine Art Kaltwasseranstalt zu errichten, welche im Juni 1818 eröffnet wurde. Die Ansicht äi ib Figur 125 lehrt uns das Wasserglacis aus späterer Zeit kennen, als schon das zweite Kaffeehaus (das wir hier links im Bilde sehen) errichtet war. ‘) In der Nähe des Wasserglacis, hart am Ufer des Wienflusses stand jenes historisch merkwürdige „Verbrennhäusel“, wo alljährlich die ausser Curs gesetzten „Bankozettel“ und später Banknoten öffentlich verbrannt wurden. Snb Fig. 126 bringe ich die Ansicht dieses „Verbrennhäusels “ a ) ll /muiii imiii itlf'tw'iii « Fig. 12 0. Das „VerbrennhauMii“ am Wasserglacis. Mit dem bisher Gesagten scheint mir die Summe alles Desjenigen erschöpft zu sein, was ich bei Besprechung der „grossen“ Plätze im Wesentlichen zu sagen auf dem Herzen hatte. Der weitere Inhalt meines Buches aber sei den einzelnen Strassen und „kleinern“ Plätzen der innern Stadt gewidmet, die ich nun in den nachfolgenden Capiteln meinen Lesern der besseren Uebersicht halber in alphabetischer Reihenfolge vorzuführen gedenke. Auch sie bergen eine überreiche Fülle des Interessanten und Beachtenswerthen, auch sie geben uns Gelegenheit, manches Intime über Wien und die Wiener zum Lobe zu sagen, ihren oft misskannten socialen oder künstlerischen Bestrebungen gerecht zu werden, überhaupt Manches aus der Geschichte festzuhalten, was uns zur Ehre, künftigen Geschlechtern aber zur Belehrung, Ermuthigung und Aneiferung gereichen mag. s ) Dort, wo einst Orchester und Pavillon des alten Wasserglacis standen, befindet sich gegenwärtig jener Theil desStadt- parkes, wo man am Schwanenteich promenirt, während der heutige Cursalon um beiläufig 30 Klafter weiter rechts weggerückt ist. *) Das Bild, von Emil llütter nach der Natur aufgenommen, zeigt uns das Gebäude mit einer Planke umzäunt und rechts im Hintergründe sieht man die Hütten des ehemaligen Tandelmarktes; auch das Dach der Heumarktkaserne ist sichtbar. XI. CAPITEL. Die Annagasse. on jenem kleinen, unansehnlichen Kirchlein, welches eine fromme Matrone im Jahre 1320 zu Ehren der heiligen Anna erbauen liess, erhielt die heutige Annagasse ihren Namen. Sie wurde auch genannt, von dem uralten Wiener Bürgergeschlechte der Pippiitger, das schon unter den Babenberger Herzogen hier sesshaft war. ‘) Sie mündet senkrecht in die Kärntnerstrasse und stammt wie alle übrigen zehn Seitengassen dieser Hauptverkehrsader aus dem XIV. Jahrhundert. Sie verbindet die Kärntnerstrasse mit der Seilerstätte; der auffallende Mangel an Kaufmannsläden verleiht ihr einen sonntäglichen Anstrich, und ihre Häuser sind alle überreich an historischen Erinnerungen. Gleich links vom Eingang aus der Kärntnerstrasse begegnen wir einem wichtigen Gebäude. Das St. Anna-Gebäude Nr. 980 (neu 3) war ursprünglich der Aufnahme armer und kranker Pilger gewidmet, welche Eigenschaft es als „Pilgramhaus“ bis in die Zeit des ersten Türkenkrieges (1529) beibehielt; dann wurde es (1531) den Nonnen von St. Clara eingeräumt. Als aber zur Zeit der Pest (1541) das ganze Kloster ausstarb, tiberliess Kaiser Rudolf II. dasselbe im Jahre 1553 den Jesuiten, die es bis zur Auflösung ihres Ordens inne hatten. Erst Kaiser Josef II. gab im Jahre 1786 diesem Gebäude eine andere wichtige Bestimmung, indem er der k. k. Akademie der bildenden Künste die weitläufigen Räume zur Benützung tiberliess und dieselben so in diesem-Jahre zum Sitze der Wiener Maler- und Bildhauerschule erhob. Eine grosse Gedenktafel aus rothem Salzburger Marmor ober dem Thoreingange ehrt noch heute das Andenken an den grossen Kaiser und erinnert an die erhabene Bestimmung dieses Ortes, indem die Aufschrift lautet: „Bonis litteris ingenuisque artibus Josephus II. 1]S6.“ Welche Bedeutung damals der Wiener Akademie beigelegt wurde, ja mit Recht beigemessen werden musste, geht schon aus ihrer Geschichte hervor. Es verlohnt sich daher der Mühe, meine Leser mit derselben im Nachfolgenden, wenn auch mit skizzenhafter Flüchtigkeit, bekannt zu machen. Geschichte der Wiener Maler-Akademie. Noch im XVI. und XVII. Jahrhundert gehörten die Maler wie alle übrigen Künstler in Oesterreich zum zünftigen Gewerbe. Das Kunstwesen stand dem Ausland gegenüber auf niedrigster Stufe und war nicht viel besser als ein gemeines Handwerk. Selbst noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts interessirten sich die vornehmen Wiener, ja selbst der Hof mehr für Musik als für die übrigen Schwesterkünste, und man machte den Wienern allgemein den Vorwurf, dass sie sich ‘) Schon 1272 bis 1281 wird hier Jllbert Pippittger genannt. Noch bis zum Jahre 17Ö0 kommt die Gasse in den Grundbüchern als Ttnna* oder pippitigerftrafi vor. Erst nach dieser Zeit verschwindet dieser letzte Name gänzlich. 43 * 340 Geschichte der Wiener Maler-Akademie. auf das Musikalische besser als auf Malerei verstünden, dass ihre allzu grosse Musikfreudigkeit Schuld daran wäre, dass sich die Wiener deshalb so lange von andern ernsten Bildungsquellen absperrten, und dass dieselbe sogar mancherlei Stockung und Trübung unseres Geisteslebens verursachte. Dieser Vorwurf ist gewiss unwahr oder doch mindestens übertrieben. In Wahrheit muss zugestanden werden, dass in Wien allerdings die Musik früher Schule machte als die Kunst (Malerei und Bildhauerei), und dass es im Temperament des Volkes, in seiner weichen Gemüthsart lag, wenn die überwiegende Musikliebe sich bei den Wienern unter allen Culturforderungen rascher und heftiger entwickelte als die Liebe zur Malerei und zu den übrigen Künsten. So erklärt sich denn auch, dass noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts die Kunst sehr im Argen lag, sich nur auf einseitige Nachahmung der Italiener, Franzosen, Spanier und Niederländer beschränkte und ganz vom Geschmacke des Auslandes abhängig war. Erst Leopold I., der Prachtliebende, vom Ehrgeiz getrieben, wollte es dem stolzen Frankreich gleichthun, dessen Akademie damals schon in vollster Blüthe stand. Er beauftragte demnach im Jahre 1704 den Hofkammermaler Peter Strudl, eine Kunstakademie nach französischem Muster zu bilden, die Kunst von nun an aus der Abhängigkeit des Zunftzwanges zu befreien und deren Jünger unter seinen unmittelbaren Schutz zu stellen. Doch erlebte er seine Schöpfung nicht mehr. Josef I., ein warmer Verehrer der Kunst, selbst Zeichner und Künstler, trat mit regem Eifer die schöne Erbschaft seines Vaters an, und schon am 18. December 1705 feierte die Wiener Kunstakademie ihre glänzende Eröffnung im Schönbrunnerhause, Tuchlauben Nr. 8. Es war dies das erste Künstlerheim. Der Anfang berechtigte zu den schönsten Hoffnungen. Peter Strudl wurde zum Director ernannt, ') die Schule in zwei Classen eingetheilt (Maler- und Bildhauerschule) und der eben so freigebige als kunstsinnige Graf Ludwig Philipp v. Sinzendorf vom Hof zum officiellen Beschützer der Anstalt bestellt. Gross war der Zudrang der Schüler, unermüdet die Schaffenslust der Kunstbeflissenen. Da plötzlich traf der erste harte Schlag die junge, kaum aufblühende Anstalt. Strudl, die einzige kräftige Stütze, starb im Jahre 1717 plötzlich hinweg, und es konnte kein tauglicher Ersatzmann gefunden werden. Die Folge davon war, dass die Anstalt nun durch volle zwölf Jahre ohne Unterricht blieb und alles so mühsam Errungene wieder ins alte Nichts zurückfiel. Im Jahre 1726 begründete Kaiser Carl VI. neuerdings die Akademie und diesmal für immer. Er ernannte den als Kunstfreund bekannten Hofbaudirector Grafen Gundaker v. Althan zum Protector und den aus Antwerpen berufenen Hofkammermaler Jacob van Schuppen zum Director der Akademie und eröffnete dieselbe am 20. August 1726 unter persönlichem Vorsitze im selben Hause. Van Schuppen war ein trefflicher Lehrer und vorzüglicher Director, er war eifrigst bedacht, die nöthigen Lehrmittel und Erfordernisse für alle Zweige der Kunst herbeizuschaffen, gute Vorbilder, tüchtige Modelle, eine schöne Anatomie, sowie die Instrumente für die Perspective etc. beizustellen. Durch seine Vermittlung wurde die Akademie um eine dritte Classe (die Architekturschule), mehrere ausgezeichnete Lehrer und einen Secretär vermehrt und alljährlich zur Belohnung für die besten Arbeiten Preise (goldene und silberne Medaillen) vertheilt. Das immer regere Interesse der Schüler, ihr zunehmender Fleiss und die bedeutenden Fortschritte in der Kunstleistung bewogen den Kaiser endlich nach Verlauf von sechs Jahren, das ganze gräflich Althan’sche Haus im ehemaligen Krautgässchen (nächst dem Graben) der Akademie zur Benützung einzuräumen und zu überlassen. Trotz dieser schönen Erfolge und der immer zunehmenden Entwicklung hatte die Akademie doch nach dem Tode Carls VI. (1740), ihres Gönners, mehrere Trauerjahre zu beklagen. Zwar sorgte Maria Theresia gleich nach ihrem Regierungsantritte für eine bessere Unterkunft der Akademie, nachdem derselben die gräflich Althan’schen Wohnräume durch bedeutendem Schülerzuwachs *) Eine Seitengasse der Waisenhausgasse im IX. Bezirke, genannt „Strubelbof", erinnert noch heute an den genialen Künstler und an die Besitzung, die er im Jahre 1690 ankaufte, um hier eine Villa und sein Atelier zu erbauen. Geschichte der Wiener Maler-Akademie. 341 zu enge wurden. Sie überliess nämlich jetzt der Akademie einen Theil der Hofbibliothekssäle zur Benützung. Dies war aber auch das Einzige, was sie für diese Kunstanstalt that. Man kann daher nicht sagen, dass Maria Theresia derselben besondere Beachtung zugewendet hätte, für die sie eigentlich nie das nöthige Interesse und Verständnis zeigte. Als van Swieten im Jahre 1745 als Hof-Leibarzt nach Wien kam, musste die Akademie die Localitäten der Hofbibliothek wieder eiligst räumen, weil sie zur Wohnung van Swieten’s umgestaltet wurden. Durch volle drei Jahre blieb nun die Akademie obdachlos und ihr Unterricht eben so lange unterbrochen, bis man endlich den Bitten ihres greisen Directors van Schuppen nachgab und sie im Jahre 1748 in dem Hofstallgebäude vor dem Burgthore unterbrachte. Welches Verständnis und welche Achtung man damals für die Aufgabe einer Kunstakademie in den massgebenden Kreisen hatte, geht schon aus dem Umstande hervor, dass man einen Hofvergolder und Spaliermacher, Ferdinand Astorffer, zum Vicedirector ernannte und ihn dem hochbetagten und hochverdienstvollen Akademiedirector Schuppen beigab, und schon nahe daran war ihm die Directorstelle zu verleihen. Ein energischer Protest von Seite van Schuppens, dem sich auch sämmtliche Akademiemitglieder anschlossen, vereitelte noch rechtzeitig diesen Plan. Im Jahre 1750 starb Graf Althan, und an seiner Stelle wurde Adam Graf Losy von Losymthal als Protector der Akademie ernannt, eine bei Hof äusserst beliebte Persönlichkeit, daher sich die Lehrer und Schüler der Akademie eine bessere Zukunft erhofften. Leider hatten sie sich auch hierin getäuscht, denn als im Jahre 1751 Schuppen starb, fand sich Niemand zum Nachfolger geeignet. Daniel Gran wäre der einzige Würdige gewesen, der aber den Antrag ausschlug, weil er eben im Auslande vortheilhaft beschäftigt war. Neue Verlegenheiten bereiteten sich vor, und mit Mühe kam man überein, einen interimistischen Director von den- Mitgliedern der Akademie selbst von nun an alle drei Jahre wählen zu lassen, um ja nur das Räderwerk der Maschine nicht ganz ins Stocken gerathen zu lassen. So blieben die Zustände in der Zeit zwischen 1751 bis 1759, also durch acht volle Jahre. Während dieser Zeit wurden Michael Unterberger und Paul Troger zu Directoren ernannt, gewiss zwei wackere Künstler, denen aber als Leitern die Autorität und das Ansehen fehlten. Es wurde daher das Bedürfnis immer dringender fühlbar, einen ständigen Director zu ernennen. Endlich glaubte man in dem ausgezeichneten Porträtmaler Martin von Meytens die richtige Persönlichkeit erblicken zu können, die vollkommen geeignet wäre, die Leitung mit Kraft und Nachdruck zu führen, und Maria Theresia ernannte denselben auch wirklich am 28. August 1759 zum definitiven Director, und schon am 1. September 1759 wurde Meytens durch den gräflichen Protector der Akademie vorgestellt. Diese Wahl, sowie die schon vor einigen Jahren (1756) bei Hofe durchgesetzte Uebersiedlung der Akademie von den Hofstallungen in das zweite Stockwerk der neuerbauten Universität liessen die besten Resultate für die Kunst in Zukunft erhoffen. Meytens ging wirklich mit Lust und Liebe ans Werk, er liess es an Einsicht und Energie nicht fehlen, unterstützte jeden Einzelnen mit Rath und That, sorgte für Vermehrung tüchtiger Lehrkräfte, und als vollends Graf Losy von Losymthal seine Protectorstelle dem mächtigen und kunstverständigen Fürsten Kaunitz abtrat, stand Alles im rosigsten Licht. Der Fürst vermehrte die Stipendien und gab reiche Dotationen aus seinem eigenen Säckel. Aber trotz alledem war der Kunst selbst mit allen diesen Vorkehrungen nur wenig geholfen, das Uebel lag wo anders. Es fehlte nämlich an einem innern Mittelpunkt, an einem gemeinsamen Bindemittel, um eine Selbstständigkeit und Unabhängigkeit in der Kunst zu erzielen. Jeder der einzelnen Kunstzweige war noch immer in verschiedenen Localen untergebracht und entbehrte so seines nothwendigen Zusammenhangs. Die Kupferstecherschule unter Jacob Schmutzer, die Graveur-Akademie unter Anton Domanöck, die Manufacturschule unter Florian Zeiss waren jede in einem andern Stadt- theil eingemiethet. So hatte auch (1767) eine Schule für Bossirer und eine andere für die Kunst 342 Geschichte der Wiener Maler-Akademie. in Erz zu schneiden (die unter dem besonderen Protectorat Kaunitz’ stand), dann die Schabkunst unter Jacobe und Haid jede ein anderes Domicil. Der Versuch, alle diese Akademien unter einen Hut zu bringen, lag daher sehr nahe, und der erste diesfällige Plan wurde der Kaiserin von dem kunstverständigen Canonicus aus Leitmeritz Johann Marcy im November 1769 vorgelegt. Die Kaiserin, die sich in Kunstsachen nie etwas selbstständig auszumachen traute, forderte den Staatsminister und Kunstliebhaber Fürsten Kaunitz auf, ihr ein umfassendes Gutachten abzugeben. Der Fürst warf sich mit wahrem Feuereifer auf diese Arbeit, die ohnehin schon lange ein Lieblingsthema seiner Conversation bildete, und die in jeder Reziehung merkwürdige Denkschrift wurde von ihm schon am 20. März 1770 der Kaiserin vorgelegt. Kaunitz beginnt mit einer allgemeinen Schilderung des Nutzens der Künste für den Staat unter Hinweis auf das Beispiel Frankreichs unter Ludwig XIV. Ein Poussin, Lebrun, Girandon, Mausard u. s. w. (sagte er wörtlich) haben der Nation durch Verbesserung des Geschmacks einen weit dauerhaftem Vortheil gebracht, als alle Feldherren wie Conde, Turenne, Vauban u. a. m. zusammengenommen. Durch diese Letztgenannten ohne die Erstem würde Frankreich, ungeachtet seiner erweiterten Grenzen, unter der unerschwinglichsten Schuldenlast gänzlich verarmt sein, während es jetzt auf dem Gebiete der Kunst und des Geschmacks alle Völker beherrscht. In den österreichischen Ländern, gleichwie in dem grössten Theile Deutschlands besässen die Einwohner mehr Fleiss als natürliche Anlagen, und die letzteren seien mehr auf die mechanischen als auf die schönen und freien Künste gerichtet, daher seien die österreichischen Künstler im Copiren und Nachahmen sehr geschickt, aber selbstständig Neues zu ersinnen und zu schaffen, dazu fehlt es ihnen an Erfindungskraft. Die Ursache dieses Mangels an Originalität erkennt Kaunitz offenbar in der unzureichenden Bildung und Schulung der Künstler. Durch die Errichtung der älteren Akademie sei zwar, meint er, viel Gutes, aber nichts Ganzes und Vollkommenes gethan worden. Im spätem Verlaufe der Denkschrift sagt Kaunitz weiter: Alle bestehenden Kunstschulen seien zu vereinigen, dadurch werde am besten der Scheelsucht unter den Directoren und Professoren der Akademie entgegengearbeitet, aber zugleich ein heilsamer Wettstreit zwischen ihnen erhalten. Kaunitz ging in seinem Berichte weiter als Marcy; er meinte, die Akademie müsse, sollte sie in Wahrheit den Namen einer „Akademie der schönen Künste und Wissenschaften“ verdienen, auch den theoretischen Theil der Kunst im vollsten Sinne neben dem praktischen Unterricht umfassen. Der Fürst theilte die schönen Wissenschaften in eine „historische“, „philosophische“ und „poetische“ Classe, und zählte zur letztem auch die „Mythologie“ und die „griechische und römische Alterthumskunde“. Maria Theresia übergab den mit dem Kaunitz'schen Gutachten unterstützten Marcy'schen Antrag zur Ueberprüfung an den Commercialrath und Staatsrath. Es lag nämlich in der Anschauung damaliger Zeit, sich alles Gute und Tüchtige von einer Commission zu erhoffen. Natürlich wagte Niemand der Ansicht des Fürsten entgegenzutreten und stimmte in Allem vollkommen bei. Gleichwohl gelangte der Plan nicht gleich zur Durchführung. Es war an das Wichtigste, auf den Kostenpunkt, vergessen worden, und die Sache musste durch Anträge von anderer Seite in Fluss kommen. Der treffliche Porträtmaler Anton Maron (von welchem die schönen Bildnisse im Marmorsaal des Belvederes herrühren), ein Schwager des berühmten Raphael Mengs, empfahl nämlich ausser dem Studium des Modells und der Antike das Zeichnen nach den italienischen Meistern der Blüthezeit, vornehmlich nach Rafael, Michel Angelo und Correggio, dazu wollte er auch „Geometrie“, „Perspective“ und „Anatomie“, kurz den ganzen wissenschaftlichen Apparat der Kunst gründlich gelehrt wissen, drang auf Wiedereinführung der Preisvertheilung und gab noch manche andere nützliche Winke und Rathschläge, die heute noch beherzigt zu werden verdienten. Geschichte der Wiener Maler-Akademie. 343 Mit dem Tode Meytens’ (1770) kam ein Wendepunkt in das Leben der Kunst und ihrer Akademie. Man fühlte das Bedürfnis nach Reorganisation. Am 25. März 1770, zwei Tage nach dem Tode Meyten s überreichte Kaunitz das Schlussgutachten, auf den Antrag Maron’s gestützt. Es wurde nun rasch die Vereinigung aller Akademieen beschlossen, Kaunitz unterm 18. Octoberl770 zum Protector derselben ernannt, und Maria Theresia fügte ihrer Genehmigung die originellen Worte hinzu: „€nt)ürtc UUtX bell einzigen gutten cffcctt pon bcr ciniidjt nnb aupicfrt bes enfchule pereinigt werten fannt welches um 4« eher 3 U geicbeben huf als hiernach 6ie (Eintbeilnng 6er öirnmer beftimint un6 gemacht werten muß." Als Föger sich mit der Josefine Müller, Tochter des Burgtheaterschauspielers Müller, verheiratete und sie ihm das erste Kind gebar, war Kaiser Josef ]I. Taufpalhe, und die Kleine erhielt nach ihm den Namen Josefa. — Als Hans Schnorr die Akademie in Wien als Reisender besuchte, schrieb er: „Den Ruf, den die Wiener Akademie hat, verdient sie auch mit vollem Recht: es kann keine Anstalt besser für die Bildung des studirenden Künstlers sein. Die schön erleuchteten Säle, die grosse Anzahl der emsigen Zeichner, die thätigen Professoren, die so schöne lebensgrosse Anatomie, alles dieses ladet unwiderstehlich ein.“ Füger hatte Glück mit seinen Bildern, er erzielte die höchsten Preise, die der Kunstmarkt damals kannte, und Kaunitz, Liechtenstein, Czernin, Harrach, Lamberg, Sinzendorf etc. wetteiferten darin, das bedeutendste Werk seiner Hand für ihre Sammlungen zu gewinnen. Die bereits genannte Courtine des Burgtheaters, sowie jene des alten Kärntnerthortheaters, an die wir ältere Wiener uns noch gerne erinnern (Melpomene, dem Genius der Wahrheit die Krone reichend), wurde nach seiner Zeichnung ausgeführt, die Meisterwerke der kaiserlichen Porzellanfabrik waren zumeist der Ausdruck seiner Ideen und gaben seine Schöpfungen wieder, und die höchst originelle Bemerkung, die der feine Bewunderer meist naiv hinwarf, ist eben so treffend als bescheiden und echt österreichisch. Kr sagte: „Ich hab’ halt Alles a bisserl angeben.“ Und in der That, Alles war damals nach ihm gearbeitet. Grabstichel und Radirnadel aller Meister arbeiteten fast nur nach seinen Vorlagen. Die Denkmale der hervorragendsten Männer, wie z. B. das Monument Laudon’s zu Hadersdorf oder das Grabmonument Collin’s in der Carlskirche, waren nach seinem Kntwurfe. Die Capellen und Galerieen des Kaiserhofes verdanken ihm ihre schönsten Verzierungen. *) Der Anstalt wurden durch dieses Statut ein Curator, ein Präses, ein Secretiir, zwei ausserordentliche und zehn ordentliche Räthe beigegeben. Die Akademie zerfiel nun definitiv in vier Kunstschulen, wovon eine die Maler-, Bildhauer- und Kupferstecherschule, eine andere die Architektur-, eine dritte die Graveurschule für Stahl, Krz und Edelstein und endlich die vierte und letzte die Schule für Anwendung der Kunst auf Manufactur war. Es wurden viele Stiftungsstipendien für sechsjährige Dauer geschaffen und im Hofe ein Gebäude für Bildhauerarbeiten eingerichtet. Man nannte es den „Zaunerstadel“, weil es das Atelier Zauner’s war, der hier sein unsterbliches Meisterwerk, die Reiterstatue Josefs II., entwarf und modellirte. Geschichte der Wiener Maler-Akademie. — Die Annakirche. 345 in einer schönen Wirklichkeit auf und ist bemüht, gleich weit entfernt von gemeinem Realismus und überfeinertem Idealismus die goldene Mittelstrasse zu bewahren. Wahrheit, Schönheit und Einfachheit sind heute die anerkannt göttliche Dreifaltigkeit in der Kunst; Wahrheit, Schönheit und Einfachheit der Ausgangspunkt jedes künstlerischen Wirkens und Strebens. Seit der Eröffnung der neuen Kunstakademie auf dem Schillerplatze, d. i. seit 1. October 1876, ist den Kunstjüngern nirgends mehr Gelegenheit geboten, etwas Tüchtiges und Gründliches zu lernen, als hier. Die Vereinigung aller Kunstzweige in einem Hause, die Vorlage trefflicher Modelle und Muster, die Besetzung der Lehrstühle durch treffliche Kräfte, die einheitliche Leitung des Ganzen in der zielbewussten Hand eines Directors und endlich die reichen Kunstschätze aus jeder Zeit und Schule geben dem Lernenden die Mittel an die Hand, eben so grosse als rasche Fortschritte in der Kunst zu machen. Aber auch neuester Zeit die permanenten Ausstellungen im Künstlerhause und im österreichischen Kunstverein — auf die ich später zurückkommen werde — haben zur Hebung des künstlerischen Wollens und Könnens und zur Hebung des Geschmacks beigetragen, und andererseits hat sich der Eifer überdies noch durch die Verleihung zahlreicher Stipendien, Preisvertheilungen und Stiftungen an kunstbeflissene Jünger gesteigert. Dies ist in kurzen Zügen die Geschichte unserer Akademie, wie sie sich seit ihrem Anbeginne (1704) in ihren einzelnen Phasen bis heute, also durch 179 Jahre entwickelte. Doch kehren wir zu unserem Gegenstände zurück. Das Annagebäude beherbergte seit 1774 jene deutsche Musterschule, die nach Sanctionirung der neuen Schulordnung Maria Theresia s vom 6. December 1774 von St. Stefan in die Räume des Annahofes übersiedelte und Normal-Hauptschule genannt wurde, weil sie die Norm für alle übrigen Schulen Oesterreichs in Zukunft bilden sollte. Das Annagebäude hat besonders an seiner rückwärtigen Seite weitläufige Gänge, Corridore und Säle und sehr tiefe Keller, wo einst die reichen Weinvorräthe der Jesuiten aufbewahrt wurden. ln diesen weiten unterirdischen Räumen hatte in der Zeit zwischen 1835 und 1857 ein auf die Naivetät und die Unterhaltungssucht der Wiener speculirender Kaffeesieder Daum sein weltbekanntes „Elysium“ errichtet. Hier befand sich auch, wie noch heute der Schulbücher-Verschleiss seit 1778 und eine kaiserliche Kunsthandlung mit Kupfer- und Stahlstichen, Landkarten und colorirten Bildern. Weil aber das Geschäft die Regiekosten nicht deckte, wurde dasselbe in den Vierzigerjahren wieder gesperrt und die eiserne Gewölbthüre mit einer Querstange versperrt, wie man noch heute von der Gasse aus bemerken kann. Einen Theil des Gebäudes nimmt die Kirche ein. Die Annakirche war ursprünglich eine kleine Capelle, die im Jahre 1320 sammt einem Pilgrimhaus von einer frommen Matrone gestiftet und im Jahre 1415 von Elisabeth Warthenauerin in eine grössere Kirche umgewandelt und erweitert wurde. Als aber am 25. Juni 1747 ein furchtbares Ungewitter über Wien hereinbrach und ein Blitzstrahl die Kirche und den Thurm entzündete, ') wurde die Kirche renovirt und jene reiche Ausschmückung mit Marmor und Vergoldung vorgenommen, wie sie sich noch gegenwärtig zeigt. Die Annakirche gewann ihren wesentlichen Baucharakter in den Jahren 1582 —1583, in welcher Zeit die Jesuiten die Annakirche und den Annahof von Kaiser Rudolf II. übernahmen. Die Kirche wurde damals in jenem Style umgebaut, den man nocffheute den „Jesuitenstyl“ nennt. ') Bei dieser Gelegenheit wurde ein weiterläutender Novize, wie dies eine Kirchenreparatur-Rechnung vom Jahre 1747 erweist, vom Blitze getödtet. 44 Die St. Annakirche. «IM ÜHl i * t- k. fli/upf; tütCZJI fV*äb5ä& i:\t- s>C ■■^ 5 ? # >Ä,vf .* J -4 §££&& ?a sf.sSsiÄ 5*5: “S&s §H§&$g^§j ^ 3*3 xluijdUn 1 I: M ■Ä=tri ru^. .LitWj-. S»5 KteCd C-^-fc.--^ > *>. &&&?& T 1 ,' --T- A Lr“ t T-^if ts mw .&JS&l;iv 6 » Vt=~r fir.KKKKKKKISr.lSi isKismsl m\m\\ IIBlilllHlli !i!iiiii!i;i: LZW IE»! I!l!lfl!l!l «nmiiiuw innnlr’f' &§**■*-] Der Mariazellerhof. 347 Seit der Aufhebung der Jesuiten (1773) ist die Annakirche die Nationalkirche der Franzosen und das einzige Bethaus der Stadt, in welchem alle Sonn- und Feiertage in französischer Sprache eine Predigt abgehalten wird. Das schöne Muttergottesbild und die Kuppel sind vom Jesuiten Pozzo gemalt, auch befinden sich hier mehrere kostbare Gemälde von Daniel Gran und Schmidt (Vater). Interessant ist die Bemerkung, dass, als Erzbischof Kollonits im 75. Lebensjahre am 20. Jänner 1707 verstarb, er hier in der Kirche begraben wurde. Seine Verwandten aber Hessen seine Leiche wieder ausheben und nach Pressburg übertragen, wo sie dieselbe in der von ihm gestifteten Salvatorkirche beisetzten. Ein Bild sub Figur 127 zeigt uns die Kirche vor dem Brandunglück, also in ihrer noch nicht renovirten Gestalt, wie sie vor dem Jahre 1747 ausgesehen. Der Mariazellerhof Nr. 984 (neu 5) hat seinen Namen vom Kloster Klein-Mariazell, dem der Wiener Bürger Stefan von Hohenberg dieses Haus im Jahre 1482 schenkte. Das Haus hat zwei Höfe, wovon der grössere der Annagasse und der kleinere der Johannesgasse zugekehrt ist. Iin Jahre 1834 wurde der Mariazellerhof in der Johannes- und Annagasse ganz neu und geschmackvoll aufgebaut, und es befindet sich gegenwärtig das k. k. Hofkammerarchiv und die oberste Rechnungsbehörde in demselben. Bei Gelegenheit des Neubaues wurde auch jenes alte meisterhaft gearbeitete Steinbasrelief im rückwärtigen Hofraume an gesicherter Stelle wieder eingemauert. Eine getreue Abbildung dieser Fig. 128. Basrelief im Hofraume des Mariazellerhofes. hochinteressanten und noch guterhaltenen Sculptur des XV. Jahrhunderts bringe ich meinen Lesern sub Figur 128. ‘) ‘) Es zeigt die Muttergottes mit dem Kinde, unter einem altdeutschen Thronhimmel (Baldachin) sitzend, zu beiden Seiten Mönche und Nonnen, die in knieender Stellung Maria anbeten und ihr Opfer darbringen. Auf der rechten Seite kniet der Abt mit einer Rolle in der Hand, zu seinen Füssen ist ein Wappen (mit einem Schweinskopf) abgebildet, ihm gegenüber sehen wir Stefan von Hohenberg, den Geschenkgeber, der das Modell eines Hauses der Gottesmutter darreicht, womit der Künstler die Widmung des Hauses an das Stift andeutet. Ueber den Häuptern bemerken wir eine ausgebreitete Schriftrolle mit den Worten: „Recordare virgo maicr dum steteris in conspectu Dei ut loquaris pro nobis bona 1482.“ Die Abbildung dieses schönen Kunstdenkmals des XV. Jahrhunderts (das als Wahrzeichen der Stadt betrachtet werden kann) befindet sich bei La borde, Lichnowsky und in der kirchlichen Topographie des gelehrten Mölkers Keiblinger, V. Band, Seite 3i äusserst genau beschrieben. 44* 348 Der Mailbergerhof. — Das Haus »zur schwarzen Katze.“ — Der Kremsmünsterhof. Der alte Mailbergerhof Nr. 985 (neu 7) ist insofern historisch merkwürdig, als sein Gründer und Erbauer niemand Geringerer war, als der berühmte Kirchenfürst und Patriot Leopold Graf Kollonits, der sich während der Kriegsbedrängnisse Wiens bei der zweiten Türkenbelagerung (1683) so grosse und ewig denkwürdige Verdienste erwarb, ‘) wodurch er sich im Herzen der Wiener ein bleibendes Denkmal schuf. Mit dem Jahre 1775 verlor das Haus seine Benennung als „Mailbergerhof“, weil es den Malteser Ordensrittern als Commendehaus überlassen wurde. Gegenwärtig ist hier die Commende des Johanniterordens untergebracht, daher auch die beiden Thorflügel des Hauses noch heute mit dem Kreuze dieses Ordens geschmückt sind. Das Haus Nr. 986 (neu 9) gehörte ehemals zum Kloster der Jakobinerinnen und 1795 als Pensionatshaus zu St. Stefan. Seit 1802 wurde es aber in ein Zinshaus der Ursulinernonnen umgewandelt, das es bis heute geblieben ist. Das Haus, welches früher aus zwei kleineren Häusern bestand, wurde schon im Jahre 1795 in jene Gestalt umgebaut, in der wir es noch gegenwärtig sehen. Das Haus „zur schwarzen Katze“ Nr. 987 (neu 11). Auch dieses Haus war einst Eigenthum des Jakobinerklosters und bestand noch bis zum Jahre 1782 in seiner primitiven Form als sogenannter „Stadl“ zur Aufbewahrung der Feldfrüchte. Nach Aufhebung des Klosters kaufte es 1784 der noch allseits in ehrenvoller Erinnerung stehende Hofjuwelier Franz Edler von Mack, dessen Familie es nach seinem im Jahre 1805 erfolgten Tode in Besitz nahm. Seine dermalige Gestalt erhielt das Haus bereits im Jahre 1715, indem es in diesem Jahre vom Grund aus neu aufgebaut wurde, wie es die Jahreszahl am Thorschlusse abgebildet zeigt. Gegenwärtig ist das Ursulinerkloster Eigenthümer. Seit den ältesten Zeiten befand sich hier bis in die neueste Zeit eine Schenke mit dem Schilde „ 3 m 1 fuejmttg, *) Schon vor der Türkenbelagerung begab sich Leopold Graf Kollonits nach Wien, um das Schicksal der Stadt zu theilen, und brachte eine grosse Menge von Lebensmitteln mit, die er in langen Wagenzügen nachfolgen liess. Während der Cernirung stand er dem Stadtcommandanten hilfreich zur Seite, pflegte die Verwundeten, tröstete die Sterbenden, überwachte strengstens die Löschanstalteu, steuerte dem Wucher der Lebensmittelpreise, und dort, wo in den überfüllten Spitälern der Tod am grauenhaftesten würgte, erschien er um so häufiger und unerschrockener als tröstender Engel und Retter. Nach dem glücklichen Entsätze der Stadt aber zeigte sich erst recht im schönsten Lichte die erhabene Gesinnung und reine Menschenliebe dieses edlen Kirchenfürsten. Nicht weniger als S00 Christenkinder, deren Eltern entweder getödtet oder in die Sclaverei geschleppt waren, sowie arme und kranke Christen brachte er in die Stadt und sorgte für ihre Unterkunft und Verpflegung. Er wurde filr seine Verdienste 1692 zum Staats- und Conferenzminister und zum Präsidenten der Hofkammer und 1695 zum Erzbischof von Gran und als solcher zum Primas von Ungarn ernannt. Uebrigens wohnte er nicht hier im Hause Nr. 985, sondern im Heiligenkreuzerhof, wo ihn auch am 20. Jänner 1707 der Tod ereilte. *) Das Haus „JUt fcfjUXtt;3ett Rat)" und der seit ältesten Zeiten hier bestehende gleichnamig beschildete Weinschank hatte ein Schild, auf dem eine grosse schwarze Katze auf einem Fasse sitzend abgebildet war. Dies gab den Wienern Veranlassung zu dem uralten Sprichwort: „einen Wein zu begehren, wo die schwarze Katz am Fassei sitzt.“ Der Herzogenbuigerhot. — Der Täubelhof. — Das gräfl. Nadasdy-Batthyany’sche Haus. 349 die in Niederösterreich viele Schlösser und auch die Feste Dürrenstein bei Krems an der Donau besassen, welche eine Zeitlang als unbezvvinglich galt. ‘) Der Herzogenburgerhof Nr. 1002 (neu 6) ist ein althistorischer Besitz des geistlichen Stiftes Herzogenburg. Probst Paul Zuekh kaufte dieses Haus von dem niederösterreichischen Landmarschall Simon Freiherrn von Lamberg im Jahre 1600 und verlieh so demselben den Namen Herzogenburgerhof, den es bis heute beibehielt. Vor Zeiten war das Haus ein Durchhaus, und die im Hofe an der Stelle des ehemaligen Thores neu aufgebaute Wagenschupfe lässt noch deutlich die Spuren des grossen Schwiebbogenthores in der Kruger- strasse erkennen. 8 ) Der Täubelhof 1001 (neu 8) hat seinen Namen von einem frühem Besitzer. Als kunsthistorisches Curiosum sei bemerkt, dass aus diesem Hause die Anfänge einer ersten Wiener Kupferstecherschule hervorgingen, indem Fürst Kaunitz hier eine „Zeichnung- und Kupferstecher-Akademie“ gründete und in den Räumen des ersten Stockwerkes etablirte, wo sie auch bis zum Jahre 1776 verblieb, bis sie dann auf des Fürsten Verwendung in den gegenüberliegenden St. Annahof übersiedelte. * 2 3 ) Das gräflich Nadasdy’sche und später Batthyany’sche Haus Nr. 1000 (neu 10). Zwei merkwürdige Namen knüpfen sich an den Besitz dieses Hauses. Beide gehören dem höchsten ungarischen Adel, aber verschiedenen Epochen an, und beide wurden durch Verkettung von Umständen von den politischen Sturmfluten ihrer Zeit fortgerissen, in denen sie auch untergingen. Schon bei Nennung dieser Namen wird uns das ganze blutige Drama der ungarischen Revolutionsgeschichte wachgerufen, und wehmuthsvoll erinnern“ wir uns der vielen Opfer, welche einen unzeitigen Freiheitsdrang mit ihrem Herzblute büssen mussten. Der Eine, Franz Graf Nadasdy, fiel wegen Theilnahme an der Frangipani'schen Verschwörung am 30. August 1671 durch das Schwert des Henkers; der Andere, Ludwig Graf • ') Der älteste Besitzer des Hauses war 1372 Ulrich Kirchling, 1389 Eva Dürnpekin, 1416 Hans Wisperg, 1417 Clemens Rorvogel, 1420 bis 1425 die Herren von Pottendorf und Stubenberg, 1433 Chuenring, 1450 Albrecht Graf Prett, 1522 Franz Wiesing, 1541 Andr. Schwerdler, 1546 Franz Vizin, von welchem es an das Stift Herzogenburg gelangte und mit dessen Hof (Nr. 1002) vereinigt wurde, 1628 das Stift Seissenstein und endlich seit 1675 das Stift Kremsmünster, welches noch heute der Besitzer dieses Hauses ist. 2 ) Die ältesten Besitzer dieses Hauses waren: 1368 Friedrich von Enzesdorf, 1383 Taxenbekh, 1395 Hans und 1425 Albrecht genannt der „6cftDrinn>arter", von diesem erwarb es Johann Warschütz, kaiserlicher Hofdiener, nach dessen Tode es Kaiser Friedrich III. selbst kaufte und Achaz Schott von Kinberg an Stelle des demselben geschuldeten Soldes schenkte. Im Jahre 1546 kaufte der „"Bofprofofi" Bernhard Guldinger dieses Haus, das er schon im Jahre 1587 an Judith Rothin (geborene Rathabrunn) weiterverkaufte. Nach ihr kam Ulrich von Lamberg und später dessen Sohn Simon Freiherr von Lamberg und zuletzt im Jahre 1600 das Stift Herzogenburg an die Gewähr, das sich noch heute, also nach Verlauf von 283 Jahren, im unveränderten Besitze des Hauses befindet. Im Jahre 1623, zur Zeit der protestantischen Wirren, kam es hier zwischen den Hausbewohnern und den Leuten des päpstlichen Nuntius zu einem argen Excess, letztere verschafften sich unter tumultuarischem Zusammenlauf des Volkes mit Gewalt in diesem Hause Quartier. 3 ) Seit dem Jahre 1700 kommt dieses Haus im Grundbuch als „lag=25uc£ee /V vom Jahre 1411 beweisen vielmehr, dass schon um diese Zeit ein lj)a&en hart." Mit Anfang dieses Jahrhunderts wurden sie aber von den sogenannten „Zeiseiwagen“ verdrängt; auch dies waren durchwegs einspännige Lohnwagen, die mit ihren Standplätzen vor die Linie verbannt waren, und anstandshalber nie die Stadt befahren durften, gleichwohl aber eigene Wagennummern hatten, für die sie hohe Steuer zahlten; auch sie wurden von der Alles verfeinernden Cultur unbarmherzig für immer hinweggefegt, ohne dass auch nur eine leise Spur von ihnen übrig geblieben wäre. Wir altern Wiener erinnern uns noch recht gut und mit Vergnügen jener hellfarbig angestrichenen dünnteibigen „Zeiseiwägen“, die mit ihrem Leinendach und Seitenplachen (die man auf Wunsch herablassen konnte) den Fahrgast von allen Seiten schützten, und nicht selten sogar über einen gewissen, wenn auch bescheidenen Comfort verfügten, indem ihre Sitze und Sitzlehnen mitunter gepolstert waren. Aber so originell wie die Wagen waren auch ihre Kutscher. Eine kühn aufgestülpte Mütze, die unvermeidlichen „Sechser“ an den Schläfen, der Glimmstengel im Mund, ein Halstuch mit schreienden Farben, ein kurzer Spenser bildeten den äussern Menschen, aber der kühne Humor, die schneidige Sprache, der Dialect aus den Gefilden vom Ihury oder Lichtenthal, die Findigkeit und Anstelligkeit Hessen in ihnen jene Species von Rosselenkern erblicken, die wir nur vor der Linie trafen, und die nicht selten manchen Fiaker an Schnelligkeit und Kühnheit im Fahren überboten. Man fuhr zwar etwas holprig, aber schnell und billig. Eine Fahrt nach Hütteldorf, in die Brühl oder, wenn es hochging, Sonntags nach Klosterneuburg wurde mit 20 Kreuzern Wiener Währung bezahlt. XIV. CAPITEL. Augustinerstrasse. ange vor Friedrich dem Schönen (1326) kam diese Strasse in den Grundbüchern als Hochstrasse vor und war eine Fortsetzung der heutigen Herrengasse, die noch von den Römern „Strata alta “ (Hochstrasse) genannt wurde. Ihren gegenwärtigen Namen erhielt sie von dem im Jahre 1327 hier erbauten Augustinerkloster, dessen Kirche und Stiftshaus die ganze eine Seite der Gasse bildeten und noch heute bilden, daher als die bedeutendsten Baulichkeiten dieses Ortes zuerst besprochen zu werden verdienen. Augustinerkirche und Kloster, ihre Gründungs- und Baugeschichte. Friedrich der Schöne wurde von seinem Gegner Ludwig dem Baier gefangen genommen und auf dessen Feste Trausnitz gebracht, wo man ihn längere Zeit festhielt. Dort schwur er ein feierliches Gelübde, ein Kloster zu bauen, wenn er seine Befreiung erhielte. Nun gelang es dem Beichtvater Ludwigs, Prior Conrad, einem Augustinermönch, der auch Zutritt zu Friedrich hatte, die Befreiung des letztem zu erwirken. Als Friedrich wieder frei war, berief er, eingedenk seines Gelübdes, diesen Prior sammt mehreren Ordensbrüdern der Augustiner-Bar- füsser nach Wien, behändigte ihm die vom 15. März 1327 datirte Urkunde zur Stiftung des Augustinerklosters und dotirte diesen Orden so reichlich, dass die Brüder an der Stelle des kaiserlichen Jagdhauses nächst der Burg Kirche und Kloster erbauen konnten. Im Jahre 1330 wurde der Grundstein hiezu gelegt und das Ganze schon im Jahre 1339 vollendet, worauf die Einweihung am 1. November 1349 durch den Passauer Generalvicar Ortlof erfolgte. *) Dieser Bau ist für das Studium der mittelalterlichen Architektur schon deshalb hochinteressant, weil er den Nachweis von der frühen Anwendung des Hallensystems in Oesterreich bildet und der einzige einheitliche Bau ist, der in die Blüthezeit der Gothik fällt. *) Vide „Die Gründungsgeschichte der Augustinerkirche“ von Feil in Schmidl’s „Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst“, 1848, Seite 227 bis 228. 8 ) Das Langhaus ist dreischiffig und wird durch fünf Pfeilerpaare in drei gleich hohe Schiffe getheill. Jedes Schiff hat sechs Gewölbjoche, die mit Kreuzgewölben eingedeckt sind. Das Mittelschiff ist fast noch einmal so breit als die Seitenschiffe. Der Uebergang der Gewölbrippen in die Pfcilervorlagen wird durch kleine Blumencapitäler vermittelt. Die Wand- pfeiler sind jenen des Schiffes gleich profilirt. Der Thurm baut sich im Viereck auf; er war im Laufe der Zeiten vielfachen Wandlungen unterworfen. Gegenwärtig bildet er beim Uebergang zum durchbrochenen Helm eine Gailerie mit schönen Phialen. An der Südseite des Langhauses (jedoch getrennt durch Ueberreste des ehemaligen Kreuzganges) liegt die Georgscapelle. Diese Capelle ist zweischifllg, jedes Schiff schliesst mit fünf Seiten eines Achttckes ab. Die Rippen vereinigen sich an den Pfeilern zu Bündeln, welche auf Halbsäulen absetzen. Eine der schönsten Verzieiungen der Capelle bilden die an der Wand angebrachte», nischenartig vertieften steinernen Sitzbänke mit spitzbogigen Arcaden in Form von Triphonen. Nach den Tafeln der Wiener Baumeister-Genossenschaft erscheint im Jahre 1339 ein Dietrich Ladtner als Baumeister dieser merkwürdigen Kirche angeführt. Vide Näheres bei Dr. Carl Lind in den Berichten des Wiener Alterthumsvereines, 111. Band, Seite 157. Die Augustinerkirche aus dem Jahre 1724. I TEflME 365 Fig. 132 . Augustinerkirche und Kloster nebst dem Dietrichstein'schen Palais aus dem Jahre 1724. 366 Die Augustinerkirche. Erst im Jahre 1354 wurde der Thurm vollendet, der Bau des Chores aber erst zu Ende des XIV. Jahrhunderts in Angriff genommen und durch Kaiser Ferdinands Gemahlin Eleonore von Mantua die Lorettocapelle im Mittelschiff der Kirche um das Jahr 1627 erbaut, welche dann in so grossen Ehren gehalten wurde, dass man in die Gruft die Herzen der verstorbenen Fürsten des Kaiserhauses in silbernen Urnen beisetzte. Aber schon am 24. Mai 1784 wurde diese Capelle wieder abgetragen und eine neue Lorettocapelle errichtet. Auch das Klostergebäude, bereits ganz baufällig, musste im Jahre 1720 neu erbaut und erweitert werden. Das Innere der Kirche wurde gleichfalls grossen Veränderungen unterworfen und erhielt seine jetzige Gestalt erst durch Kaiser Josef II. im Jahre 1786. Doch wurde die ursprüngliche Abtheilung in Schiff und Chor beibehalten. Die Aussenseite der Kirche ist aber gänzlich umgestaltet, die ganze westliche Seite durch das hohe Gebäude des Naturaliencabinetes verbaut, ebenso die südliche, nur gegen Norden ist noch der alte Bau vorhanden. Auch der jetzige Thurm gehört nicht mehr der ursprünglichen Bauart an. Während des grossen Sturmes, welcher am 1. October 1807 über Wien wüthete, wurde die ganze Kuppel desThurmes herabgeworfen, und seine Trümmer bedeckten das Strassenpflaster, ohne dass ein Menschenleben zu beklagen war. Aber auch der spätere Thurm, der an die Stelle des verunglückten kam, wurde durch Feldzeugmeister Windischgrätz, der mit seinen Kanonen am 31. October 1848 die eigene Stadt vom äusseren Burgthore aus heftiger als jeder erbittertste Feind beschoss, stark beschädigt und musste durch den gegenwärtigen ersetzt werden. Diese vielen Umbauten und Renovirungen hatten zur Folge, dass Kirche und Kloster eine totale Veränderung erfuhren. Ein Bild sub Figur 132 macht uns mit jenen Baulichkeiten bekannt, wie sie noch in den Zwanzigerjahren bestanden, ') während ein anderes Bild sub Figur 133 uns denselben Gegenstand aus der Gegenwart zeigt. * 2 ) Aber auch die Innenräume der Kirche sind durch mannigfache Kunstschätze und Denkmale ausgezeichnet; die hervorragendsten sind folgende: Die Kunstschätze der Augustinerkirche. Der alte Hochaltar (der schon am 27. December 1784 eingeweiht wurde), im streng römischen Styl gehalten, zeichnete sich durch vortreffliche Altarblätter von Tobias Bock und das Bild der heiligen Anna von Spielberger, dann an der rückwärtigen Wand durch ein herrliches Fresco von Maulbertsch, den heiligen Augustin in der Glorie darstellend, aus. Da aber im Laufe *) Diese Ansicht zeigt uns die Hof- und Pfarrkirche bei St. Augustin und das gräflich Dietrichstein’sche Haus um das Jahr 1724. Das Originalbild ist von Salomon Kleiner gezeichnet und von Hieronymus Sperling gestochen, 35‘S Cm. breit und 22'5 Cm. hoch. Links im Bilde bemerken wir das Kloster noch mit den alterthümlichen Gitterfenstern und vorne ein Stück jener alten Basteimauer, die zur Augustinerbastei hinauffilhrte. Der Thurm zeigt sich uns bereits in jener durch Ferdinand 111. (1652) erhöhten und verschönerten Gestalt, dann die Kirche, deren äussere Strebepfeiler noch nicht bis zur Erde reichten, sondern an der Bedachung eines Vorbaues ansetzten. Unmittelbar an die Kirche schliesst sich jenes alte kaiserliche Reitschulgebäude, an dessen Stelle später das Naturaliencabinet kam, welches noch gegenwärtig hier an der Ecke seine schmale Frontseite bildet. Im Hintergründe sehen wir einen Theil der Hofburg, ober der rundbogigen Durchfahrt aber jenen gedeckten Gang, der von der Burg in’s Königskloster führte, rechts das Bürgerspital (damals noch zweistöckig) und gegenüber das imposante Dietrichstein’sche Palais, das im Jahre 1690 erbaut wurde und im Jahre 1733 in den Besitz der fürstlichen Familie Lobkowitz überging. Rechts im Hintergründe zeigt sich die Dorotheer- kirche mit hoher Bedachung. Interessant im Bilde ist die reiche Staffage mit ihren Figuren, Wagen und Reitern, besonders im Vordergründe jene sechsspännige Staatscarosse mit Läufern und drei Dienern, die rückwärts auf dem Wagenbrett stehen. 2 ) Das Originalbild, nach der Natur von Emil Hütter gezeichnet, zeigt uns Kirche und Kloster bereits in ihrer heutigen modernen Gestalt, mit der Auffahrt auf die Augustinerbastei und einen Theil des Al brechts-Palais, im Hintergründe links ragt das Naturaliencabinet über der Kirche empor. Beachtenswerth ist besonders der neue Thurm mit seiner schönen mit Phialen reich geschmückten Spitze, dann an der Front der Kirche die bis zur Erde reichenden breiten Strebepfeiler, zwischen welchen hohe Spitzbogenfenster emporstreben, die einst mit kostbaren Glasmalereien verziert waren. Im Hintergründe sehen wir einen Theil der Hofburg mit der breiten Durchfahrt auf den Michaelerplatz und rechts das fürstlich Lobko wi tz’sche Palais. Die Augustinerkirche aus der Gegenwart. 367 ?■ | iliV li iCN in * ;> ~c Üfrfc-Ifc» 5S^I -J. -V+5PS =©emakb." (Würzburg, 1704.) „2tbraßamifcbes iSeftßeibeflcn." (Nürnberg, 1714.) „Hbrabamifcbe Cauberbüttcn.“ Drei Bände. (Wien, 1721 bis 1723.) „Tmi unb Pfui ber Hielt." (Würzburg, 1707.) Eine kleine Schrift für die Türkenbelagerung mit dem Titel: „2(uf, 2(Ut, Jßr (Sßrifteit, b. i. eine beroeglitße Uuffrifcßung ber (ßriftlicben IDaffen triber ben türtiftßen Blutegel." Endlich eine Predigt: „HTcrt’s M &allfe •Mtif.aigB 48 I'itj. ISO. Die Staatskanzlei aus dem Anfang des XVII. Jahrhunderts. 378 Staatskanzler Fürst Metternich. die Schicksale der Menschen und Staaten vollziehen, und sowie überhaupt jede Stätte ehrwürdig ist, wo ein starker, grosser Geist gewirkt und geschaffen, so ist uns jenes Arbeitszimmer doppelt interessant, wo ein mächtiger Staatsmann durch 40 Jahre das Geschick Oesterreichs, ja man kann sagen Europas gelenkt. Nachstehend biete ich den Lesern eine interessante Abbildung, die mit gewissenhafter Genauigkeit das berühmte Arbeitszimmer des grossen Staatskanzlers in allen seinen Details darstellt. Es ist darin auch nicht die geringste Kleinigkeit vergessen, deren manche bei ihrer Geringfügigkeit an das Bedeutendste anknüpft. Wie das Bild sub Figuv 137 zeigt, ist der Arbeitssalon mit vielerlei Nippsachen, chinesischen und japanesischen Vasen, Bouquets und schön arrangirten Blumentischen geziert, welche uns im Kanzler den Genussmenschen errathen lassen, der, wenn es das Geschäft erlaubt, seinem A r ergnügen manches Opfer zu bringen versteht. Bedeutsam für uns ist die Art und Weise, wie Metternich sein Arbeitszimmer mit Bildern, Büsten und Statuetten ausgchmückte, und welche Wahl er dabei traf, und wenn wir hier genaue Umschau halten, so sind wir nicht wenig überrascht, in all’ den vielen Reiterstatuen, Porträts und Büsten gerade seinen heftigsten Gegner, seinen grössten politischen Widersacher zu finden, der ihn oft schwer beleidigte, ich meine nämlich Napoleon. Oder war es nicht vielleicht ein feiner diplomatischer Zug, wenn Metternich gerade durch diese Schaustellung das Gehässige der Rache milderte und unauffällig zu machen suchte? Die Empfangsthüre des Salons war, wie wir im Bilde sehen, so eingerichtet, dass Metternich von seinem Schreibtisch aus (wo er stets mit einem Beamten arbeitete, um nicht ohne Zeugen zu sein) die -Eintretenden vorher eine Zeit lang betrachten konnte, ehe er mit ihnen sprach, denn er pflegte Jedermann rasch und genau zu studiren, ehe er sich mit demselben in eine Conversation einliess, und behandelte Jeden nach seiner Individualität und nach dem Eindrücke, den Jener auf ihn machte. Endlich tritt uns die Gestalt des Fürsten selbst hier im Bilde entgegen. Die Haltung war kalt und stolz, die Bewegungen und Manieren ruhig und gemessen, seine Gesichtszüge stets unverändert, daher man hinter ihnen nie lesen konnte. Der feingeschnittene Mund (der sich rühmen konnte, von Niemandem lachend gesehen worden zu sein) hatte etwas Feierliches, Imponirendes, sein ganzes Wesen etwas Verschlossenes, Zurückhaltendes, Fremdes. Man sah es dem Manne an, dass er das geflügelte Wort erfunden: „Nach mir die Sündflut.“ Und doch hatte er, der ernste Diplomat, auch rein menschliche Seiten. Er war z. B. ein Verehrer der Kunst und liebte den italienischen Gesang. Er konnte zu Zeiten sehr gesellig sein, und sein Arbeitszimmer wimmelte alsdann von Künstlern, Dichtern und Gelehrten, und in seinem Schlosse Königswart bei Marienbad sah man nicht selten die erlesenste internationale Gesellschaft Whist spielen, besonders in seinen jüngern Jahren war er liebenswürdig und beschäftigte die Salons mit seinen Bonmots und galanten Abenteuern. Es gab sogar eine Zeit, wo er sehr redselig war und seine Gäste mit Erlebnissen aus seiner Jugend unterhielt. Am liebsten erzählte er, wie er dem Gewaltigen in Paris mit Muth und Kaltblütigkeit gegenübertrat, wie Napoleon z. B. während seines ersten dortigen Aufenthaltes auf ihn losging und ihn mit beiden Händen am Rocke fasste und ausrief: „Ich weiss eigentlich nicht, was Ihr Kaiser von mir will!“ und er treffend antwortete: „Dass Sie vor Allem seine Minister achten.“ Oder jene denkwürdige Stunde in Dresden, wo Napoleon ihn scharf anging und an ihn die Frage richtete: „Um welchen Preis haben Sie mich an England verkauft?“ Es ist nicht zu läugnen, dass Metternich der einzige massgebende Diplomat war und er selbst sich als der Atlas fühlte, auf dessen Schultern das Gebäude der Monarchie ruhe, und dass auch im Ausland von ihm und nur ausschliesslich von ihm die Rede war. Als nun das Achtundvierzigerjahr hereinbrach und mit ihm die grosse Wandlung der Geister sich vollzog, war es da ein Wunder, wenn sich je^pt der ganze Hass des Volkes auf ihn allein warf, wenn die Opposition seinen Namen zum Feldgeschrei erhob, wenn man ihn allein ver- Staatskanzler Fürst Metternich. 379 antwortlich machte für alle politischen Fehler, die bisher begangen wurden, und ihn allein zur Verantwortung und Rechenschaft zog? In wenigen Augenblicken stürzte die Herrlichkeit seiner Macht, die durch 40 Jahre auf gleicher Höhe geblieben war, zusammen. Der Umschwung der öffentlichen Meinung geschah so rasch, dass schon am 14. März 1848 gegen Mittag ganze Volksschaaren, von Studenten angeführt, auf den Ballhausplatz zogen und sich vor dem Gebäude des Staatskanzlers aufstellten, um ihn zur Abdankung zu zwingen. Ich erinnere mich als Augenzeuge dieser Scene. Sie war eben so erschütternd als überraschend. Ich stand nämlich oben auf der Löwelbastei und sah auf das Treiben der Leute auf dem Ballhausplatz herab. Drei oder vier robuste Arbeiter trugen einen Burschen auf den Schultern vor das Gebäude; er war ein beliebter Redner, ein Student der juridischen Legion und hiess Hermann Tcra . v V* i ÄT* Fig. 137. Das Arbeitszimmer des Fürsten Metternich. Burian, war Hauptmann der dritten Compagnie, bei der ich zufällig (ebenfalls Jurist dieses Jahrganges) eingereiht war. Er gab ein Zeichen, dass er sprechen wolle, und Alles verstummte. Burian erklärte mit kräftiger Stimme, dass das Volk gegen Metternich, d. h. gegen seine Person, nichts habe, aber Alles gegen sein System, dass es ihn als den Hemmschuh ansehe, der den Fortschritt bisher aufgehalten habe. Die Zeit seines Wirkens sei um und das Volk verlange gebieterisch seine Abdankung. Es hoffe von seiner Einsicht, dass er wohl keine Einwendungen machen werde, da sie, wie er sich selbst überzeugen könne, nicht mehr fruchten und die Sache nur verschlimmern könnten. Diese kühne Sprache eines kaum erwachsenen Burschen gegen den noch gestern allmächtigen Staatskanzler (und dies noch dazu ihm persönlich ins Gesicht geschleudert) bezeichnete jedenfalls die Situation des Augenblickes vollkommen. 48 * 380 Der Wiener Congress. Ich bemerkte, wie der greise Fürst hinter den Sprossen seiner Jalousien mit einer Lorgnette auf Burian lächelnd herabsah. Er schien damals noch nicht den Ernst der Lage erkannt zu haben, denn er blieb ruhig beim Fenster, bis sich der Tumult wieder verlief. Erst Abends war das Abdankungsdecret des Ministers in den Händen des Kaisers, und noch in derselben Nacht reiste der Fürst mit seiner Familie von Wien ab. Der Congress in Wien im Jahre 1814—1815. War schon damals die Zeit der allgemeinen Erhebung des deutschen Geistes zur Befreiung vom fremden Joche eine höchst merkwürdige, so war es die des Congresses in noch viel höherem Masse, denn diesem fiel die Aufgabe zu, diese allgemeinen Bewegungen auch praktisch zu verwerthen und sie für alle Staaten auszunützen. Wien war das Stelldichein, wo alle Grossen und Mächtigen zusammenkamen, um an den gemeinsamen Berathungen theilzunehmen, Fürsten und Prinzen jeglichen Ranges, Grafen und Barone, die ganze Aristokratie und die geistliche Hierarchie obendrein. Aber mitten durch die Reihen der ordenbehängten Herren drängten sich auch manche Glücksjäger und Schwindler, manche adelige Phantasten und bürgerliche Projectenmacher, auch fehlte es nicht an einer Unzahl galanter, abenteuersüchtiger Damen, die gekommen waren, ihr Glück zu versuchen; Wien wurde jetzt der glänzende Schauplatz herrlicher Feste und erstickte förmlich im Freudentaumel rauschender Belustigungen. Concerte und Bälle, Jagden und Carroussels, Volksfeste, glänzende von Cavalieren gegebene französische Schauspiele, Ausflüge nach Schönbrunn, Laxenburg, Graz, Ofen und Pest, herrliche Illuminationen und Feuerwerke in der grossen Schönbrunner Orangerie, militärische Uebungen und Paraden, Schlittenfahrten und Gastmähler der heimischen und fremden Gesandten wechselten in rascher Aufeinanderfolge, Hessen die hohen Gäste kaum zu Athem kommen und hinderten auch wirklich den Fortgang der Geschäfte, die nur lässig betrieben zu werden schienen. Eine ganze Welt sah auf Wien und auf den Congress und erwartete dringendst von ihm eine Neugestaltung, aber der Congress liess nichts von sich hören und hielt seine Verhandlungen geheim. Es war nur von den Festen öffentlich die Sprache. „Der Congress tanzt, aber er kommt nicht von der Stelle“ war das geistreiche Witzwort des greisen Fürsten de Ligne; und als man ihn fragte, ob auch Volksfeste gegeben würden, antwortete er eben so witzig: „Das Volk hat für uns so viel gethan, dass auch wir endlich etwas für das Volk thun müssen.“ Und in der That, man hätte meinen sollen, dass man jetzt, wo man dem Volke so grosse Versprechungen gemacht, wo dasselbe noch vor Kurzem mit so beispielloser Treue sein Blut vergossen hatte, endlich nach all’ den namenlosen Leiden das Volk entschädigen und auf dem Congresse belohnen werde. Aber statt dessen war nunmehr vom Volke nicht weiter die Rede — das Volk war abgethan; vielmehr sorgten die Volksbeglücker für das Glück ihres eigenen Herdes und beschäftigten sich mehr mit ihren Privatinteressen als mit den Fragen der allgemeinen Völkerwohlfahrt. Statt der grossen Ideen machte sich niedere Selbstsucht geltend; die kleinen Herrscher wollten gross werden und die Duodezfürsten ihre Landesgrenze erweitern, ein jeder von der guten Gelegenheit auf Kosten des Andern profitiren. Ein unendliches Netz von Intriguen breitete sich unsichtbar, aber sicher über ihren Häuptern aus und nahm sie in ihren eigenen Schlingen gefangen. Die begeisterten Vaterlands- und Schlachtengesänge eines Arndt, Uhland, Kleist, Körner und Schenkendorf verstummten, Leier und Schwert wurden bei Seite gestellt, statt dieser begeisterten Freiheitslieder, die wie glühende Flammen in die Herzen der Völker schlugen und sie mit fortrissen zum Kampfe für Freiheit und Vaterland, traten nun verwässerte diplomatische Noten, nüchterne, abgekühlte Cabinetsverordnungen und zuletzt die deutsche Bundesacte, die Niemanden befriedigte und die das schöne grosse deutsche Der Wiener Congress. — Das Volksfest im Prater. 381 Vaterland in unzählige kleine Sondervaterlande zersplitterte und somit den Sieg der Diplomatie über das Volksheer, den Sieg der Cabinetspolitik über die Völkerwünsche inaugurirte. Freilich bekamen die Wiener anfangs nichts von all’ diesem Wirrsale zu sehen, als die glänzende Aussenseite mit ihren herrlichen Festen, für vrelche Wiens lebensfrohe Atmosphäre ohnehin mit ihrer Urgemüthlichkeit und Genusssucht der eigentliche Boden war. Schon vom Beginne des ersten Einzuges König Friedrichs von Württemberg und König Friedrichs IV. von Dänemark am 22. September, wobei 100 Kanonenschüsse abgefeuert wurden, dann der des Kaisers von Russland und des Königs von Preussen am 25. desselben Monates, wo man gar 1000 Kanonenschüsse zu hören bekam, nahmen die Festlichkeiten gewaltige Dimensionen an. Wir würden uns heute kaum mehr von der Grossartigkeit derselben eine richtige Vorstellung machen, ja nicht einmal annähernd an ihre Möglichkeit glauben, würden sie uns nicht in Wort und Bild documentirt und verbrieft worden sein, und würden nicht noch viele Leute als Augenzeugen leben, die uns dies Alles erzählten. Es verlohnt sich daher der Mühe, meine Leser wenigstens mit einigen der Hauptfeste bekannt zu machen: Das grosse Volksfest im Prater. 'Wie würden unsere Landsleute heute staunen, wollte man ihnen von jenem Volksfest erzählen, das Kaiser Franz zur Erinnerungsfeier des Jahrestages der Schlacht bei Leipzig am 18. October 1814 im Prater gab, das durch seine Grossartigkeit alles Bisherige und vielleicht auch Künftige dieser Art überragte. Zuerst rückte früh Morgens die ganze Garnison zur Kirchenparade aus, der Gottesdienst wurde auf dem Glacis unter Zelten abgehalten, und Mittags waren 14.000 Grenadiere im sogenannten Nobelprater zu Tische geladen. Sie alle hatten die Schlacht persönlich mitgemacht. Vom Lusthaus bis zum heutigen Praterstern waren in der Geh-Allee Holztische und Sitzbänke in einer ununterbrochenen Reihe aufgestellt, und ein jeder der Gäste hatte sein eigenes Couvert und Essbesteck. Sie sassen mit dem Gesichte gegen die Haupt- (oder Fahr-) Allee. Man kann sich den martialischen Eindruck wohl denken, den der Anblick so vieler tausend Tapfern mit ihren sonnverbrannten Gesichtern und ihren riesenhohen Grenadiermützen aus Bärenfell auf den Beschauer machte, wenn sie so dasassen in endloser Reihe, Körper an Körper. Hinter ihnen waren in gleichen Zwischenräumen ihre Gewehre in Pyramiden aufgestellt und an den Bajonetten die Patrontaschen am Lederriemen aufgehangen, und zwischen den Pyramiden grosse Bierfässer gelagert, aus denen ihnen in einfachen Halbgläsern Bier servirt wurde. Die Gesundheit, die sie auf das Wohl ihres Kaisers von Zeit zu Zeit ausbrachten, wurde von vielen Batterien auf der Simmeringer Heide jedesmal mit Kanonendonner begrüsst. Dieser vieltausendstimmige Toast glich einem Schlachtrufe bei Stürmung feindlicher Bollwerke und war bis in die entlegensten Vorstädte wie dumpfes Donnerrollen hörbar. Im Lusthause speisten die Souveräne und die Generalität. Das Lusthaus selbst war mit Trophäen reich geziert, beide Säle mit den schönsten eroberten Armaturen und Fahnen herausgeputzt. Zu ebener Erde speisten sämmtliche Erzherzoge und auswärtigen Prinzen und einige ausgezeichnete Generale des In- und Auslandes, z. B. Sir Sidney Smith; und Erzherzog Carl machte im buchstäblichen Sinne des Wortes den Wirth. Im ersten Stocke speisten die hohen Souveräne, die gekrönten Fürstinnen, die Krön- und Erbprinzen und der Feldmarschall Fürst Schwarzenberg, dem ein Theil der Ehre des Tages als Sieger gebührte; hier machte der Kaiser selbst die Honneurs. Den Hintergrund um das Lusthaus bildeten malerisch aufgestellte Pyramiden von Gewehren; die Harnische und Piken der Kürassiere und Uhlanen aber wurden vor die Front gestellt, und die Cavalleriemannschaft setzte sich hier auf langen Holzbänken vor improvisirt aufgeschlagenen Holztischen zur Tafel. Das Lusthaus war durch drei Pontonbrücken mit der Simmeringer Heide ver- I 382 Die Feste während der Congresszeit. bunden und die Brückengeländer aus eroberten Gewehren, Tannenreisig und österreichischen Wimpeln zusammengesetzt. Nach aufgehobener Tafel ritt und fuhr die gesammte erlauchte Gesellschaft durch das Garnisonslager, das sich nun den grossen Erinnerungen und der rauschenden Freude des Volksfestes hingab. Ein Volksfest anderer Art, zwar nicht so grossartig wie das vorhergehende, aber ebenfalls interessant und erhebend war Das Augartenfest. Es wurde zu Ehren der Congressmitglieder gegeben. Für den Hof waren eigene Schaubühnen aufgestellt und für die übrige vornehme Welt Tribünen errichtet. Die Elite deP österreichischen Kerntruppen, 4000 an der Zahl, war zum Feste geladen. Beim Erscheinen der höchsten Herrschaften rückten sie unter Vortritt einer Militärbande in den Garten ein, um sich dann zu ihren bestimmten Zelten zu begeben. Während eines Concertes wurden abwechselnd verschiedene Volksspiele producirt: ein Rennen mit kleinen orientalischen Pferden, vom Kunstreiter de Bach arrangirt, nach Art der Pferderennen aut dem Corso zu Rom, gymnastische Spiele, Sacklaufen, Vogelschiessen tirolischer Schützen um den Preis eines goldenen Bechers, wobei der Sohn des berühmten Andreas Hofer den Preis gewann. Ein gewisser Praskovitz stieg in einem Luftballon auf und warf aus der Höhe Fähnlein mit den Wappen sämmtlicher beim Congresse vertretener Staaten herab. Dann folgte die Mahlzeit, und es nahmen an 16 auf dem Rasen aufgestellten Tischen 4000 Soldaten Platz, während in einem anderen Theile des Parkes Gruppen von böhmischen, niederösterreichischen, ungarischen und tirolischen Landsleuten in ihren malerischen Trachten ihre Nationaltänze aufführten und Nationallieder sangen. Die Monarchen gingen nach der Tafel ohne Escorte mitten im Volksgewühl im Parke umher, sprachen in leutseligster Weise mit den Anwesenden, auch mit den Soldaten der Mannschaft, besonders mit den ältern, mit ruhmvollen Narben bedeckten Kriegern. Bei einbrechender Dunkelheit erglänzte der Augarten im hellsten Lichte von tausend farbigen Lampen und Lampions. Vor dem Schlosse wurde ein Feuerwerk abgebrannt, dessen Hauptfronten Momente aus Mailand, Berlin und Petersburg darstellten. Trotz der auf allen Wegen des Parkes sich drängenden Volksmassen kam nicht die geringste Unordnung vor. Später fuhren die Monarchen und die zum Hofe gehörigen Herrschaften in offenen Wagen durch die tageshell mit Fackeln erleuchteten Strassen nach dem Kärntnerthortheater, wo das berühmte Ballet „Flora und Zephyr“ gegeben wurde. Die ganze Nacht hindurch währte das Fest; erst mit dem Morgengrauen verstummte die Musik und der Volksjubel verhallte. Eines der merkwürdigsten und zugleich originellsten Feste war Das Carroussel in der Winterreitschule am 23. November 1814. Wochenlang hatte man sich zu diesem Feste vorbereitet, und der Wunsch demselben beizuwohnen war so gross, dass man sich sogar Einlasskarten mit gefälschter Unterschrift des Obersthofmarschalls Grafen Trauttmannsdorff verschaffte. Punkt 8 Uhr Abends begann das Fest. Die Damen hatten auf den vordersten Sitzreihen der Gallerie Platz genommen und hinter ihnen die Diplomaten mit ihren goldgestickten Uniformen; in diese Monotonie der Toiletten hatten das rothe Gewand des Cardinais Ganzolvi, der Kaftan des Vertreters der Walachei Marnogeni und der Turban des Paschas von Widdin einige Abwechslung gebracht. Lady Castlereagh zog die Aufmerksamkeit dadurch auf sich, dass sie den mit Diamanten reichgeschmückten Hosenbandorden ihres Gemahls gleich einem Diadem auf der Stirne trug. Herolde verkündeten mit Trompetenfanfaren die Ankunft der 24 Edeldamen, die von ihren Rittern geführt wurden. Alle verdienten durch ihre Schönheit und ihren Liebreiz den Beinamen, den Die Feste während der Congresszeit. 383 man ihnen gegeben hatte: „Les heiles d'amour ,“ namentlich die Fürstinnen Paul Eszterhäzy, Marie Metternich und die Gräfinnen Perigond, Rzewovska, Marussi und Sophie Zichy. Sie hatten sich in vier Gruppen getheilt, jede von anderer Farbe (grün, carmoisin, blau und schwarz). Sämmtliche Toiletten gehörten der Tracht des XVI. und XVII. Jahrhunderts an und waren aus Sammt, mit Spitzen verziert und mit Edelsteinen übersäet. Der Werth dieser Steine wurde auf 15 Millionen Gulden geschätzt, von denen jene der Fürstin Eszterhäzy, gebornen Fürstin Thurn und Taxis, allein drei Millionen gekostet haben mochten. Sobald die Damen Platz genommen hatten, zeigte eine zweite Fanfare den Eintritt der Souveräne an. Alle Anwesenden erhoben sich von ihren Sitzen, die „helles d'amour “ warfen die Schleier, in die sie sich bisher gehüllt hatten, zurück und zeigten sich in ihrer vollen Schönheit. Nachdem Alles Platz genommen, erschienen die 24 Paladine an der Barriere, die Blüthe des österreichischen Adels, von denen die meisten während der letzten Kriege auf einer andern Arena sich die Sporen verdient hatten. DieWahl war auf die Schönsten und Jüngsten gefallen, darunter besonders zu erwähnen: Fürst Vincenz Eszterhäzy, Anton Radzivill, Leopold von Sachsen-Coburg, Carl Liechtenstein, Baron Ludwig Sennyey, Graf Ludwig Schönfeld, Graf Trauttmannsdorff. Gleich den Damen waren sie in vier Quadrillen getheilt, in den entsprechenden Farben, die Tracht von den Tagen Franz’ I. von Frankreich entnommen, wo das mittelalterliche Ritterthum noch zum letzten Male aufleuchtete, bevor es für immer unterging. * *) Die Paladine ritten durchwegs ungarische Pferde erlesenster Race (durchgehends Rappen). 24 Pagen schritten ihnen zur Seite, ihre Banner entfaltend, und 36 Stallmeister in spanischer Tracht folgten ihnen, die Schilde tragend. Nachdem die Ritter zuerst die Kaiserinnen und Königinnen und dann die „helles d’amour “ durch Senken der Lanzen begrüsst und die Rennbahn zweimal umritten hatten, zogen sie sich wieder zurück. Hierauf rief ein schmetterndes Trompetensignal die erste Quadrille zu den mannigfaltigsten Waffenspielen auf, dann folgte ein wirkliches Turnier von Vier gegen Vier, zuletzt Zwölf gegen Zwölf. Wenn der Kampf zu lebhaft wurde, schritten die Herolde ein, Einhalt gebietend, um Unglück zu verhüten. 2 ) Zum Schlüsse führte die ganze Cavalcade nach den Tönen einer lebhaften Tanzmusik die schwierigsten Evolutionen aus. Noch einmal begrüssten sie die Souveräne und ihre Damen, dann verliessen sie in derselben Ordnung, in welcher sie gekommen waren, den Kampfplatz, begleitet von tausendstimmigen Hochrufen aller Anwesenden. Auch einige Privatsäle boten den hohen Gästen mehrere mitunter reizende Feste, wobei natürlich nur Geladene Zutritt hatten. Solche gab es beim „Mondschein“, im Saale „zur goldenen Birn“, beim Sperl und besonders im Apollosaal; letzterer verdient ganz besondere Erwähnung. Die Feste im Apoliosaal. An jener Stelle, wo heute auf dem Neubau in der Apollogasse die Apollo-Kerzenfabrik sich befindet, stand einst der prächtige Apollosaal. Er war die originelle Schöpfung des Mechanikers Wolffsohn und erregte durch seine wahrhaft feenhaften Einrichtungen gerechtes Aufsehen. Die prunkvolle Ausstattung wechselte hier mit den lieblichen Reizen der Natur; lebende Bäume, ein Wald von Gesträuchen (selbst auch in der rauhesten Winterszeit) überraschten mit ihrem frischen Blättergrün und ihren duftenden BUithen zwischen Grotten, Wasserfällen, Springbrunnen *) Diese Tracht war folgende: Enganliegendes Sammtwamms mit gepullten Aermeln und Atlassaufschlägen, anschliessende Beinkleider, gelbe Halbstiefel mit goldenen Sporen, goldgestickte Stülphandschuhe, breitkrämpige vorn aufgeschlagene Hüte mit weissem, seitwärtsfallendem, von einer DiamantagralTe festgehaltenem Federbusch, die Degen hingen in einem mit Edelsteinen besetzten Wehrgehänge, während auf der andern Seite eine reichgestickte Schärpe herabhing, die jede Schöne ihrem Ritter zum Geschenke gemacht hatte. *) Der Sturz des Fürsten Liechtenstein, welcher bewusstlos aus der Arena getragen werden musste, war der einzige Unfall, der sich an diesem Abende ereignete, hatte aber zum Glück keine weitern schlimmen Folgen. 384 Die Feste während der Congresszeit. und Bassins mit lebenden Schwänen das Auge, Lustres, Lampions und schön drapirte Spiegel wände verliehen dem Ganzen einen eigenthümlichen Zauber. Der Apollosaal wurde am 10. Jänner 1808 gegen einen Eintrittspreis von 10 Gulden (damals Bankozetteln) eröffnet. Zu seinen glänzendsten Ballnächten zählte der Saal den 5. März 1810, an welchem Tage der französische Grossbotschafter Berthier Prinz von Neuchätel seinen Einzug in Wien hielt und Abends im Gefolge des Kaisers Franz I. und der Erzherzoge diesen Saal besuchte, und den 12. December 1814, als der Kaiser von Russland und die übrigen Gäste des Congresses hier am Tanzvergnügen theilnahmen. Das Local ging nach mehreren Jahren in den Besitz der Familie Höfelmayer über, büsste aber nach und nach Manches an Raumfülle und Eleganz ein. Jetzt wird dieser einst so glänzende Schauplatz des Tanzes und der Lebenslust zur Erzeugung von Kerzen verwendet, die als grässliche Ironie zur Erinnerung an die einstige Bestimmung dieses Ortes nach letzterem den Namen „Apollokerzen“ erhielten. Bemerkt sei noch, dass auch am 12. Jänner 1815 der Kaiser von Russland, und zwar diesmal im Incognito in Gesellschaft mehrerer Cavaliere den Saal besuchte, wie er es überhaupt liebte, in seinen geschäftsfreien Stunden, nur von einem Kammerherrn begleitet, in Kappe und einfachem Mantel ungekannt sich unter die Menge zu mischen. An einen solchen Spaziergang knüpft sich auch eine allerliebste Anekdote, die hier ihren Platz finden mag, da ihre Wahrheit sogar durch die Stadtgeschichte verbürgt ist. Während des Spazierganges nämlich kam der Kaiser eines Tages auch auf die Wieden zum Naschmarkt, wo er (da er der deutschen Sprache vollkommen mächtig war) sich mit einer Höckerin (in Wien „Fratschlerin“) in ein Gespräch einliess. Er fragte, wie es ihr gehe. „Gut,“ war die Antwort, „wenn nur die da drinnen nit Alles so vertheuern möchten!“ — womit sie die fremden Gäste in der Hofburg meinte, die wirklich die Lebensmittelpreise vertheuerten. Bei der Tafel brachte Kaiser Alexander noch am selben Tage einen heitern Toast aus „auf die da drinnen“. Als man ihn fragte, wen er damit meine, erzählte er zur nicht geringen Erheiterung der Gäste sein Abenteuer mit dem Oebstlerweib. Unter solchen Spässen und tändelnden Vergnügungen, während der eifrigsten Debatten und mitunter bittersten Zwistigkeiten wegen Länderzuwachses, wie z. B. zwischen Sachsen und Polen (deren Differenzen nahezu eine Spaltung der Congressmächte hervorgerufen hätten) traf nun plötzlich die erschütternde Nachricht von der Flucht Napoleons von Elba (26. Februar 1815) in Wienein, und schon am 11. März hatte man die Gewissheit, dass Napoleon nicht, wie man anfänglich meinte, in Italien, sondern in Frankreich gelandet sei und überall im Triumphe empfangen werde, und einige Tage später, dass er bereits in Paris Einzug gehalten und die Stadt ihm den Besitz von Frankreich zurückgegeben habe. Der Schreck fuhr den Congressmitgliedern in die Beine und bildete jetzt den Kitt, der das aus den Fugen gehende Bündnis wieder fester zusammenhielt und die lästigen Differenzen und kleinlichen Nergeleien jetzt rasch vergessen machte. Mit Sturmeseile sammelten sich die verbündeten Heere und rückten gegen Frankreich, und die verbündeten vier Grossmächte Russland, Oesterreich, England und Preussen gaben sich in dem Vertrage zu Charmont das Wort, die Waffen nicht eher niederzulegen, bis Bonaparte der Möglichkeit beraubt sei, neue Befürchtungen zu erregen. Wellington und Blücher siegten (15. Juni 1815) bei Waterloo und entschieden so Napoleons Schicksal. Das furchtbare Meteor, das über Europa eine Zeit lang so grässlich und plötzlich emporgeleuchtet hatte, versank jetzt für immer auf einer einsamen Insel im weiten, stillen Ocean, und schon am 20. November 1815 erfolgte der zweite Pariser Friede, und der Wiener Congress war beendet, dessen Früchte keine andern waren, als die deutsche Bundesacte (8. Juni 1815) und die allgemeine Con- gressacte (9. Juni 1815). Die alten Leiden der letzten Jahre waren nun schnell vergessen, und an die Obere Bäckerstrasse. 385 Stelle der alten Landesgrenzen trat nun eine Neugestaltung der Ländergebiete. Oesterreich verlor zwar die Niederlande und büsste Westgalizien an Polen und die Herrschaft Razuns an die Schweiz für immer ein, erhielt dagegen von Russland den „Tarnopoler Kreis“ zurück und die Salzwerke „Wieliczka“ und sämmtliche Ländergebiete, die durch die Friedensschlüsse von Campo- formio, Luneville, Pressburg und Wien verloren gingen, u. zw.: das ganze Lombardisch-Vene- tianische und Illyrische Königreich mit dem Küstenlande Ragusa, Cattaro, Dalmatien, Tirol und Vorarlberg, sowie zu gleicher Zeit auch das Inn- und Hausruck-Viertel und Salzburg bis auf ein kleines Stück zwischen der Salzach und der Saale. Die Seitenlinien der österreichischen Kaiserfamilie aber traten nun wieder in Italien in ihr altes Erbe ein: so die Secundogenitur in das Erbe der Herzoge von Toscana nach Florenz; die Tertiogenitur in das Erbe der Herzoge von Modena; die Herzogthümer Parma, Piacenza und Guastalla wurden Napoleons Gemahlin Maria Louise auf Lebenszeit zugetheilt. — Somit waren denn die Bedingungen erfüllt, wonach man das System des sogenannten „politischen Gleichgewichts“ in Europa neu zu begründen und die streitigen Interessen der grossem und kleinern Mächte zu beschwichtigen meinte. An die Stelle der ewigen Kämpfe trat nun eine dreissigjährige ungestörte Ruhe, das goldene Zeitalter der Stabilität, und Metternich war der Apostel dieser geheiligten Lehre, aber mit ihm kam auch das Zeitalter der Bureaukratie mit ihren endlosen Gesetzen und nutzlosen Verordnungen, das Zeitalter der calculirenden Diplomaten und für die Wiener insbesondere die schöne Zeit des Phäakenthums. Die Weltgeschichte machte eine Friedenspause, die in den nächsten drei Decennien der Kunst zu Gute kam, zumeist der Musik; Rossini, dieses reiche melodische Genie, war wieder der einlullende Orpheus, der die Stossseufzer einiger Ehrgeizigen und das Knurren des Volkes übertönen sollte, und mit ihm zogen wieder die lachenden Sängerinnen und Sänger ein: Borgondio, Malibran, Pasta, Lablache, Rubini, Donzelli. Die Wiener tauchten in ein Meer von süssen, einschmeichelnden italienischen Gesängen unter, und „Tancred“. und der „Barbiere“, „Semiramide“, „Moise“ und „Otello“ rangen um die Herrschaft und rissen den ohnehin leicht zu bewegenden Wiener zum Enthusiasmus mit fort. Kurz, es blieb Alles wieder beim Alten, als hätte es nie Freiheitsgesänge gegeben, und als hätte das Volk nie für Freiheit und Einheit'des Vaterlandes geblutet. CAP1TEL. Obere Bäckerstrasse (heute Bäckerstrasse genannt). bere und Untere Peefenftrage hiessen bekanntlich jene beiden Strassen, die schon in den ältesten Grundbüchern unter diasen Namen Vorkommen und beweisen, dass das Bäckerhandwerk vorzugsweise hier betrieben wurde, wie dies auch ein mehr als hundertjähriges Studenten-Distichon kundgib*: „Jn ber Bacferitrajje, ba batft man Weisheit unb Kipfel, Seibe fchlutft ber Stubent hungrig unb gierig hinab. Doch gegenwärtig wird jene der Wollzeile zu gelegene Strasse, welche früher ®bm Prifcnftra&e hiess, und welche die Universität mit der Rothenthurmstrasse verbindet, Bäckerstrasse genannt, während man die der Kölnerhofgasse zugekehrte Strasse, die man einst Untere PecfeilftrßSje nannte, heute als Sonnenfelsgasse bezeichnet. Beide sind reich an geschichtlichen Erinnerungen, und schon die Nähe der Universität bietet uns so manchen Anknüpfungspunkt. Eines der ältesten Häuser dieser Strasse waren: der grosse und der kleine Federlhof. 49 386 Der „grosse Federlhof“. Der „grosse Federlhof“ Nr. 768 (neu 2). Wir altern Wiener vermögen uns noch recht gut jenes altersgrauen, mit Sprüngen übersäten Gemäuers zu erinnern, das mit seinem riesengrossen Thurme so stolz und seltsam emporragte wie eine verlassene Burg. Der massive, weitbogige und dennoch niedrige Thoreingang, die eigenthümlichen Gesimsverzierungen, die morschen Holzverschallungen zu ebener Erde, die kleinen Gucklöcher neben und über den Fenstern, besonders das eine länglich schmale Fenster ober dein dritten Stockwerk und der schmale Thurm mit seinem Mansardendach und der grossen altvaterischen Uhr, sie alle lassen den Baucharakter des XVII. Jahrhunderts nicht verkennen, obwohl auch Spuren älterer Baustyle an mancher Stelle zum Vorschein kamen. Aber ebenso interessant wie das Aeussere dieser Häuserruine waren auch noch in viel höherem Masse die Innenräume, in die sich mit unverlöschlichen Zügen die Spuren früherer Begebenheiten und früherer Jahrhunderte eingruben. Wer weiss es nicht, dass z. B. der berühmte Feldherr Wallenstein noch kurz vor seinem gewaltsamen Ende incognito nach Wien kam und sich hier im Hause von dem greisen Astrologen Oporin das Horoskop stellen liess, wobei er das oberste Stockwerk des Thurmes bestieg, um aus den Sternen seine nächste Zukunft zu lesen? Werweiss es nicht, dass der gefeierte Gelehrte und Historiker Robertson im obersten Stockwerke wohnte und auch der gelehrte Professor Josef Julian Mosperger hier ein physikalisch-astronomisches Observatorium unterhielt, und der grösste Gelehrte und Denker seiner Zeit, Leibnitz, während seines letzten Aufenthaltes in Wien 1713 bis 1714 daselbst seine Wohnung nahm und einen Brief von hier an den Reichshofrath sandte mit dem Datum: „Federlhof am 21. April 1714.“ ') Noch im XV. Jahrhundert hiess dies Gebäude das ©rttGFßinhö. Im Jahre 1494 war Peter Edlasperger von Ofen der Besitzer, der nach den Versicherungen des Gelehrten Lazius das Haus sammt Thurm erbaut haben soll. Im Jahre 1504 folgte Lasla von Edlasperger als Besitzer, nach welchem es in den Grundbüchern „beym Lasla am Lugeck“ genannt wurde. Seit 1590 besass dieses Haus Georg Federl von Tribuswinkel, Federlhof“ erhielt. Nach dem Aussterben der Familie kam es in den Besitz mehrerer Privaten, 2 ) bis es in neuester Zeit von Simon Bajon Sina angekauft, vom Grund aus niedergerissen und im Jahre 1846 nebst dem anstossen- den Gebäude Nr. 769 in ein grosses Haus verbaut wurde. Es ist nur zu bedauern, dass während des Umbaues jene drei uralten Inschrifttafeln, welche sich ehemals im Hofe befanden, spurlos verschwanden. Die eine derselben lautete: „Con- . . fisiin eos, quibus bene fecimus crebro fallimur 1 • • i..‘ ri OÜMj* fortunae affluentia , benefactorum evanescitme- legitima non ein Wiener Handelsmann ; von welchem es den Namen ff Fxy. 138. Der Drachenorden im Federlhof. tnoria, nihil ortum, cujus causa *) Der fünfmalige Aufenthalt des grossen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibnitz in Wien (in den Jahren 1688. 1690, 1700. 1702 und 1713 bis 1714) behufs Gründung einer Wiener Akademie wird in den Sitzungsberichten der Akademie der Wissenschaft im XIII. Bande, Heft 1, Seite 42 ausführlich besprochen und von J. Bergmann durch Originalbriefe nachgewiesen, auch eine vom kaiserlichen Münz- und Antiken-Inspector Carl Gustav Heraus entworfene und ausgeführte Medaille auf Leibnitz nimmt auf diesen seinen Aufenthalt Bezug. 8 ) Die nächsten Besitzer waren: im Jahre 1684 Johann Kaspar von Prams, 1694 Johann Christoph Holczner, 1700 dessen Erben, 1760 Peter von Frey, 1775 dessen Erben, 1820 Theodor Graf von Batthyany und Kilian Josef Schickh, in neuester Zeit Simon Georg Freiherr von Sina und nach dessen Tode sein Schwiegersohn Victor Graf Wimpffen. . Der „kleine Federlhof“. 387 praecesserit Die andere führte die Aufschrift: „ Patere, abstine, sapere aude Der dritte Gedenkstein zeigte das Wappen der Edlasperger, ein quadrirter Schild, im ersten und vierten Felde ein flammender Berg, im zweiten und dritten ein schreitender Greif. Der Schild ist eingefasst von einem geflügelten Drachen, wahrscheinlich das Zeichen des von König Sigismund von Ungarn um 1408 gestifteten ritterlichen Drachenordens. Dabei ist die Jahreszahl: A. D. M. CCCCLXXXXVII. Sub Figur 138 biete ich eine Abbildung dieses interessanten Gedenksteines. Eine Ansicht sub Figur 139') zeigt uns den „alten Federlhof“ mit seiner schmalen, gegen die Bäckerstrasse gekehrten Seitenfront und seinem sechs Stockwerke hohen Thurm, sowie auch nebenan einen Theil jenes zweistöckigen unansehnlichen Gebäudes, welches man den „kleinen Federlhof“ nannte. Das Freiherr von Bartenstein’sche Haus, „kleiner Federlhof“ genannt, Nr. 767 (neu 4). Am 24. October 1740, vier Tage nach dem Tode Kaiser Carls VI., war dieses Haus gleich unmittelbar nach der kaiserlichen Leichenfeier der Gegenstand eines höchst bedauerlichen Volksaufstandes. Das plötzliche Hinscheiden des Kaisers ohne männlichen Thronerben bewirkte in allen Kreisen der Gesellschaft tiefe Niedergeschlagenheit, zumal bei dem gemeinen Volke, das zur Leichenfeier herbeigeströmt war und sich mehr mit den kommenden Ereignissen als mit der Person des dahingeschiedenen letzten Habsburgers (wie sie ihn nannten) beschäftigte. Was soll nun aus uns werden, wer soll regieren und mit welcher Bürgschaft auf Erfolg? dies war das Tagesgespräch in Wien. Zudem hatte man auch kein rechtes Vertrauen auf alle jene Männer, die als Rathgeber der Krone dem Throne nahestanden. Vom Herzog von Lothringen hatte man in letzterer Zeit keine günstige Meinung, und man schrieb den schlimmen Ausgang des letzten Türkenkrieges lediglich seinem Einflüsse zu, weil der unglückliche Armee-Oberbefehlshaber Graf Neipperg sein Schützling war. Noch weniger hielt man von der jungen, erst 23jährigen Thronerbin Maria Theresia, von der dem Volke eigentlich nichts weiter bekannt war, als dass sie gut tanze, musicire, reite, mehrere fremde Sprachen spreche, sonst aber in klösterlicher Einsamkeit erzogen worden sei, daher die Welt und ihre Gefahren gar nicht kenne, demnach auch nicht zu regieren verstehe; überhaupt sei es misslich, von einer Frau regiert zu werden, da eigentlich gar keine Frau regieren könne, eine Meinung, welche die bairischen Agenten, mit denen damals Wien überfüllt war, auszustreuen sich bemühten. Aber auf Barten stein, den vertrauten Rathgeber Carls VI., den Träger der herrschenden Politik, von dem man wusste, dass er einen wesentlichen Antheil an der Verfassung der pragmatischen Sanction habe, wälzte sich jetzt der ganze Volkshass; schon seit Anbeginn der 4 ) Diese Ansicht ist die Copie eines überaus seltenen Originalbildes von Welk er aus dem Jahre 1840,21*7 Cm. breit und 33 Cm. hoch. Den Haupttheil des Bildes nimmt der Federlhof mit seiner uns entgegenstehenden Schmalseite und dem Thurmein; links sehen wir den kleinen Federlhof und rechts den alten Regensburgerhof mit einem Theil seiner Rondellen; es ist dies eines der wenigen noch bestehenden Gebäude Wiens, welches mit seiner Entstehung bis weit in das Mittelalter zurückreicht. Rechts im Hintergründe bemerken wir das Haus Nr. 735 „zum schwarzen Bären“ mit der Bärenapotheke, an dessen Stelle heute der grosse Germaniahof steht, und hinter demselben die Häuser des Liechtenstegs. Bezüglich des Federlhofes selbst muss bemerkt werden, dass die eigenthümliche Gestalt des Firstes Zeugnis von dem hohen Alter des Hauses gibt. Durch den ziemlich dunkeln Thorweg gelangte man in einen geräumigen Hof, von welchem zwei freie Stiegen zum ersten Stockwerk führten. Das in Stein gehauene Stiegengeländer wurde erst viel später mit Mauerwerk ausgefüllt. Hier befanden sich auch die eben besprochenen Inschriften. Am Thurme ist besonders das eigentümlich construirte Mansardendach charakteristisch und der Umstand bemerkenswerth, dass derselbe trotz seiner Schadhaftigkeit noch kurz vor seiner Demolirung in allen sechs Stockwerken bis zum letzten Augenblicke bewohnt war und beim Abbrechen ausserordentlich grosse Festigkeit der Hauptmauern zeigte. 49 388 Der „grosse Federlhof 8 . ■ 'i ü l'ig. 13». Ansicht des «grossen Federlhofes“ in der Bäckerstrasse. Das Seiternhaus in der Bäckerstrasse. 389 ft Vm-riTl _ >ö eSFIir' Tl'.C.S 1 -' 1 ''- felMv rrrrm i ijji l [j 3 S 11 S, ITT T mm iK •: \ Ü.Ä! m*. «BkE» ;vmm Kill •sifi 1 liCIIll' I SlrsSi^ fZmmmum !■■■■■■ riMwrop. 2 MH SL_J a jfimin Sc££i3J milBi fil ?I i?8 *8*1 •»mm! »*■*#*« ft Mi ' m ^ «Elf*«* g;SfIÜS k. \W=J i' \ii.ntk ’.fSWs rsäa«| IVj/. 140. Das Freiherr von Fünfkirchen’sche oder Seitern-Haus in der Bäckerstrasse. 390 Das Freiherr von Fünfkirchen’sche Haus. Leichenfeier nahm diese Missstimmung von Stunde zu Stunde bedenklich zu, und als die Feier zu Ende war, da strömte das erbitterte Volk in dichten Schaaren zum Hause Bartenstein’s in die Bäckerstrasse und liess seinem Unmuth die Zügel schiessen, bewarf die Fenster mit Koth, schrie laut, Bartenstein habe das Reich an den Rand des Verderbens gebracht und verlangte seinen augenblicklichen Rücktritt. Nur mit Mühe gelang es der Stadtwache den Pöbel zu verjagen und den Aufstand zu unterdrücken. Bartenstein aber zog sich nun wirklich eine Zeitlang von der Oeffent- lichkeit zurück, und obgleich er der Kaiserin in manch' bedrängten Augenblicken mit Rath und That die grösste Treue und Anhänglichkeit bewies, so wollte er doch nicht mehr öffentlich wirken. Er konnte sich von seiner Verstimmung nie mehr vollkommen erholen und starb schon am 5. August 1767 hier im Hause. Sein Sohn Josef Freiherr von Bartenstein kaufte im Jahre 1775 dieses Haus, das bisher sein Vater nur in der Miethe hatte. Im Jahre 1810 erbte es dessen Sohn, ebenfalls ein Josef Freiherr von Bartenstein, und im Jahre 1828 kam Anton Carl Freiherr von Bartenstein an die Gewähr, der es an Gräfin Bussy verkaufte, worauf es dann im Jahre 1846 und 1847 vom Grund aus in die Gestalt umgebaut wurde, in der wir es noch heute kennen. * *) Das Freiherr von Fünfkirchen’sche, auch Seiternhaus genannt, Nr. 764 (neu 14). Es ist das einzige Haus in der Bäckerstrasse, welches seine alterthümliche Gestalt seit dem vorigen Jahrhundert bis heute unverändert bewahrte, während alle übrigen bereits eine moderne Gestalt annahmen. Ich bringe mib Figur HO*) eine Abbildung dieses imposanten Baues aus der Zeit zwischen 1724 bis 1730, als es, vom Freiherrn von Fünfkirchen bereits neu erbaut, in den Besitz des niederösterreichischen Regimentsraths Franz Carl von Seitern überging. Aber auch eine interessante Episode findet sich in der Geschichte dieses Hauses. Die gefeierte französische Schriftstellerin Frau von Stael hat während ihrer mehrwöchentlichen Anwesenheit hier ihr Absteigquartier genommen. Schon als die Nachricht von ihrem Besuche in Wien bekannt wurde, war die höhere weibliche Gesellschaft in die ge- ') Dieses Haus kommt schon in den altern Grundbüchern als „kleiner Federlhof“ vor, und wir kennen es in derselben unveränderten Gestalt bis in das Jahr 1846, wie wir es im Bilde sub Figur 139 noch sehen. Im Jahre 1623 war es Eigenthum des Anton von Pestaluz zu Petzelsdorf, der es seinem Sohne Stephan von Pestaluz, „gerocstflt WecbfcHwrnt" vererbte; seit 1775 war die freiherrliche Familie Bartenstein bis zum Jahre 1829 an der Gewähr. *) Die Ansicht ist nach einem seltenen Originalbilde von Salomon Kleiner gezeichnet und von J. A. Corvinus gestochen, 32 Cm. breit und 22 Cm. hoch, aus der Zeit zwischen 1724 bis 1730, als das Haus eben kurz vorher von Johann Bernhard Frei h errn von Fünfkirchen erbaut worden war. Es bewahrt noch ganz die feierliche Grandezza des damaligen Renais- sancestyls. Ein flüchtiger Blick auf das Bild (im Vergleich mit dem noch heute bestehenden Hause) belehrt uns, dass sich am Baue seither fast gar nichts geändert hat, nur der Dachstuhl wurde gehoben und an Stelle der Bedachung ein vierter Stock aufgesetzt, sonst blieb Alles beim Alten. Wir sehen noch ober der Einfahrt zwischen den beiden Thoren den reichverzierten Portalaufsatz mit der freiherrlich Fü n fkirchen’schen Krone sammt zwei Wappenschildern, dann zu beiden Seiten der Thor- eingänge weibliche Genien auf Steinsockeln gelagert, dann die drei hohen Säulenpaare zwischen den Fensterwandungen des zweiten und dritten Stockwerks (damals noch) bis zum First des Hauses emporsteigend: und doch trotz dieser Stabilität scheint uns das Haus heute ein fast ganz anderes zu sein. Es hat sein Ebenmass, seine Symmetrie verloren: statt der beiden Thore existirt nur mehr ein einziges, das andere wurde in ein Hausgewblbe umgebaut, in welchem heute ein Greissler seine Waaren feilhält. Nur um den Greisslerladen herum bemerkt man an den Wänden die Spuren des ehemaligen Portals. Wo einst das vorspringende Dach mit sieben Dachfenstern war, befindet sich heute ein vierter Stock mit sieben Fenstern Front, was die Physiognomie des Hauses total verändert. Das Haus bildet eine Ecke in die Essiggasse, und das Grundbuch weist folgende Eigenthümer nach: im Jahre 1684 Johann Rascher’s, Hofkamnierrathes, Erben, 1700 Ihre Excellenz Johann Bernhard Freiherrn von Fünfkirchen, Erbauer des Hauses, dann dessen Erben, hierauf den niederösterreichischen Regimentsrath Franz. Carl von Seitern, von dem es an einen Herrn von Rittersburg überging, 1775 Johann Wilhelm Edeln von Rittersburg, 1795 Edeln von Ahornfeld, 1806 Carl Grafen von Eszterhazy 1820 Johann Edeln von Menninger und seine Kinder, gegenwärtig Caroline Rosenthal. Das Haus „Wo die Kuh am Brett spielt“. 391 spannteste Erwartung versetzt. Fieberische Aufregung herrschte in den Kreisen der Gebildeten, eine vollständige Panique machte sich in allen Cirkeln bemerkbar. Die Damen fürchteten von ihrer berühmten Geschlechtsgenossin an Geist überragt zu werden, die Schriftsteller ärgerten sich heimlich, von einer Frau an Berühmtheit überboten worden zu sein. Und als sie endlich wirklich in gesellschaftlichen Kreisen erschien, war Alles förmlich betroffen; sie war nicht schön, wie man glaubte, oder aus den cursirenden Bildern entnehmen konnte, ihre allzu männlichen Gesichtszüge hatten etwas Ausgeprägtes, Schroffes, das Kinn war zu sehr markirt, der Mund wohl edel geschnitten, aber zu fleischig. Frau von Stael hatte die üble Gewohnheit, stets in hohem declamatorischem Tone zu sprechen; sie kam nie aus dem Pathos heraus, und Niemand aus ihrer Umgebung kam zum Wort. Anfänglich liess man sich dies gefallen, zuletzt aber ärgerte man sich und hielt es für indiscret. Augenzeugen erzählen noch eine andere Eigenthümlichkeit als Beweis ihrer Eitelkeit. Stael beschäftigte sich nämlich gewohnheitshalber stets während des Gesprächs mit den Fingern, indem sie ein Band, eine Schleife, eine Blume oder ein Papierstreifchen durch dieselben gleiten liess. Sie hatte wirklich eine kleine, weisse, wunderbar schöngeformte Hand, die sie also nicht in gedankenloser Tändelei, sondern wirklich in absichtlicher Coquetterie gleichsam zur Schau zu stellen suchte. Seit Napoleon sie, ihrer Zudringlichkeit wegen, mit den Waffen des Witzes schlug, sie einen weiblichen „Robespierre“ nannte und ihr auf die Frage: Wer wohl die grösste Frau dieses Jahrhunderts sei? die spitzige Antwort gab: „Diejenige, welche die meisten Kinder erzeuge“ (ein Stich, der doppelt verletzte, weil sie kinderlos blieb), war sie seine ausgesprochenste Gegnerin. Sie ging in ihrem unbezwinglichen Hasse so weit, dass sie Alles, was deutsch war, lobte, und alles Französische tadelte. In Wien wollte sie sich auch als dramatische Schriftstellerin zeigen, und liess ihr neuestes Stück „Hagar“ auf einem Haustheater vor den höchsten Herrschaften aufführen. Castelli machte (natürlich auf die Hässlichkeit der Verfasserin anspielend) den köstlichen Witz: „Man solle das Stück nicht „Hagar“, sondern „Die Rechtfertigung Abrahams“ nennen, denn es sei gleichsam ein Milderungsgrund für die Beurtheilung dieses Erzvaters, wenn er die hässliche Hagar verstiess und die weit schönere Sarah zum Weibe erkor.“ Das gräflich Nimptsch’sche Haus „Wo die Kuh.am Brett spielt“ Nr, 763 (neu 16). Noch bis zum Jahre 1797 sah man an diesem Hause ein merkwürdiges Gemälde, welches eine Kuh und einen Fuchs, am Brette spielend, einen Kürschner, einen Jäger sammt Hund und eine summende Fliege -vorstellte, und das alterthümliche Schild führte die halbverwitterte Aufschrift: „2Ulmo 61c Äufr arn Srett fpidt." Unter dem Gemälde war eine Inschrift mit folgenden uralten Spruchreimen zu lesen: Der Fuchs spricht zur Kuh: Wirf bareilt, Dein "feaut g’bert mein." Die Kuh zum Fuchsen: „pral nief>t fo g’fe^wint» im Spielen! Dein Hngluect fannft halb füllen." Der Kürschner mit den Fuchsschweif die Muecken von den zweien, den Tisch erleuchtenden Lichter abwehrend: „3$ me(>r, unb Irucbt, ermatt bie 5eit; Wie ftcf> enben (Euer Streit." Der Jäger den Fuchs durchbohrend: „ 3 $ louttlt fuft red)t 3Uttt Spiel!" Der Hund des Jägers: n 36} ÜU$ mi«fy ftellen will." So harmlos auch Wort und Bildnis zu sein schienen, so waren_ sie es doch keinesfalls, denn es war die ganze ätzende Lauge der Persiflage über die ränkesüchtigen Protestanten ausgegossen, die nur unter dem Vorwände der Religion nach Stellen und Einkünften haschten, die mit 392 Das Windhaag’sche Stiftungshaus. einem Auge zum Himmel emporsahen und mit dem andern nach fremder Habe schielten, die die eine Hand auf’s Herz legten und mit der andern in die Tasche des Nachbars griffen, überhaupt auf die unverschämteste Weise Intriguen und Ränke schmiedeten. Frühzeitig schon erkannten die Wiener (denen es nie an gesundem Menschenverstand und heiterer Laune fehlte) dies unwürdige Treiben und züchtigten es gehörig durch derbe Spottlieder im Geschmacke jener Zeit. Einen dieser Spruchverse des XVII. Jahrhunderts haben wir nun vor uns. Die Kuh, welche das gefährliche Spiel mit dem Fuchse spielt, personificirt die „Katholiken“, der Fuchs die listigen „Protestanten“, die Fliege scheint die „Geistlichkeit“ zu bedeuten, die wohl zu lehren und abzuwehren bemüht ist, aber leider nichts über die Leidenschaften der streitenden Theile vermag, als abzuwarten, wie sich wohl das Spiel zum Vortheile des Einen oder Andern gestalten werde. Unter der Gestalt des Jägers und des Kürschners sind die gewissenlosen „Rathsherren“ und „Advocaten“ verstanden, die den Streit beider benützen, um ihren eigenen Vortheil bei dieser Gelegenheit bestens herauszuschlagen. Das Haus wurde auch das gräflich Nimptsch’sche Haus genannt, weil es diesen Namen seiner Erbauerin Charlotte Gräfin von Nimptsch verdankte, die es im Jahre 1775 ankaufte. Im Jahre 1823 wurde es in seine heutige Gestalt umgebaut. * *) Das Windhaag’sche Stiftungshaus Nr. 755 (neu 9). Ein Eckhaus in die heutige Sternwartgasse hat seinen Namen von jener berühmten Windhaag'schen Stiftung, die einst Johann Joachim Entzmüller stiftete. Entzmüller Graf von Windhaag war ein armer Schwabe, der Studien halber nach Wien kam, weil seine Eltern ihn zu Hause nicht unterrichten lassen konnten. Er wählte sich die juridische Laufbahn und brachte es durch Talent und Fleiss zum Doctor beider Rechte und bald darauf zum Secretär der niederösterreichischen Stände. Er wurde Advocat und im Jahre 1636 sogar Landstand und 1637 Regierungsrath. Als solchen berief ihn Kaiser Ferdinand III. zum Generalcommissär für die Gegend von Niederösterreich, um dem gefährlichen Umsichgreifen des Lutherthums Einhalt zu thun. Er entledigte sich dieser heiklen, ja lebensgefährlichen Aufgabe mit solcher Geschicklichkeit, dass er schon in kürzester Zeit nahezu 40.000 Protestanten zum Uebertritt in den katholischen Glauben bewegte. Zur Belohnung wurde er in den Freiherrnstand erhoben und mit Glücksgütern reich gesegnet. Fast unglaublich erschien es, dass er, der arme, besitzlose, zu Entbehrungen verurtheilte Mensch, sich jetzt Besitzthümer und Liegenschaften erwarb, so z. B. das obige Haus in der Bäckerstrasse im Jahre 1648, 2 ) eine Herrschaft Windhaag in Oberösterreich (deren Namen er auch in sein Adelsprädicat aufnahm) und ein Haus in der Rossau. Im Jahre 1650 wurde er sogar vom Kaiser in den Grafen stand erhoben. Die Protestanten hassten ihn seiner Erfolge wegen und gaben ihm den Spitznamen „Huckepack“, ein Ausdruck, der heute noch besteht und in der Form von „Geh’ du zum Huckepack“ gleichbedeutend ist mit „Schere dich zum Teufel“. Entzmüller nahm aber von diesem Spottnamen keine weitere Notiz, sondern setzte sein erspriessliches Wirken weiter fort; er wurde ein Mäcen der Studenten der Rechtswissenschaft und vermehrte fleissig seine ansehnliche Bibliothek, die schon im Jahre 1674 auf 3000 Bände stieg; dieselbe wurde im Jahre 1721 durch die ebenfalls bedeutende Schwind’sche Bibliothek vermehrt und im Jahre 1784 der Universitätsbibliothek einverleibt. Auch stiftete er hier im Hause im *) Nach dem Tode der Gräfin Charlotte Nimptsch ging das Haus im Jahre 1808 an ihren Sohn Johann Heinrich Grafen Nimptsch und im Jahre 1820 an Johann und später an Carl Grafen Nimptsch über. Der gegenwärtige Besitzer heisst Johann Graf Nimptsch. *) Der Original^Kaufbrief, datirt Wien, den 11. Februar 1648, ist noch heute in dem Windhaag’schen Archive aufbewahrt, wonach Entzmüller Freiherr von Windhaag das obige Haus von der Witwe Anna Sophie verehelichte Burgweeger von Annenfeld im Jahre 1648 erkaufte. Untere Bäckerstrasse (Sonnenfelsgasse). 393 Jahre 1682 ein geistliches Alumnat (Seminarium), das schon im Jahre 1751 ein Einkommen von 15.616 Gulden hatte und über 20 weibliche Stiftungen zählte. Kaiser Josef II. hob zwar dasselbe im Jahre 1784 wieder auf, doch wurde das Stiftungshaus auf Zinsen an Miethsparteien verlassen und 60 männliche Stiftlinge (Studenten der Philosophie) wurden mit den jährlichen bedeutenden Stipendien auf die Hand betheiligt, wovon die niederösterreichische Landesregierung noch heute das Präsentationsrecht besitzt. In seinem Testamente vom 31. October 1670 machte er mehrere fromme Stiftungen und widmete unter Anderem sein bedeutendes in einer reizenden Gegend gelegenes Schloss „Windhaag“ zu einem Nonnenkloster, von dem seine einzige nach seinem Tode zurückgebliebene Tochter Eva Magdalena (die Erbin eines so bedeutenden Vermögens) die Vorsteherin wurde. Noch heute ehrt das Haus den Namen seines edeln Stifters, indem es noch gegenwärtig und für alle künftigen Zeiten das Windhaag’sche Stiftungshaus genannt wird und auch ein Stiftungshaus bleibt. Zum Zeichen des hohen Alters dieses Hauses befindet sich noch heute eine Inschriftstafel ober dem Thore des Inhalts: „Motus Joannes de Taw Genitoris honore, Qui placida functns morte Gerhardus erat, Cotididit has aedes, quas instauravit, nt isto Posteritas passet grata labore frui.“ MDLIX. Diese Inschrift deutet auf die Verhältnisse des früheren Besitzers Hanns von Thaw aus dem Jahre 1559. * *) XVII. CAPITEL. Untere Bäckerstrasse (heute Sonnenfelsgasse). ölnerhof hiess jenes uralte weitläufige Gebäude, welches noch bis zum Jahre 1793 bestand, im Jahre 1794 aber gänzlich niedergerissen und in vier Häuser abge- theilt wurde, wodurch nicht blos eine neue Gasse ,die „Kölnerhofgasse“, entstand, sondern auch das Haus Nr. 740 (neu 5) in der Untern Bäckerstrasse seine heutige Gestalt erhielt. Ein hochinteressantes Bild sub Figur 14:1 gestattet uns einen genauen Einblick in den Hofraum dieses alterthümlichen, merkwürdigen Gebäudes. 2 ) Es war so gross, dass noch heute sämmtliche Häuser der Kölnerhofgasse (nämlich 1, 2, 3 und 4) Theile dieses einen Hauses sind und noch Raum genug übrig blieb, um eine bequeme Gasse zu bilden. Der Kölnerhof hat seinen uralten Namen von dem Hochstift Köln erhalten, welches auch l ) Hanns von Thaw, jener berühmte Stadtrichter, war durch zehn Jahre Bürgermeister zu Wien (in den Jahren 1570, 1571, 1574, 1575. 1578, 1579, 1582. 1583, 1588 und 1589). Er ererbte obiges Haus von seinem Vater Gerhard von Thaw und liess selbes im Jahre 1559 in den dermaligen Stand von Neuem erbauen. *) Dies äusserst seltene Bild, eine Reproduction von E. Hütternach einer Handzeichnung aus dem Jahre 1790, zeigt uns den Innenraum des Kölnerhofs mit seinen alten Quergitterfenstern, seinem alterthümlichen Hausthurm, seinem massiven Thoreingange und den unregelmässigen Stockwerken. Auch der primitive Ziehbrunnen, die Gewölbbedachungen und der ebenerdige niedere Vorbau sind charakteristisch genug und versetzen uns in die Zeiten des XV. Jahrhunderts. Von all’ diesem Gemäuer ist bei der im Jahre 1793 erfolgten Demolirung nichts übrig geblieben als der Raum, den heute die Kölnerhofgasse einnimmt, und jene vier Bauflächen, auf welchen heute vier grosse Stadthäuser stehen, nämlich rechts das Haus (wenn man von der untern 50 394 Ansicht des Köllnerhofes. ? -yy dft*/ - AE Äu ^ / 4WlM .SSS* c3 ^£ R3Kä IMS i?S '•; •' Ttofc ; '' v f*r , T * *v*tr®£rv JVfif. Ansicht des ehemaligen Köllnerhofes bis zum Jahre 1794, !Si& fäS^ftnifr 2§tel3l W>.g£*r'. rX ' "^•’+ PV.n äüü^sfaa ?a5». *•«»>* j» * ys< - ie^| stv rtf* > .■ ***? i^rsjyy ggss« - V r *yi*' mm. ^teÄ? s ffl ft tSW i fr S ö£%st^ k^i *&'**?<- 2&k 0**£M. • rSÄÄ - W .. .-■iSi SSS***" 1 - &*&****?%**0 'sm? rp-teSj Das Universitäts-Pedellhaus. 395 dessen erster Erbauer gewesen sein soll, und in welchen: es (wie in frühem Zeiten die Stifte zu Freisingen, Regensburg und Salzburg) einen Canonicus als Residenten am kaiserlichen Hof hielt. Uebrigens ist dieser weitläufige Baucomplex aus alten Plänen Wiens genau ersichtlich. l ) Wahrscheinlich hatten die reichen Handelsleute und Kaufherrn von Köln hier ihre Niederlassungen, denn so weit die ältesten Urkunden reichen, befand sich dieser sehr ausgedehnte, weitläufige Hof immer in Privathänden. Eine gewisse wohlhabende Vornehmheit hatte ihn seit jeher vor andern ausgezeichnet. Aber noch ein anderes Gebäude dieser Strasse ist durch sein hohes Alter berühmt. Es ist dies: Das Universitäts-Pedellhaus Nr. 749 (neu 23). Dieses Haus wurde von den Jesuiten bei Gelegenheit der Uebernahme der Universität erkauft und mit dem ehemaligen StubenvoH’schen Hause vereint, sodann im Jahre 1630 von den Universitätspedellen und ihrem Kanzleipersonale bezogen, und noch heute befindet sich die Pedellkanzlei in diesen Räumen; übrigens soll schon in frühesten Zeiten dieses Haus Eigenthum einer hohen Schule in Wien gewesen sein und über den zwei Thoren dieses Hauses lesen wir die Inschrift: Dornus Uni- versitatis MDCXXVIII, wie dies in Figur 142 deutlich zu ersehen ist. Es ist dies ein Denkstein iVNIVERSITATIS M DC XXVIri Fi(j. 142. Denkstein ober dem Thore des Universitäts- Pedellhauses. zur Erinnerung, dass in diesem Jahre (1628) das Haus zuerst von dem Universitäts-Consistorium bezogen wurde, in welches es sowohl das Archiv als auch die Kanzlei verlegte. *) An dem Balcone dieses Hauses befindet sich ■wmm Bäckerstrasse in dieKölnerhofgasse einbiegt), das die Nr. 740 (neu Kölnerhofgasse 2) führt, was übrigens auch, weil es ein Eckhaus ist, identisch bleibt mit Haus Nr. 5 der untern Bäckerstrasse; dann das daranstos- sende Haus Nr. 739 (neu Kölnerhofgasse 4), ein Eckhaus in die Grashofgasse; ferner das Haus Nr. 737 (neu Kölnerhofgasse 1), welches heute links beim Eingänge von der untern Bäckerstrasse in die Kölnerhofgasse steht; und endlich das Haus Nr. 738 (neu Kölnerhofgasse 3), das sich dem eben genannten anreiht. Von allen diesen vier Häusern wird aber passender bei Gelegenheit der Kölnerhofgasse gesprochen werden. J ) So ist z. B. im Wolmuet’schen Plane vom Jahre 1547 und im Suttinger’- schen Plane vom Jahre 1684, dann im Steinhauser’schen vom Jahre 1710 der, Umfang genau zu ersehen. — Im „Scfyüt;, uttb Schani;" heisst es: „Ttetlnerbok «b Durchhaues, bem berrn SHartin Untoin non Dbran Hieb. Soctor gehörig, »orinnen bk £apclle bcs St. Philipp ftebt." 2 ) Die Uebergabe der Wiener Hochschule in die Hände der Jesuiten wurde zwar schon im Jahre 1617 von Kaiser Mathias versucht, kam aber wegen der damaligen Religionswirren und sonstigen Unruhen nicht zu Stande, erst im Jahre 1622 hat Kaiser Ferdinand II. das Collegium der Gesellschaft Jesu in Wien mit der Universität für immer verbunden worauf die Jesuiten sechs Jahre später auch das Stubenvoll’sche Haus Nr. 749 (neu 23) ankauften. 143. Balcongitter an dem Universitäts-Pedellhause. 60 * 396 Der Fähnrichshof. Wenzel Müller ein hochinteressantes altertümliches Gitter aus dem XVII. Jahrhundert, welches noch ganz gut erhalten ist, und das ich in Abbildung sub Figur 143 zur Anschauung bringe. Eigentümlich sind hier die lyraartigen Verzierungen und als Symbol der Wissenschaft ein aufgeschlagenes Buch mit den beiden Initialen U und V als Abkürzung für: Domus Universitatis Viennensis. XVIII. CAPITEL. Blutgasse. empelritter waren es, die der Sage nach diesem Orte, dem Orte des Grauens und Entsetzens, den Namen verliehen. Die Sage erzählt, dass, als man den Templerorden aufhob, sämmtliche Mitglieder dieses Ordens hier überfallen und erschlagen wurden, so dass der Blutstrom bis weit über die Singerstrasse hinabfloss. Geschichtlich nachweisbar ist blos, dass der Templerorden auf Antrag König Philipps des Schönen von Friedrich dem Schönen aufgehoben wurde. 1 ) Das enge, etwas düstere Gässchen gemahnt noch heute an die ehemaligen schmutzigen, raum- und lichtarmen alten Gassen Wiens, wie sie früher so häufig anzutreffen waren. Es dient dazu die Schulerstrasse mit der Singerstrasse zu verbinden. In altern Zeiten wurde es auch zum Fähnrichshof gerechnet und kam unter dem Namen „Milchgassei“ vor. Das wichtigste Gebäude, welches auch einen grossen Theil dieser Gasse einnimmt, ist der Fähnrichshof Nr. 848 (neu 5) ein weitläufiges Gebäude, welches bereits im Jahre 1684 in dieser Ausdehnung von Johann Conrad Ludtwig angekauft wurde. Erst im Jahre 1801 wurde die Bewilligung zum Neubau ertheilt, und es erfolgte der Umbau im Jahre 1819 in derselben Gestalt, wie wir sie noch heute sehen. Bemerkenswerth ist, dass hier einer der populärsten Componisten eine Zeit lang lebte, der die Wiener mit guter, echt volksthümlicher Possenmusik beschenkte. Es war dies der alte Wenzel Müller. Er ist uns für heute schon deshalb wichtig, weil dieses Musik-Genre fast auszusterben droht. Die Erfindung seiner Composition floss leicht dahin, das charakteristische Frische der Bewegung, vor Allem das Melodische zeichnete ihn vor allen seinen Collegen aus, und gerade in der niedern Volkspossen-Musik hat ihn noch keiner vor und nach ihm erreicht. 2 ) Als Orchesterdirector des Leopoldstädter Theaters componirte er das „Neue Sonntagskind“, die „Teufelsmühle am Wienerberg“ und sämmtliche Musikstücke zu den Raimund’schen Possen, die den Wienern so sehr in Fleisch und Blut übergingen, dass sie noch heute vom Volke *) Nach Hormayr bestehen nur zwei Urkunden, die sich auf diese Thatsache beziehen, wonach die Güter des Ordens hier in der Singerstrasse an die Johanniter’ übergingen. 2 ) Wenzel Müller war in Türnau in Mähren 1767 geboren, kam als tüchtiger Musiker nach Wien, wo er im Orchester angestellt wurde. Im Jahre 1807 ging er nach Prag und componirte dort seine besten Werke. Im Jahre 1812 kehrte er nach Wien zurück, wo er als Orchesterdirector und beliebter Compositeur für das Possenfach bis zu seinem Lebensende verblieb. Das Tischlerherberg-Haus. 397 gerne gesungen und gehört werden, obgleich sie weit über ein halbes Jahrhundert alt sind. Wer erinnert sich nicht der einschmeichelnden Arie zu den Worten: „Brüderlein fein, Brüderlein fein. Und scheint die Sonne noch so schön, Einmal muss geschieden sein. Einmal muss sie untergeh’n!" oder die Melodie vom Aschenlied im „Verschwender“, die Arie aus „Alpenkönig und Menschenfeind“: „So leb’ denn wohl, du stilles Haus!* oder jenes: „Floriani, uni di wan' i, du meines Lebens Süssigkeit — Mariandl — Zuckerkandel“ etc. Dies sind Lieder, die vielleicht den jungen Wiener kalt lassen, aber dem alten Wiener tief ins Gemüth einschneiden. Es sind dies Lieder, die ihren Componisten lange überlebten und noch lange überleben werden. Sein Sohn Adolf Müller verlegte sich zwar auch auf dieselbe Art von Volksmelodie und trat in die Fussstapfen seines Vaters, aber er hatte ihn an Phantasie und einschmeichelnder Lieblichkeit der Melodie lange nicht erreicht. Wahrlich nach und nach droht das Genre dieses einfachen natürlichen Volksgesanges gänzlich auszusterben, und die kunstgerechten complicirten Formen der Possenmusik sind nicht im Stande, das bei unserem Volke hervorzurufen, was ein einziges Lied, eine einzige Strophe Müllers vermochte. Wenzel Müller, obgleich kein geborner Wiener, wusste doch das musikalische Idiom des Wienerthums so geschickt aufzufassen, dass er stets den richtigen Effect zu erzielen wusste; auch hatte er die schöne Eigenschaft, die heute nur Wenigen mehr eigen, nie aus seinem bescheidenen Wirkungskreise herauszutreten, Und wir können dieselbe Einfachheit, Bescheidenheit und Gemüth- lichkeit, die wir als Hauptcharakterzüge bei dem Wiener bewundern, auch wieder aus den Liedern unseres Wenzel Müller hervorklingen hören. XIX. CAPITEL. Erst nach wohl als Die Ballgasse. enes kleine schmale Gässchen, welches vom Franciscanerplatz aus durch einen Schwiebbogen in die Rauhensteingasse führt, wurde von einem dort im XVII. Jahrhundert errichteten „Ballhause“ Ballgasse genannt. Früher hiess es: bet? *) und an der Stelle jener vier Häuser (Nr. 929, 930, 931 und 932), welche heute die eine Gassenseite bilden, stand einst das „feinunclportcit'" (Himmelpforten-) „üitoftev", welches mit Verordnung vom Jahre 1782 aufgehoben wurde. Wegräumung dieses Klosters wurden obige Privathäuser erbaut, von denen das folgende das historisch wichtigste betrachtet werden kann: Das Tischlerherberg-Haus Nr. 929 (neu 8). Es ist das älteste Haus in dieser Gasse und bestand schon im Jahre 1772 als das „bitr= gerli(J)C 2if4>ler3UnfMbaU0". Eine grosse Steintafel ober dem Hausthor, welche heute durch eine moderne hölzerne ersetzt ist, belehrt uns hierüber mit seiner Aufschrift: „Tiev feürgetlitfyflt Süfflet 'feerberg J772." *) Diese altwienerische Benennung „2tuf dtp Jagtbeit" mochte wohl auf jenes nahegelegene Strafhausgebäude („®aleft5fpiljbut>enbineß"= und „Ularionettfpiele", sowie alle sonstigen ärmlichen Theaterbuden in die Vorstädte verwiesen wurden, hörten auch hier im Hause diese Theatervorstellungen auf, und eine kaiserliche Verordnung vom 25. April 1720 bestimmte, dass das Kärntnerthortheater allein das Recht habe scenische Vorstellungen abhalten zu dürfen. Seit dem wurde das Haus zu Privatzwecken benützt. s ) Eine den Wienern theuere Erinnerung anderer Art knüpft sich an das Dreifaltigkeitshaus oder Bierhaus „zum alten Blumenstöckel“ Nr. 928 (neu 3). Hier schenkten Anfangs der Zwanzigerjahre Michael Wichtel und später Obermayer ihre berühmten Biere aus, die allgemeinen Stadtruf besassen, und es werden sich die ältern Bierfreunde noch mit Freude jener vortrefflichen Biersorten erinnern, die man damals (in den Dreissiger- und Vierzigerjahren) „Bairisch“, „Kaiserbier“ und „Jedleseer“ nannte. Mit dem Namen aber ist auch ihre Eigentümlichkeit und Güte verschwunden. Diese Biere waren stärker (d. h. alkoholhaltiger) und durch grössere Hopfen- und Malzzusätze gehaltvoller als heute. Das Bierglas klebte noch nach einiger Zeit am Tische fest, ein Fall, der sich heute nicht mehr ereignet, auch wurde zur Bitterwürze nur reiner, unvermischter Hopfen genommen und das Bier nur in der natürlichen Kellerfriscbq, nicht aber im Zustande der so schädlichen Eiskälte getrunken. Es steht also ausser Zweifel, dass die Bierproduction seit jener Zeit, namentlich seit dem riesigen Aufschwung der Chemie, sich allerdings quantitativ gehoben hat, ob sie es aber auch qualitativ gethan, sollen nachfolgende Zeilen besprechen. Die alten Biere und Bierhäuser der Wiener. Die Geschichte der Wiener Biere nimmt schon mit den Zeiten Carls V. ihren Anfang, und ist uns eine interessante Verordnung vom 9. März 1430 erhalten geblieben, welche befiehlt, dass kein Bier innerhalb des Burgfriedens der Stadt ausgeschenkt werden dürfe, um nicht der Weinproduction zu schaden, die ja ein Haupterwerb der alten Wiener Bürgergeschlechter war. Schon damals also erkannte man im Biere den furchtbaren Rivalen des Weines, der nur zu bald die Oberhand gewinnen sollte, und trotz der eifrigsten Bemühungen der Regierung und trotz vielfacher Erlässe a ) nahm die Biererzeugung von Jahr zu Jahr erschreckend überhand. Zwar hatte unter ‘) Wien hatte nur vier grosse Ballspielhäuser. Das erste war das Hofballhaus, das ich schon im XV. Capitel besprach. Von den übrigen drei öffentlichen war jenes in der Himmelpfortgasse das „25oierifcbe ;< das grösste, es kommt noch in dem im Jahre 1701 bei Joh. v. Ghelen gedruckten ersten Häuserschema (Pag. 108) als „bfTOt iriUtCOtietS tflif. boff buttmacfcers ballbaus" vor, verschwindet aber bald darauf ganz, da es vom Prinzen Eugen von Savoyen zur Erbauung seines herrlichen Palastes in der Himmelpfortgasse (des heutigen Finanzministeriums) erkauft wurde. Das weit kleinere befand sich in der Teinfaltstrasse. Mit Beginn des vorigen Jahrhunderts, als die Vorliebe für das Ballspiel bereits erlosch, wurden in den leergewordenen Räumen dieser drei Privatballhäuser grosse Theatervorstellungen gegeben u. zw. im erstgenannten italienische, im letztem deutsche, wobei man von den hochfurstlich Württemberg’schen Hof-Komödianten Staatsactionen und Possen aufführen liess. ’) Nach den ältesten Grundbüchern bildete dieses Haus ein „Zuhaus“ des Klosters, und erst nach Aufhebung dieses Klosters wurde ein Theil des „Zuhauses“ verbaut. *) So befahl z. B. Ferdinand I„ dass es den Müllern und Bauern auf dem flachen Lande auf das Strengste untersagt sei Bier zu brauen. - Die alten Biere und Bierhäuser der Wiener. 399 Leopold I. bis 1699 das Bürgerspital in der Kämtnerstrasse das ausschliessliche Recht Bier zu brauen, dennoch finden wir schon um die Mitte des XVI. Jahrhunderts in der Umgebung Wiens zahlreiche Brauereien, * *) und unter Carl VI. liebte man es sogar, von auswärts Biere zu beziehen und das sogenannte „Regensburger“- und „Breslauerbier“ war damals hoch in Flor. Sonst gab es in Oesterreich überhaupt nur zwei Biergattungen, das Weizenbier (welches man auch Weiss- oder Weinbier nannte) und das Gerstenbier (auch Braunbier oder Luftbier), weil man es aus Gerste braute, die in der Luft getrocknet war. a ) Seitdem aber die Chemie die Weltherrschaft auf dem Gebiete der Nahrungsmittel errungen hatte und somit auch ein Wort mit dreinsprechen durfte in die Erzeugung des Bieres (dem Brod der Armen, wie Liebig es nannte), finden wir in den ländlichen Brauerstuben statt des einstigen alten Brauknechts zwei Chemiker, und so nahm das Bier rasch an Güte ab. Ich spreche hier nicht etwa von unseren grossen Matadoren, deren Erzeugnisse weit über jeden Zweifel erhaben sind, sondern von jenen winzigkleinen, obscuren, im Kampfe um’s Dasein ringenden Winkelbrauereien, die den so kostspieligen Hopfen durch allerlei chemische Ingredienzien und Mittel als Bitterwürze zu ersetzen glauben und durch allzu geringen Malz- oder Gerstenzusatz ein schales, kraftloses, lichtes, dem böhmischen Bier ähnelndes „Modebier“ erzeugen. Doch dieselben Wandlungen, die wir im Laufe der Zeiten über das Bier ergehen sahen, dieselben mussten wir auch in unsern Bierstuben wahrnehmen. Mit Wehmuth erinnern wir uns noch jetzt der guten alten Zeit, wo in den schlichten niedem Bierschänken noch Talglichter brannten, die der Wirth mit der unvermeidlichen blauen Schürze und dem grünsammtenen Käppchen selbst anzündete und uns ein „Gelobt sei Jesus Christus“ zum Grusse gab; er bediente uns persönlich und versorgte uns, zwar nur auf ungedeckten Eichentischen, mit Speise und Trank, aber die Getränke waren echt, die Portionen billig und gross. Diese einfachen Stuben sind nun alle verschwunden; statt ihrer empfangen uns glänzende riesige Salons. Ihre tausend Gasflammen, ihre hundertfältigen Spiegelgläser blenden uns, aber sie befriedigen nicht. Ihre Gar^ons im tadellosen diplomatischen Frack sind eleganter, aber sie serviren uns nur Speisen, deren Volum im Verhältnis zur ehemaligen Grösse zu einem trügerischen Schattenbilde zusammengeschrumpft ist. Mit Ende der Vierzigerjahre gab Obermayer das Wirthsgeschäft auf, und das „alte Blumenstöckel“ wanderte in das vis-a-vis gelegene ehemalige Geymüller'sche Haus Nr. 930 (neu 6), wo es noch heute unter dem Namen „Neues Blumenstöckel“ fortbesteht, es ist wohl eleganter und geräumiger, aber die alten Traditionen vom „alten Blumenstöckel“ können nicht mehr so unverbrüchlich aufrecht erhalten werden, und die echten und rechten Bierfreunde von früher fühlen sich im „neuen“ nicht mehr so ganz behaglich, wie es ehemals im „alten“ der Fall war. 3 ) 0 Um das Jahr 1564 existirten z. B. am Hundsthurm, im Jahre 1690 in der Leopoldstadt (im Ulttcvn 1706 in St. Marx. 1689 auf den gräflich Königsegg’schen Gründen in Gumpendorf, 1732 in Margarethen, Simmering, Kaiser- Ebersdorf Brauhäuser und in Schwechat gar drei Brauhäuser zu gleicher Zeit. *) Noch eine dritte Gattung, das Einböck (Haferbier), war damals bekannt, welches aber nur in Horn und in Trost erzeugt wurde. s ) Im Jahre 1684 gehörte das alte Blumenstöckel-Haus der Rosina Reschalin, im Jahre 1700 hiess es das Rabensauerische Haus, im Jahre 1775 kam es in den Besitz der Klosterfrauen zur Himmelpforte, nach Aufhebung des Klosters kam es aber wieder in Privatbesitz, und es standen seitdem an der Gewähr: im Jahre 1787 Anton Winter, 1795 Margaretha Winter, 1806 Georg Spitzer, 1822 Georg und Anna Spitzer, 1833 Josefa Klee, hierauf Michael Wichtel und dessen Erben und heute die Mitbesitzer Ferdinand und Barbara Wichtel. V., A. und E. Schnattinger. XX. CAPITEL. Der Bauernmarkt. aiwnitwrtt oder Bauernmarkt wurde diese Strasse von jenem Markte genannt, den die Bauern seit ältesten Zeiten hier abhielten, 1 ) und schon Schmelzt erwähnt denselben in seinem Lobgedicht der Stadt Wien, indem er sagt: ,, .mein lieber cSreunö! fllilcb, obermilcb, milcbraum, flrofaitig, £s iß aeroöbnlicber marttag beunt, Butter, aner, )pen(air. praitlittg, liomtntban, benparornmartt aucb fcbaut, lauten «nb allen rberßuß, Sa ßnbt man !<5ß, ßßmatf;, ruben, traut, lüer bas liebt, pillicb loben muß." Aber schon zu Antang des XV11I. Jahrhunderts wurde dieser Markt auf die Seilerstätte und zum Theil auch auf den Neuen Markt und Hof verlegt, wo er sich noch heute befindet. Der Bauernmarkt verbindet den Hohenmarkt mit dem Petersplatz und mündet mit seinem obern Theil (früher Hühnergassei genannt) auf den Lichtensteg und in seinem untern Theil in die Freisinger- und Goldschmiedgasse. Zu den ältesten und zugleich wichtigsten historischen Häusern werden gezählt: Der alte Gundelhof Nr. 588 (neu 2 und 4). Dieses uralte und weitläufige Gebäude, das bereits durch Neubauten spurlos verschwunden ist, hatte seinen Namen von dem reichen aus Tirol eingewanderten Georg Gundlach, welcher dieses Haus im Jahre 1490 ankaufte und längere Zeit besass. Es war ehemals ein Durchhaus, das den Bauernmarkt mit der Brandstätte verband und mit seiner Hauptfront der Letztem zugekehrt war. Ein interessantes Bild suö Figur 14z4L 2 3 ) zeigt uns das Haus von seiner gegen die Brandstätte *) ln den Grundbüchern vom Jahre 1440 wird diese Strasse PaWWtttlUltft und früher schon illtinjet'ftt'ajse von den herzoglichen Münzern so genannt, die mit ihren Münzerwerkstätten unter Albrecht III. im Jahre 1386 vom Hof hieher in den heutigen Bellegardehof verlegt wurden, wie dies schon im Capitel I, Seite 2 erwähnt wurde. 2 ) Diese Ansicht ist einem höchst seltenen Originale nachgebildet, welches Salomon Kleiner im Jahre 1724 gezeichnet und B. Hattinger in Kupfer gestochen. Es ist 32 Cm. breit und 20 Cm. hoch. Der alte vierstöckige Gundelhof der zu den bedeutendsten und ältesten Bauten der Stadt gehörte, nimmt mit seinem imposanten massiven Hausthor und den acht Fenstern in der Front die Mitte des Bildes ein. Seine rundbogigen Gewölbthüren mit den vorspringenden Dächern charakteri- siren, wie wir sehen, das hohe Alter des Hauses; auch die Verkaufsbuden inmitten des Platzes sind bemerkenswerth. Sie bildeten hier den besuchtesten Gänsemarkt, der seit Ende des vorigen Jahrhunderts bis in die allerneueste Zeit sich hier befand, an dessen Stelle Hans Gasser sein schönmodellirtes Steinbild „Das Gänsemädchen“ setzte, welches jedoch seit dem Umbau des Platzes vor der Mariahilferkirche aufgestellt wurde. Die Brandstätte bildete bis zu ihrer gänzlichen Demolirung ein regelmässiges geschlossenes Viereck, zu welchem man nur vom Stefansplatz aus durch zwei Schwiebbogenthöre und vomBauernmarkt durch den Gundelhof gelangen konnte. Die eine Seite des Vierecks nahm hier im Bilde rechts der Gundelhof mit seinen beiden Nachbarhäusern, dem Eder’schen und Liechtenstein’schen Haus Nr. 630 und 587 ein, links aber füllte das „CafeEurope“ Nr. 628 mit seiner rückwärtigen Längenfront den Platz aus; die dritte Seite, welche den Hintergrund dieser Ansicht schliesst, umfasste zwei vier Stock hohe Häuser, wovon das eine rechts im Bilde das einst so beliebte Gasthaus „zum goldenen Stern“ Nr. 629 war, das andere links aber als das Rothberger’sche Nr. 627 noch heute besteht; die vierte und letzte Seite jedoch, wo sich einst das Haus „zum Palatin von Ungarn“ Nr. 632 und das ebenfalls starkbesuchte Gasthaus „zur Eiche“ Nr. 63t befanden (das gegenwärtig zu einem kleinen Weinschank zusammengeschmolzen ist), ist der besseren Uebersicht wegen vom Zeichner weg- gelassen worden. Gegenwärtig aber ist der leere Raum, den der Brandstättehof einst bildete, und jene Bauarea, welche die demolirten Häuser Nr. 628, 629, 630, 587 und 580 einnahinen; derart verbaut, dass sich an ihrer Stelle jetzt die Häuser Nr. 1, 3 und 5 der Brandstättegasse und die Häuser Nr. 2, 4, 6 und 8 der Jasomii gottstrasse als ein vollkommen abgeschlossener Baucomplex erheben. Brandstätte und Gundelhof. -f fc .tSUjsä/i mm 3D ininn i }£«£■ ajÄr * 1 lliiiiii" si Fig. 144. Ansicht der Brandstätte mit dem Gundelhof im XY1II. Jahrhundert. 402 Das Haus „zum goldenen Wagen. 1 gekehrten Innenseite, wie es seit 1724 bis zu seiner vor sechs Jahren erfolgten Demolirung unverändert bestand. Im Jahre 1877 wurde der Gundelhof vom Grund aus niedergerissen und an seiner Stelle jene beiden modernen Zinsburgen erbaut, wovon eine gegenwärtig das Haus Nr. 2 und die andere das Haus Nr. 4 des Bauernmarktes bildet. Der alte Gundelhof ist reich an historischen Erinnerungen, und um nur einige der wichtigsten hervorzuheben, sei Folgendes bemerkt: lm Jahre 1450 erbaute hier die Familie Strasser eine Capelle. *) Im Jahre 1459 wohnte Kaiser Friedrich während der Zwistigkeiten mit seinem Bruder Albrecht in diesem Hause. Im Jahre 1607 kam Augustin Hafner in den Besitz desselben, stellte die mittlerweile verfallene Capelle wieder her und führte den Gottesdienst neuerdings ein. Im Jahre 1695 gelangte Bartholomäus Tinti an die Gewähr, bei dessen später in den Freiherrnstand erhobenen Familie es weit über 100 Jahre blieb. 1801 erkaufte dies Haus Erzherzog Ferdinand d’Este, Bruder Kaiser Josefs II., und zuletzt war S. M. Freiherr von Rothschild Eigenthiimer desselben. Nicht uninteressant dürfte die Bemerkung sein, dass im Jahre 1800 die erste Wiener Börse vom „grünen Fassei“ am Kohlmarkt hieher verlegt wurde. Das Haus „zum goldenen Wagen“ Nr. 585 (neu 10) hat seinen Namen von dem bereits seit 1700 grundbücherlich verzeichneten Schilde „zum goldenen Wagen“ und wurde in letzterer Zeit das „gräflich Dietrichstein’sche Haus“ genannt, weil Moritz Graf Dietrichstein, der bekannte Hoftheater-Director und vorletzte „fwfmuftfgraf" 2 ) es seit Ende der Dreissigerjahre im Besitz hatte. *) Lazius und Abermann berichten hierüber in ihren Schriften umständlich. *) Das „Eofmufifgrafcnamt" bestand in Oesterreich seit dem Jahre 1782 und ging aus dem uralten 400jährigen „Spielgrafenamte" hervor. Das letztere hatte nämlich blos über die „Hofcapelle“ und die „zünftigen Musiker“ (die sich fast ausschliesslich mit Tanzmusik beschäftigten) zu wachen, während die sogenannten „freien Musiker“, als die eigentlichen Künstler geachtet und geschätzt, ausser dieser Controle standen. Für die fiscalische Seite des „Spielgrafcnattltes" führte die Kaiserin Maria Theresia das ,,{llußf=Jinpoß=2ttnt" ein, das die Aufgabe hatte, von den Spielleuten, Gauklern etc- Taxen einzuheben und zu verwalten. Vide: „Sitzungsbericht der Akademie der Wissenschaften für die historische Classe,“ 35. Band, 1. Heft, Seite 200. — Später wurde das „Spielgrafenamt“ in Folge eingerissener Uebelstände und besonders lästiger Jurisdictions-Streitigkeiten durch Kaiser Josef II. sanimt den bisher bestandenen Privilegien als nicht mehr zeitgeinäss aufgehoben, die Kunst freigegeben und ein „Hofamt“ unter dem neuen Titel „ülußtgraienamt" (1782) eingeführt, an dessen Spitze ein Director unter dem Namen eines „SKußtgraßn" (jedoch ohne die Privilegien des frühem „Spielgrafen“) stand. Seinem Ressort gehörte von nun an blos die Ueberwachung der Hoftheatermusik und der Hofcapelle an. Interessant ist die Bemerkung, dass der Bestand einer solchen „Hofcapelle“ schon seit den Zeiten Maximilians I. nachweisbar ist. Nur war ihre Dienstleistung im Vergleiche zur jetzigen eine ganz verschiedene. So z. B. besorgte die Capelle nicht blos in der Hofkirche die Musik, sondern auch bei Hoftafeln, Krönungen, Huldigungen und später in der Oper, ja sie begleitete sogar den Monarchen jedesmal auf die Reichstage. Das Schwergewicht fiel natürlich um die Mitte des XVI. Jahrhunderts, bei der geringen Ausbildung der Instrumentalmusik, auf den „Sängerchor“, der damals sehr reich besetzt war, so dass er zu jener Zeit schon aus 33 Sängern, 2 Capeilmeistern und 1 Organisten bestand, während die Instrumente damals nur Pauke, Zinke, Fagot, Posaune, Trompete, Theorbe, Laute und Gambia waren. Im XVII. Jahrhundert aber trat unter Ferdinand III. ein neues Element auf, welches von ihm und seinen drei Nachfolgern Leopold L, Josef 1. und Carl VI. mit leidenschaftlicher Vorliebe gepflogen wurde und zur Entfaltung der Wiener Hofcapelle nicht wenig beitrug. Es war dies die in Italien erfundene Oper. Mit ihr entwickelte sich auch mehr die „Instrumentalmusik“. Schon im Jahre 1705 bestand die Hof- musik-Capelle aus 103 Personen, stieg im Jahre 1723 bereits bis auf 134 und blieb so bis zum Tode Carls VI. (1740) constant. Kuechelbecker erzählt in seinen „Allerneuesten Nachrichten vom Hofe“ (1732): „PtC Ijofmußf bfßltnb öatttalä aus 2 iapdb tneißern, s £ompoßtoren, $ Sängern, 2 $ Sängerinnen, ) Concertmeißer, 32 Saiteninßrumentalißen, $ tprgamften, 2 Ibeorbißen, I Äpmbatiften, j ©ambißen, l Fantenißen, 4 poiaunißen, 5 Jfagotiüen, 5 'feautboißen, j IPalißormßen, J3 Hlußflrompetern unb | Eeerpautcr, 6 itiolaren unb bei ber Eoftafel aue t mußtalißbetn Eafelbecfer mit 2 Jungen." Im Jahre 1752 übergab Maria Theresia die Administration dem Wiener Stadtamte, worauf die Hofcapelle rasch in Verfall gerieth; sie beschränkte sich nur mehr auf Kirchendienst, Tafel- und Kammermusik und wurde dem Hofcapellmeister Georg von Reutter gegen ein Pauschale von 20.000 Gulden verpachtet, was ein wahrhaft knickerisches Ersparungssystem herbeiführte; man behalf sich Das Haus „zum goldenen Wagen.“ — Franz Grillparzer. 403 Aber noch in anderer Beziehung ist uns dieses Haus werth und theuer. Es ist dies die Geburtsstätte unseres grössten heimischen Dichters, des einzigen, der schon bei Lebzeiten den Weltruhm der Classicität erwarb, unseres unvergesslichen Franz Grillparzer. Er war hier im ersten Stockwerke am 15. Jänner 1791 geboren, und im Hofe an der linken Seite zunächst dem Thorbogen ist noch heute das Fenster seines Geburtszimmers sichtbar. Eine Ansicht sub Figur 145 macht uns mit dem Innern dieses interessanten Hauses näher bekannt. ') Wenn ich hier von Grillparzer spreche, berühre ich zugleich ein Stück echten Wienerthums, denn Grillparzer war seinem innersten Wesen nach ein echter Wiener, während seine Werke eine überraschende Universalität bekundeten. Grillparzer unterschied sich nämlich von allen bisherigen vaterländischen Dichtern hauptsächlich dadurch, dass seine Werke keiner bestimmten Schule oder Zeitrichtung angehörten, keine nationale, locale oder politische Färbung besassen, dass aber trotz dieser Allgemeinheit sein ganzes Denken und Fühlen sich mit unsichtbaren, aber mächtigen Wurzeln an den heimatlichen Boden klammerte. Diese seltsame Erscheinung seiner „Doppelnatur“, die sogar einen grellen Widerspruch in sich zu schliessen scheint, verdient allerdings eine nähere Erklärung. Franz Grillparzer war kein modischer Dichter. Alles, was er schrieb, gehörte allen Verhältnissen und Zeiten an, nichts von „Convenienz“, nichts vom blossen äussern Schimmer haftete an seiner Dichterseele. Alles, was er gab, war voll und ganz, ohne Parteistellung oder Parteifärbung. Seine Werke waren voll durchsichtiger Klarheit in der Darstellung rein menschlicher Gefühle, voll hinreissender Bilder und kühner Gedanken, die dem Verstände und der Phantasie das Gleichgewicht hielten; was er schrieb, sprach zu unserem Herzen, ohne Rücksicht auf eine bestimmte Schule, die den gewöhnlichen Dichter in eine der speciellen „Kunstfächer“ hineinzwängt, je nachdem er der „antiken“, „modernen“ oder „heidnischen“ Kunstrichtung angehört. Sein Dichtergefühl war ein allgemeines, nämlich mit hochbejahrten Musikern, ohne neue anzustellen, so dass die Capelle bis zum Tode Reutter’s (1772) auf zwanzig grösstentheils invalide musikalische Greise zusammenschmolz. Erst seinem Nachfolger Florian Gassmann gelang es, die Capelle künstlerisch zu heben und sie bis auf 50 Personen zu erhöhen, ein Stand, der bis heute stationär blieb. Zwar sollte auf Befehl Kaiser Josefs II. das sämmtliche damals in Pacht gestandene Musikpersonale entlassen werden, mit dem Bemerken, „twÜ Übrc faiferl. ftlaieftdt binfüro Me HTufici Murnaliter (tdglicb) uttb Menftroeife 31t bonorireu geroillct roärcn." Dagegen überreichte Graf Spork (Protector der Musiksocietät) eine allerunterthänigste Vorstellung an den Kaiser, worin er auseinandersetzt, „i>ajs liofbbero Kefolutiott gegen bero Sranbeur rerftojie unb Me ülm'it feabur# nicbt billiger, itwbl in contrario (cfilecbter »erben burfte." Der Kaiser ging auf diese Vorstellung ein, und die Capelle war gerettet. Das Musikgrafenamt blieb zwar bestehen, als aber im Jahre 1849 Graf Amadä, der letzte Musikgraf, starb, wurde diese Hofstelle nicht mehr besetzt. Sein Vorgänger im Dienste war Moritz Graf Dietrichstein-Proskau-Leslie, der Eigenthümer des obigen Hauses, von dem besonders zu berichten ist, dass er auch im Jahre 1815 die Leitung der Erziehung des Herzogs von Reichstadt übernahm, die er im Mai 1831 beendete, und dass er im Jahre 1819 zum Hofmusikgrafen und im Jahre 1821 zum Hoftheater-Director ernannt, beider Stellen aber auf sein eigenes Ansuchen im fahre 1826 wieder enthoben und hierauf zum Präfecten der Hofbibliothek und im Jahre 1833 zum Leiter des k. k. Münz- und Antikencabinets und 1834 zum Obersthofmeister der Kaiserin Maria Anna Carolina designirt wurde. Nach seinem Tode kaufte der Woll- und Seidenhändler Eduard Richter das Haus, der noch gegenwärtig Eigenthümer desselben ist. Was die übrigen ältesten grundbücherlich nachweisbaren Besitzer betrifft, so sind dies folgende: 1684 Lorenz Kierchhamber’s Erben. 1700 Johann Baptista Locatelli, kaiserlicher Kammerdiener, 1775 Josef von Kofler, 1783 Franz von Koller, 1806 Fr. Edler von Kofler, 1828 Franz Maria Freiherr von Kofler und Maria Anna Putscheck, 1833 Josefa Freiin von Kofler. *) Das Bild, nach der Natur von Emil Hiitter gezeichnet, zeigt uns die Innenseite des vierstöckigen Gebäudes mit der Ansicht gegen den Thoreingang. Die zwei ersten Stockwerke sind mit schönen Säulengängen versehen, während ober dem dritten Stockwerk ein Glasgang angebracht ist, der einen Bestandtheil der Wohnung im vierten Stocke bildet. Das erwähnte Fenster aber, das zum Geburtszimmer Grillparzer’s gehört, befindet sich im Bilde links im ersten Stockwerke an der Seitenwand und ist eines jener beiden Fenster, welche ganz gesehen werden, u. zw. liegt es gerade oberhalb jenes Mannes, der eben mit dem Fortschaffen einer Kiste beschäftigt ist. Grillparzer’s Geburtshaus. *■ ä» llffj f¥<\ Vkjä * *»** H mF*. r * -FVp. JrfJ. Innenansicht von Grillparzer’s Geburtshaus auf dem Bauernmarkt I5K»} i»‘ I i': ?■" ^ !■ ll ■tPÜ. 838® mm. e» 1 &*£&?*• T'äfc F*5S« 405 Frani Grillparzer. — Die Bognergasse. ein rein menschliches, zu allen Zeiten und Orten wohlverständliches, und dies drückte ihm auch wirklich den Stempel der Classicität auf und sicherte ihnT einen Ehrenplatz in der Weltliteratur für alle künftigen Zeiten. Und dennoch finden wir trotz dieser Allgemeinheit in seinem menschlichen Wesen Charakterzüge gar seltener Art, Charakterzüge, die das volle „Wienerthum“ uns von seiner schönsten Seite klar und deutlich in ihm wiederspiegeln; z. B. jene übergrosse Bescheidenheit, der zufolge er sich nirgends vordrängte, jener sentimentale Zug, der sich oft bis zum Weinerlichen steigerte, jene Verschlossenheit, die sichtrotz mancherlei Bedenken Niemandem gegenüber aussprach, jene gutmüthige Nachsicht, die trotz mancherlei Kränkungen Alles ruhig über sich ergehen liess, lauter Züge des echten Wienerthums. Die oberflächlichen Kritiker rechneten ihn zwar wegen seiner „Ahnfrau“ zu den „Schicksalsdichtern“, obgleich seine „Sappho,“ „Medea,“ „Ottokar“ längst schon sie eines Bessern hätte belehren sollen, sie warfen ihn, den unsterblichen Dichter, in die bunte Reihe jener Alltagsberühmtheiten, wie z. B. Zacharias Werner, Müllner, Houwald, und wiesen ihm auch dann noch nicht den gebührenden Platz an, als die Ohnmächtigen längst schon zu Boden sanken, während er, der Gewaltige, fest im Sattel sass und kühn das stolze Flügelross nach seinem Willen lenkte. Er war ob manchen Misserfolges verbittert und gekränkt, doch kein Laut des Unmuthes kam über seine Lippen, ruhig liess er die Stürme tief unter sich dahinbrausen, und wenn er auch von Deutschland aus manche Bitterkeit erfuhr, so zog er sich, der überaus Empfindliche, um so hartnäckiger und liebevoller auf sein Oesterreich, auf sein geliebtes Wien ohne Groll und Murren zurück, und wenn Zweifel sein Gemüth durchwühlten, ob er denn auch wirklich jener gottbegnadete Dichter mit der echten Weihe sei, für den er sich wohl selber hielt, für den er gehalten sein wollte, dann lauschte er still und bescheiden im verborgenen Winkel einer Künstlerloge des Hofburgtheaters seinen eigenen Werken, wo ihm mitten durch das Gewirr von widerstreitenden Meinungen die Mehrheit der Stimmen die grosse Botschaft von seiner wahren Dichtergrösse verkündete und ihm seinen Ruhm aus vollem Halse laut entgegenjubelte. Heute ist der Werth seiner Schöpfungen wohl allseitig und endgiltig anerkannt, und wenn auch die Mitwelt ihm in nächster Zeit ein Denkmal von Stein zu setzen gedenkt, so sind doch des Dichters eigene Werke unvergänglicher als ein Denkmal von Stein. XXI. CAPITEL. Bognergasse. nter i)ftt so hiess in ältesten Zeiten die Bognergasse, welche schon die Römer ''.St'rata arcuum“ nannten, weil sich hier die Arbeitsstätte der zünftigen „Pfeil-“ und „Bogenmacher“ befand. Der untere Theil der Bognergasse gegen die ehemalige Spenglergasse zu hiess bis zum Jahre 1732 , A 2tlll PdlertfyoU', weil bis ' zu dieser Zeit das Peiler- oder Bairer-Thor hier stand, wie ich bereits (im IV. Capitel, Seite 137) erwähnte. Erst nach Wegräumung dieses lästigen Thorbaues wurde die Communication mit dem Kohlmarkt hergestellt und erhielt die Bognergasse eine freie, in ihrer Ausmündung gegen die Spenglergasse erweiterte Passage. Früher bestand auch Ten den Petersplatz zu, ein nannte, das bis zum Jahre 1835 be- der Spenglergas.se gegenüber . der Bognergasse, nämlich von enges kurzes Gässchen, welches man „die kleine Bognergasse 406 Das Wenighoffer’sche Haus. stand, in diesem Jahre aber mit dem Bau des Sparcassagebäudes gänzlich verschwand. Die altern Wiener werden sich noch jenes kleinen Eingangsthürchens erinnern, das gegen die Spenglergasse zu stets offen stand. Heute gehört die Bognergasse zu den belebtesten Gassen der Stadt, weil sie die Verbindung mit den beiden frequentesten Stadttheilen, Graben und Kohlmarkt, unterhält und überdies die Tuchlauben und die Seitzergasse mit dem Hof verbindet, der bekanntlich zu den grössten Plätzen der Residenz gerechnet werden muss. Eigentümlich ist es, dass die eine Seite der Gasse nur aus Privathäusern besteht, während die andere immer nur Staatszwecken gewidmet war, wie dies heute noch beim Kriegsministerium derFall ist. Von den neun Privathäusern sind einige ehrwürdig und nennenswerth, so z.B.: Das WenighofTer’sche Haus Nr. 311 (neu 3) trug in früherer Zeit das Schild „3M1t von dem sich der Name dieses Hauses (wahrscheinlich hiess ein früherer Besitzer so) erklärt. Ehemals soll am Hause ein Bildnis zu sehen gewesen sein, welches den Teufel mit einem alten Weibe raufend zeigte und die merkwürdige Aufschrift führte: „1Ü0 ber Teufel bie iÖOgllfrin rauft/' Dieses Wahrzeichen gründet sich auf eine uralte Wiener Volkssage, die zwar jedes urkundlichen Nachweises entbehrt, aber dennoch zu den reizendsten dieser Gattung gehört. ') *1 Die Volkssage vom „(Teufel mit ÖCV iSog nerin" ist eine der ältesten und populärsten Wiener Sagen. Sie wird in mehreren Variationen erzählt, doch die einfachste, daher beste derselben ist folgende: In ältesten Zeiten, als noch das fürstlich Eszterhazy’sche Palais in der Wallnerstrasse ein in dichtem Waldgebüsche verstecktes Jagdschiösslein war, das von den Babenberger Herrschern zur Jagd benützt wurde, lebte im Hause Nr. 311 (neu 3) unter den Bognern ein gewisser Caspar Bergauer. ein reicher Armbrustmacher, der auch der Besitzer dieses Hauses war. Er hatteein böses Weib, die ihres ewigen Zankens und Streitens wegen allgemein gefürchtet und verabscheut war. Er nahm das Weib um ihrer Schönheit und ihres Geldes willen, doch die Schönheit verblühte und das Geld schwand, und es blieb nichts als ein alter „Hausdrache“ übrig, der ihn bei Tag und Nacht mit seinem Lästern und Schimpfen quälte und nicht selten sogar mit seinem Rücken in unliebsame Berührung kam. Er verlor die Lust zur Arbeit, und die Wirthschaft drohte zu Grunde zu gehen. Länger konnte dieser kummervolle Zustand nicht dauern. Er schlich sich also während eines heftigen Gewittersturmes in das nahegelegene Waldesdickicht zum „Jagdschiösslein“ und setzte sich dort auf einen Stein, um über ein Mittel zur Abhilfe nachzudenken. In seiner Verzweiflung rief er den Teufel an, aber wie wunderte er sich, als plötzlich unter heftigem Blitz und Donnerschlag der Böse leibhaftig vor ihm stand. „Nun, du hast mich gerufen,“ sagte dieser, „wahrscheinlich sollte ich dir helfen, dein böses Weib kirre zu machen. Nun gut, ich kenne deine Schmerzen und deine böse Sieben, und es müsste mit seltsamen Dingenzugehen, wenn ich sie dir nicht zurecht brächte; ich verlange von dir nichts als deine Unterschrift.“ „Alles was du willst,“ erwiderte rasch der Ueberglückliche, und schnell war der Handel geschlossen. „Doch höre,“ sagte der Teufel weiter zu ihm, „ich gehe sogleich zu deinem Weibe und nehme (damit das Werk mir besser gelinge) deine eigene Gestalt an, du brauchst also heute Nacht nicht nach Hause zu kommen.“ Der Teufel hielt wirklich Wort und schlich sich spät Abends in Caspars Kammer, wo das Weib bereits im Bette schlief, und versuchte es zuerst im Guten mit Schmeicheleien und liebevoller Zärtlichkeit. Ergab ihr also einen süssen Kuss; doch kaum hatte er diesen gewagt, so war sie schon aus dem Bette gesprungen und versetzte ihm zwei derbe Maulschellen und bewillkominte ihn mit einem Hagel von Schimpfworten. „Nicht genug, dass du Nichtswürdiger die ganze Nacht ausser Haus durchschwärmtest, weckst du noch dein braves, gutes Weib vom Schlafe auf? Aber warte, du sollst mir’s büssen, ich will dir einen Denkzettel geben!“ Der Teufel sah nun wohl, dass mit Güte nichts zu richten sei und versuchte es nun mit Strenge und sagte: „Meine Geduld ist nun zu Ende, ich habe bis jetzt alle Mittel erschöpft und will nun Strenge brauchen und auf’s Schleunigste befehl’ ich dir dein ungestümes Wesen abzulegen, widrigens. .. .* Doch kaum hatte er dies Wort gesprochen, so hatte sie ihn bereits mit einem Wasserkübel von rückwärts übergossen und mit einem Besenstiel den Rücken tüchtig durchgebläut, und die Hiebe flogen so rasch und heftig, dass der arme Teufel kaum zum Bewusstsein kam. Doch sammelte er sich endlich, retirirte in eine Ecke und versuchte jetzt das äusserste Mittel. Er zeigte sich nun in seiner wahren Gestalt als Teufel. „So erkenne mich denn,“ rief er, „und sei vernichtet!“ Im ersten Augenblicke blieb das Weib ruhig, dann aber warf sie sich auf den Höllenfürsten, nahm ihn bei beiden Hörnern und beutelte den armen durchnässten Teufel so gewaltig, dass gar ein halbes Horn zu Boden fiel. Er dachte jetzt an nichts als an seine Rettung und fuhr durch den Kamin unter Zurücklassung seines Mantels und Hutes zum Rauchfang hinaus. Zur Erinnerung an diese Scene, welche nichts Anderes erweisen will, als den Satz: dass über ein böses Weib nicht einmal der Teufel etwas vermöge, liess man am Hause unter dem Schilde die lehrreichen Verslein anbringen : „Peftilen 3 unb flotb ein Hebel ift, Schlimmer als 6es (Teufels lücf unb Lift, Krieg ein arger Seitrertreib, Sott bebut’ uns, fff ift rin bifes JDeib!" Las Haus „zum schwarzen Kameel.“ — Friedrich August Kanne. 407 Das Haus „zum schwarzen Kameel“ Nr. 312 (neu 5) hat seine Benennung von dem gleichnamigen Schilde, welches schon seit dem Jahre 1700 hier grundbücherlich verzeichnet erscheint. Auch an dieses Haus knüpfen sich Erinnerungen, welche für die Kunstgeschichte nicht ohne Bedeutung sind. Zu Anfang der Zwanzigerjahre lebte nämlich hier im obersten Stockwerke Friedrich August Kanne. Er war Dichter, Kritiker und Componist und war in dieser dreifachen Richtung durch nlehr. als ein Vierteljahrhundert hier in Wien in ausgezeichneter Weise thätig, und dennoch zählt er heute bereits zu den Verschollenen, denn weder das bändereiche Conversations- lexikon eines Brockhaus, noch jenes des Pierer, noch ein Grabkreuz nennen seinen Namen. Wie dies eigentlich zuging, sollen nachfolgende Zeilen erklären. Friedrich August Kanne war zwar ein „Sonderling“, aber ein geistvoller Mensch, eine echte Künstlernatur. Bei Niemandem regte sich der Schaffensdrang lebhafter als bei ihm, Niemand war schneller begeistert für alles Edle und Schöne als. er. Am 8. März 1778 zu Delitsch in Sachsen geboren, widmete er sich frühzeitig den schönen Wissenschaften, studirte in Leipzig Medicin und in Wittenberg Theologie, war hieraul ein Jahr Secretär beim Herzog von Anhalt-Dessau und begann sich sodann unter der Leitung des Gesangsdirectors Wein lein und durch Selbststudium in der Musik auszubilden. Im Jahre 1806 kam er nach Wien und hatte das Glück, in dem kunstliebenden Fürsten Josef von Lobkcuwitz einen Gönner und in seinem Hause freundliche Aufnahme und vollständige Verpflegung zu finden. Hier lebte er als Musikmeister, Schriftsteller und Kritiker, machte sich bald durch Dichtungen und Aufsätze im „Sammler“ und im „Wiener Conversationsblatt“ bemerkbar und führte in der „Wiener Zeitschrift für Kunst und Literatur“ das Referat. Doch in Folge seiner Launenhaftigkeit gab er seine vortheilhafte Musiklehrerstelle im Lobkowitz’schen Hause wieder auf und verlegte sich von nun an ausschliesslich auf Compositionen und Musikrecensionen Er gab auch mehrere Jahre eine selbstständige Musikzeitung heraus, die er ganz allein schrieb. Seine Kritiken waren so scharf und eingehend, dass sie noch heute als Muster gelten könnten. Seine Compositionen waren einfach, aber melodienreich und originell. Er schrieb zwei Opern, wovon die eine, „Orpheus“ (grosse Oper in zwei Acten), am 10. November 1807 im Kärntnerthortheater und die andere, „Miranda“ oder „Das Schwert der Rache“ (heroische Oper in drei Acten), am 14. September 1811 im Wiednertheater aufgeführt wurden. Zu beiden schrieb er sich den Text selbst, und es dürfte die Bemerkung nicht uninteressant sein, dass die Wienerinnen in Folge der letzten Oper durch ein volles Jahr sogenannte „Mirandahäubchen“ trugen. Aber trotz seines bedeutenden Talentes und trotz seines vielseitigen Wissens hatte er innner mit Nahrungssorgen zu kämpfen; er verstand weder seine Bedürfnisse zu regeln, noch seine Talente geltend zu machen, kurz, er blieb ein Sonderling, dessen Geist und Menschlichkeit stets im Kampfe mit einander waren. Allmälig verfiel er in Dürftigkeit und Noth und starb am 16. Decem- ber 1833 an Gedärmbrand in Folge seiner ungeregelten Lebensweise, im buchstäblichen Sinne des Wortes mit der Weinflasche in der Hand. Ich erinnere mich, ihn als Knabe von 10 Jahren noch in seinem letzten Lebensjahre im Hause meines Onkels (wo er Musikunterricht ertheilte) gesehen zu haben. Seine Gestalt steht noch heute lebhaft_vor meinen Augen. Er war von imponirendem Aeussern, von colossalem Körperbau, breitschulterig und kräftig. Sein Kopf hatte stark ausgeprägte geistreiche Züge und eine breite Denkerstirne, die sich rückwärts in eine Glatze verlängerte: es war der Kopf eines Gelehrten auf den Schultern eines Grenadiers. Damals stand er im Alter von 55 Jahren, und schon zeigte sein Aeusseres die Spuren seines wüsten ungeregelten Lebenswandels. Das Auge war düster, der Blick 408 Die Bischofgasse. Die alte Feldapotheke. unstät, das Uebermass geistiger Getränke kündigte sich bereits im Zittern der. Stimme, im Zittern der Hände an, es war der ausgesprochene Säuferwahnsinn. l * ) Doch kehren wir zu unserem Gegenstand zurück. Nach den Berichten und Mittheiluugen des Alterthumsvereines (Band Vlll, II. Abtheilung) war bereits im Jahre 1455 (Erwart Jrütrer POlt • 2kc3,_. poglier und im Jahre 1456 (E^omas Pa»m= gartnet, poglter, im Jahre 1527 %att5 ©runtman, Maler, und im Jahre 1619 Johann (Eatltcl, Handelsmann, hier sesshaft. a ) XXII. CAPITEL. Bischofgasse. [fgCItÜbcr bcnt Probftfwf t>0tt 6t. Stephan" hiess seit ältesten Zeiten jpner Theil der heutigen Rothenthurmstrasse, der sich vom Stefan splatz bis zum Lichtensteg erstreckt. Später u. zw. im XVI. Jahrhundert wurde dieser Strassentheil „Bischofgasse“ genannt, welche Benennung bis in die jüngste Zeit beibehalten wurde. Die „Bischofgasse“ hat ihren alten Namen vom „Bischofhof“, welcher seit 1471 den Wiener Bischöfen zur Residenz diente, und gehört hinsichtlich ihrer E'requenz zu den belebtesten, und ihrer Häuser wegen zu den merkwürdigsten Gassen der Stadt. Ein hochinteressantes Bild sub Figur UH zeigt uns diesen Strassentheil aus der Zeit des vorigen Jahrhunderts zwischen 1728. bis 1730. 3 ) Von den Privathäusern sind besonders hervorzuheben: Das alte Feld-Apothekerhaus „zum güldenen Greif“ Nr. 633 (neu 3). Es war eines der kleinsten Häuser der Stadt und seit 1700 „ 31 UII gulbCHClt ©reifen" beschildet. wo sich die uralte Feldapotheke gleichen Namens befand, die hier eine wichtige ') Langer charakterisirt den unglücklichen Kanne in einer Zeitschrift auf folgende Art: „Kanne war ein wunderliches Genie, ein kräftiger Centaur, in dem das rein Menschliche und rein Geistige fortwährend um die Oberherrschaft kämpften, der, obgleich von den Göttern reich begabt, doch stets das Ende eines Camoens und Kepler vor Augen sah, der wie Hoffmann auf den Bierbänken den Unsterblichen Audienz gab und wie Ducange seine Begeisterung aus der Hefe des Volkes holte.“ Von seinen grtissern liteiarischen Werken 'Sind erschienen: „Vier Nächte“ (Leipzig, 1818), „Humoristisches Panorama von Wien“ in drei Heften (Brünn k 1820), viele metrische und prosaische Aufsätze im „AYiener Conversationsblatt“, im „Sammler“ und andern periodischen Druckschriften, seine Opern: „Orpheus“, „Linda“, „Die eiserne Jungfrau“, „Der Blocksberg“ (von letzterer erlebte er die bereits in Berlin vorbereitete Aufführung nicht mehr). Sein grosses Gedicht „Der Winter“ in zwölf Gesängen blieb ungedruckt. Auch schrieb er eine Cantate, „Cäcilia,“ eine Messe und eine Symphonie, viele Lieder, Sonaten und Trios für Piano und zwölf Duos für Sopran und Tenor. s ) Später kamen folgende Personen in den grundbücherlichen Besitz: im Jahre 1684 Franz Priestersperger, 1700 Johann Franz Priestersperger, des äussern Raths und Handelsherr, 1776 Anna Klebes, 1783 Franz Klebes, 1793 Katharina Klebes, 1806 Katharina Frischl, 1822 Franz Galla, in letzterer Zeit Katharina Steinbtick. Die gegenwärtige Besitzerin ist Katharina Gramiuer. 3 ) Das Originalbild ist von Salomon Kleiner um das Jahr 1728 bis 1730 gezeichnet und von J. A. Corvinus gestochen, 32 Cm. breit und 21 Cm. hoch. Es zeigt uns die Hauptfront des erzbischöflichen Gebäudes mit dem Ausblick in die AYollzeile und das dreistöckige Eckhaus mit der Rondelle Nr. 770 (neu Rothenthurmstrasse 4), „zffr güldenen Weintraube“ beschildet, was auch mit jenem Weinzeiger übereinstimmt, indem eine riesengrosse Weintraube an einer Stange hervorsteht. Auch die Staffage ist interessant: es wird uns hier ein Leichenzug vorgeführt, wie er eben durch das „alte Messnerthor“ in den „Stefansfreythof“ eintritt. Das erzbischöfliche Palais ist bereits mit dem fürsterzbischöflichen Wappen über dem ersten Stockwerke oberhalb des Thoreinganges geziert. 1 Der Bischofshof. 409 mm fei I- £»*1- ^=F i *»«- .i»P yMMiiiiKtti nsv» v 1 r * w x- J' feelig (Erben, während das anstossende alte Klosterhaus bereits seit 1684 Besitzthum des Barnabiten-Coliegiums war und erst im Jahre 1749 Zechhaus und Kloster in Eines verbaut wurden. [< v v 1 !? Das Cavriani’sche Haus. Ik * äfenfn (ä S" m \mWi i; w 5 roiu.i !]p K|- ^ IPTK IMUlilil ia-|l|i| ^UUII| UkAcasHii. !!!l!!!!i NbSI Jsiiliiijl Innrnmiii «Hirn 1 ’l_ _- ■enfds’f4>e cSMifcflUö" genannt wurde. Das zweite aber, mit der Nr. 1158, wurde schon im Jahre 1420 von pilgratn POtl Pttrgl)üilH und 1425 von Kolontait ton Königsberg, im Jahre 1684 aber von fttiiimd) POlt Ulättdliu angekauft. Ueberhaupt hiess es im XVII. Jahrhundert „Das ülättdii’fc(»e hatlS^, bis es im Jahre 1795 von den gräflich Hohenfels’schen Erben angekauft und mit dem vorbenannten in Eines zusammengebaut wurde.') XXV. CAPITEL. Die Bockgasse (heute Postgasse). jenes steile, unregelmässige Gässchen, welches von der Wollzeile aus zur Post führt, von der sie auch den Namen hat, wurde vor Regulirung dieses Strassen- theiles „Bockgasse“' genannt. Diesen weniger authentischen, aber zu jener ! Zeit sehr geläufigen Namen verdankt sie dem alten Eckhause mit dem Schild: 1 „Zum blauen Bock“ Nr. 787 (neu Postgasse 1), welches als Wahrzeichen der : Stadt zu betrachten ist und mit dem Umbau des alten Hauses verschwand. Das Haus „zum blauen Bock“ Nr. 787 (neu Postgasse 1) ist für die Wiener Stadtchronik nicht ohne Bedeutung und es knüpft sich an das alte steinerne Wahrzeichen des Bockes (der an der Ecke dieses Hauses in springender Stellung und in doppelter Gestalt auf beiden Seiten des Hauses, jedoch mit nur einem Kopfe dargestellt war) eine reizende Volkssage, die noch heute im Munde des Volkes lebt. J ) *) Im Jahre 1806 stand Regina Freiin von Aichelburg, 1820 Gottfried Freiherr von Aichelburg, Maria Anna Freiin und Freiherr von Foulon, dann später Friederike Baronin von Degrazia an der Gewähr. Der gegenwärtige Besitzer ist Franz Graf Liitzow. *J Die Wiener brachten nämlich den Bock mit einer pikanten Liebesaffaire in Verbindung, die der nach Unterhaltung lüsternen Stadt einen willkommenen Stoff zu mehrtägigen Gesprächen und Witzeleien lieferte. Ueber Nacht verschwanden nämlich von diesem Bocke beide Hörner, und schnell verbreitete sich die Kunde, der Bock habe sich die Hörner abgestossen, und es verlohne sich nun nicht mehr der Mühe, dort „einen Bock zu schiessen“. Zugleich erzählte man, dass ein hier im Hause lebendes reiches Bürgermädchen sich in einen Unbekannten verliebte, der das Mädchen wirklich zu heiraten versprach, und da es einwilligte, habe er bereits Tag und Stunde der Hochzeit festgesetzt. Weil er aber Güter in Ungarn besitze, müsse er vorerst seine Angelegenheiten dort in Ordnung bringen, um dann nach vierzehn Tagen zurückzukehren. Um aber auf der Reise nicht belästigt zu sein, vertraue er ihr (als seiner Braut) ein versiegeltes Kästchen an, in welchem sich werth- 33 * 420 Die Windhaag’sche und die Universitätsbibliothek. Fi ff. M8. Wahrzeichen an dem Dominicanerkloster, betreffend die Windhaag’sche Bibliothek. Etwas schräg gegenüber dem Hause Nr. 787 befindet sich am Gebäude des Dominicanerklosters ein interessantes altes Wahrzeichen in einer Ecke, welches an die Windhaag’sche Bibliothek aus dem Jahre 1682 erinnert. In diesem Jahre nämlich stiftete der hochherzige Wohlthäter ein geistliches Seminar und vermachte seine ansehnliche Bibliothek den Dominicanern in Wien, in deren Kloster die Bücher bis zum Jahre 1784 zum öffentlichen Gebrauch aufgestellt waren, in dem letztgenannten Jahre aber mit der Universitätsbibliothek SiaiautrjumA. auitvpjwria, rxariirjäynijji. Fiff. 149. Die Universitätsbibliothek. volle Schätze befänden. Zugleich entlehnte er von ihr eine ansehnliche Summe, die er ihr bei seiner Rückkehr zurückzustellen versprach. Leider kam der Bräutigam nicht mehr zum Vorschein, das Kästchen enthielt nur Kieselsteine, und zu spät erkannte die Leichtgläubige, dass sie hier „einen Bock geschossen“ hatte, und einige Tage darauf war dem hässlichen Bock ein Täfelchen umgehängt, auf dem ein Spottgedicht mit grossen Lettern zu lesen war, dessen Endreime lauteten: „Wenn Wolf und Bock zusammen kriegen, Bestimme ich im Vorhinein das Siegen.“ lin Jahre 1803 wurde das Haus neu gebaut, und der alte Bock wanderte als Aushängschild eines Tanzsaales auf die Wieden, in die damalige neue Wiedener Hauptstrasse 27 (heute Margarethenstrasse genannt), wo er mehr Glück und Anwerth hatte als in der Stadt und bis zum Jahre 1847 bei den Wienern auch in gleichen Ehren stand, und die ganze Zeit hindurch dem beliebtesten Tanzsaale dieser Vorstadt den Namen lieh. Der Dichter und Vorstadthumorist Geway widmete dem Andenken dieses unvergesslichen Bocksaales ein Gedicht, dessen erste Strophen hier eine passende Stelle linden mögen: „Sei mir gegrüsst, o Bock! Du schufst vor Zeiten Manch’ Pärchen fand in deinem Garten Kühlung Mir manchen fröhlichen Genuss, Nach einer halbdurchtanzten Nacht! D'rum will ich dankbar hier dein Lob verbreiten, Hier ging das Sprichwort öfter in Erfüllung: Du schwarzer Schneiderpegasus! Zum Gärtner war der Bock gemacht!“ Laut Grundbuch kam schon im Jahre 1700 ein Schenk- und Gasthaus, mit dem „blauen Bock* beschildet, am Hause Nr. 787 vor, wovon Georg Schmid, äusserer Rath, der Hausbesitzer und zugleich Schenkwirt!) war. Im Jahre 1770 kam Paul Rohrbeck, 1787 die Rohrbeck’schen Erben, 1806 Josef Mathias Edler von Wandrath, 1825 Graf von Petrowitz und später Peter Graf von Petrowitz- Ar mis an die Gewähr. Die heutigen Besitzer dieses Hauses sind F ranci sc aG rohe’s Erben. i Die Coburgbastei mit dem Coburg-Palais. 421 vereinigt wurden. Zum Andenken an die Freigebigkeit dieses edlen Wohlthäters wurde oberhalb der Thür einer früher hier bestandenen Capelle, deren Thurmspitze noch ersichtlich ist, eine Inschrifttatei errichtet, die ich hier sub Figur 148 folgen lasse. ’) Bei dieser Gelegenheit möge auch jenes alte Bibliotheksgebäude der Universität den Lesern in Erinnerung gebracht werden, in welches die Windhaag’sche Bibliothek im Jahre 1784 aufgestellt wurde. Ein Bild sub Figur 140 macht uns mit der Gestalt dieses alten Bibliotheksgebäudes bekannt. XXVI. CAPITEL. Die Coburgbastei und das Herzog von Coburg-Palais. I etzteres befindet sich auf dem Grunde mehrerer kleiner Soldatenhäuschen, welche I von den Wienern in ältern Zeiten das „(EroatcnbÖJfei" genannt wurden, weil hier zur Marktzeit croatische. Bauern ihre Hühner und Eier verkauften. Als später und zwar im Jahre 1817 an die Stelle der kleinen, niedern Häuschen grosse, schöne Gebäude emporstiegen und der Magistrat im selben Jahre auch das neue Carolinenthor durchbrach, erfuhr dieser Stadttheil eine vollständige Umgestaltung, nur der Name „Croatendörfel“ blieb in den Grundbüchern auch dann noch erhalten, als das Militärärar das Croatendörfel der Herzogin von Coburg-Kohary zur Erbauung eines grossen Palais käuflich '•v e'cv *. Lir ' * : •' " •V.twT«.-' / Fig. 150. Die Coburgbastei, Ende der Dreissiger Jahre, überliess. Uebrigens nannte man dieses Dörfel das „Croatendörfel an der Stadtmauer“ zum Unterschied von jenem zweiten am Spittelberg im VII. Bezirke. •J Das Bild, von Emil Hütter nach der Natur gezeichnet, zeigt uns die Inschrift in einem Medaillon in ovaler Form; interessant ist das altertümliche, im Geschmacke der damaligen Zeit geformte Eisengitter, sowie auch die Thurmspitze einer früher hier bestandenen kleinen Capelle, welche zum Dominicanerkloster gehörte und einen Bestandtheil derselben bildete 422 Das Coburg-Palais. Das Coburg-Palais Nr. 802 (neu Seilerstätte 3 oder Coburgbastei 4), mit seiner Front gegen die Seilerstätte, ist der bedeutend ältere und kleinere Theil des später durch Zubauten erweiterten Palastes. Dieser vordere Tract bestand ursprünglich aus zwei kleinen, unansehnlichen Häusern, und beide gehörten in den Bereich des kaiserlichen Zeug- oder Gusshauses, und schon in dem Wolmuet’schen Plane kommen beide vor. In dem einen Hause Nr. 802 befand sich von altersher das „0ta6t=6$ul= tdfjamt", später wurde es die Wohnung des jeweiligen Militär-Stadtcommandanten, und noch Feldmarschall Graf Daun wohnte als solcher hier, starb auch daselbst. Es ist historisch interessant, dass Kaiserin Maria Theresia kurze Zeit vor ihrem Tode dieses Haus im Jahre 1740 dem Feldmarschall Lacy schenkte, welcher hier am 24. November 1801 starb und es testamentarisch seinem Neffen vermachte, der es im Jahre 1802 an den Grafen von Kohary verkaufte. Im Jahre 1820 gehörte das Haus Franz Fürsten von Kohary, dem Schwiegersöhne des Grafen von Kohary. In dem andern Hause Nr. 801 war die Schlosserei des Schlossers Wunibald Galler untergebracht, der seit 1775 Hauseigenthümer war. Durch Erbschaft gelangte das Haus Nr. 802 in den Besitz des Herzogs Ferdinand von Sachsen- Coburg-Kohary, welcher auch das HausNr. 801 und einige kleine zum Zeughause gehörigen Nebengebäude ankaufte und das sogenannte Coburg- Palais auf der Seilerstätte erbauen liess, welches die Eigentümlichkeit besitzt, dass es eines Hofraums entbehrt. Erst im Jahre 1840 gelegentlich eines Renovirungsbaues wurde durch den fürstlich L i echten st ein’schen Bastei zugekehrten Seite * **• »Ar» Fig. 151. Das Coburg-Palais. Architekten Shleps ein Plan für das Palais und zwar für die der entworfen und mit seinen majestätischen Säulenfronten in der Zeit von 1841 bis 1842 vollendet. Eine hochinteressante, bisher nicht publicirte Ansicht der Basteigegend, die später „Coburgbastei“ genannt wurde, veranschaulicht uns sub Figur 150 diesen frequenten Stadttheil, wie er noch zu Ende der Dreissigerjahre ausgesehen und der den ältern Wienern schon deshalb sicherlich recht lebhaft in Erinnerung sein dürfte^vsveil sie der Weg während der üblichen Basteipromenade täglich vorbeiführte. ‘) *) Das Originalbild, von Emil Hutter gezeichnet, macht uns mit jener Basteigegend bekannt, die sich von der damaligen „Wasserkunstbastei“ vorbei an dem alten Colowrat-Palais, oberhalb des Carolinenthores zum Stubentlior-Ravelin führte und seit 1840 'mit der Benennung „Coburgbastei“ bezeichnet wurde. Links im Bilde bemerken wir das ehemalige Colowrat-Palais. Diesem schliesst sich gegen die Mitte des Bildes das ehemalige Feldzeugamt und Gusshaus (Nr. 958) mit einigen Nebengebäuden an, und rechts das alleinstehende, mit einem hohen Thurm gekrönte, aus den Hausern Nr. 801 und 808 zusammengebaute, etwas langgestreckte Gebäude, das ehemalige alte Coburg-Palais, an dessen Stelle später (1840 bis 1841) der so imposante reich verzierte Palast kam, der durch seine Säulen und Colonnaden schon von Weitem sichtbar war. Der rückwärtige Theil des Bildes rechts gehört schon der Stubenthorbastei an und wird heute von der Liebenberg- und Zedlitzgasse durchschnitten. Das Ganze gewährt uns den Anblick eines lieblichen Landschaftsbildes und versetzt uns mit seinen herrlichen Baumpflanzungen ganz in die gemüthlichen alten Zeiten der Basteipromenaden, wo man sich noch nichts von einer „Ringstrasse“ träumen liess, wo es zwar immer einfach zuging, aber mehr Zufriedenheit herrschte. Die Currentgasse. — Das Starhemberg'sche Haus. — Die Stadtguardia. 423 Eine andere Abbildung sub Figur 151 zeigt uns die Front des später erbauten Palastes aus den Jahren 1841 bis 1842, von der Bastei aus, und macht uns mit seiner Umgebung bekannt. ') XXVII. CAPITEL. Die Currentgasse. jie verdankt ihren Namen den sogenannten „tEurreitfett", welche schon zur Zeit i Leopolds I. eine Art Gefällsaufseher waren, die Weinzehnten zu überwachen hatten und wahrscheinlich hier ihr Quartier besassen. 2 ) Die Currentgasse ver- j bindet den heutigen Judenplatz mit dem Schulhofplatz und kann als Fortsetzung j ! der Seitzergasse betrachtet werden. Sie hiess in „Schatz und Schutz“ Current- ^ oder Judengasse und wird später bei der jetzigen Seitzergasse auch „Saizer-“ oder „Currentgassi“ genannt. Alle hier in der Gasse befindlichen Häuser scheinen gegen das Ende des XV11I. Jahrhunderts erbaut worden zu sein, daher keine besondern Kennzeichen oder Merkmale an ihnen zu erwähnen sind. Die wichtigsten Häuser sind folgende: Das gräflich Starhemherg’sche Haus Nr. 415 (neu 1) gehört zu den ältesten Gebäuden dieser Gasse und war schon zu Anfang des XVI. Jahrhunderts Eigenthum der gräflich Starhemberg’schen Familie, von welcher es im Jahre 1690 durch Kauf an den damaligen Stadt-Guardia-Oberstlieutenant Ferdinand Marchese von Obizzi überging, der, als das Corps der Guardia-Soldaten durch allerlei Missstände allmälig in Misscredit verfiel, sich vom öffentlichen Dienste gänzlich zurückzog, um den Rest seiner Tage hier im Ruhestande zu beschliessen. Die Stadtguardia aber wurde, trotzdem sie fortwährenden Anlass zu Beschwerden und zur Unzufriedenheit gab, erst mit dem 20. November 1741 aufgelöst. Die Stadtguardia-Soldaten. Bei den fortwährenden Türkeneinfällen und Unruhen wurden die Stadteingänge im Mittelalter auf das Sorgfältigste bewacht. Diesen Wachtdienst versahen seit den ältesten Zeiten die Bürger und Handwerker persönlich und hatten besondere Obliegenheiten. 3 ) ') Das Bild ist nach der Natur von Emil Hütter gezeichnet. Besonders bemerkbar machen sich die vielen hohen Säulen, welche die ganze Front des Palastes durchziehen. Die übergrosse Anzahl dieser emporstrebenden Säulen gab dem Volkswitze Gelegenheit, diesem Prachtbau einen komischen Spitznamen beizulegen. Die Wiener nannten nämlich das Coburg- Palais schlechtweg die „Spargelburg“, die hohen Säulen mit Spargelschäften vergleichend. Das Bild versetzt uns in die Zeit kurz vor der Stadterweiterungsperiode, ehe noch die Gartenbaugesellschaft hier erbaut wurde. 2 ) Ueber den Beruf der sogenannten „Currenten“ finden wir in Suttinger’s Consuetudines Norimb. ex anno 1718, Tom. IV, fag. 919 Aufklärung. Dieselben hatten den Vollzug des passauischen Weinzehntes zu überwachen, und im Codex anstriacus, Band I, Seite 274 waren ihnen im Jahre 1666 am 31. August besondere Verhaltungsmassregeln eingeschärft. Es heisst dort wörtlich: „Sollen oott betten Ceutben, es geieftebe unter i»as prdtert unb Schein es immer trolle, bas geringfte niept begehren, ihrer Jnftruction nacpleben, lief) bureft JHutb unb Sab nicht corrutnpiren, weniger außer ihrer orbentlicben Glitten unb Läufern betretten laffen." ') Seitdem nämlich die Ungarn türkische Unterthanen wurden und man die Juden der Spionage dringendst 3 beschuldigte, war der Einlass eines Ungarn oder Juden in die Stadt auf das Strengste (aus politischen Gründen) untersagt. Das Misstrauen gegen die Ungarn z. B. war noch im Jahre 1547 bei den Wienern so stark, dass die Bürger den Kaiser Fer dinand dringendst baten, den Augustinerprior aus der Stadt zu entfernen, weil er aus Stuhlweissenburg sei, kein Wort deutsch verstehe und viel ungarisches Gesindel bei sich beherberge. 424 Die Stadtguardia. Weil sie aber durch diesen angestrengten Wachtdienst ihr eigenes Geschäft und Handwerk vernachlässigten, wurden sie im Laufe der Zeiten desselben überdrüssig und beschlossen 70 Landsknechte in eigenen Dienst aufzunehmen, welche unter Leitung eines Hauptmannes die Tag- und Nachtwache bei den Stadtthoren und auf den Wällen zu versehen hatten. So trat denn seit 1546 in der Bewachung der Stadt eine bedeutende Aenderung ein, und diese neue Wache erhielt die Benennung «Stadtguardia“. Aber 34 Jahre später änderte dieselbe abermals ihren Charakter und ihre Bestimmung, da sie jetzt (1580) unter einen obersten Hauptmann der Festung gestellt wurde. * Ihnen oblag nun nicht mehr die Bewachung der Stadt allein, sondern auch der Sicherheitsdienst in den Vorstädten, ja sie wurden sogar zu Kriegsdiensten verwendet. Der Mannschaftsstand stieg im Jahre 1569 auf 150 Köpfe und schon 1595 auf 500; im Jahre 1607 auf 1000, und von 1683 angefangen blieb die Zahl von 1200 Mann constant. Weil nun die Stadtguardia-Soldaten ihren Dienst doch grösstentheils bei den Stadtthoren und auf der Bastei zu versehen hatten, baute man ihnen kleine Häuschen (blos für je eine Familie) auf den Basteien, die man Baraken nannte, wie z. B. auf der Schottenbastei, auf der Seilerstätte, am Salzgries und am rothen Thurm etc., wodurch die Bürger von der allzu lästigen Militäreinquartierung mit einemmale befreit waren. In Folge der schlechten Disciplin und der noch schlechtem Besoldung versahen diese Soldaten ihren Dienst nur lässig. Sie betrieben auch nebstbei jeder ihr Extragewerbe in den Wohnungen, ihre Weiber boten Waaren auf den Märkten feil, ja sie gaben sogar den leichtfertigen Dirnen Unterstand und beschäftigten sie in ihren Schankbuden auf der Bastei, wo es bei Tag und Nacht wie bei einer Jahrmarktfeier äusserst lärmend zuging. Anstatt für die Ruhe zu sorgen, hatten sie selbst Anlass zur Unruhe gegeben. Darüber und über so manches Andere beschwerte sich im Jahre 1646 der Stadtrath bei der Regierung auf das Nachdrücklichste, und da dieselbe trotz wiederholter Vorstellungen dennoch keine Anstalten traf oder treffen wollte, um den Unfug abzustellen, so errichtete derselbe aus eigenen Mitteln 1650 für den Sicherheitsdienst auf den Strassen und zur Unterstützung der Marktrichter auf den Märkten die „Rumorwache“. welche fortan unter der strengen Aufsicht des Stadt- rathes verblieb. Die Stadtguardia setzte aber trotzdem ihren gewohnten Dienst wie früher fort und wurde auch zu manchen Extradiensten noch weiter verwendet. ’) Da man aber von ihrer Untauglichkeit überzeugt war, so entschlossen sich die Bürger endlich zu einem energischen Schritt. Sie erklärten sich nämlich bereit, zur Bewachung der Festung zwei Regimenter regulärer Soldaten als ständige Garnison aufzunehmen und ihnen aus eigenen Mitteln zwei Kasernen zu erbauen, worauf Maria Theresia die Stadtguardia am 20. November 1741 auflöste und die Gemeinde bald darauf die eine Kaserne 1745 am Salzgries und die andere 1748 am Getreidemarkt erbaute, die noch heute besteht. Doch im Jahre 1773 schritt man abermals und diesmal für immer zu einer gänzlich neuen Umgestaltung des Polizeiwesens in Wien. Die Regierung errichtete eine Sicherheitscommission, löste die alte Rumorwache auf und rief an deren Stelle die Polizeiwache ins Leben, theilte, vom 1. November 1791 angefangen, die innere Stadt in vier und die Vorstädte in acht Polizeibezirke, vereinigte dieselbe"als sogenannte Localpolizei in die sichere Hand der Regierung und stellte ihr noch überdies eine k. k. Militärpolizeiwache als Executivorgan zur Seite. ’) So z. B. hatte die „Guardia“ den Auftrag, den leichtsinnigen Dirnen im Arrest die Haare abzuschneiden, weil sie auch gleichzeitig zum Kehren der Strassen verurtheilt waren. Natürlich war ihnen deshalb die „Guardia“ ein Dorn im Auge, und letztere musste sich von ihnen manch’ arge Verwünschungen gefallen lassen. Und weil die „Guardia“ damals schwefelgelbe Uniformen trug, so nannten die Frauenzimmer dieselbe spottweise „hie ©Hilft" oder StfytfefriqUijrt", die „ScbTOWlbanöa", Ausdrücke, die noch heute im Munde des Volkes leben. Das Haus „zur gülden Schlangen“. — Die Dorotheergasse. 425 Nach dem Tode des Stadtguardia-Oberstlieutenants Marchese von Obizzi kam das Haus Nr. 415 im Jahre 1775 in den Besitz des Universitäts-Buchhändlers August Bernardi, dessen Eigenthum es bis zum Jahre 1800 blieb. ‘) Seit dem Jahre 1775 führt dies Haus im Grundbuch die Ortsbezeichnung: „Gegen den Jesuitenplatz,“ welche Benennung sich aber seit 1800 wieder aus den Grundbüchern verlor. Das Stanislaushaus „zur gülden Schlangen“ Nr. 428 (neu 2), ein Pfarr- hof zur Kirche am Hof, ist ein uraltes Gebäude, welches schon im Jahre 1741 das Besitzthum der Barbara Koller von Mohrenfels war. Dieselbe liess das Haus im Jahre 1757 in seiner heutigen Gestalt erneuern und knüpfte an dasselbe eine'Stiftung, die noch heute die „Mohrenfels’sche Stiftung“ genannt wird. Historisch interessant ist der Umstand, dass in diesem Hause noch heute ein Zimmer zu sehen ist, in welchem der heilige Stanislaus im Jahre 1566 krank gelegen sein soll. 2 ) Im Jahre 1783 wurde das Haus zum Pfarrhof der Kirche am Hof erhoben und gehört gegenwärtig dem niederösterreichischen Religionsfond als Eigenthum zu. XXVIII. CAPITEL. Dorotheergasse. ieselbe hat ihren Namen von einer kleiner Capelle, welche seit den ältesten Zeiten hier stand. Diese Benennung ist um so mehr gerechtfertigt, als im Jahre 1357 Herzog Albrecht der Weise hier eine Kirche und ein Kloster zu Ehren der heiligen Dorothea und Katharina erbauen liess, deren Gestalt uns in einem kostbaren Bilde von Matthäus Vischer aus dem Jahre 1672 erhalten geblieben, welches ich ttiib Figur 152 hier beischliesse. a ) Viel grossartiger und imposanter zeigten sich Kirche und Kloster nach ihrem im Jahre 1705 vollendeten Umbau. Von besonderer Schönheit war das in einer nischenartigen Vertiefung ange- *) Später kamen an die Gewähr: im Jahre 1820 Maria Anna Gräfin von Marziani. 1828 Franz Mälzer und dessen Erben; die gegenwärtigen Besitzer sind Eduard und Josef Pfann. *) Es bestehen aus dem vorigen Jahrhundert mehrere gedruckte Schriften über den Aufenthalt des heiligen Stanislaus in diesem Hause, in welchen besonders hervorgehoben wird: H)ie Mtnelbe in goinollottl öitlttlteo tränt gelegen Un6 Jbme Me Uluttergottes erfdjienen, tute bann alliäfirltd) auff öem Sage helfen heiligen niete Hielten gelelen werben. Die eine Schrift aus dem Jahre 1749 in dritter Auflage heisst: „Kurier Bericht non her Xntunft, Jlulenthalt, ll'olmung, heimblicbett 2 U>rep& u. f. tn. hes heil. Stanislaus Itoüta als eines noch weltlichen Jünglings 31t IDienn in ffiefterreicb." Die andere Schrift von Fr. Peikard datirt aus dem Jahre 1764 und führt den Titel: „Tlretjfaitye Beiligteit hes heil. Stanislai jftoftfa." •) Das Bild aus Vischer’s Topographie zeigt uns Kirche und Kloster noch in jener bescheidenen Gestalt, wie sie beide um das Jahr 1670 bis 1672 bestanden. Der Eingang zur Kirche war schmal und niedrig, und ober dem Thore sah man ein grosses Wandgemälde, auf welchem die heilige Jungfrau Maria in vollem Glanze der Verklärung dargestellt wird, wie sie der auf ihren Knieen betenden Dorothea erscheint und sie mit beiden Händen segnet. Die Kirchenmauern waren im Rohziegelbau, das Thürmchen mit seiner niedern ärmlichen Kuppel trat aus dem Langhause nur von drei Seiten hervor. Interessant ist jenes links an die Kirchenwand eingemauerte niedere Häuschen, an welchem eine Steintafel mit den zehn Geboten Gottes und dem Kirchengesetze angebracht waren. Schon die Aussenseite der Kirche, welche erst am 11. December 1489 eingeweiht wurde, zeigt in ihren Theilen deutlich die verschiedenen Bauperioden, denen sie entstammten; so z. B. ist das höhere gegen die Spiegelgasse zugekehrte Schiff ein im Jahre 1459 entstandener Vergrösserungsbau, während der niedrigere (mehr gegen den Thurm gelegene) Theil noch der alten Capelle angehört und gänzlich schmucklos sich mit runden Fenstern längs der Gassen- 84 426 Die Dorotheerkirche. brachte Portal und das Kirchendach neben seinen beiden stolz emporragenden Thürmen und die Frontons ober der Kirchenthür, mit Statuen und Arabesken reich verziert. Das Bild von Salomon Kleiner mtb Figur 133 aus den Jahren 1724 bis 1730 zeigt uns die neue Kirchenfront mit dem gleichfalls neuerbauten Stifte und Kloster, wovon jenes rechts das Augustinerkloster der regulirten Chorherren und links den Dorotheerstiftshof darstellt. ’) Aber auch das Innere der Kirche entsprach vollkommen der äussern Pracht. Sie war mit Gold und kostbaren Gemälden reich verziert, so dass sie zu den prachtvollsten und schönsten der Stadt gehörte. s ) iSaNCtDoROTHÄ^ ClOSTER m.'Witn mm. Ijuiaiiiiii; iifliinigl Bi llig riTiT ■ <001-0 HofX vre b ^un. 1 itbeayrt/P JTifj. 152» Die Dorotheerkirche und das Kloster aus dem XVII. Jahrhundert. Nach dem Tode des letzten Probstes, Ignaz Müller, 3 ) 1782, wurde das Stift Dorothea mit dem Klosterneuburgerstift vereinigt und die Kirche von Kaiser Josef II. aufgehoben, die Thürme front zeigt. Links im Bilde sehen wir das unmittelbar an die Kirche angebaute, schon bedeutend grössere, dreistöckige, mit dem Stiftswappen über dem Thore gezierte Klostergebäude, während die Häuser rechts noch ganz unansehnlich sind, um erst später einem dem rechten Flügel entsprechenden Neubau Platz zu machen, von dem zunächst die Rede sein soll. ') Das Originalbild, von Saloinon Kleiner gezeichnet und von D. G. Heumann gestochen, 33'5 Cm. breit und 32'5 Cm. hoch, datirt aus der Zeit von 1724 bis 1730. Besonders beachtenswerth ist hier das mit Statuen reichgezierte Portal und darüber in einer Nische die heilige Dorothea, von Engeln umgeben, dann zu beiden Seiten des Portals auf schön- geschnörkelte Postamente gestellte Heiligenstatuen, und hoch ober dem zweiten Kirchenfenster ein grosses von zwei Engeln getragenes und mit einer Krone geschmücktes Wappen, sowie auch jene auf der Höhe des Daches aufgestellten drei Vasen. Zwei herrliche Thürme, mit Kupfer gedeckt (in welchen fünf Glocken hingen), erhoben sich zu beiden Seiten des Portals. Rechts im Bilde sehen wir auch das Augustinerkloster der regulirten Chorherren, welche Andreas Plenk, Kanzler des Herzogs Al brecht, 1440 gründete, und links den Dorotheerstiftshof bereits in seiner neuen Gestalt. s ) Kuechelbecker nennt das Dorotheerstift das reichste und vornehmste nach den Schotten. Hier befanden sich die schönsten Bildhauerarbeiten aus Marmor und Gemälde von Rothmayer, und ein sehr seltenes Büchlein aus dem Jahre 1720 gibt über die Kirche und den darin abgehaltenen Gottesdienst Aufschluss unter dem Titel: ! „H)eft£FFeU$ Über alles in 21n< bftbimgs=£t?fer gegen bem bob. trnirb. 2Utars--Sacrament. Wien, gebend! bei Woltgang Scbmenbitnaus." 3 ) Ignaz Müller war zu jener Zeit keine unwichtige Person: er war derjenige, welcher der Kaiserin Maria Theresia während ihrer Blatternkrankheit 1767 mit geistlichem Tröste zu Seite stand, und seit 1773 ihr Beichtvater wurde. Die Dorotheerkirche. Giabmonument des Grafen Salm. 4-27 abgebrochen, die Kirchenparaniente, sowie das Kupferdach veräussert, das Capital der gestifteten Messen (im Betrage von 70.465 fl.) dem Religionsfond zugeführt, die Gebäude ihres äussern Schmucks entkleidet und ein Theil des Klosters für das k. k. Pfand- oder Versatzamt bestimmt, welches aus der Annagasse Nr. 995 hieher übertragen wurde; selbst die herrliche Kirche (von der man noch heute deutliche Spuren wahrnimmt) wurde in ein Pfänder-Magazin verwandelt. Leider gingen bei Gelegenheit der Umgestaltung der Kirche, die im April 1787 entweiht und geschlossen wurde, fast alle dortigen Grabsteine verloren, so z. B. die Grabsteine der Puchheim und Khuen, der Liechten steine steirischer Linie, der Gräfin Herberstein etc. Selbst jenes herrliche Grabdenkmal, welches Kaiser Ferdinand I. dem greisen Helden und ruhmreichen Vertheidiger Wiens gegen die Türken (1529) Niklas Grafen Salm in der Crucifixcapelle setzen liess, und welches ein Stück altdeutscher Kunst bildet, und von dem W. Schmelze] in seinem Lobspruche sagt: „Die Dorotbecr ba’n ein übon’s Klüftcrlrin, ©cpaut im»enbig n>ie ein icbrciii, Sarin ©raf nitlas ron Salm ©rab, 2ln melcben im tnagft ttemen ab, Wie niel ftf>lacf)t tmb ebrlicb tbat Ser £ble ©raf begangen bat." wurde von hier entfernt und mit genauer Noth durch die Verwendung des Grafen Franz Anton von Khevenhüller und des Fürstbischofs zu Gurk, Altgrafen Franz von Salm-Reifferscheid, gerettet und auf seine Herrschaft Oppatowitz in Mähren und später nach Raitz überführt. ‘) Erst in letzter Zeit gelang es den Bestrebungen des Alterthumsvereines, einen würdigen Act der Pietät und des echten Patriotismus zu vollziehen, indem er das halb in Vergessenheit gerathene Salmmonument wieder nach Wien brachte und ihm einen passenden (und wie wir Alle hoffen) auch bleibenden Standort in der Votivkirche vermittelte. Das Grabmonument des Niklas Grafen Salm ist uns nicht blos ein unschätzbares Gebilde echt deutscher mittelalterlicher Kunst, sondern auch ein kostbares Denkmal aufopfernder Vaterlandsliebe, das uns grosse historische Erinnerungen ins Gedächtnis zurückruft. Von den vielen Reliefornamenten, womit das Monument geziert ist, und von den zwölf Schlachtenbildern an den Seitemvänden des Grabmals, die sich auf die Heldenthaten Salm’s beziehen, Eine zu Josefs II. Zeiten erschienene Broschüre schreibt seinem Einrathen sogar die Einführung der Keuschheitscommission • iU . — Nicolai beschreibt im IV. Bande seiner Reise sarkastisch das Vorgehen dieser Behörde und ihrer Commissäre, die über die Sittenreinheit der Bevölkerung zu wachen hatten. Diese Institution war im Principe gut, musste aber bei der praktischen Durchführung jämmerlich scheitern. 1 ) Kin im Archive des Stiftes Klosterneuburg unlängst Vorgefundenes Tagebuch des Klosterhofmeisters von St. Dorothea aus den Tagen Josefs II. enthält bezüglich der dortigen Grüfte interessante Aufschlüsse. So heisst es z. B. an einer stelle: „Tltn ’3. Hlai }"$7 fabelt fie btc Prüften uttjerer 2ürct?e ron ben tobten JSainen gerdumt unb felbe in einer einigen ülatbi — ba fie mit n Wägen ’mal gefahren — in ben ^riebhot aufscr ber Hlaijleinsborfer Linie geführt." Es ist daher zu vermuthen, dass die Gebeine Salm’s das gleiche Los traf, und dass der Kupfersarg wie alle übrigen der dortigen Gräber verkauft wurden. Die steinerne Tumba des Salm’schen Grabmals umschloss einen metallenen Sarg, und im Innern dieser Tumba liess sich noch gut die Vorrichtung zur Einlegung eines solchen Metallsarges erkennen. Man hatte also das steinerne Grabmal Salm’s, aber nicht seine Gebeine gerettet. Als nun durch das Verdienst des Alterthumsvereines das Salmmonument von Raitz zurückgebracht und in unserer Votivkirche im Jahre 1879 aufgestellt wurde, machte es auf alle Anwesenden einen tiefergreifenden Eindruck, als bei Uebergabe des Salmdenkmals an das Baucomite der Votivkirche am 18. April 1879 Se. Durchlaucht Fürst Hugo zu Salm-Reifferscheidt im Laufe seiner Ansprache unter Anderm auch bemerkte: „Wo sich die Gebeine des Vertheidigers von Wien befinden, wissen wir nicht, doch der Allmächtige wird den Grafen Niklas, der sich in manchem heissen Schlachtenkampfe vertrauensvoll zu ihm gewendet, am Tage des letzten Gerichts wohl zu finden wissen.“ Vide: „Beiträge und Mittheilungen des Alterthumsvereines zu Wien,“ XVIII. Band: „Eine historische Studie oder Niklas Graf Salm,“ von Johann Newald, ein. Direetor der k. k. Forstakademie zu Mariabrunn. 54 * Hg. 153. Die Dorotheerkircbe aus den Jahren 1724 bis 1730. Die Dorotheerkirche. V Eii**rr m Sri Graf Niklas Salm’s Vertheidigung Wiens gegen die Türken 1529. 429 nehmen ganz besonders zwei Bilder unsere Aufmerksamkeit gefangen, weil sich beide auf die erste Türkenbelagerung beziehen und uns mancherlei locales Interesse bezüglich der Oertlichkeit bieten. So sehen wir z. B. auf beiden Bildern in der Mitte den alten „liärntlU’rtyunn" beiderseits die Steinmauerbreschen, die durch feindliche Minen gesprengt wurden, und auf welche eben jetzt Sturmangriffe stattfinden; das grosse Gebäude links oben mit den Eckthürmen ist die Burg. Die ausserhalb der Stadt gelegenen, ihrer Dächer beraubten Gebäude gehören zu den Vorstädten, die damals bis an die Stadtmauer und an den Wallgraben reichten. Hier lag die St. Kolomanskirche, das Spital, das Frauenhaus u. s. w. Der Thurm im Vordergrund rechts, an den eine Zinnenmauer stösst, ist der „m>mcp£aslatf)imn". Er stand in der Nähe jenes Punktes, wo sich heute die Wiedner Hauptstrasse mit der Margarethenstrasse vereinigt. Der Reiter in der Mitte des einen Bildes ist So ly man, welcher dem Sturmangriff vom 11. October persönlich beiwohnt. Er wird von einem Sackmann begleitet. Auf beiden Basreliefs sehen wir den Wienfluss mit der zwischen dem Kärntner- thurm und dem Laslathurm gelegenen Brücke. *) Das zweite Bild versinnlicht uns den Sturmangriff der Türken vom 14. October. Es war der letzte Angriff, den sie auf Wien gewagt, und schon in derselben Nacht vom 14. auf den 15. October erfolgte ihr Abzug wie durch das Wunderwerk einer höhern Macht. 2 ) Denn Wien lag damals wirklich in den letzten Zügen; der schwarze Schleier des Verhängnisses schien sich bereits allmälig über die Stadt herabsenken zu wollen, Proviant und Geldmittel waren erschöpft, man war kaum mehr im Stande die durch das unausgesetzte Geschützfeuer und durch Minensprengung entstandenen Beschädigungen an den Stadtmauern auszubessern. a ) Nach den vorliegenden Berichten an den Pfalzgrafen Friedrich waren der oberste Feldhauptmann Salm und dessen Kriegsrath schon auf das Aeusserste gefasst und fest entschlossen, den letzten Widerstand mit Anwendung der äussersten Kräfte zu leisten. 4 ) l ) Vide: „W’iens Bedrängnis im Jahre 1683“ von Albert Camesina im VIII. Bande der Berichte des Alterthumsvereines, Anhang, Seite CLXXV1II. a ) Wie durch eine höhere Fügung Gottes, inmitten der dringendsten Gefahr, hob Solyman plötzlich wie mit einem Zauberschlage die Belagerung auf. Was ihn wohl hauptsächlich zu diesem ernsten Schritt bewogen haben mochte, lässt sich heute durch Urkunden und schriftliche Berichte quellenrein kaum mehr erweisen; doch liegen mehrfache Umstände zur Krklärung vor. So z. B. rächte sich das blinde Wüthen der türkischen Soldaten und ihr sinnloses Zerstören der Lebensmittel in den verwüsteten Ortschaften am Empfindlichsten an ihnen selbst, denn schon machte sich ein drückender Lebensmittelmangel im eigenen Lager fühlbar, und sie konnten keinen Ersatz aus den niedergebrannten Dörfern aufbringen; ferner die Furcht vor dem nahenden Winter, die volle Unkenntnis über die trostlosen Zustände der Stadt selbst, die fortwährenden Verluste an Mannschaft, endlich das immer wieder erneuerte und immer wieder zurückgeschlagene lruchtlose Stürmen machte die Feinde zaghaft und des lästigen Kampfes überdrüssig, und so beschloss denn endlich Solyman plötzlich die Belagerung aufzugeben, ehe er noch grössere Verluste an Mannschaft erlitte. Er eröffnete also in der Nacht vom li. auf den 15. October während des heftigsten Sturmangriffes, der noch bis 2 Uhr nach Mitternacht gegen den Kärntnerthurm währte, mit seiner ganzen Streitmacht den Abzug, und Wien war — wie durch ein Wunder — gerettet. s ) Die Lage der Stadt war eine wahrhaft trostlose. Nach den Berichten Sterns’ von Lambach, llammer's, Tschischka’s und anderer Geschichtschreiber, die sich mit den Begebenheiten des ersten Türkenkrieges befassten, zeigte sich in Deutschland bei mehreren Fürsten und Städten eine ausgesprochene Abneigung König Ferdinand 1. Hilfe zu leisten, dann der eigene Mangel an energischem Sichaufraffen in den österreichischen Landen liess das rechtzeitige Eintreffen eines ausgiebigen Ersatzheeres kaum erhoffen, dazu kommt noch, dass die erst kürzlich nothdürflig hergestellte Stadtbefestigung keinen genügenden Schutz bot, somit das eigentliche Rettungswerk der Stadt nur von der aufopfernden Standhaftigkeit und Tapferkeit der Besatzung und von der Umsicht ihrer eigenen Befehlshaber zu erwarten stand. *) In einem ausführlichen Bericht des Obersten-Feldhauptmannes Niklas Grafen Salm und der Kriegsräthe an den Pfalzgrafen Friedrich lautet ein PostScript vom 10. October wörtlich: „bafc bet $Ue»fh ben ItetinbeU tag OCtObriS Ptltb 3®ci PF in hie Stabtmauer ?5ma» Heber geworfen, bas ain näßt grop, bas anber äiemlich gros, nttb allfogleicf) ron 3 t»ei »r bis fünf »r geftürmt bat, bap ber Sturm aber abgeschlagen worben." Ein zweites PostScript vom selben Tage sagt ebenfalls wörtlich: ,.5aigen mir (Euer fürftlidjen Snaben an, bas mir anheut gemgslicb erfahren, gejehen »nb erhärt, bas ber üuerth »om purtP tbor bis 3 um Stubenthor rtnb mb »mb bie Stabtmauer 3 U graben mnberftanben, mb alfo roie angesftem mit bem pulner »mb 3 U merfen tnb sufellm, mb ber ittben (zu diesem Zwecke) »mb »nb rmb mit macht ben Sturm an 3 ulauffen »orhat »nb 430 Graf Niklas Salm. Nach dem Gebrauche der damaligen Zeit befanden sich stets die Truppenführer während des Kampfes in den vordersten Reihen der Streiter; dies war auch diesmal (14. October) bei dem Sturmangriffe der Türken beim Kärntnerthurm der Fall. Salm drängte sich zu weit vor und erlitt durch ein abgesprungenes Steinstück eine Verletzung am Schenkel, was die Geschichtschreiber als die Todeswunde bezeichnen wollen, obwohl es (nach neueren Forschungen) andere Ursachen waren, die seinen Tod herbeiführten und die Wunde nur nebenbei mit beigetragen haben mochte, um den Tod zu beschleunigen. ‘) Doch dem sei, wie ihm wolle, so viel steht unzweifelhaft fest, dass, wenn auch Salm für sein Vaterland starb, sein Tod nicht ohne nützliche Folgen blieb. Zwei seiner vielen Heldenthaten, die er vollbracht, und die uns in den 12 Schlachtenbildern der Tomba entgegenleuchten, reichen allein schon hin, um ihn mit dem unvergänglichen Lorbeer des Ruhmes zu schmücken und ihm in der Geschichte unseres Vaterlandes für alle künftigen Zeiten eine dankbare Erinnerung zu sichern. Die eine That war sein Sieg bei Tokaj gegen Zapolya, wodurch Ferdinand I. zum König von Ungarn gewählt, er selbst in Stuhlweissenburg gekrönt, die Ansprüche Oesterreichs aber auf Ungarn bleibend gefestigt wurden, Thatsachen, die noch heute in ihren Folgen fortleben. Die andere That war seine heldenmüthige Vertheidigung Wiens gegen die Türken, wodurch den Völkern Europas Cultur und Sitte erhalten blieb. Wäre Wien damals gefallen, hätten sich wahrlich die Geschicke Deutschlands und unseres Vaterlandes in ganz anderer Weise erfüllt, als dies bis zum heutigen Tage geschah. Somit sei aber auch das Grabdenkmal Salm’s in der Votivkirche als unschätzbares Kleinod mit Freuden begrüsst. Es soll noch spätem Geschlechtern Zeugnis geben von der erprobten Tapferkeit der Wiener Bürger und dem Heldenmuth unseres unvergesslichen Niklas Grafen Salm, der so oft für Kaiser und Vaterland gegen den Erbfeind Oesterreichs sein Schwert zog, gegen die Ländergier der Nachbarn und gegen die Treulosigkeit der eigenen Bundesgenossen. Zu den historisch interessanten Häusern der Dorotheergasse müssen gerechnet werden: alfo fein fumetneit georönet." Im Verlaufe dieses Berichtes sagen Salm und der Kriegsrath, dass sie die Mannschaft überzählten, und dass diese gegen die grosse Macht den Türken „bil 3U tm’ttig mb itPCtCf) )'emb, es failtOtPegs inüalicb» bk Stabt 3tt er- batten”, ln einem Bericht vom 11 . October 4 Uhr Nachmittags melden Salm und der Kriegsrath, dass auch am II. October ein weit gefährlicherer Sturmangriff von Morgens 8 Uhr bis 12 Uhr erfolgte und die Sprengung der Stadtmauer diesmal „mitberbalb üernertbor” stattfand, dass der sturm jedoch abgeschlagen wurde: „ec tourbe tnit funbec großer TSeiroeruttg, getan mue mb arbait mb 3« porberft au« gnaben bes allmccbtigett, boeb auch mit verlieren etliches mnferes Bott« mb grober Sefd?ebigung mb rentmnbung besfetben." Wie aus dem Berichte zu entnehmen ist, hat der Türke (das ist Solym an) „beit flurmb, als mir geieben, felber perfonblictjen verhalten” (persönlich geleitet). Auch wurde dem Pfalzgrafen mitgetheilt, dass man in der Stadt sichere Kundschaft habe, es werde die Mauer noch an zwei Orten gesprengt und dann ein allgemeiner Sturmangriff unternommen werden, daran war die Meldung geknüpft, dass die Besatzung „gattj abgt’tKlligt, mttb, mb 3Utn tail an profanb i'djcit matigel leibet, auch non Stunb 3U 6tunb febmdeber roirb, bann mns febier alle augenplicf nolt erfebosien mb befebebiget roirbet.” Salm und der Kriegsrath beschwören den Pfalzgrafen Friedrich, „ihnen epk’ltb mb eplenb 3U bilfk troft mb rettnnj 3u tomeil mb basfelb fein augenblicf in lengern rer3ug (teilen.” *) Hormayr bezeichnet in seiner „Geschichte Wiens“, IV. Band, Seite 202 die Wunde des Grafen Niklas Salm als seine Todeswunde. In Uebereinstimmung mit ihm malte auch Custos Russ das bekannte Bild im Belvedere, und ebenso widmete auch Caroline Pichler diesem Momente eine Ballade, betitelt: „Die Freunde.“ Doch alle diese Darstellungen sind wohl geeignet, diesem traurigen Ereignisse ein dramatisches Relief zu verleihen, allein es fehlt dabei das Eine, das Beste: die historische Treue. Diese Quetschwunde war nicht von Bedeutung, allein in Folge der Aufregungen und Strapazen des bald darauf unternommenen Winterfeldzuges nach Ungarn, führte dieselbe bei dem ohnehin schon 71 Jahre alten Manne ein Siechthum herbei welchem er erst nach Verlauf von sechs Monaten, also nicht direct durch die Wunde erlag. Das k. k. Versatzamt. — Der Klosterneuburger-Stiftshof. — Die Häuser der evangel. Gemeinde. 431 Das k. k. Versatzamt Nr. 1112 (neu 17). Dieses Haus entspricht nach Figur 153 dem auf dem Bilde rechts (von der Kirche) befindlichen zwei Stock hohen Augustiner-Chorherrenstifte, welches nach Sperrung und Entweihung der Kirche (April 1787) zu einem k. k. Pfandleih- oder Versatzamt umgebaut und im Jahre 1848 um ein Stockwerk erhöht wurde. Das Haus ist heute ein Durchhaus und entspricht in der Spiegelgasse (in welcher sich seine rückwärtige Front befindet) der Orientirungs-Nr. 16. Es schliesst sich heute unmittelbar auf der einen Seite an das fürstlich Lobkowitz’sche Palais und auf der andern an den jetzigen Klosterneuburgerhof an, von dem sogleich die Rede sein soll. Erwähnenswerth ist der Umstand, dass die weitläufiger. Räume dieses Hauses auch die Kirchenräume der ehemaligen Dorotheerkirche einschliessen, und dass sich noch heute an der Vorderseite in der Dorotheergasse unverkennbare Spuren des frühem Gotteshauses zeigen. So z. B. bestehen noch die beiden Kirchenthürme bis zur Dachhöhe unverändert. Auch das Portal zwischen diesen beiden Thürmen, jedoch jedes Schmuckes entkleidet, und sogar die Kirchenfenster und die Nischen, in welchen einst die Statuen standen, existiren heute noch, nur die Eingangsthüre zur Kirche ist vermauert und das Dach seiner Verzierungen beraubt. Der Klosterneuburger-Stiftshof Nr. 1111 ^ (neu 15) steht heute an jener Stelle, wo sich im Bilde sub Figur 152 links das drei Stock hohe Dorotheer- klostergebäude erhebt. Dasselbe reichte früher mit seiner ungemein langen Fagade noch über die heutige Plankengasse hinüber und nahm noch überdies jene Räume ein, aus denen heute das Haus Nr. 6 der Plankengasse mit der Conscriptions-Nr. 1111 a besteht. Erst mit der Aufhebung des Dorotheerklosters und nach Abgabe der Stiftsrechte an das Klosterneuburgerstift wurde dieses langgestreckte Gebäude in zwei Parcellen derart getheilt, dass der eine Flügel, welcher an die Kirche angebaut war (also heute das Anrainerhaus des Versatzamtes ist), das Haus Nr. 1111 1>, Dorotheergasse 15 (oder Plankengasse 6) bildet, während der andere Flügel diesem Hause vis-a-vis, doch über der Strasse gelegen, das Nr. 1111 a, Dorotheergasse 13 (oder Plankengasse 7) führt. Beide Häuser sind noch heute Eigenthum des Klosterneuburgerstifts. Bemerkenswerth ist, dass sich durch diese Zerstückelung die Plankengasse öffnete und hiedurch eine neue Gasse entstand, welche .Neuburgergasse“ genannt wurde, sich von der Spiegelgasse bis zur Dorotheergasse erstreckte und eine Fortsetzung der Plankengasse bildete. Heute wird sie zur Plankengasse mitgerechnet, weil sie einen Theil dieser Gasse bildet. Die beiden Häuser der evangelischen Kirchengemeinde Nr. 1113 (neu 18) und 1114 (neu 16). Nach Aufhebung des Klosters zu .St. Maria, Königin der Engel“ im Jahre 1782 (wie ich bereits auf Seite 266 erzählte) wurden dessen Gründe verkauft und zu Häusern verbaut. Den einen Theil gegen die Dorotheergasse brachte die protestantische Kirchengemeinde augsburgischer Confession mit Bewilligung des Kaisers Josef II. an sich und erbaute daselbst das noch heute bestehende Bethaus Nr. 1113, welches am 30. November 1783 eröffnet wurde. Die damaligen Toleranzgesetze, welche mit dem Einführungspatent vom 15. October 1781 ihre Giltigkeit erhielten, gestatteten den Protestanten freie Ausübung ihrer Religion und selbstständige Bethäuser, nur mussten sie sich jeder äussern kirchlichen Abzeichen enthalten, durften weder Kirchthurm noch Glocken besitzen, nicht einmal das Kreuz äusserlich zur Schau tragen, und doch wurde das Zugeständnis von eigenen Bethäusern allgemein als ein gewaltiger Fortschritt begrüsst. und bejubelt, denn früher durften die Protestanten 432 Das gräflich Nako’sche Haus. — Das Starhemberg’sfche Haus. in Wien (deren es damals 12.000 gab)') ihren Gottesdienst nur in den Palästen der schwedischen und holländischen Gesandtschaft abhalten. Zwei Jahre später kaufte auch die reformirte Gemeinde helvetischer Confession den übrigen Theil des aufgelassenen Marienklosters an und erbaute sich durch den Hof-Architekten Ni ge 11 i ein grosses Bethaus, welches am 25. December 1785 eröffnet wurde. Die beiden Bethäuser unterschieden sich in ihrer äussern Gestalt durch nichts von gewöhnlichen Privatzinshäusern, nur wurde in neuerer Zeit ein kleines Giebeldach aufgesetzt, auf dessen Spitze ein kleines, bescheidenes Kreuzchen sichtbar ist. Das alte Brasican von Emeraberg’sche, jetzt gräflich Nako’sche Haus Nr. 1110 (neu 11). Der Besitzstand dieses Hauses reicht nach den ältesten Urkunden bis in das Jahr 1518 zurück, wo es noch als das sogenannte Holzer’sche Haus eine „(Eaitltjjlcr» öcü POlt Sfchcitttabo" war. * 2 ) Später gehörte es (1620) dem Ballend von Lamberg und in der Folge der Katharina Lembruch. Erst im Jahre 1684 wurde es von Bannjs Jacob Baron Braiicavt non tEmeraberg angekauft. Berühmt wurde das Haus in den Zwanzigerjahren, als sich hier die Salons des reichen Bernhard Freiherrn von Eskeles (der auch seit,1820 Besitzer dieses Hauses war) der vornehmen Welt öffneten. Die Familie Eskeles zeichnete sich durch ihren Reichthum und ausgesuchtesten Luxus, besonders aber durch ihre Liebe zur Kunst und den schönen Wissenschaften vortheilhaft aus. Der gegenwärtige Besitzer ist Alexander Graf Nako von St. Miklos, dessen erst kürzlich verstorbene Gemahlin sich als vorzügliche Dilettantin im Malen auszeichnete. Ihr Dilettantismus war aber nicht so gewöhnlicher, landläufiger Art. Sie nahm es mit der Kunst gewaltig ernst, und manche ihrer Bilder, die sich gegenwärtig auf dem Familienschloss zu St. Miklos befinden, würden, falls sie in den Handel kommen würden, durch ihre Schönheit und Correctheit unzweifehaft jene höhern Preise erzielen, die sich unsere heutigen Künstler vom Fache so gerne bezahlen lassen. 3 ) Das gräflich Starhemberg’sehe Haus Nr. 1109 (neu 9) hat seinen Namen von Thomas Gundacker Grafen von Starhemberg, welcher dasselbe um das Jahr 1720 bis 1724 in jener Gestalt erbauen liess, wie wir es noch gegenwärtig unverändert vor Augen sehen. Ein kostbares Originalbild sub Figur lö4 versinnlicht uns das Haus noch kurz nach seinem Aufbau. 4 ) ‘) Vide: K. k. Hofarchiv, statistische Tabelle aus den Jahren 1781 bis 1783. 4 ) Vide: Abtheilung II des VIII. Bandes der „Berichte und Mittheilungen des Alterthumsvereines“ Seite CXVIII, 3 ) Die Besitzer dieses Hauses waren laut Grundbuch: 1700 Leopold Baron Greiner und Baron Poiger von Beuch. 1766 Graf von Pestaluzi's Erben. 1770 Baron, nachmaliger Graf von Schulenburg, 1798 Graf Attems, 1800 Gräfin von Breuner, 1806 August von Holzmeister, 1820 Bernhard Freiherr von Eskeles und zuletzt Alexander Graf Nako von St. Miklos. *) Das seltene Originalbild, von Salomon Kleiner in den Jahren 1724 bis 1730 gezeichnet und von J. G. Ringler gestochen, 32'3 Cm. breit und 211 Cm. hoch, zeigt uns die zweistockhohe Fagade in ihrer ganzen Frontbreite. Die Gesims- und Wandverzierungen mit den sechs über beide Stockwerke zwischen den Fensterwandungen aufstrebenden Säulen und die schön profilirten Capitäler gehören der Spät-Renaissance an. das Portal mit einem reichverzierten Eisengitterbogen ist einfach und gestattet uns einen Einblick in den weiten Hofraum. Rechts im Bilde sehen wir einen Theil des heutigen gräflich Nako’schen Hauses (damals noch einstöckig) und links ein Stück der anstossenden beiden Salesianerhäuser Nr. 1108 und 1107 (neu 7 und 5). Eine Vergleichung dieses Bildes mit dem dermaligen Hause beweist, dass dasselbe während eines Zeitraumes von 160 Jahren unverändert "blieb. Nur die ebenerdigen Fenster (je vier zu beiden Seiten) verloren ihre schwerfälligen Eisengitter, und jedes der beiden äussersten Flügelfenster wurde in eine Gewölbthüre Das gräflich Starhemberg’sche Haus, 433 '(ÄV | sfr'.*. ir-'a-^W j; 1 itirt trtv ,.'y1 $ * mm - 1 HÄlif 3 mt'k *■ dR ' ’" J > (BBTCWiri lj£ | ?&> ■IJi|jglJ :'K" ;■ :! jii r> ääänyws lllllllllfllllll gfeifc - RH äf'EI *.2*J iRÜ .alL^Hrl araF* ü^rfcvV £ ijs^iissi MM swligsfitsii r -l2?l»*> »••'sra'i imm P?S*?@ 55 ', 154:. Das gräflich Starhemberg'sche Haus in der Dorotheergasse. 434 Das Haus „zum goldenen Jägerhorn.“ — Das Gatterburg’sche Haus.— Das Worcell’sche Haus. Das Haus „zum goldenen Jägerhorn“ Nr. 1106 (neu 3) ist schon deshalb historisch merkwürdig, weil es zu den ältesten Gasthäusern Wiens gehört. Schon im Grundbuche vom Jahre 1700 erscheint dasselbe als 6 0 Nl" verzeichnet, und noch heute ehrt ein schmuckes goldglänzendes Jägerhorn über dem Thoreingange das 183jährige Andenken an jenes altehrwürdige Hausschild. An den Namen dieses Hauses knüpft sich auch die Erinnerung an die alte, mehr als 100jährige Wiener Patrizierfamilie Leibenfrost. Schon im Jahre 1795 war ein Johann Leibenfrost an der Gewähr, der hier eine Schankgerechtigkeit ausübte, nach ihm erbte Haus und Geschäft Franz Leibenfrost, der im Geiste seines Vaters den Weinschank weiter betrieb. *) Das gräflich Gatterburg’sche Haus Nr. 1115 (neu 12). Das Geschlecht der Gatterburg wurde 1717 unter Carl VI. in den Grafenstand erhoben, und der Stammherr Josef von und zu Gatterburg kaufte bereits sieben Jahre vor seiner Adelserhebung dieses Haus im Jahre 1710 für seine Familie an und erhob dasselbe zum Fideicommiss. Seit dieser Zeit prangt der schön in Stein gehauene Wappenschild ober dem Hausthore in unveränderter Weise, und noch heute ist es ein Fideicommiss. Der frühere Besitzer hiess Ferdinand, der jetzige Constantin Graf Gatterburg. Das gräflich Worcell’sche Haus Nr. 1116 (neu 10) gehörte einst dem alten Adelsgeschlechte der Dietrichsteine. Schon 1650 war ein Sigmund Hellfried von Dietrichstein hier sesshaft und seit 1684 Sigmund. Im Jahre 1825 kaufte es Gräfin Marcelline von Worcell, von welcher es seitdem das Worcell’sche Haus genannt wurde, wie noch heute das gräfliche Familienwappen ober dem schöngeschmückten Portal zu sehen ist. Später kaufte es August Dehne an, der sich als k. k. Hofzuckerbäcker Namen und Vermögen machte. a ) Erwähnenswerth ist noch, dass (wie ich schon auf Seite 20 bemerkte) in der Dorotheer- gasse am 7. November 1687 die erste Probebeleuchtung für Strassenlaternen abgehalten wurde, worauf dann erst am 5. Juli 1688 die allgemeine Stadtbeleuchtung den Anfang nahm. Die alte Stadtbeleuchtung in Wien. Noch vor 195 Jahren herrschte in Wien zur Nachtzeit eine vollkommene Finsternis, und Jeder würde im Hexenprocess als Hexenmeister dem Schwertstreiche des Henkers oder als umgewandelt, so dass jetzt nur drei Fenster auf jeder Seite bestehen. Ebenso verschwanden auch die über den zweiten und ersten Stock (zwischen den beiden letzten Fenstern jeder Seite) herabhängenden Guirland-Arabesken. Besonders charakteristisch in der Staffage ist jener Galawagen mit seinen Wappenschildern, den prachtvoll aufgezäumten Pferden mit ihren hohen Federbüschen auf dem Kopfgestell, dann jenen sechs originellen Kugelaufsätzen auf dem Wagendache. Die bisherigen Eigenthümer waren: 1640 die alte Wiener Patrizierfamilie Pollhaim und später Trauttinannsdorff, daher zu jener Zeit das Haus auch das Pollhaim’sche und Trauttmannsdorff’sche genannt wurde. 1684 Ferdinand Graf von Rueber, 1700 Franz Carl General Graf Dünewald’s Erben, 1724 Thomas Gundacker Graf von Starhemberg, 1760 Maria Francisca Gabriele Gräfin von Colloredo, geborne Starhemberg, 1793 deren Erben, 1795 Andreas Gottlieb Edler v. l'hom, 1828 Johann Mayer, der als Grosshändler dem Hause Stametz-Mayer Vorstand, später Johanna Mayer, gegenwärtig ist Banquier Leopold Hutterstrasser Besitzer des Hauses. ’) Als Eigenthümer des Hauses erscheinen in den Grundbüchern: im Jahre 1684 Paul Franz Part, J. U. Dr„ 1700 Gabriel Leberdick, n. ö. Landschaftsviertel-Commissär, 1766 Leberdick’s Erben, 1775 Franz Wambacher, 1795 Johann Leibenfrost, später Franz Leibenfrost; der gegenwärtige Besitzer ist Oskar Baron Wellenheim. s ) Die frühem Hausbesitzer waren: 1699 Simon Prenner, ungarischer Gränitz-Unterzahlmeister, 1766 die Flamberg’schen Erben, 1^95 Katharina von Grosser, 1798 Thiussy von Berganoburg, M. Dr., 1828 Marcelline Gräfin von Worcell, später Hofzuckerbäcker August Dehne und gegenwärtig dessen Sohn, ebenfalls August Dehne. Die alte Stadtbeleuchtung in Wien. — Der Dominikanerplatz. 435 Zauberer dem Verbrennungstode eines Vehmgerichtes unnachsichtlich verfallen sein, würde er von einer brennenden Luft oder von einem leuchtenden Gase gesprochen haben. An den wichtigsten Posten der Stadtwache, wie z. B. bei den Stadtthoren, an den Festungsthürmen oder bei der Peterswache am Petersfreithof, wurde mit Kienholzspänen die Nacht hindurch Licht unterhalten, wie dies in unsern Alpenländern noch heute der Fall ist. Die Vornehmen Hessen sich durch ihre Läufer und Lakeien Windlichter oder Fackeln vorantragen, was sich recht feierlich ausgenommen haben mochte, besonders wenn ihre Zahl recht gross war, und die gewöhnlichen Bürger leuchteten sich mit einer Handlaterne selbst voran. Da aber die Unsicherheit immer mehr und mehr überhandnahm, Einbrecher, Brandleger etc. sich die Finsternis zu Nutze machten, fühlte sich Leopold I. endlich bewogen, nach dem Beispiele Frankreichs und Deutschlands auch in Wien eine allgemeine Stadt- und Strassenbeleuchtung einzuführen. Die erste Probe, welche Statthalter Ouintin Graf Jörg am 4. December 1687 in der Dorotheergasse anstellte, fiel zur allgemeinen Zufriedenheit aus, und schon sieben Monate später, am Geburtstage der Kaiserin am 5. Juli 1688 war Leopold I. so galant, die Wiener mit einer allgemeinen Strassenbeleuchtung als Pathengeschenk zu überraschen. *) Zwar glichen die Laternen noch wahren Grabeslampen, da« Licht war von Talg (Unschlitt), die Gefässe klein und schmal und hingen über die Gasse an Schnüren, die man herablassen konnte (nach dem Muster der Pariser), s ) dennoch war man erfreut und beglückwünschte sich ob dieses Fortschritts. Später verschwanden die Schnüre, und die Laternen wurden in grossen nach unten ausgebauchten Gefässen an drei langen und massiven Eisenstangen in die Mauer fest eingekeilt, wie wir dies auf unsern Peffel'schen, Kleiner’schen etc. Bildern, z. B. sub Figur 4, 15, 58,67,87, deutlich sehen können. Später trat das Oel an die Stelle des Unschlitts, und die Lampenkasten erhielten eine zierlichere Gestalt, sie wurden unten schmal und oben mehr ausgebaucht, wie uns die Bilder sub Figur 16 und 130 wahrnehmen lassen. Wie würden sich unsere Voreltern heute verwundern, wenn sie sehen würden, mit welcher Ungeduld ihre Enkel das elektrische Licht herbeiwünschen, weil ihnen schon das Gaslicht zu gering ist; mit welch’ enormer Schnelligkeit muss unser Jahrhundert fortgeschritten sein, wenn wir heute schon, nach 195 Jahren, dahingelangt sind, dass uns das Gaslicht nicht mehr befriedigt und wir uns bereits zum elektrischen oder Solarlicht hingedrängt fühlen. XXIX. CAPITEL. Dominikanerplatz. |;|r hat seinen uralten Namen von jenem Predigerorden, den der Spanier Dominik Guzmann stiftete, und nach dem sich die Mitglieder des Ordens Dominikaner nannten. Sie kamen im Jahre 1226 aus Ungarn nach Wien und errichteten hier Kirche und Kloster auf einem Grundstück, das ihnen Leopold der Glorreiche 1226 liebevoll anwies; aber erst 11 Jahre später (1237) konnte die Kirche vollendet und eingeweiht werden. In den beiden nächsten Decennien wurde sie von Unglücksfällen schwer heimgesucht. Im Jahre 1258 wurde sie durch eine Feuersbrunst zerstört und nach *) Es war Pfingstsonntag, und diese allgemeine Beleuchtung leitete Kaiser Leopol d I. mit einer drakonischen Verordnung ein, die auf allen Strassenecken zu lesen war. Sie lautete: „TDer Me bereit® ülfi fielen (Prten üufp.'richteten f uteriU’K bOS^fffter HJeife beftruirt, er fei aueb trer er moUe, bem trirb bie rechte fcanb abgebatft unb er ifirb ficberlicb Meier Strafe triebt entgehen/' s ) Die Rebschnüre der Pariser Laternen verleiteten die Franzosen damals zu den bekannten Ausfruf: „Aux lanternis", d. h. knüpft ihn an die Laterne. öS * 436 Die Dominikanerkirche. ihrem Aufbau im Jahre 1262 abermals ein Raub der Flammen. Diesmal wurde sie erst im Jahre 1302 vollendet und der Chor am 4. November mit grosser Feierlichkeit eingeweiht. Während der ersten Türkenbelagerung (1529) wurden Kloster und Kirche abermals zerstört und durch das Wohlwollen ihres mächtigen Beschützers, des Kaisers Ferdinand I., im Jahre 1530 wieder vollkommen hergestellt. Diesmal rückte der Bau etwas mehr gegen die Stadt vor, nur war das Ganze noch ziemlich unansehnlich, und es hat sich uns aus der Zeit vom Jahre 1600 noch ein äusserst seltenes Bild erhalten, welches uns die Gestalt dieser Baulichkeit deutlich versinnlicht und das ich hier sitb Figur 155 in getreuer Copie folgen lasse. *) ,.IL mir* n Jfig. 155. Hufnagl’s Ansicht des Dominikanerplatzes mit der Kirche aus dem Jahre 1600. Inden Jahren 1631 bis 1633 liess Kaiser Ferdinand II. den alten Bau abtragen und an dessen Stelle einen neuen beginnen, so dass die Kirche nun ihre heutige Gestalt erhielt, welche mit den zwei nicht eben zierlichen Blechthürmen gegen die Bastei zu dem Geschmacke jener Zeit entsprach. Der sich von rückwärts an die Kirche lehnende Cavalier wurde 1847 abgetragen und dadurch die ganze Rückseite der Kirche blossgelegt. Im Jahre 1847 fand auch eine Regulirung des Platzes statt, wobei zwar die Kirchenfront gegen den Dominikanerplatz unverändert verblieb, aber die Kirche fast um eine Klafter höher zu liegen kam, oder mit anderen Worten: das Erdreich des Platzes wurde fast um eine Klafter tiefer abgetragen, daher die Kirche scheinbar um ebensoviel höher zu stehen kam. Die Zeichnung ist von Hufnagl aus dem Jahre 1600. Noch ist das Kirchlein ziemlich ärmlich. Wie wir sehen, ruht das hohe Kirchendach auf ganz schutzlosen Mauern. An der Frontseite ist ein halbbogiges und über demselben sind vier andere Fenster angebracht. An der nördlichen Langseite sind drei schmale Strebepfeiler und über denselben fünf kreisrunde Fenster sichtbar; ebenso einfach ist auch der Thurm mit seinem hohen und äusserst schmalen Thurmhelm. Im Rücken der Kirche sind die Festungsmauern bemerkbar und ein mächtiger Cavalier, der die ganze Rückseite der Kirche im Halbkreise umschliesst. Das auf unserem Bilde rechts mit der Front gegen uns blickende Gebäude ist noch jener alterthümliche Bau der Jesuiten, an dessen Stelle später das erweiterte Collegium der Universität kam. Von den übrigen Gebäuden wird später die Rede sein. Die Dominikanerkirche, hi W' Kl '''vi;,'?'! 'iv. s.-Ääär ' % WA -V MH!,Wjg ‘Ml •*| i, 1 llP*c?D Mg Wimm. Hill ■ilmll all t «£jr •mw M i»l r’jSöUsä »1* |Ag3 llillllllllli Srs * F'.ffi: 438 Die Dominikanerkirche. Die neue Dominikanerkirche aus den Jahren 1631 bis 1633 hat sich seit ihrem Aufbau äusserlich nur wenig verändert, ja sie ist (einige kleine Reparaturen weggerechnet) im Wesentlichsten bis heute dieselbe geblieben. Ein hochinteressantes Bild sub Figur 150 zeigt uns diese neue Kirche in ihrer bereits modernen imposanten Gestalt. ’) Aber auch die Innenräume zeichnen sich durch herrliche Ausschmückungen aus, und wir finden hier viele Kunstwerke, Bilder und Sculpturen von der Hand der besten Meister, so z. B. jenen „heiligen Dominicus“, die „heilige Dreifaltigkeit“ und die „heilige Jungfrau“, alle drei grosse Bilder von Tobias Bock, die zu seinen besten gezählt werden können; dann „die Marter der heiligen Katharina“ und „die Anbetung der Hirten“ von Spielberger, „die heilige Katharina von Siena“ von Roettiers, den „heiligen Vincentius von Ferraris, einen Todten erweckend“ von eben demselben, dann mehrere kleinere, nicht unbedeutende Gemälde, jedoch von unbekannter Hand, wie z. B. „die heilige Anna“ und „die Krönung Mariens“, ferner ein schöner „Thomas von Aquin“ von Pachmann, vor allen aber jenes grosse herrliche Bild vom Hauptaltar: „die Einsetzung der Feier des heiligen Rosenkranzes,“ von Leopold Kuppelvvieser im Jahre 1840 mit besonderer Bravour gemalt, leider (wie fast alle seine Bilder) etwas stark nachgedunkelt. In frühem Zeiten mögen hier wohl sehr viele Epitaphien und Grabsteine berühmter Familien vorhanden gewesen sein, die aber leider alle wahrscheinlich bei Gelegenheit des Umbaues verschwanden, nur noch ein Grabmal ist erhalten geblieben, das unsere ganze Aufmerksamkeit verdient, es ist das der Kaiserin Claudia Felicitas, der zweiten Gemahlin Kaiser Leopolds I., Tochter des Erzherzogs Ferdinand Carl von Tirol (gestorben am 8. April 1676), welche hier nebst zweien ihrer Töchter vor dem Dominikusaltar im Habit des Dominikanerordens ruht; der Gruftstein ist mit dem kaiserlichen Adler geziert. Das Innere der Kirche bildet einen Plafond in Halbkuppelform ohne freistehende Säulen oder Lesenen. Die Kuppel ist medaillonartig und sehr reich mit Stuccaturverzierungen und Fresken von Andreas Pozzo geschmückt und die schönen Seitenmedaillons sind von dem berühmten Danzwoll gemalt. Anden beiden Seiten der Kirche befinden sich hallenartig erbaute Seitenaltäre mit Durchgängen, schönen Bildhauerarbeiten und holzvergoldeten Verzierungen reich ausgestattet. Die Kirche ist eine Pfarrkirche und führt den Namen zur heiligen Maria Rotunda. Die Dominikaner, einst der einflussreichste Orden von allen, in späterer Zeit aber durch die Jesuiten in ihrem Wirkungskreise arg beengt, folgen der Regel der Augustiner, tragen weisse Kleidung und finden ihre Hauptbestimmung darin, die Menschen durch Predigten zu bekehren, daher ihr Orden Predigerorden genannt wurde, daher auch der Name Predigergasse und Predigerbastei. Um dieser Aufgabe möglichst gerecht zu werden, erhielten sie die Vorrechte eines Bettelordens und in den ältesten Zeiten schon ausschliesslich das Directorium der Inquisition. l ) Das Bild ist von Salomon Kleiner gezeichnet und von Johann August Corvinus gestochen, 33 Cm. breit und 21 Cm. hoch, aus den Jahren 1720 bis 1724. Von ganz besonderem Interesse ist für uns der Aufbau der Fatjade im neurömischen Styl. Das Portal der Kirche ist mit Verzierungen und Heiligenstatuen reich verziert und an beiden Seitentheilen mit Strebepfeilern versehen, zwischen welchen runde Fenster angebracht sind, die nur ein spärliches Licht dem Innern der Kirche mittheilen. Als interessantes Detail sind besonders hervorzuheben: die Statue der Mutter Gottes in einer Nische, von zwei anbetenden Heiligen umgeben, ober ihrem Haupte eine Krone, an beiden Seiten der Hauptfront Heiligenfiguren in Nischen, ferner der besonders reich gezierte, ziemlich stark erhöhte Dachaufsatz, in dessen Mitte sich ein hohes, halbkreisrundes Kirchenfenster und zu beiden Seiten Heiligenfiguren in Nischen befinden, endlich als besonders charakteristisch jene Eckkanten des Kirchenaufsatzes, die unten in schräg gewundenen Knäufen enden. Links' im Bilde sehen wir einen Theil jenes stockhohen Hauses Nr. 667 (neu Predigergasse 1 oder Postgasse 6), welches der Universitäts-Buchdrucker und Buchhändler Carl Gerold im Jahre 1852 in ein vierstöckiges umbauen liess, und das sich heute im Besitze des Friedrich Gerold befindet, und rechts noch ein Stück des ehemaligen Collegiathauses der Jesuiten und am rechten Flügel der Kirche einen Theil des zweistöckigen Klostergebäudes. Fischerstiege. —■ Das Haus „zur Fischerstiege.“ 439 Von dem heutigen Klostergebäude ist uns nur noch der Kreuzgang erhalten geblieben, ein höchst merkwürdiger Ueberrest jener ältesten Zeit seines Erstehens. Das Kloster selbst ist ein sehr ausgedehntes, unregelmässiges, winkeliges Gebäude mit mehreren Höfen, und fast zwei Drittel dieser Klosterräume dienten seit längerer Zeit zur Unterkunft für öffentliche Aemter. XXX. CAPITEL. Fischerstiege. er Name „Fischerstiege“ versetzt uns ganz in jene poetische Urzeit Wiens, da es noch als ein kleines Fischerdörfchen in den nebelhaften Dämmerschein der Sage gehüllt war. Und da es gewiss ist, dass einst der Donauarm hier am Gestade (im Munde des Volkes an der „©ftättett", wie diese Stadtgegend noch heute genannt wird) vorbeifloss und die Fischer und Kaufleute hier mit ihren Schiffen landeten _ und ihre Waaren (vorzüglich Salz) am kiesigen Ufer ausluden, woher der Name „Salzgries“ entstand, so ist es leicht erklärlich, dass sich die Fischer schon in frühesten Zeiten am Gestade eine Capelle für ihre Andacht errichteten und selbe „31t uttjcrer liebelt ^rail am ©eftabe" nannten, und dass auch das steile Terrain eine Stiege nöthig machte, um den Zugang zum Donauufer zu ermöglichen. Wir sehen daraus, dass die Fischerstiege der älteste Theil der Stadt ist, von wo die Fischer und Schiffleute die Bewohner der Stadt mit Lebensmitteln, vorzüglich mit Fischen versorgten. Auch der Name „Fischerstiege“ als Strassenbezeichnung ist uralt und kommt schon bei den Römern urkundlich als „ad gradus piscatorum “ vor. Ti Das Haus „zur Fischerstiege“ Nr. 369 (neu 3) bewahrt uns noch in einem alten Wandgemälde das Andenken an jene brückenartige Stiege, die dieser Gasse die Benennung gab. Das Haus gehört unzweifelhaft zu den ältesten Gebäuden dieses Stadttheiles, und schon ein Blick in sein Inneres genügt, um uns ganz in die Schauer des XV. Jahrhunderts zurückzuversetzen und uns jene düstere missgestaltige Winkelarchitektur ins Gedächtnis zurückzurufen, von der die damaligen engen Gassen und Gässchen mit ihren Zwischenbauten, Erkerthürmchen und Schwiebbogen so lautes Zeugnis gaben. Das Wandgemälde befindet sich noch gegenwärtig ober dem Hausthore und wurde im Jahre 1839 ausgebessert, es interpretirt die Bibelstelle vom Fischzuge Petri, und unterhalb befindet sich ein Spruchreim: Tiefes haus fte()t in ©ottes haut), 5 ut? cSifcberjliege wirb es genannt. Das Bild sab Figur 157 versinnlicht uns diesen Gegenstand näher. ‘) Nicht uninteressant ist die Bemerkung, dass sich seit den ältesten Zeiten vor diesem Hause ein uraltes Stadtthor befand, das einst als kleines bescheidenes Stadtpförtchen hier den Zugang zur Donau (die daselbst vorbeifloss) vermittelte, und welches erst Kaiser Josef II. zur Erweiterung der Passage niederreissen liess, und dass sich ferner zur Zeit der Babenbergerherzoge hier ein *) Es ist eine naturgetreue Zeichnung von Emil Hutter, die uns mit den Terrainverhältnissen bekannt macht; wir sehen hier im Bilde Fischer ihre Netze auswerfen, Kaufleute mit Schiffen landen und links ein thurmartiges Thor, das an das ehemalige uralte „Fischerthor“ gemahnt. 440 Das Haus zur Fischerstiege.“ — Das Fischerthor. Theil des Stadtwalls befand, der sich längs dem Steilrand der Donau fortzog. Der Stadtmagistrat, in Würdigung dieser urkundlich erwiesenen Thatsachen und zur künftigen Erinnerung, liess eine Gedenktafel an diesem Hause im Jahre 1868 anbringen, des Inhaltes: „Vor diesem Hause stand bis zu Ende des XVIII. Jahrhunderts das Thor an der Fischerstiege, ein Theil der Umwallung zur Zeit der Babenberger.“ Uns ist dieses merkwürdige Thor im Bilde erhalten geblieben, und ich bringe meinen Lesern hiervon sub Figur 158 eine genaue Abbildung. Es ist ein Zinkenthor, d. h. ein fester thurmartiger Thorbau aus Quadersteinen, auf dessen Krone später zur Zeit des Gebrauches der Schiesswaffen (wie dies überall bei Festungsmauern der Fall war) Schiessscharten eingemeisselt wurden. ‘) Aber nicht blos die altehrwürdigen Erinnerungen, sondern auch jene uralten Wiener Patriziergeschlechter, welche durch Hunderte von Jahren hier sesshaft waren, machen dieses Gebäude zu einem wahrhaft althistorischen Hause. Das älteste Grundbuch der Stadt weist nach, dass Heinrich Würfel schon um das Jahr 1379 als Eigenthümer erbgesessen war und noch zwei nach Maria - Stiegen dienstbare Häuser in ujc * (ui* Itfht in <£ oftts &mb (/ rx. 1 L ^ur^ildjcv^Ue^c ttmb cötjeimnl. lo7m Wandgemälde an dem Hause „zur Fischerstiege.“ dieser Gegend hatte. Die Würfel waren ein hochangesehenes Wiener Patriziergeschlecht, von dem mehrere ihres Namens schon im XIV. und XV. Jahrhundert als Bürgermeister Wiens den städtischen Geschäften vorstanden: so war Heinrich Würfel im Jahre 1353 Bürgermeister, ebenso 1370 Niklas und in den Jahren 1396 bis 1397, dann 1405 und 1427 Paul Würfel. Erst im Jahre 1585 kam Bernard Grashals und 1700 Hans Fruerth, „bürgerlicher Honig- und Zwetschkenkramer,“ an die Gewähr. s ) *) Das „Fischerthor“, wie es sich uns hier im Bilde von Seite des Salzgries zeigg stand zwischen dem Hause Nr. 369 (neu 3) und dem Hause Nr. 373 (neu 6), weil hier die Stadt ihre Grenze erreichte. Es gehörte zu den wenigen Thoren der innern Stadt, wie z. B. das „Thor am Katzensteig“, Seitenstettengasse Nr. 9 neu, das erst im Jahre 1823 niedergerissen wurde, oder „das Thor an der hohen Brücke“ in der Wipplingerstrasse am Hause Nr. 27 neu, oder das „Peylerthor“ auf dem Graben, von dem bereits die Rede war, oder endlich das „Heidenschussthor“, worüber nähere Urkunden fehlen. a ) Die spätem Besitzer waren: im Jahre 1773 Caspar Holbein, welcher 1782 als Johann Casper von Holwein in'den Grundbüchern erscheint, bis 1830 die Holbein’schen Fig, 158 Das Fischerthor ^ben UI >d zuletzt Margaretha Freiin von Baviere, Auguste Stolle, Juliana Hirschen- hofer und Magdalena Schornhofer. Der gegenwärtige Eigenthümer ist Johann Fink. XXXI. CAPITEL. 1 Färbergasse.. i uch hier treten uns mit tmverlöschlichen Zügen Spuren früherer Jahrhunderte und früherer 1 Begebenheiten entgegen, die für die Geschichte des Landes und der Stadt von Bedeutung sind. Hier sa$sen durch mehr als drei Jahrhundert« die Flamänder Färber, die mit ihren rothgefärbten Tüchern und Wollstoffen Handel trieben, die ihre Erzeugnisse bis ans schwarze Meer und in den Orient versendeten und immer; wieder neue Absatzquellen fanden, die auch unserem Handel zu gute kamen. Sie waren die reichste Gilde der Stadt und durch wichtige Privilegien ausgezeichnet, daher sie auch hohe Achtung genossen und auf die Münze und somit auch auf den Wucher den wohlthuendsten Einfluss übten. • t Der hier vorbeifliessende Ottakringer-, später Aiserbach ’) bestimmte die Färber schon frühzeitig ihre Arbeitsstätten (da ihr Gewerbe vom Wasser abhängig war) hier aufzuschlagen. Die Färbergasse zeigte daher seit deni frühen Mittelalter bis ins XV. Jahrhundert eine gegen die heutige ganz veränderte Gestalt. So stand z. B. zwischen dem heutigen Hause Nr. 333, (neu 3) und Nr. 335 (neu 6) bis zum Jahre 1422 eines jener vier Judenthore, welche die ehemalige Judenstadt von der der Christen absperrten. Dort, wo sich heute das Haus Nr. 333 (neu 3) erhebt, befand sich einstens der alte „3ubettflä)c(>(>of". Das Haus Nr. 332 (neu 1), welches gegenwärtig das bürgerliche Zeughaus bildet und vorher „©emailter Statt XÜlett 5eugt>aus" genannt wurde, hiess damals „Suesntm Mlb 6tU0l?d POU ftreme bfö Tuben 'feaus". Das Eckhaus links in die Wipplinger- strasse Nr. 352 (neu 5) hiess: „IBolf bes Jubelt POlt ileuftabt baus " 2 ) Dass die Färber (damals „Berber" genannt) wirklich noch bis ins XV. Jahrhundert hier Besitzungen hatten, beweisen die alten Grundbücher, wie sie im Anhang zum VIII. Bande der Berichte und Mittheilungen des Alterthumsvereines genauestens angeführt werden. Das Haus Nr. 333 (ney 3) z. B. gehörte JletfP Ibartpefd) bellt Berber und wird im Grundbuch bezeichnet als: „junagst Alerten Aeuburger perber (>aus pnb bem ^(eifeb^of J44p." Das Haus Nr. 352 (neu 5) war im Jahre 1457 Eigenthum des Ittricb Stabelmair, bes Berbers und das Haus Nr. 353 (neu Wipplingerstrasse 27) jenes des (Dstpalb Sdhltagl, bcs Berbers. Heute verbindet die Färbergasse die Wipplingerstrasse mit dem Hof, und einige Häuser dieser schmalen, etwas finstern Gasse wurden zu Anfang dieses Jahrhunderts erbaut, so das Haus • Nr. 333 (neu 3) im Jahre 1803 und Nr. 335 (n$u 6) im Jahre 1803. Alle übrigen gehören früherer Zeit an. ') Vide in meiner Einleitung die I^lanstudie sub Figur 1 und die dritte Anmerkung auf Seite XXX. *) Vide Figur 2: „Plan der Judenstadt zu Wien zur Zeit der Aufhebung derselben im Jahre 1422“ als Erläuterung zu Albert Ritter von Camesina’s Tafeln über „Wiens örtliche Entwicklung von der römischen Zeit bis zum Ausgange des XIII. Jahrhunderts“. t S6 I XXXII. CAPITEL. i Der Fischhof. er Fischhof hat seinen alten Namen von der hofartigen Gestalt des Platzes, auf welchem die Fischer seit 1760 ihren Markt hielten. Dieser Platz wurde im Jahre 1842 einem Umbau unterzogen, welcher für die Wiener Topographie inso- ferne von Bedeutung ist, als dabei die älteste Ringmauer der Stadt (aus jener Zeit, als Wien noch kein Herzogssitz war) zum Vorschein kam. Die uraltin Reste dieser Ringmauer waren über eine Klafter dick und ihres Alters wegen bereits in einen felsenartigen Zustand übergegangen, der ihrer Wegräumung grosse Schwierigkeiten in den Weg setzte. Diese alte Stadtumwallung kam nach der Länge der Strasse hier mit dem Fundamente eines „Wehrthurmes“ zum Vorschein. *) Auch das Steinbild, dreüForellen (Cordten) darstellend, wurde als altes Stadtwahrzeichen an das neugebaute Haus Nr. 518 (neu 4) in’ die Mauer eingefügt. Es ist schon deshalb voä historische’r Bedeutung, weil es die so frühzeitigen Beziehungen der Fischer zu diesem Orte darthut. Das Bild sub Figur 15i ) versinnlicht uns die Gestalt dieses Stadt- Wahrzeichens. I I Das Haus „zu den drei Fischeln“ Nr. 518 (neu 4) ist den ältern Wienern noch in seiner früheren, vor dem Jahre 1842 bestandenen Gestalt erinnerlich. Es hatte ober den Fenstern des ersten Stockwerkes einen erkerartigen, mit einem Dache gedeckten Vorsprung, und ober dem Mauerbogen dieses Erkers befand sich das Steinbild der i„drei Forellen“. Es war ein uralter Bau, der uns in einem höchst seltenen Bilde erhalten geblieben ist, das ich hier sub Figttr 100 beischliesse. 2 3 ) ■II I >> liWiij |i i[!!;'l : : ;:V t iilüH"^ -ü -v.r' "ri'i 1 l'iff. lob. Wahrzeichen aa dem Hause Nr. 518 auf dem Fischhof. l ) Die Reste dieser zum Vorschein gekommenen ältesten Stadtumwallung (die ohne Zweifel aus den Römerzeiten herstammen mochte) zog sich längs der Häuser Nr. 398 der Schultergasse, Nr. 389 und 391 der Wipplingerstrasse, Nr. 382 und 380 der Salvatorgasse hinter Nr. 449 und 450 der Stern- und Rosmaringasse, und die Reste dieses „Wehrthurmes“ beim Fischhof lassen mit Sicherheit auf einen Thorausgang der Stadt schliessen, der sich hier zu der stark abfallenden Rothgasse e i ;te. D ie Häuser Nr. 511 bis 518 standen somit auf der Aufschüttung des ehemaligen Festungsgrabens, und ein zweiter (und zwar der Hauptausgang) befand sich in der Richtung gegen den Lichtensteg. Vide: „Camesina's örtliche Entwicklung,“ Seite 10 und „Mittheilungen des Alterthumsvereines“ ,X11I. Band, Seite 193. 3 ) Das Bild, von Salomon Kleiner um 1724 bis 1730 gezeichnet und von J. A. Corvinus gestochen, 32*3 Cm. breit und 19'6 Cin. hoch, zeigt uns das Innere des- Fischhofes mit dem Ausblick gegen das Rothgässchen. Die Häuser rechts im Bilde sind in den heutigen sogenannten „Galvagnihof“ verbaut. Das vierstöckige Eckhaus links im Bilde mit dem auffallenden Säulenaufsatz und den niedrigen Fenstern (wovon jedes ein kleines Dach hatte) ist das besprochene Haus „3U bwi «Sorbett" Nr. 518 (neu 4), und das unmittelbar links anstossende grosse vierstöckige Haus mit den sechs Fenstern in der Front und dem mächtig breiten Thoreingange ist das Domarsche Haus. Das andere Nachbarhaus neben Nr. 518 führte die uralte Bezeichnung „zum Fischhof“ und wurde erst im Jahre 1841 in seine heutige Gestalt umgebaut. Nicht uninteressant ist der alte Brunnen, der in den Vierzigerjahren durch einen modernen ersetzt wurde, so wie die kleinen Verkaufsgewölbe rechts und die reiche Staffage, I p IF i i * Ansicht des Fischhofs. 1 '' ■ ■ ■' ' iut;g wul ;\iEY*,HsäQ liijSHä IIIMniil IF&zMli y/iiiiiimijuiiniiiiu^ &///« ^’i^-rrffSg I ; ji I 1 J fi ll ! 1 ! i t t 4 XXXIII. CAPITEL. 8 Der Franciscanerplatz. o * * r ist der kleinste und zugleich jüngste aller Plätze der Stadt. Zwar bestand im Jahre 1586 hier bereits das Hlofter bei? Bitjjerinneit und dazu ein kleines Kirchlein (die 3bieroitl?tttUS=n?tttUS=£apdle eine stattliche Kirche durch Pater Bonaventura in den Jahren 1603 bis 1614 erbauen zu lassen. Die Kirche zog jetzt wegen ihrer Schönheit die Aufmerksamkeit Aller auf sich und wurde vom hohen Adel so häufig besucht, dass die nächste Gasse die Wagenmenge nicht fassen konnte. Dies bewog nun den Minister und Franciscanerordens-General Sebastian Didaker an den ordensfreundlichen Kaiser Ferdinand II. die Bitte zu stellen, das so lästige Oeler’sche Stifthaus zur Gewinnung eines freien Raumes abtragen zu lassen, was auch wirklich zwei Jahre später in Erfüllung ging, so dass bereits im Jahre 1624 der Franciscanerplatz vollkommen frei wurde und jene Gestalt erlangte, die er noch heute besitzt. Um jedoch auch rückwärts gegen die Singerstrasse Raum zur Erweiterung des Klosters zu gewinnen, wurde im Jahre 1625 das Luccashaus, 1648 das P fitz man'sehe, 1649 das Rad all sehe und 1656 das ehemalige kaiserliche „ItafteitfKlUS" (welches damals Caspar Hinzer besass) angekauft und so das Kloster nach und nach immer mehr erweitert; übrigens wurden auch gegen die Seilerstätte zu herrliche Gärten angelegt, die in das Kloster einbe^ogen wurden, und deren deutliche Spuren wir noch heute bemerken können. Zur Erinnerung an die ehemalige stattliche Ausdehnung von Kirche und Kloster ist uns ein altes hochinteressantes Bild erhalten geblieben, welches uns den ganzen Umfang des damaligen Klosters und des weitläufigen Gartens sub Figur 161 zeigt. ') 1 ) Das Bild ist der berühmten „ Cosmografhia, Provinciae Auslriaco-Franciscanae, Viennae 1740" entnommen und beweist, dass die ganze linke Seite der Weihburggasse bis hinauf zur Seilerstätte vom Franciscanerkloster und seinen Gärten beherrscht wurde. Die Aussenseite der Hauptfront des Klosters ist ohne Fenster, blos mit runden Oeffnungen versehen; sie erhält dadurch ein bizarres abgeschlossenes Ansehen, das noch an die Clausur der büssenden Frauen erinnert; ganz eigen- thümlich aber ist die schmale Hauptfront der Kirche und die ober dem Thoreingang angebrachten drei Spitzbogenfenster und in der Mitte ein Rundbogenfenster, dann der an seinen Seitentheilen mit Figuren und Pyramiden seltsam gezierte Dachaufsatz, der, einige kleine Abänderungen ausgenommen, noclj heute unverändert besteht. Auch der Seitenthurm ober dem Thüreingang in der Weihjmrggasse und der grosse Kirchthurm, welcher schon im Jahre 1616 erbaut wurde, sind noch heute ihrer borm nach unverändert. Auch zeigt sich uns links im Bilde die Singerstrasse bis oben hinauf zur Riemergasse und noch über dieselbe hinaus mit stattlichen Gebäuden ausgebaut. Der im Vordergründe ruhende Löwe, sowie die an einer Felsenwand vor einem hölzernen Kreuz lehnende Büssergestalt eines Eremiten mit der Aufschrift: „Protigit aedes“ erinnert an den heiligen Hieronymus, von dem einstens das kleine Kirchlein den Namen Hieronymus-Capelle erhielt, als es noch zum Kloster der büssenden Frauen gehörte. t « Ansicht der Franciscanerkirche und des Klosters, VtößM 8fSSlfifSA8Ü5l' A. üu j- ,1. !k >x a i -■.< ’S» 's- ww tsörr 'ggr* Franciscanerkirche und Kloster aus dem XVII. und XVIII. Jahrhundert .Fi;/. 161 . PÜS -4?§g§^ gggs^: Agftl rni!im>itii.!rj 34^; &*«£££ A4 ** ( I r 446 Die Mosesstatue. — Die Kunstschätze der Franciscaner. Aber im Jahre 1783 wurde auf Befehl Kaiser Josefs II. der grösste Theil der Gärterf und ein gegen die Singerstrasse zugekehrter Theil des Klosters den Franciscanern wieder abge- nommen und zu Staats- und Privatzwecken verwendet. An die Stelle der Gärten kamen nun in der Weihburggasse die Häuser Nr. 914 (neu 21) und Nr. 804 (neu 23), dann in der Seilerstätte das Haus Nr. 805 (neu -10). An der Seite der Singerstrasse richtete sich die k. k. Staatsdruckerei mit ihrem Verlag ein und bei Gelegenheit dieses Umbaues wurde auch die Kirche renovirt; auch wurde im Jahre 1798 der alte Brunnen aus dem Hause „311m (teincmeu Cötnm" Nr. 921 (neu 6) in die Mitte des Franciscaner- platzes übertragen, mit einem Springbrunnen versehen und mit der „Mosesstatue“ Martin Fischer’s verherrlicht. Die Mosesstatue auf dem Franciscanerplatz. Wenn schon Martin Fischer’s Arbeiten im Allgemeinen zu den bedeutendsten gehören, j die in jener schöpfungsarmen Epoche auf dem Gebiete der öffentlichen Ausschmückung geleistet wurden, so nimmt insbesondere seine „Mosesstatue“ entschieden einen der hervorragendsten Plätze ein. Sie zeichnet sich gegen seine übrigen Arbeiten besonders durch scharf ausgeprägte Charakteristik aus; die leicht vorgebeugte Haltung, des Kopfes, der Ausdruck des Gesichtes, die Stellung der Hände zeigen nichts von jener conv^ptionellen Herkömmlichkeit, mit welcher gewöhnlich der jüdische Gesetzgeber steif und gemessen, die zwölf Tafelgebote haltend abgebildet wird. Von besonderer Schönheit ist auch der Faltenwurf. Leider war das Material nur eine Bleicomposition, die, wie es auch bei seinen übrigen fünf öffentlichen Statuen der Fall ist, im Laufe der Zeit sehr schadhaft und reparatursbedürftig wurde. Doch hoffen wir, dass die Mosesstatue und seine übrigen Figuren (wie einst die Don- . ner’schen im Jahre 1872) demnächst gleichfalls abgeformt und in Bronze umgegossen werden, so dass sie gleich dem Phönix neuverjüngt und verschönert uns in voller Kunstreinheit erhalten bleiben werden. Dieser gerechte Wunsch gilt also nicht blos von der Mosesstatue (welche die reparaturbedürftigste ist), sondern auch von der Brunnenfigur vor dem Josephinum in der Währingerstrasse, deh beiden Brunnenfiguren auf dem Graben, dem „heiligen Josef“ und „heiligen Leopold“ (mit je einem Kinde), einer Statue auf der Alserstrasse und endlich einer andern auf dem Margarethenplatz. Ein Bild sub Figur 162 macht uns mit der Brunnenfigur und mit einem Theil der t Hauptfront von Kirche und Kloster bekannt, *) die sich in ihrem Aeussern bis auf den heutigen Tag nicht wesentlich verändert haben. Aber auch die Innenräume und ihre Ausschmückungen sind dieselben geblieben, und noch heute zählt die Kirche einige nicht unbedeutende Kunstschätze, die Erwähnung verdienen. Die Kunstschätze der Franciscanerkirche’und ihres Klosters. Abgesehen von dem architektonischen Beiwerk, mit dem die Wände und Altäre allenthalben in Holzvergoldung und Stuccaturarbeiten ausgeschmückt sind, machen sich einige ältere Bilder und plastische Arbeiten an den Haupt- und Seitenaltären bemerkbar, die einen bleibenden Werth für die Kunstgeschichte haben. So sehen wir z. B. das grosse Hochaltarbild, von Andreas Pozzo gemalt, an den Seitenaltären einen heiligen Franciscus von Schmid Sohn, ein herrliches Cruzifix von Carlo Carlone, eine Mariä Empfängnis von Schmid Vater, die Marter des heiligen * - Das Bild ist aus dem Verlage von Tranquillo Molo, also aus derZeit zwischen 1810 bis 1830, als noch eine Schildwache vor dem Brunnen stand und vier Oellaternen auf vier hohen schwarzgelb angestrichenen Holzpfeilern den Brunnen umgaben. Wir gewinnen auch aus dem Bilde die Ueberzeugung, dass sich an der äussern Architektur dieser beiden kirchlichen Gebäude nichts Wesentliches geändert hat. Die Wiener Frauenhäuser im Mittelalter. 44? » Capistran von Wagenschön, 1 ) dann eine zweite unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria von Rottmayr. Im Kreuzgange des Klosters befinden sich der Wand entlang Porträts jener Francis- canermönche, welche den Märtyrertod für Gott und Glauben erduldet. Einige Bilder gehören der altern Malerkunst- Periode an und haben nebst dem künstlerischen auch ein antiquarisches und archäologisches Interesse. Auch einige Grabmäler ausgezeichneter Personen befinden sich in der Kirche, wie z. B. jene der Familien der Rottal, de Pace, Lamberg-Orteneck, Potocky, No- stiz, Gatterburg, Meggau, Trautt- mansdorff, der Schönau zu Stein, Schwendi, Seillern, Appel zu Gross- Petersdorf, dann das jenes hochgefeierten Kriegshelden, des Marschalls Han- nibal Fürsten von Gonzaga, Markgrafen von Mantua, der sich als Gouverneur von Wien und Obersthofmeister der frommen Kaiserin Eleonora grosse Verdienste erwarb. Aber am wichtigsten für die Geschichte des Klosters ist jener in einem Fensterwinkel der Sakristei aufgefun- I ° dene Grabstein der am 25. Jänner 1553 hier verstorbenen Oberin Juliana Kleebergerin des ehemaligen „11(0= ftcrs 6er befehlen grauen", welches man auch das „25ujisj>au0 bei 6t. Ibterourmtus" nannte. Dasselbe ist für die ältere Cultur- und Sittengeschichte Wiens von unschätzbarer Bedeutung, daher es hier erwähnt zu werden verdient. Zuerst aber, des bessern Verständnisses wegen, müssen einige Worte über die öffentlichen Frauenhäuser vorausgesendet werden. Mm bl 10 O C GT KIRCHE UND BRUNNEN EOITSE F.T FONTAINE AUF DF..M F RAN CIS CANER PLATZEf'-^SUR LA PLACE DES FRANCISCAINS Flg. 162. A VieimecliezTrfuHjiiillnMollo. Die Mosesstatue auf dem Brunnen vor der Franciscanerkirche. Die Wiener Frauenhäuser im Mittelalter. So wenig erbaulich es auch immer sein mag, so*ist es doch urkundlich erwiesen, dass es schon im frühen Mittelalter im Weichbilde der Stadt „öffentliche Frauenhäuser“ gab, 8 ) und dass man nach damaligen Sittlichkeits- und Schicklichkeitsbegriffen tolerantere Anschauungen über diese ‘J Franz Xaver Wagenschön, Mitglied der Wiener Akademie, war in Komotau (nach Anderen zu Litisch) in Böhmen 1726 geboren und starb zu Wien im Jahre 1790. a ) Die ältesten bekannten öffentlichen Frauenhäuser bestanden vor dem Wiednerthor, am breiten sandigen Ufer des Wienflusses in der Nähe des heutigen Theaters an der Wien und erstreckten sich bis gegen den Hügel der Laimgrube hinter dem Spital zu St. Merten. Um 1344 kommt das erste Frauenhaus am sogenannten „Fraueneck“ urkundlich vor, und es scheint I I > t t 448 Die Wiener Frauenhauser im Mittelalter Institute hegte, als später zu den Zeiten Ferdinands I., da bereits das Sittlichkeitsgefühl zu erstarken begann und strengere Grundsätze der Moral zur Geltung gelangten. Merkwürdig bleibt es, dass bei Beurtheilung der Verwerflichkeit oder Nichtverwerflichkeit immer wieder nur zwei Momente zur Geltung kamen, welche von dem Sittenrichter angerufen wurden und jeweilig den Ausschlag gaben. Das eine war das Nützlichkeits-, das andere das Schickliehkeits- oder Moralitätsprincip. Ersteres sprach für das Fortbestehen, letzteres für die Aufhebung des Institutes, und beide Principien rangen Jahrhunderte hindurch um die Oberherrschaft, ohne dass ihr Kampf endgiltig entschieden werden konnte. Und eben dieses ewige Schwanken zwischen den beiden Principien machte es allein möglich und erklärlich, dass ein Institut so lange aufrecht bestehen konnte, von dem eigentlich alle Menschen eingestehen mussten, dass es keine Existenzberechtigung habe. Wenn man aber bedenkt, wie wenig empfindlich damals das derbe Volk für die Maximen der Schicklichkeit war, wie wenig es sich damals um öffentliche Einrichtungen und Vorkehrungen kümmerte, wie es nur zu ehrlich und aufrichtig war, um etwa künstliche Vorwände oder Argumente herauszuklügeln, um eine Sache zu beschönigen, die sich nicht beschönigen lässt, so war es vollkommen erklärlich, dass das Volk lieber der Sache ihren Lauf Hess und sich weiter darum nicht kümmerte, fühlte sich doch jeder Einzelne von ihnen schon durch das innige Familienleben, wie durch das patriarchalische Zusammenhalten der Stände und durch die Landesgesetze hinreichend geschützt, um die Fährlichkeiten dieses Institutes nicht weiter fürchten zu müssen. Und in der That waren die einzelnen Erlässe und Verordnungen der getreue Wiederschein der jedesmal herrschenden öffentlichen Meinung. Zuerst waren die Gesetze tolerant, dann immer strenger, zuletzt aber wandelten sie sich in drakonische Befehle um, die das ganze Institut über den Haufen warfen. * * 3 ) ' & auch um das Jahr 1395 nur dieses eine Haus hier existirt zu haben, da im Lehensbriefe des Herzogs Alprecht IV. von diesem Jahre, in welchem er seinem Kammermeister Hans Buchendorfer das Kampfschildamt in Oesterreich und Bernhard Weitra’s ledige Güter verkaufte, ausdrücklich erwähnt wird, büj gettlßitt XrameftbdUS je IDiett ausgenommen. Das zweite führen die Urkunden erst 1410 auf, und man unterschied sie nur als das „vordere“ und „hintere“ Frauenhaus. Die erste Belagerung der Türken vernichtete beide bis auf den Grund, und es tauchte dafür ein ähnliches in der Stadt im Tiefengraben auf, welches aber schon nach zehn Jahren wieder aufgehoben wurde: denn 1539 finden wir schon in den Stadtbüchern aufgeführt: bett neroen Iraiötaften im «EUenbt au her hoben firuggen (nun ein Theil des Gebäudes Nr. 227) fo 3 Ut>or ain offene« cSrarcetthaus gemeft. Dieses Haus entspricht dem heutigen Tiefengraben Nr. 24. Es ist ein Eckhaus in die Wipplingerstrasse. Vide Schlager’s „Wiener Skizzen“ HI. Theil, Seite 345 und Franz Tschischka’s „Geschichte der Stadt Wien“ Seite 117. 3 ) Der wichtigsten Urkunde begegnen wir schon im XIII. Jahrhundert, und Kaiser Rudolf von Habsburg führte die öffentlichen Dirnen (welche damals freie ütScbfer oder fcfmne gramen, später aber gemeine Kleiber oder tjübflerinnen hiessen) als eine eigene Classe der Einwohner an und sagt in einer Stelle seines Strafgesetzes für Wien vom 20. Juni 1278. (welche auch Herzog Albrecht II. in seiner Handfeste vom 23. Juli 1340 wörtlich wiederholt) Folgendes: „IDir tun ßUCf» bebain gepot ron bett gemeinen treiben, man i 3 mir unmirtog unb unjeiüicp baj man fern in bie pant ber <£e beflu 33 e Do# mellen mir, ba 3 fi nieman an fcfmlbe laibig; mer fie aber laibigt, ben fot ber Sichter puessen ns$ öes rate« rat." Nach dem alten Stadtgebrauche und der Sitte der Zeit waren ihnen eigene Functionen anbefohlen. Sie waren also schon nach dem Gesetze als eine bestehende Classe anerkannt, die bei gewissen Feierlichkeiten sogar eine hervorragende Rolle zu spielen hatten. So war ihnen z. B. befohlen, bei feierlichen Einzügen und beim Empfange angesehener Fremden Blumensträusse auszutheilen, durchreisenden hohen Häuptern ihre Wohnungen zum Empfange bereit zu halten und am Festtage Johannis des Täufers um das sogenannte „Sonncttmetlbfeuer“ zu tanzen, sowie auch durch Wettläufe zweimal des Jahres das Scbarlad)’ rennen (von welchem ich an geeigneter Stelle berichten werde) zu verherrlichen. Nach Verlauf eines Jahrhunderts wurden ihnen wohl immer strengere Vorschriften auferlegt, es wurde ihnen das Tragen einer eigenen Tracht anbefohlen. Im Jahre 1403 war ihnen der Besuch von Weinkellerschänken verboten, damit die Studenten und Handwerker nicht ihr Geld verspielen oder sonst leichtsinnig durchbringen. Eine Verordnung von 1503 untersagte ihnen strengstens Nachts auf der Strasse herumzu^ streichen, und als später Carl V. in seinem weisen Polizeigesetze von 1530 manche neue Reformen einführte, so z. B. „baji ffrtnge Strafen auf lei$tfhmige Aeimobnung gefegt feien", wurden die gemeinen Weiber immer mehr und mehr aus der Oeffentlichkeit verdrängt, bis man sie endlich nur als eine insgeheim geduldete Classe betrachtete. Das Busshaus der bekehrten Frauen. — Der Domprobsthof. — Das Haus „zum grünen Löwen“. 449 Doch so wie in der Natur für jedes Gift auch ein Gegengift besteht, so gab es auch in jener Zeit für die gemeinen Laster der Ausschweifung einen Bekehrungsort, wo die reumüthigen Sünderinnen ihre Zuflucht fanden; dieser Ort war: Das Busshaus der bekehrten Frauen bei St. Hieronymus am heutigen Franciscanerplatz. Herzog Albrecht III. stiftete dieses Kloster für arme freie Frauen, die sich aus den offenen Frauenhäusern oder sonst aus dem sündigen Leben zur Busse und zu Gott wenden wollten. Er verordnete in der Urkunde vom 24. Februar 1384, die uns noch erhalten blieb, wörtlich: „Jtem in öasjdbe ir t>aros> fol man enriglicf) empbabm itnb Jencmeit folicb arm _-Srawn, bie aus bcm offen cSramenbaus ficb oor iren Sünben @ot 31t pu&e ergeben mellent." Er gab ihnen gänzliche und ewige Freiung und befreite sie von allen Steuern, Mauthen, Zoll und Lehen; wer immer (verordnete er weiter) eine dieser Frauen zum Weibe nehmen wollte, der solle es thun können, „an Ehre und Schimpf und seines Ansehens und seiner Rechte in der Zeche oder Zunft unbeschadet.“ Wer ihn darob höhnte, oder überhaupt diese Frauen schmähte oder betrübte, sollte darob an Leib und Gut gestraft werden. Herzog Albrecht wurde selbst ihr Schirmvogt und bestimmte den Bürgermeister von Wien als seinen Stellvertreter. Die Frauen hatten im Kloster verschiedene nützliche Arbeiten zu verrichten, in deutscher Sprache zu beten, und konnten auch das Kloster wieder verlassen, doch nur wenn sie heirateten; für die Uebertretung ihrer Vorschriften waren strenge Strafen gesetzt. ‘) Auch Friedrich IV. und selbst Mathias Corvinus bestätigten dem Kloster seine Freiheiten, als aber nach Maximilians I. Tode und im Beginn der Reformation die Sitten .verwilderten, an Reue und Busse Niemand mehr dachte, löste sich das Kloster und die alte Klosterzucht von selber auf, die Nonnen entsprangen, und selbst die letzte Oberin Juliana Kleebergerin kam in Untersuchung - wegen des Wandels, den sie im Kloster duldete und den sie selbst geführt, und wegen Verschleuderung der Stiftsgüter. Das Kloster wurde öde und leer, nur noch ihr allein wurde hier eine Wohnung verstattet, in der sie auch im Jahre 1553 starb. Von den alten historischen Häusern auf dem Franciscanerplatz sind besonders zu nennen: Der alte Domprobsthof Nr. 891 (neu 2). Er gehört ohne Zweifel zu den ältesten Häusern der Stadt, denn schon bei Errichtung der Domprobstei zu St. Stefan wurde dieses Haus für den Probst erkauft und neu erbaut und auch einstweilen für die ersten Bischöfe bis zur Erbauung des neuen Bischofhofes (des jetzigen erz- bischöflichen Palais) als Wohnsitz bestimmt. Es ist noch heute Eigenthum der Metropolitankirche zu Wien und ist mit einer Front gegen die Singerstrasse gekehrt, wo es die Nummer 22 führt. Das Haus „zum grünen Löwen“ Nr. 921 (neu 6) wurde im Jahre 1453 von Kaiser Friedrich zum Wohnhaus des Domprobstes bestimmt und ging dann, 23 Jahre später, in das Eigenthum des berühmten Bürgermeisters Conrad Hölzler über, der es selbst bewohnte und sich um die Erhaltung und Förderung des Klosters der bekehrten Frauen grosse Verdienste erwarb. Später wurde es von dem Büsserinnenkloster zu St. Hieronymus *) Fiel z. B. eine der bekehrten Frauen in ihr altes Sündenleben zurück, so wurde sie in der Donau ertränkt; auf unbefugte, wenn auch fleckenlose Verlassung des Klosters war kurzes Gefängnis und Abschaffung aus der Stadt gesetzt. Vide: Diploma Albtrti III. de anno 13Si und Fi sch er’s Brevis nota urb. Find. L. I. Epist. pag. 713. S7 450 Das Baron Orelli’sche Halis. — Der alte Fleischmarkt selbst angekauft und kam dann nach dessen Zerstörung in den Besitz des Don Diego de Sarava, jenes berühmten Gründers des sogenannten Kaiserspitals auf dem Ballhausplatz. Um das Jahr 1690 erkauften die Himmelpfortenklosterfrauen dieses Haus, das nach deren gänzlichen Aufhebung im Jahre 1783 von Anna von Gassner angekauft und vom Grund aus in der heutigen Gestalt neu aufgebaut wurde. *) Das Baron Orelli’sche Haus Nr. 911 (neu 1). Im Jahre 1700 bestanden an dieser Stelle noch zwei kleine Häuser, welche in diesem Jahre von Baron von Orelli, hochfürstlichem Passauer-Rath und niederösterreichischem Landesgerichts- Beisitzer, angekauft und im Jahre 1720 in Eines zusammengebaut wurden. Nach dem Tode desselben kam das Haus in den Besitz von Personen, die sich besonders durch Rang und Namen auszeichneten. s ) Nicht unerwähnt kann ich lassen, dass dieses Haus im Jahre 1684 Eigenthum des berühmten Doctors Paulus Sorbeith, „bei? penüitibten ÄaijCritt CeiMTTebicUS/' war. XXXIV. CAPITEL. Der alte Fleischmarkt. seinen Namen verdankt er den Fleischern, die nach der Metzgerordnung vom 24. August 1333 Herzog Alb rechts des Lahmen hier ihre Innung hatten. Der alte Fleischmarkt gehört zu den urkundlich ältesten Strassen der Stadt, denn schon die Römer kannten denselben und nannten ihn „via carnorum“. Aber noch eine andere Eigenthümlichkeit besitzt diese Strasse, sie ist nämlich seit zweihundertfünfzig Jahren der Sitz der hier in Wien sich ansiedelnden Griechen, denn schon vor der zweiten Türkenbelagerung, also noch vor 1683, lag der ganze orientalische Handel, der Handel nach Macedonien und nach der Levante ausschliesslich in den Händen jener Griechen, die hier auf dem Fleischmarkt sesshaft waren. Die Griechen und Serben, welche sich seit zweihundert Jahren hier auf dem Fleischmarkt niederliessen, bildeten förmlich eine eigene Gemeinde, und aus handelspolitischen Gründen liess ihnen Kaiser Leopold I. ein kleines Kirchlein erbauen und unterstützte sie bei Errichtung einer sogenannten orientalischen Handelscompagnie, ja er stellte ihnen sogar einen Lehrer der morgenländischen Sprachen bei, den er selbst hiezu ernannte. l * 3 ) Leider bewährten sich die Hoffnungen rücksichtlich des Handels nicht, und die Serben mussten sogar während der ungarischen Unruhen als politisch verdächtig aus Wien wieder ausgewiesen werden, mit Ausnahme der Hofbefreiten. Unter den historisch interessanten Häusern nimmt hier unstreitig den vornehmsten Rang das Laurenzergebäude ein. l J Die spätem Eigentümer waren: die Anna von Gassner’schen Erben, später der bekannte Hofzuckerbäcker August Dehne und gegenwärtig dessen Sohn, gleichfalls August Dehne. *) Im Jahre 1710 kam Magdalena von Stegner, spätere Freiin von Stegner, im Jahre 1800 Carl Grat von Erdüdy, 1823 Victoria Prinzessin von Lothringen, später Franz Julius Ladislaus und Rudolf Graf von F’alkenstein in den Besitz desselben. Der gegenwärtige Eigenthümer ist Ignaz Mauthner. 3 ) Dies waren die bescheidenen Anfänge der später so berühmten orientalischen Akademie im Jacoberhofe. welche iin Jahre 1734 von der Kaiserin Maria Theresia gestiftet wurde und die die Bestimmung hatte, fähige Jünglinge zu den Geschäften mit der ottomanischen Pforte vorzubereiten; sie erfreute sich bald eines grossen Rufes und zeichnet sich noch heute durch ihren gediegenen Unterricht und einen reichen Bücherschatz aus. Das Laurenzei gebitude. 451 Das Laurenzergebäude war seiner ursprünglichen Bestimmung nach ein Nonnenkloster, welches Herzog Otto der Fröhliche im Jahre 1327 stiftete. *) Es war den Dominikanernonnen gewidmet; als aber diese im Jahre 1345 gänzlich ausstarben, wurden die Canonissinnen des heiligen Augustin, da ihr kleines Kloster im untern Werd baufällig war, hieher übersetzt welcher neue Besitz ihnen von Herzog Albrecht II. im Jahre 1380 mittels Briefes bestätigt und von Rudolf IV. bedeutend vermehrt wurde. Gleichzeitig bestand auch vor dem Schottenthore das sogenannte „Magdalencnkloster“ für Chorfrauen des heiligen Augustin, welche bei Annäherung der Türken 1529 von hier entflohen und sich mit den Laurenzerinnen vereinigten. Auf diese Weise war mit Einemmale das bescheidene St. Laurenzkloster, sowie auch die kleine Kirche mit ihrem gothischen Thürmchen, wie sie Meldemann darstellte, zur Unterbringung so vieler Nonnen zu eng, und es wurde daher ein Neubau beschlossen, welchen die Vorsteherin Gräfin Muschingen 1630 begann und die Oberin Augustine Gräfin Abensberg-Traun im Jahre 1660 beendete. l 2 3 ) Am 18. September 1783 erfolgte unter Kaiser Josef II. die Aufhebung des Klosters und der Kirche Das Kloster wurde zur Aufbewahrung von Kaufmannsgütern verwendet und die Kirche im Jahre 1816 abgebrochen und nebst einem kleinen Häuschen, das noch im Jahre 1700 als „Riemershaus“ im Grundbuche vorkommt und an den Klostergarten stiess, zu dem jetzigen Laurenzergebäude verbaut. Ein sehr kostbares Originalbild aus dem Jahre 1729 zeigt uns in Figur 103 die Hauptfront des Laurenzerklosters und der Kirche, wie sie noch bis zum Jahre 1783 bestanden, nebst andern Nebengebäuden . s ) l ) Friedrich der Schöne bedachte dieses Kloster in seinem Testamente vom Jahre" 1327 mit reichen Spenden, ebenso dessen Gemahlin Isabella von Aragonien in ihrem Testamente von 1328, in welchem es heisst: ,/feint) 6enbd(>aus" und ober dem Haus- thore ein aus Stein gehauenes reichvergoldetes Rebhuhn, welches mit seinen Füssen ein aufgerolltes Band festhielt mit der Aufschrift: „5itm Keb(m(>nel rom 1775."') Das Haus „zum Sperl“ Nr. 594 (neu 4) war seit 1700 ein Schank- und Gasthaus, und Leopold Zimbrecht Widemann, welcher der erste Besitzer dieses Schanklocales und des so beschildeten Hauses war, wurde daher allgemein von den Wienern der „Sperlwirth“ genannt. a ) Das Haus „zum gülden Löwen“ Nr. 595 (neu 2 oder Stefansplatz 11). Dieses Haus war bereits im Jahre 1409 ein Apothekerhaus und gehörte dem Martin Schep.er; es wurde von mir bereits bei Besprechung des Stefansplatzes Seite 90 erwähnt, daher mir nur noch erübrigt, Einiges über das Apothekerwesen der Wiener zu sagen, da es uns nicht blos einen Einblick in das Arzneiwesen gestattet, sondern auch scharfe Streiflichter auf die Cultur- zustände jener Zeit wirft. Das Apothekerwesen des Mittelalters in Wien. In frühesten Zeiten bereiteten die Aerzte die Heilmittel selbst und gaben sie auch den Kranken persönlich. Später wurde die Heilkunst in verschiedene Theile getrennt, und manche Aerzte beschäftigten sich nicht mit den Kranken, sondern ausschliesslich mit der Zubereitung der Heilmittel, auch überliessen sie das Aufsuchen heilkräftiger Mittel und Kräuter bestimmten einzelnen Männern, welche sie „Rhizotomen“, d. h. Sammler heilkräftiger Wurzeln, nannten. Hierdurch entstand eine schärfere Trennung zwischen den ausübenden Aerzten und den Heilmittelforschern und den Verkäufern oder Apothekern. Es entstanden somit zwei Branchen: die Arzneikunst und die Apothekerkunst. Als die medicinische Wissenschaft immer grössere Fortschritte machte und daher das Arznei- und Apothekerwesen einer immer grössern Blüthe entgegenging, namentlich die von Ferdinand II. im Jahre 1538 gestiftete grosse medicinische Schule zu Salerno immer grösseres Ansehen gewann, wurde das Apothekerwesen auch in Oesterreich und Wien durch genauere Gesetze geregelt. Die Apotheker erhielten jetzt eine eigene Arzneitaxe; sie durften sich nur an gewissen Orten und in einer bestimmt vorgeschriebenen Anzahl niederlassen, und in jeder Stadt oder Ortschaft *) Nach den Mittheilungen des Alterthumsvereines war hier bereits im Jahre 1537 ein Wolfgang Rephuen, Sei lerer, sesshaft, von welchem sich das Hausschlild erklärt, und im Jahre 1350 war Alphonsus de Maerrada, Ritter ordinis Calalravae, oberster Valkennreister, Besitzer desselben. 3 ) Nach Mittheilungen des Alterthumsvereines war aber schon im Jahre 1550 ein Hanns Michael Kolb hier sesshaft, den man den „SpörhlDurtb" nannte; das Gässchen führte damals den Namen „tjldicbtlcrgaifd". 58 * 460 Das Apothekerwesen in Wien. wurden zwei Männer von Ansehen zur besondern Aufsicht über die Apotheken aufgestellt, in deren Gegenwart die wichtigsten Arzneimittel verfertigt wurden, wie z. B. damals der Theriak. Im XV. Jahrhundert gab es in Wien noch wenig Aerzte und wenig Apotheken, und als im Gefolge Kaiser Ferdinands IV. auch ein jüdischer Arzt mit nach Wien kam und sich hier bleibend niederliess, um die Praxis auszuüben, protestirten die Aerzte dagegen und nannten dies eine Beeinträchtigung ihrer Freiheiten und Statuten und führten unter Anderem auch an: „(Es Jeienö ohnehin n Dodores beftänöig hier je IDienue, bafcero bie Semeinb feinen Hbgang non geladen iHerjtetl erleibt;" und Anfangs des XVI. Jahrhunderts erschien von Kaiser Maximilian I. eine Aerzte- und Apothekerverordnung unterm 9. October 1517. In derselben wird wörtlich bestimmt, „ba§ Heiner, n>efi ftanb, mejens, ober ©rabes er fei, je IPienne ber „Ceibarjenei" |'icb gebrauten laue unb barinnen pradijiren bürte, er fei benn in einer bewährten fco^en Bcbute nach ©rbnung berfelben jttgelaffen unb Sodor geworben." In derselben Verordnung wurden auch den Doctoren der Wiener Facultät gewisse Rechte gegen die Apotheker eingeräumt. ') Ein Jahr darauf (1518) befahl Kaiser Maximilian I., „dass jeder Apotheker durch obrigkeitliche und sachverständige Personen mindestens einmal im Jahre visitirt und alle verlegenen oder untauglichen Materialien abgeschafft und besonders Mass und Ordnung gegeben werde, damit die Apotheken mit guten, frischen und gerechten Materialien versehen, auch die Recepte nicht zu hoch taxiren damit Niemand in Bezahlung der Arznei zu viel beschwert werde.“ Um diese Zeit gab es im Ganzen nur sechs Apotheken, u. zw.: die „jUttt jcfywarjCIl 25äretl" am Lugeck in dem jetzt demolirten Hause Nr. 735 (neu 1) „zum Germaniahof“, gegenwärtig vis-ä-vis-, die „jittn Störchen" im Schönbrunnerhaus Nr. 562 (neu 8); die „beilge ©dftapot(wft’" im Bürgerspitale, Kärntnerstrasse Nr. 1043 (neu 34); die „jUlll gulbfll Hreuj", heute Hotel „Erzherzog Carl“, Kärntnerstrasse Nr. 968 (neu 31); ferner die „jUttt fc^warjdt Hbler", Schauflerluken (Schauflergasse) Nr. 5 (neu Herrengasse 1); endlich die bereits genannte in der Goldschmiedgasse. Etwa 25 Jahre darnach hatten sich die Apotheken in Wien bereits auf zehn vermehrt, u. zw. gab es damals noch weiters die „jUttt gulbeit auf dem alten Fleischmarkt Nr. 728 (neu 1), noch gegenwärtig am selben Fleck; die „jUF gulbeit HrOttC" am Graben im Trattnerhof, welche später den Namen „zum Tobias“ annahm; die Apotheke in der Stallburggas.se Nr. 1154 (neu 5), heute Hofapotheke genannt, und seit 1546 als Salvator-Apotheke in der Kärntnerstrasse Nr. 22 bestehend, und endlich die „jum (<|)war jCtt ftlo(>Fett", Tuchlauben Nr. 444 (neu 27), noch heute am selben Platze. Auch die Apothekerverordnung wurde vermehrt und eine solche im Jahre 1602 von Kaiser Rudolf II. und eine andere 1644 von Kaiser Ferdinand 111. gegeben. Unter Kaiser Leopold I. genossen die Apotheker bereits ein höheres Ansehen und bedeutendes Renommee, so dass aus allen Ländern gelehrte Chemiker, Aerzte und Pharmaceuten nach Wien kamen, um unsere Einrichtungen zu studiren. 2 ) *) „6ie tonnen, " so hiess es in der kaiserlichen Verordnung, „alle unb jegliche Jtpotbcfen ju was jett tmcr in Wien, fo oft es notbtbut beficbtigcn uni) rifiiircit, unb wenn ße etwas fänben, fo es nicht recht fei, nach gemeiniatnen Hut} unb frommen ju reformiren. ®b bann einer ober ber mehrere bamtber begriffen mürben, benen folte ibre apotbete gefperret unb folcbe unferem Statthalter unb Kegenten angejeiget werben, bamit ße atsbann mit Aefeffl notbburftig gegen ße banbeltt mügen." -) So z. B. besuchte die Wiener Universität der berühmte Gelehrte Conrad Barchuten aus Utrecht, Jakob Chalderon aus Palermo, der französische Hofapotheker Gilles Boulduc, Professor der Chemie, Moses Charas und viele andere Chemiker, Pharmaceuten und Professoren. Nebstbei musste aber auch viel Schwindel getrieben worden sein, denn es erschien im Jahre 1689 in Wien beim Buchdrucker Leopold Voigt ein Buch im Verlage, das den seltsamen Titel führte: „Jtlle mobifebe Kr.jneiaßen, b. i. ein wahre unb tlare obfeffon rechte bennoeff gerechte »efebreibung lächerlicher fehler einfältiger Iborbeiten unb üKiffbräucbe in ber Krjenei wie auch vieler äuriofen aus bem alten HMberarcbtP genommene Kecepte, poffirlicbe üunftnitefe unb mit befonberen Superrerflanb ausgefpieften Sebeimniffe ber Uatur. Kllen auffchneiberifchen fanbßerjen, per* logenen Iberiaffrämern, aufgeblafenen menichenßicfern, ebr= unb lehrbeburftigen purgierfunßlern ju einer beilfamen Warnung. Jas erße UTal ans Liebt gebracht bureb Joco»Serium." Aus dem Inhalte dieses Iiuchleins, wie aus den um diese /.eit erflossenen Verordnungen musste der Handel mit quacksalberischen Medicamenten sehr arg getrieben worden sein, denn es erliess bereits Das Bierhaus „zur Tabakspfeife.“ 461 Zur Zeit der Regierung Carls VI. hatte man nicht mehr als zwölf Apotheken, und es kamen zu den frühem noch hinzu: jene „jutll tüdjjeil (Engel" auf dem Graben, Ecke des Paternostergässchens und jene „ 511 m rot|?eit Rrebö" auf dem Hohenmarkt Nr. 524 (neu 13), dann je eine in den Vorstädten St. Ulrich, Wieden und Landstrasse. Ueberdies hatten auch die Jesuiten und die barmherzigen Brüder eine Apotheke (letztere noch heute in der Taborstrasse). Die einzelnen Ofificinen (wie man sie nannte) wurden jährlich von den Doctoren untersucht, wofür die Apotheker den Visitirenden einen Ducaten und ein gutes Mittagmal verabreichen mussten. Im August 1782 wurde die Innung der Apotheker von Kaiser Josef II. mit allen ihren bisherigen Privilegien aufgehoben ') und dafür bestimmt, dass Jeder, der sein Examen gut bestanden hat, ohne eigene Abgabe an Steuern etc. eine Apotheke errichten könne. Erst unter Kaiser Franz I. durften die Apotheker vermöge Hof-Resolution vom 11. Juni 1769 innerhalb der Linien Wiens ein eigenes Gremium bilden, aber es wurde ihnen strengstens untersagt, nach eigener Einsicht oder auf Geheiss blos bürgerlicher Chirurgen heftige Brechmittel oder Ableitungs- nnttel, Mercurialien, Opiate oder gar giftige Waaren ohne Vorschrift eines befugten Arztes herauszugeben. Ja sie wurden sogar verhalten, eigene Protokolle über alle diejenigen zu führen, welche Gifte abnehmen, die Namen der zur Beglaubigung des Receptes unterfertigten Aerzte genau zu registriren und die Verzeichnisse der höhern Behörde zur Einsicht vorzulegen. Nach diesen Vorschriften wird auch noch heute vorgegangen, und alle seit dem erflossenen Gesetze bezogen sich oder beziehen sich nur auf Taxirung der Medicamente oder sind sonst fiscalische Massregeln. Das Bierhaus „zur Tabakspfeife“ in der Goldschmiedgasse Nr. 618 (neu 9). Dieses uralte Bierhaus beherbergte noch zu Ende der Zwanzigerjahre ein Curiosum eigener Art, eine Rarität ersten Ranges, deren sich die altern Wiener vielleicht noch aus eigener Anschauung erinnern werden. Es war dies eine riesige Tabakspeife, aus Hirschhorn kunstvoll geschnitzt, die ihre eigene Entstehungsgeschichte aufzuweisen hat. Im Mittelalter nämlich pflegte man an den Thürmen Hirschgeweihe aufzupflanzen, weil man ihnen, abergläubig wie man war, die Eigenschaften von Blitzableitern zuschrieb. Dies war auch im Jahre 1551 mit unserm geliebten Stefansthurme der Fall.*) Da man aber im Laufe der Zeiten sich von der Nutzlosigkeit dieser vermeintlichen Blitzableiter überzeugte, der Stefansthurm endlich selbst schad- Deopold 1. im Jahre 1695 ein Patent (Kropatschek’sche Gesetzsammlung, XIV. Heft), in welchem es wörtlich heisst: „Seme nad? eine jeit bero allerhanten „BuUati" bas fint» pfafjgrdflichcn Bullen uni» nicht mit Unir>erßtaets=Siplomen t?er- febenen baber „Bullenmagifier" genannte perfon lief» in uttfere Baupt> nnb Uefibcnsfiabt einfcblcicben unb anberer (Prien ißrer begangenen Ülifietbaten halber entwichene unbefannte Keßerifche auch Juten unb IPiebcrtäiifer’fcbe IKebici 2 trjnei= tramer unb IDunbärjte bieher tomen, welche ihre Urseneien mit bochftcn Betrug unb (Befahr ber Patienten, um tbeueres Selb uerfaufen unb baß fie non ber hieiigen «Sacultät 3ur iraminirung bes Soctorates, unb üorlebens nicht pariren, fontern allerhanb Ausflucht unb Schuß fneben. Saburch nur großes Unheil unb merflicbe üerroabrlofuug ber «Kenfcben an ihrer ffiefunb* heit unb bes Cebens neben Abbruch bennen anbern in ber Itunft erfahrenen eraminirlen approbirten SHebicis ingleichen benneit bürgerlichen mit Steuern unb anberen Auflagen onorirten Upotbetern, Barbiren unb Babern, an ihrer täglichen flabrung 3ugefügt werbe unb ob wir 3war noch öen tö. (Dctober jb 3 $ burch einen öffentlichen Sun (Ersatz der heutigen Anschlagzettel und Inserate) publisiren laffen, baß bergleicheu Budaticn wirtlich hinweg rott ber Stabt unb aus bem Taube gefebant werbe« follen: fo wirb uns hoch berichtet, baß beme suwiber etliche in ber Stille üch noch Her aufbalten. Bierum befehlen wir biemit nochmals, baß bie obbemelte Bullatie etc. alsbatben ab= unb ausgefchaffet unb h»iefur feinen unapprobirten unb uneraminirlen Spotbefer, Barbier unb Baber 3U ben Stuben sufommen laffet." ') Allerlei Uebervortheilungen des Aerars sollen Kaiser Josef II. zu diesem Schritte bewogen haben. 2 ) Im Jahre 1551 wurden auf die obern acht Spitzen des Stefansthurmes Hirschgeweihe wider das Einschlagen des Blitzstrahles aufgesetzt, weil die Vorfahren bemerkten, dass noch nie ein Hirsch vom Blitz getroffen worden sei. Die Veranlassung zu dieser Vorsichtsmassregel gab der Umstand, dass im Jahre 1449 ein Blitzstrahl den Sefansthurm entzündete, so dass derselbe fast gänzlich abrannte. 462 Das Bierhaus „zur Tabakspfeife“. halt, ja sogar mehrere Male vom Blitz’) getroffen und arg beschädigt wurde, so nahm man die Geweihe während der Reparaturarbeiten von ihrem mehrhundertjährigen Standorte wieder herab, und der Magistratsrath Ignaz Heyss, der eben mit der Aufsicht dieser Reparaturen betraut war, kam auf die abenteuerliche Idee, aus diesen halbvermorschten, sturm verwitterten Hirschhornresten eine grosse Tabakspfeife schnitzen zu lassen, und da er mit dem Vorstande der ehrsamen Ledererzunft gut befreundet war, so machte er demselben diese Pfeife zum Geschenke. Weil aber der Vorstand und die Meister der Zunft allabendlich in obigem Bierhause zu- sammenkainen, so brachte man die Pfeife im Jahre 1810 hieher und stellte sie als Schaustück im Gastzimmer auf. Sie wog 227 Pfund, hatte ein Hauptrohr und 24 kleinere elastische Nebenrohre, aus denen die 24 ältesten Zunftglieder bei ihren fröhlichen Zusammenkünften in corpore zu rauchen pflegten. Noch bis zu Ende der Zwanzigerjahre bildete dieses Raritätenstück eine Zierde des Locales, und die Wiener verehrten es seines hohen Alters wegen gleichsam als kostbares Erinnerungs- oder Wahrzeichen der Stadt. Im Jahre 1830 verschwand diese Reliquie aus dem Locale, und die Wiener mussten sich seitdem mit einer Abbildung begnügen, denn in diesem Jahre kaufte ein bekannter Raritätensammler dieses Unicum von dem damaligen Wirthshauspächter für eine ziemlich grosse Summe in guten Silberzwanzigern an. 8 ) Das Bierhaus behielt wohl bis zum heutigen Tage den Namen „zur grossen Tabakspfeife“ bei, aber sogar die Abbildung verschwand gleich dem Originale von hier, und das Bild, das uns heute aus dem Wirthshausschilde entgegensieht, trägt auch nicht die leiseste Spur einer Aehnlichkeit mit dem einstigen Originale. Es dürfte daher meinen Lesern umso willkommener sein, die wahre Abbildung jener Tabakspfeife kennen zu lernen, deren Genesis ich soeben erzählte. Die Abbildung sub Figur 1G5 zeigt uns den mit seinem kunstvollen Schnitzwerke im bizarren Geschmacke älterer Zeit ausgeführten Pfeifenkopf. So z. B. sehen wir über dem obern Theile der Pfeife eine ') Viele: Fischer’s „Br eins no/a“ 1\ II. Hier heisst es: „An St. Johannes Sunnenabendtag in der 9ten Stund Nachmittag 1C91) ist der Thurm vom wilden Feuer ausgebrennet.“ — Dieselbe Geschichte weiss auch aus dem XVH1 Jahrhundert von zwei andern Fällen zu erzählen, wobei dieser Thurm durch Blitzschlag beschädigt wurde. a ) Vor beiläufig fünfzehn Jahren kam diese interessante Reliquie durch Erbschaft in den Besitz des Herrn Anton de Balasfalva, der eine genaue Zeichnung von dem Originale anfertigen liess. Uebrigens ist noch zu bemerken, dass auf dem Silberbeschlage der Pfeife, und zwar an der rückwärtigen Rohrmiindung, die Legende über das Herkommen und die Widmung der Pfeife eingravirt ist. Charakteristisch ist am Rohre der schön geschnitzte Mädchen- und Männerkopf und bei letzterem die Haare, die durch Laubwerk geschickt angedeutet oder vielmehr ersetzt werden: auch die Kidechse, welche hier zum Haupte des Mannes emporkriecht, ist charakteristisch. Fig. 100. Der Untertheil der Tabakspfeife. Die alte Tabakspfeife aus Hirschhorn. Fig. 105. Mi V TV ■' P'MI] Das Tabakrauchen der Wiener. 463 Eidechse kriechen, auch der Pfeifendeckel ist phantastisch geformt. Die Zeichnung sub Figur 100 im Medaillonform stellt einen Bären im Kampfe mit einer Schlange dar und bildet den Untertheil des Pfeifenkopfes; endlich die Zeichnung sub Figur 107 versinnlicht uns das Pfeifenrohr, und zwar nur den unteren Theil desselben, die Fortsetzung des Rohres sammt den 24 Seitentheilen aber ist hier in der Zeichnung nur beiläufig angedeutet. Das Tabakrauchen gehörte zu Anfang dieses Jahrhunderts bei den Wienern überhaupt zu den seltenen Genüssen, und es gab in der Stadt nur einige wenige Bierhäuser, wo das Rauchen aus Pfeifen geduldet war. Es ist daher nicht uninteressant, einige Bemerkungen über das Tabakrauchen der Wiener aus älterer Zeit hier im Allgemeinen folgen zu lassen. Das Tabakrauchen der Wiener zu Anfang dieses Jahrhunderts. Nicht uninteressant ist die Bemerkung, dass das Tabakrauchen noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts in der bessern Gesellschaft so gut wie verpönt war, ja dass sogar kaiserliche Vorschriften bis in die jüngste Zeit erlassen wurden, welche das Rauchen aus Pfeifen auf offener Strasse strengstens untersagten. Das Tabakrauchen gehörte sonach damals unter die Genüsse des gemeinen Volkes, und wenn sich doch Jemand aus den besseren Kreisen zum Pfeifenrauchen verleiten Iiess, so unterliess er es nicht, wie Zeitgenossen ausführlich erzählen, vorerst Mund und Hände zu waschen und die Kleider zu wechseln, bevor er Abends in wenige Wirths- die Gesellschaft oder in’s Schauspielhaus ging. Nur häuser der inneren Stadt (meist Bierhäuser) gab es, wo man sich dem Genüsse des Pfeifenrauchens ungenirt hingeben konnte. Diese Locale glichen alsdann förmlichen Selchküchen, in denen man fast vor Qualm erstickte. Erst mit der Erfindung der Zigarren kam das reinlichere Zigarrenrauchen zu Anfang der Dreissigerjahre in Wien auf und griff so rasch um sich, dass man schon nach dem Achtundvierzigerjahre keinen Wiener mehr auf der Strasse aus einer Pfeife rauchen sah. Die schönen silberbeschlagenen Meerschaumköpfe mit langen farbigen Quasten, der Stolz und die I'reude ihrer Besitzer, waren mit einem Schlage verschwunden und machten nun der elegantem, handsamern Zigarre für immer Platz. Freilich war der armem Classe mit dieser Zigarrenpreise stiegen so rapid, dass um den Betrag einer ir. Neuerung 107 . Das Rohr zur Tabakspfeife. nur wenig geholfen, denn die n Importirten der vormärzliche Wiener sich recht gut für eine ganze Woche mit Tabak versorgen konnte. ') l ) I£s ist wohl Wenigen bekannt, dass noch zu Anfang des XVIII. Jahrhunderts die Tabakpflanze, ehe sie ein Genussmittel für Raucher wurde, als officineller Heilartikel in den Wiener Apotheken eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Man erzeugte z. B. aus den Blättern ein destillirtes .Tabaköl“, ein sogenanntes „infundirtes Del“, ein .Salz“ aus der Asche der Pflanze, einen „Syrup“, ein „Tabakpflaster“, ja sogar einen sogenannten .Tabakbalsam“, den die Aer/.te als besonders heilkräftig verschrieben. Man nannte dies Kraut in der Wissenschaft „Herba Medicta“ oder „Königskraut“, auch „Nic-itiatia ", weil ein Franzose, der portugiesische Gesandte Jean Nicot, die erste labakpflanze nach Frankreich brachte und in den Gärten der Königin, die dem Hause der Medicis entstammte, einführte. XXXVI. CAPITEL. Grünangergasse. eit den ältesten Zeiten wurde diese Stadtgegend „am grünen 2tlig6P" genannt und deutete sonach auf jene uralte Zeit zurück, wo liier noch grünende Fluren oder Wiesenplätze waren. *) In den Tagen der zweiten Stadterweiterungsperiode, also um die Zeit zwischen 1177 und. 1194, als bereits die neue Stadtmauer sich vom Stock-im-Eisen-Platz in gerader Linie durch die Singerstrasse an der heutigen Blutgasse, Grünanger- und Kumpfgasse („Rmnpfludfn") vorbei bis zur heutigen Seilerstätte hinzog, war die Grünangergasse noch eine Sackgasse und hatte den Eingang nur von der Schulerstrasse aus. 2 ) Ein hochinteressantes Bild aus dem Jahre 1724 sub Figur 168 versinnlicht uns die Physiognomie dieser Gasse von der Singerstrasse aus, also zu einer Zeit, als sich noch links am Eingang in die Grünangergasse die Nicolaier-Kirehe und rechts das einstöckige gräflich Rothal’sche Haus befand, das später in das grosse Bankoamtsgebäude umgewandelt wurde. Soweit uns das Bild einen Einblick in die Griinangergasse gestattet, sehen wir links an die Kirche anschliessend das alte zweistöckige Nicolaier-Klostergebäude mit seinen vergitterten Fenstern, wo noch heute das sogenannte „Nicolaigässchen“ die einzige Erinnerung an das ehemalige Kloster bewahrt. 3 ) *1 Ein Stück Wasen- oder Grasplatz, ein eingefiiedetes Stück Acker- oder Wiesenfeld wurde in altdeutscher Sprache „Anger“ genannt. Vide: Weigand’s altdeutsches Wörterbuch. ’) Vide: meine „Planstudie“ Eigur 1 in der Einleitung. 3 ) Das Bild ist von Salomon Kleiner im Jahre 1724 gezeichnet, 32 Cm. breit und 19 Cm. hoch, zeigt uns die Front der beiden Eckhäuser längs der Singerstrasse am Eingänge in die Grünangergasse, so dass also links die Nicolai - kirche dem heutigen Hause Nr. 836 (neu Grünangergasse 12) und rechts das einstöckige Haus mit dem schönen Erkerthurm dem heutigen Hause Nr. 886 (neu Grünangergasse 9) entspricht. Die Zeichnung fällt in die Zeit von 1723 bis 1724, also noch vor dem Baue der Prälatur, welches sich als schmales, unscheinbares Gebäude mit nur drei Fenstern Front links von der Kirche in der Singerstrasse noch in der alten Gestalt auf unserm Bilde darstellt. Die Kirche selbst war, wie wir sehen, nicht sehr gross, -aber im sogenannten Jesuitenstyle zierlich gebaut, mit zwei Eingangsthüren und sechs hohen Doppelbogenfenstern zwischen äussern Wandpfeilern nach dorischer Ordnung, welch’ letztere die ganze Wandlänge vom Dachgesims bis zur Sohle einnahmen, einem hohen Ziegeldache und einem niedern kupfergedeckten Thurm, in welchem drei Glocken hingen. An Merkwürdigkeiten barg die Kirche ausser der Grabstätte des Jesuiten Claudius Jajus und dem Schlosshauptmann des Kaisers Eeopold 1. zu Ebreichsdorf, NamensAnton Pozzi, auch noch eine Handschrift des heiligen Antonius von Padua und ein*~wunderthätiges Gnadenbild Maria’s, „Heil der Kranken“ genannt, das alljährlich in der Frohnleichnamsoctave in der Kirche aufgestellt und unter besonderer Feierlichkeit verehrt, später aber nach Aufhebung des Klosters (1782) in das Franciscaner- kloster zu Maria-Enzersdorf übertragen wurde, wo es sich noch heute am Hochaltäre befindet. Das Klostergebäude muss umfangreich gewesen sein, weil es nebst der Prälatur und dem Noviziat auch noch eine Capelle, einen geräumigen Kreuzgang, einen Speise- und Krankensaal, 43 Wohnzelten und eine Einsiedelei nebst einem Klostergarten enthielt Ueber dem Eingangsthore in der Griinangergasse war eine Marmortafel angebracht, welche die Schicksale des Convents in lateinischer Sprache enthielt. Die Schicksale dieses Klosters waren sehr wechselvoll, und die ehrwürdigen Klosterräume haben seit ihrem Bestehen, d. i. seit 1228 bis 1782, ihre Bestimmung neunmal gewechselt und dienten zum Aufenthalt dreier Nonnenklöster, zweier Mönchsund eines geistlichen Ritterordens, und waren zweimal einem geistlichen und später einem weiblichen Erziehungsinstitute gewidmet. Jedes dieser Institute hatte seine eigene Geschichte; dieselbe zu erzählen, würde den Raum dieses Werkes weit übersteigen, daher ich in dieser Beziehung blos auf die treffliche Geschichte der „Cistercienserinnen in Wien“ im 13. Band, I. Abtli., 9. B„ der kirchlichen Topographie verweise, wo dies Alles nachgelesen werden kann. Mit 12. Jänner 1782 hob Kaiser Josef II. dieses Kloster vollständig auf und widmete die Bauarea Privatbauten, so dass nun an Stelle der ehemaligen Kirche und des Klosters die Häuser Nr. 883, Nr. 884, Nr. 883 und Nr. 836 zu stehen kanten. An einem dieser Privathäuser und zwar an dem Hause Nr. 885 (neu Singerstrasse 13) wurde zum ewigen Andenken ein Marmorstein mit folgender Inschrift eingegraben: „Anno Domini 1652 ift Mfe Kinnen (ampt 5cm Ipurn von ©runb nett) erparot roorien." $ r Kirche und Kloster der Nicolaierinnen. 465 Sill 1 . jKlH 1 : (MR'wTMHl IM , $» - fifft .11s- t ss; gjfg f ü^ret^iil imsMmuim Sä*S£*J Aft'f'tkf vvJÄ&i- mtF* 1 - y\&*; Igsesk JSM& ItfSHS 59 Fiff. 1GS. Die Kirche und das Kloster der Nicolaierinnen aus den Jahren 1724—1730. 466 Das Hild’sche und Rothall’sche Haus. — Der Neubergerhof. Zu den historisch interessanten Häusern können gerechnet werden: Das Hild’sche, heute Pserhofer’sche Haus mit der Apotheke „zum Reichsapfel“ Nr. 836 (neu Grünangergasse 12 und Singerstrasse 15). Das Haus steht heute auf dem Grunde der ehemaligen Nicolaier-Kirche und bildet eine Ecke in die Singerstrasse. Der Bau wurde erst fünf Jahre nach Aufhebung der Kirche im Jahre 1787 vollendet. Der erste Besitzer war Adalbert Hild, der es im Jahre 1795 seiner Gattin Juliana Hild testamentarisch hinterliess. Im Jahre 1822 kamen die Hild’schen Erben und Josef Langer und später die Hild’schen Erben allein an die Gewähr. Heute ist der Apotheker Ignaz Pserhofer der Eigenthümer des Hauses und zugleich auch der Besitzer der hier bereits zu Anfang der Dreissiger- jahre gegründeten Apotheke „zum Reichsapfel“. Das gräflich Rothall’sche oder Pillioti’sche „Armenleute-Haus“, später k. k. Banko-Amtsgebäude Nr. 886 (neu Grünangergasse 9 oder Singerstrasse 17 und 19) bestand einst aus zwei kleinen Häusern, von denen eines Franz Pillioti, Leibmedicus des Kaisers Leopold I., den Armen zur Wohnung uud Verpflegung widmete, daher es in den Grundbüchern auch als „armer Ceuti> 'haus5' v vorkommt, auch unter der Benennung „im £elbauf; gegen grünen !Hnger hinein". Pillioti war ein Wohlthäter der Armen und stiftete auch für sie in der Alservorstadt gegenüber dem Strudelhof eine Armenapotheke. Sie war in Wien die erste und einzige, in welcher den armen und erwerbsunfähigen oder krüppelhaften Leuten unentgeltlich Arzneien verabreicht wurden. Hofmann, Doctor der Rechte, ein geborner Wiener, bereicherte diese Stiftung im Jahre 1719 und ebenso auch Georg Kirchner im Jahre 1735. Aber nach ihrem Tode ging diese Armenapotheke wieder ein, nur die Pilliotische Stiftung blieb aufrecht und wurde dem damaligen Dreifaltigkeitsspitale und im Jahre 1754 dem mit demselben vereinigten spanischen Spitale auf dem Rennweg zugewendet. Im Jahre 1741 wurden beide Häuser in Eines verbaut und zu einem sogenannten Stadtbanko-Gebäude verwendet und im Jahre 1842 um ein Stockwerk erhöht und durchaus renovirt. Die herrlichen Figuren über den Portaleingängen, sowie die Statuen am Dache sind vorzügliche Arbeiten verschiedener damaliger Künstler; sie sind theils mythologische, theils allegorische Figuren in Ueber- lebensgrösse. Auch die übrigen Wand- und Gesimsverzierungen, besonders die über dem Portal, sind reich und stylvoll gehalten. ‘) Der Neubergerhof Nr. 833 (neu 1) hat seinen Namen von der Karthause zu Neuberg in Steiermark und gehört zu den ältesten Gebäuden der Stadt, denn schon im Jahre 1331 erkauften es Herzog Albrecht und Otto der Fröhliche von Meister Heinrich, dem Pfarrer zu St. Stefan, und schenkten es der Neuberger Karthause. Nach 4 ) Das ehemalige Pillioti’sche Stiftungshaus hatte die Inschrift: it Haec domus, infirmos quae gratis curat egenos Francisci Pillioti a pietate venit; Curabat gratis inopes dum viveret aegros: Quod fecit vivens, mortuus ipse facit.* Nach der Hofmann’schen Stiftung kam zu dieser Inschrift noch hinzu: „Aemttla quem pietas stimulavit et aetnula virtus , Aemula nunc similis fama decora colit; v Nam quod opus coepit PilliotiHojmannus hie auxit: Sic Pillioti domus Author, hic Auctor erat.** 4 Das alte Brodbäckerhaus. 467 Aufhebung dieses Stiftes im Jahre 1790 erkaufte Graf Appony das Haus, aber schon sechs Jahre später ging es durch neuerlichen Kauf an Heinrich Grafen Haugwitz über. Das Gebäude ist reich an historischen Erinnerungen, und einige verdienen der Vergessenheit entrissen zu werden. So wohnte z. B. im Jahre 1805 während der ersten französischen Invasion der französische Marschall Oudinot, ein Günstling Napoleon’s, hier im Hause. Ihm war die Geschäftsleitung sämmtlicher Verwaltungskörper anvertraut. Von hier aus begab er sich täglich nach Hietzing zu Napojeon, zum Prinzen Murad in s herzoglich Albrecht’sche Palais auf der Bastei und zu General Hulin in s Fürst-Lobkowitz’sche Palais. Von hier aus wurde auch das grosse Manifest vom 15. November 1805 den Wienern bekanntgegeben, nach welchem Oesterreich unter französische Verwaltung kam, General Clark zum General-Gouverneur und Daru zum General-Intendanten ernannt wurde. Somit war Wien vollkommen in feindlicher Gewalt, und die französische Renierunn machte auch von dieser Uebermacht den ausgiebigsten Gebrauch. So z. B. verlangte Napoleon schon am 10. December von den Ständen unter Androhung der sofortigen Aufhebung aller inländischen Behörden eine Geldrequisition von 32 Millionen Francs, und da sich in den Cassen nur 2 Millionen vorfanden, so nahm er diese Summe einstweilen als Abschlagszahlung seiner Forderung in Empfang. Endlich wurde von hier aus am 28. December der Pressburger Friedensschluss den Wienern verkündet. Schliesslich sei noch erwähnt, dass Erzherzog Ludwig im Jahre 1800 eine Zeit lang dieses Haus bewohnte und daselbst wie ein Privatmann, von allen Staatsgeschäften zurückgezogen, lebte. Im Jahre 1847 wurde dieses Haus um ein Stockwerk erhöht und durchaus restaurirt. Gegenwärtig ist Johann Müller Eigenthiimer des Hauses. Das alte Brodbäckerhaus Nr. 841 (neu 8). Dieses Haus nimmt in der Geschichte der Wiener Brodbäckerkunst unzweifelhaft die wichtigste Stelle ein, es ist gleichsam die Wurzel jener Pflanzschule, von der aus die Kunst des feinen Brodgebäckes sich über die meisten Hauptstädte Europas erstreckte. Seit 15. März 1585 wird das Bäckergewerbe in diesem Hause betrieben. Damals wurde es von (£at(>rei?U 2Uf)tT$ter Wittib betrieben, dann aber ununterbrochen fort von einer Reihe von zwölf Meistern bis zum Jahre 1639 und von dieser Zeit an von den Ahnen der gegenwärtigen Hausbesitzer. Bemerkenswerth ist auch, dass jenen Eigenthümern des Hauses und dieses Gewerbes die verschiedensten Gnadenprivilegien von den Regenten ertheilt wurden, und dass Wilhelm Goldhann, der jetzige Hausbesitzer, sämmtliche diesbezüglichen Urkunden und kaiserlichen Gnadenbriefe mit pietätvoller Sorglichkeit wie ein Palladium als Familienschatz noch heute verwahrt. *) ’) Unter den mannigfachen vergilbten Familienschriften, in welchen sich die alten Biickertraditionen forterbten, befinden sich noch insbesondere: eine Urkunde von Leopold I. unterm 27. September 1697; eine andere von Kaiser Josef I. vom 9. November 1705; von Carl VI. vom 17. Jänner 1713 und von der Kaiserin Maria Theresia vom 6. Februar 1745, aus denen allen ersichtlich ist, dass wirklich die eigentliche Kunst der feinen Brodsortenerzeugung von hier aus auf Frankreich, England, Neapel und die meisten europäischen Hauptstädte und in neuester Zeit durch den jetzigen Meister Leopold Wimmer (Sohn eines denkwürdigen genialen Vaters) auch auf Schweden übergegangen sei. Unter anderm soll auch die Gestalt jener Brodgattung, welche man „Kipfel“ nennt (auswärts auch Hörndl, Hörnchen), von einem Bäckermeister des obigen Hauses hervorgegangen sein. Zur Zeit der zweiten Türkenbelagerung nämlich war Peter Wendler, kaiserlicher Stadtgerichtsbeisitzer (vide: „Mittheilungen des Alterthumsvereines, Band II, 2. Absatz, Seite CIV), und dessen Ehefrau Eva auf diesem Gewerbe sesshaft; beide sollen den patriotisch humoristischen Einfall gehabt haben, diesem Gebäck dem moslemitischen Halbmonde zum Trutz und Hohn die Form desselben zu geben. Dieser thatsächliche Ursprung einer in der ganzen Welt verbreiteten Brodgattung konnte zwar bisher durch keine Urkunde beglaubigt werden, auch erhoben sich entgegengesetzte gelehrte Stimmen, unter andern auch eine, dass diese Brode schon viel früher in Wien bekannt gewesen seien, doch hat die erstere Auslegung jedenfalls eine grössere Wahrscheinlichkeit für sich als die entgegengesetzte, die gleichfalls durch nichts beurkundet ist. Nach den Grundbüchern waren folgende Besitzer an der Gewähr: 1684 Kremer’s Erben, 1700 Johann Conrad Cremmer, JUQftrl. ■feoff'flleöicus, 1778 Kilian Rappel, 1787 Katharina Rappel, 1822 Franz und Josef Goldhann, 1828 Maria Anna Goldhann, später die Goldhann’schen Erben und gegenwärtig Wilhelm Goldhann. 59 * 4 XXXVII. CAPITEL. Herrengasse. icht mit Unrecht nennt man diese Strasse „Herrengasse“, denn sie ist in Wahrheit die Strasse der vornehmsten Herren des Adels, und fast ein halbes Jahrtausend waren hier die alten Adelsgeschlechter sesshaft. Noch heute erheben sich hier die stolzen fürstlichen Paläste der Liechtensteine, Clary, Trauttmansdorff, Kinsky, der Grafen Wilczek, Herberstein, Traun, Stadion und Batthyany, der bereits ausgestorbenen Puchheim, Rosenberg, Oettinger, Kufsteiner undMollards gar nicht zu gedenken, und noch heute trägt dieses ganze Stadtviertel jenen vornehm ruhigen Charakter zur Schau, der noch überdies durch seine grandiosen Bauten, durch die Abgeschiedenheit des Ortes und durch den gänzlichen Mangel an Kaufmannsläden und Gewölben in seiner vornehmen Ruhe nur noch mehr gehoben wird. Und in der That, wenn wir heute die Wallnerstrasse, die Löwel-, Schotten-, Bank- und Schauflergasse durchschreiten, so überkommt uns unwillkürlich ein Gefühl von Ernst, eine Art feierlicher Stimmung und sabbathliche Ruhe w 7 eht uns aus jedem einzelnen Winkel dieser friedlichen Geburtsstätte unseres hohen Adels entgegen. Nur der obere Theil der Herrengasse gegen den Michaelerplatz zu macht hievon eine empfindliche Ausnahme, denn seit den letzten zwanzig Jahren haben sich Kaufmannsläden aller Art hier niedergelassen und dem adeligen Aussehen der Gasse geschadet. Aber in einer Zeit, wo das gesellschaftliche und sociale Leben einen so gewaltigen Umschwung genommen, wo die Aristokratie, von den modernen Principien angekränkelt, selbst unter die Gewerbetreibenden und Gründer gegangen ist und nebst den Ahnen auch noch E'abriken zählt, wo sogar zu der alten Adelsaristokratie eine neue gefährliche Rivalin, die „Geldaristokratie“, hinzutrat, darf uns diese Physiognomieveränderung wohl nicht sehr in Erstaunen setzen. Urkundlich kommt diese Strasse seit 1175 bis beiläufig 1500 unter dem Namen ftrafee vor, und schon die Römer nannten sie ihrer Lage wegen „strata alta später, als die Landesherren hier ihr Landständehaus erbauten (1513) und sich auch hier bleibend niederliessen, wurde die Gasse in den Grundbüchern „Herrengasse“ benannt. Unter den althistorischen Häusern nimmt daher das alte Landständehaus die wichtigste Stelle ein. Die Landstände und das Landständehaus in Wien Nr. 30 (neu 13). Zwar bedienten sich schon die Babenberger-Herzoge bei ihren Sitzungen auf den von ihnen zu Klosterneuburg, Tulln und Mautern abgehaltenen Gerichtstagen (Saiblingen) in besonders wichtigen Fällen des Beirathes des Adels, der Ministeriellen und Ritter; besonders der Adel und die Geistlichkeit gewannen bei der Regierung einen immer grossem Einfluss, und am Schlüsse des XII. Jahrhunderts sehen wir bereits diese beiden Classen als politische Körperschaften auftreten: aber erst nach demTode Friedrichs des Streitbaren, des letzten Babenbergers, als zu Wien und zu Triebensee die geistlichen Herrn, Grafen, Edlen, Ministeriellen und Ritter zusammenkamen, um in einer öffentlichen Versammlung einen neuen Landesherrn zu wählen, traten Ritter, Adel und Geistliche zum ersten Male als wirkliche Vertreter des Landes auf und wurden von den Uebrigen 9 I Das alte Landständehaus. 469 als sogenannte „Landesvertreter“ anerkannt. Seit dieser Zeit finden wir die Landstände als drei grosse selbstständige Stände immer geschlossener hervortreten, und unter Albrecht I. tritt zu den drei Ständen (Ritter, Adel und Geistlichkeit) noch ein vierter Stand, die Städte, hinzu. Die Landstände wurden auch von den Regenten durch mancherlei Privilegien begünstigt, daher ihr Einfluss als Körperschaft immer mehr und mehr zunahm. Aber je mächtiger und einflussreicher sie sich fühlten, desto mehr nahm nicht selten ihre Anmassung und ihr Widerstand, letzterer selbst gegen den Landesfürsten, zu, so dass er nicht selten den Charakter einer förmlichen Verschwörung annahm. Die Fürsten hielten daher die Landtage in strenger Aufsicht, und es erklärt sich auch, warum die Landstände im XIV. und XV. Jahrhundert ihre Versammlungen am liebsten in kleinen entlegenen Orten auf dem Lande und auch in Wien in verschiedenen Localen abhielten, um dem Auge des Landesfürsten zu entgehen. *) Als nun zu Anfang des XVI. Jahrhunderts die Landstände' eine immer zahlreichere Corporation bildeten, fühlten sie das dringende Bedürfnis nach einem geräumigen, stabilen Ständehaus. Sie wollten ein solches inmitten der Stadt, womöglich nahe dem Adel. Die Wahl fiel auf das Freihaus der Gebrüder Erasmus, Wolfgang und Bernhard Liechtenstein. Dasselbe lag am Minoritenfreythof und an dem Klostergarten der Minoriten, wurde im Jahre 1513 unter Landmarschall Wilhelm von Puchhaim angekauft und bald darauf der Bau in Angriff genommen. Das Landhaus hatte damals seine Front gegen den heutigen Minoritenplatz und bildete ein langgezogenes Viereck mit zwei Seitenflügeln; der linke reichte bis in die Herrengasse, der rechte aber (halb so lang) nur bis zur Hälfte des gegenüberliegenden Tractes. Das Landständehaus muss übrigens schon vor 1529 ein mächtiges Gebäude gewesen sein, weil Cuspinian von ihm sagt, dass es prachtvoll, unter den vielen schönen Häusern Wiens vor allen eines Königs würdig und das erste nach der BurJ gewesen sei. Der Bau ging nur langsam und stück- Dl) DT; fc£. .= fiW . -i~ —- —. • il l or Meiern befreiten fanhbaug hie IPöbr 3u bluffen ober balgen nnh 3uefcblagen, noch 3U rumoren; welche aber frerentlicb hamiher banheln, haß hiefelben an £eib unh Leben nach Ungnaben beflraffet werben follen. Ttcturn |57| Jahr JO. _ 'feornung." Auf den Friedensbruch war das Abhauen der freventlichen Hand gesetzt, eine wohl fürchterliche, aber für die damalige sturmbewegte Zeit nothwendige Sühne. Endlich die Gitterthür des rechten Tractes mit dem Glockenzug diente in letzterer Zeit zum Eingänge der hier wohnenden Verordneten. Jener Quertract aber, welcher den rechten kurzen Flügel mit dem linken ausgebauten, zweistöckigen hier im Bilde verbindet, ist an dem hohen Blechthurm und seiner Thurmuhr zu erkennen; er nimmt die ganze Front gegen den Minoritenplatz «in, und es ist derselbe einzige alte Bau, der Vins auch beim neuen in voller Schönheit erhalten (blieb. Er umfasst in seiner ganzen Länge den grossen Ständesaal, und es ist die Bemerkung nicht uninteressant, dass die Stände schon im Jahre 1551 den schriftlichen Beschluss fassten, diesen Saal mit einer gewölbten Decke versehen zu lassen. Erst 161 Jahre später wurde dieser Wunsch ins Werk gesetzt. Als man nämlich im Jahre 1710 diesen Saal renovirte, wurde derselbe eingewölbt und die Decke nach Angabe des Grafen Comozzo (der ständische Provinzialcodex enthält eine genaue Instruction dieses Herrn für den Maler in lateinischer Sprache mit zahlreichen Citaten aus der heiligen Schrift) von dem Theateringenieur Antonio Beduzzi mit Fresken bekleidet, wofür die Landstände demselben 2400 Gulden entrichteten. Die Mitte des Gewölbes enthält eine allegorische Darstellung der Austria, welche, vor der Vorsehung knieend, den Markgrafenhut empfängt. Den übrigen Raum der Deckenwölbung nehmen Genien mit österreichischen Fürsteninsignien ein. An den vier Ecken sind die vier Welttheill und an den acht Pfeilern in sinnreicher Weise die acht Hauptflüsse def österreichisch-spanischen Lande angebracht. An der Decke selbst sehen wir symbolisch die „Ehre“ und den „Ruf“ dargestellt und mit folgender lateinischer Inschrift versehen: ,, Imperium sine fine dedf, Nec metam rerum nec tempora pono.“ Die leuchtende Farbenpracht dieser Fresken hebt sich von der dunkeln Marmorbekleidung der Wände auf das Effectvollste ab, nur dürfte damals, vor dem Netibau nämlich, die Beleuchtung eine günstigere gewesen sein, wo sich auf beiden » I Erbauung des neuen ’Landständehauses. 471 9 Schon im Jahre 1827 war das Bedürfnis zur Erweiterung der Räume des Ständehauses fühlbar geworden, und es wurde vom Ständecollegium diesbezüglich ein Antrag zum Umbau gestellt. Erst im Jahre 1834 begann die Demolirung des im Gitterhofe gelegenen Tractes, und 1837 nahmen die Erdaushebungen ihren Anfang, wobei mehrere Münzen zu Tage gefördert wurden. 1 ) Erst im Jahre 1844 wurde durch den Architekten F. Ludwig Pichl der neue Prachtpalast vollendet, von Langseiten des Saales Fenster befanden, während dies gegenwärtig nur noch gegen den Minoritenplatz der Fall ist. Endlich bemerken wir am äussersten linken Ende des Bildes das etwas niedrige, einstöckige Haus des Grafen Roggendorf (heute Regierungsgebäude). Hier befand sich das schmale, nur für eine Person passirbare Gässchen, „der Zwinger“ genannt, welches das Roggendorf’sche Haus von diesem Tracte des Landhauses trennte. Es bestand bis 1699 und wurde hierauf geschlossen und später ganz verbaut. Erst mit dem Neubau des Ständehauses (1838) entstanden hier zwei neue Gassen, die eine rechts, Landhausgasse und die andere links, Regierungsgasse genannt. Endlich hat sich beim Neubau ausser dem grossen Saale auch jener Thorweg mit dem schönen Bogengewölbe unterhalb dieses Saales noch bis heute erhalten. Er wurde zu einer Capelle umgestaltet und der Estrich musste um zwei Schuh tiefer abgegraben werden, um dem Saale eine entsprechende Höhe zu verleihen. Die in der Capelle befindlichen schönen Glasgemälde des Altars sind neu; beachtenswerth aber in der anstossenden Sacristei die an der Wand noch heute bestehenden uralten zwei Reiterbilder. Sie stellen zwei Ritter zu Pferde dar, mit dem Markgrafenhut auf dem Kopfe, der eine den alten österreichiechen Schild (mit dem Querbalken), der andere das rudolfinische Wappen (mit den fünf Adlern) tragend. Die Figuren reiten gegeneinander und reichen sich die Hände. Es ist dies ein Erinnerungsdenkmal an die so sehnlich herbeigewünschte Einigung der katholischen und lutherischen Landstände durch die Religionsfreiheit, mit welcher Maximilian II. die Stände 1571 beschenkte, für welche Erlaubnis diese dem Kaiser eine Summe von 990.000 Gulden zur Verfügung stellten. Die beiden Landeswappen galten 'damals als Parteizeichen der beiden entgegengesetzten Bekenntnisse. Diese beiden herrlichen Steinbilder aber befanden sich seit 1571 im Frontispiz des Hauptportales, welches, mit Säulen aus Salzburger Marmor reich geziert, mit einem vorragenden Kupferdache gedeckt war und den Aufgang zum Rathssaale bildete. Beim Umbau in das neue Ständehaus aber wurde das Portal sammt dem Steinbilde wieder entfernt und letzteres mit grösster Sorgfalt von der Wand abgelöst und in die obige Sacristei übertragen, wo es sich noch heute befindet. — Die Vorhalle selbst und die Rathsstube sind beim Neubau erhalten geblieben. Besonders das mit Fresken bedeckte Gewölbe der Vorhalle ist für uns von hohem culturhistorischen Interesse. Das Deckengewölbe zerfallt nämlich gleichsam in zwei Hälften, welche wieder in mehrere Felder getheilt sind und Sinnbilder enthalten, die jene tiefe Spaltung der Stände, ihren unversöhnlichen Hass durch Glaubensverschiedenheit andeuten. So sehen wir an der einen Hälfte des Gewölbes (gegen die Rathsstube zu) symbolische Gestalten, die auf die Blüthe des Landes unter katholischer Religion anzuspielen scheinen, z. B. ein Christuskind, Weinlauben, Blumen, Früchte etc., an der entgegengesetzten Hälfte aber den vermeintlichen Verfall des Landes und der Sitte, so z. B. Cypressen mit Menschenköpfen auf den Wipfeln, hindeutend auf die blutigen Menschenopfer, welche die Religionskriege schon gekostet, einen entfalteten Pfau als Sinnbild des Hochmuths und der Ueberschätzung; Schweinsköpfe mit Rosenkränzen über den Rüsseln, welche gegen ein umstrahltes Kind (zwei Laternen in den Händen haltend) gerichtet sind; das strahlenbeglänzte Kind ist die christliche Religion, die nach allen Seiten Licht verbreitet, und die Schweinsköpfe sind die widerspenstigen Protestanten, die unter dem Deckmantel der Frömmigkeit thierischen Lüsten fröhnen. — Im linken Tracte des alten Baues neben der Prälatenstube bestand eine Capelle; sie wurde 1659 errichtet und 1759 neu hergestellt. Auch im Erdgeschoss desselben Tractes befand sich eine lutherische Betstube; sie wurde nach dem siegreichen Vordringen der österreichischen Waffen am weissen Berge und nach der Vertreibung der Protestanten unter Ferdinand II. wieder gesperrt und zu einer katholischen Capelle umgestaltet und bestand bis zum Baue der neuen, im Jahre 1659 im ersten Stockwerke errichteten Capelle. Im ebenerdigen Locale aber wurde das ,,Kütbl£olh’0tl H?iIC3Cf zu einer Herrschaft erhob und ihnen den Titel: „Pan3erf>erreU t»0tl ©utteulatlb Utlb verlieh. Weniger bekannt aber dürfte es sein, dass Kaiser Josef I. im Jahre 1709 die Wilczek in den ungarischen und Carl VI. 1714 in den deutschen Adel und erblichen Grafenstand erhob, und dass dieses Geschlecht mütterlicherseits von dem hochverdienten Obersten Saint-Hilaire, einem lothringischen Grafen, stammt, der mit den Dampierre’schen Panzerreitern(Hardegg-Cürassieren) den hartbedrängten Kaiser Ferdinand II. aus den Händen der protestantischen Rebellen errettete. St. Hilaire erhielt aus Dankbarkeit vom Kaiser die Auszeichnung, den gekrönten Doppeladler im goldenen Felde im Schilde führen zu dürfen, welches ehrenden Abzeichens sich bisher die Nachkommen Wilczek’s in ihrem gräflichen Wappen bedienten. Diesem uralten, um Staat und Regentenhaus hochverdienten Geschlechte sind zahlreiche berühmte Nachkommen entsprossen. ‘) Strasse Nr. 273 (neu 30) und erstreckt sich der Länge nach durch die ganze Waisenhausgasse (einstens Carlsgasse genannt) über den Strudelhof und der Breite nach bis zur Liechtensteinstrasse (ehemals Langegasse). Es umgibt ihn ringsum ein hohes Eisengitter, welches den Vorübergehenden die freie Ansicht der grossartigen, überaus reizenden Anlagen gestattet und jeden Naturfreund nach näherer Beschauung lüstern macht; im Mittelpunkte des Parkes erhebt sich das zierliche, im Jahre 1834 erbaute Gartenpalais, welches gegenwärtig vom Fürsten Khevenhüller bewohnt wird. Dieses Besitzthum ist ein Majoratshaus, das an die Stelle des uralten vorigen Majoratshauses (heute das Staatsgebäude) in der Herrengasse Nr. 27 (neu 7) trat. Bemerkt sei noch, dass dem Di e tri chstein’schen Garten jener des ehemaligen Gasthauses „zum goldenen Engel“ zum Opfer fiel, welches einst den schönsten Gartensalon Wiens besass und gegenwärtig in die fürstliche Wagenremise verbaut ist, ‘) In der Kriegsgeschichte begegnen wir einem Heinrich Wilhelm Grafen von Wilczek. Derselbe war im Jahre 1663 geboren, brachte es bis zum Feldmarschall, war unter Kaiser Josef 1. Hofkriegsrath und wurde vom Kaiser Carl VI. als Gesandter an den Höfen von Moskau, Berlin und Stockholm verwendet, kam 1729 als Botschafter nach Polen, wo er zu Breslau am 19. März 1739 im 74. Lebensjahre starb. — Nicht minder ausgezeichnet war sein Sohn Josef Maria Graf von Wilczek; er war 1700 geboren, widmete sich der juridischen Wissenschaft und den Staatsgeschäften, war k. k. geheimer Rath, brachte es zur Würde eines Reichshofrathes und starb zu Wien den 1. März 1777. — Josef August von Wilczek war Feldmarschall-Lieutenant und seit 1778 Flügeladjutant Kaiser Josefs II.; er starb im obigen Hause am 14. Juli 1828; dessen Sohn Friedrich, am 17. Juli 1790 zu Prag geboren, widmete sich dem Staatsdienste und brachte es schon im Jahre 1822 zum Hofrath des Finanzministeriums und im Jahre 1840 zum Präsidenten des General - Rechnungsdirectoriums, im Jahre 1836 wurde er zum Ehrenmitgliede der Akademie der bildenden Künste ernannt und erhielt im selben Jahre das Ritterkreuz des eisernen Kronenordens erster Classe; derselbe war mit der Gräfin Francisca Chorinsky von Ledske vermählt und erfreute sich einer zahlreichen Nachkommenschaft, die den Fortbestand dieses edeln Geschlechtes sichert. Endlich sei noch Franz Johann Graf von Wilczek erwähnt; er war am 4. October 1748 geboren, machte die Carriere eines niederösterreichischen Landrathes, vergrüsserte seine Besitzungen durch die Ankäufe der Herrschaften Gänserndorf, Hannannsdorf und Tresdorf in Niederösterreich und starb am 27. September 1834. — Diesem edlen Geschlechte entspross auch Johann Graf Wilczek; am 7. December 1837 in obigem Hause geboren, ein Freund antiquarischer und archivarischer Studien, selbst Besitzer einer ausgezeichneten Waffen- und Münzensammlung, ein Kenner und Verehrer der Künste. Ihm 60 t 474 Die Palais der Prinzessin von Modena und des Fürsten Clary. — Das Statthaltereigebäude. Das Palais der Erzherzogin Beatrix von Modena, später Censurhofstelle, Nr. 27 (neu 7). Im Jahre 1690 standen hier zwei Häuser, die dem Wiener Bürger Hans Halberstock gehörten und zwei Jahre später von ihm an Ferdinand Fürsten von Dietrichstein verkauft wurden, sodann aber bis zum Jahre 1810 bei dieser Familie verblieben, hierauf aber von Beatrix Herzogin von Modena angekauft und noch im selben Jahre in der heutigen Gestalt in Eines umgebaut wurden. Nach ihrem im Jahre 1829 erfolgten Tode bewohnte Prinz Wasa zehn Jahre hindurch dieses Gebäude, bis es im Jahre 1839 vom Staate angekauft wurde. * *) Das Palais des Fürsten Clary Nr. 28 (neu 9) ist schon aus dem Grunde historisch merkwürdig, weil hier einst die reichen Fünfkirchner sassen; es war dies ein so altes und mächtiges Bürgergeschlecht, dass wir in der Geschichte der Stadt kaum eine Familie finden, die, zugleich mit der Ritterwürde geschmückt, an Alter und Reichthum mit dieser verglichen werden konnte. Nach den Fünfkirchnern finden wir die Freiherren von Mollard im Besitze dieses Hauses, von denen Ernst von Mollard zu St. Ulrich das Kapuzinerkloster stiftete und auch dem Hause jene heutige Gestalt verlieh, die sich durch Solidität und Alterthüm- lichkeit auszeichnet. Seit dem Jahre 1770 besass es schon Wenzel Fürst Clary-Aldringen, bei dessen Familie es bis heute verblieb. a ) Die ehemalige niederländische Kanzlei, jetzige niederösterreichische Statthalterei Nr. 29 (neu 11). Dieses Haus war einst (1532 bis 1620) das Besitzthum der berühmten Roggendorfer; 5 ) späterwar es ein Majoratshaus der fürstlich Trautson’schen Familie. Nach dem Erlöschen dieses Fürstenstammes kam es im Jahre 1774 in den Besitz des Aerars. Zuerst wurde es für die „me&erlän&ifäe verdankt die Nordpol-Expedition die ersten und wichtigsten Impulse und auch später, als sie ins Leben trat, die Führung des Ganzen. Im Sommer 1872 verliess die Nordpol-Expedition Bremerhaven und Graf Wilczek betheiligte sich dabei, indem er mit dem Geologen Hoeferauf Isbjörn bis Süd-Spitzbergen, Novaja-Semlja und den Varents Inseln vordrang und dort ein grosses Depöt für die weitersegelnde Expedition errichtete. Seine Popularität reicht weit über die Grenzen unseres Vaterlandes. *) Die Regierung benützte dieses weitläufige, aus zwei Tracten und mehreren Höfen bestehende Gebäude zuerst für die k. k. Polizei- und Censurhofstelle und gegenwärtig für das k. k. Landesvertheidigungsministerium. *) Der Name Clary-Aldringen wurde von Hieronymus Clary begründet, der, als Generalmajor in den Grafenstand erhoben, sich mit Anna, Schwester des berühmten kaiserlichen Feldmarschalls Aldringen, der alleinigen Erbin seines grossen Vermögens, vermählte und so das Ansehen des Clary'sehen Hauses befestigte und im Jahre 1635 die Erlaubnis erhielt, seinem Namen auch den Geschlechtsnamen Aldringen beifügen zu dürfen. Der Bedeutendste dieser Familie war der bereits oben benannte Wenzel Clary-Aldringen; er wurde von Maria Theresia zum Obersthof- und Landjägermeister ernannt und am 2. Februar 1767 in den Reichsfürstenstand erhoben; er starb hier im Hause am 21. Juni 1788 im 82. Lebensjahre, mit Ehren und Würden reichgeschmückt. Sein Sohn Johann Nepomuk war General-Hofbaudirector, und sein Enkel Fürst Carl Clary von Aldringen (Sohn des Obengenannten) besass hier eine der auserlesensten Privatbibliotheken Wiens und eine der reichsten Sammlungen von Kupferstichen und Handzeichnungen. Er starb am 31. März 1831 daselbst, und ihm folgte im Majorat und in der Fürstenwürde Edmund Clary-Aldringen. ■— Nach den Acten des Hofkammerarchives mussten die Jesuiten hier im Hause, das ihnen die Freiherren von Mollard um 6000 Gulden verpfändeten, ein Seminarium besessen haben, welches sie im Jahre 1611 (nach Auslösung des Hauses durch Vincenz Freiherrn von Wuschinger) auf den Hof übertrugen, wie hiervon bereits im I. Capitel Erwähnung geschah. *) Die Roggendorfer waren ein hochangesehenes altes Rittergeschlecht, von denen sich mehrere durch ihre Heldenthaten ewigen Ruhm erwarben, so z. B. Wilhelm Freiherr von Roggendorf, Freund und Schwager des berühmten Niclas Grafen Salm. Als nämlich während der ersten Türkenbelagerung 1529 am 11. October die Türken nach mehrfachen fruchtlosen Versuchen einen dreimaligen Sturm an einer neugesprengten Stelle der Kärntnerthormauer wagten, wurden sie von dem tapfern Wilhelm Roggendorf und Eck von Reischach so muthig zurückgeschlagen, dass 1200 Türken dabei umkamen. Er nannte sich Herr auf Hernals und war königlicher Rath, Kämmerer und Feldmarschall. — Auch ein Wolfgang von Roggendorf that sich damals hervor, indem er eine Abtheilung einer sogenannten „fßTOlWtC^" muthvoll befehligte. Das Nationalbankgebäude. — Das Batthyany’sche und das Trauttmannsdorff’sche Calais. 4?5 Äaitjelei" bestimmt und zu diesem Zwecke von Grund aus ganz neu erbaut, später, als sich die Niederlande im Jahre 1797 vom Reiche losrissen und mit Holland vereinigten, wieder aufgehoben und die Kanzlei der neuen venetianischen und polnischen Ländertheile hierher versetzt. Im Jahre 1806 hiess es k. k. italienische Hofkanzlei und nach dem Verluste Italiens k. k. Dicasterial- gebäude. In den Jahren 1845 bis 1847 wurde das alte Haus von Grund aus niedergerissen und in schönem modernem Style neu erbaut und zum Sitze der k. k. niederösterreichischen Landesregierung und gegenwärtig der niederösterreichischen Statthalterei erhoben. Bei dem Umbau wurden Reste der alten Stadtmauern und alte Münzen aufgefundA. ’) Das k. k. priv. Nationallbankgebäude Nr. 32 (neu 17) wurde in den Jahren 1820 bis 1822 aus drei kleineren Häusern in der heutigen Gestalt zusammengebaut. Es wurde vom Architekten Ritter von Moreau entworfen, vom Architekten Rafael von Ringel ausgeführt und im Jahre 1823 vollendet. Die noch gegenwärtig bestehenden schönen und stylvollen Ornamente stammen von dem verdienstvollen Hofbildhauer La Vigne und die Gruppe ober dem Eingänge in die Schenkenstrasse von Professor J. Klieber her. In neuester Zeit erhielt dies grosse weitläufige Gebäude, ln welchem auch alle Maschinen untergebracht sind, einen Zubau gegen den Minoritenplatz, der sich durch reiche decorative Ausschmückungen vortheilhaft ♦auszeichnet. t Das fürstlich Batthyany’sche Fideicommiss, Häusercomplex Nr. 55, 56, 57, 58 und 59 (neu 19). Dieser fürstliche Besitz besteht aus einer Reihe von fünf Häusern, die nach der letzten Numerirung die Conscriptionsnummern 55, 56, 57, 58 und 59 erhielten. Jenes Haus mit Nr. 59 war ursprünglich das „Altendorfische Stiftshaus“, und noch im Jahre 1626 gehörte es dem Grafen Helmhard Jörger, Besitzer von Hernals, welcher wegen der protestantischen Umtriebe geächtet wurde, später gelangte es in die Hände des Grafen Wolf Andre von Ursini und Rosenberg, welcher es im Jahre 1730 an die Familie Batthyany verkaufte. Es war ein Eckhaus in die Herrengasse und vordere Schenkenstrasse, jetzt Bankgasse genannt, und kommt schon im Jahre 1700, also noch vor seinem Umbau, laut Grundbuch als Schenk- und Gasthaus „zur grünen Weintraube“ vor. Dieser Bestimmung ist das Gebäude treu geblieben, denn noch gegenwärtig werden diese Räume vom „Hotel Klomser“ in Anspruch genommen. Die übrigen Häuser Nr. 55, 56 und 57, welche Zubauten bilden, wurden im Jahre 1723 durch ein Privilegium Carls VI. für ständisch frei erklärt. 2 ) Das Fürst TrauttmannsdorfTsche Majoratshaus Nr. 60 (neu 21) wurde bereits im Jahre 1639 von Maximilian Grafen von Trauttmannsdorff zum Fideicommiss erhoben. Es ist historisch merkwürdig, weil der so sehr gefürchtete protestantische Rebell, Frei- *) Die bei Gelegenheit des Umbaues im Jahre 1846 zu Tage geförderten alten Stadtmauerreste müssen offenbar aus der Zeit der dritten Stadterweiterungsperiode vom Jahre 1220 bis 1221 datiren, denn damals erweiterte sich der Stadtrayon eben vom Heidenschuss weiter südlich herab längs der Strauchgasse (im „oSlltbCl" genannt) bis zur Herrengasse und von da an längs der Herrengasse geraden Wegs über den heutigen Michaelerplatz, die beiden Bräunerstrassen, Dorotheerund Spiegelgasse durchschneidend, über den Neuenmarkt längs der Himmelpfortgasse bis zur Seilerstätte, wo sie ihre gerade Richtung senkrecht aufwärts bis zum Auwinkel nahm. Vide meine Planstudie in der Einleitung. — Auch die aufgefundenen alten Münzen waren hochinteressant, und Näheres hierüber findet sich in Schmidl’s „Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst“ aus dem Jahrgange 1847, Seite 938 vor. — Durch den neu ausgefiihrten Hausbau wurde eine neue Quergasse gebildet, welche die Herrengasse mit dem Minoritenplatz verbindet und Regierungsgasse genannt wird. ’) Es ist nicht uninteressant, dass ein Theil des Umbaues dieser Häuser im Jahre 1720 durch Eleonora Gräfin Batthyany, geborne Strattmann, vor sich ging, und dass niemand Geringerer als Fischer von Erlach senior es war, der den Bau vollführte. 60 * Das ehemalige gräflich Daun’sche Palais. IMM1 ■ÄS?, 5®*~t *5*&pe l km 13 S ( giiSigS savJ l«j[i nt* im ii. igilllllH 1 P^l«. i»£. I[$S V Das gräflich Traun’sche Palais. i ß xVr*!-« m m r 478 Das ehemalige k. k. Appellations- und W'echselgericht. — Das gräflich Daun’sche Palais. I herr von Jörg im Jahre 1620 hier sesshaft war, der durch seine Theilnahme an dem Aufstande der protestantischen Stände dieses Besitzthum verwirkte, indem es Kaiser Ferdinand II. einzog und sammt einem‘Gärtchen im Jahre 1627 an das Stift Kremsmünster verschenkte. ') Im Jahre 1639 kaufte es Maximilian Graf Trauttmannsdorff an sich, worauf es bis heute im Besitze dieser fürstlichen Familie verblieb. Das ehemalige k. k. Appellations- und Wechselgericht Nr. 61 (neu 23) ist insoferne geschichtlich merkwürdig, als noch zu Ende des XVII. Jahrhunderts hier die berühmten Fürsten von Portia sesshaft waren. ’) Im Jahre 1750 kaufte der Hof dieses Gebäude an sich,» und drei Jahre später erbaute es Maria Theresia in seiner neuen heutigen Gestalt und widmete es der niederösterreichischen Landesregierung. Eine Inschrift im Hofrairtne erinnert an diese Gründung, sie lautet: Franciscus et Maria Theresia Justitiar Custodes et Vindices hanc Themidis Sedem P. C. A. O. R. MDCCLIII. t i 1 * * , i Noch im Jahre 1784 kommt dies Gebäude unter dem Namen „Niederösterreichische Regierung“ vor. Als aber Kaiser Josef II. die Geschäfte der Regierung von den Gerichtsgeschäften (1784) trennte, wurde das Amt für die erstem in die aufgehobenen Minoritenklosterräume versetzt, doch das für die Landrechte blieb im Hause, auch wurde hier das Appellationsgericht untergebracht. s ) n Der gräflich Daun’sche Palast Nr. 62 (neu Freiung 4). Ueber denselben wurde zwar schon bei Gelegenheit der Besprechung derFreiung abgehandelt, da es sich aber mehr um das architektonische und decorative Detail handelt, welches damals im Bilde nicht besprochen werden konnte, so nehme ich jetzt Gelegenheit sub Figur 171 dasselbe nachzutragen. Das hier beifolgende interessante Bild zeigt uns die ganze Frontbreite des Hauses mit seinem imposanten Portal, seinen herrlichen Dachfiguren und schönen Ornamenten. 4 ) 1 ) Das Gewährsbuch vom Jahre 1627 weist diese kaiserliche Schenkung an das Kremsmünsterstift urkundlich nach. Auch soll neben diesen Häusern im Jahre 1530 das Haus des Johann Lebel gestanden sein, von dem die Bastei und Gasse den Namen „Löwelbastei“ und „Löwelgasse“ erhielten. Nach dem Tode des Ferdinand Fürsten Trauttmannsdorff trat Carl Fürst Trau ttmannsdorff - Weinsberg in den fideicommissarischen Besitz. *) Franz Anton Fürst von Portia besass dieses Haus seit 1690, und noch bis zum Jahre 1750 erscheinen dessen Erben grundbücherlich als Eigenthümer. *) ln letzterer Zeit war hier der Sitz des „k. k. Appellations-Obergerichtes“, dann „Mercantil- und Wechselgerichtes“, bis beide auch von hier wieder verschwanden und in die prächtigen Räume des neuen Justizpalastes Ubersiedelten. *) Das Bild ist von Salomon Kleiner in der Zeit von 1721 bis 1724 gezeichnet und von Corvinus gestochen, 33 Cm. breit und 21 Cm. hoch. Aus der Facade tritt uns der ganze Zauber einer schönen Spätrenaissance entgegen. Das grossartig gedachte Portal, die reichen stylvollen Ausschmückungen und die guten Verhältnisse im Aufbau machen dieses Gebäude zu einem der schönsten der Stadt, und weisen ihm auch in künstlerischer Beziehung einen hervorragenden Rang zu. Dem Architekten Joh. G. Hildebrand, der diesen Palast im Jahre 1710 zu bauen begann, gebührt das unbestrittene Verdienst, die vielen liguralen und ornamentalen Verzierungen ober dem Portal und zwischen den Fensterwandungen so glücklich angebracht zu haben, dass sie trotz ihrer reichen Menge nicht aufdringlich oder überladen erscheinen. Auch die überlebensgrossen trefflichen Figuren längs einer schöngeführten und geschmackvoll durchbrochenen Dachgallerie geben dem Ganzen ein vornehmes Ansehen. Beachtenswerth sind auch die Festons ober dem Portal und die schöne Fenstereinrahmung und Bedachung. Das im Bilde links sich anschliessende Haus ist das Fürst-Trauttmannsdorff’sche, damals Baron-Tinti’sche Haus, und das andere rechts das fürstlich-Lamberg’sche Haus Nr. 63 (neu Freiung 5), in welchem noch vor Kurzem das General- commando untergebracht war, das aber gegenwärtig einem Neubaue weicht. Im Vordergründe des Bildes rechts sehen wir einen Theil der Mauer von der Schottenkirche und links das sogenannte „Salettel“ des gräflich Harrach’schen Hauses. Auch die Staffage ist hochinteressant, besonders die kreuztragenden Männer; es sind dies wahrscheinlich Mitglieder jener frommen Erzbruderschaft, benannt „die Brüder der Leiden Jesu“ oder „Brüder des Kreuzes Jesu“, deren jeder sich bei den Umzügen und Processionen mit der Last des Kreuzes beschweren musste. I • l Das gräflich Traun’sche Palais. — Das fürstlich Liechtenstein’sche Palais. 479 Das gräflich Traun’sche Palais Nr. 240 (neu 14). Dieses althistorische Haus nimmt schon deshalb unser ganzes Interesse in Anspruch und macht das sub Figur 172 beifolgende Bild umso werthvoller, als sich dieser Theil der Gasse bereits vollständig geändert hat und uns durch Neubauten nicht einmal mehr die Erinnerung an das einst früher hier gestandene zurückblieb. Das Bild zeigt uns das gräflich Traun’sche Palais, wie es bereits in seiner neuen Gestalt im Jahre 1700 vom Landmarschall (Dtto (Etyretireitf) <5raf DOtt Xbfltsbfrg lUtb Staun erbaut und zu einem Fideicommiss erhoben war. Auch das im Bilde rechts befindliche kleinere Haus Nr. 241 ist ein Traun'sches Besitzthum und fiel ebenfalls einem spätem Neubaue zum Opfer. ‘) Als im Jahre 1855 die Nationalbank ihre nicht mehr ausreichenden Räume zu erweitern gezwungen war und auch die k. k. Börse, welche bis dahin in verschiedenen mangelhaften Privathäusern untergebracht war, sich bestrebte, ein der Würde des öffentlichen Handelsverkehres entsprechendes Locale zu erlangen, entschloss sich die Bankdirection durch den mächtigen Einfluss des damaligen Finanzministers Baron Bruck, die der Nationalbank gegenüber gelegenen beiden gräflich Traun’schen Häuser (Nr. 240 und 241) anzukaufen und einen Neubau aufzuführen, in welchem sowohl die Bank für ihre neucreirten Bankgeschäfte, sowie auch die Börse und ihre vielverzweigten Handelsgeschäfte untergebracht werden könnten. Die Ausführung des Baues wurde dem damals noch sehr jungen Architekten Ferstl anvertraut, der denselben im Frühjahre 1856 übernahm und im December 1860 beendete. Der Bau sollte nicht blos ein zweckmässiger und geräumiger, sondern auch ganz besonders ein schöner und reicher Prachtbau werden, dem ein Fonds von 1,500.000 Gulden zur Verfügung stand. Demgemäss wurden sämmtliche Fagaden im Quaderbau ausgeführt, sämmtliche Ornamente an den Capitälern und Friesen aus Stein gehauen, beide Fronten (jene in der Strauch-, wie diese in der Herrengasse) sowohl im Innern wie von aussen mit gleicher Liebe und Sorgfalt, mit gleicher künstlerischer und technischer Vollkommenheit ausgebaut. s ) Das fürstlich Liechtenstein’sche Palais Nr. 251 (neu 6 und 8) bestand aus vier kleineren Häusern, und schon im XV. Jahrhundert kommt ein Christoph von Liechtenstein und im Jahre 1497 ein Georg und Franz von Liechtenstein als Besitzer dieses Hauses » *) Das Bild ist von Salomon Kleiner gezeichnet und von J. A. Corvinus gestochen, 32 Ctm. breit und * 21 Ctm. hoch, aus der Zeit zwischen 1720 bis 1724. Das grosse, fast die ganze Fläche des Bildes einnehmende Gebäude ist das Haus Nr. 240, welches bis zu seinem im Jahre 1856 erfolgten Abbruch das gräflich Traun’sche Majoratshaus genannt wurde; links im Bilde sehen wir einen Theil des Harrach’schen Palais und rechts das sogenannte kleine Traun'sche Haus, welches eine Ecke in die Strauchgasse bildete. Das imposante Portal, der schöne säulengetragene Balcon, sowie überhaupt die ganze Architektur lassen den edeln Baustyl eines Fischer von Erlach nicht verkennen, wiewohl die Fa^ade nur etwas weniger reichverziert efscheint, da ausser dem gräflich Traun’schen Wappen zwischen dem ersten und dem zweiten Stockwerke fast gar keine ornamentalen Ausschmückungen zu sehen sind. Interessant ist die Bemerkung, dass ein Herr von Traun bereits im Jahre 1401 das grössere Haus Nr. 240 von einem Wiener Bürger Hans Westerberger und Ernst Graf Traun das kleinere im Jahre 1585 von Niclas und Georg Grafen Serin erkaufte. Beachtenswerth ist hier auch die Staffage; sie zeigt einen Aufzug bei Gelegenheit einer kirchlichen Feier, und die Mitglieder dieser Procession scheinen der Armensünder-Bruderschaft anzugehören, weil diese Larven vor dem Gesichte trugen, wie es die Richter de* Vehmgerichtes zu thun pflegten. 2 ) Dieser Bau zählt zu den schönsten und prachtvollsten der Stadt. Es ist der Luxus zu bewundern, mit dem manches Detail ausgeführt wurde, so z. B. sind an der grossen Börsenstiege die Pfeiler und Geländer aus geschliffenem Marmor, viele Pfeiler im Innern geschliffen und polirt, die Gewölbe der Vestibüle, Stiegen und Hallen mit ornamentalen Malereien in Fresco geschmückt, die Gitter des Bazars und an den Fenstern und Thoren in der Herrengasse sind von kostbarer- getriebener Arbeit, ebenso auch die Bronzeverzierungen an den Thürbeschlägen, Lustern, Wandarmen und Candelabem von sorgfältigster Ausführung. Beachtenswerth ist auch der treffliche Brunnen im Bazarhofe von Fernkorn aus Bronzeguss und. das schöne Bild des Kaisers Franz Josef im Bankausschuss-Saale oberhalb des Kamines aus Portovenere von Dobyaschofsky Als baugeschichtliches Curiosum sei auch noch erwähnt, dass die für die Zwecke der Bank errichteten Localitäten auf eisernen Trägern eingewölbt wurden und dies die erste Gelegenheit war, wo im Inland gewalzte Eisenträger erzeugt wurden. Mit dem Ausbau der neuen Börse auf dem Schottenring wurde dieses Gebäude 1873 einer anderen Bestimmung zugeführt. I 480 Die Himmelpfortgasse. — Palais des Prinzen Eugen. vor, ’) Diese vier Häuser wurden um das Jahr 1792 von Alois Fürsten von Liechtenstein zu Einem in jener Gestalt erbaut, wie es uns noch heute mit seinen schöngezeichneten Figuren und seinem reichen Giebeldach erscheint, auf welchem die Inschrift prangt: „AL0YSIVS JOSEPHVS P(rincipes) A. LIECHTENSTEIN REAEDIFICAVIT. H(as) AE(des) MDCCXCII. Zwei dieser Häuser bildeten das eigentliche Palais, das dritte wurde für die fürstliche Kanzlei, die Bibliothek und Reitschule bestimmt, das vierte oder ehemalige Beneficiantenhaus endlich wurde auf Zinsen verlassen und wird gewöhnlich das kleine Liechtenstein’sche Haus genannt; es liegt in der Brunngasse, wo es die Nr. 264 (neu Brunngasse 1 oder Wallnerstrasse 5) führt. XXXVIII. CAPITEL. Die Himmelpfortgasse. ieselbe leitet ihren uralten Namen von dem einstigen „Ibimindportonflojiler" (Kloster der Himmelspförtnerinnen) her, welches schon im Jahre 1230 v sJlk mmmmaapi jnm 482 Prinz Eugen von Savoyen. Eugen besass das Gebäude schon zu Anfang des Jahres 1690, als er sich bereits „Ihro Majestät Feldmarschall und General der Cavallerie“ nannte, und im Jahre 1703 kaufte er noch drei kleine Häuser hinzu ') und liess an ihrer Statt obigen Palast von jenen beiden Architekten erbauen, nachdem er vorerst die ihm vorgelegten Pläne alle persönlich überprüft hatte; denn er selbst besass einen hohen Grad von Bildung und ungewöhnlich fein geläuterten Geschmack; seine vielen zurückgelassenen Hausschätze und kostbaren Einrichtungsstücke, die Wahl seiner Bücher und Gemäldesammlungen, das Belvedere und die Anlagen der Gärten geben Kunde von dem hochgebildeten Geist ihres einstigen Besitzers. Aber nicht blos als Gelehrter, sondern auch als Mensch hatte Eugen schätzenswerthe Eigenschaften, die besprochen zu werden verdienen. Prinz Eugen von Savoyen, wiewohl von schwachem Körperbau, klein und unansehnlich, die rechte Schulter etwas erhöht, war von der Natur äusserlich wohl nicht sehr begünstigt, seine Gesichtszüge waren unproportionirt, die Oberlippe so kurz, dass sie die beiden obern Schneidezähne nicht bedeckte, die Nase etwas aufgestülpt, die Wangen eingefallen, Gesicht und Hände stark gebräunt, aber sein dunkles Auge leuchtete voll Feuer, und seine geistreich belebten Gesichtszüge verliehen ihm etwas Interessantes, das seine Gebrechen rasch vergessen machte. Er war unverheiratet und äusserte sich oft rücksichtslos über diesen Punkt. „Es vertrage sieh schlecht,“ meinte er, „mit dem Kriegshandwerk, für Frau und Kinder zu sorgen und doch als Held im Felde sich zu schlagen.“ Die Liebe betrachtete er als eine gefährliche Leidenschaft, der sich ein Kluger nie ganz hingeben dürfe; Verliebte und Fanatiker seien in eine Kategorie zu stellen. Dennoch war er gegen Damen sehr galant, suchte sogar ihre Gesellschaft auf und wusste immer etwas Liebenswürdiges auf ihre Fragen zu erwidern. So z. B., als ihn einst eine Dame, da er eben in den Krieg zu ziehen bereit war, mit der Frage anging: „Wie ist es möglich, Prinz, dass man nach so vielen glorreichen Siegen noch nach neuen Lorbeeren geizen mag?“ gab er zur Antwort: „Ach, Madame, wie ist es möglich, wenn man so schön ist, noch Roth aufzulegen?“ Nicht ohne innere und äussere Stürme floss das thatenreiche Leben Eugens dahin. Er war Präsident des Hofkriegsrathes, Conferenzminister, Sieger in vielen glänzenden Schlachten und General der Niederlande. Sollte man glauben, dass er trotz dieser Vertrauensstellung dennoch in die Ungnade seines Kaisers (Carls VI.) in dem Momente verfiel, als er sich eben anschickte, den spanischen (und somit auch den orientalischen) Einfluss zu brechen und die türkischen Festungen und Grenzländer seinem Kaiser zu Füssen zu legen? Der spanische Einfluss nämlich war es, der dem Kaiser rieth, die Türken zu schonen und den Rathschlägen Eugens das Ohr zu verschliessen. Eugen aber wollte den Halbmond für immer zertrümmern, die Donau dem Kaiser bis zum Pruth erwerben und Oesterreich die Hegemonie des Orients verleihen. Im Jahre 1719 kam es mit den Intriguen gegen Eugen so weit, dass Graf Nimpsch (Schwager Althan’s), der als lustige Person beim Kaiser wohlgelitten war und sich Manches erlauben konnte, mit Verdächtigungen gegen denselben hervortrat und ihn verrätherischer Umtriebe mit Baiern bezichtigte, ja sogar versprach, durch den politischen Abenteurer Abbate Tedeschi die Beweise zu erbringen. Eugen, noch rechtzeitig hiervon in Kenntniss gesetzt, begab sich direct zum Kaiser und drang auf Bestrafung oder Entlassung der Schuldigen. Dieser männlichen Sprache konnte der Kaiser nicht widerstehen.; er ordnete eine Untersuchung an, die den Tedeschi in den Kerker und *) Das erste war das alte „PatttXIUS" des kaiserlichen Hofhutniachers Richard Fauconet, den man im Volks- munde den , f! Suf(ltKi>V nannte (daher noch heute auf der Wieden von ihm der oSltfitncMflcg seinen Namen hat); das zweite gehörte den Erben des Generals Grafen von Huschin und das dritte dem Claudius Lenglet, kaiserlichen Saalthürhüter. Das alte Räkoczyhaus 483 Nimpsch zur Landesverweisung brachte. Erst später gewahrte Carl VI., welch’ ein Fehler die spanische Allianz war, und wie Eugen nur zu sehr Recht hatte. Nicht uninteressant ist auch eine kleine Episode aus dem Kriegsleben des tapfern Prinzen. Als nämlich Eugen den glorreichen Sieg über die Türken bei Zenta erfocht, wollte der Hofkriegsrath ihn zur Verantwortung und Strafe ziehen, weil er ohne Erlaubnis zum Angriffe schritt. Dieser Fall hatte später in der militärischen Gesetzgebung die Feststellung einer Bestimmung zur Folge, die als Curiosum zu betrachten ist. Während nämlich der blinde Gehorsam die Seele des Militärwesens ist und als der eigentliche Kitt der ganzen Kriegsmaschine angesehen werden muss, kam durch den Sieg bei Zenta dennoch die Frage zur Sprache: wann der Untergebene auf dem Schlachtfelde seinen Vorgesetzten nicht zu gehorchen brauche, vielmehr auf eigene Faust handeln dürfe. Die Lösung dieser schwierigen Frage war so einzig in ihrer Art, dass sie bei Codificirung des Gesetzes eine Flut von Nachtragsverordnungen und zuletzt sogar die Gründung des Maria Theresien-Ordens zur Folge hatte. Die Missgunst des Kaisers verwandelte sich rasch in die aufrichtigste Freundschaft, und bald gab es keine beliebtere Persönlichkeit bei Hof und beim Volke als „prinj (Eugen bet? eble Kitter", der in allen deutschen Liedern besungen und verherrlicht wurde. Als Beweis seiner Popularität mag hier eine kleine Episode ihre Stelle finden. Am Thoreingange des Palastes befinden sich noch heute schöne Basreliefs, Hercules’ Heldenthaten darstellend; ein Vorübergehender, dessen Namen die Geschichte nicht aufbewahrte, sah sich diese Bilder eine Weile an und schrieb dann mit Kreide die Worte an die Wand: „Hercules* * Heldenfaust Merkt, dass des Kaisers Hercules Zeigt diese Schilderei; Hier Wohnung sei!“ Der 21. April 1736 brachte den Wienern die erschütternde Trauernachricht vom Tode Eugens. Der Kaiser liess ihm erzherzogliche Ehren erweisen und die kaiserlichen Trabanten und Burgsoldaten vor dem Trauerhause (in der Himmelpfortgasse) und vor dem Sarge Wache halten. Vierzehn Feldmarschälle trugen beim Trauerzuge das Bahrtuch, und das weisse Leibpferd, das Eugen in allen Schlachten ritt, war kostbar geschirrt und auf den Sattel der Galaharnisch gebunden; auch wurde ein Trauergerüst vor dem Hause und ein Katafalk im Stefansdom durch mehrere Tage aufgerichtet gehalten. Die Nichte des Prinzen, Victoria von Savoyen, vermälte Prinzessin von Sachsen- Hildburghausen, ererbte sein Vermögen und auch dieses Palais, das in der Folge vom kaiserlichen Hofe angekauft wurde. *) Im grossen Saale des Gebäudes sind die trefflichen Büsten der Kaiserin Maria Theresia und des Kaisers Franz I. von Matthäus Donner aufgestellt, die sich noch gegenwärtig daselbst befinden. s ) Das alte Räkoczyhaus Nr. 952 (neu 13) war im Jahre 1700 noch Eigenthum der Paul Räkoczy’schen Erben. Es ist deshalb geschichtlich merkwürdig, weil Franz Fürst Räkoczy (Sohn des entsetzten Fürsten von Siebenbürgen Georg Räkoczy) während seiner Anwesenheit in Wien hier im Hause wohnte und daselbst seine staatsgefährlichen Pläne schmiedete. *) In den untern Th eil des Hauses wurde nun das Münz- und Kupferamt verlegt, und als im Jahre 1836 das neue Münzgebäude auf der Landstrasse (Heumarkt 1) fertig wurde, von da wieder entfernt und an dessen Stelle die Hofkammer im Münz- und Bergwesen samint der Bergwerksproducten-Verschleissdirection eingesetzt. Später war das Haus der Sitz der neuen Finanzhofstelle, nachher der allgemeinen Hofkammer und gegenwärtig des Finanzministeriums. *) Schlager erwähnt zwar in seiner Biographie „Ueber Georg Raphael Donner“ auf Seite 110 auch dieser beiden Büsten im Eugenpalast in der Himmelpfortgasse und sagt ausdrücklich, dass dies Arbeiten von Raphael Donner seien, und beruft sich auf das von ihm vielfach benützte Manuscript nach den Materialien Alois v. Bergenstamm's. Allein Fischer in seiner „Brevis Notitia Vindobonac" im 4. Band, pag. 222 sagt ausdrücklich, dass beide Büsten von Matthäus Donner herrühren, der ein Bruder des Raphael und damals königlicher Münzeisenschneider war. 61 * 484 Das Meissl’sche Haus. Er hatte sich schon lange dem Wiener Hofe verdächtig gemacht; ein zufälliges Ereignis aber sollte diese verrätherischen Umtriebe aufdecken. Mehrere Briefe von ungarischen Magnaten an den französischen Hof, welche man dem Oberstlieutenant Longeval, der lange Zeit mit ihnen in Verkehr stand, auf seiner Heimreise in die Niederlande abnahm, Hessen auf eine Verschwörung schliessen, in welche Räkoczy, Bereszenyi und Sirmay nebst 80 andern ungarischen Edelleuten verwickelt waren. Unverzüglich erfolgte hierauf am 29. Mai 1701 im Schlosse zu Saros seine Verhaftung und seine Abführung nach Wiener-Neustadt, wo man ihn in dasselbe Gefängnis einschloss, wo vor 31 Jahren sein Oheim Zrinyi in Verwahrung war. Jedoch noch vor seiner Aburtheilung gelang es ihm aus der Haft zu entkommen. Indessen waren die ungarischen Malcontenten („RufUSjen" genannt) so mächtig angewachsen, dass sie ihn im April 1703 einluden, sich an ihre Spitze zu stellen. Gereizt durch das Todesurtheil, das die österreichische Regierung am 30. April 1703 über ihn in effigie verhängte, nahm er diese Aufforderung an. Die „Kuruzzen“ drangen nun in Streifzügen wiederholt bis Wien vor, wo sie in einzelne Vorstädte einfielen und dieselben plünderten und verwüsteten. Angesichts dieser Gräuelthaten unterbreitete Prinz Eugen unterm 19. Februar 1704 dem Kaiser Leopold I. einen Plan, wonach zur Sicherheit der Vorstädte und namentlich gegen die Einfälle der „Kuruzzen“ eine Defensivlinie mit Gräben und Pallisaden um alle Vorstädte zu ziehen seien. Der Kaiser genehmigte den Plan; am 26. April 1704 wurde der Bau begonnen und schon am 11. Juni vollendet. So waren denn die „Kuruzzen“ ’) der Anlass zu jenem Linien wall Wiens, der noch heute besteht und als Verzehrungssteuergrenze benützt wird. Das Meissl’sche Haus Nr. 949 (neu 7) steht heute auf dem Grunde der einstigen Himmelpfortenkirche, a ) deren Baustelle nach Aufhebung des Klosters und der Kirche im Jahre 1783 an Private veräussert wurde. Der erste grundbücherliche Besitzer war Josef Meissl, dessen Leibeserben bis in die neueste Zeit dasselbe inne hatten. * 2 3 ) ‘) Die „Kuruzzen“ waren eine Art militärisch organisirter, schlecht disciplinirter ungarischer Räuberbanden, die seit dem XVII. Jahrhundert fast alljährlich über die ungarische Grenze bis Wien vordrangen und in den höher gelegenen Vorstädten St. Ulrich, Spittelberg etc. ihre Gräuelthaten verübten, raubten, mordeten und brandschatzten, und bis das damals schwerfällige Militär aufmarschirte, längst wieder auf ihren kleinen pfeilschnellen ungarischen Pferden über die Grenze verschwanden, ohne dass man ihrer habhaft werden konnte. Sie waren daher sehr gefährliche Feinde, und schon ihr Name erfüllte die Wiener mit Schrecken und Bangen. Da aber ebenso auch die Türken den Wienern ein Schrecknis waren (da sie die Stadt bekanntlich zweimal belagerten, nämlich 1529 und 1683). so kam es, dass diese beiden gefährlichen Feinde Anlass zu einem echt wienerischen Sprichwort gaben. Wenn nämlich im XVII, und auch zum Theil zu Anfang des XVIII. Jahrhunderts ein Wiener einem andern etwas Böses nachfluchen wollte, so sagte er gewöhnlich als Ausdruck des Schrecklichen ■ „Die Türken und Kuruzzen sollen dich holen!“ Dieser Ausdruck erbte sich von Mund zu Mund, von Geschlecht zu Geschlecht fort, und noch heute flucht das Volk: „Krutzitürken!“ 2 ) Die Entstehung des Klosters und der Kirche reicht bis in die Jahre 1230 bis 1240 zurück. Um diese Zeit zerfleischte Zwietracht unter Ottokar I. das Böhmerland. Nach dem Tode dieses Königs entfloh die königliche Witwe Constantia nach Wien, wo sie mit mehreren frommen Jungfrauen dieses Kloster stiftete, um, von aller Welt abgeschieden, ein gottgefälliges, den Armen und Kranken geweihtes Leben zu führen. Man nannte sie die eingeschlossenen Frauen (inclusae oder reclusat ), da sie sich in ihren Zellen verschlossen, ohne aus denselben, so lange sie lebten, herauszugehen. Aber auch hier fand Constantia ihre Seelenruhe nicht und politische Gründe zwangen sie wieder nach Ungarn zu entfliehen. Nun nahm Agnes, die Wittwe des verstorbenen Königs Andreas III. von Ungarn (Schwester Otto’s des Fröhlichen), sich dieses Klosters an und wurde so die zweite Stifterin desselben, daher man es auch St. Agnes- oder Katharinakloster nannte. Zur Zeit der grossen Pest 1586 starben alle Nonnen bis auf eine aus. Erzherzog Ernst und der Wiener Bischof Caspar Neubeck führten nun eine neue Kolonie, Clarisserinnen aus dem Stifte St. Jacob auf der Hülfen (heutiger Jacoberhof), in das verödete Kloster. Das Kloster war eines der reichsten und besass mehrere Häuser und Grundstücke in der Stadt, auf der Landstrasse und auch in Lichtenthal unter dem sogenannten „Sporkenpühl“, daher dieser Grund noch heute „Himmelpfort- grund“ genannt wird. Als Kloster und Kirche das Los der Auflösung traf, kamen viele Kostbarkeiten in andere Kirchen, so auch das berühmte uralte Gnadenbild, „die Hausmutter“ genannt, nach St. Stefan und zwar zuerst in die Schatzkammer, dann aber in die Eligiuscapelle, wo es noch heute zu sehen ist. 3 ) An der Gewähr standen: 1783 Josef Meissl, 1806 Meissl’s Erben, 1820 Brüder Meissl, Rosalia Smetana, Franziska Matoschek, später Josef Meissl’s Erben und gegenwärtig Carl Müller. • XXXIX. CAPITEL fi Der Hafnersteig. enn wir vom Fleischmarkt in das schmale Griechengässchen einbiegen, werden wir von dem Anblick mehrerer Häuserruinen plötzlich überrascht. Das Mauerwerk zeigt sich uns hier in seiner uralten, verwitterten Gestalt, aus den Wänden stehen morsche Holzstöcke gleich Rippen hervor, und das Gemäuer deutet unverkennbar darauf, dass hier noch Ueberreste der ehemaligen Stadtmauer aus der Babenbergerzeit vorhanden seien. Aber auch die Abschüssigkeit des Terrains lässt unzweifelhaft erkennen, dass dieser Ort einst knapp ans Gestade der Donau führte, als diese noch den Salzgries und die Adlergasse umspülte und hier die Holz- und Salzschiffe landeten. Seit ältester Zeit wurde diese Gegend „Hafnersteig“ und schon bei den Römern „lati sigulos “ genannt, ein Beweis, dass schon damals die gewerbetreibenden Hafner oder Töpfer hier sesshaft waren. *) Ein Bild sub Figur 174 zeigt uns den „Hafnersteig“ (an dieser Stelle „Griechengasse“ genannt) vom Fleischmarkt aus, also von jenem Punkte, wo man von dem belebten breiten „Fleischmarkt“ in das schmale abgeschiedene Griechengässchen einbiegt. Die Abgeschiedenheit dieser stillen Gassen bildet einen grellen Contrast zu dem lärmenden Gewoge, das auf dem Fleischmarkt herrscht. “) Als geschichtlich merkwürdige Häuser verdienen bemerkt zu werden: ! ) Heute hebt sich der Hafnersteig etwas steil von der Adlergasse empor und zweigt sich auf seinem Höhepunkte rechts in die Rothenthurmstrasse und links auf den Laurenzerberg ab. Ersterer Weg wurde früher Krön- und letzterer Sauerkrautgasse genannt. Heute heisst die Krongasse bis zu ihrer Ausmündung auf den Fleischmarkt Griechengasse, während die übrigen Strassentheile dieses Ortes unter dem allgemeinen Namen Hafnersteig zusammengefasst ^werden. Nach Anton Weisskerns „Topographie“ kam man vom alten Fleischniarkt in das Laurenzergassel und von dort durch die Sauerkrautgasse unter die „Hafner“ und weiter in das gelbe Adlergassel auf die „Musterung“ (oder „Burgermusterung“). Jedenfalls dürfte die Anzahl der Bürger, die hier bei einem Ausrücken gemustert wurden, nicht sehr zahlreich gewesen sein. In „Schatz, Schutz“ etc. kommt diese Gegend auch vor als, „Gegen dem Haffnerbaad“. Zur Zeit der zweiten Stadterweiterung, also zwischen 1177 und 1794, schob sich die Stadtmauer vom Aus- Fiff» *17 Die Griechengasse vom gange der Seitenstettengasse über den heutigen Platz „am Bergei“ in gerader Richtung h leischmarkt aus gesehen, quer über die Rothenthurmstrasse parallel mit der heutigen Adlergasse durch die spatere Krort- und Sauerkrautgasse mitten durch den Hafnersteig bis zum Auwinkel vor. *) Das Bild, nach der Natur gezeichnet, gestattet uns den vollen Einblick in das „Griechengasschen“ (wie es noch heute besteht) bis auf den eigentlichen „Hafnerplatz“, wo sich dann die Wege nach drei Richtungen theilen. Das 487 Jesu und die zwölf Apostel. /< iTJimiTj i hliflSlilHi ^ Uf i Ü ^ ^ h < s ii i i f f t ü lüllll 1 ! iiii'!l> IW!)! | ( | ''ffi! •l))ä!!Ü(l| Äa«ÄW® Äff'ii!aiite#4ff'. l ' ■mm liiilli wmm 11! ««tfill HiüW’fiS« mm l _“7j__ .J wamm &■# PMM ‘üptph^inr; ^Wiiitmi ''iuillllilll I! zsmmmm I'ig. 175. Jesu und die zwölf Apostel. (Ehemals an dem Hause Nr. 715 [neu 12] auf dem Hatnersteig.) t * 486 Das Haus „zu den zwölf Aposteln“. — Das Hafnerbad-Haus. — Das gelbe Adlerhaus. * Das Haus „zu den zwölf Aposteln“ Nr. 715 (neu 7). In altern Zeiten waren hier die Bildnisse Jesu und der zwölf Apostel am Hause angebracht. Es waren dies treffliche Thonarbeiten des XV. Jahrhunderts von entschieden künstlerischem Werthe. Sie waren farbig glasirt, einen Schuh hoch, im Geschmacke jener Zeit. Bei Gelegenheit einer neuerlichen Renovirung des Hauses wurden dieselben aus ihren Mauernischen, in denen sie sich bisher befanden, sorgfältigst abgenommen und in die # Wohnung des Hauseigentümers überbracht und dort eine Zeit lang aufgestellt. Gegenwärtig sind die Figuren Eigenthum der Stadt Wien und im Museum für Kunst und Industrie auf dem Stubenring aufbewahrt. Fürst Lichnowsky, ein ebenso gewiegter Kenner altdeutscher Kunst, als fleissiger Sammler österreichischer Baudenkmale, veranlasste durch den verstorbenen Custos Carl Russ eine Copirung dieser schönen Statuetten, welche ich dem Leser sub Figur 175 in getreuer Abbildung vorführe. ’) Das Hafner-Badhaus Nr. 714 (neu 3). Hier befand sich seit den ältesten Zeiten und noch bis in das Jahr 1720 das sogenannte ,/kaftterbab" ein Badehaus, welches sich einer besondern Beliebtheit erfreute und von den in der Nähe lebenden Hafnern (oder Töpfern) mit besonderer Vorliebe aufgesucht wurde, daher sich auch sein Name erklärt. Der letzte der Badbesitzer war in der Zeit vom Jahre 1700 bis 1720 Johann Pössl; er wurde allgemein der genannt und hatte einen grossen Zuspruch, wie- i wohl es ausser dem seinen in der Gegend mehrere jüdische und katholische Bäder gab, die man gewöhnlich „Stuben“ oder „Badestuben“ nannte, daher von diesen die ganze Gegend auch „Stubenviertel“ genannt wurde, welcher Name noch heute besteht. 4 ) Das gelbe Adlerhaus Nr. 710 (neu 6) war einst ein beliebtes Schank- und Gasthaus, von dem später der Name „gelbe Adlergasse“ nach Weisskern hergeleitet wurde. Das Wirthsgeschäft hatte grosse Kellerräume, die noch heute Haus im Bilde rechts entspricht der Nr. 711 (neu Griechengasse Nr. 9); es ist dasselbe Gebäude, welches in seinen tiefen Kellerräumen das renommirte „Reichenberger Bierhaus“ birgt; das Haus links im Bilde entspricht der Nr. 704 (neu Griechengasse 4). Die Schwiebbogen scheinen die Häuser nur mühsam aufrecht zu halten, und die altersgeschwärzten Mauern mit ihren Rissen und Sprüngen lassen auf ihr hohes Alter schliessen. *) Die scharfe Charakteristik der einzelnen Figuren, die Mannigfaltigkeit der Auffassung und vor Allem die künstlerische Einfachheit und Reinheit der Darstellung selbst sind Vorzüge, die hier besonders hervorgehoben zu werden verdienen. Das Verdienst des Fürsten Lichnowsky, diese werthvolle Arbeit der Vergessenheit entrissen zu haben, muss hier schon deshalb um so höher angeschlagen werden, als nur wenige Thonarbeiten jener Kunstperiode (XV. Jahrhundert) so gut erhalten auf die Nachwelt kamen und von diesen bisher nur wenigen ein so hoher Kunstwerth nachgerühmt werden konnte. Bemerkt sei noch, dass der Fürst ein kostbares Werk über Baukunst und Bildhauerei des österreichischen Kaiserstaates in vier Heften herausgab und den Text hiezu in deutscher un$ französischer Sprache selbst schrieb. Das Werk, mit Bildern von Josef Fischer gezeichnet und von Reinhold Ponheim und Hyrtl in Kupfer gestochen, erschien in Wien in den Jahren 1797 bis 1822 leider nur unvollendet, weil der Text zum vierten Hefte fehlte. Noch im Jahre 1700 erscheint dieses Haus nach diesen Statuetten als „zu den zwölf Aposteln“ beschildet, und die Besitzer waren: 1684 Hanns Märckhtl, Kasstecher, 1775 Johann Martin Hodl, 1789 M. A. Hotlin, 1795 Johann Hosp, 1825 Josef Hosp, später Theresia und Francisca Hosp und gegenwärtig Franz Scheuer. *) Einige meinen, dass die Benennung „Stubenviertel“ sich von den vielen Trinkstuben herleite, die in grosser Menge in dieser Gegend vorhanden waren; doch dürfte die erstere Ansicht die richtigere sein, da das Wort „Stube,“ „Stuba,“ „Slufa“ im XII. bis XIV. Jahrhundert vorzugsweise und fast ausschliesslich als „erwärmtes Zimmer“, „Bad“ gebraucht wird, während die Trinkstube allgemein „Taberne“, „Taffem“ genannt wurde. Seit 1775 war Johann Schmid, Bindermeister, der Hausbesitzer, von da an bis 1822 waren dessen Erben an der Gewähr, 1822 Adam und Anna Pfitzinger und Caroline Müller, 1828 Adam und Magdalena Pfitzinger, 1833 Josefa Friess und gegenwärtig Josefa Kriehuber. Das Haus führt an der gegen die Adlergasse zugekehrten Seite die Nr. 721 (neu 8) und wurde einst die genannt. « 488 » Die Winkelarchitektur der Wiener im Mittelalter. ri(j. 176. Der Hafnersteig hinter der griechischen Kirche. ' Ai'Vj ifl jgijgl: «Sä ,W8fc. bestehen, in denen sich aber gegenwärtig eine Kistentischlerei befindet. Im Jahre 1700 war es, im Besitze von Johann Georg Schobers Erben, ein berühmtes Bierhaus, und der gewöhnliche „gelbe Adler“ verwandelte sich in den vornehmem „goldenen“. * *) Das Bild sub Figur 176 zeigt uns die Physiognomie dieses seltsam winkeligen Stadttheiles, 2 ) welcher auch in neuerer Zeit mit dem Namen „Griechenwinkel“ belegt wird. Ueberhaupt gehört diese Oertlichkeit bereits zu den wenigen Ueberresten der sogenannten alten „Winkelarchitektur“, wie sie uns von unsern Vorfahren nur noch in einigen wenigen Stadttheilen erhalten geblieben ist, wie z. B. im Sterngasseiwinkel, im Auwin- kel etc. Wenn auch wir Spätergebornen lächelnd nicht begreifen können, wie unsere Vorfahren in so schmutzigen Asylen sich heimisch fühlen konnten, so lag doch ein gesundes Stück Weisheit darin, wie sie sich in so manchen tausend andern Dingen kundgab, die wir aber nicht kennen, weil wir sie gar nicht zu beachten pflegen; wollten wir aber der Sache etwas näher auf den Grund sehen, so würden wir wohl begreifen, dass auch jene Winkelarchitektur einst ihre Vortheile hatte. Die Winkelarchitektur der Wiener im Mittelalter. In den wüsten Zeiten der rohen Gewalt, als noch das Faustrecht bis in die Städte drang, waren die schmalen Gässchen mit ihren hohen Erkern und Ecken, mit ihren Biegungen und *) Später dürfte sich das Renommee des Adler-Bierhauses auf das Nachbarhaus Nr. 711 und 712 (neu Griechengasse 9) verpflanzt haben, welches ebenfalls tiefe Keller besitzt und unter dem populären Namen „Reichenberger Bierhaus“ bekannt ist. Das gelbe Adlerhaus (ein Eckhaus in das ehemalige Sauerkrautgassei) soll mit Rücksicht auf den letztgenannten Namen Anlass zu einem echten Wiener Sprichwort gegeben haben, welches lautete: „Der sieht so aus wie der Adler im Sauer - krautgassel,“ womit man einen Neidigen bezeichnete, der beim Wohlergehen Anderer gelb vor Galle wird. Das Haus besitzt noch einen alterthümlichen Anstrich. Im Jahre 1775 gehörte dasselbe der Juliana de la CarrHre, 1806 Andreas Thoma und gegenwärtig der Rosine Buchwein. *) Das Bild, nach der Natur von Emil Hutter gezeichnet, versinnlicht uns die kleinen alterthümlichen Häuser des Hafnersteigs hinter der griechischen Kirche. Das einstöckige Haus links im Bilde ist das eben besprochene gelbe Adlerhaus das anstossende entspricht der Nr. 711 (neu Griechengasse 9), das gegenüberliegende der Nr. 702 (neu Griechengasse 6). Die Jacobergasse. 489 Windungen das trefflichste Mittel zur Vertheidigung. Und wenn die Sturmglocke ertönte, oder Aufruhr das Leben der Bürger bedrohte, sperrte man die Gassen mit Ketten ab, errichtete Verhaue, hinter denen man die rohen Kriegsknechte oder die Herrn vom Stegreif erwartete. Aber auch in friedlichen Zeiten leisteten die schmalen und hohen Strassenwande einen gar trefflichen Schutz gegen Wind und Wetter. Der Regen z. B. musste sich fein säuberlich bescheiden, er konnte nicht wie ein arger Trommler an die Fenster klopfen, sondern kam, gebrochen durch endlose Ecken, Thürmchen und Vorsprünge, nur sachte rieselnd zur Erde. Und vollends der Sturmwind! Der wüste Geselle vermochte es nicht, hier seine Riesenflügel auszubreiten, sondern gelangte über die hohen Spitzdächer durch die Schornsteine mühsam in die Gelasse, wo man seiner spottete und ihn nicht zu fürchten brauchte. Aber auch bei schönem Wetter, in heissen Sommertagen, wo die hohen Steinmauern den brennenden Sonnenstrahlen den Eingang verwehrten, wie bot hier der Abend liebliche Kühlung! Wie behaglich sass hier der Familienvater mit den Seinen und dem Hausgesinde auf steinernen Bänken vor dem Hausthore, wie fröhlich trank hier der Meister mit seinen Gesellen den Abendtrunk und sang ein ehrbar Lied oder zur Laute im Chor ein lustig Schelmenlied. Von diesen Heimlichkeiten und patriarchalischen Freuden weiss unsere Ringstrasse freilich nichts zu erzählen, und es darf uns nicht Wunder nehmen, wenn dem alten Wiener der heimliche Zauber seiner Winkel am Herzen lag, ja, wenn noch heute der echte und rechte Wiener in diesen sich behaglicher fühlt, als auf der stolzen Ringstrasse, wo der Mensch nur das ist, was aus ihm der Schneider gemacht. XL. CA PI TEL. Die Jacobergasse. iese unregelmässigeGasse hat ihrenNamen von dem einst in dieserGegend bestandenen Nonnenkloster zu St. Jacob, und der hier befindliche Jacoberhof wurde früher „auf bet IMÜbeu" genannt. ‘) Die Jacoberkirche wurde schon im XII. Jahrhundert vom Markgrafen Leopold VI. um das Jahr 1190, das Kloster aber später von einigen Wohlthätern gestiftet. Kirche und Kloster hatten einen grossen Umfang, auch der Friedhof nahm eine nicht unbedeutende Fläche ein, und noch in „Schatz, Schutz etc.“ hiess diese Gegend auf 6t. JacoböfK?tf»off. Mit Decret vom 18. September 1783 wurde das Kloster von Kaiser Josef II. aufgehoben und sammt der Kirche abgebrochen. Gegenwärtig erheben sich auf dem Grunde, wo früher Kirche und Kloster standen, die Häuser Nr. 793, 794, 795, 796, 797, 798 und 799, von denen später die Rede sein soll. Eine nicht uninteressante Ansicht sab Figur 177 macht uns mit Kirche und Kloster bekannt, wie beide noch im Jahre 1721 aussahen. Das Bild enthält eine treffliche Uebersicht, wenn auch nur von der rückwärtigen Seite. * 2 ) Von geschichtlicher Bedeutung sind hier folgende Häuser: ‘) „Emlben" ist ein altdeutscher Ausdruck, und man verstand unter demselben eine Höhlung oder Vertiefung, wo sich Wasser sammelt; durch den Abfall der grossen Schulerstrasse vom Stefansplatz her ist eine solche „Hülben“ wohl sehr erklärlich. 2 1 Das Bild von Pfeffel aus dem Jahre 1721, gezeichnet von Salomon Kleiner, gestochen von G. D. Heumann, 32’3 Cm. breit und 19'7 Cm. hoch, zeigt uns den Hauptbau der Kirche nach seinen vielfachen Renovirungen, die in Folge häutiger Brände zu verschiedenen Zeiten vorgenommen werden mussten. Die untern vorspringenden massiven Strebepfeiler und die Grundform mehrerer Fenster, insbesondere jener beiden gegen die Bastei zugekehrten, verrathen noch ganz den reinen 62 t l 1 490 Die orientalische Akademie. — Das k. k. Gefällsgebäude. — Das ^Freiherr von Pidoll’sche Haus. Die k. k. orientalische Akademie, Haus Nr. 799 (neu 3), j wurde zu dem Zwecke von Kaiserin Maria Theresia gegründet, um die Zöglinge nach fünfjähriger Lehrzeit, in den orientalischen Sprachen ausgebildet, als Beamte in den levantinischen Seehäfen und Grenzprovinzen als Consuln und im Orient als Dolmetscher verwenden zu können. Wahrhaft grossartig sind die Lehrmittel, über welche diese Anstalt verfügt; so z. B. besitzt sie einen reichen Bibliotheksschatz, eine kostbare Sammlung von orientalischen Münzen, eine reiche Sammlung von Abdrücken türkischer und persischer Siegel und Talismane. Auch viele Curiosa, 1500 türkische Geschäftsbriefe, viele arabische, persische und neugriechische Briefe und Urkunden, so z. B. ein eigenhändiges Schreiben des Schah von Persien an Kaiser Josef II. und Agaffis Belehnungs- Decret vom Jahre 1683. ‘) Das k. k. Gefällsgebäude Nr. 798 (neu Riemerstrasse 7) steht heute auf dem grössten Theil des ehemaligen Jacobinerinnenklosters, und im hintern Theile des Hofes ist noch heute ein Thurm mit einer Uhr bemerkbar, die von der ehemaligen Klostercapelle herrührt, denn im Rücken dieses Gebäudes, auf dem Grunde des heutigen Hauses Nr. 796, stand einst die Jacoberkirche. Nach Auflösung des Klosters kam in dieses Haus zuerst die k. k. Tabak- und Gefällsdirection und später die Tabakfabriken-Direction und die Wiener Cameral-Bezirksverwaltung. Das Freiherr von Pidoll’sche Haus Nr. 797 (neu Stubenbastei 6). Dieses Gebäude befindet sich an der Stelle der ehemaligen Jacoberkirche und eines kleinen anstossenden Gebäudes, das einst Fürst Paar in den Jahren 1784 bis 1785 erbaute. Später und zwar seit 1806 gehörte es dem Grafen Severin Rzewuski, 1820 der Theresia und Anna von Leiner, später der Maria Freiin von Pidoll, und gegenwärtig sind Franz von Robert und < Paul von Robert s Erben die Eigentbümer. . gothischen Styl, während der bleigedeckte Thurm und das grosse Fenster rechts ober dem Vorbaue den spätem italienischen Typus bekunden; das Doppelkreuz auf dem Dache deutet auf den neuen erzbischöflichen Schutz, unter welchem Kirche und Kloster standen. Der Tract des Klosters links im Bilde, unmittelbar an die Kirche und gegen die Bastei gekehrt, zog sich von dem heutigen Coburgpalais bis zum Ravelin und gab hier dem Theile der Bastei den Namen Jacoberbastei; heute ist dieser Theil durch eine Reihe hübscher Häuser verbaut; in dem übrigen Tract des Klosters, der das Jacobergässchen bildete, wurde 179;» die Staatsgüter-Administration, die Tabak- und Gefällsdirection, die Wiener Cameral-Bezirksvertretung und später die von Maria Theresia 1754 gestiftete orientalische Akademie untergebracht. Auch das Haus hinter dem Einfahrtsthore, welches den Hintergrund unseres Bildes schliesst, ist beachtenswerth, es ist das Gasthaus „zur goldenen Finte“, welches schon im Jahre 1600 unter dem gleichen Schilde bestand; ebenso auch das dreistöckige grosse Haus rechts im Bilde, in welchem sich seit ältester Zeit das Wiener Postamt befand. Die Post wurde nämlich der Direction eines Erblandpostmeisters unterstellt, welche Würde im Jahre 1570 dem damaligen Reichsgrafen Paar durch Kaiser Rudolf II. verliehen wurde, und die in dieser Familie fortan erblich verblieb. Hier hatte die später gefürstete Familie Paar ihr Majoratshaus, und in demselben waren auch alle Bureaux der grossen und kleinen Post bis zum Jahre 1772 untergebracht, worauf dieselben in das alte Postgebäude in die Wollzeile, in den sogenannten Zwettelhof, verlegt wurden. Nicht uninteressant sind im Vordergrund des Bildes die Staffagefiguren auf der Basteipromenade. Der edle Herr zu Ross, die zierliche Dame mit dem Fächer, die schmale Sänfte, die galanten Spaziergänger, denen die grosse AUorigeperrücke nicht erlaubt den Hut aufzusetzen, sie geben ein buntbewegtes Bild von dem Leben und Treiben der Wiener aus der Zeit zwischen 1721 bis 1724. ') Die orientalische Akademie steht heute auf einem Theile des Jacoberklosters; sie wurde anfänglich 1754 auf dem Dominikanerplatz untergebracht, kam dann im Jahre 1769 wegen Mangel an Raum in das Convict zu St. Barbara, 1775 nach St. Anna und schliesslich in’s Jacobergässchen, wo sie mit der seit 1795 hier gewesenen Staatsgüter-Administration den Raum zu theilen hatte. I Die Jacoberkirche und das Kloster, 491 . .. % lif&ZjZt, wßiiijlfi, Ifppgf mim. ■* .>^1 $ 9 * j mm. Wm%k IhöiIÄ ‘mm. Ä|#i *» g- «I ItSistelft :««*; E3?a r^-r-ui ■m-JaSfr ni J Fi(j. 177. Die Jacoberkirche und das Kloster aus dem Jahre 1721. XLI. CAPITEL. Die Judengasse. er fanatische Hass, welcher im frühen Mittelalter die Juden traf, war die Veranlassung, dass man in orientalischen und italienischen Städten die Judenfamilien zwang, in eigenen Vierteln zu wohnen, wo sie über Nacht abgesperrt und vielfachen Beschränkungen unterworfen waren. Ein solches Quartier nannte man „Ghetto“. Später verbreitete sich dieser Brauch auch nach Deutschland, Frankreich und die Niederlande, und so finden wir denn auch in allen grossen Städten Oesterreichs solche Judenquartiere oder Judenviertel. Eine der interessantesten Gassen dieser Art ist die Judengasse in Wien, die den Hohen- markt mit dem Ruprechtsplatz verbindet und von dem Lazenhof, der Stern- und Seitenstettengasse durchschnitten wird. Sie ist zwar nur eine dumpfe, schmutzige Gasse, aber sie gehört doch zu den sehenswürdigsten Orten der Stadt, und kein denkender und beobachtender Fremder versäume es, diese Gasse zu besuchen. Hier herrscht noch Armuth und Verwahrlosung neben mächtigem Ringen nach modernem Aufschwung, hier herrscht noch freundnachbarliche Dienstfertigkeit und treues Zusammenhalten, jene Glanzpunkte des jüdischen Lebens, hier findet man noch den echten orthodoxen Altjuden neben dem modernangekränkelten, emancipirten Juden. Aber alle bewegt ein gleiches Interesse, ein geschäftiges Treiben. Hinter Bergen von übelriechenden, mottendurchfressenen Kleidern sieht man sie in lärmender Geschäftigkeit vom Morgen bis zum Abend ihre Trödlerwaare ausbieten und darum feilschen. Und das Merkwürdigste ist dabei, dass kein Mensch sie zwingt, in diesen elenden Wohnstätten ihrer Vorfahren eingepfercht zu leben, sie thun es hier aus freiem Antriebe, aus Geschäftsrücksicht, denA da es allerdings nicht leicht sein mag, einen alten Rock um’s theuere Geld an den Mann zu bringen, so* wirkt jedenfalls die gegenseitige Aufmunterung wesentlich mit zur Belebung des Geschäftes. Uebrigens spielen dif Juden in Oesterreich und besqnders in Wien eine so wichtige Rolle, und ihre Verhältnisse nahmen im Laufe der Zeiten eine so wechselvolle Gestaltung an, dass ein kurzer Ueberblick ihrer Geschichte meinen Lesern gewiss willkommen sein dürfte. Die Juden in Wien. Wenn wir die Verhältnisse der Wiener Juden recht verstehen wollen, wie sie sich allmälig seit Jahrhunderten bei uns herausgebildet haben, so müssen wir vorerst die allgemeine Lage der österreichischen Juden überhaupt kennen. Seit Jahrhunderten schloss man die Juden in Oesterreich so gut wie in Deutschland, Italien und Frankreich von allen Beschäftigungen aus und zwang sie, sich nur auf Handel und Geldgeschäfte zu werfen, somit die vortheilhaftern Erwerbsquellen für sich in Anspruch zu nehmen, d. h. man zwang sie also gleichsam, reich zu werden, und als sie es’ vermeintlich waren, hasste, man sie ihres Reichthums wegen. Der eigentliche Kern der Judenverfolgungen lag somit von jeher ganz wo anders, als wir ihn in der Regel suchen oder zu suchen gewohnt sind. Das Volk leidet nämlich von jeher Mangel, es fehlen ihm die Mittel zum Lebensgenüsse, und obgleich seine Priester ihm Die Juden in Wien. 493 sagen, dass man hier auf Erden entbehren müsse, um einstens selig zu werden, so hegt es doch eine heimliche Sehnsucht nach den Mitteln dieses Genusses und hasst alle diejenigen, in deren Kisten und Kasten angeblich jene Genussmittel aufgespeichert und wohlverschlossen sind. Ich verdamme daher viel weniger den Hass, mit dem die Christen die Juden verfolgen, ich verdamme vielmehr die unglückseligen Irrthümer, die diesen Hass erzeugen. Das Volk hat oft Recht in seinem Hass wie in seiner Liebe, wie überhaupt in seinen grossen Leidenschaften, denn es steckt immer ein gesunder Instinct in diesen Gefühlen, nur weiss es nicht seine Empfindungen richtig zu formuliren; sein Groll trifft nicht selten statt der Sache die Person und statt des Princips seine Schildträger, und so kommt es, dass Jahrhunderte hindurch stets andere und immer wieder andere Argumente diesen traditionellen Hass beschönigten. Im Mittelalter war es der „Religionshass“; man schlug die Juden todt und plünderte ihre Häuser, weil sie Christus gekreuzigt; heute schützt man andere Motive vor und das Volk auf der Bierbank und im Parlamente verhüllt seinen Groll hinter modernen Redensarten und schützt wissenschaftliche und philosophische Gründe vor. Unter diesen Umständen ist es wohl leicht begreiflich, dass eine Verständigung oder Verschmelzung der Juden mit der übrigen Bevölkerung noch lange nicht ermöglicht werden wird, und dass auch die Juden ihrerseits, zumal die Orthodoxen, sich nicht allzusehr beeilen werden, ihre altererbten Vorurtheile aufzugeben, ihre Kanten und Ecken, die nicht immer die liebenswürdigsten sind, abzuschleifen, ihre kleinen Geschäftspraktiken und Pfiffe, die sie sich während einer mehrhundertjährigen Bedrückung angewöhnten, wieder abzugewöhnen. Dennoch wird kein Vernünftiger zweifeln, dass dereinst eine Verständigung und somit auch eine Verschmelzung stattfinden wird, und dass sich dieser Process, wenn er auch bislang nur wenige Resultate zu Tage gefördert, besonders in Wien abspielen muss, denn die Residenz lebt viel . rascher, und auch das Judenthum lebte hier wohl zehnmal so rasch und erlebte auch zehnmal so viel als der Dorfjude auf dem Lande. Schon zu Römerszeiten war Wien von Juden bewohnt. Die bereits von den Römern angelegten Strassen, der schiffbare Donaustrom waren ihnen willkommene Mittel, ihren Geschäftseifer zu bethätigen, ihren Handel auszubreiten. Sie bildeten gleich den römischen Ansiedlern ein abgeschlossenes Stadtviertel, ein nahezu regelmässiges Viereck, das sie (nach Geschmack und Sitte der damaligen Zeit) mit Mauern umgaben. ’) Aber zur Zeit des wüsten, herrenlosen „Zwischenreiches“, wo die Leidenschaften wild entfesselt waren, Hab- und Raubgier einrissen, endlose Kriege die Gesetzpflege verwahrlosten, da machten sich die Juden diese Gelegenheit zu Nutze. Da sich die Fürsten selbst häufig in dringenden Geldverlegenheiten befanden, wurden ihnen manche Begünstigungen zu Theil, w’odurch man Anlass fand sie zu hassen. Die am 10. Mai 1267 in Wien bei St. Stefan abgehaltene Provinzialsynode und die hieraus erflossenen Verordnungen hatten den Zweck, die Juden in ihre frühem Verhältnisse zurückzudrängen. 2 ) «j Der Judenplatz bildete den Knotenpunkt, nach welchem sich die Wege rechts und links durch die Currentgasse, Schulhof, Pariser- und Färbergasse, Stoss-im-Himmel und Jordangasse verzweigten, wie ich bereits im Capitel vom Peter erzählte. Schon im Jahre 1204 lässt sich urkundlich eine „Judenschule“ in der Gegend des Kienmarktes gegen den Salz- gries zu nach weisen. *) Aus den Satzungen dieser Synode (die uns in Urkunden noch erhalten ist) ergaben sich manche interessante Stellen- so z. B. hiess es wörtlich: „Die Juden sollen sich auch einer eigenen Kleidung bedienen und den gehörnten Hut wieder aufsetzen, den sie aus eigener Keckheit abgelegt hatten. Es sei ihnen untersagt, öffentliche Aemter zu bekleideji, Badestuben und Gasthäuser der Christen zu besuchen, Christenmägde und Ammen zu halten, oder gar Christen zum Uebertritte zu verleiten, auch keine neue Synagoge zu errichten.“ Man warf ihnen auf der Synode Dinge vor, die dem aberwitzigen Gehirne ihrer Feinde entsprangen. Nach dem grossen Freiheitsbriefe Friedrich Barbarossa’s vom Jahre 1156, mit dem der Kaiser den HerzogHeinrich Jasomirgott beschenkte, durfte letzterer im Lande Juden halten, und sie wurden ihm (nach deutschem 494 Die Juden in Wien. Diese ihre Freiheiten verursachten eine solche Feindseligkeit, dass die Bürger endlich erklärten, sie könnten neben den Juden nicht mehr bestehen. Jn ihrem Hasse gegen sie Hessen sich die Bürger oft zu Ungerechtigkeiten verleiten, und alles Uebel, von dem man betroffen wurde, legte man ihnen zur Last. So oft in Wien eine Feuersbrunst ausbrach, oder eine andere Landplage über die Stadt kam, schob der Pöbel die Schuld stets auf die Juden und war bereit in jedem Momente gegen sie loszubrechen. Die erste Verfolgung wurde unter Albrecht II. von kirchlicher Seite angeregt. Man stützte sich auf die Ansicht, die Juden seien wegen ihres Frevels, so sie an Christum begangen, zur ewigen Knechtschaft verdammt, sie seien unreine Leute und Ketzer. Der Glaubensfanatismus also brachte die allgemeine Erbitterung hervor. Im Jahre 1371 stieg diese Erbitterung in hellen Flammen empor, so dass Leopold sich veranlasst sah, die Juden ganz aus Wien zu verbannen. Man warf ihnen Münzverfälschung, Agiotage und Verletzung der Gesetze vor. Aber die Geldmacht war es, durch die sie sich wieder Einlass zu verschaffen wussten, sie bemächtigten sich nämlich aller Regalien, Steuern und Pachtungen, auf die sie im vorhinein grosse Vorschüsse leisteten. Am 4. November 1406 brach in der Judengasse Feuer aus: sogleich wurde die Nachricht verbreitet, die Juden hätten die Absicht, die ganze Stadt in Brand zu stecken. Das Volk plünderte sogleich die Judenhäuser, und acht Tage lang blieben die Juden in ihren Kellern versteckt, um nicht ihr Leben der Volkswuth preiszugeben. Dies aber war nur ein schwaches Vorspiel zu jener grossen letzten Judenvertreibung, die im Jahre 1421 stattfand, und die in der Geschichte ohne Beispiel ist. Schon zwei Jahre vorher waren die Wiener durch Misswachs gequält und geängstigt, die Lebensmittelpreise stiegen zu einer erstaunlichen Höhe; 1 ) umso empfindlicher drückte der Wucher und die Art upd Weise der Juden, wie sie ihre Forderungen eintrieben. Der alte Hass erbitterte minier mehr die Gemüther und drohte täglich bedenklicher gegen die Juden hervorzu- brecffen. Es bedurfte hiezu nur eines kleinen Anstosses. Dieser Hess auch wirklich nicht lange auf sich warten. Es verbreitete sich nämlich das Gerücht, der reiche Israel in Enns habe von der Messnersfrau jener Pfarre (St. Lorenz) zu Ostern 1420 einige geweihte Hostien gekauft und selbe zur spöttischen Nachahmung der christlichen Religion unter seinen Glaubensgenossen ausgetheilt. Wie ein Orkan ergoss sich jetzt die Volkswuth über die Juden, und dieErbitterung über diesen vermeintlichen Frevel war so gross und so allgemein, dass man schon Donnerstag Nachts vor Pfingsten die Juden in ihren Quartieren überfiel, sie aus den Betten riss, mit Stricken band und festnahm, die geringem sogleich aus dem Lande jagte, die reichen aber als Beispiel der Volksrache in Arresten zurückbehielt, um sie später dem sichern Tode zu weihen und ihr Vermögen einzuziehen. Religiöser Fanatismus und wilde Rachgier verlieh dem Volke Schwingen, welches jetzt mit unmensch- Vorhild) als Kammerknechte (servi camerae) untergestellt und als seine Diener gebraucht. Durch dieses Verhältnis waren sie wohl dem Herzog unterthiinig, aber sonst freie Männer und von allen andern weitern Bedrückungen befreit. Sie hatten blos die Geldgeschäfte des Herzogs zu besorgen, Gold und Silber in die königliche Münze zu liefern, im Uebrigen waren sie berechtigt, so weit die Grenze des Landes reichte, ihren Handelserwerb zu treiben, festes Grundeigenthum zu erwerben und Contracte mit Christen abzuschliessen. Der Herzog war ihr oberster Schutzherr, und sie unterstanden nur seinem eigenen Gerichte. Es gab daher eigene „Judenrichter“, die zu den herzoglichen Amtsleuten gehörten, und denen mehrere „Judenschreiber“ beigegeben waren. Doch hatten die Juden ihre eigenen Vorsteher und Meister der Gemeinde, die sie aus ihren Gliedern selbst wählten. Für diese Begünstigungen und den Schutz, den sie genossen, hatten sie dem Herzog jährliche Steuern zu zahlen; die Judenriclfter bestimmten dieselben, und die Gelder wurden in die herzogliche Kammer direct eingezahit. Sie hatten aber auch Naturallieferungen von Betten, Geräthschaften und bei Feldzügen auch Geldbeträge für Kriegssold zu leisten. 1 ) Nach den magistratischen Preistarifen des Wiener Marktes wurde ein Metzen Weizen mit 9 Gulden und ein Fässchen gemeinen Landweins mit 16 Gulden bewerthet. < Die Juden in Wien. 495 licher Grausamkeit die furchtbarsten Gräuelthaten verübte. Viele der Gemarterten, das Schlimmste ahnend, gaben sich selbst den Tod. ') Am St. Georgstage, den 12. März 1421, wurden zu Erdberg auf der sogenannten „Erdberger Haide“, wo gewöhnlich die Hinrichtungen durch s Feuer geschahen, 110 Personen jüdischen Glaubens beiderlei Geschlechts verbrannt, ihre Asche in die Donau geworfen und später die ganze Judenstadt sammt ihren Mauern und Thoren niedergerissen und die Häuser unter die Christen vertheilt, a ) am Hof aber sämmtliche Schuldobligationen und Urkunden öffentlich verbrannt. Selbst der „JubenfroMof' am Wiednerthor vor der Stadtmauer (zwischen dem Kärntnerthor und jetzigen Burgthor, wo sich heute das Palais Schey erhebt) blieb nicht verschont, man riss die jüdischen Grabsteine aus, die man später zu Hausbauten der nahen Vorstadt verwendete, wie dies z. B. in Gumpendorf der Fall war. * 2 3 4 ) Einige Zeit nach dieser Schreckensepoche liess man zwar einzelne Juden auf kurzen Besuch wieder in die Stadt ein, aber man erschwerte zugleich ihr Kommen durch allerlei drückende Verordnungen. Die erste Satzung, welche nach dem Jahre 1421 die Zustände der Juden regeln sollte, war die berühmte Judenordnung Ferdinands I. vom Jahre 1528, wonach jeder Jude, wenn er sich auch nur einen Tag in Wien aufhielt, bei der ,Stadtobrigkeit über seine Geschäfte Auskunft eTtheilen und auch einen sogenannten Aufenthaltszettel auf bestimmte Zeit lösen musste. Es war ihm bei strengster Strafe verboten, die „jüdischen Abzeichen“ abzulegen, irgend eine Hantirung oder Gewerbe zu treiben, die Häuser oder Herbergen der Christen zu betreten, an Sonn- und Feiertagen, besonders während des Gottesdienstes sich auf der Strasse blicken zu lassen. *) So drückend auch diese Beschränkungen waren, so wussten die Juden doch immer wieder den Wienern im Handel Concurrenz zu machen, wie dies besonders an Wochen- und Jahrmärkten der Fall war. Die durch die Juden gedrückte Lage der Wiener ward daher immer fühlbarer ‘) So erzählt die Geschichte von den) Weibe des Israel, dass es sich selbst in der Diebsschergenstube zu Enns mit dem eigenen Schleier erwürgte; ein reicher Jude zu Tulln stach sich das Messer in’s Herz; mehrere Jüdinnen zu Mödling und Perchtoldsdorf erdrosselten sich; viele verhüllten ihren Freunden und Geliebten das Gesicht und öffneten ihnen die Ackern; Kinder tödteten ihre Eltern und Väter ihre Töchter, um der Schmach zu entgehen. 2 ) Am Tage vor dem Palmsonntag erklärte Albrecht V. 1421 die Judenhäuser als „JrcflEigett". Diese merkwürdige Verordnung lautete wörtlich; „Kilo Laufet: in Wien, fo be» Jubelt fiitb gewefen, fetten fie wie immer »erlauft ober »erfetjt, fetten ftdbtifdt unb Burgermeifter unb Katt) follen baruber mit ihren Jnftegl fiegln." Vide das Buch: „Die Juden in Oesterreich vom Standpunkte der Geschichte, des Rechts und des Staatsvortheils,“ Leipzig, in zwei Bänden. (Anonym.) Es nimmt unter der ziemlich reichen Literatur über die Juden den vornehmsten Rang ein, da es sich sowohl durch Stylreinheit, als durch Reichthum historischer Daten auszeichnet. 3 ) Die in der Gumpendorferstrasse Vorgefundenen jüdischen Grabsteine verleiteten frühere Forscher zu der irrigen Annahme, dass hier bereits Phönizier oder später zur Zeit der Römer die Juden gebaut hätten; auch Lazius verfiel diesem Irrthume. Uebrigens sei noch bemerkt, dass dieser Friedhof erst im Jahre 1385 von den Juden angekauft und nach seiner Zerstörung von Herzog Albrecht V. als Baugrund an das Dorotheerkloster verschenkt wurde. 4 ) Die Verordnung Ferdinands I. lautete: „(PrbltUUg, Wie C3 furbait mit bctlftt ittldubifcbcn UUb augcfdfcnm Jubelt fo Konigl. aiafeftdt lammergut iitib, als aucfi mit ben auslänbifcbeii unb burcbreiienben Jubett, bie allbier gegen Wien tommen, gehalten werben tolle." Interessant ist die damalige Eintheilung der Juden in drei verschiedene Kategorien. Es gab Hofbefreite, Gemeine und Fremde. Erstere wurden erst unter Ferdinand I. eingeführt und genossen besondere Privilegien. So durften sie z. B. keine Steuern zahlen, keine Abzeichen tragen, durften grossen und kleinen Handel treiben und hatten das Recht, dem kaiserlichen Hoflager zu folgen. Dafür vermittelten sie die Geldgeschäfte des Kaisers und halfen der Regierung zu Zeiten mit Anlehen aus. Auf sie hatten die strengen Judengesetze keine Anwendung, aber gerade gegen sie waren die meisten Klagen von Seiten der Bevölkerung wegen Bedrückung gerichtet. Zur zweiten Gattung gehörten die sogenannten „gemeinen Juden“. Sie hatten ihre eigene Sonderstellung, wiewohl sie zu den Hofjuden in einem eigenen wirklichen oder nur fictiven Dienstverhältnisse standen, daher sie auf diese Art auch häufig dem Gesetze entgingen. Die Zahl der letztem war jedoch damals sehr gering; sie belief sich im Jahre 1512 auf nicht mehr als 7, 1599 auf 31 und im Jahre 1619 auf 42 Familien. Weit bedeutender war die Zahl der fremden oder sogenannten „Wandeijuden“. t 496 Die Juden in Wien. — Der Lazenhof. und der Ruf nach Vertreibung immer lauter und wurde bei passenden Gelegenheiten immer wieder erneuert.') Eine solche passende Gelegenheit bot sich z. B. am 23. Februar 1668 dar. Es brach nämlich früh Morgens im neuen Leopoldinischen Tracte Feuer aus, dem sämmtliche Stockwerke zum Opfer fielen. Sogleich legte das Volk den verhassten Juden das Brandunglück zur Last, obwohl es notorisch durch die Unvorsichtigkeit eines Tischlers verursacht worden war, und knüpfte zugleich auch die frühem Beschwerden hinzu über Wucher, Agiotage, endlich auch ein staats- verrätherisches Einverständnis mit den Türken, Schweden und missvergnügten Ungarn, und schon im April 1668 konnte die Stadtgemeinde dem heftigen Drängen des Volkes nicht länger widerstehen und sandte endlich eine Deputation an Kaiser Leopold I. und dessen Gemahlin Margaretha nach Neustadt ab, worin sie um gänzliche Abschaffung der Juden auf das Dringendste bat. Schon am 13. Juli 1669 verkündeten Trompetenstösse in allen Strassen Wiens, dass die nicht mit Haus- und Kaufsatz angesessenen Juden binnen vierzehn Tagen die Stadt zu verlassen hätten, und eine weitere Verordnung vom 14. Februar 1670 erstreckte sich auf alle übrigen Juden, so dass, wer immer sich bis zum künftigen Frohnleichnamsfeste in Wien blicken lasse, an Leib und Leben gestraft werden solle. Gleichzeitig überliess Kaiser Leopold I. den Juden den untern Werd zur Wohnstätte, daher diese Stadt, als von Leopold gegründet, „Leopoldstadt“ hiess, und wirklich war bereits am 28. Juli 1670 kein einziger Jude mehr in Wien anzutreffen; deshalb wurde auch am 24. Juli von Seiten der Stadtgemeinde mit der Regierung ein Vertrag abgeschlossen, wonach sie die ganze neue Judenstadt um 100.000 Gulden ankaufte, die Tilgung aller Schulden der Juden bis zum Betrage von 10.000 Gulden übernahm und sich verpflichtete, den Entgang der Judensteuer bis zum Betrage von 14.000 Gulden der Regierung zu ersetzen. Jedoch keiner von allen den ausserordentlichen Vortheilen, die sich die Bürgerschaft von der Judenabschaffung erhoffte, ging in Erfüllung. Die Bürger blieben mit ihrer Judensteuer im Rückstände, die Regierung erlitt einen Steuerverlust von 14.000 Gulden, die Landstände einen solchen von 20.000 Gulden, und das ganze Land war durch diese Abschaffung um 8 Millionen ärmer geworden. Aus diesen schwerwiegenden Gründen kam schon nach fünf Jahren zwischen der Regierung und den Juden abermals ein Vergleich zu Stande, wonach diesen der Aufenthalt in Wien wieder gestattet wurde, wiewohl unter mancherlei Beschränkungen. Somit war diese Judenverfolgung vom Jahre 1670 der letzte verunglückte, aber lehrreiche Versuch, die Juden von Wien für immer vertreiben zu wollen. Alle übrigen seit dem erflossenen Gesetze und Nachtragsverordnungen, 4 )ja selbst das so viel gepriesene Toleranz-Edict Kaiser Josefs II. sind nur als vorbereitende Uebergänge zu einer dereinstigen bessern Zukunft zu betrachten. Doch war jetzt schon der Same des Guten gesäet und trug redliche Früchte. Die Schranken sind gefallen, die man zwischen einem verwahrlosten Volksstamme und der allgemeinen Civilisation gezogen, die eingerosteten Vorurtheile und Missbräuche, die eine mehrere Jahrhunderte alte Knechtschaft erzeugte und ein unzeitiger Rabbinismus nährte, sind bereits geschwunden, und der grosse schöne Bau der Humanität, den Kaiser Josef II. begann, geht seiner Vollendung entgegen. Zu den historisch interessanten Häusern der Judengasse gehören folgende: Der Lazenhof Nr. 500 und 516 (neu 1). Mit diesem Namen wird die Erinnerung an einen Mann wachgerufen, der nicht blos durch seine Gelehrsamkeit zur Berühmtheit gelangte, sondern als der Verfasser der ersten und *) So erinnere ich z. B. an die Verbannungspatente von 1554, 1567, 1572, 1619 und 1625, aber immer schien die Regierqng nur einem allzu eilfertigen Drängen nachzugeben, und es ereignete sich nicht selten, dass sie die von ihr festgesetzten Auswanderungstermine absichtlich erstreckte, um das Geld der reichen Juden bei ihren Geschäftsunternehmungen noch weiter in Anspruch nehmen zu können. 2 ) Die Verordnungen, welche seitdem erflossen, sind von den Jahren 1697, 1753, 1755 und 1765, dann eine Verordnung vom 17. Juli 1783 und 20. Februar 1784, 9 I i 9 Der Lazenhof. — Wolfgang Lazius. # 497 ältesten Wiener Stadtchronik ganz besonders für uns von Bedeutung ist; ich meine den Doctor UMfgattjJ Ca3 oder CasiltS, wie er sich nannte. * Er war hier im Hause geboren, kam frühe, noch bei Lebzeiten seiner Mutter, die ihm als Witwe diese Realität gegen eine Leibrente abtrat, in den Besitz desselben, vergrösserte es durch Ankauf eines Nebenhauses und verschönerte es durch Anlegung eines schattigen Gartens (1548), an dessen Stelle gegenwärtig der Gasthof „zur Dreifaltigkeit“ steht. Hier schrieb er in stiller Zurückgezogenheit seine zahlreichen gelehrten Werke in lateinischer Sprache, die er alle mit dem Zusatze zu datiren pflegte: „Ex aedibus paternis,“ womit er seinen geliebten ,,Ca3en(>of' meinte. Hier im Hause stellte er auch seine vielen römischen Inschrifttafeln, Votiv- und Grabsteine, Legionsziegel und andere antiquarische Kostbarkeiten, die er im Laufe der Zeiten mühsam gesammelt hatte, auf, oder befestigte sie an den Mauern. Hier starb er auch, beneidet und betrauert, nach einem ruhmvollen Leben im Alter von 50 Jahren unter Zurücklassung eines nicht unbedeutenden Vermögens. Leider gingen nach seinem Tode die kostbaren archäologischen Sammlungen fast alle wieder zu Grunde; die Steine wurden pietätlos zu Bauten verwendet, die reichen Inschrifttafeln gewisfcen- i los zerschlagen und selbst das Haus im Laufe der Zeiten vielfachen Renovierungen und Umbauten 1 unterworfen, ja sog|r zuletzt im Jahre 1854 von Grund aus abgebrochen und durch einen vollständig neuen Prachtbau ersetzt. Aber der Name „Ca3Clt^0f ,y lebt noch fort und erinnert noch heute an seinen einstigen vielgelehrten und vielberühmten Besitzer, und räumen wir nur ein klein wenig den alten Schutt der Vergangenheit hinweg und versetzen wir uns nur ein klein wenig im Gedanken in jene alterthüm- lichen, ehrwürdigen Wohnräume, die uns noch Allen im Gedächtnis geblieben sind: so tritt uns ein sehenswerthes, überaus lichtvolles Bild der Vergangenheit entgegen, und die wuchtige Gestalt des berühmten Lazius steht uns wieder lebendig vor Augen. » Wolf gang Lazius, ein echter Repräsentant mittelalterlicher Gelehrsamkeit, der grösste Vielwisser und Vielschreiber, aber auch der emsigste Sammler aller Zeiten, war hier im Hause am 31. October 1514 geboren. Er entstammte einem alten ansehnlichen Wiener Bürgergeschlechte. Seine Mutter Ottilie (eine geborne Schallautzer) war die Schwester des berühmten Hermann Schallautzer, dem Wien seine Verschönerung durch zahllose Häuserbauten, aber auch seine grössere persönliche Sicherheit durch Vermehrung und Verbesserung der Stadtfestungswerke verdankt. Diesem zufälligen Umstande ist Lazens Vorliebe für antiquarische und archäologische Studien zuzuschreiben, denn während er seinen Onkel Hermann bei den fast täglichen Erdausgrabungen und Terrainuntersuchungen begleitete, traf er oft auf kostbare alte römische Legionsziegel, Münzen, Denksteine etc., die er alle fleissig sammelte, im elterlichen Hause aufstellte und so die Wissbegierde und Liebe zu Alterthumsforschungen nährte und erweiterte; dazu kommt noch, dass er schon frühzeitig durch den berühmten Sternkundigen Georg Tannstetter (Lehrer Kaiser Maximilians I.) gründliche Bildung erhielt. In seinem fünfzehnten Lebensjahre erlebte er hier die erste Türkenbelagerung. Das Bild des wüsten Kriegslebens und der Kriegsgefahren prägte sich tief in seine jugendliche Seele, und schon drei Jahre später litt es ihn nicht länger im elterlichen Hause; der Thatendrang erwachte, und, von einem glänzenden Soldatenleben angezogen, folgte er den kaiserlichen Fahnen nach Ungarn, sein Glück versuchend. Doch ba'ld kehrte er wieder heim, um seinem Vaterlande auf andere Weise nützlich zu werden. Zuerst übernahm er die Erziehung zweier Edelleute (Freiherren von Starhemberg und Pögel), mit denen er ganz Deutschland, Frankreich, England und die Niederlande durchwanderte, noch immer unschlüssig, welcher Wissenschaft er als Brodstudium sich zuwenden solle. Endlich entschied er sich für die Medicin; sie schien ihm die wichtigste im Leben, wichtiger als die juridischen 63 I • . 498 ' Wolfgang Lazius. Studien, „denn zuerst müsse man,“ so meinte er, „gesund sein, und dann könne «man Processe ‘führen und Vermögen erwerben und erstreiten, um es zu gemessen.“ Er körte also in Ingolstadt mehrere berühmte Lehrer und kam dann voll Begeisterung für seinen neuen Beruf in die Heimat zurück, um vorerst in Wiener-Neustadt, dann aber in Wien ärztliche Praxis auszuüben. Hier erhielt er im Jahre 1540 an der Universität die Stelle eines Lehrers der freien Künste und docirte später durch zwanzig Jahre die Arzneikunde unter grossem Zudrang seiner Schüler. Seine Verdienste blieben nicht unbelohnt. Kaiser Ferdinand I., ein Gönner der Wissenschaften und schönen Künste, erwählte ihn wegen der erstaunlichen Vielseitigkeit seines Wissens zu seinem geheimen Rath, Geschichtschreiber und Leibarzt, er betraute ihn mit der Stelle eines Hofbibliothekars und Directors des Münzcabinets, und als Lazius seine Geschichte Wiens dem Kaiser widmete, schmückte ihn dieser mit der goldenen Kette und erhob ihn in den Ritterstand. 1 Doch die sitzende Lebensweise und die unaufhörlichen Anstrengungen - untergruben bald t seine Gesundheit. Zwei furchtbare Leiden, Gicht- und Steinschmerzen, stellten sich ein, denen er * am 19. Juli 1565 erlag. Sein Leichnam wurde in der St. Peterskirche beigesqtzt, wo gleich links vom Eingänge sein Grabmal noch heute zu sehen ist. , Er war ein seltener Charakter, Uneigennützigkeit und anspruchsloseste Bescheidenheit waren seine beiden schönsten Zierden. Seine Kenntnisse umfassten alle Zweige des menschlichen Wissens. Was er einmal ergriff, dem weihte er sich mit aller Hingebung, voll und ganz. Er war der vielseitigste Forscher und fleissigste Sammler aller Zeiten, wiewohl nicht geleugnet werden kann, dass ihm bei all’ seinem Forscher- und Sanunlerffeisse ein gewisser Sinn für den nöthigen chronologischen und synchronistischen Zusammenhang abging, daher seine Werke bei all ihren Vorzügen doch an gewissen Mängeln litten. Er war eben ein Repräsentant der mittelalterlichen Gelehrsamkeit, wie sie sich bei uns in Oesterreich leider noch bis in die Zeiten der Jesuitenschulen forterhielt, und die sich von unserer modernen Gelehrsamkeit so wesentlich unterscheidet. Der Unterschied liegt in Folgendem: früher ging man dem Wissen nach blos des Wissens halbter, ohne selbes für das praktische Leben nutzbar zu machen; man lernte eine Menge Unnützes und Ueber- flüssiges, nur um es zu wissen, man beschwerte sein Gedächtnis mit einer Unzahl von überflüssigen Namen, Formeln und Zahlen, man lernte z. B. die Namen der alten phönizischen Könige auswendig, wusste die Jahrzahl der Erdbeben und Sonnenfinsternisse an den Fingern herzuzählen, ohne sich dabei zu fragen, was denn mit diesem Wissen für das wirkliche Leben oder nur für die Wissenschaft selbst gewonnen sei. Unsere heutigen modernen Gelehrten gehen von andern Principien aus. Es handelt sich bei ihnen nicht um die Vielwisserei, sondern vielmehr bei aller Vielseitigkeit darum, sich nur auf eine einzige Materie zu werfen, diese aber exact und gründlich zu erforschen und sie dem praktischen Leben dienstbar zu machen. Aus diesem Grunde geht unsere aufgeklärte moderne Jugend diesem realistischen Zuge nach und erwählt sich jene praktischen Wissenschaften zur Lebensaufgabe, die einen bestimmten Nutzen fürs Leben abwerfen. Chemie, Physik, Elektricität, Mechanik, Maschinenlehre sind die heutigen Apostel des Wissens, während die philosophischen und metaphysischen Wissenschaften längst schon in den Hintergrund gedrängt sind. Alles wird heute durch Maschinen besorgt, es ist, als ob die ganze Menschheit aus einem Kopfe denken, fühlen und empfinden würde, als ob sie selbst zur Maschine würde. Dort, wo einst Hunderte von emsigen Menschen ihren Nahrungserwerb gezogen, ersetzt oft die Hebelbewegung einer einzigen Maschine die ganze Arbeit, und selbst der Krieg zweier Völker ist heute nichts als das Ergebnis zweier Waffenfabriken; wer von ihnen schneller und weiter schiesst, hat gewannen. Die Maschinen kürzen uns Zeit Wolfgang Lazius. 499 und Raum, helfen uns aufbauen und zerstören. Während früher die Menschen sich mit speculativen Wissenschaften befassten, die Gefühlswelt zum Gegenstände ihrer Beurtheilung machten, die Sterne Himmel 1 , befragten, vom gen sich Raths erholten, hier auf Erden das Glück verloren. als Astrolo- ging ihnen des Lebens Fig. 178. Der Lazenhof, Auch Lazius mühte sich nutzlos im Schweisse seines Angesichtes ab. Er sammelte unverdrossen alles Mögliche, Bücher und Urkunden, Steine und Legionsziegel, Münzen und Curiosa, und sein umfangreicher Bücherschatz, sowie seine eigenen handschriftlichen Werke, die fast insgesammt an die kaiserliche Hofbibliothek gelangten, geben Zeugnis von der Nutzlosigkeit und Unfruchtbarkeit dieser undankbaren Arbeit. ‘) Nicht geringes Aufsehen erregte es in den Kreisen der Gelehrten und Archäologen zu Wien, als im Jahre 1852 bei Gelegenheit des Umbaues des Lazen- hofes einige merkwürdige Funde zum Vorschein kamen, die theils auf die Geschichte dieses Hauses, theils auf die Kunst und römische Geschichte Bezug hatten. 2 ) Eine Abbildung suh Figur 178 zeigt uns, wie der Lazenhof bis zu seinem im Jahre 1854 erfolgten Umbau ausgesehen. ') Sein bedeutendstes Werk ist die „Geschichte Wiens“, die er in lateinischer Sprache unter dem Titel! „Vienna Austritte Herum Viennensium Commentarti in IV libr, distincti“ herausgab. und die zuerst im Druck im Jahre 1S46 zu Basel erschien. Sie wurde im Jahre 1614 von Heinrich Abermann, Rector der Bürgerschule bei St. Stefan, verdeutscht. Seine handschriftlichen Verlassenschaften sind grüsstentheils genealogischen Inhalts, seine vielen Fragmente, öffentlichen Reden, die er bei feierlichen Gelegenheiten hielt, einzelne historische publicistische Abhandlungen über Oesterreich, Steiermark, Baiern, Ungarn und Siebenbürgen, so z. B. die „Geschichte der Kriege“ Carls V. wider den schmalkaldischen Bund, Ferdinands I. um Ungarns heilige Krone, alles lateinisch, seine „Opera historico-politica" (gesammelt in drei Bänden, Antwerpen, 1698) enthalten manches Interessante. Doch sein grösstes Verdienst besteht wohl unbestritten darin, dass er auf seinen Reisen in derKarthau.se zu Gaming die vortreffliche Reimchronik des Steiermärkers Ottokar von Horneck (1260 bis 1309), eines Dienstmannes Ottos von Liechtenstein, auffand, die der gelehrte Benedictiner zu Molk Hieronymus Petz später herausgab. Vide: Fr. von Sacken’s Aufsatz über den Lazenhof im Literaturblatt der „Wiener Zeitung“ 1853, pag. 89 und Mittheilungen von A. Camesina über Lazius im I. Bande der „Berichte und Mittheilungen des Alterthumsvereines“ in Wien. a ) Unter diesen Ausgrabungen waren besonders drei Objecte von Bedeutung und zwar: ein Inschriftstein aus dem Jahre 1647, der über die Besitzrechte der Dreifaltigkeitscapelle Aufschluss gibt; das Grabmonument Georg Bachmann’s, unseres verdienstvollen Historien- und Kirchenmalers, dem Wien mehrere kostbare Altarbilder verdankt, wie z. B. bei den Schotten jenes des Papstes Gregor, in der Dominikanerkirche jenes des Thomas von Aquin und ein römischer Votivaltar Jupiters, dessen bereits Lazius in seinen Schriften näher erwähnt; es ist dies derselbe Altar, den einst Cajus Arodius dem Jupiter von Doliche weihte (dem Zeus Belos der Syrer), dessen Cultus in der spätem römischen Zeit sehr verbreitet war. Vide: J. G. Seydl’s Aufsätze über „Jupiter von Doliche“ in den Sitzungsberichten der Akademie der Wissenschaften der historisch-philosophischen Classe (im XII. Bande, 1. Heft, und ebenso XIII. Band, 2. Heft). 63 * 500 Der Dreifaltigkeitshof. — Das Focky’sche Haus. Der Dreifaltigkeitshof Nr. 497 (neu 12 b) hat seinen Namen von der uralten „Dräfaltigteitscapdte", welche ein Wiener Bürger Namens Zwick im Jahre 1326 zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit erbauen liess. *) Uebrigens sind uns zahlreiche Urkunden, besonders über den Dreifaltigkeitshof, erhalten geblieben, welche von dem hohen Alter dieser Capelle und den angesehenen Bürgergeschlechtern als Besitzern Zeugnis geben. Die hervorragendsten Besitzer waren hier unstreitig die „(ElirattnefitfF" oder „Uroitffiter" (wie sie sich später nannten), die bereits im Jahre 1345 im Besitze dieses Hauses waren, das sie mittelst Los unter sich in drei Theile theilten ’) und die vielleicht das einzige alte Wiener Geschlecht sind, welches nachweisbar seit dem Mittelalter bis in die jüngste Zeit fortblühte und noch in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts achtbare Sprösslinge im Handels- und Militärstande aufzuweisen hatte. Das Focky’sche Haus Nr. 502 (neu 4) ist seines alterthümlichen Baues wegen merkwürdig. Die eigenthümliche hohe, zu beiden Seiten abgehackte Dachconstruction verräth den Baustvl des XVII. Jahrhunderts, und auch die Jahreszahl 1768 (wahrscheinlich die Jahreszahl der Renovierung) auf der vordem Dachwand ist beachtens- werth. Nach den ältesten Grundbüchern erscheint Daniel Focky, des Innern Raths und Oberstall- Cammerer, im Jahre 1683 an der Gewähr und dürfte wahrscheinlich der Erbauer dieses Hauses gewesen sein. Er ist derselbe, der sich während der zweiten Türkenbelagerung (1683) um die Vertheidigung Wiens so grosse Verdienste erwarb. Er wurde damals zum Oberstlieutenant ernannt und hatte die ehrende Aufgabe, an der Seite des Bürgermeisters Liebenberg die waffenfähige Bürgerschaft, die damals (nach Huhn) 2382 Köpfe zählte, zu befehligen. Unermüdlich und unerschrocken stellte er sich überall an die Spitze und dorthin, wo die Noth es erheischte. Sein Heldenmuth war umso nützlicher, als er durch sein Beispiel auch den Muth der Bürger anfeuerte. Nach dem glücklichen Entsätze war wohl Liebenberg nicht mehr am Leben, aber Daniel Focky trat in das Erbe seines Ruhmes und seiner Entlohnung; er rückte als Bürgermeister-Stellvertreter vor und war der Erste, der aus der Hand Leopolds I. die goldene Kette mit der daranhängenden Denkmünze erhielt und mit dem Titel eines kaiserlichen Rathes ausgezeichnet wurde. Nach dem Tode Focky’s blieb dieses Geschlecht noch nahezu ein Jahrhundert im Besitze dieses Hauses, und zwar kamen dessen Sohn Jacob Ignaz Focky, Medicinae-Doctor, im Jahre 1700 und später dessen Erben an die Gewähr. 3 ) ') Der religiöse Begriff der göttlichen Dreifaltigkeit wurde bei den frommgläubigen Wienern stets in Ehren gehalten, auch eine fromme Bruderschaft ward gebildet, die sich die „Bruderschaft der heiligen Dreifaltigkeit“ nannte und der auch Leopold I. als Mitglied beitrat. Der Kaiser übergab diese Capelle im Jahre 1700 den Ordensgeistlichen des heiligen Philipp Neri, undKuechelbecker erzählt: „Die Ttttöttbl bero (Dr&ensTeutbe beliebt bis babero nur in .jtoblf perfonen, roetcbe nicht nur bie ktrcbe jur heiligen Dreifaltigteit rermlten, fonbern cs halt auch alte Ttbenb einer non benielben auf bera öffentlichen piafce nor ber heiligen Dreifaltigfeiteiaule, ber ©raben genannt, eine prebigt." — Kaiser Josef li. hob diese Capelle im Jahre 1780 wieder auf und verkaufte die dazugehörigen drei Häuser,und zwar: das Haus Nr. 498 (neu 10), welches noch im Jahre 1773 als „Zinshaus der Philippi Nerianer“ genannt wird; Nr. 496, das schon 1700 grundbücherlich als Gast- und Wirths- haus „zur heiligen Dreifaltigkeit“ vorkommt, und Nr. 495 (neu 14), welches eine Ecke in die Seitenstettengasse bildet und seit 1827 in die heutige Gestalt umgebaut ist; die Capelle aber wurde durch ein Stockwerk im Innern untertheilt und zu Privatwohnungen eingerichtet. Das Aeussere der Kirche mit dem eigenthümlich geformten Blechdache ist noch heute deutlich erkennbar. ') Der über diese Theilung ausgefertigte Theilungsbrief (einem Transsumte des niederösterreichischen Stände- archives entnommen) gibt sowohl über die Glieder dieses alten Geschlechtes, als auch über die Gestalt des Hauses aus jener Zeit genaue Auskunft. Die Urkunde befindet sich noch gegenwärtig im Landstände-Archiv. 3 ) Als weitere Besitzer erscheinen: 1787 Franz Wolf; 1795 Martin Wolf; 1806 Martin Wolf Edler von Wolfenthal; 1812 Franc. Wolf von Wolfenthal; 1822 Anna von Innerhofer, 1828 Joh. von Innerhofer; 1833 Joh. Innerhofer von Imhof; später Johann Kropf. Die gegenwärtigen Eigenthümer sind Franz und Johann Kropf. Das Haus „zur schwarzen Bürste“. — Der Judenplatz. 501 Das Haus „zur schwarzen Bürste“ Nr„ 459 (neu 11) ist insoferne bemerkenswert!!, als sich hier die beliebte Bier- und Weinschänke „zur schwarzen Bürste“, eine Rivalin der ebenso berühmten „weissen Bürste“ Nr. 630 (im Eder’schen Hause auf der Brandstätte), befand. Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts nahmen beide Localitäten die Aufmerksamkeit der Wiener Trinkfreunde gleich lebhaft in Anspruch, so dass der Ausdruck „zur schwarzen oder zur weissen Bürste gehen“ allgemein gleichbedeutend war mit „tüchtig trinken“, daher noch heute der Ausdruck „bürsten“ so viel bedeutet als saufen. ') Später führte dieses Haus das Schild „zum schwarzen Adler“. XLII. CAPITEL. Der Judenplatz. enn es in Wien irgend einen Platz oder ein Plätzchen gäbe, das geeignet wäre, all’ die Erinnerungen des Mittelalters uns so recht lebhaft vor Augen zu führen, all’ die Schrecken und Grausamkeiten einer fanatisch bewegten, glaubensfinstern, unduldsamen Zeit uns wachzurufen, so ist es vor Allem der „Judenplatz“, der noch heute mit unverlöschlichen Zügen jene Spuren von Gräuelthaten festhält, die das Brandmal ewiger Schande dem XV. Jahrhundert aufdrücken. Hier war bis zum Jahre 1421 der Hauptsitz der Judenquartiere, und hier standen ihre wichtigsten Häuser und Gemeindeanstalten. Im Hause Nr. 345 (neu 10) z. B. war das „Judenspital“, wo die Armen unentgeltlich freundliches Obdach und sorgliche Verpflegung fanden; * 2 ) im Hause Nr. 344 (neu 9) befand sich die grosse „Judenschule“, hier wurden die göttlichen und weltlichen Gesetze gelehrt, und hier sog man freigeistige Denkungsart ein, gleich jenen spanischen Juden, die damals auf einer ausserordentlichen Höhe der Bildung standen. Am untern Ende des Schulhofes, an der Mauer des Carmeliterklosters lag der „Judengarten“, 3 ) wo lachende und scherzende Kinder am Sabbath- morgen im Grase gewöhnlich zu spielen pflegten, während in der Synagoge der wöchentliche Abschnitt verlesen wurde; im Hause Nr. 432 (neu Kleeblattgasse 5) befand sich die „Judenbadstube“, in der Mitte des Judenplatzes aber das Haus des Rabbi; es stand zum Besuche der ganzen Gemeinde offen, hier ging man ein und aus ohne Umstände, verrichtete kurze Gebete, oder holte sich Neuigkeiten, oder hielt Betrachtungen in allgemeiner Noth; das wichtigste aber und grösste Gebäude von allen war die alte „Judensynagoge“, sie gehörte zu den bedeutendsten Deutschlands, und mehrere ihrer Rabbiner zeichneten sich durch tiefe Gelehrsamkeit aus, wie z. B. Isak ben Mose, Verfasser des theologischen Werkes „ Or serua “ (gesäetes Licht), dessen Sohn Rabbi Hajyn und Rabbi Mordachai. 4 ) Die Synagoge lag an der rechten Seite des Judenplatzes zwischen der heutigen *) Eine noch einfachere Erklärung betreffs des logischen Zusammenhanges zwischen einem Mitgliede der Bürstenbinderzunft und einem Säufer stützt sich auf folgenden Umstand: Bei der Arbeit des Besen- und Bürstenbindens wird in der Regel massenhafter Staub erzeugt, was eine immerwährende Trockenheit der Kehle der Arbeiter verursacht, in Folge dessen sie das Bedürfnis häufiger und dringender als Andere fühlen, ihre Kehlen sachgemäss anzufeuchten. Da aber die Zunftmitglieder oft diesem Drange über die Gebühr nachgingen, so entstand für sie das bekannte Sprichwort: „Der sauft wie ein Bürstenbinder.“ s ) Im Gewährsbuch bis zum Jahre 1794 heisst der Beisatz: „DüUS, TOelcbeS ehemals Juöenfpitfll getüeff." 3 ) Der „Judengarten“ wird schon im Jahre 1400 in einem Kaufbriefe erwähnt. *) Jost in seiner „Geschichte der Juden“ nennt die Wiener Synagoge eine der grössten Deutschlands und führt auch mehrere gelehrte Rabbiner jener Zeit als Muster der Weisheit an. Vide auch die „Geschichte der Juden“ von Georg Wolf. t I * 502 Das Haus „zum grossen Jordan“. Current-und Jordangasse und nahm den dritten Theil des Judenplatzes ein, daher derselbe damals um ein Drittel kleiner war als jetzt. Hier wurden alle Glaubensgebräuche, selbst die kleinlichsten, mit der ängstlichsten Gewissenhaftigkeit geübt. Hier versammelte man sich bei Hochzeiten und Leichenzügen und zankte sich und versöhnte sich wieder. Ein Jahr nach der grossen Judenvertreibung 1421 wurde die bereits besprochene Mauer, welche bis dahin die Judenstadt umgab, auf städtische Kosten abgebrochen, worüber die Auslagen in den Cammeramtsrechnungen Vorkommen. ’) Die Synagoge wurde gänzlich abgetragen und der hiedurch freigewordenePlatz zumVerkaufe verschiedener Waaren, namentlichHolzwaaren, benützt. Seit dieser Zeit hat sich die Physiognomie des Platzes im Wesentlichen nicht geändert und auch nicht seinName „Judenplatz“, dem wir schon bei Hirschvogel imjahrel547 und bei Michael Behaim in seinem Buche über die Wiener begegnen. Ein hochinteressantes Bild aus der Zeit von 1725 bis 1730 zeigt uns den Platz sub Figur 170 in seiner damaligen Gestalt. 2 ) Von den historisch-interessanten Häusern hebe ich blos hervor: Das Haus „zum grossen Jordan“ Nr„ 404 (neu 2). Es führte dieses Schild zu Ehren seines Hausbesitzers, der Johannes Jordan hiess. Um ihn gebührend zu verherrlichen und seinen Namen auch der Nachwelt zu erhalten, wurde das Haus mit einem Basrelief geschmückt, welches, in Stein gehauen, die Taufe des heiligen Johannes im Flusse Jordan im Beisein eines Engels darstellt. Noch heute sehen wir dieses schöne und noch wohlerhaltene Steinbild ober dem Hausthore an der Wand zwischen dem ersten und zweiten Stockwerke prangen. Die darunter stehende Inschrift lautet: „Flmnine Jordani terguntur labe malisque Corpora: Cum cedit quod tatet oinne nefas; Sic flamma assurgens totam furibunda per urbem i42i Hebraeum purgat crimina saeva canum, Deucalioneis mundus purgatur ab Uudis. Sicque itertim poenas Igne furiente luit.“ ‘J In den Cammeramtsrechnungen von 1422 heisst es: „Dött bcnöett tnitlVent bej (üdrtlritts fttb itUCb tOT ©affe ilt bei Jnbengafien abjepre^ett ml» nieber 31 t legen." 2 ) Das Bild ist von Salomon Kleiner gezeichnet und von J A. Corvinus gestochen, 33'S Cm. breit und 22'8 Cm. hoch, es bringt uns den Platz nur von drei Seiten zur Ansicht, die vierte, der Wipplingerstrasse zugekehrte Seite, wo sich heute das Ministerium des Innern Nr. 384 (neu 11) befindet, ist hier im Bilde weggedacht. In der Mitte der Zeichnung öffnet sich uns eine interessante Durchsicht durch das Parisergässchen in den Schulhof zur Carmeliterkirche, wo einstmals ein Freithof sich befand; das thurmgekrönte Einfahrtsthor beim Eingänge in den Schulhof wurde später cassirt. Links im Bilde zeigt sich uns der Eingang in die Currentgasse und rechts jener in die heutige Drahtgasse, welche den Judenplatz mit dem Hof verbindet. Zwischen der Current- und Drahtgasse bilden vier Häuser die hintere Front des Bildes. Das äusserste links in die Currentgasse ist das Managettahaus Nr. 409 (neu 3), es ist an seinem flachen Dache erkennbar, das anstossende Haus Nr. 410 (neu 4) ist ebenfalls wie das vorbenannte dreistöckig Und mit einer Muttergottes (Jesus auf dem Arme) in einer Nische geziert; das nächste ist das Eckhaus „zum englischen Gruss“ Nr. 411 (neu ä), an der dreistöckigen Rondelle und an dem Steinbilde zwischen dem ersten und zweiten Fenster des ersten Stockwerkes erkennbar. Das grösste und breiteste Haus aber an der andern Ecke des Parisergässchens ist das Haus „zur goldenen Säule“ Nr. 417 (neu 6); die übrigen vier Häuser an der rechten Front des Platzes sind: die beiden kleinen Häuser, heute in den Ledererhof Nr. 341 zusammengebaut; das sogenannte kleine Dreifaltigkeitshaus Nr. 342 (neu 7) und das fünfstöckige Haus Nr. 343 (neu 8). Der Platz ist durch eine reiche Staffage belebt.es ist hier ein Markt mit Holzgeräthschaften etablirt, besonders die Holzleitern sind gesucht: auch liegen links Säcke mit Frucht zum Kaufe bereit. Das interessanteste Haus ist hier am äussersten Ende des Bildes links das Haus „zum grossen Jordan“ Nr. 404 (neu 2), von dem in diesem Capitel ausführlich gesprochen wird. Der Judenplatz, Ir^mi Hilft i& WV'VW.W ^ 5® ® wm na® L^kKkH? ijS. Jt. n TsDfiK; t'fcBSw ;*! JSI-; 5® »: UH" jSlj ! ' : -£55ta 'T51 ! «gsfc 'gl i i; S:K MjlVjML-« I •» »>]*:»'•*** « 4 4 ä T&!; Je»; N * ^ SW® ? kiw» «8 4fi n, ' I *ii ■ 2 /V. !' . I • 5 = 1 - %£• «"V. 'i p ! M [ajl . if™(.| iS?!! JSlj in@fj -3Ss( : m W $ ! I lUi=?mi^= a 3?l ll l L~^J ll l Si.C-'-««w nl frmmt li? V&ili iinm»»nmiuHi i a na» Ißäki ftllttltlfM I ~« 3 PH doja UnWi, wx ‘j^Sr- =t:;^==M ;-jü IlUaiCHIIMIll! ■^ÜÜliHE’inP; u - •' . | yi"«u IpT"*?, .•r’W* fiprss^j i ¥ 504 P as HauS| W zum englischen Gruss“. — Das Jantschky’sche Haus. Das Bild sub Figur 180 zeigt uns die Gestalt dieses Basfreliefs. Fischer (brev. tiot. IV. 147} erzählt, dass sich an diesem Hause auch eine Inschrift befand, die folgendermassen lautete: „Ao. J42J WUrbcit öte Tuben (>ie rerbrenbt/' Im Jahre 1560 trat Johann Jordan, gewählter Stadtanwalt (ein Nachkomme des Obigen), dieses Haus an den Jesuitenorden ab, welcher darin ein Convict gründete. Fünf Jahre später aber liess sich der zu jener Zeit ohnehin grösstentheils lutherische Magistrat zur gewaltsamen Vertreibung der Jesuiten aus dem Jordanhaus hinreissen, musste es jedoch kurz darnach an den Orden wieder herausgeben, der es alsdann im Kaufwege an die Stadt abtrat. Seit 1684 finden wir dieses Haus wieder im Privatbesitze. *) Das Haus „zum englischen Gruss“ Nr. 411 (neu 5) besitzt noch heute ein uraltes Steinbild am Hause, welches Maria vor dem Erzengel knieend darstellt und dem Hause obige Benennung verlieh. Zu Anfang des XVIII. Jahrhunderts wurde es das Schneider’sche Haus genannt, von Bartelmä Küster dem Schneider. * 2 ) Das Jantschky’sche Haus Nr. 344 (neu 9 oder Wipplingerstrasse 17) ist für die Wiener insoferne von Interesse, als ein gewisser Johann Jantschky (der Besitzer dieses Hauses) zu Anfang dieses Jahrhunderts die erste Miethanstalt für Herrschafts wagen gründete. Seine Wagen waren gross, viersitzig, geschlossen und hatten das Ansehen von etwas schwerfälligen Herrschaftswagen; ihre Kutscher waren schön livrirt und die Pferde elegant geschirrt; man konnte sie auf ganze oder halbe Tage, ja auch nur auf Stunden miethen und nannte sie nach ihrem Erfinder „JautflfyltytPügetF'; sie erfreuten sich einer grossen 'Beliebtheit, und die lebenslustigen Wiener benützten sie grösstentheils für Hochzeiten, Namens- und Ballfeste, Landpartien und Praterfahrten. Heute sind sie bis auf den Namen vergessen und von den Unnummerirten verdrängt. Schon im Jahre 1806 finden wir einen Johann Jantschky im Besitze dieses Hauses. 3 ) Auch von den drei Nebengassen dieses Platzes, Fütterer-, Jordan- und Parisergasse, ist manches Interessante zu sagen. ') Im Jahre 1770 besass dieses Haus Katharina von Stettner und später deren Erben, und erst in neuester Zeit ging der Besitz an die heutige Eigenthümerin Marie Edle von Walter über. a ) Die ältesten Hausbesitzer waren: 1489 Margarethe Ruland und Erben, 1648 Georg Puechner, 1775 Josef von Baeckenfeld, 1795Eva Edlevon Katharin, 1806 Henriette Gräfin von Lichnowska, 1822 Leopold Ritter von Herz, Josef Ludwig Graf von Mallabaila-Canal und gegenwärtig Anton Graf Canal. 3 ) Die weiteren Eigenthümer waren: 1822 Josef und Therese Jantschky, 1828 J. Jantschky. Später wurde das Haus zwischen folgende Besitzer getheilt: Therese, Ludwig, Jos. und Fried. Syre, dann August und Moriz von . Siccardsburg. Gegenwärtig ist Moriz von Siccardsburg der alleinige Eigenthümer. Fiff. 180. Basrelief an dem Hause Nr. 402 (neu 2) auf dem Judenplatz. WJX_J LT_ii»] f .1 / - W.i, ml n M N'jjinup'ii'.u':, 1 * * ¥ Die F'ütterer-, Jordan- und Parisetgasse. 505 Die Fütterergasse hatte bis 1421 keine eigene Benennung, sondern wurde in den ältesten Verzeichnissen zum Judenplatz mitgerechnet. Erst später kommt der Name Fütterergasse vor, und die Gasse erhielt ihren Namen von den Fütterern. Es waren dies eine Art Gewerbsleute im Sinne unserer heutigen Fragner oder Greissler, die sich mit der Approvisionirung der Stadt im Kleinen, das heisst mit Ankauf und Vertrieb von Victualien, besonders Grün- und Trockenfutter, befassten, daher kurzweg Fütterer oder Fütterer genannt wurden, eine Benennung, die heute bereits in Vergessenheit gerieth, wie denn überhaupt viele der alten Zunftnamen, die sich noch im XVI. und XVII. Jahrhundert einer grossen Popularität erfreuten, heute jedoch bereits so gut wie verschollen sind. ‘) Die Häuser Nr. 346 und 347 (neu Fütterergasse 1) sind die einzigen, welche hier die Gasse bilden; sie wurden 1838 in Eines verbaut und bilden gegenwärtig das Zunfthaus der Schneidergenossenschaft. > Ebenso alt wie die Fütterergasse ist (ihrer Benennung nach) auch die Jordangasse, weil sie schon zu Ende des XV. Jahrhunderts diesen Namen von Georg Jordan erhielt, wie dies mit dem Schilde des Hauses Nr. 404 (neu 2) „zum grossen Jordan“ zusammenhängt. Auch die Parisergasse hatte früher keine eigene Benennung, sondern wurde als „gegen den Judenplatz“ benannt. Erst das Schild des Hauses Nr. 412 (neu 4) „zur Stadt Paris“ verlieh ihr den obigen Namen. Bemerkenswerth ist, dass sich am Ausgange dieses Gässchens gegen den Schulhof zwischen dem Hause Nr. 420 (neu 1) und dem Hause Nr. 413 (neu 2) noch zu Anfang *) Eine hochinteressante „Frohnleichnams-Processionsordnung“ Kaiser Friedrichs IV. ist uns aus dem Jahre 1464 erhalten geblieben, die mit minutiösester Genauigkeit alle Zünfte und Handwerke aufzählt, wie sie dieser Procession zu folgen hatten und sie bei ihren officiellen Namen nennt. Unter diesen mitunter gar seltsamen Benennungen verdienen einige ihrer Originalität wegen besonders erwähnt zu werden. So z. B.: Die Jtefler (Schuster) hinter St. Pankraz (also rückwärts der jetzigen Nuntiatur in der Naglergasse). J3u•-<'315 rÄ63S äg§^ f . .. v”*« }9j§gtä Wm Ein Faschings-Maskenzug im Elysium, 509 fß.r—i i.A 11 SäSgB; Ein Faschings-Maskenzug im ehemaligen Daum’schen Elysium Fig. 182. ’lVs fiü&Üfe f"$*l Hkl :3 « - 510 Das Elysium. — Das Goldberger* *sehe Stiftshaus. Wolkenwagen, ja selbst der Rosselenker ist hier ein geflügelter Genius, denn wir befinden uns mitten im Olymp. Nun besteigen wir willig den Wagen und im Fluge brausen wir dahin durch göttliche Gefilde, über pittoreske Grotten, Tunnels und schäumende Cascaden. Immer helleres Licht strömt uns entgegen. Blumen einer überirdischen Zone überwuchern unsere Pfade, wir begegnen jetzt hehren Göttergestalten, einer Schaar von Mänaden, Korybanten, Cyklopen, selbst Silen, der Falstaff der Götter, tritt uns jetzt entgegen, und es steht die strahlende Herrlichkeit des Sonnentempels vor uns! Das ist das Centrum des Olymps, der Glanzpunkt der hehren Götterburg. Wir lösen uns in Entzücken auf, unser noch irdisch fühlendes Herz erträgt nicht diese Wonne, und wir eilen zurück in minder ätherische Regionen, in eine materiellere Umgebung, und eine schmale Hintertreppe führt uns mitten ins steirische Hochland, wo es kühler und gemüthlicher ist. Ermüdet und ermattet begrüssen wir jetzt mit Freude das wirthliche Alpenland, wo Speise und Trank uns erquicken und eine duftige Cigarre unsere erschöpften Lebensgeister stärkt; es tritt der Augenblick an uns heran, wo auch der Körper seine Rechte fordert; wir geben uns also der Ruhe und Erholung hin, wir müssen unsere Kräfte schonen, denn noch ist uns die Hauptüberraschung Vorbehalten, die uns erst um Mitternacht werden soll. Wir füllen also die Zwischenzeit mit weniger aufreibenden Dingen aus; wandernde Troubadours, wahrsagende Eremiten und Improvisatoren geben ihre Spässe zum Besten. So naht die zwölfte Stunde. Nun geht der Spectakel los. Neues Leben regt sich jetzt in allen Räumen. „Der Faschingszug! Der Faschingszug!“ so schallt’s von Aller Munde, und plötzlich stürzt die ganze Bevölkerung des Elysiums neugierig zur Schau heran. Siehe da! Die Ausgeburt der aufgeregtesten Phantasie, Caricaturen zum Todtlachen, burleske Masken, Porträtfiguren grosser Männer, Zwerge und Riesen, Menschen- und Thiergestalten bunt durcheinandergewürfelt, geben sich hier wie eine Kette die Hände und durchschreiten langsam die Säle. Ein immerwährender Jubel und homerisches Gelächter begrüsst die Kommenden, es ist ein Höllenlärm, und der Genuss hat damit den Höhepunkt und die Vorstellung selbst ihr Ende erreicht. Zwei Originalbilder aus jener Zeit sind uns erhalten geblieben, die uns jene Elysiumfreuden versinnlichen. Das eine Bild, siib Figur 181 zeigt uns das Interieur in seinen Haupttheilen,') das andere, sub Figur 182, macht uns mit dem eigentlichen Faschings-Maskenzug bekannt. 2 ) Von den historisch-interessanten Häusern verdienen noch besonders hervorgehoben zu werden: Das Goldberger’sche Stiftshaus Nr. 975 (neu 13). Gegen die Mitte des XV. Jahrhunderts erfreute sich unsere Hochschule eines grossen Zudranges von Studenten. Aus allen Weltgegenden drängten sie sich herbei, und nicht immer waren ') Dieses Bild zeigt uns oben in der Mitte den Mandarinensaal, einen Concertsaal, wo Automaten musiciren. Rechts im Bilde ist ein reichgeschmückter türkischer Kiosk, links der berühmte Krystallpalast, wo sich uns der Sultan in seinem Harem mit allen seinen Frauen zeigte, unten, rechts und links, die Pferdebahn und Theile von Amerika und in der Mitte das Entree ins Elysium mit all’ seinen Hauptfiguren des Faschingszuges. *) Dieses Bild enthält manche Zeitanspielungen und Pikanterien, so z. B. gleich in der untern Ecke links sehen wir in der Gestalt des schleppetragenden Bedienten die Maske des Komikers Wenzel Scholz, der in Bedientenrollen die Lachlust der Wiener am meisten zu reizen wusste. Der Elegant mit dem Zwicker ist eine Reminiscenz an den vom Volke so geliebten Schönbrunner Elephanten („Schönbrunner Peppi“). Der Mann mit der Butte ist Raimund’s Aschenmann, der Mohr und ein Mondbewohner, dann ein Kammer-Geigenvirtuose sind ebenfalls Zeitfiguren, der Musikgelehrte mit dem Notenblatt ist eine Caricatur Beethoven’s; die sieben Schwaben mit dem Hasen und der Lanze interpretiren den Satz: „Geh’, Michel, geh’ du voran, Du hast die grossen Stiefel an.“ Der Anführer ist die Porträtfigur des Tambourmajors, eines damals in Wien garnisonirenden Infanterieregiments, der sich durch seine imposante Körpergrösse allgemein bemerkbar machte. Die Bursen des Mittelalters. — Das Fiirst-Lichtenstein’sche Haus. 511 es solche, denen Geldmittel zu Gebote standen; die Meisten waren arm und mussten neben ihrem Studium auch für ihren Unterhalt sorgen. Sie nährten sich kümmerlich durch Absingen geistlicher Lieder und Absammeln von Almosen. Es lag daher das Bedürfnis zur Unterstützung der Studenten sehr nahe, und man bemühte sich allseitig, um ausgiebige Mittel zur Unterstützung derselben zu beschaffen. Die Universität und die Bürger gingen in wahrhaft hochherziger Weise mit gutem Beispiele voran; sie kauften mehrere Gebäude an, um die Studenten in denselben unterzubringen. Die Bursen des Mittelalters. Unter dem Ausdrucke w 35uifc w begriff man damals in Wien nicht blos den Fond, aus welchem arme Studenten erhalten wurden sondern besonders alle jene Häuser, die man zur Wohnung für dieselben ankaufte. So gab es denn eine „Caitttttburfe" (an der Stelle, wo gegenwärtig die Universität besteht), die ein Wiener Bürger Namens Czersdorf gründete, dann die „Xofeitbutfe" die gerade gegenüber der Dominikanerkirche bestand und die vom Magister Grünwalder gestiftet wurde; die (an der Stelle des heutigen Postgebäudes), von dem Breslauer Domherrn Glewitz ins Leben gerufen, und die „Cilieitburfe" auf dem alten Fleischmarkt und neben ihr die Burse, die man die „(Eoberift ©olbbcrg" hiess, von dem Magister der Theologie Hans Goldberger (im Jahre 1479 Rector der Universität) so genannt. Hier erhielten die armen Studenten unentgeltliche Unterkunft, Holz und Licht, die nöthigen Bücher und Arzneien. Als später die Universität den Jesuiten übergeben wurde, kamen auch die Bursen in ihre Verwaltung und so auch im Jahre 1555 der „Goldberg“ und im Jahre 1622 diese, wie alle andern Bursen sogar ins volle unbeschränkte Eigenthum. Noch befand sich die Coderia auf dem alten Fleischmarkt. Da aber der Erzbischof von Gran, Pazmany, dieses Haus in eine höhere Bildungsanstalt für den ungarischen Clerus verwandelte, so traten jetzt die Jesuiten das ihnen inzwischen durch Erbschaft zugefallene Scholz’sche Haus in der Johannesgasse Nr. 975 (neu 13) der Gold- berger’schen Coderia ab, und so wurde auch dieses Haus der „Goldberg“ genannt. Seinem Baustande nach gehörte dieses Gebäude noch vor Kurzem zu den ältesten Häusern Wiens, musste aber im Jahre 1866 einem Neubau weichen. Bis zu Josefs II. Zeiten hatte dasselbe auch eine Capelle (den Aposteln Peter und Paul gewidmet), welche der berühmte Paul Sorbait, Professorder Heilkunde, 1676 für die armen Studenten dieses Stiftshauses erbaute, und die Graf Gotthard von Sallaburg im Jahre 1700 erhöhte und verschönerte, um darin aus seinem benachbarten Hause Nr. 976 (neu 15) dem Gottesdienste beiwohnen zu können. Sorbait machte zu dieser Capelle im Jahre 1676 auch eine Stiftung von 2000 Gulden für zwei Jünglinge. Ober dem Thoreingange bestand noch vor Kurzem eine Inschrifttafel folgenden Inhalts: „A. M. D. G. Paulus de Sorbait sanat artis Doctor has aedes propriis aerariis erexit. Orate pro ipso." Mit dieser Stiftung wurden später auch drei andere vereinigt. ‘) Das Fürst-Liechtenstein’sche Haus Nr. 976 (neu 15) bestand noch im Jahre 1684 aus zwei kleinern Häusern, wovon eines den Antelmont’schen Erben, das andere den Medicinae Doctor Joh. Bapt. Kielmann’schen Erben, im Jahre 1700 dem ») Diese drei Stiftungen waren: die Herz’sche, Philippine Schuhovsky’sche und Guggemosische Stiftung, welche mit dem „Goldberg“ vereinigt wurden. Im Jahre 1788 gab man in diesem Hause 19 armen Jünglingen Kost und Wohnung und 27 andern Studenten freie Wohnung. Später wurde das Goldberg’sche Stiftshaus auf Zinsen verlassen und von dem Erträgnisse die Stipendien auf die Hand betheilt. Die Einkünfte dieses Hauses werden noch immer zum Unterhalt armer Studenten verwendet, und die Stiftlinge können die Stipendien vom Anfang bis zur Vollendung des Studiencurses geniessen. In den Grundbüchern vom Jahre 1700 heisst es noch: „Stifff 3um ßolöberg genannt, allttw 5er armen ttubirenben Jugcnb »on Wien (repe l’igcrßatt." 512 Das Savoyen’sche Damenstift — Das Haus „zur eisernen Birne“. Grafen Sa 11abürg und 1783 den Erben der Herzogin von Savoyen gehörte. Später wurde das Haus mit dem Savoyen'schen Damenstift vereinigt. Der gegenwärtige Eigenthümer ist Johann Ernst Fürst Liechtenstein. Hier im Hause befindet sich auch eine Figur aus weichem Metall (darstellend die unbefleckte Empfängniss), 6 Schuh hoch, und eine weibliche Figur, 6 l / s Schuh hoch, mit einer Urne, aus welcher Wasser fliesst. Es sind dies Meisterwerke Georg Raphael Donners. Das herzoglich Savoyen’sche Damenstift Nr. 977 (neu 17) wurde von der Herzogin Maria Theresia, Witwe des Herzogs Emanuel von Savoyen (gebornen Fürstin Liechtenstein, gestorben 20. Februar 1772) gestiftet. Es bestand ursprünglich aus zwei Häusern. Nach dem Testamente vom 16. August 1769 wurde nach ihrem Tode das Nachbarhaus angekauft, mit demselben in Eines verbaut und für zwanzig adelige Fräulein nebst der Oberin zur Unterkunft bestimmt. ’) Das Haus „zur eisernen Birne“ Nr. 978 (neu 19). Dasselbeist durch jenen Raubmord bekannt, der durch seine Ruchlosigkeit und Kühnheit grosse Sensation erregte und auch in der Criminalgeschichte eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Hier wohnte nämlich der verdienstvolle Professor der Mathematik, Johann Conrad Blank. Er wurde in den Orden der „Schwarzspanier“ aufgenommen, und als dieser aufgelöst wurde, kam er in die Altlerchenfelder Pfarre als Cooperator; dort lernte er den Abbe Hofstetter kennen, der ihm die Professur der Mathematik in der Theresianischen Ritterakademie und später die mathematische Lehrkanzel bei der architektonischen Abtheilung der Akademie der bildenden Künste verschaffte. Bei dieser Gelegenheit lernte Blank den Severin Jaroschinsky kennen und wurde sein Lehrer. Nach Absolvirung der Studien verlor Blank seinen Zögling wieder auf längere Zeit aus dem Gesichtskreise, und Jaroschinsky benützte das Erbtheil seines Vaters, um hier in Wien eine vornehme Rolle zu spielen. Er gab sich als Graf aus und führte ein luxuriöses und ausschweifendes Leben; er war ein Verschwender und Spieler, und als seine Regierung (die russische) ihm den Auftrag zur Rückkehr und Rechnunglegung im Jahre 1827 ertheilte, gerieth er in Geldnoth und Verlegenheiten. Um diese Zeit traf er wieder mit seinem ehemaligen Lehrer Blank zusammen, bei dem er zufällig mehrere Obligationen sah und die Vermuthung gewann, dass dieser noch mehrere solche besitze. Jaroschinsky verheimlichte ihm seine traurige Lage, umgab sich vielmehr mit dem Scheine des Reichthums, stellte sich (um bei ihm Vertrauen zu gewinnen), als ob er mit der Idee umgehe, sein Vermögen gleichfalls wie er in Obligationen uinzuwandeln, und bat deshalb Blank, ihm solche Papiere gelegentlich zu zeigen und zu erklären. Nichts Böses ahnend lud ihn dieser freundlich *) Nach dem Testamente mussten die Stiftsdamen folgenden Eigenschaften entsprechen: 1. Zum Eintritte wird ein Alter nicht unter 15 und nicht über 40 Jahre erfordert; 2. wenigstens von Seite des Vaters verwaist sein; 3. kein grösseres Vermögen besitzen als 4000 fl. an Capital, auch keine andern Zuflüsse haben; 4. müssen sie vom deutschen erbländischen Adel abstammen und ihre Geschlechtsproben von mindestens IC Ahnen bei der k. k. Hofstelle zur Bestätigung einlegen. Der jedesmalige regierende Fürst von Liechtenstein hat das Recht, im Falle einer Erledigung drei Stiftsbewerberinnen dem Kaiser in Vorschlag zu bringen, wovon derselbe eine auserwählt. Auch mehrere Honorar-Stiftsdamen wurden vom Fürsten Alois von Liechtenstein ernannt und ihre Zahl im Jahre 1806 auf 10 und im Jahre 1822 sogar auf 24 vom Kaiser erweitert und in neuerer Zeit die beiden Häuser wieder von einander getrennt und nur das Haus Nr. 977 zum Damenstift bestimmt. Da sich die Errichtung von adeligen Stiftshäusern zur Erziehung und zum Unterhalt adeliger Damen als sehr nützlich erwies, wurden mehrere solche Damenstifte in Oesterreich ins Leben gerufen, so z. B. das k. k. Theresianische adelige Damenstift auf dem Prager Schloss und das freiweltliche Damenstift der heil. Engel auf der Altstadt zu Prag, das adelige Damenstift „Maria-Schul “ zu Brünn, das adelige Damenstift: zu Görz, ein ähnliches in Graz und Innsbruck und das k. k, Fräuleinstift zu Hall. I . k 4 Jaroschinsky’s Raubmord. —' Ürsulinerkirche und Nonnenkloster. 51$ in seine Wohnung ein, dort suchte er diese Werthpapiere aus der versperrten Lade seines Schreibtisches hervor, zeigte sie ihm und bemerkte, dass er erst übermorgen noch andere acht Stück bekommen werde, im Ganzen 6100 fl. Conventionsmünze. Jaroschinsky entfernte sich dankend und bemerkte, leicht hingeworfen, er werde übermorgen wieder kommen. Die zwei Tage benützte Jaroschinsky zur Ausführung seines gleich anfangs vorgefassten Mordes. Er kaufte ein langes Küchenmesser, Hess es schärfen und verschaffte sich sonst noch von dem Terrain und der Umgebung des beabsichtigten Thatortes genaue Kenntnis. Am 16. Februar begab er sich abermals um die Mittagszeit in’s Haus „zur eisernen Birne“ in die Wohnung Blank's, der ihn freundlichst empfing und alle Papiere arglos vorzeigte. Nun setzte sich Jaroschinsky gleich einem Tiger mit einem Sprunge in den Besitz dieser Obligationen, indem er das lange Messer hervorzog, mit demselben dem 80jährigen, wehrlosen Greise mehrere tödtliche Hiebe und Stiche versetzte und sqdann mit seinem Raube die Wohnung eiligst verliess. ‘) Aber die Obligationen sollten alsbald an dem Mörder zum Verräther werden, denn bei Gelegenheit der gerichtlichen Untersuchung fand man am Thatorte ein Verzeichnis der Nummern aller geraubten Obligationen, die sogleich in allen Wechselstuben und bei allen Cassen signalisirt und vorgemerkt wurden. Als nun Jaroschinsky diese Obligationen in einer Wechselstube auswechselte, wurde man auf ihn aufmerksam, eilte ihm heimlich in seine Wohnung nach, wo man ihn sodann (wie ich dies bereits im IV. Capitel, Seite 117 erzählte) festnahm. Er wurde zum Tode durch den Strang verurtheilt und am 30. August 1827 9 Uhr Morgens justificirt. Der älteste Hauseigenthümer war seit 1684 Michel Wagner, Bäcker, und das Schild lautete damals „ 3 UF elften pörn" (eisernen Birn). Seitdem ging der Hausbesitz auf mehrere Eigen- thümer über. * *) Ürsulinerkirche und Nonnenkloster Nr. 979 (neu 8). Kloster und Kirche wurden von der Kaiserin Eleonora von Mantua, Witwe Ferdinands III., erbaut und zu diesem Behufe sieben Häuser in der Johannesgasse angekauft. Die Ursuliner-Nonnen berief sie aus Lüttich, und am 3. September 1675 wurde zu Ehren der heiligen Ursula die Kirche eingeweiht und das Kloster von den Nonnen bezogen. Dieselben hatten die Aufgabe, den zahlreich besuchten Normalschulunterricht für Mädchen zu besorgen, alle weiblichen Handarbeiten zu lehren und auch Mädchen in Kost zu nehmen. Diesem Programme sind sie bisher treu geblieben. Die Kirche befindet sich zwischen Kloster und Schulgebäude. Der Eingang ist von der Johannesgasse, und das Ganze, wie z. B. die Fa£ade, der Dachaufsatz und der kupfergedeckte viereckige Kirchthurm etc., ist im sogenannten Jesuitenstyle ausgeführt. Die Kirche selbst ist nicht sehr gross, aber reich mit Bildern geziert, worunter sich einige kostbare Arbeiten befinden. So z. B. gleich das Hauptaltarbild „Die heilige Ursula“ und das Seitenaltarbild „Die unbefleckte Empfängnis“, von der Meisterhand Spielberger’s gemalt. Dann die „Erscheinung Mariens vor dem heiligen Ignatius und der heiligen Angela Merici“, dann ein Porträtbild der Kaiserin Eleonora als Stifterin von Kirche und Kloster, sämmtliche von Wagenschön. Die übrigen Altarbilder der drei andern Seitenaltäre sind von unbekannten Meistern, jedenfalls aber sehenswerthe Arbeiten. ') Nach dem vorliegenden Obductionsprotokolle wurden dem Blank 14 Wunden mit dem Küchenmesser beigebracht, wovon ihm sieben in den Kopf, zwei in die Brust und fünf in den Unterleib versetzt wurden. Von den sieben Hieben auf dem Kopfe war jeder einzelne für sich tüdtlich. *) An der Gewähr waren: 1773 Michael Bruner, 1783 dessen Erben, 1786 Elisabeth Karges, 1795 Elisabeth Karges und Barbara Wedel, 1822 Sebastian, Adam und Margaretha Staud, 1828 Sebastian Staud’sche Erben, 1833 Franz Pfitzinger, später Josefa Pfitzinger und gegenwärtig Ignaz Weiss. 65 Fig. 183. Die Ursulinerkirche und Nonnenkloster in der Johannesgasse aus den Jahren 1724—1730, t Ursulinerkirche und Nonnenkloster 1 4M llltll .»Wa V»’ *. T*, 1». - !|@ V Jt) i' - v -B !fcggg»Sf35» 'fff/i/iiiiifmimfifiiiimumiiiii 7//.W* iM m ■ ■•: SSSSi^^i AMlimunv Awwwm m\ —\i\w •II iffi=]| ■- wrniM ^ ,.J k^sCl IIITJII Die Kärntnerstrasse. Das Schwandner'sche Stiftshaus. 515 Kloster und Kirche besitzen ein ausgedehntes Bauareal und nehmen einen grossen Theil der Johannesgasse ein; ein Theil der Gebäude zieht sich auch über die Seilerstätte bis zum Entree der Annagasse und steht rückwärts mit einem Hause der Annagasse Nr. 987 (neu 11) in Verbindung, in deren Hausmeisterwohnung sich ein kleiner Durchgang befindet, der jedoch dem Publicum nicht geöffnet ist. Ein Bild sub Figur 183 zeigt uns beide Fronten, sowohl jene rechts, mit dem Eingang in die Kirche von der Johannesgasse aus, als auch die links, die Seitenfront, in die Seilerstätte sammt dem Eckhause in die Annagasse. l ) XLIV. CAPITEL. Kärntnerstrasse. S chon zur Zeit der Römer wurde die Kärntnerstrasse „strala Carinthianorum“ und im Mittelalter „<£atlter= /v oder ^ItariierltrajjtU genannt, von Kärnten, jenem für Wien so wichtigen Lande, dem es schon frühzeitig seine handelspolitischen Beziehungen mit den westlichen Plätzen verdankte, und mit dem es umso lieber in stetem Verkehre verblieb, als Kärnten im Mittelalter ein grosses, wichtiges Reich bildete, zu welchem auch Krain und ein grosser Theil der Steiermark gehörte. Diese Strasse bildete sonach seit den ältesten Zeiten die Hauptverkehrsader der Stadt und erlitt seit ihrem Bestehen keine Veränderung, nur verstand man in frühem Zeiten unter der Benennung Kärntnerstrasse den ganzen Weg von der heutigen Wallfischgasse bis zum Liechtensteg, während man heutzutage darunter nur die Strecke von der Singerstrasse bis zum ehemaligen alten Kärntnerthor begreift. Auch die Seitenstrassen behielten ihre Richtung seit den ältesten Zeiten bei, nur die Johannes-, Anna- und Krugerstrasse traten erst nach der dritten Stadterweiterung (also beiläufig nach dem Jahre 1220) neu hinzu. Von den althistorischen Häusern sind hier folgende besonders bemerkenswerth: Das Schwandner’sche Stiftshaus Nr. 903 (neu 7). Dasselbe wurde von dem alten Wiener Bürger Joachim Georg v. Schwandner erbaut, der im Vereine mit noch mehreren andern Personen ein Capital von 2000 Gulden als Stiftung in die Provincialcassa der Jesuiten erlegte, gegen die Verbindlichkeit, dass die hievon abfallenden Interessen jährlich unter die Wiener Schullehrer vertheilt werden und jeder dieser Lehrer einige arme Kinder in seiner Schule zu unterrichten und ihnen auch die nöthigen Bücher beizuschaffen habe. Nach Aufhebung des Jesuitenordens wurde dieses Capital aus dem Vermögen dieses Ordens ausgehoben und von Maria Theresia im Jahre 1775 dem Normalschulfond im Geiste ihres Stifters einverleibt. Somit war denn dieses Stiftshaus das erste, welches zur Unterstützung von Schulzwecken in Wien gestiftet wurde und das als solches noch heute besteht. Der Baustyl liess die Spuren des XVII. Jahrhunderts kaum verkennen, und an der Front des Hauses waren längs des ersten Stockwerkes zwei ovale Heiligenbilder bemerkbar, von denen eines Maria mit dem Jesukinde darstellte. i) Das Bild ist von Salomon Kleiner gezeichnet und von Johann August Corvinus gestochen, aus den Jahren 1724 bis 1730, 31 Cm. breit und 22 Cm. hoch. Die Gebäude stimmen wohl in ihrer heutigen Erscheinung im Wesentlichen mit dem Bilde überein; da aber eine ausgiebige Renovirung im Jahre 1763 stattfand, so gibt es eine Menge kleinerer Verzierungen. 65 * 516 Das Managetta’sohe Fideicommisshaus. — Das Haus „zur Stadt Nürnberg“. Das Managetta’sche Fideicommisshaus Nr- 904 (neu 9) verdankt seinen Ursprung dem Johann Wilhelm Managetta, der als gefeierter Arzt durch 46 Jahre am kaiserlichen Hofe glänzte und der Leibarzt dreier Kaiser (Ferdinands II., Ferdinands 111. und Leopolds I.) war. Er wurde am 4. Jänner 1637 in den Ritterstand erhoben und ihm das Prädicat „von Lerchenau“ mit dem in das Wappen gefügten Wahlspruche: „Fortiter ac suaviter “ verliehen. Er erhob am 27. Jänner 1661 für die männliche Descendenz seiner drei Brüder Matthäus, Carl und Franz (da er selbst kinderlos war), dann für Managetta’sche Töchter und ihre männliche Descendenz obiges Haus für ewige Zeiten zu einem Fideicommiss. Derselbe nahm auch als Historiograph in der Literaturgeschichte und als Professor an der medicinischen Facultät eine ehrenvolle Stellung ein ') und wurde elfmal zum Decan, achtmal zum Rector der Universität gewählt; er starb im Jahre 1666 hier im Hause. Er liegt bei St. Stefan begraben, wo ihm, nachdem das alte Monument im Laufe der Zeiten schadhaft geworden war, der zarte Sinn eines spätem Enkels ein neues Denkmal errichtete, welches noch gegenwärtig links vom Grabmal Friedrichs IV. an der Seitenwand zu sehen ist. * Das Dreifaltigkeitshaus „zur Stadt Nürnberg“ Nr. 905 (neu 11 oder Weihburggasse 1). Eigentlich hiess das Haus lange Zeit hindurch „zur schönen Algierin“, denn im Jahre 1758 spielte sich hier im ersten Stockwerke eine merkwürdige Begebenheit ab, die Veranlassung zu obiger Benennung gab. Im October desselben Jahres traf nämlich der algierische Gesandte Demotius Marcachi in Wien ein. Nicht so sehr die . äussere Pracht, mit der er sich umgab, als vielmehr die vielen Damen seines Harems, die er mitbrachte, waren ein Gegenstand steter Bewunderung und Neugierde. Die Wiener wollten um jeden Preis die orientalischen Schönheiten sehen und bewundern, doch alle ihre Bemühungen waren vergebens. Die Damen zeigten sich der Sitte gemäss stets nur verschleiert, und ausser ihren interessanten Augen, die wie Sterne aus den dichten Behängen hervorleuchteten, war gar nichts zu sehen, auch hielt sich der Gesandte nur kurze Zeit in Wien auf, da seine Anwesenheit eigentlich mehr nur einem diplomatischen Ceremoniel und zwar der Ausfertigung eines Freundschaftsbündnisses galt, welches längst schon fertige Thatsache war. Umso grösser aber war die Ueberraschung, als einige Tage später die Wiener eine der acht verschleierten Algierinnen oder Afrikanerinnen (wie sie sie nannten) im ersten Stockwerke am Fenster bemerkten, und diesmal ganz unverschleiert. Der Jubel w r ar umso grösser, als die Dame wirklich von blendender Schönheit war und oft Stunden lang ganz ungenirt vom Fenster herabsah. Aus dem dunkelgrünen Turban leuchteten kostbare Diamanten wie Sonnen hervor, und aus einem langen Tschibuk rauchte sie, wie in süsse Träume verloren, ungenirt aus dem Fenster hinaus. Sie schien die gaffende Menge wohl nicht zu bemerken, und ihre Blicke schweiften über ihre Bewunderer kalt hinweg, ja sie klopfte nicht selten mit orientalischem Gleichmuthe die Tabaksasche auf die Köpfe ihrer Bewunderer herab, was dieselben nicht im Mindesten zu geniren schien. Bald war das Gedränge der Neugierigen so gross, dass die Passage fast gehemmt war, und als am 1. Mai 1759 Fatime (so hiess die orientalische Schönheit) mit frühestem Morgen Wien wieder verliess, waren die Wiener sehr betrübt und sprachen lange Zeit von nichts Anderem als von ihren bezaubernden Reizen und nannten fortan das Haus „zur schönen Algierin“. Seit dem Jahre 1763 wurde es auch „ 3 m? @>tabt flitrrenfcejg" genannt, denn schon damals etablirte sich daselbst die noch heute hier bestehende Papier-, Mal- und Zeichenrequisiten-Handlung l ) Unter seinen medicinischen Werken verdienen besonders eine Abhandlung: „Ueber den Kreislauf des Blutes“ und unter seinen historischen die „Corona duodecim Caesarum c domo austriaca'' genannt zu werden, doch der grösste Theil seiner Arbeit befindet sich noch als Manuscript in der kaiserlichen Hofbibliothek. Das Einöder’sche Haus. — Das Haus „zum wilden Mann“. — Das Henikstein’sche Haus. .517 und behielt auch ihr Gewölbschild „zur Stadt Nürnberg“ bis zum heutigen Tage bei. Im Jahre 1802 wurde das Haus neu aufgebaut, gerieth aber sieben Jahre später in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai 1809, zur Zeit der zweiten französischen Invasion, während des Bombardements in Brand. *) Das Einöder’sche oder auch Hofapotheker’sche Haus genannt Nr. 940 (neu 13) bildet eine Ecke in die Weihburggasse und wurde im Jahre 1684 vom k. k. Hofkriegszahlamts- Controlor Mi'chael Einöder erbaut. Zur selben Zdit befand sich hier auch die damals so berühmte Hofapotheke, und im Jahre 1797 erhielt Josef Schaumann die Bewilligung, das Haus neu aufzubauen. * 2 ) Das Haus Nr. 941 (neu 15) wurde von dem bürgerlichen Oelerer Johann Daniel Hindtereckher im Jahre 1684 in der Gestalt erbaut, wie wir uns desselben noch bis zum Jahre 1860 erinnern. Bei dieser Gelegenheit ist zu erwähnen, dass dieses Haus im Jahre 1700 in den Besitz des Anton Dragi (Hofcapellmeisters Kaiser Leopold I.) kam und bei dessen Kindern bis 1775 verblieb, welche es dann an Paul Edlen von Wildpurg Verkauften. 3 4 ) Das Haus „zum wilden Mann“ Nr. 942 (neu 17) war noch vor Kurzem ein alterthümliches, althistorisches Haus, welches erst jüngst einem Prachtbau weichen musste, so dass nicht einmal eine Spur der frühem Herrlichkeiten übrig blieb. Es war von jeher ein beliebtes Gast- und Einkehrwirthshaus, das schon Stefan Gundl im Jahre 1684 erbaute und im Jahre 1700 als Einkehrwirthshaus unter dem Schilde „zum wilden Mann“ in Flor brachte. Hier waren auch noch zu Anfang dieses Jahrhunderts die so berühmten Grazer Lapd- kutscher und Villacher Fuhrleute eingekehrt, die sich durch besondere Grobheit und Flüche bemerkbar machten; auch waren hier seit Anfang dieses Jahrhunderts die Badener Stellwagen gestanden, die noch bis in die Vierzigerjahre existirten, um sodann für immer vom Schauplatze zu verschwinden. Schon im Jahre 1783 verkaufte Gundl trotz des blühenden Geschäftes und trotz seiner Beliebtheit das Haus an Ludwig von Selliers, der das Wirthsgeschäft weiter verpachtete, dann aber im Jahre 1806 das Gebäude selbst an Adam Honig Edlen von Henikstein, den Stammherrn der spätem Barone von Henikstein, verkaufte. *) Das Henikstein’sche Haus Nr. 943 (neu 19). Der bekannte und reiche Wiener Grosshändler Adam Honig von Henikstein erkaufte dies Haus im Jahre 1783 von dem Wiener Bürger Ranker und liess es in jene Gestalt umbauen, in der wir es noch heute sehen. *) Die Eigenthümer des Hauses waren 1684 Johann Michael Creuztal ler, Barbier, 1700 Michael Creuztaller’s Erben, 1773 Maria Freiin von Schmied 1, 1783 ^deren Erben, 1822 Johann Michael Siess, 1833 dessen Erben, später Josepha Leidl und seit 1870 der gegenwärtige Besitzer Lorenz Scharmitzer. a ) Im Jahre 182^ ging der Besitz an Magdalena Schaumann, 1833 an Josef von Fellner und nach dem Tode seiner drei Töchter an den Hof- und Gerichtsadvocaten Doctor Eckel, Therese Riedl von Riedenau und an Marie von Lessner über, und gegenwärtig ist Frau Caroline Eckel alleinige Eigenthümerin. 3 ) Die spätem Besitzer waren: 1806 Alois Arioli, 1822 Philipp und Anna von Mainoni, 1828 Philipp Mainoni, dann Dominik und Katharina von Mainoni und zulefctt die Wiener Baugesellschaft. 4 ) Später gelangten an die Gewähr: im Jahre 1822 Sebastian und Katharina Schmld und zuletzt Herr Wallisch, der durch den Wiener Bauverein einen Prachtbau aufführen liess. I 518 Wilhelm Freiherr von Henikstein. Im Jahre 1828 kamen in den Besitz dessen Sohn Josef und später Alfred, Friedrich und Wilhelm Ritter von Henikstein, welch’ letzterer in den Freiherrnstand erhoben wyurde. Der schöne Baron Wilhelm wie man ihn in Wien allgemein nannte, war eine stadtbekannte Persönlichkeit, welche in mehrfacher Beziehung als Sonderling in Wien von sich sprechen machte, daher es sich verlohnt, die Leser näher mit ihm bekannt zu machen. Wilhelm Freiherr von Henikstein hatte trotz seiner Bildung und trotz seines scharfen Verstandes einige kleine Marotten und Seltsamkeiten, die sich bei ihm bis zur fixen Idee festsetzten. Zum Glück hatte er Geld, um seine Passionen bezahlen zu können. Eine dieser Absonderlichkeiten war der Gedanke „nie altern zu wollen“, das heisst der Alles zerstörenden Zeit mit allen zu Gebote stehenden Hilfsmitteln zu widerstehen. Noch in seinem siebzigsten Lebensjahre war es seine ängstlichste Sorge, die ungebeugte, übersprudelnde Jugend auch äusserlich zur Schau zu tragen. Er ging z. B. immer jugendlich gekleidet, und ein frisches Blumenbouquet duftete stets als Attribut der Jugend im Knopfloche, und ein coquettes Monocle wurde mit Ostentation in das Auge geschoben; er wusste bis ins hohe Greisenalter sein Haupt mit schwarzen Locken und seine Wangen mit dem frischen Roth der Jugend zu zieren; sein Lächeln zeigte die blendend weissen Zähne, und seiner durch jugendlichen Humor gewürzten Conversation wusste er immer durch die quecksilberartige Körperbewegung gehörigen Nachdruck zu verleihen. Hand und Körper blieben keinen Augenblick ruhig. Die äussere Bewegung musste das fehlende innere Feuer der Jugend ersetzen. Wenn er auf dem Sessel sass, schaukelte er denselben oder schlenkerte mit den Füssen, doch die grösste Sorgfalt verwendete er auf seine weit wegwallenden Bart- cotelets, die er sich täglich von seinem Friseur herricliten liess. Er gefiel sich besonders darin, in leichter Sommertoilette (z. B. in weisser Hose und schwarzem Frack) in eisigster Winterkälte auf der Promenade oder im Prater auf schneebedecktem Felde zu Pferde zu erscheinen, gleichsam andeutend, dass der Winterfrost das Feuer seiner Jugend noch immer nicht aufgezehrt habe, obgleich hinter dem Fracke ein undurchdringlicher Pelz der Kälte heimlich spottete. Wenn auch sein Umgang den heitersten Frohsinn athmete, so schlug doch diese Laune in das Gegentheil um, sobald er sich allein zu Hause befand. Hier befiel ihn tiefe Melancholie, und nun begann bei ihm eine zweite noch fatalere Marotte, die allerdings in einem gewissen Zusammenhänge mit seiner Lebenslust stand, nämlich die unbezwingliche Furcht vor dem Tode. Um sich nun an das Grässliche des Todes zu gewöhnen, sich gleichsam mit den Schrecknissen des Sterbens vertraut zu machen, liess er eines seiner Gemächer schwarz behängen, die Fenster vor jedem Sonnenstrahl wohl verschliessen und die Wände ringsum mit Todtenschädeln als Embleme des Grabes garniren und seine Kästen und Schränke als imitirte Leichensteine aufstellen. In den letzten 20 Jahren liess er sogar, um die Grabesschauer des Todes bis zur letzten Consequenz durchzuführen, einen Todtensarg für sich anfertigen, in welchem er täglich Nachmittags zu schlafen pflegte. Diese Absurdität theilte er natürlich Niemandem, auch nicht seinen intimsten Freunden mit und untersagte seinen Bedienten, mit Jemandem davon zu sprechen. In letzter Zeit beschäftigte er sich mit der genauesten Anordnung seines Leichenbegängnisses, und als sein Tod vor einigen Jahren erfolgte, wurden seine Bestimmungen auf das Genaueste befolgt, ifnd an der Begräbnisfeier nahm ein grosser Theil der Bevölkerung lebhaften Antheil. *) ' ') Wie populär Baron Henikstein war, mag als Beweis gelten, dass noch heute Tragantfigürchen hinter den Schaufenstern der Zuckerbäcker nicht selten zu sehen sind, die den schönen Baron Wilhelm im schwarzen Frack und weisser Hose mit dem Cylinder auf dem Kopfe und mit allen Attributen seiner Toilette auf dem Pferde reitend darstellen, und zwar im Prater auf Schneefeldern zwischen dichtbeschneiten Bäumen. Das Khlesel’sche Backhaus. — Melchior Khlesel. 519 Das Melchior Khlesel’sche Backhaus („allwo der Esel in der Wiege liegt“) und das Höllerieder’sche Haus, beide in Eines verbaut mit dem Schild „zum eisernen Mann“ Nr. 944 (neu 21). Ehemals standen hier zwei kleine Häuser. Das eine gehörte im Jahre 1557 dem Bäckermeister Melchior Khlesel mit der frühem Nr. 963 und das zweite dem Martin Höllerieder, äusserem Rath und Bader, mit der Nr. 964; beide wurden im Jahre 1795 von Franz Winkler in Eines zusammen verbaut, und beide haben ihre eigene Geschichte. Was das erstgenannte Haus betrifft, so kam laut Grundbuch im Jahre 1583 nach dem Tode des Melchior dessen Sohn Melchart, ebenfalls Bäckermeister, in den Besitz des Hauses, und im Jahre 1583 hiess es im Grundbuche: „tlldduor Jthltjd, Nbminiftrator ISiedlnttltS ileuftüöt, mit 6em 6d)itb „jUtlt plamen <£fd", worauf sich diese Benennung im Jahre 1605 in das Schild „atlmo ÖCF <£(d in bet? lllicge liegt" umänderte, wahrscheinlich eine Satire auf die damaligen protestantischen Verhältnisse, die bereits mehrere ähnliche Spottbilder hervorriefen. Bemerkenswerth ist auch, dass hier im Hause am 16. März 1553 Melchior Khlesel geboren wurde. Seine Schicksale waren eben so merkwürdig wie seine Charaktereigenschaften, und beide verdienen einige kurze Bemerkungen. Melchior Khlesel, als schlichter Bäckerssohn im lutherischen Glauben hier im Hause erzogen, wurde frühzeitig durch den Jesuiten Spierer der katholischen Kirche zugeführt. Sein durchdringender Verstand, sein tüchtiges Wissen Hessen ihn bald zu höheren Aemtern gelangen, und schon im Jahre 1579 sehen wir ihn als Domprobst und Kanzler der Universität und im Jahre 1588 als kaiserlichen Rath und Hofprediger und später sogar als Administrator des Bisthums zu Wiener-Neustadt fungiren. Selbst Papst Paul V. beehrte ihn mit dem Titel eines apostolischen Predigers, eine Auszeichnung, die damals nur Wenigen zu Theil wurde. Im Jahre 1598 betraute ihn Kaiser Rudolf II. sogar mit der Verwaltung des Wiener Bisthums. Ueberhaupt war Rudolf für Khlesel stets ein gütiger Herr und sympathisirte mit ihm, denn beide waren von den Jesuiten in gleichen Anschauungen erzogen, und beide beherrschte ein gleiches katholisches Interesse. Auch unter Mathias wusste er sich dessen Achtung zu verdienen, und als ihm 1616 die Cardinaiswürde zu Theil wurde und er sich zum Dankamte am 18. Februar 1616 nach St. Stephan verfügte, wurde ihm vom Stadt- rathe eine Ehrenpforte errichtet. Seine höchste Stufe erklomm er jedoch, als ihn Kaiser Mathias zum geheimen Rath und zum ersten Minister ernannte. Seine neue Würde benützte er vor Allem während der Glaubenszwiste zwischen den Protestanten und Katholiken, um beide Parteien zur Duldung, Nachgiebigkeit und Massigkeit zu bewegen. Aber auch diese Milde und Versöhnlichkeit wurde ihm missdeutet und von seinen Neidern und Feinden auf das Schlechteste ausgelegt, und je höher er in der Gunst und im Vertrauen des Kaisers Mathias stieg, desto mehr wuchs die Zahl seiner Gegner, und als Mathias immer mehr kränkelte und, durch den Mangel an Leibeserben verdüstert, sowie durch das Fehlschlagen seiner eigenen Pläne entmuthigt, sich immer mehr von den Amtsgeschäften zurückzog und die Zügel der Regierung vollends seinem allmächtigen Minister Khlesel überliess, dieser aber Vieles durch sein unzeitiges Zaudern verdarb, die Religionsparteien sich bereits mit den Waffen in der Hand gegenüberstanden, die Nachrichten von den Prager Excessen am 23. Mai 1616 nach Wien eintrafen (wonach die böhmischen Statthalter Martinitz, Slavata und dessen Geheimschreiber Platter aus dem Rathsfenster hinausgeworfen wurden) brachten diese Vorfälle natürlich einen Umschwung in die Situation. ♦ 520 Melchior Khlesel. Ferdinand II. nahm jetzt die Zügel der Regierung an sich und sah natürlich in der Person Khlesel’s das mächtigste Hindernis seiner Pläne; und als Khlesel gelegentlich Ferdinand II. einen Besuch abstattete, wurde er vom Grafen Breuner, Octav Colalto und Grafen Tampier festgenommen und nach Tirol auf das Schloss Ambras unter sicherem Geleite geführt und dort in Gewahrsam gebracht. Doch mit dem Tode Mathias’ (20. März 1619) kam durch die Vermittlung Papst Urbans VII. zwischen Ferdinand II. und Khlesel eine bessere Verständigung und Versöhnung zu Stande, in Folge dessen er am 25 Jänner 1628 wieder nach Wien berufen und in seine frühem Würden eingesetzt wurde. Doch hielt er sich fortan von jeder Politik ferne und starb schon nach zwei Jahren hier in Wien im Alter von 77 Jahren, als Wohlthäter der Armen verehrt und betrauert. Einige von ihm getroffene kirchliche Einrichtungen sind noch heute für die Wiener von geschichtlicher Bedeutung. ’) Was aber das zweite Haus mit Nr. 964 betrifft, so kam im Jahre 1684 Martin Höllerieder an die Gewähr und verkaufte dasselbe im Jahre 1700 an den Büchsenmacher und Bierschenk Hans Crumenauer, dem im Jahre 1786 Johann Georg Stoper und später dessen Erben im Besitze folgten, bis endlich im Jahre 1795 Franz Winkler beide Häuser (Nr. 963 und 964) an sich kaufte und in seiner heutigen Gestalt in Eines zusammenbauen liess und an seinen Sohn Alois Winkler vererbte, der, in den Adelstand mit dem Prädicate „von Forazest“ erhoben, im Jahre 1828 in den Besitz dieses Hauses trat. Später kamen Franz und Carl Winkler von Forazest an die Gewähr. Sonach blieb diese Familie nahezu ein Jahrhundert im ungestörten Besitze dieses Hauses, und auch die hier von dieser Familie gegründete Eisenhandlung besteht noch heute und erfreut sich eines hohen Alters, daher das Schild „zum eisernen Mann“ seine Begründung findet. Als geschichtliches Curiosum sei hier auch noch bemerkt, dass in diesem Hause einst der Dichter Alois Blumauer wohnte. Die Wiener sahen ihn oft aus Büchern lesend im zweiten Stockwerke beim Fenster herausgelehnt. Er bekleidete damals nach der Aufhebung des Jesuitenordens die Stelle eines Büchercensors, die er jedoch wieder 1793 niederlegte, da er die Gräfer’sche Buchhandlung übernahm, an der er übrigens schon seit 1786 einigen Antheil hatte. Blumauer machte sich unter Anderem bei den Wienern auch durch seine Kleidung bemerkbar, denn während die meisten Wiener an der Mode des Zopfes und der hochgepuderten Haare hingen, ging er ohne die Attribute des Rococo mit glattgekämmtem Scheitel und einem weit- krämpigen Filzhute in moderner Tracht einher, ohne sich um die Eigenthümlichkeit seiner Zeitgenossen weiter zu kümmern. Sein heissender Witz machte ihn allseitig gefürchtet, und seine scherzhafte Laune und drolligen Einfälle erwarben ihm rasch die Gunst des Publicums. Blumauer starb am 16. März 1798 in diesem Hause, doch leben seine Werke für künftige Zeiten fort. 2 ) Das Haus „zum güldenen Greifen“, später „zum Erzherzog Carl“ Nr. 968 (neu 31) wird im Grundbuche vom Jahre 1684 auch „öer Polkri^eiT-Tsoff, alftCO 6ic fleuftättet Canbgutjckr rin» te^KU" genannt. Der damals so sehr beliebte Schankwirth August Erdl, der dieses Haus im *) So rief er z. B. den für die Wiener noch heute gebräuchlichen „Mariabrunner Kirchtag“ ins Leben. Das alljährlich wiederkehrende Fest der „unbefleckten Empfängnis Mariens“ nämlich verband Khlesel mit einer feierlichen Procession nach Mariabrunn, wo dann der Mariabrunner Kirchtag abgehalten wurde, ebenso führte er die „Wallfahrt nach Maria-Zell“ zuerst im Jahre 1587 ein, welche seitdem alljährlich am 28. Mai unter grossem Zudrang des Volkes stattfindet. a ) Blumauer’s Werke erschienen zuerst gesammelt in Leipzig 1801 in acht Bänden. Seine travestirte „Aeneide“ verschaffte ihm ausgebreiteten Ruf, doch dürften sich seine zahlreichen komischen Gedichte einer noch grössern Popularität erfreuen, einige darunter athmen Feuer und Leben und sind in einer schönen, reinen und männlichen Sprache geschrieben. I I Der Johanneshof. — Das alte Johanniterordens-Haus. 521 Jahre 1700 ankaufte, richtete dasselbe zu einem Gast- und Einkehrvvirthshause ein, und gab ihm das Schild „ 311 m flUlbein’U ©raffelt", das es durch 106 Jahre beibehielt. Im Jahre 1783 verkauften seine Kinder das Haus an die Schmerling’sche Familie, die es noch heute besitzt, es im Jahre 1806 in der heutigen Gestalt neu erbauen Hess und ihm das Schild „zum Erzherzog Carl“ gab. Es bildet ein Durchhaus in die Himmelpfortgasse, was es zwar noch heute ist, nur wurde die Passage seit einiger Zeit dem Publicum gesperrt. ‘) Der Johanneshof Nr. 981 (neu 35) bildet heute eine Ecke in die Johannesgasse, wo er auch seinen Thoreingang hat. Sein Name versetzt uns in die graue Vorzeit zurück, denn schon im Jahre 1200 stand an dieser Stelle das Haus der Commende des Johanniterordens und das Hospital zu St. Johann für Pilgrime und Kreuzfahrer; auch das nebenstehende Kirchlein „zum heiligen Johannes dem Täufer“ ist ein altes Bauwerk des XV. Jahrhunderts und wurde von den Johannitern als Kirche benützt. Das alte Johanniterordens- und Pilgramhaus. Schon Leopold VII. der Glorreiche lernte bei Gelegenheit seiner Fahrten ins gelobte Land die Mitglieder des Johanniterordens kennen und schätzen, und nach seiner Rückkehr nach Wien Hess er ihnen in der „inttat>üUS genannt, has Wetlent jlPat? teufet? gen)efen/Om Jahre 1 ö 11 gehörte esHans Rynner, Stadtrichter, und 1361 Lucas Guetenfelder, „her fibeit Rxtnft magiftet." Die weitern Eigenthümer waren laut Grundbuch: 1684 Balthasar von Nollarn auf Nollenstain, 1700 August ErdI, 1775 die Erdl’schen Erben, 1783 die Schmerling’schen Erben, 1822 Franz de Paula Ritter von Schmerling, 1828 Rosalia Edle von Schmerling, 1833 Franz de Paula Ritter von Schmerling, später Moriz von Menninger, Anton Schneider, Fried»ike, Theresia und Pauline von Schwab. Gegenwärtig steht Anton Ritter von Schmerling an der Gewähr. a ) Eine Urkunde des Zwettler Stiftes vom Jahre 1269 nennt den Bruder Marquard „tlleifter bei? 6t. Johann 3U XDienn" als Ordenscomthur. } 3 ) So nennt das alte Urbarium des Claraklosters den Bruder Niklas einen „iOItiitCtBr 6*3 6t. Johanns in her <£(>ernerftra33e" aus dem Jahre 1336; den Heinrich Grafen Schaumberg, Meister bei St. Johann in der Kärnthner- strasse und zu Mailberg und Niklas von Wildungsmauer iitden Jahren 1362 bis 1370; Wilhelm von Harras 1370; Hans von Rappotenstein, Comthur zu Niederlaa und bei St. Johanns zu Wien 1387. « < I ! * t 522 Die Johanneskirche. — Das gräflich Käroly’sche Haus. Die Johanneskirche zwar noch heute unverkennbar die Spuren jener alterthümlichen Bauweise des XV. Jahrhunderts, besonders in ihren rückwärtigen Theilen, doch wurden später der Thurm und die Eingangspforte erhöht, die Hauptfagade im Jahre 1806 einer vollständigen Neugestaltung unterworfen und die Stirnseite mit einer Inschrifttafel geschmückt, welche lautet: „Aedes vetustaie squalens sacra Joanni Baptistae ordinis hierosoly- mitani coelesti patrono erecta et ornata anno MDCCCVI. “ Diese altehrwürdige Kirche erfreut sich des Besitzes einiger antiquarischer Kostbarkeiten. So begegnen wir hier z. B. einem grossen kostbaren Altarbilde von Tobias Bock und einem schönen Hautrelief, die Festung Malta darstellend, auch einigen Sculpturen von nicht unbedeutendem Kunstwerthe. Ein hochinteressantes Bild des alten Johanneshofes und der Kirche (noch vor ihrem letzten Umbaue) ist uns in einer Originalzeichnung erhalten geblieben, welche ich /tub Figur 184 hier mittheile. ‘) Das gräflich Käroly’sche Haus Nr. 1004 (nerf 41) reicht t mit seinem Bestände bis ins XIV. Jahrhundert zurück, denn schon seit dem Jahre 1816 wird dasselbe in den ältesten Urkunden unter dem Namen „zum heiligen Geist“ als Besitzthum der Meister des Bürgerspitals vor dem Kärntnerthore benannt, welcher Name ■ im Jahre 1530 an einen Theil des gegenüberliegenden neuen Bürgerspitals überging. Seit dem Jahre 1795 ist dieses Haus im Besitze der gräflich Karo ly'sehen Familie, indem Gräfin Josefine von Karoly* dasselbe von Antonia Freiin von Harrucher im Jahre 1795 erkaufte und es in die heutige Gestalt umbauen Hess. 2 ) Von den übrigen auf der andern Seite dieser Strasse gelegenen Häusern sind nur wenige als historisch interessant hervorzuheben. Zu diesen gehören vor Allem: *) Das Bild, nach der Natur gezeichnet, zeigt uns rechts das Kirchlein noch mit dem niedern Thurme, mit der schmalen Eingangspforte und der kahlen, schmucklosen Faijade im Baustyle des XV. Jahrhunderts, und links den alten Johanneshof, damals noch zweistöckig, mit dem Hauptthore gegen die Kärntnerstrasse, während der im Jahre 1839 an seine Stelle getretene Neubau bereits ein grosses vierstöckiges Zinshaus mit dem Eingänge von der Johannesgasse darstellt und das Kirchlein mit seiner Se^tenmauer fast überragt. Gegenwärtig ist das Haus Eigenthum des Johanniterordens im böhmischen Grosspriorat. ’) Die Besitzer dieses Hauses waren: 1684 Adam Anton Grunde man von Falckhenberg, 1700 Adam Anton Baron Grundemann, 1775 Franz von Harrucher, 1783* Antonia Freiin von Harrucher, 1795 Josefa Gräfin von Karoly, Ludwig Graf Karoly und gegenwärtig Moriz Graf Eszterhäzy. Fig. 184. Die alte Johanneskirche in der Kärntnerstrasse. Das Hasenhaus. — Das alte Bürgerspital-Zinshaus. 523 Das Hasenhaus Nr. 1073 (neu 14). Einer Sage nach soll König Mathias Corvinus während seiner Anwesenheit in Wien hier gewohnt, ja sogar seine Burg erbaut haben. Neuere Forschungen erwiesen, dass König Mathias gleich bei seinem feierlichen Einzuge durch das Stubenthor seine Residenz im Cyllierhof (jetzigem Amalienhof) nächst der Burg genommen habe und auch hier während seiner fünfjährigen Herrschaft in jenem Gemach starb, das einst König Ladislaus bewohnte. 1 ) Doch nimmt diese Aufklärung dem Hause durchaus nichts von seinem historischen Werth, denn schon Kaiser Maximilian I. erhob dasselbe zum königlichen „föafpelamt", daher es auch das „Haspelhaus“ genannt wurde; im Jahre 1515 wohnten hier Siegmund, König von Polen, und Thomas Bakacs von Erdöd, Primas von Ungarn, während der berühmten Zusammenkunft Kaiser Maximilians mit König Wladislaw von Ungarn; im Jahre 1525 brannte das Haus ab, wurde aber von dem bekannten Anführer der lutheranischen Gegenpartei Anton von Puchhaim neu aufgebaut, der die Fagade mit allerlei komischen Jagdscenen al fresco im Geschmacke jener Zeit bemalen liess, wobei die Hasen in allerlei Gestalten die Hauptrolle spielten, daher sich der Name „Hasenhaus“ erklärt. Eines der Hauptbilder stellte unter Anderm eine Jagdscene vor, wobei viele Hasen als Jäger gekleidet an einem Adler alle möglichen Martern ausüben. Es war dies eine spottweise Anspielung auf den Uebermuth der Lutheraner gegen die Katholiken, und unter dem Adler war niemand Anderer gemeint als Kaiser Ferdinand II. selbst, der von seinen politischen Feinden viele Drangsale zu erleiden hatte. Diese merkwürdigen Fresken bestanden bis zum Jahre 1748, worauf Josef de France das Haus vom Grund aus in seiner heutigen Gestalt neu erbaute, die Fresken cassirte und nicht wieder erneuern liess. Diese Hasenfresken waren (ihres satirischen Inhalts wegen) bei den Wienern sehr beliebt, und es datiren von ihnen auch mehrere echt wienerische Sprichwörter her, die heute noch gang und gäbe sind. 2 ) Das alte Bürgerspitals-Zinshaus Nr. 1100 (neu 34, 36 und 38). Die älteste Kunde vom Bestehen eines Bürgerspitalsgebäudes fällt ins XIII. Jahrhundert. Dieses Haus befand sich mit der Kirche „zum heiligen Geist“ und dem Spitals-Gottesacker, seit 1208 vor der Stadt, jenseits des linken Ufers der Wien nächst der steinernen Kärntnerbrücke. Nach bestehenden Urkunden muss das Spitalsgebäude sehr ansehnlich gewesen sein, da sich hier auch ein Klostergarten und Wirthschaftsgebäude befanden. Während der ersten Türkenbelagerung wurde jedoch das Heiligen-Geist-Spital vom Grund aus zerstört und auch die Neben- *) Vide hierüber Schlager’s Aufsatz in der „Wiener Zeitung“ vom 9. und 10. September 1847, welcher auf Grund urkundlicher Beweise die Sage von einer Burg des ivonigs Mathias in den Bereich der Fabel verweist. *) So stammt z. B. aus jener lutherischen Epoche mit Rücksicht auf obige Jagdscenen das Sprichwort: „Das Hasenpanier geben.“ „Ein Hasenfuss sein“ oder auch „Aushalten wie ein Hase bei der Trommel“. Vide Hormayr’s Archiv aus dem Jahre 1826, Seite 242, worin diese Hasenfresken genau beschrieben und erklärt sind. Bemerkt sei noch, dass der Begründer dieser Hasenzeichnungen ein Sohn des Nikolaus Puchheim war, der in der Nacht vom 13. auf den 14. Mürz 1591 in seinem Schlosse von mehreren Lutheranern an der Spitze des Prädicanten Adam Strohmayer meuchlings ermordet wurde. Der Neubau war im Jahre 1751 vollendet, und es besteht daselbst seit dieser Zeit ein freiwilliger Durchgang in die Seilergasse. Noch zwei denkwürdige Etablissements, deren sich die altern Wiener gewiss noch erinnern, verdienen ‘bei diesem Hause Erwähnung. Das eine ist die berühmte Schneider’sche Specerei- und Delicatessenhandlung „zu den zwei weissen LOwen“ und die andere eine Art Kalfeehaus, „das deutsche Frühstück“ «genannt, eine Variation des französischen „Chaudeau“, das zur Zeit des Kalfeeverbotes (welches aber nicht lange währte) durch seinen Besitzer Laurenz Kurtz florirte. Die Hauseigentümer waren: 159t Anton v. Puchhaim, 1592 Christof Wolf, Unterkämmerer, 1664 Doctor Hartmann, 168i Johann Oswald Hartmann, niederösterreichischer Regierungskanzler, 1700 An ton Wi 1 helm Reichsfreiherr von G1 an tz, kaiserlicher Hatschierengarde-Lieutenant, 1706 Marquis de Prie, 1748 Josef de France, 1780 Josef Edler von Herman, 1795 Franz Edler von Remnitz, 1825 Katharina Freiin von Hess und gegenwärtig die österreichische Wechselbank 66 * t » t * t Fiff. 185. Der Bilrgerspitals-Gottesacker mit der Capelle vor dem Kärntnerthor und der Carlskirche im Jahre 1737. I 'M !l: 524 Der Biirgerspitals-GottesaCker. 2 fi s ^ k [jljflf/'ffxH * V & La: 2 ■aiErt I ***«►■ ftawÄii r 3, / ?»■** ^SRa?' v7-'^, '0SB& l_ !=>?;* -5| mm$w :W* R”r RS*” ■uE- HTTIBT iVfPMH—Bät -sr,** ui* 1 4 9 Die Kärntnerstrasse. 525 Fig. ISO. Der Einzug des Kaisers Franz I. in Wien am 15. Juni 1814 (mit der Ansicht der Kärntnerstrasse). 526 Der Einzug Kaiser Franz 1. in Wien am 16. Juni 1814. gebäude wurden der Erde gleichgemacht, worauf es in die Stadt hinüber in das leergewordene Clara kloster verlegt wurde, welches Kaiser Ferdinand I. im Jahre 1539 mittels Decrets an das Biirger- spital für ewige Zeiten überliess. Nur der „Spitals- oder Armensünder-Gottesacker“ blieb bestehen, und an Stelle der niedergerissenen Heiligen-Geist-Kirche wurde ein Kirchlein aufgebaut, wie wir es noch auf Suttinger’s Ansicht der Stadt Wien vom Jahre 1653 vor der zweiten Türkenbelagerung sehen. Auch ein späteres Bild aus dem Jahre 1737 ist uns erhalten geblieben, das uns mit diesem Friedhof und seiner Umgebung vor der eben fertiggewordenen Carlskirche bekannt macht. Die Figur 18o zeigt uns das ganze Terrain, wie es sich nach der zweiten Türkenbelagerung hier gestaltete. ’) Das in der Kärntnerstrasse befindliche Bürgerspital hatte ebenfalls eine Kirche, die man die Heiligen-Geist-Kirche nannte und die bereits von Herzog Rudolf 111. und seiner Gemahlin Bianca geweiht wurde. Sie gehörte ehemals dem hier befindlichen Clarakloster und hatte ihre Hauptfront gegen den alten „ScJwaitUlKirtt" (Lobkowitzplatz) zugekehrt, wo sich heute das Eckhaus in die Tegetthoffgasse (Augustinerstrasse 1) befindet. Die Kirche mit ihrem achteckigen Thurme wurde im Jahre 1784 abgetragen. Wie weitläufig das Bürgerspitalsgebäude noch im XVIII. Jahrhundert war, beweist der Umstand, dass sich hier auch Klostergärten und Wirthschaftshäuser befanden, und dass hier noch während der zweiten Türkenbelagerung eine „Ochsenmühle“ aufgestellt war, Der Theil des Bürgerspitals gegen die Kärntnerstrasse zu war der Chaos’sehen Stiftung für Waisenknaben gewidmet. Nach Abbruch der Kirche verlegte Kaiser Josef II. das Bürgerspital nach St. Marx und liess das ganze Gebäude in Zinshäuser umbauen, deren Zinserträgnis dem Bürgerspitalsfonde zufloss. Auch die Grabcapelle des Stifters Chaos, welche vom Jahre 1664 bis 1783 hinter der Kirche bestand, wurde entfernt, und es blieb nichts weiter übrig, was an diese Heiligen-Geist-Kirche erinnern würde, als das Wirthshaus „zum heiligen Geist“ und die alte Heiligen-Geist-Apotheke (gegen die Kärntnerstrasse zu), die schon seit 1652 urkundlich hier bestand. Bis in die Vierzigerjahre befand sich beim rückwärtigen Eingang in die Apotheke eine Marmortafel, welche besagte, dass diese Apotheke unter dem Bürgermeister Georg Dittmayer und dem Spitals- vorstande Augustin Wagner im Jahre 1652 errichtet worden sei. 2 ) Ich kann dieses Capitel nicht schliessen, ohne eines historisch wichtigen Ereignisses zu gedenken, das in den Annalen der Stadtgeschichte vereinzelt dasteht und sich vor dem alten Kärntnerthore abspielte. Der Einzug des Kaisers Franz I. in Wien am 16. Juni 1814. Die dreitägige Völkerschlacht bei Leipzig, die Napoleons Macht für immer brach, war geschlagen, und siegreich drangen jetzt die Armeen der Alliirten über den Rhein und nach vier 1 glücklichen Treffen bis ins Innere Von Frankreich vor, und am 31. März 1814 hatten sie Paris in ihrer Gewalt. Diese Siegesbotschaft brachte Landgraf von Fürstenberg den Wienern am 12. April, indem er mit 107 blasenden Postillons hier einritt und verkündete, dass Napoleon bereits abgedankt und Ludwig XVIII. Frankreichs Thron bestiegen habe. » Der Jubel war gross, das Glück aber doch nicht vollständig, denn es fehlte den Wienern das Beste, ihr geliebter Kaiser Franz, der Vater seines Volkes. Auch traute man dem schwanken Kriegsglücke nicht viel, bei dem man sich so oft getäuscht. Gar bald gewann das Missbehagen der — t *) Das Bild ist von Salomon Kleiner im Jahre 1737 gezeichnet und von J. A. Corvinus gestochen, 32‘2 Cm. breit und 21 Cm. hoch. Es zeigt uns den Bürgerspitals-Gottesacker mit der kleinen St, Augustin-Capelle, welche vor dem Eingänge der Panigl- und AUeegasse lagen und im Jahre 1783 beide aufgelassen wurden. Um diese Zeit war auch die im Hintergründe stehende Carlskirche, zu der schon im Jahre 1714 der Grundstein gelegt wurde, vollendet. a ) Vide: Herborn’s „Kirchliche Topographie“, XI, Seite 299 bis 454. I « X Das alte Karntnerthortheater. 527 Unsicherheit die Oberhand über die Siegesfreude, kurz man wünschte schon sehnlichst den Kaiser herbei, der dem Kreise seiner Lieben und Getreuen schon lange genug ferne geblieben. So war die Stimmung im Volke, als man endlich erfuhr, dass der Kaiser bereits am 1. Juni von Paris abgereist sei. Das Volk wollte seinem geliebten Monarchen entgegeneilen, aber man wusste nicht den Tag seiner Ankunft; demnach beschloss der Magistrat, dem Kaiser vor dem Thore der Stadt einen der feierlichen Stimmung des Volkes würdigen Empfang vorzubereiten. Das alte Kärntnerthor wurde zu diesem Zwecke ausersehen, an dessen Thorpfeiler man eine Triumphpforte im römischen Style mit den Emblemen des Sieges und der Aufschrift: „Das neubeglückte Oesterreich oder Triumph des Wiedersehens“ errichtete. Der Bürgermeister Wohlleben, Vice-Biirgermeister Weber und mehrere Bürgergarde-Officiere erwarteten ihn hier, und 500 Mädchen und Knaben, in den Landes- färben (weiss und roth) gekleidet, Palmen- und Lorbeerzweige in den Händen, machten mit der Bürgergarde Spalier. Am 14. Juni kam der Kaiser in Schönbrunn an und zwei Tage später hielt er seinen Einzug in die Residenz. Zuerst begab er sich zum Theresianum und stieg von da uin 10 Uhr zu Pferde, dann setzte sich der Zug von hier afls in Bewegung. Eine Abtheilung Biirgercavallerie eröffnete ihn, hierauf folgte ein ganzes Regiment Cürassiere, Hofbeamte und Hoftrompeter zu Pferde, Erzherzog Albrecht von Sachsen-Teschen, die kaiserlichen Brüder und Kronprinz Ferdinand, Alle mit ihren Obersthofmeistern zu Pferde, entflieh der Kaiser selbst in Feldmarschall- Campagne-UniWrm. Alle Glocken wurden gdläutet, und der Kanonendonner wiederhallte ununterbrochen von alfen Wällen. Am Kärntnerthore wurde Halt gemacht, der Bürgermeister Jiielt eine 1 kurze Ansprache, die der Kaiser mit rührenden Worten ersviederte. Jetzt brach der Jubel los, stürmischer Willkomm tönte aus Aller Kehlen und begrüsste den Kaiser mit einer Begeisterung, die in der Geschichte Oesterreichs noch nie ihres Gleichen hatte. Noch wird es viele Wiener geben, die als Augenzeugen ihren Enkelji erzählen können, welch tiefen und unauslöschlichen Eindruck diese Scene bei Allen hervorrief. Ich bin in der angenehmen Lage dieselbe in einem Bilde festhalten zu können, das ich hier sub Figur 186 folgen lasse. ') XLV. CAPITEL. ■ * : Das alte Opernhaus nächst dem Kärntnerthor. ie Oper verdankt ihren Ursprung dem blühenden, sangreichen Italien, und als das Entstehungsjahr dieser Musikgattung kann in runder Zahl das Jahr 1600 angenommen werden. Obzwar nicht geleugnet werden darf, dass frühzeitig schon die geistreiche Florentiner Gesellschaft in den Häusern Lar di und Neri sich mit ähnlichen musikalischen Schauspielen beschäftigte und Jacobo Peri im Hause Corsi den bekannten ersten Versuch eines musikalischen Dramas mit seiner „Daphne“ in Scene setzte, welche bald mehrere andere ähnliche Werke ins Leben rief, so hatten dennoch diese Aufführungen blos einen privaten Charakter und dienten nur zum Privatvergnügen der Grossen, zur exclusiven Zerstreuung der italienischen Höfe und Fürsten bei Hochzeiten und Familienfesten. •) Dies Bild, nach der Natur gezeichnet, war als Gedenkblatt damals unter den Wienern stark verbreitet. Die Costüme und Porträtfiguren sind in gelungenster Weise zur Anschauung gebracht. Auch gestattet uns dasselbe einen interessanten Einblick in die Kärntnerstrasse. • t t 9 \ I 528 Das alte Opernhaus. Erst im Jahre 1600, als König Heinrich IV. von Frankreich sich mit Maria von Medicis in Florenz vermählte und zu diesem Feste Ottavio Rinuccini seine „Euridice“ eigens dichtete und Peri im Verein mit Caccini die Musik dazu schrieb, feierte diese völlig neue Musikgattung ihren Einzug in die Welt und erhielt damit ihren öffentlichen Charakter. Aber Peri und Caccini blieben nicht ohne Nachahmer; ihre „Favola in mnsica“ (oder Oper, wie man sie später nannte) fand in der Person des Marco da Gagliano einen ebenso geschickten als eifrigen Nachfolger, der dieses Genre nicht blos bearbeitete, sondern auch nach Form und Inhalt erweiterte. Auch Monteverde componirte mehrere Opern, wie z. B. „Arianna“ im Jahre 1608 zur Vermählung des Herzogs von Mantua, und fügte noch kühnere Harmonisirungen und noch ungewöhnlichere Combinationen hinzu, wodurch die italienische Oper frühzeitig schon jene Signatur, jene schärfere Ausprägung erhielt, wie sie dieselbe noch heute unverkennbar an sich trägt. Monteverde ging dann nach Venedig, von wo aus sich die Oper über ganz Italien verbreitete und auch in Rom triumphirend einzog, wo jedoch im Jahre 1730 eine kleine Veränderung im Opernwesen eintrat. Papst Clemens XII. erliess nämlich in diesem Jahre eine Verordnung, worin er das Auftreten von Frauenspersonen als durchaus uftschicklich und unanständig verbot und die F'rauenrollen durch Castraten besetzte. Eine neue Wendung bekam die Oper auch durch den Uebergang von der Antike zur Romantik. Denn wenn auch anfänglich die Florentiner bei ihren musikalischen Erstlingswerken es eigentlich auf eine Wiedergeburt (Renaissance) des antiken Musikdramas (wenn auch nicht im buchstäblichen Sinne, so doch im Geiste) abgesehen hatten, so fühlte es die Mtisik, diese Erz- romantikf rin, gar bald heraus, woher sie eigentlich ihre Stoffe am besten und wirksamsten zu nehmen hätte; und so wie die Sonnenblume sich naturgemäss stets der Sonne zuwendet, so griff sie gar bald nach romantischen Stoffen. Die beiden Epen Ariost’s und Tasso’s wurden zu diesem Zwecke jetzt ausgebeutet. Monteverde z. B. schrieb 1624 seinen „Zweikampf Tancreds und Clorindens“, dessen Text wörtlich dem,„Befreiten Jerusalem“ Tasso’s entnommen war, und im Jahre 1628 componirte Francesca Caccini, die talentvolle Tochter Giulio Caccini's,* eine Oper nach einem dem Ariost entlehnten Stoffe unter dem Titel: „La liberazione di Ruggiero dall’ Isola d’Alcina. Ballette composito in Musica dalla Francesca Caccini.“ Hier war bereits Alles romantisch; ganze Chöre von Ungeheuern und von bezauberten Pflanzen traten auf und sangen, eine bezauberte Blume (una delle piante incantate) trug sogar eine grosse Solo-Arie vor, und das Ganze lief zuletzt auf ein von vornehmen Herrn zu Pferde gerittenes Ballet hinaus. Aber noch ein ^anderer Umstand trug zur Entwicklung des Musikdramas wesentlich bei. Im Jahre 1646 wurde nämlich die Oper durch Cardinal Mazarin nach Frankreich verpflanzt. Hier fand sie auf üppigem Boden neue Nahrung. Die unendliche Prachtliebe König Ludwigs XIV., der unerhörte Luxus, mit dem sich der Hof umgab, das Temperament der Franzosen selbst stellten grössere Ansprüche an die Oper als bisher. Zunächst war es Lully, der den wichtigsten Einfluss auf die Oper nahm; er war nicht blos der Schöpfer des nationalen Geschmackes, sondern auch der Schöpfer der französischen Oper, die er bis zu seinem Tode unumschränkt beherrschte. Er selbst hatte wenig musikalische Begabung, aber poetische Anlagen und einen ausgesprochenen Hang zum Pathetischen und Rhetorischen, ein Geschmack, der noch heute bei den Franzosen vorherrscht. Er verstand die Kunst zu fühlen und die Gefühle auch Andern mitzutheilen. Er componirte kurze, empfindsame kleine Gesänge ‘) und kam so dem Geschmacke der Franzosen auf halbem Wege entgegen, denn auch sie liebten das kleine, muntere Volkslied, und ihnen sagte eine lustige Romanze, eine elegante, heitere Tapzmelodie weit mehr zu, als der grosse schwerfällige Gesangsstyl. „Sie sprechen zu gerne, diese Pariser, und zu witzig,“ meinte einst der geistreiche Gretry zu einem deutschen Componisten, „als dass sie sich an« langen Gesängen erfreuen könnten.“ ') Lully war auch der Erfinder des Menuets, welches König Ludwig XIV. im Jahre 1663 in Versailles zum ersten Male tanzte, und es jpäter in Paris zum Nationaltanz erhob. Das alte Opernhaus. 529 Lully ist sonach der Begründer des pathetisch-rhetorischen Opernstyls, weicher bei den Franzosen noch heute nicht ganz abgekommen ist. Wie weit seine Nachfolger Rameau, Cherubini, Catel, Lesueur und Boieldieu neue Elemente in die französische Oper brachten, ihr eine neue Gestaltung und Richtung verliehen, kann hier nicht näher erörtert werden, und es genüge nur noch die Bemerkung, dass aus diesen Elementen die sogenannte grosse heroische und die kleine französische Spieloper hervorgingen, wie wir sie bei uns, wiewohl etwas später, zu hören bekamen. Wenn übrigens das öffentliche Opern wesen bei uns viel später Wurzel fasste, das Erbauen von festen Opernhäusern, die Einführung der regelmässigen Oper bei uns überhaupt viel später vor sich ging, als in den übrigen südlichen Ländern und selbst auch später als in Deutschland, *) so liegt der Grund dieser Verspätung hauptsächlich in den besondern culturellen Verhältnissen unseres Volkes, in der Erziehung desselben und seinen Neigungen und Passionen. Noch bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde den Wienern an öffentlichen Schauspielen nichts Anderes geboten, als die Komödien wandernder Schauspieltruppen, die Wien besonders zu Marktzeiten besuchten und in niedrigen, armseligen Bretterbuden in den Vorstädten und sogar in der Stadt ihr Theater aufschlugen und das Volk statt mit erhebenden, edeln Darstellungen mit derben Spässen und gemeinen Possen regalirten. Die Ungeheuern Erfolge, deren sich Stranitzky auf dem Neuen Markt in seiner bescheidenen Bretterbude (gewöhnlich Hanswursttheater genannt) zu erfreuen hatte, reizte den Magistrat so sehr, dass er nun einstimmig beschloss, ein eigenes Komödienhaus zu erbauen. Die Wahl der Oertlichkeit traf zunächst den freien Platz vor dem Bürgerspital, wo sich heute die Häuser auf dem Albrechtsplatz Nr. 2 und 3, Augustinerstrasse Nr. 4 und 6 und Maysedergasse Nr. 3 und 5 erheben. Der Bau begann 1708 und wurde 1710 sammt der innern Einrichtung vollendet, die, einfach und bescheiden genug, noch nicht im Traum an jene enorme Glanzentfaltung der spätem Hoftheater denken Hess. Somit war für Wien das erste öffentliche Theater geschaffen. Eine italienische Gesellschaft unter der Direction des Conte Pecore nahm diese Räume zuerst und zwar noch im selben Jahre pachtweise in Besitz; doch fand dieselbe, obgleich sie an Signor Canzachi einen der vortrefflichsten Truffaldini besass, beim Publicum so wenig Anklang, dass sie sich gezwungen sah, dasselbe schon nach zwei Jahren (1712) an Josef Anton Stranitzky abzutreten; denn die Wiener waren für die heimischen (wenn auch derben) Spässe ihres Hanswursts mehr als für die fremden zarten Gesänge der Italiener eingenommen, da jene ihrem ganzen Wesen und Verständnis mehr zusagten. Stranitzky konnte also jetzt seine enge, armselige Bretterbude auf dem Neuen Markt verlassen und hier als gleichberechtigt mit den so begünstigten italienischen Komödianten sein ganzes Talent ungehindert entfalten. Fast täglich trat er in den extemporirten Stücken als Hanswurst auf, und täglich entzückte er aufs Neue mit seiner unübertrefflichen Laune die Wiener und schwang sich zu ihrem Liebling empor; er verblieb Pächter des Theaters bis zu seinem im Jahre 1727 erfolgten Tode. Im Jahre 1728 wurde nach ihm das Kärntnerthortheater den Herren Borosini und Selliers gegen einen Pacht von jährlich 2000 Gulden auf zwanzig Jahre übergeben und späterder Pachtcontract noch auf weitere drei Jahre (also bis 1751) verlängert. Während dieser Zeit führte Selliers im Jahre 1747 das erste studirte Stück auf dieser Bühne ein, welches ungemeinen Beifall fand (ein versificirtes Trauerspiel: „Die alemannischen Brüder“ von Krüger), das aber dennoch die ‘) Die erste deutsche Oper soll „Adam und Eva“ gewesen sein, welche im Jahre 1678 zu Hamburg gegeben wurde, wo damals der berühmte Componist Philipp Kaiser blühte. Zu Augsburg wurde 1697 zum ersten Male eine deutsche Oper aufgeführt und zu Nürnberg 1667 ein Opernhaus gebaut, in welchem man die erste deutsche Oper „Arminius“ aufführte. Den ersten deutschen Operntext soll übrigens Martin Opitz (1669) verfertigt haben; er hiess „Daphne“ und war eine Nachahmung des bereits erwähnten italienischen Singspiels gleichen Namens. Nachher schrieb Paul Thiemich die Oper „Alceste“, die jedoch erst im Jahre 1693 zu Leipzig in Scene ging. 67 530 Geschichte des Opernhauses. extemporirte Komödie nicht zu verdrängen vermochte, vielmehr wechselten jetzt italienisches Singspiel, Oper, Ballet und deutsches Schauspiel mit der extemporirten Komödie ab, und das Hanswurst- Triumvirat Prehauser, Weisskern und Kurz gab sich die grösste Mühe, das neue regelmässige Stück zu verdrängen. Aus dem Hanswurst entstanden immer wieder neue Abarten und Gestalten : 25eritab(W, Sltvlin, Jacferl, Dummcp=2Cntoib lU'Jpert (oder Üäfperle), die den Herren des Fortschrittes immer mehr über den Kopf zu wachsen drohten. Erst im Jahre 1751, als Freiherr von Lopresti Director wurde, der das Theater gegen 2200 Gulden auf zwei Jahre in Pacht nahm, gewann das regelmässige Stück festen Boden. Er sorgte nämlich für gute Uebersetzungen von italienischen und französischen Schauspielen und für ein neues Theatercensurgesetz, das über die Anständigkeit der aufzuführenden Stücke zu wachen hatte. Alle obscönen Situationen und Unfläthigkeiten wurden strengstens verboten, die Dawiderhandelnden das erste Mal mit einem Verweis, das zweite Mal mit vierzehntägiger Haft und das dritte Mal mit Festungsarrest bestraft und jedes extemporirte Stück (von dem nur Scenenentwürfe Vorlagen) vorerst von einer eigenen Hofcommission geprüft. Unter seiner Direction wurde auch 1751 Hafners zugkräftiges Zauberstück: „Die fürchterliche Hexe Megäre“ unter grossem Beifall und ausserordentlichem Zulauf gegeben, welches das Extemporiren immer mehr verdrängte. Vom Jahre 1752 wurde das Theater einer französischen Gesellschaft überlassen, welche durch längere Zeit Vorstellungen gab. Man bekam hier nur die berühmten Tragödien und Komödien der gefeierten Classiker zu hören, wobei natürlich nur die höhere Gesellschaft einen geistigen Genuss fand, während die niedere Classe leer ausging. Am 3. November 1761 endlich nahte dem Hause eine furchtbare Katastrophe. Nach der Vorstellung „Der steinerne Gast“ gerieth der schlechtbehütete Feuerschlund, in welchen Don Juan zuletzt hineinzustürzen hatte, in Flammen, und als bereits sämmtliche Räume vom Publicum geleert waren, brach das Feuer aus, und das Theater brannte sammt allen Decorationen und Maschinen nebst zwei Nachbarhäusern bis auf den Grund nieder. Als das Theater schon in Flammen stand, eilte der Theatercassier mit seiner Frau in dasselbe zurück, um die Cassa zu retten; unterdessen hatten aber die Flammen die Stiege ergriffen, und beide mussten in Gegenwart des Publi- cums erbärmlich zu Grunde gehen, weil die Fenstergitter jedes Rettungsversuches spotteten. Der Hof kaufte die Brandstätte an und liess das neue Opernhaus nach den Plänen des Ober-Hofarchitekten von Pacassi auf demselben Platze neu erbauen, und nach fast zwei Jahren war es vollendet. Nur musste aus diesem Anlass auch die Capelle an der Heiligen-Geist-Kirche abgebrochen werden, da die neue Oper, die jetzt viel grösser und schöner war, mehr Raum als die frühere erforderte, weil sie um ein Stück weiter vorrückte. Das Bild sub Figur 187 zeigt uns das alte Kärntnerthortheater in seiner Neugestaltung, wie sich die Wiener noch desselben bis zum Jahre 1868 erinnern. *) * Mit dem Wiederaufbau des Hauses trat eine neue Wendung der Dinge zum Bessern ein. Wenzel Graf Sporck, ein böhmischer Cavalier und Kunstfreund, übernahm die Leitung des Theaters und wirkte in höchst wohlthätiger veredelnder Weise zur Aufbesserung der Verhältnisse. Um diese Zeit feierte die deutsche Oper ihren Einzug in Wien. Gluck hiess jenes reformatorische Genie, welches im Jahre 1764 der deutschen Oper neue Form und Gestaltung verlieh und überhaupt dem Musikdrama neue Bahnen eröffnete. Das Reformatorische dieser Musikgattung lag in der engeren Verbindung der dramatischen Handlung mit der Musik. Zum ersten Male empfanden die Zuhörer die Einwirkung eines dramatischen Ganzen, in welchem die Musik *) Das Theater hatte jetzt eine imposante Hauptfront gegen den Spitals- (Lobkowitz-) Platz gewonnen und war ober dem Thoreingange mit Figuren reich geschmückt. Mehrere Stufen führten zum Hauptportal hinan, ah das sich zu beiden Seiten Nebenausgänge schlossen. Das längs des Bürgerspitals zur Kärntnerstrasse führende schmale Gässchen wurde KomBdien- gasse genannt, dessen Stelle heute die Maysedergasse vertritt. Geschichte des Opernhauses. 531 mit dem Gange der Handlung aufs Innigste verschmolz, wo der fortschreitende Gesang mit der fortschreitenden Handlung, das Wort mit dem Tone zusammenfloss. Das Publicum stand dieser Neuerung anfangs mehr überrascht als entzückt gegenüber. Das hier Gebotene war ihm so fremd, so abweichend von der gewöhnlichen Sing- und Schäferspielmusik, dass es anfänglich keinen eigentlichen Genuss empfand, nicht empfinden konnte. Das Publicum war mehr der Wucht des Gewaltigen als dem Zauber des Schönen unterlegen. Aber schon mit der nächsten Vorstellung erwachte die Zuhörerschaft wie aus einem Traume. Die Ueberraschung wich dem Entzücken, und man gab sich jetzt ungehindert dem vollen Genüsse des neuen Kunstwerkes hin. „Orpheus“ gewann so rasch festen Boden, dass er schon mit Anfang des nächsten Jahres die üblichen italienischen Singspiele, Harlekinaden und Ballets verdrängte und die deutsche Oper in den Vordergrund stellte. Rasch folgte nun auf „Orpheus“ eine zweite Oper, „Armida,“ dann eine dritte und vierte, die auch durch ihre äussere Ausstattung fesselten. *) Zu dem ernsten Opernstyl gesellte sich nun auch das Genre der „komischen Oper“. Dem ernsten Gluck stand damals auch der heitere Florian Leopold Gassmann als Capellmeister zur Seite, der das lustige Opernfach pflegte. Im Jahre 1775 wurde Salieri zum Capellmeister ernannt, und mit dem darauffolgenden Jahre trat ein Wendepunkt in der Theaterleitung ein. Josef II. hob jetzt das französische Schauspiel (das bisher mit der deutschen Oper und dem Ballet abwechselte) wieder auf und vergab das Theater an eine Privatunternehmung, ,und als der Kaiser im Jahre 1780 die Regierung antrat, nahm er das Kärntnerthortheater in seinen persönlichen Schutz und ernannte Salieri zum artistischen Leiter, der es bald verstand, ein Liebling des Kaisers zu werden. Salieri componirte nun in Hülle und Fülle, er warf sich auf das Gebiet der Ausstattungsoper und brachte gegen fünfzig Opern zu Stande, aber keine hat ihn überlebt, nur „Artus, König von Ormus“, eine Lieblingsoper Josefs II., hat sich auf dem Repertoire einige Zeit erhalten. Der Kaiser Hess ihm zur Belohnung für diese Oper 100 Ducaten reichen und wies ihm eine jährliche Pension von 300 Ducaten auf Lebzeiten an. Im December 1780 kam Mozart über München (wo er eben seinen „Idomeneus“ geschrieben hatte und aufführen Hess) nach Wien. Der zufällig hier weilende Fürsterzbischof von Salzburg berief ihn dahin; sein Eintreffen sollte jetzt auf die Bühne belebend und verjüngend wirken. Dem kaum 24jährigen Mozart gefiel das gemüthliche Wien, das er bereits früher zweimal besucht hatte, so gut und, er fühlte sich so heimisch, dass er den Dienst beim Fürsten kündigte und sich hier bleibend niederliess, um die Stadt nie mehr wieder bis zu seinem am 5. December 1791 erfolgten Tode (mit Ausnahme einer kurzen Reise nach Leipzig, Prag und Berlin) zu verlassen. Während dieser kurzen Spanne Zeit (es waren nur 11 knappe Jahre) schrieb er hier im freudigen Schaffensdrange neben Salieri seine grossen Meisterwerke, die für ewige Zeiten fortleben werden, so lange es noch fühlende Menschen gibt, und es ist nur zu wundern, wie es möglich war, in so überaus kurzer Zeit so viel Herrliches zu schaffen; auch ist es merkwürdig genug, dass Mozart gerade die kostbarsten Perlen, die im Diadem seiner Schöpfungen am hellsten glänzen, auf fremde Bestellung machte und auswärts zur Aufführung brachte, während jene, welche auf Befehl Kaiser Josefs II. für das Kärntnerthortheater von ihm geschrieben wurden und für die hiesigen Verhältnisse berechnet waren, ihm nicht so vollkommen gelangen und (bei aller ihrer Vortrefflichkeit) nicht immer den gleichen freien genialen Schwung besassen. Mit Beginn dieses Jahrhunderts trat das Kärntnerthortheater in ein neues Stadium; es wurden hier nur Oper und Ballet gegeben, eine Einführung, die noch heute besteht. Kaiser Franz I. vereinigte im Jahre 1802 beide Hoftheater unter einer Direction, und diese Zeit und die darauf >j Armida kam z. B. auf einem feurigen Drachenwagen durch die Duft herabgefahren, und das Publicum war naiv genug, darüber in Erstaunen zu gerathen. 67 * 532 Das alte Kärntnerthortheater. folgenden zwei Decennien bildeten die Glanzepoche dieses Kunstinstitutes, die Blüthezeit der dramatischen Musik, die mit keiner spätem auch nur im entferntesten verglichen werden könnte. Lablache, Rubini, Tamburini, Donzelli, Fodor, # David, Bordogni, Malibran und wie sie alle hiessen jene europäischen Berühmtheiten Italiens, gaben sich hier ein Stelldichein und sangen um die Wette, und die italienischen Coloraturraketen prasselten auf und zerknatterten in vielen tausend farbenbunten Sternchen, und der melodienreiche Rossini beherrschte mit seinem „Othello“, „Barbier,“ „Semiramis,“ „Moise“ etc. die musikalische Welt als Alleinherrscher. Da erschien noch in letzter Stunde im März 1822 Carl Maria Weber in Wien, um mit seinem „Freischütz“ den wälschen Götzen ein männliches, kräftiges, deutsches Paroli zu biegen, und die deutschen Sängerinnen Wilhelmine Schröder, Caroline Unger, Judita Pasta, Henriette Sontag, Therese Grünbaum stellten sich den wälschen Sirenen kühn zur Seite; Weber dirigirte seinen I : HESS iipas®® Z! WI £ *ss*v Rir/r Fig. 187 . Das alte Kärntnerthortheater von 1763 bis 1868. „Freischütz“ persönlich, und alle Gemüther waren mit einem Schlage für die deutsche Oper gewonnen, man warf dem Meister Kränze und streute Gedichte aus, in einem derselben hiess es: „Du gibst der Liebe Ihre Stimme wieder!“ und in den Strassen Wiens trillerte man lustisr: © „Wir winden dir den Jungfernkran?. Aus veilchenblauer Seide.“ Wilhelmine Schröder besonders als Agathe riss dieWiener zum höchsten Enthusiasmus fort, auch ihre Pamina in der „Zauberflöte“ und ihr Fidelio blieben den Wienern noch lange in Erinnerung. Geschichte des Opernhauses. 533 Auch Antonia Campi war eine gefeierte Sängerin, aber leider tauchte sie nur auf wie ein leuchtendes Meteor, um gleich wieder zu verlöschen; denn kaum war sie 1813 als Coloratur- sängerin in der Hofoper engagirt und 1820 zur Hof-Kammersängerin ernannt, da starb sie bereits zwei Jahre darauf zu München. Ihre musikalische Bildung jedoch und ihre Bravour ragte weit über die ihrer Zeitgenossinnen, selbst über die der berühmte Catalani, die Wien mehrmals a(s Sängerin bezauberte. Angelica Catalani war eine merkwürdige und besonders für Wien unvergessliche Sängerin. Das erste Mal kam sie im Jahre 1818 hieher; sie war bereits vierzig Jahre alt und hatte schon viel an Macht und Schönheit der Stimme eingebüsst, dennoch bewunderte man die Fülle und Klangschönheit ihres Organs, sowie ihre ungeheure Bravour. Am 16. und 18. Juni 1818 gab sie ihr erstes Ccyicert gegen ein Entree von zwölf Gulden. Salieri dirigirte das Orchester; diesem folgte am 2. Juli im Wiedner Theater und am 22. Juli im grossen Redoutensaale ein drittes und viertes gegen enorme Eintrittspreise. In den Jahren 1820 und 1821 kam sie wieder und gab Concerte, diesmal vier im Redoutensaale und zwei im Landständehaus, jedesmal mit unerhörtem Erfolg. Die Catalani wurde zum Tagesgespräch; man zahlte und schwärmte und trug Kleider a la Catalani, hinter jedem Zuckerbäckerladen sah man Tragantfigürchen als Catalani. Der Erfolg war ohne Beispiel und dennoch hatte sie nur zwölf Nummern, womit sie durch die Welt reiste. Die Glanznummer war eine Polonaise: „Placida cattipagna“ von Pucitta, dann Variationen von Rode und die Arie Figaros „non piy andri *, und zum Schluss sang sie in Wien regelmässig die österreichische Volkshymne in italienischer Sprache. Der Enthusiasmus, den Sie Catalani mit ihrem Gesang hervorrief, fand einen lauten Widerhall auf allen Vorstadtbühnen. *) Ausser der Catalani kam auch die Pasta, diese eminente dramatische Sängerin, nach Wien. Sie sang (1829) im Kärntnerthortheater, aber keine ganzen Opern, sondern nur einzelne Scenen aus Rossinis „Othello“, „Tancred“ etc., also eine Art dramatisches Concert. Für sie schrieb Bellini seine „Sonnambijla“ und „Norma“ und Paccini seine *Niobe“. Trotz der ausserordentlichen Stärke und Schönheit ihrer Stimme klang dieselbe in der Tiefe rauh und in der Höhe etwas verschleiert, und dieser Schleier pflegte sich erst nach den ersten Scenen zu lüften. “) Caroline Unger, eine geborne Wienerin, debutirte im Jahre 1819 als Cherubin in „Figaro's Hochzeit“ auf unserem Kärntnerthortheater mit ungeheuerem Erfolg. Der grosse Umfang ihrer schönen Sopranstimme überraschte, sie blieb als gefeierte Sängerin bis zum Jahre 1825 hier, worauf sie mit Barbaj a’s Gesellschaft nach Italien ging, um sich dort Ruhm und Vermögen zu holen. Im Jahre 1840 zog sie sich ins Privatleben zurück und lebte als Gattin des französischen Schriftstellers und Kunstkenners Salatier in Florenz. Henriette Sopt,ag, später verehelichte Gräfin Rossi (1805 in Coblenz geboren), debutirte 1820 als löjähriges Mädchen in Pest als Prinzessin in „Johann von Paris“ und kam hierauf nach Wien, wo sie durch vier Jahre dem Kärntnerthortheater als gefeierte Primadonna angehörte, wo sie abwechselnd in deutschen und italienischen Opern auftrat. Ihre Stimme und ihr Talent entfalteten sich immer reicher. Ihre Vermählung mit Grafen Rossi veranlass^ 1830 ihren Rücktritt von der *) Adolf Bäuerle war der Erste, der für das Leopoldstädter Theater ein Stück: „Die falsche Catalani,“ schrieb, wobei der lächerliche Enthusiasmus zum Gegenstand der Handlung diente. Somit war die erste parodirende Gesangsposse geschaffen, wobei die ohnehin zur Spottsucht geneigten Wiener sich so trefflich unterhielten, dass fast keine Oper von Bedeutung in Wien auftauchte, ohne dass nicht gleich darauf in einem oder dem andern Vorstadttheater eine Travestie derselben zu sehen gewesen wäre, so z. B. die travestirte „Zauberflöte“ von Meissl fMusik von Wenzel Müller); „Julerl; die Putzmacherin“, eine Parodie auf'die „Vestalin“ von Spontini; „Tancredi“ von Bäuerle (Musik von Wenzel Müller), ferner im Jahre 1826 „Othellerl“ und 1837 „Postillon von Stadel Enzersdorf“ fürs Josefstädter Theater und im Jahre 1828 „Der Barbier von Sievring“ (Musik von Adolf Müller); 1829 „Der Blaubart in Wien“ von Hopp (Musik von Franz Gläser): und „Robert der ’rtuxel“ von Nestroy, letztere drei Stücke im Theater an der Wien aufgeführt. s ) Vide die Zeitschrift „Sammler“ aus dem Jahre 1829, Nr. 29. 534 Geschichte des Opernhauses. i Bühne, doch entschloss sie sich im Jahre 1848 ob grosser Vermögensverluste ihre Künstlerlaufbahn wieder aufzunehmen und eine grosse Reise nach Amerika zu unternehmen, wo sie in Mexiko im Juni 1854 ein Opfer der Cholera wurde. Im Jahre 1821 wurde das System der Verpachtung des Hofoperntheaters neuerdings eingeführt. Domenico Barbaja erhielt den Pacht und wurde Director des Theaters; seine ausgebreitete Kenntnis und vielseitige Bekanntschaft in der Kunstwelt kam den Theaterverhältnissen sehr lu Statten, die besten einheimischen und ausländischen Kunstkräfte wusste er an sich zu ziehen, und die Zeit seiner Direction muss als eine Glanzperiode bezeichnet werden, doch dauerte diese Herrlichkeit nur vier Jahre, bis 1825. In den Jahren 1826 und 1827 war das Theater gesperrt und wurde während dieser Zeit grossen Reparaturen unterzogen, man bemühte sich insbesondere, das Opernhaus mehr akustisch zu machen. Im Jahre 1828 nahm der kunstsinnige Graf Gallenberg das Theater in Pacht und stellte sich auch an die Spitze der artistischen Leitung, er machte die grössten Anstrengungen, um die Ehre des Hoftheaters hochzuhalten, doch war er alsbald durch Geldverlegenheiten gezwungen, den Pacht schon ein Jahr darauf (1829) aufzugeben. Nun blieb das Theater durch einige Monate in kaiserlicher Regie, bis endlich der berühmte Tänzer und Balletmeister Duport den Pacht übernahm, welcher namentlich den choreographischen Verhältnissen des Theaters zu gute kam. Das Ballet stieg nun durch Duport’s Bemühungen und durch die trefflichen Leistungen einer Fanny und Therese Eisler und mehrerer Anderer auf eine Höhe des Glanzes und der Vollkommenheit, wie sie seitdem nie mehr erreicht werden konnte. Nach Duport’s Rücktritt kam die Direction in die Hände Ballokino’s und Merelli’s, deren ersterer die deutsche und letzterer die italienische Oper zu leiten hatte, beide aber dem Emporblühen der Oper zu gute kamen. Von dem Gedanken ausgehend, dass über das engbegrenzte Kunstfeld der Musik nur wieder Künstler vom Fache am richtigsten zu urtheilen und einen befriedigenden Erfolg in demselben zu leisten vermögen, wurde seit dieser Zeit die artistische Leitung in die Hände mehrerer Hofopernmitglieder gegeben, und so entstand nach Abgang Ballo- * kino’s und Merelli’s die Direction eines Künstlertrifoliums Staudigl, Porzaga und Ander, » auf die rasch abwechselnd mehrere andere Künstlerdirectionen bis auf den heutigen Tag folgten. ’) Schliesslich muss noch bemerkt werden, dass das Hof-Opernorchester seit den Vierzigerjahren die Ehre geniesst, das anerkannt beste Deutschlands zu sein, eine Ehre, auf die jedes einzelne dieser Mitglieder noch heute stolz zu sein vollkommen Grund hat. Ebenso kann demselben auch als Verdienst nachgerühmt werden, dass es das erste Orchester war, welches im Jahre 1862 die französische Normalstimmung annahm, die auch später bei der Hofcapelle und bald darauf auch in den philharmonischen und Gesellschafts-Concerten eingeführt wurdq, , was als technischer Fortschritt betrachtet werden kann. ‘) Nach den obigen drei Personen kam Regierungsrath Holbein und kurz darauf Com et zur Directionsleitung, welche bald darauf in die Hände des Capellmeisters Carl Eckker gelegt wurde. Hierauf kam das Triumvirat Schober, Esser und Steinhäuser und später Ma4teo Salvi, ferner Hofrath Dingelstedt und nach ihm Capellmeister Herbeck, nach dessen am 28. October 1878 erfolgten Tode Franz Jauner und später abermals ein dreiköpfiges Directorat Walter, Scaria und Mayerhoffer, und zuletzt Capellmeister Jahn an dessen Stelle zur Leitung des Theaters gelangten. XLVI. CAPITEL. Kohlmarkt. m igSg m Das Dreilauferhaus Nr. 253 (neu 26). Dasselbe wurde im Jahre 1797 von Carl E'reiherrn von Wetzlar aus drei kleinen Häusern in seine gegenwärtige ansehnliche Gestalt umgebaut. Das eine derselben befand sich in der Elerrengasse, führte die alte Nummer 133 und gehörte noch im Jahre 1796 dem Adolf Grafen von Abensberg-Traun; es war niedrig und unansehnlich (zwei Stock hoch), mit schmaler Stiege und niedrigem Thoreingange und wurde im Jahre 1797 von Freiherrn von Wetzlar angekauft. Das zweite eigentliche Eckhaus vom Kohlmarkt in die Herrengasse führte die alte Nummer 134, gehörte dem kaiserlichen Kammer- und Hofuhrenmacher Albrecht Erb, später (1770) der Frau Clara Peppermann und nach ihrem Tode (1787) den Peppermann’schen Erben. Es war dies das eigentliche alte „Dreilauferhaus“, welches seinen Namen dem alten Schilde „ 31 t Öen brd Cflufew" verdankte. Hier hatte der Specereiwaarenhändler Resch sein Gewölbe. Auf der Seite des Michaelerplatzes, gleich neben dem Thoreingange, befand sich ein mächtiger sogenannter Kellerhals, der nahezu eine Klafter weit über das Trottoir weg in die Strasse vorsprang und aus zwei grossen, massiven, mit Eisenplatten beschlagenen Thürflügeln bestand; es war dies der Eingang in das kellerartige Kaufmannsgewölbe. Nebenan befand sich die Buchhandlung Gräffer’s, des Vaters des bekannten Schriftstellers und Wiener Chronisten Franz Gräffer. Auf dem Hausboden befand sich ein grosser Vorrath von spanischem Rohr, welches der Kaufmann Resch dort zu verwahren pflegte, auch grosse Papierballen und Verlagsartikel des Buchhändlers waren da aufgespeichert, ge- riethen aber durch Unvorsichtigkeit eines Commis in Brand, in Folge dessen das Haus vollständig zur Ruine niederbrannte. Freiherr von Wetzlar kaufte diese Brandstätte zu seinem vorigen Hause an und auch das dritte Haus an der Seite der Herrengasse mit der alten Nummer 135, ebenfalls klein und unansehnlich (früher, 1787, im Besitze des Wiener Bürgers Paul Weisshappel und später, 1795, in jenem der Frau Elisabeth Eienter), brachte er durch Kauf in seinen Besitz und liess sodann 1797 sämmtliche drei Häuser in die heutige Gestalt umbauen. Nur das Kaufmannsgewölbe und das Schild „zu den drei Laufern“ blieb bestehen und existirt noch heute als Erinnerungszeichen an das einstige Maifest im Prater, das alljährlich am 1. Mai abgehalten und mit dem Wettrennen der herrschaftlichen Läufer in der Praterallee eröffnet wurde. ’) In der Zeit vom Jahre 127S und 1288 wurde der Kohlmarkt auch Wiedmarkt (Holzmarkt) genannt von dem altdeutschen Wort daher das ganze Viertel den Namen Wiedmerviertel erhielt (wie noch heute dieser Stadttheil geheissen wird). Nach dieser Benennung wurde auch das Burgthor Wiedmerthor (oder Holzthor) genannt und die anstossenden Vorstädte Wiedmerluken. er Kohlmarkt wurde seit den ältesten Zeiten „Kohlenmarkt“ (Forum carbonum) genannt, weil sich hier der Sitz der Kohlenhändler befand. Seine heutige Ausdehnung und Verlängerung fällt in die Zeit der dritten Stadterweiterungsperiode (1220), als Leopold VII. der Glorreiche seine Residenz vom Hof an jene Stelle versetzte, wo sich heute der Schweizerhof befindet. *) Zu den ältesten Häusern, welche sich hier befinden, gehören: 536 Die herrschaftlichen Schnelläufer in Wien. Noch zu Maria Theresia’s Zeiten hielt der kaiserliche Hof 14 Läufer (durchwegs Italiener), und der hohe Adel ahmte diese Sitte nach, und alljährlich am 1. Mai wurde ein Preis- Wettrennen der herrschaftlichen Läufer im Prater arrangirt. Die Rennbahn erstreckte sich vom Anfang des heutigen Pratersterns durch die Haupt-Allee bis zum Rondeau des kaiserlichen Lusthauses und zurück. ‘) Seit dem Aufhören dieses Wettrennens hörte das Halten von Läufern als Repräsentativ- Domestiken bei den Herrschaften gleichfalls auf, und unsere jetzige Generation würde nicht wenig erstaunen, diese sonderbar geschmückten, buntgezierten Menschengestalten mit ihren kostbaren Leibgürteln, ihren hohen Federhüten und Läuferstäben vor sich paradiren zu sehen, und dennoch hatten die herrschaftlichen Läufer für die damalige Zeit und ihre Bedürfnisse auch eine praktische Seite, überhaupt waren sie so exceptioneller Natur, dass einige Bemerkungen über dieselben hier nicht unpassend wären. Die herrschaftlichen Schnellläufer in Wien. In einer Zeit wie das XVI. und XVII. Jahrhundert, wo man auf Ansehen und Repräsentation sehr grosses Gewicht legte, war es von selbst begreiflich, dass die hohen und höchsten Herrschaften auch öffentlich durch äussern Prunk und durch Zurschaustellung sogenannter Deco- rationsdomestiken sich ein höheres Ansehen bei dem Volke zu geben wussten. Es wurden also vor die Thore der Paläste Portiere aufgestellt, die mit ihren reichgezierten Bandelieren und gold- und silberbenähten Hüten, Gamaschen und Schnallenschuhen, noch mehr aber durch ihren grossen Portierstock mit dem übergrossen Knopf imponirten. Wenn sie auch tagsüber nichts zu thun hatten, als die zu- und abfahrenden Herrschaften in ihren Equipagen durch tiefe Bücklinge zu begrüssen, so mussten sie dennoch den ganzen Tag hindurch vor oder unter dem Thore stehen. Nicht minder beliebt waren die „Heiducken“, deren hauptsächliches Geschäft darin bestand, den alten Damen zwei bis drei grosse französische Gebetbücher und den Kniepolster in die Messe nachzutragen. In dieselbe Classe der Paradestücke gehörten auch die Jäger (Büchsenspanner) und Leibhusaren, die durch ihre reiche Gold- und Silberverbrämung, ihre blanken Hirschfänger und Wehrgehänge das Volk nicht wenig in Respect zu halten wussten und keine andere Aufgabe hatten, als hinter den Carossen aufzusitzen, Aufsehen zu erregen und hiedurch auch gelegentlich ihren Cavalieren den nöthigen Credit zu verschaffen. Am meisten aber glänzten die Läufer. Sie gehörten nicht blos zu dem kostbarsten Reprä- sentativ-Inventar der Familie, sondern zugleich auch zu den nützlichsten Möbelstücken derselben. Sie waren diejenigen, die man zum Ausschicken von Posten verwendete, zur schnellen Besorgung von Briefen, Meldungen etc., mit einem Worte das, was wir heute mit dem Begriffe Laufbursche oder Ausläufer bezeichnen, und da es damals keine Strassenbeleuchtung gab, so mussten sie auch Nachts vor den Wagen einherlaufen und Fackeln (Windlichter) vortragen, die sie oft keck und leichtsinnig an die Strassenecken schlugen, ja oft sogar im Uebermuthe an Läden, Holzbuden, Kellerlöcher etc. anstemmten. Zur Verhütung von Feuergefahr gab es daher an den alten Häusern Auslöschsteine, sogenannte „Löchersteine“, wie wir sie noch hie und da in den alten Kirchen an den Stein wänden bemerken können. < Nun sind die Läufer für immer verschwunden und auch die Heiducken. Die gesunde Menschenvernunft trug über die Hoffart der Reichen und Vornehmen den Sieg davon. Es geht ein *) Das letzte Wettrennen der Läufer fand am 1. Mai 1847 statt. Kaiser Ferdinand I. schaffte dasselbe als inhuman und unzeitgemäss mit Verordnung von 1847 für immer ab. Das Haas „zum weissen Hahn“. — Das Haus „zum schwarzen Lamm“. — Das Haus „zum grünen Fassei“. 537 demokratischer Zug durch die Welt, und wenn es noch heute Portiere, Leibhusaren und Jäger gibt, so sind sie doch nicht mehr so öffentlich, so ostentativ sichtbar und ziehen sich mehr bescheiden in das Innere der Paläste zurück. Als sich Maria Theresia im Jahre 1736 (am 12. Februar) mit dem Herzog von Lothringen vermählte, eröffnete bald darauf, diesem freudigen Ereignisse zu Ehren, ein Wirth im obigen Hause einen Bierschank, pflanzte oberhalb des Thoreinganges das lothringische Wappen auf und gab dem Schilde den Namen „zum Herzog von Lothringen“. Er wusste sich durch gute, hauptsächlich ausländische (bairische) Biere bei den Wienern schnell beliebt zu machen, der Name „Lothringerbierhaus“ wurde alsbald populär und die Schöngeister Wiens gaben sich hier ihre Rendezvous. Später siedelte das Geschäft in das Nachbarhaus Nr. 254 (neu Nr. 24) über, wo es sich noch heute befindet und den alten Namen „zum Lothringer“ fortführt. Nach dem Tode des Freiherrn von Wetzlar kam das Haus in die Hände mehrfacher Eigenthümer. ‘) Das Haus „zum weissen Hahn“ Nr. 254 (neu 24) wurde im Jahre 1775 von Anna Gräfin von Halleweil erbaut und im Jahre 1806 von einer spätem Hauseigenthümerin, Katharina Gräfin von Wallis, in der jetzigen Gestalt renovirt. Das alte Hausschild „zum weissen Hahn“, welches schon in den Grundbüchern vom Jahre 1684 verzeichnet erscheint, verlor erst mit der Uebersiedlung des Lothringer-Bierhauses seinen Namen. Seit den Dreissigerjahren befand sich in den rückwärtigen Schanklocalitäten die berühmte „grüne Insel“. Es war dies ein geselliger Verein von Künstlern und Schriftstellern, die allwöchentlich hier einen vergnügten Abend verbrachten, s ) seit beiläufig 18 Jahren aber im Künstlerhause ihre Versammlungen abhalten. 3 ) Das Haus „zum schwarzen Lamm' 1 * Nr. 255 (neu 22) kann den uralten Baustyl des XVII. Jahrhunderts nicht verleugnen. Es hat nur zwei Fenster Front, und zwischen den beiden Fenstern des ersten Stockwerkes zeigt sich eine uralte Muttergottesstatue in einer Nische und unterhalb in Stein gehauen die Worte: „Du bist meine Hoffnung und Trost.“ Der Bau datirt aus dem Jahre 1684, ist von Georg Bachner, Buchführer, aufgeführt und wurde von Caspar Wittich, „kayserlichem Antecammer-Thür-Hütter,“ renovirt. 4 ) Das Haus „zum grünen Fasse!“ Nr. 260 (neu 12) erfreut sich einer reichen und hochinteressanten historischen Vergangenheit. Schon im Jahre 1771 war dies Haus Gegenstand allgemeiner Beachtung. Die von der Regierung neu gegründete, mit *) lm Jahre 1806 standen hier an der Gewähr: Freiherr von Arnstein und die Freiherr von Wetzlar'schen Erben, 1812 Barbara Freiin von Arnstein, 1824 Ignaz F'reiherr von Arnstein und Bernhard von Eskeles, später Maria Gräfin von Wimpffen und Bernhard Freiherr von Eskeles und gegenwärtig Caroline Gräfin von Wimpffen und Baron Schwarz. *) Zu den hervorragendsten Mitgliedern dieses lustigen Vereines, der früher den Namen „Ludlamshöhle“ führte, gehörten: Bauernfeld, Grillparzer, Beckmann, viele hervorragende Schauspieler des Hofburgtheaters, dann berühmte Maler und Bildhauer etc. 3 ) Die Hauseigentümer waren laut Grundbuch folgende: 1684 Ernst Josua Pentz’sche Erben, 177S Anna Gräfin von Hallewil, 1787 Leopold von Suttnern, 1795 Katharina von Ditter, 1806 Katharina Gräfin von Wallis, 1822 Katharina von Didi£, 1828 Katharina Gräfin von Wallis und Aloisia Didie’schen Erben und gegenwärtig Katharina Caurairy. 4 ) Diespätem Besitzer waren: 1775Cäcilia von Bistrich, 1783 Herr von Bistrich, k. k. Cabinetssecretär, 1787 von Bistrich’sche Erben, 1806 Cäcilia v. Bistrich, 1822 Johann und Barbara Matzal, 1828 Johann Matzal und der gegenwärtige Besitzer ist gleichfalls ein Johann Matzal. 68 538 Die k. k. Börse. Die Wiener Freimaurer. Privilegien reich ausgerüstete „k. k. priv. Börse“ etablirte sich nämlich hier im ersten Stocke und verblieb durch volle 31 Jahre daselbst, worauf sie im Jahre 1802 in den Gundelhof übersiedelte. Dieses in seinen Consequenzen so gewaltige Institut, das sich in kurzer Zeit zu einer so mächtigen, weltgebietenden Stellung emporschwang, ging also hier zuerst aus kleinen, bescheidenen Verhältnissen hervor. Aber auch noch andere Erinnerungen knüpfen sich an dieses Haus. Hier hatten z. B. die Freimaurer zu Anfang des XVIII. Jahrhunderts ihre geheimen Versammlungen. Heimlich und still schlichen sie sich hier ins Haus und übersiedelten später, da sie sich auch hier nicht sicher fühlten, auf den Bauernmarkt. Erst als Kaiser Josef II. sie in persönlichen Schutz nahm, ‘) traten sie mehr in die Oeffentlichkeit und begannen für Oesterreich von Bedeutung zu werden. Alles, was damals auf Intelligenz und Machtstellung Anspruch machte, der hohe Adel, die höchsten Staatsbeamten, die Spitzen der Armee und des Clerus folgten dem erhabenen Beispiele des Kaisers und traten jetzt einem Bunde bei, dem anzugehören man nicht blos als eine Mode-, sondern auch als eine Ehrensache betrachtete. So kam es, dass während der josefinischen Epoche der Freimaurerorden der Mittelpunkt aller humanitären und freigeistigen Bestrebungen wurde und man nicht blos viel echte Begeisterung und aufrichtige Liebe für gemeinnütziges Wirken in die Sache brachte, sondern auch bestrebt war, die Leistungen dieses Bundes auf ein praktisches Feld zu leiten. Schon das Mitgliederverzeichnis des Freimaurerordens ist eine beredte Illustration zu dem gewaltigen Umschwung, den damals die innere Politik Oesterreichs auf allen Gebieten genommen. Es ist daher interessant, eine kurze Geschichte des Wiener Freimaurerthums aus jener Periode hier folgen zu lassen. Die Wiener Freimaurer. Ueber den Zeitpunkt, in dem sich die ersten Logen in Oesterreich und speciell in Wien bildeten, ist heute schwer etwas Genaues zu eruiren. Man weiss nur, dass die österreichischen Logen als sogenannte „Johanneslogen“ constituirt und innerhalb unseres Staates zu einem System verbunden wurden. Die Centralversammlung führte den Namen „grosse Landesloge von Wien“. Ihr Landes-Grossmeister war Fürst Dietrichstein, und sie wurde aus der Repräsentanz der Provinziallogen gebildet, die sich wieder aus den Vertretern der Bezirkslogen recrutirte. Schon das Geheimnisvolle dieses Bundes reizte die Geister und machte es begreiflich, dass man sich dafür allseitig interessirte. Auch das anfängliche Verbot, vermöge dessen alle freimaurerischen Verbindungen untersagt wurden, trug zur Erhöhung des Interesses noch mehr bei. Es gab und gibt noch eine reiche Literatur über die angeblich hochverrätherischen Tendenzen des Freimaurerordens, welche eine Flut von Lügen und Entstellungen über diesen Bund ergiesst. ohne mit dem innern Wesen desselben nur im Mindesten vertraut zu sein, und die nur den einzigen Zweck hat, die Freimaurerei im Auge des Laien zu verdächtigen und sie als staatsgefährlich oder ketzerisch hinzustellen. Da sich aber mit der Zeit die Sache aufklärte und man in die Kenntnis gelangt, dass *) Das kaiserliche Handbillet vom 12. December 1785 ist hier von entschiedener Wichtigkeit. Obgleich dem Kaiser (wie er sagt) die Geheimnisse der Freimaurergesellschaft gänzlich unbewusst waren und er mit ihrem mysteriösen Vorgehen sich nicht einverstanden erklärte, so war es ihm dennoch genug, zu wissen, „ba&" (wie er sich in diesem Handbillet wörtlich ausdrückt) „non biefen )rrcimaurer=PerfamTnlungen wirtlid? einiges ©ute für Öen flachten, für öie Jlrmutb unb <£r3iefmng geleifiet trorben feiL und entschloss sich, ungeachtet ihre Gesetze und Verhandlungen unbekannt bleiben (wie es weiter lautet), „bennoth fo lange fie ©Utes ntirfett, fte unter ben Schuf} unb bie Ölbbut bes Staates ju nehmen unb alfo ihre Dcriammlungen 31t gehalten", und zum Schlüsse spricht der Kaiser die Hoffnung aus: „auf biefe 2 trt tann lieh Mctleicbt biefe Derbrüberung, treibe aus fo rieten mir betannten reas Geymüller’sche Haus. 547 XVI. Jahrhundert erhielt, welches sich auf die protestantischen Umtriebejn Oesterreich bezog. Im Jahre 1856, als das Haus neu erbaut wurde, trat an die Stelle des ehemaligen Wandgemäldes ein denselben Gegenstand darstellendes Steinbild, welches noch heute ober dem Hausthore zwischen dem 1. und 2. Stock zu sehen ist. Das Haus stand am äussersten Ende der Wallnerstrasse, quer über die Strasse und schloss mit seiner ganzen Front die Strauchgasse von der Wallnerstrasse ab. Mit der Demoiirung dieses Hauses wurde die Passage in die Strauchgasse vollkommen frei. Das Geymüller’sche Haus Nr. 272 (neu 8) ist gleichfalls historisch merkwürdig. Im Jahre 1798 wohnte der damalige französische Botschafter General Bernadotte hier im ersten Stockwerke, und erregte am 13. April desselben Jahres dqrch Aushängender dreifarbigen Fahne den bekannten grossen Tumult, wobei er bald das Leben ein- gebüsst hätte, und gezwungen war am 15. unter militärischer Bedeckung von Wien abzuraisen. ') Sub Figur 191 biete ich eine Ansicht dieses interessanten Gebäudes, 2 ) welches in seinem Aussehen bis auf den heutigen Tag unverändert blieb. *) Ara 13. April 1798. so erzählen Augenzeugen, feierte Berrwidotte ein häusliches Fest und befahl eine grosse dreifarbige Fahne (die Fahne Frankreichs) vom Balcon auf die Strasse hinauszuhängen. Anfangs blieb das Volk nur im Vorbeigehen stehen. Der unerwartete Anblick zog alsbald eine grosse Menschenmenge herbei. Alles gerieth in Bestürzung, weil man in diesem Abzeichen die Verspottung friedlicher Gesinnungen vermeinte, um so mehr, als auf der Fahne die Worte „Freiheit“ und „Gleichheit“ in deutscher Sprache geschrieben standen. Indessen flog die Kunde in alle Vorstädte und schon um 8 Uhr Abends entstand ein Tumult, wobei sich Tausende von Menschen ansammelten. Die Erbitterung stieg immer höher und drohte immer gefährlicher zu werden, je beleidigender das Betragen der Dienerschaft des Gesandten am Thore war. Endlich erschien der Polizei-Oberdirector und Piatzoberst persönlich mit mehreren* Officieren, um das Volk zum friedlichen Auseinandergehen zu bewegen, was auch gewiss geschehen wäre, wenn nicht im selben Augenblicke Bernadotte selbst mit wüthenden Geberden, die eine Hand am Säbelgriff, die andere gegen das Volk geballt vor dem Thore erschienen wäre und die pöbelhaftesten Beschimpfungen auf die Gasse hinausgeschrieen hätte. Vergeblich-wurde Bernadotte bestürmt die Fahne zurückzuziehen. Diese Halsstörrigkeit erbitterte das Volk aufs Heftigste und die Scene nahm nun einen bedrohlichen Charakter an. Die tobende Menge warf jetzt in Ermanglung von Steinen mit Kupfermünzen die Fenster ein. Gegenüber wohnte damals der englische Gesandte, in dessen Hofe man eben mit einer neuen Brunnenanlage beschäftiget war, wobei man Schutt und Steine und die ausgehobenen Brunnenröhren auf die Strasse warf. Dieser Steine bemächtigte sich nun die Menge, warf damit die Fenster ein, stiess mit den Röhren das Thor gewaltsam auf und zertrümmerte alles Küchengeschirr zu ebener Erde. Mittlerweile kletterte ein Mann auf den Balcon, riss die Fahne herab und die aufgeregte Menge trug sie johlend durch die Bognergasse auf den Hof. Einem eben vorbeirollenden Herrschaftswagen liefen mehrere Lakaien mit Windlichtern vor, an diesen zündeten die Leute die Fahne an und verbrannten sie unter furchtbarem Geschrei. Das herbeieilende Militär vermochte die Strasse nicht mehr zu leeren, nur mit Mühe gelang es den Soldaten mit scharfgeladenem "Gewehre die Haupttreppe zu besetzen und das Volk weiter vor dem Eindringen abzuhalten und die Person des Botschafters zu schützen, dessen Leben offenbar bedroht war. Zwar fielen von Seite der Dienerschaft mehrere Schüsse auf die wehrlose Menge, aber zum Glück nahm Niemand einen Schaden. Erst gegen 2 Uhr Nachts wurde die Ruhe wieder hergestellt. Den andern Tag noch blieben die 7,ugänge zum Gesandtschaftshötel durch Militär besetzt und die ganze Garnison unter Waffen, auch erschien ^ine Proclamation des Polizeiministers an allen Strassenecken, in welcher er auf Befehl des Kaisers in väterlichem Tone die Eigenmächtigkeit, mit der sich das Volk selbst zum Richter aufwarf, missbilligte und eine nochmalige Ausschreitung mit den strengsten Strafen bedrohte. Am 15. April nahm der Gesandte seine Abschiedsaudienz heim Kaiser. Der Weg von der Wallnerstrasse bis zur Hofburg war mit einem starken Spalier von Grenadieren geschützt. Gleich nach der Audienz verliess der Gesandte die Stadt. Viele glaubten, dass die französische Regierung den Scandal provocirte, um einen Anlass zu einem neuen Bruche zu finden, und die eben eingeleiteten Friedensverhandlungen zu Campoformio zu hintertreiben. Wie sehr dies Misstrauen gerechtfertigt war, bewiesen nur allzubald die spätem Ereignisse, da man schon zu Ende desselben Jahres (1798) am Vorabende eines neuen Krieges stand und eine zweite Coalition der Nordmächte nöthig wurde. Der Balcon aber, von dem aus jener denkwürdige Vorfall sich ereignete, existirt noch heute ober dem Thoreingange des Baron Geymü 11er’sehen Hauses und wird noch heute von denselben zwei Colossalfiguren getragen, die damals das Hinauf klettern wohl erleichtert haben mochten. *) Das Bild, von S. KI ein er gezeichnet, von C. Rembshaj;d gestochen, zeigt uns rechts in der Mitte das Gey- müller’sche Gebäude und links gegenüber demselben das Haus, „wo der Wolf den Gänsen predigt.“ Auch das gräflich Palffy- sche Haus, anstossend an das Geymüller’sche Gebäude, ist zumf'Iheil im Bilde sichtbar, 69 * 548 Ansicht des Michaelerplatzes. feistes NNNi ?rsi Stauf. wm f§ m-M siM - =s^v ■ w.irin v.v; IfTäSä Das Geymüller’sche Gebäude in der Wallnerstrasse. 549 TOTO Si ggiii US« ?•’**** >*. ( /.ESFv^Vf, ■ - r - Ü fUllUlIilllj \ «v ? k jwaS! niia)i'tr » l >i an« iP» - ‘^»1 ,'"t W*i.1> ;>mgyitriTi n ^ Fig. 191. Ansicht des Baron Geymüller’schen Gebäudes in der Wallnerstrasse, 550 Die Wallnerstrasse. — Der Wildpretmarkt. Das gräflich PalfTy'sche Haus Nr. 273 (neu 6) hat gleichfalls mehrere geschichtliche Momente aufzuweisen. Im Jahre 1683 fiel z. B. während der Türkenbelagerung die erste feindliche Kugel ins Dach, wo sie stecken blieb und noch daselbst zur Erinnerung auf bewahrt wird; auch gerieth dieses Haus während der zweiten französischen Invasion (1809) in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai in Brand, der aber bald gelöscht wurde. Johann Graf Palffy ist gegenwärtig Hausbesitzer. Das fürstlich Eszterhazy’sche Haus Nr. 276 (neu 4) bestand einstens aus mehreren Häusern, die im Jahre 1650 noch Johann Heist besass, der sie im Jahre 1690 an den damaligen Palatin von Ungarn Paul Fürsten von Eszterhazy verkaufte- Dieser Cavalier liess diese Häuser in der heutigen Gestalt in Eines zusammenbauen und mit einer Capelle des heiligen Johann von Nepomuk schmücken. Hier befand sich 1775 temporär die königlich ungarische Hofkanzlei und während der französischen Invasion die Wohnung des französischen Marschalls Bessieres. Gegenwärtig ist es ein von Paul Fürsten von Eszterhazy-Galantha gegründetes Fideicommiss und Eigenthum des Niklas Fürsten von Eszterhazy. Das sogenannte „Kaiserhaus“ Nr. 263 (neu 3) hat seinen Namen daher, weil Grossherzog Franz von Toscana dieses Haus im Jahre 1776 an Kaiser J osef II. vererbte, dessen Name noch in dem ersten Häuserverzeichnis als Besitzer vorkommt. Nachdem Josef II. zur Regierung gelangte, kaufte das Haus Franz Ulrich Fürst von Kinsky, der es an Josef Fürsten Kinsky vererbte, von dem es endlich Graf Rudolf Czernin-Chudenitz im Jahre 1806 an sich brachte. XLV1I. CAPITEL. Kammerhof, heute Wildpretmarkt. er Kammerhof wurde in neuester Zeit wegen des ausgebreiteten Handels, der hier in neuern Zeiten mit Wildpret getrieben wird, „Wildpretmarkt“ genannt. In ältern Zeiten hiess er „der neue Kienmarkt“ und kommt unter derselben Benennung auch noch in dem ältesten Häuserverzeichnisse Jordans Namens „Schatz, Schutz und Schanz“ vor. Der Kien oder harzige Kern des Föhren-oder Fichtenholzes wurde seit den ältesten Zeiten als Surrogat der so kostspieligen Kerzen und auch als Brennmaterial allgemein benützt und bildete daher einen wichtigen Handelsartikel, ja noch zu Anfang des XVIIL Jahrhunderts stand der Kien zu obigem Zwecke in Gebrauch. Später, als die Kerzen immer mehr in Aufschwung kamen, verdrängten sie den Kien gänzlich als Beleuchtungsmaterial, so dass derselbe nur noch als Zündstoff benützt wurde. Der Kammerhof (Wildpretmarkt) gehört zu dön wenigen kleinen alten Plätzen, die schon zur Zeit der ersten Stadterweiterung, also um die Zeit von 1149, im Weichbilde der Stadt bestanden. Er verbindet gegenwärtig die Landskrongasse mit dem Bauernmarkt und führte im Laufe der Zeiten ausser den oben genannten Benennungen noch verschiedene andere Namen. ') l ) So hiess z. B. der Kammerhof im Mittelalter „ttfV alte und der untere Theil gegen die Lands- krongasse auch das wie noch heute das Gässchen von der Landskrongasse bis zu den Tuchlauben so genannt wird und seinen Namen von jenem Hausschilde „zum Winter“ trägt, das sich noch vor Kurzem am Eckhause Nr 552 von den Tuchlauben in die Landskrongasse befand. Ansicht des Wildpretmarktes 551 ■sh£i & i> ti? »'S ,W? : i&M ir« •li a»4fe4 . i - mny 'jimnuuvA. 777ZL M I mn »S! vWt\W M&d ^■yaia3&\'\ yesss-. i&tsi&ZM ‘^StssISaE^T] '[fterMd. ’ZS-.xrzz nir~ : 'M*-: TC*.' V "'"li. • 3 S?//i ii niummffi v 1 ilt V ~ ZI . tuiiü'C •zfvwm . ■■ *.-•] p^;Uuui^ '«•luuiif iViinwft iWWW il\l\l\V WM mm Fig. 192. Ansicht des Kammerhofes (heute Wildpretmarkt) aus dem Jahre 1730. 552 Die Kumpfgasse. Da keines der hier befindlichen Häuser von namhaftem Alter oder sonst von historischer Bedeutung ist, entfällt auch jede nähere Besprechung. Nur hat sich ein Bild aus der Zeit zwischen 1724 bis 1730 erhalten, das uns mit der damaligen ganz unveränderten Gestalt des Kienmarktes oder Kammerhofes bekannt macht; ich bringe dasselbe hier sub Figur 192 zur Anschauung. ') XLVIII. CAPITEL. Kumpfgasse. n der patriarchalischen Zeit des Mittelalters, als es noch keine Theater gab, waren öffentliche Kampfspiele die einzigen Freuden, an denen die Wiener mit grossem Interesse theilnahmen. Und die Leute, welche diese Kampfspiele aufführten, wurden Kampfspielleute genannt und bewohnten (der Sitte gemäss) in der Nähe ihres Productionsplatzes eine eigene Gasse, welche man Ilattipffpidgaffc, später ftcünpp gaffe und zuletzt ItUBtpfgaffe nannte. Schon im Jahre 1262 war sie unter dem Namen Strata gladiatonim, „(Efdtntpflutfen/' bekannt. Zu den ältesten Häusern dieser Gasse gehören: Das „Sänftenstallhaus“ Nr. 826 (neu 5). Es hatte seinen Namen von den Pferden, welche Kaiser Leopold I. und Carl VI. hier einstellen liessen und welche die Bestimmung hatten, in die kaiserlichen Tragsänften als Tragthiere eingespannt zu werden. Erst mit dem Jahre 1723, als Kaiser Carl VI. ein neues Hofstallgebäude vor dem äussern Burgthor am Spittelberg erbauen liess und 600 Pferde darin einstellte, verlor obiges Haus seine frühere Bestimmung und mit ihr auch die alte Benennung. *) Das Haus „zur neuen Welt“ Nr. 827 (neu 7). Schon im Jahre 1656 liess der damalige Hauseigenthümer Oberst Fernher ge r die aufgelassenen Stallungen der verwitweten Kaiserin Eleonora (Gemahlin Ferdinands 111.), die an dies Haus angebaut waren, niederreissen und zu einem grossen Hause verbauen. Für das hohe Alter dieses Gebäudes spricht die Jahreszahl 1643, die sich noch ober dem Hausthore in Stein gehauen befindet. Der Becherlhof Nr. 828 (neu 9) ist ein altes, weitläufiges Gebäude, welches seinen Namen von einem ehemaligen Besitzer, Becherl, herleitet. Er hiess auch der „alte flehte Hautftof" als Gegensatz zum grossen Rainhof, der sich noch gegenwärtig in der Riemerstrasse Nr. 817 (neu 14) befindet. *) Das Bild ist von Salomon Kleiner gezeichnet und von Corvinus gestochen, 53 Cm. breit und 304 Cm. hoch, zeigt uns den Platz von drei Seiten aus, die vierte dem Hohenmarkte zugekehrte Seite ist der bessern Uebersicht wegen weggelassen; rechts im Hintergründe sieht man bereits die Kuppel der neuen Peterskirche über die Dächer hervorragen und links das letzte Eckhaus, den „rotfiCH Jgd' 1 , welches schon damals ein Durchhaus war. In der Mitte des Bildes, und zwar schon mehr gegen den Hintergrund erheben sich die bescheidenen Markthütten, die später den ganzen Platz einnahmeu. Interessant sind die Staffagefiguren, darunter ganz besonders das damalige Costüm der beiden Rauchfangkehrer mit ihren langen Leitern und die Form der Wagen und Sänften. 2 ) Mit Verordnung vom Jahre 1723 wurden sämmtliche Bürger Wiens von der Einquartierung ärarischer Pferde für immer befreit, doch verschwand der Name „Sänftenstall“ bei diesem Hause erst im Jahre 1765 aus den Grundbüchern für immer. bas Andrä’sche Haus. — Johann Strauss’ 'J'od und Leichenbegängnis. 653 Das Ritter von Andrä’sche Haus Nr. 829 (neu 11) verdankt seine heutige Gestalt dem frühem Besitzer Christoph Ritter von Andrä, der das Haus im Jahre 1822 käuflich an sich brachte und zwei Jahre darauf (1824) in die heutige Gestalt mit dem rückwärts anstossenden Gebäude, dem grossen Ramhof in der Riemerstrasse Nr. 817, in Eines verbauen liess, so dass es ein Durchhaus in die Riemerstrasse bildet, wo es die Nr. 14 führt. Das Haus ist historisch interessant, weil es das Sterbehaus unseres grossen Walzerkönigs war. Die nähern Umstände seines Todes und seiner Leichenbestattung sind so interessant, dass sie der jüngern Generation erzählt zu werden verdienen. Johann Strauss’ Tod und sein Leichenbegängnis. Johann Strauss Vater, der Walzerkönig, der Liebling der Wiener, bewohnte im Jahre 1849 (nachdem er sich wegen häuslicher Zerwürfnisse kurz vorher von seiner Gattin getrennt hatte) einen Theil des ersten Stockwerks. Er war erst kürzlich von seiner Londoner Kunstreise zurückgekehrt und zeigte sich den Wienern zum ersten Male wieder an der Spitze seines Orchesters in Unger’s Casino in Hernals. Es war Sonntag den 15. Juli. Die Wiener waren zahlreicher als sonst herbeigeströmt, um ihren Liebling zu begrüssen. Ein donnernder Applaus empfing den wackern Meister, den es sichtlich erfreute, dass die Wiener noch mit der alten Treue an ihm hingen. Ans Pult getreten, verneigte er sich mit freudestrahlendem Antlitz und erhob rasch den Violinbogen, um den Aufstrich zur Ouvertüre „Maritana“ zu geben. Da geschah es, dass der Bogen beim Aufschnellen (ob der raschen Bewegung) am obern Ende zerbrach. Strauss erblasste und liess die Geige fallen; wie ein Blitz durchzuckte es sein Inneres, und er glaubte die Vorahnung eines nahenden Unglücks zu empfinden. Zwar ergriff er rasch Bogen und Geige seines Nachbars und führte die Ouvertüre mit gewohnter Präcision zu Ende, doch wollte ihn der unheimliche Gedanke einer Übeln Vorbedeutung nicht inehr verlassen, und dieses grübelnde Nachsinnen verdüsterte sein Gemüth trotz der Zusprache seiner Freunde, die ihn aufzuheitern suchten. Am 19. September 1849 spielte er das letzte Mal öffentlich beim „Sperl“, als er sich bereits unwohl fühlte. Ein Frösteln und Schauern durchzuckte seine Glieder; am 22. September hätte er bei dem Bankette, welches zu Ehren des Feldmarschalls Radetzky gegeben wurde, mit seinem Orchester spielen sollen und begann ungeachtet seines Unwohlseins die Composition eines neuen Festmarsches, den er „Radetzky-Bankettmarsch“ nannte. Doch die Kräfte versagten, die Feder entfiel seinen Händen, es war ihm nicht mehr möglich, die halbfertige Arbeit zu vollenden. Ein heftiges Fieber warf ihn am 21. September aufs Krankenlager, der Scharlach brach aus, eine hinzugetretene Gehirnentzündung steigerte plötzlich die Gefahr, und der Tod forderte diesmal mit unerbittlicher Strenge sein Opfer. Eine den 25. September um 1 Uhr Nachts eingetretene Gehirnlähmung befreite seinen Geist rasch aber schmerzlos von der irdischen Hülle: Strauss war sanft entschlafen, ohne Schmerz, ohne Todeskampf. Schnell verbreitete sich die Trauerkunde, an welche die Wiener anfangs kaum glauben wollten, denn hunderte von Affichen an den Strassenecken (wo Strauss seine persönliche Leitung bei Soireen und Concerten zusicherte) schienen dieses Gerücht Lügen zu strafen. Hunderte von Menschen drängten sich ins Trauerhaus, um das Antlitz ihres geliebten Meisters noch einmal zu sehen, der jetzt ruhig dalag mit unentstellter Miene, wie ein Schläfer, den süsse Träume umgaukeln, nur noch milder, noch sanfter und freundlicher als sonst im Leben. Am 27. September um die dritte Nachmittagsstunde bewegte sich der grossartig arrangirte Leichenzug feierlichst aus dem Trauerhause durch die Singerstrasse in den Stefansdom, wo die Einsegnung geschah. Eine unübersehbare Menschenmenge folgte dem Zuge; nicht Neugierde war es, welche die Leute aus allen Ständen herbeigeführt, sondern das unleugbare reine Mitgefühl, das 70 554 Die Kohlmessergasse. Gefühl der Dankbarkeit für so viele fröhliche Stunden, die der Meister Allen bereitete; dies bekundeten die vielen tausend thränenfeuchten Augen, der stille Ernst, der sich auf den Gesichtern Aller abspiegelte. Der Sarg, den die Mitglieder seines Orchesters trugen, war mit Kränzen und Blumen reich bedeckt; ihm folgte ein Mitglied des Orchesters, welches dem geliebten Meister auf schwarzem Sannntpolster Geige und Bogen nachtrug; die Saiten waren durchschnitten, sinnig andeutend, welch’ eine Welt von Sang und Klang die unerbittliche Schere der Parze hier zerstörte. Die Capelle des Infanterieregiments Ceccopieri und des zweiten Feldartillerie-Regiments, dann eine Civil— Musikbande unter Leitung des Capellmeisters Fahrbach schlossen sich dem Zuge an, der sich durch das Schottenthor langsam und feierlich zum Döblinger Friedhof bewegte. Trauermarsche wechselten ab, welche die Capellmeister Reinisch und Fahrbach und sein Verleger Carl Haslinger in treuer Freundschaft eigens hiezu componirt hatten Auf dem Döblinger Friedhof wurde Strauss neben Josef Lanner ins Grab gesenkt. Derselbe Jugendgenosse, der unserm Strauss bei Beginn seiner Laufbahn, die eben nicht auf Rosem gebettet war, als Kunstgenosse treu zur Seite stand, sollte auch jetzt im Tode sein Genosse bleiben, nachdem der Meister seine Laufbahn geschlossen, die diesmal nicht von Dornen, sondern von Rosen und Lorbeeren übersäet war. XLIX. CAPITEL. Kohlmessergasse. ier befand sich einst der Markt, auf dem die Holzkohle verkauft und vermessen wurde, daher ihr der alte Name „Kohlmessergasse“ auch dann noch verblieb, als längst schon die Kohle als Handelsartikel vom Platze verschwand. In ältesten Zeiten hiess diese Gegend „gegen beit rotten (Efnirnt 31 t", und es ist eigenthüm- lich, dass alle hier befindlichen Häuser mit der Rückseite gegen die ehemalige Bastei und alle Thoreingänge die Stadtseite gekehrt waren. Es war aus fortificatorischen Gründen wohl leicht begreiflich, da Wien zu jener Zeit sein Hauptaugenmerk auf die Festungswerke richtete, die von niemand Unberufenem betreten werden durften. Alle die jetzt hier existierenden Häuser sind erst im vorigen Jahrhundert entstanden. Das Wichtigste, was sich über diese Häuser sagen lässt, ist Folgendes: Der kleine Seitenstettenhof Nr. 466 (neu 3) bestand ehemals aus zwei kleinen, unansehnlichen Häusern und gehörte, wie noch heute, dem Seitenstetten-Klosterstifte, daher er im Grundbuche unter der alten Benennung „kleiner Seitenstettenhof“ vorkommt im Gegensätze zum sogenannten „grossen Seitenstettenhof“, der, an erstem angebaut, sich mit seiner Hauptfront in der Seitenstettengasse mit Nr. 464 und 465 (neu 5) befindet und urkundlich schon im Jahre 1552 hier existirte. Das alte Salzamtshaus Nr. 468 (neu 7) ist ein historisch interessantes Haus. Es war seit 1775 ausersehen, im Handel eine wichtige Rolle zu spielen, denn seit obigem Jahre befand sich hier ausschliesslich das grosse k. k. Salzamt und nahm seit dem Jahre 1795 an Bedeutung noch mehr zu, als es zugleich auch das k. k. ausschliessliche Cimentirungsamt wurde. Im Jahre 1820 schrumpfte es wieder zu einem Salzamte zusammen Die Krugerstrasse. 555 und kam später in den Privatbesitz des Doctors Anton Heidmann. Im Jahre 1834 wurde es in seine heutige Gestalt umgebaut und wurde Eigenthum der Heinrich Schlesinger'schen Erben, die es noch gegenwärtig besitzen. Das alte Salzthurmhaus Nr. 474 (neu 12) ist ein interessantes, althistorisches Haus, denn an dessen Stelle befand sich der einst strategisch wichtige Salzthurm, auf den bekanntlich bei der ersten Türkenbelagerung (1529) die feindlichen Angriffe geschahen und der von den sogenannten Nassadisten so mächtig beschossen wurde. Das Haus „zur kleinen Merung“ Nr. 479 (neu 2) ist gleichfalls ein althistorisches Haus, denn hier befand sich seit Anfang des vorigen Jahrhunderts der „gemeinen &tübt 'Mrittg4Tieöerlag''. Die Häringhändler (oder in der alten Sprache „häringer"), welche ein eigenes zünftiges Gewerbe trieben, hatten nämlich hier ihren Sitz. Die Stadtgemeinde besass das ausschliessliche Monopol für den Häringhandel, daher sie denselben an gewisse, „eigens dazu befugte Kleinhändler überliess, welche man sodann „Häringer“ nannte. Das Haus führte in ältesten Zeiten das Schild „ 3 m? tleinfU Ölerung" und behielt auch in neuerer Zeit diese Benennung im Volksmunde bei, obgleich das Schild längst schon verschwunden ist. Man verstand unter dem altdeutschen Worte „ülerutlg" einen Abzugscanal, durch welchen der Unrath geleitet wurde. Mit diesem Namen wurden übrigens in Wien noch mehrere Häuser benannt. L. CAPITEL. Krugerstrasse. ie Krugerstrasse war seit ältesten Zeiten der Sitz der „Ttritgler" (Krugmacher, die man damals von den Hafnern oder Töpfern wohl unterschied), die hier ihr zünftiges Gewerbe trieben, daher diese Strasse Krugerstrasse (Strata amphorum) hiess. Ihre Entstehung fällt wie die der Anna- und Johannesgasse in die vierte und letzte Erweiterungsperiode der Stadt zwischen 1269 und 1277. Die ältesten historischen Häuser dieser Strasse sind: Der St. Pöltnerhof Nr. 1007 (neu 5). Schon im Jahre 1651 brachte Georg Graf Erthödi dieses Haus käuflich an sich und setzte in seinem Testamente die Tullner Klosterfrauen zu Erben ein, die diese Erbschaft im Jahre 1675 in Besitz nahmen, aber schon nach 52 Jahren (1727) an das Stift zu St. Pölten weiter verkauften. Nach dem Stadtgrundbuche lag damals der alte eigentliche St. Pöltnerhof (oder 0t. pölting«t>of, wie man ihn frühernannte) in der Weihburggasse, und Doctor Cuspinian erkaufte und verbaute denselben zu seinem eigenen Hause. Als Kaiser Jo sei" II. im Jahre 1784 das Bisthum nach St. Pölten verlegte, hob er das Stift daselbst für immer auf, wodurch auch dieser Hof in Privathände kam, obgleich er den Namen fortan beibehielt. Der Besitznachweis dieses Hauses lässt sich durch die Grundbücher bis ins XVI. Jahrhundert verfolgen. ‘) *) Im Jahre 1583 besass Hans Leiben dieses Haus. Nach-ihm brachte es Andreas Erstenberger zu Freyenthurm an sich. Von diesem kam es im Jahre 1624 an Hans Mechtel, dann an Wolf Sirich, von welchem es im Jahre 1651 Georg Graf von Erthüdi erkaufte. Ober dem Hausthore sehen wir noch heute das St. Pöltner Bischofswappen mit den Emblemen der bischöflichen Würde in einem schönen Steinbildc dargestellt. 7a* 556 Die Krebsgasse. Das gräflich Erdödy’sche Palais Nr. 1013 (neu Krugerstrasse 10 oder Wallfischplatz 7). Dasselbe bestand einst aus zwei Häusern, welche die Conscriptionsnummern 1047 und 1075 führten. Das erstgenannte Haus (Nr. 1047) war ein althistorisches, denn es wurde im Jahre 1684 von dem berühmten heldenmüthigen Vertheidiger Wiens, von Ernst Grafen Rüdiger von Starhemberg, erkauft, der es jedoch niemals bewohnte, da er als Hofkriegspräsident seine Wohnung im Kriegsgebäude hatte. Im Jahre 1706 kam Weikhard Wenzel Graf von Sintzen- dorf, oberster Falkenmeister, und nach ihm im Jahre 1775 Gabaleon Graf von Selmour in seinen Besitz. Gegenwärtig ist Franz Graf Erdödy der Besitzer, und das gräfliche Wappen zeigt sich ober dem Einfahrtsthore in einem schönen Steinbasrelief. Das vormals Freiherr-von-Fünfkirchen’sche Haus Nr. 1009 (neu 13) hat seinen Namen von dem ehemaligen Besitzer Hans Ernst Freiherrn von Fünfkirchen, der auch hier im Hause im Jahre 1684 starb. Er ist derselbe, der in der Augustinerkirche begraben liegt und dessen Andenken ein schönes Grabdenkmal ehrt. Im Jahre 1700 waren die Erben nach Graf Thomas von Tschernin die Besitzer, die es aber wieder im Jahre 1766 an Stefan Grafen von Wallis verkauften. Im Jahre 1800 kam der reiche Wiener Bürger und Kaufmann Bruno Neulinger (der Begründer des sogenannten Neuling’schen Bräuhauses, nach welchem auch die Neulinggasse auf der Landstrasse ihren Namen hat) an die Gewähr, der das Haus im Jahre 1804 von Grund aus in jene Gestalt vollständig neu umbauen liess, wie wir es heute noch sehen. Im Jahre 1822 waren Marcello Graf Durazzo, später Carl Theodor Graf von Wickenburg und gegenwärtig ist Eduard Graf von Wickenburg Eigenthümer dieses Hauses. LI. CAPITEL. Krebsgasse. ieser Stadttheil bildet nicht bloss den unregelmässigsten, sondern zugleich auch den ältesten Theil der ehemaligen „Vindobona“. Er war bereits während der ersten Stadterweiterung zur Zeit des Todes Heinrich Jasomirgotts (1177) mit allen seinen fünf winkeligen und schmalen Strassenzügen ‘), die alle wie in einem Knotenpunkte hier zusammenstiessen, vorhanden. Die Krebsgasse hat ihren Namen von dem in dieser Gasse befindlichen Hausschild „zum blauen Krebs“, auch führte sie in ältesten Zeiten die Benennung: ^unart ÖCMI 25er(j(>of", welcher sich gleichfalls hier befindet und zu* den ältesten Häusern der Stadt gezählt wird. Die historisch interessanten Häuser, welche hier erwähnt zu werden verdienen, sind folgende: l ) Die Rosmarin-, Salz-, Stera-, Salvator- und Krebsgasse trafen von vier verschiedenen Richtungen hier zusammen und gaben diesem Stadttheile ein höchst düsteres, unregelmässiges Aussehen, und noch heute ist die Physiognomie dieses Ortes dieselbe geblieben. Die schmalen winkeligen und finstern Strassen mit ihren hohen alten Häusern machen auch heute noch auf den Beschauer einen düstern, unheimlichen Eindruck. Das Haus „zum blauen Krebs“. Der Berghof. — Das Haus „zur grossen Presse“. 557 Das Haus „zum blauen Krebs“ Nr. 449 (neu 5 oder Rosmaringasse 1). In den ältesten Grundbüchern vom Jahre 1591 erscheint Peter Khrebs, teutfäw? 64>uel(>alter, als Besitzer dieses Hauses, dem er das Schild „zum blauen Kreps“ gab. Im Jahre 1847, als dieses Gebäude abgebrochen und von Grund aus neu aufgebaut wurde, entdeckte man während der Erdausgrabungen interessante Ueberreste eines altrömischen Wasserbehältnisses. ‘) Der alte Berghof Nr. 510 und 511 (neu 2). Die Entstehung dieses Gebäudes reicht bis in die Periode Leopolds VI. des Heiligen zurück, welcher der Erbauer desselben war und hier einen „ obngrer, Don (ebenen fp rachen mancherlei. Sa traten Saufleut bin uni» her, Lcbreflcb, ©riecbiicb rni> Cateiniich. 2tl na3ion in ihr Slaiöung! üeuticb, ffran^öfticb, lürtiicb, Cpaniicb, Sa mirh gebärt manch’ fpwo all ipracb ein anfang gnomen, Xchflicb, polnifcb mb «halbaflcb, ltni» hört ein (eltfam örafcb rm6 gicbran Ses Solts auch mar ein große meng’." < 1 * Das Lugeck aus dem Jahre 1728. 561 m mm H»n mm isäSÄ/j iwm IHlilllll«llllll»»llllMUII»llll mmmi 71 Ansicht des Lugeck aus dem Jahre 1725. I •I # 562 Der Regensburgerhof. Einige Chronisten meinten, der Name Lugeck stamme von jenen zwei Figuren her, die unter den beiden Rondellen des alten Regensburgerhofes gleichsam neugierig hervorgucken oder (wie der altdeutsche Ausdruck lautet) lugen, hervorlugen. ’) Eine interessante Ansicht sub Figur 194 2 ) zeigt uns das Lugeck aus der Zeit vom Jahre 1725, als noch rechts gegen die heutige Bäckerstrasse zu sich die öffentlichen grossen Fleischbänke befanden, von denen auch diese Gegend „Unter den Fleischbänken“ hiess. Das bedeutendste Gebäude ist hier: Der Regensburgerhof Nr. 751 (neu 2). Derselbe war ursprünglich der Sitz der reichen regensburgischen Handelsniederlagen, von denen das Haus auch noch heute seinen Namen beibehalten hat. Zur Erinnerung an seinen Ursprung befand sich am Hause ein Bild, die Stadt Regensburg darstellend, mit einem darunter angebrachten uralten Knittelvers: ,.3110 Eegensburg betuabre aUe 3 eit Sie aUer(>eilic!fte Drei faltig feit." Dieses Gemälde verschwand erst in diesem Jahrhundert bei Gelegenheit einer Restaurirung j dagegen erhielten sich noch bis heute die zwei grossen Steinfiguren'unterhalb der beiden Erker in altdeutscher Tracht, rechts ein Weib und links ein Mann, beide mit vorgebeugtem Körper, gleichsam auf die Gasse hervorschauend (lugend). Das Haus hat eine reiche geschichtliche Vergangenheit, und seine altersgrauen Mauern waren oft Zeugen von bedeutenden Begebenheiten, die sich in seinen Räumen vollzogen. . So z. B. war der reiche Wiener Bürger Niclas Teschler, Diplomat nnd Kriegsmann, der Besitzer dieses Hauses und bewirthete bei einem festlichen Tanze Kaiser Friedrich III. und König Mathias Corvinus von Ungarn, der auf kurze Zeit nach Wien gekommen war, um sich mit dem Kaiser über die beiden Monarchen sehr ungelegen kommende Thronverfügung Georg Po di ebrad’s zu berathen. Niclas Teschler war auch einer jener sechs Bürger, welche am 21. Mai 1485 dem König Mathias die Capitulationsbedingungen der geängstigten Stadt überbrachfen. Hier im Hause befand sich auch ein von Kaiser Josef I. zum ersten Male ins Leben gerufenes äusserst vvohlthätiges Institut, das gegen überliandnehmenden Wucher den Armen Abhilfe schaffen sollte, nämlich das erste kaiserliche Versatzamt, welches man damals auch „Pfanb-- oder nannte. Es wurde im Jahre 1707 hier im ersten Stockwerke gegründet und sollte die Nothleidenden und Armen vor der Gefahr schützen, bei gewissenlosen Wucherern gefährliche Hilfe zu suchen. ’J Da aber der Platz weit älter ist als die Figuren, so muss der Name wohl einem andern Grunde entspringen, und es dürfte die oben zuerst angegebene Ursache die richtige sein. s ) Das Bild, von Salomon Kleiner gezeichnet und von J. A. Corvinus gestochen, aus dem Jahre 1725, 32'2 Cm. breit und 20’3 Cm. hoch, gewährt uns einen vollen Ausblick vom Ausgange des Lichtenstegs gegen das Lugeck, wo der Regensburgerhof den Hintergrund bildet. Rechts sehen wir einen Theil des alten Federlhofes und links das Haus mit der Apotheke „zum Baien“, wo sich heute der Germaniahof befindet, aber im Vordergründe rechts die Fleischbänke (wo heute das Ertl’sche Stiftshaus steht) und links auf dem Lichtensteg gleichfalls Fleischbänke, wovon die ersteren im Jahre 1841 und die letzteren im Jahre 1847 abgebrochen wurden, um von hier für immer zu verschwinden. Die Häuschen, welche hinter den Fleischbänken standen, waren niedrig und unscheinbar und ragten nur wenig über die Fleischbänke hervor. Höchst merkwürdig und den Charakter der damaligen Zeit bezeichnend ist übrigens der Umstand, dass in frühesten Zeiten auch das Schlagen der Ochsen bei diesen Verkaufsbuden als etwas ganz Gewöhnliches und von selbst Verständliches gestattet war, während später schon in der Fleischerordnung Albrechts 111. anbefohlen wird: „»efcetf ©0fm HO0 Xijthcr ITIjnbert attöt’rvtCO jU fta0etl, ÖatUt auf ÖCt Ha0prugb bei beut Tlolbettlunt." Wie alt jedoch diese Fleischbänke gewesen sein mussten, geht schon aus einer Urkunde von 1511 hervor, worin es heisst, dass „bie <£leifd?benty bafelbft am £i$tcnfteg abgebninttirn mb bureb bas Leiter üer 3 ert" worden seien, also gewiss früher schon an diesem Platze bestanden haben mussten. LIV. CAPITEL. Löwelstrasse. r iese Gasse erhielt ihren Namen von Hans Löbel Freiherrn von Greinburg und ist für die Geschichte des'zweiten Türkenkrieges (L683) von hoher Bedeutung, denn hier fanden die Hauptangriffe der Feinde statt und entbrannten die blutigsten Kämpfe immer wieder aufs Neue. Hier schlugen die Wiener mit wahrem Heldenmuth alle Stürme zurück und vollführten Wunder der Tapferkeit. Am 3. September 1683 z. B. gelang es den Türken sich des Burgravelins zu bemächtigen, indem sie vorher (2. September) mittelst Minen die Spitze der Burgbastei zerstörten, eine Flanke seitwärts der Löbelbastei bauten ’) und sich daselbst eingruben. Die Belagerten mussten daher den Burgravelin, den sie durch 23 Tage mit äusserster Tapferkeit vertheidigt hatten, räumen, und schon Tags darauf flog an der Burgbastei eine grosse Mine auf, welche die halbe Stadt erbeben jnachte und eine fünf KJafter lange Mauer niederwarf. Sogleich liefen 4000 Türken Sturm, aber nach anderthalbstündigem blutigen Kampfe wurden sie von den Höhen zurückgeschlagen und mussten sich mit grossem Verluste wieder zurückziehen. , Am 6. September flogen abermals unter der Löbelbastei mehrere Minen auf, welche die 24 Schuh dicke Mauer 6 Klafter weit aus ihren Grundfesten rissen, und sogleich begann abermals vom Feinde ein Ansturm, den aber Star hemberg selbst an der Spitze * seiner Soldaten und seines Stabes abwehrte und glücklich zurückschlug, so dass jetzt die Türken mit einem Verlust von 1500 Mann (wie Christian Wilhelm Kuhn als Augenzeuge berichtet) sich abermals zurückziehen mussten. Auch am 8. September fiel ein Stück der Löbelbastei und abermals versuchteh es die Türken unter fürchterlichem Geschrei die Bresche zu stürmen, aber diesmal war die' Mauerlücke zu enge, so dass die Anstürmenden nach zweistündigem erbitterten Kampfe den Rückzug nahmen. Noch drei Tage hindurch (7., 8. und 9. September) wiederholten die Türken den Ansturm gegen die Löbelbastei, besonders am 9. September gelang es ihnen nach dreimaligem Sturmlaufen sich im untern Walle und in der Verbindungslinie des Grabens vor dem Zwischenwalle festzusetzen und in demselben drei Minen anzulegen. Wie nie zuvor schwebte die Stadt in augenscheinlicher Gefahr. Kara Mustapha selbst liess sich in einer mit Eisenblech beschlagenen Sänfte zu den Minen tragen, um die Janitscharen bei ihren Erdarbeiten zu inspiciren und sie zum Fleisse anzuspornen. Alles wurde in Bewegung gesetzt, um einen Hauptsturm auf die Löbelbastei vorzubereiten, denn der Grossvezier schien den einmal gefassten Plan, über die Trümmer der Löbelbastei in die Stadt einzudringen, nicht mehr aufgeben zu wollen. Aber die Besatzung schlug jeden Angriff mit Löwenmuth auf das kräftigste zurück, und der Feind war genöthigt sich jedesmal mit bedeutendem Verlust zurückzuziehen. Der Gemeinderath widmete diesem Helden- und Ehrenplätze der Wiener eine Gedenktafel zur ewigen Erinnerung, die er im Jahre 1868 am fürstlich Liechtenstein’schen Palais an der der Löwelstrasse zugekehrten Seite anbringen liess. ‘) Ein Lieutenant, der dort die Wache hatte und den Anbau duldete, ohne ihn zu verhindern, erhielt zur Strafe von Starhemberg die Wahl entweder gehenkt zu werden, oder einen Ausfall zu wagen und die Türken von diesem Anbau zu vertreiben. Er wählte das Letztere, machte einen Ausfall mit 24 Mann und wurde vom Feinde getödtet. 71 * 664 Die Löwelstrasse. I % Zu den geschichtlich merkwürdigen Häusern verdienen in dieser Gasse folgende gezählt zu werden : ; Das alte Türkenhaus Nr. 49 (neu 14). Es hat seinen Namen von den mörderischen Gefechten, die diesem Hause gegenüber aui der Bastei während der zweiten Türkenbelagerung (1683) stattfanden, wobei bereits zwei türkische Standarten aufgepflanzt, die Anstürmenden aber nach zweistündigem Gefechte mit Bravour zurückgeworfen wurden. Nach beendeter Belagerung wurde zur ewigen Erinnerung unter dem Dachrande dieses Hauses ein Türkenkopf mit der Jahreszahl 1683 angebracht und unter demselben eine türkische Kanonenkugel, worauf man fortan dieses Haus da^ „Türkenhaus“ nannte. Später verschwand der Türkenkopf, und nur die Kugel blieb als Wahrzeichen in der Mauer haften, bis auch diese sammt dem Hause spurlos verschwand, um einem Neubau Platz zu machen. Das gräflich Batthyany’sche, jetzt Fürst-Montenuovo’sche Palais Nr. 18 (neu 6) wurde in den ältesten Grundbüchern unter der Benennung gegen bie CÖbel'Pajie^ 3U" angeführt und gehörte noch im Jahre 1700 dem Grafen Franz Sigmund Wels und dann den gräflich Wels’schen Erben, worauf es später durch Kauf in Besitz des Johann Baptist Grafen von Batthyanyund zuletzt an Fürstin Julie von ^lontenuovo und nach ihrem Tode an,deren Erben kam. » i Das gräflich Flasching’sche Haus Nr. 17 (neu 12) hat seinen Namen von Maximilian Ernst Grafen von Flasching, der es im Jahre 1700 besass und neu umbauen liess, es aber im Jahre 1750 ah den Prinzen von Hildburghausen verkaufte, worauf es dann 177Jj an Grafen Palm und 1830 an Grafen Palffy von Erdöd und zuletzt an Fürsten Alois von Liechtenstein überging. Es fiel hierauf dem Stadterweiterungsfonde zu, der liier einen Prachtbau aufführen liess. 4 ) *) Durch die Demolirung der dieser Strassenseite gegenüberliegenden Häuser hat sich die Physiognomie dieser Gegend vollständig geändert. Denn hier (an der der Bastei'zugekehrten Seite) standen ehemals nach beendetem’Türkenkriege 1684 kleine ebenerdige und einstöckige Häuschen, in welchen die Stallungen der hier sesshaften Cavaliere Dietrichstein, Liechtenstein, Pal ffy und Fürsten Batthyany untergebracht waren. Solche Stallungen waren die Häuschen mit der Conscriptionsnummer 8, 9, 11, 12, 14 und 15. Auch wurden hier Häuser gebaut, die zwar in der Löwelstrasse fussten, aber über das Niveau der Bastei hinausragten, so dass sie auch Hausthore auf der Bastei besassen und sonach ein Durchhaus von der Löwelstrasse aut die Löbelbastei bildeten. Zu diesen Häusern gehörte vornehmlich das Haus Nr. 10, welches ehemals 1775 die gräflich Uhlefeld’schen Stallungen bildete, dann aber im Jahre 1775 zu einem Palais für die Gräfin Wilhelmine von Thun erbaut und 1812 für Erzherzog Maximilian umgebaut wurde. Zuletzt gehörte es der Cacilia Dembscher, und im Jahre 1874 traf es das Los der Demolirung. Dem gleichen Schicksale verfiel auch das mehr gegen das Liechtenstein’sche Majorats- Palais zugekehrte Basteihaus Nr. 14. Es war ursprünglich 1775 eine gräflich Althan’sche Stallung, an deren Stelle im Jahre 1812 ein Palais für den Fürsten Palm erbaut wurde. Auch dieses Gebäude fusste in der Löwelstrasse und hob sich über das Niveau der Bastei empor, so dass es auch hier einen Thoreingang (oder vielmehr auf der Bastei zwei Thore) hatte und ein Durchhaus bildete. Später war es Eigenthum des Erzherzogs Maximilian von Este. Es hatte der Bastei entlang eine imposante Front, die beiden Portale waren auf Säulen gestützt und gegen die Löwelstrasse zu durch eine fliegende Brücke (eine Art Schwiebbogen) mit dem gegenüberstehenden Eckhause Nr. 17 verbunden. Ueberhaupt bemerkte man drei Schwiebbogen in der Löwelstrasse, die von den hier befindlichen Stadthäusern auf die gegenüberstehenden Basteihäuser geführt wurden. Der eine Schwiebbogen befand sich zwischen dem Fürst Liechtenstein’schen Majoratshaus Nr. 44 (neu Löwelstrasse 10) und dem Basteihaus Nr. 1164, das ehemals (1809) eine französische Restauration war. Fürst Liechtenstein liess dasselbe im Jahre 1839 niederreissen und eine Art Bellevue mit einem Gärtchen errichten und diese durch fliegende Brücken und Bogengänge mit dem Majoratshause (Nr. 44) in Verbindung setzen. Der andere Schwiebbogen ging von der Staatskanzlei (Nr. 19) auf das Basteigärtchen, welches Metternich zur Promenade anlegen liess und dasselbe so mit dem Palais in unmittelbare Verbindung brachte. Seit Demolirung der Basteimauer ist die ganze Häuserreihe der Löwelstrasse dem Stadterweiterungsplane zum Opfer gefallen und wird künftig durch eine Seite des Volksgartens begrenzt werden. Somit verschwanden hier ausser den obgenannten Häusern noch die Häuser mit der Conscriptionsnummer 1162, 1163, 7 und 16. X LV. CAPITEL. Lichtensteg. chon im XV. und XVI. Jahrhundert kommt der Name Liihtensteg vor, mit der Benennung „Xm SrefifiCtkdicf" als Erinnerung an eine Art Gebäck, welches damals sehr beliebt war und „Brezze“ oder* „Brezzel“ hiess, wie noch heute der alter- thümliche Ausdruck ganz unverändert vorkommt. Der Eingang in das jetzige Rothgässchen hiess die „Xtrel" oder „Xepdlutfett". ’) Als im XV. Jahrhundert die Fleischhacker zu beiden Seiten der' Strasse ihre hölzernen Verkaufsläden hier aufschlugen, wurde der Lichtensteg auch „Unter deif Fleischbänken“ genannt und kommt in den Grundbüchern unter dieser Benennung vor. Jene Bänke zur Rechten (vom Hohen Markt) wurden im Jahre 1841 und jene zur Linken erst im Jahre 1847 bei Gelegenheit von Neubauten gänzlich abgebrochen, wodurch diese Gasse beträchtlich erweitert und verschönert wurde. Von den hier befindlichen Bauten verdient be- i sonders erwähnt zu werden das ehemalige, jetzt bereits verschwundene « Taschnerhaus Nr. 526 (neu 4). Es befand sich am Eingänge des Rothgässchens gegen den Lichtensteg und wurde zur Passage-Erweiterung im Sommer 1842 von Grund aus abgebrochen. An diesem Hause befand sich ein altes Steinbild aus dem XV. Jahrhundert, und da das Haus durch Ankauf Eigenthum des Stadtmagistrats wurde, kam auch dieses uralte kbstbare Steinbild in den Besitz desselben. Wie Figur 195 zeigt, stellt das Bild eine^ jugendliche Engelsgestalt vor. * 2 ) Was die Physiognomie . des Taschnerhauses selbst betrifft, so liess sein J9& steinbild am ehemaligell Taschnerhaus . Aeusseres den Baustyl des XVI. Jahrhunderts nicht ») Das altdeutsche Wort „Rct" oder „Eenel" hiess im Mittelalter nach dem damaligen Sprachgebrauche eine Art Traggestell, in welches die Kleinhändler (Hausirer) ihre kurze Waare hineinzulegen und sie zum Kaufe anzubieten pflegten. Sie selbst hiessen „Xeffler" und ihre Waare „©erefiel", von dem dann das echt wienerische Wort „©raffet", „©raffeltrerf" sich ableitete. Die Reffler kommen schon in einem Zunftverzeichnisse vom Jahre 1404 vor, und es war ihnen eine eigene Zechordnung im Jahre 1421 vom Bürgermeisteramte vorgeschrieben worden, wonach sich die Reffler nur mit dem Verkaufe von kleinen Geräth- schaften von Holz, hölzernen Schaufeln, Rechen, Reutersieben, Geräthschaften und kleinen Werkzeugen für Schuhreparaturen beschäftigen durften. Sie übten ihr Gewerbe vorzüglich hinter dem kleinen Gässchen, der „RePClllufClt", dann auf dem sogenannten „RefdpÜffl" in der Bognergasse aus. ln der Polizeiordnung Ferdinands I. vom Jahre 1527 wurden sie nur auf ihre Reffler- laden, dann auf den Refflerpühl beschränkt. Später erweiterte sich ihr Befugnis auch auf die Geräthelträger. 2 ) Das Steinbild am Taschnerhause befindet sich gegenwärtig an der Ecke des Rathhauses in der Wipplinger- strasse gegen die Hohe Brücke zu. Es zeigt einen Engel, der die Flügel ober dem reichen Lockenkopfe zusammenschlägt. Das Haupt ist wie im Drange der Gefühle etwas zur Seite geneigt; die Gestalt hält zwei Schilde, auf denen sich die Wappenschilde der Stadt Wien und Oesterreichs befinden. Eine eherne Kette, an der ein Schloss hängt, bindet symbolisch (wie für die Ewigkeit der Wiener Treue) den Schild des Landesfürsten an jenen der Bürger. Kopf, Haare und Faltengewand 566 Das Taschnerhaus. merken; das erste Stockwerk wurde durch zwei Erker und in der Mitte durch ein Vordach charakte- risirt. Eine seltene Ansicht sub Figur lOß ruft uns dieses uralte Gebäude ins Gedächtnis zurück. * *) Fig. 196. , Das ehemalige Taschnerhaus auf dem Lichtensteg. “.CjrlSr*?- Vf-»* SS.*"- '£&S2s sowie die Flügel der Figur sind von Meisterhand gearbeitet, das Werk entstammt den Dreissigerjahjen des XV. Jahrhunderts und war ursprünglich bemält. Bei Uebertragung des Steinbildes vom Taschnerhaus in die Wipplingers'trasse wurde das Steinbild dem Bildhauer Franz Hügler zur Restaurirung übargeben, wobei sich manche Umstände ergaben, die bezüglich unserer alten Bildhauerkunst für uns von hohem Interesse sein dürften. Die Untersuchungen zeigten, dass die Figur mehrmals bemalt war (ein Gebrauch, der im Mittelalter bei allen Figuren und auch bei Bildsäulen, ja sogar bei kostbaren antiken Marmordenk- malen vorzukommen pflegte) und mehrere Farbenschichten 4 übereinanderlagen. Die behutsame Loslösung dieser Schichten zeigte, dass der Engel früher ein weisses Kleid und rothen Mäntel, später aber einen grünen Mantel und rothes Kleid trug. Die Kette und das Schloss waren zuerst versilbert und dann schwarz bemalt. Aus Anlass dieses Bildes sind zahlreiche Vermuthungen insbesondere wegen eines daselbst bestandenen Stadtthurmes aufgetaucht, an welchem dieses Relief angebracht gewesen sein soll. Wiewohl diese Vermuthung aus andern Gründen stichhältig sein mag, so ist es doch unzweifelhaft, dass das Steinbild, sowie die beiden Schilde in keinerlei Verbindung mit dieser Vermuthung stehen. Es ist allerdings möglich, dass die beiden Schilde aus jener Zeit stammen, als man die Stadt erweiterte. Aber das Steinbild selbst ist nichts Anderes als eine Ausschmückung des Hauses und die Kette ein Symbol der innigen Verbindung zwischen Volk und Regenten. Vide: Schlager’s ausführliche Aufsätze in der „Wiener Zeitung“ vom 10. und 11. Mai 1842 und Nummer 57 und 58 vom Jahre 1843. *) Das Bild, von Emil Hütter gezeichnet, zeigt uns die gegen den Lichtensteg zugekehrte Hauptfront des Hauses, wie dieselbe noch bis zum Jahre 1842 aussah. Das Haus trat um etwa 6 Schuh gegen die gegenüberliegende heutige Kramergasse (die als eine Verlängerung der Rothgasse zu betrachten ist) vor und verengte so auf dem Lichtensteg die Passage ungemein. Durch den Wegfall dieses Hauses ist jedoch die Communication zwischen Bauernmark und Rothgässchen und zwischen Lugeck und Hohenmarkt auf das Bequemste hergestellt. LVI. CAPITEL. Ledererhof. 'edererhof wird jene Gruppe von Häusern genannt, die sich noch vor kurzem ! am Ausgange der Färbergasse gegen den Hof befand. Sie bestand aus sieben Häusern, deren fünf sich in Gestalt eines Hufeisens gegen den Hof zu aus- I bauchten, während die beiden andern, gleichsam durch eine Strasse getrennt, eine Ecke einerseits in die Färbergasse, andererseits in die Drahtgasse bildeten. Die ! beiden Häuser Nr. 340 (neu 3 oder am Hof 11) und Nr. 336 (neu 1 oder am Hof 12) „ eourc'etn’t’c*- T tf jwnfrsCftfct*. [fcttlV.CWOWAtV jwmitHtfncto. f 1E3Ü ..«-’Hi.i IIUItlrtiJIfTTTI | „T | .^niuitecjrp' 1 . ; fllltll •fcvji’Bl.t mm Fiy. 197 . Der Ledererhot bis kurz vor seiner Demolirung. bildeten die Hauptfront gegen den Hof und wurden in jüngster Zeit von Grund aus demolirt, um einem eleganten Neubau Platz zu machen. Da diese Häuser zu den älteren Bauten der Stadt gehörten, nun aber für immer ver- 568 Der Bellegardehof. schwunden sind, so dürfte es meine Leser interessiren, wenigstens im Bilde noch ein Andenken an dieselben zu besitzen. Die Ansicht sub Figur 197 zeigt uns den alten „Ledererhof“, wie er noch kurz vor seiner Demolirung aussah. ‘) CAPITEL. Landskrongasse. iese Gasse hat ihren Namen von den beiden alten Hausschilden, die sich ehemals am Hause Nr. 547 und 548 befanden, wovon ersteres „zur kleinen Landeskrone“ und letzteres „zur grossen Landeskrone“ hiess. Später wurden diese beiden Häuser mit noch einem dritten (548) niedergerissen und an ihre Stelle eines der grössten und umfangreichsten Gebäude der innern Stadt erbaut. Es ist dies der Bellegardehof Nr. 546, 547, 548, 582 (neu 1). Derselbe dankt seine Benennung Julie Gräfin Bellegarde, die noch ein viertes Haus Nr. 582 hinzukaufte und in den neuen Bau einbezog. Das Ganze wurde inu Jahre 1835 vollendet, und am Giebel in der Mitte der Langseite findet sich noch heute die Aufschrift in goldenen Buchstaben mit der Jahreszahl MDCCCXXXV. Der Bellegardehof wird von drei Gassen (Bauernmarkt, Wildpretmarkt und Landskrongasse) umschlossen und besitzt zwei grosse Höfe und mehrere Eingangsthore, wovon das eine auf den Wildpretmarkt führt (mit der Hausnummer 10) und das andere auf den Bauernmarkt (mit der Hausnummer 15). . In ältesten Zeiten wurde die Landskrongasse zur Münzerstrasse gerechnet und auch der obere Theil des Bauernmarktes (gegen den Hohenmarkt) noch in den Vierzigerjahren Münzerstrasse genannt, weil hier einstens die Münzer die herzogliche Münze (Werkstätte, Schlaghaus und Wohnung) hatten. Als nämlich Herzog Albrecht, wie bereits im I. Capitel erzählt wurde, die Carmeliter- mönche ins Land rief und ihnen als Kirche und Kloster die Gebäude der herzoglichen Münze am Hof anwies, wurden die Münzer in die heutige Landskrongasse versetzt. Mit diesem neuen Münzhof waren aber auch die Werkstätten, das Giesshaus, die Schlag- und Prägestube, sowie auch die Wohnungen der Münzmeister, der Münzknechte und der sogenannten Hausgenossen verbunden. Das Münzvvesen war damals vielfachen Veränderungen unterworfen, die Präge und selbst auch der Münzfuss so verschiedenartig und auf den Handelsverkehr von so nachhaltiger Wirkung, dass ein kurzer Ueberblick über das älteste Münzwesen der Wiener gewiss von Interesse sein dürfte, um aus demselben ihre Münzoperationen, Missbrauche und Münzgesetzgebung kennen zu lernen. ‘) Die Zeichnung, nach der Natur von Emil Hütter, zeigt uns die Hauptfront des alten Ledererhofes aus jüngster Zeit. Die lange Terrasse mit dem schönen Eisengitter und dem verhältnismässig kleinen Fenster bilden das charakteristische Merkmal dieses Hauses. Rechts im Bilde zeigt sich der Weg in die Drahtgasse und links der in die Färbergasse. Die übrigen Häuser, die zum Ledererhof gerechnet werden, und zwar: Nr. 339 (neu 5), Nr. 338 (neu 7) und Nr. 333 (neu 4) befinden sich in der Färbergasse hinter dem Ledererhof und sind aus diesem Grunde im Bilde nicht sichtbar. Uebrigens wurden die Häuser Nr. 336, 341, 340 als Ledererhof 1, 2 und 3 bereits im I. Capitel „Am Hof“, mit der Nummer Am Hof 11, 12 und 13 besprochen, sowie auch von den Häusern 5, 7 und 4 im Capitel über die Färbergasse unter den dortigen Hausnummern 2 4 und 6 Erwähnung gethan. Das alte Münzwesen der Wiener. 569 Das alte Münzwesen der Wiener. Das ursprüngliche den babenbergischen Herzogen und den ersten Habsburgern zustehende Münzregale wurde schon in der frühesten Zeit höchst leichtfertig behandelt, das heisst es wurde leichtsinniger Weise dieses Recht an einzelne Herzoge, Fürsten, Grafen, ja sogar an einzelne Bischöfe und Städte auf bestimmte Zeiten gegen Pacht übertragen; die Folge davon war, dass ein äusserst verschiedener Münzfuss entstand, der auf den Geschäfts- und Handelsverkehr höchst nachtheilig wirkte und in die finanziellen Verhältnisse des ganzen Landes die grösste Verwirrung brachte. Dazu kam noch, dass die schlechtesten Münzen (Münzen von geringerem Gehalt) geprägt wurden, was die Entwerthung des Geldes zur unmittelbaren Folge hatte; dieser allgemein übliche Kunstgriff (dessen sich nicht bloss die Münzmeister und Hausgenossen, sondern sogar auch die Herzoge schuldig machten) wurde grösstentheils bei den geringeren kleinern Münzgattungen, die sich insbesondere bei dem niedern Volk im Umlauf befanden, in Anwendung gebracht. Man prägte nämlich die Pfennige so dünn, dass sie durch den Verkehr bald gänzlich abgenützt und unbrauchbar wurden. Man musste sie daher in kurzen Zwischenräumen (gewöhnlich schon nach einem halben Jahre) wieder einschmelzen oder (wie der technische Ausdruck lautete) „nmufett", das heisst man musste diese alten Pfennige um einen bedeutend geringeren Preis, als sie ausgegeben waren, in die herzogliche Münze abliefern, wo sie dann eingeschmolzen, umgeprägt und mit einem grösseren Nennwerth ausgegeben wurden. Die schlechte Beschaffenheit der Münze gab auch beständig Anlass zu den bittersten Klagen und der bedenklichsten Unzufriedenheit, so dass man sich es nicht verhehlen konnte, dass ein geregelter Münzfuss endlich denn doch nöthig sei. Von Herzog Albrecht IV. und Herzog Wilhelm wurde nun im Jahre 1399 festgesetzt, dass künftig ein Gulden hundert neue Pfennige gelte, und dass man bei allen herzoglichen Aemtern im Kauf und Verkauf, sowie auch zur Bezahlung von Geldschulden zwei neue für drei alte Pfennige annehmen müsse. Was aber den innern Werth der Münze selbst betraf, so war derselbe doch noch sehr schwankend, und vom Markpreise des rohen (ungeprägten) Silbers, sowie von den jedesmaligen Anordnungen des Herzogs und von der Treue seines Münzmeisters abhängig. Eine noch schlechtere Münzverwaltung finden wir unter König Ladislaus (1452 bis 1457); die Münzgebarung, die man damals „als altherkömmliches Recht, Freiheit und Gewohnheit der herzoglichen Münze“ nannte, müsste heute nach modernen Begriffen als Münzbetrug bezeichnet werden. Jedoch die tiefste Verschlechterung der Münzgebarung finden wir endlich unter Kaiser Friedrich IV. (*j* 1493). Hans Rohrbach und Hans Spaur brachten nämlich ganz elende Scheidemünzen in Umlauf; sie wurden von dem Volke mit Erbitterung „64>illberlinge" gescholten. Dieselben waren von so geringem innern Werthe, dass sie gegen die frühem echten Münzen in zwölffach geringerem Werthe standen, in Folge dessen in Wien alle Lebensmittel in gleichem Masse im Preise stiegen. Das ganze Land wurde mit diesen „Schinderlingen“ förmlich überschwemmt, da Friedrich so viel Münzen, als die Münzstätten zu erzeugen vermochten, prägen liess. Die Münzmeister wurden nun zu Pächtern der Münzstätte des Kaisers gemacht, und mehrere flohen aus Furcht oder aus bösem Gewissen ins Ausland. *) Diesen unregelmässigen Zuständen, diesen ewigen Schwankungen der Werthe machte endlich die Reichsmünzordnung Carls V. vom Jahre 1524 ein jähes Ende, die Hausgenossen wurden abgeschafft und das ganze Münzwesen in gesicherten Stand gebracht. Was die ältesten Wiener Münzgattungen betrifft, so herrscht über ihre Gestalt in den Annahmen viel Unsicherheit, da es bei vielen an den charakteristischen Merkmalen gebricht. Doch >) Damals war die Unzufriedenheit des Volkes aufs Höchste gestiegen, zumal auch der Truppensold mit diesen „Schinderlingen“ ausbezahlt wurde. Auf dem Blutgerüste zu Wiener-Neustadt wurde 1522 der als Falschmünzer überwiesene Münzmeister Johann Schwarz geköpft. 72 570 Das alte Münzwesen der Wiener. stimmen die bisherigen Forschungen im Wesentlichsten darin überein, dass die kleinsten Scheidemünzen Helblinger, Heller (obolus) hiessen, die grösste ein Pfund oder Talent genannt wurde, und dass ein Pfund 20 bis 24 Schillinge (solidus) enthielt und dieser wieder 12 Denare oder Pfennige in sich fasste. Die ältesten babenbergischen Münzen waren 25ra!teateil (einseitige Blechmünzen, das heisst Münzen, die nur auf einer Seite eine Prägung hatten), dann l»fllb=35ra!teateil (auf allen zwei Seiten mit Gepräge versehen). Auch in der Zeit Ottokars (als er über Oesterreich herrschte) finden wir interessante Jükuft Pfennige, wie Figur 198 zeigt. ‘) Von eben demselben Ottokar existirten noch andere Pfennige, die nicht in Wien, sondern in der herzoglichen Münzstätte zu Tulln geprägt wurden, daher wir auf der Reversseite ein Tverzeichnet sehen, wie dies Figur 199 zeigt. * 2 3 4 ) Auch von Albrecht 1. als Reichsverweser finden sich Balb= iöratteaten vor, die eine charakteristische Präge bekunden. Unter Albrecht II. dem Weisen (1339 bis 1358) erscheint, wie in Figur 200 zu sehen ist, der erste österreichische Goldgulden. 3 ) Sehr wichtig für die Wiener Münzkunde ist auch aus derselben Zeit der hier sub Figur 201 abgebildete Pfennig. 4 ) Hochinteressant sind auch ähnliche einseitige IPieitCP Pfennige, welche mit L. P. bezeichnet sind und unzweifelhaft König Ladislaus Posthumus (-J- 1457) angehören; sie sind aber so einfach wie die übrigen, nur unterscheiden sie sich, wie Figur 202 zeigt, durch ihre beiden Anfangsbuchstaben. 5 ) Die unter Kaiser Friedrich IV. geprägten Münzen, welche (wie schon gesagt) im schlechtesten Rufe standen, sind an den Buchstaben F. oder F. R. /. leicht zu erkennen, übrigens pflegte er auch seinen Münzen schon die Jahreszahl der Prägung und sein beliebtes A. E. I. 0. U. beizufügen. 6 ) Von Maximilian I. finden sich schöne Goldgulden von 1514 und 1516, welche den heiligen Leopold DIVVS LeopoldVS und im Revers ARCHID. AVSTRI. STIRI um das Wappen zeigen. Seine Wiener Groschenstücke vom Jahre 1510 zeigen das vom Herzogshute bedeckte österreichische Wappen, an den Seiten W — St, unten das Wappen von Wien. Revers: Wappen von Steiermark, Kärnten und Tirol. Die um die Zeit von 1520 bis 1521 in Wien geprägten Groschen zeigen ein gutes Gepräge und bezeichnen den Uebergang vom Mittelalter in die neuere Zeit. Was übrigens die eigentlichen Werth Verhältnisse der älteren Wiener Münzen betrifft, so ist es schwer, sie im Verhältnis zur Gegenwart in einen bestimmten Vergleich zu ziehen und ihnen einen präcisen Werth zu geben, weil sich kein bestimmter Massstab finden lässt. Wie viel Pfund aus einer Mark Silber *) Auf der Aversseite, links im Bilde, sehen wir die Umschrift: „ Olhacarus Dux," in der Mitte das gekrönte Brustbild. Auf der Reversseite, rechts im Bilde, den Bindenschild Oesterreichs und zu beiden Seiten den böhmischen Löwen. 2 ) Auch die Pfennige haben auf der Aversseite Ota - her, als Umschrift in der Mitte ein gekröntes Brustbild, wie die Abbildung sub Figur 193 beides zeigt, und auf der Reversseite einen herzförmigen Schild mit dem Zeichen T'in der Mitte, zum Beweise, dass sie in der Münzstätte zu Tulln geprägt wurden. . 3 ) Auf der Aversseite (rechte Ansicht) befindet sich die Umschrift: „Dux - Alb - Ertus“ und in der Mitte schön gezeichnet die florentinische Lilie. Auf der Reversseite (linke Ansicht) S. Johannes der heilige Johannes, vollbärtig, mit Schein und Mantel, zur Linken die österreichische Binde. 4 ) Das Kreuz im Herzschild zeigt das Wappen von Wien, welches letztere auch der Buchstabe W andeutet. Der Buchstabe T rechts und //links sind ohne Zweifel die Initialen des Hanns von Tyrna, welcher in den Jahren 1336 bis 1377 Hub- und Münzmeister war, wenigstens ist schon aus der Zeit Albrechts V. (f 1439) urkundlich erwiesen, dass zur Erkennung, unter welchem Münzmeister ein Pfennig geschlagen wurde, die Zeichen des Münzmeisters ausgeprägt werden mussten. Die Pfennige Herzog Wilhelms als Vormund Uber Albrecht IV. (f 1404) zeigen innerhalb einer dreibogigen Einfassung die österreichische Binde, darüber den Herzogshut, an der Seite W — A und in den äussern Winkeln Blätter. 5 ) Der Bindenschild in der Mitte auf halb rundem Schilde, ober demselben die Krone und zu beiden Seiten die Anfangsbuchstaben des Königs Ladislaus Posthumus, nämlich rechts ein P und links ein L. 6 ) So gibt es von Kaiser Friedrich IV. Wiener Gioschenstücke. Auf der Aversseite die Umschrift: Friederic ROz IMPERT" A . E. 1.0 . U. und den gekrönten Doppeladler. Ferner die Reversseite: NOVVS . GROSSVS. AVSTRIAE 1481, Das alte Münzwesen der Wiener. 571 geprägt wurden, das war zu verschiedenen Zetten und nach den verschiedenen Münzstätten höchst ungleich und richtete sich nach dent Markpreise des Silbers, der immer ein variabler war. Ausser diesen verschiedenen Geldmünzen wurden schon im XIV. Jahrhundert in Wien auch Schau- und Gedenkmünzen geprägt. Einige derselben haben sich bis heute erhalten und geben Zeugnis von der ausserordentlichen technischen Vollendung, deren sich diese Kunst damals schon in Wien erfreute. Die Goldschmiede übten in der Zeit von 1450 bis 1580 diese Siegelschneidekunst (grösstentheils in Silber). Ihre Arbeiten erreichten an Schönheit des Reliefs und Correctheit der Zeichnung einen solchen Grad von Vollkommenheit, dass sie noch heute unübertroffen dastehen. Die höchste Stufe der Vollendung erreichte die Siegelschneidekunst in Wien bereits unter Kaiser Friedrich III. ‘) Von den Gedenkmünzen sei hier besonders des Salvatorpfennigs erwähnt. Derselbe wurde in eigener Regie, jedoch in der landesfürstlichen Münzstätte (wie noch heutzutage) geprägt und anfänglich nur bei Gelegenheit einer neuen Bürgermeisterwahl (welche alle drei Jahre stattfand), seit 1578 bis 1583 aber als Neujahrsgeschenk an die Rathsmitglieder unter dem Titel Xat{?spfcnning vertheilt. Diese Gepflogenheit basirte auf dem Rathsbeschlusse vom 20. April 1578, wonach alle früheren Bezüge der Rathsmitglieder an Wein, Confect, Fischen etc. eingestellt, dagegen den Rathsmitgliedern goldene Salvatorpfennige verehrt und zugestellt wurden. Der Salvatorpfennig wurde von jeher in Gold und Silber und in verschiedenen Gewichten geprägt und später nicht bloss als Geschenk für die Stadträthe, sondern auch für andere verdienstvolle Personen verwendet. * 2 ) Der Avers der Salvatormedaille zeigt das Brustbild des Heilands mit der Umschrift: „Salvator mundi“ (woraus sich auch ihr Naine erklärt), aber ihr Revers wurde im Laufe der Zeiten dreimal geändert. 3 ) Die älteste Form hat, wie Figur 203 zeigt, rechts den Revers mit dem Stadtwappen und links den Avers mit der Umschrift: „Constantia fides utroque amicicia allitur .“ Bemerkt sei noch, dass das Recht, Siegel zu gebrauchen, ein altes Vorrecht der Wiener Bürger war, daher schon im XIII. Jahrhundert die Patricier Wiens sich gewisser Familiensiegel bedienten, von denen sich einige als Andenken erhielten. Von den wichtigsten und interessantesten sind zu bemerken z. B. sub Figur 204 das Siegel des Johann Tyrna. 4 ) Das Siegel der Familie Greif 5 ) Hub Figur 205 (ein Sohn Ottos von Hohenmarkte begründete 1233 diese Familie *) Unter den vorzüglichsten Schaumünzen, die uns noch heute bekannt sind, nenne ich z. B. eine kleine Medaille, im Avers mit der Umschrift: „ Friedericus III. Roman. Imper. Semper August. ‘‘ und im Revers den kaiserlichen Adler mit den sieben Hauptwappen, eine Schaumünze zur Begräbnisfeier dieses Kaisers 1513 und eine Verlobungsmedaille Maximilians I, mit Anna, der Königstochter von Ungarn — sämmtliche im Staatsarchiv in Wachs abgegossen. *) Die niederösterreichische Landesregierung hat mit Entscheidung von 1811 die obige Art der Vertheilung der Salvatormedaille mit dem Bemerken genehmigt, dass zur Erlangung einer solchen Bürgermedaille ausser der genauen Erfüllung fünfzigjähriger Bürgerpflicht noch andere besondere Verdienste erforderlich seien. 3 ) Eine spätere Form zeigt die Ansicht Wiens von der Burgseite aus, ober welcher der kaiserliche Adler schwebt, mit der Umschrift: „Manus R(ei) P(ublice) Viennens(is)." Der dritte Revers endlich, wozu Donner den Stempel geliefert, zeigt gleichfalls die Stadt Wien, von dem Auge der göttlichen Vorsehung bestrahlt, im Vordergrund links der Flussgott Danubius mit Oesterreichs Standarte und zur Linken die Nixe des Wienflusses, eine Fahne mit dem Kreuzschilde, den Erzherzoghut und den Scepter haltend, abgebildet, und zwischen beiden ganz unten liest man ebenfalls; v Manu~< R. P. Viennens." *) Das Geschlecht der Tyrna gehörte zu den ältesten Adelsgeschlechtern Oesterreichs, denen wir schon 1348 begegnen, und zahlreiche Urkunden aus der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts geben uns sowohl von ihrem ausserordentlichen Reichthum, als auch von ihrem mächtigen Einfluss Kunde, durch den sie die wichtigsten Aemter bekleideten. Sie besassen viele Häuser, Herrschaften, Höfe und Burgrechte auf Häuser, das Pragerhaus bei St. Ruprecht, der Federlhof, der Biberhof gehörte ihnen, sie prägten eigene Münzen und führten ihr selbständiges Wappen, wie wir es noch im Federlhof vor seiner Demolirung sahen. Diese nahezu reichste Familie Wiens stand in der Mitte des XV. Jahrhunderts in der höchsten Blüthe, doch scheint sie von da an (wie der rasch nacheinanderfolgende Verkauf ihrer Besitzungen andeutet) viel von ihrem frühem Reichthum eingebüsst zu haben. Der Letzte, Rudolf von Tyrna, starb 1478. 5 ) Das älteste Familiensiegel, wie obige Zeichnung sub Figur 205 zeigt, hat einen aufrechtstehenden Greifen im Herzschild mit ausgespaunten Flügeln, die Umschrift lautete: „ Ottonis S(igillus) Griffonis .“ 72 * 572 Wiener Münzen und Siegel. ä: Fig. 198. Flg. 201. Mg. 202. Mg. 203 a. Mg. 203 b. a P.!li ÖjSM& Sara % Fig. 204. Fig. 205. Fig. 200. Mg. 207. MESS F«mm Fig. 212. Fig. 213. Fig. 214. mm I i Wiener Medaillen und Spottmünzen. 573 gx>o@. Fig. 215. Fig. 216. m Fig. 217. mm Fig. 218. Fig. 219. Fig. 220. Fig. 221. c,fs l £\i. inw: «’S r-~_ V" «-r^s - ^ .•? • ■• ■ ■ ■ r- *-■ die bis 1300 urkundlich erscheint und kaum 100 Jahre währte), ebenso jenes der Familie Rampers- dorfer’) sub Figur 206, dann ein Bürgersiegel der Familie Poll*) »ub Figur 207, aus dieser Familie ragten besonders Conrad und Christian hervor, ferner jenes der Familie Vorlauf * * 3 ) sub Figur 208, das Siegel des Heinrich Würfel*) sub Figur 209, schliesslich auch das Siegel der Familie Hölzler sub Figur 210, wie es einer Urkunde des Hubmeisters Konrad Hölzler vom 18. Februar 1453 angehängt ist. 3 ) *) Das Geschlecht der Rampersdorfer blühte schon um das Jahr 1356, starb aber in seinem Mannesstamme bereits 1408 wieder aus. Von dieser Familie waren besonders Albert und Conrad, einer jener fünf Räthe, die mit Vorlauf am 7. Juli 1468 auf dem Schweinemarkt enthauptet wurden. Das Siegel zeigt den Obertheil eines Löwen am Herzschild im rothgoldenen Felde mit der Umschrift: „ Chunradi Ramperstorfer .“ *) Conrad Poll, als Wiener Bürgermeister und als Schwiegersohn des reichen aus Köln hier eingewanderten Kaufherrn I.eublo, berufen eine hervorragende Rolle zu spielen; ebenso auch Christian Poll, der im Jahre 1280 bis 1284 Bürgermeister in Wien war. Dieses uralte Geschlecht blühte von 1268 bis 1440. Das Wappensiegel zeigt im mittlern Kreise ein aufrechtstehendes Herzschild, in welchem sieh eine vorschreitende Henne befindet. Die Umschrift lautet: „S(isfllus) Stephani Pollonis 3 ) Ein mächtiges Geschlecht, dessen letzter männlicher Sprosse, der unglückliche Bürgermeister Conrad Vorlauf (wie schon erzählt) so beklagenswerth auf dem Blutgerüste endete. Sein Haus auf dem Graben wurde confiscirt, und diese seit 13Ö3 aufblühende Familie ging um das Jahr 1408 spurlos wieder unter, ohne dass andere Nachrichten von ihr näher bekannt geworden wären. Das Wappensiegel zeigt ein gezäumtes springendes Rösslein in einem Kreise mit der Umschrift: „sigillum Chonrad Vorlauf.“ *) Die Familie war ein altes Wiener Patriziergeschlecht, von dem besonders Heinrich, Conrad und Michael Würfel Mitglieder des Stadtrathes waren (1341 bis 14S0). *) Im niederüsterreichischen Landstände-Archiv befindet sich ein Manuscript auf bewahrt, welches die Erklärung über dieses Wappen gibt, wornach dasselbe drei übereinander gestellte, runde, in der Mitte erhabene und spitzig zulaufende rothe Schilde, sogenannte „5unl>bs SSI? »*|i ; ■ : 7* ’ i-.irisiEaiijiri'— w Jölj e. feg-J*!, kvs^ «V Oft: Wm 1 p •s4MlvY $0- /' ‘) Die Abbildung zeigt uns das Basrelief mit vier Bürgerwappen und der Jahreszahl 1476, rechts den Buchstaben P und links den Buchstaben J und in der Mitte ein M. Es dürften dies die Anfangsbuchstaben Jener beiden Eheleute Jörg und Margaretha Prewes sein, die damals (1476) im alleinigen Besitze des Hauses waren; die Schrift auf einem über das ganze Relief sich windenden Spruchbande ist leider nicht mehr zu entziffern, da der Stein stellenweise stark verwittert ist.tlm Jahre 1775 gehörte der Steyrerhof der Francisca Gräfin von Hangsleben, 1806 Theresia Freiin von Gärtner. 1820 Wenzel und Karoline Nowak, später Sophie Edeln von Mühlwerth, gegenwärtig ist die Papier- fabriks Actiengesellschaft „Steyrermühle“ die Eigenthümerin. 584 Das Haus „zum goldenen Stern*. bei. *) Hier im Hause befand sich auch die alte, sehr beliebte Fechtschule (JUlbtflt wo die Handwerksleute ihre Tapferkeit mit Rappieren, Säbeln, Schwertern, Stangen, Fahnenschwingen fast alle Sonntage für einen billigen Preis herzhaft zeigten, also gleichsam Vorstellungen gaben. *) Und als historisch interessante Notiz sei auch noch erwähnt, dass zu Anfang des XVI. Jahrhunderts der berühmte Verfasser des jetzt so selten gewordenen Büchleins über die Heiligthümer bei St. Stefan und den Heilthumstuhl, Mathias Heuperger, zu Anfang des XVI. Jahrhunderts der Besitzer des „goldenen Hirschen“ war. « t Das Haus „zum goldenen Stern“ Nr. 731 (neu 14) JFig. 226. Innenansicht des Hauses „zum goldenen Stern“. [■*< jSTjrsg i* * * hat seine Benennung von dem gleichnamigen Hausschilde. Es war seiner Bauart nach ein merkwürdiges Haus, im alt- venetianischen Style, in den Innenräumen ringsum mit schönen Laubengängen versehen. Es wurde von Vi- centiifs und Benedict Joa- nelli im Jahre 1700 angekauft und von dieser Familie, die später in den Grafenstand erhoben wurde, bis zum Jahre 1830 im Besitz erhalten. Erst im Jahre 1838 wurde es von dem neuen Besitzer Ludwig Edlen von Haan mit noch einem Nachbarhause niedergerissen und in der heutigen Gestalt in Eines verbaut. Eine Ansicht xub Figur 226 zeigt uns das Haus in seiner frühem romantischen Gestalt. 3 ) *) Das Bild, nach einem altern Gemälde von Emil Hütter gezeichnet, zeigt uns, die Hauptfront des Hauses gegen die Rothenthurmstrasse. Zwischen dem ersten und zweiten Stockwerke sehen wir einen Hirschenkopf sammt Geweih und Schild und ober dem Einfahrtsthore einen Weinzeiger. Der Durchblick durch das Thor in den Hof lässt auf weite Hofräume schliessen, und die Architektur des Hauses verräth unzweifelhaft den Baustyl des XVI. Jahrhunderts. *) Vide: Tolner’s ^Erinnerungen von Wien 1702“ pag. 14 und 13. * 3 ) Die Zeichnung, nach einem alten Bilde von Emil Hütter, stellt das Haus in seinem Innern dar. Zu beiden Seiten des Hofes sehen wir schöne Laubengänge, von hohen Säulen getragen. Um den ersten Stock läuft nach zwei Seiten hin ein offener Gang. Der Bau ist übrigens in allen seinen Theilen sehr einfach. Bemerkt sei noch, dass sich hier die engste Passage der Rothenthurmstrasse befand, weil das Haus stark vortrat und das gegenüberliegende sogenannte kleine Wag- haus Nr. 642 und 643 durch die Unregelmässigkeit seines Baues gleichfalls die Strasse verengte. Dieses Waghaus bestand aus zwei Häusern, die im Jahre 1840 niedergerissen und in der Zeit von 1840 bis 1842 in Eines verbaut wurden. I * 1 LXI. CAPITEL. Rauhensteingasse, ie ältere Urkunden nachweisen, nannte man das in dieser Gasse befindliche Haus Nr. 933 (neu 10), an dessen Stelle im Jahre 1608 das alte Amts- und Gerichtsgebäude erbaut wurde, das Haus „jUllt rau^CTt Stein", weil dasselbe manchen Uebelthätern ein Stein des Anstosses (ein rauher Stein) geworden, in welchem Sinne dieses Hausschild damals aufgefasst wurde und Anlass zur Benennung dieser Gasse gab. *) Die eine linke Seite der Strasse nahmen das Himmelpfortenkloster und die Kirche vollständig ein, und gegenüber der Kirche lag das alte Criminalhaus, was der Gasse einen ernsten, von dem jetzigen vollständig verschiedenen Charakter verlieh. Eine interessante Ansicht der Rauhensteingasse aus der Zeit von 1724—1730 hat sich erhalten, die ich ftub Figur 227 hier folgen lasse! 2 ) Von den historisch interessanten Häusern sind zu nennen: K Das alte Amts- und Gerichtshaus Nr. 933 (neu 10). Es wurde zum Zwecke der Criminaljustiz im Jahre 1608 erbaut, und in dieser Beziehung ist es wohl ein^s der interessantesten und merkwürdigsten Häuser der Stadt. Schon das düstere ' Aeussere zeigt von dem finstern Geist der Unduldsamkeit und Grausamkeit damaliger Zeit. Hohe Ecksteine mit mächtig grossen Eisenringen am Haupteingange, dessen Thürflügel mit schwerem Eisenblech beschlagen waren, schwere niedere Gitterfenster deuteten an, dass hier an ein Entrinnen nicht zu denken sei. Ober dem Thore war zwischen den E’enstern des ersten Stockes unter Baldachinen ein Christus am Kreuze mit den beiden ebenfalls gekreuzigten Missethätern angebracht als Sinnbild der gerechten und ungerechten Bestrafung. Auch das Innere des Strafhauses entsprach vollkommen dem Aeussern. 3 ) l ) Einige wollen die Benennung der Gasse von dem alten Rittergeschlechte der R auh en st ei ner herleiten, zumal ein Otto Turso von Rauhenstein schon im Jahre 1208 ein Haus an jener Stelle besass, wo jetzt das Haus „zur ungarischen Krone“ steht; da aber dieses Geschlecht bekanntlich bereits im XIV. Jahrhundert ausstarb und die Gasse damals urkundlich „iEratbottenjirßJäe" hiess, so ist jene Jjtamenserklarung wohl vollkommen irrig. Uebrigens hatte die Rauhenstein- gasse mehrfache Benennungen; so hiess z. B. der Theil von der Weihburggasse bis $ur Ballgasse „(Ulf bCV der weitere bis zur Himmelpfottgasse „(Etätibottflp", auch „Ztätbäntett (trage’" und jener Theil von der Himmelpfortgas.se bis zur Kärntnerstrasse „dttt Steig", ein Beweis, dass hier die Gasse eine Erhöhung bildete, wie denn überhaupt (lie Bodenbeschaffenheit Wiens innerhalb der Ringmauern viele derlei Hügel aufzuweisen hatte. ’) Das Bild, von Salomon Kleiner gezeichnet und von J. A. Corvinus gestochen, zeigt uns links Kirche und Kloster der Himmelpförtnerinnen, wie sie von Königin Agnes im Jahre 1267 gestiftet wurde, lind rechts das Gerichtshaus, das man damals in der derben Sprache das „Malefizspitzbubenhaus“ Nr. 933 (neu 10) nannte. Im Hintergründe das grosse Haus Nr. 96ö (neu Himmelpfortgasse 6), das noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts das 1jitniltdportcn=I5iI»*!' üi Der Mozarthof. 587 Hier wurden besonders die schweren Verbrecher verwahrt, die peinliche Frage gestellt und alle Martergrade der Tortur, wie sie die hochnothpeinliche Hals- und Gerichtsordnung Maria Theresias vorschreibt, an dem leugnenden Inquisiten vorgenommen, bis endlich mit dem 1. Jänner 1776 die peinliche Frage im Allgemeinen aufgehoben und die Torturstrafe nur auf die schwersten Verbrechen beschränkt und zuletzt auch diese in allen Theilen der Monarchie und zwar für immer abgeschafft wurde. Als man im Jahre 1782 das Kloster der Siebenbüchnerinnen im Sterngässchen aufhob und in ein Polizeihaus verwandelte, kamen die schweren Verbrecher auf den Hohenmarkt und die leichtern (1784) in das neue Polizeihaus, und so wurde das alte Amts- und Gerichtshaus wieder auf Befehl Kaiser Josefs II. 1784 aufgehoben, zu einem Privathaus (wie es noch heute besteht) umgebaut und an einen gewissen Michael Holzer, gewesenen Hufschmied, verkauft. ') Das kleine Kaiserhaus, jetzt Mozarthof Nr. 934 (neu 8), das ich hier im Bilde sub Figur 228 folgen lasse, ist als Wohn- und Sterbehaus des grossen Mozart historisch interessant.- Wolfgang Amadeus Mozart bewohnte 1791 bald nach seiner Verheiratung mit Constanze im ersten Stockwerke dieses Hauses einen kleinen Ecktract. Wie Süssmayer erzählt, war die Wohnung klein und düster, das eine Zimmer mit zwei Fenstern ging in einen engen Hof, das andere, ebenfalls mit zwei Fenstern, hatte die Aussicht auf die Gasse und nahm eine Seite des Hauses ein, die einen ziemlichen Vorsprung bildete und gegen das Haus Nr. 965 (neu Himmel- pfortgasse 6) gerichtet war. Hier starb der unübertreffliche Meister in der Nacht vom 5. zum 6. December 1791 am Frieselfieber, 36 Jahre alt, nach fünfzehntägiger Krankheit. Interessant ist der Auszug aus dem amtlichen Sterbeprotokolle.’) Der behandelnde Arzt war Doctor Closset und der zuletzt beigezogene Primararzt des allgemeinen Krankenhauses D. Salata. Bei seinem Verscheiden waren (nach Süssmayer) nur seine Gattin, ein neun-, ein zweijähriger Knabe und seine Schwägerin zugegen. Später kam Graf Wal- ° ° b ... v, , II jFSflr. 228. Das ehemalige kleine Kaiserhaus, jetzt Mozarthof in segg (der mysteriöse Besteller des vielbe- der Rauhensteingasse, I *) Noch im Jahre 1830 gehörte es den Holzer'sehen Erben, später Franz Zellner, Johann Karner lach er, Aloisia von Pankenau und Anna Maria" Schneider. Der gegenwärtige Eigentümer ist Theodor Ehrenberg. Dass übrigens das Haus wirklich im Jahre 1608 erbaut wurde, beweist ein Gedenkstein, der sich am Hause befand und wie folgt lautete: „Suh Titulo Sanguinis Christi ad Sanctissimae Trinitatis Laudem Augustinus Hafner secundum Consul. Regiae Maj. Praetor Viennensis aedificavit 1608." *) Derselbe lautet: „ 2 tm 6 , recember } 70 } flarb Iholjgang Nmabeus ölojart, t. f. itapellmeifter unb Hammer* * iompofiteur, in bev 2 ?anf>enftringaffe im «einen Saiferbaus flr. 934 (früher Sir. 9:0), 3 b Jabr alt, am cSriebbof 3« St. SlTarr 111 . Claffe begraben unb bera Pfarrer bei St. Stefan besann 8 fl. 56 fr. unb Ihagen 3 fl/' 74* 588 Der Salzgries. sprochenen Requiems), der auf seine Kosten einen Gypsabdruck vom Antlitz des grossen Todten machen liess. Als bereits Mozart, mit einem schwarzen Todtenbruderschafts-Gewande angethan, auf der Bahre lag, erschienen Schikaneder (der ältere), der sich kaum zu trösten vermochte, und Süssmayer. Was das berühmte Requiem betrifft (welches Mozart noch kurz vor seinem Tode componirte, aber in seinen letzten Sätzen unvollendet zurückliess), wurden hierüber manche geheimnisvolle Geschichten erzählt, die aber in das Reicli der Fabel gehören, von denen auch hier die Zeit den Schleier gelüftet. ') CAPITEL. Salzgries, , on dem schwunghaften Salzhandel, der hier getrieben wurde, und den sogenannten I ^> e sich mit dem Verschleiss befassten, hat dieser Stadttheil unzweifel- |! haft seinen Namen erhalten. Es scheint, dass schon zur Zeit der Babenberger das | Salz ein Monopol des Landesfürsten war und man nur jenen Bürgern den Handel mit demselben als besondere Vergünstigung anvertraute, die hier auf dem 'l Salzgries Häuser besassen. Ueberhaupt deuten alle Umstände darauf hin, dass ffcri-.'. hier der Salzhandel im grossen Style betrieben wurde. Selbst der frühere Lauf der Donau unterstützte diese Handelsunternehmungen, da dieselbe knapp am Salzgries vorbeifloss und somit die reich mit Salz beladenen aus Oberösterreich kommenden Schiffe unmittelbar hier landen konnten. 2 ) Die mysteriöse Bestellung des Requiems reducirt sich auf folgende urkundlich erhobene Daten: Graf Walsegg, ein musikalischer Dilettant aus Stuppach, hatte einmal nicht übel Lust bekommen, ohne Mühe als Compouist zu glänzen ; er bestellte also durch seinen Gutsverwalter (Leutgeb) ein Requiem bei Mozart. Die Bestellung sollte mit Verschweigung des gräflichen Namens und so geheim als möglich geschehen. Sein Gutsverwalter, ein langes hageres Männchen mit ernsten, unheimlich säuern Gesichtszögen, erledigte sich bei Mozart, der bereits kränkelte, dieses heikein Auftrages auf das Geschickteste. Er erspähte die Gelegenheit, als Mozart allein zu Hause war, um mit ihm ohne Zeugen zu sprechen, und es gelang ihm auch schnell wieder fortzukommen, ohne von Jemand im Hause gesehen worden zu sein. Das ganze hastige und ängstliche Wesen des Bestellers wirkte auf den ohnehin Fiebernden und obendrein abergläubischen Patienten so unheimlich, dass ersieh es durchaus nicht ausreden liess, er schriebe das Requiem für sich, und der seltsame Besteller sei nichts als ein Phantom, eine Spukgestalt, wo nicht gar der Tod selbst. Mozart componirte trotz des heftigen Schüttelfrostes unverdrossen an dem Requiem immer weiter und weiter, es war wirklich sein letztes Meisterwerk, sein Schwanengesang, und trotz der überhandnehmenden Schwäche, schon in heller Verklärung sah man ihn noch am Sterbebette den Tact schlagen und hörte ihn die Stellen der einfallenden Posaunenstösse mit tiefer Stimme nachahmen, bis sein Auge sich für immer schloss. Das Requiem war nicht vollendet, aber doch ein ganzes Meisterwerk, das Werk eines Mannes, der sich zwar schwer vom Leben trennte, aber auf ein besseres Wiedersehen hofft. Und deshalb wird noch heute der Zuhörer des Requiems von seiner Gewalt und schmerzlichen Innigkeit tief getroffen, deshalb hört man noch heute aus jeder Note die düstern Schauer des Todes und die süssen Hoffnungsklänge. einer höheren Welt entschwebt, das Brüllen des Donners und das sanfte Flöten der Nachtigall, die Trauer des Scheidens und die Freude des Wiedersehens. Die nachhelfende Hand des jungen Süssmayer aus Kremsmünster, der sich nicht blos Mozart’schen Styl, sondern auch Mozart'sehe Handschrift zu eigen machte, vollendete die letzten Sätze’ des Requiems. Erst nach dem Tode des Grafen Walsegg fand sich, von seiner Hand vollständig copirt und mit dem Titel „Requiem composlo dal Conte Walsegg" verseheir, das echte Original des Mozart’schen Requiems. Dieses Haus, dann ein Nachbarhaus Nr. 935, welches ehemals zum Himmelpfortenkloster gehörte, und noch ein drittes Nr. 936 „zum goldenen A-B-C“ kaufte Pietro di Galvagni an, liess alle drei niederreissen und an ihrer Stelle jenes Prachtgebäude Nr. 8 im Jahre 1849 erstehen, das er zum Andenken an den unsterblichen Meister „Mozarthof“ nannte. Der gegenwärtige Eigenthümer ist Heinrich Freiherr Trenk von Ton der. *) Als im Jahre 1748 die Salzgrieskaserne gebaut wurde, fand man bei Ausgrabung der Fundamente tief in die Erde eingegrabene uralte Holzpflöcke, die durch Alter und Feuchtigkeit bereits schwarz wie Ebenholz schienen und offenbar einst « I Das Lottogefälls, Gebäude. — Die Salzgrieskaserne. 589 Als später die Donau immer mehr und mehr in ihrem Laufe sich gegen die Leopoldstadt zu drängte und der Salzverschleiss selbst mehrfache gesetzliche Beschränkungen erlitt, schmolz auch die Zahl jener „Salzer“ immer mehr zusammen, bis wir bereits im Jahre 1621 nur noch 21 derlei privilegirte Bürger finden, die sich „Salzer“ nannten. Doch trotz dieses Rückganges wussten sich die Insassen dieses Stadttheiles in anderer Weise zu entschädigen. Sie trieben hier den Kleinwaaren- handel und zünftige Gewerbe, in Folge dessen sich der Verkehr ungemein steigerte und eine Menge Einkehrwirths- und Zunfthäuser entstanden, so die Wirthshäuser „zum weissen Löwen“ Nr. 207, „zum Wolfen in der Au“ Nr. 214, „zum blauen Hecht“ Nr. 209, die Innungshäuser der Schuster Nr. 208, der Schlosser Nr. 210, der Bäcker Nr. 211 etc. Von den historisch interessanten Häusern sind insbesondere folgende besprechenswerlh: Das Gebäude der k. k. Lottogefälls-Direction Nr. 184 (neu 20). Es bildete das letzte Haus auf dem Salzgries gegenüber dem Ausgange aus dem Tiefengraben und wurde von Josef Anton Stranitzky, dem als Hanswurst bekannten Komiker und Pächter des Kärntnerthortheaters, erbaut. Hoch interessant ist der Umstand, dass dieses Haus auf den Fundamenten des ehemaligen Werderthores aufgebaut wurde, denn hier stand schon im XIII. Jahrhundert das alte Werderthor, welches bei der vierten Stadterweiterung in der Stadtmauer einen Vertheidigungsthurm und zugleich einen Stadtausgang bildete. Das sub Figur 220 mitfolgende Bild zeigt uns dieses Thor als eine Art Bollwerk und Festungsthor mit einem Theil der Festungsmauer, in welcher sich Schiessscharten befanden. Dieses Haus wurde nun derart auf den Fundamenten dieses alten Thurmes gebaut, dass das alte Festungsthor stehen blieb und das neue Haus auf seiner Rückseite an der Rustica noch deutlich den alten Bau erkennen lässt. Eine Ansicht dieses Gebäudes sub Figur 230 * *) lässt diese Spuren deutlich erkennen. Die grosse Salzgrieskaserne Nr. 200 (neu 10). Im Jahre 1741 stellten die Wiener Bürger an die Kaiserin die dringende Bitte, die so lästig gewordene Stadtguardia aufzuheben und erklärten sich für den Fall der Genehmigung bereit, als hölzerne Wehren zur Eindämmung des Ufers gedient hatten. An jedem derselben waren grosse Eisenringe angebracht, an denen die landenden Schiffe befestigt waren. Auch die alte Salzgasse und das Salzamt (Pragerhaus Nr. 454) sind die letzten Reminiscenzen an jenen uralten Handel. *) Das Bild, nach der Natur von Emil Hütter gezeichnet, stellt das Haus von seiner interessanten Rückseite dar, und an dem Thorbogen (der wohl vermauert ist), sowie an der Rustica ist noch der alte Thurmbau deutlich zu erkennen. Stranitzky erkaufte im Jahre 1717 diesen Grund (er war ein fortilicatorischer) vom Aerar und baute sich dieses Haus vom Gewinne seiner Theaterunternehmung um den Kostenbetrag von 50.000 Gulden, worauf blos 8000 Gulden Schulden lasten blieben. Nach seinem Tode erbte es seine Gattin Monika, genannt die „Hanswurstin“, und später ihre sechs Kinder, die es im Jahre 1760 an das Stift Klein-Mariazell verkauften, nach dessen Aufhebung es (1782) an das Melkerstift und später (1785) an das Kremsmünsterstift zur Administration überging, bis endlich im Jahre 1831 das Aerar es an sich brachte und zum Amtssitz der Lottodirection machte. Fig. 229. Das ehemalige Werderthor. ics^j r«t*>i jcro ier>. HSTsl l|i ■m SC* : ■ sk Üpj&BCaclHÄ tflj&wftlri .E5JC?!EjB ,.ME .‘'"ÄÄJBn I...«nigs ::«g® . ©C3i .1 ii miPnrsirs I 590 Das Lottogefälls-Gebäude. — Die Salzgrieskaserne. zwei reguläre Regimenter aus eigenen Mitteln zur Bewachung der Festung aufzunelnnen und zwei Kasernen in der Stadt zu erbauen. Die Kaiserin willigte in diesen Vorschlag ein, und im Jahre 1745 begann der Bau der Kaserne 2 -'ISrfe auf 12 . dem Salzgries; schon am März 1748 wurde dieselbe vom Infanterieregimente Kolo- wrat bezogen. Das Gebäude nahm fast die ganze Länge des Salzgries in Anspruch und imponirte durch Grösse und Umfang. Da auch die Kaserne in neuester Zeit dem modernen Umwahdlungs- processe weichen musste und nun für immer verschwand, will ich meinen Lesern das Andenken an dieselbe sub Figur 231 wenigstens im Bilde noch wachrufen. ') *) Diese Zeichnung nach der Natur von Emil Hütter zeigt uns links das dreistöckige Wohnhaus sammt dem Salzgriesthor, welches auf den grossen Rudolfsplatz hinausführte, wo wohlvergitterte Fenster und Holzverschallungen des in der Kaserne untergebrachten Militär-Stabs- Stockhauses denr Gebäude ein düsteres Aussehen gaben. Rechts breitet sich in respectabler Länge die Kaserne mit ihren offenen Scliwiebbogengängen über den Salzgries aus, ebenerdig (wo früher Case- matten waren) zeigten sich seit 1844 moderne Verkaufsgewölbe. Zu bemerken ist noch, dass einstens, ehe noch die Kaserne hier erbaut wurde, mehrere hohe vierstöckige Zinshäuser an deren Stelle Ständen und die Aussicht von der Stadtseite benahmen. Als nun nach dem Tode Carls VI. eine französisch-bairische Invasion im Jahre 1741 zu befürchten war und die Nothwendigkeit es erheischte, die Stadt möglichst stark zu befestigen, fand man es für dringend nöthig, alle nächst der Bastei zwischen dem Rothent'nurm- und Neuthor stehenden Häuser als fortidcatorische Hindernisse zu beseitigen. Und wirklich schon am 25. September 1741 wurde mit dem Niederreissen derselben begonnen und auch die alte Stadtmauer nebst den ebenerdigen Stadtguardiahäuschen demolirt und auf dem leergewordenen Raum die Kaserne erbaut. Wo sich heute der schöne bäumebepllanzte Rudolfsplatz befindet, zog sich früher mitten durch denselben die Basteimauer und zwar vom Fischerthor bis zur Elendbastei in gerader Linie fort, so dass die Salzgrieskaserne und die Häuser Nr. 201, 202, 203, 204 und 1173 hinter dieser Basteimauer zu stehen kamen. Erst mit der Stadterweiterung und dem Wegfall der Festungsmauern wurde genügender Raum geschafft, um an der Rückseite der Kaserne den Rudolfsplatz mit seinen schattenspendenden Alleen und breiten Rasenplätzen anzulegen. Fig. 230. Das Gebäude der k. k. Lottogefälls-Direction auf dem Salzgries. # Die Salzgrieskaserne. — Das Bäckerinnungshaus. 591 Fig. 231. Die ehemalige Kaserne auf dem Salzgries. Hill '.Hs-U.. (:'X- ..-erl-O- ÜK«*—^ VI K •> ««4 SÄ Hifi _»., .-^uW*» ; i ggggyaa pft aj Das Bäckerzunfthaus Nr. 211 (neu 21). Im Jahre 1700 kaufte die Bäckergenossenschaft dieses Haus von dem Bäckermeister Georg David Ott und liess dasselbe zu einem Zunfthause einrichten; besonders für die Zusammen- * kunft ihrer Meister wurde ein schöner Sitzungssaal vorbereitet, der die ganze Front des Hauses einnimmt und mehrere kostbare historische Schaustücke aufzuweisen hat.') Auf der Bauarea der heutigen Häuser 4 und 6 sind früher die Häuser Nr. 202 und 203 gestanden, die ebenfalls von geschichtlicher Bedeutung sind, weil hier einstens der uralte Salzthurm stand. In einem der ebenfalls demolirten kleinen Nachbarhäuser soll sich der Sage nach ein Schatz befinden. An ihrer Stelle wurde nun ein neuer luftiger Prachtbau aufgeführt, aber die Hoffnung l ) Zu diesen Schaustücken gehören besonders die alten Denk- und Zunftbücher, welche keine Genossenschaft aufzuweisen hat, und die das lebhafteste historische Interesse erwecken. Sie werden seit dreihundert Jahren ununterbrochen fortgeführt und enthalten seit 1572, vom Zunftschreiber Hans Fuge eröffnet, eine Art Tagebuch, in welchem alle auf diese Zunft bezüglichen Ereignisse wahrheitsgetreu vom Zunftmeister verzeichnet und bei dem jedesmaligen Antritt eines neuen Genossenschaftsvorstandes mit dessen wohlgetroffenem Porträt (Oelbild auf Pergament) geziert werden. Der zweite Band beginnt bereits mit dem Jahre 1723 und der dritte mit dem Jahre 1778. Diese Gilde ist eine der ältesten Wiens, und ihre Zunftordnung wurde bereits von Kaiser Albrecht II. im Jahre 1340 bestätigt, sie ist auch eine der verdienstvollsten, denn im zweiten Türkenkrieg (1683) zeichnete sie sich nicht nur durch besondere Tapferkeit und Unerschrockenheit, sondern auch durch rastlose Aufopferung aus, da sie für die Erzeugung einer ungewöhnlichen Brodmenge für so viele Menschen zu sorgen hatte, wofür sie auch manche Freiheit erhielt. Merkwürdig ist die alte Bäckerfahne aus dem Jahre 1657, mit der sie im zweiten Türkenkrieg in den Kampf geführt wurden, wo sie sich auch wirklich bei einigen Ausfällen als äusserst muthvoll erwiesen. Endlich der grosse silberne Zunftbecher, dessen kunst- und geschmackvolle Bildhauerarbeit sich auf die merkwürdigsten geschichtlichen Ereignisse bezieht. Leider gebricht es an Raum, die mehrfachen Freiheiten und Privilegien, sowie die besondern Verdienste der einzelnen Genossenschaftsglieder hier aufzuzä hten. i « 592 Das alte Polizeigebäude. auf den Schatz hat sich nicht erfüllt. So viel aber ist gewiss, dass nach Beseitigung dieser spelunkenartigen Winkelhäuser ein grosser Schatz von Licht und Luft gewonnen wurde und dass auf diesen kostbaren Schatz ganz Wien ein gleiches Anrecht hat. Das alte Polizeihaus Nr. 453 (neu Salzgries 5). Das Polizeihaus zeigt sich hier von seiner Rückseite. Seine fensterlosen, von Mörtel- und Mauersprüngen arg durchkreuzten altersschwarzen, kahlen Mauern bilden ein wahres Monstrum .. &*%- iPSSr Sä* ms&rn «V»# ^cr-£-i 'i£z£;:£t. Fiff. 232. Rückwärtige Ansicht des alten Polizeihauses auf dem Salzgries. mittelalterlicher Bautechnik, besonders das kleine niedere Thürchen, durch welches man von da aus ins Polizei-Gefangenhaus gelangt, ist für eine Residenz geradezu beschämend. Da auch diese Hausruine demnächst in dem allgemeinen Gährungsprocesse der Regulirung verschwinden wird, führe ich dasselbe sub Figur 232 zur Erinnerung im Bilde vor. 2 ) Der Haupteingang zum Polizeihaus ist von der Salz- und Sterngasse aus. Hier präsentirt sich das Polizeigebäude noch in seiner ursprünglichen unveränderten Gestalt als Nonnenkloster der Karmeliterinnen „bei den Siebenbüchnerinnen“. Es ist noch das ganze Portal und sogar die alte Marmortafel ober der eisenbeschlagenen Kirchenthüre (welche die Gründung der Kirche und des Klosters durch Kaiserin Eleonora, Gemahlin Ferdinands III., aus dem Jahre 1642 nachweist) *) Die Ansicht, nach der Natur von Emil Hutter gezeichnet, zeigt uns die Rückenwand des Polizeihauses. Dieselbe ist durch Spuren von Feuchtigkeit in wunderbar phantastischen Formen und Flecken schattirt, über der Mauer sieht das alte Polizeihaus hervor, welches mit seinem Kirchenthürmchen die frühere Bestimmung als Kloster nicht verleugnen kann und wegen seiner hohen Rage von allen Punkten der Stadt gesehen wird. « Das alte Polizeigebäude. — Die Salvatorcapelle. — Kirche Maria am Gestade 593 erhalten geblieben, sowie auch der Kirchthurm' und das alte Spitzbogenfenster ober dem Kircheneingang. Auch die Innenräume haben sich nicht sonderlich geändert. Man hat sich überhaupt bei der Verwandlung des Klosters in ein Polizeihaus nicht sehr strapazirt, vielmehr schienen die bereits vorhandenen Zellen, Gänge und Treppen ein willkommener Behelf, den neuen Zwecken zu entsprechen. Ein Bild sub Figur 233 zeigt uns das Polizeihaus von seiner Vorderseite. l ) Dieselbe Unregelmässigkeit und unbehagliche Enge, wie sie die Stern- und Salzgasse zeigten, erstreckt sich auch auf die hier anstossende Salvatorgasse, die durch die Krebsgasse mit den obigen beiden Gassen in Verbindung steht. Die Salvatorgasse hat ihren Namen von der uralten Kirche zu St. Salvator im Rathhause Nr. 385, und das herrliche, reichgeschmückte Portal auf der Seite der Salvatorgasse, dessen Bau in die zweite Hälfte des XVI. Jahrhunderts fällt, verdient die grösste Beachtung. Eine Abbildung sub Figur 23d zeigt uns das Portal mit seinen Spitzbogen, Sculpturen und schönen Verzierungen, im reichsten Renaissancestyle ausgeführt.’) Ebenso interessant wie die Salvatorcapelle ist auch in derselben Gasse, etwas weiter abwärts gegen Maria-Stiegen zu gelegen, die Kirche unter dem Namen „ütavia am ©i'ftabeT Sie zählt zu den herrlichsten Denkmälern altdeutscher Baukunst und ist uns in zweifacher Richtung von Bedeutung; erstens weil sie uns das reinste Denkmal altdeutscher Baukunst darbietet, und zweitens weil sie trotz ihres hohen Alters unter allen Kirchen der Stadt am vollkommensten erhalten ist. Eine der hervorragendsten Zierden bildet die Hauptfagade mit ihrer schönverzierten Giebelkrönung und dem ganz eigenthümlichen Portal, über welchem sich ein freistehender Baldachin erhebt; eine ähnliche Anordnung besitzt jetzt auch das Seitenportal. Die Kirche selbst besteht offenbar aus zwei Theilen, welche aus zwei verschiedenen, um mehr als ein Jahrhundert auseinanderliegenden Zeitperioden stammen. Der vordere niedriger gelegene Theil gehört (nach all’ seinen Wölbungen, Eingängen und Fensternischen zu schliessen) dem XII. und der rückwärtige dem XIII. Jahrhundert an. Noch in die Blüthe der Gothik fällt der dreiseitige, geschlossene und aus drei Gewölbjochen bestehende Chor, und die beiden Portale weisen auf die Zeit der decorativen Spät- gothik hin. Trotz der Schönheit des Baues muss man bedauern, dass unglückliche Raumverhältnisse den Baumeister zwangen, sich Fesseln anzulegen; so ist z. B. die Länge von 36 Klaftern zu einer Breite im Chore von nur 6 und im Schiff von gar nur 4 Klaftern durchaus in keinem Verhältnis; eben so störend ist die schiefe Richtung, die Chor und Unterkirche gegen einander haben. Aber das *) Das Bild, von Emil Hfltter nach der Natur gezeichnet, gibt uns einen deutlichen Begriff von der so auffallenden Winkelarchitektur der alten Wiener Bauart und von der Unregelmässigkeit der Strassenzüge, indem, wie in keinem Winkel der Stadt, vier Strassen, nämlich die Stern- und Salzgasse mit der Rosmarin- und Krebsgasse, in einem Punkt zusammen- stossen. Aber auch in anderer Beziehung gab es keinen Winkel der Stadt, wo die Contraste sich so dicht nebeneinanderhäuften. Hier wie auf dem Salzgries hatten die polnischen Juden ihr Hauptquartier aufgeschlagen, und diese nicht sehr ästhetischen Gestalten mit ihren langen fettglänzenden und schmutzigen Kaftans, mit ihren charakteristischen Stirnlöckchen trieben hier ihren ausgebreiteten Schacher, während die frommen Wiener sich durch die winkelige Abgeschiedenheit dieses Ortes zu frommen Gebeten nur noch mehr gestimmt fühlten. Wie die Stadtgeschichte erzählt, soll auch der Gottesdienst hier mit besonderer Feierlichkeit und unter ungewöhnlichem Zudrang von Gläubigen abgehalten worden sein, Staatskutschen und reich- galonirte Bediente unterbrachen oft die stille Einsamkeit. Sänften, Läufer mit Windlichtern und Haiducken durcheilten die Strasse, vornehme Cavaliere und Hofherrn verrichteten mit Vorliebe hier ihre Andacht, und früh und spät hörte man Orgeltöne und fromme Choralgesänge. Aber wie seltsam contrastirte der reiche Adelsprunk gegen die Armuth dieses Winkels, wie seltsam mischte sich der ausströmende Weihrauchduft mit den Knoblauchmiasmen der hanlierenden Menge, wie seltsam passte die stille Frömmigkeit zu der lärmenden Geschäftigkeit dieses Winkels! *) Das Bild, nach der Natur gezeichnet, stellt uns den Eingang in die Kirche und das Portal im Style des XVI. Jahrhunderts dar. Bis zum Jahre 1315 hiess diese Capelle zu St. Ottenshayn. Sie stand anfänglich frei, erhielt in der Mitte des XV. Jahrhunderts an der linken Seite einen Capellenzubau sammt dem obigen Portal, das sich früher an der Faqade befand, jetzt hingegen an der linken Aussenseite in der Salvatorgasse angebracht ist. Vide: Dr. Carl Lind’s Aufsatz in den „Berichten und Mittheilungen des Alterthums-Vereines zu Wien“. 75 Das alte Polizeigebäude, Das Portal der Salvatorcapelle. Itiß- w ! - >' A «f v i t*“' >r' - v i.j r * ÄiÄ igggrgiE; **«3 r-pcr^. -J«Kfc£ -W 'Le. ufesxwfcrt:. 4 Pi ,4 f!S >£»' 5 . L^ 4.1 äSftfii'*» ~>l"~ V^ajjfS ■ SÜgÜg ' •*“’ V ^ i Die Kirche Maria am Gestade, 595 ■ % SPSS? mm JRrjtwi 39*s§5$H Ä7.J £SS$gfc s&ü&ä. tjsa M j fegtg Fiy. 235. Ansicht der Kirche Maria am Gestade, 75 * 596 Die Kirche Maria am Gestade. — Der Passauerhof. bewunderungswürdigste Meisterwerk ist der siebeneckige Thurm, der mit seinem kuppelförmig durchbrochenen Helm mit spätgothischem Masswerk eines der originellsten und hervorragendsten Kunstwerke dieser Zeitepoche bildet. Wie die Ansicht xub Figur 235 zeigt, sehen wir die Kirche von der der Passauergasse zugekehrten Seitenfront. ’) Von allen den fünf kleinen Gässchen, die in diesem Capitel genannt wurden, möge noch zum Schluss die etymologische Begründung ihrer Namen folgen. l<’ig. 236. Der ehemalige grosse Passauerhof. .rf^ * f. s Sw « * <* t 1 » 3 * « » * II w &ifC6suu3m6a> s,- itlTr' Äs* • jmi 3 ‘) Wenn auch die Lage keine glückliche genannt werden kann, von welcher Wildner die Kirche im Bilde aufgenommen hat, weil uns hier das herrliche Hauplportal mit seinem Stiegenaufgang, dann die schöne Decorirung der Wandflächen und die weit vorspringenden Baldachine entgehen, so zeigt sich uns wenigstens der Thurm in seiner vollen Schönheit und springt uns der Thurmhelm mit seinen Fialen, Friesen und schön profilirten Spitzbogenfenstern deutlich ins Auge. Kinen sehr werthvollen Bestandtheil der Kirche bilden die Ueberreste der kostbaren Glasmalerei des Chores aus dem XIV. Jahrhundert, von denen 21 Felder vorhanden sind. Zwei Fenster der Südseite des Chores sind nach Cartons von Schnorr in den Jahren 1817 bis 1820 gemalt. Sämmtliche Glasbilder sind Darstellungen aus der Leidensgeschichte Christi. Was die Baugeschichte betrifft, so fällt der erste Aufbau dieses Gotteshauses als Capelle wahrscheinlich in die Zeit Heinrich jasomirgott’s (1149). Im Jahre 1303 erscheint die Capelle als Eigenthum des Ritters Bernhard Greif, dessen Nachkommen sie bis 1337 besassen. Hierauf kam die Kirche durch Kauf an das Bisthum zu Passau. Im Jahre 1803 aber, als alle Passau’sehen Güter in Oesterreich dem inländischen Religionsfonds zufielen, verlor das Bisthum auch das Besitzrecht dieser Kirche. Am 23. December 1820 wurde sie dem Orden der Redemptoristen oder auch Liguorianer, wie man sie nach ihrem Stifter Alphonso Liguorio nannte, übergeben. Als baugeschichtliche Pikanterie sei noch erwähnt, dass man die Kirche im Jahre 1809 zur Demolirung bestimmte, welche nur aus dem einzigen Grunde unterblieb, weil sich kein Käufer Vorland, der das Steinmaterial an sich bringen wollte. Siehe Näheres in J. Feil’s Aufsätzen in den „Mittheilungen der k. k. Centralcommission“ vom Jahre 1836 und 1837. Salzgasse. — Sterngasse. — Salvatorgasse. — Der Passauerhof. — Singerstrasse. 597 Die Salzgasse dankt ihre Benennung dem alten kaiserlichen Salzamte (ehemals Praghaus Nr. 460), weil die Gasse zu diesem Hause in unmittelbarer Nähe hinführte. Die Sterngasse hat ihren Namen von dem Gasthausschilde „zum weissen Stern“ im Hause Nr. 452, und noch heute wird das Haus Nr. 458 nach seinem Umbau „zu den sieben Sternen“ genannt; die Salvatorgasse aber von der gleichnamigen Capelle und die Passauergasse von dem alten grossen Passauerhof, dessen sich gewiss nur noch wenige Wiener erinnern werden, weil derselbe bereits im Jahre 1821 auf 1822 bei Gelegenheit, als man eine neue Stiegengasse von der Kirche Maria am Gestade auf den Salzgries eröffnete, von Grund aus niedergerissen und verbaut wurde. Ich lasse daher sub Figur 236 zur Erinnerung ein hochinteressantes Bild des alten grossen Passauerhofes hier folgen. *) i LXIII. CAPITEL. Singerstrasse. ur Zeit der zweiten Stadterweiterung (1177 bis 1194) hatte die Singerstrasse bereits ihre heutige Länge, nur war sie damals eine Wallstrasse, weil hier die Stadtmauer vom Stock-im-Eisen bis zur Riemerstrasse (in gerader Linie) durchlief, so dass die Häuser auf jener Seite, wo heute der deutsche Orden ist, knapp hinter der Stadtmauer zu stehen kamen, während an der Stelle der andern Häuserreihe sich die Stadtmauer befand. Erst zur Zeit der dritten Stadterweiterung (1220), als bereits die Stadtmauer tiefer südlich verlegt war, erhielt sie einen neuen Stadtausgang an der Ecke der Riemerstrasse gegen das Kloster 6t. Jathb auf öcr 'feitlbcit. Anfänglich wurde sie,,6uitniger='‘ und „Siningerftraöje" (von einem reichbegüterten Bürgergeschlecht) genannt und kommt erst später im Jahre 1550 urkundlich unter dem Namen Singerstrasse vor. s ) Zu den ältesten und zugleich historisch interessanten Häusern müssen folgende gerechnet werden: Das deutsche Ordenshaus Nr. 879 (neu 7). Es reicht mit seinem Ursprung in jene glaubensfromme Zeit zurück, als die deutschen Ordensherren von Leopold dem Glorreichen nach Wien berufen wurden (1210), unter dem Schutze der frommen Herzogin Margaretha grossen Grundbesitz erwarben und sich hier in der Singerstrasse ansässig machten. Doch war ihr Haus anfänglich klein und unansehnlich und der *) Das Bild, nach einer alten Zeichnung von Emil Hutter copirt, führt uns jenen Theil des alten grossen Passauerhofs vor Augen, der mit seiner Hauptfront hinab zum Salzgries reichte und dort in morschen Mauern ein breittiüge- liges Hofthor hatte. Der Thurm in der Mitte der Faqade ist ein interessanter Ueberrest von mittelalterlicher Stadtbefestigung. Hinter der grossen Mauer sehen wir eine Reihe morscher, moosbewachsener, schmutziger Hütten und Scheuern, von einer Colonie Juden bewohnt, welche Gänse für sich und für den Handel mästeten; das Ganze glich einem Dorfe, wo eine Heerde von Truthühnern, Gänsen und Enten weiden, die Weiber mitten unter Kehricht, Misthaufen, Pfützen und Unrath ihren wirtschaftlichen Beschäftigungen nachgehen, während die Männer vor dem Thore Tabak rauchend Schacher treiben. Der ebenerdige Vorsprung nächst dem grossen F.infahrtsthore ist ein Theil das Kaffeehauses, welches hier auf den Salzgries hinausging. Die übrigen ebenerdigen an die Mauer angebauten Hütten sind hölzerne Verkaufsbuden, welche grösstentheils den Bewohnern des Passauerhofes zugehörten. a ) Es gehört daher ins Reich der Fabeln, wenn ältere Chronisten meinen, die Gasse habe ihren Namen von einem daselbst befindlichen Chor- oder Sängerhause erhalten, da ein solches urkundlich hier nie existirte. 598 Das deutsche Ordenshaus. rückwärtige Theil, der in die heutige Churhausgasse und auf den Stefansfreithof mündete, nur ein ebenerdiger Fferdestall. Erst unter dem Landcomthur Gottfried Freiherrn von Lambert wurde das Haus 1666 bis 1667 umgebaut, aber seine gegenwärtige Gestalt, besonders an dem der Singerstrasse zugekehrten Theile, erhielt das Haus erst im Jahre 1730 unter dem Landcomthur Guido Grafen Starhemberg (•{• 1737), der zuerst die Residenz der Landcomthure und Ballei Oesterreichs nach Wien versetzte und im Jahre 1723 die Errichtung einer deutschen Ordenspfarre in Wien erwirkte. Wie sehr man bei dem im Jahre 1730 begonnenen Neubau bemüht war, auch die alte wappenprächtige Ordenscapelle in ihrer ursprünglichen Bauform zu erhalten und mit der neuen Fagade des Hauses in Einklang zu bringen, zeigt die stib Figur 237 beifolgende Ansicht. ‘) 237 , Das deutsche Ordenshaus in der Singerstrasse. ’tmet ett\erfn.a. UeutanLCa, tfiuis c5t. €tirabcthce, Profpect t>eä*&cix£(efyt «Purr-Lt & (Stephani . ElisaWtk®, fwl.vart S .'n«*Tt : X mFtri *««per vttarieris et C-sritanet t. ■ iBuaSn r**, • ISR Fig. 238. Dae Neupauer’sche Gebäude in der Singerstrasse. iJ Das Bild von Kleiner lässt uns alle architektonischen Details der F'agade genau erkennen. Am meisten fällt uns hier der schSngegliederte Aufbau des Hauptthores mit seinen beiden Seitenthürmen ins Auge. Die figurale und ornamentale Ausschmückung ist eben so reich als glücklich vertheilt. Die ober dem Hauptthore im Halbkreis angebrachten reichen Gitterverzierungen, sowie das in schönen Arabesken ausklingende Balcongitter sind Meisterwerke der Eisenschmiedekunst des vorigen Jahrhunderts. Es ist nur zu bedauern, dass die einst auf dem Dache auf Postamenten aufgestellten überlebensgrossen Figuren bei Gelegenheit einer Dachreparatur herabgenommen werden mussten und seitdem nicht mehr in Verwendung kamen. Interessant sind hier im Bilde auch die beiden Nachbarhäuser, wovon das eine rechts Nr. 893 (neu 14) (das Goldman’sche Durchhaus in die Weihburggasse ist, wo es die Nummer 11 führt und einem modernen dreistöckigen Zinshause weichen musste, und das andere links die Nummer 893 (neu 18) führt, welches vom Jahre 1680 bis 1775 dem kaiserlichen General Carl Ludwig Grafen von Souches und seinen Erben gehörte und ebenfalls durch einen Neubau von fünf Stockwerken ersetzt wurde. Was die Eigenthümer des Ne upauer’schen Hauses betrifft, so standen an derGewähr: im Jahre 1730 Johann Christian Neupauer, von dem bereits die Rede war, 1775 Maria Gräfin von Halleweil, eine Verwandte des am 600 Das Haus „zuui steinernen Rössel“. — Das „Drachenhaus* *. Das Haus „zum steinernen Rössel“ Nr. 897 (neu 10) ist reich an geschichtlichen Reminiscenzen. Im Jahre 1510 erbaute es niemand Geringerer als der gelehrte, damals hochgefeierte Doctor Cuspinian (Spiesshammer), auch befand sich hier im Hause die gelehrte Donaugesellschaft (sodalitas danubiana), welche Kaiser Max persönlich gründete und ihr, da er sich an die Spitze dieses Unternehmens stellte, zahlreiche Anhänger verschaffte. ') Aber noch ein anderes merkwürdiges Ereignis spielte sich hier vor dem Hause im Jahre 1800 ab. General Dauer bewohnte nämlich hier den ersten Stock. Als nun nach der verlorenen Schlacht bei Hohenlinden der General wieder nach Wien in seine Wohnung zurückkehrte, war das Volk über den Verlust so erbittert, dass sich jetzt eine grosse Menschenmenge vor dem Hause unter den lärmendsten Verwünschungen und Drohungen aufstellte, Koth und Steine nach den Fenstern warf und nur durch Militärgewalt auseinandergetrieben werden konnte. Das Haus „zum Drachen“ Nr. 900 (neu 4) hat seinen Namen von dem drachenärtigen Wahrzeichen, welches auf der Gassenseite als altes Steinbasrelief in der Mauer eingefügt ist und, wie Figur 239 zeigt, eigentlich einen Lindwurm darstellt. 2 ) Von jenen bisher noch nicht besprochenen Seitengassen, die in die Singerstrasse einmünden, ist besonders die Liliengasse zu erwähnen. Sie hiess früher das „^Ü’menfÜltberjjäffel", weil die Verurtheilten vom Strafhaus aus der Rauhensteingasse hier durch zum Richtplatz geführt wurden. Seit man (1622) aber den Lilienfelderhof (Nr. 908) hier erbaute, wurde dieses Gässchen das Lilienfelder- oder kürzer das Liliengassei genannt. Es verbindet die Singerstrasse mit der Weihburggasse und ist eine der schmälsten Gassen der Stadt. 10. August 1696 im Gatterhölzchen zu Scliöubrunn meuchlings gemordeten Ferdinand Leopold Grafen von Halleweil, 1795 Therese von Moser, 1812 Daniel Goith, 1822 Christian Heinrich und Caroline von Coith und Johann Krauseneck und später Heinrich Edler von Coith. Der gegenwärtige Eigenthiimer ist Graf Breuner, ein Freund und Kenner der Stadtgeschichte und Heraldik. *) Die ausgezeichnetsten, durch Rang und Bildung hervorragendsten Männer traten damals diesem Vereine bei, so z. B. der Gelehrte Conrad Celtes, der 1495 am Rhein eine ähnliche Gesellschaft gegründet hatte, eben jetzt (1497) in Wien ankam und mit offenen Armen empfangen wurde; Peter Krachenberger (Pierius Graccus), ein Passauer Redner, Geschichtsforscher und Kaiser Maximilians Geheimschreiber; Stüberl (Stiborius) von Vilshofen in Baiern, ein Mathematiker und Domherr zu Wien; Johann Stabius, berühmter Mathematiker und Dichter, Geschichtschreiber und unzertrennlicher Begleiter Maximilians auf dessen Reisen: Georg von Neudegg aus einer berühmten Familie Oesterreichs, Jurist und Kanzler zu Wien, später Bischof zu Trient und Statthalter im eroberten Verona; Theodorich Velsen (Ulsenius), ein Friese, Arzt und glücklicher Dichter; Johann Vitez, einst Mathias Corvinus’ Freund, Bischof zu Veszprim und zu Wien, endlich vor allen Johann Spiesshamer (Cuspinian) selbst, der als gekrönter Dichter, Geschichtsforscher und vielseitiger Staatsmann, als das thätigste Mitglied dieses Haus dem Vereine zu seinen Zusammenkünften überliess. Zur Erinnerung wurden drei Inschriften auf rothen Marmorplatten in lateinischer Sprache an diesem Hause angebracht, die selbst noch jetzt nach dessen Umbau im Hofe eingemäuert zu sehen sind. Eine dieser drei verfasste Cuspinian selbst und sorgte auch für ihre Afligirung. Dieser Verein war ganz eigenthümlicher Natur, nie hatte er je vor- noch nachher seinesgleichen aufzuweisen, er war eine Art Akademie der Wissenschaften (wie wir heute sagen würden), und die wichtigsten Gegenstände über Staatswissenschaft, Geschichte, Gesetzgebung etc. wurden hier besprochen. Der Verein erfreute sich des raschesten Aufblühens, denn nie waren die Verhältnisse günstiger, nie nahm die Wissenschaft einen grösseren Aufschwung, nie war die Zahl der Gelehrten und Professoren und der Zulauf der Schüler in Wien grösser, als eben unter Maximilian I. Leider, mit seinem Tode starb ihnen die Stütze hinweg. Das Interesse erlosch, die Gesellschaft hatte nur mehr eine kurze Dauer und löste sich für immerauf, alle Wiedervereinigungsversuche scheiterten gründlich, selbst der grosse Leibnitz vermochte trotz seiner persönlichen Anwesenheit in Wien (1713) diesfalls nichts durchzusetzen. Vide: „Ueber die gelehrte Donaugesellschaft“ in Kaltenbäks Zeitschrift 1837 Nr. 13 und Mosel's „Geschichte der Hofbibliothek“, pag. 6 bis 9 und 14. s ) Das Drachenbild ist ein schönes Basrelief aus dem XVI. Jahrhundert, es zeigt die heilige Maria mit dem Jesukind auf der Mondsichel in einer Strahlenglorie sitzend, zwei schwebende Engel halten über der Muttergottes die Krone. Unten ist ein Spruchband aufgerollt, dessen Schrift in Folge der Verwitterung und Ueberstreichung mit Farbe und Kalktünche nicht mehr lesbar ist, zu unterst kriecht ein Lindwurm. Die Liliengasse. — Die Weihburggasse. 601 In dieser Gasse (Nr. 898) hatte der berühmte Lenkay seinen beliebten ungarischen Weinschank, und die altern Wiener werden sich desselben noch gut erinnern. Besonders nach den ungarischen Rothvveinen gieng die Nachfrage. Eines Tages iin Winter 1832 erschien bei ihm eine gerichtliche Commission der Sanitätspolizei und visi- tirte die Weine. Die Untersuchung ergab, dass die Rothweine mit Bleizucker versetzt waren. Mehrere hundert Eimer wurden nun aus den Fässern ausgeschüttet, und die Wiener hatten das nicht wenig ergötzliche Schauspiel, das hellrothe Traubenblut über die Singerstrasse und den Stefansplatz bis in die Rothenthurmstrasse fliessen zu sehen. Natürlich machte die Sache ein grosses Aufsehen und Lenkay büsste dabei nebst dem Wein und einer grossen Geldstrafe auch noch obendrein sein Renommee für immer ein. In den Vierzigerjahren verschwand er gänzlich vom Schauplatze. Bemerkenswerth ist, dass Weinfälschungen in frühem Zeiten auf das Strengste bestraft wurden, obgleich solche Fälle höchst selten vorkamen. Erst im vorigen Jahrhundert mehrten sich dieselben und auf so eclatante Weise, dass die Regierung energisch einschreiten musste. Was die Weihburggasse betrifft, ist zu bemerken, dass sie in den ältesten Urkunden als „UVt&etlburgt" *) vorkommt und in den ersten Häuserverzeichnissen „IPdltburggaffC" genannt wird. Ein althistorisches Haus ist hier Fig . 239* Steinbasrelief an dem „Drachenhause“ in der Singerstrasse. »i winuii.vH 'Wii.uuutmw v ii nKKit | ***** ¥ V • das Neubeck’sche Haus, heute Hotel „Kaiserin von Oesterreich“ Nr. 906 (neu Weihburggasse 3). Es stammt von dem alten Wiener Patriciergeschlecht der ITeupcd (oder Neubeck), deren einzelne Familienglieder hohe weltliche und geistliche Stellen bekleideten, so z. B. Caspar Neubeck, der sich 1573 zum Bischof von Wien emporschwang und als ausgezeichneter Prediger und Lehrer der heiligen Schrift berühmt war. Er starb 1594 und der Bischofstuhl blieb durch volle vier Jahre nach ihm unbesetzt, bis endlich 1598 der gefeierte Melchior Khlesel ihm in Amt und Würden folgte. Das Andenken an diese alte Wiener Familie ehrte eine Inschrift, die noch vor Kurzem rückwärts im Hofe angebracht war. Im Jahre 1795 erkaufte Emanuel von Dorin dieses Haus von Aloisia Freiin von Andrisky und liess es im Jahre 1804 von Grund aus neu aufbauen, verkaufte es aber schon nach zwei Jahren (1806) an Franz Xaver von Buchberg, dem das Unglück zustiess, dass dieses Haus während der Beschiessung im Jahre 1809 zur Zeit der zweiten französischen Invasion in Brand gerieth und grossen Schaden litt. Im Jahre 1820 gelangte das Haus in den Besitz der Katharina Freiin von Buchberg und später an Carl und Johann Bünsdorf. Gegenwärtig ist Johann Bünsdorf Besitzer des Hauses. ') Nach Westenri eder’s berühmtem Glossarium bedeutete der Ausdruck „TOeitbthUts" einen Thurm, eine Warte, ein Festungswerk an den Mauern einer Stadt, was mit der damaligen zweiten .Stadterweiterung (1177 bis 1194) und der hier befindlichen Wallstrasse leicht in Verbindung gebracht werden konnte. 76 602 Die Weihburggasse. — Die Seilerstätte. Das gräflich Colloredo’sche, später Pereira’sche Haus Nr. 939 (neu Weihburggasse 4). Itn Jahre 1655 kauften die Grafen Colloredo dieses Haus von Hans Grafen von Puchheim und erbauten dasselbe im Jahre 1777 von Grund aus neu und behielten es ununterbrochen bis zum Jahre 1835 im Eesitz. An dieses Haus knüpfen sich merkwürdige Erinnerungen. So z. B. kam die k. k. Wiener Börse im Jahre 1812 hieher und blieb längere Zeit daselbst, nachdem sie zuerst beim „grünen Fassei“ auf dem Kohlmarkt und 1800 im Gundelhof im Hause Nr. 588 untergebracht war. Im Jahre 1841 wurde das Haus von Ludwig Freiherrn vonPereira angekauft und im Jahre 1842 in seiner heutigen modernen Gestalt neu aufgebaut. Hier befanden sich auch die Bureaux des Handelshauses Arenstein & Pereira, deren Fallissement als Bankhaus Arenstein-Eskeles zur Zeit der grossen Handelskrisis in der Geschäftswelt so unbeschreibliches Aufsehen erregte. Der Lilienfelderhof Nr. 908 (neu Weihburggasse 9). An dieser Stelle stand einst das Freihaus des Ulrich v. Kreuberg, der es aber noch bei Lebzeiten den Franciskanern überliess, welche es im Jahre 1622 an das Lilienfelderstift weiter verkauften. Im Jahre 1810 kam Carl Graf Strachwitz an die Gewähr und später eine Enkelin des berühmten Buchdruckers Trattnern, Namens Regina Edle von Trattnern. Die gegenwärtige Besitzerin ist Marie von Maredi Rainer. Der alte Rahmhof Nr. 917 (neu Weihburggasse 18) ist ein uraltes Gebäude und bildet mit dem Nachbarhause Nr. 918 (neu Weihburggasse 16) seit den ältesten Zeiten ein schmales Gässchen, das in die Himmelpfortgasse mündet, aber nach den bestehenden grundbücherlichen Freiheiten mit einem Eisengitter abgeschlossen werden kann. Der historische Name dieses Hauses stammt urkundlich daher, dass einst daselbst die gestanden. ') LXIV. CAPITEL. Seilerstätte. ie Seilerstätte wurde früher w 0eilfpinnfitätte" genannt, weil hier während der Türkenkriege Seile für die Donauschiffe gesponnen wurden. Die Figur sub 240 zeigt uns, wie die Seilerstätte noch im Jahre 1737 zurZeit Carls VI. ausgesehen hat. *) Von den historisch interessanten Häusern sind besonders zu erwähnen: Das Haus „zur ungarischen Krone“ Nr. 961 (neu 20 oder Himmelpfortgasse 16). Es ist ein altes Einkehrwirthshaus, welches eine Ecke in die Himmelpfortgasse und Seilerstätte bildet. Es gehörte 1684 dem Erzbischof von Gran Georg Szelepezeny und wurde schon *) Ander Gewähr waren 1684 Albrecht Graf von Buquoy, 1700 Ernestine de Koks, 1720 von Erena, dannv.Roys, 1780 Michael Ehrenrei ch Graf v. Althan, 1798Anna v. Gassner, 1806 Josef v, Gassner, später die Gassner’schen Erben und August Dehne mit einem Hausantheil. Der gegenwärtige Eigenthümer ist August Dehne allein. s ) Das Bild, von Salomon Kleiner gezeichnet und von J. A. Corvinus gestochen, aus dem Jahre 1737, zeigt uns links die heutige Seilerstätte und im Hintergrund die dreifache Reihe von Seilen, wie sie zur Arbeit damals vor- Ansicht der Seilerstatte. I '»MrMtU 604 » Das Malerhaus. 1700 urkundlich als Schank- und Einkehrwirthshaus „3UÜ bUH3fer, welcher hier seine Druckerei hatte, und dessen Grundbesitz hier urkundlich aus dem Jahre 1572 nachgewiesen ist. Zu jener Zeit hiess dies Haus bis zum Jahre 1700 „zum grünen Rössel“ und war früher, im Jahre 1549, der Grundbesitz eines @(J>udf>ßltCFS" Namens Georg Gatermair. Das Haus, namentlich seine innern 606 Die Domgasse. i Fig. 241. Das Stainhofer’sche Haus in der Schulerstrasse. Räume, besonders der Hof, zeigen uralte Bau- formen und lassen den Baustyl des XV. |ahrhunderts kaum verkennen. Ein Bild xub Figur 241 zeigt das Haus von seiner Hofseite aus. *) Das Haus bildet eine Ecke in die Kumpfgasse; in den ältesten Grundbüchern hiess es im Jahre 1500 „Mtbet? betll ITuepatüllt prope domum Johannis de maynczP Fast eben so alt ist auch das Haus „zur goldenen Ente“ Nr. 822 (neu 22). Schon seit dem Jahre 1600 ist es urkundlich ein Einkehrwirthshaus und führte immer das Schild „JUOT gulbett (Eliten". Seit 1775 gehört es laut Grundbuch der Familie Tauscher, die hier ununterbrochen das Wirthsgeschäft betrieb. Was die Häuser der kleinen Schulerstrasse, heuteDomgasse, betrifft,so sind einige von historischer Bedeutung. Das Haus „zum grünen Nussbaum“ Nr. 854 (neu Domgasse 3) ist ein geschichtlich hochinteressantes Flaus; es hat zwar nur zwei Fenster Front und kann vielleicht als das kleinste der Stadt angesehen werden, aber es ist dasjenige, welches die Stadt dem Kolschitzky für seine Kundschafterdienste nach dem zweiten Türkenkriege 1683 schenken wollte, um hier ein Kaffeehaus zu errichten, worauf ihm jedoch das vis-a-vis gelegene „zum rothen Kreuz“ gegeben wurde, wo er zuerst seinen Ausschank hielt. Weil aber der Raum für zahlreichere Kunden nicht ausreichte, siedelte er auf den Stefansplatz „zur blauen Flasche“ über, wo er in einem rückwärtigen ebenerdigen, gegen das Schlossergässchen gelegenen Gewölbe einen Kaffeeschank errichtete. Das Haus „zum rothen Kreuz“ oder der kleine Bischofhof Nr. 845 (neu Domgasse 6). Es war ein Geschenk des Magistrats an Kolschitzky und gehörte später dem Messner von St. Stefan Carl Schmauser und 1760 dem Baumeister Mathias Gerl. Weil aber seine Gattin wegen vielfacher Gefahren, denen ihr Gatte ausgesetzt war, die Hilfe der heiligen Maria *) Das Bild, nach einem alten Gemälde von Iw Hutter gezeichnet, zeigt uns das Innere des Hauses, den alter- thümlichen mit Fenstern unregelmässig durchbrochenen Thurm, die offenen Hofgänge, das breitflügelige niedrige Thor, die schmalen benster: dies deutet unzweifelhaft auf das hohe Alter des Baues. Das Haus „zum rothen Kreuz“. 607 anflehte und auch das Haus dem Schutze der Mutter Gottes empfahl, so liess sie ein schönes in Stein gehauenes Basrelief ober dem Hausthore errichten, welches das Bildnis Mariens mit dem Jesu- kinde trägt, umgeben von türkischen Waffen und Geschossen, Fahnen und Harnischen. Ein Bild sub Figur 242 zeigt uns dieses Wahrzeichen. ‘) Fig. 242. Wahrzeichen an dem Hause „zum rothen Kreuz M in der Domgasse. TVTORI ptVjCLl£N.MArH.GERL.cj^ B . , CATH.YXOK.rOTAa FANULIA. ^ ftORr.a ImA.- '?////, ■cJM&J’l-’ >) Das Bild ist nach der Natur von E. Hütter gezeichnet. Das Basrelief ist nicht ohne künstlerischen Werth, die Waffen und Geschütze und andern Kriegsinsignien, die auf die Türkenkriege von 1683 deuten, sind effectvoll und zweckmässig gruppirt, besonders die Einrahmung des Bildes ist stylvoll. Die Inschrift unter dem Bilde lautet: D. O. M. Tutori. />. Mariae Virg. de Victoria Patronae has Aedes A.R. S. MDCCLXI a fumlamentis suscitatis deuClien. Math. Gerl aedil. Cathar Uxor totaqne Familia D. D. D. LXVI. CAPITEL. Schönlaterngasse. ie Schönlaterngasse, welche von dem Hausschild „zur schönen Laterne“ (Nr. 674) ihren Namen erhielt, hiess in den ältesten Grundbüchern auch „beim ^eiligen (EreuijCt^off" (von dem anstossenden Heiligenkreuzer-Stiftshofe). Sie stellt gegenwärtig in einem rechten Winkel die Verbindung der heutigen Sonnenfelsgasse (frühere untere Bäckerstrasse) mit der Postgasse (Bockgasse) her. Zu den wichtigsten Häusern dieser Gasse gehören; Das Haus „zur schönen Laterne“ Nr. 674 (neu 6) zeichnet sich durch seine altehrwürdige Laterne aus, welche sich, wie Figur 243 zeigt, ‘) bereits im XVIII. Jahrhundert hier am Hause befand und als Wahrzeichen dieser Gasse betrachtet werden kann. Fiff. 243. Die „schöne Laterne“. ■•Wj!. -am - ,11| ,10 Das „Basiliskenhaus“ Nr. 678 (neu 7) hat seinen Namen von einem gräulichen Ungeheuer (Basilisk), welches im Jahre 1212 bei Ausgrabung eines Brunnens in diesem Hause gefunden worden sein soll und das Wasser und die Luft umher verpestete, in Folge dessen viele Menschen ihren Tod fanden. Der Basilisk (so erzählt die Sage weiter)’ sei aus einem von einem Hahne gelegten und von einer Kröte ausge- „; v i'i - .|i brüteten Ei entstan- jlii'-.V den. Zur Erinne- ' rung an dieses Ereignis wurde in einer Nische dieses Hauses, wi eFigur 244 zeigt, der Basilisk als Steinbild aufgestellt, wo er sich noch befindet. 2 ) !> ili'iü! !il iihüih Hüll» heute j 1 'i|jjjjjj |! ii:!hl|ii|!lijS''|!i Fiff. 244. Der „Basilisk“. ') Das Bild, nach der Natur von Emil Hütter gezeichnet, zeigt uns die in Rede stehende Laterne in jener altehrwürdigen Gestalt, wie sie noch heute am Hause Nr. 674 existirt. Der Geschmack in der Ausführung der metallenen Laternenrippen und besonders der arabeskenartigen Verzierungen des Untertheiles und der Wandarme gehört offenbar dem vorigen Jahrhundert an und gibt Zeugnis von der vollendeten Technik des Schmiedehandwerks. *) Das Bild zeigt uns den Basilisken mit einem Schnabel und Schweif (beides von Eisen); früher hatte derselbe auch eine Krone (gleichfalls von Eisen), die aber bereits fehlt, und unter demselben war eine Inschrifttafel angebracht, welche aber bei Gelegenheit einer Renovirung des Hauses im Jahre 1740 wieder verschwand. Dieselbe lautete wörtlich: „Anno Domini MCCII warb erroelbt Rapier ffriebricb II. Unter feinem Regiment ift non einem Bann eutfprungen ain Bafilisc, welcher obftebenber -Sigur gleich; rmb ifl ber Brunn roll angefcbutt morben mit erben, barinnen febiges Ibier gefunben trorben ift; ohne .jmepfrel, roeil es (ebner gifftigen angenicbant, rill menfchen geftorbeit rnb rerborben fennb. Eenomrt A. 1577 burcb Ansicht des Heiligenkreuzerhofes f/ ü & W - \ 1 !l 610 Der alte Jesuitenhof. — Der Heiligenkreuzerhof. Der alte Jesuitenhof, heute das Bieli’sche Stiftshaus Nr. 681 (neu 11) ist ein althistorisches Haus, und schon im Jahre 1700 stand hier das alte Seminar der Jesuiten, von welchem auch das in der Nähe befindliche Gässchen (welches den Universitätsplatz mit der Schön- laterngasse verbindet) Jesuitengasse genannt wurde. Dieses Haus ist schon aus dem Grunde hochinteressant, weil sich über den Besitzstand alte Grundbücher aus dem XV. Jahrhundert vorfanden, die über die Oertlichkeit und den Stand einzelner Bursen Aufschluss geben. ') Der Heiligenkreuzerhof Nr. 676 und 677 (neu Schönlaterngasse 5 oder Grashofgasse 3). Es ist ein uraltes Gebäude, welches bereits Abt Clemens im Jahre 1667 zu bauen begann, wie dies ein Chronistichon am innern Eingänge bezeugt und auf einer Steintafel noch heute zu lesen ist: „Has aeDes CLeMens antlstes eXtrVXIt.“ Die Capelle in demselben wurde 1662 eingeweiht, und ein weiterer Theil des Gebäudes stammt aus dem Jahre 1676, wie eine Inschrift im kleinen Hofe lehrt, welche lautet: „Hoc opus fieri fecit Dominus Clemens Abb. Monasterij. S. Crtic. MDCXXVI.“ Dieser Hof hat seinen Namen von dem reichen Cistercienserslifte zu Heiligenkreuz, welches schon im Jahre 1286 von Herzog Albrecht I. einige Freihöfe in Wiener- Neustadt, Bruck, Marchegg und auch diesen Hof zu Wien, sowie mehrere andere Freiheiten erhielt. Diese Freiheiten mussten sich bis in die heutige Bäckerstrasse erstreckt haben, weil noch heutzutage einige Häuser diesem Stifte zinsbar sind. Kunstgeschichtlich interessant ist, dass die erste Graveurakademie, die Wien besass, schon im Jahre 1768 sich hier in diesem Hofe befand und erst im Jahre 1786 nach St. Anna übersiedelte. Eine seltene Ansicht, sufr Figur 245, zeigt uns den Heiligenkreuzerhof“) (von der Seite der Grashofgasse aus gegen die Schönlaterngasse) in jener Gestalt, wie er um das Jahr 1724 schon existirte und zum Theil noch heute mit geringen Aenderungen besteht. Er war von jeher ein Durchhaus, welches von der Schönlaterngasse in die Grashofgasse führte. Was die ursprüngliche Benennung dieser Gasse betrifft, so datirt sie von dem Hause Nr. 699, welches schon im Jahre 1683 das Hausschild „zum Grashof“ führte und bis in die neueste Zeit beibehielt. Früher wurde sie auch „bas (Mifel nenn heiligen dTeutjcrhot" genannt. bcn baujjf&errn 'Bannt; Spannring Bmcfthanbler.'' Das RUthsel über diesen Sagenreichen Basilisken hat erst in jüngster Zeit Professor Eduard Suess in einer für die ältere Sagenbildung sehr schätzenswerthen Weise gelöst. Er fand nämlich, dass dieses Steinbild nichts als ein Aggregat von Sandstein-Sphäroiden sei, dem man eine Krone, Schnabel und Schweif nachträglich anfügte. Aehnliche Steinbildungen wurden auch an andern Orten im Tegelniveau Wiens aufgefunden. Die Sage von diesem todbringenden Ungethüm erklärt Suess in der Art weiter, dass man im Jahre 1212 allerdings einen tiefen Brunnen grub, wobei man wahrscheinlich die Tegelgrenze erreichte. Als man nun die Steinplatte, die einem Basilisken ähnelte, hob, quoll aus der darunterliegenden Sandschichte Wasser empor, welches (wie dies bei unseren Tegelwässern in der Regel ist) von einem betäubenden Gase begleitet war, welches sich auch der Luft mittheilte und die tödtliche Wirkung und mit ihr auch die Fabel vollständig erklärt. ') So finden wir schon im Jahre 1470 hier die „CiltCttbUtfü" mit dem Zusatze „weilend Wolfgang Oczes- torffer-Haus“; und aus dem Jahre 1S94 finden wir die Ortsbezeichnung „ittl gaffel bft> bellt heil. dreujerbof gegen bet faitipfi Surfen Uber". Jm Jahre 1457 hiess es das „Ilirttbl", und hier sass um diese Zeit der berühmte Oswald Stelzer, der sich „Hlaifter in ben fnhen freien lünften ltnb baccalareus formatus in ber heiligen fcfjririt" nannte. a ) Das Bild, von Salomon Kleiner gezeichnet und von J. A. Corvinus gestochen, aus derZeit zwischen 1724 bis 1730 versinnlicht uns den Heiligenkreuzerhof in seiner ursprünglichen Gestalt; rechts das Zinshaus, welches gegenwärtig um einen zweiten Stock erhöht wurde, und auf derselben Seite im Hintergrund das imposante Gitterthor, welches den Eingang zur Stiftscapelle bildet. Ueber dem Hausdache ragt das Thürmchen der Barbaracapelle empor, die bereits im Jahre 1662 vom Bischof Grafen Breuner eingeweiht und 1730 vom Abt Robert neu hergestellt wurde. Die beiden grossen Thürine gehören der Kirche der untern Jesuiten (heute Universitätskirche) an. Das grosse Einfahrtsthor, welches uns im Hintergründe des Bildes entgegensieht, führt in die Schönlaterngasse. Die Häuser aber links im Bilde sammt der langen Gartenmauer sind heute bereits sämmtlich ausgebaut und um mehrere Stockwerke erhöht. LXVII. CAPITEL. Spiegelgasse. er Name dieser Gasse stammt von einer Wiener Patricierfamilie, die hier einst „hinter 6t. Dorothea". Wenn man vom ansässig war; der obere Theil aber hiess Lobkowitzplatz in diese Gasse einbog, bestand die ganze Häuserreihe bis zur heutigen Plankengasse aus Gartenanlagen der altösterreichischen Adelsgeschlechter, deren Gartengründe später, nach Erbauung des Kapuzinerklosters, sämmtlich zu diesem Kloster geschlagen wurden, so der gräflich Kufstein’sche Garten, wo heute das Haus Nr. 1097 (neu 21) steht; ebenso der Altenburgerhof, an dessen rückwärtigem Theil sich heute das Haus Nr. 1098 (neu 23) befindet, welches mit seinem vordem Theil ehemals an den Schaumburgerhof stiess und bis an den Neuen Markt reichte, an dessen Stelle heute der grösste Theil des Kapuzinerklosters steht. Noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts war hier an Stelle der genannten Häuser eine hohe Gartenmauer, welche den Kapuzinergarten von der Spiegelgasse abschloss. Zu den interessantesten Häusern dieser Gasse gehören vor Allem: Der alte Göttweiherhof Nr. 1089 (neu 9). Dieses Haus, von dem Göttweiherstifte so benannt, wurde nach einer alten Urkunde schon 1237 durch eine Schenkung Ferdinands II. diesem Hochstifte zum Eigenthum verliehen und erst im Jahre 1829 in die heutige Gestalt umgebaut. Es bildet eine Ecke in die Göttweihergasse, welche früher Kochgasse hiess, und hat einen Ausgang in die Seilergasse, wo es die Nummer 10 führt. Das gräflich Trauttmannsdorff’sche Haus Nr. 1096 (neu 15) gehörte im Jahre 1684 dem Helmhardt Christof Grafen von Weissenwolf und 1775 Rudolf Grafen von Wrbna. Im Jahre 1805, als die Franzosen nach der ersten Invasion Wien wieder verliessen und bereits abgezogen waren, bewohnte Graf Wrbna den ersten Stock dieses Hauses, und es versammelte sich hier das Volk in zahlreicher Menge, um dem Grafen seine aufrichtige Danksagung darzubringen für die ausserordentlichen Dienste, die er als Hofcommissär während der ganzen Kriegszeit der Stadt geleistet. Das Volk lärmte und tobte und gab sich so lange nicht zufrieden, bis der Graf beim offenen Fenster erschien, um diese aufrichtigen und warmempfundenen Dankgefühle persönlich entgegenzunehmen. Das Haus wurde im Jahre 1824 in seine heutige Gestalt umgebaut. ’) Der alte Seckauerhof Nr. 1097 (neu 21) bestand einst an dieser Stelle und lag mit seinem rückwärtigen Theile an dem ehemaligen Kuf- stein’schen Garten, der mitsammt dem Seckauerhofe nach Erbauung des Kapuzinerklosters zum Klostergarten geschlagen wurde. Im Jahre 1795 wurde hier ein Haus als sogenanntes Casino erbaut. Es war nach jenem im Trattnerhof das älteste wohlorganisirte Casino der Stadt, in welchem grössten- theils Adelige ihre Zusammenkünfte hatten, an denen später auch die vornehmen und wohlhabenden Bürger theilnahmen. *) Im Jahre 1822 kam Theresia Gräfin Trauttmannsdorff an die Gewähr, und die heutige Besitzerin ist Leopoldine Fürstin Palm - Gunde 1 fingen. Es hat auch einen zweiten Ausgang in die Seilergasse, wo es die Nummer 16 führt. 77 612 Grillparzer’s Arbeitszimmer. Aber noch ein anderes, ein literarhistorisches Interesse knüpft sich an dieses Haus. Es war nämlich die letzte Wohnstätte unseres unvergesslichen Grillparzer. Hier wohnte er im vierten Stockwerke bei den drei Schwestern Fröhlich. Einfach und bescheiden wie er selbst war auch seine Behausung. Sie bestand nur aus einem Schlaf- und einem Wohnzimmer, das zugleich sein Arbeits- und Empfangszimmer war. Die Möbel zeigten nicht sonderlichen Luxus, denn er hatte nur wenige Bedürfnisse. Das ganze Mobiliar machte den Eindruck des Altmodischen, fast Aermlichen, dem auch die grauviolett gemalte Wandtapete entsprach. Aber die Stätte, wo einst ein grosser Geist gelebt und geschaffen, hat immer für den Beschauer etwas Ehrfurchtgebietendes, und wir betreten Fig ♦ 24:6. Grillparzer’s Arbeitszimmer. i''. / & lii ■ L5T.S~^ ~ ,■ 1 r '■ • ' t**l n 'jEjf# wm Willi s»Äl / / J llii Mmm l'lANfilHil E. : A f^/Ä ili Mi®®® iüUM \&JrVt fir» "'*■ mmm kl Ür m m\ &r^r : aRd-i.s |'i !*) © 11 «! «* Ui \ pii j**: ^iSlngn ilftgg. mm I® am® iÄlp matul :#£5jp MW »sssshMHi t&3; ?TÄfc% ■m&i SfsÄW llHtüUKfe* WB» Mwi* S33SS «MM :i:i.ii:»:i,i.h: jjjjcinj'irwijnä ilirallKaltf-3 78 * 620 Teinfaltstrasse. — Das alte Jörgerhaus. — Der alte Klepperstall. Schliesslich ist noch die Teinfaltstrasse zu erwähnen, welche die Freiung mit der Löwelstrasse verbindet und im Laufe der Zeiten den Namen mehrmals veränderte. Ursprünglich wurde sie „Steinfdbgaffe" von den sogenannten Schotten am Stein (wie es noch heute im Volksmunde lautet) genannt, später verwandelte sich diese Benennung in oder „£ainfdtj}va$e" A aus dem endlich Teinfaltstrasse wurde. Hier sassen einst die alten Geschlechter der bereits erloschenen Adelsfamilien der Cilli, Ursini, Rosenberg und der Grafen Cobenzl, dessen Name noch in jenem Ausläufer des Leopoldsberges erhalten blieb, den man den Cobenzlberg (nach einer ehemaligen Besitzung dieser Grafenfamilie) nennt. Von den merkwürdigen Gebäuden der Teinfaltstrasse existiren noch: Das alte Jörgerhaus Nr. 64 (neu Teinfaltstrasse 3), von seinem ehemaligen Besitzer Johann Ouintin Grafen Jörger so genannt, der die allgemeine Stadtbeleuchtung in Wien einführte, die am Pfingstmontag 1638 ihren Anfang nahm, und der auch die Stadtpflasterung veranlasste. Der alte Klepperstall Nr. 74 (neu Teinfaltstrasse 6) wurde von Carl VI. so wie er noch heute steht erbaut. Hier befanden sich einst die Remisen der Staatscarossen, die von ungeheurem Luxus zeugten. Sie waren breite, reichvergoldete, aber schwere viersitzige, sechsspännige Galawagen, deren sich nur der Kaiser und dessen Gemahlin bei Auffahrten bedienten. Nach damaliger Sitte mussten die Hofcavaliere, Arcieren- und Trabanten-Leibgarde (zu Fuss und in spanischer Tracht) die beiden fahrenden Majestäten begleiten, und der Zug glich alsdann einer förmlichen Procession, die sich nur langsam im feierlichsten Tempo fortbewegte. Im Klepperstall wohnte im dritten Stockwerke auf der Bastei Nr. 2 der berühmte Hofrath von Gentz. Sein Studirzimmer, das noch heute bemerkt werden kann, hatte das schmale Seitenfenster gegen Westen mit einer Aussicht auf die nahen Gebirge. Hier schrieb er seine bekannten Staatsschriften gegen Frankreich (1806), dann seine Aufsätze für das k. k. österreichische Cabinet. In der Zeit von 1799 bis 1800 gab er das „Historische Journal“ heraus, das fast ganz von seiner Feder herrührte. Er führte als erster Secretär beim Wiener Congresse und bei den Minister- conferenzen das Protokoll. seinen Vorstädten einen höchst ehrenvollen Ruf erwarb, später Lehrer an der von Carl VI. gegründeten k. k. Kriegsbau- schule war, hier in seinem Hause viermal in der Woche seinen Schülern Unterricht ertheilte und auch eine Sternwarte anlegte, die mit allen erforderlichen Instrumenten versehen war. Nach dessen Tode kam die k. k. Kriegsbauschule in das Camesina’sche Haus Nr. 16 in die Annagasse, wo sie im fünften Stockwerke untergebracht war. Das Marinoni’sche Haus aber auf der Mölkerbastei wurde später vom Freiherrn v. Pasqualati angekauft und hiess bis in die jüngste Zeit im Volksmunde das Pasqualati-Haus. Von den übrigen Häusern ist noch interessant links im Bilde gleich am Thorausgang das Wachstubenhaus und das Doctor-Guldner'sche Haus, ober der Thoreinfahrt erbaut, welches im Jahre 1839 bei Gelegenheit der Renovirung des Schottenthores abgebrochen wurde. Jene kleinen Häuschen, welche bis zur Rampe der Basteimauer reichen gehören den Schotteubasteihäusern an, die bald darauf vielfachen Umbauten und Renovirungen unterzogen wurden. Das Schmied- und Bäckerhaus, welches sich rückwärts unmittelbar an den Mölkerhof anschliesst, ist gleichfalls im Bilde sichtbar. LXX. CAPITEL. Tuchlauben. jlene ebenerdigen, durch Pfeiler gebildeten, an den Häusern stark vorspringenden offenen Hallen, in welchen die Tuchhändler ihre Waaren feilboten, wurden die „Caubctt bet? (Eucftbänbler" genannt, von welchen diese Strasse auch den Namen „Entlauben" erhielt. Diese Strasse war eine der vornehmsten der Stadt und die Genossenschaft der Tuchhändler eine der ältesten und wohlhabendsten, die schon BPS. von Albrecht 111. unterm 16. December 1382 die Bestätigung ihrer Zunftordnung erhielt und noch unter Maria Theresia einen eigenen Verein: „Das Gremium der Tuch- lauben-Verwandten“ bildete. Zu den merkwürdigsten Häusern gehören hier: Das alte Musikvereins-Gebäude Nr. 558 (neu 16). Die Erinnerung an diesen einst so wichtigen Kunsttempel ist mit der Musikgeschichte der Stadt selbst so innig verknüpft, dass man das Eine nicht berühren kann, ohne von dem Andern zu sprechen. Der Aufbau dieses Hauses fällt in die Zeit, als schon die gute classische Musik eines Bach, Haydn, Mozart Früchte zu tragen begann und man bereits den herrlichen symphonischen Schöpfungen des unsterblichen Beethoven allgemeine Bewunderung (wiewohl anfänglich mit Misstrauen und Verwunderung) entgegenbrachte. Schon zu Maria Theresias Zeiten war Wien eine gut musikalische Stadt. In den bürgerlichen Kreisen fing es sich zu regen an und noch mehr in den adeligen. So z. B. veranstaltete schon von 1740 bis 1759 der Prinz von Sachsen-Hildburghausen regelmässige Musikproductionen, und die Fürsten Eszterhazy, Lobkowitz, Schwarzenberg und Liechtenstein hielten ihre Hauscapellen, in welchen Kammermusik gespielt wurde, die Anlass zur Pflege von Symphonien und Quartetten gaben und hiedurch nicht wenig zur Läuterung des Geschmacks und zum Verständnis der wahren, guten Musik beitrugen. Nur fehlte es immer noch an einem Verein, der sich mit Heranbildung und Emporhebung junger Musiktalente befasst hätte. Mäcene und Musikbegeisterte gab es in genügender Menge, die einen solchen Verein werkthätig unterstützt haben würden, aber es gebrach an dem wichtigen Manne, der die zerstreuten Elemente zu sammeln und zu einem Ganzen zu fügen vermocht hätte. Endlich aber war ein solcher in der Person des Hofcapellmeisters J. Gassmann gefunden, dem es gelang, schon im Jahre 1771 einen kleinen, bescheidenen Verein zusammenzubringen, der sich „Wiener Tonkünstler-Societät“ nannte. Dieser Verein machte sich die Pflege der guten classischen Kammermusik zur Aufgabe und sorgte für reichliche Geldmittel, um die Aufführung grösserer symphonischer Tonwerke zu ermöglichen, die 300 bis 400 executirende Musiker in Anspruch nahm. Auch war derselbe eifrigst bedacht, die materielle Existenz bedeutender Componisten durch Geldunterstützung aufzubessern. Es trat nun ein Kreis von hochherzigen Cavalieren bei, die im Jahre 1781 die sogenannten „Liebhaberconcerte“ auf der Mehlgrube und im Jahre 1782 die „Morgenconcerte“ im Augarten ins Leben riefefl, wo sich jedesmal die ersten Virtuosen hören Hessen und nicht wenig zur Weckung und Verallgemeinerung des Verständnisses für Musik beitrugen. Dieselben Cavaliere setzten es auch durch, dass schon im Jahre 1799 die Aufführung der „Schöpfung“ und 1801 jene der „Vier Jahres- 622 Das alte Musikvereins-Gebäude. — Das Schönbrunnerhaus. Zeiten“, sowie auch eine permanente Geldcollecte zustande kam, die Beethoven eine lebenslängliche Pension von jährlich 4000 Gulden sicherte. Auch in Musikerkreisen machte sich das Bedürfnis nach grösserer Concentrirung geltend. Es wurde der Wunsch nach einem fester organisirten Vereinigungspunkte immer dringender, immer lauter. So entstand wie von selbst im Jahre 1814 ein neuer Verein, der sich die „Gesellsch aft der Musikfreunde“ nannte. Derselbe machte sich zur Hauptaufgabe die Errichtung eines Conservatoriums, die Aufführung classischer Werke und die Anlegung einer grossen Musikbibliothek. Es wurden Statuten entworfen und im Jahre 1825 das obige Haus in den Tuchlauben Nr. 558 (neu 16), welches dem Franz Grafen Kolowrat gehörte, für diesen Verein angekauft. Doch reichten die Räume für grössere Musik- productionen nicht aus, man schrieb daher 1829 einen Concurs zum Umbau dieses Hauses an Wiener Baumeister aus. Von den zwölf eingelangten Bau-Entwürfen erhielt jener des Architekten Lössl den Vorzug. Rasch ging er ans Werk, schon am 6. September 1830 wurde der Grundstein feierlichst gelegt und im Frühjahre 1831 oi-o t-, . „ . , das Haus seiner neuen Bestimmung übergeben. Wie das Flff. 252. Das alte Musikvereins-Gebäude to b Bild sub Figur 252 zeigt, war die Fagade edel, aber einfach und den damaligen bescheidenen Verhältnissen vollkommen entsprechend. *) 9 B 9 3 öaCElLlüSCHATT DSU MiTTSmffEJSUinOB Das Schönbrunnerhaus Nr. 562 (neu 8). Schon um das Jahr 1436 stand vor diesem Hause ein stattlicher Brunnen, mit einem runden, herrlich verzierten Eisengitter umgeben, welches lange Zeit als Schaustück der Eisenschmiedekunst in Wien galt, daher auch im Volksmunde „der schöne Brunnen“ genannt wurde. Von diesem Brunnen erhielt das Haus den Namen „zum schönen Brunnen“ oder kurz „Schönbrunnerhaus“. Dieser Brunnen ist noch auf Kleiner’s Abbildung zu sehen, wie Figur 253 zeigt, und wurde erst gegen das Ende des XVIII. Jahrhunderts zur Erweiterung der Passage cassirt. s ) *) Das Gebäude (wie uns dies eine Zeichnung nach der Natur versinnlicht) hatte nur fünf Fenster Front, das Aeussere war nackt und kahl, nur unterhalb des Halbbogenfensters prangte die Aufschrift: „Gesellschaft der Musikfreunde“ und am Frontispiz in goldenen Buchstaben die Jahreszahl MDCCCXXX, aber dafür beherbergten die innern Räume einen köstlichen Schmuck, eine Bibliothek von 1400 Bänden, ein Musikarchiv von 8000 Originalcompositionen (meist handschriftliche Manuscripte, besonders Kirchenmusik), endlich eine reiche Bücherliteratur von kritischen, musikhistorischen, technischen Werken, Münzen und Orgelprospecten. Volle 37 Jahre blieb dieses Haus in ununterbrochener Verwendung. Nachdem sich aber auch auf dem Felde der Musikproduction die künstlerischen und akustisch-technischen Anforderungen immer mehr steigerten, der Saal kaum 600 Personen fasste, so wurde auch dieses Haus einer andern Bestimmung zugeführt und Architekt Hansen mit der Erbauung eines neuen monumentalen Gebäudes beauftragt, dessen Besprechung ausser den Rahmen meines Werkes fällt. 2 ) Das Bild, von Salomon Kleiner gezeichnet und von J. A. Corvinus gestochen, aus der Zeit von 1724 bis 1730, ist schon deshalb von hohem Interesse, weil es uns nicht blos mit dem Schönbrunnerhause, sondern auch mit dessen Umgebung bekannt macht. Wie wir sehen, hat sich das Schönbrunnerhaus seit 1730 ir. nichts geändert; der herrliche säulengetragene Balcon, das grosse Einfahrtsthor, die hohen Wandsäulen zwischen den Fenstern, die Bedachung, ja selbst die Gesimsverzierungen sind dieselben geblieben. Nur links die Apotheke und rechts das Kaufmannsgewölbe haben die schwerfälligen Vordächer verloren. Nicht minder interessant ist rechts das Haus Nr. 433 (neu Kleeblattgasse 9) mit dem Schild „zum grossen steinernen Kleeblatt“. Man sah in einer Nische ein aus Stein gehauenes Kleeblatt und ober demselben Maria mit dem Jesukinde unter einem Baldachin und zwischen den Fenstern des dritten Stockwerkes eine Sonnenuhr angebracht. Die Gewölbe waren mit weit vorragenden Dachschildern versehen. Dieses Haus wurde im Jahre 1836 mit den beiden anstos- Das Schönbrunnerhaus. Der Österreichische Kunstverein. — Der „lange Keller“. 623 Fig. 253. Das Schönbrunnerhaus in den Tuchlauben aus der Zeit von 1730. jjpk : jr; ■ iSMv:. *9n. Jteuiula. ~)Sptctu.f iSXjttiu* mfiit tubernoß patuuir-iüj. \-Äui- fsictitlrtnuz, CnAartn. pni-äe*jiula. tPn-ittrurn tfaM.it in. guu, tShfdJu'n. OZ.&ncolais Der „lange Keller“, später der Hochholzerhof Nr. 426 (neu Tuchlauben 5). Schon 1334 war dieses Haus als der „lange Keller“ bekannt. Im Jahre 1403 gehörte es dem uralten Wiener Geschlechte der Zirngast und hiess der Hochholzerhof. senden Häusern Nr. 436 und 437 vom Schneidermeister Josef Gunkel angekauft und 1838 in das heutige imposante vierstöckige Gebäude Tuchlauben Nr. 11 zusammengebaut. Ebenso interessant ist auch das aut der linken Seite vis-a-vis befindliche Haus Nr. SGI (neu 10), welches links im Bilde an dem grossen Bierzeiger erkennbar ist. Es führte das sonderbare Hausschild „zum Kühfuss“, und in einer Steintafel auf rothem Salzburger Marmor las man den seltsam salbungsvollen Mahnruf: „O Mensch, thue Buss’, Denn hier ist der Kühfuss.“ Dem Namen Kühfuss, der noch heute existirt, scheint eine • Anspielung auf das nahegelegene Milchgässchen zu Grunde zu liegen, weil hier einst viele Kühe für den Milchverschleiss untergebracht waren. Rechts im Bilde sehen wir die ehemalige Sp änglergasse und schon einige Häuser des anstossenden Kohlmarktes und links das ebengenannte Milchgässchen. Bemerkt sei noch, dass sich das Schönbrunnerhaus einer grossen geschichtlichen Vergangenheit erfreut. Noch auf Hirsch, vogl’s Perspectivplan wird es als das „alte Zeughaus der gemeinen Stadt Wien“ angeführt; später 1698 kam es in den gräflich Wagensperg’schen Besitz und 1708 an Wiesend von Wiesenburg. Zu Zeiten Kaiser Leopolds I. befand sich hier im ersten Stockwerke eine kurze Zeit lang die Akademie der bildenden Künste, und in jüngster Zeit wurde derOester- reichische Kunstverein hier untergebracht. Auch die Entstehungsgeschichte dieses Vereines ist eben so interessant als lehrreich. Im Jahre 1830 bildete sich nämlich ein Verein von einsichtsvollen kunststrebenden Männern, welche sich die Beförderung der Malerei durch Ankauf und Vervielfältigung von Bildern hervorragender Wiener Künstler zur Aufgabe machten. Sie wirkten nicht blos materiell nützlich, sondern zugleich auch geistig anregend. Besonders der zweite Punkt: „Der Ankauf ausgezeichneter Gemälde zum Behufe der Vervielfältigung durch den Stich“ verschaffte ihnen zahlreiche Anhänger und Freunde. Sie arrangirten nebstbei auch alljährlich Ausstellungen in der St. Anna-Akademie in der Stadt oder im Polytechnikum auf der Wieden. Diese Expositionen wirkten wahrhaft befruchtend für die Kunst, denn Künstler und Publicum hatten hier Gelegenheit Manches zu 624 Das Schulterhaus. — Das Wintergässchen. — Das Ofenlochgässchen. fiff. 2Ö4. Steinfigur am „Winterhaus IM.n 1 ' r -sl!\ umwnhi* v'cy/A W . ■jmtiiiti * :k. - Die Tuchlauben sind reich an kleinen Seitengässchen, deren etymologische Namenserklärung nicht uninteressant ist. So hatte z. B. die links beim Eingang auf den Hohenmarkt gelegene Schultergasse ihren eigenen Entstehungsgrund, der zugleich auch den Namen rechtfertigt. Hier waren die Waffenschmiede und Verfertiger von Schildern sesshaft; sie verfertigten sehr zierliche Schilde, wie wir sie noch heute in den alten Sammlungen vorfinden. Man nannte sie „6($il6ner", von denen auch die Gasse „0<$Ut>ner=" und später „6dntltergii|7e" genannt wurde. Gegenüber dieser Gasse befindet sich das noch schmalere „IDintergäftd" (welches heute zur Landskrongasse gerechnet wird). Es hatte seinen Namen von dem sogenannten „Winterhaus“ Nr. 552 (neu Tuchlauben 26). An der Ecke dieses Hauses war eine, wie eine sub Figur 254 beifolgende Abbildung zeigt, hübsch ausgeführte Steinfigur angebracht, die sich noch vor Kurzem zwischen den Eckfenstern des ersten Stockwerks befand, von der auch das Gässchen seinen Namen hatte. *) Das Ofenlochgässchen, ehemals auch „(Öfenlufeil" genannt, befindet sich im Rücken der Häuser Nr. 437 (neu 11) und 438 (neu 13) und hat seinen Namen von den Schildern der Häuser Nr. 432 und 434, wovon ersteres „zum grossen“ lernen. Aber bald kam die Zeit, wo diese Ausstellungsräume nicht mehr genügten. Waldmüller fasste zuerst die Idee einen Künstlerverein zu gründen und verfasste die Statuten, stiess aber auf so mächtige Hindernisse, dass er alsbald diesen Gedanken wieder fallen liess. Endlich fasste der Kaufmann und Amateur R. Arthaber den Entschluss, die Waldmüller’sche Idee wieder vom Tode auferstehen zu lassen, ihr aber ein praktisches Mäntelchen umzuhängen, nämlich (im Verein mit van der Nü II und einigen andern Künstlern) den damals allmächtigen Civil- und Militärgouverneur Freiherrn von Welten zum Protector und Vorsprecher bei Hof zu machen, und so kam denn wirklich endlich der Österreichische Kunstverein zu Stande, und es ist für die damaligen Verhältnisse bezeichnend genug, dass der Verein nur stillschweigend geduldet wurde und er seine Statuten nicht öffentlich bekannt machen durfte, widrigenfalls er mit der sofortigen Auflösung bedroht war. (?) Anfänglich kam der Verein in die Herrengasse ins Traun’sche Haus (wo später die Börse hinkam) und erst nach sechs Jahren trat derselbe mit seinen Statuten hervor, wählte den kunstfreundlichen Grafen Waldstein zum Präses und R. Arthaber zum Geschäftsleiter, Baron Sacken, Artaria.Joh. Nep. Geiger, van der Nüll, Schotzberg, Hans Gasser, Selier de Moranville und Zülzer zu Verwaltungsräthen, die Künstler Anreiter, van Haanen, Schilcher und Michael St oll zu Stellvertretern, Hermann König aber zum Secretär, der die eigentliche Last des Geschäftes zu tragen hatte. Und nun erst übersiedelte er endlich in das jetzige Schönbrunnerhaus, wo seine Bemühungen gleich in den ersten Jahren vom besten Erfolge gekrönt wurden. Am glücklichsten und für die Kunst am belebendsten wirkte der Verein dadurch, dass er auch berühmte ausländische Gemälde ins Gebiet seiner Expositionen zu ziehen bemüht war. Einige dieser Bilder wirkten wahrhaft sensationell und bildeten bei Künstlern und Laien das Tagesgespräch der Residenz. So z. B. erinnere ich mich an das Bild von Paul Delaroche „Napoleon I. in Fontainebleau“. Dieses Bild allein (wer kennt es nicht?) brachte dem Vereine binnen vier Wochen bei nur 10 kr. Entree die Summe von 10.000 Gulden Conventinnsmünze ein. „Der Sturm“ von Calame, „Napoleons Zug über die Alpen“ von Delaroche, „Maria Antoinette vor ihren Richtern“ ebenfalls von demselben, dann „Graf Egmont“ und „Egmont und Hoorn“ von Louis Gallert — alle diese Bilder waren so einfach und doch so ergreifend. „Napoleon in Fontainebleau“ z. B., nur eine einzige Figur auf dem ganzen Bilde, noch dazu im Lehnstuhl sitzend, mit einem grauen einfachen Oberrocke angethan, das Gesicht vorgebeugt und blass, die beiden Hände über die Armlehne herabgesunken und nur spärliche Haarbüschel über den kahlen Scheitel nachlässig hinabhängend. Aber im Blicke und im Gesichte, in der ganzen Körperhaltung lag die furchtbare Gewalt, die das Bild auf den Beschauer übte. Mit wenigen flüchtigen Strichen empfanden wir hier den tiefergreifenden Schmerz der Situation, empfanden wir den bittern Ernst, das martervolle Gefühl der Resignation, das erschütternde Zusammenbrechen einer Welt von erträumten H'ffnungen. Mit einem Worte: die Hauptsache für den Verein war, dass der künstlerische und materielle Erfolg in gleichem Masse befriedigend sein sollte. Was nun nach dieser Zeit folgte, liegt ausser dem Programm dieses Werkes. *) Diese Figur wurde ihres hohen Alters wegen zum Wahrzeichen der Stadt und stellt einen Bauern in Winterkleidern mit Pelzhut und Mantel vor. Mancherlei Sagen und Auslegungen wurden bereits gemacht, um die Bedeutung dieser Tiefer Graben. 625 und letzteres „zum kleinen Ofenloch“ genannt wird. Heute hat sich dieser Gassenname in Kleeblattgasse verwandelt. Die Seitzergasse endlich erhielt ihre Benennung von dem alten Seitzer- hof Nr. 427, welcher auch „Mauerbacherhof“ genannt wurde. In diesem Hause befand sich bis zum Jahre 1837 Daums berühmter Seitzerkeller, ein Vergnügungs-Etablissement (ähnlich dem spätem Elysium), welches im Jahre 1838 sammt dem Hause niedergerissen wurde, an dessen Stelle im Jahre 1840 der heutige elegante „Bazar“ kam. ‘) LXXI. CAPITEL. Tiefer Graben. er Tiefe Graben hat seinen Namen von seiner natürlichen Lage, da er einst das Wasserbett des Ottakringer-, später Alserbaches war und im Gegensätze zur hohen Brücke hier wirklich einen tiefen Graben bildete. Das Wasser floss durch den sogenannten wc Sfu5er" (heutige Strauchgasse), und der Gemeinderath liess zum ewigen Andenken an diese Wasserstrasse eine Gedenktafel an dem Hause Nr. 1 (fürstlich Montenuovo'schen Palais) errichten, des Inhalts: „Bis zum Jahre 1456 floss durch diese Gasse und durch den Tiefen Graben der Alsbach der Donau zu.“ Die Physiognomie dieser Strasse war daher im Laufe der Zeiten sehr verschieden. Anfänglich standen, von der Freiung aus besehen, nur auf der rechten Seite der Strasse Häuser, während die linke einen hohen Steilrand bildete, der sich als natürliche Grenze der Stadt bis an die Donau fortzog, so dass Schottenkirche und Kloster noch ausser der Stadtgrenze lagen. Die Tiefen-Gra- benhäuser, sowie zum Theil jene der Färbergasse waren zumeist von Gärbern bewohnt, die ihrer Profession wegen des Wassers bedurften. Erst als später der Alsbach hier abgeleitet wurde und eine andere Richtung bekam, das alte Rinnsal wasserleer und ausgetrocknet war, baute man auch auf der linken Seite des Tiefen Grabens Häuser, und die Gasse bekam jetzt das Aussehen einer gewöhnlichen Strasse und veränderte seitdem nicht mehr ihre Gestalt. — Als älteste Ansicht des Tiefen Grabens mag hier sub Figur 255 beifolgendes Bild gelten.®) Figur zu erklären. Doch dürfte am wahrscheinlichsten die Figur selbst nichts Anderes als eine Anspielung auf die hier in der Nähe einst stehenden Fischer gewesen sein, denen befohlen war, auch trotz eisigster Winterkälte ihre Fische ohne Mantel und Kopfbedeckung zu verkaufen, um sie zu zwingen, sich beim Verkaufe der Fische zu beeilen, damit sie noch frisch und lebend, nicht aber abgestanden oder faulend in den Besitz der Käufer gelangten. *) Siehe: „Der Seitzerhof in Wien und der neue Umbau“ von F. C. Wiedemann mit einer historischen Ueber- sieht von J. G. Kaltenbäck in der „Wiener Zeitung“ vom 16. und 17. März 1840. Die historischen Daten Kaltenbäck's wurden in Schmidl’s „Oesterreichischen Blättern für Literatur und Kunst“ 1847, Seite 401 bis 402, abermals abgedruckt. *) Die Ansicht des Tiefen Grabens, gezeichnet von Salomon Kleiner und gestochen von J. G. Ringlin, aus der Zeit von 1724—1730, zeigt uns den Graben in seinem obern, der Freiung zugekehrten Theil. Rechts befinden sieh die Fleischbänke im Rücken des sogenannten „weissen Hasenhauses“ Nr. 323 und des „heiligen Geisthauses“ Nr. 236 (welches hier im Bilde rechts an der äussersten Grenze noch zum Theil zu sehen ist). Beide Häuser waren mit einem Schwiebbogen verbunden, und zwischen diesen beiden Häusern führte vom Heidenschuss aus eine schmale gemauerte Stiege von beiläufig 18—20 Stufen zu diesen Fleischbänken in den Tiefen Graben, ja es hatten selbst noch unter diesem Schwiebbogen einige Fleischhauer ihre Fleischbänke. Später, mit der Regulirung des Heidenschusses und dem Aufbau der neuen Creditanstalt wurde das „heiligen Geisthaus“ wegen Passage-Erweiterung gänzlich beseitigt, dagegen das „weisse Hasenhaus“ in die Creditanstalt mitverbaut. Das grosse Haus in der Mitte des Bildes führt heute die Nummer 8 und wurde einst das „Mercklein- haus“ genannt! Das Haus an der Ecke links ist das Haus Nr. 158 (Tiefer Graben 1), welches bereits umgebaut ist, und in welchem sich heute die Escomptebank befindet. 79 lHy. ‘255. Ansicht des Tiefen Grabens aus den Jahren 1724—1730. Ansicht des Tiefen Grabens. 'rriTm-mr v §8SBSjipaiB|gpM Ä --1 1 OHiSi M1B&' M lkmß ' fsstf! ' mm l • 1 pfpPpnffilnfp - 7ir# _ fjftfc -e iW MW) iliijmWfVii mm Ef^safl igfi röAfliflWf .., l; SS&ä rass? mimt «Sil 'ssp—^är aiäfii iBiliai—y SVi?«» mm* «Fsv UM m iinsü: iiniiü issj* Der Heidenschuss. — Das Lautenmacher-Haus. — Das Haus „zum heiligen Josef“. 627 Sämmtliche Häuser am Eingang der Freiung in den Tiefen Graben wurden einem vollständigen Umbau unterworfen, so im Jahre 1837 das Haus links Nr. J158 (neu 1) und im Jahre 1859 die Häusergruppe rechts Nr. 324, 325, 326, 327 und 328, welche heute das Tiefen-Grabenhaus Nr. 2 repräsentiren. ‘) Jener Strassentheil, der die Freiung mit dem Hof verbindet, wird „Heidenschuss“ genannt. Der Name datirt von einem •uralten steinernen Wahrzeichen, welches sich am Hause Nr. 237 befand und einen Türken (Heiden) darstellte, der reitend mit seinem Bogen einen Pfeil abschoss. Seine Gestalt ist hier siib j Figur 256 dargestellt. *) Das Lautenmacher-Haus Nr. 161 (neu 7). Dasselbe verdankt seinen Namen dem Andreas Perm, einem damals in Wien lebenden bekannten Musikinstrumentenmacher, der im Jahre 1700 dieses Haus ankaufte und daselbst auch sein Geschäft ausübte. Er verlegte sich vorzüglich auf die Erzeugung von Guitarren (Lauten), und ihm gebührt das Verdienst, dieses Musikinstrument in Wien eingebürgert zu haben. Zwischen den Häusern Nr. 167 (neu 19) und 168 (neu 23) befindet sich ein schmaler Stiegenaufgang zu der ziemlich hochgelegenen, oben in die Renngasse ausmündenden Wächtergasse; sie gehört zu den schmälsten Gassen der Stadt und verbindet den Tiefen Graben mit der Renngasse. Fig. 256. Das Heidenschuss-Steinbild. Das Haus „zum heiligen Josef“ Nr. 175 (neu 37) war ein interessantes althistorisches Haus. In demselben befand sich die Rumorwache, daher es auch von den Wienern das „Rumor^ oder genannt wurde. Die Rumorwache hatte besonders die Pflicht, bei jedem Strassenlärm (Rumor) Ordnung herzustellen. Im XVII. und XVIII. Jahrhundert nämlich war die Streitsucht der Leute auf offener Strasse sehr häufig, fast täglich traf man da die Leute in Raufhändeln. 3 ) Aber noch eine andere Merkwürdigkeit knüpft sich *) Dieses Haus ist Eigenthum der k. k. priv. österr. Creditanstalt für Handel und Uewerbe, und diese hat daselbst ihre Bureaux; es führt gegen den Hof zu die Hausnummer 6 und gegen den Heidenschuss die Nummer 2. s ) Die Zeichnung von E. Hütter nach der Natur zeigt uns bereits das neue Steinbild in moderner Gestalt, nämlich einen Türken, reitend, mit gezücktem Säbel, während der frühere Türke mit seinem Bogen einen Pfeil abschoss. Dem entsprechend wurde das alte Haus Nr. 236 auch „zum Heidenschuss“ oder in der alten Ausdrucksweise „TOO öer 'ßaiö fc^cuft" (schiesst) genannt. Als statt des alten Hauses ein Neubau (das fürstlich Montenuovo’sche Palais, Strauchgasse Nr. 1) aufgeführt wurde, kam auch ein neues Steinbild an die Stelle des alten, ln frühem Zeiten wurde dieser Strassentheil „am Siel" genannt, und nur das Haus Nr. 237 erhielt die Bezeichnung „zum Heidenschuss“. 3 ) Ein Augenzeuge aus dem Anfänge des XVIII. Jahrhunderts berichtet: Kein Tag vergeht bei uns in Wien, ohne dass das Volk unter sich, die Professionisten mit den Bürgern und die Handwerksburschen mit den Studenten Händel trieben, oder wenigstens so laut schrieen, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Aber weder den obrigkeitlichen Personen noch dem Publicum fiel es ein die Streitenden zu trennen. Das Publicum sah in der Regel den Raufenden gemüthlich zu, ohne zu erfahren, um was es sich handle. Mittlerweile versammelte sich gewöhnlich eine Menge von Zusehern, die sich alle die Affaire als eine Vergnügungssache mit ansahen, ohne jedoch die Streitenden im mindesten zu stören. Warteten sie aber noch ruhig eine Weile, so hatten sie in der Regel das Vergnügen zu sehen, wie sich die Excedenten wieder versöhnten, umarmten und Arm in Arm mitten durch die gaffende Menge seelenfroh dem nächsten Weinkeller zueillen, um sich bei einem Glas Wein die Grillen zu vertreiben. ■gMSBl m 79 * 628 Di« hohe Brücke. — Das Haus „zum Harnisch“. Fiff. 257. Die hohe Biücke im Tiefen Graben. Brücke) noch die Capelle mit den zwei Heiligenstatuen befand. ‘) an dieses Haus. Die in einer Nische ober dem Haus- thore befindliche, aus Holz geschnitzte Statuette stellte keineswegs den heiligen Josef dar, sondern in Wirklichkeit den Kaiser Josef II, und der Volkswitz gab dieser Statuette Heiligenschein und Faltenmantel und nannte das Haus „zum heiligen Josef“, obgleich die Gesichtsähnlichkeit des Kaisers nicht zu verkennen war. Das Haus „zum Harnisch“ Nr. 176 (neu 39). Im XV. und XVI. Jahrhundert befand sich hier urkundlich der sogenannte „Setlelfottfl", in welchem arbeitsscheue Vagabunden und Bettler mit Arrest belegt wurden. Im Jahre 1700 war es das Stadtkrankenhaus und in der Folge Eigenthum der Commune wurde aber bald wieder an Private verkauft. Der Untertheil des Tiefen Grabens, von der hohen Brücke bis zur Zeughausgasse, also von Haus Nr. 173 bis 176, wurde mit dem Namen „XlX ber (Bftätten“ (oder „Am Gestade“) bezeichnet, und noch heute heisst die schmale Gasse gegenüber dem Hause Nr. 176 (neu 39) Am Gestade zur Erinnerung an den ehemals hier vorbeifliessenden Donauarm. Der untere Theil des Tiefen Grabens zeichnet sich durch seinen pittoresken, Charakter aus. Das altersgraue, zwischen hohen Häusern eingepferchte Spitzbogenthor mit seinen moosbewachsenen Steinmauern und seiner breiten Durchsicht gibt dieser Gegend ein alterthümliches, romantisches Aussehen. Das Bild sub Figur 257 zeigt das Thor noch in seiner frühem Gestalt, als sich ober demselben (auf der hohen *) Das Bild ist von E. Hutter nach der Natur gezeichnet und zeigt uns dieses Thor von seiner gegen die Ereiung zugekehrten Front. Auf dieser Brücke liess Leopold I. 1704 die Statue des heiligen Johann von Nepomuk in der Mitte auf der der Freiung zugekehrten Brüstung erbauen und auf der andern Seite die Statue des heiligen Cajetan (auch in der Mitte der Brüstung). Als nun im Jahre 1782 Kaiser Josef das hier auf der hohen Brücke befindliche Kloster der Cajetaner (oder Theatiner) aufheben liess, wurde auch die Statue des heiligen Cajetan entfernt. Aber über die Statue des heiligen Johann von Nepomuk Hessen einige fromme und wohlhabende Wiener Bürger eine Capelle erbauen und zu jeder Seite der Capelle eine Statue aufstellen. Bei Gelegenheit einer jüngst vorgenommenen Strassenregulirung wurde diese Capelle sammt den beiden Seitenstatuen wieder entfernt. Zu bemerken ist noch, dass in früherer Zeit ein sehr steiler und gedeckter Stiegengang von der hohen Brücke in den Tiefen Graben führte. LXXII. CAPITEL. Universitätsplatz. er Universitätsplatz hat seinen Namen von der hier befindlichen Universität. Da diese Anstalt für die Bildung und Wohlfahrt der Stadt, ja des ganzen Reiches von jeher so hochwichtig war, so dürfte es nicht überflüssig sein, einige Bemerkungen über den mit derselben nothvvendig zusammenhängenden geistigen Entwicklungsgang folgen zu lassen. — Um die Zeit von 1358 bis 1364 existirte ausser der Bürgerschule zu St. Stefan, der Laienschule bei den Schotten,, einer lateinischen Schule bei den Michaelern und einer Bürgerschule vor dem Kärntnerthore urkundlich keine einzige Anstalt zur Bildung der Wiener Jugend des XIV. Jahrhunderts. Herzog Rudolf IV. beschloss daher eine Hochschule zu gründen. Er sah nach dem Beispiele seines Schwiegervaters, des luxemburgischen Kaisers Carl IV. (der die deutsche Universität zu Prag schon im Jahre 1348 gestiftet hatte), welch’ mächtigen Einfluss eine solche auf das geistige Leben eines Volkes übe, und welch' grosse politische Erfolge damit zu erzielen seien. Rudolf war ein scharfer Beobachter, eine grossartig angelegte Natur, die, von gutem Willen beseelt und vom nöthigen Ehrgeiz getrieben, nicht hinter dem Gewöhnlichen Zurückbleiben wollte. Er bemerkte, wie junge Leute aus allen Theilen Deutschlands, selbst aus Oesterreich, Ungarn und Polen herbeiströmten, um auf der Universität seines Schwiegervaters zu lernen, wie berühmte Gelehrte und Künstler sich dort einfanden, wodurch Handwerk und Zünfte Beschäftigung bekamen und selbst die Bürger materielle Vortheile zogen. Er liess also den Gelehrten Albert von Sachsen nach Wien berufen, weil dieser mit den Verhältnissen der Pariser Universität vertraut war, und suchte die Zustimmung des Papstes in Avignon zu seinem Werke zu gewinnen, denn damals war das theologische Studium der Hauptbestandteil der Universitätsbildung, der Schluss- und Ausgangspunkt alles menschlichen Wissens, daher keine Universität ohne päpstliche Einwilligung ins Leben gerufen werden konnte. Die Wiener Universität sollte (so lautete sein Wunsch) eine grossartige Schöpfung werden und Rom, Paris und Bologna sein Vorbild sein. Sie sollte Theologie, Medicin, Naturwissenschaft, Moral und die sieben Künste lehren. Zur bessern Bequemlichkeit der Studirenden widmete er derselben einen ganzen Stadttheil (eine Art Pariser Studentenviertel), die „Pfaffenstadt“ genannt, die er noch überdies mit einer Mauer abschliessen wollte. ’) Leider intriguirten die deutschen Reichsfürsten und an ihrer Spitze der eigene Schwiegervater, Kaiser Carl IV., gegen Rudolf und setzten alle Hebel bei Papst Urban V. in Avignon in Bewegung, um die ehrgeizigen Pläne Rudolfs zu durchkreuzen. So erhielt denn letzterer am 18. Juni 1365 zwar die päpstliche Bewilligung, jedoch mit der Einschränkung, dass das Studium der Theologie von der neuen Universität ausgeschlossen sei. Kaum war Rudolf in Kenntnis dieser päpstlichen Bulle, als ihn am 27. Juli 1365 ein heftiges Fieber, das er sich in Italien geholt, dahinraffte und die Früchte seines mühevollen Werkes nicht mehr erleben liess. ’) Dieser Stadttheil lag zwischen der Burg und dem Schottenthore, nahm die ganze Länge hinter der Herrengasse ein, und der Alsbach und eine Mauer hinter den Minoriten sollten die Grenze bilden, innerhalb welcher Schüler und Lehrer leben und Steuerfreiheit und noch andere Privilegien geniessen sollten. 630 Die Universität. Somit trat die neue Schöpfung unter den ungünstigsten Verhältnissen ins Leben, denn nicht genug, dass die Minderjährigkeit seiner Brüder Albrechts III. und Leopolds III. und ihre eigene Uneinigkeit jede Entwicklung hintanhielten, nicht genug, dass jetzt die Stände mancherlei Bedenken erhoben, machte jetzt noch überdies der Stadtrath mehrfache Einsprüche und hemmte schon im Vorhinein das Aufblühen dieser Anstalt. ‘) So fristete denn dieses Institut in den ersten zwanzig Jahren gin wahrhaft kümmerliches Schattenleben. Erst als Albrecht III. sich die Zustimmung des neuen Papstes Urban VI. in Rom wegen Errichtung auch einer theologischen Facultät zu erringen wusste und der päpstliche Stiftsbrief am 20. Februar 1384 in Wien anlangte, schritt er zur Reorganisirung der neuen Wiener Universität. Er erkaufte auf demselben Platze, den heute noch diese gelehrte Anstalt wie vor einem halben Jahrtausend einnimmt, drei weitläufige Gebäude gegenüber den Dominikanern, liess sie theils ganz neu umbauen, theils renoviren und nannte das Gebäude neues Universitätscollegium. Die Abbildung dieses ältesten Gebäudes der Wiener Universität hat sich in einem kostbaren Miniaturcodex der k. k. Hofbibliothek erhalten, von der hier sub Figur 258 eine Copie folgt. *) Für die Sicherheit der Universitätsangehörigen wurden besondere Vorkehrungen getroffen. Vor Allem wurden sämmtliche Universitätsangehörige nach Nationalität, Ländern und Völkerstämmen eingetheilt. “) Fig. 258. Ansicht der alten Universität. Fi(ß• 250. Das älteste Universitätssiegel. 5! : ii mm ili'nl I ’jm Um den übergrossen Einfluss der philosophischen (artistischen) Facultät zu brechen, wurden alle vier Facultäten, Theologie, Jus, Medicin und Philosophie, vollkommen gleichgestellt und jeder dieser Facultäten ein Decan vorgesetzt. Um ferner den Privilegien der Hochschule einen bleibenden Werth zu verleihen, wurde bestimmt, dass alle amtlichen Entscheidungen mit dem grossen Universitätssiegel versehen werden müssten. Rudolf IV. liess dieses Siegel anfertigen und *) Der Stadtrath und die Stände machten dahin ihre Einwendungen, dass durch das Abschlüssen der Studenten jede Controle unmöglich sei, dass durch den Wegfall der Theologie sich das Institut auf die Länge der Zeit unmöglich als lebensfähig bewähren könne, und dass daher die Unsummen, welche dieses Werk verschlinge, rein zum Fenster hinausgeworfen seien. l ) Die Abbildung des sogenannten ältesten Wiener Universitätscollegiums zeigt uns im Bilde eine Reihe von drei Häusern, die zusammen einen Baucomplex bilden. Das Aeussere lässt den Baustyl des XIV. Jahrhunderts wohl deutlich erkennen; die links sitzende weibliche Gestalt dürfte als allegorische Figur zu nehmen sein, die „Gottesgelehrtheit“, als Genius der theologischen Studien. 3 ) So gab es eine österreichische, rheinische, ungarische und sächsische Nation. Die Universität. 631 es in der Sacristei bei St. Stefan in einem sechsfach verschlossenen Schrank aufbewahren. Dieses kostbare Siegel hat sich bis heute noch erhalten und folgt sub Figur 259 in genauer Copie bei. *) Die Fürsorge des Landesfürsten hatte für das Emporblühen der Wissenschaft selbst die besten Folgen. Zahlreiche Männer des Gelehrtenstandes eilten jetzt nach Wien, um nützliche Kenntnisse und allgemeine Bildung zu verbreiten; 5- bis 6000 Studenten fanden sich hier ein, die eine reiche Quelle des Erwerbes und Wohlstandes der Bürger bildeten. In der Mitte des XV. Jahrhunderts steigerte sich die Frequenz so sehr, dass schon zur Zeit Friedrichs IV. zwischen 1450 bis 1460 mehr als 6- bis 8000 Studenten jährlich notorisch hier anwesend waren. Die Ursache dieses gewaltigen Zuströmens hatte aber damals auch einen politischen Hintergrund: durch den damals in Prag plötzlich erwachten Nationalgeist nämlich und den durch die Hussitenlehre noch glühender entflammten Hass gegen die Deutschen waren die deutschen Studenten genöthigt Prag zu verlassen und Wien als Zufluchtsstätte aufzusuchen. Unter Ferdinand II. wurde den Jesuiten die Auszeichnung zu Theil, sämmtliche Facultäten (mit Ausnahme der juridischen und medicinischen) gänzlich ihrer Leitung anvertraut zu erhalten, und es wurde zwischen ihnen und der Universität ein eigener Vertrag zu Stande gebracht, den Ferdinand II. am 9. August 1623 bestätigte, den man „Sancta pragmatica“ nannte. 5 ) Diese von den Jesuiten übernommene vertragsmässige Verpflichtung von Um- und Neubauten verursachte eine vollständige Umgestaltung des frühem Universitätsplatzes und seiner Umgebung. * * 3 ) Diese Umgestaltung begann im Sommer 1623 damit, dass die Riemerstrasse an der Ecke der heutigen Wollzeile bei der Heidenburse Nr. 757 (neu Bäckerstrasse 28) neben dem Hause Nr. 783 (neue Wollzeile 25) abgeschlossen wurde, so dass noch gegenwärtig eine „Sackgasse“ gegenüber der Riemerstrasse zwischen den Häusern Nr. 783 (neu Wollzeile 27) und Nr. 784 (neu Wollzeile 29) zu sehen ist. Im selben Jahre wurde auch eine überwölbte Durchfahrt von der Wollzeile gegen die Universität hergestellt, welche noch heute besteht. Im Jahre 1624 wurde zum Aufbau des Jesuiten- >) Dieses Siegel ist für die Kunst sehr beachtenswerth, da es wie die meisten derartigen Arbeiten des XIV. Jahrhunderts an Technik der Ausführung und Correctheit der Zeichnung ein Muster der Siegelsehneidekunst ist, das heute noch unübertroffen dasteht. Dasselbe ist im Durchmesser 2 Zoll und 5 Linien gross und zeigt über die ganze Siegelfläche ein reich verziertes, architektonisch schön aufgebautes Fronton, an dessen oberer Abtheilung Maria mit dem Kinde, zu beiden Seiten von Engeln umgeben, in der untern aber ein Lehrer mit seinen Schülern und zu beiden Seiten Männer, welche den Kreuz- und Bindenschiid halten, abgebildet sind. Die Umschrift lautet: „S. Universitatis Doctor V Magistror v et Scolariu Wuenna.“ ! ) Dieser Vergleich bestand in folgenden Hauptpunkten: 1. Entsagten die Jesuiten für immer dem „Rectorate“ und versprachen, auf die Wahl nie einen Einfluss üben zu wollen und nichts zu thun, was der Würde des Rectors, Kanzlers oder der Decane schädigen könnte, und 2. haben sie die griechische, lateinische und hebräische Sprache, dann die Philosophie und Theologie öffentlich zu lehren; 3. wird ihrer Obsorge die Bibliothek, das Universitätscollegium, die Bursen und alle andern Gebäude (mit Ausnahme der juridischen und medicinischen Gymnasien) zu dem Zwecke anvertraut, dass sie sich hieraus ein Collegium, die Kirche und ein Seminarium erbauen, dagegen der Universität ein anderes Haus für Consistorium, Archiv und Kanzlei einräumen sollen, endlich 4. werden den Jesuiten die Stipendien und Stiftungen Für das Seminarium gänzlich überlassen. 3 ) Interessant ist die Darstellung, wie der alte Universitätsplatz vor den Umbauten durch die Jesuiten aussah; Die Riemerstrasse führte früher in gerader Linie bis zum heutigen alten Fleischmarkt, und zu beiden Seiten dieser Gasse befanden sich links die die UniKrUtdtSÜberep und die iSrÜtfdtbUrte, rechts das Haus „zum rothen Kreutz“, die sogenannte Aula Universitatis und das Universitätscollegium. Damals waren die beiden Bäckerstrassen (die obere und die untere) bis zur Riemerstrasse verlängert, d, h. sie mündeten (zu beiden Seiten der Liberey) in die Riemerstrasse ein. In der untern Bäckerstrasse (heute Sonnenfelsgasse) befand sich die Cammbltrie, und am sogenannten Predigersteig (heute Postgasse) der Pebelbäarjer und das pertnanßift. Ein verlässliches Bild gibt uns Hufnagels Vogelperspectivplan über die frühere Configuration des Universitätsplatzes und seiner Umgebung aus jener Zeit, als die Jesuiten Kirche, Seminarium und Collegium noch nicht erbaut hatten. 632 Ansicht des Universitätsplatzes. collegiums und der Kirche geschritten. ') Endlich wurde durch Demolirung des Hauses Nr. 671 (neu Postgasse 5) eine Strasse gegen das Dominikanerkloster eröffnet, somit in der Verlängerung der obern Häckerstrasse eine neue Gasse gebildet. Durch alle diese Umbauten blieb der Universitätsplatz, mit Ausnahme weniger Abänderungen, von 1624 bis 1754 unverändert. Zum Schlüsse folgt hier snb Figur 260 eine interessante Ansicht, welche uns den Platz aus jener Zeit versinnlicht, als das neue Universitätsgebäude hier noch nicht erbaut war. 5 ) TEEÜffljS t ; m&B k^Ac*d»|^»Call«piai Ajr Soe: G&# .«iW. Corrat.Ct'Sall^a. , 1» • Säsfe.' itpfes- , 0 ®! STESSCr«: MCBRÜg» mm* Fiff» 260. Der Universitätsplatz mit der Universitäts- oder Jesuitenkirche vor dem J.ahre 1754. *) Um das Jesuitencollegium erbauen zu können, mussten vorerst jene Häuser Nr. 756 D und 756 £ angekauft und niedergerissen werden, die sich zwischen der obern und untern Bäckerstrasse befanden; für den Aufbau der Kirche erkaufte man fünf Häuser, durch deren Niederreissen so viel Raum gewonnen wurde, dass für den Universitätsplatz ein genügender Flächenraum erspart werden konnte und noch eine unverbaute Stelle übrig blieb, um ein Verbindungsgässchen zwischen dem Universitätsplatz und der Schönlaterngasse herzustellen, das zur Erinnerung an seine Gründer „ Jesuitengässchen“ genannt wurde. Noch im Jahre 1624 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und dieselbe im Jahre 1631 feierlichst eingeweiht. *) Das Bild, von Salomon Kleiner gezeichnet und von A. J. Corvinus gestochen, zeigt uns rechts neben dem Schsviebbogen das akademische Collegium der Jesuiten, das Kaiser Franz 1. später in ein Convict verwandelte, und links das Collalti’sche Gebäude, an dessen Stelle (wiewohl etwas mehr nach rückwärts) die neue Universität Maria Theresia’s zu stehen kam, in der Mitte aber die Kirche selbst, die damals „^U feen untern Jefuiteit" hiess und bisher noch keine Aen- derung erlitt. LXXIII. CAPITEL. Wollzeile. ie Wollzeile (ursprünglich IDöllfirajje) gehört zu den ältesten Strassen der Stadt und ihr Name zu den ältesten Ortsbezeichnungen derselben. Schon in den Schottenstiftsbriefen von 1158 wird sie als Linea cannarmn genannt und war der Hauptsitz der zahlreichen Wollhändler, denen die Strasse noch heute ihren Namen verdankt. Sie war auch der Sitz der fremden Handelsleute aus Regensburg, die Heinrich Jasomirgott hieherberief. Ueberhaupt ist sie als eine von Jaso- mirgott gegründete Vorstadt zu betrachten, die vor der zweiten Stadterweiterung (also vor 1177) noch ausser der Stadtmauer lag und die Hauptverkehrstrasse nach Ungarn bildete. Wie man aus dem Stadtplan Wolmuet’s vom Jahre 1547 entnehmen kann, scheint die Wollzeile einst bis zum Ufer der Wien gegangen und von der Stadtmauer durchschnitten worden zu sein. Die Häuser ausser dieser Stadtmauer führten im Grundbuche die topographische Bezeichnung: „Vor dem Stubenthor“ Diese Strasse enthält eine reiche Fülle althistorisch interessanter Häuser. Der alte „Ladererhof“ Nr. 771 (neu 1) kommt in den ältesten Grundbüchern als Besitzthum des Seyfried Christof Grafen von Breuner vor und wurde um 1441 noch der „Caberer*" oder „£eber(>of" genannt. Im Jahre 1770 wurde er von der berühmten Dorothea Gräfin von Rabutin (eine geborne Herzogin von Holstein) erkauft, die dieses Haus durch ihre eleganten Soireen, die sie allwöchentlich zweimal gab, zu einer Celebrität der Stadt machte. Sie selbst glänzte durch Geist und Vermögen, und bei ihr versammelte sich Alles, was durch Geburt oder Stellung ausgezeichnet war. Am meisten aber beherrschte sie die hohe Gesellschaft durch ihren feinen Geschmack; sie war Tonangeberin in der Mode. Man trug Kleider a la Rabutin, Kopfputz a la Rabutin. Auch Prinz Eugen und seine Freundinnen Eleonora Gräfin Batthyany und Maria Anna Gräfin Althan (die spanische Althan genannt) nebst vielen andern hohen Cavalieren, Gelehrten und Künstlern fanden sich bei ihr ein. Von ihr sprachen alle E'remden, wenn sie nach Wien auf Besuch kamen, auch Lady Mon- tague erwähnt ihrer in ihren Briefen von 1716. *) Nach dem Tode dieser merkwürdigen Frau (sie starb am 18. Juli 1725 hier im Hause im achtzigsten Lebensjahre) kam Ferdinand Graf Kinsky durch Kauf in den Besitz. Das Haus wurde 1847 abgebrochen und 1848 von Grund aus von Georg Freiherrn von Sina erbaut. Gegenwärtig ist es Eigenthum der Jeanne F'ürstin von Maurocordato. ‘) Sie sagt: „Der Umgang ist ein ganz ungezwungener; Madame Rabutin, eine Dame von bestem Ton, spricht mit Niemandem insbesondere, sondern mit Allen gleichmässig, erwidert auch die Besuche nicht. Und wer nur will, mag sie ansprechen, ohne erst förmlich vorgestellt zu werden. Die Gesellschaft wird mit Chocolade, Eis, Confituren und sonstiger kalter Küche bewirthet. Dann vertheilt sie sich zum L’hombre, Piquet oder zur mündlichen Conversation.“ Man sieht, dass bei der Gräfin trotz jener ceremoniösen Zeit doch die feinste Ungezwungenheit und die eleganteste Legerität herrschte. 80 634 Der „Schmeckender wurm-Hof“. — Der Dominikanerkeller. Der „Schmeckenderwurm-Hof“ Nr. 772 (neu 5). Dieses Haus hiess schon zu Anfang des XVIII. Jahrhunderts lDurttt()0f" wie noch heute und verdankt der Sage nach einem Liebesabenteuer seinen etwas sonderbaren Namen. ‘) Die alte Taverne Nr. 778 (neu 17). Dieses Haus reicht mit seinen hochinteressanten Erinnerungen bis ins XIV. Jahrhundert zurück. Damals stand an dieser Stelle die altberühmte laffetnc oder (EahCttte, in welcher der Stadtrath fremde Weine ausschenkte. 2 ) Das De Pauli’sche Stiftshaus Nr. 782 (neu 25). Hier stand einst die alte „heijöcnburfe". Schon im Jahre 1484 war dies Haus die Universitätsstiftung von Paulus Wann von Kennrat, Doctor der Theologie und Canonicus von St. Stefan, gestiftet und nach ihm die „Paulltsburfe" genannt. Später wurde sie von den Jesuiten in ein Seminar umgewandelt. Nach Aufhebung dieses Ordens kam das Haus durch Kauf an Ignaz Leopold de Pauli von Enzebiihl und wurde zum Stiftshause dieser Familie erhoben. Gegenwärtig wird es von der niederösterreichischen Statthalterei administrirt. Der Dominikanerkeller Nr. 669 (neu 37) bildete einst die Ecke gegen die Dominikanerbastei und zeigt sich noch heute in seiner alterthüm- lichen Gestalt. Das Haus verräth deutlich den Baustyl des XVI. Jahrhunderts. Im ersten Türkenkriege (1529) war es den feindlichen Geschützen besonders ausgesetzt, wurde fast gänzlich zerstört und von Ferdinand I. 1530 nothdürftig renovirt, aber in der Zeit von 1631 bis 1633 ist es von Ferdinand 11. vollständig neu in der heutigen Gestalt umgebaut worden. *) Einer alten Wiener Sage nach befand sich hier im Hause im Jahre 1700 ein Materialist Namens Thomas Rächers. Sein Kaufmannsgewölbe war (wie damals üblich) mit allerlei überseeischen Producten und Thierarten ausgeschmückt. So hing auch über seinem Gewölbe ein lebensgrosses Krokodil von Eisenblech, ober der Thür aufgehängt, das noch vor 30 Jahren hier zu sehen war, und das bis zu den Fenstern des ersten Stockwerkes reichte, ln diesem ersten Stocke lebte um jene Zeit eine Waise Namens Salome Schmidthuber, ein bildschönes blondgelocktes Mädchen, welches oft am Fenster sass und die Mandoline spielte. Ein Student war für ihre Reize nicht unempfindlich, passirte ihr zu Liebe gar oft die Strasse auf und ab und drückte durch Zeichen seine glühende Verehrung aus, leider aber ohne Erfolg. Endlich verfiel er auf den Gedanken, Nachts vor dem Geburtstage der Holden einen prächtigen Blumenstrauss als Dolmetsch der Liebe in den Rachen des blechernen Ungeheuers zu stecken, so dass die Leute mehrere Tage hindurch das Schauspiel vor Augen hatten zu sehen, wie der Wurm an der Blume riecht oder, wie die Wiener sagen (durch unbegreifliche Verwechslung des Geruchs- mit dem Geschmackssinne), „schmeckt“. Der Bruder Studio wurde von seinen Collegen ausgelacht, und zur Erinnerung blieb das Haus fortan „zum schmeckenden Wurm“ genannt. Die verschmähte Studentenliebe hatte sich aber an dem Mädchen bitter gerächt, sie starb nämlich in dem Hause ihrer ehemaligen Triumphe als alte Jungfrau am 13. October 1732 im 52. Lebensjahre. Damals gehörte das Haus den Martin Dattenrieder’schen Erben, und der Ausdruck „zum schmeckenden Wurm“ wurde so populär, dass der Hausherr auch ein gleiches Schild auf sein Haus machen liess und der Name des Schildes auch im Grundbuche eingetragen wurde. *) Es war dies ein ausserordentliches Vorrecht (Privilegium), dessen sich nur der Stadtrath allein zu erfreuen hatte und nach dem alten Stadtrechte darin bestand, ausländische Weine ausschenken zu dürfen. Auf Grund dieses Privilegiums war dem Stadtrathe das Recht eingeräumt, Malvasier, Sect, Muscat, Rayfal, ungarische und italienische Weine, auch sonstige Süss- und Kräuterweine oder Osterweine (so genannt, weil man sie zu Ostern einzukaufen pflegte) zu halten und sie in kleinen Gefassen über die Gasse auszuzapfen (auszuschenken). Die beiden Tavernen, in welchen man allein solche Weine haben konnte, waren das Haus in der Wollzeile Nr. 778 (neu 17), „die alte Taverne“ genannt, und das Haus in der obern Bäckerstrasse Nr. 761 (neu Bäckerstrasse 20), das mit seinem rückwärtigen Theile bis in das obige Haus in der Wollzeile zurückreichte und mit diesem einen einzigen Baucomplex bildete, ln diesen beiden Tavernen übte der Stadtrath dieses Recht von 1367 bis 1571 aus, wurde aber von den Bürgern hierwegen so vielseitig beneidet und belästigt, dass er endlich auf dieses widerwärtige Vorrecht verzichtete und selbes an einzelne Bürger weiterverlieh. Das Haus in der Wollzeile aber wurde noch lange nachher im Volksmunde „die alte Taverne“ geheissen und behielt diesen Namen auch im Grundbuche bis 1798 bei. Gegenwärtig ist Gustav Baron Heine der Besitzer des Hauses, und es befindet sich hier die Redaction des „Fremdenblatts“. Der alte „Mädlspergerhof“. — Das Link’sche Haus. — Das erste Wiener Dampfbad. 635 Der alte Mädlspergerhof Nr. 863 (neu 12) hat seine Benennung von einem frühem gleichnamigen Besitzer aus tlem XVII. Jahrhundert. In den Grundbüchern von 1776 kommt er auch unter der Bezeichnung „Madelspurgerhof“ vor, später (1770) kam er durch Kauf in den Besitz des Josef von Lebzeltern, dessen Familie es im Jahre 1806 an Adalbert Edeln von Henikstein verkaufte. Derselbe liess 1812 das Haus in seiner heutigen Gestalt umbauen, und noch gegenwärtig befindet sich seine Porträtbüste am Brunnen im Hofe. Es ist ein Durchhaus in die Schulerstrasse, wo es die Nummer 7 führt. Die gegenwärtige Besitzerin ist Eugenie von Conrad. Das General-Erbpostmeister-Haus des Fürsten Paar Nr. 792 (neu 30). Seit alten Zeiten befand sich das Wiener Postamt unter der Direction des Erb-Laud- postmeisters hier im Hause, welche Würde seit 1570 dem damaligen Reichsgrafen von Paar durch Kaiser Rudolf II. verliehen wurde, und in diesem Hause fort erblich verblieb. Die Familie wurde in den Fürstenstand erhoben, und der jeweilige General-Erbpostmeister war auch zugleich der Besitzer dieses Hauses. Es wurde auf der einstigen Stätte des Jacoberklosters erbaut, und seine alterthümliche Bauart, die beiden hohen, imposanten Portale, die zierlichen Balcongitter vor den Fenstern des ersten Stockwerks, die breiten Stiegenaufgänge, die beiden grossen kaiserlichen Adler in Stein gehauen, zeugen vom Geschmack des XVII. Jahrhunderts. SifdL Baby 15 Das Linck’sche Haus Nr. 857 (neu 24) hat seinen Namen von dem Hauseigenthümer Johann Georg Linck, Stadtguardia-Lieutenant, welcher im Jahre 1700 Besitzer dieses Hauses war. Eine besondere culturhistorische Merkwürdigkeit knüpft sich an dieses Haus. Hier wurde im Jahre 1818 das erste Dampfbad errichtet. Aber trotz der heilsamen Wirkung, welche das cAfiis. Dampfbad allgemein übte, machten die vorlauten Wiener dennoch dieses Unternehmen zurZielscheibe ihres Witzes und ihrer so eigen- thümlichen Spottsucht, die am liebsten bei den Gegenständen verweilt, die am wenigsten verstanden werden. Das Dampfbad machte also grosses Aufsehen und erfreute sich des grössten Zuspruchs, aber auch der ärgsten Bekrittlung. Ein Bild aus dem Jahre 1818 sub Figur 201 zeigt uns das Innere dieser Badestube und die primitive Anwendung des Dampfes in Gestalt eines sogenannten „Schwitzkastens“. *) i BfcX&R-.* gfSH; AHHf* ftfie6 tinniöup, tags uni ct fulcjic ftttimrag |afr i auf itrSfeft g'fpuri», iaf t glaub, in'n Scfnpefftaft'tt. warnt t fcmgrr als ao bis 30 OTumfn aufs erficmaljf, fiäcS Arttttt bUiStt iarftt, Fiff. 261. Wiens erstes Dampfbad in der Wollzeile. *) Das Bild ist den „Eipeldauer Briefen“, und zwar dem Jahrgange 1818, pag. 38 entnommen. Die „Eipeldauer- Briefe“ waren gleich die ersten, die sich über das Dampfbad lustig machten. Der dem Bilde unten beigegebene Text ist eine jener scherzweisen Anspielungen, wie sie damals üblich waren und wobei das Lächerliche der Situation hervorgehoben werden sollte. 80 Ansicht der Wollzeile, 1 •' -J! MW EGsJj l '9AÄ '-«SSli. W- w w*- • Lgä»** * ’iffiii :$fö fegU fe .K*Äli**!*. - tKStuisg:^ «S5S- j? W» SP»%Jfjj^SJ|»Jpj .- « t iaaawg >n, **■■*■' Ir «Iffffff/^ &ss*SeI &ng W3E=S r3£:i^a iiSEs ssiiEa .tBteJSäcjj S:tt£M 213 ^ a yj > < i;i üteSj I V,: i r -i Das Haus „zum goldenen Radel“. — Wipplingerstrasse. — Das Rathhaus. 637 Das Haus „zum goldenen Radel“ Nr. 789 (neu 36 oder Stubenbastei 2). Der Name „3um gulöenm Kabel" wird mit einer Sage des Mathias Corvinus in Verbindung gebracht, die sich aber durch keinerlei Urkunden bestätigt. In Wirklichkeit aber hat dieses Häuschen seine Benennung von dem Schilde eines hier sehr beliebten Wirthshauses „zum goldenen Radel“, welches seit 1700 grundbücherlich unter diesem Namen erscheint. Bis zur Zeit der letzten Stadterweiterung stand knapp vor diesem Eckhause die Mauer der Dominikanerbastei mit dem Stubenthor und sperrte so die Wollzeile von der Vorstadt ab, indem sie in gerader Linie über die Wollzeile beim Dominikanerkeller Nr. 669 vorbei sich bis zur Biberbastei erstreckte. Ein altes Bild mit der Aussicht von der Stubenbastei auf die Wollzeile folgt hier sub Figur 262 bei. *) Schliesslich ist noch als Seitengasse der Wollzeile die alte Riemerstrasse zu erwähnen, die ihren Namen ursprünglich von den Riemenmachern oder Riemern erhielt, weil diese hier sesshaft waren, was schon aus den ältesten Häuserverzeichnissen deutlich hervorgeht, denn in diesen war die Strasse schon im XVI. Jahrhundert „Kuf bcr Mlben" oder „Unter ben Xiemern" genannt. LXXIV. CAPITEL. Inhalts: „ erweiterte Gebäuden Wipplingerstrasse. l ie Wipplingerstrasse hiess in frühem Zeiten „unter ben IDilbtnertem", von den einst hier sesshaft gewesenen Pelzhändlern (IPilbmerter) so genannt. Sie erstreckte sich in den ältesten Zeiten vom Hohen Markt bis zur Hohen Brücke an das Haus Nr. 353 (neu 27), denn hier stand einstens ein Festungsthor, welches die innere Stadt von den Vororten trennte. Zur Erinnerung an diese wichtige Grenze errichtete der Stadtmagistrat im Jahre 1868 an dem obigen Hause eine Gedenktafel des Hier stand zur Zeit der Babenberger ein Stadtthor.“ Unter den ersten Habsburgern sich diese Strasse bereits abwärts gegen die heutige Renngasse. — Von den wichtigsten sind hier zu nennen: Das Rathhaus Nr. 385 (neu 8). Dasselbe nahm noch bis zum Jahre 1455 einen sehr kleinen, bescheidenen Raum in Anspruch, vergrösserte sich aber von dieser Zeit an durch Ankauf von umliegenden Gebäuden immer mehr und mehr, bis es bereits im Jahre 1700 aus folgenden Bauobjecten bestand : Das alte Rathhaus Nr. 417 selbst, welches mit seinen ältesten Theilen gegen die Salvatorgasse zugekehrt ist, wo noch heute einzelne Spitzbogenfenster und einzelne Wandrippen von dem frühem Bestände dieses Baues zeugen; dann der Pfarrhof und das Beneficiatenhaus von St. Salvator (Nr. 418) und noch dazu einige mit zusammengebaute Privatgebäude. Im Jahre 1780 kam noch das Haus Nr. 415 hinzu, welches man das „Goldene Muschel-Haus“ nannte, das noch bis 1775 kaiserliches Privat- ') Das Bild, von Salomon Kleiner gezeichnet und von A. J. Corvinus gestochen, gestattet von der Stuben- thorbastei einen Ausblick in den untern Theil der Wollzeile. An der äussersten Seite des Bildes erhebt sieh der Dominikanerkeller (Nr. 669) und links das obige Radelhaus (Nr. 789). Die im Vordergründe sich fortziehende Ziegelmauer ist die Brüstung der Stubenbastei, und das links an diese Mauer angebaute kleine Häuschen (Nr. 788) gehörte zum ehemaligen Jacoberkloster und wurde seit dem Jahre 1775 als Militärwachstube benützt. Mit dem Wegfall der Basteimauer wurde auch dieses Gebäude cassirt. Ganz im Hintergründe links erhebt sich die Carlskirche und hinter den letzten Häusern der Wollzeile der Stefansthurm. Das stattliche grosse Haus links mit den zwei hohen Einfahrtsthoren ist das fürstlich Paar'sehe Palais. 638 Das Rathhaus. eigenthuni war und im Jahre 1780 abgebrochen und noch im selben Jahre zum Rathhaus eingebaut wurde. In der Zeit von 1822—1840 wurde endlich das Rathhausgebäude durch weitere Zubauten so weit vergrössert, dass es den jetzigen Umfang erreichte. Eine Abbildung Hub Figur 203 zeigt uns das Rathhaus aus der Zeit von 1724—1730.') Fig. 2ß3. Das Rathhaus in der Wipplingerstrasse. aaiftjiajR»» TVofpect ^: 'Spettftut RIjf, (?l§sXCJE/ ui ffatea '''Wif’iisujt 3 if* kJ p^ ') Das Bild, von Kleiner gezeichnet und von Corvinus gestochen, stellt die Hauptfront in der Wipplingerstrasse vor. ln der Mitte das Hauptthor, mit stark vortretenden Säulen, auf deren „Kämpfern“ allegorische Figuren stehen, versehen. Zwischen den Fenstern sind die Wandflächen von schwachen Pilastern unterbrochen und unter dem Dachgesimse schöne zopfige Ornamente und zwischen den dort vortretenden Verzierungen Porträtmedaillons in Ovalen angebracht. — Auch die innere Bauconstruction und die einzelnen Bauobjecte sind hier beachtenswerth. So z. B. die „alte Rathsstube“. Sie wurde im Jahre 1483 von Meister Lorenz erbaut; sie bildet einen quadratischen Raum, dessen Plafond aus vier quadratischen Gewölbfeldem mit besonders zierlicher Rippenstellung in Netzform besteht. Auch die sogenannte „alte Börgerstube“ ist ein viereckiger Raum, der mit vier einfachen Kreuzgewölben im Quadrat überdeckt ist. Die Gewölbe stützen sich in der Mitte der Stube auf einen viereckigen Pfeiler. Hier wurde am 31. April 1671 Graf Franz Nadasdy enthauptet. Ferner ist im Hofe des Rathhauses ein Brunnen mit einem kostbaren Basrelief aus weichem Metall („Andromache, von Perseus befreit“) angebracht. F.s ist eine Bildhauerarbeit von Raphael Donner von bedeutendem Kunstwerthe. Im ersten Stockwerk ist der Rathhaussaal, mit vorzüglichen Stückarbeiten und Fresken in den Feldern der Plafonds ausgeschmückt; die kostbaren Arbeiten wurden in den Jahren 1852 und 1853 restaurirt. In den Jahren 1851—1853 wurde im zweiten Stocke der Sitzungssaal des Gemeinderathes ganz neu gebaut, die Wände wurden mit künstlichem Marmor bedeckt und die Plafonddecke in reicher Plastik mit den Emblemen der Innungen, der Künste, der Industrie und des Handels ausgeführt. An den Längsseiten gegen die Wipplingerstrasse ist an der Stelle, wo das Präsidium seinen Platz einnimmt, eine architektonische Anordnung mit freistehenden lebensgrossen kostbaren Steinfiguren und schönen Steinreliefs von Hans Gasser, dann über dem Präsidentenstuhl eine vorzügliche Büste Kaiser Franz Josefs I. von Professor Bauer, endlich gegenüber dem Präsidium zu beiden Seiten der Zuschauertribüne sind zwei überlebensgrosse Zinkfiguren, die „Austria“ und die „Vindobona“ von Rammelmayer, angebracht, ln den Fenstern sind höchst schätzenswerthe gemalte Glasscheiben mit den Wappen der einzelnen Vorstädte von Geyling angebracht. Das Ministerium des Innern. 639 Die ehemals böhmische Hofkanzlei, heute k. k. Ministerium des Innern Nr. 384 (neu 11). Dieselbe wurde zuerst im Jahre 1717 aus vier Häusern nach Plänen Fischers von Erlach zusammengebaut und 1754 durch Maria Theresia vergrössert. Das Gebäude ist seiner Hauptfront nach gegen die Wipplingerstrasse gerichtet und gilt als eine der hervorragendsten Monumentalbauten des XVIII. Jahrhunderts. Eine Ansicht sub Figur 264 stellt uns den herrlichen Bau mit dem ganzen Zauber seiner architektonischen Schönheiten vor Augen, besonders ist es der Mittelbau des Palastes und das imposante Portal, welches gerechte Bewunderung verdient. 1 ) rslr f TTTfra II DECT ffiiüfn B-ofpect (Srospcclus CaNCELI.ARI^S: BOUEHICjE srjar Fig. 264. Ansicht der alten bühtn. Hofkanzlei, jetzt k. k. Ministerium des Innern in der Wipplingerstrasse. ‘) Das Bild, von Kleiner gezeichnet und von Corvinus gestochen, zeigt uns den Palast von Seite der Wipplingerstrasse in seiner ganzen wahrhaft majestätischen Pracht. Besonders der architektonische Aufbau des Mitteltheiles ist grossartig gedacht und künstlerisch ausgeführt. Zwischen dem Thoreingange sind auf beiden Seiten je zwei Atlanten auf Halbsäulen und ober dem Thore ist eine balconartige Terrasse angebracht, zu der aus dem Mittelsaale des ersten Stockwerks eine hohe Flügelthür den Zutritt gestattet, ober welcher das böhmische Landeswappen mit dem goldenen Löwen angebracht ist. Auf diesem Wappen ruht die böhmische Landeskrone, welche zu beiden Seiten von liegenden weiblichen überlebensgrossen Genien gehütet wird. Zwischen den Wandfenstern des Mittelbaues erheben sich vier hohe Säulen mit glatten Schäften und reichen Kronen. Am Fusse jeder Säule sind allegorische Figuren in Ueberlebensgrösse auf breiten Postamenten angebracht. Das letzte Stockwerk ist mit einem herrlichen Fries überbaut, auf dessen Spitze ein mächtiger Löwe ruht. An der Wandfläche des Frontispice breiten sich zwei Füllhörner in entgegengesetzter Richtung aus, aus deren Schooss Blumen und Früchte fallen. Eine schöndurchbrochene steinerne Gallerie umläuft das Dach, auf dem grosse Figuren postirt sind. Im Innern führt eine grossartige, mit Figuren reichgeschmückte Doppelstiege zu den Stockwerken, 640 Das Liebig’sche, Daukelmann’suhe, Pichler’sche und Theatiner-Kloster-Haus. Das Freiherr Liebig’sche Haus Nr. 386 (neu 6) bestand früher aus zwei Häusern, die aber im Jahre 1846 durch Pietro Galvagni in Eines zusammen- gebaut wurden. Bei Gelegenheit dieses Umbaues fand man während der Erdausgrabungen ein altrömisches Bad. Der Raum desselben war 16 Schuh im Quadrat und von vier starken Marmorsäulen umgeben. *) Das Baronin Dankelmann’sche Haus Nr. 363 (neu 10), gegenwärtig durch einen Neubau ersetzt, wurde im Jahre 1817 von der damaligen Hausbesitzerin Christina Gräfin von Sternberg in seiner frühem Gestalt erbaut. Eine abenteuerliche, aber für archäologische Studien interessante Geschichte knüpft sich an dieses Haus. 3 ) Das Pichler’sche Haus Nr. 355 (neu 20) gehörte im Jahre 1775 dem Gabriel Pichler, einem ältern Bruder des Regierungsrathes Andreas Eugen Pichler, welcher im Jahre 1796 die berühmte österreichische Schriftstellerin Caroline Gr ein er heiratete. 3 ) Am 29. October 1798 brach in diesem Hause (welches man damals das „StflbtanUHilt* Willis" nannte) ein Feuer aus, das während des herrschenden Sturmwindes gefährlich zu werden drohte und bereits die Nachbarhäuser ergriff. Es war dies die letzte grosse Feuersbrunst, die hier in dieser Gasse stattfand. Von den auf der entgegengesetzten Seite der Strasse befindlichen Häusern müssen besonders genannt werden: Das Haus „zum rothen Säbel“ Nr. 352 (neu 25). Es bildet eine Ecke in die Färbergasse und ist historisch merkwürdig, da sich hier seit ältester Zeit ein tiefer Weinkeller mit dem Schilde „zum rothen Säbel“ befindet. Dieses Schanklocal (im Volksmunde „Sabelkeller“ genannt) gehörte zu den beliebtesten Kellerschenken, an denen Wien noch im XVI11. Jahrhundert überreich war, und zu den wenigen, die noch heute bestehen, die aber ihren Glanz einbüssten und nur noch von der niedern Classe besucht werden, welche weder das Bedürfnis noch das Verständnis für Licht und Luft, für eine richtige Ventilation fühlt. Das ehemalige Theatiner-Klosterhaus, jetzt gräflich Tryangy’sche Palais Nr. 353 (neu 27). Hier standen noch im Jahre 1670 zwei kleine, unansehnliche Häuser, welche Christian August Herzog von Sachsen-Zeitz, nachmaliger Bischof von Raab, an sich kaufte, um die- *) Vide: Sclnuidl’s „Oesterr. Blätter für Literatur und Kunst“ vom II). November 1846 und 2. Uctober 1847. 2 ) Einem etwas abenteuerlichen Wiener Bürger. Namens Heinrich Schottauer, träumte es einst in einer Nacht (es war das Jahr 1493), dass sich im Keller dieses Hauses Nr. 363 ein giosser Schatz befinde. Er konnte diesen Gedanken nicht los werden, da er mehrmals nach einander dasselbe träumte. Er beschloss also mit einigen Spiessgesellen in den fremden Keller einzubrechen und nach dem Schatze zu graben. Glücklich gelangte er mit seinen Freunden in den Keller und fing zu graben an, aber trotz aller Bemühung wollte sich nichts zeigen. Schon war er nahe daran, den Spaten bei Seite zu werfen, als er plötzlich auf einen harten Gegenstand stiess; er verdoppelte jetzt seine Mühe, der Gegenstand gewann immer mehr an Ausdehnung, und als nun das Erdreich genügend entfernt war, fand man eine Art steinernen Kasten aus kostbarem Marmor. Der Gegenstand wurde näher untersucht und genaue spätere Forschungen Hessen ein altröniisches Denkmal der Xlll. Legion erkennen, welches ein römischer Feldoberst dem Septimus Severus und seinem Sohne Caracalla setzte. a ) Caroline Pichler’s Werke umfassen 33 Octavbände. die in der damaligen Verlagshandlung des Anton Pichler erschienen sind. Als Romanschriftstellerin gehörte sie den Besten ihrer Zeit an, nur die historischen Romane hatten zu wenig Zeit-und Localfärbung; sie war am 7. September 1769 geboren und genoss eine sorgfältige Erziehung; nach ihrer Vermählung (1796), bezog sie ihr eigenes Haus in der Alserstrasse (Nr. 109), wo sie auch am 9. Juli 1813 im 74. Lebensjahre starb. Ein schönes Grab auf dem Währinger Friedhofe ehrt ihr Andenken. Das Theatiner-Klosterhaus. 641 selben im Jahre 1704 dem Orden der Theatiner zur Errichtung eines Klosters nebst Kirche zu schenken. Das reiche Ordensstift erbaute daher, nachdem es beide Häuser hatte niederreissen lassen, an ihrer Stelle jenes stattliche, für die damalige Zeit ungemein luxuriöse Haus (von 1704—1707) in der Gestalt, wie wir es noch heute vor Augen sehen. Es befindet sich unmittelbar an der hohen Brücke angebaut und reicht mit seinen zwei untern Stockwerken in den Tiefen Graben hinab, während es ober der Brücke drei grosse Stockwerke zeigt. Auch liess dieser Orden auf der hohen Brücke, und zwar an jener Brüstung, die an diesem Klosterhause angebaut war, eine imposante, schön aus Stein gearbeitete Johannesstatue -f&ibi PP i l.KRU / A'/'i Gwdiu-'l V l'i nA . r *|1 *1 A nn© 4.^o.l * ffaceüi. Fig. 265. Das ehemalige Kloster der Theatiner und die hohe Brücke bis zum Jahre 1725. setzen und (dieser Statue gegenüber) auf der andern Brüstung der Brücke eine Bildsäule des heiligen Cajetan. So blieb das Ganze bis zum Jahre 1725 unverändert, und eine Ansicht sub Figur 265 zeigt uns das alte Theatiner-Klosterhaus mit seiner damaligen Umgebung. *) Ein späteres Bild aber aus der Zeit nach dem Jahre 1725 zeigt uns sub Figur 266 die Johannesstatue bereits mit einem capellenartigen Tempel überbaut, zu beiden Seiten mit schönen ') Das Bild, von Kleiner gezeichnet, von Corvinus in Kupfer gestochen, aus der Zeit von 1720—1724, gestattet uns einen Ausblick auf die Hauptfront und die (dem Tiefen Graben zugekehrte) Seitenfront des Hauses. —- An dem Hausthore sehen wir die geistlichen Embleme mit dem Cardinaishut und gegenüber das Fröhlich’sche Haus Nr. 354 (neu 22J, welches uns die Schmalseite zukehrt und durch seinen altfranzösischen bourbonischen Renaissancestyl besonders auffallt. Die Johannesstatue steht noch frei mitten an der Brüstung und ist mit dem Gesichte gegen die Strasse gekehrt, ebenso auch die gegenüberstehende Statue des heiligen Cajetanus. ( 81 642 Das Armenhaus. — Scliwertgasse. — Stoss-im-Himmel. Heiligenfiguren geschmückt, und die niedere Brüstung der Brücke durch eine hohe,.mit Tluiren und Balustraden schön gezierte Mauer ersetzt, das Theatiner-Klosterhaus aber noch vollständig unverändert. ‘) Nach Aufhebung des Ordens der Cajetaner durch Kaiser Josef II. blieb zwar die Nepomukcapelle bis in die neueste Zeit stehen, aber die Cajetanstatue wurde entfernt und das Ordenshaus im Jahre 1784 um 35.000 fl. an Philipp Grossmann verkauft. Zu bemerken ist noch, dass das eingangs erwähnte alte Babenberger-Sladtthor, welches hier am Hause Nr. 353 angebaut war, noch in seinen Grundrissen im Wohlmuet’schen Plane ersichtlich erscheint. Dieses Stadtthor war von Wichtigkeit und hatte einen doppelten Zweck, nämlich einerseits die Strasse von der Umwallung der Stadt abzuschliessen, andererseits die Judenstadt von der Christenstadt abzugrenzen. Von der Hohen-Briicke an bis zum Hohen-Markte befanden sich auf beiden Seiten der Strasse blos Judenhäuser, so dass die Wipplingerstrasse mit Recht eine Hauptstrasse der alten Judenstadt (bis zu ihrer 1422 erfolgten Aufhebung) genannt werden konnte. Das Armenhaus Nr. 148 (neu 35). Hier stand einst eine der ältesten Badestuben Wiens, denn in den Grundbüchern von 1437 kommt dieses Haus als „Badestube“ bezeichnet vor; noch im Anfänge des XVIII. Jahrhunderts gehörte es zu den beliebtesten Badehäusern der Stadt und ging erst gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts ein. *) ln neuester Zeit kam das Haus durch Vermächtnis an das Armeninstitut, dessen Gründer Johann Graf von Bucquoy war, der zuerst 1779 eine ähnliche Anstalt auf seinen Gütern in Böhmen gründete und welchen Kaiser Josef II. 1783 nach Wien berief und ihm den Auftrag gab, das Institut daselbst zu gründen. Bis zum Jahre 1785 besorgte Graf Bucquoy selbst die Leitung; gegenwärtig steht es unter Oberleitung des Magistrats. Nur in Wien geborene oder durch zehnjährigen Aufenthalt eingebürgerte wahrhaft Dürftige haben Anspruch auf Unterstützung. Zum Schlüsse sind noch zwei Nebengassen, Schwertgasse und Stoss-im-Himmel, zu erwähnen, die in die Wipplingerstrasse münden. Die Schwertgasse hat ihren Namen von dem Hausschilde des Hauses Nr. 357 (neu 3), „3U bell flehen Schwertern/' welches auf das Bild von der schmerzhaften Mutter Maria Bezug nimmt; und die Gasse Stoss-im-Himmel leitet ihre Benennung von dem Hausbesitzer des Hauses Nr. 364 (neu 3) her, der am 10. November 1529 hier starb und sich urkundlich „'feattne 6to§ itll Tbtmntcl" schrieb. Auch soll nach Lazius um das Jahr 1300 der Bürger Breitenfelder dieses Haus unter demselben Namen besessen haben. Das Haus „zum Stoss-im-Himmel“ Nr. 364 (neu 3) ist ein althistorisches Haus. Ober dem Thore ist ein schönes Basrelief angebracht, das wegen seines ehrwürdigen Alters als Wahrzeichen der Stadt betrachtet werden kann. Es zeigt den Namen Jesu *) Das Bild von Kleiner aus der 7-eil von 1725 —1730 zeigt uns die Nepomukcapelle nach vorne geüflfnet, an Beiden Seiten mit schongearbeiteten Gitterstäben umgeben und mit einer kreuzgezierten Kuppel gedeckt. Rechts und links überlebensgrosse Statuen mit hohen Postamenten und eben so hohe Mauern mit Balustraden und Festons, und zu beiden Seiten Thüren, die durch gedeckte Gänge in den Tiefen Graben führen. a ) in den Grundbüchern von 1437 heisst es: „Jofwn lltnlt 33a&er unb Michael paumgartner Pabftuben.'" m Die Nepomuk-Capelle auf der Hohen-Briicke, 643 wm & ;'pi; mm *N!£k- jcsiy fe?« ^ r _^l| ? J ’—® i'-t tsestr r £ *J> /*>£'£ •i *£±/& W‘ i'fi ■! ’i m rifsr ^ ’jzjf (£¥* AfS** V ‘ 3 * * ■titi&titifi. wBmi 81 * Fiff. 2G6. Die ehemalige Nepomuk-Capelle auf der Hohen-Brücke in der Wipplingerstrasse aus den Jahren 1723—1730. 644’ Der Stoss-im-Hiinmel. — Zeughausgasse. — Renngasse. -Fiff. 267. Wahrzeichen am Hause Nr. 3 im Stoss im-Himmel. in einem von Strahlen umgebenen Kreise. Wie wir sub Figur 267 sehen, ist dieser Name in erhabener Arbeit auf einer kreisförmigen Platte von rothem Marmor ausgeführt. Die Umschrift lautet: „In nomine Jhu (Jhesu) ome (omne) genu flectatnr celestium terrestrium et infer- norum .“ ‘) Im Jahre 1451 wunderten die Klosterfrauen (vom dritten Orden) von ihrem Kloster bei „@t. SictDßlö" (Theobald) aus, weil selbes dem Kreuzprediger Capist ran überlassen wurde, und zogen in obiges Haus ein, wo sie auch verblieben, bis sie hier ausstarben. Um das Jahr 1798 wurde das Haus von den damaligen Besitzern Dr. v. Held und Straubmayer ganz neu erbaut. Wo jetzt eine Vase auf dem Hause aufgesetzt ist, soll sich im alten Gebäude ein Thurm erhoben haben, und bei Gelegenheit der Grundausgrabungen fand man Sandalen und Spuren einer Gruft. * * 3 ) LXXV. CAPITEL. Zeughausgasse. ■ ie Zeughausgasse leitet ihre Benennung von dem in der Nähe gelegenen Militär- Zeughaus her, welches in der Renngasse seinen Eingang hatte, sich aber rückwärts mit seinem sogenannten untern Arsenal bis gegen die Schottenbastei und die Zeughausgasse erstreckte. Sie bildet eine Fortsetzung des Salzgries und wurde ursprünglich in den ältesten Urkunden und Häuserverzeichnissen, sowie auch noch _bis in die neueste Zeit „int tElenb" genannt. 3 ) Die Zeughausgasse und ihre ganze Umgebung sannnt dem obern und untern Arsenal und der Renngasse ist ein hochbedeutsamer historischer Boden, denn liier stand einst (und zwar dort, wo die Renngasse mit dem spätem Arsenal zusammenstiess) der Judenthurm, ein Ueberbleibsel aus der Römerzeit, welcher im ersten Türken- kriege (1529) sehr gute Dienste leistete und durch das Abschiessen der beiden „SillijetiHnfU" (der grössten Festungsgeschütze) und des „©rrijs" von hier aus den türkischen Tschaikisten den giössten ‘) Dieses Wahrzeichen entstammt dem XV. Jahrhundert und es ist von demselben bekannt, dass der heilige Bernhardin von Siena jene Worte und Zeichen in Menge machte und vervielfältigen Hess, um diese Bilder gleich einem Amulet unter die Gläubigen zu vertheilen. Später benützten die Jesuiten dieses Zeichen gleichsam als Chiffre, und fast auf allen Häusern, in denen sie wohnten, auf allen Thüren der Kirchen, denen sie vorstanden, finden wir dieses Zeichen im XVI und XVII. Jahrhundert aufgepflanzt. s ) Nach Herborn’s kirchlicher Topographie XI, pag. 389 soll der heilige Capistran hier iin Hause viele Wohlthaten gespendet haben. Auch sind die nähern Gründe der Uebersiedlung der Nonnen in Ilerzog’s „Cosmograßhia atistriaco-fr anc ‘ scana " u nd in Herborn’s XI. Bande der kirchlichen Topographie, pag. 388—389 näher angegeben. Das Haus gehörte in neuerer Zeit dem Georg Grafen Bucquoy, und gegenwärtig ist es Eigenthum der Frau Barbara Dormitzer. 3 ) Da das Wort „elend“ im Mittelhochdeutschen, wie schon bemerkt, „fremd“ bedeutet, so wurde dieser Name früher häufig solchen Gegenden beigelegt, wo sich Herbergen oder Hospize für Fremde befanden, und da das Schottenstift für schottische, irische und inländische Reisende Herbergen in der Nähe seiner Kloster- und Wirthschaftsgebäude anlegte, so ist es leicht erklärlich, dass die zunächst gelegene Bastei noch bis in die allerneueste Zeit im „Elend“ oder „Elendbastei“ genannt wurde. Das alte Zeughaus. 645 Schaden verursachten. Hier befand sich die Renngasse, welche im Mittelalter durch die hier alljährlich am Christihimmelfahrts- und Katharinentage (also nach den beiden grössten Jahrmärkten) abgehaltenen Pferde- oder Scharlachrennen so genannt wurde. ') Hier stand auch, wo sich vor Kurzem noch das untere Arsenal (Verpflegsbäckerei) befand, der alte Salzburgerhof, der kurz nach dem ersten Türkenkriege (1529) in das kaiserliche Zeughaus verwandelt wurde. Auch zog sich am Westende der Zeughausgasse, dort, wo vor Kurzem noch die Häuser Nr. 182 und 183 standen, ein schmales Gässchen zwischen einer Gruppe kleiner unansehnlicher Häuschen bis auf die hohe Brücke hinauf, welche Kaiser Ferdinand bis zum Judenthurm und weiter noch hinauf bis zur Renngasse ankaufte, um hier ein Zeughaus zu bauen und so einen Ersatz für das noch vor der ersten Türkenbelagerung ausserhalb der Stadtmauer auf einer kleinen Insel der Donau gelegene Arsenal zu finden. Dieses Zeughaus bildete seit dem XV. Jahrhundert einen wichtigen Punkt in der vaterländischen Kriegsgeschichte, daher dasselbe besonders besprochen zu werden verdient. Das kaiserliche Militär-Zeughaus. Der Bau des Militär-Zeughauses wurde unter Kaiser Rudolf II. im Jahre 1585 begonnen. Die aul einer so grossen Baufläche ausgedehnten Bauobjecte, sowie die gleichzeitig hier begonnene Regulirung des Schifffahrtskanals, durch den sämmtliche im künftigen Arsenal zu erbauenden Donau- Kriegsschiffe weiterbefördert werden sollten, verzögerten die Vollendung des Baues ungemein, auch musste der damals hier gestandene Salzburgerhof demolirt werden. Er war ein grosses, aus den ältesten Zeiten stammendes Gebäude, welches vom Salzburger Hochstifte hier erbaut, aber schon zu Anfang des XVI. Jahrhunderts landesfürstliches Eigenthum geworden war und als Depot für alle kaiserlichen Waffen und Harnische diente. Durch ämtliche Belege des hofkriegsräthlichen Archivs ist erwiesen, dass der Bau des Zeughauses erst unter dem Feldzeugmeister Andreas Kielmann von Kielmannsegg, jedoch in viel kleinerem Raum, vollendet wurde. Erst als Kaiser Leopold I. noch einen grossen Gartengrund vom Schottenstifte zum Geschenk erhielt, vergrösserte er im Jahre 1672 das Gebäude und stellte es in jener Gestalt her, wie wir es noch in unsern Tagen sahen. Mit Beginn der Stadterweiterung verschwand auch dieses Gebäude spurlos, indem gerade an jener Stelle, wo einst das Zeughaus stand, eine neue Strasse durchgeschlagen wurde, wodurch die Wipplingerstrasse eine Verlängerung auf den neuen Börseplatz erhielt. Das Militärzeughaus war gegen die Wipplingerstrasse so gestellt, dass es diese hier vollkommen abschloss und man den Weg nur durch die Renngasse auf die Freiung nehmen konnte. Das Zeughaus hatte mehrere Waffensäle, in welchen alle Waffen und Rüstzeuge, darunter auch viele antike Kostbarkeiten und historische Raritäten aufbewahrt waren. Zu den interessantesten Schaustücken gehörten unter andern auch jene grosse eiserne Kette, mit welcher in Kriegszeiten einstens die Donau abgesperrt war, dann die etwas sonderbar geformten alten Kriegstrommeln und Heerespauken, die ältesten Tartschen, Schilde und Harnische, sowie auch Radschlossgewehre, Feldkanonen und Festungsgeschütze, die mehrere, nicht selten zehn bis zwölf Läufe (oder Rohre) hatten, wobei jeder einzeln für sich angebrannt werden musste. Die letzte Einrichtung des Zeughauses und die beträchtlichste Vermehrung der Waffen und Rüstwerkzeuge aller Zeitperioden war vorzüglich das Werk des berühmten Feldzeugmeisters und Artillerie-Inspectors Wenzel Fürsten *) Die Pferde- oder Scharlachrennen waren harmlose Volksfeste und hatten dennoch einen tiefernsten Zweck, nämlich, dass die jungen Bürgersleute an ritterliche Uebungen und Tugenden gewöhnt würden. Der Besitzer jenes Pferdes, das am schnellsten zum Ziele gelangte, erhielt als ersten Preis ein Stück kostbaren Scharlachs (damals hoch in der Mode stehendes rothes Tuch). Gewöhnlich waren nur drei Preise ausgesetzt, wobei als zweiter Preis zwei Stück Barchent und als dritter eine Spansau verehrt wurden. Die Rathsherren fungirten als Preisrichter, und der Bürgermeister gab das Zeichen zum Beginne. 646 Das Zeughaus. — Die alten Rüstungen. J »• (SP ts! i» «I iS® ’-ijM Fig. 208. Das alte Militär-Zeugliaus. aufgestellt; nun war die der Wipplingerstrasse zugekehrte Hausfront, befand, während eines Sturmangriffes dem heftigsten Gewehrfeuer durch Tausende von Gewehrkugeln durchlöchertn die Wand, aber keine von ihnen fand den Lauf in die Nische oder beschädigte das Madonnenbild. Mit Beginn der Stadterweiterung verschwand dieses Zeughaus samrnt allen seinen Nebengebäuden vollständig, und die kostbaren Waffen und Rüstungen kamen in das neue Waffenmuseum vor die Belvederelinie, wo sie noch heute eine reiche Quelle des Studiums über das Waffenwesen des Mittelalters gewähren, was umso schätzens- werther ist, als nur noch wenige Waffen und Rüstungen aus den letzten Decennien des XV. Jahrhunderts vorhanden sind, die uns den geeigneten Aufschluss zu geben vermöchten. Was jedoch die Bewaffnung der Kriegsknechte vor dieser Zeit betrifft, so wie auch die Bewaffnung der Wiener Bürger und Söldner aus ältester Zeit, so befinden wir uns darüber vollständig im Unklaren. So viel ist Fig. 200. Rüstung aus dem .linde des XV. Jahrhunderts. mm von Liechtenstein, dessen Andenken durch ein lebensgrosses Bild verewigt ward. Eine interessante Ansicht des Militär-Zeughauses folgt sub Figur 268 hier bei. ') Noch eines Bildes sei erwähnt, welches im Jahre 1848 am 6. October frommen Gemüthern Anlass zu mancherlei religiös - mystischen Erklärungen gab. Es war dies ein altersgeschwärztes Muttergottesbild, beiläufig vier Schuh hoch und drei Schuh breit, in einem Holzrahmen in einer Mauernische ober dem Hausthore wo sich das Bild aufgehängt mehrere Stunden ausgesetzt. Fig. 270. Rüstung aus dem XVI. Jahrhundert. 1 ■Ult. *) Das Bild, von E. Hütter nach der Natur gezeichnet, zeigt uns die der Renngasse zugekehrte Hauptfront mit den zwei Eingangsthoren, von denen nur jenes der Wipplingerstrasse zugekehrte (rechts im Bilde befindliche) Thor geöffnet war. Ober diesem Thore hemerken wir auch unterhalb des Gitterfensters jene oben besprochene Nische mit dem Marienbilde. Der an der äussersten Rechten noch sichtbare Theil eines zweistöckigen Gebäudes ist das Haus Nr. 142, welches die Wipplingerstrasse mit dem Zeughause abschloss und ebenfalls der spätem StHssenerweiterung zum Opfer fiel. Der alte Schlögelhof. 647 gewiss, dass die Ritter und Kriegskneehte ihre Helme, Pickelhauben, Brust- und Rückenschilde, ihre I' uss- und Armschienen, selbst ihre Eisenstiefel und Schnabelschuhe (deren Spitzen sie beim Reiten abschrauben konnten) deutschen Mustern nachbildeten und sich auch deutscher Waffen (Speer, Schwert und Lanze) bedienten. Nach den theils im bürgerlichen Zeughause, theils im k. k. Arsenal aufbewahrten einzelnen Rüstungsstücken hatte, wie ein Bild su/t Figur 260 zeigt, die Ausrüstung eines hiesigen Ritters aus den letzten Decennien beiläufig diesen Charakter. Und es ist merkwürdig, dass, nachdem das Schiesspulver nachweislich schon im Jahre 1444 in Wien erzeugt wurde und sonach die Schiesswaffe schon damals in Anwendung kam, obwohl sie mit der schwerfälligen Rüstung im Widerspruch stand, die Ritter sich dennoch nicht entschliessen konnten, ihre unzeit- gemässen Rüstungen abzulegen. So finden wir z. B. aus späterer Zeit, wie Figur 270 zeigt, Ritter, die neben dem zierlichen Degen und einer Handpistole noch immer ihre schwerfällige Rüstung beibehielten. Was die Bewaffnung und Ausrüstung der Wiener Bürger und Söldner betrifft, so war dieselbe zur Zeit der Erfindung des Schiesspulvers sehr einfach. Sie bestand durchschnittlich aus Bogen Fiff. 271. Bewaffnete Wiener Burger aus dem XV. Jahrhundert. und Köcher nebst Eeuergewehr, Schwert und Hellebarde, und jede Abtheilung hatte ein eigenes Fähnlein. Ein Bild, suh Figur 271, macht uns mit dem Hauptcharakter dieser Armaturen und Rüstungen der Wiener aus der Zeit des XV. Jahrhunderts bekannt. Besonders originell sind die Kopfbedeckungen, die zwischen Pickelhaube und Pelzmütze häufig variiren und theils mit, theils ohne Federn - Aufputz getragen wurden. Der alte Schlögelhof, jetzt gräflich Schönborn’sches Palais Nr. 155 (neu Renngasse 4) gehört zu den ältesten Höfen der Stadt und leitet seinen Namen von dem Stift Schlögel in Oberösterreich her. Es wurde 1700 von Adam Grafen Batthyany erkauft und bestand damals aus zwei Häusern. Im Jahre 1770 brachte es Graf Schöiiborn an sich und erbaute das Palais durch Fischer von Erlach in seiner gegenwärtigen Gestalt. Die schönen architektonischen Verhältnisse, das stattliche Portal, die trefflichen Sculpturen, ihre reichen ornamentalen und figuralen Ausschmückungen gestalten den Bau zu einer der geschmackvollsten und imposantesten Privatbauten der Stadt. Im Hause befindet sich eine reiche Bibliothek und eine kostbare Bildergallerie, die in ihren Sammlungen die Malerschulen aller Kunstperioden, besonders einige ältere italienische Meister ersten Ranges enthält. Im Jahre 1846 wurde das Palais einer gründlichen Renovirung unterzogen und zum Fideicommiss erhoben. Gegenwärtig ist Erwin Graf Schönborn der Besitzer. Der Klosterneuburgerhof Nr. 151 (neu Renngasse 10) wurde 1630 von Propst Bernhard I. erkauft und, da das Gebäude im Laufe derZeit im Jahre 1749 nahezu verfallen war, von Propst Bernhard II. in der heutigen Gestalt neu aufgebaut. Im XVI. Jahrhundert soll dieses Haus dem Grafen Kuefstein gehört haben; übrigens besass schon im XIII. Jahr- 648 Das Blindeninstitutshaiis. — Das Hotel „zum römischen Kaiser“. hundert das Stift Klosterneuburg vor dem Schottenthore einen Hof sammt einer kleinen Capelle. Der Hof wurde während der zweiten Türkenbelagerung zerstört und die Capelle eingeäschert. Das Blindeninstituts-Gebäude Nr. 153 (neu 8), von ziemlich grosser Ausdehnung, mit zwei Höfen, ist ein Eckhaus in jenes schmale Gässchen, welches lange Zeit ohne Namen gelassen wurde, gegenwärtig aber Wächtergasse heisst und die Renngasse mit dem Tiefen Graben verbindet. Der letzte Besitzer des Hauses war der edle Patriarch und Dichter Ladislaus Pyrker. Ein Augenübel liess ihn das tiefe Elend des Erblindens erfahren und bewog ihn, für diese Unglücklichen väterlichst zu sorgen, daher er sein Haus den Blinden oder vielmehr dem Blindeninstitute vermachte, und noch heute prangt diese schöne Widmung in goldenen Lettern ober dem Thoreingange, welche lautet: „Stiftung für erwachsene Blinde, zum Andenken Kaiser Franz I. errichtet im Jahre 1841 von Joh. Ladislaus Pyrker.“ Das Einkehrhaus „zu den drei Hacken“, später „zum römischen Kaiser“ Nr. 138 (neu Renngasse 1) war schon in ältester Zeit ein bekanntes Gast- und Wirthshaus, noch im Jahre 1683 „ 31 t beit brci hadcn" genannt, und in „Schatz, Schutz und Schanz“ führt es die Bezeichnung „Einkehrung der Sächsischen und Böhmischen Cavaglieri“. Das Haus ist an manchen interessanten Vorfällen reich und wurde zur Zeit der zweiten Türkenbelagerung in die Begebenheiten dieser Bedrängnis mitverflochten. Als nämlich am 14. Juli 1683 das Türkenheer vor den Mauern Wiens eintraf und man Tags darauf den Donner der türkischen Geschütze zum ersten Male vernahm, erscholl um die Mittagszeit der Schreckensruf: „Feuer!“ Schon brannte ein Theil der Vorstädte in hellen Flammen auf, und es entstand durch mehrere vom Winde herübergetragene brennende Holz- (oder Dach-) Schindeln im Schottenhofe Feuer, das sich so rasch verbreitete, dass auch die benachbarten Häuser vpn den Flammen ergriffen wurden. Auch das „Dreihackenhaus“ blieb nicht verschont, und von hier aus steigerte sich die Gefahr, denn ein unglücklicher Wind trieb die Feuerflammen gegen das Zeughaus, in welchem 1800 Fässer mit Pulver aufbewahrt waren. Die Gefahr wurde immer drohender, da schon der hölzerne Gang und die Holzrahmen der Fenster zu brennen anfingen. Mit der grössten Selbstaufopferung eilte Graf Guido von Starhemberg an den Ort der Gefahr und veranlasste mit Hilfe des Zeugslieutenants Cumpert, dass die Pulverfässer mit nassen Tüchern bedeckt und die Fenster, welche zur Pulverkammer führten, noch rasch genug trotz der unerträglichen Glühhitze vermauert wurden. Plötzlich drehte sich der Wind in die entgegengesetzte Richtung, und die Gefahr war beseitigt. Eine interessante Totalansicht über das Belagerungsterrain sammt dem in Flammen stehenden Schottenthurm und mehreren ebenfalls in der Nähe befindlichen, von den Flammen ergriffenen Häusern folgt hier im Bilde »ub Figur 272. *) Diese Ansicht, nach dem bekannten Bilde von Lerch, zeigt das ganze Belagerungsterrain aufgerollt und versinnlicht uns besonders deutlich die Brandstätte um das Schottenkloster und den Schottenthurm herum, ebenso auch die jenseits der Donau in Brand gesteckten Dörfer und links die amphitheatralisch aufgestellten TÖrkenzelte. v^asftl TV'Tt M I f§ mm HA V-"'ii usaK ^ » X. l/?% fch 2 a ^ 'KN; to s > 'S '■• /y '^ / -r5s ■\f r r^. > s W*\\ «j *> * 'SSw’-'TTr fi 4*^’ AtfO ggraii fasi ..*<■$ m : »*¥| < Ä H dg?“ ,3g*: ÄiVüüisartWAl'' raiüi. •e.SS B?Z L ..S;w^—^““jSägjgsif IISIIkS -". -,'fe -' »Vis4^ Sr*s3; r w &5£2ä >/%235S*ap> ••4f.- r I 82 SCHLUSSWORT. o hätte ich denn meinen Lesern alle jene grossen und wichtigen Wandlungen in Wort und Bild veranschaulicht, welche Wien seit den ältesten Zeiten durchzumachen hatte, um zu jener bedeutungsvollen Ausdehnung zu gelangen, die es heute bereits einnimmt, und es erübrigt mir nur noch, am Schlüsse zur bessern Begründung dieses meines Zwecks einige der interessantesten Totalansichten beizufügen. Vorerst führe ich in einer Beilage (Figur 273 vor dem Titel) Daniel Suttinger’s treffliche Generalansicht aus dem Jahre 1683 vor. Sie zeigt uns das alte Wien knapp vor der zweiten Türkenbelagerung. ’) 'Einen noch detaillirteren Einblick gewähren uns nachfolgende vier Generalbilder, die uns die Gegend zwischen den Vorstädten und Kärntner-, Burg-, Schotten- und Rothenthurmthor zeigen. Sämmtliche 4 Ansichten sind von J. A. Delsenbach in den Jahren 1719—1720 gezeichnet und von ihm in Kupfer gestochen worden und gehören heute schon zu den seltensten Blättern. Das Bild sub Figur 274 gestattet uns eine hochinteressante Uebersiclit über die Gegend zwischen der Wiedner Vorstadt und der alten Kärntnerthorbastei, s ) sub Figur 275 zeigt uns den Weg von der Mariahilfer Vorstadt (von Maria im Schiff) bis zum Burgthor und gibt uns einen noch deutlicheren Anblick von der Unregelmässigkeit dieser Ebene, die sogar stellenweise von überbrückten Abzugscanälen und Gräben durchzogen ist. 3 ) Die Ansicht sub Figur 270 repräsentirt die Ebene vor dem Schotten- *) Das Bild wurde ursprünglich von Daniel Suttinger, churfürstlichein Artillerie-Oberhauptmann und Ingenieur, gezeichnet und von C. Weigl sieben Monate vor der zweiten Türkenbelagerung in Kupfer gestochen und führt im Widmungsband des einkopfigen Adlers das Datum: 1. Jänner 1683. Die vorstehende Copie ist eine Nachbildung des Suttinger’schen Originals. Wien ist hiervon der Südseite aufgenommen, und, wie die Zeichnung verriith, wahrscheinlich von der Paulanerkirche, wenigstens deutet dies der grosse Engel mit dem Flammenschwerte unzweifelhaft an, der noch heute die Spitze der Bedachung ziert, und dem gegenüber in gerader Linie das alte Kärntnerthor mit seinem mächtigen Vorbau stand. Nicht uninteressant ist rechts der Ausblick über die grosse steinerne Brücke der Landstrasse auf den mit Bäumen stark bepflanzten unteren Werd (Leopoldstadt) und links die noch schwach mit Häusern bepflanzten Gegenden des Leopolds- und Kahlenbergs. Wie unregelmässig und uneben jene kahlen, unbebauten Flächen zwischen den Stadtmauern und den Vorstädten waren, die später zu Esplanaden und dann in Glacis umgewandelt wurden, zeigt unser Bild wohl deutlich genug. *) Links im Vordergründe sehen wir die alte steinerne Kärntnerthorbrücke mit ihren sechs Mauerpfeilern sich über den Wienfluss spannen, der damals noch (1724 bis 1740) stark versumpft war, so dass man noch etwas seitwärts rechts eine hölzerne Nothbrücke für Fussgeher errichten musste. Links von der steinernen Brücke sehen wir die alte Colomanssäule und rechts den Heu- und Tandelmarkt, der einst in der Leopoldstadt untergebracht war und später vom Kärntnerthor mehr zur Landstrasse (vor das heutige Militär-Transportsanmielhaus) verlegt wurde. Links am äussersten Rande unseres Bildes vor der steinernen Brücke sehen wir noch die hochinteressante Kreuzsäule, ein uraltes Denkzeichen früherer Jahrhunderte, von dem uns Math. Fuhrmann in seiner „Geschichte Wiens“, I. Theil, pag. 334 erzählt, dass sie vor dem Kärntnerthore lag und eine in rothen Marmor eingeliaueue Inschrift enthielt mit dem Inhalte: „Höfe patt) ift POlpratflt 3tt fob ffitPlS Itltö in bett <£reit Hlarißtn Utlb 31t Iroft alkr ©claubigcn 6 «den=X>ail tinb ift tolpracfit In die Sancti Jacobi Apostoli Anno Domini MCCCXXXIIA “) Das Bild zeigt uns unter Anderem die bis zum Jahre 1849 bis 1850 vor dem Burgthor gestandene gusseiserne Marienstatue, deren sich die alten Wiener noch gut erinnern werden; sie war mit einem Eisengitter im Quadrat einge- schlosser. und diente als Grenzmarke des sogenannten Neudeggerlehens. Das St. Ulricher Territorium (welches in den ältesten s Schlusswort. 651 thor; hier waren die Holzplätze zum Verkauf des Brennholzes und auch die Richtstätte, wo die Todesstrafen des Köpfens und Hängens öffentlich vollzogen wurden. Später, als die Richtstätte zur «Spinnerin am Kreuz“ verlegt wurde, bezeichnete man diese Stelle mit einer Denksäule, die hier rechts im Bilde noch zu sehen ist. Diese Säule hat sich noch bis in die letzte Zeit in Gestalt eines gemauerten kleinen Capellenhäuschens erhalten und wurde gleichfalls bei Regulirung des Platzes beseitigt; heute befindet sich beiläufig die Votivkirche an ihrem Platze. * *) Endlich zeigt uns das vierte und letzte Bild sub Figur 277 die Stadt von der Donau aus, und zwar von der Seite der Leopoldstadt hinüber zum Rothenthurmthor und sogenannten „Schänzel“. a ) Zum Schluss sei auch noch dem Leser ein allgemeiner Grundriss der innern Stadt (sub Ligur 278) beigegeben, der in anderer Beziehung nützlich und nothwendig ist. Er umfasst nämlich sämmtliche Strassen und Plätze der innern Stadt mit allen ihren noch gegenwärtig zum Theil bestehenden Häusern und fügt bei jedem einzelnen Hause die noch heute gütige ^pönscriptions- nummer bei, so dass man sich an jedem Punkte der Stadt und bei jedem Gebäude sogleich zurechtfinden kann. Der Plan wird daher gewiss dem Leser als Nachschlage- und Örientirungstabelle willkommene Dienste leisten. 3 ) Noch Eines möchte ich besonders hervorheben, was das Erscheinen meines Buches uleich- sam zu rechtfertigen vermag; den Gedanken nämlich,'■•dc-jfgjgich das s’t Wiens vor dem ehemaligen Kärntnerthor. 652 Ansicht Wiens vor dem alten Kärntnerthor. lis. VV , 'v/7, ■l'Vfi -■M'-’tfjL * JfflfaJS’JÜU*» ' ’/s fc'V 'imwsmrn w , jhtäi-Jte&Z'tg&’.-s/j', - -. v- nflsra i I'IPsmki. „„, 11 mmmßmsm r^mm^'MOi4X03&&4i&8S8%fäi mP Ansicht Wiens vor dem Burgthor. 653 F?f7v '■/£' ;• ''?//;///■ <3 fr-*«' V> >5 i* U f-ÄS r O * W IV 1* ’X&w N3 5 ^ J I 1 *1 ^ N.J um (»ft : mm& ill;^ /A'/:i/.'h]J.' l :, mm ftt* ?%&& I wm h 3* ••:^-.>.i: Ä - ' ; Tt & iS*!® am» omm I WM:0f'>, '.■i&Se&vsIL mm SK»? r“V : ! ,lw V r ^. ; Hbi=ji pftfejj ;Vf ~. '.ata; 5^**S £ri’,*; r*. Fiff. 276. Ansicht Wiens vor dem ehemaligen Schottenthor. 654 Ansicht Wiens vor dem ehemaligen Schottenthor. * or '"■mm. issgs s CP wMm mm IHÜ mm. H Wm vSmh wmm. 8& mm Wrn H wmm mwmm mmm üüs wm. Wm* Ansicht Wiens vor dem alten Rpthenthurmthor, 655 mm £ i m i'Kn ä 656 Schlusswort, Frömmigkeit des Spaniers. Aber auch ausser diesem Angewöhnten und Ererbten besitzt er noch ein gutes Stück Eigenart, jenen ungebrochenen Lebensmuth, jenen merkwürdigen Augenblicksgenuss, jene göttliche Ungezwungenheit und beneidenswerthe Sorglosigkeit, die ihn über alle Bedenken erhebt, wie kein anderes Volk der ganzen Erde. .Der Wiener geht nicht unter,“ so lautet seine etwas naive Parole, mit der er sich zu trösten weiss. Freilich muss man ihm seine alte Spottsucht und seine Oppositionslust verzeihen, wie so manches andere derbe Scheltwort, das, so böse es auch klingen mag, doch nie übel gemeint ist. Wollen wir also den Wiener richtig auffassen, so müssen wir ihn in seiner localen Färbung nehmen, wie er ist, denn die Geschichte keines Volkes und keiner Stadt ist so local gefärbt, wie die des Wieners. Seine Eigenart ist mit seinen localen Verhältnissen, mit seiner Topographie, mit seinen Strassen und Plätzen auf das Innigste verwebt. Ich glaube also mit vorliegendem Werke: „Die alten Strassen und Plätze Wiens“ zur rechten Stunde erschienen zu sein und hoffe, nicht nur bei den Freunden und Forschern unserer Stadtchronik, sondern auch bei dem grossen gebildeten Leserkreise zeitgemässe Theilnahme gefunden zu haben, da ich einerseits durch Aufsuchung der wichtigsten Quellen dem Werke die nöthige Begründung gab, andererseits aber auch dem besseren Verständnisse des Lesers dadurch zu Hilfe kam, dass ich die interessantesten Ansichten von Strassen, Plätzen und Häusern etc. nach den besten und seltensten Meisterwerken früherer Jahrhunderte (die einen immer grösseren Werth erhalten werden, je älter sie sind) beizugeben eitrigst bemüht war. Dass mein Werk vom topographischen Standpunkte ausging, dürfte ihm wohl nichts am Werthe schmälern, es ist dies ja vielmehr ein grosser Vorzug, denn die bisherigen Resultate der ältern Forschungsmethode kamen bisher bekanntlich nur der Localgeschichte zu gute, während über die topographische Entwicklung unserer Stadt noch bis vor Kurzem ein dichter Schleier gebreitet lag. Erst seit ungefähr zehn Jahren, seit uns die Schätze des Wiener Grundbuches durch Camesina erschlossen wurden und er uns mit seinem trefflichen Werke: „Wiens örtliche Entwicklung“ bereicherte, begann auf diesem Gebiete ein regeres, wissenschaftliches,systematisch begriindetesForschen. Ich leugne es nicht, dass ich dem leuchtenden Beispiele Albert Ritter von Camesina's (der seine Materialien mir freundlichst zur Verfügung stellte), sowie auch jenem des k. k. Feldzeugmeisters Ritter von Hauslab (der seine reichen Bücherschätze und Pläne mir zu benützen gestattete) Vieles zu danken habe. Nicht minder kann ich in Abrede stellen, dass ich auch von mehreren andern ausgezeichneten und verdienstvollen Männern freundschaftliche Winke und Rathschläge erhielt, die sie meinem Werke in theilnehmendster und uneigennützigster Weise angedeihen Hessen, und denen ich daher öffentlich hier meinen wärmsten Dank ausspreche. Es sind dies: Herr Alfred Ritter von Arneth, Vorstand der k. k. Centralcommission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale; Herr k. Rath, Kunsthändler August Artaria; die löbliche k. k. Hofbibliothek; Herr Emil Hütter, der treffliche Zeichner von Wiener Architekturen und Landschaften; Herr Leopold Freiherr von Hofmann, Intendant der beiden Hoftheater; Herr F. J. Kaltenberger; Herr kais. Rath Franz Ivutschera; Herr Dr. Carl Lind, k. k. Sectionsrath; Herr Dr. Friedrich Leithe, Vorstand der Universitätsbibliothek; Herr Hofrath Heinrich Wögerer und Herr Eduard Seis. Sollten Forscher der Stadtchronik auf Irrthümer oder Fehler in meinem Buche stossen, so werde ich von Richtigstellungen mit Vergnügen Kenntnis nehmen, denn ich bin weit entfernt zu glauben, dass ich mit diesem Werke eine fehlerfreie oder nicht mehr weiter zu vervollständigende Arbeit geliefert habe. Möge das Buch, dem ich durch eine lange Reihe von Jahren ausschliesslich meine volle Kraft widmete, den angestrebten Zweck erfüllen. iiilSifiSf 1 8 cTi. o -(-teu-j ] Wi m~m er^l KaTnfhnrr. I S f n !b eil ia flt-Vjei-tcl sä 2 iS-— Genzaffa^Basfeif 1 8 > 4 Thu»ü^Hl CSq l*n*k «OHE C&XARK it*39! has lt*6 \T6ArW*S9\74J mxm& Sc/iotieh V/ktr rBEYU 3 T 6 - 3 , Amtllft* Dom St: j!p J 0 k **fc. J fug? assi*? (Deuttch 1-fnf [Depci taf.u, ?iA!g 9 käi r “3 *Pethei vJJd l i NEUER! 3 *Ui "Ff-rjufi srtfl?lisiA * / Jt&J ^imt. JLAJVKT_ TTru!‘K'r*” ner ' ft" :../?: ■: *jjj m ?-* ätiryer 4 ^ Plan der Innern Stadt Wien vor der Auflassung der Basteien. ^,1 . s <* Verzeichnis der p. t, Subscribenten Se. k. k. Hoheit Se. k. k. Hoheit Se. k. k. Hoheit Se. k. k. Hoheit Se. k. k. Hoheit Se. k. k. Hoheit Herr Erzherzog Herr Erzherzog Herr Erzherzog Herr Erzherzog Herr Erzherzog Herr Erzherzog CARL LUDWIG. EUGEN. JOHANN. LUDWIG VICTOR. RAINER. WILHELM. Se. k. Hoheit Herr Prinz August von Sachsen-Coburg-Gotha, Herzog zu Sachsen. Se. k. Hoheit Herr Leopold Herzog zu Sachsen-Coburg-Gotha. Se. k. Hoheit Herr Adolph Herzog zu Nassau. Se. Eminenz der hochwürdigste Herr Dr. Franz Eder de Paula, Cardinaf-Fürsterzbischof von Salzburg. Se. Excellenz der hochwürdigste Herr Dr. Cölestin Josef Ganglbauer, Fürsterzbischof von Wien. Die P. T. Herren: Abel Lothar, Architekt. Acker 1 Josef, Oberinspector. Adam Heinrich, Architekt. Adensamer Wilhelm. Aich Josef, Gemeindeausschuss. Aichinger Anton, Inspector. Aigner Josef, Maler, Gemeinderath. L’Allern and Sigmund, k. k. Professor. Alt Rudolf, Maler, k. k. Professor, Amerling Friedrich Ritter v., Maler. Amerling Josef v., k. k. Oberst. Anders Heinr., k. k. Hof-Silberarbeiter. Angeli Heinrich, Ritter v„ Professor. Angerer Eduard, Dr., Weihbischof. Angerer Carl, Chemigraph. Angerer Victor, k. k. Hof-Photograph. Ansion Arthur, k. k. Oberlieutenant. Apponyi Louis Graf. Frau Arco Antonia Gräfin. Arnberger H„ Baudirector. Arnberger Heinrich, Controlor. Artaria Aug., k. Rath, Kunsthändler. Arvay Sigismund, Maler. Asch Gustav, Oberinspector. Ast Wilhelm, Secretär der mähr.-schles. Centralbahn. Aub A„ Banquier. Auer Hans, Professor. Auer Josef, k. k. Hof-Secretiir. Auspitz Rud., Reichsrath-Abgeordneter. Auspitzer Julius, Banquier. Die P. T. Herren: Bach Louis. Bacher J., Juwelier. Bachmayer Carl. Bachmayr Leopold. Back Ernst. Baldreich Anton. Banhans Ant. Dr., k. k. Geheimrath, Minister a. D., Excellenz. Barber Josef, Apotheker. Bareuther Ernst Dr., Reichsraths- Abgeordneter. Bausenwein Hugo, k. k. Oberrechnungsrath. Batthyany-Strattmann Eduard Fürst, Durchlaucht. Bauer Josef, Lithograph. Bauer Carl, Oberinspector. Bauer Theodor v. Bauer Wilh., Vorstand der Uhrmacher. Baugut Bernhard, Inspector. Baumgarten Heinrich, Ingenieur. Baumgarten Max v„ k. k. FML. Bauque L. A„ Architekt. Baworowski Anton, akad. Maler. Bayer, Bildhauer. Bayer Hugo, Apotheker. Beck Max. Bellon Alexander, Architekt. Bene sch Franz, Oberingenieur. Benk Johann, Bildhauer. Benke Emerich, Oberofficial. I Die P. T. Herren: | Bergenstamm Julius Edler v. ' Bergauer Johann, Bureauchef. Berger, Nordbahnbeamter. Berger Ed. : Berger Franz, Stadtbaudirector. Bernard Jos., Vorst, d. Kleidermachei. Berndl, Inspector. Bernhofer Mich , k. k. Hofziegeldecker. Berres Jos. Edl. v., k. k. Generalmajor. Beschorner Alexander Mark. Besetzny Jos, Gouverneur der Boden- creditanstalt. i Beutel Ernest, Ingenieur. I Beyer Heinrich. Beyfuss Hermann, Maler. Fräulein Bianchi Bianca, k. k. Hof- Opernsängerin. Bibliothek der Bürgerschule in der Zedlitzgasse. Bibliothek der k. k. Centr.-Commiss. für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale. Bibliothek d. hochw. P. P. Dominikan. Bibliothek des österr. Museums. Bibliothek des Pädagogiums. Bibliothek der Gumpendorfer Ober- Realschule. Bibliothek des hochw. Stiftes Schotten. Bibliothek der Direction für Staatseisenbahnbetrieb. Bibliothek d. techn. Hochschule. 83 658 Subscribenten-Verzeichnis. Die P. T. Herren: Bibus Bertram, Apotheker. Bierfeldner Edler v. Feldheim Franz, k. k. Oberst. Birkinger H, Maler. Bi sc hoff Friedrich, Baudirector. Bittmann Mathias. Blau A„ Inspector. Blümel J„ Fabrikant. Blümel Jakob, Lehrer. Blumenfeld, Dr. Bohasch Rud., k. k. Major-Auditor. Boehm Anton, Magistratsrath. Boehm Eduard, Maler. Boos Ferdinand, Vorstand der Bäcker. Bör Heinrich. Borkenstein Carl. Borkowitz Joh., k. k. Oberbaurath. Bornschlögl Isid., pens.Rechnungsrath. Boes Carl, Wappenmaler. Bösendorfer Ldw., k. k. Hof-Clavier- fabrikant. Bosetti Johann. Brachelli Hugo F„ Dr., k. k. Hofrath. Brachfeld A„ Fabrikant. Fräulein Braga Hermine, k. k. Hof- Opernsängerin. Brants Carl, Dr., Apotheker. Bratsche Anton, Graveur. Breitenfelder Chr., Porzellanmaler. Breitwieser Theodpr, Maler. Brenner Alfr. Freih. v„ Excellenz. Brenner Adam, Maler. Bressler Emil, Architekt. Breunig Johann. Breunner-Enkevoirth Aug. J. Graf, Oberst-Erbland-Kämmerer. Brock Georg. Bröckler Carl, k. k. Oberingenieur. Brünner Heinrich. Brünner Gebrüder, Fabrikanten. Brunner Josef, Maler. Brunner v. Wattenwyl Carl, Dr., k. k. Hofrath. Buchberger, Oberingenieur. Buchinger Josef, Architekt. Buczewsky E., Maler. Böhler Johann. Bühlmayer Conrad, Maler. Bukwich Johann, Ingenieur. Bültemeyer H„ Kupfersteher. Burghart Herrn., Decorationsmaler. Burka Carl, Stadtbaumeister. Bussjäger Rud., Musikalienhändler. Canon Hans, Maler. Cappili eri Jos.. Vorsteher der Vermessungsabtheilung der Nordbahn. Cassian Mart. Ritt. v„ Generaldirector der Donau-Dampfschifffahrtsgesellsch. Castelez Johann, Oberinspector, Charlemont Hugo, Maler. Charlemont Rud., k. k. Oberlieutenant. Chazel Kasimir. Christalnigg Otto Graf. Christibauer Josef, Mechaniker. Chwala A., Maler. Chwalowsky Franz, Magistratsrath. Claus Carl, Dr., Universitätsprofessor. Cohn Armin, Banquier. Cohn Salo, Banquier. Die P. T. Herren: Colloredo-Mannsfeld Franz Graf. Conrad-Eybesfeld Sigism. Freih. v„ Dr., k. k. Cultusminister, Excellenz. Costa Carl, dram. Schriftsteller, Coulon Wilhelm. Cramolini Heinrich, Architekt. Crenneville Frz. Folliot de, Graf, k. k. Oberstkämmerer, Excellenz. Croy Alex. Prinz v„ Durchlaucht. Croy Leopold Prinz v„ k. k. Generalmajor, Durchlaucht. Curti Constantin. Czapka Jakob, Clavierfabrikant. Czartoryski Const. Fürst, Mitglied d. Herrenhauses, Durchlaucht. Czaslawsky Ferd., Kunsthändler. Czedik Alois Ritt. v„ k. k. Sectionschef. Czernin Jaromir Graf, Mitglied des Herrenhauses. Czihaczek Leop., Ingenieur. Frau Czumpelik Kath. Darnaut Hugo, Maler. Dasatiel Jos. Delavigne, k. k. Hof-Bildhauer. Demel Carl, k. k. Hof-Zuckerbäcker. Demski Ed., Architekt. Dessauer A., Director d.Depositenbank. Detter Rud, Architekt. Diener Carl. Dietrich Wilhelm, Baumeister. Dietzschold Rob, Centralinspector der Nordbahn. Dittrich Ant., Architekt. Dirnhuber Carl, k. k. Hoflieferant. Doblhoff Jos. Freiherr v. Dobrucki Maxim. Ritter v. Dobruty, Ingenieur. Doderer Wilh. Ritter v„ Professor. D ö 11 Ed., Oberrealschul-Director. Dcmenegö Franz., Chef der commerc. Abth. der Südbahn. Dorn Alois, Bildhauer. Dozauer. Dü 11 Alois, Bildhauer. Dürschner Jos., Ob.-Landesgerichtsr. Dumba Nik., Reichsraths-Abgeordneter. Dungl Jos., Stadtbaumeister. Eberhard Ludw. Ebert Ant., Maler, Eckhard A. Pickhardt Friedr., Bildhauer Eckl Carl v., Secretär. Edelmann Ernest, Inspector. Eder Joh. Eder Victor, Xylograph. Edling er, Beamter. Eger Alex., Dr., Generalsecretär der Nordwestbahn. Egger B„ Mechaniker. Egger Ritter v. Möllwald Alois. Dr„ Director d. Gymn. im Theresianum. Eggerth Carl, Gemeinderath. Ehnhart Carl, Ilauptcassier. P'rau Ehnn-Sand Bertha, k. k. Kammer- und Hof-Opernsängerin. Ehrbar Friedr., k. k. Hof-Clavierfabr. Eichler Wilhelm Freih. v. Eichkron, k. k. Hofrath. Die P. T. Herren: Eigner Franz, Baumeister. Eisenmenger Aug., Professor. Ellissen Carl, Fabrikant. Ellminger lg, Professor. Elsner Friedr. Ritt. v„ k. k. Hofrath. Endl Ad., Architekt. Engerth Ed. R. v., k. k. Regierungsrath. Epstein Felix, Wechsler. Erlanger Victor Baron. Erler Franz, Bildhauer. Ernst Hugo, Architekt. Escompte-Gesellschaft, n.-ö. Eszterhäzy Nicolaus Fürst, Durchl. Exinger Joh. Faber Moriz jun. Falk August, Gemeindeausschuss. Falkenhayn Julius Graf, k. k. Ackerbauminister, Excellenz. Falkenstein Ad., Decorationsmaler. Fasching Carl p\ Feinberg Jul. Feldscharek C„ Architekt. Fellner Ferd., Architekt. Fernolendt Stefan. Ferstel Heinr. Freih. v., k. k. Oberbaur. Festetics de Tolna Thassilo Graf, k. k. Gen. d. C. Feucht Carl, Vorst, der Zuckerbäcker. Frau Feyerfeil Therese. Fiedler Jos., k. k. Baurath. Fischer C. A., Buchdrucker. Fischer Wilhelm. Fischer Ritter v. Ankern Anton. Flattich, Architekt. Fleissig Heinr. Fräulein Flesch Lina, Malerin. Florian Franz, Nordbahn-Oberingen. u. Streckenvorstand. Fock Franz, Baumeister. Foregger Edl. v. Greifenthurm Cäsar. Förster Emil Ritter v„ Architekt. Frank Josef, Ingenieur. Frank, Dr., k. k. Regimentsarzt. Frank Joh., Dr., Hof- u. Gerichtsadv. p'ran kl L., portug. Hof-Lieferant. Freund Alfr., Banquier. Frey Rud., Architekt. Friedländer ls. Friedmann Alfr., Dr., Schriftsteller, p'riedmann D., Juwelier, pritsch Jos., Bildhauer, p'römel Carl, Bildhauer. P'uchs Johann, p'üsse 1 Georg, p'ux Josef, Maler. Gabesam Jos., Kaffeesieder, p'rau Gabilion Zerline, k. k. Hof- Schauspielerin. Gagern M. P'reiherr v., Mitglied des Herrenhauses etc., Excellenz. Frau Gallmeyer Josefine, Schauspiel. Gapp Ant. Edl. v., k. k. Regierungsr. Gaertner Ernst, Ingenieur. Gasser Jos. Ritter v. Valhorn, Bildh. Gasteil p'ranz, Bildhauer. G aul Franz, Maler, Oberinsp. d. Hofoper. Gczierowski, Nordbahubeamter. Gerber Ludwig. Subscribenten-Verzeichnis. 659 Die P. T. Herren: Gertinger Jul., k. k. Hof-Photograph. Geyer Georg, Maler. Geyling Franz, Ober-Ingenieur. Geyling Rudolf, Maler. Giani Carl, k. k. Hof-Kunststicker. Giesel Hermann, Architekt. Giessauf Moriz, Ingenieur. Gintl Heinr. Dr., Central-Inspector der Lemberg-Czernowitz. Bahn. Gisser Adolf. Frau Gizycka-7.amoyska Gräfin. Gizycki -7,a moyski Xaver Graf. Frau Glaser Rosalie v. Gloss Ludw., Bildhauer. Goebel Carl. Maler. Goldberger v. Buda Sam. F„ Grossh. Golden Carl, Ingenieur. Goldreich Edler v. Bronneck Friedr., Architekt. Goldscheid, Dr. Goldschmidt Friedr. Goldschmidt Phil., Dr. Goll Anton. Golz Alex., Maler. Frau Gomperz Mina. Gottwald, Architekt. Goetz. zu Schwannenfliess Ad. v„ Maler. Frau Gozman-Passy-Cornet Adele, Professorin. Grabensteiner L., Apotheker. Graf Edm., Vice-Präs. d. Touristenclubs. Graf Franz, k. k. Hauptmann. Graf Ludw., Maler. Graf Theodor. Granichstaedten, k. k. Hof-Juwelier. Greil Alois, Maler. Gr ei ml Hermann. Griepenkerl Christ., Historienm., Prof. Grohmann Leopold. Groner A„ Architekt. Gross A., Maler. Gross Anton. Architekt. Gross Josef, Architekt. Gross Julius. Gross Wilhelm, Juwelier. Gruber Franz Ritter v., Architekt u. k. k. Prof. Gruber Theodor, Cassier, Grünbeck Heinr., Abt. Grund Carl, Dr. Grundinger Philipp, k. k. Major. Gschwandner Joh., Baumeister. Guberner & Hierhamer, Steindruck. Gudenus Leo Baron. Gudenus Gabriel Freiherr v. Guglia Rud., Architekt, Gunkel Jos., k. k. Hof-Kleidermacher. Guschl Josef. Guth Joh., Apotheker. Gutmann Dav. Ritter v„ Grosshändl. Guttmann Alb., Musikalienh. H aas Max, Architekt. Haber Freiherr v. Linsberg Louis, Mitglied des Herrenhauses etc. Hagen Julius, Reichsfreiherr. Hahn S. Ritter v.,,k. k. Regierungsrath, Generaldirector der Länderbank. Hajek Johann, k. k. Oberlieutenant. Hallady Franz. Die P. T. Herren: Hallvich Herrn., Dr., Reichsraths-Abge- ordneter. Halmschläger Franz, Stadtbaumeister. Hammel Rudolf, Architekt. Hammer G. M„ Fabrikant. Hanika Johann. Hanselmar, Fabrikant. Hansen Theoph. Ritter v„ k. k. Oberbaurath, Professor. Härdtl Hugo, Bildhauer. Harpke Anton. Hnrrach Franz Ernst Graf, Mitglied des Herrenhauses, Excellenz. Harthan Adolf. Bildhauer. Hartl Georg Ritter v.,Seifen- und Kerzenfabrikant. Hasch Carl, Maler. Hasenauer Carl Freiherr v., Architekt, k. k. Professor. Haslinger Carl, k. k. Hof-Musikalienh. Hassa Louis jun. Haswell Alexander, Chemiker. Haud.i Hans, Ingenieur. Frau Haugwitz Anna Gräfin. Haunold Carl, Maler. Hauptmann Franz. Hauser Ferdinand, Stadtbaumeister. Hauser Alois, Architekt. Hauslab Franz Ritter v„ k. k. F7.M., Excellenz. Hausleithner Rudolf, Maler. Hawlaczek, Porzellanmaler. Hedley J. H„ Professor. Hefft Anton, Architekt. Heger Ferdinand, Hötelier. Heim Christ., Präses der Vers.-Anstalt „Allianz“. Hein dl Johann. Heksch Alexander Franz, Schriftsteller. Helmer Edmund, Professor, Bildhauer. Helmer Theodor, Architekt. Helmissen Anton, Professor. Helmreich Rudolf, Magistratsingenieur. Hentke Ed., k. k. Lieutenant. Herbabny Julius, Apotheker. Hermann Joh. Ritter v., k. k. Schulrath Herndl Alois. Fräulein Herold Edle v. Stoda Anna. Herschmann Sigmund. Herz Julius, Director der Bodencredit- anstalt. Herz Julius, Baudirector. Herz Wilhelm. Herzfeld Eugen, Dr. Hess Johann, Stationschef der Südbahn. Hieser Otto, Architekt. Hillinger, Ingenieur. Himmler Heinrich, Vorstand. Hiroux Franz, Bildhauer. Hirsch, Volkssänger. Hirsch Mich. Communallehrer, Bürger von Wien, Besitzer der gold. Salvatormedaille, Waisenvater etc. Hirschler Ed., Antiquitätenhändler. Hlawacek Anton, Maler. Hlawatsch Rudolf, F'abrikant. Höfelmayer Anton. Hofbauer Adolf, Baumeister. Hofeneder Carl. Hofer Andreas, Ober-Inspector. Die P. T. Herren : Hofer C. Curat, fürsterzb. Consistorialr. Höf er Otto, Architekt. Hoffmann Jos., Dr., Director des Allgemeinen Krankenhauses. Hoffmann Josef, Maler. Hoffmann, Ingenieuradjunct. Hoffmann, Secretär. Hofmann v. Aspernburg Andr., Bureauchef der Südbahn. Hofmann Nicola, Architekt. Holdhaus Carl, Beamter. H o n a u e r Franz Xav., Gemeindeausschuss. Honstetter-Mö wenstein A. Ritter v„ Dr., k. k. Ministerialsecretär. Honus J., Stadtbaumeister. Hopfen Franz Freiherr v„ Präsident der Südbahn. Hop pe Theod., Vorstand der Baumeister. Horak Franz, Bauinspector. Frau Hornbostl Antonie Ritterin v. Hornbostl Theodor Ritter v„ Director der Creditanstalt. Horzicka Franz, Apotheker. Hoyos-Sprinzenstein Ernst Graf,Mitglied des Herrenhauses, Excellenz. Hoyos-Sprinzenstein Josef Graf v.. k. k. Kämmerer. Hoyos Rudolf Graf. Hranatsch Ernst, k. k. Baurath. Hüb er August. Hüffel Osw., Inspector. Huhn Carl. Hunger J„ Disponent der „Steyrermühl“. Hunyady de Kethely Koloman Graf, k. k. Ceremonienmeister, Excellenz. Hütter Emil, Magistratsbeamter. Jacobi Jacob Ritter v„ k. k. Hofrath, Generalsecretär der Nordbahn. Jahn Jos., Ingenieur. Janschky Franz. Jasper Vict., Kupferstecher. Fräul. Jeczmienio wski Hel., Lehrerin. Jelinek Wilh , Architekt. Löbl. Intendanz d. k. k. Hofiheater. Jobst Franz, Maler. Jobst Carl, Maler. Jordan Rieh., Architekt, Director der Baugewerkschule. Isbary Rud., k. Rath, Präsident der n. ö. Handels- u. Gewerbekammer. Junghanns J. N„ Vorstand. Jup Jg., Fabrikant. Jüptner Freiherr von Jonstortf Franz, k. k. Schiffsbau-Ingenieur. Jurschina Franz, Bildhauer. Ivan Peter, Dr. Kaiser Ed., k. k. Baurath. Kallier N. Ritter v., Reichsrath-Abg. Kalous Josef, Grosshändl.-Beamter. Kaltenberger F. J., Disponent. Kaltofen Alfred, Beamter. Kämmerer Carl. Kann A., Directionsr. Kantor Ignaz. Karatsony v. Beodra Guido Graf, k. k. Kämmerer. Karl Alex., Prälat v. Melk, Landmar- schallstellvertr. v. Nied.-Oest. 83 * 660 Subscribenten-Verzeichnis. Die P. T. Herren: Kästner Adalbert, k. Rath. Kattus Johann. Katzer Ferd., Siidbahn-Beamter. Kaufmann Josef. Kehl mann Louis. Consul. Kellermann Carl, k. k. Hof-Bronze- waarenfabrikant. Kern Armin, Maler. Kessler v. Kestenach Johann. Khevenhüller-Metseh Johann Carl Fürst, Durchlaucht. Frau Khevenhüller-Metseh Johann Carl Fürstin, Durchlaucht. Kickinger Johann, Bildhauer. Kielmayer Franz, Magistratsbeamter. Kinsky Ferdinand Fürst, k. k. Geheimrath, Mitgl. d. Herrenh., Durchlaucht. Kinsky Christian Graf, k. k. Kämmerer, Reichsrath-Abgeordneter. Kinsky Friedrich Carl Graf, k. k. Kämmerer, Reichsrath-Abgeordneter. Kinsky Lili Comtesse. Frau Kinsky Therese Gräfin. Kinzl J„ Genremaler. Kirschner Ferd., Architekt, k. k. Regier ungsrath und Burghauptmann. Kissling Mor., Bildhauer. Kittl Ant., Chef der Bahnerhaltung. Klaudy C. A. Ritter v„ k. k. Hofrath, Generalinspector d. Lemb.-Czern. B. Klaus Joh., Kupferstecher. Klee Hermann, Maler. Klein Joh., Prof., Historienmaler. Klein Leopold, Gemeindeausschuss. Klein v. Wiesenburg Friedrich Freiherr, Fabrikant. Kleindienst Franz, Magistratsbeamter. Klein stück Gust., Schriftsteller. Klingenberg Wilhelm, Architekt. Klotz Wilhelm, Oberinspector. Km ent J. A., Handschuhfabrikant. Knüfel G. R., Redacteur, Director der Wiener Schuhmacher-Lehranstalt. Koch Julius, Architekt, k. k. Professor. Köchert Heinr., k. k. Hofjuvvelier. KCchlin Carl, Architekt. Kohn Beruh., Clavierfabrikant. Kohn Josef, Wechsler. Kohner Carl. Kolb P., Vorstand. Kolmayer Josef, Maler. Frau Kollonitz Gräfin. Kolwein Joh., Secretär d. üst. Kunstv. Komorzynski Ludw. v„ Schriftsteller. König Friedrich. Architekt. Königswarter Moriz F'reiherr v., Mitglied des Herrenhauses. Kopf Josef, Baumeister. Koräb Ritter v. Mühlström Camillo, Dr.. Hof- und Gerichtsadvocat. Korompay Gustav, k. k. Baurath. Körper v. Marienwerth Anton. Kett Josef, Decorationsmaler. Kraft W, Mechaniker. Krahl Carl Gust, k. k Hof-Wappenmal. Kratzer Ed. Edler v. Kraus Peter, Stadtbaumeister, Kremsier Gustav. Krenn Alex., Magistratsrath. Krenn Franz Ritter v„ k. k. Bauadj. Die P. T. Herren: Kress Thomas, Stationsvorst.-Stellvertr. Kretz Ernst, Oberingenieur. Kreuzig A., Gemeindevorstand. Löbl, k. k. Kriegsbibliothek. Krombholz Ernst, Baumeister. Kronenfels Theod. Ritter v., k. k. Statthaltereirath. Krones Anton, Architekt. Kronstorfer lg., Vorstand. Kropf M., Architekt. Kubelka Josef, Architekt. Kühn Josef, Dr., Gemeinderath. Kundmann K„ Bildhauer, Prof. a. d. Akad. der bildenden Künste. Kundrat Jos., k. k, wirk). Regierungsr. Kunz F. C. Frau Kupfer-Berger Mila, k. k. Hof- Opernsängerin. Kusche Carl, Chet d. Materialverwalt. Kutschera Franz, k. Rath. Kutschera Ludw., Apotheker Labat t Leonhard,k. k. Hof-Opernsänger. Lachmayer Josef. Lamatsch Johann, Dr., Apotheker. Frau Landauer. Löbl. n-0. Landesbibliothek. Frau Lang Josefine. Lange Paul, Architekt. Larisch Georg Graf. Larisch-Mön nicli Heinrich Graf. Laske Iwan, Architekt. L a s s e r Ri tter v. 7,ol Ihei m Carl, k. k. Oberbaurath. Lato ur v. Thurmburg Carl.k.k. Hofrath. Lausch Adolf, Inspector der Sildbahn Lax Josef, Bildhauer. Latzei Josef. Lebel Sigmund, Kunsthändler. Lederer Franz, Expeditor der Sparcassa. Lederer Johann, Vorstand. Lederer Leopold. Leeder Friedr., lnspector der Nordbahn. Lefler Franz, Maler. Lehmann Adolf, k. Rath. Lehn er Gilb-, Decorationsmaler. Leichamschneider Bernhard. Leide Josef, Apotheker. L e i d i n g e r Josef, Beamter i m k. k. Oberst - hofmeisteramte. Leim er Josef, Bildhauer. Leitenberger F. Freiherr v. Leitkep Jos., Überingenieur. LemayerCarl Freiherr v., Dr.,k. k. Sec- tionschef. Lessle Thomas, Oberingenieur. Li dl Ferdinand v„ Oberingenieur. Lieben Richard. Liharzik Franz, Dr., k. Rath. Lihotzky Erwin v„ Sousdirector der StaaLbahn. Lind Carl, Dr., k. k. Sectionsrath. Frau Lindemer Josefa. Linkh Ritter v. Treuimschild Edm., Dr, Li pp Franz. Li pp Ludwig, Apotheker. Liss Oswald, Ingenieur. List J., Baumeister. Löb Louis, Banquier. L ö bl i c h F' ranz.Reichsraths-Abgeordneter. Die P. T. Herren: Loh wag Ernst, Schriftsteller. Loessl Friedrich Ritter v„ Architekt. Löw Alois, Glasmaler. Löwenthal Joh. Freiherrv., k. k.FML., Excellenz. Löwy Josef, k. k. Hofphotograph. Luckeneder Oswald, Baumeister. Ludwig Bernh., k. k. Hof-Kunsttischler. Ludwig Richard, Möbelfabrikant. Lukesch Wilibald, Sparcassabeamter. Luntz Victor, Architekt. Luzatto Leopold, Weiu-Grosshändler. Ma chatschek Adolf. Mages Carl. Mandl Carl, Dr. Marastony J., Maler. Mannagetta und Lerchenau Eugen Ritter v„ Piäsid-Secretär. Marchitta & Schmoranz, Bauräthe. M a r h o 1 d J„ Professor. Markowski Josef, Vorstand. Marold lg., städt. Schuldirector. Marschall Matth., Graveur. Marzak Julius, Maler. Marzano Joh. Bapt. Witwe. Maschke Ludwig, Dr. Matthes Rudolf, Vorstand, Frau Mater na-Frie d ri ch Amalie, k. k. Kammer- und Hof-Opernsäng. Matzinger Franz Freiherr v., Dr., k. k. Sectionschef. Maurer, Ingenieur. Mautner Ritter v. Markhof Carl Ferd. Mauthner Ritter v. Mauthstein Wilh., Dr., Gemeinderath. Mayburger Hugo. Mayer Alex. Mayer Moriz, Banquier. Mayer Laurenz, Dr., k. k. Hofburg- Pfarrer. Mayer Moriz, Ingenieur. Mayerhofer Carl, k. k. Hof-Operns. Meiler Alex,, Bildhauer. Meiler Alex. Meixner Wilhelm. Mekler Ludwig, leitender Secretär. Men dl Bernhard. Menszhengen Franz X., Freiherr v. k. k. Geheimrath, Excellenz. Meran Franz Graf von, Erlaucht. Merode Carl Freiherr v., Maler. M etter nich-Winnebu rg Rieh. Fürst, Herzog v. Portelia, k. k. Geheimrath, Durchlaucht. Meyersberg Hermann, Meyersberg Julius. Michalek Ludwig, Kupferstecher. Miksch Hans, Architekt. Milch Dionys, Architekt. ' Milde Alb., k. k. Hof-Schlosser. Miller Martin & Sohn. Miller Ritter von und zu Aichholz Eug. Minnigerode Ludwig, Maler, Prof. Mod reiner Carl, lnspector. Mohr v. Ehrenfeld Carl. k. k. Oberst. Morgenbesser Lepp. Edl. v„ k. k. Maj. Morvay B. Moser, Hausinspectoj. Müller Anton, Dr., Hof- u. Gerichtsadv. Subscribenten-Verzeichnis. 661 Die P. T. Herren: Müller Franz, Bildhauer. Müller Franz. Müller Fritz. Müller Johann jun., Bildhauer. Müller J„ Vorstand. Mul ly Heinrich, Handelskammerrath. Münch-Bellinghausen Felix Freiherr v„ Statthaltereirath. Munk Hugo. Münzer Julius. Musgei Ad. Baron, Na chtsheim Hubert, Oberingenieur. Na gl L„ Bureauchef. Nava Alex., Dr., Referent der Sparcassa. Nemetschke Franz, Clavierfabrikant. Nesper Eugen, Dr, Neudeck Andreas, k. k. Münzgraveur. Neuffer Ernst, für die k. k. pr. Donau - Dampfschifffahrts-Gesellschaft. Neuhauser Herrn. Edl. v„ k. k. Oberst. Neumann Franz, Architekt. Ne u mUller Josef. Newald Julius Ritter v„ Dr., Niedzielski Julian, Architekt. Nigg Hermann, Maler. Nikole Josef. Noitz Heinrich, Ingenieur. Noli Carl, k. k. Oberlieutenant-Auditor. Noltsch W.O., Historienmaler, Professor. Noske Const., Generalsecretiir der franz.- ungar. Assecuranz-Gesellsehaft. Novach Hugo, Generalsecretiir. Nowopacky Johann, Maler. Nowotny Ludwig. Obach Theobald, Ingenieur. Obentraut Ad. Ritter v., Abgeordneter. Oberhoff Julius. Frau Obermayer Marie Fräulein Ofenheim Marie. Frau Ofenheim Sofie v. Ohligs B., k. k. Hol - Waftenfabrikant. Olbrich Julius, Architekt. Oel wein Arthur, Ing. und Bauinspector. Löbl. k. k. Operntlieater. Orel Job.. Censor der öst.-ung. Bank. Orletli Anton, lnspector. Oster Franz, Wappenmaler. Oesterreicher v. Dumreicher, k. k. Sectionsrath. Oesterreicher Joh., Stadtbaumeister. Paar Alfred Graf, k. k. FML., Kxtellenz. Pa ko st a Josef, Stationschef. Pallavicini Sändor Markgraf v. Palm Heinrich, Ingenieur. Pani gl Josef, Bildhauer. Parthila Georg. Passauer Moriz, Dr. Pauer Fr. S., Ober-Inspector. Paukert Carl, Verkehrsassistent. Paulik F.. k. k. Hof-Tischler. Pauly Ad., Architekt. Pauly Wilhelm. Pawek Johann. Pazelt Ign., kais. Rath, Hand.-Schul-lnli. Peithner von Lichtenfels Eduard Ritt., Maler u. Prof. d. Akad. d. bild. Künste. Die P. T. Herren: Pellegrini Johann. Pendl Em., akad. Bildhauer. Perciwal Johann, Baumeister. Petersen Christ., Maler, l’etko Anton, Sectionsingenieur. Petrovic Johann. Petrovics Ladisl. Eugen, Maler. Petzei Rudolf, Lehrer. Petzold Adalbert. Petzold Julius, Ingenieur. Pfeifer Carl Ritter v. Forstheim, Insp. Philippi Franz. Pichler Friedrich, Souschef. Pick Gustav Pilz Engelb., Inspector des k. k. Telegraphenamtes. P i o Alb., Architekt. Pirner, Maler. Pittner Wilhelm, Metallwaarenfabrik. Planck Franz, Steindruckereibesitzer. Blank Ludwig, k. k. Hof-Bäcker. Plener lg. Edl. v., Dr., k. k. Minister a. D„ Excellenz. Poche Eugen Freiherr v. Podhagski Edl. v. Kaschauberg Joh., k. k. Ingenieur. Podzahradil, Dr. Politzer Ludw., k. pers. Hof-Juwelier. Politzer Moriz, lnspector. Polizeidirection, k. k. Pönisch Alois, k. k. Hauptmann. Pönninger Franz, kais. Rath, Bildhauer, Professor. Popper Alfred jun. Poschacher Anton, Architekt. Posonyi Alex. Pottenegg Graf. Potyka Theodor, lnspector. Pötzl Ed., Redacteur. Prandau Alfred Freih. v., k. k. Landesgerichtsrath. Pranter Franz. Prausek Vinc., k. k. Landesschul-lnsp. l’rechtl Franz. Preidel Friedrich. Preleuthner Joh., Prof. u. Bildhauer. Preunninger Carl, Betriebsdirector. Preyss Victor, Ober-Ingenieur. Prick Vincenz. Prim rose E. v., Atache. Probst Carl, Maler. Prochaska A., Architekt. Prohaska Ignaz. Prokesch Kranz, Baumeister. Proksch Anton, lnspector d. Nordb. Quidemus Carl, Architekt. Raab Ed. Ritter v., Reichraths-Abgeord. Raab Wilhelm, Apotheker. Rad 1 erFriedr.Edl. v., Dr., Magistratsconc. Rainer Jacques, Dr., Apotheker. Rainer Theod. Rakowski Stefan v„ k, k. Kämmerer. Kam Franz, Baumeister. Ransonnet-Villez Carl Freiherr v., k. k. Geheimratli, Excellenz. Ranzoni Gustav, Maler. R a s p i Eug., commerc. Referent derStaatsb. Die P. T. Herren: Ratz Tobias. Reichel Friedrich. Keifer Felix, Ober-Ingenieur. Reiffenstein G.,k.k. Hof-Kunstdrucker. Keinhold Josef. Reisslin Freiherr v. Sonthausen Carl, k. k. Geheimrath, Excellenz. Resch A., Vorstand der Kaffeesieder. ’ Retzer Franz Xav., k. k. Hofbeamter. Rettich Ludwig, Ober-Inspector. Reuter Theodor, Architekt. Richter Albert, Dr. Richter, Architekt. Richter Wilhelm, Maler. Ridler Ludwig, Maler. Riedl Johann, Bildhauer. Riedl Carl, Maler. Ri ha Hugo, k. k. Hof-Anstreicher. Rischner Thadd. Riss Carl. Rittershausen Hermann Ritter v„ Be- • triebsdirector. Rosche Hermann, Ingenieur. Rössler Anton, Vorstand. Roth Johann. Rothschild Alb. Baron. Rothschild Nathaniel Baron. Rotter Ed., Ober-Ingenieur. Rumpelmayer Victor, Architekt. Rumpler Franz, Maler. Rupp Ed., Stationschef. Ruppert Carl Ritter v., Ober-Ingenieur. Russo Alfred, türk. Grosshändier. Russo Heinrich, Grossgrundbesitzer. Ruth Ludwig, lnspector. Rybkowski Thadd., Maler. Rziha Franz, Ober-Ingenieur, Professor an der technischen Hochschule. Sabatfy Victor, Ingenieur. Sachsl Carl, Ober-lnspector. Saint-Genois Moriz Graf Salm- Reifferscheid Hugo Carl F'ürst und Altgraf, k. k. Geheimrath. Mitglied des Herrenh. etc , Durchlaucht. Salt er Simon. Sarg Carl, k. Rath. Säusele M. S a u t n e r Josef. Scaria Emil, k. k. Hof-Opern- und Kammersänger. Schachner Carl, Dr., Advocat. Schadn Johann, Hotelier. Schäfer Victor, Apotheker. Schaffer August, Maler. Schanner Franz, Stationschef. Scharff A., Münzgraveur. Schauer Leopold, Maler. Schaum bürg Carl, Ober-Baurath. Scheibenhof Guido Ritter v„ Director der Donau-Uferbahn. Scheid G. A. Schellein Carl, Vorstand derGemälde- sammlung des Allerh. Kaiserhauses. Scheller A. Schiele Friedr., Ober-lnspector. Schiffner Rud., Mag. d. Pharm, u. Chem. Schindlecker Josef. Schindler Jakob, Maler, Schindler Johann, Bildhauer. / 662 Subscribenten-Verzeichnis. Die P. T. Herren : Schipper Johann. Schirnhofer Gerhard P., Capitular u. Hofmeister d. Stiftes Lilienfeld. Schittenhelm Ant., k. k. Hof-Operns. Schlaf Ferd , Architekt. Schlecht Georg. Schlechta-Wsehrd Ottokar Baron, k. k. Hofrath. Schlierholz Gustav, Architekt. Schlierholz Ignaz, k. k. Ob.-Ingen. Schiimp Carl, Architekt. Schlögl Friedrich, Schriftsteller. Frau Schloissnigg Soph. Baronin. Schlosser Th„ Dr., Apotheker. Schmalzhofer Josef, Baumeister. Schmerling Anton Ritter v., Dr„ k. k. Geheimrath, Mitgl. d. Herrenhauses, erster Präses des oberst. Ger.- und Cassationshofes etc., Excellenz. Schmid D., Ingenieur. Schmid F„ Ober-Baurat'n. Schmid Josef, Beamter. » Schmid Wilh., Ingenieur. Schmidgruber Anton, Professor. Schmidl S. Schmidt Ad., k. k. Lieutenant. Schmidt Ed., Baumeister. Schmidt, Ober-Buchhalter. Schmidt, Ober-lnspector. Schmidt Otto. Schmierer Georg. Schnieder Johann, Baumeister. Schnizer Emil Edl. v. Lindenstamm, Architekt. Sch öd 1 Max, Maler. Schüller Philipp Ritter v., Dr. Scholz Carl, k. k. Official. Scholz Josef, Dr„ Gemeinderath. Schönberger Wilhelm. Schönbichl er Carl, Baumeister. Schönborn-Buchheim Erwin Graf, k. k. Kämmerer. Mitgl. d. Herrenh. Schönbrunner lg., Decorationsmaler Schönmann Anton, Baumeister. Schönn Al., Prof., Maler. Schönthaler F., k. k. Hof-Bildhauer. Frau Schratt Kath., Schauspielerin am k. k. Hof-Burgtheater. Schreiber A.. Theaterdirector. Schröder August, Ober-lnspector. Schröfl Hans, Bildhauer. Schrottenbach, Musikalienhändler. Schumacher Al., Baumeister. Schumann Carl, k. k.Baudirect., k.Rath. Schuman Ritter v. Kantzegg Gustav, k. k. General-Auditor. Schuster, k. k. Inspector. Schütz Ludwig, Pfarrer. Schwab Wilhelm, k. Rath. Schwärtz Gust. Ritt. v. Mohrenstern. Schwarz Carl Baron, k. k. Baurath. Schwarz Anton, Beamter. Schwarz Julius, Banquier. Schwarzenberg Joh. Ad. Fürst zu, k. k. Geheimrath, Mitgl. des Herrenhauses etc., Durchlaucht. Schweizer Georg. Schwemminger Heinrich, Professor, Historienmaler. Schwenninger Carl, Maler. Die P. T. Herren: Schwenk Ferd., Centr.-Insp. d. Nordb. Schwer D„ Vorstand. Schwertner Johann, Graveur. Schwingenschlögl Rudolf, Dr. Frau Schwoy Josefine. Schwungfeld Josef. Sederl Josef, Steinmetz. Sedlaczek Wenzel, Dr. Seeliger Julius, Ober-Ingenieur. Seidel Rieh., Apotheker-Provisor. Seidl Anton. Seidl Vincenz, Bureauchef. Seiller Josef Freiherr v., Dr., Hof- u. Gerichtsadvocat. S e 1 z e r Josef, Cassier. Semrad Ferd., jub. Ober-Baurath. Siegel Isid., Vorstand. Sild Carl. Simiczek Wilhelm, Baumeister. Singer Josef, Obereantor, Vorsitzender des öst.-ung. Cantorenvereines. Slezak Franz. Smattosch J„ k. k. Hof-Architekt. Smoluchowski Willi., k. k. Reg.-Rath. Sokorac Pant,, k. k. Oberlieutenant, Sonnenleiter Johann, Kupferstecher. Soucup Franz, Beamter. Soyka Victor, Beamter. Spaner Ludw., Dr., Hof- u. Ger.-Adv. Spina Carl, Gutsbesitzer. Spöttl J., Maler, Springer Max Freiherr v„ Grosshändl. Springer Heinrich, Hof-Lieferant. Stach Friedr., k. k. Baurath. Stampfei Josef. Starke H„ Juwelier, Starzengruber Theod., Redacteur d. „N. Fr. Presse“. Staudinger Friedrich, Maler. Stefan Carl, Architekt. Stefanowic Joh. Ritter v. Villovo, k. k. Major. Steinbach, Dr., Hof- u. Gerichtsadv. Steindachner Franz, Dr., Director d. zoologischen Hof-Cabinets. Steinebach Ed., Director der k. k. Hof-Apotheke. Steingraber S„ k. k. Regierungsrath. Steinhäuser, Dr. Ritter v., Hof- und Gerichtsadvocat. Steinhübl S. Steinling Jos., Maler. Stiassny, Ingenieur. Stiassny Wilh., Architekt, k. k. Baurath und Gemeinderath. S t i e d e r L. Stöckl Anton, Kunsthändler. Stöger Victor, k. k. Adjunct. Stohl Lucas, Dr. Strauss Joh., k. k. Hot-Ballmusikdir. Streit Andr., Architekt. Streschnak Rob., Bildhauer. Striberny Stanislaus. Strictius Lidwig, Bildhauer. Stummer Alex. Ritter v. Tavarnok. Swoboda Ed., Maler. Swoboda Franz, Ingenieur. Szekely Josef, Dr„ Photograph. Szekulics A„ Privatier. Szily Ad., Bildhauer. Die P. T. Herren: Tandler Josef Ritter v. Tanningen, k. k. Hofrath. Tauber, Cafetier. Teitelbaum Nie, Banquier Telle Carl, Ballet-Regisseur der k. k. Hof-Oper. Teschenberg Ernst Freiherr v„ a. o. Gesandt, u. bev. Minister, Excellenz. Thavonat Eugen Freiherr v. T h e u e r, Maler. Theyer Theod. Thonet Gebr., Fabrikanten. Thun-Hohenstein Leo Graf. k. k. Geheimrath, Mitgl. d. Herrenh., Excellenz. Frau Tige Marie Gräfin, Stiftsdame. Tilgner Vict. Osc., Bildhauer. Tinter Wilh., Dr., Professor. Tinti Carl Freiherr v„ k. k. Kämmerer, Mitgl. d. Herrenh. Tischler Ludw., Architekt. Todesco Sophie, Baronin. Török de Szendrö Nik. Graf, k. k. GM. Trau Franz. Trauschenfels Eng. v., Dr., k. k. evang. Oberkirchenrath. Trautenhain Jos., Medailleur. Trautt in annsdor ff-Weinsberg Carl Fürst, Mitgl. d. Herrenhauses, Durchlaucht. Trenck Heinr. Freiherr v. Tonder. Trenkwald Jos. Math., Maler, Professor der Akademie. Trettera Joh., Vorst. Triesch Friedr. Gust., Schriftsteller. Trnkoczv Otto Edler v. Zaskal, Dr. Trojan Em. Ritter v. Bylanow, Ober- Baurath. Trojan Franz Ritter v. Bylanfeld, k. k. Hofrath. u hl Ed., Bürgermeister der k. k. Reichshaupt- u. Residenzstadt Wien. Uiberlai Jos. Ullmann Anton. Dr., ärztl. Concipist d. k. k. Statthalterei. Ulrich Christ., Architekt. Unger William, Professor. Van Crasbeck. Varrone Joh., Maler. Vaugoin Carl, Gemeinderath. Venus Alex., Director d. Taubstum- men-Anst. Vernay f. N„ Buchdrucker. Vesque v. Püttlingen Carl Freiherr. Vielkind Carl, Ober-Ingenieur. Viertelberger Joh., Ober-lnspector. Vintschker-Altenburg zu Neuperg Ludw. v„ Architekt. Viskeletty Jos. v„ k. k. Rittmeister. Vita Wilh., Maler. Vivenot Rud. Ritter v., Dr. k. k. Hofrath. Voigt Carl. Völkel Reinh., Bildhauer. Vonderheid Jos. Anton, Maler. Vrints zu Falkenstein Max Graf, k. k. Geheimrath, Mitgl. d. Herrenh,, Fix- cellenz. Subscribenten-V erzeichnis. 663 Die P. T. Herren: Wa ckerhütl Ferd., Baumeister. Wagner Heinr., Stadtbaumeister. Wagner J., Maschinendirector. Wagner Johann. Wagner Josef, k. k. Ingenieur. Wailand Friedr., Maler. Waldheim A. v„ Apotheker. Wal ko, Ober-Ingenieur. Frau Wallhoffen Pauline Baronin v. (Lucca), k. k. Kammersängerin. Walter Gust., k. k. Kammer- u. Hof- .Opernsänger. Walterskirchen Rob. Freiherr v. Walzel Anton, Ingenieur-Adjunct. Walzel Cäsar v„ k. k. Major. Wanitzky Carl, Stadtbaumeister. Wanitzky Franz, Stadtbaumeister. Wa nka Josef Baron v„ k. k. GM., Di; ect. d. milit.-geogr. Institut. Warton Jak. Dr„ Ref. d. Ost. Sparcassa. Waschmann Carl, Graveur. Wassilko J. v„ Ingenieur. Weber Carl, Apotheker. Weber E. Weck Josef, Stadtbaumeister. Weckbecker Hugo Freih. v„ k. k. FML. Weinbrenner Theod., Ober-Official. Weinmann Math. Weiss v. Wellenstein Max, Banquier. Weisshappel Ludwig, k. k. Hof- Fleischselcher. Welzl J„ Bureauvorstand. Wendeier Joh. M. Die P. T, Herren: Wenz Josef, k. k. Hof-Baumeister. Wenzel Josef, Maler. Werdmüller v. Elgg, Ph. Otto. Fräulein Wertheim er Julie. Weyr Rudolf, Bildhauer. Wiener Ed. Ritter v. Welten, k. port. Consul. Wiesenburg Ad., Reichsr.-Abgeordn. Wilczek Hans Graf, k. k. Geheimrath, Mitgl. des Herrenhauses, Excellenz. Wild Josef, Professor. Wildbach Andr., Maler. Wilemans Alex. v„ Architekt. Wilhelm F„ Ober-Inspector. Willfort Mor., Ingenieur. Willim Josef, Dechant und Pfarrer, päpstlicher Hausprälat etc. Willner Anton, Dr„ Advocat. Wilfsdorf A. F. Freih. v„ Ingenieur. Wimmer Josef. Wimpffen Victor Graf, k. k. Hofrath. Winkler, Gemeindevorstand. Winkler Herrn., Verlagsbuchhändler. Winter Hans, Architekt. Winterberg’s Lehr- und Erziehungs- Institut Winterhaider Jos. Ritt, v., k. k. Hofr. Frau Wisinger Floriana Olga, Malerin. Witasek Wenzel, Über-Inspector. W i 11 m a n n Rudolf. Wögerer Heinr., k. k. Ilofrath. Woikowitz v. Wojtechovsky Wenzel, Ober-lnsp. Die P. T. Herren: Wolfarth Carl Ritter v„ k. k. Hof- und Ministerialrath. Wülfler Bernh., Dr„ k. Rath. Wolfram, Maler. Wolters Wilh. Arn., k. k. Hof-Mechan. W o r e 1 Carl, Architekt. WBrndle v. Adelsfried Aug., Maler. Wunderlich Carl. Wünsch St., Ingenieur. Wurm Al., Architekt. Würth Joh. Edler v„ k. k. Rittmeister. Wüste F., Fabriksbesitzer. Zafaurek Gust. Zamara Ant., k. k. Kammervirtuos, Prof. a. Conserv. Zampis Anton, Maler. Zana Jos. v., Dr. Zehetgruber Joh. Zeller, Baumeister. Zhänel Ferd., Ingenieur. Zichy Hippolyt Graf von, päpstlicher Hausprälat und Abt. Zickero Franz, Zifferer Donat, Architekt. Zikes Stef., Apotheker. Zinkt Jul., Inspector. Zissler Ed. Zoglmann Franz, Vorst, d. Wirthe. Zölfer Jak., Baumeister. Zugmayer H„ Fabrikant. | Zumbusch Caspar, Professor. [ Zürn ich Jos., Maler. I Personen-Register, Seite Abdul Malek .. 191 Abel, Maler. 311 Abele, Freih. v.. 417 Abensberg-Traun, Grafen. 215 Abensberg-Traun, A. Gräfin 451 Abensberg-Traun, A. Graf 535 Abensberg - Traun, O. E. Graf 479, 546 Abermann. 402, 499 Abraham a Sancta Clara 139 333, 371, 558 Accriboni. 169 Achleitner, S. 66 Adam. 220 Adamberger. 305 Aeneas „ Sylvius (Pius 11.) XXI 71. 158 d’Afllisio.jG.301 Agaffi. 490 Agnes (Andreas 111.) .... 484 Agnes (H. *Jasomirgott) .. 206 Agnes Königin.585 Agnes'(Stefan 111.). VI Aichelberg, K. Freiin v. . 189 Alba, Herzog... 575 Albani. 269 Albert, k Maler.XXI Albrecht I.XX, 96, 230 319 342, 570, 610 Albrecht II. 3, 29, 31, 63, 69 137, 197, 448, 451, 493, 570 591 613 Albrecht 111. XXI, 2, 3, 3l! 47 137, 449, 579, 605 621, 630 Albrecht IV. 29, 48, 138, 569 570 Albrecht V. .. XX, 28, 79, 109 207, 281, 374, 495 542, 570 Albrecht VI. 23 Albrecht, Erzhzg. 4, 335, 527 Albrecht, Herzog XXI, 65, 274 288, 425, 466, 613 Albrecht v. Sachsen Teschen 83 368, 629 Albrechter, Cathreyn .... 467 Albrechtsberger. 195 Aldringen, A. v. 474 Aldringen, Feld marschall. 474 Alexander v. Masovien... 76 Alexander 1. v. Russland. 190 274, 381, 384 Allio, Brüder.203 Althan Fam. 579 Althan, G. v. 52, 340, 341, 482 Seite Althan, M. Gral. 18, 166 Althan, M. Gräfin . 271, 633 Altomonte, M. 73, 150. 151 216, 217, 223, 240, 266 289, 343 Alt-Zeinigen - Westerburg. Graf. 350 Alxinger. 119, 539 Amadä, Graf .. 403 Amalie, Wilhelmine (Josef 1.) 231, 275, 283 Aman. 66, 362 Ambros, Prior. .. 207 Amerling, Maler . 130 Ander. 534 Andrä, Chr. Ritter v. 553 Andrassy. 286 Andreas 111. v. Ungarn . 484 Andreas, D.. 215 Andreossy . 187, 188 Andrisky, A. F'reiin v.... 601 Angerfelder, K. 79 Argiolini. 300 Anhalt-Dessau, Herzog .. 407 Anjou, M. v. 574 Anna (Ferdinand I.) .... 231 Anreiter. 624 Anschütz 172,305,307,309 313 Antelmont .. 511 Anton, Abt. 203 Anton, Erzherzog. ... 83, 220 Anwälte. 2 Appastoff. 283 Appel. 447 Appolt, Fr. 42 Appony, Graf.467 Aquissola, L. 279 Arcierengarde. 12 Argoli. .. 211 Armensünderbruderschaft . 479 Arndt A. 380 Arneth, A. Ritter v. 8, 354 656 Arnstein. 602 Arnstein und Eskeles 418, 602 Arodino, C. 499 Artaria, A. ... 191, 541, 656 Artaria, C. 191 Artaria, D. 191, 541 Artaria, F. 190, 541 Arthaber, J. 123, 624 Asperl, M. 618 Assenhainer, G. 333 Astorffer, F. 341 Auerbach G. 343 Seite Auerbach, K. 73 Auersperg, Fürst. 271 Auersperg, Fürstin . 199, 271 Auersperg J. W. Fürst v. 219 Augustin, Sackpfeifer .... 143 Augustinerinnen. . . 451 Aulich, L. Graf. 350 Avianus, M. ...181 Awhainer, H. 130 Ayrenhoff. 119, 223 Babenberger . . 228, 318, 406 Bach, de. 382 Bach, Dr. 412 Bach, J. S. 621 Bachmann, G. 212, 499 Bachner, G. 537 Bacizo. 73, 151 Back. 306 Baco. 373 Bäckerzunft . .. 25, 385, 591 Bäuerle, A. ... 172, 188. 297 533, 540 Baics. 351 Baillot. 196 Baizath, M. v. 358 Bakacs, Th. v. Erdöd .. . 523 Balasfalva, A. de. 462 Balduin IX.. 2 Ballmeister.375 Ballokino. .534 Barbaja .. 533, 534 Barchuten, C. 460 Barnabiten. 544 Bartenstein, A. C. F'reih. v. 390 Bartenstein, I. Freih. v. . 387 390 Bartsch. 193 Basta. G. . 18 Batthyany, p'am... . 475 Batthyany, Adam Graf . . 579 647 Batthyany, E.. 475 Batthyany, E. Gräfin .. . (schöne Lori). 579, 633 Batthyany, J. Graf.350 Batthyany, J. B. Graf . .. 564 Batthyany, L. Graf. 238, 286 399 Bauer, Pater. 279 Bauer, Professor ... 262, 638 Bauernfeind, Fam... 88, 89 Bauernfeld. 313, 537 Baumgartner, J. 184, 343 Seite Baumgartner, Th. 408 Beatrix v. Modena. 474 Beaumarchais. 305 Beckmann. 309, 537 Beda venerabilis.XVI Beduzzi, A.470 Beethoven, L. v. . . . 191, 195 273, 296, 312, 510, 542, 621 Behaim, M.. .. XIX, 230, 502 Beil. 306 Bela 111. VIII, 480 Belasy. 414 Bellegarde, J. Gräfin.... 568 Belleisle. 270 Beiles d’amour. 383 Bellesznay. 286 Bellini . .. 533 Belotti, B.. 215 Bender.301 Benedict XIV... . 415 Benedictiner. 207 Benedictinerinnen. 14 Benvenuti, F'. 577 Berchtold, Grafen. 126 Berchtolten, J. 126 Bereszeny. 484 Bergauer, C. 406 Bergenstamm, A. v.483 Berghem, Dirk v. 222 Bergl. 210 Bergobzoom. 305 Berlin, N. 24 Bermann, J. .. 111, 192, 193 Bermann, S. 193 Bernadotte. 547 Bernard, A. 425 Bernhard 1. 647 Bernhard 11. 647 Bernhard v. Clairvaux ... VI Bernhard v. Siena. 644 Berthier. 188. 370. 384 Berthold, Prediger .... XVIII Bertram, General. 417 Bessel. 279 Besseres.550 Bethenmacher . . 132 Bethlen, N. 277 Bethlen, Gabor. 44 Bettelrichter. 31, 49 Bibiena, A. 150, 343 Biedermann, J. 195 Biedermann, M. L.614 Bienfait.300 Bilbena . 150 Personen-Register. 665 Seite Birkenstock 8, 223, 343. 339 Bitterlich. 438 Bianca (Rudolf 11,). 573 Blanchard . 190 Blank, C.. 117, 512 Blankenstern, C. Freih. v. 189 Blücher ... 384 Blumauer 12, 119, 223, 320 539 Blumenbach. 220 Bock, F. 604 Bock, J. 32, 604 Bock, T. . 73, 211, 366, 438 522, 542, 604 Boerhave. 279 Bogner. 137 Boieldieu ... 529 Bojer. 299 Boineburg’ Ph. v. 545 Boldrini, t. 541 Bonaventura, Ph.444 Bontin, .XVII, 158 Bonvisius, F. 139 Bordogni.. 532 Borgondio. 385 Born, J. 539 Borosini. 529 Borromaeus, C. 73, 74 Borzaga. 195 Boulduc G. 460 Bouquoy. 45, 126, 642 Bowanga. 168 Braehadicz, H. v. 65 Braeuner, Graf 24. 80 85, 215 222, 413, 520, 610, 633 Brand, Chr. 343 Brandes. 305, 310 Brandis, Graf. 573 Brassicani, J. A. v. Emmerberg 135, 432, 473 Braun . .. 196, 306 Breisach S. 615 Breitenfelder. 642 Breying u. Moebus. 160 Brockmana. 304, 305 Browne. 174 Bruck. 479 Bruderschaft z. h. Dreifaltigkeit 276, 500 Bruderschaft der 42 Jünger Christi.. 60, 107 Bruderschaft Mariä .... 211 Brüder, barmherzige. 461 Buchberg, F. X. v.601 Buchberg, K. Freiin v. .. 601 Buchendorfer, H.448 Buchhändler. 57 Bünsdorf, C.601 Bünsdorf, J. 601 Buol, F. Ritter v. 212 Burian. 379, 380 Burgthor-Everl. 243 Burnacini, 0.142 Bussy, Gräfin. 390 Caccini, F.. .. .. 528 Cajetanus, D.370 Calame. 624 Calvazoni . 398 Camel, J.. .408 Seite Camesina, A. .. XXI, 21, 65 107, 218, 230, 318, 319, 353 429, 656 Camesina, I. A.'. 353 Camesina, M. K. 353 Camesini. 150 Camoens. 408 Campi, A. 533 Canaletto. 215 Canisius . 6 Canonissier. 14 Canova... 166, 270, 290 291 292, 368 Canzachi. 529 Capin, M. 50 Capistran, J. 50, 71, 644 Cappi. 194 Caracalla. 640 Carbon, J. 39 Carl, Abt. 209, 211 Carl, Erzherzog . 84, 161, 188 264, 354, 370, 381, 604 Carl v. Lothringen .. 15, 17 181, 350, 387 Carl 111. 8 Carl IV. 629 Carl V.2, 230, 448, 521 Carl VI.. . 15, 19, 32, 50, 51 57, '62, 82, 95, 138, 163, 201 211, 238, 240, 241, 278, 340 376, 387, 473, 482, 552, 620 Carl IX. 264 Carl Albrecht v. Baiern.. 286 Carion. 203 Carloni, S. 4, 542 Carmeliter. 2, 3, 568 Carmeliterinnen ... . ... . 14 Carolina Augusta 184, 290, 336 Caroly, Graf... . 286 Carracci. 11, 269 Caspar, Meister . 73 Castaldi. Graf. 200 Castelli.312, 391 Casterleagh. 382 Castillyos, Chr. de. XXI Catalani, A. .. 533 Catel. 529 Cavriani, Graf. 283, 414 Cellini, B. 458 Celtes, C. . . 78, 600 Cerini, P. 282 Cerulini. 196 Chalderon, J. 460 Chaos, J. C. Freiherr v. 410 Charas, M. 460 Cherubini . 529 Chorinsky v. Ledske Fr. 473 Christian, Erzherzog .... 83 Christian August, Herzog v. Sachsen-Zeitz. 640 Cicio, S.398 Cignani, C. 150 Cilly, Grafen v. 230, 620 Cimburgis (Ernst d.Eiserne) 574 Cischini, F. v... . . . 150, 151 Clarisserinnen . . 14, 339, 484 Clark. 190, 193, 467 Clary, H. 474 Clary-Aldringen, Fam. . .. 474 Clary-Aldringen, W. Fürst 474 Seite Claude. 269 Claudia Felicitas ... 178, 438 Clavareau .300 Clemens XII.528 Clemens XIV. 8, 18 Clemens, Abt. 610 Cobentzi, Graf. 283, 620 Coburg-Kohary, Hrzgin v. 421 Cölestin III. VIII Colalto . 22, 520 Collin .. 312, 344 Colloredo, Fam. 602 Colloredo-Mannsf. 50, 215, 271 Concarz, P. 225 Conde, L. v. 264, 342 Conrad. Abt. 208, 364 Conrad, E. v.635 Conradin, die gute. 49 Constantin, Kaiser. X Constanze. 480, 484 Continelli . 55 Contrini, Th. 132 Corneille. 300 Comet. 534 Corradini. 52 Correggio ,.342 Corsi. 527 Corti 243, 251, 270, 290, 293 Corvinus, J. 23 Corvfsart. 220 Costenoble. 305 Cranach, Lucas.575 Credula, J. 194 De Croix. 17 Crom well. 575 Cronöster . 331 Crumenauer. 520 Cürassiere, Dampierre’sche 45 Cumpert. 648 Currenten. 423 Cuspinian, Dr. J. 78, 80, 469 555, 600 Czartoryski. 12, 195 Czernin, F.344 Czernin-Chudenitz, K,Graf 550 Czerny, C. 193 Czerny, G.351 Czersdorf.511 Dacheibäck. 186 Dalberg, Freih. v. 306 Damjanich, J. . 350 Dampierre. 45, 473 Danzwoll.438 Daru. 467 Darvar, D. N. 454 Darvar, J. 454 Dattenrieder, M. 634 Daum .. 152, 163, 166. 345 506, 625 Daun 83, 174, 287, 368, 422 David. 532 Dawison. 314 Degen . 269 Dehm . 89 Dehnet. 434, 545 Delaroche, P. .. 624 Delsenbacli.II, 650 Demscher. 195 Denis. 539 Seite Descartes. 373 Dessewffy.350 Deym, Graf. 363 Diabelli. 129. 194 Didaker, S. 444 Diderot. 305, 310 Dier, C J. 126, 282 Dietrichstein, Fam.. 434, 472 Dietrichstein, Fürst. 538 Dietrichstein, F. v. Graf. 352 474, 560, 588 Dietrichstein, J. Graf ... 83 Dietrichstein, J. v.212 Dietrichstein, M. Graf 402, 403 Dietrichstein, P. S. von .. 374 Dietrichstein, S H. v.. .. 434 Dingelstedt . . . 308, 314, 534 Ditrich. 75 Dittmayer, G. 526 Doblhoff, A. Baron. 127 Doblhoff, H. v. 127 Dobyaschofsky. 479 Döbler. . .. 506 Döringer. Dolleschal. 195 Domanöck, A. 341 Domanovetz. 195 Dominikaner. . XIII, 4, 22 Dominikanernonnen ... . 451 Dommayer. 295 Donaugesellschaft, die gelehrte.600 Donner, M... 483 Donner, K.... 76, 179,288 446. 483, 512, 638 Donzelli . 385, 532 Dorin, E. v. 601 Dormitzer, B.644 Dragi, A. 517 Drahanek. 296 Draschkowitz, Fam. 185 Duellius. 75 Düref... 269 Dürrkräutlerinnen. 244 Duport.534 Durazzo, J. Graf... 300, .302 Durazzo, M. Graf.556 Durst.. 195 v. Dyk. ... 269 Eberhard. 85 Eckhel. 539 Eck her, C.534 Eckhof .. . 306 Eder. 190, 192, 193 Edlasperger v. Ofen.,... 386 Edling .'.. 83 Ehrenstein, R. v. 194 Einöder, M... 517 Eitzinger, Freih. v.418 Elenore (Ferdinand II.).. 178 Elenore (Ferdinand HI.). 234 513, 552, 592 Elenore (Friedrich III.) .. 574 Elenore (Friedrich IV.).. 160 Elenore (Leopold 1.) 78, 277 372, 373, 447 Elenore(Sigismundv.Tirol) 574 Elenore v. Mantua. . 4, 366 Eienter, E.535 84 666 Personen - Regist er. Seite Seite Seite Seite Elisabeth (Albrecht II.).. 574 Elisabeth (Friedrich IV.). 574 Elisabeth (Carl IX.) 178, 364 266 Elisabeth (Franz I.) 184, 199 Elisabeth (Franz Josef I.) 290 Elisabeth Christine . 283, 286 Ellerbach, Ritter v. 120 Eisler, Fanny. .... 506, 534 Eisler. Th.534 Emanuel v. Portugal 281, 574 Embel, F. H. 15 Endlicher. 412 Engelberger, J. 31 Ennichel (Ennenkel) . XI, 144 206, 557 Enzebühl. 48, 55, 634 Enzenberg, GrUfin. 8 Erb, A. 535 Erbbürger. XX Erdödy, F. Graf.556 Erdödy, G. Graf.555 Erler, F. 77 Ernst, Erzherzog. 484 Ernst, Herzog. 79 Ernst Leopold, Herzog . . 66 Erdl, A. 520 Ertl, M. A. Edle v. 411 Eskeles, B. Freih. v. 432, 614 Esse, J. v. 222 Eszterhäzv, N. Fürst 271 300 306, 383, 550, 621 Eszterhäzy, P. Fürst .... 550 Eszterhäzv, Fürstin .383 Eugen, Prinz. . 169, 2' 7 9, 398 579, 633 Everdingen.222 Eybl.. 8 Eybler. 195 Pabelhans . 371 Faber, J. 558 Färber. 2, 21, 441 Fahrbach. 295, 554 Fairfax. 575 Falkenhayn, E. Graf .... 473 Fässer, J. 358 Fatime. 516 Fauconet, R... 398, 482, 541 Feil, J. 230 Felbeque. 196 Felbermayer. 196 Feldner, S..617 Fellner, Freih. v. ... 50, 52 Felss, L. Freih. v.. . 374, 560 Feodorowna, Maria ... 12, 191 Ferdinand I. 4, 6, 18, 22, 42 117, 182, 230, 238, 259, 264 274, 290, 316, 329, 333, 398 427, 430, 498, 536, 616. 634 Ferdinand II... 6, 44, 45, 81 85, 96, 151, 178, 184, 185 208, 234, 298, 392, 526, 544 631, 634 Ferdinand III.. . II, 4, 23, 24 50, 96, 151, 178, 184, 185 208, 234, 298, 392, 526 Ferdinand IV...,. 184 Ferdinand Carl, Prinz .. . 287 Ferdinand, Erzherzog 24, 311 Ferdinand v. Este.402 Ferdinand, Herzog v. Sach- sen-Coburg-Kohary. 422 Ferg, F. 343 Fernberger, Oberst. 552 Fernkorn . .... 479 Ferrari. 17 Ferstl....479 Fesca. 193 Festetics-Tolna, L. Graf. 576 Fetzer, C. 212 Feull, Z. 155 Fiaker. 113 Fiamingo. 352 Fichtner .. 305, 308 Fischer v. Erlach, jun. . . 216 217, 480 Fischer v. Erlach, sen. 39, 51 111, 150. 168, 177, 216, 217 218, 222, 238, 240, 241, 270 414, 475, 479, 480, 639, 647 Fischer, J. 486, 504 Fischer, J. F. 282, 352 Fischer, M. .. . 23,125,145 166, 446 Flaraänder. 2 Flasching, M. E. Graf... 564 Fleckhaminer, 0.545 Fleury. 18 Fodor.532 Fluchart, N. 109 Focky, D. 500 Focky, J. J.500 Förster. 1, 195 Folch de Cordona, Fürst 283 Folkner (Volkner), O.... V Forgach.286 Fouque.287 Fouvray. 17 France, J. de.523 Franciscaner. 602 Francolin, H. v. 274 Frangipani. 349 v. Frank. 220, 418, Frankl. 89 Franz I., 17, 23, 62, 84 126, 127, 179, 181, 184. 199 243, 251, 256, 260, 271, 290 292, 306, 308, 310, 320, 321 330, 332, 334, 354, 384, 526 531, 576, 615, 632 Franz II. 251 Franz Carl, Erzh. v. Tirol 438 Franz Joseph I .. I, 246, 290 Franz v. Lothringen. 537 Franz v. Toscana.550 Fratschlerinnen. 243 Freimaurer. 99, 538 Freisingen, O. v. 115 Freitag, E.471 Frew, W. . . . . 558 Friederike, Prinzessin von Nassau-Weilburg. 355 Friedrich I., Barbarossa.. I III, VI, VIII, XXII Friedrich II. X Friedrich III... 402, 562, 571 574 Friedrich IV... 75, 79, 80 85, 160, 449, 569, 570 Friedrich IV. v. Dän. 199 381 Friedrich, Erzherzog. 178 Friedrich der Grosse 173, 174 199. 286 Friedrich, Pfalzgraf.429 Friedrich der Schöne 364, 396 451 Friedrich der Streitbare. . XII 206, 575 Friedrich v. Tirol. 79 Friedrich August von Sachs. 286 Friedrich v. Württemberg 381 Friedrich Philipp. 208 Fries, Banquier. 456 Fries, Fam.. 267 Fries, J. Graf . 267 Fries, M.Graf266,267.268, 269 Frint, J.. . 370 Frischenhausen, M. 42 Frister. 191 Fröhlich, Schwestern .... 612 Fröschel, M. 66 Frohnboten. 31 Frowiza. 160 Fruerth, H. 440 Fuchs, C. 183 Fuchs, J. G. 214 Fuchs, Neidhard.. 66, 71, 88 Füchsel, N.100 Füger ... 269, 288, 311, 344 Fünfkirchner.474 Fünfkirchen, Freih. v. 390, 556 Fürstenberg, Landgraf .. . 526 Fütterer. 505 Euge, H. 591 Fugger. . 316 Fuhrmann, M... 20, 145, 147 161, 557, 640 Fukanedi.482 Fux. 383 Fyt. 222 Gagliana, M.528 Gallenberg, Graf. 534 Galler, W.422 Gallert, L. 624 Galvagni, P. 588, 639 Gansler. 29 Ganzolvi, Cardinal. 382 Garampi. 9, 12 Garelli.279 Gasser, H. 400, 624, 638 Gassmann, Fl. 403, 531 Gassmann, J. 621 Gassner, A. v.450 Gatermair, G. 605 Gatterburg, Farn. .. 434, 447 Gauss, J. 24 Gaymüller, J. ... 150 Gebhard v. Passau .. XII, 206 Gebier. 305 Geiger J. N. 224 Geisenhoff, II. G. 167 Gentilotti. 279 Gentz. 620 Ceorg v. Slatkonien. 76 Georgei.255 Gerber. 153 Geringer, Ph. 88 Gerl, M.210, 606 Gerold. 438 Gerway, B. Freiin v. 123 Gesellsch d. Musikfreunde 622 Gessing, C. 156 Geusau....83, 161 Gewey.297, 420, 540 Geyling. C.. 73, 74, 638, 540 Gfall, J. 210 Ghelen. J. V....116, 398, 545 Gilleis, M. A. Freiin v... 414 Gimnich, L. 118 Giordano. 222 Giraudan. 342 Girgenti..269 Giuliani.163, 195 Gläser, Fr. 533 Gleich.541 Glewitz. 511 Gluck.300, 301, 530 Gniger, M. 118 Gobi, E. XII Godyn, A. 179, 282 Göpfert. 175 Göschei, J.352 Göschl, S.351 Goethe. 220 Goldberger, H. 511 Goldhann, W. 467 Goldschmiede in Wien... 571 Gonzaga, H. Fürst. 447 Gottsched. 299. 302 Gräffer. 520, 535 Grafurth, A. 343 Gran, D. 218, 341, 347 Grashals, B.440 Greif, Fam. . ..571 Greif, B.596 Greifensteiner. 102 Greinburg, Freiherr v. 563 Greiner. 539 Gretry.528 Griechen. 450 Griepenkerl. 458 Gries. 73 Grillparzer.313, 314, 403 537, 612 Grosser, M. v.541 Grossherzog v. Baden .. 199 Grossmann, Ph.641 Grün. 309 Grünbaum, Th. 532 Grünling. 47 Grünwalder. 511 Grundmann, H. 408 Gudenus, Chr. Freih. v. . 545 Guercino.259 Gundel, Ph. 135, 343 Gundemann, A. v. 410 Gundl, St.517 Gundlach, G. 88, 400 Gnnkel, J. 130, 623 Gustav Adolf v. Schweden 414 Guzmann, D . 435 Gyrowetz. 312 Haan, L. v.584 Haan, M. v. 123 Haas, II. 20 Habsburger.. 228 Hackenberger. 217 Personen-Register. 667 Seite Seite Seite Hadrian IV. V Hägelin, F. C. 98 Hässing, G. 189 Haffner, H. M.130 Hafner. 402 Hafner, Pont. 530 Hagen, Clara v. 173 Hagen, Geschwister. 309 Hagenauer, J. B.343 Hagenmüller, J. Freih. v. 135 Hager, Baronesse. 271 Hager, Graf. 271 Hahn, J. 4 Haid. 352 Haintzman, A. 225 Hajyn. 501 Halberstock. 474 Halleweil, A. Gräfin v... 557 Halleweil. F. L. Grjf .. . 600 Hallwig.361 Halm, Fr. 46, 314 Hamilton .... 179, 282, 451 Hammer-Purgstall . . . 15, 429 Han, U. 546 Hansen. Th. 457, 622 Hardegg, F. v. 24, 215 Hardeggcürassiere.473 Hardit, G. 172 Harnoncourt, H. Graf... 470 Harrach, Farn. 219, 368 Harrach, A. Graf.... 99, 215 Harrucher, A. v.525 Ilaschka.. 119, 311 Haslinger, C. 554 Haslinger, T. 192,194, 295, 296 Hauergilde.415 Haug.269 Haugwitz, H. Graf.467 Hauser, G. 65, 66, 80 Hauslab, FZ.M.21. 656 Hauswirth, Dr. E. 212 Haydn.. . 311, 312, 539, 621 Hayn J. 93 Heidmann, A. .. . 555 Heiducken. 536 Heine, G. Baron. 634 Heinke, Freih. v. 129 Heinrich IV. 528 Heinrich VI. VIII, IX Heinrich Jasomirgott . . I. 1 63, 202, 203, 206, 493, 536 617, 638 Heinrich der Löwe.VIII Heinrich, Meister. 74, 78, 466 Heinrich v. Navarra.264 Heintl.196 Heissenstein. 368 Heist, J. 550 Heister. 111, 203 Heitzenthal, J. H. v.282 Helbling, S. 2, 65 Held. Dr. V. 644 Henikstein, Fam.517 Henikstein, A. v.. 635 Henikstein, W. v. .. 113, 518 Heinricus pictor.XXI Heppner, G. 215 Herbeck.534 Herberstein. J. Graf . 83, 427 Herberstein, S. Graf. .... 544 Herleben, Farn..,. 582 Herold, B. 23 Herräus, G. A. 238 Herrgott. M. 75, 279 Herrenwirthe. XIX Herwat, U. 87 Herz, Rabbiner. 614 Herzfeld. 305 Herzog, Dr. 211 Herzog, Fr.. 172 Herzog v. Masovien. 76 Herzog v. Modena.. 385, 472 Herzog, P.266 Herzogin v. Savoyen 411, 512 483 Heuberger, M. 546, 584 Heurteur. 305, 307, 313 Heydenburg, J. 194 Heyder.458 Heyss, J.462 Hickel. 305, 343 Hieronymitaner. 14 St. Hilaire. 45, 473 St. Hilario, J. v. 370 Hild, A.466 Hild, J. 466 Hildebrand, J. L. v. 214, 216 217, 222, 238, 414, 478, 480 578 Hilverding. 300 Himmelpfortklosterfrauen. 450 Hinderegkher, J. D. 517 Hinzer, C. 444 Hirschei. 374 Hirschvogel II, 145, 230, 270 333, 502 Hochstetter, E. v. 174 Hochstetter, M. 3 Höfel, B. 353 Höfelmayer. 384 Hoefer. 474 Högl er, F. 566 Höllerieder. M.519, 520 Hölzel, J.343 Hölzler, Fam. 573 Hölzler, A. 574 Hölzler, C.449 Hofer, A.382 Hoffmann. 408 Hofkomödianlen, Württem- berg’sche. 398 Hofmann, Dr..... 466 Hofmann v. Hofmannsthal .615, 656 Hohenberg, s. Altomonte Hohenberg, St. v. 347 Hohendorf. 279 Hohenfeld, J. F. Freih. v. 419 Hohenheim, Theophr. 359, 361 Hohenleitner. 194 Hohenmarkt, O. v. 571 Holbein, Kath.. 534 Holler, Familie. 126 Holzer, J. 195 Holzer, M. . 587 Hopp. 533 Hör, M. 4 Hörer. 267 Hormayr. 396, 430 Horneck. 2, 499 Hörschel. . 130 Horsdorfer, H. 66 Iloscher. 208 Houwald .405 Huber, Ph. 279 Hubert. 184 Hubmeister. 151, 160 Hueber, H. 544 Hueber, J. 353 Hübschlerinnen .... 53, 448 Hütter, E. 156, 235, 656 Hufnagel.. II, 38, 147,202 436 Hugo, M. 576 Huhn.500 Hulin.467 Humboldt, W. v. 418 Hummel. 195 Hundpeiler, S. 66 Huschin, Graf . 482 Hutstall, S . 118 Hutten. X Hye. .412 Hyrtl.486 Jacob v. Schottland. 574 Jacobe. 342 Jacobi. 223 Jacquin . 220 Jaeger (Büchsenspanner) . 536 Jagscky’sche Erben. 132 Jahn, Capellnieister .. . 534 Jahn, Traiteur. 297 Jajus. 4, 464 Janitscharen. 563 Jankel. 150, 210 Janscha. II Jantschky, J.504 Jaquet, A. 305 Jaquet, K. 305 Jaroschinsky, Graf. 117 Jaroschinsky, S. 512 Jauner, Fr. 534 Jean Paul. 371 Jellenschitz. 139 Jellmann. 351 Jesuiten.. 4, 10, 22, 96 97, 298, 339. 345, 395, 436 438, 474, 504, 631 Iffland. 306 Infanterieregiment Kolo - wrat. 590 Innocenz III. X, 82 Innocenz XI... 60, 276, 373 Joanelli, B.584 Joanelli. 584 Jobst. 79, 501 Joerg, Qu. Graf 19, 435, 478 620 Jörgen, Freih. v. 4 Jörger, H.475 Johann, Erzhzg. 83, 178 Johann X. 203 Johanniter XIII, 348, 396, 521 Jokmus, H. 212 Jordan, J. 502. 504, 505, 550 Josef I... 183, 210, 275, 340 355, 373, 473, 562 Josef II. . 8, 11, 23, 32 40, 50. 62, 83, 90, 97 Seite 175, 176, 178, 189, 198, 223 242, 247, 299, 303, 314, 320 321, 339, 343, 393. 411, 439 453, 464, 478, 480, 489, 500 526, 531, 538, 550, 576, 614 628, 641 Josefa, Prinzessin.182 Josefine v. Baiern . 83 Isabella (Fried, d. Schöne) 451 575 Isaak ben Mose. 501 Israel v. Enns. 494, 495 Juden ... 423. 450, 492, 593 Judenrichter. 494 Judenschreiber. 494 Judenwächter. 155 Kässmann. 262 Kaiser, Ph. 529 Kaiserstein, Fam. 417 Kaltenberger, F. J. 656 Kaltnes. 210 Kanitz, J. 343 Kanitz, Ph.612 Kanne. F. A.407 Karajan, Th. v. 139, 162, 583 Kara Mustapha .. 15, 209, 563 Karger, C. 113 Karolv, Fam. 522 Karpff, G. 351 Katharina (Rudolf IV.) .. 75 Katzler V. 6 Kaufleute, Regensburger.. 633 Kaunitz, Fürst ...8, 174, 215 222, 223, 224, 301, 341, 376 Kaunitz, D. Graf. 578 Kaunitz, G. v.472 Kaunitz, R. v. 368 Kees, J. G. v. 123, 127 Keglevich. 303 Keihlinger. 347 Keimb, J. A. 353 Keith. 174 Kepler. 408 Khevenhütler, F. A. 427, 473 Khevenhüller, L. A. 212, 271 286, 350 Khlesl. 24, 75, 95, 152 519, 544, 601 Khrebs, P. 557 Khuen, Fam.427 Khuen, E. v. 414 Khuen, A. M. v. 264 Khuen, K. v. Belasy .... 270 Khünel. 358 Kielmann, J. B. 511 Kielmann v.Kielmannsegg.A. 645 Kienburg, Graf.129 Kinsky, F. U. Fürst 270, 550 Kinsky, J. Fürst.550 Kinsky, Graf. 271, 623 Kinsky, L. Gräfin. 271 Kinsky, Rosa Gräfin__ 223 Kirchner, G. 466 Kiss v. Ellemer, E. v... . 350 Klaigh. 66 Kleebergerin, J. 447, 449 Kleiber. 186 Klein, J. 74 I Kleiner. S... 11,426. 435, 622 84 * 668 Personen-Register. Seite Seite Seite Seite Kleist. 380 Klieber. ...... 262, 332, 473 Klinger. 304 Klischnigg. 306, 307 Knesich, C.350 Knödelwirth. 351 Knögler. 160 Koberwein . 307 Koch. 212 Küchert. 196 Köck. 88 Kögel.330 Kögler, J.. 116 König, H.. 624 Königsberg, K. v. 419 Königsberg. M. Edler v... 615 Königsegg, Graf.... 271, 399 Königswarter, M. 613 Körner. 380 Kohary, F. Fürst v. 422 Kohary, Graf.. 302, 303, 422 Kolb, C. 605 Kolb, H. M. 459 Kolblinger, St. 546 Koller . 8 Kollonitsch, Fam. 451 Kollonitsch, S. v.415 Kollonitz, Gräfin. 271 Kollonitz, Graf 15, 52, 76, 81 82, 85, 95, 150, 281 347 348. 415, 539 Kolowrat. Fam. 368 Kolowrat, F. Graf . . 545, 622 Kolschitzky.91, 606 Konrad 111. VI Korn. 303, 307 Kornhüusl, Architekt .... 615 Kotzebue. 306 Krachenberger P. (Graccusj 600 Krätzer. 539 Krapf, C. 138 Krotochwillin, M.282 Kratzer, Edle v. 46 Krebsenrichter. 23 Krenberg, U. v,. 602 Kressl . 131 Kreutzer. 196 Kreuzherrnorden.XIII Kriehuber. 130, 193 Kronberger .. 160 Krones, Th. 117 Kronester.... 500 Kropf, M. 279 lvrügler. 555 Krug, H. 66 Küchelbäcker.. 110, 402, 426 Küchelhuber.. 40 Kuefstein . ..83, 162, 647 Künig, S. 66 Künigl. 271 Kuenring H. v. VIII, 348. 374 Körner, J. J.506 Küssenpfennig, H. 361 Kuhn, Chr. W__563 Kunst, W. 307 Kunz, J. N.417 Kuppelwieser, L.438 Kurtz, L. 523 Kuruzzen. 484 Kurz, J. 302, 530 Kurzbek. 353 Küster, B. 504 Kutschera, J.656 Kutschker .. .151 Lablache. 385, 532 Laborde.347 Lach. 75 Lacy. 174, 175, 422 Ladislaus v. Pol. 85, 374, 523 Ladislaus Posthumus .... 569 Ladtner, D... 364 Lafont. 196 Lagusius. G. v. 160 Lake. 373 Lambecius. 134 Lamberg, B. v. 432 Lamberg, M. Graf.. 223, 271 344 Lamberg, S. Freih. v. ... 349 Lamberg-Orteneck. 447 Lambert, G. Freih. v. . . . 598 Landcomthure. 598 Landesvertreter . .469 Landrichter. IV Landstände, österr. 139 Lang, K. 215, 354 Lange. 304, 305 Langer. 408, 466 Langer, A. 541 Lanner, J. VI, 193, 293, 554 Lanoj, N. 4 Laporta. 111 Lardi . 527 Largilli£res. 283 La Roche...;. 305, 309 Laschansky .. 191 Laszanskv. 199 Latour. 27 Laube... 314 Lauberherrn. 30 Lauch, Chr. 276 Laudon, G. Freih. v. 17, 173 187, 306, 314 Laurenzerinnen. 451 Lautensack II, 230, 234, 274 Lavater .. 270 La Vigne. . . 475 Lazar, N.350 Lazius.W. 151, 230, 386, 402 497, 642 Lebel, J. 478 Lebrun.342 Lebzeltern. J. v. 635 Lechner, M. 136 Leibenfrost ........ 189, 434 Leibnitz.. 279, 373, 386, 600 Leiner. 490 Leithe, Dr. F. 656 Leitner. 15 Lembruch, K. . ..432 Lenglet, C. 482 Lenkay . 60 Leon. 119 Leopold 1. 17, 45, 49, 51, 61, 81, 142, 143, 15U 161, 169, 181, 201, 216, 217 234, 238, 275, 298, 335, 340 372, 435, 450, 484, 496, 500 552, 628, 645 Leopold II. 12, 33, 175, 306 368 Leopold 111. 630 Leopold IV.. 79 Leopold V. III Leopold VI.VHI, XXII 489, 557 Leopold VII. der Glorreiche VIII, XI, XXII, XXIV 1, 2, 7, 71, 99, 109, 144 229, 435, 521, 535, 542, 597 Leopold, Erzherzog.. 24, 287 304, 310 Leopold, Herzog ... 79, 613 Leoopld v. Sachsen-Coburg 383 I.erch . . . . .. 80, 81 Lessing . . 304, 305, 306, 310 Lesueur. 529 Leublo, Kaufherr. 573 Lichnowsky, Fürst . 76, 347 486, 576 Lichtenecker. 31 Liebenberg, A. 20, 500 Liebenberg, J. 614 Liebenstern, Baron ...... 539 Liebig. 399 Liechtenstein, Fam.. 479, 480 Liechtenstein, Adam Fürst 578 Liechtenstein, Alois Fürst 84 167, 224, 279, 334, 383, 427 512, 564, 578, 579, 621 Liechtenstein, B Fürst . . 469 Liechtenstein, E. Fürst . . 469 Liechtenstein, H. Fürst 469, 479 Liechtenstein, J. F.. Fürst 512 Liechtenstein, O. Fürst . . 499 Liechtenstein. W. Fürst . 469 Liechtenstern. 194 Ligne de. 380 Liguorianer (Redemptoristen) . 596 Liguorio, A. 596 Linck, J. G. 635 Lind, Dr. C... 542, 576, 656 Lindenau . . 254 Lippai.276 Lippmann. 227 Liskow. 119 Litze.. 206 Lobes, G. v. 330 Lobkowitz, VV. Fürst 277, 278 306, 366, 374, 407, 558, 560 621, 646 Liischenkohl. 33, 191 Lössl, Architekt.622 Löwe . 305, 307, 308 Löwenthurm, F. L. v.... 132 L5wy, J. 615 Löhner, G. 350 Lomraer, J... 123 Longeval. 484 Lopresti . 300, 301, 302, 580 Lorenz, Meister. 638 Loschi. 271 Losymthal Losym v. .. 341 Loth, C... 73, 150 Louise, Prinzessin.576 Ludtwig, J.. C. 396 Ludwig VII. VI Ludwig XI.... .. 225 Ludwig XIV. 528 Ludwig XVI... 287. 300, 311 Ludwig XVIII. 526 Ludwig v* Baiern 77, 364, 574 Ludwig, Erzherzog*. 127, 289 413, 467 Lützow.343 Lully. 528, 529 Lumago, 0. 583 Luther.X, 333, 575 Machio, H. 89 Mack. F.122, 348 Macklin. 269 Maerrada, A. de. 459 Mättelin. H. v. 419 Maficioli. 90, 95 Magister monetae.XIII Maler zur Hollerstauden.. 604 Malibran.385, 532 Malteserritter . 348, 521 Mar.agetta, Fam. 516 Manigella. 73 Mannheimer. Rabbiner... 614 Mannsfeld, A. 46 Manussi, G. v. 617 Maraj,. J. 342 Marchesi. 260, 262 Maredi-Rainer, M. v.. . . Margaretha, Herzogin . . . Margaretha (Leopold I.) 275, 277, 496 Maria Anna, Erzherzogin . 271 Maria Anna Carolina .... 403 Maria Antoinette 183, 287, 370 Maria Christina ..... 287, 368 Maria Josefa. 287 Maria Louise 187, 370, 385, 453 Maria Ludovica .. 184 Maria (Maximilian II.) 117, 232 Maria Theresia, Fürstin.. 283 Maria Theresia, Kaiserin . 6 8, 19, 23, 24, 32. 40, 83 98, 123, 151, 155, 176, 178 191, 201, 241. 258, 259, 266 270, 286, 299, 310, 340, 350 376, 387, 402, 422, 424, 478 490, 515, 537, 605 Maria Theresia v. Neapel. 310 Maria Theresia (Emanuel v. Savoyen) . 512 Marivaux. 305 Marktaufseher. XV Marktrichter. 28, 424 Markus, P. 371 Marnogeni. 382 Maron, A. 342, 343 Marononi, J. 279, 618 Marquard. 521 Marschall, Graf... 83 Martin V. (Pabst). 207 Marinielli, D.414 Martini. 8 Martinitz.44, 519 Marussi, Gräfin .. 383 Maschau. ... 18 Mathes, M. A. 358 Mathias v. Ungarn. 23 24, 44, 76, 80, 178, 184, 267 374, 449, 519, 523, 562, 637 602 597 234 Personen-Register. 669 Seite Mathias Erzherzog.577 Mathilde (Albrecht VI.).. 574 Matielli 15, 111, 216. 240, 545 Matschak, J. 613 Matthäi, G. 184 Maulbertsch. 11, 366 Maurer, C. 111, 212, 288 Maurocordato, Fürst .... 256 Maurocordato, J. Fürstin. 633 Mausard. 342 Maximilian 1. 85, 132, 324, 374 460, 473, 497. 523, 570, 574 Maximilian II. 6, 22, 117, 144 185, 232, 264, 278, 470 Maximilian, Erzherzog ... 11 24, 44, 287, 564 Maximilian d’Este . . 178, 564 Mayer, P'. 123 Mayerhoffer. 534 Mayr, P. 189 Mayreder, K. 613 Mayseder. 193, 194, 195 Mazarin. 528 Mazas. 196 Mechetti, C. 193 Mechitaristen. 178 Medicis, K. v.264 Medicis, M. v.528 Meggau. 447 Meissl. 484, 533 Meldemann. 80, 451 Melzel. 312, 313 Mengs, R.. 269, 342 Merchetti . 193 Merelli. 534 Meriage. 267 Merian. 202 Merk. 195 Mesmer, J. 98 Messersehmidt, F. 343 Metastasio. 279 Metternich, Fürst. 131 376, 454, 472, 564 Metternich, Fürstin . 215, 383 Meyer, M. 219 Meytens 24, 25, 288, 341, 343 Michaeler. 96 Michelangelo. 342, 458 Migazzi.,. 9, 11, 249 Milano, J. 242, 251 Mill, H. 87 Milldorfer, J. 184 Milosch v. Serbien. 350 Minoriten.. . .XII, XXIV, XXV 177 575 Mittrowsky, J. Gräfin.... 48 Mohammed, IV. 15 Moira .. 83 Moll .... 151, 179, 289, 368 Mollard ....... 281, 483, 474 Mollard, E. v. 474 Mollner, P. 116 Molo, T..„.,92, 446 Monika die Hanswürstin. 589 Montague. 281, 286, 451, 633 Montenuovo, J. v. Fürstin 564 Mouteverde . . 528 Mordachai. 501 Moreau. 475 Morghen, K. . 270 Seite Mori, F. 90 Moscheies. 195 Moscheman, J. v. 319 Moser, C. v. 411 Moser, Dr. 44 Mosperger .. 386 Motzi, M. 22 Mozart .. 223, 296, 312, 531 539, 587, 621 Mühl, Meister. 80 Müller, Hofstatuar. 541 Müller, Schauspieler. 304, 305 313, 344 Müller, A. 397, 533 Müller, J. 361, 426 Müller Josefine. 343 Müller, W. 396, 533 Müllner. 405 Münch ... . 173 Münch-Bellinghausen. 46 Münzer ... 400, 568 Münzkämmerer. XIII Münzknechte. 568 Münzmeister.1, 568 Munsch, F. 215 Murat. 467 Musikgrafen. 402 Nadasda, Farn. 349 Nadasdy, F. Graf.. . 277, 278 286, 349, 374, 576, 638 Nagy-Sändor, Graf. 350 Nako, A. Graf. 432, 605 Nako, Chr. v .455 Napoleon). ..182,187,188 220, 292, 313, 354, 356, 370 378, 384, 391, 453, 467, 526 Negelein. J. A.282 Neipperg. 25. 356, 387 Nemesian. 182 Neri, Ph. 509, 527 Nestroy. ’..... 507,- 533 Neubeck, Farn. 601 Neubeck, C. 85, 264, 484, 601 Neuberin, K.299, 305 Neudegg, G. v. 600 Neuhauser, H. C.115 Neuling, V.195, 196 Neulinger B.556 Neumayer, A. 212 Neupauer, Chr. 599 Neuwald, M. Ritter v.... 615 Nicolai. 297, 427 Nicolaierinnen. 14 Nicot, J. 463 Niehl..., . ... 79 Nigelly .. 217, 432 Niklas. 521 Nikolaus 1. 182 Nimpsch, Graf 392, 482, 483 Nitt. . 151 Nobile. 243, 290, 332 Norbert, Pater.184, 343 Nordhausen, Chr. v.319 Nostitz, Gräfin. 271 Nostitz-Rhinek. 50, 447 Nothaft, L . 76 Novak, V. Freiin v. 152 Noverre. 301. 303 Nusch, P. v. 24 Seite Oberroayer. 398, 399 Obizzi, F. Marchese, 423, 425 Odkolek, L. A. 540 Oechsel, G. 66 Oelerer. 20, 161 Oetl. 168 Ofterdingen, H. v. VIII Ogesser. 67, 75, 95, 105 Ollbrich. 89 Opitz. 529. 576 Oporin. 386 Oppenheim, S. 153 Orden vom heil. Geist.. XIII Ordensritter... XIII, 99, 220 Orelli, Baron v.450 Orient, J. 343 Orsay, D. Gräfin. 546 Ortlof,. 364 Ott, G, D. 591 Otto IV. X Otto der Fröhliche . . 71, 199 217, 451, 466, 484 Ottokar v. Böhmen XXIII, 480 484, 521, 575 Ottokar VI.VIII Oudinot.467 Paar, Fürst .. 281, 490, 635 Pacassi. 530 Paccini.... . 533 Pace, Marquis de. 447 Pachmann. 438 Pachta, Graf. 383 Paffendorf... 372 Paganini . 195, 313 Palffy, Familie .368 Palffy, J. Graf. 550 Palffy, N. Graf 215. 270, 271 306 Palffy’, N. Gräfin . 271 Palffy, M. v. 270 Palffy v. Erdöd, Graf. . . . 564 Palm, Graf.564 Paltram. 109 Pamer .296 Pann, E. . . . . 66 Panofka. 196 Panzer, L.358 Pappenheim. 414 Paradeyser. . 24 Pariati, P. 282 Parmeggiano. 269 Pasqualati, J. v. 135 Pasta, J. 313, 385, 532 Paterno. 189, 190 Patzelt, E. 227 Paul II. 79 Paul V. 519 Paul, Czar in Wien.. 12, 191 Pauli, de. 139 Pavini, J. 354 Payrl, F. 122 Pazmany, P....... . 453, 511 Peck, A. Edler v. 194 Pecore, Conte. 529 Peisser, J. 161 Pelikan,.338 Pelz. 279 Peninger. 66 Peppermann, C.535 Seite Pereira. 418. 602 Pergen, Graf. 97 Perl. 527 Perigord, Gräfin.383 Perm, A. 627 Pestkönig. 143 Peter, Czar .. 560 Petrovics, G.351 Petazzi. 174 Petz, H. 499 Pezzl. 110, 254 Pfeffel. II. 435 Pfeilschnitzer. 137 Philipp II.286 Philipp v. B.iiern. 604 Philipp der Schöne. 396 Philippinerianer. 14 Piaristen. 96 Pichl, F. L. 471 Pichler 190, 191, 192.430,640 Pidoll, M: Freiin v.490 Pilgram. 66, 77, 78 123, 126, 333 Pillioti, F.466 Pippinger. 339 Piringer. 190, 193 Pitti.315 Pius II. 80 Pius VI. . 11, 12, 77, 182 191, 210, 370 Pixis. 193 Piatier .. 519 Plenk, A. 426 Pochlin, M. 371 Podiebrad, G. 562 Pögel. 497 Pölt v. Pöltenberg, E. . .. 350 PÖssl, J. 486 Putsch, M. v. 73 Pointner. 224 Poll, Eam. 573 Polyschansky. 296 Pompadour.287 Pondy, F. 14 Ponheim, R. 486 Ponty, Franz de. 581 Portia, Fürsten v. 478 Porzaga. 534 Potocky. 447 Poussin. 269, 342 Pozzi, A.464 Pozzo, A. 438, 446 Pozzo di Borgo ... 188, 347 Prachwitz, P. v. 65 Praskovitz. 382 I’randstätter, G. 96 Prehauser, G.. . 392, 305, 530 Preindl.195 Preuilly, G. v.VII Preuner, L. v.472 Prevost, N. v. 374 Prewes. 583 Primisser, A... ... 120 Prohaska.220 Prokoff, A.282 Prokop. 352 Proskau, Comtesse. 271 Protestanten . 431 Pserhofer, J.466 Puchhaim, N.523 670 Personen-Register. Seite Seite Puchhaimb, J. v.... 219, S23 Robert, F. u. P. v., 490 Puchheim, H. Graf. 602 Robertson. 386 Puchheim, W. v. 469 Robespierre.. 191 Puchheime. 428, 451 Rock. 79 Puchler, B. 89 Rode. 533 Puchsbaum, H. 65 Röder, A. 167 Pucitta. 533 Rödl, K. 538 Püchler, J. v. 343 Roesch, H. 618 Purgheim, P. v. 419 Roettiers.. 438 Puthon, 1, B. Edler v . . . 21 Rofrano, Marchese. 281 Pyrker, E. CI6, 648 Roggendorfer . . 470, 471, 474 Rohrbach, H. 569 Quarient, A. Edle v. 90 Rohrer. 195 Rollinger, W. 80 Rabutin, Gräfin v. 633 Romanini, J. B. 167 Rachel . 40, 418 Roos. 269 Rächers, Th. 634 Rosenberg, C. Gräfin v... 374 Radegk, S. 39 Rosenberg, C. Graf. . 304, 374 Radetzky, Feldmarschall . 553 Rosenbrunn, J. M. v. 73 Radolt, F. G. Edle v. . .. 354 Rossi, Graf. 533 Radziwill, Fürst.. 383 Rossini. 305, 309, 531 Rafael.. 269, 342 Rothmayer, J. Freih. 150, 151 Rabl, C. 457 Rothmayr, Maler . . . 426, 447 Raimund.396, 510 Rothschild .... 128, 402. 281 Rainer, Erzherzog. . . 127, 289 Rottal. 447 Rakoczy, Fürst . . . 483, 484 Rousselois. 300 Rameau. 529 v. Roy. 11 Rammelmayer. 638 Rubini. 385, 532 Rampersdorffer, Fam.. 79, 573 Rudolf, Erzherzog. 276 Ranke, E. 351 Rudolf, Herzog .... XXI, 288 Ranker.. ............. 517 Rudolf 1.2, 448 Rasch, J. 212 Rudolf 11.. . 6, 177, 235, 339 Rasumovsky. 188 345,490,519, 635, 645 Ratschky. 119 Rudolf III. 520 Rauchmüller. 142 Rudolf IV.IV, 63, 65 Rauhensteiner. 585 75, 96, 138, 201, 451, 629 Rauhenstein, 0. T. v. ... 585 Russ, Custos. 430 Rauscher, Cardinal.. . 74, 77 Rzewovska, Gräfin. 383 Rautenstrauch. 119, 232, 305 Rzewusky, S. 490 Reen. 150, 151 Reffler. 565 Saal, Mademoiselle. 312 Regimbert. V Sacco. 223. 305 Reichenberger. 540 Sachs, Hans... XIX, XX, XXI Reichstadt, Hzg.v. 183,403, 453 Sachsengang, L. v. 86 Reilly. 194 Sachsen - Hildburghausen, Reinisch, Capellmeister .. 554 Prinz von. 621 Reinmar v. Zwetter. VIII Sacken. 344, 624 Reischach, E, v. 474 Saftleben 1 . 269 Reiter, die schwarzen. . . 84 Saladin. VIII Rembrandt. 269 Salatier .. 533 Remy, L. v. 243 Salieri. 223, 531 Reni, G. 269 Salin .. 454 Rephuen, W. 459 Sallaburg, G. v. 511 Repsitz, N. v. 207 Salm, H. v. 264 Resch. 535 Salm, N. Graf 166, 264, 319 Ressytko. 81 427, 474 Retz, E. F. v. 408 Salm-Reifferscheidt. 427 Retzer. 119 Saltzberger, G. 82 Reutter, G. v. 402 Salveter, A. 88 521 534 Ribou. 300 Salzer. 588 Richard Löwenherz. VIII Sanetin, Abt ...V, 201 Richter, E. 403 Sandrart.. 11, 73, 211 Richter, J. 540 Saphir. 170 Riedl . 193 Sapony, H. 66 Ringer, R. v. 475 Sarava, D. 232, 450 Rinuccini. 528 Sarto, A. del. 269 Rippel. 354 Sassoferrato'. 269 Ristori. 398 Saurau, F. v. .. 17, 136, 539 Robert, Abt. 610 Savigny, F. C. v. 411 Seite • Seite Scaria. 534 Schütz, C.II, 12 33, 40 Schabenrössel, M... 615 Schüller, F. ....... . ... 21 Schack, Baron.. 458 Schultz, T. ... 19 Schärtinger, E. . 66 Schuppen, v. 11, 280, 282, 283 Schakneg, L.. . . 24 340, 341 Schalamheim . .. 127 Schwab, A. ... . ... 279 Schallauzer . . . 151, 327, 497 Schwandner, J. v. . . 151, 515 Schallenberg, Chr. L. v.. 120 Schwanenfeld. ... 215 Schallenheirj, J. A. Edl. v. 127 Schwarz, J. ... 569 262 47 Schani . 79 Schwarzenberg, A. F. .. 281 Scharffenberg, Fam. 368 Schwarzenberg, J. A. Fürst 50 Scharfrichter .. 328 143, 172, 173, 177, 306, 381 Scharpok, C.. .. .. . .XIII, 521 621 Schattenspielmann. 358 Schwarzspanierorden. .... 512 Schaumann, Fam. 521 Schweiger, B. ... 211 Schauspieler, wandernde . Schede], H. 299 .... 74 320 Schwendi. .... 447 Schemel, J. VII Schwendtner, E. .... 3 Schenk, J. 90 Schwerin. .... 451 Schenkendorf. . 380 Schwind . .... 392 Schenken v. Hausbach . . 579 Sclavignoni. 132, 368 Schenkh, W.. .. 136 Sconian. .... 151 Scheper, M. 459 S^osiani.. ... 150 Scherl auber . . .. 29 Sedlnitzky, Graf.... .... 615 Scherr, J. XVI Seillern. .... 447 Scherzer. 295 Seis, E. .... 656 Schick, A. Edle V . 44 Seissenstein, Abt v... .... 348 Schiffering, G. .. 598 Seitern, F. C. v. .... 390 Schikaneder.... 588 Selier de Moranville .. .624 Schilcher. 624 Sellien, E. v. 241, 300, 517, 529 Schimmer. 161 Selmour, G. Graf.. . .... 556 Schimpfenpfeil, c. 575 Senefelder.. . . .... 192 Schlager . . .. 197, 483 Sennyey, E. Baron . . .... 383 Schlesinger, H. 555 Septimius Severus . . .... 640 Schletterer .... .... 166, 267 Serben. .. .450 Schlögel, J. C. . 215 Serenyi, Graf. .... 271 Schlögl, F'. 295 Serin, Grafen. .... 479 Schmauser, C.. 606 Sesselträger. .... HO Schmelzel. XXI, 32, 71 Seume. .... 344 88, 144, 147, 208, 232, 263 Shakespeare. 269, 314 298, 400, 427, 560 Siebenbuchnerinnen.. 14, 178 Schmerling, Fam. 521 Sigismund v. Polen . . ... 523. Schmid, G. .. . 150 Sigismund v. Tirol.. .... 574 Schmidt, C..,. . 220 Sigismund v. Ung. 79 80, 574 Schmidt, F. .. . . 66, 74, 347 Sina 51, 336, 386, 457, 633 Schmidthuber, S 634 Sinzendorf, W. W. Graf.. 278 Schmutzer 190, 191, 223, 341 281, 283, 340, 344, 556, 579 Schnayer, P. . . 193 Sirmay. .... 484 Schneider. 523 Sixtus V... . ., .185 Schnelläufer. . . 536 Slatkonia, Bischof. .. .... 618 Schnorr, H. v. .. 344 Slavata. 49, 519 Schnorr, L. fr* W) 00 596 Slejak, A. Schober, Fr.. . . .... 94, 539 Smith, S. ... .... 381 Schober, J. G. . 488 Snyder, F. .... 222 Schoberlechner . 94 Sobiesky. .... 370 Schöffer . 546 Soliman . 80, 107, 521, 604 Schönau . 447 Sollinger. .... 104 Schönberger.. . 269, 311, 362 Sonnenfells 8, 223, 249, 299 Schönborn, Graf. 647 302, 343, 539 Schönfeld, L. Graf. 383 Sontag, H. .... 532 Scholz, W. . .. 510 Sorbait, P. v... 78, 450, 511 Schor, M. 66 Sorriot de l’Host . .. .... 152 Schottauer, H. 640 Sothen, Baron. .... 428 Schotten. .V, XXV, 96 Souches, C. L. Graf. .... 599 Schotzberg .... 624 Solle. .... 300 Schreyvogel. .. 193, 194, 307 Späz. .... 203 Schröder, S. .. 307 Spang, L. Graf. .... 454 Schröder, W.. . 532 Spaner, L. v. 79, 80 Schrotzberg .. . 130 Spannring, H. .... 610 Personen-Register. Seite Spaur, H.569 Sperges, J. Freih. v. 176, 343 Sperlwirth. 459 Spiegelfeld, J. M. v. 152 Spielberger 73, 366, 438, 513 Spielman, A. Freih. v.. . . 127 Spierer. 519 Spina. 129 Spinola . 277 Spinoza. ... 373 Spöttel. 540 Spohr. 193 Strasser, Fam. Strasspurger, M. Strattmann, Graf. .. . Straub, J. 70 Straubmayer.644 Strauss, E.296 Strauss, Johann VI, 293, 553 Strauss, Josef.296 Strebinger. 195 Streitt. 113 Striberny. 111 Stricker. 2 Seite 402 135 579 Trautsohn, E. Graf . Trauttmannsdorff, Fam. 447, Trauttmannsdorff, Fürst.. Trauttmannsdorff, Graf 382, 475, 478, 539, Treitschke. Treitzsauerwein, M. Trenk. Triangi, F. W. Tribuswinkel, G. F. v. . . Trinitarier. Sponheim. . 533 Strohmayer, A. 523 Sponyny, L . 66 Strudel.. 142,151,185, 340 Sporck, W. Graf. .. . 530 Stürmer, Fam. 168 Sprenger, P. 66 Suche . 195 Sprinzenstein, Fam. . 544 Suchenwirth.3, 120 Staben, G. 143 Suess E. 610 Stabius, D. .. 600 Süssmeier. 312, 587 Stadion, Gräfin. 83 Suppanzigh. 195 Stadion, Graf. 83, 313 Sulzer, P. 371 Stadtguardiasoldaten. 153, 321 Sulzer, S. 615 423, 589 Suttinger .... II, 17, 28, 336 Stadtkämmerer. 395, 423, 526, 640 Stadtrichter. IV, 30 Swieten, G. v. 8, 83, 341, 368 Stael, Frau v. 390, 391 Szelepezeny. 602 St. Stanislaus. 425 Szirmay. 286 Starhemberg, Fam... 423, 451 Starhemberg, G. Graf 598, 648 Tamburini. 532 Starhemberg, R. Graf 82, 212 Tampier. 520 497, 539, 556, 563, 576 Tannstetter, G. 497 Starhemberg, Th Graf. ., 432 Taroni.. . 130 Starhemberg, W. Graf 223, 281 Taroucca . 241 Stauaigl. 534 Tattenbach. 277 Stefan 111. VI, 206 Tauscher, Fam. 606 Stefansthurmwii th. . . 67 Taxis, M. de. 177 Steger, M. 47 Tedeschi. 482 Steidl. 150 Templer. 396 Steigentesch. 305 Tepser, J. D. 21 Steiger, J. G. 419 Tertiogenitur, habsburg... 385 Stein, Clavierfabrikant . .. 297 Teschler, N. 562 Stein, Philologe .... 224 Tettelbach, J. 576 Steiner, J.19?, 194, 343 Thalberg. 193 Steinhäuser, Director .... 534 Thauon. 209 Steinhäuser, L. 66 Thaw. 393 Steinhäuser, W. A. . 14, 395 Theatiner .14, 628, 641 Steinwander J. 89 Theodora .VI, 206 Stekel M. • . . 24 Thiemich, P. 529 Stelzer, O. 610 Thiersch, Prof.. 458 Sephan, Erzherzog . 178 Thiussy v. Porgnanenburg 541 Stephan, Meister . .. . 74 Thonet, Gehr. . 86 Stephanie (Schauspieler) . 305 Thonradtel. 45 Stern v. Lambach. . 429 Thürheitnb, Grat . 576 Sternberg, Chr. Gräfin v.. 640 Thugut. 352 Sternegg, G. v. .. . . .... 167 Thun, Fam. 368 Sterzmeister. 49 Thun, M. Graf. 44, 45 Stibar. 31 Thun, W. Gräfin. 564 Stockhammer, Graf. 456 2? Stöberl (Stiborius) . 600 Tilgner. 290 Stöckel, K. 282 Tinti B. 402, 589 Stöckl. 193 Tintoretto . 209 Störk . 8 Tököly. 277 Stoll, M. 624 Török, J. v. 350 Stoper, J. G. 520 Tonder, H. Freih v. 588 Storch, J. 135 Tonkünstlersocietät, Wiener 621 Stoss-im-Himmel, II. 642 Torizelli. 190. 192 Strachwitz, C. Graf 602 Torres. 83 Stranitzky 169, 214, 215, 299 Trattnern. 116, 541, 602 302, 529, 589 Traun, E. Graf. 479 Strass, H. v. 24 Trautsohn, Fam. ... 415, 544 Th. v. Seite 67, 179 281 478 576 383 574 307 132 173 282 386 14 20 341 196 IX 184 4b 556 429 342 571 368 570, Uhland. Uhlefeld, Graf. Uhrmüller, W. Ujfay. Ujvary . Ulrich v. Passau. Ulricus. Unger, C. . Unger, S.. Ungnad, H. ... Unterberger, M.341, Unterreiner. Unverzagt, Fam. Urban V. Urban VI. Urban Vll. Urban, Abt. . Ursini u. Rosenberg. . 475, Ursulinerinnen . . 96, 348, Uz. Valschang, H. der. Van Ilaanen. Van der Nüll. Varnhagen . Vauban.318, Vecsey, C. Graf. Veit, G. Velasquez . Velsen, Th. Vernet. Veterani, Fr. Gral. Vinci, L. da. 222, Viotti. Vischer . .. 38, 202, 203, 259, Vivian, P. P. Vogelsinger. Voigt, L. Volka, O. Chr. Volkner, O. Vorlauf 79,109, 119, 573, W aas. Wagenfels, W. v. Wagenschön. 447, 380 271 24 168 286 XII XXI 532 66 470 542 172 212 629 630 520 618 620 513 269 XXI 624 624 418 342 350 49 222 600 222 546 576 196 235 425 139 208 460 281 65 578 172 278 513 671 Seite Wagensperg, Graf. 623 Wagner. 513, 526 Wahlberg, W. E. v. 74 Waldmüller. 624 Waldstein, Graf. . 624 Walewsky, Graf. 46 Wallenstein, Fam.368 Wallenstein, Ilrzg. v. Friedland . 221, 386, 414 Wallhorn, B. v.142 Walis, Graf. 123, 556 Wallis, R. Gräfin v. 637 Walsegg, Graf. 587 Walter.534 Walterskirchen. 418 Walter v. der Vogelweide VIII Wandl, J. 152 Wangier. 359 Wann v. Kennrat, P. 634 Warthenauerin, E. .. 345, 521 Wasa, Prinz. 474 Wawra . 189 Weber, C. M... 296, 527, 532 Weber, J. B. 136 Wechsler. 2 Weidmann J. 305 Weidner v. Pillerburg, F. 177 Weigel. 312 Weigl, C. 188, 194, 640 Weimar, Maria v. 199 Weinberger, L. 232 Weinkopf. 343 Weinmeister.XIX Weinwurzer, U. 546 Weiss, C. 15 Weiss, Schauspieler. 172 Weisse Frau.212 Weissenthurm. 306 Weissenwolf, Graf . 215, 611 Weisshappel. 535 Weisskern 158, 241, 302, 305 485, 486, 530 Weitra, B. v. 448 Wellington. 384 Wellishofer, V.604 Wels, F. S. Graf. 564 Wendkremer. 29 Wendler. 467 Wenzel, Kaiser. 79 225 Wenzelli, Fr. A. v. 417 Wenzlar.-.. 65 Wendenberg, Faui. 544 Werklein, Chr. v... 20 Werner, Z. 405 Wertheim. 154 Wertheimstein, S. Edler v. 615 Wesseleny.277 West, der liteiar. (Schrey- vogel).... 193 Westenrieder. 601 Westerberger. H. 479 Wetzhauser, Freih. v._598 Wetzlar, C. Freih. v. 535, 537 Wetzlar, C. Freiin v. 189 Wichtel, M. 398 Wickenburg, Grafen. 556 Wideniann, L. Z. 459 Widmann, J. 168 Wiesendt v. Wiesenburg . 623 Wiesinger, A. 161, 276 I 4l£-U.-4- 672 Personen-Register. — Sach-Register. Seite Seite Seite Wiesundt, A. 480 Winkler, Fam. 519, 520 Wranit/.ky. 195 Wigell,.. 216 Winterberger, J. .. 546 Wrbna. 9, 17, 84, 611 Wilczek, Fam. 368 Wisterberger, H. Wreijk.. 190, 193 Wilczek, B. Graf. 473 Wittich, C. .. 537 Würffel, Fam. 440 Wilczek, J. Graf 45, 473, 546 Wladislaw. .. 523 Würffcl, H. 19, 573 Wild. 187 Wlassack, E. .. 310 Wurpibrand. 271, 368 Wildgans, J. 47 Wögerer, H. .. 656 Wurmser, Graf. 113 Wildjung, A. v. 517 Wohlfahrt, G. .. 545 Wuschinger, Freih. v. 474 Wildner. 596 Wohlleben. 84, 527 Wusky, M. . 343 Wilhelm. 220 Wolf. . 196 Wilhelm, Herzog. 569 Wolffsohn. .. 383 Zach. . 224 WilhelmineAmalie(Josefl.) 185 Wolfgang, Probst . . .. .. 298 Zahlbruckner, A. 158 Wimmer, L. 467 Wolfram v. Eschenbach, VIII, 2 Zapolya. 439 Wimmer de Vienna. 546 Wolfrath, A. 85, 86 Zauner, F, 17, 246, 262, 263 Winckelmann. 343 Wolmuet.. 11, 18, 30, 66 266, 343, 352, 368 Windhaag, Eva M. v. . . . 393 156, 336, 395, 422 Zehnter, M. 187 Windhaag, J.J.Entzmüllerv. 392 Worcell, M. v. .. 434 Zeiss, Fl. 341 Windischgräjz 45, 212, 366, 370 Wouvernians. . 269 Zelinkn, A. .. 74 Seite Zelner, M... 187 Zeno, A. 279, 282 Zichy, Gräfin. 199, 383 Zichy, F. Graf 17, 166, 306 Ziegler. 306, 313 Zimmermann, J. 194 Zinzendorf, A. v. . .. 211, 271 Zirngast, Fam. 623 Zorn, M. 581 Zriny, P. Graf. 277, 484 Zucksehwert, Fam.120 Züchter. 31 Zuekh. 349 Zülzer. 624 Zumbusch . 288 Zweyer, Chr. 209 Zwick. 500 Zwölfer, J.454 Sach-Register, Seite Seite Seite Seite Adam- und Eva-Spiel .. 19 Adel, alter. XI Ad gradus piscatorum ... 439 Adlerbierhaus. 488 Adlergasse... XXV, 319, 326 359, 483, 485 Adlerhaus, gelbes. 486 Adlerstiege. 238, 255 Adlerthor. 73 Aerzte- und Apothekerverordnung . 460 St. Agnes. XII, 484 Ahnenbälle in der Mehlgrube . 168 Akademie, Josefinische . .. 190 Akademie d. bild. Künste 126 339, 386, 473, 512, 623 Akademie der Gesellschaft der Musikfreunde. 276 Akademie, oriental. ..450, 490 Albrechtsbrunnen. 335 Albrechtsplatz .. 529 Alleegasse .... 188, 282, 526 Allerheiligenspital.XIII Allerseelen in Wien. 183 Alsbach... V, XXIV, 21, 219 316, 320, 327, 441, 629 Alsergrund.XVI Alserstrasse. 446, 640 Alservorstadt... 40, 137, 575 Altenburgerhof. 162, 611 Altlerchenfelderpfarre.... 512 Amalienhof... 230, 231, 234 275, 523 Am grünen Anger. 464 Am Bergei... XXII, 459, 485 Ambrasersammlung. VII Am Brezzen-Eck. 565 Am Gestade . 628 Am Hof. XI, XXII, XXIV, 1 9, 19, 23, 96, 144. 154, 192 203, 229, 400, 474, 567 Am Karner. 66 Am Kiel. 627 Am Silberpuchl. . 48 Am Steig. 585 Angelpeckenthurm . XXV, 319 Anglobank. 361 Ankerhof. 48 St. Annakirche 6, 96, 264, 339 345, 490, 506, 610 Annagasse XXV, 186, 339, 347 355, 356, 427, 515, 521, 555 Annakeller. 24 Annenhof. 343, 345, 349, 521 Antikencabinet. 289, 403 St. Anton .XIII Apollogasse. 383 Apollokerzenfabrik. 383 Apollosaal, Fest im. 383 Apotheke z. Bären . 562 „ „ weiss. Engel 581 „ „ hl. Geist. . .. 526 „ „ rothen Krebs 47 , „ gold. Löwen 90 , „ Reichsapfel . 466 Apothekerhaus, Zorn’sches 581 Apotheken Altwiens 410, 460 Apothekerwesen im Mittel- alter . 459 Appellations- u. Wechselgericht . 478 Approvisionirungsamt .... 357 Architektur, Wiener bürgerliche .XXI Architekturschule. 340 Archiv der Gesellschaft d. Musikfreunde. 298 Armencassa. 50 Armenhaus. 642 Armenleuthaus, Pillioti’sches466 Armenseelenoctave.. 71 Armensündergassei, s. Liliengasse. Arsenal XXV, 118, 319, 644 647 Aspern, Schlacht bei ... . 85 Asylrecht. 18, 201 Auerspergstrasse . 415 Auf der Dagkhen. 585 Auf der Hülben.489, 637 Auf dem Myst gegen die Schotten. 215, 219 Auf dem Puehl gegen den Schotten über. 225 Auf dem Puehl bei dem Teuflengraben. 227 Auf der Schütt.616 Aufhebung der Friedhöfe 62 Aufheb. d. beschaul. Klöster 62 Aufzugsbrücken . 321 Aufzugslöcher . 37, 141 Aufzugthüren. 27 Augarten.187, 195 — Fest im. 382 Augustinerbastei 241, 251, 289 319, 366 Augustinerchorherrenstift. 431 Augustinergang 235, 241, 254 258, 289 Augustinergasse 163, 266, 364 526, 529 Augustinerkirche 230, 231, 254 — öeschichte. 364 Augustinerkirche, Kunstschätze . 366 — hist. Vorfälle.. 370, 576 Augustinerkloster . . 364, 371 426, 469, 478 Augustinerplatz . 200 Augustinerravelin. 335 Aula Universitatis.631 Auwinkel ....XXIV, 319, 357 485, 488 Aziendahof. 109 Backhaus, Khlesl’sches . . 519 Badergasse. 162 Badestuben.581 Bäckeraufzüge. 25 Bäckerfahne. 591 Bäckerhaus. 618 Bäckerinnungshaus. 589 Bäckerschupfen.145, 197 Bäckerstrasse XX, XXIV, 221 385, 562, 610, 631 Bäckerzunftbecher.591 Bäckerzunftordnung. 591 Bärenmühle.XIII Bahnstrasse. 472 Ballette. 300, 303 Ballgasse. 30, 397, 585 Ballhaus. . 235, 241, 299, 300 375 545 Ballhaus in d. Ballg. 397,’ 482 Ballhaus, Boierhches.398 Ballplatz.. 232, 241, 375, 450 Ballspiel. 300, 375 Bank, priy. octroyirte.... 50 Bankgasse. 475, 578 Bankgebäude ,. 50, 464, 466 Baptisterium der Schotten 203 Sach-Register. 673 Seite Baraken. 424 Barbacan.XXIV St. Barbaracapelle . . 130, 610 Barnabitencollegium z. hl. Michael . S42 Basilisk-, der. 608 Basiliskenhaus. 608 Basteien.I, XXV, 235, — Baugeschichte der. . . 315 Basteicourtine. 289 Basteigärtchen. 564 Basteigraben. 289 Basteihäuser. . 321 Bastion am untern Fall 318, 326 Batthyanystiege. 238 Bauernmarkt. 30, 47, 89, 191 400, 538. 550, 566, 568 Bauernregeln. 123 Bauhütte. 55, 96, 99 Bauperiode nach dem zweit. Türkenkriege. 216 Bazar, erster Wiener ... 30 Becherlhof. 552 Beichtkreuzer. 6 Bellaria. 255 Bellegardehof.... 1, 400, 568 Belvedere. 216, 222, 255, 342, 482 Beneficiantenhaus. 480 Beneficiantenhaus, Lasla Prokh’sches. 542 Bergerhaus. 48 Berghof. 28, 50, 557 Bergwerksprod.-Verschleiss- direction . 483 Bestschiessen. 281 Bethaus, evang.216 Bettelkotter. 49, 628 Bettel- und Armenwesen . 49 Bettelzeichen ... . 49 Bettlerbühl. 49 Bettlerstiege. 49 Bettlerverordnung. 50 Biberbastei.... 318, 321, 323 325, 357 Bibergasse. 319 Biberhaus. 358 Biberhof. 571 Bibliothek, kais. 179. 238, 263 Bibliothek, Windhaag’sche 420 Bibliotheksplatz 241, 242, 263 Bierglocke. 42 Bierhäuser. 42, 398 Bierhaus z. weiss. Bürste.. 88 „ „ schwarz. Bürste 89 „ „ erst. Wiener 40, 42 „ „ d. 3 Raben .. 611 „ Reichenberger .. 486 488 „ z. Schnecke .... 158 „ „Tabakspfeife.. 461 Binderkeller. 40 29 Birkhof. 50 Bisamberg .. 84 Bischofg. XXIII, 85, 408, 459 Bischofshof, grosser. 55, 85 408, 449 Bischofshof, kleiner, s. Haus z. rothen Kreuz. Seite Bischofskeller. 30 Bischofsthor. 65 Blindeninstituts-Haus .... 648 Blumensprache. 72 Blumenstöckl, altes . 197, 398 Blumenstöckl, neues. 399 Blutgasse . . XXIV, 100, 396 464, 598 Bluturtheile. 24 Bockgasse, s. Postgasse. Bockstein. 31 Börse 402, 479, 538, 602, 624 Bürseplatz. 645 Bognergasse 14, 405. 547, 565 Bolero. 506 Botschafterstiege. 238 Brauhaus, Neuling’sches . 556 Bräunerstrasse XXIV, 129, 145 229, 242, 266, 270, 413, 417 475 Brakteaten. 570 Brandstätte . XXII, 54, 55 86, 87, 297, 459, 500, 501 Brandstättegasse 86, 87, 89 Braunbastei. 318 Brechl... 49 Breidenstrasse, s. Bräunerstrasse. Breitenleid. 137 Brezzen-Eck, am. 565 Briefe, Eipeldauer .. 540, 635 Briefpost. . . 104 Brigittenau. XIX, 61 St. Brigittencapelle. 413 Brodbäckerhaus, altes ... . 467 Brodtische. 29 Brücke, lange. 335 Brückel, grünes 242, 251, 254 Brückenburse.631 Brühbank. 486 Brühl. 363 Brunngasse . 480 Brunnen, Donner’scher ... 163 Brunnenhaus. 40, 51 Brunnenstube. 234 Brunnentempel. 40 Buchdruckerkunst in Wien 545 Buchhalterhaus. 242 Buchhandlg., rrattnern’sche 540 Büchercensur. 6 Büchsenmeister. 53 Bürgerbastei. 318 Bürgereid. XX Bürgermiliz. 25, 370 Bürgermusterung. 485 Bürgerschi anne.31, 37 Bürgerschule v. d. Kärnth- neithor. 629 Bürgerschule b. d. Schotten. 298, 629 Bürgerschule bei St. Stefan 55 66, 96, 469, 499, 629 Bürgerspital 42, 177, 208, 264 366, 410, 460, 529, 530, 558 Bürgerspitalsconcerte .... 194 Bürgerspitalsfriedhof 523, 526 Bürgerspitalsgrundbuch .. 131 Bürgerspitalskeller... 30, 162 Bürgerspitalsplatz 30, 162, 187 371, 522 Seite Bürgerspitalszinshaus.523 Bürgerstechen. 88, 198 Bürgerstube. 638 Bürgeiturniere. 88 Bürgerwehr.8, 83 Bundesacte, deutsche .... 384 Burg. .. XI, XXIV, 1, 88, 143 163, 181, 188, 199, 228, 229 274, 289, 318, 332, 366, 375 376, 413, 547, 581, 629 Burgbastei 243, 251, 254, 316 318, 563 Burg-Capelle. XII Burggraben. V, VII, 201, 235 242 Burghof. 258, 259, 274 Burgmusik. 259 Burgplatz. 228, 544 Burgravelin. 318, 560 Burgtheater ... 231, 232, 234 235, 298, 301, 314, 331, 375 405, 545 Burgthor. 188, 216, 222, 232 243, 1 255, 321,332, 341, 370 447, 495, 535, 552, 650 Burgwache. 259 Burse z. Goldberg. 453 „ schlesische.511 Bursen des Mittelalters .. 511 Busshaus bei St. Hieronymus . 447, 448 Cachucha-Tanz . 506 Cafe Casa-piccola. 651 „ Corti . 290 „ Daum.541 „ Europe.400 „ Kramer . 110, 119 „ Leibenfrost. 91 „ Milani. 541 „ Neuner. 189 „ Nikola. 91, 139 Cameralbezirksverwaltung. 400 Cantorei.... 154 Cantorhaus . . 57, 62, 66, 106 Cantzley v. Zschennaho. . 432 Capellen. Xll Capelle St. Andreas und Achatius. 86 „ St. Augustin .... 526 „ zu St. Mariae As- sumptio. 618 „ der heil. Märtyrer der 10.000 Ritter 86 „ St. Ottenshayn . . 593 „ Puchheim’sche. . . 575 Capistrankanzel .71, 100, 107 Carlsgasse . . 473 Carlskirche . . . .344, 526, 637 Canneliterfreithof. 3 Carmeliterhof .... . 30 Carmelilerkeller. 30 Carmeliterkirche. 4, 154, 501 Carolinenthor321,335, 336, 422 Carroussel 1743 .. . 270, 287 Carroussels 1814... 271, 274 Casematten. 335, 328 Casino ...170, 171, 553, 611 Cavalleriekaserne am Tabor 247 Censurfreiheit 1781 . 541 Seite Censurhofstelle.474 Ceremoniensaal. 274 Chorherrenhof. 99 Christophkeller. 30 Chumpfluken.... . 552 Churhausgasse. 66, 598 Churpriesterhaus 57,70,95, 98 Cillyerburg. 229, 234 Cillyerhof.. 88, 231. 375, 523 Ciilikugeln. 138 Cimentirungsamt. 554 Cistercienserkloster. XII Coalition, zweite. 547 Cobenzl .. 128, 293, 507, 620 Coburgbastei. 441 Coderia Goldberg. 511 St. Coloman. 55, 429 Colomanssäule. 650 Commercial- und Wechslerbank, octroyirte. 50 Commercialschema... 90, 451 Concordia. 170, 171 Congress, Wiener 313, 380, 620 Congressacte, allg. 384 Controlorgang. 246 Controverspredigten. 71 Convict St. Barbara. 498 Creditanstalt 6, 20, 30, 625 Creditbank . .. 1 Criminalgebäude.. . . 40, 585 Croatendörfel am Spittelberg . 421 Croatendörfel an der Stadtmauer . 421, 604 Crucifixcapelle. 100, 107 Culten.XVI Cultusministerium. 578 Curatenhaus. 67, 95 Curbaumerstrasse.XXI Currentgasse 154, 423, 493, 502 Cursalon. 338 Dalmatinerkeller. 30 Damenstifte.512 Dampfbad, erstes Wiener. 635 Darvarhof.... XXI, 361, 454 Daumkeller. 30 Decemberpatent 1774.... 98 D(P)empfingerhof. 614 Denkmünzen an Pius VI. 14 Denksäule auf dem hohen Markt. 51 Diarium, Wiener. . 9, 83, 119 300, 540 Dicasterialgebäude . . 223, 475 Dietrichgasse.XIX Döbling. 295 Domgasse. 605 Domherrnhof. 57, 99 Dominikanerbastei.. 319, 357 637 Dominikanerkeller .. 30, 634 Dominikanerkirche.. 178, 322 335, 511, 651 Dominikanerkloster XXIV, 420 42 t, 438 Dominikanerplatz . . 435, 490 Dominus ac Redemptor. . 8 Domprobsthof. 55, 449 Donauflottillen-Arsenal. . 327 85 674 Sach-Register. Seite Donaulände XXII, XXIV, 28 Donnergasse... 162, 166, 168 Dorotheer-Chorherrenstift. 14 14S, 345. 366, 374, 425, 493 538 Dorotheergasse. . . XXIV, 145 216, 229, 266, 355, 413, 418 4z5 475 Dorotheerstiftshof....... 426 Drahtgasse. 502, 568 Dreifaltigkeitscapelle XII, 500 Dreifaltigkeitshaus . . 398, 500 516 Dreifaltigkeit-säuIe . . HO. 139 Dreifalligkeitsspital. 466 Dreilauferhaus .... 191, 535 Druckerei z. rothen Igel . 578 Durchgangsthurm . XXV, 319 Ehrenstrafen. ... 31 Eiermarkt. 145 Einzug Franz I. den 16. Juni 1784 .. 526 Kisengiesserei. 281 Eisgrübel. 156, 161, 281 Abtei im Elend.20l Elendbastei 201, 318, 590, 644 Elephantenhaus 111, 117, 125 141, 192 Eligiuscapelle 63, 65, 73, 484 Elisabethinerinnenspital .. 220 Elysium 30, 152, 315, 506, 625 Erbhuldigung M. Theresias 121 124, 125 Erbhuldigungseinzüge .... 120 Erbleihe . IV Erdberg. XIX, 323, 495 Erdbergerhaide.495 Erzherzog Carl-Haus .... 354 Erzherzogtitel, Verleihung dess. an die Babenberger III Erzschneidekunst... 342 Escomptebank. 625 Esplanade. 33, 256 Essiggasse.1.390 Esslinggasse.XXII Eszterhazykeller .... 30, 582 Executionen. 31 Fähnrichshof. 396 Färbergasse.. XXIV, 1, 2, 91 154, 189, 441, 493, 567, 625 640 Fahne, grüne . 15 F'ahne, rothe. 15 Familienfondsgüterhaus .. 30 F'andango. 506 Farbensdrache. XVIII Fasandiwinkel. 577 Faschingskrapfen. 138 Faschingszug im Elysium . 510 Faviana. 111 Favorita . 281 Favoritenstrasse 20, 281, 282 F'echtschule z. gold. Hirsch. 584 F'ederlhof, grosser ... 30, 221 385, 386, 562, 571 Federlhof, kleiner. 387 Federlkeller. 30 Seite Seite Feilschaften auf dem hohen Freitagsprocessionen. 107 Markt. 28 Freit hof, St. Peter.. 20, 143 Feldapothekerhaus z. gold. 147, 209, 435 Greif. 408 Freithofthore b. St. Stefan 55 Feldrequisitendepositorium 325 Freiung II, 14, 152, 201, 219 Fcld/.eugamt ...... 336, 422 299, 620, 625. 645 Fenstergucker. 334 Fremdenblatt. 634 t erdinandsbrücke 319, 324 651 Freudentempel am Hof . . 24 Fest der unbetl. Empfang- Friede zu Campoformio. . 547 nis Mariä. 520 Friede, 2 . Pariser. 384 Festungsmauer, alte. 255 Friede, Pressburger. 84 Festungsthürme Wiens . .. 318 Friedenszeichen Maximi- Feuersbrunst im Jesuiten- lians II. 270 Collegium. . . 18 Friedhol, Döblinger. 554 Fiakerkeller. 30 protestantischer. 171 Fideicommisshaus, Bat - YVähringer. 640 thyanv’sches . 475 Frohnleichnamsiest. 105 Fideicommisshaus, Diet- Frohnleichnamsprocessions- richstein’sches. 472 Ordnung Friedrichs IV.. 505 Finanzhofstelle, neue .... 483 Frühstück, das deutsche. . 523 Finanzministerium .. 216, 278 Füchselhof. 57 398, 473, 48u Fürstenbühl. 66 Fischbrunnenhaus... 32, 52 Futterergasse. 504, 505 Fischercapelle. 326 Fukanedisteg. 482 Fischerstiege . XXII, 30, 439 Fusswaschung Pius’ VI. . 370 557 Futtererknechtkeller. 30 Fischerthor 29, 45, 197, 321 326, 439, 440 Gärten, Dietrichstein’sche 472 F'ischerthürlein .... XXV, 651 „ der innern Stadt. 318 Fischervorstadt am Werd 2 Gärtnergasse . XIX Fischhof. . 28, 29, 48, 442 Gässel zur Bastei. 618 Fischmarkt 23, 40, 319, 32« Gässlein nächst dem Stadt- 363, 582 colleg,. 66 Fixelhof. 99 Gamingerhof. 319 Flam'änderhof. 2 Garnisonskirche,» s. Kirche Flaschnergassel. 459 am Hof. Fleischerordn. Albr. III. 562 Garten, Trautsohn’scher . . 415 Fleischgraben . 144 „ Kufstein’scher ... 611 Fleischhof. 14 Gartenbaugesellschaft.... 423 Fleischmarkt XXI, XXIV, 30 Gartenpavillon, Liechten- 52, 186, 359, 361, 413, 450 stein’scher.. 216 460, 485, 511, 583, 631 Gassenkehren . 32 Fliegenschützen. 363 Gasthaus z. lustigen Bauer 294 Im Fluder. . XXIV, 413, 475, „ gold. Birne .. 383 625 . Bock ... 294, 295 Forum carbonum. 535 „ gross. Christoph 87 Fragamt, s. Versatzamt. „ n Dachei. 453 Franzensmonument. 259 „ Dreitaltigk.497,500 Franzensplatz . 229, 259 r „ Eiche. 400 Franzensring. 314 „ „ gold. Engel . 473 Franzensthor. 321, 330 „ „ Ente . . . 490 Franziskanerkirche . . 336, 444 „ hl. Geist .... 526 — Kunstschätze. 446 „ gold. Greif... 617 Franziskanerkloster . 444, 604 „ d. 3 Hacken . 209 Franziskanerplatz .. . 397, 444 215, 648 Fraueneck . 447 „ blauen Hecht. 589 Frauenhäuser im Mittelalt. 447 , gold. Hirschen 582 Frauenhaus. 429 n „ guten Hirten . 296 Freihaus. XIII n „ Kettenbrücke. 295 Freihaus, Althan’sches .. 579 „ d. 3 Königen 297 „ Hohenfeld’sches. 419 n „ Ungar. Krone. 604 „ Kindsperg’sches. 579 „ gold. Kugel.. 22 „ Sinzendorf sches. 579 „ d. 2 Lämmern 297 „ Wenzelli’sches.. 417 T, „ weiss. Löwen 589 Freiheitsbrief Friedrich Bar- „ wilden Mann . 517 barossa's. III, 493 „ Mondsch. 297, 383 Freimaurerlogen. 539 _ „ weiss. Ochsen 453 Freisingergasse. 30, 153, 400 y, „ gold. Radel .. 636 Freisingerhof. XXII, 109, 111 , weiss. Schwan 295 115, 125, 145 * „ gold. Sonne . . 582 Seite Gasthaus z. Sperl . . . 295, 296 297, 383 „ „ tveissen Stern 597 „ „ gold. Stern . . 400 r „ den 2 Tauben 295 „ „ grünen Thor . 297 „ „ Währingerspitz 295 „ „ grün. Weintr. 475 „ „ Stadt Wien . . 295 „ „ Wolf in d. Au 589 „ gold. Wolf . . 582 Gaudenzdorf. 412 Gebet, das 40stündige . . 24 Gedenktaf. an d. Nuntiatur 18 „ „ „ Schranne 39 n am Palais Sina 51 Gefällsgebäude, k. k. 490 Getängniss, bürgerliches.. 138 Gegen dem HaiTnerbaad. . 485 „ den Judenplatz .. . 505 „ die Löbelpastey .. 564 „ den rothen Thurm 554 Gegenüber Maria-Stiegen . 557 „ dem Probsthof v. St. Stefan . 408 Gejad.XIX Generalcommando. 478 General-Erbpostm.-Haus . 635 Generalseminar .... 453, 455 Georgscapelle. 116, 364 Germaniahof. 387, 562 Gesellschaftsconcerte .... 534 Getreidekasten. 52, 357 Getreidekasten, gemeiner Stadt Wien. 172 Getreidemarkt. 333, 424 Gewähren. 29 Gewandkeller. 29 Gewerbsschema. 88 Ghetto. 492 Glacis.... XXV, 33, 243, 256 295, 321, 327, 381, 651 Glasmalereien im Stefansd. 73 Glockengasse, s. Irisgasse. Glückshäfen am Graben. 143 Göttweihergasse. 611 Göttweiherhof. 611 Göttweiherstift. 611 Goldberg. 511 Goldschmiedgasse . . XXII, 55 90, 91, 156, 400, 458 Goldschmiedthurm.XXV Gonzagabastei.318, 326 Gothik.XXI, 63, 364 Gottesacker bei St. Stefan 66 Graben XXII, 62, 79, 105, 107 140, 163, 177, 192, 194, 199 229, 340, 413, 446, 460, 469 581, 613 Grabenhof, der neue . . 128 Grabmal d. Jörg Sigenfelder 70 Grabmonum. F'ried. IV. 74, 516 Grabmonum, Rudolfs IV. und Gemahlin . 75 Grashofgasse . . 395, 454, 610 Graveurakademie ... 341, 610 Greifenstein. 316 Greisslerkeller. 30 Griechengasse . XXI, 359, 361 485, 583 Sach-Register. 675 Seite Griechenwinkel. 488 Grinzing.209 Groschen, Wiener.. .570 Grünangergasse .. XXIV, 464 Grünmarkt 111, 118, 143, 145 Grund, Babenberger. 542 Grund, Neubauer. 651 Grund, Neustifter.. 651 Gstätten ..439 Gülden, Bisthum. III Gumpendorf 79, 399, 412, 495 Gumpendorferstrasse. . . . 495 Gundlhof 88, 135,400, 538,602 Gusshaus. 336 Haarhof. 30, 582 Haarmarkt.. XXIII, 459, 582 Haartracht der Wiener. XVIII Habsburgergasse. 30, 130 145, 413 Hadersdorf. 344, 469 Häringmarkt, der alte . .. 550 Häringniederlage . .. 357, 555 Hafnerbadhaus. .. . 486 Hafnerplatz. 156, 485 Hafnersteig . XXIV. 186, 319 359, 485 Hafnerthurm. XXV, 319 Hallenbau. 3, 575 Hals- u. Gerichtsordnung, hochnothpeinliche. 587 Handelsministerium. 357 Handfeste Albrechts I. .. 319 „ Rudolfs IV.... 138 Handgrafenamt. 453 Handtartschen . 573 Hans-Jörgel-Briefe. 541 Hanswurst. 299, 529 Hanswursttheater . 529 Harnischhaus. 374 Hasenhaus..... 523 Hasennetze.XIX Haspelamt. 523 Haspelhaus. 523 Hatschierenhaus zu den 7 Säulen. 194 Haunoldsthurm XXV .... 319 Hauptmauth393, 357, 361, 453 Hauptpost. ... 52, 357 Haus z. gold. ABC . 192, 588 „ „ Adam u. Eva ... 19 „ „ gülden Adler . . 187 „ „ schönen Algierin 516 „ Althan’sches.340 „ Andrä’sches . 553 „ z. den 12 Aposteln . 486 „ „ Auge Gottes .... 152 „ „ schwarzen Bären . 387 „ Baldauf’sches 60, 90, 95 „ Bartenstein’sches . . . 387 „ Batthyany’sches . . . 349 „ Bäuerisches.167 „ Bauernfeind’sches . . 89 „ z. Bauerndantz .... 153 „ „ gold. Becher.... 93 „ „ grossen Bethen.. 132 „ „ Biberthier. 541 . eisernen Birne .. 512 „ „ blauen Bock .... 419 „ Bremerisches.411 Seite Seite Seite Haus z. schwarzen Bürste 501 „ weissen Bürste . . 501 Camesina’sches .... 620 z. Erzherzog Carl. . 520 Cavrianisches. 414 Colalto’sches . 128, 632 Colloredo’sches (Pe- reira’sches). 602 der guten Conradin. 49 z. rothen Dachei. .. 186 Dankelmann’sches.. 640 Dankowsky’sches . . 411 Daun’sches. 216 Debiel’sches. 40 Dietrichstein’sches.. 366 402, 418 DoblhofFsches 116, 126 Domal’sches.442 z. Drachen. 600 Draschkowitz’sches. 185 z. heil. Dreifaltigkeit 581 EbersdorfE’sches. ... 231 Eder'sches... 400, 501 z. Eiche. 89 Einöderisches. 517 z. Einsiedler. 581 „ Elend. 22 Ellerbach’sches .... 120 Brassicani v. Em- merberg’sches.432 z. gold. Engel. 152 EngelholTsches .... 161 z. gold. Ente.606 Eszterhazy’sches .. 550 z. goldenen Fasan,. 577 „ grünen Fassei . . 402 537, 602 „ den drei Fischeln 442 „ Fischerstiege .... 439 „ Fischhof.442 „ blauen Flasche .. 606 Flasching’sches .... 564 Focky’sches. 500 Fröhlich’sches .... 641 Fuchs’sches. 411 wo der Fuchs den Gänsen predigt .... 546 Fünfkirchen’sches . . 390 556 Fürstenberg’sches .. 414 z. blauen Gatter. . 48 Gatterburg’sches 418, 134 Gaymüller’sches 399, 547 GeisenhofFsches... . 167 z. hl. Geist. . . 522, 625 Gerberisches . 153, 156 Goldmann’sches .... 599 z Grashof. 610 „ goldenen Greif . . 520 „ englischen Gruss. 191 502, 504, 541 Guldner’sches . 330, 620 „ Gunkel'sches.130 „ Gusmann'sches 231, 238 » Gutherz’sches . 327 „ Haffner’sches. 128 „ z. weissen Hahn ... 537 „ z. Hahnenbeiss 19, 20 „ Hallweil'sches. 19 „ z. Harnisch.628 Haus Harnoncourt’sches. . 470 „ Hart’sches. 159 „ Hartpek’sches. 441 „ z. goldenen Hasen . 545 „ „ weisen Hasen 20, 625 „ Henikstein’sches.... 517 „ Hetzersetzer’sches .. 411 „ Hild’sches. 466 „ z. blauen Hirschen . 167 „ „ goldenen Hirsch. . 583 „ Hölleriederisches . . . 519 „ Hofkirchen’sches 264, 266 „ das hohe .... 20, 21 „ Holzer’sches. 432 j „ Huber’sches.604 „ z. gold. Jägerhorn.. 434 „ „ d. vier Jahreszeiten 152 „ Jantschky’sches .... 504 „ gegen den Tesuiten- platz. 425 „ z. rothen Igel. 552 „ „ grossen Jordan .. 502 „ „ heiligen Josef . . . 627 „ Kaiserstein’sches .. 417 „ z. schwarzen Kameel 407 „ Karoly’sches . 522 „ z. blauen Karpfen . 351 „ „ schwarzen Katze. 348 „ Kees’sches.123 „ Khuen’sches. 264 , Kielmannsegg’sches. 188 . d.evang.Kirchengem. 431 „ Kramerisches .. 57, 80 , z. grünen Kranz 4, 123 , „ blauen Krebs . .. 556 „ „ rothen Kreuz 606, 631 „ „ blauen Krone . . . 123 „ „ den 3 Kronen... 22 „ „ gold. Krone .... 117 » „ ungar. Krone 585, 602 „ „ Kühfuss.... 623 „ „ blauen Kugel_352 „ „ gold. Kugel. 22 „ „ schwarzen Lamm 537 „ „ gold. Lampel . . 454 „ „ gr. Landeskrone. 568 „ „ kl. Landeskrone . 568 „ b. Lasla am Lugeck 386 z. schönen Laterne. 608 Liebig'sches. 64" kl. Liechtenstein’sches480 Linck’sches.. 635 Lobenauerisches ... 6'6 z. Stadt London. . . 453 „ gold. Löwen (Art- • haberisches) . 90, 95 111, 459 „ grünen Löwen . . 419 „ steinernen Löwen 446 Mack’sehes. 122 z. golden. Männlein (Baldanfsches) . 95 „ Stadt Mainz .... 581 „ rothen Manndl . . 225 „ wilden Mann ... 517 Marinoni’sches. 620 z. Markuslöwen ... 48 „ heil. Martin .... 328 Mättelli’sches. 419 Meissl’sches. 484 I Haus Mensdorff'sches. . . . 576 „ Meter’sches. 120 „ z. kleinen Mörung . 555 „ Müllerisches .. 319, 326 359, 361, 582 „ Muremann’sches ... 132 „ z. schmerzh. Mutter 227 „ Nadasdy’sches. 349 „ Nako’sches .. 432, 455 „ Neubeck’sches (Hotel Kaiserin Elisabeth). 601 „ zunächstMertenNeu- burger. 441 „ Neupauer’sches.... 599 „ Niempsch’sches (wo die Kuh am Brett spielt). 391 , z. Stadt Nürnberg . 516 „ „ grünen Nussbaum 606 „ Obermayer’sches. . . 197 „ Oczestorffer’sches . . 610 „ Odkolek’sches. 450 „ z. kleinen Ofenloch. 625 „ Oppenheim’sches 153,156 „ Orellisches. 450 „ Palffy’sches . . 327, 550 „ Pappenheim’sches . . 312 „ z. Stadt Paris. 505 „ Pasqualati’sches . . . 629 „ de Paul'sches. 37 „ z. silbernen Pelikan 45 „ Pfitzmann’sches.... 444 „ z. gold. Pflug. 581 „ Pichler’sches. 640 „ Pidoll’sches. 490 „ auf der Presse .... 50 „ z. grossen Presse . . 557 „ „ Primas v. Ungarn 86 400 „ Pserhofer’sches .... 466 „ Radall’sches. 444 „ z. gold. Radel. 636 „ „ Rebhuhn . 459 „ deutschen Ritter. 131 „ grünen Rössel 603 „ steinernen Rössel . 600 RoggcndorfFsches . . 471 Rotnberg’sches .... 411 Rothal’.-ches .. 464, 466 Rothberg’sches. 57, 89 400 Rothmann’sches ... 327 Sacken’sches ... . 354 z. rothen Säbel.... 540 „ goldenen Säule .. 562 Salm’sehes 264, 266, 270 Schallcnberg’sches . 19 111, 119, 1 20, 125, 128 Schallenheim’sches . 127 Schinagl’sches .. . 441 das schmale . 21 Schmidl’sohes . ... 411 Schneidc’sches. . 504 Schönkirchen’sches 162 Scholz’sches.511 z. <1. 7 Schwaben.. 167 „ weissen S-hwan . 172 Schwandner’sches .. 515 Sclavignon’sches . . . 242 Selb’sches. 128 85 * 676 Sach-Register. Seite Haus i. Sieb. ... 581 „ „ gold. Sonne. 582 „ Sperl. Spielmann’sches ... Stadlmeier’sches . .. Stainhofer’sches. .. Starhemberg’sches. . 459 127 441 603 423 432 585 581 „ z. rothen Stein . „ „ blauen Stern . „ „ gold. Stern .. .88, 582 „ „ Stoss-im-Himmel 642 „ z. gold. Straussen. . 225 „ Stubenvoll’sches ... 395 „ Stürmer’sches. 168 „ Süesmen u. Smoyel v. Krems, des Juden 441 * Sybenbürger’sches . 49 „ auf der Tagkhen .. 397 . z. schönen Thor... 85 „ zum Thurm. 47 „ das tiefe. 22 „ Todesco’sches. 319 „ Traun’sches. 624 „ Trautsohn’sclies 415, 417 „ Trauttmannsd.’sches 611 „ ungarisches. 374 „ Urbetsch’sches. . . . 618 ,, z. silbernen Vogel . 155 „ „ goldenen Wagen. 402 „ Wallis’sches. 123 „ Walterskirchen’sches 418 „ das Wanner’sche. .. 89 „ z. gold. Weintraube 408 * „ neuen Welt. 552 „ Wenighoffer’sches .. 406 „ Wilczek’sches. 473 „ z. Wildgans. 47 „ Wolfs, des Juden v. Neustadt.441 „ Worcelli’sches.436 „ Zukschwert’sches .. 120 „ Zwölfer'sches .. .. 454 Hausarchiv, kais. IV Hauscapelle des deutschen Ordens. 598 Heidenburse. 631, 634 Heidenschuss ..XXII, 30, 109 203, 215, 218, 225, 459, 475 581, 625 Ileidenschussthor . 440 Heidenthürme ... 60, 63, 558 Heidipupaidi ... 206 Heiligengeistspital.XIII Heiligenkreuzerhof. .348, 608 Heiligenkreuzerkeller .... 30 Heiligenkreuzerstift. 610 Heilthumsbüchlein ...... 60 lleilthumsstuhl 55, 57, 60, 584 Heinrichshof. 458 Heldenplatz. 235 Herberghaus. 22 Hernals 4, 137, 474, 475, 553 Herrengasse ..XXIV, 109, 215 218, 219, 230, 413, 460, 468 535 Herrenhaus.66, 136 Herrenhuterhaus z. den 7 Körben. 196 Herzogenburgerhof.349 Seite Herzogshof. 1 Hetz-Amphitheater. 190 Hetzendorf.XIX, 98 Heumarkt. 650 Heumarktkaserne . 338 Hieronymuscapelle.444 Hietzing. 98 Himmelpfortenbad. 585 Himmelpfortgasse. XXIV, 109 162, 216, 229, 297, 299, 413 475, 480, 521, 579 Himmelpfortgrund. 484 Himmelpfortkloster XII, XXIV 397, 480, 484, 585 Ilingergasse. 613 Hinter St. Dorothea. 611 Hinter dem Freisingerhof. 158 Hintergasse.145 Hinter St. Lorenz. 359 Hinter St. Pancraz.581 Hinter St. Stefan . 605 Hirschenhaus .. 109, 111, 113 119, 125. 128, 141, 143 Hochholzerhof (lang. Keller) 623 Hochstrasse, s. Herrengasse. Hochthurm. 65 Hofapotheke. 460, 517 Hofballspielhaus 300, 375, 398 Hofbauamt. 241, 376 Hofbibliothek ..134, 218, 241 279, 340, 370, 403, 499 Hofcommission d. Armenversorgungsanstalt. 126 Hofdirection. 300 Hoffeiertagsverzeichnis . .. 280 Hofgarten.;. 243 Hofhaus . 241 Hofkammer. 234, 278 Hofkammer im Münz- und Bergwesen.483 Hofkammerarchiv.347 Hofkanzlei 231, 234, 238, 376 „ böhm. 639 „ ital. 475 „ ungar. ... 550, 579 Hofkapelle. ... 242, 288, 402 Hofkeller. 240 Hofkrankenhaus. 241 Hofkriegsrath. 152 Hofkriegsrathsgebäude . 6, 9 Hofleben in der Burg und histor, Vorfälle daselbst. Hofleben unter Carl VI. .. „ „ Leopold 1. „ „ Maria Ther. 286 Hofmusikgrafenamt Hofmusikkapelle . . Hofopernhaus. 458. 527 Hofschiittagena. d.Mehlm. 199 Hofstadel. 241 Hofstallgebäude.232, 241, 552 Hofstallstrasse. 288 Hoftafelvorschrift. 280 Hofthaiding. 1 Hohe Brücke. XXII, 154, 565 625, 637, 645 Hohermarkt XXII, 28, 79, 154 193, 297, 400, 458, 461, 492 552, 565, 587, 637 Hohenstaufengasse. 79 Seite Hollerstaudenhaus . 604 Holzgewölbkeller . 30 Holzstadel. . 282 Hospize. . XII Hotel Erzherzog Carl.... 460 „ Finger .. . , . 295 n z. röru.Kais 202,209,215 „ Klomser . . . 475 „ Wandl. . . . ... 152, 156 Huben. . 151 Hubhaus. . 151 Hühnergassei .. . 30, 47, 400 Hutteldorf. ... 131, 368 Hufschmiedhaus . . 195 Hundetragen . .. . . 31 Hundsfottgässel. 19, 581 Hundsthurm .... . . XVI, 399 Hungargasse ... . 177 Hungergasse... . 162 Hussitenlehre. . . 631 St. Jakob, auf der Hülben 597 Jakoberbastei . . . 490 Jakobergasse .. . .489 Jakoberhof. . .. 450, 484 Jakoberkirche .. ... 489, 490 Jakoberkloster.. V, XXV, 14 348, 484, 489, 490, 635 Jakoberfreithof . 489 Tantschkvwasen . 504 Jasomirgottgasse .... 89, 400 Jesuitencollegium . 632 Jesuitengasse. „. ... 610, 632 Jesuitenhot, alt. (Biel’sches 274 278 275 402 283, 534 Seite Judenplatz ... XXII, 299, 423 443, 501 Judenschanzel .323, 325 Judenschule . . . 154, 493, 501 Judenspital ... . 501 Judenstadt, alte, 154, 495, 642 Judensteuer.496 Judensynagoge.501 Judenthore. 154, 441 Judenthurm . XXV, 31P, 644 Judenverbannungspatente . 498 Judenverfolgungen.154 Judenvertreibungen ... 6, 22 Judenwirthshaus.154 Judenzeche. 154 Jungferngassei XXIII, 125, 160 Jungfernthurm.230 Juristenschule. 605 Justizpalast. 478 Haus) Jesuitenprofesshaus 6, 203, Jesuitenstyl. 345, Jesuitenvertreibung.. . 8, Igelgasse . Im Elend. Infanterieregim. Ceecopieri Ingenieurschule . Insel, grüne .. Jörgerhaus, altes. St. Johann, V, 55, 201,521, Johannesfest auf d. Hohen- markt.XI, Johannesgasse . XXV, 29, 347, 469, 506, 521, 555, Johanneshof.521, Johanneslogen . Johanniterordenshaus .... Jordangasse 493, 502, 504, Josefinum . Josefsbrunnen. Josefsplatz 105, 163, 178, 231, 241, 242, 263, Josefstadt.96, 216, Josefstädtertheater. Josefstädterthor. Journalistenabende. Irisgasse. 19, Irrgarten. Judenbadstube. Judentleischhof.154, Judenfreithof. Judengarten.154, Judengasse . 28, 48, 155, Judenord. Ferdinands I... 610 438 513 347 30 644 554 353 537 620 542 53 96 585 522 538 521 505 446 125 216 417 411 506 330 170 581 231 501 441 495 501 423 492 495 Kämpfgasse. Kärntnerbastei . 316, 321, Kärntnerbrücke .. . 523, Kärntnerravelin.. Kärntnerstrasse XXIV, 54, 109, 168, 177, 319, 333, 410, 458, 461, 515, Kärntnerthor XIII, 55, 85, 230, 318, 333, 372, 495, 522, 526, 527, 558, Kärntnerthortheater . 187, 300, 302, 382, 398, 506, Kärntnerthortheatercourt. Kärntnerthurm 318, 333, Käsehaus.. Kaffeebüchlein, allg. Kaffeehäuser.... 29, 91, Kahlenberg 1, 82, 84, 293, Kaisercapelle. Kaiser-Ebersdorf. Kaisergarten .. 246, 288, Kaiserhaus. Kaiserkeller. Kaiser-Küchel. Kaiserspital .. 232, 241, Kaiserterrasse. 254, Kaiserweg. Kalksburg. Kammerhof, s. Wildpretin. Kammermusik. Kanalbrücke. Kanzel im Stefansdom ... Kanzlei, erste n.-öst.. 270, Kapuzinergruft.178, Kapuzinerkirche.... 177, Kapuzinerkloster 162, 177, 474, 558, 569, Kapuzinerklostergarten... 189, Karthause, Aggsbacher .. Karthnerstrasse, s. Kärntnerstrasse. Kasten, gemeiner Stadt Wien. Kastenhaus, kais. Katakomben zu St. Stefan Katharinencapelle XII, 65, 552 650 650 335 84 339 530 208 515 650 214 529 589 344 429 20 91 92 650 184 399 289 550 30 545 450 258 20 123 621 472 77 474 475 181 181 611 177 611 417 357 444 100 159 104 232 Sach-Register. 677 Seite Kathartnenkirche, St.. . .. 484 Katzensteig.XXI, XXII Katzensteigthor. 614 Keller z. steinernen Kleeblatt. 94 Kellerschänken.XIX Kemenaten ............ XVI Kienmarkt, s. Wildpret- markt. Kinderbälle.169, 170 Kinderballette, Palffy’sche 370 Kipfel. 467 Kirche am Hof.10, 425 „ z. heil. Geist 254, 523 526, 530 „ der nichtunirten Griechen u. Rumänen 456 „ z. den untern Jesuiten, s. Universitätskirche. Kirchenfeste im Stefansdom 61 Kirchengassei. 67 Kirchenstrafen. 107 Kirchtag, Mariabrunner . 520 Kleeblattgasse ..501, 621, 625 Kleeblatthaus . 621 Kleider, gezattelte. ... .XVIII Kleiderstoffe.XVII Kleidung der Wiener. . . .XVII Klepperstall, alter. 620 Kloster der Büsserinnen.. 444 „ „ Clarisserinnen 14 264,266,521, 526 „ „ bkhrt. Frauen 447 „ Kl.-Mariazell 347, 589 „ d. Salesianerinnen 91 178 „ „ Siebenbüchner. 587 Klostergasse ..XXV, 163, 177 199, 558, 560 Klosterkerkeraufhebung . . 8 Klosterneuburg, Stift 318, 363 426, 431, 648 Klosterneuburgerhof . .30, 431 647 Knödelkeller. 30 Kochgassei.28, 611 Köchezunft. 214 Kögelhaus. 330 Kölnerhof.313, 560 Kölnerhofgasse . 385, 393, 454 Königskloster 14, 178, 242, 264 366, 368. 417 Kohlmarkt.. XXII, XXIV, 30 62, 109, 120, 131, 137, 191 194, 199, 229, 240, 242, 402 405, 413, 535, 602, 623 Kohlmessergasse 318, 554, 614 Komödienbierhaus. 187 Komödiengassei 187, 298, 530 Komödienhaus. 238, 241 Krämerzeche. 66 Kränzelschiessen. 281 Kräutermarkt. 145 Kraffthof, s. Haarhof. Kramergasse . XXII, 411, 566 Kranzelbinderhaus. 57 Krautgasse 110, 340, 566, 613 Krebsenhaus.30, 47 Krebsenkeller. 30 Seite Krebsgasse .... 29, 556, 593 Krebsmarkt. 23 Krechsenhaus. 46 Kremsmünster, Stift. 589 Kremsmünsterhof. 348 Kreuzcapelle .... 63, 65, 107 Kreuzertheater. 214 Kreuzzug, zweiter. V Kriegsbauschule.620 Kriegsministerium . IV, 1, 176 193, 203, 406 Krippenmarkt a. d Graben 144 Krippenspiel. 19 Krötenthurm. 357 Kronenhaus ... 141, 192, 361 Krongasse. 359, 493 Krugerstrasse. XXV, 349, 515 555 Küchenmeisterrechnungen. 65 Kühstall. 418 Künstlerhaus. 345, 537 Küssdenpfennighaus. 359 Kumpfgasse . XXIV, 464, 552 605 Kumpfluken.XIII Künstler-Versorgungshaus 578 Kunstdenkm.b.St. Peter .. 150 „ „ d. Schotten 211 „ „ St. Stefan 67, 73 Kunsthalle, Wiener. 134 Kunsthandel, Wiener .... 190 Kunsthandl., Neumann’sche 542 Kunstverein, österr. . 345, 623 Kupferschmiedhaus. 189 Kupferstecherschule . 341, 349 Laderstrasse. 143 Lagusiushaus . 160 Laimgrube XVI, 49, 256, 333 410, 447 Lammburse. 511, 631 Lampelkeller . 30 Lampenfüllung. 20 Landesloge, grosse v. Wien 538 Landesregierung. 478 Landesvertheidigungsminist. 474 Landfrieden, ewiger. 133 Landhaus. 470, 577 Landhausgasse. 470 Landrecht. XXI Landskrongasse . 47, 197, 550 568, 624 Landständehaus .... 468, 533 Landstrasse .. .XVI, 143, 190 208, 220, 295, 297, 461, 483 484, 650 Langaus (Tanz). 297 Langegasse. 295, 473 Langehaus. 30, 65 Laslathurm. 429 Laterne, schöne. 608 Lauben . 30 Laubeneck, Lübeck, s. Lugeck. St. Laurenz 14, 363, 451, 494 651 Laurenzerberg . 325, 485 Laurenzergasse .... 325, 451 Laurenzerhaus. 357, 451 Lautenmacherhaus.627 Laxenburg 98, 152, 280 380 Seite Lazenhof ..XII, 28, 492, 496 Lebzelterhaus. 196 Ledererhof ..X, 21, 154, 502 567, 633 Ledererinnung. 21 Leibeigenschaft. 455 Leibgarde, polnische .... 12 Leibgarde, Schweizer .... 222 Leichenthore. 62 Leihbarhaus. 57, 62 Leihhaus. 36 Leinwandhaus. 40 Leitgeb. XIX Lenderer.XVIII Leopoldsberg.. .293, 620, 650 Leoppldsbrunnen. 125 Leopoldstadt .50, 61, 84, 136 142, 295, 318, 399, 589, 650 Leopoldsthor. 62, 67 Leseverein. 412 Lichtensteg XXII, 28, 51, 387 411, 442, 515, 562, 565 Lichtenthal. 363, 484 Liebhaberconcerte auf der Mehlgrube. 621 Liebenberggasse. 422 Liechtensteinstrasse. 473 Liewen.XVII Lilienburse.... 453, 511, 610 Lilienfelderhof. 600, 602 Liliengasse. 600 Linde Wat.XVI Linea cannarum . 633 Linnengässel.29, 79 Literaturepoche 1830—48 170 Lobkowitzplatz XXV, 30, 79 162, 168, 177, 230, 371, 526 530, 544, 558, 611 Localpolizei . 424 Löchersteine. 536 Löwelbastei. . 15, 17, 20, 255 288, 293, 316, 318, 330, 478 536 Löwelstrasse .. 331, 478, 563 578, 620 Löwelthor. 330 Löwengruben . 39 Loge z. d. drei Kanonen. 539 Lorettocapelle . 266, 366, 370 Lothringerbierhaus. 537 Lottogefällsdirection. 589 Lottospiel. 199 Luccashaus. 444 Ludlamshöhle. 537 Ludwigscapelle.575 Luftballon, erster.190 Lugeck XXIV, 30,460,560, 565 Lukaszeche, St. XXII Luken, Wiedmer.... 230, 234 Lustgärten, kais. 544 Lusthaus im Prater . 381, 536 Lutherfanatismus. 4 Maass, kleine.XIX Macchiaveilismus. 373 Mädlspergerhof. 635 Magdalenenkirche 54, 60, 62 66, 105 Magdalenenkloster... 208, 451 Maibäume. 72 Seite Maibuschen. 72 Maifest.XI, 72 Mailbergerhof. 348, 469 Majoratshaus, Liechtenstein’sches . 470 Majoratshaus, Traun’sches. 479 „ Trauttmanns- dorff’sches. 475 Malefizspitzbubenhaus 397, 585 Malerei u. Sculpt. i. alt.Wi en XXI Malerhaus. 604 Managettahaus. 502, 516 Manufacturschule. 341 Margarethen .... 45, 210, 399 Margarethenhof. 539 Margarethenplatz. 446 Margarethenstrasse . . 420, 429 Maria am Gestade .XXII, 201 320, 372, 439, 557, 593, 651 Mariahilf.. 199, 297, 544, 650 Mariahilferkirche. 400 Mariahilferlinie. XVI St. Maria-Magdalenakirche XII „Maria rosenroth“. 106 Maria Stiegen, s. Maria am Gestade. Maria Theresia-Monument 246 MariaTheresien-Orden.83, 287 483 Mariazellerhof. 347 Mariazellerwallfahrt. 520 Mariencapelle d. deutschen Ordens. Xll Mariencapellen. IX Mariencultus. IX Maiiengasse.. .30, 411 Marienkirche, s. Kirche am Hof. Marienkirchen. IX St. Marienkloster.431 Mariensäule.23, 24, 650 Marienstiege. 319 Markgrafenburg. 239 Markt, neuer, s. Mehlmarkt. Markt- u. Zunftordnungen XIII Markuslöwe. 48 Marokkanergasse. 295 St. Marx .399, 526 St. Marxerlinie. 286 Matschakerhof. 613 Matzleinsdorf. .. 61 Matzleinsdorferstrasse . . . XVI Mauer... 454 Maulbeerbaum bei den Schotten. 208 Mausoleum bei den Kapuzinern. 179 Mauthhäusel . . .. 321 Mayerhofgasse. 282 Maysedergasse ..... .194, 530 Maysederhaus. 194 Mehlgrube 162, 168, 190, 215 297 Mehlluken. 768 Mehlmarkt .XXII, XXIV, 30 88, 91, 105, 109, 162, 186 189, 191, 198, 299, 400, 475 529, 560, 611 Mehlzeile.. 145 Meidling.XVI, XIX 678 Sach-Register. Seite Seite Seite Seite Meister-Petreims-Thurm.. XXV 319 Melkerhof.30, 203, 618 Melkerstift.589, 618 Mentierstrasse, s. Schenken- strasse. Mentlerzeche. 579 Menuet. 529 Mercantil- und Wechselgericht. 478 Merckleinhaus. 625 Merkur, posttäglicher.... 540 Messnerthor ..53, 62, 66, 40« Metternichgasse. 472 Metternichpaternoster.... 27 Michaelerdurchhaus. 545 Michaelerfreithof. . . . 229, 544 Michaelerhaus, gross. 415, 542 Michaelerhaus, kleines . .. 545 Michaelerkeller. 30 Michaelerkirche XI, XXII, 230 232, 542 Michaeler-Stiftsurkunde .. XI Michaelerplatz XXIV, 105, 109 191, 193, 229, 230, 300, 318 366, 375, 411, 475, 535 Michelbeuern. 137 Milchgassei. 396, 623 Militärarsenal.319 Milit.-Ingen.-Akademie353, 411 Militärpolizeiwache . 424 Militärstockhaus .... 328, 590 Militär-Transport-Sammel- haus. 650 Militärzeughaus, kais. 645 Miloschhaus. 350 Mineraliencabinet . . . 179, 289 Ministerium d. Innern 502, 639 Minnesang .. ..VIII Minoritenfreithof . 469 Minoritenkirche 230, 232, 238 372 MinoritenklosterXXIV, 478,629 Minoritenplatz . 475, 575, 577 Minoritenthurm. 578 Mirakelkeller. 30 Modetrachten.57, 121 Mödling. 315 Mölkerbastei .. 318, 329, 620 Mölkerravelin. 318 Mönchsbastei. 318 Moerung. 87 Mondsichel mit dem Stern 80 Monstreconcerte. 273 Morgenconcerte i. Augarten 621 Mosesstatue. 446 Mozarthof. 587 Münz- und Kupferamt... 483 Münzcabinet 179, 279, 403, 498 Münze.XIII, 1, 568 Münzerstrasse. 400, 568 Münzfuss. 569 Münzgebäude, neues. 483 Münzgebarung.569 Münzgraben. 335 Münzgrabenbach. 316 Münzhof. 1, 2, 3, 568 Münzregale. 569 Münzstätte,. Tullner. 570 Münz wesen, altes, d. Wiener 569 Mundküche, k. k.282 Muschelhaus, goldenes . .. 637 Museen. 246 Museum, Rudolfinisches .. 276 Musik-lmpost-Amt.402 Musikvereinshaus, altes .. 621 Musterung. 485 Nadlerhaus. 135 Naglergasse 17, 19, 30, 109 135, 229, 459, 581 Narrenhäusel. 32 Narrenkötterl. 3 t Naschmarkt .. XIII, 384, 651 Nase. 251, 254 Nationalbank. 479, 579 Nationalbankgebäude .... 475 Nationalschule, griechische 457 Nationaltheater. 303 Naturaliencabinet . . . 179, 242 264, 366 Neidhartsthor. 62, 66 Nepomukcapelle. 642 Neubadhaus. 581 Neubau. 383 Neuburgergasse. 431 Neuburgeihof. 466 Neudeggerlehen. 650 Neuerthurm. 230 Neugebäude. 118 Neumarkt. 229 Neustädterhof. 30, 616 Neustädterkeller. 30 Neuthor.. 318 321, 327, 590 Neuthorbastei. 318, 328 St. Niklascapelle. 542 St. Niklaskirche XII, 464, 466 St. Niklaskloster . . . 208, 464 Nikolaifriedhof. 143 Nikolaiergässchen. 464 Nobelprater. 381 Nordpolexpedition .474 Normalhauptschule. 345 Normalschulfond. 515 Notarzunft. 60 Notendruck. 192 Nuntiatur. . . . XXII, 17, 201 Nussdorf. 82, 209 Nussdorferlinie. 190 Oberpolizeidirection. 151 Obersthofpostdirection . . . 453 Obristhofmeisterstab. 283 Ochsenmühle235, 242, 254, 526 Oelberg. 266 Ofenlochgässchen (Ofen - luken). 624 Oper. 402, 527 Opera buffa. 90 Oppolzergasse. 331 Ordenshaus, deutsches 30, 70 99, 597 Ordenskeller, deutscher .. 598 Osterweine.XX, 624 Ottakringerbach XXIV, 1, 21 316, 441. 575, 625 Palais Abensbg.-Traun 215, 479 . Erzh. Albrecht 241, 251 352, 366, 467 Palais Althan. 579 „ Auersperg.... 216, 415 „ Batthyany . 564 „ Bräuner. 330 „ Clary-Aldringen . . 474 „ Coburg336,421,490,604 . Daun. 478 „ Erdödy. 556 „ Eszterhäzy . 406 „ Prz. Eugen’sches216, 480 „ Fries. 14,216,242 , fürsterzbischöfliches 55 57, 85, 408, 449, 469 „ Hardegg. 215 „ Harrach 203, 215, 225, 478 „ Kinsky.215, 222 „ Kolowrat. 422 „ Lamberg. 478 „ Lichnowsky. 312 „ Liechtenstein . 216, 222 400, 479, 511, 563, 578 „ Lobkowitz 312, 366, 374 431, 467, 558 „ Lubomirsky.331 „ Modena. 474 „ Montenuovo 30, 561, 625 „ Paar. 637 _ Palffy 263, 266,270, 579 „ Pallavicini.... 242, 263 „ Schey. 495 „ Sehönborn.647 „ Schwarzenberg 162, 177 196, 216, 312 „ Sina .. 29, 50, 52, 458 „ Starhemberg . . 576, 578 , Taxis. 162 „ Tinti.478 „ Todesco. 458 „ Trauttmannsdorff . . 478 „ Tryangy. 640 „ Windischgrätz. 578 Palmbühl.. 66, 105 Palmenweihe b. St Stefan 105 Palmesel. 106 Pancraz, St. V, XXII, 17, 19 201, 581 Panigigasse. . 526 Paradeplatz . . . 242, 284, 332 Paradiesgärtchen 241, 255, 286 293, 295 Parisergasse .. . 493, 502, 504 Passage-Erweiterung a. d. Stefansplatz... 61 Passauergasse.596 Passauerhof, alter. 597 Passionsaltar. 73 Passionsspiel bei St. Stefan 106 Passionsspiele. 298 Paternostergassei 109, 111, 120 192, 461 Paulanerkirche. 372, 650 St. Paulscapelle. 558 Paulusburse ...634 Pavillons auf dem Graben 110 Pazmanitencollegiumhaus. 453 Pedellcarcer. 631 Pedellkanzlei. 395 Peilerthor ..XXII, XXIV, 137 191, 229, 405, 440 Penzing. 207 Permanstift. 631 Pest.81, 142 Pestgruben.142, 143 Pestsäule .111, 138 St. Peter .111, XXII, 141, 143 147, 155, 160, 201, 493, 498 552 St. Peterspfarrarchiv. 276 Peterskeller. 30 Petersplatz XXII, 30, 147, 160 400, 405 Peters wache. .. 156, 159, 435 Peyererthor. 137 Pfaffenstadt. 629 Pfarrhaus.... . 151 Pfanhof.. 85, 151, 160, 229 Pfennige, Wiener. 570 Philharmoniker-Concerte . 534 Pilgramhaus.123, 339 Pippingerstrasse. 339 Pirghof. 50 Plan, Lautensack’scher.. . XVI Plan, Wolmuet’scher .613, 633 642 plan, Zappert’scher. III Plankengasse ... 162, 177, 189 431, 611 Plumiten.XVI St. Pültnerhof . 555 St. Pöltnerstift. 555 Polichinell- u. Marionettenspiele . 398 Polizeihaus, altes ...319, 592 Polizeihaus, neues.587 Polizeiordn. Ferdinands I. XVIII 565 Polizeiordn. Maximilians II. 32 Polizeiwache.424 Polizei wachtstübel.326 Polka-Tanz. 297 Polsterltanz. 297 Polytechnikum auf der Wieden. 623 Porz ellanfabrik, kais. 344 Postamt.. .357, 361, 419, 490 511 Postgasse. .357, 419, 438, 608 631 Pragerhaus.. . 469, 571, 589 Pragmaticalgesetz. 129 Pranger.31, 33 Prater. 187, 381, 536 — Volksfest im. 381 Praterstern.381, 536 Prathaus. 131 Predigerbastei. ..... .318, 438 Predigergasse.438, 631 Pressgasse. 50, 616 Primashaus ... 57 Prioratshaus . 224 Proostei. 85 Probsthaus. 214 Probsthof. 85, 469 Promenade auf der Burgbastei . 251 Promenadenplatz, neuer .. 255 Promessenspiel. 128 Protestantenhaus. 391 Provinzialsynode 1267.... 493 Sach- Register. 679 Seite Prügelstrafe. 127 Ptolomais, Erstürmung v. VIII Pulverthurm. 210 Pumpermette. 106 Pyberthurm. XXV, 319 Quai, Franz Josefs-. 319 Quarienthausz. rotnen Rose 90 Radihaus. 322 Radscheiben . 232 Radschlossbüchsen. 53 Raifgasse. 177 Raitcollegium. 471 Raitexpedit. 471 Rakoczyhaus, altes.483 Ramhof, alter . 602 Ramhof, grosser. 552 Ramhof, kleiner. 552 Rampersdorffergasse. 79 Rathhaus. 565, 637 Rathspfennig. 571 Rathsstube. 298, 638 Raubergasse. 66 Rauchfangkehrerkeller ... 30 Rauhensteingasse XXII, XXIV 194, 397, 585 Ravelins. 316 Rebellion, protestantische Rehhendlhaus. Rechenpfennige. Redoutensäle . . 238, 241, 264, 273, 297, 302, Refelpühl. Regensburgerhof 387, 560, Regierungsgasse 471, 475, Regierungsgebäude. Reichsgebäude. Reichshofrathsgebäude . . . Reichskanzlei.238, Reichsmünzordn. 1524 . 2, Reichsrath, alter. Reisnerstrasse. Reitermonument Franz I.. Reitschule. 238, Religion u. Kirchlichkeit. Religionsfond. . .266, 425, Religionsfreiheit. Renngasse XXV, 30, 202, 627, 637, Rennweg .. XVI, 91, 178, Requiem von Mozart .... Revellucken. Richardgasse. Riemerstrasse XXIV, 413, 490, 552, 597, 631, Riemerzunft. Riemhaus.36, 48, Riesenthor von St. Stefan 57, 62, Ritterlehensfähigkeit. Ritterschlag. Rockgasse. Rodaun. Rümerbühl. RBsselkeller. Rosenburse. Rosengasse. 579, Rosenkranzmacher. 45 459 471 242 533 565 562 577 471 235 240 240 569 234 472 289 366 X 596 471 319 644 411 472 588 565 472 444 637 48 451 54 63 XX XII 79 316 66 30 511 613 109 Seite Seite Rosmaringasse. 442, 556, 593 Schauflergasse XXV, 231, 240 Rossau 61, 142, 197, 208, 295 270, 460, 472, 544, 546 297, 327, 392, 651 Schaumburgerhof 162, 177, 611 Rossauerlände. .... 323 Schauspiele, weltliche . .. 298 Rothenthurm . XXV, 319, 357 Schebenzaluken . 118 362, 424, 582 Scheckelkeller. 30 Rothenthurmbastei. . 318, 651 Schenke z. gold. Jägerhorn 434 Rothenthurmstrasse XXIII, 29 „ „ schwarzen Katze 348 54, 85, 89, 319, 323, 359 Schenkenstrasse XXV, 216, 222 363, 385, 408, 4M, 459, 485 475, 578 58 J, 616 Schiesswaffen. 52 Rothenthurmthor, altes . . 197 Schiffe (Barbotten, Brigan- 318, 321, 323, 590, 650 tinen, Nassarnschiffe) ... 604 Rothenthurmthor, neues. . 324 Schillerplatz. 343, 345 Rothgasse . . XXII, XXIII, 28 Schinderlinge. 569 * 270, 442, 565 Schlagbrücke . 323 Rudolfsburg. .... 235 Schlaguhr an der Schranne 40 Rudolfsplatz. . . . . 590 Schlangenhaus, silbernes,, 47 Rüstungen, die alten .... 645 Schlögel, Stilt. 647 Ruhmes-Tempel .. .. .... 121 Schlögelhaus.215, 647 Rumorwache ..156, 177, 424 Schlossergasse XXIT, 109, 116 474, 627 192, 606 Rumorwachhaus. . .. .... 627 Schlosshof. 98 Ruprechtscapelle . , SOI, 469 Schmeckenderwurm-Hof . 634 Ruprechtskirche 147, 542, 617 Schmergrübeln . 29 Ruprechtsplatz XXII, 28, 492 Schmerhaus .36, 47 617 Schmertische. 29 Ruprechtssteig. .. .. 614 Schmiedhaus. 620 Schminken.XV1A1 Sabelkeller. 30, 640 Schmöllerlgasse. 281 Sahen . .. . XXII Schneckenhaus . 158 Sacristei bei St. Stefan... 631 Schneckenmarkt.. . 158 Sänftenstall. .... 552 Schneiderthurm . 230 Säulenstiege. .... 238 Schneiderzunfthaus. 505 Salmmonument. .... 427 Schneillüuferwettrennen im Salvatorapotheke. . . . Prater. 535 Salvator-Beneficiatenhaus . 637 Schönbrunn ... 173, 181, 187 Salvatorgasse .. 29, 30, 298 199, 216, 288, 380, 600 442. 556, 593, 637 Schönbrunnerhaus 37, 40, 460 Salvatorkirche. .... 593 621 Salvatormedaille . .. . .... 571 Schönlaterngasse.. XXIV, 30 Salvatorpfennig. .... 571 413, 453, 608, 610, 632 Salzamt. 554, 589 Schottenbastei . 203, 318, 32 t Salzamtshaus, altes. . .... 554 424, 644 Salzbuch. Schottenbasteihäuser. 620 Salzburgerhof. .... 645 Schottenfrei thof. 224 Salzgasse. 178, 556, 589 Schottengasse . XXV, 203, 618 Salzgries XXV, 319, 424, 439 Schottengymnasium. 210 455, 493, 588, 647 Schotten hof. 224 Salzgrieskaserne .... 319, 588 Schottenhospital. V Salzgriesthor. . ... 590 Schottenkeller .. 31 Salzmonopol. . ... 588 Schottenkirche.XXII, 625 Salzthor. .... 326 Schottenkloster 201, 617, 625 Salzthurm XXV, 319, 555, 591 644, 648 Salzthurmhaus. .... 555 Schottenplatz. .. 201 Sauerkrautgasse .... 485, 488 Schottenpoint. XII Scala facta. .... 575 Schottenprivilegien. 201 Schabenrüsselhaus. . . .... 616 Schottenravelin. 329 Schabkunst. Schottenring .. 152, 319, 479 Schachzabelspiel.... ... XIX Schottensteig. 79 Schandsäule. .... 32 Schottenstiftsbibliothek. . 212 Schänzel . 45, 651 Schottenstiftsbriefe . III Schanzelravehn. .... 318 147, 201, 617 Scharfrichterhaus. . . . .... 328 Schottenthor .. 207, 218, 320 Scharfrichterrechnung .... 31 329, 554, 629, 648, 650 Scharlachrennen .... 448, 645 Schottenthurm XXV, 518, 618 Schatz, Schutz und Schanz 135 643 145, 395, 413, 423, 485, 550 Schranne . 52 648 Schreiberzeche. 60 Schatzkammer . 179, 300, 484 Schreinerhaus. 36 Seite Schremhaus. 46 Schuehaus .36, 40 Schüttkasten, gern. Stadt Wien. 357, 616 Schuldgefiingnis. 39 Schule bei den Michaelern 629 Schulerstrasse. XXIV, 67, 100 396, 413, 464, 489, 605 Schulhof ... 3, 128, 154, 423 493, 502 Schulkomödien .. 298 Schulreformen . 97 Schultergasse 30,154, 442, 623 Schulwesen, altes,i. Oesterreich . 96 Schusterinnungshaus. 589 Schwanengasse. 172 Schwanenteich.338 Schwanenwirthshaus .... 173 Schwarzenberggarten .... 187 Schwechat. 399 Schwefelbanda. 424 Schweinmarkt, s. Lobko- witzplatz. Schweizerhof . XI, XXIV, 1 229, 231, 535, 581 Schweizerthor. 259 Schwertgasse.642 Schwiebbogen. 86 Schwitzkasten. 635 Sebastianaltar. 73 Segenspendung Pius VI.. . 11 Seilergasse XXV, 110,122, 162 177, 194, 199, 229, 611 Seilerstätte . . . XXV, 109, 339 413, 422, 424, 444, 446, 464 475, 515, 602 Seitenstettengasse ..XXII, 440 485, 492, 500, 554, 613 Seitenstettenhof, gr.. 554, 613 „ kl.. 554, 614 Seitenstetteustift ....554, 614 Seiternhaus. 390 Seitzergasse XXI, 193, 423, 604 Seitzerhof . 30, 625 Seitzerkeller . . . .30, 132, 625 Sekkauerhof. 162, 611 Seminarien. 456 Serenaden. 23 Siegelschneidekunst. 571 Simmering. 118, 399 Simmeringerhaide. 381 Singerinnen. 644 Singerstrasse. .XII, XXIV, 30 99, 136, 229, 396, 413, 444 446, 449, 464, 515, 553, 597 Singerthor. 65, 71 Sommerreitschule . . 241, 300 Sonnenfelsgasse 385, 393, 608 631 Sonnwendfest. 53 Spänglergasse ...XXII, XXIV 136, 151, 229, 405, 406, 623 Spaninger. 235,242, 251, 254 332 Sparcasse, erste österr. 89, 109 111, 119, 120, 135, 136, 152 162 Sparcassengebäude ,. 136, 140 143, 190 680 Sach-Register. Seite Spargelburg. 423 Speiseanstalt im Zieglerhaus 91 Spiegelgasse . XXIV, 145, 162 177, 178, 229, 297, 413, 423 431, 473, 338, 611 Spielcassa. 302 SpielgTafenamt . 402 Spielhaus, französisches . . 187 Spieloper, französische . .. 329 Spinnerin am Kreuz . 39, 631 Spital.1S4, 429 „ St., Merten. 447 „ spanisches. 411 Spitalgasse. 168 Spitalsplatz, s. Lobkowitzpl. Spittelau. 143 Spittelberg 411, 417, 421, 484 352 Sporkbühl..484 Staatsdruckerei. 446 Staatsgüter-Administration 490 Staatskanzlei ...232, 376, 564 Staberlwache. 259 Stadel, alter.241, 348 Stadtamt. 402 Stadtanwalthaus. 640 Stadtbeleuchtung. 19, 161, 434 620 Stadtbrunnen z.d. 4Röhren 48 Stadterweiterung sperioden, die vier.XXII Stadtgraben 39, 315, 322, 329 330, 335 Stadtguardiahaus. . .. 282, 590 Stadtmauer, alte XXV, 17, 28 109, 160, 162, 229, 234, 246 251. 413, 429, 459, 485, 495 589, 616, 633 Stadtmauer, neue.324 Stadtmetzen . ... 172 Stadtpark.338 StadtpHasterung. 620 Stadtrecht 1221.XIII Stadtrechte. XIII Stadtrentenbuch ...... 145 Stadtschranne. 37 Stadt- u. Schultheissamt . 422 Stadttheater.336 Stadtthor, Babenberger. . 642 Stadtthore.315 — Baugeschichte. 315 — im Al lg. . 321 Stadtwall. 29 Stadt-Wehrthurm. 85 Stallburg. ..81, 216, 222, 231 242, 266, 545 Stallburggasse XXIV, 242, 266 415, 417, 460 Stallmeisterei, k. k.281 Stallungen, k. k.246, 417 Stallungen, Uhlefeld’sche. 564 Stangengewehr. 52 Stanislaushaus.425 Stapelrecht., ... XV Statthalterei ..474, 475 Stechmesser. 52 St. Stefan X1I K XXII. 11. 46 54, 63, 82, 105, 208, 310 320, 332, 354, 415, 483, 493 516, 553, 538, 637, 651 Seite Stefansdom, Baugeschichte 63 Stefansdomprobstei ....... 449 Stefaosfreithof 54, 61, 79, 81 99, 159, 408. 459, 598 St. Stefanspensionatshaus. 348 Stcfansplatz .XXII, 4, 54, 88 89, 90, 109, 152, 400, 408 459, 489, 606 Stefansthor . 62, 66 Stefansthurmreiben. 108 Steinbüchsen. 53 Steinfeld. V Steinfeldgasse. 620 Steinmetzhütte... .66, 99. 214 Steinmetz- und Maurerordnung. 99 Sterngasse. 14, 442, 492, 556 587, 616 Sterngasselwinkel. 488 Sternkreuzorden. 234 Sternwarte. 254 Sternwartgasse. 392 Steyererhof. XXI, 583 Stiege heilige. 575 Stiegengasse. K97 Stiftunghäuser, Steiger'sche 419 Stiftshaus, Altendorfsches 475 „ De Pauli’sches 634 „ Ertl’sches. 411 „ Goldberg’sches. 510 „ Oeler’sches ... 444 „ Windhaag’sches 392 Stiftshöfe. 102 Stiftung, Chaos’sche. 410, 526 „ Guggemosische. . 511 „ Herz’sche. 511 „ Mohrepfels’sche . 425 „ Moira’sche. 83 „ Schuhkowsky’scheöl 1 Stock-im-Iiisen. . 4, 54, 62 89, 92, 117, 597 Stock-im-Eisenkeller. 30 Stock-im-Eisenplatz XXII, 55 66, 90, 109, HO, 464 Stock-im-Eisen-Sage ..... 92 Stöckel, das kleine. 300 Storchenhaus. 132, 135 Stoss-im-Himmel .. . 493, 642 Strafhnuser im Mittelalter 49 Strafkasten. 197 Strassenbenennung nach Zünften. 36 Strauchgasse. XXIV, 109, 219 413, 475, 479, 547, 625 Strohgasse. 472 Strudelhof. 340, 473 Stubenbastei 316, 422, 490, 637 Stubenthor XIII, 30, 230, 320 321, 637 Stubenthorbrücke ...... 323 Stubenthor-Ravelin , 322, 422 Stubenthurm. 319, 322 Stubenviertel.486 Studentenbühl. 66 Studipnfond.251 Studienhofcommission . . 97 Synagoge der israel. Cul- tusgemeinde. ,.... 619 Tabakdirection. 490 1 Seite Tabakpachtungscompagnie 418 470 Tabakrauchen...... 159. 463 Tabakspfeife, die grosse.. 461 Tabor. 61, 247 Taborstrasse. 461 Tänze, Wiener. 296 Täubelhof.349 Tandelmarkt. 338, 650 Tanz.... . VI Tanz, höfischer. VI Tanzlieder. XI Tarras. 53 Taschnerhaus. 565 Taubstummengasse. 281 Taubstummeninstitut .. 282 Taufstein. 78 Tavernen.XIX Taverne, alte.XX, 634 Tavernrecht. XX Tedetim zu Mar. Theresia’s Krönung.289 Tegetthoffstrasse.526 Teinfaltstrasse XXV, 223, 331 618 Tempelhaus.XIII Thaidungen. 468 Theater, Leopoldst. . 396, 533 „ Wiedner 170, 307, 311 Theaterabende, interess., i. Burgtheater. 310 Theaterbude, alte.186 Theatergesetz, Josefinisches 304 Theaterzeitung . 172 Theatiner-Klosterhaus . . . 640 St. Theobaldkloster. 644 Theresianum .... 8, 281, 572 Theresianumgasse. 281 Theresienthor . 313, 321, 325 Theseusgruppe. 270, 290 Theseustempel. 243, 290 Thor, Bairer-. 405 „ a. d. hohen Brücke 440 „ finsteres. 255 „ am Katzensteig ... 440 „ schwarzes . 579 Thurm, alter .241 , zun. dem Fischer- Thürlein. 319 „ a. d.Goldschmiede 319 Tiefengraben XXII, XXIV, 21 30, 144, 203, 219, 225, 312 327, 448, 625, 641, 642, 648 Tieferkeller ... . 30 Tjosten und Buhurten . .. VII Timahaus. 386 Tirolerkeller . 30 Tischlerherberge .... 30, 397 Tischlerkeller . 30 Tischlerzunfthaus. 397 Tod, der schwarze, s. Pest. Todtenschilde . . 17 Töpfermarkt. 158 Toisonfesttage. 280 Toleranzpatent. 135, 455, 496 Tract, Leopoldinischer 231, 496 Tranksteueramt.470 Trattnerhof.. XXIII, 109, 111 113, 115, 129, 417, 460 Trautsohngasse. 415 Seite Trautsohn-Manuscript. . .415 Tricolore. 547 Trombons. 17, 53 Tuchlauben 30, 37, 131, 136 340, 460, 550, 58L 621 Türkenbelagerungen . 15. 230 232, 264, 316, 319, 321, 325 333, 339, 429 Türkenhaus. 331, 564 Türkenkeller. 30 Türndl. 610 Turniere. VII St. Ulrich XII, 45, 143, 177 461, 474, 484 Ungerthor. 322 Universität 133, 298, 341, 385 393, 436, 605, 629 Universitätsbibliothek 392, 420 Universitätscensur. 546 Universitätskirche 610, 632, 651 Universitätsliberey . 631 Universitätspedellhaus.... 395 Universitätsplatz. .. 610, 629 Universitätssiegel. 630 Unter den Eisnern.158 „ „ Fleischbänken . 562 565 „ „ Melbern. 145 „ dem Nussbaum.... 606 „ den Spänglern 37, 136 Unterkammeramt. 21 Urfehde. . 31 Ursulinerinnenkloster 348, 513 Valentincapelle. 147 Veilchenfest. XI, 71 Verbauung des Stefans - freithofs.. 54 Verbrennhäusel. 338 Versatzamt 30, 335, 355, 427 431, 562 Via carnorum. 450, 515 Via regia.XXV Vicedomhaus. 151, 160 Vienna. III Vindobona . III Virgiliuscapelle. 60, 156 Visitkarten, mechanische . 191 Vogelmarkt. 231, 414 Vogelperspectivplan Huf- nagl’s 38, 544, 578, 631 — Merian’s.XXV — Suttinger’s . . ..... 578 Vogelsanghaus. 215 Volksgarten 243, 246, 288, 295 Volkspossenmusik.. 396 Vor dem Stubenthor .... 633 Vorlaufgasse. 29, 77 Votivkirche . 651 Wachtstube der Bürgerwache . 259 Wachtstübel auf d. Peters- freithof. 156 Wachtstubenhaus . 620 Wächtergassei . . 30, 627, 648 Wächterkeller. 30 Währing. 137 Währingerstrasse 208, 411, 446 Sach-Register. — Verzeichnis der Illustrationen. 681 Seite Waghäuser. 362 Waghaus, kleines. 582 Wagnerhaus. 615 Waisenhaus.411 Waisenhausgasse .... 340. 472 Wallfischgasse .... XXV, 515 Wallgraben. 429 Wallnerstr. 229, 480, 540, 582 Wallstrasse . . XXIV, 28, 229 Waltergasse. 282 Wasserglacis... 118, 337 Wasserkunstbast. 318, 335, 422 Wassermauthamtsgebäude. 326 Wasserravelin . 327 Wassersclianzel.316, 326 Wasserspeier. 113 Wasserstadel. 21 Wechselamt . 88 Wehrthurm. 442 Weihburggasse XXIV, 229. 444 446, 516, 555, 599 Weihnachtsfest.. XI Weihnachtsmarkt. 144 Weinbau. XIX Weine der alten Wiener . XX Weinfälsclumg. 601 Weinlese . XX Weinried, Gumpendorfer . XVI Weissgärber. 323, 325 Weisskunig.134, 135 Wenigergässel. 66 Werd, unteres. 320, 399, 496 Werderthor XXV, 55, 319, 589 Werderthorgasse.XXII Werderthurm. XXV, 319 Seile Seite Wieden . XVI. 188, 294, 372 384, 461, 420, 482, 650 Wiedmarkt. 535 Wiedmerluken . 535 Wiedmerthor, s. Burgthor. Wiedmerthurm.241, 319 Wiedmerviertel. 535 Wiednerhauptstras.se . 429 Wien; erstes Emporblühen unter Jasomirgott... 111 — „ d. Babenberg. VIII — örtliche Entwicklung XXII Wien, die . XVI, XXIV, 208 650 Wiener-Neustadt, Abtei.. 616 Wienstrasse .XIII Wildpretmarkt XXII, 24, 48 545, 550, 568 Willkommbecher ... 117, 458 Winkelarchitektur, d. Wiener im Mittelalter . 488, 593 Winterbierhaus. 197 Wintergarten.289 Wintergassel. 550, 624 Winterhaus. 624 Winterreitschule 231, 240, 264 270 — Carroussel in der . . 382 Wipplingerstrasse . . .XXII, 29 51, 154, 319, 440, 502, 565 637 Wirthschaftshofd. Schotten 203 Wo sich der Hahn im Spiegel schaut. 153 Wo der Heid scheusst . . 225 Wo der Teufel die Bognerin raufe. 406 Wohlthätigkeitshofcomm. . 126 Wohnhäuser, alte Wiener XX Wolfersdorf. 61 Wolfpassing. XIX Wolfsau. XIX, 61 Wolfsbrücke. 61 Wolfsegen. XIX, 61 Wolfspass.XIX Wolfschütt . 61 Wollzeile .V, XX, XXIV, 55 85, 104, 229, 322, 408, 419 490, 631, 633 Würfelthurm. XXV. 319 Zaismanbrunn. 651 Zapfenhaus. 454 Zaunburg. 377 Zaunerstadel. 344 Zechkerze. 107 Zedlitzgasse. 422 Zeiselwägen. 363 Zeitalter der Erfindungen und Entdeckungen. 132 Zeitalter, jetziges . 133 Zeitung, Wiener. 540 Zeitungswesen, Wiener im XVIII. Jahrhundert .... 540 Zeughaus am Hof 14, 17, 25 81, 151, 209, 298, 441, 604 648 Zeughaus, kais. unter. 336, 422 d. gern. Stadt Wien 14 441, 623, 647 Seite Zeughausgasse. 644 Zeughauskasten . 14, 54 Zeugstadel . 14, 52 Zieglerhaus zur blauen Flasche. 47, 91 Zinshaus d. Philipperinnen 500 Zögerlkeller. 30 Zum Amor. 111 „ Benedictenptenmg . . 90 „ Erzherzog Carl .... 111 Zu den 7 Häusern. 21 Zum guten Hirten . 90 „ schwarzen Hund 136, 160 „ Hund im Korb .... 160 „ Husaren. 111 „ Jüngling. 111, 130 Zur Jungfrau v. Orleans . 111 „ weissen Katze. 111 Zu den 3 Laufern. 131 Zur schönen Linzerin.... 111 Zum Papageno. lll „ breiten Stein. 42 Zur gold. Wage. 111 „ schönen Wienerin ... 94 Zuchthaus.49, 247 Zünfte, alte Wiener . .XX, 505 7,unächst dem Berghof . . . 556 Zunftwesen der Wiener im Mittelalter. 33 Zwettel. 102 Zwettelhof 57, 71,79,102, 490 Zwettelhofcapelle. 67 Zwinger. 471 Zwölferhof. 454 Verzeichnis der Illustrationen, big. Seite Titelbild. Ansicht Wiens im XVII. Jahrhundert. 1. Planstudie, die örtliche Entwicklung Wiens darstellend .XXIII 2. Ansicht Wiens aus der Vogelperspective v. Jahre 1642 XXVI 3. Die Carmeliterkirche. 3 4. Professhaus und Kirche der Jesuiten. 5 5. Der Hofaus der Zeit von 1840—1850 . 7 6. Hofkriegsrathsgebäude. 10 7. Segenspendung Pius VI. am Ostertage 1782 vom Balcon der Hofkirche. 13 8. Bürgerliches Zeughaus am Hof 1732 . 16 9. Freudentempel am Hof. 26 10. Züchtlinge in Wien, ihre Verurtheilung zum Strassen- kehren. 34 11. Die Zurückkunft aus dem Zuchthause. 35 12. Die Bürgerschranne. 37 13. Schranne und Umgebung, 1441—4630. 38 14. Grundriss der Schranne. ... 39 15. Der hohe Markt 1719. 41 16. Der hohe Markt 1797. 43 17. Der Pelikan... • 44 18. Der Markuslöwe. 48 Fig. Seite 19. Denksäule auf dem hohen Markt. 51 20. Stefansfreithof und Heilthumsstuhl. 55 21. Stefansplatz mit dem Messner-, Leihbar- und Cantorhaus 1797. 56 22. Messner-, Cantor- und Leihbarhaus von der Rückseite 1780 . 58 23. Stock-im-Eisenplatz 1779. 59 24. Magdalenenkirche. 60 25. Heilthumsstuhl. 61 26- Stefansfreithof mit den Grabfeldern und der alten Denksäule. 64 27— 30. Friese am Westportal der Stefanskirche ... 68, 69 31. Grabdenkmal des Riemermeisters Jörg Sigenfelder.. 70 32. Grabmonument Friedrichs IV. 76 33. Mondsichel mit dem Stern. 81 34. Das Haus zum Primas von Ungarn. 86 35. Die Moerung. 87 36. Der Stock-im-Eisen. 92 37. Das Haus zum goldenen Becher. 93 38—40. Wahrzeichen am Haus zum goldenen Becher . . 94 41—42. Domherrnhof. 10 L 43. Der Zwettelhof im Jahre 1842. 103 86 Verzeichnis der Illustrationen. 682 Fig. 44. Der Graben im Jahre 1719... 45. Der Graben in der Gegenwart 46. Der alte Freisingerhof. . 47. Die feierliche Erbhuldigung Maria Theresias in Wien am 22. November 1740. 48. Innenansicht des Selb’schen Hauses. . 49. Das Peilerthor.. 50. Decoration des Grabens anlässlich des Dankfestes in Folge des Erlöschens der Pestseuche am 17. Juni 1680 51. Die älteste Peterskirche. 52. Die Peterskirche aus dem Jahre 1732 . 53. Die restaurirte Peterskirche.. 54. Der Petersplatz mit der Peterswache. 55. Das Eisgrübel.. 56. Das Bierhaus zur Schnecke. 57. Der neue Markt im Jahre 1600. 58. Schlittenfahrt auf dem neuen Markt im Jahre 1719. 59. Der Donner'scbe Brunnen auf dem neuen Markt... 60. Die Kapuzinerkirche... 61. Die kaiserliche Gruft im Kapuzinerkloster. 62. Der Strafkasten. 63. Das Bäckerschupfen. 64. Ansicht der Schottenkirche und Umgebung aus dem XVI. Jahrhundert. 65. Ansicht der Schottenkirche und Freiung aus dem XVII. Jahrhundert. 66. Der Wirthschaftshof der Schotten aus dem Jahre 1672 67. Die Freiung oder der Schottenplatz aus dem J. 1720 68. Ansicht der Freiung aus der Zeit von 1760—1770. 69. Der alte Schottenhof. 70. Die Freiung in der Gegenwart.. 71. Die alte Hofburg . 72. Ansicht der Hofburg aus dem Jahre 1556 . 73. Portrait Kaiser Ferdinands I mit der Ansicht der Burg aus dem Jahre 1556. 74. Ansicht des innern Burgplatzes aus dem XVII. Jahrh. 75. Ansicht der Burg von aussen aus dem XVII. Jahrh. 76. Die neue Rudolfsburg (später Amalienhof) aus dem Jahre 1652 . 77. Der innere Burgplatz aus dem Jahre 1725 . 78. Der innere Burgplatz mit der neuen Reichskanzlei aus den Jahren 1780—1790 .. 79. Der Controlorgang. 80. Die alte Burgbastei mit dem „Spaninger“ und dem alten Burgthor aus dem Jahre 1652 . 81. Die Promenade auf der Burgbastei mit der „Ochsenmühle“ und „Kaffeemühle“ aus dem Jahre 1797 .. 82. Das finstere Thor. 83. Das Schweizerthor aus dem Jahre 1826. 84. Das Franzensmonument. 85. Das Josefsmonument. 86. Der Josefsplatz . . 87. Das Königskloster oder das Kloster zu St. Maria, Königin der Engel 1740 .. . 88. Das Palais Pallavicini auf dem Josefsplatz. 89. Die k. k. Winterreitschule im Jahre 1735, links die k. Kunstkammer, rechts das neue Michaelerhaus . . . 90. Das Tedeum in der k. Hofcapelle anlässlich der Krönung Maria Theresias am 22. November 1740.. 91. Das Kaffeehaus im Volksgarten.. 92. Dttr Theseustempel im Volksgarten . . 93. Canova’s Theseusgruppe im Volksgarten. 94. Das Paradiesgärtchen. 95. Das Paradiesgärtchen auf der Lüwelbastei. 96. Giuoco-di-ballo-Haus. 97. Das Burgtheater. 98. Der Vorhang des Burgtheaters. 99. Ansicht Wiens aus dem Jahre 1483. 100. „ „ „ „ 1490. 101. Das alte Stubenthor. Fig. Seite 102. Ansicht des Stubenthores vor der Demolirung. 322 103. Das Theresienthor. 323 104. Das Rothenthurmthor aus der Vogelperspective.... 324 105. Sculptur an der Innenseite des Rothenthurmthores . 324 106. Das neue Rothenthurmthor in früherer Zeit.325 107. „ „ „ neuerer „ . 325 108- Das Fischerthor. 326 109. Das Neuthor von der Vorstadtseite.327 110. „ „ „ Stadtseite . 328 111. Das Neuthor. 328 112. Das alte Schottenthor von der Innenseite. 329 113. „ „ „ „ „ Aussenseite . 329 114. „ neuere „ „ „ Stadtseite vom Jahre 1716—1836 . ... 329 115. Das Schottenthor von der Vorstadtseite vom Jahre 1836—1864 . 330 116. Das Franzensthor vom Jahre 1817—1862 . 331 117. Das alte äussere Burgthor von der Stadtseite. 332 118. „ neue „ „ „ „ Vorstadtseite v. Jahre 1821—1858 . 333 119. Das alte Kärntnerthor von der Innenseite . 334 120. Das alte Kärntnerthor von der Vorstadtseite. 334 121. Das neue Kärntnerthor von innen.335 122 Das neue Kärntnerthor von der Vorstadtseite. 335 123. Die alte Münzstätte im Münzgraben. 336 124. Das Carolinenthor von der Vorstadtseite. 337 125. Das Wasserglacis.337 126. Das Verbrennhäusel auf dem Wasserglacis. 338 127. Die St. Annakirche mit dem Noviziathaus der Jesuiten zu Anfang des XVlll. Jahrhunderts. 346 128. Basrelief im Hofraume des Mariazellerhofs. 347 129. Anton Klieber’s Amorettenbasrelief am Hause Nr. 14 in der Annagasse . 352 130. Das ehemalige Küssdenpfennighaus in der Adlergasse. 360 131. Das Müller’sche Gebäude in der Adlergasse vor seinem 1719 erfolgten Umbau . -.362 132. Augustinerkirche und Kloster nebst dem Dietrich- stein’schen Palais aus dem Jahre 1724 . 365 133. Die Augustinerkirche aus der Gegenwart.367 134. Canova’s Grabdenkmal der Erzherzogin Maria Christina in der Augustinerkirche. 369 135. Das Ballhaus auf dem Ballhausplatz .. 375 136. Die Staatskanzlei aus dem Anfänge des XVII. Jahrhunderts . 377 137. Das Arbeitszimmer des Fürsten Metternich. 379 138. Der Drachenorden im Federlhof. 386 139. Ansicht des grossen Federlhofes in der Bäckerstrasse 388 140. Das Freiherr von Fünfkirchen'sehe oder Seitern-Haus in der Bäckerstrasse. 389 141. Ansicht des ehemaligen Köllnerhots bis zum Jahre 1794 394 142. Denkstein ober dem Thore des Universitäts-Pedellhauses. 395 143. Balcongitter am Universitäts-Pedellhaus. 395 144. Ansicht der Brandstätte mit dem Gundelhof im XVIII. Jahrhundert. 401 145. Innenansicht von Grillparzer’s Geburtshaus auf dem Bauernmärkte. 404 146. Der Bischofshof (erzbischöfliches Palais) in den Jahren 1724—30. 409 147. Palais Cavriani in der obern Bräunerstrasse in den Jahren 1724—30 . 416 148. Wahrzeichen am Dominikanerkloster, betreffend die Windhaag’sche Bibliothek. 420 149. Die Universitätsbibliothek. 420 150. Die Coburgbastei zu Ende der Dreissigeijahre. 421 151. Das Coburg-Palais. 422 152. Die Dorotheerkirche und das Kloster aus dem XVII. Jahrhundert. 426 153. Die Dorotheerkirche aus den Jahren 1724—30 .... 428 Seite 112 114 115 124 129 137 140 146 148 149 157 158 159 163 164 165 177 180 197 198 202 204 205 213 216 224 226 228 231 233 236 237 239 244 245 247 252 253 256 257 260 261 263 265 268 272 284 290 291 292 293 293 300 301 311 317 320 322 Verzeichnis der Illustrationen. 683 Fig. 154. Das gräflich Starhemberg’sche Haus in der Doro theergasse.. 155. Hufnagl’s Ansicht des Dominikanerplatzes mit der Kirche aus dem .Tahre 1600 . 156. Die Dominikanerkirche aus den Jahren 1720—24. . 157. Wandgemälde am Hause zur Fischerstiege. 158. Das Fischerthor. 159. Wahrzeichen im Hause Nr. 518 auf dem Fischhof. . 160. Der Kischhof aus dem ersten Viertel des XVIII. Jahrhunderts ... 161. Franziskanerkirche und Kloster aus dem XIII. und XVIII. Jahrhundert.. 162. Die Mosesstatue auf dem Brunnen vor der Franzi kanerkirche . 163. Die Laurenzerkirche und das Kloster auf dem alten Fleischmarkt aus dem Jahre 1729 164. Der Erker am Darvarhof aus dem XV. Jahrhundert 165. Die alte Tabakspfeife aus Hirschhoin 166. Der Untertheil der Tabakspfeife .... 167. Das Kohr zur Tabakspfeife. 168. Die Kirche und das Kloster der Nicolaierinnen aus den Jahren 1724—30 169. Das Landständehaus bis zum Jahre 1838, von der Herrengasse aus gesehen. 170. Das alte Landhaus, vom Minoritenplatz aus gesehen bis zum Jahre 1838 . 171- Palais Daun (jetzt Palais Kinskv) aus den Jahren 1721—1724 172. Palais Traun in der Herrengasse aus der Zeit von 1720—1724. 173. Das Palais des Prinzen Eugen in der Herrengasse aus der Zeit von 1724—1730. 174. Die Griechengasse, vom Fleischmarkt aus gesehen. . 175. Jesus und die zwölf Apostel . 176. Der Hafnersteig hinter der griechischen Kirche .... 177. Kirche und Kloster St. Jakob aus dem Jahre 1721. 178. Der Lazenhof. 179. Der Judenplatz aus der Zeit von 1725—1730 . ... 180. Basrelief an dem Hause Nr. 402 auf dem Judenplatz 181. Das Daum’sche Elysium in seinen Innenräumen ... 182. Ein Faschingszug im Daum’schen Elysium. 183. Kirche und Kloster St. Ursula in der Johannesgasse 184. Die alte Johanneskirche in der Kärntnerstrasse aus den Jahren 1724—1730 185. Der Bürgerspital-Gottesacker mit der Capelle vor dem Kärntnerthore und die Carlskirche im Jahre 1735. . 186. Einzug Franz I. in Wien am 15. Juni 1814 mit der Ansicht der Kärntnerstrasse. 187. Das alte Kärntnerthor von 1763—1868 . 188. Die Ansicht des Kohlmarkts aus dem Jahre 1780.. 189. Die Umgebung des Michaelerplatzes nach dem Wol- muet’schen Plane aus dem Jahre 1547 . 190. Ansicht des Michaelerplatzes mit der Kirche aus dem Jahre 1724 .. 191. Ansicht des Gaymüller’schen Hauses in der Wallner- strasse . 192. Ansicht des Widpretmarktes aus dem Jahre 1720.. 193. Der Lobkowitzplatz aus dem Jahre 1718. 194. Ansicht des Lugeck aus dem Jahre 1725 . 195. Steinbild am ehemaligen Taschnerhaus 196. 197 198 222 223 Das ehemalige Taschnerhaus auf dem Lichtenste] Der Ledererhof bis kurz vor seiner Demolirung 8—221. Wiener Münzen und Siegel. 572 Das Häuschen zum gold. Fasan mit der Minoritenkirche Palais Liechtenstein in der Schenkenstrasse aus den Jahren 1724—1730. 224. Basrelief im Hofe des Steyrerhofs Seite Fig. 225. 433 226. 227. 436 228. 437 440 229. 440 230. 442 231. 443 232. 445 233. 234. 447 235. 236. 452 237. 454 238. 462 239. 462 240. 463 241. 242. 465 243. 469 244. 245. 472 246. 476 247. 248. 477 249. 481 250. 485 251. 487 488 252, 491 253. 499 503 254. 504 255. 508 256. 509 257. 514 258. 259. 522 260. 524 261. 262. 525 532 263. 543 264, 544 265. 548 266. 549 267. 551 268. 559 269. 561 270. 565 271. 566 272. 567 273. —73 274. 577 275. 1 276. 580 277. 583 Plan Seite Das ehemalige Hirschenhaus in der Rothenthurmstr. 583 Innenansicht des Hauses zum goldenen Stern. 584 Ansicht der Rauhensteingasse aus den J. 1725—1735 586 Das ehemalige kleine Kaiserhaus, jetzt Mozarthof in der Rauhensteingasse. 586 Das ehemalige Werderthor. 589 Das Gebäude der k. k. Lottogefallsdirection auf dem Salzgries. 590 Die ehemalige Kaserne auf dem Salzgries. 591 Rückwärtige Ansicht des alten Polizeihauses auf dem Salzgries. 592 Das alte Polizeigebäude von der Sterngasse aus . . . 594 Das Portal der Salvatorcapelle.594 Ansicht der Kirche Maria am Gestade . 596 Der ehemalige grosse Passauerhof. 596 Das deutsche Ordenshaus in der Singerstrasse. 601 Das Neupauer’sche Haus in der Singerstrasse. 599 Steinbasrelief am Drachenhause in der Singerstrasse 601 Ansicht der Seilerstätte aus den Jahren 1737—1740 603 Das Stainhofer’sche Haus in der Schulerstrasse .... 606 Wahrzeichen am Hause zum rothen Kreuz in der Domgasse. 607 Die schöne Laterne. 608 Der Basilisk. 608 Ansicht des Heiligenkreuzerhofes aus den Jahren 1724—1730 . 609 Griliparzer’s Arbeitszimmer. 612 Das Katzensteigthor im Jahre 1824. 614 Innere Ansicht der israelitischen Synagoge in der Seitenstettengasse. 615 Der Stein im Neustädterhof. 616 Die Ruprechtskirche . 617 Ansicht des Mölkerhofs in der Schottengasse mit seiner Umgebung 1775—1780 . 619 Das alte Musikvereinsgebäude. 622 Das Schönbrunnerhaus in den Tuchlauben aus der Zeit von 1730. 623 Steinfigur am Winterhaus. 624 Ansicht des Tiefen Grabens aus den J. 1724—1730 626 Das Heidenschuss-Steinbild. 627 Die hohe Brücke im Tiefen Graben . . .. . 628 Ansicht der alten Universität. 630 Das älteste Universitätssiegel. 630 Der Universitätsplatz mit der Jesuitenkirche vor dem Jahre 1754. 632 Wiens erstes Dampfbad in der Wollzeile.635 Ansicht der Wollzeile von der Stubenbastei aus den Jahren 1725—30. 636 Das Rathhaus in der Wipplingerstrasse. 638 Ansicht der alten böhmischen Hofkanzlei in der Wipplingerstrasse.'. 639 Das ehemalige Kloster der Theatiner und die hohe Brücke bis zum Jahre 1725 . 641 Die ehemalige Nepomukcapelle auf der hohen Brücke aus den Jahren 1715—30. 644 Wahrzeichen am Haus Nr. 3 im Stoss-im-Himmel.. 644 Das alte Militärzeughaus. 646 Rüstung aus dem Ende des XV. Jahrhunderts. 646 Rüstung aus dem XVI. Jahrhundert.646 Bewaffnete Wiener Bürger aus dem XV. Jahrhundert 647 Titelbild. Ansicht Wiens während der Türkenbelagerung 1683 649 „ vor dem ehemaligen Kärntnerthor . . 652 „ „ „ „ Burgthor. ... 652 „ „ „ „ ehemaligen Schottenthor. . . 654 Rothenthurmthor 655 der inneren Stadt Wien. 86 @Lr. DRUCK VON JOHANN N. VERNAY IN WIEN, IX., MARI ANNEXGASSE 17. ii J- . I ( t : v; '• ?' • .y*- /! . w UAo mmm 5 ^'mSä©oSäÄ ^ /-s / __ ~ /Ä , '.'A^ A H ^VA ^ A' -r" lr V -<' jA^A« SsS:«raö?« AäC *!?'0 »'•wA/ a 'A«/A ä^nn ,/.A a a^ArW^ A B fäx&'gm A ä Ä ^;fiÄ Or_ ’ ' n ft A /"V^ /A ''U * A 5 A 3 ® * AI A */|r Ä*Ä^8 £ 8 * A w;a aS " ä. ? ^1aH9äÄw A n ;/ Ä Q^W/oW» '7^? aWaa^'' m A ^ ft ^ « ,-v V'/ä ^ ~ e A w^trWrsnw^n^ ^?h^P^P ä Ss :■ ’Ä^S mmmmß '^AP,o.y * Qtfk^iQ ä£v*aaO l A A _'.n AN-. AÜW* A 7rV A-I/^NV '//-KV^ AS' ?A=\ A ■Ä? P: “ ä AfS A rs ft A i2s<*- 4tk. - - I • • ' /^*N ^ /**»- s'! Ä ‘ ^ -f - U .VjC^V A." 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