Ms ** w... y f*Sr J X4 ■'Mir yn sc', : $ ttc? "3 m' ^\T-: Srs£*$?&‘ -----S >' • ■ X /? - »- m\in 11 hb m Hilft y fiilTyflitiilT li i! IH ii ii Vier Weltalter nach dem Ovid in vier Idyllen. «ff Wien, 1784. bey Veit Joseph Stahel, Buchhändler. ■ pTOTrrmiTniTir nm ||ff 11 in t in Dsm WohlgebohrnmHochgelehrt«» Herrn Rath Salomon Geßner. tlnmrirrriin iiiriTr? ^ i/ltcfjf daß ich bey meinen Versuchen in der Schäferpoesie, Ihren vortreflichen Werken, so viel als irgends einem Werke dieser Art zu danken habe, werde ich zum Antrieb angeben, warum ich meine Hochachtung und Erkenntlichkeit gegen Ihnen, öffentlich wünsche zu bekennen; denn der geringe Werth meiner Gedichte, kann es anständiger machen, daß ich über diese Verbindlichkeit schwiege. (Nur die wohlgera- rhene Arbeit des SchühlerS kann den Meister freuen, nur bey einer solchen wird er genannt wollen seyn.) Ich werde also nur sagen, daß ich dem Lesen Ihrer Gedichte, unzählich angenehme Augenblicke meines Lebens zuzuschreiben habe; daß ich als Deutsche, mit dem lebhaftesten Interesse es es erkenne, daß Sie es sind, welcher unsere deutsche Schäferpoesie zu dieser Vollkommenheit erhöhten, worinn sie jener alteren Völker nicht nachftehen darf, und den Nationen des nämlichen Zeitalters zur Bewunderung ist. Und ich darf hoffen , daß Sie eine Handlung, die auf solchen billigen Empfindungen gegründet ist, gütig ansehen werden; und daß Sie mir es erlauben wollen, Ihnen mit größter Hochachtung diese Gedichte zuzueig- neu, und mich zu unterschreiben Euer Wohlgebohrn Würiburg den 4ten Lctober > 7 « 4 . Ergebend Dienerin« Juliane von Mudersbach. Das erste Weltalter, Aurea prima fata eft aetas. Lib. I. Meta. P. Ouid. ^)n herrlicher Schönheit trat der Morr gen itzt ein. Itzt schienen aus weichender Dämmerung anmuthsvolle Wälder, und die von glühenden Roth der Reben, be- purperte Berge hervorzugehen. Mit dem Hellesten Golde färbten sich Wolken, aus denen ein verderblicher Regen noch nie, noch nie ein schreckender Sturm war gekommen, und die allein im balsamischen Lhaue die aufgestiegenen Dünste zurück, der Erbe da gaben. Itzt ertönte von jedem Zwei» che, Leben, und Freude, und auf dem freyen Felde, stoffen alle Stimme, vom brüllenden Löwen, bis zu seinem damal A noch noch sicheren Gespielen dem blockenden Lamme in einer zusammen, und freueten in der Sprache der Thiere, sich ihres Da» seyns, und sagten sich Liebe. Itzt wichen mit ihrer bunten Zierde, die reizenden Bilder der Träume, vom schlafenden Menschen , der nun zur glücklicheren Wirklichkeit überzugehen begann. Er erwachtejuro mühlosen Genuß jeder Freude der Sinne, denn ohne Wartung blüheten ihm die Felder, reiften ihm die Früchten, und gaben ihm ihre' Milch die Heerden, und die Bienen ihr Honig. Er erwachte zu dem seligsten Gefühle, unbefangener herzlichster Liebe der Menschen, und zu dem zärtlicheren Gefühlen, so Gatten für einander, und Eltern für Kinder, und Kinder für Eltern da fühlen, und die itzt alle vom Menschen, in höchster Reinheit, und innigster Stärke empfunden noch wurden. Da trat aus Sehnsucht zärtlichster Liebe vor anderen, Meliböon schön wie ein blühen- blühender Baum, und munter, wie der junge Tag, aus seiner Laube hervor; tiefe Anbekhung der Gottheit, hatte seine Gefühle noch seliger, noch freudiger sein Herz schon gestimmt: itzt spielte er, mit den freudig um ihn herumhüpfenben Thieren, und gieng dabey, über die schöne Flur hin; die, die in vollen Schmucke hervor« trettende Sonne, nun noch lieblicher machte. — Aber itzt staunte er, sehnsuchtsvoll irrte sein Blick weit umher, auf der reizenden Gegend; denn um diese Stunde pflegte sonst immer Galathea, das schönste Mägdchen, unter den schönen, das un- fchuldvolleste, unter den unschuldigen (so wie oft auf einer Flur, unter gleich schönen Blumen, doch eine, lieblicher, als anderen sich entfaltet) auch aus ihrer Laube in das freye Feld überzugehen: aber itzt gierig sie im holden Reize, durch die lieblichen Fluren, deren goldene Halmen sanft nur bey ihrem leichten Gange sich beugten. A 2 Ein 4 —— Ein schöner Kranz, aus vielen ölunkett Blumen gewunden, hieng ihr bestimmt für Meliböon am Arme; aber auch Meliböon trug einen aus Rosen, und Lilien gewunden, für Galarhea in Händen. Itzt erblickte Meliböon Galathea; itzt eilte er ihr mit geflügelten Schritten entgegen; itzt hieffen sie sich zartlichst, unzäh- lichemal Willkommen, und nun sprach mit sanfter Stimme Meliböon also: Warum, Geliebte meiner Seele, sah ich dich heute nicht bey jenem ersten Strale der Morgensonne , der sonst schon der Zeug unserer Liebe ist. Unzähliche Augenblicke verflossen, ehe ich, Geliebte, dich sah, unzahli- che Stunden schienen sie mir. Itzt, Galathea, wo vor drey Tagen unsere Vater und Mütter sagten: Ja, Kinder, dieweil ihr zärtlich euch liebet, so sollt rhr einander auch seyn! Itzt, wo am nahen Feste Uraniens, noch ehe der Mond, der zu Abend schon sichtbar ist, sich mit vollem Cchei- . .. 5 Scheine uns wieder zuwendet, ich vordem Altäre der heiligen Göttinn, dein Herz auf ünmer erhalten, auf immer das meinige dir hingeben werde; itzt so nahe bey meinem Glücke, fühle ich ganz die Wonne, immer geliebte Galathea, an deiner Seite zu seyn, immer an der meinige dich zu sehen. Glücklich haben uns die Götter erschaffen , mit jeder» Gut haben sie uns beschenket; aber ihre schönste Gabe ist Liebe, und doch fühle ich, daß dies reine, selige Gefühl bey Nichtübereinstimmung der Geliebten — Wie soll ich es nennen! Ja, daß es unserm Glücke ganz entgegen würde seyn. Ja geliebter Meliböon, sagte mit zärtlichster Liebe, Galathea, ja auch ich fühle es, daß das reine, wonnevolle Gefühl, der Liebe, bey Nichtübereinstimmung der Geliebten, unserem Glücke ganz entgegen würde seyn. Aber da haben es die gütigen Götter auch unmöglich gemacht A z (denn 6 (denn aus vollem Genuß jeder Glückseligkeit , hielte man im glücklichen Zeitalter das entgegen gesetzte Uebel unmöglich; so wie man dasselbe zu nennen noch nicht ver- mogte) wo find die Geliebte, die nicht zärtlich sich lieben? Und welche, Meli- Löon, lieben sich, wie wir ! Aber wüßtest du, guter Hirt, warum ich heute zögerte zu kommen, mit zärtlichster Zufriedenheit würdest du darum mich anblicken! Sage mir es, Galathea, sprach Meliböon, damit ich mit zärtlichster Zufriedenheit dich bewundere: Und itzt erzählte ihm Galathea, wie es heute der Tag sey, an welchem vor achtzehen Jahren, Palemon ihr Vater, mit der Daph- nis vor dem Altäre der heiligen Göttin» gestanden; und wie sie da heute, bey dem ersten Scheine des Tages, die Ranken ihrer Laube hoch aufgehcftet, und künstlich mit den buntesten Blumen, die Nahmen Palemon, und Daphnis dazwischen gewunden, wunden, und wie sie sich freue, wennbey ihrem Erwachen, die lieben Eltern sich daran ergötzen, und sie, bey ihrer Rückkehr in die Laube, für diese kindliche Zärtlichkeit , liebvoll umarmen würden. Schön, sprach Meliböon, ist Galathea, die Ursache deines Zögerns gewesen, und süß war meinem nach dir sich sehnenden Herzen die Erzählung deiner heutigen Handlung. — Aber, liebste Galathea, mir fällt es ein, wir wollen den heutigen Tag, noch mehr feyern. Wir wollen zusammen dem beßten Palemon, und seiner lieben Daphnis unsere Zärtlichkeit beweisen. Schön sind die Kränze, die wir uns gewunden, mit solchen wollen wir nach Festesart uns behängen, und wenn heute, die Sonne hinter den Bergen, sich wieder begeben wird haben, wenn sanfte Dämmerung, jeden Genuß der Zärtlichkeit noch versüset, dann wollen wir, liebe Galathea, in zween der niedlichen Körbe, die wir A 4 zum zum Tage, der Fcyer unserer Liebe/ geflochten/ zwischen wohlriechenden Blumen/ und bethauten Blattern die schönste der Früchten legen , und so in der Laube der Eltern eintreten/ und wenn sie sich dann/ und jeder/ dazukommende Hirt/ noch mit ihnen / sich über unsere kindliche Zärtlichkeit erfreuen werden/ da wollen wir/ auf dem kleinen Hügel/ nächst der Laube/ uns hegeben , und ihnen ein zärtliches Lied Vorsingen ; und Dämon soll mit seiner sanften Flöte/ und Licas auf der silbertönenden Leyer/ das Lied uns mirspielen. Herrlich scheinet mir dein Gedanke zu seyn, geliebter Meliböon / antwortete itzt Galathea / und wonnenvoll wird es uns seyn, denselben auszuführen. — Aber ich denke/ ehe wir das Lied in die Flöte / und Leyer da singen / so wollen wir es unter uns zuvor anftimmen. Und itzt begaben sie sich in den nächsten Hain, und Meliböon sang, und Galathea antwortet ihm also: Meli- - Meliböon. Fester umschlinget, mit jedem Jahre, das Geißblatt den Ulmen, fester kettet immer aneinander, Zärtlichkeit und Treue, die sich liebende Herzen. Jeden Tag liebt Palemon, seine Daphnis mehr: Jeden Tag wird Palemon mehr von Daphnis geliebet! Jeder Tag sehe euch glücklicher ihr Lieben! Galathea. Wie ein sanfter Bach, in dem unzählich schöne Gegenstände sich ab- bilden, so fließe, ihr Theuersie, dahin euer Leben! Und mehr, als das Schaf das Lamm, mehr als die Vögel ihre Jungen, liebet uns immer ihr Lieben! Glücklich scyd immer, und immer liebet Meliböon und Galathea! Meliböon. Wie zwo Rosen lächlendev scheinen, wenn zwischen ihnen eine schöne Knospe hervorwächst; so blühte schöner noch euer Glück, als meine Galathea euch wurd. Gütig bist du, o Palemon! gütig, o Daphnis du! Als ich noch als A 5 kleiner IO kleiner Knabe spielend mit Galathea in eurer Laube hüpfte, da liebkoßtet ihr mich schon: den köstlichsten Hönig, und die frischeste Milch mußt ich immer da kosten: Itzt gabt ihr mir eine Flöte, so sanft tönend, als der Nachtigal Kehle, und einen Becher, worauf Urania die schöne Liebe, wie sie von der Unschuld und Grazien begleitet, vom Himmel auf Erden sich herabläßt, geschnitzet ist. Aber gütig, unaussprechlich gütig wäret ihr, da ihr Galathea mir gabt; denn mehr ist sie mir, als jede Wonne des Lebens! Galathea. Zärtlich pflegtet ihr mein Leben, ihr Lieben! Noch weiß ich, wie auf den Armen ihr mich trüget, in eurer Schoße mich hieltet, die schönsten Früchte, und Blumen mir gäbet. Aber gütig, unaussprechlich gütig seyd ihr, daß ihr Meliböon mir gebet; denn mehr ist er mir, als jede Wonne des Lebens. Meli- II Meliböon. Rausche sanfter, frischer Bach! schimmere lieblicher, schöner Abend» stcrn: noch herrlicher wölke sich dieser sanftwogigte Himmelfeyert mit uns schöne Gegenstände, die Liebe Daphnis, und Palemons! Galathea. Saußle, leister Laub der schönen Baume! schlag zärtlicher reizende Philomele! noch lieblicher wehe angenehme Abendluft! feyre du, o schöne Natur, mit uns, das Fest kindlicher Liebe! — Hier endete Melibön, und Galathea ihr Lied; und itzt, da der Thau, noch auf den Früchten, und duftvoll noch die Blumen waren, brachen sie sie zum schönen Feste. Und ihre Seele stoßen über, von den se» ligen Gefühlen, kindlicher Zärtlichkeit, und reiner Liebe. Da- IlfTTTii ITTimiTiili!!? !H! Ti .1 .TTTf” ! i! ■; ifit 11'»i* li iil? 12 «C=25555 A I 1 .--.?. - M ■■ - Das zweyte Weltalter. Ludüt^ue arZemea xrolcs. I-ib. I. A-Ieta. k. vuiä. Ounkelnde Stralen erfüllten noch die ganze. Gegend; kaum hatte etwas unter dem Mittagspunkt, sich die Sonne geneiget; an dem erfrischenden Bache, lag noch hin» gestreckt die Heerde, oder maheten das Gras, am kühlen Rande; da sang, unter einer schattigten Buche gelagert, auf der Bitte des Fremdlings Palamons, Hylas, und Micon, von der Freundschaft also: Hylas. Schrof werden die lieblichen Blatter; es welken die schönen Blüthen, und die glatte Frucht wird mißstaltet, wenn mit tauschender Süße, der giftig^ Mehlthau darauf fällt. Aber wohlrhätig Wäscht sanfter Regen, das schädliche Gift, von von manchen hinweg. So vertreibet das Gefühl ganz sich mittheilender Freund, schaft, des Eigennutzes Gift, aus dem menfchlichen Herzen; dies tauschende Gift, es wähnte von Nutzen, und tödete Menschenliebe, und tödete ihr Glück. Micon. Wie bey reiner Luft, sich hoch erheben die Dünste: fo erhebet bey dem lauteren Gefühle der Freundschaft, sich hoch über den nieder» Eigennutz empor, das menschliche Herz, und köstlicher als Hibläens Hönig, einem Hungrigen, ist sie, die süße Freundschaft, dem, nach Eintracht und Liebe der Menschen, sich sehnenden Herzen. O Tiresias, o, Lamon, welche Freunde seyd ihr! Ehegestern noch erzähltet ihr uns, bey dem fröhlichen Mahl, daß ihr als Knaben einander schon sagtet : Nur eine Hütte soll uns seyn, aus zweyen nur ein Feld, nur eine Heer, de aus zwoen uns werden ! Und da ihr, aus Knaben zu Männern geworden , da war war euch nur eine Hütte, aus zweyen nur ein Feld, und nur eine Heerde, aus zwoen auf immer. Auf immer, mein Hylas soll es uns also bleiben! Hylas. Ja auf immer, mein Micon, soll uns nur eine Hütte, ein Feld uns nur, nur eine Heerde uns seyn! Lieber, sagte Lamon, mein Vater ehegestern beym Mahl, lieber noch als sey ich es, Ware es ihm gewesen, wann, da er die Heerde her- eintrieb, du als kleiner Knab auf dem Scheidweg ihm schon entgegen hüpftest: Und lieber, sagte Tiresias, habe er mir, wann er Abends vom Felde da kam, als dir, seinem eigenen Sohne die schöne Frucht, oder den bunten Vogel mitgebracht. So werden einstens, o Micon, mir die beim- ge, und dir die meinige am liebsten auch seyn. Dort blühet die Nelke, die Lilge, und die gesprengelte Levkoie, und die sanftduftende Nachtviole. Im lieblich bunten Gemische, aber schöner, blühen noch, in holder —— *5 holder Vermischung die Freuden der Freund, schuft. Micon. Von der Höhe alter Eichen, Wollen einige Hirten ein trauriges Krach, zen der Vögel gehöret haben, großes, und itzt noch undenkbares Uebel, soll es an. deuten. (Denn viele glauben, die Götter werden es bestrafen, daß die Menschen aus Eigennutze und Ueppigkeit, von der rrsteren Gemeinschaft der Güter, und derselben einfachen Genüße, abgegangen sind) Aber wann zu Strömen die Tropfen der Wolken Zusammenstößen, wann aus der Luft zu Flammen das Feuer drängen sich sollte; dann wird Tiresi'as für Lamon, Micon für Hylas nur zittern, und sich selbst vergessend den Freund nur suchen zu retten. Hylas. Glücklich weiden nun die Schafe, im blühenden Klee. Ruhig liegt, im weichen Grase, wiederkäuend das fette Rind; die süß; Zeigen, der Oelbaum, und ■ T ii : i « iiiimirniiiV' .|i : n n ; ■ ■ •. n n „ ii io ____ und die Rebe, wachsen hier auf jedem Felde. Aber sollte öde werden die Erde; nur als wildes Gesträuche, jede Pflanzen da stehen, vergiftete Luft, Viehe und Menschen gar tödten: da wurde Lamon für Tiresias, Hylas für Micon nur zittern, und sich selbst vergessend, seinen Freund nur suchen zu retten. Micon. Am Ende jenes mit Maulbeerbäumen besetzten Weges, stehet sie die friedliche Hütte; in einander geschlungen scheinen die Aeste, zween davor stehenden Wallnußbaume, und deuten auf das Bünd- niß der Freundschaft. An der Seiten klebet das stats dauernde Epheu, und im weit ausgebrciteten Garten winden sich umeinander, die schön aufwachsende Pflanzen, vereinigen sich, lieblicherem Bache, die kleine strudelnde Quellen. Dort liebet, und wird geliebet, in Wonne der Freundschaft, Lamon und Tiresias, und HylaS und Micon. Hylas. Hylüs. Jette Felder, wo schöner steht der Warzen, jene, wo der blau blühende Flachs, dichter aufwachst, sind unsere» Weißer wöllen sich unsere Schaft, und glatter sind unsere Rinder; denn fetter werden Heerden, und Felder, wenn wahre Freunde für einander sie warten. Aeu- sersi ist da der Fleiß, und auch die Götter segnen ihn. Oft sitzen wir in jener Laube, ohnweit der Hütten, und essen die taumigken Käse, die schmackhaften Frücht ten, und schenken in hohen Bechern die schäumenden Weine, und erneuern den Bund der Freundschaft uns. Und so lange die Vögel die süße Beeren, die Heerden den Klee, und die Fische das Wasser lieben werden: so lange wird dauren das Dündniß, Aresias und Lamon, und Mi- con und Hylas. Glückliche Hirten, sprach ißt Palemon, 0 ihr wahre Freunde, wie süß wisset ihr die Wonne der Freundschaft, zu schildern J B Mög- ig —— Mögten die Menschen, die im Wahn - glücklicher zu werden, sich trennten, Heer» den und Felder da theilten, wieder sich ganz einander hingeben, wieder ein Gut nur, nur ein Herz ihnen seyn! Und da zog er, mit den vom Hylas und Mieon eingetauschten Schafen bey der, nun schon lauer gewordenen Luft, nach seiner Hey» math zurücke. Das 19 «G* Das dritte WeLtalter. lerüa poll illam taccessir ahenea proles. Lib. I. Meta. P. Ouid. i» il» >i ii 20 ",. —-m gezogen hast. Aber sie hießen Aristus nicht nur den guten Aristus, sondern auch den reichen. Wie kann er denn so gut seyn, und doch reich bleiben? Sage mir dieses Milon! erzähle mir vom Aristus, damit auch ich einstens gut, und reich werde! Ich will dir vom Aristus erzählen, antwortete Milon: aber nicht um reich zu werden müssen wir gutthatig seyn, saget uns der fromme Vater. Nur sechs Schafe, und ein kleines Feld ererbte Aristus vom Philetas seinem Vater; aber schon damal theilte er die Früchte seines Feldes, Und die Gaben seiner kleinen Heerde, seinen Mitmenschen mit; und lieber sättigte er sich nicht, als daß er den Dürftigen darben hätte lassen. Und o wie viel laßt sich lieber Thyrsis, auch außer der Mittheilung seiner Güter, gutes noch thuen! Das lehrt mich das Beyspiel unseres Vaters. Bald half er einem mit Arbeit Beschwerten; bald sprang er einem anderen m tn einer Gefahr bey, oder tröstete einen Kranken; rieth weißlich einem Trostlosen; und dankte es allezeit den Göttern/ wenn «r gntes Ihnen konnte. — Aber nun er» hielt er ein ödes Stück Lande anzubauen, da verdoppelte er seinen Fleiß, und die Götter segneten denselben. Seine Heerde war damal schon zahlreich geworden; aber itzt reisten ihm auch die schönsten Saaten vieler Felder. Sieh Thyrsis, von jenem Graben, den einstens ein mächtiger Waldstrom ausge- höhlet, bis zu diesen blumigten Wiesen, ist alles dem Aristus. Und die Schafe alle, die ich und Delia hüten, sind sein: sein sind die muthigen Rosse, mit denen du heute, ihn in das Feld fahren sähest, und die schönen glatten Kühe, die Licas nach dem Buchenwald trieb.— Aber wie er an Vermögen da zunahm, so erhöhete er auch seine Wohlthaten- Eine Tagreise weit, von unseren Feldern, verheerte eine feind- B 3 liche a «TTTiiii immrni 0111" mtnrniT 2L liche Rotte, die Hütten, und Fluren des Landmanns; da gab Aristus, ihnen allen die Saat zur künftigen Erndte; da halfen, durch Aristus Beyspiel gereizet, alle dieser Gegend Einwohner den Unglücklichen ihre Hütten wieder erbauen. Dämon unserem Nachbar, brannte die Scheune, mit dem ganzen Vorrathe auf das Jahre hinweg, und da theilte Aristus, den seinigen ihm mit. Der arme Alexis hatte nur vier Schafe: Ein giftiges Kraut tödtete zwey; aber Aristus gab ihm zwey andere. -— Noch weiß ich, wie der Betrübte mich küßte, dieweil, da ich fein Unglück mit ansah, es meinem Vater am ersten hinterbrachte. Und noch hüpft mir daS Herz für Freude, wenn ich mir den Augenblick gedenke, da — Und itzt schwieg er plötzlich der Knab; innige Freude, die er umsonst zu verbergen sich bemühete, ergoß sich auf sein ganzes Angesicht. Aufmerksam sah Thyrsis ihn an, und sagte: Milon, lieber lieber Milon, du verbirgst mir etwas, so einstens dir Freude gab; soll ich mich nicht darüber auch freuen? Du thakst mir doch diese Tage alles zur Liebe! Nein, sprach Milon, nicht häßliche Mißgunst, brachte mich zum Schweigen; sondern darüber hatte ich nichts mehr zu sagen. Sieh, Thyr- sis, wie viel Freude in dem Jahre uns noch seyn wird. Zwar verderben durch Haabsucht und Mißgunst immer die Menschen ste einander, aber wir wollen als Brüder zusammen sie kosten. Sieh wie die mit Früchten beladenen Aeste, schwehr zur Erde sich beugen, und die bunten Trauben, das Laub ganz verstecken: Da bey dem Einsammeln stehet uns die freudigste Feyer noch vor. Gewiß, sagte der kleine Thyrsis, ist dein Versprechen erfreulich, aber glaube nur, daß ich es merkte, daß du so von der Geschichte entferuen mich wolltest. Aber Alexis muß ja alles wissen, und der soll mir auch alles erzählen. Und B 4 itzt ! rrrrrrrrrrüTi! ?«'» 5 HTH'FIll' 14 itzt wollte er sich schalkhaft entfernen , als Milon ihn rief, und sagte: Nein, du sollst den Alexis nicht fragen; dieses würde uns alle abwürdigen. Ehe will ich dir noch erzählen, was ich nach Pflicht verbergen siäts sollte; und itzt, da ich zum erstenmal her Geschichte erwähnte, doch aus süßer Erinnerung, genossener Wonne, nicht ganz verbergen dir konnte. Aber nie sollst du, 0 Thyrsis einem davon sprechen! Dort auf jenem mit Klee bewachsenen Hügel, sieh, dort diesem mit den vollen Trauben prangenden Weinbergs gegen über, lag ich, und weinte noch aus gegen den unglücklichen rege gewordenen Mitlelden, und auch aus Freude der itzt geleisteten Hilfe, und verlangte zartlichst, mehr noch ihn beglücken zu können. Itzt siel es mir ein, und ich lief, und holte ein Lamm, so ich bey dem Reihentanze erst gewonnen da hatte, und brachte es hem armen Alexis, Die Götter sind nicht glücklir .— 25 glücklicher, als ich es da war.— Aber, lieber Tyrsis, du sagtest zuvor, Aristus sey gut; dieweil er einige Geschenke dir gab; allein wüßtest du, wie er dich liebet! Wie wir alle dich lieben! Du fahtest, daß es Wohlthat für uns sey, dich erhalten zu haben. Auch danken wir es den Göttern, gestern opferte, von uns allen begleitet, Aristus im Fichtenwalde dem Pan, und er dankte laut für den Sohn, und wir für den Bruder, und bathen, der Gott möge zum guten und glücklichen Menschen erwachsen dich lassen.— Laß mich, sprach itzt mit einer brennender Rothe, und ei. ner großen Thrane im Auge, die vom Drange der Seele da zeugte; laß mich, geliebter Milon, sprach Thyrsis! Heute noch will ich in den Fichtenwald gehen: nichts besitze ich, als diesen zierlichen Stab, den mir einst ein Hirt schenkte. Dem Pan will ich ihn nun opfern, und dann die Götter bitten, daß sie meinen Pflegvatee B 5 Aristus TlTl ri t ;fTfi*rrr ir riflHf - 2 6 — Aristus erhalten, und ihn, und euch alle, ihr beßten, unaussprechlich beglücken! O ihr Götter, macht mich solcher Wohlthä» ter würdig! und laßt mich einst ein guter Mensch auch werden! gerne will ich arm bleiben! Und itzt ehe die Schatten, die durch Dämmerung schon sich ankündeten, völlig fielen; eilte der Knab ins Fichten» Wäldchen, und flehete da die Götter, um das Glück seines Wohlthaters, und um die Wonne einstens auch wohlthuen zu können. DaS 27 «eg 1 tt -- & -- — Das vierte Weltalter. Ve 6uro elk ultima ferro. Lib. I. Meta. P. Ouid. JJUtialt Wie heulet der Sturm, durch das öde Tha!! wie niedrig hänget das düstere Gewölke, so die kalten Ströme auf uns herabgießet! Mond und Sterne sind bedecket. Hu! itzt benahm mir schon wie» der den schwachen Schein der Dämmerung, das vom Winde im Wirbel gejagte Gestöber, und Regen. Damöt. Und hörst du das Schnauben des Melampus? Hier muß es Unholden geben! Hörst du, wie die Raben krächzen? Gütige Götter, laßt armen verjagten Hirten, laßt dieser kleinen abgematteten Heerde ein Obdach finden! Menalk. L8 Menalk. Eile nicht so, Damöt! Die Heerde bringen wir nicht weiter. O unglückliche Heerde ! — Schau dieses Schaf liegt entkräftet.— Halt den Melampus zurück! — Armes Schaf , hier müssen wir dich lassen/ wollen wir uns, und die andere retten l Damöt. Hörst du nicht das ferne Reiten einer ganzen Rotte? Ach sollen wir ganz geplündert, oder gar getödtet werden! Höre—<■ Wie doch die Furcht täuschet. Es ist ein rauschender Wald« ström. Nun können wir nicht gerade zugehen, hier zu Rechten wollen wir es versuchen. Menalk. Irre ich nicht, so sehe ich eine Helle dort unten.— Ja- und ein Mann / der dort gehet. Itzt ist es wieder verschwunden. Dahin wollen wir gehen. — Und itzt giengen sie, aber doch nur langsam , nach dem matten Schritte per entkräfteten Heerde auf den Ort zu, wo - 29 wo Menalk die Helle/ und das Bild des Mannes zu sehen gemeinet hatte: Und sie fanden da eine Hütte/ und nun sprach Menalk zum Bewohner der Hütte: Wer du immer seyest/ du ruhiger Besitzer dieser Wohnung/ trage Mitleiden mit zween Armen/ durch mißbrauchten Obergewalt von ihrer Heimath verjagten Hirten! Aus diesen wenigen Schafen/ die wir mit uns geführet , sind zwey uns gefallen. Ohn» weit von hier/ liegt es/ das schöne zottige Schafe; und diese halten es alle länger nicht aus. Auch mangelt cs uns/ die so lang mit Hunger und Sturme gestritten, an Kräften sie weiter zu führen. Was ich habe/ sagte itzt Aeschines/ der Bewohner der Hütte, was ich habe, werde ich euch mittheilen; aber was vermag euch viel zu geben, der Landmann, dem des Krieges schreckliche Folgen, der Mangel, und tödt« liche Seuchen ganz plünderten? Schauet die leere Scheune, und da den öden Stall, worinn 3o -== worinn kurz noch mein schönes Vieh blockte ! Hier stellet sie ein eure Schafe, in diese Stätte. Es stund da kein sieches. Und nun erzählten bey einem schlechten Mahl, so Aeschines, dem Damöt und Menalk nur vorsetzen könnte, dieselbe, wie ein Wütrich das Land beherrsche, welches sie bewohnten, 'hundertfältig genöße er, die Güter seiner unglücklichen Unterthanen. Ihm reifte die mit ihrem Schweiße getränkte Saat, ihm sey die mit beschwerlichen Wachen, mit siäter Sorge gepflegte Heerde; ihm sey selbst ihr Leben, muth- willig opferte er es auf, wenn er in den Abgründen der Erde, sie den blendenden Reichthum graben hiesig oder um noch unglücklichere zu rauben, sie zu tausend auf das Schlachtfeld führte. So tief unter dem Joche der Tyrannen gebeuget, hatten sie es gewaget, sich seiner Macht zu entziehen; durch List hätten sie sich mit ihrer kleinen Heerde, aus dem Lande geflüchtet, um = 3 1 tun das glücklichere aufzusuchen, wo Thron, der tapfere Theon seine Mitbürger schützte. Aber durch die durch Überschwemmung verwüsteten Wege, durch die Treu- loßigkeit der Menschen, die sie gefraget, und die oft an ihrem Elend sich erfreuet hätten, seyen sie also herum geirret, daß sie noch nickt wüßten, wohin der Zufall sie nun geführet hätte. Das Land, sprach itzt mit tiefer Trauer Aeschines, so den großen Theön befaß, habt ihr gefunden, ihr Hirten, aber nicht das glückliche, so den Mann noch besäße, nein, das unglückliche Land habt ihr gefunden, so nun ihn auf immer verlohr, zu gut für diese v Zeiten der Bosheit, entzogen ihn uns die Götter. Wie eine Eiche, wenn schwächere Bäume schon alle ein Spiel der Winde sind, unerschüttert da stehet, so stund er, hoch und stark unter uns. Frey ließ er uns immer, so wie er frey war, und doch sahen ihn alle für ihren Oberherrn an; und 32 und keiner kranke sich jemal, sich über ihm zu erheben. Denn glaubet mir, ihr Hirten , der wahre tapfere Mann, braucht kein anders Mittel, seine Macht zu unterstützen, als den Eindruck, den seine größere Seele auf seine Mitmenschen macht. Ach könnte ich ihn euch schildern seinen letzten Tag: Könnte ich euch jene weite Flache des Meeres nur itzt zeigen, übet welche sie zu uns kamen die Barbaren! In schwimmenden Bauen (Sästsse hießen sie sie) landeten troz des stürmischen Meeres, schrecklichen Schranken sie, an unseren Ufer an. Als einer, gegen hundert stund ihnen Theon, und rief mit mächtiger Stimme: Ihr Brüder, nun gilt es um Freyhert, ums Vaterland! Da fochten wir alle mit zehnfacher Starke, und siegten. Die zahllose Rott lag zu Boden, aber auch viele der unserigen lagen erbleicht ; und Theon, der große Theon, der lang bluttriefend schon föchte, der sterbend - 33 sterbend noch stritt, fiel mit rrnzählichen Wunden! Gegen Mitternacht liegt uns ein Hügel in zweyfacher Reihe mit dunkeln Zypressen besetzet. Dort legten wir den edlen zur Ruhe, und siäts sollte der Hügel , sollte die Stätte uns Denkmal der Vaterlandsliebe, der Tapferkeit seyn. Aber gering ist die Zahl derer, die dieses noch denken, und diese wenige können nur seufzen. Schon erheben sich viele, die selbst sich beherrschen nicht können, und doch über andere noch herrschen wollen. Ehrgeiz ist ihr Trieb, und Grausamkeit das Mittel, wodurch sie ihn befriedigen. Der Mond hat noch nicht völlig zweymal seinen Lauf seit Theons Tod vollendet; und schon blutete dreymal, der Bürger, durch die Hand seines Mitbürgers. Schon trauet der Sohn dem Vater, ein Bruder dem andern nicht mehr. Hilflos bleibL der winselnde Waise! Hilflos die schluchzende Wittwel — So ist sie nun ver- C nichtet 34 —== nichtet unsere Erwartung, sagten Damöt und Menalk/ und da wo wir unter dem Schutze der Tapferkeit, eine Hütte zu besitzen, unsere kleine Heerde ruhig zu weiden gedachten, da finden wir die Bosheit , und das dem Laster nachfolgende Elend. Aber mittlerweil Menalk, Damöt, und Aeschines, so sprachen, so raubten ihnen ihre kleinen Heerde, schalkhaft die Einwohner jenes Fleckens; und itzt da nach einer geringen Ruhe, die schwache Dämmerung eines trüben Tages, die Hir- ken zu neuen Mühseligkeiten weckte; so fanden sie ihr einziges Gut noch ihnen geraubct! fanden sich unglücklicher als einmal ! Und aller Orten verfolgte sie der Greuel jener schrecklichen Zeiten!