MM Au vil ist ungesund/ In 40. Absatz / auff40. Tag Der , Weil. Waffen- ^ eingecheilet,-^ Damit der Mensch durch ni jcdenTagverkostenundersehen könne/ wie er sich von der Seelen Ungesund hüten/ ^ und beständig an seiner Seel gesund verbleiben möge. Von einer GOttliebenden Hoch- Adelichen Persohn inDruck gegeben. Gedruckt und zu finden Ln WLenn/ Bey Johann Georg Schlegel / schen Buchdrucker/ r?r5» - An den günstigen Leser. Eneigter Leser! das alte Spruch- Wort ist : Au Vit ist ungesund /solches bleibt auch wahr: jedoch nur allein in den leiblich- und zeitlichen / nicht aber in den geistlich- und Seelen- ersprießlichen Sachen/ Massen man deß Guten niemahlen zu vil thun kan / welches nicht der See-, len nur desto nutzbahrer wäre, di» hingegen man in dem Bösen / gar zu l -vil thun kan / welches dem Leib und D>er Seelen schädlich ist. ^ Dann keiner hat noch mit dem zu vilen Betten sein Glück versaumbt/ wohl aber ihrer vil/ haben durch ihr zu weniges Betten / ihr zeitlich-und ewigesGlückversaumbt- Keiner ist noch durch das zu vil Fasten / erkran-- cket/ oder gar gestorben / aber wohl A 2 ihrer chm vil haben durch ihr zu viles Essen und Trincken /ihnen ein /und andere Kranckheit/ jawohlgarden Todt sechsten verursachet. Hoch keiner ist wegen deß zu vilenMmoscn geben/ rrarmct; aber wohl ihrer vil / haben durch ihre zu vike Kargheit/ ihnen selb- > sten die StmsWOkteS / zeitlich- und j ewiger Armut/ verursachet. Es hat! noch keiner zu vil auff den Todt gedruckt/ und stch auff denselben fürgesc- hen; aber wohl ihrervil / haben zu wenig auff denselben gedruckt/ und sich^ mit ihrem allergrösten Schaden/zuwenig/ Md zu spat fürgeschen. Noch^ keiner hatzuvilheilig-und himmlische ^ Gedancken gehabt; aber wohl ihrer! vil/ haben zu vil eytle / Gottlose/ und sündige Gedancken gehabt / wegen welchen sie von G-Ott empfindlich/ und scharffgestrafft worden. Keiner hak - hak noch zu vil geistliche Ermahnun- - gen/ guteLehren/ und göttliche Ein» t sprechungen angehört; aber wohl ihr l rer vil/ haben zu wenig derenseben an- ^ gehört/und angenommen; dahero sie/ r zur Zeit der Anfechtung / gar bald in - Kleinmütigkeit/ und Verzweiflung > gestürtzet worden. Noch keiner hatM - vil gute / geistreiche /und Gottseelige - Wort geredt; aber wohl ihr vil haben - solche zu wenig / an deren Statt aber/ - vil ärgerliche / unreine / und gottlose » Wort geredt. Endlichen hat noch kei- K-Ner zu vil gute/ aufferbäuliche/ und H der Seelen nützliche Merck getha«,- aber wohl ihrer vil/ haben deren zu ^ wenig gekhan / dardurchste dann ihrer armen Seelen/ewigen Ungesund ver« ursacht haben. K Und also verbleibe ich / sowohl mit - dem ersten Anfang / in dieser Vorred / A z als als auch mit den Vierßig Absätzen? beyden Worten : Iu Vil ist ungesund ; allzeit doch in der Meynung/ Daß alle Welt-Sachen zu vil ungesund.- diegeistlicheSachcn aber/der Seelen auff die höchste Weiß gesund feyn / je mehrer/ je besser. - Bitte dahcro / der geneigte Leser/ wolleihme belieben lassen / dieses alles .auffmercksam zu durchlesen/ wohl zu betrachten / und so vil darauß zu er- llrhrnen/damit er deß Bösen nicht zu Dil/ ( ja wohl gar nichts) deß Guten. ÄberLar vil / und allzeit mehr undi mehr thup möge. Wie ermahnet der H. ApoM Paulus: Sv WÜrcktt 8t und Zittern. .2. D./2. V. . Auff den ersten Tag der Fasten. Zu vil ist ungesund; HKLAnn ungesund ist der Seelen / wann ^-Ader Mensch zu vil essen rhur. War- «mb? Darumb r'weilcn die. schöne Tugend der Mäßigkeit außbleibet/ und sodann die Fasten / durch den Fraß Übertritten wird. Mancher Mensch / der ist in das vil Esten so verliebt / daß er nicht allein von der Mästigkeit nicmahlenwas gcdencket / sondern auch nur immerhin feine Gedancken hat/ wie erstäts genug essen möge/und also er seinen angefüllten Magen und Bauch gleichsam für seinen GOtt haltet / und in nichts grossere Freud und. Wollust suchet/ als: nur in offt und vil Esten; also zwar: daß/ wann er seinen Fleisch,Ranven/ oder sündigen Maden-Sack/ auch schon derge« ßalten mit. Speisen angefullt/ und ange- schopthat/ daß nichts «,ehr hinein kan / er A 4 aber _ -kZ< s ) §r-_ abK sihet / daß noch mehr andere gute Speisen ihme fürgetragcn werden / därffe estzmenochleydseyn/ daß er nichts mehr davon genüffcn könne. Aber/O thorrechter Mensch ! vil mehr lasse dirleyd seyn/ daßdir so vil genossen hast / als nicht meh- rer genüssen zu können. Billeicht bist du hierin aber der Mey- nung / wann du anheunt deinen Mage» und Bauch mit Speisen/ gleich einem Sack/ anfüllest/ du wirst morgen nichts mehr zu «ssenbrauchen? oder desto leichter / und besser fasten können? weit gefehlt/ dann du morgen noch vil schwärcr / nach völlige? Verkochung/ deinen außgedehntcn Magen wirst crsättigen/ und anfüllen können. Und was Gewinn hast du endlich auß dem gar zu vilen Essen ? keinen anderen/ als daß du deinen Leib kränckest/ und schwächest; wie man nur gar zu vil findet/ welche wegen deß zu vilin Essen ihre Gesundheit verlohren / dessen stch die jenige / welche mit Wenigen sich begnügen lassen./ nicht zu beklagen haben- Der Überfluß ist noch allzeit Midlich / die Mäßigkeit aber jederzeit gut «nd nützlich gewesen. ,_ -r;c y >rr- _ Keine Nothwendigkcit ist zu Erhaltung deß Lebens/ täglich vil/ und offt essen; j w hl aber ist ein Nothwendigkeit / zu Er- Haltung der Seelen / täglich / und allzeit massig zu essen. Ist auch diß der Unter- ? schid zwischen den vernünfftigen Menschen/ ! und zwischen den unvernünfftigen Vieh. ^ Dieses isset/wann es will/so osst es will/ und so vil es will / welches aber dem vernünffti- gen Menschen nicht wohl anständig / erlaubt / und zulässig ist / sondern auff alle j Weiß verächtlich/und straffbar ist. Demnach mein Mensch! bemühe dich/ so viles Essen dir abzugewöhnen / dich mit wenigen zu begnügen / und die Mäßigkeit l zulieben / dieNatur lastsich auch mit We- z nigen begnügen / wann nur die Vernunfft ! darzu den Beytrag thut. Hüte dich hin- führo vor allen Uberfluß/weilen die SchriA sagt: Wer gern prasset / wird Mangel i leyden. ?rov.c.Ll.v.l7> So Vil von dev Tugend der Mäßigkeit. Die Fasten belangend/ so haben die Apostel auch denen Christen/ von etlichen Spei- sen/sich zu enthalten/gebotten. LÄor.c. 15. So sagte auch der Heil. Paulus: So A; die die Speist meinen Bruder ärgert/ will ich mich in EwiMir dest Fleisch essen enthalten, i. Lonnr. c. 8. v. iz. Wie vil mchrer soll man sich dessen enthalten / so es dieRirchen gebiet/ und die gantze Kirchen geärgert/ und verachtet wird. So ist man auch schuldig gehorsamb zu seyn der Kirchen / und zu vollziehen / was selbe gebietet: und zu lassen/ was sie verbietet/-nach den Worten Christi / der da spricht: welcher die Lerchen nicht Hörer/ soll für einen Axden gehalten werden. lVlLtrk.c.18. Durch das Fasten/ und enthalten deß Fleisch essen / kan man GOtt vil versöhnen; wo in widrigen / bey dessen Ubertrettung man Ihn auch vil erzürnen kan. Also die Israeliter / wegen unordentlicher Begierd deß Fleisch Essens/ GOtt hefftig erzürnt/ «nd schwäre Straff auffsich geladen haben. dl um. c. I l. klülm. 77.I. ( 7 or. c. IO. Eleazaraber/ und diesibenMachabeer/ haben ehender alle Peyn und Marter auß- stehen wollen/ als von verbottencn Fleisch essen. 2. Xlacti. c. 6. §c 7. Ach l was Gnaden/ kan man durch Haltung _ -r;c » __ ^ tung der gebotenen Fasten / von GOtt er- ' langen: die edle Judith/ hat durch Enthal- ! tung der verbottenen Speisen / den Holo- ' fernem / sambt seinem gantzen Kriegs-Heer >' überwunden / das Vvlck GOttes aber erhalten/und brsteyet. Zuclick, c. 8. i Daniel der Prophet / ist nicht weniger/ ' durch Enthaltung der verbottenen Speisen / mit aller Weißheit / und besonderen Gnaden GOttes erfüllet worden, van. i. c.9. Lcio. O herrliche! Ohoch-schatzbare! O Miß- würdige Tugend deß Abbruchs/und der Fasten! du bist beliebt gewesen unserem Heyland / dich haben hochgeschätzt so vik taufend heilige und fromme Menschen- Damit aber O Mensch! dir es nicht zu hart / oder gar unmöglich falle / gleich auff einmahl von dem guten Leben / und vilen Essen / zu der Massigkeit/ zu den Abbruch/ und zu der Fasten zu schreiten / so fange nur bey kleinen an / dich nach und nach darinnen zu üben / und dir wirst gar bald und leicht zur Vollkommenheit kommm; und zwar: Len ersten Tag beflejsse dich / niemahlen «nmäffig / sondern massig zu essen / und GOtt rs A4- GOtt zu Ehren einen Löffel voll ( den du gleich hastwollen in deinen Mund nehmen) zuruck zu lassen. Den änderten Tag: wann du vil Speisen vor deiner hast / thue von einer / deiner allerliebsten Speiß / GOtt zu Ehren / dich enthalten / und ihme dieselbe auffopffertt. Also: enthalte dich den dritten Tag / genug zu essen / und thue GOtt zu Lieb diesen Abbruch mit Freuden übertragen / und so du dieses thun wirst/so wirst du einen guten Anfang / einen guten Fortgang / und ein gutes End erlangen und gewinnen. Und also/beobachte / und liebe das Gesas / sage auch mit Freuden: Besserest mir das Gesas deines Munds / dann tausend Pfund Gold/ and Silber, klälm. n 8 . v, 72. WweyterWsatz. Auff den änderten Tagder Fasten. Zn vil ist ungesund; AMAnn ungesund ist es der Seelen/ wann EMo der Mensch zu viel Mein trincker. Warum ? darum z weiten derselbe truucken/ und __ -rzc n )!4- _ Md voll machet / die Trunckenheit aber eine Mutter aller Laster ist. Dann die Trunckenheit nimbt die gute Vernunfft/ die Gesundheit/ dengutcn Nah- men / und auch das Geld auß dem Beutl. Sie verursachet Unzucht / Zanck/ Hader Zom/ Streich und Todschlag. Sie offenbahret was heimlich ist / diese lästert GOt^ verachtet den Nächsten / und macht den Menschen zu allen Verrichtungen gantz und gar untauglich / ja macht ihn gleich einem unvernünfftigenVieh. Dieses schändliche Laster fangt sich erstlich mit wenigen an / hernach kombt es als» indie Gewonheit/ daßaußder Gewonheit/ bey den Menschen gleichsam ejneNothwen- digkcit wird/ immerhin in derselben fort zu fahren. Dann / der gestern ist voll gewesen / der wil heunt seinen Durst löschen / und löschet er denselben / so gehet es widerumb auffeinen neuen Rausch loß/ und es wird dabey nicht bleiben / sondern es wird der Kopff wohl gar muffen voll und toll seytt. Geschihet es nun ein rund anders mahl/ so kombt die Gewonheit / welche sich nicht mehr bcndigen lasset / sondern wird dem Voll- ^ __- 4 R 14 ) k»-__ < Vollsauffer also anhangen / daß er sein tru- /, rkene und durstige Gurgl / täglich in die ^Weinschwcni zu fuhren / sich befleißen wird. O verfluchtes Laster deß Vollsauffcns! als auß welchem alle Übel entspringen/ der Ursachen Paulus gesprochen : Es ist gur Ilichr viel wein rrincken. Rom. c. 14. wohl wissend / was Unhcyl auß dem viel Wein trincken za entspringen pflegen! da hingegen bey der löblichen Nüchterheit solches alles nnterweegs bleibt. Es hat aber/ lcyder! der verdambte Mißbrauch / bey jetzigen Welt - Zeiten / also groß überhand genommen / und so starck eingerissen / daß man gar nicht mehr Weynet / einem ein Ehr angethan zu haben ( es seye hernach bey einer Besuchung/ Mahlzeit / oder sonst ehrlichen Zusammen- kunsst) wann man ihn nicht rauschig / Stern-voll / und also angezecht; biß er nicht mehr reden/sehen/ gehen/ und stehen kan / ja nicht genug/ man fanget hernach auch mit dem Berauschten solche Un- fvrm an / daß er mehr einem Vieh/ als Menschen gleichet. Und je mehret solches ge- -k !( -5 )k4- - geschiehet/ je größere Freud/ und Vcrgnü- » gung schöpffet ein solcher darauß / wel« l cher seine Gäst Stern-voller nach Haust schicket. Aberpstry der Schand! und wehe! ! weheder Sünd! dann: die Vollheit ist em Verschwenderin der Gesundheit. Sie ist ein Rauberin der güldenen Zeit. Sie ist ein Benehmerin der Vernunfft. Sie ist eine Diebin deß Gelds / und Außlarerin deß Beutls. Sie ist ein Zunder deß un» > zimblichen Liebs-Feuer ! Sie ist endlich eineKuplerin zu allen Sund und Lastern. Dahero/wehe ! dem jenigm / so der Trum ckenhcit ergeben / und wehe! auch dem je- nigen/ welcher andere darzu zwinget. Es seynd ein / und andere gewesen / web» che an fich seibsten den Wein nicht sonders geachtet/ geliebet/ und getruncken/ aber Gescllschafft halber/ und durch Verpflicht ^ tung der jenigen/ denen sie verbunden zu feyn sich erachtet / haben sie / solchen Wein- Zapffen zu Lieb / die Massigkeit auff den Nagel gehengt/ auch nach und nach den Wein-Grausen verlohren / solchen in eine Neigung dergestalt veränderet / daß sie gleich den andern/mit welchen sie Glaser- Freund- -r;c Freundschafft gemacht/dapffer mit- ja wohl in die Wett gesoffen / auch offt toller und Holler/dann sie/ davon gangen. Aber / wer ist Ursach daran ? die erste Ursach/ ohne Zweiffel ist der jenige/ welcher den mäßigen Wein-Trincker (durch liebliches Zusprechen / und Anzeigung / daß er ihn dardurch verpflichte / auch ihme ein Freud verursache / wann er wacker mithalte/ «ud sich in diese verfluchte nasse Bruder- sihafft einschreiben lasse ) darzu gebracht. Die andere Ursach aber ist der jenige sechsten / welcher sich darzu hat reihen / zwingen/und nöthigen lassen/dann er wohl ein und andere Entschuldigung hätte vorwenden können/als - ich liebe und achte von Natur den Wein nicht viel/ oder - ich darff denselben fast gar nicht trinckcn/ oder: ich Hab mir fürgenommen GOtt zu Ehren nicht mehr / als z. Glase! voll zu trincken. Oder ich will niemahlen so viel trincken / daß ich einen rausch überkomme. Dahero bitte ich / zum Trincken mich nicht zu zwingen/ und so solches geschehen wäre / wurde man ihne zum trincken/ nit also genö- thiget haben/ noch nöthigen können; mast _ --4X I? _ scnja ein jedwedcrcr Mensch seiner Gesund« Heit vollmächtiger Herr ist/ und sich nicht Darss zwingen lassen / einem andern zu Lieb kranck zu werden / viel weniger durch die Voll-und Trunkenheit zu sündigen. Der jenige aber / welcher sich sechsten gern von andern voll sausten last / und der sich sechsten gern voll saustet/ scynd beyde gleich; gleich der Sünd/und auch gleich der Straff unterworffen. Dann: wann sie jenes thun / was sie so leicht unterlassen können / ja da sie darzu nicht verbunden/ gezwungen / oder genöthigct werden/ noch werden können / so verursachet ihr freywil- lige Voll-undTollheit / ein desto grössere Sund/ und mithin auch ein desto schwärere Straff. Die Rehabitex werden gelobt/ auch von GOtt begnadet und begabt / daß sie / wieder ihres Vatters Gebott/ nicht haben wollen Wein trincken. Zerem. o.z;. Mein Mensch! du weist es/ daß der himmlische Vatter nicht will / daß du überflüssig/ über die Natur / und geziemmende Maaß/ Wein trincken / dich voll anzechey/ deine Vermmffts welche er dir gegeben hat/ B ihm« > > ihme zu dienen/ und dardurch deiner Seelen Hcyl zu würcken) schwächen/ zum Bösen anwenden/und sündigen sollest. Wann du dann von GOtt begnadet/ und begäbet werden wilst / so gebrauche dich allein der Nokhdurstt/ und höchst lvbl. Mäßigkeit / in dem Wein trincken/ was aber darüber ist / das ist zu viel / sträff- lich und böß. Daher» / traue dir nicht zu viel / sondern seye fürsichtig / und forchtsamb. Er- ivege dabey nur wohl was Lrloinon in seinen Sprüch-Wörtern sagt: Sitze nicht an den wein / wann er gelb wird / und wann sein Larb glanyer; er gehet lieblich hinein / aber zu End beisiet er / wie «in Schlangen/uno giesset dasGistr auß/ wie ein Lsliülc. L. 2z. v. Zi. Witter Wbsatz. Auff den dritten Tag der Fasten Zu vil ist ungesund. Ann ungesund ist es der Seelen / mnn sich der Mnsch za ml auff- baumbr. _-r;c -9 )rr-___ balmrr. Warumb? darumb; weilen er hardurch die Sund der Hoffart begehet- Aber sage/ O hoffärtiger Mensch/ was dich dann bewegt hoffärtig zu seyn? hast du dich wohl cinmahl recht betrachtet/ waS du bist / was du kanst/ und was du auß dir feststen vermagstund sofern du dieses gethan hast/ so wirst du in Wachest finden / und sehen / daß du ohne GOtt / Nichts bist/nichts weist/ und nichts vermagst. Woher deine Hoffart? Ein hoffärtiger Mensch wird von keines Menschen in der Welt geliebt / viel weniger von GOtt. Dann: alle Hoffärtigo seynd dem HErrn ein Greul/ und wann sic schon Hand in Zand schlagen/so wird- doch die Straff nicht außbleiben. Allst den Sprüchen Lälomonis. o. ,6. V. 5. Ein hoffärtiger Mensch / wird seltene Fried geben / weilen man ihme fast allzeit zu wenig( seiner Einbildung nach) ehret / und Bedienung erzeiget/ er wird jederzeit / nur mehr und mehr haben wollen. Dahero sagt die Schrifft: Unter den -Zof- färrigen ist allzeit Hader/ aber die alles mir gurenAarh verrichten / die werde»» Ks mir -rrc )tr- wir Weißheir regieret. Auß denen Spruch-Wörtern Lalomonis. Lsp. IZ. v- io. Wann du dannO Mensch! von GOtt/ «nd dem Menschen verlangst/ geliebt / gelobt/ nndwehrt gehalten zu werden/ fo lege ab deine Hoffart / und nihme an dich die Niederträchtigkeit / und Demuth / so Wirstalle Lieb/ Huld / und Gnad von dem allcrhöchstenGOtt zu gewarten haben. Mache nur einmahl den Anfang darzu/ so wirst du bald darinnen einen grossen Fortgang gewinnen/ also zwar/ daß du seine Hoffart sürohin mehr achten / sondern Lilmehr verlangen werdest / von allen Menschen verachtet / und für nichts gehalten zu werden / umb nur allein dardurchdem allerveracht - und verlaßnesten liebsten JE- su/nach zu folgen. So fern aber gleichwohl / dir noch zu Vil daß Maul nach der Hossart schmecken/ «nd der yosiarts - Geist auß deinem Herr «en nicht kommen wolte/ so ergreiffe also« Halden das allersichereste Mittl/welches dir allein helffcn kan / nemblichen: wersse dich hem allerdemüthigsten ZEsu ( welcher dir in _ -ree -r , in der Dcmuth fürgangen ist ) zu seinen allerheiligsten Füssen / und rede ihn an: O mein allerdemüthigster/ 3Esu! siehe! ich deine allcrunwürdrgste Creatur! ich dein unwürdigstes Geschöpfs/ unterstehe mich vor deine Augen zu kommen/ und dich anzubetten / als meinen Erschaffer/ Erlöser/ und Seeligmacher. Ich lobe dich/als meinen allergetreuesten Versorger meines Leibs und der Seelen: ich liebe dich / als mein einiges Absehen / Verlangen / und Wunsch-Ziel. Ich gehe zu dir / als zu meinen Lehrmeister aller Tugenden / Frömmigkeit / und Heiligkeit. Ich smfftze zu dir/ als zu meinen liebreichen/ gütigm und milden Beschützer meiner Seelen. Ich fliehe zu dir/ als den gütig-barmbhertzig- und gnädigen Auffnehmer meiner armen Seelen. Ich schreye zu dir/ als zu den gedultig- und langmüthigen Übersetzer meiner verübten Missethatcn. Endlichen hoffe ich zu dir / als zu den unfehlbahren / und einigen Vergeber meiner Sünden- Neben dem/ komme ich auch O grosser GOtt! und opffere dir auff/ meinen Verstand / Willen und Gedächtnuß. Meine Bz Ge- - - — >» « . » >, » , , -> > »» Gedancken / Wort / und Werck. Meine 22 )?j- - fünff Sinn/ deß Leibs / mein Thun und Lassen/Handel und Wandel/ Leben und Sterben. Nun / dieses alles / seye mir gannlichm genommen / und dir/ ohne geringsten Zu- ruckbehalt/ oderAußnahm übergeben und geschencket. Nihme mir hinwcck meine Frcyheit/ undmache mich dir zu einen Leibeigenen. Beraube mich alles dessen / was deine freygebige Gnaden-Hand mir gegeben hat; nur allein dich sechsten lasse mir / so habe ich überflüssig genug/ und alles in: Und mit dir. Weit also sey von mir / daß ich hinfüro einmal)! mehr so vil auff mich selbst halte/ und in der Hoffart mich auffbaume / wie es leyder bißhero geschehen/ sondern ich will Meine Nichtigkeit erkennen und bekennen/ Daß ich ohne "dich / O mein GOtt! und alles! nichts bin/nichts wisse/nichts kan/ nichts vermag/und nichts Hab. Und da ich vorhin eines hochmütigen Geists gewesen/ will ich sürohin eines niederträchtigen / und armen Geists seyn/ damit ich in das Himmelreich aussgenommen werde / diewcilm mein ^zc-r )^_ mein Heyland selbsten gesprochen: Seelig sez-nd die Armen in Geist/ dann ihren ist das Himmelreich. Uänk: 5. c. -ierdker Absatz. Auffdm vierdten Tag der Fastetk Zu vil ist ungesund. AMAnn ungesund ist es der Seelen / wann «Uder Mensch das Geld zuviel lieber. Warumb?darumb,- weilen auß der Geld- Lieb der Geitz entspringet/ auß dem Geitz aber vil andere Laster. Dann / wann einer das Geld unmäßig/ und zu vil liebet/wird er nun desselben willen auch alles in der Welt thun/ und vollziehen/ es scy hernach recht / oder unrecht. Wird ihme auch nicht zu schwer/ und z» vil seyn/ Betrug / Diebstall/ und wohl gar Mordthaten zu verüben/ umb nur wacker Geld/ in seinen Beutl zu bringen. Dann es nicht allein bey einen solchen begierigen Geld - Egel heißet: Geldich Hab dich liebsondern imerhin: noch mehr! «och mehr! und mag ein solcher seine H 4 KM -e?/ 24 . Geld - Begierd niemahlen löschen und er- sättigen. Cs freuet ihn sonsten nichts aust dieser Welt / als was ihme Geld bringen kan/ und betrübet ihn auch sonsten nichts / als was ihn in Geld ein nehmen verhindert. Ja / er sinnet / studiret / und den- cket nach / Tagund Nacht/ stuh und spat/ wie er seine Geld - Sucht stillen / und seine Geld-Summen vermehren könne; aber/ Dgeitzigcr Geld-Narr l sage/ was hilfftdir dein Geld? und was genussest du davon? Nichts anders s ists nicht wahr) als daß du- Tag und Nacht dich abinattest/ laufest und schnauffest/ dasselbe zuvcrmchren/ und wann du auch schon noch so vil zusammen scharren werdest / wird deine Gcld-- Sucht dannoch nicht genug gesättiget seyn; sondern du wirst allzeit noch mehr / und Mehr zu haben wünschen und verlangen. O Geld ^ Narr. Du kombst mir nicht anders für/ als wie ein Vaß ohne Boden/ welches nicmahlen kan angefullet werden. Aberweist du nicht/ was Christus gesprochen: Ihr solr euch nichr Schätz sam- len auff Erden/ da sie der Rost / und Maden verderben: und die Oieb nach- . graben _ -r;c -5 ergraben/ und stehlen, blarrst. Lap. s. verst ly. ' Cs lebete ein gewisser Geiy - Halß / und Geld-Narr / welcher sonsten kein andere Freud hatte / als nur mit seinem Geld / daher» er dasselbe täglich öfftcrs anschauete/ zchlete / und sich damit über alles erlu- stigte. Endlichen käme er auff das Kran- cken-Beth/ hossete aber anbey dannoch wiederumb auffzukommen / gesund zu werden/ und sein Geld noch länger zuge- nüffen. Allein / seine Gedancken schlugen fähl/ als er dann vcrmcrckete/ daß seine Kranckhcit gefährlich und tödtlich/ wurde er gantz traurig/ und kleinmüthig/ daß er nun sein Geld / welches er jederzeit so lieb gehabt / verlassen sötte; und weilen er noch ctlich Dueaten hatte/nähme er die- ftlben in die Hand/ schauete sie vorher» noch eine Zeit / mit Lieb/ und Begierd an/ so dan aber schube er sie in dem Mund / und verschlickete sie / womit er dann seinen un- glückseeligen Geist auffgabe. O verdamliches Laster des Geiyes ! O Schand- und Schab - volle Geld Lieb kQ wie übel belohnest du deine Liebhaber- / B 5 Ach! . , »6 )tt- Ach! hatte dieser Geiy - Halß seine Dukaten genommen / sie GOtt zu Ehren/und seiner Seelen zu Guten angewendet/ auch deren Armen dabey nicht vergessen/ so hatte er ihme einen ewigen Schatz in dem Himmel zusammen bringen können / wo «r ihme die ewige Peyn / bcy allen anderen Geitz-Halsen in der Höllen/'verursachet. Dahcro ruffet dann Christus der HErr allen Menschen zu mit diesen Worten: Sammler euch Schätz in dem Himmel/ da sie weder Rost / noch Schaben verderben/and da die Dieb nicht nachtzra- ben / und stehlen, k/lsttk. L. 6 . v. 20. Es ist wohl Frag- würdig / warumben doch der Mensch so aeitzig / und so begierig ist nach den Geld/ als welches doch nur zeitlich ist / und warumb er so wenig Sorg traget/ und Achtung gibt auff sein Siel/ die doch unsterblich ist? die Urfach dessen ist: weilen der Mensch das Geld rnit Augen stehet/dahingegen er seine Seel nicht mit Augen sehen kan. Aber mein Mensch! kanst du mit deinen leiblichen Augen so fleissig/ und genau auff dein Geld schauen/ daß du dasselbe nicht verlichrest / so _, >r;c -7 )kr- - __ so kanst du auch mit deinen Gemüths-Augen / flcissig / und genau auff deine Seel schauen/ damit du sie nicht verliehrest. Dann/ wann du dein Geld verliehrest / so kanst du daffelbe doch noch wiedernmb bckoinmen; aber wann du deine Seel verkehrtst/ so kanst du dieselbe nimmermehr bekommen / es ist unmöglich / umbsonst und vergebens. Ja wann du dein Geld / ver- liehrest/ so ist der Schade» nur zeitlich; aber wann du dein Seel verliehrest ? so ist der Schaden ewig / unwiederbringlich/ und in alle Ewigkett unersetzlich. Daher»/so dencke der Sach etwasbesser / und fleissiger nach / eröffne deine Ge- müths-Augen/ und schaue deine liebe/ «dle / und hohe - ja unschäybahre Seel nur wohl an/erwcge/ und betrachte/ was für ein edler Schatz dieselbe ist/ nicht ein zer- gänzlicher/ sondern ein ewig-wehrender also / daß du wohl acht haben must / diesen unvergleichlichen Schatz nicht zu verkehren / sondern ihn wohl zuverwahren. Und also mein Mensch! seye geitzig/ aber nicht nach dem Geld / sondern nach dem ewigen/ und himmlischen Schätzen ftye __ -8 )kt- _ seye geitzig / aber nicht nach den indischen/ sondern nach den ewigen Gütern. Seye geitzig/ aber nicht nach Ehren/ und Ansehen/ sondern nach Verachtung und Ni- derträchtigkeit. Seye geitzig aber/ nicht nach eigenen Lob/ sondern nach Verachtung. Seye geitzig / aber nicht nach grosser Herren hohen Genaden / sondern nach der Gnad GOttes. Seye geitzig / nicht äber nach grossen Wissenschasttcn / sondern nach grosser Frömmigkeit. Seye geitzig/ nicht aber nach grossen Einkünfften/sondern nach grossen himmlischen Verdiensten. Ja/ kurtz/ seye geitzig nicht/aber nach der Welt ihren Glück/ sondern nach der ewigen Glückseligkeit. Dann in widrigen : Was wird es dem Menschen helssen / wann er die gantzewelt gewinne/und nehme doch Schaden an seiner Seelen, tcksrkd. Lap. i6.vers.r6, Fünffter -4?( -S )k»- -ünffter Wbsatz. Auffden fünfften Tag in der Faste«: Zu vil ist ungesund. >Ann ungesund ist cs der Seelen / wann wer Mensch z« gäch imd zu bald in -Harnisch ist. Warumb? darümb; weilen er so dann in den Zorn außbricht/und dadurch groß sündiget. Ein grosser Unterschid ist in Warheit/ zwischen einen zornigen / und einen gedulti- gen Menschen / der Zornige kan nicht uneben verglichen werden einem Teuffel / und der Gedultige einem Engel. Maßen der Zornige/ wann er in den Zorn recht auß bricht/ auff GOtt/ auff seinen Nächsten/ und auch auffsich sechsten vergisset. Jaes vergehet ihm Gesicht/ Gehör/ und Verstand/ daß er nicht stehet was gut / nicht redt was nützlich / noch thut was löblich ist/ sondern/ als wie ein rasende Hvilen- kurien > tobet / und wütet er / geschehe hernach auch unter wehrenden Zorn übls/ was da immer wolle. Worüber bey ihme hernach die gantze Entschuldigung: ich kan nicht nicht darfür / der Zorn hat mich zu vil Übereylct, cs wird nicht so vil Sü»d seyn, was ich in Zorn , und in der gächen Weiß gethan Hab Aber, mein Zorniger; diese Entschuldigung gilt nicht bcy GOtt / ist dir bekant / daß du zum Zorn geneigt bist/ warumb hättest dich nicht darfür / waruiyb bemühest dich nicht, denselben nach und nach dir abzubringen, zu ben- digen, und gar zu vertilgen? gar wohl köntees geschehen, wann du nur Hand anlegen weitest/ mit Wenigen kombt man auch weit, fange nur an ein wenig gcdul- tiger zu seyn, und zwar, heut in einer gantz kleinen Sach / morgen in einer grösser» / und übermorgen noch in einer grösseren, und also wirst du endlich, mit der Zeit, auß einen Zornmüthigen LöwcN/ ein sanfft - und gedultigcs Lämlein werden. Ligt also nur allcin an deinen eigenen Willen , welcher dann auch allein deiner Gäch- heit Ursach ist. Hast also nicht deine Sünd zubeschönen. Du möchtest aber villcicht einwenden : ich wolte ja herhlich gern mich von Zorn enthalten, allein ich kan nicht/ mein Natur _-_ -r;c z i_——, il tur ist gar zu Gall - süchtig / dahero ist das / Zorn - Ferm im Dach / ehe ich es fast ver- ff merck/und nimbt der Zom überhand. Dar !- hero ist es schon umbsvnst/ ich kan mein / Natur nicht mehr zwingen / oder änderen, t Aber nur nicht auff einmahl verzagt / dein / Hertz ist ja ein weiches Fleisch / und kein r harter Stein / der unbeweglich ist. Wie - ich gesagt: Lege nur Hand an / es ist nichts l unmöglich / mit GDttes Gnad kan man > alles / wie Paulus redt: ich kan alles / in r dem/der mich starcket. und also wirst auch - du deinm Zorn dämpffen können. c Es gibt auff dieser Welt viel Zornige/ - aber auch vil gedultige Mensche« / deren - Außgang aber unterschieden. Unglücksee- r lig die Zornige / glückseclig aber die Ge- l dultig und Sanfftmüthige. Höre ein be- . gebenheit: - Man leset von einem gewisen färnehmen - Herrn / welcher einen wichtigen Brieff cy- > lends zuverfcrtigen/ und zuverpetschieren hatte / und als sein Schreiber solchen zn : Papier gebracht / auch der Herr denselben l würcklich unterschrieben hatte / nähme der « Schreiber auß einer Ubereylung / an statt r detz 42 ( Z2 deß Sträh -- das Dinten - Vaß / giesset« chic völlige Dinten auff den Brieff/ und dadurch ruinirete er den gantzen Brieff. Was soll man wohl vermeinen/ was die, ser fürnehme Yen / gegen seinen Diener / wegen seiner grossen Unachtsamkeit / möchte verübet haben: villeicht gab er Befehl/ -sich aisobaldcn auß feinen Augen zu packen: villeicht rnlbrann er in Zorn / und wün« sschete ihm (wie es anjego Key Hcrrschaff- len leyder der Brauch ist ) Donner und Wetter / ja alle Trüffel auff den Hals ? villeicht schmisse er ihm hingegen das Strah- Vas ins Gesicht! oder ließe ihn wohl tapf- fer abpriglen? mit nichlen. Keines von diesen geschähe. Was dann? er sagte nichts anders / als allein diese eintzige Wort: alfvbalden wiederumb ein anders Papier her! L> wunder-würdige Demuth! D jöbl. HerrschaU! lehrne hier mein Zorniger / lehrne Demuth üben. Es ist nicht zu zweifflen / daß diesen grossen Herrn bey sothaner Beschaffenheit / wohl auch das Her» wirdseyn gcrieret worden/ aber/ weilen seine Vernunfft Ober-Herr/ und Meister wäre / so unterdrückte er seinen -k?t) k»-_ mn Wider - Willen / und liefst keinen Zorn/ oder Verdruß an sich merckm. O edle! und himmlische Tugend der Sanfftmukh/ und der Gedult! die du zu einen Lehrmeister hast Christum srlbsten / der da spricht: Lehrner von mir/dann ich bin fanffrniüchig/ und demürhig vo» -Zertzen. hlLlth. Lap. n. verll 29. Nun ist aber auch nicht ein geringer Um terschied zu machen / zwischen den gähcn Zorn/ und zwischen den lang-anhalkem den oder beharrlichen Zorn/ dann/ wann der Zorn gäch/unvermuthlich/ und wider den selbst eigenen Willen außbricht/ so ist er fteylich bey weiten nicht so sträfflich / und kein so grosse Sünd / als wann er langsam/ bedächtlich/ und fürsätzlichgeschicht/ dann da ist die Sünd weit grösser/ und straff- massiger; doch ist keiner zu loben. Dahero/mein Mensch! bemühe dich/wie du immer kanst/ dir allen Zornabzugrwöh- nen / sowohl den gahen / als fursätzlich-be- harrlichen/ welcher letztere doch allzeit der schädlicher- und Sündhafftere verbleibet/ der auch von GOtt/ als der höchsten Güte/ desto mehr schaffet/ und schwank gestrafft C wird. _,_ -*Z(Z4)r-- ___— wird. Solches bekräftiget die Schrift: OerMensichbehalrer einen Zorn auffden Menschen / und suchet A ülffvon GÖrr / werwil für seine Sünd bitten ? Lcele. c. 28. v. z. Auffden sechsten Tag der Fasten. Zu vil ist ungesund- .«MAnn ungesund ist es der Seelen/ wann «Ader Mensch zu vil denTany-Boden lieber. Warum? darum; weilen es osst ^ manchesmahl alldorten unkeusche Blick/ unkeusche Gedancken / unkeusche Wort/ «»keusche Betastungen / und wohl gar unkeusche Werck abgibt. Und also / allwo es solche Tantz abgibt / da ist der Teuffel derTantz- undPIatz-Meister. Dann / der Tany-Boden ist: eine Lock- Hütten / allwo der Teuffel die Menschen zu sich locket. Er ist ein Aue / auff welcher der Teuffel seine Mäschen und Fallen richtet / die Menschen zu fangen. Er ist rin Wasser/ m welchem der Tcussel die Seelen fischet. fiseher. Er ist ein Würths-Haüß / in welchem der Trüffel tödtliches Seelen- GM cinschcnckct. Er ist ein Spil- Platz / auff welchem der Teuffel manchen sein Seel ab- gewinnt. Er ist ein Schau -Platz / auff welchem der Teuffcl seine Blendereyen machet/und manche Seel verblendet/ daßsie. ihr ewiges Verderben nicht sihet / und wahrnihmt. Endlichen/ istrrein Marckt/ auff welchem der Teuffel außlegt seine höllische Maaren. Da leget er auß : eytles/- üppiges / freches und unförmliches Springen und Tantzen: furwitziges / verliebtes/ und unverschämtes Hin-und Hergaffen x unzulässiges Betasten / unkeusches Küssen/ und Umbfangen: unkeusche Gedancken/ Wort und Merck. Und wie vil seynd- nicht/ die ihnke solche abkauffen? alles lausst ihm zu. O pfuy der Schand! einen so teufflischen Kauff treffen / dem Teuffel selbst seine Was-- - ren abkauffen/ und mit ihme Gesellschafft machen. Gewiß ist - wo ein unzüchtiger Tantz ist / dorten bleibt der Teuffel nicht: auß; und wann der Leib abscheulich wird/ da er «nverschambtspringet / wie vil meh- E 2 res rer ist zu glauben / daß die Seel besudlet wird? in diesen Täntzen tanvet auch der Tcuffcl selbsten mit- 8.Lliritostom. klom. 49. in b^arrli. Allwo ein solcher Tantz ist/ da weinen die Engel/ und lachen die Teuffel / wohl wissend / daß einem jeden Schutz-Engel/ - an seinem/von GOtt ihm« zugeordnet- und untergebenen Schutz-Kind / und seiner Seelen ein gar grosser Schaden widerfahret/ dem Teuffel aber ein grosser Gewinn zuwachset- Dann in dem Tantz ist der Mensch blind / und Gesicht- loß / er fihet nicht / was er thut / er ist seiner sünff Sinnen fast beraubt/ und mcrcket nicht/ wie/ und was er sündiget. Er ist Gehör-loß: und höret nicht/ was sein getreuer Schutz- Engel ihme Gutes zuredet. Er ist Gc- ruchloß: und riechet nicht/ wie übel seine Sünden vor GOttcs Angesicht schmecken. Er ist Sprach-loß / und kan nicht reden/ was seiner Seelen nützlich ist. Er ist Geschmack-loß/ und schmecket ihme nichts/ was nach denen Tugenden riechet. Er ist Empfind-loß / und empfindet nicht / wie gut/,Wie nvthwendig und festig/ der Abbruch/ _ -r;c _ druch / und die dlortikcakion sehe. Ja / in dem Tantzen / da ist der Mensch gleichsam kein Mensch, sondern vilmehr/rin un, vernünfftiges/ ungezaumtes/ und muth, williges Thier/welches seinem Willm nachrennt/wohin es will. Dahero/sagt der Heil. 8everinus in Ilaiam 52. fliehet das Tantzen; gehet hinweck auß ihrer Mitte/wie der Pro, phet sagt. O wie vil züchtige und keusche Jüngling / seynd bey unzüchtigen Tantzen / unkeusche/ unflätige / geile Bock worden? wäre mancher nicht auss den Tantz- Platz kommen / so hatte er nicht auss den Gericht-Platz gehen darffen ; Und wäre manches züchtig-und ehrbares Mägdlein nicht zu den Lrmtz kommen/ so hätte sie nicht ihren Krantz verrohren. Dann / was ein Mensch zu Hauß/ und ausser deß Hauses mit höchster Obsicht fliehet (ncmblich: die unkeuschen Gedan, cken / Wort und Merck ) das suchet / und findet er auffdem Tany-Platz. Vor was er sich mit grösser Emsigkeit in- und ausser deß Hauscs scheuet / demselbigen lauffet er auKdem Tantz-Boden mit außgestreckten C z Armb- __ -rrc; r ___ Armben entgegen. Ja?was der Mensch in- und ausser deß tzauses erkennet unrecht M seyn/ dasselbe geduncket ihme auff dcm LüNtz-Platz recht/ dann er weiß sich allda nicht zn beobachten/ zu hüten / zu regieren/ und zu enchaiten von deine / was unrecht ist/ Hndern / weilen seine Sinn gantz eingenommen und bcthörtseynd/ so thut erhalt was er von andern sitzet / cs feye gleich recht/vderunrecht. Und dieses von denen ungebührlichen Tantzen geredt bey gemeinen und unverstandigmLeuteii. . Anbelangend das Tantzen bey geschei- Len/ verständigen/ und fürnehmen Personen/ da pfleget es schonvilandcrs/ordent- licherund besser Herzugetzen, jedoch/ wäre «s allzeit pil besser/ gar nicht tantzen / als tantzen/ dieweilen die fünsftSinn deß Menschen jederzeit bey den Tantzen in etwas verletzet werden. ' Dahero/ meinMensch! gibe wohl acht/ nnd bedencke dich wohl/ was du thun wilst/ wann dir zum Tannen ein Lust ankombt/ lbegibe dich nicht ieichtlich in die Gefahr/ weilen das Tantzen voller Gefahr ist. Schaue wohl zu / daß du dein liebe Seel nicht nicht mit Sünden verwundest/und stetodt- kranck machest (verstehe/ daß du nichttödt- lich sündigest) sondern durch Fliehung und Mcydung der Sünden / dieselbe auffewig gesund erhaltest. Dann: Oer Sold der Sünden / ist der Todr; aber die Gnad GOrres/ ist das ewige Leben / in Christo IEsu unserem -ZErrn. Lom.c. 6 . v.rz. ißmder Wßsatz- Auff den srbcnden TagderFasten. Zu vil ist ungesund. -MAnn ungesund ist es der Seelen / wann der Mensch zu vil schlaffer. Warumb? darumb; weilen er hernach gantz faul wird / und die Sund der Trägheit begehet. Wer offt thut schlaffen / pflegt wenig zu wachen; undnMin versündiget er sich nit allein durch seine saul-und Trägheit/ sondern schadet ihme unter andern auch groß / durch seine Nachlässigkeit / da er vil übersiehet/ was er sehen solle / so wohl in zeitlich - als ewigen Sachen. Dieses hat erfahren der Evangelische Ackers-Mann/ C4 wel- welcher guten SaameN in seinen Acker ge« säet hat/ da aber die Leuth schließen/ kam der Feind / und säet Unttaut unter den Waitzen/ und gicng darvon. Mirk. c. rz. Hätte dieser fleißiger gewachet/ so Wäre ihm dieser Schaden nicht geschehen. Ach! in wie vil Königreich: Länder: StädtMärckt.- Dörfler Schlösser- und Häuser/ wird (wann die fürgesttzte Ob« rigkeitdesselbigcnOrts/ zu trag ist / zuvil ichlaffet/ und zu wenig wachet) unter den guten Saamen/ vergüten Sitten und Tugenden / das Unkraut der Untugenden / und bösen Sitten gesäet/ welches hernach nicht mehr kan außgerottet werden. Da- hcro die Wachtbarkcit / zu allen Zeiten / und an allen Orthen höchst vonnöthen ist. Q wie vil Schaden seynd offt schon geschehen/ wann ein träger Mensch immerhin miss der faulen Bären-Haut ligt/ und ihme das Faulenzen gar zu wohl schme, cken last / immerhin schlaffet / und seine Verrichtungen überfihet. Und dieses von dem Höchsten/ biß zum Niedrigsten verstanden/ welcher seinem Ambt/und Verrichtungen nicht nachkombt. Wie 4r Wie mancher König / hat -erschlaffen/ zeitlich genug sich wider die betrohende Feinds-Gefahr/ fertig zu halten/ Westwegen er sodann auch urplötzlichen von feinem Feind überfallen worden. Wie manche Fürstehcr eines Lands / haben durch ihr zu viles Schlaffen / und zu weniges Wachen / ihre uhralte Frey» heit/ und Gerechtigkeit/ gar «erschlaffen. Wie manche Obrigkeit in einer Stadt/ hat durch ihr zu viles Schlaffen/ und zuweniges Wachen / eine große Theurung rinreiffcn laßen. Wie manche Menschen in einem Marckt / haben durch ihr zu viles Schlaffen / und zu weniges Wachen / eine grosse Brunst/ und völlige Einäscherung der Häuser verursacht. Wie manche Menschen in einem Dorff/ haben durch ihr zu viles Schlaffen / und zu weniges Wachen/ ein grossen Wasser- Schaden außstehen müssen. Wie manches Schloß ist durch seiner Besitzer zu viles Schlaffen / und zu weniges Wachen / gählich beschossen und gar rmairet worden. C § Ja _ -r;c 4- )?r- _ Ja wie manches Haust/ ist wegen der Hauß-Leuth/ und Inwohner zu viles Schlaffen / und zu weniges Wachen / von denen Hieben bestohlen/ und außgeraubet worden. So vil von zeitlichen Schaden. Anbelangend / den geistlich-und ewige^ Schaden; so auß dem zu vilen Schlaffen/ und zu wenigen Wachen entspringet/ ist solcher nicht genugsamb zu beschreiben. Dann : wie mancher verfchlaffet die 5). Meß/ und gehet hernach gar nicht mehr in die Kirchen. Wie mancher verfchlaffet sein schuldig- «nd täglich ihm fürgenommenes Gebett. Wie mancher verfchlaffet mit einem Umbgang zu gehe»/ und das Hochwürdigste Gut zu begleiten. Wie mancher verfchlaffet zu einen Kränchen zu gehen. Wiemancher verfchlaffet mit einer Leich zu gehen. Wie mancher verfchlaffet seinem Nächsten in der Noch beyzuspringen. Ja endlichen: mit wenig vil geredt/ wie mancher verfchlaffet ( durch Unterlassung Gutes zu Würsten ) sein ewiges Seelen- Heyl; 44 _ . Heyl; Dahero der Heilige Apostel Petrus alle Wässrige Christen gang trcuhertzig ermahnet / mit folgenden Worten: Liebe Brüder / bemühet/ und besteiget euch/ daß ihr durch Gutes-würcken/ euere» Berufs/ und ErrvHhltmg/ gewiß machet. i. ker. L. i. Dahero Mein Mensch / seye nicht so träg/ faul und .Wässrig / dich zubearbeiten / in deinem Seelen-Hevl / dann anjcho ist es noch Zeit dazu/ es wird aber villeicht gar bald ein Zeit kommen/ wo alles dazu wird zu spat seyn /dann du weist nicht den Lag / weder die Stund / wann du sterben werdest. Und also / weil dieselbe Stund ungewiß ist/ so traue nicht/ damit du dieselbe nicht verschlaffest ; sondern halte dich zu allen Stunden wachtbahr/ und thue Gutes ohne Ende / so lang du lebest / dann: wann du Gutes thun wirst/ so, wird dir Gutes widerfahren. 6en. c. 4. ja: es ist Be-' lohnung deinen Wercken / und Thun, ^sercm. Lap. zr. Es kombr die Stund ( sagt Christus ) »n welcher alle/ die in denen Gröbere» seynd/ _ -rre 44 ) ks-_ sepnd/ die Stimm GOttes hören werden/ und die Gutes gerhan haben / die werden herfur gehen / zur Aufferstehung des Lebens; und die Böses gerhan haben/ zur Aufferstehung des Gerichts. Hoann. Cap. 5. Achter Absatz. Auff den achten Tag der Fasten. Iuvil ist ungesund. ZMAnn ungesund ist cs der Seelen/wann Wo der Mensch z« vil rvünfther. Warum ? darum; weilen er offt und manches- mahl auß Neyd wünschet / daß dieser und jener / welcher stäts gesund ist/ möge kranck werden. Daß dieser und jener / welcher reich ist / möge arm werden. Daß dieser und jener / Weicherwohl angesehen ist/ möge veracht- und vernichtet werden. Daß dieser und jener/ welcher verständig und gelehrt ist/ möge zu einen Narrn werden. Ja/ daß dieser und jener/welcher bey einem grossen Herrn in der Gnad ist / möge auß der Gnad kommen. Aber/ ._ -r?( «; )k> __ - Aber / du neydiger Mensch! wehe dir! ' weheder du solche verfluchte Wünsch in k deinem Heryen führest / da du doch wohl * weist / was die Lieb deß Nächsten erforde« - ret / nemblichen: das / was du gern hast/ daß dir geschehen solle / dasselbe solst du auch deinem Neben-Menschen herylich wünschen/ und dasjenige / so du nicht wilst/ daß dir geschehen solle / das solst du auch deinem Neben-Menschen nicht wünschen/ wann du schon auch nur allein mit den Ge- , dancken / und nicht mit dem Werck solches . vollziehest. Dann böse Gedancken/böse > Werck / seynd bryde unrecht; beyde verle- > Yen die Seel/ nach der Schrifft/ die da sagt: - Böse Gedancken seynd dem HErrn ein ^ Greuel / auß den Sprüch-Wörtern Salo- , monis. «( 4« 2*- _ Wanner durch Böses-- würcken/ von andern veracht/ verhaft/und geflohen wird. Und warum schweigest da allzeit/ wann du von deinem Nebcn-Menschen hörest Gutes/und Löbliches reden? und warum hingegen/ redest du sobald mit/ wann du hörest von seinen bösen und sträfflichen Sachen reden? wisse / dieses verursachet allein dürr Neyd/ welchen du tragest gegen deinen Neben- Menschen/ aber Heist das: Du sollst deinen Nächsten lieben / rvie dich selbst? bäsrk.Lap.22. Weist/ O neydiger Mensch! wem man dich vergleichen soll ? einem Egel. Wie macht es der Egel? dieser macht es also: wann man ihn auff den menschlichen Leib setzet / so wird er überall herum kriechen/ und wo er ein gutes / gesundes Geblüt wahr nihmet/ da kriechet er sürbey / und berstet nicht an; wo er aber ein böses / ungesundes Geblüt findet und antrifft/ da bleibt er/ und fangt gleich an selbigen Orth an zu beisscn / auch sich so voll mit dem schlechten Blut anzusaugen/ biß ersechsten abfallet; und sodann / wann man nicht Sach auff selben straet / und das böse Blut außdru-i üet/muß er verderbe». Ein __ -rre 47)?»- _ 'Ein solche Beschaffenheit hat es eben mit dem jenigen / welcher nur an den Neben- Menschen allein das Böse beschauet / und nickt das Gute. Dann / wann schon einer noch so vil gute Tugenden ( gleich einem guten Geblüt ) findet / wird er doch dieselben alle fürbey gehen / und nichts davon sagen/ wann er aber ctwann an eine Untugend / oder auch an eine Sund kombt/ O! da wird er alsbald / gleich dem Egel / anbeiffen / und sich so voll damit ( durch böse Wort/ Verachtung- Verkleinerung- und Verschmahungcn ) ansauffen / auch davon nrchtauffhören/ oder «blähen / biß er sein unersatliches und ncydigcs Hertz genugsam darmit angefüllcthat / und durch dcro Völle sechsten abfallet (biß er sein Neyd- Feuer genugsam gelöschet) gleich wie aber dem Egel/ zu Erhaltung seines Lebens nothwendig ist/ daß man Saltz auffihn sträe/ und sodann auch das böse Blut auß- drucke,- also ist auch vonnöthcn / daß dem Menschen / zu Erhaltung seines Lebens (auffgeistlicheWeiß) auff sein Hertz/ das Saltz/ der bitteren Reu/ und Bvß/ gesträet werde / und die auß Neyd geredte böse Wort/ Wort/ völlig außgedrucket werden/ in der Beicht. Aber/ O Mensch! warum artest du nach/ und folgest allein dem Egel ? der nur bas böse Blut auß dem Menschlichen Leib sauget/ und eben du/ außNeyd/ nur das Böse/ auß deines Neben-Menschen seinem Lebens-Wandel nihmest? und warum artest / und folgest du nicht vil mehrer nach denen Bein-Vögerlein / oder Immen/ welche allein das allerbeste / und süsseste Honig/ auß denen angenehmen/ guten/ und schönen Blumen saugen ? da du ja ebener Massen/ nur Mein die Lugenden / in deinen Neben- Menschen ersehen / und sie rühmen sollest ? Ja/warum wilstdu / gleichdem Egel/ mit Gefahr deines ewigen Lebens/ indem Bösen dich belustigen? und nicht vilmchr und lieber/ gleich denen Jmlein/in den schonen Blumen / der Tugenden dich ergehen ? Ach! so seye dann fürvhin kein so verächtlicherer! mehr / sondern ein angenehmes Bein-Vögerlein / und sauge allein die schöne Tugenden / auß deines Neben-Menschen/ stinen Lebens-Wandl/ undbeneyde ihn nicht dämmen,' sondern vergönne ihm das -rzc der Gewohnheit/ allzeit etwas mehrers hin- zuzuseyen / als die Sach in sich sechsten ist. Ein anderer wird ohne Scheich dem 8. V. Stehlen sich ergeben / und nach stembden Gut also zielen / daß man gar nicht genug Augen hat auff ihn zu schauen / und Achtung zu geben / und wann er auch schon von erst - und anderter Straffloß/ und besreyet worden / so wird er doch das dritte mahl gar gewiß derselben nicht entgehen. Wird man ihm aber zu Gemüth führen/ warumb er sich nicht gebessert/ und deß Diebstals sich entäufferet habe ? wird er ungesäumt zur Antwort geben / ich kan es nicht mehr lassen / dann ich Hab es schon in der Gewohnheit. Ein anderer/ wird sich mit unehrlichen Weibsbilderen herumb schleppen/ dardurch er ein-und anderes mahl schwär- lich gestrafft worden / und wann man ihm zuspricht / er solle seiner Seel / und Seelig« reit zu Lieb / einmahl doch dieses ärgerliche und Ehr- lose Leben unterlassen / so wird er auch sagen: Ich Hab es schon in der Gewohnheit/ ich kan es nicht mehr lassen. Ein anderer endlichen / wird als Wie ein Vieh / alle Lag fressen und sausscn / daß er nicht weiß / ob er ein Mensch/ oder Vieh sey/ wann man ihm solches Viehisches Leben wird verweisen / wird er sagen : ich kan es nicht mehr lassen/ dann ich Hab cs schon also in der Gewohnheit. O verfluchte! O gefährliche böse Gewohnheit! Hingegen wird offt manchesmahl rin Mensch also vil fasten / daß man meynen solt / er müsse crkrancken/ oder Kar erhungern / wann man ihn aber hierüber wahr- net/ er soll auffsich sechsten nicht also streng seyn/ dann er möchte seinem Gesund schaden/ und so dann gar sein Leben verlieh- ren / so wird er sagen: mir schadet dieses nicht / ich Hab es schon gewohnt. Ein anderer/ wird auff blosser Erden da knyen und betten / als ein Stock / Stunden/ und Stunden lang/ wann man aber zu ihm wird sagen / er thue sich zu vil abschwachen/ und abmartcrn / so wird er zur Antwort geben/ mirkombtdieses nit sonders schwär an / dann ich bins schon gewohnt. Ja / mancher wird sich lassen verachten / vernichten und schmähen/ daß kein Hund einen Bissen Brod von ihmc thäte annehmcn / D z redt _-ttc? 4 _ redtman ihme destwegen zu/ wie es ihme ^ doch möglich seye / so gar gedultig zu seyn'i' zu allen so still zu schweigen ? so wird die Antwort styn: ich Hab cs schon also in der Gewohnheit. O lobbahre! Q preyßwür- dige gute Gewohnheit! Dahero/ so sollen die liebe Eltern / gar früh-zeitig anfangen / ihre liebe Kinder zu allen Guten zu gewöhnen/ und von allen Bösen abzugewöhnen / dann die Jugend nicht anders ist / als ein weiches Wachs/ in welches man alles cindrncken kan / drucket man das Böse ein / so verbleibet cs all- zeitböß/drucket mündaß Gute ein/so verbleibet cs auch allzeit gut. Manche/ und vil deren Eltern aber seynd/ die nicht allein ihre Kinder arrff nichts Gutes/ sondern nur auffvll Böses gewöhnen/ und wohl gar darzu mit bösen Erempelir Anleitung geben / die werden vor dem Richter-Stuhl EOttes / dcnnahleins sehr strenge Verantwortung/ und Rechenschaft geben müssen/ und wirdGOtt die Seel der Kinder von ihnen forderen. Welches die liebe Eltern wohl mcrckcn sollen. Damit aber alle Menschen / alle böse Ge-. wohn- -r;c 55 )§»- wohnheit ablcgen / und alle gute Gewohnheit an sich nehmen können/so sollen alle Eltern/ und Vormünder/ auch alle / die liebe Jugend unter sich haben / von ersten Jahren an/gleich anfangen selbe zu allen Guten zu gewöhnen / so wird die gute Gewohnheit / mit ihnen/ biß in daß Grab verbleiben. Dann gute Arbeit / gibrherr- liche Frucht / und die wortzel wird nim- merverwelcken. 8ap. L. z. veil! ,5. Wehender Msatz. Auffden zehenden Tag der Fasten. Zu vil ist ungesund. MLAnn ungesund ist es der Seelen/wann «U der Mensch M vil redet. Warumb ? darumb; weilen' vfft auß einer einyigen Red / dergrösteGrem-Handcl/ die grau- sambste Uneinigkeit / die erschröcklichste Feindschafft/ die gröste Rachgierigkeit / und manches mahl wohl gar Mord entstehet. Es hat wohl mehr gereuet / daß sie zu vil geredt haben/ als die zu wenig geredt D 4 ha- 56 haben / dann: wenig reden ist ein Kunst; vil reden macht Ungunst. Gar allzeit sollen/ und wollen still schweigen / scheinet einer Zagheit / oder auch einer Unwissenheit gleich zu seyn / und dörffte man es wohl auch für einen Hochmuts» halten; aber gar zu vil reden / das scheinet einer Ploderey/ und Unwarheit gleich / dann der gar z« vil redet / kan unmöglich allzeit recht reden/ ja er kan auch die Waxheit nicht allzeit reden / sondern es müssen immer unwar- hastte Sachen mit unterlauffcn. Zu diesen allen / so zeiget ein vil redender Mensch/ daß er nichts verschweigen kan/ weder / waS ihme in geheim von andern vertrauet wird/ als auch / was er für sich / und in geheim solle in seinem Hertzen behalten / alles muß herauß/ durch den Mund / was immer in dem Hertzen ist/gutes und böses : war>- tzafftcs/ und unwarhafftes/womit er dann alles zeiget / was er in dem Schatz seines Hcrtzens auffbehalten hat / und sich vor jedermann gantz bloß dargibt / wie er innerlich beschaffen ist / bann ein guter Mensch bringt Gutes hcrsür/ auß dem guten Schatz seines Hcrtzens: und ein böser Mensch / bringt -E—__ 57 ^ bringt Böses herfür / auß dem bösen Schatz l- ftines Hertzcns. AUß Überfluß des äer» u Yens/reder der Mund. l.uc. L.6. v.4;. i! Es hatte einsmahls ein Mann / cinvil- hl redendes Weib / welches gar nicht schwei- u gen könte / sondern ohne Auffhören reden )/ muste / und wann so dann der Mann mit >u einem Rausch nacher yauß käme / fange« e- te sie gleich an/ ihme so lang / und so vil b für zu plaudern und zu predigen / biß der r- Mann endlich sich saugte an zu erzürnen / k- und das Weib zum Lohn tapffer abzuprüg- >/ len. Dieses abergefielihrgarnicht/ wün« s schete also/ daß sie doch ein Mittlfinden >/ möchte/ ihren Mann from zu machen /da- u mit er sie in seinem Rausch/ und Voll« ß heit / nicht allzeit Magen thäte. Nach ei« n ner Zeit/ käme ein Artzt an/ an selbes Orth/ -- wo sie alsobald von ihme hörete/ daß er l fast alle Zustand curiren könte/ säumte sich z dahero gar nicht lang / sondern gienge zu r ihme hin/ batte inständig umb ein gutes - Hülff-Mittel / damit sie hinfüro von ih- j rem Mann (wann er truncken ist) nicht so ! vfft geschlagen werde. Der Artzt gleich ab« ' nehmend/ daß sie durch ihr gar zu viles D z Re- _ -kZs 5? )-> _ Reden / den Mann in Rausch zum Zorn bringe/ gab ihr gleich ein Mitl/ und zwar kein anders / als ein Maß voll frischen Bruiicn-Wassers / und sagte zu ihr: wann ihr Mann rauschig/ oder voller bcy der Thür werde hinein gehen / solle sie nur gleich und ungesäumt hingehen/ einen Löffel voll discs Wassers in Mund nehmen / und denselben nicht ehender hcrauß lassen / biß der Mann schlaffen gangen / so thue er ihr gantz gewiß versprechen / daß er ihr keinen Streich mehr geben werde/ auch/wann sie diesen seinen Rath folgen werde/ solle sie furohin in allem Frieden gantz sicher leben. Das Weib gantz vergnügt/ bedanckt sich gegen den Artzten / gehet mit ihrem Maß Wasser nach Hauß/ brauchet solches ein- und andersmahl / und findet / daß der Rath bewehrt seye/ in deine sie der Mann/ nach stäken Stillschweigen/ nicht mehr z» schlagen pflegte. Wohl gar vilen Menschen / wäre höchst nützlich / und vonnöthen / daß sie ein Wasser in ihrem Mnnd wägeten / damit sie nicht kvnten reden/ sondern schweigen müsten/ dann darkirch gar vil Zwispalt / Ungunst / Rausse- _ -r;c _ i Rauffereyen / und Mordthat unterwegs bleiben wurden. > Das Mittl ist das Schönste / und das > Beste / ncmblichen nicht zuvil reden / und ' auch nicht zu wenig / nicht gar allzeit das ! Maul plapern / und gehen lassen / wie ein ' Mühl-Rad/ und auch nicht gar Stock-still > schweigen / wie ein Stum; sondern / das Mittl soll beobachtet werden. Zedoch/ wann ein Thcil von diesen beyden soll/ und muß überschritten werden / so ist / und bleibt es doch allzeit besser / zu wenig / als zu vil reden/ indeme Christus stlbsten gesprochen hat: Euer Red aber soll seyn: Ja/ und Nein; was darüber ist/ ist von Bösen, tvlseb.c.vi Z7- -Ylssker Wbsatz. Auff den eylfften Tag der Fasten. Au Vil ist ungesund. Mn ungesund ist es der Seelen / wann > der Mensch zu vi! auffdenen Gassern in denen Mürths>lZMstxn: und andern liederlichen Grrhen / herum vasirer. Wa- _- r?c 60 ) rr-_ Warum? darum; weilen er dadurch nicht allein sich sechsten bey andern verächtlich machet / sondern auch in die Gefahr gibt/ sich/sein Seel / und Seeligkeit zu verlihreii, Wann man ein kostbares Edelgestcin/i» einem Gefäß Verwalter hat / so lasset mm dasselbe nicht auff denen Gassen: in denen Würths-Häuscrn: und andern Winckck herum fahren / auß Forcht / solches zu ver- lihren / sondern / man behaltet es in seinem eigenen yauß/ gantz fleiffig / und wohlbv wahrter auff. Du/ O mein Mensch! hast ein kostbares Edelgestein/ nemblichcn dein Seel / in den nem Leib/als in einem Gefäß verwahrter; dahero solst du dasselbe nicht auff denen Gasten: in denen Würths-Häuscrn / und anderen Orthen / herum fahren lassen/ auß Forcht / und billicher Sorg/ daß du es vermehren möchtest/ sondern/ du solst es in deinem yauß / gantz wohl verwahren. Es ist mein Rath: Liebe mehr das zu Hauß bleiben/als das Außgehen/ dann / glaube mir/ du wirst nicht bester / nicht frömmer/ sondern nur schlecht«: / und ärger werden/ wann du überall hemm fahrest/ Massen es zu __- «c «i allen Zeiten/ und auff allen Seiten Gele« H genheitaibt / Böses zu sehen/ Böses zu hö- i ren / Böses zu reden / und Böses zu thun / !>. ( welches der Mensch gar leicht an sich zie- « het) und stehet dein Seel nicht allein in Ge-- « fahr Schaden zu leyden; sondern auch n wohl urplötzlich / und gar bald unterzu- « gehen / wann du dich allenthalben außse- b yest / Md also die Gefahr nicht achtest; wer >> die Gefahr liebt/ wird in der Gefahr gewiß ^ umkommeu. Du möchteffaber einwenden/und sagen: s Ich gehe destwegen nicht so gern auß/ daß ich verlange etwas Böses zu thun / und ; meiner Seelen zu schaden; sondern nur/ > weil ich gern bey andern Leuthen bin: die ) Zeit zu vertreiben: und den Leib in etwas ! zu ermuntern. Es ist endlichen schon zu - glauben wahr zu feyn / allein / wisse doch / - wann du den Weeg zur Gelegenheit nicht ! meydest / du auch mitten in die Gelegenheit > wirst geführt und geleitet werden / und kan : sodann von dir gesagtwerden / daßdudeine ' Seel feil bietest. ' Gesetzt aber / daß du auch in gantz gu- > ter Meynung auß: und auch wieder nach ! Haust Hauß gehest/ last du dich aber gar zu offti auff denen Gassen/in denen Würths-Häu- fern / und andern ftembdcn Orten sehen/ machst du dich doch wenigsten veracht/ ver- dachtlich / und unangenehm / bist ihnen nichts seltsam / sonderen vilmehr überdrüssig / und zuwieder. Was man selten zu sehen bekombt/ das ist seltsam und rar/ was man aber alle Tag sichet / das wist nicht geacht. Begehret man dich an einem Orth zu haben / so bleibe auß; begehre! man dich aber vfftcrs zu haben / so komme dannoch selten/ damit du seltsam/ und i» Ansehen verbleibest. Vil fromc / und geistreiche Menschen halben bekennt / daß / wann sie auß dem Hauß gangen/ und wicderumb nach Hauß kommen seynd/ durch ihre genaue Gewissens- Erforschung gefunden / daß sie vil srömer auß dem Hauß/ als in das Hauß kommen. Bleibt halt bey dem alten Sprich - Wort: Gelegenheit macht Dieb. Mancher thäte Zu Hauß etwas Andächtiges lesen: schreiben - betrachten: oder betten / und also nicht allein nichtsBöses; sondern vilGutes schaffen/ da er/ wann er auß dem Hauß/ und _- _ , _ fs, unter die Gcsellschafftgehet/ wenig / oder «, gar nichts Gutes / ja villeicht wohl vil Bö- ,/ ses thut. r- Der Mensch ist ein Mensch und kein En- gel / dahero er ihm nicht trauen darss.- er ist isi schwach und irret bald / er ist gebrechlich / in und stost bald an/ wofern ihn nicht die r, Gnad GOttcs absonderlich erhaltet. Da- i hero er jederzeit auff sich ein Mißtrauen/ j> und dabey ein große Sorg / und Obstcht ii tragen solle. ,i Also dann / mein Mensch! sorge für dich n selbst / seye bchutsamb / daß du mit deinem kostbahren Edlgestein/ mit deiner Seelen/ n also umbgehcst / damit du nicht in die Setz fahr kommest/ dieselbe zuverlichren/ du hast nur ein Seel/ und nicht mehrer/ ist diese ein- i- mahl vcrlohren/ so ist sie auff ewig verloh- r ren/ und kanst sie nimmermehr bekommen, i. Und also / beobachte dein edle Seel / als i den allerkostbahrlichsten Schatz / der dir r von GOtt ist gegeben worden / über wel- - che der heilige Lernarcluz auffruffet : : Seel! du bist ei» Schatz Göttlicher Ab- j bildüng / ja ein Eben-Bild aller Sa- ) chen / so von GDtt erschaffen sevnd. 8. >- Lernarst. Lxist. 54. Zwölff- 64 ) 5 *. Wtz. Auffdcn zwöfften Tag der Fasten. Iu vil ist ungesund. Mnn ungesund ist es der Seelen / wann der Mensch zu vil schön ist. War- «inb? darumb;weilen die Leibs-Schönheit/ vil Unheyl stifftek. Dann; wer schön ist / der will von allen gesehen werden: wer schön ist / will von allen gelobt werden: wer schön ist / will von allengeliebet werden. Die Schönheit des Leibs gibt ab einen Magnet/ der die Menschen zu sich ziehet/ und zum Bösen verleitet. Sie gibt ab: einen Feuer-Stein/ der in demHertzen der Menschen ein unzimliches Liebs-Feuer schlaget. Sie ist und gibt ab: eine Pfcif- fen/welche die Menschen zu dem Fall-und Verderben locket. Sie gibt ab: einen ver- gifften Pfeil / welcher das menschliche Hertz urplötzlich trifft / und mit tödtlicher Liebs- Wunden verletzet. Ja/fie gibt ab: eineyen« ckerin der Vcrnunfft- Eine Blenderin der Lu- Tugenden; und ein Zauberin der Unschuld. Gewiß ist/ wann manche schöne Gestalt nicht gewesen wäre; so wäre die Seel nicht schändlich/ und »»gestalt worden. Vll ihrer zwar werden gezehlt/ welche schön gestalt waren / und andere durch ihre Schönheit zum Fall gebracht/aber wenig/ welche andern / und ihnen sechsten / wieder/ umb von dem Fall auffgeholffen. Bald ist es geschehen / daß man ein schönes Kleyd beschmutzet; aber hart / und schwer gehet es her / daß der Schmutz wie- derumb völlig außgebracht werde. Es ist leicht / in ein schändliche Lacken fallen; aber hart wiederumb herauß zu kommen/ ohne daß man nicht besudlet werde. Ist bald gefallen; aber nicht so bald von dem Fslbvhne Schaden aussgestanden. Wer dann vor Besudlung: vor Anstoß/ und Fall will sicher seyn und bleiben/ der meyd die Gelegenheit darzut will sagen: er sey nicht fürwitzig in Betrachtung schöner Gestalten) dann Gelegenheit macht Hieb. Hätte mancher Jüngling: manche Jungfrau / ein und andere Gestalt / nicht also begierig angeschaurt/ sich an derselben ver- C gnüget/ _ -r;c «6 _ gnüget/ und belustiget/ so wären sie nicht weiter kommen/ als erstens: zur Anschauung : hernach zurBekantschafft: folglich zur Vertreulichkeit; und letztlich«, zu solcher Liebs-Gewogenheit/ welche verholten/ und unzulässig ist. Dahero ein gar grosse Für- - fichtigkeit vonnöthen ist / daß man behutsam gehe / und sich nicht zu vil in ein schöne Gestalt vergaffe / welche unvermerckt / und urplötzlich die Seel schändlich machen kan. Wann cs aber etwann auß Unfürsichtig- krit / und menschlicher Schwachheit / einmahl geschehen ist / daß sich einer in ein eytle schöne Gestalt vernarret/ und dardurch in den Unflat der Geilheit gestürtzet hat / sodann muß er allen Eyftr/und Ernst anwcn- den/ sich wiederumb durch rechtschaffene Reu und Lcyd/ auch wahre Beicht über- sich zu bringen/ durch einen stetsten Fürsatz aber sürsichtig zu machen / nicht mehr zum Fall zu kommen. Dieses hat gethan jener Jüngling / welcher von einer so außbündigen Schönheit gewesen / daß er dardurch fast alle Hertzen zur Lieb zöge / und bewöge. Endlichen / wurde auch rin sonst jederzeit tugcndhafftes Magd/ ._ -r;e67)n- _ t Mägdlein/ durch seine Schönheit dcrge- - statt bezaubert / daß sie fast Tag und Nacht - Gelegenheit suchteinderftlbensich zu ergc- e tzen/ und zu erlustigen; und weilen er an > ihrer Gestatt ebenmäßig ein grosses Gefal- -' len/ und Belieben trüge / kamen sie in kur-- - her Zeit / in ihrer Lieb so weit / daß sie gar ! in ein verbottenes Werck einwilligten / und > beyde zum Fall gebracht wurden. Was qefchicht? höre! kaum als diese Gottlose - Lhat geschehen wäre / wurde augenblicklich - ihr yertz berühret / bereueten / bejammcr- e ten/ und beweinten mit bitteren Zähem / i und höchsten Lcyd-Schmeryen diese ihre er- - schröckliche That. Der Jüngling aber / -- als dessen schöne Gestalt / allein die Ursach e zu seyn / er crkennete dieses Falls / machte - ohne Verzug den unveränderlichen Für- ) say (umb fürohin allen üblen Gedancken / r und Gelegenheit zur Sünd / so etwann auß seiner Gestatt entstehen möchte/ denen Men- - sehen zu benemmen) in einen strengen Or- i den zu gehen / und Geistlich zu werden, r Welchen Endschluß er sodann auch alsobald / in das Werck setzte / willig auffgenommen ! wurde / und forthin ftom/ andächtig / und - Es lGvtl- ___ -k-c 68 )kr- _ Gottseelig lebte / auch nach seinen strenggeführten Leben / seelig stürbe. O schöner und heiliger Endschluß! die Welt zu verlassen / die Sund und Laster zu wenden: die Tugenden zu üben/und forthin/ front/ Gottseelig / andächtig/ und auff- erbaulich zu leben / und seelig zu sterben. Dahero/ mein Mensch! bewahre deine Augen vor Anschauung eytler Schönheit! als einer Maschen / mit welcher vil sich schon verstrickt haben / traue nicht / du bist ein ge» brechlicher Mensch / undkein Engel/ der Mensch ist ohne dem geneigt zum sündigen/ kan gar bald / und geschwind fallen. Dahero: Sep nicht ohneForchr der vergebenen Sbnd halber/ und rhüe nicht einr Sünd über die andere. Lccle.c.v.;. Wreyzehender Mösatz. Auff den dreyzchenden Tag der Fasten, Zu vil ist ungesund. ^^Ann ungesund ist es der Seelen / wann der Mensch zu vil an Leib gesund ist Warum? darum ; weilen er dardurch z« vil muthwillig wird. Gleichwie ein muth- WW _ -r;c e-> _ willigesPferd/welches Zügel- frey hinlauft fet/ wohin es ihme gefallet, je Mancher gesunder Mensch / der wird die l, gantze Nacht/ auffdenen Gassen herum ren- t- nen / und nach seinen Willen / verbottener s Lieb nachlauffen. Ein anderer / wird gantze Tag und ik Nacht/ tantzen/ springen/ und sonsten in -/ allen Orthen seinen Lust suchen / lustig und !, wohlaussseyn. Ein anderer / wird gantze Täg / gantze er Nacht / auff denen Spil-Platzen sich auff- ,/ halten. i- Ein anderer endlichen wird Stunden / und Stunden / bey dem Essen und Trin- ,e cken sitzen / und demselben abwarten. Da hingegen ein Krancker / an statt deß nächtlichen herum Vagiren/ gar gern wird zu Hauß verbleiben; an statt deß Tantzen ,, und Springen / still sitzen / oder fast gar unbeweglich da ligen: anstatt deß Spilcii/ etwas betten/ oder lesen: an statt deß Essen n und Trincken / die Massigkeit gebrauchen / i. wodurch vil Böses unterlassen wird. , Wer dann sein vilcs gesund seyn / nicht >- zu seinen Seelen-Hcyl; sondern wider seiner s Ez See- __ -«c 7°)»- __ Seelen Yeylanwendct/ dem ist seine Gesundheit / der Seelen eine Kranckheit. Demnach / mein Mensch! bist du von GOtt/ mit vil- und beständiger Gesundheitbegabet/ so mißbrauche dieselbe nicht/ damit dein Seel nicht dardurch ungesund werde; Die Gesundheit ist dir von GOti gegeben / dein Seelen-Heyl darinn zu wür- am; geschicht dis nicht / so besorge/ dein Leibs-Gesundheit werde deiner Seelen ewigen Ungesund und Ruin verursachen. Vil Gutes kan üben ein gesunder Leib / als der bey guten Kräfftcnist: mit gesunden Leib/ kan man vil Kirchfarten verrichten: vilen GOttes-Dienstcn beywohnen: vil Kranke besuchen: vil Betrübte trösten: vil Buß- werckauffsich nehmen: und vil andere gutr Wercküben (welches ein Krancker zuthun nicht fähig ) und auff solche Weiß wird die Leibs-Gesundheit/ zu der allerbesten See- !cn-Gcsundheit dienen/und gedeyen. Wird aber die Gesundheit anders / als auff disc Weiß angcwendet/etwann zum Wollust / und mehrerer Boßhcit/ so wird selbe eine gewisseSeelen-Kranckheit mit sich bringen/ wird auch vil besser/und nützlicher seynl e- >n )- ks ld ll ir i- il / ti l- e r e > » seyn / kranck im Bcth ligen/ als gesunder herum spatzieren. Massen die Kranckheit ein scharffer Zügel/ welcher die Gedancken nicht lasset in sündhaffte verdächtliche Orth außlauffcn. Die Kranckheit ist ein scharffes Gebiß / welches den Mund von allen unflätigen Reden einhaltet. Die Kranckheit ist ein Kcrcker / der die Menschen gefangen haltet/ sündigeWerck nicht können zu verüben. Die Kranckheit ist das beste Mittl/ böse frone: Gottlose/ Gottseelig: und die Welt-Menschen zu himmlischen zu machen. Wo gesunde Menschen das Creutz fliehen/da lehrnet die Kranckheit zum Creutz kriechen. In der Gesundheit kan man nicht «rkenen/was für ein grosserNutzen derSee- len Zuwachse auß der Kranckheit; aber in der Kranckheit / da erkennet man allererst / wie nützlich seye die Kranckheit. Es ist zwar wahr/ dag der Leib lieber gesund/ als kranck ist/ und bemühet sich derselbe / mit Händen und Füssen/ die Gesundheit zu erhalten / so lang als er immer kan; wann er aber endlichen sehet / daß es nicht mehr anders seyn kan / und nichts mehr zur Gesundheit ( auch bey all angewendten E 4 Fleiß/ i 72 )5^- I Fleiß / und besten Artzney-Mittlen) helffen ^ will / so gibt er sich endlichen willig darein/ kriechet zum Creutz / liebet dasselbe/umbfan- get es/und leydet es mit Gedult/ unddises gar recht / und nützlich; dann wann der, Mensch seine Kranckheit gedultig und gern! leydet/ so ligt er nur allein auff dem Creutz' wann er aber dieselbe nicht gern / undgedul- ^ tig leydet (wo ers gleichwohl leyden muß) > so ligt das Creutz auff ihm / und drucket ihn ^ soschwar nider/ daß er glaubt/ sein Creutz l wage vil Centner auff seiner Waag. s Dahero / mein Mensch! bist du vil ge- s sund/ so dancke GOttumb deine Gesundheit / und brauche dieselbe dergcstalten /daß sie deine Sec! nicht kranck mache; bist du! aber kranck / so seye gedultig / damit dein' Seel gesund verbleibe / auff daß dcrmahl- eins / nach Aufferstehung der Tobten / dein; Leib und Seel/ in ewigen Gesund-Stand/ jm Himmel leben mögen. Dieses / damit es gewiß geschehen möge/ so meyde dasBöse und übe das Gute. Lcy- he gedultig deine Kranckheit. Welche du mit der Gnad GOttes gar leicht wirst übertragen können. Dahero seye getröst/ hoffe/ _ -rz< 7? )-> _ l hoffe / und vertraue auff GOtt/ dann: ' Oer 4Err ist gur / und stärcker am Tag der Trübsal / und kennet die / welche auff ! ihn hoffen, dladum. L< i. v. 7 . > WerzehenderMsatz. ' Auff den vierzehendenTag der Fasten. ! Iu vil ist ungesund. 1 5 KLAnn ungesund ist es der Seelen/ wann > iMc der Mensch z« vil fürwitzig ist. Warumb? darumb; weilen auß demselben -. offt vilSchaden der Seelen entspringet. - Es ist wahr/ daß der Fürwitz allen l Menschen angebohren/und angenaturet/ l weilen die erste Mutter Eva / solchen ihren r Kindern gleichsamb schon mit der Mutter- ! Milch eingegoffen / und allen ihren Nach- 1 kömlingen/ biß auffheuntigcn Tag / anhängig gemacht / dann Weib - und Manns- Bilder: Jung und Alt: Reich und Arm : Edle und Unedle davon etwas erblich an sich gebracht. Welche auch an allen Orten/ und zu allen Zeiten/ damit angcfochten werden / in: und ausser dem yauß / so gar auch in der Kirchen. E5 M' Ist einer in dem Hauß/ so ist er sür- witzig / zu wissen / wie es ausser dem Hauß zugehe. Ist er aber ausser dem Haußso ist er fürwitzig zu wissen / wie es in diesem und jenem Hauß zugehe. Ist er in der Kirchen / und stehet jemand Frembden hin-" rin gehen/so ist er fürwitzig zu wissen / wer derselbe seye. Ist er schön gekleydet / so ist «r fürwitzig zu wissen / ob er fürnehm/und reich sey / daß er sich also hcrfür thuc. Ist er ein Kriegs - Mann / so ist er fürwitzig zu wissen / wie es in andern Orthen / mit dem Krieg zugehe / wo er nicht zugegen ist. Kombt ctwann ein auffgebutztes Weibs- Bild hinein / ist er fürwitzig zu wissen / wer diese seye/obstetugendhafft: ftom: gescheyd und mit anderen «Qualitäten versehen seye. Kombt einer mit einer neuen Modi/ oder sonst ungewöhnlichen Tracht hinein/ so ist er fürwitzigzu wissen / ob dieses die rechte und Neueste Modi seye. Kombt endlich ein geistliche Persohn hinein/so ist man fürwitzig zuwiffen/obdiser wohl gestuäirt und gelehrt seye / und ob er wohl würdig seye des Nahmens eines Geistlichen. Und also spatzirct der fürwitzige Sinn/ diegantze Zeit/ _ --nc 75 _ - Zeit, in der Kirchen / mit seinen Gedan- l Fcn hcrumb / denckt wenig / oder beobach- > tet/ wo er ist: und was bey dem Altar ge« i handlet werde/ wo er dann nicht vollzie- r, het / was seine Pflicht und Schuldigkeit/ - gegen seinen GÖtt und HErrn / erfordert, i O sträflicher! O verflucht - und verdamm« i lichcr Fürwitz! alles zu sehen / und zu wis- > sen/ du wirst rinmahl thcuer müssen gedüst i werden. i Erkenne nur selbsten auß deme/ was ge« > sagt/ ob der zu vile Fürwitz/ nicht strass- . lich scye? und ob er deiner Seelen nicht un- - gesund / und schädlich seye / wann dich der« - selbe auch/allcs zu ersehen: zu erfahren: und > zu wissen / von deinem schuldigen GOttes« - Dienst / und gebührendem Andachts - Ey« ' fcr / also abhaltet? hast du schon ein Er« ' erbung des Fürwitzes von der ersten Mut-- ' ter Eva/ so kanst du doch denselben / mit der Gnad GOttes/ und mit deinem Dar« zuthun/ gar wohl ändern; dann es ist wohl vffters ein Mutter gewesen / die diese und jene Untugend an ihr gehabt / wann aber das Kind hernach gesehen / daß dieselbe übel anständig / so hat es der Mutter ihre Un- tu-- __ -r-c 76 )rr- _' lugenden (ob es schon von Natur darzu gezogen wurde) zu unterlassen sich gänylichm bemühet/ auch davon frey-und unverletzt geblieben/ und also kanst auch du es machen. Unser erste Mutter Eva hat einen doppelten Fürwitz begangen / den ersten: da sü den schönen Äpffel so sürwitzig angeschauet/ den andern: da sie in den Äpffel so fürwitzig gebissen hat / womit sie ihr den so schwären Fluch / in Schmertze» Linder zu gebähren / über den Halß gezogen, öen. hätte sic nur den ersten Fürwitz/ nemblichen/den schöncnApffel anzuschauen/ unterlaffen/so wurde sie zu den andern ( nem- lichen von dem Äpffel zu verkosten ) -nicht kommen seyn. Ja / hätte sie die Augen zu den fürwitzigen Schauen verschlossen gehalten/ so hätte sie ihr unschuldig-und süsses Paradeiß-Leben/ nichtverlohren. O wie vil solche fürwitzige Evee / gibt es noch heutigs Tags/welche nicht zu zeh- len seynd/ dann: wie vilen unschuldigen/ und tugendhafftcnMägdleintwelche nichts weniger / als etwas freches/ unzulässiges/ und ungebührliches verlangten/ nur aber an- - anfangten fürwitzig zu sepn: alles zu hö- i reu/ und zu sehen) wäre es schon genug / t mit der Eva / in das Verderben einen - Sprung zu wagen / und ihre erste Unschuld zu vcrliehren / die / wann sie den Fürwitz - unterlassen hatten / in ihrer Unschuld / in l welche sie GOTT gesetzet hat/ verbliben / waren. ' Dahero/mein Mensch! brauche Gewalt/ o widersetze dich deinem angcbohrnen Für- r witz / schliesse zu / sowohl deine Augen / vor l- allen fürwitzigcn Sehen; als auch dein / Hertz / vor allen fürwitzigen Verlangen; l/ sperre zu deinen Mund / vor allen fürwitzi- gen Fragen /die dich nicht angehen/ so wirst t du für allen Schaden / der auß dem zu vilen » Fürwitz/ deiner Seel zukommen mochte/ ^ gantz befreyct / und sicher seyn. Dann es r Heist: Sucher das Gute / und nicht das Böse / damit ihr leben möger/ so wird l der ^Err der Heerscharen bey euch ^ seyn / wie er geredet hat. / ^mos. c.V. ra. / Auff den fünffzehendm Tag in der Fasten. Zu vil ist ungesund. *DVAnn ungesund ist es der Seelen/ wann «Ader Mensch zu vil hcrtzhaffr ist in' Bösen. Warumb?darumb; weilen die Hertzhafftigkeit / eine Keckheit; und die Keckheit / eine Vermessenheit verursacht/ stey und sicher zu sündigen. Mancher behertzter / kecker / und vermessener Sünder wird ihme gedencken / und sagen: Ich Hab schon vorhin diese / und jene schwäre Sund begangen; und gleichwohl ist mir weiter nichts Übles/ oder Widriges desthalben zukommcn ; dahero will ichs/ nur beheryt/ noch einmahl geschehen lasten/ und vorhin begangenes / noch einmahl wagen / werde auch dißmahl nichts zu besorgen haben/ man muß nur behertzt seyn/ nicht gleich verzagte Gedancken haben / ich wills halt wagen/ ist nur umbein Prob zu thun. O verfluchte Gedancken ! vermessene Reden! du vermessener Bößwicht/ wage es nur/ -r;( 7s )?r- nur/wage es noch dißmahl fürsitzlich deine schon gewohnte / und gleichsamb verschwor- ne Sünden / widerumbcn auffein Neues zu begehen / und zu glauben / es werde die (wie vorhin) nichts Übels widerfahren/ weit gefühlt! weit gefühlt! du wirst es sitzen / und erfahren (aber mit deinem Schaden ) daß dir/ und deiner Seelen/ dise deine Gottlose Gedancken keinen Gewinn schaffen ; wohl aber (GOtt verhüts) Göttlicher Gnaden ewigen Verlust bringen werden / und also mit deiner verwirten Einbildung/leyder! gewiß das Kürtzere ziehen/ und den endlichen Ruin deiner armen / armen Seelen csulwcn/ und bringen werdest. O wann man die nunmehr in ewiger Höl- len-Glut Schwitzende befragen solte / was dann ihrer Verdambnuß Ursach sey? wurde man von denen mehreren kein andere gewißlich hören/als ebendie vermesseneRuck- kehr in vorige Sünden. O nichts gefähr- lichers! nichts schädliches ist/ als der Ruckfall in vorige Sünden. Wanncinmahl einer unversehnerWeiß/ Schiff-Bruch gelitten/ ist aber doch ohne Schaden seines Lebens wiederumb entkommen/ _ -rrc 80)?» .__ pien/ wird er gewiß nicht so behertz^scM und fürscylicher Weiß wiederumb / in das Wasser zuruck springen/auß billicher Sorg/ nicht mehr so leicht herauß zu kommen/i« deme dieser sein freywillig-vermessen« Sprung / ihn vil ehender zum Abgruni führen wurde/als der vorhin »»versehen: erlittener Schiff-Bruch; gleiche Beschaffenheit hat es mit der Sünd/ wann man unversehens / und auß menschlicher Schwachheit in ein Sünd gefallen / aber durch d« Buß/ ohne Straff/wiederumb zu Gnaden GOttes kommen/ so ist es mit Nichten noch einmahl zu wagen/ behcrht uni fürscylicher Weiß / wiederumb in alte Süni sich zu stüryen/ weilen sodann nicht mch so leicht herauß zu kommen/ indemc d» selbst eigene Willen fürsetzlichcr Weiß zi sündigen / dich vil ehender zum Abgruni der Höllen führen wurde/ als die erstesmahl unvorsehens begangene Sünd. Es iji nemblich ein grosser Unterschied / unversehens / auß Schwachheit: und auß Boß heit fürsetzlich sündigen. GOtt erbarmet sich über den jenigen/ der auß menschlicher Schwachheit / und blö- -k?c r» )?r- blöder Natur ctwann etnmahl schwerlich rs sündiget/ seine Sünden aberschmerylichbe- Ä reuet / und dieselbe beichtet und buffet/ mit gemachten starcken undsteiffcn Fürsay/die-- l« ft Sünd nimmermehr zu begehen; GOtt straffet / verwirfft /und verlasset aber den je- ^ nigcn / welcher auff seine Barmherzigkeit vermeffentlichsündiget/ undwissentlich auff ein neues/die schon einmahl begangene/schon H bereute/ und nachgelassene Sünden bege- )>> het/ und also GOtt gleichsamb vexiret. » Aber GOtt last mit sich nicht spielen. Hat er auß seiner unermäßlichen Barmhertzig- ni keit/ dir deine Sünden Vas erstemahl ver- H ziehen: dir die Schuld nachgelassen / wie H auch die Straff gescheneket/ nicht weniger dich von der verdienten Höllen-Glut be« ?> freyet/ so ist er es wegen seiner strengen Ge, ni rcchtigkeit gewiß nicht schuldig/ das ande- P re mahl zu thun/ da du ihn von neuen/ iß mit erholten Sünden / fürsetzlich / und » schwerlich beleydigest. >ß Jener Mensch / welcher Jhro Kayserl. Majestät / auffdiescrWelt firrsetzlich bcley- il < diget (sonderlich wann es zum andernmahl nd geschehen) der kan der beleydigten Maiclo- F stät/ _- «?(«2 )x r-_' stät/ keinen andern Abtrag thun/ als mit seinem Lobt; er muß das Leben lassen/ hilfst nichts darfür. Eben also wann du den Kayser yimmcls und der Erden / dm höchsten GOtt / mit deinen schwären Sun-! den / fürseylich beleydigest / kaust du die be-' leydigte Majestät nicht anderst versöhnen/ als mit der Straft des ewigen Todts/ wem len deine Schuld zu groß/ und unermeffen ist/ mit freyen Willen und Fürsatz also freventlich zu sündigen / und die allerhöchste Majestät GOttes so schwärlichzu beleydi- gen. Dahero mein Sünder schertze nicht mit GOtt / und seiner Barmhertzigkeit / lege ab bcy Zeiten deine grosse/ und gar zu sträfflichc Hervhafftigkeit/ Keck- und Vermessenheit / also fürsetzlich / wider GOtt dich zu versündigen. Wilst du dieses nicht thun / und unterlassen deine Sünden auß kindlicher Lieb / und Forcht GOttes / so thue es doch wenigstens auß knechtlicher Forcht / dich der Straff besorgend. Dann/ gewiß / gewiß ist/ daß du für dein so für- fttzliche Beleydigung GOttes / die unfähl- bahre Straff zugewartm habest. Aber! k j ._ -4Z( 8z __ / umb GeOttes willen! gedenck doch deiner k armen Seel / hast du einmahl gesündiqet/ jo sündige fürohin nicht mehr. Höre hier- über den weisen Mann/ dich also warnend: ^üte dich/ daß du nicht Zwey Sund an ,/ einander bindest: dann da wirst auch in ^ einernlchr ohne Straff sez-n. Lcele.e. 7. «v-8. ^ -- WMehenderWbsatz. ^ Auffdcn sechzehendcn Tag der Fastet ^ Zu vil ist ungesund. >r -WANN ungesund ist es der Seelen/ wankt y Müder Mensch zu rnl verspricht. War« xz umb? darumb; weilen er offt/ in derEyl/ ij und dahin etwas verspricht/was er her« nach / wann er die Sach recht beschauet/ ß ohne Begehung einer Sünd/ nicht hatten: z, vollziehen: und leisten kan. Dahero/ seiir ,x Wort nicht zu brechen: sich selbst zu eine« ',/ Lugner zu machen: und sein Ansehen z» -- erhalten / vollziehet er die versprochene Sach / achtets wenig / ob er schon dardurch >, eine Sünd mit der andern hauffet / gedcna ,b Üetihme - ey! GOttist barmhertzig/wes 8» wvlre -r;c s« _^ wolle es umb diese / und jene Sünd scynj er ist gnädig / und vergibt mir dieselbe schon tviederumb : er ist mitleydig / und sthet wohl / daß ich meinen Lrechc zu erhalten/ dieses thun muß. Aber nicht also /nicht also mein Mensch / es ist mit Nichten erlaub! und zulässig / sondern höchst verbotten und Lasterhafft/ darzu über alles gefährlich I auft dieGöttlicheBarmhertzigkeit sündigen Wann es endlich auß blöder Schwachheit gefchicht/ da sihet GOtt fteylich was nach / aber auß Boßheit / fürsetzlich GOb gleichsam zu Trutz sündigen / da schaue eil jeder zu/ was erthut/erwird schwärlich oder gar nicht mehr die Verzeyhung über kommen. Daher» soll man nichts; g« nichts versprechen / und auch nichts halte« was wider GOtt / wider das Gewissen! und wider die selbst eigene Seeligkeit iß Es ist aber noch ein andere Gattung dis Vilm Versprechens / so Sünd ist / nemli- chen / da man Geld zu leyhen nimbt / ver spricht dasselbe wiederumb zubezahlen / ml hat doch / solches zu thun/ nicht in Wille« haltet das Versprechen nicht / und betrüg! W dann denjenigen/ derihmedas Gelds« >/ lihen hat / doppelt. Erstlichen vcxirt er »i ihn / als einen Narren / da er ihm die Beet zahlung verspricht/ und doch hernach dem >/ Versprechen nicht nachkombt- Zumande- >1« ren muß er sein Geld so schmertzlich entra- )! km. >d Ja ein solcher darff Noch / damit er nur j das Geld/ bekombt/ dem andern / nicht », allein die gröste Versicherung geben/ alles )» mit großen/und erkantlichsten Danckzu bezahlen/ sondern so gar auffsein Eyd/auff ll sein Gewissen / und ausssein Seel schwören/ i ja sich bey Verlichrung seiner Seeligkeit/ r der Zahlung halber verpsändcn; wann es r- aber hernach zur Sach kombt / bleiben es « lauter leere Wort / die Seel aber voller « Sünden. i O Ertz-Betrüger l da Heist es wohl/dem i Diebstahl ein Farbe! anstreichen. Dann/ j rin solcher ist ein recht heimlicher Dieb/ der l ril straffwürdiger ist/ als ein offener / und allgemeiner/ dann vor einen wahren rech- ! tcn Dieb kan man sich noch fürschen / man « kandas Geld etwann in ein mit Eysen bell schlagene Truchcn / und mit Vesten Schlös- i fern verwartes Gewölb versperren/damit er l - F z nicht ^;c 8« >r> Vicht darzu kommen/ und das Geld enttra« gen könne; aber vor einen solchen Lugner/ Ery-Betrüger / und verstellten Lieh ka» man sein Geld nicht verwahren/ weilen cs Der Schalck/ durch gute Wort/ durch gross se Versprechungen / und hohe Verheurungen hcrauß locket / und in seine Hand bringet ; der dann in der Warhcitein vil grösserer/ und dann auch straßmässigerer Diel rst/ als der da bey der Nacht dem Stehle« Mchgchet. Und soll nun dises nicht ein schwäre Bosheit ftyn / da man feinen Nächsten als« schändlich und vermessen u-uh das Seinig! bringet?, O frcylich! und gebe ein solch« Wohl acht / und hüte sich für der Straff/ die «von dem höchsten GOTT zu gewarte« hat / sie wird ihm gewiß nicht außbleibeu Mann schon ein solcher den Menschen hinter das Liecht führet / selbe» betrügt und Kberfortelt/ so last sich GOtt doch nicht von ihme blenden / der alles sthct / alles lveiß/undallcs an jenem strengen Gcrichts- Lag/ vor der ganyen Welt / wird offenbar machen- Und wie ? wie wird man da bestehen? > __ -4?c «7 )k4- Ein solcher spilt gleichsamb mit GOtt / " als wie ein unverständiges Kind/ mit einem gescheiden Menschen; dann ein Kind /das § wird nur allein ein weiffcs Tüchel nehmen / p und damit sein Angesichtverhillen/alsdann " wird es schon vermeynen / es sey unsichtbar ? und unerkennlich vor dem jenigen / der ihm a doch gany nahend und zugegen ist; Dann '' eben also vermeynet der jenige/ welcher n durch Versprechung der Bezahlung/ den . Diebstahl verhillet / GOtt sehe / und wisse nicht/ was er in dem Schild führe / oder ^ was er in seinem falschen yertzen für Ge» k dancken habe/der doch so nahe bey ihm ist. ^ O grosser Irrthum! O närrische Einbil-- " düng! solte cs der jenige nicht sehen/ der alr " les sihet/ alles weiß / und die Hertzen der '' Menschen durchforschet. Lasse dir nur dise ^ Gedancken vergehen mein Betrüger / daß " dich GOtt nicht sehe / wie du mit deinem ' Nächsten umbgchest/ denselben hintcrge» ' hcst/und schändlicher Weiß betrügest. Dn ^ wirst es schon dermahleins sehen / und glau- ' ben/daß er alles gesehen / und seinen Gött-- ' lichcn Äugen nichts verborgen gewesen. . Damit du aber nicht einsmahls/ durch ' ' §4 -ists -rrc rs dises Sehen / dein ewiges Unheyl ersehe« darffest; so eröffne anjctzo deine Augen/ und besitze dein Unrechtes Handle» ; weiche/! weiche von demselben / und verlasse dein! Gottloses Weesen/ gehe nach der Gerechtigkeit/ und setze dich widerumb in die Lied und Gnad GOttcs. Dann: der Weeg der Gottlosen ist dem -ZErrn abscheulich: aber/ wer der Gerechtigkeit nachgehet/ der wird von ihm geliebet. Auß den Sprüch / Wörtern Lalomoms. Lax. ? 5 - WißenzehenderMsatz. Auff den sibenzehcnden Tag der Fasten. Zn vil ist ungesund; ZMAnn ungesund ist es der Seelen / wann ' der Mensch zuvil mir seinen Augen / auff anderer Leuth ihre Wähler / und Verbrechen schauer / feine selbst eigene! aber / die etwann noch vil grösste sepird/! Vicht sther. Warum? darum ; weilen ein jeder auff sich feststen schauen / und gleich- wohl andere lassen soll / wie sie seynd / gut / oder ' __ -r?c ry -rr- _ l oder ungut. Dann kein Mensch in der > Welt ist ohne Mängel; wann dann einer i selbst tadlhafft ist/ so soll er auff sich selbst > acht haben/und nicht auffandere. - Mancher Mensch wird von seinem Nc-- > ben-Menschen sagen: Pfui! wie ist diser ein I so ungestaltet Mensch / da er doch sechsten - ungcstalt / pucklct / einauget / und häßlich - ist. Ein anderer wird sagen: Pfui! wie ist ! diser Mensch ein Bulcr und Galanisircr / . da er doch sechsten ein rechter Venus-Bub / und geiler Bock ist. Ein anderer: Pfui der Schand! was ist diser Mensch für ein Gcitzhalß; da er doch sechsten ein Wucherer / und unersätlicher Geld-Egel ist. Ein anderer: diser Mensch ist ein purer Fresser und Sauffcr / wo er doch selbst ein lauterer Bachus-Bruder ist/ dessen grosse Kunst >' ist Fressen und Sausten. Ein anderer: ' Pfui! wie ist dieser ein auffgeblasener » Mensch / als welcher nicht weiß / wie er sich - stellen soll / da er doch sechsten vor Hoffart/ '« Hochmuth/und Pracht nicht weiß / wie ! ^ er gehen/ reden / und daher tretten soll. Mancher endlichen wird sagen: Was ist diß für ein Gottloser Mensch/ der auch F 5 nicht _,_-«( s° )k»>_ _ nicht wehrt ist / daß ein ehrliche Persohn mit ihm umbgehc/der doch ein Lompen. ckium und Verfaß aller Sünden und Gottlosigkeiten istalso zwar/ daß er längsten verdienet / ein Höllen - Brand zu seyn/ und von GOtt miss ewig verflossen zu werden. Sichet also an seinem Neben« Menschen ein solcher die allerkleinestcn Fühler gar bald / aber seine selbst eigene/ und allergröste will er nicht sehen. Christus der YErr aber/ verrusset allen diesen Geliffter zu: Was sihest du einen Splitter in deines Bruders Aug/ und stehest den Balcken nicht in deinem Aug? oder/ wie sprichst zu deinem Bruder: Laß mich den Splitter auß deinem Aug ziehen/und stehe/ rs ist ein Balcken in deinem Aug/ und wirst desselben nicht gewahr. Du Heuchler! Ziehe du zuvor den Balcken auß deinem Aug/ und hernach besiehe / wie du den Splitter a«ß deines Bruders Aug ziehest, tckark. L. z. v. z. 4. Sc 5. Mit welchen / mein Mensch! der gebenedcyte- ste Erlöser JEsus Christus dich lehret/und lehren will / daß du am allerersten sollest scht haben/ -eine eigene Mangel zu be- : . schauen / _ -r;c yr irr- __ schauen /selbe zu verbessern suchen / alsdann erst auff deinen Nächsten die Augen werft fcn; aber doch nur in Guten / ihme zu helffen/ seine Fahler zu verbessern / und zu den Guten zu bringen / und zu leiten. Man stehet zu Zeiten / daß einer in die Mühl gehet / und traget zwey Sack/ einen übern Rucken hinab henckend/und den andern voran über seine Brust / und also gehet er darmit seinen Weg fort. Eben also / mein Mensch! sollst du cs auch machen / du sollst die Fahler deines Neben-Menschens in einen Sack füllen / und denselben über den Rucken hinab lassen henckcn / deine selbst eigene Mangel abersolst duauch in einen Sackfüllen/und denselben voran über die Brust nehmen/ und also fort gehen- Mein / warnmb aber also? darumb/ damit du auffdie Verbrechen deines Nächsten nicht sehen / und leichtlich darauffvergessen; hingegen aber auff die deinige stats sehen / und gedenckei» mögest. Als das in würcklichen Ehebruch ergriffene Weib zu Christo dem HErrn geführet/ verklaget/und sie z» versteinigen bey-IhckL ange- _ -nc s- >rr- _ angehalten wurde / sprach Christus zu denen Anklägern diese Wort: Wer unter euch ohne Sünd ist / der hebe den ersten Grein auff; wohl wissend/daß alle selbst ungerecht wären / worüber dann alle in ihrenGewissengerühret wurden/ und erkennten/ daß sie selbst voller Sünden waren / sich also nicht getraueten/einen Stein austzuheben/ sondern giengen alle zur Thür hinauß Schaue mein Mensch! wann du an deinen Neben-Menschen/ der / gleich wie alle/ gebrechlich und schwach ist/ einen Fähler/ oder einige Sünd stehest/und vcrmcrckest/ so folst du denselben nit gleich außschreyen/ urtheilen / und verachten / sonderlich/ wann du selbst ein-und andere Untugend/ oder Sünd an dir hast / sondern fein still schweigen / und das Deinige am ersten zu verbessern suchen / sodann aber erst deinen Neben-Menschen zur Besserung verheißen. Dann Christus gesprochen hat: Alles / was ihr wollet/daß euch die Menschen rhttn sollen / das thur auch ihnen/ und das ist das Gefatz / und die Propheten. Uallk.c. 7. v. i2. / n Acht- -r;c 9; )rr- chtzehenderWbsatz. Auffden achtzehendcnTagder Fasten. Au vil ist ungesund; -MAnn ungesund ist es der Seelen/wann Wo der Mensch ru viel eine Gewohnheit an sich har / die er nicht haben soll/ und dieselbe gleichwohl nicht beobachtet. Warumb? darmnb; weilen er sodann dieselbe schwerlich / oder gar nicht mehr ihme wird abbringen können : und diese ist die sträflliche Gewohnheit / den allerheiligsten Nahmen IEsu eytel / oder vergeblich nennen. Aber/ mein Mensch! wende doch alle deine möglichste Kräfftcn an/ dir diesesträff« ljche Gewohnheit abzubringen/ damit du den jenigcn Namen nicht verunrhrest/ welchen du über alles / was in Himmel / und auff Erden ist / verehren / lieben und hochschätzen sollest; dann sihe! in dem Namen IEsu sich biegen sollen alle Kuye/ in Himmel auff Erden: und unter der Erden. In dem Namen IEsu! da müssen erzittern / alle böse Geister in der Höllen/ und sich erfreuen freuen alle Engel / und Heiligen. Wann du dann den allerheiligsten Nahmen JLsir vergeblich/und zu einen jeden Possn-Werck/ nennest / so vermehrest du GOtt / betrübest alle Engel und Heilige/ erfreuest aber die böse Geister. Dahero/ liebe / lobe/ehre / pleyse/und bette an den allerheiligsten Nahmen JEsu/ und zwar zu allen und jeden Zeiten / und zu allen Stunden , also zwar / daß/ wann du zu Morgens frühe erwachest/ so sey dein erster Gedancken / dein erstes Wort/ der allersüsscste Nahmen JEsu. Wann du bettest/ wann du lesest/ wann duschreibest/ wann du arbeitest/ wann du essest/ wann du trinckest/ wann du spatzi- rengehest/wanndu auß/ oder nachHauß gehest / wann deine Geschafften verrichtest/ und wann du dich zur Nacht-Ruhe meder- legest / so feye jederzeit dein erstes / und letztes Wort: der allersüsseste Nahmen JEsu. Wann dukranck bist/ soll dieser dein Labung scyn/ und du solst stäts gedenckenauff den süssen Nahmen JEsu. Und wann du endlichen auff das TodtenBeth kommest/ lo bitte alle Umstehende / daß sie bey dir an- russen _ -?-( ?? ) !»-_ ruffcn den allersüsscstcn NahmenJEsu. Ja/ das allerletzte Wort / so sie dir in deine Ohren tuffen / seyn solle/ der allersüßeste Nahmen JEsu. Den süssen Nahmen JEsu / solst du an- ruffcn / in dem Leben: in dem Todt: in der Gesundheit: in der Kranckheit: in dem Glück: in dem Unglück: in der Friedens- Zeit: in der unfriedlichen Zeit: in der angenehmen Zeit: in der widerwärtigen Zeit: in dem Trost: in der Verlassenheit / ja kurtz! bist du in Freud / oder bist du in Leyd/ so ruffe an zu allen Zeiten und Stunden den heiligen Nahmen JEsu. Dann/ in/ und mit dem allersüssestenNah« men JEsu / findest du alles / und hast alles. Bist du gesund/ so bitte in dem heiligen Nahmen JEsu / umb noch fernere Erhaltung dcrsclbigen/ so wirst du sie erhalten: bist du kranck/ und bittest in dem allerheiligsten Nahmen JEsu / daß diese Kranckheit von dir genommen werde / so wird sie von dir weichen. Bist du in Glück/ und verlangest noch fcrners glückscclig zu seyn / so bitte in dem allerheiligste» Nahmen JEsu/ und du wirst glückscclig verblei- bleiben. Bist du unglückseelig / so bitte in dem allerheiligsten Nahmen JEsu/ und al, le Unglückseeligkeit wird von dir weichen. Bist du in Frieden / so bitte in dem allerheiligsten Nahmen JEsu/ daß du in solchen erhalten werdest/ und cs wird geschehen. Bist du in der angenehmen Zeit/ so bitte in dem allersüsscstcn Nahmen JEsu/ , daß in derselben du unveränderlich mögest «erbleiben / und du wirst dein Bitt erhalten. Bist du in Widerwärtigkeit / so bittein dem allersüsscsten Nahmen JEsu/ daß er die dasBittcresüß mache/ undcrwirddir all« Bitterkeit versüßen. Bist du in Trost/ so bitte in dem allersüssesten Nahmen JEsu/ daß er dich denselben Trost allzeit genössen lasse. Bist du in Verlaffcnheit/so bitte den allersüssesten Nahmen JEsu / daß er dieselbe von dir nehme/ und er wird mit seinen al- lersüssestcnTröstungcn zu dir kommen. Bist du in der Freud/ so bitte den allersüssesten Nahmen JEsu/ daß er dich in derselben erhalte/ und erwird dich noch mehr erfreuen. Bist du in dem Leyd/ so bitte den allersüffe- sten Nahmen JEsu / und er wird dir dein Leyd in Freud verkehren. Ja kurtz! bist du in '_ -rr< §7 )kr- _ n in Sorgen deiner Seeligkeit halber/ so bitte !, den allcrsüssesten Nahmen JEsu / und er r wird dich versorgen zum ewigen Leben. Dann der allersüsseste Nahmen JEsus ist l- alles / kan alles / vermag alles / und thut e, alles: dann es ist kein anderer Nahmen / uns Menschen gegeben worden / als der ,/ allersüsscste Nahmen JEsus. Diser be, st sanfftigct den erzürnten himmlischen Vat, i. ter / wegen der begangenen Sünden: diser n bringt zuwegen / und erthrilct auch selbstrn/ ik alle vätterliche yuld / und Gnaden: diser le entschuldiget/ und löschet auß alle Sünden; ö ja /diser ziehet /und bringet den Menschen , in dic ewige Seeligkeit. n Nun dann / O Mensch! verlangest d« n Sinn/ Witz / und Verstand / zu deiner ,e Seeligkeit recht zu gebrauchen! verlangest h ftomb /Gottscelig/ und andächtig zu seyn? st verlangest du mit allen Tugenden / ausser, n bäulichen Sitten/ und verdienstlichen Wer, k cken bereichet zu seyn ? und verlangest du der ewigen Seeligkeit vergwiffet zu leben / so 2 trette vor dem himmlischen Vatter / bitte n ihn durch den allersüssesten Nahmen JEsu / « umb alle vorgemeldte und andre« nothwen, n G dig« l dige Gaben und Gnaden / so wirst du Mes und jedes erhalten. Also versichert dich der Wund der Warheit Christus ILsus selbsten/ da er sagt: Alles / was ihr dm Vatrerbirren werdet / in meinem Nahmen/ das will ich thun/auffdaß deMan rer in dem Sohn geehret werde. Zoann. c.i 2 . v. iz. leunzehender Nbsatz. Auff den neunrehenden Tag der Fasten. Zu vil ist ungesund. Mn ungesund ist es der Seelen/wann der Mensch zu ml nachlässig ist/ gute Werck zu üben. Warum ? darum)' weilen Christus der HErr außdrucklich gesprochen : Ein jeglicher Baum/ der nicht gute Lrüchr bringet /wird außgehauen / und in das Auer geworffen. cap.7. Also auch ein jeglicher Mensch / der nicht gute Werck bringet/ der wird von der ewü gen Himmels-Freud abgehauen/ (abges sondert ) und m das höllische Feuer geworf- fm werden. . EjN _ 9 - k Ein jeglicher Mensch /keiner außgenom- g ^ men / der ist schuldig gute Werck zu üben / n weilen der Glauben ohne die guten Werck todtist (wie der Heilige Iacvbus meldet.) ts Ast also ein grosse Blindheit / und falsche Einbildung / sich aust den blossen Glauben allein verlassen /und keine gute Werck üben wollen. Deren seynd ohne Zahl in der Höllen / die dise ihre Blindheit auch zn spat erkennen/ sich selbst destivcgen verfluchen/ schreyendel O uns Verfluchte/ die wir/da uns der höchste GOtt in dise Welt/ als einen Baum gepflantzet/ gute Frücht zu bringen/ keine gute Frücht/ der Tugen« in den und guten Wercken: sondern nur böse re Früchtund Werck/ der Sünden und Laster :b gebracht haben. Verflucht unsere Augen/ o- welche nicht auff das Gute / sondern nur « auffdas Böse / Verbotene / und Unzulas- id sige geschaut haben. Verflucht unsere 7. Ohren / welche nicmahlen das Gute / das ht Scelcn-Nutzliche: und dasWort GOttes r sb sondern nur unverschämte/ geile/ unflätig« ,e- grobe Zotten und Possen angehöret haben, rf Verflucht unsere Zung / welche nicht das in Lob GOttes / oder sonsten tugrndsam- und G 2 hezs ! _-* Z( roo )5 -«_ heilige / sonderen Ehr- abschneiderische/ luqenhaffte / unehrliche Wort geredt hat, Verflucht unser Wund! mit seinem Geschmack/ welcher von keiner ^düinenr, und der GOTT höchst angenehmen Mäßigkeit was hören wollen; sondern nur mit allen pberfluß/mit Essen undTrincken/als wie ei» Vieh beladen und angcfüllet wollen werden. Verflucht unser Geruch / welcher nicht riechen wollen / wie süß / wie angenehm die Haltung der Geholten GOttes scye / noch wie übel vor den Augen GOttes/ das sündhaffte Leben schmecke. Verflucht unser Hertz! welches die Liebe GOttes / d« Andacht / Inbrunst / und GOttsceliM nicht einlassen wollen,- sondern nur mit aller Ungerechtigkeit/ Sünd/Lastern / und andern verbottenenDingen sich belustiget Verflucht unsere Hand / welche denen Armen das Allmosen / den Bekränzten Christ, liche Hülff zu reichen/ auch zur Hand-Ar- veit nicht außgestrecket worden; sondern solche denen Armen verschlossen / dem stäken Müßiggang ergeben; ja so offt/ so oK ein ungerechten/verbottenen Griff / in des Nächsten Gut gethan haben. Verflucht i ! ./_- r;c -rr- _ /! unsereFüß/welche nicht auff dem Weeg der t-j Gebotken GOttes gebliben ; sondern vil e- lieber einer verbottcnen Lieb / einem unge- ld; rechten Handel/ und verbottcnen Gewinn / itl begierig nachgeloffen seynd. Verflucht '» unsere Sinn und Gedancken / welche nicht >» getrachtet die ewige Sceligkeit zu gewin- »- nen; sondern nur alle ersinnlichc Eytelkeit >e- außspeculiret. Verflucht endlichenund >« ewig verflucht! unser gantzer Leib / welcher ch nichts Guts / und Tugcndhafftcs / sondern Ä alles Übels/und Höllen-würdiges / zu sei« i» mn ewigen Untergang gesammlet. O >>! wehe! wehe «ns! daß wir ein so unnützer / ei! so böser / so verfluchter Baum gewesen/ der ab lauter böse Frücht gebracht / und darumb »d auch / seinen Verdiensten nach / in das ewi- ct> ge Feuer hatmüffen geworften werden. Ir- O Mensch! erwege dises wohl / und seye ist- beflissen / alsein guter Baum/ gute Frücht !lr- zu bringen / anjetzo hast du noch die Zeit / ob in welcher du leichtlich dises thun kanst; es kä- wird aber / und villeicht gar bald die Zeit B kommen / allwo solches zu thun dir nicht wird zugeiasten seyn; anjetzo stehcts bey dir/ chl gute oder böse Frücht zu bringen / wie der se« Gz Baum/ -rz ( ivr _ ! Baum / so die Frücht / seynd eigene Wort! Christi: Ein jeglicher guter Baum / bringt! gute Frücht/ aber ein böser Baum / bringt! argeFrücht. Ein guter Baum/ kan nicht, arge Frücht bringen /und ein böser Baum/! kan nicht gute Frücht bringen. Darumbc»! an ihren Früchten soll ihr sic erkennen. Mancher Baum/der breitet seine Aeste/ undBlättcr in die Höhc/daß ein Lust anzusehen ist / kombt man aber in die Nähe/ beschauet denselben / und findet keine Frücht daran/ so ist er bey allen verächtlich / und wird nimmer angcschaut/ ists nicht wahr? Eben also ist es manchesmahl/ und gär vffc bestellet mit dem Menschen / mancher breitet seine Aeste/ der Ehren/deß Ansehens/ der Hochheit/und Würdigkeit in die Höhe und Breite / machet sechsten vil auß sich; wann man aber denselben recht beschauen und durchsuchen solt/ wurde man wenig/ oder gar keine Frücht (Frücht nemblich deß Guten) daran finden; daherodann auch von GOtt/ und dem Menschen ein solcher Baum/verachtet und verfluchtwird werden. Demnach / mein Mensch! sey du ein fruchtbarer Baum -er guten Wersten /der Lu» rvz )kr- !/ Tugenden/ der Frommkeit/ der Andacht/ der Gottseeligkeit/ und der Heiligkeit. Habe nicht allein leere Blatter / leere Wort/ ohne Frücht / verlaß dich nicht gäntzlich auff den Glauben. Dann: Baum ohne Frücht/ Glauben ohne Werck/haben bcede schlechtes Lob zu gewarten. Höre man die Wort Christi: Nicht ein jeglicher/ der zu mir? sagt: HErr! HErr! wird eingehen m das Himmelreich; sondern der - und ewig verderbest/ sondern gleich wie- »r derumben/ durch ein schmertzliche Reu n > und Leyd / durch ein wahrhaffte Buß / h auß der verdienten Yöllen-Straff dich her- u auß ziehet / und in seine Gnad / in den >- Stand/ himmlische Glory zu erlangen/ dich n setzet. Erwege O undanckbarerMenschlwas ? du GOtt für einen unsäglichen Danck ab- b julegen schuldig bist / für die Güte / Gnad i- und Barmherzigkeit / daß Er deine Surrst den dir so lang übersiehet / und geduldet / / G5 dich ro6 ) Z4- . dich nicht gleich / nach deinen Verdienst/! auff ewig straffet / sondern aus deine Bes-? seruna wartet ; da Er doch die Engel/! das ist / den Lucifer/ sambt seinem gantzeu! Anhang/geschwind auffdie erste/und nur! alleinige Sünd deryostart/ mit der ewi-§ gen Verdammnuß gcstraffet hat. Was wollest du nun hierzu sagen/wann es auch! dir einsmahl also begegnet wäre? wann du nach einer begangenen Todtsünd / von dem gerechten GOtt- wärest in den Abgrund der ewigen Verdammnuß gestürtzet worden? würdest/ und wüstest du nicht bekennen und sagen müssen : ich habe es also verdienet/ mir geschieht nicht unrecht;! daß aber GOtt so unendlich barmheryig ist/und hat dir nicht nur einmahl/sondern villeicht wohl schon vielmahle» deine tödtliche Sünden/ in Ubertrettung derGe- bottcn GOttes übersehen / dir verschonet/ , und dich begnadet / solst du destwegen dem Allerhöchsten GOtt nicht alle Lag / alle Stund/ alle Augenblick / mit dem allerhöchsten Danck verbunden seyn. Ach! in Warheit.' ein Unmensch / und kein ver- nünfftiger Mensch müstest hu seyn / wann > ^ ^ s> du in diesem Stuck dcrDanckbarkeik gegen GOtt fählcn / und dein so hohe Schuldiges keit unterlassen sottest. Daher» / mit den Gedancken / mit den Worten / und mit den Wcrcken / danckr GOtt für die erzeigte Wohlthateu/ja/ l mit einem jeden Schlag deß Heryens/ und der Puls-Ader / lege Ihme einen Him- mels füllenden Danck ab/ und zwar dancke dem Himmlischen Vatter umb deine Erschaffung/ daß er dich auß nichts/ zu einen vernünfftigen Menschen gemacht hat: dancke GOtt dem Sohn / daß er dich mit seinem bitteren Leyden und Sterben erlöset/ und zu einen Erben seines Himmlischen Reichs sürgesehcn hat: dancke GOtt dem Heiligen Geist / daß er dich so gnädiglich geführct/ regieret/ und zu den Guten angeleitet hat/ damit du das ewige Seelen- Hcyl nicht verschätzen / und verltchrcn/ sondern aussewig dasselbe in dem Himmel zu gemessen haben mögest-ja/sage Danck/ der gantzen hochheiligsten Dreyfaltigkeit/ daß sie hat gekönt / gewust / und gewolt / dir so viel unzählbare Gnaden zu erzeigen/ vnd schreibe dir hinführo selbst nichts -«( I°8 )?j- Gutes zu / was du auch immer vermey/ ncst/ daß es auß dir allein seye/ weil ei unmöglich ist / daß du ohne GOtt das allcrmindeste Gutes thun und würcketz könnest. In GOtt/ und mit GOtt aber// wirst du alles thun / was du nur verlangest / jedoch mit dem außdrücklichen Beding/ daß du erstens dem höchsten GOtt umb seinen Beystand anflehest/ sodanif aber / nach empfangener Gnad / GOtt die Ehr gebest / und folglich darfür dem gütigen GOtt eine immerwährende Danck- sagung abstattest / und so du dieses wirst thun / so wird dir/ nach deinen Verlangen/ alles Gutes von GOTT widerfahren. Dann Christus sechsten gesprochen hat: Go ihr (durch immerwahrende Danck- sagung) in mir bleiber/und meine Work in euch bleiben/ möge» ihr bitten/was j ihr wolr/ und es wird euch widerfahren. ^osn. c. 15. v.7. -4ZC roy )?> in undzwantzigsterMbsatz. Auffden kmundzwantzigstm Tag der Fasten. Zu Vit ist ungesund. -MAnn ungesund ist es der Seelen/ wann «Uder Mensch die Woltharen Geberes zu wenig erkennet. Warumb? darumb ^ weilen sodann die schuldige Danckbarkcit außbleibet/ die man zu geben schuldig ist. So ist auch jederzeit eine gegebene Danck- sagung/ so vil als ein neue Bitt/ die das Gewehren verursachet. O Danekbarkeit k O schöne Tugend. O Undanckbarkeitl O entsetzliches Laster. Als Christus der HErr/ die io. auß, sätzige Männer von ihrem Außsatz gerei- uiget/ und gesund gemacht / käme nur einer allein zuruck/ preiset GOtt mit Heller Stimm / und fiel nider auff sein Angesicht vor seine Fuß / danckete ihm / und das wäre ein Samaritan / JEsus aber antwortet/ und sprach: Seynd ihrer nicht zehen rein worden? wo bleiben dann die neun? keiner ist erfunden / der da wiederkehrere/ und und gabeGDrrdieEhre/als distrFremd- NnF. I.uc: c. 14. Auß welchen klarlich abzunehmcn ist/wie wehe dem gütiqcnGOtt die Undankbarkeit thun müsse / für die em« xfangene Gut: und Woithaten. ' Als Petrus dem Malchus sein Ohrab-- gehauet/hat der gütige JEsus/ mit seinem Göttlich- und allmächtigenFinger ihme wi< derumb das Ohr angeheylct/ und gesund gemacht. Ach! was für ein grosse Danck darkeit verdiente nicht Christus für diese Gutthat / aber zur / oder an statt der Danck- darkeit/ ist er kommen ihn zu fangen. O grosse Undanckbarkeit. Aber achleyder wie unzahlbahr vil solche midanckbarcMcii- schen gibt es noch Heuntiges Tags / wel- ^ che dem höchsten GOtt für seine so grosse Wohithaten keinen Danck ablegen/ ja nicht rinmahl daranss gedencken. O Mensch! O undanckbarer Mensch! gehe doch in dich selbsten/ und schaue ein wenig/ was GOtt dir thut/ und auch / was du GOtt thust. Siehe! GOtt thut wegen deiner alles / und du thust wegen seiner nichts. Schaue ein wenig / warumb gibt GOtt Gold und Sil« her? zu deiner Erhaltung. Warumb gibt __ -N( Hl )kr- er den Wein und das Wasser? deinen Durst zu löschen. Warumb gibt er so pjlcrley Speisen? deinen Hunger zu stillen. War- umb gibt er so vilerlcy Artzney? deine vil- faltige Kranckheiten zu curiren / und gesund zu machen. Warumb gibt er so vilerlcy Kleydungen ? deinen Leib zu bedecken. Warumb gibt er gelehrte Leuth? dich in Deiner Unwissenheit zu lehren und zu unterweisen. Warumb gibt er dir so vil unzahlbahr andere grosse Gnaden? damit du th- me darfür danckbar seyn sollest. O undanckbarer Mensch ! lehrne von denen Gänsen die Danckbahrkeit/ dann diese so offt sie ein Wasser trincken / so thun sie mit einem jeden Schnabl-voll den Kopffund die Augen gegen den Himmel aussycben / gleichsamb / als wollen sie darumb Danck sagen; und machcns nicht wie einundanck- bare Schwein / welche immerhin mit dein Kopff unter sich schauet / unter dem Baun» naschet/ und fristet/ cs komme ihr dasjenige zu / was sie findet / von wem es wolle. Nicht besser ist ein solcher Mensch / als wie ein Schwein / welcher die Wolthaten GOttcs immerhin genösset / empfanget, und und zu sich nimbt / ohne daß er seine Augen zu GOtt in den Himmel erhebet/ und ihm den erkantlich: und schuldigen Danck saget. Gehe mein undanckbahrerMmsch in dich selbst hinein / und schaue wie es dir gefallet/j wann du einem Mensche gany fteywillig/un/ gezwungen/und außLieb/alle nenbare groß Gnaden erzeigest /wann du ihm schon nicht zu thun schuldig bist/ ja wann er von dis alles hat / er dir aber destwegen mcht dir allergeringste Lrkantlichkeit/ oder Danck^ sagung erzeiget/ sage: ob dir diesesnichtm^ Heryen muß wehe thun? Nun dann / wann du als ein Mensch dir dieses von deinemNc- ben-Menschen( der dir doch gleich ist)al< so verdrössen/ und zuHertzen gehenlaW wie muß es dann den allerhöchsten G^tt verdrössen / und m Heryen gehen / wann du gegen ihn / als deinen Erschaffer / und höchsten Gutthater/ so undanckbar bist. Dann sihe! der himmlische Batter hat. dich auß Nichts erschaffen / hat dir deint Seel eingegossen / hat dir Sinn: Witz: und Verstand gegeben / damit du deine Seligkeit würcken / und auff ewig in dem Hrmmel/ in der unzerstörlichen Freud leben kanst / ist dieses _-k?!' Iiz )kr- _ > dieses nicht ein Grosses ? und verdienet diese > grosse Gnad nicht auch ein grosse/ und im- . merwährende Dancksagung? Weiter/ > GOtt der Sohn hat dich als ein irrendes i! Schäflcin gesucht / zz. gantzer Jahr / biß - er dich gesunden / und durch sein Hunger l und Durst/ KM und Hitz / Weinen und l Klagen / Traurcn und Seuffhen/Veracht l tung und Verschmähung / Mühe und Ar- l beit / ja durch sein bitteres Leyden und Tode ^ erlöset hat; soll discs nicht ein große / und > ewige Dancksagung verdienen ? Weiter/ > GOtt der Heil. Geist hat dich geführt / re« ^ giert und erhalten/ daß du nicht in schwäre > und grosse Todt-Sündcn / und auch in an« l dere Übel und Unglück/ deß Leibs und der l Seelen gefallen bist. Soll dises nicht einer > iinerwährenden / und niemahlen auffhören« > den Dancksagung werth seyn ? Ach in War« heit / wann du O Mensch dises nicht ge« >. nugsam erkennen sollest/so müstest du kein < Mensch / sondern ein undanckbares Thier " seyn/und genennct werden. Dann was ist dir GOtt schuldig gewesen/ daß erdich er« » schaffen solle? nichts. Und was ist er dir § schuldig gewesen/ daß er dich erhaltensolle? r H nichts- _'-r; c «» )k^ _ nichts? Dises alles hat er allein auß eigner Güte gethan / thut es noch / und wird alles thun/ was zu deiner Seelen Heyl seyn wird/ wann du ihm nur allein wirst die Ehr geben/ und die schuldige Danckbarkeit able»! gen. Du must dir wohl gar nicht einbil-l den / daß dir GOtt schuldig seye dieses alles zu geben / in geringsten nicht/ aber das! wohl / wann du GOtt allzeit/ und ui»b! alles wirst danckbar seyn/ sodann wirst dir allzeit widerum neue Gnaden von GOtt! überkommen; dann/wie oben gemeldt: ein! Danckiagung für die empfangene Wohl- ! thaten / ist allzeit so vil / als ein Bitt uml^ neue Wohlthaten/ die GOtt sodann g«! gern gibt. Ein Bettler/ wann er umbein kleine Gab / sich höchst danckbar erzeiget/st folgt gleich ein grössere darauff/ dann die Danckbarkeit gefallet GOtt und demMe»- schen. Daher»: dancket dem HSrrn/dann er ist gütig / und sein Barmhertzigkeit wehret ewiglich. Auffdenzwey und zwantzigsten Tag der Fasten. Iu ml ist ungesund. >!.MiAnn ungesund ist cs der «eelen/wann /jM der Mensch ;v ril Lünsten kan. /Warum? darum; weilen osst unter denen Zulässig: und natürlichen Künsten / auch j die unzulässig: und unnatürliche Künsten , mit untcrlauffcn. Dann wie osst geschihet M daß man sagt: Ach! dieser ist wohl ein /kimstlichcr Mann / er kan dieses und jenes/ Mer er hat dieses und jenes gcthan / was /anderenicht haben thun mögen. Wann z inan hernach die Sach recht bey dem Liecht /beschauet/so findet man/ daß es durch Bcy- , hülffdeß Tcuffcls/ nemblichm/ durch Aberglauben/Ycrercy/ und Schwartz-Kunst geschehen ist. Dann wie osst lauffct man einen weiten Weeg / einer alten Hexen zu / sie zu vermögen/ daßsie ihnen ihre verlvhrnc/und ent- srembdte Sachen widerum zubringen / und > sagen solle/ wo sie zu bekommen seynd; wer Hs M soll es aber dem Hexenmeister sagen komm Ivo sie scynd / niemand anderst / als de! Teuffel feil sten; wie vil kommen zu ein« solchen Schwartz-Künstler /und sagen - >x he/ oder lehre mich etwas / daß ich ganz künstlich / diese und jene Persohn könne vq hexen / daß sie krum und lanib werde. E>> andere / daß sie an Verstand verrückt u»l närrisch werde. Ein andere / daß sie mi ihrem Mann / oder der Mann mit seiim Weib / nicht mehr könne Hausen/ einand» hälftig anfcinden / und mit einander Tq und Nacht rauffen und schlagen. Ein w dere/ daß sie nicht schlaffen/ noch still sff können / sondern Tag und Nacht singe»! schreyen / oder lausten müssen. Ein and» re / daß sic dieser und jener Persohn nah lausten / und sie unordentlicher Weiß « hangen und lieben müssen. Ja weiter-! mache ein Wetter/ daß es mitten in So« mcr Schnee werffe/ oder daß cs etlich W chen lang an einander regne; oder mach ein Schauer-Wetter / daß der Scham allein auff meines Nachbarn Feld alles e schlage / und verderbe / dem meinigen ad« nichts geschehe. Za! ja! wird rin solch __ ii- )?»-_ « verfluchter Künstler sagen / das will ich »schon thun / dann dieses ist mir ein leichte > Kunst. O grosse Gottlosigkeit / Oschwäre i Sund / sich unterfangen demWöchsten t GOtt einen Eingriffzu thun / in deme/ was » GOtt so gut erschaffen hat/ dasselbe hernach > zu vertreiben. Dann: GOTT gibt dem i Menschen auß seiner unendlichen Gütig- i keit seinen Gesund / der Teuffels-Künstler > nimbt ihm denselben. GOtt gibt dem i Menschen die Vernunfft / der Teuffels- ! Künstler verrückt ihm dieselbe. GOtt gibt ! dem Menschen/ und seegnet ihn in dem/ was i zurLeibs-Nothwendigkeit erforderlich ist / ! und der Teuffels-Künstler bringt ihn umb - alles. O unaußsprcchliche Verantwor- > tung/sowohl deß jenigcn/der es thut/ als - der es thun last. > Es seynd aber vil Menschen / welche ver- ! meynen/ daß wann nur sie diese oder jene - Hexerey nicht selbst begehen / sondern nur ! durch andere begehen lassen/ so sey es kein > Sünd. O weit gefehlt! die Sünd ist nicht : minder oder geringer/ sondern eben so groß/ ! wann du sie durch einen andern / auff dein i Begehren / thun lassest / als wann du sie Hz selbst «4Z5 n8 selbst thust ; Hat nicht der König Dach auch nur durch einen andern / averauffU Begehren und Befehl / den unschuibjM Ilriam^ran in der Schlacht steilen Iss sn? nnvgleichwoh! hat nur er den Todi! schlag begangen/ wie zu lesen im andertt Buch der Königen. Also mein Mensch! betrüge dich nur mH sechsten / da du vernicynest / cs scy kq E>ünd / du habest kein Schuld / wann di nur durch andere deinen Neben-Mensch» verhexen lassest. Oder/ da du glaubest/it scy nichts Unrechts / wann du dir durch o Mn Schwärst Künstler deine cntsnmbdü «der verlohrne Sachen widerumb zubri» gen lassest / oder / da du ein und andm Aberglauben von ihm erlehrncst/ und denselben begehest ; dann du wirst es hernach erst mit deinem allcrgröstcn Seclcn-Sch«- den erfahren / wie weit du geirret/ wie fehl du gefehlet/und wic schwarlich du gesund!- get habest. Der Jrrthum deß Aberglaubens / hat auch schon so gar weit eingeriffen / daß in« sich gar nichts mehr darfür scheuhet/ sondern ohne Scheuh die gröste Sachen be- > ,S _ „y )?r- __ ^ gehet / in irriger Meynung / es sey gar > nichts Sträffliches/ wann man mit so leich« e ter Mühe und Arbeit etwas überkommen ß könne. Und seyn sonderlich die gemeine k Leuth in selben so verfangen / daß sie tau- > senderley abergläubige Sachen zu begehen wissen. Was ist aber der Aberglauben? ji was die Hexerey/ Zauberey/ und Schwartz- » Kunst? nichts anders / als eine Ubertret- » tung deß ersten Gebott GOttes. Dann i es Heist ' du solst an einen GOtt glauben, i Wer aber die obbenante Sachen begehet d und treibet / der glaubt nicht an GOTT / » sondern an den Teuffel / und wandelt in der >- Finsternuß/ durch welche er gar in die ewi- > geFinsternuß der Höllengeraten wird. v Wann du dann/ O Mensch! der ewigen i Finsternuß in der Höllen entgehen wilst / so !- liebe das Liecht; meyde alle aberglaubisch- « und schwartzkünstliche Sachen / und glaube s an GOtt allein / indeme Christus selbsten spricht: Ich bin als ein Liecht in die i Ü/elr kommen / allst daß / wer an mich » glaubt / in der Finsternuß nicht d bleibe, ^osn. c. rs. v. 46. » - . A4 Are» !rey und zwantzigster Absatz. Auff den drey und zwantzigsten Tag der Fasten. Zu vil ist ungesund. § ANAnn ungesund ist es der Seelen/ wann der Mensch mirseineu Augen zu viel! in Bösen auff seinen Neben-Menschen! schauet/und hingegen zuwenig in Guten.! Warum? darum: weilen GOttder HErs befohlen hat/ daß ein jeglicher sich um seinen Neben-Menschen annehmen solle. Dabero mein Mensch! wann du bißhe- ro auff eine nicht rechte / sondern »«rechte Weiß auff deinen Neben - Menschen geschämt hast / so schaue hinführo recht auff ihn. Ja/ stecke die Augen Gläser auff deine Nasen /damit du gar recht und gut sehen mögest. i Man hat fünfferley Sorten der Augcn- Gläser. Die ersten seynd/ welche/ da man dardurch schauet/ alle/auch entlegene Sachen gantz nahend fürstellen/ als ob man ! sie mit den Händen begreiffcn könte. Die andern seynd / welche/ so man dardurch ^ schauet/ -r;c --i )?». ^ schämt/alle/auch nahend für sich habendi de Sachen / sehr weit entfernet zu seyn/ zeigen/als ob dieselben nicht zu erreichen wären. Die dritten scynd/welche/so man ' dadurch schauet/ allen/auch grosscnDruck/ ! gantz klein fürstcllcn. Die vierdten scynd/ , welche / so mau dardurch schauet / allen / I auch kleinen Druck / gar groß fürstellen. > Und die fünfften scynd / welche / so man , dardurch schauet / alles grün zeigen. Da- ! hcro ein jeder Mensch / seinen Augen nach/ ! ihme von diesen Glasern eines erwöhlen kan / die ihme zum allerbesten taugen/weilen einer besser in die Ferne / ein anderer ^ aber besser in die Nähe; einer besser und leicht einen kleinen Druck / der andere leichter einen grossen sichet. Und auch mancher / wegen Schwachheit der Augen / das Pappier lieber grün / als weiß vor ihn i sichet/ und also ein jeder zu seinen Nutzen/ ihme außerwöhlen kan / was ihme dienlich ist. Nun mein Mensch! eben dieser Augen- j Gläser seist du dich geistlicher Weiß bedienen; und zwar auffolgende Weiß: Wann dein Neben-Mensch in einer Noch/ in ei- H 5 «er ner Petrübnuß / oder Widerwärtigkeit sich befindet / und deiner Hülff bedürfftig istl! daß du dir aber gedencken mögest: Was! gehet mich discr an/ er ist mir nichts befreit det/ oder auch nur bekant / dahero bin ich von ihm weit entfernet/ daß ich ihm soll! schuldig seyn zu helffen- So solst du gleich die erst-benante Gattung der Gläser für Leine Gemüthts-Augen stecken / welche alle weite Sachen gantz nahend zeigen/so wirst du alsobald sehen / und erkennen/ daß brr Nothleydende/ als dein Nächster/ dir gantz nahe seye/ und wirst ihm gantz gern / um GOttcs Willen / alle Lieb und Hülff erweisen. Wann du von deinem Neben- Menschen einen üblen Argwohn /oder un- rechte Einbildung hast / daß du ihndest- wegen wilst anfangen anzufeinden / selben zu verachten / so solst du die ändert-berichte Glaser für deine Gemüths-Auge» stecken / welche alle nahe Sachen gantz weit/ und entfernet zeigen / so wirst du gleich sehen / und dir gedencken: Ey! die Sach hat ein weites Außsehen/ werweiß/ obs dcme also ist? als wie man es verarg- wohnet/ es kan wohl nicht seyn / will als» auss ! _ _ er ? >?* - s! auß ein so ungewisse Sach keinen Glau- /! bei, setzen / und destwegen die schuldige s Lieb dcß Nächsten verlassen / sondern will / das gewissere spielen / und ihn fortfahren j! zu lieben / als wie es GOtt von mir er- i forderet / daß ich meinen Nächsten lieben j solle/ als mich selbsten. Wann dein l Neben-Mensch auch würcklich schon in e schwäre und große Sünden fallet / daß du ! auch vermeyncst gcnugsambe Ursach zu r haben / ihn zu verachten / zu vernichten/ ! und dich über ihn zu erheben / so solst du l die dritt- benente Glaser für dcineGemüths-- - Augen stecken/ welche alles Grosses klein ! zeigen / so wirst du gleich sehen und erkennen/ daß der Mensch schwach und gebrechlich seye / der umb einer kleinen Anreitzung willen / groß fallen und sündigen könne/ also/ daß er destwegen nicht zu verachten/ und zu verlassen / sondern vielmehr für ihn zu bitten und zu betten seye / damit er bey GOtt wiederum zu Gnaden komme; in- deme der jenige/ so heunt ein grosser Sünder ist/ morgen durch die Buß/und durch die Barmhertzigkeit GOttcs / ein großer Heiliger werden kan. Wann dein Ncben- Mensch v Mensch aber etwas Tugendliches/Gutes/! und Gottseeliges vollbringet/es mag auch so wenig / und so klein seyn/ als es immer! wolle/ solst du das vierdt-benennte Glaßj für deine Gemüths-Augen stecken / welches: alle kleine Sachen groß zeiget / so wirst du sehen und erkennen / daß alle Tugenden und gute Merck vor GOTT groß! seynd/.wann sie mit einer rechten und reinen Meynung vollzogen / und verrichtet, werden. Und du wirst sodann nicht allein ein gute Meynung / und grosse Hochachtung von deinem Neben-Menschen schöpften / sondern ihme auch in den Lu- gcnd-Wcrcken ftölich Nachfolgen; Unendlichen / wann du an deinem Neben- Menschen / wegen zeitlich und geistlicher Wohlfahrt / schon gäntzlich verzweyflest/ ihn schon fast für einen verlohrnen Menschen haltest/ von dem nichts Gutes mehr zu hoffen seye; so solst du das fünfft-benennte Glaß für deine Gemüths-Augen stecken/welches alles grün zeiget / so wirst du gleich sehen und sagen: Ich will in der Hoffnung grünen / der allerhöchste GOtt/ -eme kein Ving unmöglich / sondern alle Ding _ »»7 _ ! Ding möglich seynd/ wird diesen Menschen , bekehre/und ihn in den Stand seiner Gna- : den setzen Dann: will uns GOTT i rechtfertigen/ wer will uns verdammen S l Will uns Christus verrhädigen / wer ! kan dann wider uns seyn? Rom c. 8. ^ Und wann du/mein Mensch/diese fünff i Sorten der Gläser stäts für deine Ge- müths-Augen stecken / und dich förchten werdest / GOtt/ und deinen Neben-Men- schen zu beleydigen / so seye versichert/ daß ' du dardurch / auf eine nicht Unrechte/ son- ! dern gany rechte Weiß auff deinen Neben- ! Menschen schauen werdest. Ja/ du wirst dardurch verursachen/ daß der höchste GOtt in höchsten Wohlgefallen auch stäts auff dich schauen werde. Dann die Augen deß HErni sehen aUffdie/ so ihn förchten. Er ist ihnen ein mächtiger Schutz / ein gewaltige Destung/ ein Schirm fürder Atz/ undein Schatten- Hütten in Mittag. Lccl. c.Z4- v.19- ! i Wier rs6 )>^» ier und zwantzigster Ddsatz. Auff den vier und zwanßigsten Tag der Fasten. Zu vil rst ungesund. ,Ann ungesund ist es der Seelen / wann ? der Mensch zu vil sich entsetzet zu sterbenden perjÄnren zu gehen. Warum!)? darumb; weilen er sodann solches zu- thun unterlasset / und mithin zu wenig auff den Todt gcdcnckct/ und gäntzlich auff denselben vergessen Lhut. Wie groß aber der Nutzen und Gewinn seye/ wann man sterbenden Persohnen zu- gehet/und ihren Tvdtbeywohnet/ solches haben unzahlbare Menschen erfahren. Dann wie mancher Mensch hat ein gottloses/ freches/ eytles/ und außgelaßenesLeben geführet ( weilen er niemahlen einen Menschen hat sterben gesehen / Westwegen er zu wenig auff den Todt gcdenckt / und gäntzlich auff denselben vergessen hat) welcher / wann er nur einmahl einen Menschen hat sterben gesehen / wie derselbige gezittert/ gezaget/geschwitzet/ sich vor Lodt- Angst l__- 4 Z( 127 __ > Angst hm und her gcworffcn/ geseuffzct/ ! geachzet/ ängstiglichhinundhergrschauet/ j und betrüblichst mit dem Tod gerungen hat/ ! Ach! da hat er sich alsobald an den Ster- I benden gcspieglet/sein eytles und sündiges ! Leben bereuet / gebessert / und auffden Todt sich bestens fürgesehcn / gerichtet und ver-- ! sichert/ auff denselben össters gedacht / und , nicht mehr vergesien. O grosser Nutzen? ' der sterbenden Persohnen ihrem Todt bey- zuwohnen. Dahero mein Mensch! wann es die Um« ständ zulasten / so verabsäume keine Gelegenheit / bey sterbenden Persohnen zu erscheinen/ fliehe dieselbe nicht/ sondern betrachte in solcher Gelegenheit dich selbstm gantz wohl/ wie es dir einsmahls werde zu Muth seyn/ wann du wirst müssen sterben / und eben / wie der vor deinen Augen ligende sterbende Mensch / auch mit dem Todt ringen / wann / wie und wo / es dem höchsten GOtt beliebet. Und also: gcdencke össters / daß du sterblich bist: O bilde dir össters ein/ daß dusterben wirst: ja gedencke össters / daß du sterben must/ es geschehe über knrtz oder über lang. --nc i-r lang. Nur anjctzo gedcncke / und richt, dich auff rinen guten Todt/ dann auffdii letzt/ übet man dasjenige nicht/ auff wE man nicmahlen gedacht / oder was »M nicht gcübet hat / dieses ist keinem Dins möglich / vilwemgcr in dem allerschwä« sten/ als da ist der Todt. Es ist zwar nicht in deinem Gewalt / z» sterben / wann duwilst/ es ist aber wohl »> deinem Gewalt zu sterben/ wie du wilst. Die Zeit zum Leben kaust du dir nicht fm- schreiben / aber wohl die Weiß / recht ungut zu sterben. Und ist kein andere / als di« Weiß wohlzuleben; dieses fürsehen ist weislich / dieses vollbringen ist glückseelig/ ja die höchste Glückseligkeit. Keiner lebet so gottloß/ daß er nicht begehret gut zu sterben/welcher aber die Be- gierd eines guten Todts / nicht hat / du führet ein vcrzweiffletcs Leben. Frag du einen Gottlossen / ob er sterbe» will / wie er lebt / es wird gewiß kcjner seyni der seiner/ und der künfftigen Ding also vergessen wolte/ daß er es bejaen wird/ es sey dann/er habe allbercit GQtt verlaugnekl die yöll auß dem Sinn geschlagen/ uni dir Ewigkeit verlacht. Nm « Nun dann! wann alle wollen/ warumb suchest du es dann nicht/ wann alle hoffe» / warumb achtest du es dann nicht ? Der mchriste Theil lebt also / daß ohne sonderbare Gnad GOttes kein gutes End seyn kan. Warumb schiebest du dann auff/ das heunt seyn soll / und morgen villcicht nicht seyn kan/ warumb wilst du einsmahls das/ was du einsmahls nicht mehr wilst/ oder haben kanst. Wilst du villcicht erst recht anfangen auff den Todtzu gedcncken/ und dein Leben zu bessern / wann du wirst gezwungen seyn zu sterben? Ach! alsdann ist es zu spat. O grosse Thorrheit des Auffschubslwann man wohl ehender kan. Wie solst du durch ein schlimmes Leben/ einen guten Todt verdienen ? wie soltcst du können recht sterben / wann du niemahlen grlehrnethast recht zu leben/ dann der Todt ist der Echo / oder Wicdcrschall des vor- hero geführt - und vollbrachten Lebens. Was dich angehet/ das lasse dir bestens angelegen seyn / ein jeder schauet auff sich selbst/ also schon-' auff dich selbst/ keiner stirbt für dich/ «Ist schaue / daß du selbst 3 gut » i M aut sterben mögest/ kein wichtigcrs GcschD kan scyn / als das Geschäfft deines ewige» Seelen-Heyls; der Gewinn mid der Verlierst deffelbigen ist unendlich / und hange! doch nur an einem Augenblick / auff diese» Augenblick richte dein Leben / und deine» Todt/ so bist du ewiglich seelig. - Daher» wende auff denselbigen Augenblick alle deine Gedancken / alle deine Sorgen/ alle deine Arbeiten / alle deine Begierden/ alle deine Hoffnung/ alle deine Forchti allen deinen Fleiß / allen deinen Willen / allen deinen Verstand / alle deine Gedächt- nuß/ alle deine Sinn/ alle deine Kräffta der Seelen; ja wünsche und vollziehe nichts/ als was zu diesen dienen kan: hoffe nichts/ als was zu diesen hclffcn kan: förchte nichts/ als was zu diesen schaden kan: fliehe nichts/ als was zu diesen hindern kan: sorge umi nichts / als was zu diesen vonnöthen ist: trachte nach nichts/ als was dahin ersprießlich ist / so wirst Lu allzeit auff den Tod! gut / und bestens versehen seyn: auch der- mahleins ohne Todtcs-Entsetzen fröhlich auffruffen können: Q glückiceliges Lebe»! O heiliges Sterben! Ä allerglücksceliO y i Himmels-Freud! Ach! wer gibt mir docl/ k-l Tauberr-Flügl/ daß ich dorthin fliegen et möge. ?ialm.54. v.7. ünffund zwantzigsterNbsatz. Auffden fünffundzwantzigstm Tag der Fasten. Zu vil ist ungesund. / AXAnn ungesund ist es der Seelen/ wann o^s der Mensch sich ZU ml unterfanget/ ^ von seinem Neben-Ulcnfchen Urrheil za sprechen. Warum? darum; weilen er durch sein freventliches Urtheil mehrentheil fühlet / auch demc nur allein zustehet za mtheilen/ der in das menschliche Hertz sie« - het/und weiß/wie es in demselben bestellet . ist / welches der Mensch nicht wissen kan/ ^ sondern gar offt eine gute Sach / böß zu seyn urtheilet. b Dann mancher Mensch / wann er eine h andächtige Persohn sichet/ mit niederge-- ,! schlagenen Augen / in die Kirchen gehen/ ji und alldortcn züchtig und ehrbar auff der p Erden knyen/ wird sagen: Aas ist ein 3- Gleiß« Gleißner/ oder Gleißnerin/ die stellt sich, als ob sie für Inbrunst zerfliessen wolle/ vnd geschichct doch nur auß Schein / und angenommener Boßheit / die Leuth zu de-! trügen/ und ein eitles Lob zu erhaschen.! O freventliches Urthcil! Ein anderer/ wann er stehet / eine geistliche Persohn/ auß einem Haust herauß gehen/ die etwann einen Kranckcn besucht/oder einen betrübte» getröstet hat / ivird sagen : Dieser ist gv wist gangen einen Schmarotz zu suchen/ Massen er so schön roth außschauet/ er wirdS ihm nicht haben übel schmecken lassen/» Wird sein Thcil schon haben. O freventliches Urthcil! Ein anderer / wann er sie, het eine ehrbare Jungfrau mit einem ehrlichen Mannsbild t der ihr etwann unge- sehr auff der Gaffen begegnet ist) ein pal Wort reden / wird sagen: Sehet/ wie das ein saubcrs Zvberl ist, wie ste mit ihm Galan / auff offener Gaffen / ihre sauber« Liebs-Händel außtraaet/ es wird ein sauberes Muster sepn. Ofreventliches Urthrii! Ein anderer/wann erwirb sehen / daß einer zu ein-oder anderer unanständig«« Gesellschafft geladen wird/ und er schlagt _ -r;c n ; )rr- es ab / zur selben zu kommen / bleibt lieber i in seiner Unschuld zu Hauß/ wird sagen : d Er hat schon etwas anders bestellter / wo er kan/nach seinem Brieden frey- und auß- r gelassen seyn/ destwegen kombt er nicht. L> / steventliches Urtheill Ein anderer/ der ß wird sehen / daß ein stiller und sittsamer i- Mensch in den Worten fürstchtig / und n mit denselben gesparsam ist / zu anderer § ihrenZottcn und Possen still schwerget/mcht / rmthaltct/ wird sagen: Sehet / was das S für ein hochnlüthiger Mensch ist / von dem r man fast die Wort kauffen soll! O srevent^ ^ liches Urthetl! Ja einer' der andere in < den löblichsten Werckm sichet beständig ^ fortwatidlen / der wild sagen: Ey! es ge- ^ het ihm dieses nicht von Herperi / er r thuts nicht wegen GOTT / wegen seiner e Seel/ oder wegen Aufferbauung deß Näch- i stcn / sondern / damit er für from und hei- r lig gehalten werde. O verfluchter fre- - ventlicher Urtheil-Sprecher! bist du dann ! GOtt/ daß du in das menschliche Hertz / hinein sehen / und alles urtheilen willst? » oder urtheilest du deinen Nächsten nach i dir / daß du alles so gut wissen willst? 3a! ^ Äz ja! -rn N4 L »-_! ja! es ist gar wahr / wann einer gern HÄ ter den Ofen sitzt / so sucht er auch andew dorten. Weil du diese und jene Boßheit! an dir hast/ so bildest du dir ein / dein! Neben Mensch habe deine böse Sitten auch' an sich / aber bekriege dich nur nicht/ untz! glaube viel mehrer/ daß andere besser seynd/! als du bist. ! Du solst dir also gedcncken: Meine Go! brechcn/meine Untugende / und meineSm! den / die weiß ich gewiß / dahero will ich! mich selbst urtheilcn / meines Nachstenseii« Fahler / Mangel und Sünden aber / die weißich nichtgewiß; dahero will/und dmjs ich denselben nicht urthcilen und richten/ und gar recht /dann Christus spricht: Ihr solr nicht richten / auff daß ihr nicht geeichter werdet. d/laltb.c. 7.V. i. Daher» urtheilc recht/ und straffe dich selbsten/ und laste andere/ wie sie scynd/ grciffe GOtt nicht ein / in seiner Verrichtung / er wird schon alles recht richten / damit du dir nicht selbsten bey GOtt/ als dem allergcrechtistea Richter / ein schwäresUk- thcil verursachest/ indeme Christus gesprochen. Mir was Urcheil ihr richtet/da- ___ rZ5 __ ^ mit sollet aüch ihr gerichrerwerden: und btt mit w^s Maaß ihr mästet/damitwird ch euch widerumbgemässtn werden. -h UcW und zwanzigsierWsatz. h/ Auffdcn sechs und zwanzigsten Tag in der Fasten. ^ Zu Vil ist ungesund. H ^öAnn ungesund ist es der Seelen/ wann „ Mb der Mensch zu vil in seinen guren ix wercken sich selbst'en zeiget. Warumb? ss darumbweilen er nicht darmit vergnügt >/ ist/daßesGOttweiß/ sondern will auch/ ^ daß cs alle Menschen wissen sollen / dadurch r, er seiner Seelen allen Verdienst bey GOtt hinweck nimbt. h Dann soll dieses nicht sich selbst zeigen / heißen / wann einer etwann in ein Gottes« -- Hauß/einen Altar/einen Fahn / einen Ornat/ oder auch nur ein einiges Meß« » Gewand machen / und sodann gleich lein r Wappen und Nahmen darauff mahlen / e oder sticken last / damit es einem jeden Men« - schcn vor dm Augen und stäter Erinnerung r I 4 schwer __ -r?c r z6 )§--_ schwebe / daß er dieses und jenes geben HÄ de. Aber O thonechter Mensch ! jö thuß du das jenige nur umb der Menschen wil- len / und nicht umb GOttes willen ? nur dem Menschen zu gefallen/und nicht GOtt! nur von dem Menschen ( durch ein eytles Lob ) und nicht von GOtt (in künfftiger Zeit) belohnet zu werden ? so gehe dam hin und empfange deinen Lohn von dm Menschen / von GOtt aber bilde dir weiter keine Belohnung dariür ein; dann / was GOtt belohnen soll/ das muß allein GOtt Zu Ehren geschehen / und muß ohne menschliche Lob-Abstattung vollbracht werden. Es ist wahr/ daß es GOtt sehr wohl gefallt/wann man in seine Tempel schone Dpfferthut/ dieweilen alldorten der lebendige GOtt geopftert wird; aber dasgröste Wohlgefallen bestehet in dem / daß der > Mensch wegen GOtt / und nicht wegen sich! selbst / das ist/ wegen eytlen Lobs / das Opffer gibt; jasein Verlangen soll seynj daß es niemand wissen solle/ als GOtt / die- weilen eressonstauch wegen niemand gibt/ und geben soll/ afs wegen GOtt. Und allein auff diese/ und kein andere Weiß wird § -l- llk t? er in Nl er rs tt e- ie ie er. ch! ls -/ e- t/ l- d d _-rz ( iz? )?r -_^ und kan es GOtt gefällig / und der Seelen verdienstlich styn. Dahero sprach Christus selbsten: Geher zu/ daß ihr euer Gerechtigkeit nicht rhur vor den Menschen/ bannt ihr von ihnen gesehen werdet: sonst werdet ihr keine Belohnung haben/bep euremBatter/der in dem Himmel ist. b/lsrrk. c. 6. v. i. Ersihestdunun/O EhrsüchtigerMensch! auß den Worten Christi / wie schnür grad du denselben zuwider handlest? und erkennest auch / wie gar weit du bißhero gefah- let hast? Soll dir dann vereitle und flüchtige Lobs-Lohn von dem Menschen lieber scyn / als der gewichtige Verdienst von GOtt? wilst dü dann lieber hier/als dortenbelohnet werden? Ach! lasse doch dieft närrische Einbildung auß deinem Herssen und Sinn außrauchen und verschwinden / damit nicht auch deine Verdienst dardurch die Schwindsucht bekommen. Es gibt leyder! so viel Ehrsüchtige Menschen / welche in allen ihren Thun und lassen wollen gesehen werden / daß sie nicht allein alles/was sie inWarheit thun und geben / solches selbst zeigen / herfür I 5 strei- streichen und außbrciten / sondern so g« auch ftembdcs Lob annehmen / und so man etwas vermuthet von ihnen/ und durch ft gethan und gegeben zu seyn (was etwam andere / die GOTT zu Ehren / und ihr« Seelen zu Lieb / etwas in höchster Schelms geben) solches nicht widersprechen / sondern eö gern haben / daß man das jenigk von ihnen glaube/ was doch an sich selbst nicht ist. Aber / das Heist wohl / stembdr und entlehnte Kleyder anlegen/ die dem jenigen/der darinnen daher pranget/ nicht zugehören. Aber / O psuy der Schand! auch so gar mit Recht und Unrecht das Menschliche Lob einhandlen wollen. Dahero/ O löbliche Tugend! das eitle und menschliche Lob von sich schieben/ O herrlicher Gewinn! dem höchsten GOttl durch die in gcheimb verrichte gute Wcrck/ allem zu einen Schuldner haben: Ja/ Ä uiemahlcn genug gepriesener Schatz / seine eigene gute Werck / nicht bey denen Menschen auff der Welt/ sondern bey GOtt in dem Himmel in den Schatz legen. Dahero rüstet/zu mehrerer dieser Beglaubigung/ Christus selbsten r Sambier euch Schätz IZ9 m- är lü sir rtk er ib tl- c>e m Hk )! K l/ t/ k/ !, re r- tt r- Schätz irr dem 4-immel / da sie wedeb Rost noch Schaben verderben / auch die Lieb nicht nachgraben und stehlen. Mack-c. 6. v. 20 . Men und zwanzigsmWbsatz. Auff den siben und zwantzigsten Tag der Fasten. In Eist ungesund. -MAnn ungesund ist es der Seelen/ wann «ks der Mensch zuvielen hohe» Aemb- tem / Anlehen / Ehren und würden erhöhet wird. Warum? darum; weilen dardurch die löbl. Tugend der Dcmuth/ und Nidertrachtigkcit in Gefahr stehet/ daß sic nicht an den Felsen deß yochmuths anstosse / Schiffbruch leyde / und so dann gar zertrimmerct werde. Dann ihrer viel seynd in niederen Aembteren nidcrtrachtig und demüthig geblieben / da hingegen / wann sie zu hohen Aembtern gelanget/ auch zu den Hochmuth kommen seynd. Daher» braucht es in diesem ein fleißiges Auffsehen/ daß mit dem hohen Ansehen/ nick* ——_-* ;c '4 ° irr- _ nicht der Hochmuth wachse / sondern nia»! allzeit in die Nidere dringe. . Ein Baum / der seine Wuryl wohl i« die Tieffe der Erden gründet / der danre lang / und verdirbt nicht leicht / kan ih» auch kein Wind umbreisscN. Also auch ei« Mensch / der durch die Dcmuth und Niederträchtigkeit sich erinnert/ daß er Erda ist/ und sich nicht erhebet / der dauret lanz bey seinem fürgeseyten Amdt/ dann es km ihn sodann kein Neyd - Wind umbreissent weil die Demuth von allen Menschen gelie- bet wird. Die Welt ist ein Wasser-reicher Brun, nen mit zweyen Ampern behencket / bey welchmzu beobacht n/ daß immer ein Amper empor / und der andere nieder steiget. Ein solcher Zieh Brunn ist die Welt / in welchen immer und allzeit ein Mensch durch hohe Aembter über sich; ein anderer durch Unglück unter sich steiget; allein / wann de« Amper mit der Ketten gar zugachund starck auffgerissen wird / schneit er so dann üb« den Baum/an welchen er mit sambt der Ketten hencket/ und fallet mit derselben in de« Brunnen hinunter/ daß man ihn hernach/ )N in ib l'N !/ d Ni N- t. lN r! H! er l ck er t- n »/ h auch mit grosser Mühe kaum wiedcrumb heraussbringen und bekommen kan / eben also ist es mit dem Menschen / wann derselbe bey seinem hohen Ambt und Ansehen sich gar zu gäch auffschwinget/ durch Hoch« muth/ Hoffart / und selbst eigenes Wohlgefallen / so schnell er über die Demuth / daran er sich halten soll / und fallt seine Hoffnung in den Brunnen / das ist / GOtt sept ihn von seinem Dienst ab / last ihn fallen in die Verachtung / in dicArmuth/ und in alles Elend / also zwar / daß er kaum mehr zu etwas andern tauglich erfunden werde. Es ist aber auch zubeobachtcn / daß der Wasser - Amper kein frisches Wasser auß dem Brunnen bringen kan / wann er sich nicht zuvor zu tieffest in den Brunn hinein genciget/ wann dann solches geschehen ist/ sodann steiget er erst mit dem Wasser empor. Ein gleiche Bewandnuß hat es mit dem Menschen. Dann er kein Ambt/ hohes Ansehen / oder Würdigkeit zu wegen bringen kan / wann er nicht vorher» sich durch die Demuth zu allertieffcst neiget/ wann aber solches geschehen ist / sodann steigt er empor ju allen hohen Ehren und Würden; allein _142 )§ > ___ allein gleichwie der Wasser-Amper so vis mahl / als er empor steiget/ auch so ch wiederum!) in die Niedere steiget / also so» der Mensch / so offt er durch höhere Ehr! empor steigt / wicderunib jedcsmahl / durch widcrholte Demuth/ sich in die Niedere Ich sen; wo nicht /so ist alles ein unbeständiges Weesen. Und warumb / O hochmütiger Menschi wilst du dich erheben? was bist du dann! nichts anders / als ein eytler Dampft'/ ein verschwindender Rauch/ ein schnell dahin sausender Wind / und ein Hand voll Erden/ ja noch vilweniger / nemblichen ein Hand voll Nichts. Und hast du dann schon vergessen/ daß der Hochmuth/ den allcrschön- sten Engel Lucifer/ zu den allerabscheulichsten Teuffcl gemacht hat ? hast du schon auß deiner Gcdächtnuß gelaßen / daß der Hochmuth diesen hoffärtigen Geist von dem höchsten Himmel/in die tieffeste Höllen gestür- yet hat ? O gehe doch in dich / und übe diese Himmlische Tugend der Demuth/ lasse dich in deinem hohen Stand und Ansehen nicht allein nicht davon verhindern/ oder abwendig machen / sondern vielmehr von _-r r( »4? ) k4-_ von demselben dich anspohrnen rechtschaffen demüthig zu seyn / dann die heilige Schufst sagt: Je höher du bist / je,netz- rer dich demürhige in allen Ointzen / so wirstdrr vor GOttGnad finden. Lccle. c. z. v. 20. Mcht und zwanzigster Wbsaß. Auff den acht und zwanzigsten Tag der Fasten. Iu vil ist ungesund. IMAnn ungesund ist es der Seelen / wann Moder Mensch gar zu vil gerad und auff- gereckr daher gehet / und sich vor der Geistlichkeit «nd Priesterschafft nicht neigen und bucken will. Warn mb? darum!) ; weilen es in Göttlich« Heiliger Schrifft anbcfohlen wird / dieselben in hohen Ehren zu halten / die Wort lauten also: Lörchre den HEr.'n von deiner gangen Seel / und halte seine Priester in Ehren. Lccle e. 7 .v. ZI. dieweilenfie Diener/ und Abgesandte deß allerhöchsten GOttcs seynd/ dieweilenfie von GQtt die Macht/ und und den Gewalt bekommen haben / dm Menschen seine Sund zu binden/ oder z» lösen / ja dieweilen sie das Wort GOttcj denen Menschen zu ihrem ewigen Seelen- Heyl fürttagen / und sie auff den Weeg d» Secligkeit recht führen und leiten; daher» sie dann auch verdienen über alles/und vor allen Menschen geehrt und hochgeacht zu werden. Es hat «her leyder schon indergantz« Welt der verfluchte Mißbrauch so starä einqerissen/chaß man die allerverächtlichst Persohnen / nicht so schmählich nenn« wird / als die Ehrwürdigste Geistliche / in- deine man sie mit dem Nähmen eines Pfaf- fcns titulieret/ welches in dem alten Testament zwar giltig war / anjcyo aber gang ungiltig ist / weilen es nur zur Schmach und Unehrvermeynet ist/ pfui der Schand! di« jenige also wenig in Ehren halten / welche von GOtt selbsten in so hohen Ehren gehalten werden / die jenige so verächtlich halten/ welche den höchsten GOtt alltäglich in der Helligen yosti / in ihren Hände» halten; ja die jenige für so gering achten/ welche vor GOtt so gewichtig geachtet werden. Ja/ _ -r;c 14; irr- _ Za/ja/es bleibtdarbey/derMenschsermag rin Kayser/ König/ Fürst/ Grass/ Freyhcrr/ Burger/ Bauer oder Bettler scyn ) ist schuldig/ verpflichtet/ verbunden die Geistliche undPriesterschafftzu ehren / sich vor ihnen zu neigen und zu biegen/ wegen deß hohen Ambts/ sosievonGOtt überkommen haben/da sic an statt GOttcs in dem Gericht- Stuhl sitzen/ und das göttliche Ambt verwetten / die Sünder zu gerechten Menschen zu machen; wer kan dieses sonst mehr thun? niemand; dann weder der Kayser / noch König / noch einig- anderer hoher Potentat kan dieses thun; dahero scynd sie mehr als Käyser/ König / und andere Potentaten. Die Geistliche und Priesterschafft soll man ehren/ es ist billich/ dieses haben ge- thanvil Kayserliche/ Königliche/ Fürstliche und fürnehme Stands-Persohncn / welche/ da ihnen ein Priester mit dem Hochwürdi- gen Gut / zu einen Krancken gehend/ begegnet ist/denselben in ihre eigene Gutschen gcsetzet / selbe aber zu Fuß mitgangen scynd/ und nachdeme sie das Hochwürdigste Gut dem Krancken gegeben / haben sie den Priester zu sich in die Gutschen genommen / dem- K sel» -r;c >46 )-»- selben den Sil) zur Rechten gegeben / üM also widcrumben nacher Hauß geführt. Die Geistliche und Pricsterschafft soll man ehren / es ist recht / geschicht es aber nicht / so ist es unrecht / dann sie auch mvg- jichist bemühet seyno/den Menschen (gleich einem andern Schutz Engel) zu leiten und zu unterrichten / wie er in der Ehr / in der Zucht und Tugend fort leben möge/ damit derselbe seine Ehr und guten Nahmen nicht mindere/sondern vermehre. Die Geistlichkeit und Priesterschafft muß man ehren / es ist gut / geschicht es aber nicht / so ist es nicht gut. Dann gleichwie ein grosser Herr ihme auff die höchste Weiß gefallen last / wann man seinen Bediente»/ wegen seiner grosse Ehr und Lieb erweiset; also lasset ihme auch GOttauft die höchste Weiß gefallen / wann man seinen Dienern/ denen Geistlichen und Priestern / wegen seiner grosse Ehr und Lieb erwcisst. Und gleichwie cs im Gegentheil einen grosser yerrn sehr verdrösset / wann man seiner Dienern nicht allein keine Ehr erweiset / son dem selbe nur schimpftet und verachtet / un! nimbt mancher Herr das Gute / und d« _ -rn »47 irr- _ ! Böse / so seinen Dienern begegnet? nicht ! anders an / und auff/ als ob es ihme selbst ' geschehete. Also ist es zwischen GOtt und . seinen Dienern/ den Priestern. Dahero mein Mensch! wisst du GOtt verehren / so ehre auch seine Priester und Geistliche/ als seine Diener/ dann also bezeugt es mehr- ^ mahlen die göttliche heilige Schrifft/ welche ^ Wort also lauten: Ehre GOrr von deiner ' tzantzen Seel / und ehre auch seine Pries . ster. Lccle. c.7. v. zz. ! Meun und zwanzigster Msatz. - Auff dm neun und zwanßigsten ^ Tag der Fasten. , Zu vil ist ungesund. ! E^Ann ungesund ist cs der Seelen/ wann ^ o>Ä der Mensch sich zu viel fron, und andächtig nur äusierlich stellet. Warum? „ darumb; weilen er dardurch zeigt / daß er » ein Gleißner ist/ dann die wahre Frommig« keit und Andacht verbirgt sich vor den ^ Menschen/so viel sie immer kan/ dieweil sie von denenselbigen auff dieser Welt/kein Mcs Lvb/ oder einigen Ruhm zu haben Ks vex- _ -r;c -«r )k»-' _ verlanget/ sondern will / daß es GOTZ! allein wisie und sehe / nicht aber die Menschen. Die gleißnerische/ erdichte/ und verstelte Frömmigkeit und Andacht aber/ will von allen Menschen gesehen und gelodet werden. O Meißner! du gleichest gantz einer Schwanen/welche blühwciffe Federen/ und «in Kohl-schrvaryes Fleisch hat; Dann du scheinest mit deinem Wandel voller Unschuld/ und bist doch voller Sünden- Schuld; Du gleichest einem Pelican / welcher seine Flügel außbreitet/ und sich stellet / als ob er wolte in alle Höhe aufjlü- gen / und verbleibt doch allzeit in der Nid«/ dann du breitest auch deine gute Werei auß/ und stellest dich/ als ob du gleiche» den Himmel weitest aufflügen / und darneben verbleibst du allzeit in der Nid«/ dieweil du deinen Lohn auff der Niderr dieser Erden suchest,- Du bist/ wie einver- goites Feur-flammendes Hertz / weichet schön glantzet / flammet und scheinet / wan» man es aber entzweyschneydcnsolte/w» de man inwendig nichts anders / als s druckenes Hvltz finden/ dann du i» !- !k r I- b i- v kj -r;c>k^ dich / als ob dein yertz voller Gold der reinen Liebe GQttes scyc/ und darinn brin- ne und flamme/ wann man aber dasselbe eröffnen solle/ wurde man in demselben nichts anders / als ein trockene und höltzer- ne Liebe finden. Ja / du bist/ als wie ein mit vielen schönen Blumen besteckt-und geziertes Todten-Grab/ welches / so man es eröffnet / inwendig voller Würm / Ge- stanck/ und dürrer Beiner ist. Dann dn äußerlich mit schönen Blumen allerhand Lugenden gezieret scheinest / und einen lieblichen Geruch von dir gibst / innerlich aber voller Gestanck/ Wust/ und Koch der Sünd und Laster bist. Gehe nur hin mein Gleißner / und unterstehe dich/ GOtt zu bekriegen/ schaue sodann / was dir darfürzum Lohn werden wird. Daß du Menschen bekriegest / ihnen einen blauen Dunst vor die Augen machest/ sie mit deinem falschen Schein blendest/ das ist ein leichtes; Aber/ daß du dich auch unterstehen willst/GOtt selbst zu bekriegen/ ach! das ist schwär und zn grob / und darff dir solches einmahl zum allerschwäresten fallen / wann dein Gleiß« Kz ne« 15 « ) 5 ^- nerey / dein Blendercy / am allgemeinen Gerichts-Tag/vor GOtt und der Weit wirdSonnen-klar offcnbar/und von GOtt streng gerichtet werden. Das alte Sprüch-Wort ist: Trau; «bei schau wem! Getrauest du dich/durch dein verhüte Gleißncrey so viel Betrug anzu, kifften / so schaue/ wem du bekriegen wiist/ kombt es gar zu GOtt / O! so fehlest d» gar weit. Ach!traue nicht / dann GOtt stehet alles; trau nicht! dann GOtt höret alles; trau nicht! dann GOtt weiß alles; ja/trau nicht! dann GOtt strafft alles/was nicht durch die Erkandtnuß der Sünden/ durch Bereuung der Sünden/ durch Verlaffung der Sünden/und durch ein warhafftc/aussrichtige Buß auffgehebt/ und gebessert wird. Dahero mein Meißner! ziehe ab dm Schleyer der Verhillung von deinem Gewissen/und stehe bloß da / laß dich sehen/ wie du warhasstiggestaltet bist/und nicht/ wie du durch dein Gleißnerey dich verlor- vest; Herunter von deinem Haubt mit dem Schein der Schcinheiligkeit/ bestrahl vielmehr dasselbe mit Aschen der Gedacht- nuß deß Todts/damit dir ein so falschcZier- de mißfallen möge; Ja/ stelle dich äußerlich miffrichtg/ unvcrfäljcht/ unbctrogen / und wie du inwendig bistwarhafftig vor GOtt/ und dem Menschen/bekriege nicht die Menschen/ daß sie von dir mehrcr halten/ als du verdienest / hast du was Gutes an dir/ behalte dirs/ und verdecke dasselbe mit dem Mantel des Stillschweigens/ lasse nichts davon hören oder sehen / GOtt / der dirs belohnen wird / stehet es gleichwohl / hast du aber nichts Gutes an dir / so dichte dir selbsten auch nichts Gutes zu/ gcdcnck/ daß GOtt nicht könne betrogen werden/ und / daß es eine gefährliche Ungerechtigkeit seye / GOTT / und den Menschen bekriegen wollen. Aber / so du dich von dieser deiner Ungerechtigkeit bekehrest / so soll dir dieses zum Trost seyn -/ was in Göttlicher heiliger Schrisst geschrieben stehet: vom Bösen abweichen /ist dem HErrii wohlgefällig/ und die Ungerechtigkeit verlassen/ ist ein Gebert für die Sund, Lccl. o.z;. v.§. K 4 Dttys- -r;c r?» )rr- ?reyssigster Absatz. Auff den dreyffigsten Tag der Fasten. Zu vit ist ungesund; IMAnn ungesund ist cs der Seelen/ wann «LUder Mensch zu vil gedenckr / wo er hingehen will/ und zu wenig gedencktt wo er hingehet. Warumb? darumb; dicweilen er.nurgedencket/ daß er zu ein» Mahlzeit/ zu einen Spiel / zu einen Tantz/ zu einer Kurhweil/ zu einer vcrbottenen Lieb / oder zu einer andern Verrichtung/ der zeitlichen Güter betreffend/ hingehe/ und aber nicht gedencket / daß er in den Todt gehe. Dann in einem jeden Jahr/ in einemjcdenMonat/in eincrjedcn Wochen/ in einem jeden Tag / in einer jeden Stund/ ja in einem jeden Augenblick / in dem er lebet/ da gehet er naher zu den Todt/ und in Len Todt/ von dem Todt zu Len Gericht / und von dem Gericht / zu der Ewigkeit/ unwissend / ob sie glückseelig / oder Unglück seelig scyn werde. Wo gehest du dann hin O Mensch.' sage her! gehest du zum Himmel / oder zur ^)oll» -r?c -5? )?»- Höü ? durchschaue und erforsche deine Merck / ob sie Himmels: oder Hollen würdig seynd? und so du das Letztere findest / ach so gehe noch diesen Augenblick von dem Unrechten Weeg/ welcher dich zur Höllen führet/ hinwcck/ und gehe auffden rechten Weeg/ der dich zum Himmel führet/ dann warhafftig! du kanst es nicht wissen/ in welcher Stund / oder in welchem Augenblick du von dem grimmigen und »»versehenen Lvdt ergriffen werdest. Villeicht in dieser Stund / in diesem Augenblick / da dn dich mitten in dem Zohrn / in der Rach/ ' und in dcrFerndschafftgegen deinenNäch- ^ sten befindest. Villeicht in dieser Stund/ : und in diesem Augenblick / da du mitten in ! Hoffart / in der auffgcblasenen Weiß / und ' in der Verachtung deines Neben - Men- ^ schens dich befindest: Villeicht in dieser > Stund / und in diesem Augenblick / da du l deine Hand in das ungerechte und frembde ^ Gut hinein steckest / dasselbe an dich ziehest/ - und einen oder mehr Diebstall begehest: Villeicht in dieser Stund / und in diesem Augenblick / da du auß Geitz/ bey deiner : Geld - Truchen sitzest / dein Hertz daran ' K 5 hcn« _-ttc »54 )k*-____ henckest/ und nichts weniger / als daffch zu verlassen gedenckest: Villeicht in dieser Stund / und in diesem Augenblick / di du vor Neyd und yaß gegen deinen Nach! sten brinnest/ als ein Löw / demselben mW Gutes vergönnest / sondern ihme nur alles Böses wünschest: Villeicht in derselbe« Stund/ oder in demselben Augenblick / d« du durch Fraß und Füllerey deinen Leil anschoppest / deinen Magen überschwemmest/ und deincVernunfft durch die Tr« ckenheitvöllig verlichrest / mithin dich gleich samb einem Vieh ähnlich machest: Villeicht in der Stund / und in dem Augenblick / da du dich als wie ein Schwein in dem Last« Der Unlauterkeit und Geilheit umbwaliM Villeicht in der Stund/ und in dem Augenblick/ da du mitten in einer andern schwam Lodt-Sünd dich befindest. Wehe! und immer wehe dir du Armsceliger! wohin wirst du sodann gehen? Ach leyder! von dem Lobt zum Gericht/ und vom Gericht in dir imglückseelige Ewigkeit. Daher» mein Mensch! gehe! gehe / wo« hin aber? in dich selbsten/ erwöge/ erforsche/ und durchsuche deine Gedancken, deine Wert I _-i?( -55 Wort / und deine Wcrck / zehle deine böse Gedanckcn / und du wirst deren eine fast unendliche Zahl finden. Zehle deine böse Wort / und du wirst deren eineerschröcklich- grosse Anzahl finden. Zehle deine böse Wcrck/ und du wirst deren mehrer als zuvil finden / ja mit Wenigen vil gesagt / zehle dein Thun und Lassen / Handel und Wandel / durchsuche dein gantzen Lebens-Lauff/ so wirst du gar vil Böses / wenig aber / wenig / oder villeicht gar nichts Gutes zu zeh- len haben. Wo gehest du dann hin? oder wo wilst du dann hingchen r du wirst antworten: ich will in Himmel gehen. Glaub dirs/ dann deren seynd mehrer gewesen / welche gern böß gclebthätten / und gern gut gestorben wären / aber das kan nicht seyn / ge- schicht auch solches gar Wunder - selten / und zwar nur auß einer absonderlichen Gnad / welche GOtt nicht einem jeden zu geben schuldig / und sich auff dieselbe gar nicht zuverlaffen ist. Dahero mein Mensch! spiele du das Gewissere/ und verlasse die Ungewißheit; das Pr gehe du den Weeg / wohin du sicher gehen/ >r;c 156 )'-r- _ hm / und kommen kanst / und nicht den jeni- gen / der dich von dem rechten und sich« Weeg abführct. Ihrer vil / ja Icyder / n« ihrer gar zu vil seynd in deme verführt / und «uff ewig betrogen worden / da sic nicht de» rechten Weeg / wohin sie gehen sollen/ sondern nur, wohin sie gehen wollen, nachgefragt / und gewandlet haben / der Irr- Weeg seynd vil, der Verführungen / und Anfechtungen seynd auch vil / daher» braucht es wohl Aufffthens, das; man nicht «inen Seyten- Weeg antrette, sondern/ daß man den rechten Weeg wandle / welcher zur glücksccligen Ewigkeit führet. Ja rs braucht auch Bettens, daß man den rechten Weeg erkenne. Es braucht auch Wachens / daß man den rechten Weeg zu wandten nicht Verschlüsse / sondern zeitlich und früh genug anfangc, auff demselben fort z» »vanoeren/ ehe daß die Mörder, die böse» Feind / den Paß verlegen, welche sich möglich bemühen den Menschen zu verhindern ( durch allerley Anfechtungen zu Sünd und Lastern) daß er nicht den rechten Himmels- Weeg finden und wandlen möge. D« «her mein Mensch laß dich nicht abwendig - mache» !57 machen dahin zu gehen / wohin du sollst / nemlichen auff den rechten Weeg zum Himmel; Ja nehme dir dieses zu einen noth- ivendigen düL. was der heiligeApostel Petrus zur Wahrnung hinterlaffen/ da er sagt; GeM nüchrerund wacher/ dann euer N)iedersacher der Teuffel gehet herümd/ wie ein brüllender Löw / und suchet/ welchen er verschlinge, ker. i. c. v. 5. oder/ wachet und bettet/ dann ihr wisset weder Tag noch Grund. Win und dreyffigster Wbsatz. Auff den ein und dreyssigsten Tag der Fasten- Zu Vit ist ungesund. Mnii ungesund ist es der Seelen / wann cherMensch zuvil seinemwillen nach- lebet / ünd dem Göttlichen Willen zu wenig nachstreber. Warumb? darumb; weilen der eygne Willen in die yöll/ und der Göttliche Willen in den Himmel füh« ret. Und dieses ist so klar / als der Son- nen-Schcin; weilender eygene Willen böß/ Asch, MM falsch/ betrüglich/ verftihrlich/ und der See. lrn höchst schädlich ist; der Göttliche Mli len aber gut auffrichtig / gerecht / wachch tig / und der Seelen höchst nützlich ist. O mein Menschso folge dann nicht zu vil deinem eygnen Willen / sondern überlas je/ übcrgibe / und scheneke denselben gantz und gar/ vhneAußnahm/ oder allergering, sten Zuruckbehalt dem höchsten GOtt/und glaube nur sicher und gewiß/ daß du dar. durch nicht allein nichts verliehrcn / sondern vilmehr alles ( nemlichcndie ewige Seelig. kett) gewinnen werdest/ dann GOtt sihet und weiß alles / was dir nützlich und schädlich ist / welches du nicht weist / und gar leichtirren/und auffcwig fehlen kanst. Da. hero fange von diesem Augenblick an / dich GOtt selbst zu widmen / und gantz und gar inden Göttlichen Willen zu ergeben. Der sich vollständig in Göttlichen Willen crgibet/ der hat alle Lugenden an sich/ dann Er will/ was GOtt will/ und will nicht/ was GOtt nicht will: Er haltet sich unwürdig alles Guten; er schätzet sich wcrth alles Übels; er ist behend ausf alle Befehl; er umbfanget alle schwäre Am _- N( I?Y ) k» > _ liegen / die ihm von GOtt zugeschickt wer- -cner liebet alle Trübsalen / als ein von GOtt ihm zu Guten gemeintes Pilierl/ mit dem Gedancken: GOtt ist der Allermeistste /Er weiß was mir nutz ist; GLtk ist der Allergütigste / Er weiß wvs mir gut ist,- GOtt ist der Allsthende/ er stehet in mein Hertz/ wie ich mich in seinen heiligen Willen ergib; GOtt ist der Allergerech- tiste/ dahero darffich mich keines Unrechts beklagen ; GOtt ist der Allermächtigste/ darum kan er mir in allen meinen Anligen helffen ; GOtt der istderAllergedultigste/ dahero muß / und kan ich auch gedultig seyn; GOtt ist der Allerreichiste/ dahero wird Er mich auff ewig reich machen / ja GOtt ist der Unaußsprechlichste / dahero werde ich mit Ihm unaußsprcchlich glück- seelig styn. GOtt liebt mich/ also will ich Ihn wie« derumb liebcn/Er ist mein HErr/ darumben kan er mir aufflcgcn/wasErWill; Er ist mein Erschaffer / dahero bin ich / als sein Geschöpff/sein eigen; Er ist mein Erhalter/warumb soll ich umb etwas sorgen; Er ist mir alles in allen/so habe ich dann alles _ _°nc -So )?z- _ in allen. O mich glückseeligcn Menschen! daß ich / da ich alles (nemblich meinen eigenen Willen) austgeben/nun alles in allem gefunden habe. So will ich dann hinführo nicht ohne Ergebung / und Vollziehung des Göttlichen Willens scyn / weilen ohne dies» nichts gut / noch verdienstlich seyn kan/ ja weilen ohne denselben weder Frucht noch Lohn kan gefunden werden / sondern ich will alles schwarcs mir Zugeschicktcs/nach dem Göttlichen Willen/großmüthigan- nehme»/ weil die Ergebung / und Vollziehung des Göttlichen Willen / ist die Leiter Jacobs zum Himmel ; der Thron der Weißheit; der Triumph-Wagen unsers Hcyls ; der Fahn des Glaubens ; ein Zeichen dcrAußerwöhlten; ein Ursprung aller Gnaden/ und das kunäamemder ewigen Seeligkeit. Dann GOtt will nichts anders / als mich seelig zu machen / wann ich dann allein will/ was GOtt will/ss bin ich meiner Seeligkeit schon vergwiffet. j O grosser GOtt! ich bette deinen hri- ligen / gerechten/ und beliebigen Willen an/ und will (mit wenigen viel gesagt) was d« _ -r?( -6 i irr-_ du willst/ auff immer und ewiglich/diewei- kn du gesagt hast Nicht ein jeglicher der zu mir sagt: -ZErr! AErr r wird zum Himmelreich eingehen; sondern/ wer den Willen meines Varrers thür/ der im Amme! ist/der wird züm Am- melreich eingehen. c.7. v. 21. Uweyund dreyffigfter Wbsatz. Auff den zwey und drcyffigstm Tag der Fasten. Zu vil ist ungesund. ungesundist es der Seelen /wann s« der Mensch dIL. zu vil leere Einbildungen har. Warunid? darumb; weilen er offt durch ein leere eingebildte Sach / von etwas Guten abgehalten wird. Mancher bildet ihmc ein/ wann ich heunt nüchtern/in so ungesunden und kalten Wetter soll in die Kirchen gehen / beichten und communiciren / so müstc ich crkrancken / will es also lieber unterwegs lassen. O leere Einbildung! welche der Seelen ungesund ist/ dann/ wann du gach sturbest/ wie wur- L dr -«;c Aide es sodann seyn? wäre es nicht besser gewesen/von schlechten Wetter/ und Fasse» ein wenig übel auff werden / und sich mit dem höchsten Gut versehen / als hernach ohne desselben ingäherKranckheit sterben? Ein anderer macht ihme die leere Einbildung/ daß/ wann er solte zu einen Krane cken gehen / ihn besuchen / so möchte er auch dieselbe Kranckheit erben / und selbstm cr- krancken/ westwegen er das gute Merck z» thun unterlasset. Ein anderer macht ihm die leere Einbildung / daß / wann er dem» Armen zu vil gebete/ er selbst erarmen möchte/ da doch das Allmoscn geben ein rechtes Capital ist/ welches ein grosses Interesse/ sowohl hier zeitlich / als auch dorten ewig eintraget. Ein anderer macht ihm die leere Einbildung / daß / wann er sich zuvil de- müthiget/ so möchte er von denen Lcuthcn zuvil verachtet/und zuwenig geehrct und erhöhet werden/ da doch nur dieDemüthi- gen von GOtt erhöhet/ und die Hochmü- thigen ernidriget werden : Ein anderer endlich bildet ihm ein / es stehe ihm dieses und jenes Unglück und Übel bevor/ bekümmert sich unnöthiger Weiß/und wirddarü- der so kleinmütig/ daß ihm aller Lust zum Betten / und allen andern Guten verge- het/ durch welche leere Einbildung er nicht allein seiner Seelen / sondern auch durch endliche Vcrliehrung seiner Gesundheit / seinem Leib schadet / und worzu ist diese Einbildung vonnöthen? zu nichts andern/ «!s ihm selbst zu schaden. Oeinbilderischer Mensch.' lege doch von d>r deine leere Einbildungen/ und lebc dar- für getrost. Die Kunst bestehet in dem: Brauche das Liecht der Vernunfft/ und zäume deine Einbildungen / die dir unnötig seynd. Dann alles / was du leydest / oder erst zu leyden förchtest/ das kombt dir anß purer und blosser Einbildung her / laß dir die Vernunfft an statt der Sonnen scheinen/ sb werden dir alle deine dicke und finstere Nebel der leeren Einbildungen vergehen. yöre/ was dein Vernunfft dir sagt: Bist du traurig und förchtest ein znkünffti- gesUbel/ so bist du wohl recht unverständig/ weil du das Übel vor der Zeit herzu ziehest/ dich zu quälen und zu peynigen; bildest du dir aber die Sach / welche schon geschehen ist / so gar zu schwärlich ein/ so thust Ls du _ -r;c -«4 _ du auch ungescheyd, weil dieselbe ja nicht mehr zu änderen/oder zuruck zu nchmen iß, Die Noth kan und muß alles zur Tugend machen / wann die Sach schon geschehen ist; aber wegen leer eingebildeten Dachen/ also mit Trangsaligkeit gemartert wolle» werden / ist in Warheit närrisch gehandlch warumb will man ohne Ursach also armsee, ligseyn? Es ist vil dapffercr den eingebildete» Schmcryen von sich treiben / als warten biß er selbstcn hinweck gehet. Alle Übel werde» durch die Einbildung vermehret / und mr- gröffert/ dieSündaußgenommen/ (welches das Allerrgröste unter allen Übeln iß) dann diese durch die Erinnerung und Einbildung ihrer Grösse/ zur schmeryliche« Reu und Leyd/ und sodann zur völlige» Außtilgung gelanget. Willst du nun/ O einbilderischer Mensch! von deinen leeren Einbildungen bcsteyil seyn / so gcdencke nickt zuruck an das M gangene/ was dir keinen Nutzen bring!! srhe nicht vil auff das Künfftige/ wann ei nicht noth ist/ und lasse dich das Gegenwärtige (weilen es gegen der Ewigkeit H einAugenblickist)nichtzu vil verdrüsstg und kleinmüthig machen. Endlichen / wann du dann so gar durch leere Einbildungen dich abquälest/ und dich Trost-loß befindest/ so laust zu JEsu / er wird dich erquicken/ der alle Trostlose tröstet/ wie er selbst gesprochen: Ich will ihrTratiren m.^rcud verkehren/ und will sie rrysten. herein, c.ze. Nrey und dreyffigster Wbsatz. Auff den drey und drcyffigsten Tag der Fasten. Zu vil ist ungesund. Z^Ann ungesund ist es der Seelen / wann der Mensch zu vil und unordentlich traurer. Warumb? darumb; weilen alle Bctrubnuß und Widerwärtigkeit der See* «n nur zu Nutzen / und nicht zu Schaden von GQtt zugeschickt werden. Nutzen sie Mn dem Leib nicht / so nutzen sie doch der Seelen. Durch die gar zu vile undunmäst M Traurigkeit aber / wird der Nutzen und Verdienst der Seelen gemindert und be- vviMicii / wann der Mensch nicht freudig L z alks i' !> N -4?c 1S6 )-r- _ alles von GOtt annimbt. Dahero mm Mensch! rede dich selbsten also an: Mein tvarmnb betrübest du dich so vil ? dises M ist kein Übel / sondern ein Abhaltung v°» dem ewigen Übel der Höllen, Diser Schlv den ijNein Schaden / sondern dein gröstei Nutzen / daß du nicht auff ewig an dein« armen Seelen Schaden lcyden darst-st Dise Verachtung ist dein gröste Beförderung zur Demut/ damit du nicht hochim, tig Werdest. Dieses Unglück ist dein gch stcs Glück / daß du das zergangliche Wclb Glückerkcnnest/ und dickdaraussnichtvm lassest: dieser unvermuthcte Zufall ist d« beste Aiitribhinfürofursichtig zu seyn: die Widerwärtigkeit ist der beste Vorbei! künftiger Himmels-Freud : diese Armch ist die Vcrgwissung der ewigen Reichthu- men indem Himmel. Dann sitze / GOt! will dich durch diese Mittel von der eytlm und sündigen Welt abziehen/ und in d« Himmel einführen. Dahero traure nicht za vil / und zwar nicht mchrer/ als du seist; Massen dir GOtt dieses Weit-Leben wist bitter und zuwider machen / damit du das himmlische Leben desto lieber suchest: G >r;c >67 _ will dir das Zeitliche crleydm: Er will die das Himmlische zu verkosten geben: Er will daß du ein heiliges Leben führest: Er will erfahren/ ob du ihm ohne Trost kanst dienen: Er will rin Zeichen haben deines Fortgangs in Weeg der Vollkommenheit: Er will dir Gelegenheit geben zur heroischen Lugend; Dann es ist kein Kunst GOtt zu dienen / wann es kein Unglück regnet/ wann der Himmel voller Geigen ist / und bas Hertz in himmlischen Trost schwimmet. Gedencke/ was dieses vor ein Traurigkeit muß gewesen seyn / da Christus seinen him- lischen Vatter gebetten bat- Vatter ist es möglich / so gehe dieser Kelch von mir. Da- hero vereinige deine Verlassenheit mit die/ ser/ und traure nicht so unmäßig. Nach dem Regen folgt der Sonnenschein; nach der Nacht folgt der Tag/ und nach den Bösen folgt das Gute / es bestehet auffder Welt nichts ewig/so danket auch eine Sach nicht lang/daß es sich nicht widerumb verändere/ wie du es wol selbsten öffters wirst erfahren haben. Ist das Übel / so dich traurig macht/ klein/ s» kanst es ja a«ßstehen,und übertragen? L4 M ' > ... 'i ^ _ -r-c iss >k»- _ Ist cs groß / so kan es nicht lang daurenf Alle gar grosse Schmeryen haben dises/ daß sie nicht lang können damen/ Weiler sie entweder die Empfindlichkeit / oder das Leben nehmen / so leydet auch die Zeit selbß den Schmertzen/ länger kan es nicht danken/als das Leben. Gedenck nur an die ewige Freud/so wird dir gar bald dein unmässige Traurigkeit gemässiget / und vertrieben werden; dann die Hoffnung eines so grossen Guts/ vertreibet alle grosse Traurigkeit. Wann du die Belohnung betrachte» willst/ so ist alles zu wenig / was du leydest/ wann die Sec! mit GOtt vereinigst ist/ und sich auffhaitet in ewigen Sachen / da mcrcket sie des Leibs Mrihsecligkcit wenig/ es ist Trost genug / daß sie weiß / daß die Betrübten und Traurigen seelig seynd/und daß der Himmel eine Erbschafft derselbe gen ist. Willst du nun von aller Traurigkeit loß/ ledig und bestehet seyn/ so liebe nichts ausser GOtt; suche dich nicht selber; binde dein Gemüth an nichts Geringes; habe keine eitle Gedancken; hange nicht zu viel an de- ^ . _-«c i«9 >rr- _ denen eitlen Geschäfften; erfülle^ nicht deine einfallcnde Begierden ; eröffne dein Hertz nicht dem Aeufferlichen/ thejledcin Hertz nicht mit einem Menschen; vermenge deine geistliche Gedancken nicht mit denen indischen / so wirst du gleich Trost > haben. Wilst du dann ohne einige Traurigkeit leben? Es kan wohlseyn/auch mitten unter denen Trübi'alen/ setze nur deine ^ Hoffnung auffkeinen einigen Menschen/ > sondern nur allein auffGOTT. Diesem klage deine Noch mit kindlich,'»Vertrauen; von diesem begehre Hülff und Rath / und bcy diesem verharre unabweichkich / und gewöhne dich mit GOTT in deinem Ge- ^ müLh allzeit versamblet zu seyn. Erhebe , dich des Tags (jedoch ohne Kopffbrechung) ! so offt du kanst/ mit deinem Gemüth zu dem Himmel / mit rechten Eyffer und Verlangen / alldorten deine Wohnstatt zu nehmen/ so wirst du finden / was du verlangest und suchest. Endlichen ist es einem weisen und verständigen Menschen eine Schand / nicht wollen auffhörcn von Trauren/ als biß er selbst von Wcynen müd wird. Daher» L 5 mein 17° )r r-_ -nein Mensch ! wirst du von einer unov deutlichen / oder unmafflgen Traurigkeit überfallen / so ergreiffe und brauche das Mittcl/so der heilige Apostel Jacobusgibt! Ist einer auß euch traurig / so verfüge «r sich zum Geberr. Lpist.v. ig. zier und dreyssigstekWösatz. Auff den vier und drcyssigsten Lag der Fasten. Zu vil ist ungesund; >Ann ungesund ist es der Seelen/ wann sich der Mensch zu vil vor dem Lreuy und Leyden scheüher and forcht«. Warumb? darumb; weilen das Creutz und Leyden der sicherste Weeg zumHimel ist. Der Mensch kan nicht ohne Creutz seyn/ wann er aber ohne demselben ist/ so ist er nicht auff dem rechten Weeg der See- ligkeit- Christus muste leyden / und also oingehen in sein Herrlichkeit. Wie woltest dann du/O Mensch/ ohne Creutz und Leyden seyn / da du ja auch verlangest / in die herrliche Freud -es Himmels einzuge- hen? _ -r;< -7- )rr- _ . hm? So nimedann dein Crcutzauffdich/ und zwar dasjenige / welches dirGOtt/ zu Erwerbung deiner Secligkeit/ auffgele- gct hat. Behalte dassclbige mit Lieb und Freud/dicweil es dir von GOtt kombt/ und begehre kein anders. Kein Crem; ist schwüler / als das jcnige / welches man zu fliehen suchet/ und keines ist leichter/ als das je- I nige / welchem man mit Freuden zugehek. Du findest doch kein Tauglichers für dich/ als dasjenige/ so GOtt dir aufflegt/uird wann du schon dieses von dir zu schieben suchest / wirst du doch nichts anders vermögen / als daß du dir ein noch vil schwereres zudcreitest. Ohne Creuy ist kein Mensch/ eines must du tragen/ du kanst ihm nicht entgehen / behalt lieber / was GOtt gibt/ Er weiß schon/ was für dich tauglich ist. Ziehe nur die breite und weite Welt auß/ so wirst du Creuy genug finden/ so wohl bey Führnehmen / als Gemeinen/ sowohl bey Reichen / als bey Armen / so wohl bey Manns-Persohnen / als bey Weiblichen Geschlecht. Dann / weil der grund-gütige GOtt will / daß alle Menschen seelig werden sollen / so hat Er auch allen «mb ein Creutz geschanet. Das "i ^4 : ^ ' 1 ' 4 '''4 ''4 ^. 1 '« —_ -rrc r?» >rr-____ Das Creutz bringt die beste'Frücht/ und ist allen über die Massen nützlich; dann es ziehet den Menschen von denen Geschafften zu GOtt; eszerstöhretdasüble I sündhasste Leben / und machet Verlangen; nach dem ewigen; es macht einen Grau,' sen ob den Lastern / und haltet dem Menschen seine Begierden in Zaum; Es tilget auß die bösen Gcwonheiten/und löschet auß die Sünden; es machet einen Verdruß ab dem bösen Leben/ und bringet einen Lust gut zu sterben: Ja/es machet den Menschen gleichförmig Christo / und machet ihn thcilhafftig seines Kelchs. O was ist das für ein Ehr/ mit Christo am Creutz hangen! dahero ist nichts bessers/ als leyden; es ist nichts heylsamers als leyden; ja/ es ist nichts nothwendigers/als leyden. GOtt der HErr straffet die/so er liebet/ und verschonet die Ruthen nicht an seinen Kindern: Wann er dieselbiqen züchtiget/ ist es ein Zeichen / daß Er sie zum Himmel gut erziehen will / wann Er aber die Züchtigung unterlasset / ist es ein Zeichen/ daß Er sie nicht liebet. Mancher Mensch (wie man es osst höret) pflegt _- N( >7? )? r-_ pflegt zu sagen? O wie hat sich GOtt so gar über mich erzürnet / wie schickt er mir jo gar ein schweres Creutz über das andere/ und weiß doch nicht/ mit was ich solche ! Straff solle verdienet haben? O einfälti- , ger Mensch! du fehlest gar weit mit deinen Gedancken / von denen Göttlichen / du vcr- > stehest und weist nicht die Weiß und Manier deß himmlischen Vattcrs. Erzürnet nicht / sondern ist allermeist dir mit Lieb zu- gethan / wann er dich also heimb suchet. GOtt ist niemahlen zorniger / als wann er sein Creutz von dir abziehet / und dich ohne Creutz leben lasset. Dahervsolstduauchnic- ^ mahlen mehrer mit Trost überschüttet jeyn/ ^ als wann du mit Creutz beladen dich be« I findest / in Betrachtung/ daß wann GOtt i straffet in der Zeit/ in dieser Welt/ so ver- ! schonet er dorten in jener Welt/ in der Ewig» ! keit / und wann dich GOtt heimsuchet mit , dem Creuy / so sucht er dich heimb mit der ! Gnad/ daß du es übertragen kanst : Er , wäget das Creutz schon nach deinen Kläfften und Vermögen/und legt dir nicht meh- ! rer auff als du mit seiner Gnad gar wohl ! ertragen kanst. Die _- r?c 174 )! 4 -_ Die Gnad GOttes ist der allersüsscste Safft/ dir dein bitteresCreutz zuversüssen: als an welchen er dir nicmahlen manglen wird / so lang du in dem Creutz seyn wirst. Wann du GL kt zu Lieb gedultiq ley- dest/ so ist dein Creuy nicht hart / sondern leicht und ring / wann du aber mit Unge- dult lcydcst/ so wird es dir schwer und un- leydentlich : O wie vollkommen ist ein ge- dultiger Mensch! alle seine Übungen seynd Helden - mäffig / er glaubt GOtt liebt ihn/ und fehlet auch nicht: Wann er geplagt wird/ so haltet er es für einErgetzlichkeit; wann er mit Gcifilcn geschlagen wird / so hofft er/ wider aller anderer Hoffnung / daß ihn GOtt in Gnaden ansehe; wann er scheinet in Grund gedruckt zu werden / so richtet er sich empor; wann er allenthalben angcfochten wird / so stehet er ruhig da in allen Begebenheiten; wann er von Betrübnuffcn/ als wie von Wirbel-Wind/ hin und her getrieben wird / so bleibt er dan- noch beständig : wann er von vilen Bemühungen und Arbeiten schwitzet/ bleibt Er dannoch unverdrossen; wann er in der Kranckheitfast verschmachtet/so stärckcter _ -r-c >74 )?r-_ sich mit dem beliebigen Willen GOttes; ja kurtz! er liebet GOTT so wohl in dev Verlassenheit / in der Kranckheit/ in der Verfolgung / in der Anfechtung / und in allen Creutz und Leyden / als in dem höchsten Welt-Glück geschehen könte/ und- äffet/als ein gehorsambes Kind/seinem liebsten himmlischen Vatter/ die Straff-Ru- then. O höchste Tugend! O reicher Gewinn ! O höchst nutzbarer Gewinn / das Creutz und Leyden recht zu lieben wissen. Daher» mein Mensch! förchte dich hin- füro nicht zuvil vor demCreutz und Leyden/ - damitdu eines so grossen Gewinns/der dir - darauß entstehet/ nicht beraubet werdest/ sondern strecke deine beyde Armbcn nach denselbigcnauß/ und umbfange dein Creutz mit Freuden / trage es mit Gedult / und liebe es wegen GOtt/ und wegen deiner See- ligkeit/ so wirst du den Nutzen darauß schöpffen / welchen unzahlbare Menschen darauß geschöpftt haben / verzage nicht/ wann cs dich zuschwar gedunstet/ und ver- meynest zu unterligen/ so lauste zu JEsu/ ^ der gesprochen hat: Lommerallezumir/ j die ihr mir Mühe und Arbeit beladen seyer/ -4Z( r?6 ftyer/und ich will euch erquicken. Uanli. c.u.v. 28. !ünff und dreyffigster Wbsch. Für den fünff und drryffigstcn Tag der Fasten. Zu vil ist ungesund. Mnn ungesund ist es der Seelen/wann der Mensch zu vil öder ein kleines Lepd / über ein kleines Unglück / über ein kleine Branckheir/ sder über ein kleine Verfolgung zaghaffr wird. Warumb? darumb ? weilen alles nur ein kleine Zeit auff dieser Welt daurct; sodann muß alles Böses vergehen/ auffhören/ und ein End nehmen. Dieses verursachet / daß so vil fromme und heilige Leuth sich in die wildeste Wösten / in die strengeste Clöster und Orden hinein begeben / darinnen die allerstreiigeße Buß-Wercküben/ ihnen nichts Gutes zulasten/ sondern in äußerster Strenqigkeit fortfahren / allein in Betrachtung/ daß alles auffdiescr Welt kurtz und klein fcye. 177 _. - Za/ es wird kein einiger solcher sich be- klagen/ daß bcystrenger Fasten/ ihn der Hunger plage; bey schlechter Bekleydung/ die Kalte brenne; bey grossen Feuer/ die Hitz ihn verschmachten mache; bey vielen Wachen / der Schlaff beschwäre; bey vielen Knven / die Knye verletze; bey vielen Peitschen / der Rucken wehe thuc / noch bey allen anderen Buß - Würckungen / der Leib zn viel gemartert werde / sondern in Betrachtung / daß alles klein / kurtz und leicht seye/ übertragen fie alles mit willigcnStillschwei- gen/ wohl wissende / daß es gar zu wahr seye/ was der Apostel Paulus sagt: Las Augenblicklich- und Geringe unserer gegenwärtigen Trübsal! / schaffet ein ewige/ und über alle Maß wichtige Herrlichkeit in uns. 2.0orim. c.4. v. 17. Er nennet diese gegenwärtige Trübsall/ augenblicklich / und thut auch recht daran / dann auch unzahlbare Jahr / gegen der Ewigkeit gerechnet/ nichts anders / als ein Augenblick seynd. Als Christus der HErr seinen lieben Jüngern andeuten weite/ daß er bald von ihnen gehen/ und in den Himmel fahren M wm- > !-. ß _ wurde/ sagte Er zu denenselbigen: Uber ein Meines werdet ihr mich nichr sehen/ über ein Rleines werdet ihr mich wide- rumb sehen. Zoan. c. i6.v. 16. Ob um gleich die liebe Apostel einer von dem ander» vil Jahr nach Christi Himmelfahrt gelebt/ und gelitten haben / nennet doch Christus dieselbige Zeit nur ein Kleines / welches dann auch gar wahr ist/ daß das jenige Leben und Leyden auff dieser Welt klein sey/ gegen dem ewigen Leben / und ewigen Freuden in der Seeligkeit. O mein Mensch! erwöge/und betrachte doch wohl/ daß alles Leyden dieser Welt klein und kury sey; erwöge und betrachte aber auch zugleich gany wohl / daß alle Freuden und Glückseligkeiten auff dieser Welt / gantz klein und kürtz seyn/und traue keiner Freud / dann auffklrine Freud/ folgt vfft ein langes Leyd. Traue nicht der Weißheit/ sondern erwege/ daß der aller- weiseste König Salamon/ über ein Kleines sehr unwciß worden ist / indem« er auß Lieb der Weiber thorrecht wider GOttgehand« let hat. Traue nicht der schönen Gestalt/ dann diese über rin Kleines in die häßliG - _ -Nc -7y )k>_ . Ungestalt sich verwandlet. Traue nicht der Stärcke / dann über ein Kleines dieselbe durch ein kleine Kranckheit geschwächt und verlohren wird. Traue nicht denen Reichthumen / dann über ein Kleines dieselben durch Feuers-Brunst/ und andere Unglück verschwinden könen. Traue nicht der grossen Kunst und Wiffenschaffk / dann über ein Kleines der Verstand verrückt/ und alle Wiffenschafft kan auffgehebt werden. Traue nicht der Freyheit / dann über rin Kleines kanst du in die äußerste Gefangenschafft gerathen. Ja traue nicht dem langen Leben/ daun überein Kleines kan dir dasselbe durch eine Kranckheit / durch ein zähen Schlag-Fluß/ durch einen unver- mutheten Schuß/ oder unversehenen Fall genommen werden. Ja traue nicht der Freundschafft: traue nicht deinen Gesellen «nd Camcrathen/ dann anjetzo suchen sie dich zu bedienen / über ein Kleines suchen sie dich zu hintergehen. Endlichen traueauch dir nicht/ dann anjetzo wirst du stehen / über rin Kleines wirst du fallen. Wann man die Elephanten fangen will / so sucht man einLrth / wohin sie sich gern M» r» __- 4Z( i8o _ zu begeben pflegen/ und sodann sucht man auß einen schönen grossen und grünen Baum / denselben schneidet man mit einer Saag / mehr dann halb an / und lasset ihn also stehen ; wann dann der Elephant kombt/ und leinet sich an selbigen Baum/ ( der sich dann allzeit anleinct / wann er schlaffen will) so druckt er mit seiner Schwäre den angeschnittenen Baum ab / und fallet selbsten darmit zur Erden; weilen er aber nicht mehr ausszustehen vermag / lauffeil die jenigen/ so ihm diesen Fall gericht haben / zu/ und fangen ihn. O wie mit einem kleinen Forti wird dises grosse Thier gefangen. Dahero mein Mensch! seye auch du fur- stchtigund sorgfältig/ traue nicht zuvili« diesem Leben allen dem / was an dir/ vor dir / und neben dir ist / sondern schaue vilmehr auff die Kleinheit/ Kürtze und Zer- gänglichkeit/ die in allen/ mit allen / und bey allen ist / was diese Welt uns zeiget. Hast du vil zuleyden / gedenckebey dir / ge- dult! dieses wehret ein kleine Zeit / sodann ft-lgt darauffdie ewige Secligkeit; hast d» aber lieb das jenige/ ms auff der Welt -_ -r;c»8l)rr- tvollustig ist// gedenckeauch: Ey! weil dieses alles ein so kleine Zeit wehret/ so will ich hinsüro für dieses Kleine/ das Grosse/ nemb- lichen die Himmels-Freuden suchen. Die kurtze Zcit/und zeitliche Freud wohl betrachte/ sie verachte/ und verlasse/ auch dabey öff- ters gedencke/ daß jene Wort gar zu wahr seynd / nemblichen: Ein böse Grund machet/daß grofferwollüst vergessen wird/ Und am End deß Menschen / werden seine Merck offenbahr. Lccle. c. n. v. 29. lechs und dreysstgster Wbsatz. Auff den sechs und dreysiigsten Tag der Fasten. Zu vil ist ungesund. Mnn Ungesund ist es der Seelen/wann der Mensch zü vil sich verlasset an seinem letzten End erst Buß zu than/ and sodann stetig zu sterben. Warumb? darumb/ weilen schon vil und unzahlbare Menschen / und Buß-Auffschieber/ wegen diesen/ auff ewig seynd fähl gangen. Da- hero ist es mitnichten zu wagen. Wisse/ O mein Mensch! die Gefahr deß letzten Abdrucks / wie es wird zugehen / wa» Hu nicht vorhero durch wahre Fürsehung/ auff einen guten Todt dich richten werdest. Dann/ die üblen Gewohnheiten werden dich fcßlcn; die ungczaumtc Begierden werde» -ich ängstigen: die verlohrne Zeit wird dich reuen: die verschertzte Gelegenheit wird dich betrüben: deine Leibs-und See- len-Kräfften werden abnemen: die Schmutzen und Wehe werden zunemmcn : dei» Vcrnunfft und Verstand wird schwächer: die Gnaden GOttes werden weniger: die Verdiensten werden kleiner^ die Versuchungen werden hälftiger: die Feinde werden starcker: die Sünden grösser: die Hoffnung gehet zu grund: die Forcht nimbt überhand: die Zeit cylct fürbey: die Ewigkeit fangt an: alles kan dir schaden: niemand kan dir helffen. O gefährlicher Augenblick ! diesen dir gefährlicher zu machen/ werden alle deine Feind sich möglichist bestechen. Und weilen esdas letztemahlist/ so werden die Anfall weit häfftigcr seyn/ als sonst jemahlen in deinem gantzcn Leben- Haben diese aber schon offtden Sieg wider ^;c'?;)k»- _ der dich erhalten/ in dem Leben/ da du noch Kräfften gehabt/ da du nochStärcke gehabt/ da du noch Gnaden genug gehabt/ und da du noch yülff genug gehabtAch wie wirst du dir dann den Sieg versprechen können in dem Sterben/ verlassen von den Kräfften / verlassen von Gnaden / verlassen von dem Menschen / verlassen von GOTT. O ISsu I was für Gefahr. Ach! dein lieber Schutz-Engel/ so das Beste thun kan r der Schutz-Engel/ der dich offt vergebens ermahnet/ dessen Sinsprechung du osft auß- geschlagen: dem du umb seine Sorg niemahlen gedancket: den du niemahlen verehrt: an den du selten gedacht: jawelchen du offt betrübet hast: welchen du veracht/ und dem bösen Feind ihm fürgeyogen hast: welchen du durch die Sünd weinen gemacht: dieser soll dir heissen ? Ach traue nicht. Oder verlassest du dich auffdeine heilige Patronen ? daß sie sich umb dich sollen annemen ? hast du dir doch keine erwöhlet: hast du dir doch keine außgebettenoder hast du doch diese nicht angeruffen / wann du schon einige ' gehabt / und hast du es schon zuweilen ge- than/ so ist es doch geschehen/ lau/ kalt/ M 4 pbe». -kt( 184 )-r- vbcnhin/und ohne alle Andacht / und als» diese niemchlen recht verehrt; Oder hoffest du auffdieMutter derBarmhertzigkeit? s» hast du niemahlen/ als ein Kind / gegen ihr dich erzeiget / ihr gar unbeständig gedienet/ sie selten verehret/selten angeruffeu - vil weniger sie rechtgeliebet. Oder wilst du dich Verlassen auffdie Barmheryigkeit GOttes? traue n cht! dann GOtt als ein gerechter Richter die fürsetzliche Verharrung in Sünden / und die Sünd / so auff seine göttliche Barmherßigkeit gcschicht/streng straffet und richtet- Willst du aber diesem göttlichen Richter villeicht entfliehen ? Er ist allenthalben: WillstduJhn betrügen?Erist der Mischende: Willst du Ihm widerstehen? Er ist allmächtig: Willst du diesen nicht förchten ? ob welchen die Höllzittert. Damit du dann GOTT nicht darffest förchten als einen strengen Richter / so liebe denselben als einen gütigen Vatter. Dahero fange diesen Augenblick an / dich auff den letzten Angenblick fürzusehen / und zu richten/hoffe auffGOtt/ als auffeinen varmhertzigen Vergeber der Sünden / aber mißtraue auffdich selbst/als auffeinen c oh- _ -r;c -8; _ ! ne der Gnad GOttes) nichtswerthenMcn- ! schen / der auß sich ftlbst nichts kan / als ^ sündigen / spare nichts auffdie Letzt/sondern ^ fange an dein Leben also gut anzustellen/als ^ wie du wünschest / daß am End deines Lebens/ der Todt gut seyn soll / so wirst du gar nicht sählcn/sondern das rechte Centrum der ewigen Freud und Seeligkeit gewiß treffen / und mit dem Heil. Apostel Paulo getrost auffruffcn: Mein Srerb-Gründ- lein ist verhandeln: Ich Hab einen garen Lampstgekstmpster. 2.lim- 0.4. v. 7. Mißen und dreyffigster Msatz. Auff den siben und dreyffigsten Tag der Fasten. Zu vil ist ungesund. MAnn ungesund ist es der Seelen / wann l «N der Mensch zu vil aust das langt Leben bauet. Warumb? darumb; weilen er desselben niemahlen vergewisset leben kan / sondern allzeit in der Ungewißheit seyn / und darbcy den gewissen Todt förch-- tennmß. ^ M 5 Dann -rrc -ss)?»- _ Dann/das Leben / wie weites auch ent- ^ schiden und entfernet ist / so ist es doch ei» Vorbott des Todts. Das Leben wird unib sovil abgekürtzet/ umb so vil es verlängert Wird. Das Leben deutet allzeit auf das End / so offt es den Menschen dem Schiaß (welcher des Todts Bruder ist) übergibet. Düs Leben/ weilen es unzäh lbaren Arm- steligkeiten unterworffen ist / gibt klar am Tag / daß man sterben wird/ umb sodana eine Ruhe zu haben. Das Leben / weil es durch Speistund Tranck/ und mit schlechten zugänglichen Sachen / muß erhallt» werden / lehret klar / daß es auch zugänglich seye. Das Leben/ weil es mit tausend Gefahren umbgeben ist/ ermahnet de» Menschen / daß er ihm nicht ein langes Leben einbilden soll. Ja das Leben ist darumb voller Bitterkeit / Trübsal / Creutz und Leyden/damit der Mensch gezwungen werde/ seine Begierden von dem langen Leben abzuziehen / und durch einen glückseligen Tvdt/ das ewige Himmels-Leben -u suchen. Daher» / mein Mensch l baue nicht gar zu vil anff das lange Leben/ damit es deiner _._ 4;c >r? )k» -_ ner Seelen keinen Ungesund verursache. Hange nicht an den Sündhaften Neigungen/ zu welchen dich dein Leib ziehet/sondern erhebe deine Gedanckcn von deinem Fleisch über sich zu den Himmel/erschwinge deine Begierden über die Erden; Liebe nicmahlen zu vil/ was deinen Sinnen wohl dunckct; wünsche/und begehre nichts unordentliches ; kracht nach nichts gar zu sorgfältig / dann der Todt wird dich von allen scheyden; ziehe dein Hertz zuruck von aller unordentlichen Lieb der Creaturcn/ oder liebe sie nicht wegen ihnen / sondern wegen GOTT / nicht/ weil dir derselben Schönheit/ und leibliche Gaben gefallen/ sondern/ weil sie seynd ein Geschöpf und Ebenbild GOttes. Hefte dein Hertz allein an GOtt / und sondere dich von der Welt / so braucht es im Sterben kein Scheyden mehr/dann nur dort hat es das Scheyden vonnöthen/ wo eines an dem andern hanget. Der Todt beraubet den Menschen aller Güter/ und alles Glücks. Komme du den Todt vor / und verlasse alles/ so kan dir der Todt nichts mehr nehmen. Versiehe 7 "' -r;c iss ersiehe dich mit solchen Gütern/welche den, Glück nicht unterworffen smn / des übrig« entauffere dich auch den ^tkeÄ nach / und/ wann du es nicht hast / so begehre nichts/ was du ungern vermehren wirst. Der Todt entziehet alle Freuden und Gelüsten. Du mache es auch also an die selbst/ wann du gescheid bist/ so wirst d« Verlurst nicht achten im Sterben. Gewißlich wirst du leicht können des Leibs Tröstungen verlassen/wann du nur ein wenig des Geistes verkosten wirst. Du wirst auch das Kurye und Zergängliche nicht vil achten / wann du gedencken wirst an das Ewige. Dann der Todt ängstiget den Menschen auffdreyerley Weiß: Erstens/durch Ungewißheit des Zukünfftigen,- zum andern/ durch Erinnerung des Vergangenen / und zum dritten/ durch Schrecken des Gegenwärtigen. Erstes belangend/ wann es nun zum Ende gehet/und der Todt/ mit Erinnerung künsstiger Dingen/dich forchtsamb machen will/ so halte dich nur an die Hoffnung/ anjetzo aber gewöhne -ich an solche Übungen _-k D -Ss ) ki-_ ^ gen derselben / welche dein Vertrauen auff Göttliche Güte/in letzten stetigsten unbe- ; wvglich machen / so bann laß den Tobt nur kommen / künsttige Ding werden dich nicht beschwären. Zum andern/straffe dich durch wahre Buß sechsten öffters/ wegen deiner Fahler/ so werden dich vergangene nicht ängstigen. Zum dritten/ brauche die gegenwärtige Zeit / mache dirs zu Nutzen/ schaue dir umb solche Freund und karro- nen/ welche dich in Todt-Beth nicht verlassen. Der Todt endet die Zeit dcß Lebens und der Gnaden. Ach! nichts ge- schwinders eilet / als das Leben / darumb strecke die Händ auß / scharre und samble von Gnaden zusammen / was du immer kaust / jetzt ist es noch Zeit/ weil der Schatz- Kasten offen stehet/ und dir erlaubt ist zu nehmen / so vil du immer wilst / vcrspare nichts auff morgigen Tag / der dir gar ungewiß ist. Einen jeden Tag vollbringe also / als ob du gewiß wüstest / daß er der allerletzte deines Lebens wäre; Also halte auch das Gewissen. Lasse keine Stund ^ unnütz auß deinen Händen / und verlasse > dich führe hin nicht auff das Ungewisse. Was _ rs»)? »-_ Was du von Gnaden samblest in da Zeit/ das hast allein/ und nichts anders in der gantze» Ewigkeit. Der Todt übersetzt den Menschen von der Zeit in die Ewigkeit; du kaust es auch lebendig also machen / da du dich befindest in der Zeit/ betrachte die Ewigkeit. Gibe die Zeit niemahlen den eitlen Ge- danckcn / unnützen Worten / und bösen Werckcn/ sondern bringe dieselbe also zu/ damit an dencnsclbigen du könnest ein ewi« ge Freud haben. Ja endlichen/ baue nicht zu viel auff das zeitliche lange Leben/ welches eitel und zergänglich ist; sondern suche allein das Künfftige / welches heilig und stetig ist. Als wie der uralte Ongenc; schreibet: Laster uns dieses eitle Leben verachten / and eilen za dem heiligen und stetigen Leben, liom.üi kialm. 8z- -rrc)rr- WKk und dreyffigster Kbsatz. Auff den acht und drcyffigsten Tag der Fasten. Zu vil ist ungesund. -MAnn ungesund ist es der Seelen / wann Wo der Mensch / wegen seiner begangenen Sünden ru vil kleinmürhig wird. Warumb? darumb; weilen er dardurch das Vertrauen zu GDTT verlieret/und gleichsamb seine grosse Barmhertzigkeit vcv- laugnet/ die doch grosser ist / als alle andere seine grosse Wer«. Daher» mein Sünder! bist du gefallen ? so stehe wicderumb auff / bist du tausendmahl gefallen / so stehe tausendmahl wieder- umb auff/in unbeweglicher Hoffnung/daß dich der varmhertzige GOtt(desscn Eigenschafft ist barmhertzig seyn) gnädiglich auff- nehmen werde. Dann sein Barmhertzigkeit hat kein Mach / kein Ziel noch Zahl. Lauffe zu Ihn/fliehe zu Ihn/ und halte dich zu Ihn / so wirst du unfehlbar Ver- zeyhung erlangen. Trette mit grossen Vertrauen z« dem barmhertzigen IEsu/ -rrc )tr- _ verharre bey Ihn/ und Er wird dich (ßy versichert) nicht verstossen / dann Er nimbt die Sünder auff/ und isset mit ihnen. Er nimbt kein Zeit oder Orth auß / daß Er dir nicht verzeyhen wolle/sondern zu allen Zeiten/und an allen Orthen/will/und wird . Er dir Barmhertzigkeit erzeigen. Dann der Magdalena hat Er Barmherigkcit erzeigt bey der Mahlzeit / da dieselbe seine heilige Füß mit ihren Zäheren waschete/ und mit ihren Haaren abtrücknete. Dem Apostel Petto hat Er Barmher- yigkcit erzeiget/ als derselbe/ nach seiner Verleugnung / in dem Vorhoff bitterlich weynete. DcmMathero hat er Barmhertzigkeit erzeigt/ als derselbe von der Zoll-Banck auffstunde / und seinen Wucher verließe, Dem Zachcro hat Er Barmhertzigkeit erzeigt/als derselbe von dem Baum herunter stiege/ und seine Betrügerey mitvicrfältigcn .Widergeben / gut zu machen / versprochen, Dem Samaritanischen Weib erzeigte Er Barmhertzigkeit bey demBrun/als dieselbe ihr Unrechts Thun / und mithin auch de» gütigsten Heyland erkennete. Dem Schächer erzeigte er Barmhertzigkeit / als der- _ -erc isr)?»- _ selbe am Creuy bekente / daß er alles Leyden wohl verdienet hatte. Dem Longiuo erzeigte Er Barmhertziqkcit/ als Ihm derselbe sein heilige Scythen mit der Lantzen durchstäche- Vilm andern zugleich/ erzeigte Er sein Barmhertzigkeit/ als Er am Creuy spräche: Natter vergib ihnen / dann fiewiffen nicht/ was sie thun. Warum dann / O Sünder! waltest und ! solltest du wegen deiner Sünden kleinmüthig werden? wann du einen so lieben / milden/ gütigen und barmheryigen Vergeber deiner Sünden hast? der dich verlohrnes Schäflein mit Embstgkeit suchet/ und nicht l Nachlassen wird / biß er dich gefunden hat. ! Ja er wird die yy. (die Gerechte) in der ! Wüsten lassen / und wird dich das Hunderte ( das Büssende) suchen; sodann dich auff seine Schuldtem legen (deine Sündcn- Schuld auff sich nemmen) und dich zu denen 99. andern Schäflein / zu denen Gerechten und Frommen/in seinen himmlischen Echaaf-Stall hinein tragen. Dahero lege nur ab alleKletnmütigkeit und Zaghaftigkeit/ und trette mit beherytcr Hoffnung zu seiner Barmhertzigkeit / küsse ihm seine N hei- ___ -k t( '94 )k 4-_ heilige Fuß/ und er wird dich nicht von sich stoffen / gleich wie Sr der Sünderin Magdalena selbe zu küssen erlaubt/ und mithin Barmhertzigkeit erzeigt hat; küsse ihm seine heilige Hand / die er auß gestreckt/ die Blinde sehend / die Krumpe mid Lahme gehend/ die Außsätzige rein / die vom Teuffel Besessene bestehet/ die mit schwärex Kranckheit Behaffie gesund / und die Sünder gerecht zu machen: küsse ihm seine heilige Septhen- Wunden / welche biß auff das allerletzte Tröpffel deß heiligen Bluts und Wassers sichaußgeleeret/zu Abwaschung und Reinigung deß Sünders z küsse Ihm seine» heilige» Mund / welcher gesagt hat: Ich will nicht den Todt des Sünders / sondern vil mehrcr / daß er sich bekehre und ewig lebe. Ja endlichen küsse Ihm sein heiliges Haubt / welches voller Wunden / auch gany mit Blut übcrrunnen ist / und fange auff von selbigen kostbaren Blut - Perlei» in deinen Mund / in dein Hertz / und in dein Seel nur ein eintziges / so wird dasselbe überflüssig genug seyn/dcine Sünden-Wm den / an der Seelen/ zu hcylen / und dich gesund / gesäubert und gcreiiriget dem barni- hertzigen IEsu fürzustellen. Ach > _ i95 )kr- _^_ Ach! eylc! und nicht verweile/ dich diesem allerheiligstcn Artzten JEsu Christo zu zunähcren / damit dir gar bald geholffen werde/und glaube nur gar gewiß/ daß Ec dir heissen will / und helffen wird. Ja! Er wird dir nicht allein von dieser deiner Eündcn-Kranckhcit gleich abhclffen/ sondern auch ein gutes Mittel verschaffen / daß du nicht mehr in solche Kranckheit fallen werdest. Du bist nicht der Erste/ mein Sünder! dawider GOttgcsündiget hat/und wirst auch nichtder Erste scyn / deine GOtt seine Sünden vergeben / sondern unzahlbar vil grosse und schwäre Sünder seynd schon verlangst durch seine grosse Barmheryigkeit/ zu Verzeyhung ihrer Sünden kommen/ kommen noch alltäglich darzu / und werden nochkünfftig darzu kommen / wann sie auff dieselbe ihr Hoffnung (doch ohne / daß sie ! miff dieBarmhertzigkeitGÖttes sündigen sollen) setzen werden. Rvffe also die Göttliche Darmhertzig- keir an/ m der ZcitderGnaden/ in welcher er uns erhöret/ wie Paulus 2.Lor. c.6. v.a. mahnet: mache selbe dir zuNu- N 2 den/ —__-k kry6) k-.__ tzen/undschlüsse mit Job: Ich will reden in Berrübnuß meiner Seelen / und zu GOrr sagen: Verdamme mich nicht. Zob.c. ro.v. r.Lc2. Neun und dreyffigster Kbsch Auff den neun und dreyssigsten Tag der Fasten. Iu vil ist ungesund. -MAnn ungesund ist es der Seelen / wann «N sich der Mensch zu vil vordem Sre» . be» förchrer. Warumb? darumb; weil« durch die zu vile Forcht/ die Hoffnung/ und das Vertrauen zu GOtt gemindert/ und wohlofftgantzlichvertriben wird/ da doch vilmehr dieselbe soll vergrösscrt werden. Dahcro mein Mensch / sey getrost / sörch te dich nicht gar zu vil / sondern mundte« dich selbsten auff/ sprechend: Was förchki ich mir zu sterben/ ist doch JEsus mm Heyland / für mich gestorben / dieser hatfii meine Sünden genug gethan: dieser Hai meine Schulden bezahlt: dieser ist für mich bcy seinem himmlischen Vatter Bürg wo» _- rre -S7)?»- _ den - dieser hat mir den Himmel eröffnet: dieser hat mir den Himmel versprochen: dieser hat mich zu einen Erben eingesetzt: dieser hat mir seine Verdienst alle geschcnckt: dieser hat mir seinen eigenen Leib zum Pfand geben : dieser hat mir unendliche Gutthaten erwisen : dieser hat mich von »»zahlbaren Gefahren erhalten. O Mensch! wann diser dann dich verloh- ren gehen hatte lassen wollen / vermeinst du / erwäre für dich gestorben ? hätte dir dasLe- ben so lang gefristet? Er hätte dir so lang nachgesehen? Er hätte dir so lange Zeit zur Buß gelassen? Er hätte dir so vilEinspre- chungen zugeschickt? Er hätte dich zu solchen Stand beruffen? Er hätte dich so liebreich an sich gezogen? Er hätte dich mit sovil Gnaden bereichet? Er hätte dir so vil schöne Begierden eingegeben? Er hätte dich so offt getröstet? Er hätte dich so offt in derCommunion heimgesucht? Er hätte dich mit dem Zeichen der Außerwvhlung bezeichnet? Ach! was braucht es mehr / bereue deine Sünden/ so wirst du gewiß seelig. Bekehre dich nochheunt ernstlich zu GOtt deinen N z lieb- liebreichen HErrn/so werden dir alle Schulden nachgelassen; Ein einiger wahrer und wchemütigcrSeufttzeristvonnöthcn / bannt kanst du den Himmel erwerben. Die wahre Buß ist niemahlen zu spatt/ die Bekehrung ist frühe genug / wann sie heunt ge- schicht. Sihe! ZEsus dein Erlöser / da ruffet dir. Sihe! er strecket die Händ und Armben auß / dich zu umbfangen. Sihe! rr bittet für dich an dem heiligen Creiitz. Sihe? wie krafftig er auffschreyet: Varia verzeyhe ihm / ( dann er wüste nicht/ was erthäte) er neiget das Haubt/dirden Kuß dcß Fridens zu geben: Er bietet dir leine er- vssnetr S> ythcn an / zu einer Wohnung. Ach Mensch! was willst / und seist d.u mehr wünschen? Dahcro ergibe dich nur wjllig und getrost in das Sterben/ und so dir dein liebster JLsus ruffet / daß du bald sollest kommen / so ruffe mit Freuden: Sihe HEn! ich komme; Ja sihe mein allerliebster Ge- sponß/ ich eyle. Mein Leben sage ich gar gern ab / und übergibc cs dem jenigcn/ der. cs mir ge- fchenckt hat/ diesem gibe ich meinen Geist gavtz willigltch in seine Land anff. Al- _ Allein/ dieses reuet mich Hertz- schmery- lich / daß ich Meinen GOttund HErrn / so vfft/ und unzählbare Mahl beleydiget habe, i Lahero will ich den Tobt gcdultiq außste- hen/ zur Gcnuglhuung meiner Sünden. Ja ich glaube alles / was mein Erlöser gelehrt: ich hoffe alles / was Er versprochen; ich schencke Ihm alles/was ich von Ihm empfangen / und ich will sterben zu seiner grossem Ehr; ich will sterben zum Zeugnuß meines Gehorsambs; ich will sterben / weil mein Erlöser auch gestorben; ich will sterben/ auß Lieb seiner/ weil er ist gestorben auß Liebe meiner. O JEsu! ich stirb schon/ schier vor lauter Lieb zu sterben. Komme mein liebster JESU! komme! ! eyle und erlöse meine Seel auß ihrem Ker- ckcr/ auß ihrem Elend/ und führe mich in mein Vatterland. O wie schön seynd deine Tabernackel/ ! Owie Wunder-würdig ist dein Pallast/ L wie angenehm die Gesellschajst so vilcr lieben Heiligen / meiner lieben Freund / und > Wandten / Vatter/Mutter/und Ge- ^ schwistern. N 4 Ach Ach! wann wird dann die versprochene Stund kommen/ich warte mit grösten Ver- sängen / ich verlange auffgelöst zu werden! und bry Christo zu seyn! Mein Hertz iß bereit / O HErr! mein Hertz ist bereit. Ich Hab mich erfreuet in dem / was mir iß gesagt worden: Wir werden gehen in das Haust des HErrn / scelig die zur Mahlzeit dcsLambs beruffen seynd. Mein Seel dürstet nach dem starcken lebendigen GOTT / wann werde ich hinein kommen/und erscheinen vor GOttes Angesicht? O seelig ftynd/diein deinem Hauß wohnen / die loben dich immerdar. Dahero/ gleich wie ein durstiger Arsch nach den» wüster Brunnen verlang«/ also auch verlangt mein Seel nach dir/ r/G Gedrr! Ja/nichts aast dergam tzenWelrmagmich vergnügen/ als du/GGDTT! klälm.72. v.25. Auff den vicrtzigsten Tag der Fasten. Zu vit ist ungesund. i kMAnn ungesund ist es der Seelen/wann der Mensch zu viel nachlässig ist / ein nützliche / norhwendige Dunst zu ec- ! lchrnen. Waruinb?darumb; weilen offt ! an solcher das gröste Glück hanget. Dre H allernutzlichste / nothwendigste/ und allerbeste Kunst ist / wohl und gut zu sterben / ! hierinncn nemblich bestehet das gantze Glück und ewiges Heyt. Dahero mein Mensch! lege deine straff- j würdige Nachlässigkeit von dir / und fange gleich an / diese dir allernothwendigste Kunst zu crlehrnen/ wirst/mit Göttlichen Beystand /diese auch bald begreiffcn / und zwar / so bald du auffstehest / so gedcncke / ! du sehest sterblich / und daß du gewiß sterben werdest / als gewiß es ist / daß die Todte nicht leben / und / daß dieselbe ^ Nacht unzahlbar viel gestorben/ auch noch selben Tag eben so viel sterben werden. N 5 Zum ^ 4 Z(202 Zumandern/ begehre demüthigst von GOtt dem HErrn des Lebens und des Lodts/daß du diesen Tag also mögest zu- dringen / wie du ihn weitest zugebracht haben in dem Todt. Zum dritten in der heiligen Meß gedenck «in den Todt Christi/ welchen / weil du ja glaubest / Er seye gestorben? und du auch sterben werdest / umb einen glückseeligen Todt anflchcn seist / und zwar durch seinen heiligen Todt / bitte Ihn / Er wolle dich/ vhne würdige Empfahung der heiligen Sakramenten/nicht sterben lassen. Vierdtens/ verehre sonderbar deine heilige Patronen / und zwar jene am meisten/ welche bey dem schmerzlichen Todt Christi/ unsers Heyland/ und Maria seiner Mutter/ gewesen seyn. Fünfftens / so offt die Stund schlagt / ge- benckc / es seye nun wiederumb eine Stund von deinem Leben hin/ bitte GOtt mit einem Vatter unser / oder Ave Maria / umb rin glückseelige Stund zu sterbe». Sechstens / wann dir unter Tags etwas Wider deinen Willen zustehet/und beschwert dich etwas/ so gedcncke: So viel wird dir im —— rrsz . imTodt-Bcth leichter seyn/ je gedultiger du das gegenwärtige Übel übertragest. Zum sibmden/ wann du die Gelegenheit hast / einem in seiner Noch beyzusprin- gcn/sogedcnckedir also: Ich will drses gern thun / damit man mir auch in meiner letzten Todtes - Noch beyspringen möge. Achtens/da du den Leib mit Speiß und Tranck labest und erquickest/ sogedencke/du richtest den Wärmen ein Speiß zu. ! Neuntens/gehe mit deinen Gedancken zuweilen in die Gräber/ und Todten-Gruff- ten hinein / und kehre die Cörper ein wenig umb / betrachte sie/ wie sie außsehen/ und außgejchen haben/gedencke/deine Gebein/ welche anjeyo von der Haut bedeckt seyn/ werden/ nach deinem Todt/ eben also gestaltet seyn. Zehendens/wann der Tag zu Ende gangen/ so mache dir die Rechnung von vergangenen Tagen und Jahren / und frage dich/ wie viel noch übrig bleiben; aber seye zugleich ingedenck jener Wort: Du Thorr ! diese Nacht wird man dein Seel von dir nehmen. Und jener: Ich werde kommen zur Stund / in welcher ihr nicht meynet. EU- 2S4 Eilfftens/ che du einschlaffest / erforsche dein Gewissen / betrachte / ob du den Todt herauß fordern därffest/ und richt dich also/ als ob du gewiß wüstest / daß du den morgigen Tag nicht mehr erleben werdest. Zwöifftens/wann du dich zum Schlaffen- gchen richtest / und in deinÄuhe-Bethlei» dich legest/ so bilde dir ein/ es legen dich Andere in das Grab / und liege eben dasselbe Leylach auff dir / welches in dem Grab auff dir ligen werde; schlüß sodann deine Händ zusammen / nimb das Crucifir/und den Rosenkrantz in selbige / und übergibe dem gecreutzigten Heyland dein Leib/dein Leben und Sterben. Und/ wann du diese Kunst erlehrmt/ «nd allzeit geübet hast/so bedarffes nichts anders / als dich in deinem Sterben zu erfreuen / auch über die Ankündung des Lodts zu stolocken / ja gany getrost zu sprechen: O süsseste/liebste und allerangenehmste Zeitung! GOtt Lob! so werde ich dann/ die Erden verlassen / damit ich zum Himmel eyle/ ich will hinauß gehen / auß dem armseeligen Kercker meines Leibs/m die Freyheit der Kinder GOttes / so wer- _ soz de ich dann bald beruffcn werden auß dem Elend in das Vatterland / ich werde das Zeitlich-und Zergängliche/ Kurye und Unbeständige / mit dem Ewig-und Unveränderlichen / Stäts- wahrend- und Unzer- gänglichcn vertauschen; ja / ich werde ver- rvechSlen den Schatten mit dem Liecht; die kigur mit der Warheit; das Leyd mit der Freud / und den Todt mit dem ewige» Leben. Wohlan dann ! ich gehe dahin / GOtt zu gemessenich gehe in GOtt zu ruhen; ich gehe mit GOtt erfult zu werden; ich gehe / meinen Verstand zu crsattige» mit der Erkanntnuß GOttes; ich gehe / mein Gedächtnuß zu erfreuen / mit den Guttha- ten GOttes; ich gehe / meinen Willen zu erhitzen / mit dem Willen GOttes ; ich gehe alle meine Sinn zu versencken in den Abgrund der Allmacht/ Güte- und Barm- Hitzigkeit GOttes; ich gehe auß der Gefahr in die Sicherheit / ja! ich gehe dem Himmel zu. O Freud! O Trost.' O Vergnügung! dann hinführo werde ich nicht mehr mit Tnibsalen beschwett scyn; hinführo werde ich 1 §A 206 __ ich nicht mehr traurig seyn; hinführo werde ich nicht mehr kranck seyn; hinführ» werde ich von Sünden befreyet seyn; hinführo werde ich von Anfechtungen loß seyn; hinführo werde ich ohne aller Forcht feynd hinführo werde ich ohne einige Sorg seyn; hinführo werde ich ohne aller Gefahr seyn; Hinführo werde ich von aller Unglückseelig- keit befreyet seyn ; hinführo werde ich voll des cwigenGIücks seyn/dan ich werde allzeit GOtt scheu / GOtt lieben / GOtt loben. O bewehrte und allernuylichste Kunst/ wohl zu sterben. Diese Kunst lehret die Kunst gut zu leben. Diese / diese ist die allerfürnehmstc Kunst / der allerfürnchmste Lehrmeister. Diese lehret / wie man sicher zu der ewigen Ruhe cingchen könne. Ach! s- lasser uns nun cylen / zu dieser Ruhe einzugehen, ltebr. c.4. v.ii. < -i'-r! 7- .'^I>7»-^- -^l^ .t.*. .»>-x »7 ic '» ^ ,7-^ L^' » tz« r,<- ES- -. 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