Wiener Stadt-Bibliothek. 30620 A Ä < i — nmr t " i Heimatkunde des politischen Bezirkes von Josef Bühl, Bürgerschul-Director in Liesing. Herausgegeben vom Lehrervereine „Liesing und Umgebung.“ Mit einer Karte. Liesing 1895. Verlag „Lebrerverein Liesing und Umgebung“. Den beiden Lehrervereinen des Bezirkes Hietzing Umgebung, „Liesing Umgebung“ und „Hasner in Würdigung ihrer Verdienste gewidmet vom Verfasser. -i •. *£V »**11*3 ct B •.l*&ääf Das vorliegende Werkchen soll insbesondere der Lehrerschaft des Bezirkes Hietzing Umgebung, dann aber auch der reiferen Jugend und allen Freunden der Heimat ein Leitfaden zur Kenntnis unseres politischen Bezirkes sein. Der Verfasser war bestrebt, auf Grund gesammelter geographischer und geschichtlicher Daten den reichen Stoff in gedrängter und zweckentsprechender Kürze niederzulegen. In wieweit ihm dies gelungen, muss der wohlwollenden Beurtheilung der geehrten Fachmänner überlassen werden. Als Quellen wurden benützt: Kirchliche Topographie; S i k k i n g e n, Niederösterreich; Topographie von Niederösterreich, herausgegeben vom Vereine für Landeskunde; ,,der Wienerwald“, herausgegeben von der Section Wienerwald des österreichischen Touristen-Clubs, etc. Außerdem wurden die Berichte der geehrten Oollegen einer entsprechenden Würdigung, unterzogen; es sei diesen hiermit der wärmste Dank zum Ausdrucke gebracht. Möge der Inhalt dieser Schrift die vom Verfasser angestrebte Pflege des heimatkundlichen Unterrichtes befördern. Liesing, im September 1895. Der Verfasser. V ^ -** ** A ' ^ , ” >%/ jte* -*', v^i? ^Jfff, ">'’ Inhalts-Verzeichnis. Seite I. Einleitung. II. Bodengestaltung: A) Gebirge. B) Das Flussgebiet . .. III. Klima.. IV. Geologische Verhältnisse. V. Kulturbild. VI. Der k. k. Thiergarten. VII. Die wichtigsten Industrie-Unternehmungen . . . VIII. Verkehrswege: A) Straßen. B) Eisenbahnen . IX. Geistige Cultur. X. Ortsgemeinden des Gerichtsbezirkes Hietzing (Land): Atzgersdorf. Erlaa bei Wien. Inzersdorf bei Wien. Kalksburg. Liesing. Mauer. XI. Ortsgemeinden des Gerichtsbezirkes Neulengbach: Anzbach . , Asperhofen. Brand (Laaben). Christofen. Grabensee . Johannesberg . .. Innbruck . Kirchstetten .... . Altlengbach. Neulengbach. Markersdorf .. Neustift bei Altlengbach. . Ollersbach ..... Kaipoltenbach. Tausendblum. ...!!.. Totzenbach. .... 1 2 5 7 8 15 18 21 22 24 25 29 32 34 35 39 42 44 47 48 50 51 53 55 55 56 60 63 63 65 66 67 68 ■i Seite XII. Ortsgemeinden des Gerichtsbezirkes Purkersdorf: Breitenfurth.70 Gablitz. 73 Hadersdorf ..75 Laab im Walde.81 Mauerbach.83 Pressbaum.86 Purkersdorf. 88 Tullnerbach.93 Wolfsgraben. 94 I. Einleitung. Unser politischer Bezirk, die Bezirkshauptmannschaft Hietzing Umgebung, bestellt gegenwärtig aus den Gerichtsbezirken Hietzing (Land), Purkersdorf und Neulengbach und erhielt am 1. Jänner 1892 seinen Namen. Er bildet den nach der Einbeziehung von Gemeinden und Gemeindetheilen nach Wien übrig gebliebenen Tlieil der ehemaligen Bezirkshauptmannschaft Hietzing, welche am 1. Jänner 1890 durch die Vereinigung der Gerichtsbezirke Hietzing, Purkersdorf und Neulengbach neuerrichtet wurde. Dermalen sind die Amtslocalitäten der Bezirkshauptmannschaft im XIII. Gemeindebezirke Wiens und zwar in Penzing im ehemaligen Gemeindeamtsgebäude dieses Ortes untergebracht. Der erste Bezirkshauptmann war der gegenwärtige Statthaltereirath Herr Ernst von Roretz. Die Bezirkshauptmannschaft hat einen Flächenraum von 4‘97 Myrm 2 (incl. des k. k. Thiergartens) und eine Einwohnerzahl von 44.272, ferner 31 Orts- und 84 Katastralgemeinden. Sie grenzt im Osten an das Gebiet der Gemeinde Wien und an die Bezirkshauptmannschaft BruckanderLeitha, imN orden an die Bezirkshauptmannschaft T u 11 n, im Westen an die Bezirkshauptmannschaft St. Pölten und im Süden an die Bezirkshauptmannschaft Baden. 1 2 II. Bodengestaltung. A) Gebirge. Der größte Theil unseres Bezirkes gehört dem Wienerwalde und seinen Vorstufen an und nur ein kleiner Theil, der östliche, fällt in die Region der Ebene. Der Wienerwald, ein Ausläufer der nördlichen Kalkalpen, ist ein ausgedehntes Bergland und lässt sich in folgende Gruppen zergliedern: 1. Die Stollberggruppe. Dieselbe erhebt sich an der Südspitze des Gerichtsbezirkes Neulengbach, schließt das Quellengebiet der Perschling ein, füllt die Landstriche zwischen ihren Zuflüssen aus und hängt durch die K1 a m m e r h ö h e mit dem Hauptkamme des Wienerwaldes zusammen. Die höchsten Gipfel in dieser Gruppe sind der Stollberg 883m und der Kasberg 787 m. Von der Stollberggruppe gehen verschiedene Ausläufer aus, von denen jedoch nur jener nach Nordost für uns von Wichtigkeit ist, da auf demselben sich die Höhe von Pyrath 620m und die Trainsterhöhe 496m erhebt. Nennenswert sind noch der Brandwald, dessen höchster Punkt 512 m ist, und der Aschberg 430m. 2. Der südliche Hauptkamm. Derselbe hängt mittelst des Sattels von Kaumberg 565 m mit den Bergen der nördlichen Kalkalpen zusammen; er bildet die Südost-Grenze des Gerichtsbezirkes Neulengbach und schließt mit dem Kais er - brunnberg 580 m (relativ 212m über dem Sattel bei Rekawinkel) im Gerichtsbezirke Purkersdorf. In diesem Zuge befindet sich der höchste Berg des Wienerwaldes, der Schöpfei 893 m und das höchst gelegene Dorf 3 dieser Gegend, Hochstrass 591 m. Von hier zieht sich ein Ausläufer zwischen den Anzbach und Altlengbach gegen die grosse Tulln hin, der in dem Kuhreiterberg 514 m und im kleinen Weinberg 491 m seine höchsten Punkte erreicht. Ein ziemlich hoher Sattel bei St. Corona (Bezirkshauptmannschaft Baden) verbindet den Schöpfe! mit dem Hollerberg 776 m, ein noch höherer den Kaiserbrunnberg mit dem H e n g s l e 1 620m, der seine Zweige über Hochrotherd 484m einerseits bis zum Hoch stock el 470 m und Hunds- kehl 454 m bei Laab, andererseits bis zum Ross- gipfel 623 m und Habelsberg 590m erstreckt. Zwischen der Reichliesing und dürren Liesing zieht sich ein Zweig von Hochrotherd über das Eichbild 557 m bis nach Rodaun (Kranzeiberg). Die ganze Region ist mit Ausnahme der Thalsohlen Waldland. 3. Der nordöstliche Kamm. Derselbe erhebt sich vom Sattel von Rekawinkel 368 m angefangen im T r o p p b e r g bis zu 540 m, senkt sich im Riederberg bis zu 417m, um im Tul- bingerkogel wieder bis 495m emporzusteigen. Hier biegt er kreisförmig um (gleichwie der südliche Kamm am Kaiserbrunnberg) und setzt in südlicher Richtung zum Rosskopf 515m fort. Dieser ist der Mittelpunkt einer Reihe von Bergen, die den Gebirgskessel von Neuwaldegg umgeben. Auch im nördlichen Theile des Wienerwaldes herrscht Wald und Wiese vor. In einem der nordöstlichen Ausläufer finden wir den Tafelberg 464m und den Haschberg 396m, in einem südwestlichen die hohe Wand und den Kolbetenberg 424m, ihm gegenüber liegt der Reh- graben 462m. Durch tiefe Sättel von den anderen Höhenzügen abgetrennt, erhebt sich am rechten Ufer der Wien die Rudolfs höhe (gelbe Berge) 47 3 m, der Feuerstein 502 m, dann die Reihe der Thiergartenberge, darunter 1 * 4 der kalte B r ii n d e 1 s b e r g 507 m, der H a g e n b e r g 711 m und der Hornauskogel, der durch den sogenannten L a a b e r S t eig 519m mit dem Hochstöckelberg zusammenhängt. 4. Das Kahlengebirge. Dasselbe liegt außerhalb unseres Bezirkes und ist eine zu besonderer Höhe aufsteigende Berginsel, die nach der Senke zwischen Sievering und Weidling am Bache beginnt und steil- gegen die Donau abfällt. Sein höchster Gipfel ist der Hermannskogel 542 m. Vor dem Kamme vorgeschobene Berge sind der Kobenzl, der fälschlich genannte Kahlenberg 482m, worauf Josefsdorf steht und der eigentliche geschichtliche Kahlenberg oder Leopoldsberg 449m (266 m über dem Spiegel der Donau). 5. Der Antheil an der Kalkzone. Derselbe besteht in den an der Grenze des Bezirkes befindlichen Bergketten zwischen der dürrer Liesing und dem Mödlingbache. Hier befinden sich der Höllenstein 638m, der Föhrenberg 578 m und der Gaisberg (Bierhäuslberg) 559 m (relativ 304m über Liesing). 6. Die Vorstufen des Wienerwaldes gehören theils dem Hügellande zwischen der Traisen und dem Wienerwalde, theils dem Hügellande zwischen dem Wienerwalde und der Schwechat an. Vom ersteren ist der Haspel wald von Wichtigkeit. Derselbe bildet die Grenze (NW) gegen den Gerichtsbezirk Atzenbruck und dehnt sich zwischen der Würmla und dem Seebache einerseits, der großen Tulln und der Perschling andererseits aus. Die wichtigsten Punkte im Haspelwalde sind: Die Graben- 5 höhe 310m, die Raipoltenbacher Höhe 355m, der Senning 348m und der Kronenberg 308m. Ferner ist noch jene Vorstufe des Wienerwaldes zu erwähnen, welche, beim Sattel von Kekawinkel beginnend, sich in nordwestlicher Richtung zwischen der kleinen und der großen Tulln erstreckt und im Buch- b e rg469 m bei Johannisberg und im Eichberg382m ihre größte Höhe erreicht. Die Vorstufen des Wienerwaldes, w r elche dem Hügellande zwischen dem Wienerwalde und der Schwechat angehören, treten im Bezirke nur in geringem Ausmaße auf. Erwähnenswert ist der 257 m hohe Rosenhügel bei Mauer mit dem Reservoir der Wiener Wasserleitung; ferner die an der Grenze des Bezirkes liegenden Erhebungen : Gloriette 237 m, Spinnerin am Kreuz 236m und Laaerberg 254m. Der an der Liesing gelegene östliche Theil des Bezirkes ist ebenes Land und gehört dem Wiener Becken an, jener ausgedehnten Ebene, die mit dem oberungarischen Tiefland durch die breite Pforte bei Bruck a. d. Leitha zusammenhängt. B) Das Flussgebiet. Der Bezirk Hietzung Umgebung gehört dem Flussgebiete der Wien, dem der großen und kleinen Tulln und dem der Schwechat an, nur ein ganz geringer Theil fällt dem Flussgebiete der Perschling zu. (Totzenbach und Stößingbach.) DasFlussgebi et der Wien nimmt einen Flächenraum von 230 Jcm 2 ein und führt aus 124 Quellen das Wasser aus den inneren Thälern des Wienerwaldes dem Donaucanale zu. Für die Hauptquellen der Wien gelten die dürre (träge) und die grotte (frische) Wien am Kaiserbrunnberg. Am linken Ufer nimmt sie den Tullnerbach, den Gabiitzbach, den Mauerbach und den Halterbach auf; am rechten Ufer 6 den Pfalzaubach, den Wolfs grabenbach, den Paunzenbach, den Roth Wassergraben und den Lainzerbach. Die Wien erreicht eine Länge von 31‘8 km. Das Flussgebiet d er grossen Tulln umfasst 259 km 2 , wovon der größte Theil auf den Gerichtsbezirk Neulengbach kommt und nur kleine Theile den Bezirkshauptmannschaften Tulln und St. Pölten zufallen. Nach dem Zusammenflüsse des Laabenbaches, der ober der Klammhöhe entspringt und die „Laaben“ durchfließt, und des Anzbaches, der vom Rekawinkeler Sattel hereilt, tritt erst der Name Tullnerbach auf. Unter den Zubächen sind der Lengbach, der Da mb ach, der S eebach, der Raipo 11enbach und der Moosbach nennenswert; die große Tulln ergießt sich bei einer Länge von 21 *8 km westlich von Tulln in die Donau. Am Flussgebiete der kleinen Tulln, das 83‘5 km 2 beträgt, hat der Bezirk Hietzung Umgebung nur geringen Antheil. Die kleine Tulln entsteht durch die Vereinigung des Koglingerbaches mit dem E lsbache; ersterer kommt weiter her und entspringt nächst dem Rekawinkeler Sattel. Die kleine Tulln erreicht eine Länge von 11 'Qkm und mündet bei Tulln in die Donau. Zum Flussgebiete der Schwechat gehört die Liesing. Dieselbe entsteht aus der Vereinigung der aus dem Breitenfurther Thalkessel kommenden Reichliesing mit der das Kaltenleutgebener Thal durchfließenden dürren Liesing bei Rodaun. Die Reichliesing nimmt am linken Ufer den Laaberbach und den aus dem Thiergarten kommenden Gütenbach fauch Gutenbach) auf. Noch vor der Vereinigung der Reiehliesing mit der dürren Liesing wird von ersterer ein Mühlbach abgeleitet, der sich bei Erlaa wieder mit der Reichliesing verbindet. Die Liesing mündet bei einer Länge von 25 km in die Schwechat. 7 Schwefelhaltige Mineral-Quellen finden sich in Mauer und in Kalksburg vor. In Atzgersdorf sind einzelne artesische Brunnen mit schwefelhaltigem Wasser erwähnenswert. III. Klima. Das Klima ist ein mehr trockenes und unbeständiges ; die Temperatur wechselt oft an einem Tage von 10° bis 15° ß. Im Wienthale ist jedoch das feuchte Klima mit kühlen, nebeligen Morgen und Abenden namentlich zur Sommerszeit vorherrschend; überhaupt ist die Westseite des Bezirkes etwas kühler, da die häufigen Westwinde dort anfallen und die Niederschläge vermehren. Der Frühling ist gewöhnlich rauh und nicht selten noch anfangs Mai von Nachtfrösten, die auf den Wein- und Obstbau schädigend ein wirken, begleitet. Der Übergang des Frühlings zum Sommer erfolgt meist schon anfangs Juni und ist gewöhnlich grell. Der S o m m e r ist heiß und trocken. Die Eegen- und Gewitterwolken ziehen gewöhnlich von NW nach S heran und entleeren sich selten über größere Strecken des Bezirkes, sondern ziehen meist gegen das Leithagebirge oder die Donau. Der Herbst ist die beständigste Jahreszeit. Er beginnt Mitte September und ist anfangs meist trocken und mäßig warm, wird aber in der zweiten Hälfte October in der Regel nasskalt Er hat durchschnittlich eine Dauer von nur zwei Monaten, da um Mitte November die Temperatur oft tief unter Null sinkt und Schneefälle im gebirgigen Theile des Bezirke bereits Ende October eintreten. Der Winter ist bei Beginn mehr trocken, dann nebelig und nasskalt; größere Schneefälle treten gewöhnlich erst um Weihnachten ein. Die Temperatur ist im Hochsommer selten über -f-30° ß in der Sonne; sowie bei der größten Kälte selten bis —20° ß. Die durchschnittliche Jahrestemperatur ist ungefähr -j-8° R. 8 IV. Geologische Verhältnisse. In Bezug auf die geologischen Verhältnisse hat unser Bezirk bloß sedimentäre Ablagerungen, d. i. solche, die sich durch Niederschläge aus dem Wasser, durch Bodensatz der im Wasser aufgelösten mineralischen Stoffe gebildet haben. Es treten hier folgende Formationen auf: 1. die rhätische Formation, 2. die Juraformation, 3. die Kreideformation, 4. die Eocänformation, 5. die Neogenformation und 6. die Quartärformation. Die ersten drei Formationen gehören dem Mittel alter der Erde an, in welchem fast noch keine Säugethiere lebten, die Eocän- und Neogenformation der Neuzeit der Erde, in der schon die meisten Stämme der Säugethiere erscheinen, die Quartärformation der mit dem Menschengeschlechte beginnenden Jetztzeit der Erde. Das Alterthum der Erde ist in geologischer Hinsicht in unserem Bezirke nicht vertreten. Rhätische Formation. Sie hat ihren Namen von ihrer in den rhätischen Alpen in Tirol auftretenden Mächtigkeit. Dieser Formation gehören die nach dem Dachsteingebirge benannten Dachsteindolomite (Hauptdolomite), Dachsteinkalke und die Kössener Schichten (so genannt von dem Orte Kossen bei Kufstein in Tirol) an. Der Dolomit ist das tiefste Glied der rhätischen Formation und besteht aus 54—64°/ 0 kohlensaurer Kalkerde mit 46—36°/ 0 kohlensaurer Magnesia (Talkerde). Das Gestein ist dicht und feinkörnig wie Marmor, so dass es selbst in der Bildhauerei dessen Stelle vertreten kann, gewöhnlich ist es aber blätterig, schuppig und porös. Die Farbe ist meistens weiß mit gelblichem oder grauem Striche, selten aschgrau oder graulichschwarz. Die Felsmassen enthalten im Innern häufig Spalten und Klüfte; Versteinerungen sind in der Regel nur spärlich vertreten. 9 In unserem Bezirke findet sich Dolomit südlich und südwestlich von Kalksburg (Himmelswiese und Klause), dann bei ßodaun und Perchtoldsdorf in dem Dolomitzuge, der von hier über Kaltenleutgeben gegen Heiligenkreuz geht. Er ist marmorartig, grau, braun oder ziegel- roth. Die Kirche von Kaltenleutgeben ist mit diesen Marmorarten ausgeschmückt. Derbe und feste Dolomite geben einen sehr guten Mauerstein; kleine Stücke vorzüglichen Straßenschotter, die thonreichen Sorten, z. B. ßauchwacke, liefern guten hydraulischen Kalk; eine theilweise Verwendung haben die Dolomite auch bei der Herstellung von Sodawasser gefunden. Die Dachsteinkalke sind gewöhnlich deutlich geschichtete, sehr reine, mächtige Kalksteinmassen mit einer eigenthümlichen Art versteinerter, herzförmiger Muscheln (Megalodon triqueter), die 2—150 cm Länge haben. In unserem Bezirke kommt der Dachsteinkalk nicht vor und ist derselbe selbst im Wienerwalde nicht sehr verbreitet, aber doch typisch entwickelt am An- ninger und im unteren Helenenthale. Die Kössener Schichten sind meist dunkel gefärbte, dünn geschichtete, oft mergelige Kalksteine und machen das versteinerungsreichste Glied der rhätischen Formation aus. Hauptsächlichst sind es Brachiopoden (zweischalige Musehelwürmer) und riffbauende Korallen (Lithoden- dron), welche in diesem Gestein als Petrefacten Vorkommen. Wir finden in unserem Bezirke Kössener Schichten im Thale beim ßothen Stadl. Juraformation. Dieser Formation, in der Kalk und Eisensteine mit oolithischer, d. i. aus kleinen rundlichen Körnern bestehender Structur stark verbreitet sind, gehört der unterste Jura oder Lias, der mittlere und der obere Jura (größtentheils rothen oder grünen Hornstein enthaltend) an. Sie bleibt für unseren.Bezirk von untergeordneter Bedeutung, da dieselbe bloß als oberer Jura in einer geringen Ausdehnung nördlich von Kalksburg, unweit der Schießstätte von Mauer und am Kaltenleutgebener Thale auftritt. 10 Kreideformation. Diese Formation ist reich an Versteinerungen marinen Ursprungs, es treten jedoch auch Süßwasserbildungen und Laubholzspuren auf. Wir unterscheiden bei dieser Formation die untere Kreide (das Neocom, Aptychenkalk mit Hornsteineiü, die mittlere Kreide (Wiener Sandstein und Mergelkalk) und die obere Kreide (Gosau-Mergel und Gosau-Sandstein). Die Schichten haben im allgemeinen eine lichte Färbung. Der Aptychenkalk findet sich bei Hochrotherd in. röthlicher Farbe, nordöstlich und auf der Spitze des Hornauskogels im k. k. Thiergarten erscheint derselbe weiß gefärbt, während an den Nordabhängen dieses Berges der rothe Mergel in großer Mächtigkeit auf- tritt. Am Gütenbache kommen in den rothen Kalken sehr viele Aptychen vor und die rothen Mergel sind hier stark entwickelt. Die länglichen Hügel bei Mauer enthalten rothen Mergel, in dem weißer Aptychenkalk auftritt, der als Schotter für die Wege des k. k. Thiergartens benützt wird. Mit dem weißen Kalke kommt zugleich ein rother Kalkstein vor, beide enthalten Belem- niten und eine große Menge von Aptychus lamellosus und ■ Aptychus latus. Die Schichtung dieser beiden verschieden gefärbten Kalksteine zeigt am Gütenbache eine Überlagerung der rothen über den weissen, im Katzengraben westlich vom Teichhause eine Überlagerung der weissen über den rothen Kalksteinen. Der Wiener Sandstein, zum Theile der Kreideformation angehörig, kommt in unserem Bezirke am häufigsten vor und wird von Aptychenschiefer durchzogen. Ein Zug solchen Schiefers geht über die nördlichen Abhänge des Schöpfel- berges, er wird sehr mächtig bei der kleinen Krotten- bach-Klause und wendet sich von hier nach Nordost in den Gerichtsbezirk Purkersdorf. Der darin vorwaltende Schiefer ist theilweise über 200 m mächtig, zumeist sehr mürbe und eisenschüssig, stellenweise Nieren von Thoneisenstein und auch Hornsteinkugeln enthaltend. 11 Die Wiener Sandsteinzone wird südlich durch die Linie Ober-St. Veit — Mauer — Kaltenleutgeben — Alland — Altenmarkt— Kaumberg — Hainfeld bezeichnet. Alles was nördlich von dieser Linie liegt, gehört der Sandsteinzone an. Dieser Zone gehören also die beiden höchsten Kuppen des Wienerwaldes, der Schöpfei und der Stollberg, ferner die Abhänge des gesammten oberen Wienthaies, der k. k. Thiergarten, also der ganze Gerichtsbezirk Purkersdorf und der größere (südliche) Theil des Gerichtsbezirkes Neulengbach an. Der Wiener Sandstein besteht aus Quarzsand, der durch kohlensaure Kalkerde und Magnesia mit bedeutenden Mengen von Eisenoxydul als Bindemittel zusammengehalten wird. Er ist meistens ziemlich feinkörnig, glimmerreich und in Säuren lebhaft brausend. Seine blaugraue Farbe wird durch Verwitterung gelb oder gelbbraun, indem sich das Eisenoxydul durch Aufnahme von Sauerstoff in Eisenoxyd verwandelt. Die wohlgeschichteten Sandsteinbänke wechseln mit Schichten von Mergelschiefer, aus dem zuweilen hydraulischer Kalk gewonenen wird. Im Wiener Sandsteine kommen nicht selten schöne Kalkspatdrusen vor, seltener jedoch Bergkrystall und Schwerspat. Bei Gablitz hat man in neuerer Zeit ein bernsteinartiges Mineral in ziemlicher Menge im Wiener Sandsteine gefunden, auf das schon Abbe Stütz aufmerksam gemacht hat. Größere Steinbrüche befinden sich bei Gablitz und Pressbaum, Rekawinkel (Froschleiten) und Manzing (bei Altlengbach). Der Wiener Sandstein dient häufig als Baustein und es hat die recht homogene, lichtbraune Sorte von Manzing beim Baue des neuen Domes in Linz eine wichtige Verwendung gefunden. Organische Überreste finden sich selten im Wiener Sandsteine. Am gemeinsten sind Abdrücke von Seealgen, ferner eigenthümliche Hohldrücke und Wülste; wurm- förmig verschlungene Zeichnungen (Hieroglyphen) deuten bestimmt auf organisches Leben hin. Es sind dies 12 Dämlich die Fährten, welche Würmer und andere niedere Thiere auf dem einst weichen Schlammgrunde zurückgelassen haben. Bei Pressbaum wurden im Wiener Sandsteine Beste von Muscheln aus der Familie der Inoceramen gefunden. Häufig sind auch Kohlenspuren und Stücke verkohlten Holzes zu treffen. Die Berge des Wiener Sandsteines sind sanft gerundet, mit Vegetation überdeckt; der Boden ist ein tiefgründiger kalkhaltiger Lehmboden. Das oberste Glied der Kreideformation, der Gosau- mergel und Gosausandstein, ist im Bezirke Hietzing Umgebung nicht vertreten. Eocänformation. Diese Formation füllt theils frühere Meeresbecken aus, theils bildet sie Gebirge; sie besteht aus Kalken, Sandsteinen, Thonen, Mergeln u. s. w., bald Meeres- bald Süßwasserbildungen und hat zahlreiche Spuren aus der Pflanzen- und Thierwelt (Säuge- thiere), welche darauf hindeuten, dass Europa in diesem Zeitalter ein von zahlreichen Meeresarmen durchschnittenes Festland war, in dem ein anfangs tropisches, allmählich gemäßigtes Klima bestand. Ebenso gibt der mehrfache Wechsel von Süßwasser- und Meeresbildungen Zeugnis, dass damals bedeutende Bodenschwankungen und Niveauveränderungen der Meere stattfanden; es fällt in diese Periode die letzte Hebung der Alpen und überhaupt eine großartige vulcanische Thätigkeit. Der im Bezirke vorkommende Wiener Sandstein gehört zum Theile der Eocänformation an. Neogenformation. Diese Formation zeigt ebenfalls einen mannigfachen Wechsel von Bildungen aus Salz-, Süß- und Brackwasser (Gemisch von Salz- und Süßwasser). Sie tritt jedoch nicht mehr gebirgsbildend auf, sondern erfüllt beckenförmig die Niederung am Abfalle des Gebirges. Sie besteht aus Kalken, Con- glomeraten, Sandsteinen und Thonen; in ihren Petre- facten ist die zweite große Säugethierschöpfung dargestellt, an welche sich unmittelbar der Ursprung des Menschengeschlechtes reiht. 13 Im ganzen zeigt die Neogenformation eine Mischung echt tropischer Pflanzen mit solchen der gemäßigten Zone, ein Beweis, dass die tropische Hitze bei Beginn der Eocänzeit nach und nach sich mäßigte und am Ende der Neogenzeit dem gegenwärtig in Niederösterreich herrschenden Klima schon sehr nahe war. Die im Bezirke Hietzing Umgebung bedeutender auftretenden Schichten dieser Formation sind der L e ithakalk und dessen Conglomerate, der Sandstein und Mergel des Tullner Beckens, dann C eri thie nkalk und Cerithiensandstein, sowie Tegel. Der Leithakalk (Kaiser-Steinbruch bei Wollersdorf) ist eine marine, aus Korallenbänken entstandene Bildung an den früheren Meeresufern und Inselrändern, w r elche vorzüglich aus Resten von Nulliporen und Amphisteginen besteht. Das Gestein ist weiß und fest und enthält Geschiebe anderer Felsarten, Conglomerate; dieselben finden wir an der Berglehne östlich von Kalksburg, dort, wo heute der Weber’sche Weinkeller errichtet ist. Leithakalk und Conglomerat liefert ein vorzügliches Baumaterial. Der Sandstein und Mergel des Tullner Beckens findet sich im nördlichen Theile des Gerichtsbezirkes Neulengbach und dürfte ungefähr die Westbahn die Grenze zwischen demselben und dem Wiener Sandstein bilden (Steinbruch in Anzbach). Die Ceri- thienkalke und Cerit hiensands teine sind eine Bildung der sarmatischen Stufe, also Ablagerungen aus einem See, der etwas gesüßt, von seiner Verbindung mit dem offenen Meere zum Theile oder ganz abgeschnitten war und ganz andere Erscheinungen, namentlich eine verschiedene Gruppierung der darin begrabenen Thierwelt zeigt. Das Gestein ist gelb oder bläulich gefärbt, theils fest, theils weich (Molasse-Sandstein) und findet sich westlich von Liesing (gegen die Himmelswiese zu), bei Mauer und Atzgersdorf (Steinbrüche an der Süd-Bahn), auf der Hauptmasse des Tegels aufliegend. Molasse- Sandstein kommt am Laaerberge vor. Der Tegel gehört 14 (im Bezirke) der Brack- und Süßwasserbildung, der sogenannten Oongerienperiode an und zeichnet sich durch das Auftreten einer ganz neuen Thierwelt, namentlich einer kinderfaustgroßen Muschel, der Con- geria subglobosa, aus. Die eolossalen Ziegeleien des Wiener- und Laaerberges liegen in diesen Schichten, welche stellenweise von einer ausgedehnten, vielfach schon abgewaschenen und zerstörten Flußbildung, dem Belvedere-Schotter, überlagert werden. Der Tegel bildet auch im allgemeinen den Untergrund der Stadt Wien. In jeder Beziehung am bedeutendsten sind die öfter von Sandleisten unterbrochenen Tegellager bei Inzersdorf. (Bei einer Bohrung am Laaer- berge wurde dieser Tegel m einer Tiefe von 144 m noch nicht durchstochen.) Gerolle und eine dünne Lage von Löss bedecken den Tegel. Die höheren Schichten desselben zeigen durchgehends eine durch Eisenoxyd hervorgebrachte gelbliche, die tieferen, in welchen eine höhere Oxydation nicht stattfinden kann, eine bläuliche Färbung. Der Tegel enthält einen geringen, selten 6°/ 0 übersteigenden Gehalt an kohlensaurem Kalk; geschlämmt hinterlässt er etwas Sand, der stets aus Quarz-, nie aus Kalkkörnern besteht, desgleichen sind feine Glimmerblättchen beigemengt. Der Inzers- dorfer Tegel ist von vorzüglicher plastischer Qualität; seine Benützung für die Ziegelfabrication ist eine riesig große und die Erzeugung von Terracotten in Inzersdorf ist nennenswert. Bei Mauer und Liesing finden sich in den oberen Tegelschichten viele Oerithien (Hernalser- tegel). Bei Liesing sind die Schichten durch kohlen- sauren Kalk so stark zusammengekittet, dass sie harte Bänke bilden, die in Wien als Bruchsteine zu den Fundamenten der Häuser benützt wurden (Steinbrüche des F. Lehner und Brunner). In diesen Bänken sind die Schalen der Oonchylien ganz aufgelöst und man sieht nichts mehr, als die hohlen Räume und Abdrücke der deutlich erkennbaren Oerithien 15 Quartärformation. Diese besteht aus zwei Abtheilungen, einer unteren, dem Diluvium und einer oberen, dem Alluvium. Das Diluvium (aufgesehwemm- tes Land) besteht aus Löss, Gerolle und Sandablagerungen. Der Löss ist ein feiner, lockerer, etwas kalkhaltiger, gelbbrauner Lehm, der viele Gehäuse von Landschnecken enthält und den besten Ackerboden bildet. Er findet sich in unserem Bezirke zwischen Liesing und Mauer (nördlich von der ehemaligen „Rothen Hütte“), am Rosenhügel, ferner nördlich von Hutten und an den Ufern der großen Tulln im nördlichen Theile des Gerichtsbezirkes Neulengbach. Das Diluvialgerölle (Schotter) ist theil- weise zu Conglomeraten verhärtet und findet sich mit Sandablagerungen an der Liesing von Kalksburg angefangen über Rodaun und zwischen Liesing, Neu-Erlaa und Siebenhirten. Das Alluvium (angeschwemmtes Land) wird von den neuesten, sandigen und thonigen Anschwemmungen am Grunde aller Thäler gebildet. Von noch in Fortbildung begriffenen Gebirgsarten findet man Kalktuff als Quellabsatz an vielen Punkten, besonders in der Sandsteinzone (bei Purkersdorf). Wo das Alluvium hervortritt, bildet es die Ackererde. V. Kulturbild. Die vorzüglichsten Erwerbsquellen der Bewohner sind Ackerbau, Viehzucht, Industrie, Gewerbe und Handel. Im Gerichtsbezirke Hietzing (Land) sind überwiegend Industrielle, Handels- und Gewerbetreibende, im Gerichtsbezirke Purkersdorf und Neulengbach hingegen Waldwirtschaft- und Ackerbautreibende. Der Ackerbau liefert Gerste, Roggen, Hafer, Weizen, Mais, Kartoffeln, Rüben und Hülsenfrüchte. Die Weizencultur, welche einen etwas bündigen, lehmigen oder thonigen, feuchten, tiefkeimigen Boden 16 verlangt, nimmt im Bezirke deD letzten Rang ein. Am meisten wird Weizen im nördlichen Theile des Gerichtsbezirkes Neulengbach angebaut. Die geringste Intensität hat der Weizenbau in der fast ackerlosen Gegend zwischen Breitenfurth, Laab und Mauer, ferner im Hügellande und in der Ebene östlich von Liesing. Der im Bezirke gewonnene Weizen, dessen Qualität jener des Marchfeldes und des ungarischen Tieflandes entschieden zurücksteht, dient meistens zum eigenen Bedarfe. Der Roggen gedeiht am besten auf einem humusreichen, sandigen Lehmboden oder lehmigen Sandboden mit durchlassendem Untergründe. Nächst der Gerste ist im Bezirke dem Roggen die grösste Anbaufläche gewidmet Er dient theils zu eigenem Bedarfe, theils wird er an die Handelsmühlen verkauft. Die Gerste ist der Quantität nach die erste Fruchtgattung im Bezirke und wird insbesondere in der Ebene (bei Liesing) und im Bezirke Neulengbach angebaut und an Bierbrauereien oder Malzfabriken verkauft. Der Anbau des Hafers ist ebenfalls nicht bedeutend und reicht nicht hin, den Bedarf zu decken. Von den übrigen Producten des Ackerbaues wird nur soviel angebaut, dass der eigene Bedarf gedeckt ist. Die Weinkultur ist bloß im Gerichtsbezirke Hietzing erwähnenswert und beträgt das Flächenausmaß der Weingärten in Atzgersdorf 47 nied. Joch, in Erlaa 2 Jocn, in Inzersdorf 14 Joch, in Kalksburg 33 Joch, in Liesing 84 Joch und in Mauer 148 Joch. Der durchschnittliche Ertrag (1866—1875) war in Atzgersdorf 300 Eimer, in Kalksburg 200, in Liesing 400 und in Mauer 2230 Eimer. In Atzgersdorf sind rothe und grüne Veltliner, in Kalksburg Riesling und hie und da auch Rheinwein-Reben, in Liesing Zihrfandler und in Mauer blaue Portugieser vorherrschend. Der erzeugte Wein findet theils in Busehenschänken, theils in Wien seinen Absatz. Der Obstbau liefert Walnüsse, Zwetschken, Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche, Äpfel und Birnen. 17 Der Ertrag ist nicht bedeutend, da die Obstblüte fast alljährlich durch Frühlingsfröste und Nebel leidet. Der Anbau von Gemüsepflanzen wird insbesondere in Erlaa, Atzgersdorf und Inzersdorf betrieben. Die Bewaldung ist im politischen Bezirke Purkersdorf und Neulengbach noch bedeutend, in der Ebene zwischen Liesing und Inzersdorf verschwindet sie ganz. Der Wald ist nur an den Lehnen und im Grunde größerer Thäler, an den Abhängen des Tullnerfeldes, sowie an einzelnen Stellen auf den Rücken der Höhenzüge selbst von Wiesen unterbrochen oder ganz durch diese verdrängt; Äcker finden sich in ausgedehnterem Maße nur gegen das Tullnerfeld zu, sowie zwischen Rekawinkel und Neulengbach. Die vorherrschende Baumart bildet die R o t h b u c h e, auch die Eiche ist stark vertreten; ihnen beigemischt sind die Fichte und Tanne, dann die Birke, die Pappel, der Ahorn und die Espe. Östlich bei Mauer und Kalksburg tritt die Schwarzföhre zahlreich auf. Als Alicebäume werden Pappeln und Kastanien, Akazien- und Weichselbäume und in neuerer Zeit auch der cschen- blättrige Ahorn gepflanzt Nennenswert ist der Futterbau auf Wiesen und Äckern des Bezirkes. Die Viehzucht weist die gewöhnlichen Hausthiere auf und ist nicht bedeutend; Pferde und Rinder werden theils zum Lohnfuhrwerk, theils zur Feldarbeit verwendet. Die Milchwirtschaft ist nicht unbedeutend, die Erzeugnisse derselben werden züm großen Theile ebenfalls in Wien abgesetzt. Der Fleichbedarf wird durch die innerhalb unseres Bezirkes gekauften Rinder nicht gedeckt. Schweine, Ziegen, Hühner, Enten, Gänse und Tauben werden meist nur für den Hausbedarf gehalten. Die Jagd liefert Hasen, Rehe, Füchse, Dachse, Rebhühner, Holztauben und Wachteln. Im k. k. Thiergarten werden auch Wildschweine, Hirsche,' Mufflons und 2 m 18 einige Steinbockbastarde gehegt. Die Bienenzucht wird vereinzelt betrieben. Das Mineralreich liefert Bausteine und Tegel zur Ziegelbereitung, Schotter zu Straßenmaterial, auch Bausand und Kalk. Von Bedeutung ist die Eisgewinnung aus den Teichen bei Atzgersdorf, Liesing und Mauer. Bemerkenswert sind die im Neulengbacher Bezirke in neuerer Zeit angelegten Schürfe auf Brenn kohlen, deren Abbauung kaum lohnenswert sein dürfte. VI. Der k. k. Thiergarten. (Aus der Chronik der Schule in Mauer.) Der Thiergarten hat einen Flächeninhalt von mehr als 4476 Joch = 2589 ha und grenzt an die Gemeindegebiete von Hadersdorf, Weidlingau, Mariabrunn, Wien, Speising, Mauer, Kalksburg, Breitenfurt, Laab und Purkersdorf. Die ziemlich unregelmäßige Grenze wird durch eine über 3 Meilen = 22'654 7cm lange Mauer bestimmt. Die Mauer, 7‘ = 221 m hoch und VW = 77 cm dick, hat 25 Thüren, 15 kleinere Thore und 3 Hauptthore: 1. Das Grünauerthor (Hütteldorferthor oder Auhof), 2. das Lainzerthor und 3. das Laaberthor (D i a n a t h o r). Der eigentliche Haupteingang befindet sich beim Forsthause im Auhofe, wo an einem Gitterthore zu beiden Seiten Wildschweine aus Stein gehauen sichtbar sind. Der Auhof ist als ärarisches Gebiet mit dem k. k. Thiergarten vom Gemeindeverbande Hadersdorf ausgeschieden. Das Lainzerthor, als am nächsten bei Schönbrunn, wird am meisten zur Zufahrt vom k. k. Hofe benützt. Die Zierden des Wienerwaldes, schöne Waldpartien, klare, murmelnde Bäche, blumige Wiesen und 19 interessante Aussichtspunkte, haben im Thiergarten durch die Abgeschlossenheit von der Außenwelt einen fast erhöhten Reiz. Ihr Besuch ist jedoch selten gestattet. Wer aber auf stiller, einsamer Waldwiese das edle Hochwild weiden sah, wer einem bald bergauf bergab rasenden Rudel Schwarzwild nachzublicken Gelegenheit hatte, oder von einer zornigen Bache, die durch den Fremden ihre Jungen bedroht glaubte und schnaubend und wuthsehäumend das Gebüsch durchbrach, die gesträubten Borsten aufgerichtet — erschreckt wurde, so dass er sich nur an der Seite des begleitenden, respecteinflößenden Jägers sicher fühlte; wer ferner die mehrhundertjährigen Föhren, von manchem Blitz gestreiften Eichen betrachten konnte und auch die malerisch gelegenen Jägerhäuschen sah, den werden noch lange angenehme Erinnerungen an den Besuch des großartigen Thiergartens erfreuen. Der Untergrund taugt besonders für die Buche, welche hauptsächlich den Waldstand bildet; doch finden sich in einzelnen größeren Partien auch Zerreichen (Quercus cerris) und Tannen. Im k. k. Thiergarten werden etwa 320 Bachen gehalten, die einen jährlichen Abschuss von circa 566 Stück liefern; sie werden mit Mais gefüttert. Ferner sind daselbst 538 Stück Edelwild und 240 Stück Damhirsche, die im Winter mit Heu und gelben Rüben erhalten, und mit Rosskastanien, die sie als besondere Leckerbissen lieben, an die Futterplätze gewöhnt werden. Nächst dem genannten Wilde werden noch circa 80 Mufflons, eine Anzahl Rehe und einige Steinbockbastarde gehegt, auch werden jährlich circa 25 Stück Füchse geschossen. Den Hofjägern von Hütteldorf, Lainz und La ab, dann den k. k. Jägern am Rohrwiesenhaus, am Hirschgstemm und am Teichhaus, sowie mehreren Adjuncten, Weidj ungen und Aufsehern ist die Pflege und Beaufsichtigung der verschiedenen Reviere zugewiesen. Zahlreiche Partien früherer 2 * 20 fremder Eigenthtimer wurden bereits eingelöst ; doch haben noch die Gemeinde Mauer und H. Dräsche, Ziegelei-Besitzer in Inzersdorf, Besitze im Thiergarten. Zum Holzbezuge, der unter Aufsicht des Försters geschieht, wird nur an wenigen Tagen den Leuten das betreffende Thor geöffnet. Schon während der Begierungszeit Kar 1 VI. wurde der Garten angelegt, aber nur mit einem Zaune von verflochtenen Eichenpfählen eingefriedet, weshalb er nicht selten von Wilddieben überstiegen wurde; auch brach das Wild gelegentlich durch und schadete dem Eigenthume der Nachbarn. Dieselben schützten dieses dadurch, dass sie eine hölzerne Umzäunung anlegten. Manche Feldbesitzer spitzten jedoch die Pfähle oben zu, so dass bisweilen darüber hinwegsetzende Hirsche hiedurch qualvoll ihr Leben einbüssten. Ein Erlass verbot diese UDhumane Art der Versicherung; doch gab es Leute, die nicht gehorchen wollten, sie machten die Zäune nicht nach Vorschrift, nur etwa 1 m hoch, sondern höher und deshalb waren Streitigkeiten und Schlägereien zwischen Jägern und Grundbesitzern nicht selten. Es kam endlieh soweit, dass die Gemeinden Purkersdorf, Weidlingau, Hadersdorf etc. sich bittschriftlich an die Kaiserin Maria Theresia wenden mussten, die ihnen in einer Audienz gestattete, die Zäune höher, jedoch ohne die gefährlichen Zuspitzungen machen zu dürfen. Die jetzt bestehende Mauer wurde erst unter Kaiser Josef II. aufgeführt. Im Laufe der Jahre haben Monarchen aus verschiedenen Ländern an den Jagden im Thiergarten theilgenommen. Er ist somit ein Stück Land, dem seltene und merkwürdige Besuche zutheil wurden. — Für Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth wurde 1882 und 1883 im Osten des k. k. Thiergartens ein prachtvolles Jagdschloss erbaut. 21 VII. Die wichtigsten Industrie-Unternehmungen im pol. Bezirke Hietzing Umgebung sind: Liesing. Act iengesellso ha ft der Liesinger- Brauerei, Wagemann, S e y b e 1 & Comp., Fabrik ehern. Produete, Sarg’s F. A. Sohn & Cie., k. k. pr. Stearinkerzen-, Seifen- und Glyeerinfabrik, Jakob Po llak &Sö hne,Cattundruckfabrik, Felsenstein &Parsclie, Maschinenfabrik, F. Benkö, Kupfer- und Eisenwaren- fabrik, Wilhelm L o v r e k, fabriksmäßige Erzeugung von Grabausstattungs - Gegenständen, Aufschriftstafeln etc., S p ö r 1 i n & Z i m m e r m a n n, Tapeten- und Buntpapier- fabrik etc. Atzgersdorf. Joh. Gabriel, fabriksmäßige Erzeugung von Weberei- und Wirkwaren, Karl Schember, k. k. pr. Wagenfabrik, Gustav Pollak, Lederfabrik, Gut ruf & Sohn, Schnür- und Börtelfabrik, Alois P a r t a r t, Clavier- und Pianino-Erzeugung, G r o m a n n Leop. & Sohn, Farben-, Lack- und Firnissfabrik, A u e r & W eis heim, Gasglühliehtfabrik, H ö b i n g e r, Zimmergeschäft und Dampfsäge, Filipowsky jun., Thonwarenfabrik, Adelberg & Heller, Cattun- und Jutedruckerei, Emilian Österreicher, Druckfabrik, F. Beek, Jacquard-Maschinenfabrik. Inzersdorf. Eisler lg. & Comp., Conserven- fabrik, Szongott Ant., k. k. priv. Baumwoll-, Schaf- woll- und Leinenwaren-Druckfabrik, Österr. Bau- gewerke-Gesellscliaft, Ziegelbrennerei, W i e n e r- berg er Ziegelfabriks- und Baugewerkschaft, Ziegelbrennerei und Terracottawarenfabrik, Karl Popper, Fabrik für Tapetenerzeugung, Karl W e n d, Metallwaren- Erzeugung, Marie Simon, Erzeugung von Watta, Josef Feiler, Maschinenschlosserei. A11 - E r 1 a a. Josef Österreicher, Seidenfärberei, Wagner Hiezu gehören: r Kirchstetten, Dorf mit Eichberg, Eigenhof und Sommerhof (247 Einw.), Aschberg, Rotte (T7 Einw.), 56 Gstockert, Dorf mit Kreith und Steinweg (42 Einw.), Hinterholz, Dorf mit Biranek, Grubhof und Warthof (100 Einw.), Siehelbach, Dorf mit Kesselhof (142 Einw.), Ober-Theisl, Rotte (28 Einw.), Waasen, Dorf mit Bonau (94 Einw.). Kirchstetten wird um das Jahr 1130 in Formbacher Urkunden als Ohirstetin genannt und liegt am Fuße des Eichberges. Der Ort soll einst bedeutend größer gewesen, durch die Türkenverwüstungen 1683 aber herabgekommen sein. Aus dieser Zeit stammt auch das Recht, zwei Jahrmärkte abzuhalten, die jetzt kaum mehr besucht werden. Die Kirche (St. Veit), eine Filiale der Pfarrkirche Ollersbach, ist klein und einfach. Am Ende der Abseite ist das Bruchstück eines alten Grabsteines mit räthselhafter (Geheim-?) Schrift. Unweit der Kirche ist eine Stelle kenntlich, wo einst eine Burg stand, über die jedoch nichts Näheres bekannt ist. Die Schule ist zweiclassig. Altlengbaeh. *) Die Ortsgemeinde hat einen Flächenraum von 3Ö53 km 2 mit 1817 Einwohnern in 249 Häusern, Hiezu gehören: Altlengbach, Dorf (435 Einw.), Andorf, Rotte (53 Einw.), Ausser-Furth, Dorf mit Beitlmühle (48Einw.), Inner-Furth, Dorf (47 Einw.), Gottleitsberg, Rotte (11 Einw.), Grossenberg, Dorf mit Böhmerhof (32 Ei uw.), Gschaid, Rotte (47 Einw.), Haagen, Rotte (19 Einw.), Hart, Dorf mit Futershof (57 Einw.), *) Beiträge von Oberlehrer Herrn Heinrich Thym und hochw. Herrn Pfarrer Leinwather. 57 Hocheichberg, Dorf (140 Einw.), Unter-Höffer, Eotte mit Edhof (21 Einw.), K i n b e r g , Rotte (26 Einw.), Kleinberg, Rotte mit Schönhof und Windbichl (28 Einw.), Kogl, Dorf (48 Einw.), Leitzberg, Dorf (39 Einw.), Lengbachl, Dorf (65 Einw.), Unter-Linden, Dorf (50 Einw.), Maiss, Dorf (316 Einw.), Manzing, Rotte mit Donnermühle (35 Einw.), Nest, Rotte (37 Einw.), Öd, Rotte (32 Einw.), Ödengraben, Rotte (27 Einw.), Pamat, Rotte mit Wistenhaus (12 Einw.), Schoderle, Dorf (48 Einw.), Steinhäusl, Dorf (99 Einw.), Unter-Thurm, Dorf (55 Einw.). Altlengbach liegt am Lengbache und war der Stammsitz der Herren von Lengbach (Otto und Hartwig von Lengenpach), die zum ältesten und vornehmsten Ministerial-Adel Österreichs gehörten. Sie siedelten sich jedoch schon früh in Neulengbach an, zu welch’ letzterer Herrschaft Alt lengbach schon seit 1300 gehörte. Der Ort Lengbach wird in Urkunden des Stiftes Kremsmünster schon um 1040 gelesen. Im Jahre 1282 findet er sich zum erstenmale als Alt-Lengbach (auch Lengen-, Lengin- und Le mp ach). In der Nähe sind die Überreste eines 1683 von den Türken zerstörten Schlosses. Außerdem befinden sich im Bereiche der Gemeinde Altlengbach noch ältere Ruinen; so am großen Berge in der zum Hause Nr. 4 gehörigen Waldparcelle, im Prinzbachthale, in dem einst ein Frauenkloster gestanden sein soll, wovon die gegenüberliegende Berglehne den Namen Frauenberg (heute Freinberg) erhalten hat. 58 Ferner deutet der Name Finsterburg in Maiss auf einen befestigten Besitz, die „Poggau“, endlich in Manzing, woselbst Nachgrabungen vorgenommen worden sind. Sämmtliche Bauten scheinen im 15. Jahrhunderte von den Ungarn, oder im 16. Jahrhunderte von den Türken zerstört worden zu sein. 1591 wurde Altlengbach von einem verheerenden Erdbeben getroffen. Die Häuser in dem „Orte zum Thurm“ stürzten ein, so dass seine Bewohner ganz verarmten. Der Ort selbst besteht nicht mehr; die Ruine der Teste aber liegt umweit von Lengbach, östlich von Christophen. *) Die Pest herrschte in den Jahren 1664 und 1665; im ersteren Jahre starben 86, im letzteren 89 Personen. Auch 1679 wurde der Ort von der Seuche heimgesucht, so dass die Verstorbenen aus Mangel an Trägern in den betreffenden Hausgärten beerdigt werden mussten. Unter den Todten befand sich auch der Vogelfänger des Grafen Hardegg von IJnter- thurm. Daraus kann geschlossen werden, dass zu dieser Zeit das Schloss noch bewohnt war und erst beim zweiten Türkeneinfalle 1683 völlig zerstört worden ist. Die Türken verwüsteten in diesem Jahre die Gegend, zerstörten auch das Altlengbacher Schloss, brannten den Pfarrhof nieder und plünderten die Kirche. Wie arg der Feind gewüthet haben mag, ersieht man daraus, dass die Zahl der Gemordeten und Gefangenen der zur Herrschaft Neulengbach gehörigen Unterthanen 2108 Seelen, die Zahl der niedergebrannten Häuser 653 beträgt. Unter der Regierung Kaiser Josefs II. sind 1783 die früher zur Pfarre Altlengbach gehörigen Orte Wollersdorf, Laaben, Klamm, Pamat und Grödl der Pfarre Brand zugewiesen worden. Anfangs dieses Jahrhunderts erbaute der damalige Besitzer der Herrschaft Neulengbach Graf Moriz von Fries die Straße, damit das Holz, dessen Handel die *) Eduard Sueß, die Erdbeben Nieder-Österreichs. 59 bedeutendste Einnahmsquelle der hiesigen Bewohner war, besser befördert werden könne. Dadurch hatte die Gegend viel gewonnen und sich der Ort um mehrere Häuser vermehrt. Während der Franzosen-Invasion 1809 wurde Altlengbach ebenfalls hart mitgenommen. Da in der Nähe mehrere feindliche Beiter von den Landleuten niedergemetzelt worden waren, so wurde der Ort vom Feinde gebrandsehatzt, 20.000 fl. Oontribution verlangt, mehrere Personen als Gefangene fortgeführt und zwei davon erschossen. In den 60ger Jahren wurde der Ort häufig von Bränden heimgesueht. Infolge dessen sind die früher hölzernen Häuser durch Steinbauten ersetzt worden. Das letzte hölzerne Haus fiel 1886. Die Kirche zeigt eine dreifache Bauzeit. Ursprünglich bestand wohl nur das gothische Presbyterium, später wurde das Langhaus angebaut und in letzter Zeit — wohl auch schon vor 3—4 Jahrhunderten — die beiden Seitenschiffe hinzugefügt. Verschiedene Bauzeichen und ein Gedenkstein am Pfarrhof weisen die Jahreszahl 1492. Die Schule scheint gleichzeitig mit der Pfarre errichtet worden zu sein. Das heute noch bestehende Gemeindehaus diente als Lehrzimmer und Wohnung für den Lehrer. Die heutige Schule wurde 1852 erbaut. Das obengenannte Schloss Unter-Thurm ist gegenwärtig eine Buine. Nach einer alten Abbildung (von Vis eher) bestand dasselbe aus einem zweistockhohen Wohngebäude mit einem hohen Thurme und war gegen Süden hin durch eine mit Schießscharten versehene Mauer geschlossen. Das Ganze war überdies mit einer hohen, auf der Westseite durch zwei Thürmen begrenzten Mauer umgeben. Als ältester Besitzer wird Ulrich de Turri in einer Urkunde des Bischofs Otto von Pass au für das Stift St. Pölten im Jahre 1264 genannt. Seit 1715 60 ist diese einst für sich bestandene Herrschaft mit der Herrschaft Neulengbach vereinigt. Das Schlösschen D o nner müh le(Tannenmüh le) ist derzeit im Besitze des Fürsten Anton Esterhazy und stammt aus neuerer Zeit (1850 und 1871). Neulengbach. Die Ortsgemeinde hat einen Flächenraum von 226 km 2 und 1084 Einwohnern in 108 Häusern. Sie umfasst: Neulengbach, Markt (983 Einw.) und Haag, Dorf am Abhange des Buchberges mit Brücklmühle, Frauenhof und Sandmühle (101 Einw.). Der Markt Neulengbach liegt an der Einmündung des Anzbaches in die Laaben, welche sodann den Namen Große Tulln annimmt. In der Mitte des Ortes steht das Rathhaus mit einem Thurme, an der NW-Seite das auf einer Anhöhe liegende, weithin sichtbare Schloss, ehemals der Sitz der Herren von Lengen bach. Das Geschlecht der Herren von Lengenbach erscheint in Urkunden aus dem 12., 13. und 14. Jahrhunderte; so Hartwig von Lengenbach in einer Urkunde des Bischofs Ulrich von Passau vom Jahre 1120, dann dessen Bruder Heinrich um 1136 in Urkunden des Stiftes Klosterneuburg. In einer Ur- kunde des Herzogs Leopold YI. vom Jahre 1182 wird Otto von Lengenbach als Zeuge erwähnt. Friedrich von Lengenbach wird in einer Urkunde des Stiftes Klosterneuburg aus dem Jahre 1329 als Truchsess genannt. Der Stammsitz der Herren von Lengenbach war die 1683 von den Türken zerstörte Veste Altlengbach, die gegen das Ende des 10. und anfangs des 11. Jahrhunderts erbaut worden sein dürfte. Die Veste Neulengbach wurde von den Herren von Lengenbach 61 im 13. Jahrhunderte erbaut. In einer im Schlossarchive aufbewahrten Urkunde des Herzogs Rudolf III. vom Jahre 1300 wird dem Burggrafen von Lengenbach die Vogtei über die zur Kirche in Altlengbach gehörigen Güter und Gülten aufgetragen, weil ihm das Patronat zustehe, vielleicht ein Beweis, dass die Herren von Lengenbach diese Kirche erbauten. Das Geschlecht der Lengenbach starb gegen Eude des 14. Jahrhunderts aus, und die Herrschaft wurde landesfürstlich. Herzog Albrecht IV. übergab dieselbe (1390) pfandweise für ein gegebenes Darlehen an Joh. Floyt, 1413 kam sie an Reinprecht von Walsee. Die Familie Walsee besaß die Herrschaft bis 1536. Der Markt Neulengbach dürfte nach der Erbauung der Veste entstanden sein. Seine märkischen Freiheiten erhielt er in der zweiten Hälfte des 15 Jahrhunderts von Kaiser Friedrich V., vermuthlich zur Belohnung für bewiesene Anhänglichkeit anlässlich der Kämpfe zwischen diesem Kaiser und seinem Bruder Albrecht VI. Diese Freiheiten bestanden darin, dass die Gemeinde sich selbst einen Richter und dieser einen Nachrichter wählen durfte, dass der Richter gegen eine Remuneration vom Inhaber der Veste alle „Wände 1“ einzuheben habe, dass diesem die sogenannte „kalte Maus“ von verkauften Gütern, wie von der Fechsung gebüre, dass die Bürger allein mit Wein und Salz Handel treiben dürfen. Nach 1536 wechselten die Besitzer der Herrschaft. Im Jahre 1565 kam sie in den pfandweisen Besitz des Kämmerers Rudolf Khuen v. Belassy zu Lichtenberg, dem Kaiser Maximil ian II. den Titel eines Freiherrn von Neulengbach verlieh und ihm viele Rechte und Freiheiten zusicherte. Kaiser Rudolf II. bestätigte 1577 die von seinem Vater gegebenen Zusicherungen und stellte dem RudolfKhuen über die völlige Abtretung der Herrschaft Neuleng- bach einen Kaufbrief aus. Später verkaufte der Kaiser 62 Rudolf II. dem RudolfKhuen noch den Markers- dorfer und Neulengbacher Landgerichtsbezirk. Kliuen ließ das Schloss renovieren und neu befestigen. Unter den Nachfolgern sei Graf Palfy erwähnt, der sich mit Marie Francisca K h u e n, einer Enkelin Rudolf K h u e n s, vermählte. Sein Sohn JohannKarl Palfy war der Gemahl der Sidona Agnes, geborne Reichs- ftirstin von Lichtenstein. Diese Beiden erscheinen als Besitzer während der zweiten Belagerung Wiens durch die Türken im Jahre 1683. Beiläufig 2000 Ja- nitscharen drangen auch in die Gegend von Neulengbach vor, plünderten, mordeten, sengten und schleppten die Einwohner in die Sclaverei fort. Die Orte Altleng- bach, Christofen, Seewiesen, Neulengbach u. a. m. wurden eingeäschert, das Schloss jedoch wurde durch zahlreiche Geschütze vertheidigt und vor der Zerstörung geschützt. Um das Jahr 1601 erscheint Johann Paul Freiherr Bartalotty von Bartenfeld als Besitzer der Herrschaft Neulengbach. Derselbe kaufte 1713 die Veste Thurm von Johann Karl Grafen vonKuef- stein und übernahm die Verpflichtung, die vom Sohne Rudolf Khuens zur Errichtung eines Spitales legierten 10.000 fl. mit 5'7o zu verzinsen. Gleichzeitig verpflichtete er sich, dem 1656 errichteten Franciscaner- Kloster in N e u 1 e n g b a c h anf ewige Zeiten 30 Klafter Buchenholz und 20 Klafter weiches Holz jährlich zu liefern, wofür jährlich drei Choral-Ämter für seine Familie gelesen werden sollten. Im Jahre 1728 wurde das Amt Christofen der Familie Bartalotty von Kaiser Karl VI. als Lehen übertragen. 1740 kam die Herrschaft an den Fürsten Theodor Consta ntin Lu- homirsky, der 1743 von der Kaiserin Maria Theresia auch mit der Veste Raipoltenbach belehnt wurde. Unter ihm wurde die noch bestehende Fassung des Schlossbrunnens hergestellt. 1778 kam Neulengbach an Baron Wetzl er zu Planken stern. Dieser ver- 63 mietete das Schloss als Kaserne. Unter ihm wurde das Franciscanerkloster aufgehoben. 1797 erseheint Moriz Graf Fries als Besitzer von Neulengbach, ßai- poltenbach, Christofen, Thurm etc. Er ließ 1798 das Amtsgebäude herstellen und legte 1799 den Park um den bis dahin kahlen Schlossberg an. 1823 kam Neulengbach an den Fürsten Johann Liechtenstein. Dieser ließ den Park außer der Schlossringmauer in einen Thiergarten umgestalten, der jedoch 1836 wieder aufgelassen wurde. In Neulengbach ist der Sitz eines Bezirksgerichtes, eines Steueramtes, eines Bezirksstraßen-Ausschusses und eines Annenratlies. Die Schule ist fünf- classig. Markersdorf. Die Ortsgemeinde hat einen Flächen raum von 3 73 km 2 mit 212 Einwohnern in 39 Häusern. Hiezu gehören: Markersdorf, Dorf (197 Einw.), Haag, St. Lorenzi, Rotte (15 Einw.). Markersdorf gehört zur Pfarre und Schule Neulengbach und theilt mit diesem Orte die Geschicke. Nennenswert ist die Taufcapelle St. Lorenzi im romanischen Stile, die früher mit einem steinernen Kegeldache versehen war und aus dem 13. Jahrhunderte stammen soll. Neustift. (Nach Mittheiluugen des Herrn Oberlehrers Karolus.) Die Ortsgemeinde hat einen Flächeninhalt von 14‘87 km 2 mit 610 Einwohnern in 102 Häusern. Hiezu gehören: Neustift, Dorf mit Kohlhof (107 Einw.), Almerberg, Rotte (41 Einw.), Aschberg, Rotte (35 Einw.), Barbara holz, Rotte (38 Einw.', 64 Eck, Eotte (39 Einw.), Gießhübl, Rotte (18 Einw.), Gumpersberg, Rotte (17 Einw.), Ober-Kühberg, Rotte (31 Einw.), Unter-Kühberg, Rotte (41 Einw.), Mannersdorf, Rotte mit Feld (86 Einw.), Außer-Manzing, Rotte (63Einw.), Inner-Manzing, Rotte (94 Einw.). Der Ort Neustift, der am linken Ufer des Laabenbaches und am Südabhange des Schöpfeis liegt, wird von der Bezirksstraße, welche von Neulengbach nach Hainfeld führt, durchschnitten. Der Laabenbaeh ist ein ziemlich reißender Gebirgsbach, der durch die Veränderung seines Flussbettes, welche häufig nach starken Gewitterregen eintritt, viele fruchtbare Gründe übersandet und auf diese Weise dem Ackerbau entzieht, führt während der trockenen Jahreszeit nur wenig Wasser. Ihm fehlt die Klarheit der Alpenwässer, was wohl seinen Grund darin hat, dass derselbe in dem tertiären Hügellande und Sandsteingebirge seinen Ursprung hat. Die Umgebung von Neustift ist gebirgig und zum größten Theile bewaldet. Die Wälder, in denen meist Nadelholz gepllanzt ist, bieten den Bewohnern beinahe den einzigen Lebensunterhalt, denn der Ackerbau, der nur auf mittelmäßigen Gründen betrieben wird (Schotter- und Lehmboden), liefert bei weitem nicht die zum Lebensunterhalte nöthigen Feldfrüchte. Obstbau wird im Vergleiche mit der Umgegend reichlicher gepflegt, obzwar sich dieser meist nur auf Mostobst beschränkt. Einer recht lebhaften Pflege erfreut sich die Viehzucht, wozu die zwischen den einzelnen Wäldern liegenden Wiesen ein nahrhaftes Futter liefern. Der Handel beschränkt sich nur auf den Vieh- und Holzhandel, Gewerbe werden außer den nothwendigsten hier nicht betrieben. Die Schule wurde 1886 erbaut und ist seit 1891 65 zweiclassig; früher besuchten die Kinder die Schule in Brand und Altlengbach. Neustift ist zweifelsohne erst bei Gelegenheit der Urbarmachung des Wienerwaldes im 17. oder 18. Jahrhunderte entstanden. Der Ort ist nach Christofen eingepfarrt. Ollersbach. Die Ortsgemeinde hat einen Flächenraum von 8‘4 Jcm 2 mit 566 Einwohnern in 92 Häusern. Hiezu gehören: Ollersbach, Dorf mit Schloss Baumgarten (138 Einw.), Niederndorf, Dorf (95 Einw.), Ober-Oberndorf, Dorf (31 Einw.), Pottenau, Dorf (57 Einw.), Theissl, Dorf (28 Einw.), Wolfersdorf, Dorf (84 Einw.), Unter-Wolfsbach, Dorf (133 Einw.). Ollersbach wird schon 1120 erwähnt und heißt in den ältesten Formen Adelgeresbach, Algers- bach mit Bezug auf den Namen eines Besiedlers, eines Ade 1 gar. Der Ort soll auch früher Ollersberg genannt worden sein, was weit richtiger war, als der gegenwärtige, da er nicht an einem Bache, sondern an einem Abhange gelegen ist. (Sikkingeu.) Die Kirche mit Gemälden von Wagenschön (Maria Himmelfahrt vorstellend), vom Kremser Schmidt (heil. Josef) und dem Engländer Heinrich S n e 11 (heil. Josef mit dem Kinde, 1735 verfertigt) enthält das Grabmal des 1781 verstorbenen Grafen Christof Heinrich von Galen (Gaal), der seit 1717 Besitzer des Schlosses Baumgarten war. Die Kirche ist sehr alt, vielleicht die älteste in der ganzen Gegend, und wurde im Jahre 1783 von der Gutsinhaberin des Schlosses, Maria Barbara Freiin von T r a n d a u, neu erbaut, nachdem sie walir- 5 66 scheinlieh von den Türken 1683 arg mitgenommen worden war. (Damaliger Besitzer der Gutsherrschaft war Mathias Graf von Khuen.) In den Kriegsjahren 1805 und 1809 wurde die Kirche beraubt und beschädigt. Die Schule ist gegenwärtig dreiclassig. BeiOllersbach liegt das Schloss Baumgarten (309 m über dem Meere). Vor Ablösung der Grundrechte war .Baumgarten der Sitz einer Herrschaft, welche die Dörfer Albersberg, Aschberg, Bauland, Oberdambach, Emersdorf, Gstocket, Hinterholz, Kirchstetten, Unterkühberg, Ollersbach, Sichelbach, Theusl, Womsen und Wollersdorf am Schöpfel in sich begriff. Ein Heinrich von Pavngarten erscheint 1279 als Zeuge in einer Schenkung an das Ohorherrenstift St. Pölten. Aus dem XV. Jahrhunderte wird ein Veit der Se beckh, gesessen zu Baumgarten, in den St. Pölte- ner Consistorialacten genannt (1459 und 1471). Die verzweigte Familie der Seebekhe in Nieder-Österreich hatte wahrscheinlich in dem kleinen Seebach, jetzt einzelne Häuser am Seebache bei Neulengbach, ihren Ausgangspunkt. Vom Jahre 1542 angefangen sind die Besitzer des Schlosses bekannt, jedoch macht sich ein starker Wechsel bemerkbar. Im Jahre 1843 besaß es Franz Ritter von Mack, der es noch in demselben Jahre an Markus Laurenz Grafen von Bussy-Mignot verkaufte; seit 1865 besitzt dieses Schloss seine Tochter Melanie, verehelichte Freiin von Redl. Das Schloss in seiner gegenwärtigen Bauform spricht, unbeschadet neueren Veränderungen, für das Ende des 17. Jahrhunderts und sein Wiederaufbau nach der türkischen Invasion 1683 wird direct durch dessen Abbildung von Matthäus V i s e h e r (1672) bestätigt. Raipoltenbach. Die Ortsgemeinde hat einen Flächenraum von 1040 hu 2 mit 457 Einwohnern in 79 Häusern. 67 Hiezu gehören : Eaipoltenbach, Dorf (212 Einw.), Alt-Anzing, Dorf mit Kesselhof (36 Einw.), Berging, Dorf mit der Rotte Langenberg (49 Einw.), Ober-Eichen, Rotte (23 Einw.), Herbstgraben, Dorf mit Drahthof (25. Einw.), Mosletzberg, Rotte (26 Einw.), Schwertfegen, Dorf mit Stuhlhof (35 Einw.), W e i d i n g, Dorf (51 Einw.). Raipoltenbach liegt am Fuße des Haspelwaldes und wird vom Finsterbache durchflossen. Der Name rührt wahrscheinlich von dem Erbauer des einstigen Schlosses, einem Rapoto unbekannter Familie, her. Von diesem Schlosse, das schon 1120 als Rapoltenbach (auch Ripoltenbach) erwähnt wird, sind gegenwärtig nur noch die Grundmauern von drei runden, mit Schießscharten versehenen Thürmen und Spuren von Wassergräben vorhanden. Dasselbe dürfte 1683 von den Türken zerstört worden sein. Im Orte ist eine kleine Betkapelle und eine ein- classige Volksschule. Raipoltenbaeh gehört zur Pfarre Neulengbach. Die Bewohner nähren sich von Land- und Waldwirtschaft und treiben eine ziemlich bedeutende Horn - Viehzucht. Der Name Alt-Anzing deutet darauf hin, dass der Ort schon bestanden hat, als der gleichnamige, durch den Haspelwald von ihm geschiedene (Anzing bei Würmla) gegründet wurde. Der Name weist auf einen Anzo zurück, der sich hier zuerst niederließ. Tausendblum. Die Ortsgemeinde hat einen Flächenraum von Q-$6km 2 mit 823 Einwohnern in 118 Häusern. Hiezu gehören : ^ - *i» 68 Tausendblum, Dorf (44 Einw.), Unter-Dambaeh, Dorf (55 Einw.), Ebersberg, Dorf mit der Rotte Seebach (244 Einw.), L a a an der Tulln, Dorf (37 Einw.), Matzelsdorf, Rotte (44Einw.), Schönfeld, Dorf (152 Einw.), Schrabatz, Dorf (81 Einw.), Stoket, Rotte (16 Einw.), Strass, Dorf (46 Einw.), Umsee, Dorf (104 Einw.). Tausendblum hat seinen Namen wahrscheinlich von den im Sommer auf den herrlichen Bergwiesen in unendlicher Zahl wachsenden Blumen und dehnt sich an einer mit Feldern und Wiesen bedeckten Anhöhe in einer sehr anmuthigen Gegend an der von Neulengbach nach St. Pölten führenden Straße aus. Der Ort ist nach Christofen eingepfarrt. (Umsee, Ebersberg und Matzelsdorf nachNeulengbach.) Die Kinder besuchen die Schulen in Ollersbach, Neulengbach und Christofen. Zu Ebersberg (Abersberg, Obersberg) gehört die südlich davon in der Niederung gelegene Filialkirche von Christofen mit der Rotte Seebach. Dieselbe wird 1476 erwähnt und dürfte einst zu dem Orte gleichen Namens gehört haben, der in alten Schriften Niederseebach genannt wird. Totzenbach. (Nach Beiträgen von Herrn Schulleiter Ferd. Kor tan.) • Die Ortsgemeinde hat einen Flächenraum von 9 74 hm 2 mit 616 Einwohnern in 109 Häusern. Hiezu gehören: Totzenbach, Dorf mit Kleiner Bruckhof, Ödhof und Reithof (248 Einw.), D o p p 1, Dorf mit Haidenhof und Kronhof (124 Einw.), 69 Fuchsberg, Dorf (52 Einw.), P a 11 r a m, Botte mit Großer Bruckhof (101 Einw.), Senning, Dorf (34 Einw.), 0 b e r - W o 1 f s b a c h, Dorf mit Glaisfeld (57 Einw.). Totzenbach hegt am gleichnamigen Bache in dem Gebirgskessel einer mit vortrefflichem Wasser bereicherten Gegend.*) Am nördlichen Ende des Ortes liegt das Schloss, ein uraltes unregelmäßiges Gebäude aus dem 12. oder 13. Jahrhunderte mit mehreren Veränderungen neuerer Zeit. Über dem Eingänge befindet sich neben dem mit der Jahreszahl 1575 versehenen Wappen die Überschrift: „Hiob Hartmann von Trautmannsdorf zu Totzenbach, und Maria Kirchpergerin“. Ehemals umgab das Schloss ein Wassergraben, der mit zwei gegen Norden befindlichen Teichen in Verbindung stand. Dasselbe war der Stammsitz der Herren von Totzenbach, die um das Jahr 1292 zuerst genannt werden. 1418 wurde die ^ Herrschaft nach dem Aussterben der männlichen Linie der Herren von Totzenbach an Seifried Bitzen- dorfer verkauft. Um 1438 erscheint der edle Jörg Steiner als Herr zu T o t z e n b a c h, 1542 kam die Herrschaft an die altberühmte Familie der Trautmannsdorfe zu Totzenbach, die das Gut bis zum Jahre 1822 besaß. Seit dieser Zeit ist es im Besitze des Fürsten von Liechtenstein. Die Kirche liegt an einer kleinen Anhöhe und dürfte im 13. Jahrhunderte von den Herren von T o t zen- bach erbaut worden sein, obwohl anzunehmen ist, dass die Familie Trautmannsdorf um die Mitte des ■ 16. Jahrhunderts die Kirche neu erbaut haben mag. Früher war sie eine Filiale von Ollersbach, 1784 wurde sie zur Localcaplanei erhoben. In der Kirche ist *) Der Name Totzenbach stammt wahrscheinlich von dem Erbauer des Schlosses, welcher Totzenhekh hieß und in seinem Wappen mehrere Bärentatzen (im Dialecte Totzen) führte. 70 ein großer rothmarmorener Grabstein mit dem Tr antra annsdorfisehen Wappen, welcher die für diese Familie hier bestandene Gruft bedeckt. Ein anderer mit unleserlicher gothischer Schrift ist an einer Seitenwand und dürfte von der adelichen Familie von Totzen- bach herrühren. Zur Zeit der Reformation wurde die Ausbreitung der protestantischen Religion von den Besitzern von Totzenbach begünstigt; während der Türkenkriege blieb der Ort verschont. Die Bewohner treiben Ackerbau und Viehzucht. Die Kinder besuchen die einclassige Volksschule. XII. Ortsgemeinden des Gerichtsbezirkes Purkersdorf. Breitenfurth. Die Ortsgemeinde hat einen Flächenraum von 23‘54 Tcm 2 mit 858 Einwohnern in 144 Häusern. Hiezu gehören: Breitenfurth, Dorf m it „ Grüner Baum “, „Rother Stadl“ und „WiesenWirtshaus“ (570 Einw.), Hochrotherd, Dorf (113 Einw.), Großer Höniggraben, Dorf (175 Einw.). Das Dorf Breitenfurth liegt im Quellgebiete der Liesing auf einem von altersher durch Verkehrswege zugänglichen Höhenrücken des Wienerwaldes, der von Nordost nach Südwest zieht und die Scheidewand zwischen dem Lande ober und unter dem Wienerwalde bildet. Die breiteste Furt auf diesem Höhenzuge ist der Weg von Wolfsgraben über Breitenfurth und Kalksburg nach Liesing. Die ersten Ansiedler in Breitenfurth waren Holzhauer, die zur Rodung des landesherrlichen Wald- 71 gebietes herangezogen und mit je einem Flecken Ackerbodens bedacht wurden. Noch heute ernähren sich die Bewohner von Holzarbeiten, Holzfuhrwerken und Milchwirtschaft. Der Ort und das Gasthaus daselbst wird von Sommergästen aus der nahen Residenz mit Vorliebe besucht, desgleichen auch die weiter unten im anmuthigen Liesingthale gelegenen, als Ausflugsorte beliebten Wirtshäuser „Grüner Baum“ und „Rother Stadl“, letzterer nach einem früher bestandenen Heustadl mit rothem Dache so benannt. Hochrotlierd ist eines der schönstgelegenen Dörfer im Wienerwalde mit prächtiger Fernsicht. Die Gegend um Breitenfurth gehört zu dem ältesten Grundbesitz der Babenberger in der Ostmark. mit welchem Markgraf Heinrich I. im Jahre 1002 von König Heinrich II. beschenkt wurde. Das Gebiet scheint jedoch der Cultur, die durch Bildung von Gemeinwesen bedingt ist, erst .spät und in langsamer Folge theilhaftig geworden zu sein, durch lange Zeit war es Wald- und Jagdrevier der Fürsten. Um das Ende des 17. Jahrhunderts hieß das jetzige Stelz er’sehe Gasthaus in Breitenfurth der Rosenberger- oder Buchhalterhof von seinem Besitzer Christian Rosenberger, der „Raitrath“ und n.-ö. Buchhalter war. Von diesem kam es durch Heirat der Witwe des letzteren 1712 an den Buchhalter der Ministerial-Banea-Deputation Georg Wilhelm Kirchner. Im Jahre 1714 begann dieser ein schlossartiges Gebäude mit einer sehenswürdigen Kapelle und einem Spitale für arme Waldhüttler der Umgebung zu bauen. Der Bau war am 6. September 1732 noch nicht ganz vollendet, als der Erzbischof von Wien, Graf Kollo- nitsch, die Consecration desselben vornahm. Kirchner starb 1735 und vermachte 345.189 fl. der von ihm geplanten Stiftung für arme Waldhüttler. Sein Leichnam ist in der Spitalskirche beigesetzt. Kaiser Karl \I. befahl den Spitalsbau zu vollenden und richtete 72 denselben für 40 Pfründner und 10 Kranke ein .*) Unter Kaiser Josef II. wurde jedoch die Stiftung aufgehoben (1784), und das Spital mit dem Pfründnerhausein Mauerbach vereinigt. Die Kastanienbäume des Schlossgartens wurden auf Befehl des Kaisers ausgehoben und in den Prater verpflanzt, das Schloss selbst wurde versteigert und kam an den Brantweiner und Hausbesitzer in Wien Joh. Andre Maria. Mit diesem begann der Ruin des Breitenfurther Schlosses. Trotz der billigen Kaufs- bedingsnisse und trotz der Zubuße, die man ihm für die Beherbergung des Pfarrers und der Schule bewilligte, konnte oder wollte derselbe seinen Verpflichtungen nicht nachkommen. Er blieb den größten Theil des Kaufspreises schuldig und verkaufte alles, was sich vom Schlosse wegbringen ließ. Unter Kaiser Franz erfolgte 1796 eine Abfindung mit dem Käufer, worauf dieser den ehemaligen K i r c h n e r’sehen Besitz verkaufte. Aon den abgebrochenen Hauptgebäuden des Schlosses besteht heute nur mehr die Kapelle als Pfarrkirche und ein geringer Theil mit Wohnungen des Pfarrers und des kaiserlichen Forstbeamten. Das Stelzer’sche Gasthaus wurde bei der Feilbietung am 1. October 1786 von Franz Stelzer, Traiteur im Kirchner’sehen Spitale, erstanden, und seine Nachkommen besitzen dasselbe noch jetzt. In Breiten für th ist die Sage verbreitet, dass Kirchner ein natürlicher Sohn Kaiser Karl VI. gewesen sei, da seine angeblich habsburgischen Gesichtszüge, die einige an der in der Sacristei' der Breitenfurther Kirche aufbewahrten Büste bemerkt haben wollen, darauf hinweisen. Kirchner wurde jedoch 1670, und Karl VI. 1685 geboren. Auch die Sage, dass die Löw r en auf der Schönbrunner Brücke und das eiserne *) Im Schlosse zu Breitenfurth stand unter Kirchner die nun im Belvedere in Wien befindliche Marmorstatue Kaiser Karl VI. von Georg Donner. 73 Gitter vor dem Schönbrunner Schlosshofe vom Breiten- furtlier Schlosse stammen, ist nicht stichhältig, da im Schätzungsprotokolle dieses Schlosses vom Jahre 1786 zwar viel geringere Dinge aufgezählt, aber die Löwen und das Gitter nicht erwähnt sind. Was endlich die Überlieferung betrifft, dass die Kastanienbäume im Augarten zu Wien vom Schlossgarten in Breitenfurth genommen worden seien, so dürfte dies entweder eine Verwechslung mit der Thatsache sein, dass Kaiser Josef jene Bäume in den Prater versetzen ließ, oder sie bezieht sich auf den Verkauf alles Entbehrlichen' durch den Käufer des Breitenfurther Schlosses Joh. Andre Maria. Gegenwärtig ist eines der schönsten Gebäude in Breitenfurth das 1894 umgebaute und mit einem Stockwerke versehene Schulhaus. Gahlitz. Die Ortsgemeinde hat einen Flächenraum von 18'10 hm % mit 1084 Einwohnern in 137 Häusern. Hiezu gehören: Ga blitz, Dorf mit Höbersbach (821 Einw.), Hochbuch, Dorf mit Hochramalm, ferner den Botten Buchgraben, Fischergraben und Hauersteig (223 Einw.), All hang, Botte mit Hohleichen, Laabach und Babenstein (40 Einw.). G a b 1 i t z liegt am Gablitzbache, der bei Purkersdorf in die Wien mündet, und wird von der Linzer Beichsstraße durchzogen, auf der es vor der Eröffnung der Westbahn sehr lebhaft hergieng. Im südlichen Theile des Gemeindegebietes liegt der 431 m hohe Paillenstein, dessen hier gebrochene Steine ein gutes Material zu Bauten und zur Straßenbeschotterung geben. Unweit von Gablitz, im Hauergraben, besteht eine Filiale der Congregation der Töchter des göttlichen 74 Heilandes mit einer Kirche und einem schönen Garten. Der Volkswitz spricht von der „hohen Schule“ zu Gablitz. Diese Redeweise soll dadurch entstanden sein, dass ein Braumeister der dortigen Brauerei für seine zwei Söhne einen Lehrer aufnahm und sie in einem eigenen Häuschen auf einer Anhöhe unterrichten ließ. Die Mühen des Lehrers sollen aber bei den dummen Jungen ganz erfolglos geblieben sein. Nach anderen Soll diese Redeweise von der einst in der Brauerei in großem Maßstabe betriebenen Ochsenzucht herrühren. Der Name des Ortes bedeutet eigentlich einen deutschen Flussnamen weiblichen Geschlechtes (Gabiliza, umlautend Gae- belitz 1316). Gablitz war schon seit dem 11. Jahrhunderte ein Besitz des Bisthums F r e i s i ng. Als ältester Lehensträger erscheint Leupolt II. von Sachsengang. 1311 verkaufte Bischof Emcho von Fr ei sing die „Villa Gablitz mit dem Walde im Thale Roz- wärtingergraben“ an einen Wiener Bürger, den Ritter Griffo. 1337 kam das Dorf Gablitz mit seinem Eigen und Rechte durch Kauf an Herzog Otto den Fröhlichen und war seither im Besitze der Landesfürsten, die es verschiedenen Lehensträgern übergaben. Seit 1411 war Gablitz ein landesfürstliches Lehen der Karthause Mauerb ach. Das Kloster baute 1642 an Stelle der alten, 1529 von den Türken zerstörten Rosenkranzcapelle eine kleine Kirche, in der zeitweilig eine Messe gelesen und am Kirchweihfeste vom Pfarrer in Purkersdorf der Gottesdienst gehalten wurde. Im Jahre 1810 wurde ein Aushilfspriester als Seelsorger angestellt. Heute ist Gablitz eine Filiale von Purkersdorf. Der nahe bei Gablitz liegende St. Marxer- oder Bürgerspitalswald gehört seit 1706 dem Wiener Bürgerspitale. Die Schule ist dreiclassig und in einem 1894 neugebauten Schulhause untergebracht. Die Rotte Allhang wird als A lh i ngsgraben in einer Freisinger Urkunde bereits 1358 erwähnt. 75 Hadersdorf. Die Ortsgemeinde hat einen Flächenraum von 42 - 47 km 2 mit 1749 Einwohnern in 270 Häusern. Hiezu gehören: Hadersdorf, Dorf (619 Einw.), H a i n b a c h, Dorf (97 Einw.) mit H i n t e r h a i n- bach, Le he reck, Sophienalpe und Steinbach, Mariabrunn, Dorf (256 Einw.) mit Knödelhütte und Hohe Wand, Weidlingau, Dorf (777 Einw.). Hadersdorf liegt am Mauerbache, der vom Wienflusse durch einen steilen Kücken getrennt wird, und ist ein beliebter Sommeraufenthaltsort der Wiener. Das Schloss ist mit einem breiten Wassergraben umgeben. Der schöne Park ist theils im französischen, theils im englischen Geschmacke angelegt. Mitten darin erhebt sich ein kleines Sommergebäude, einst der Lieblingsaufenthalt des unsterblichen Helden Laudon. Es ist mit mehreren Basreliefs, die er aus dem 1789 eroberten Belgrad bringen ließ, geziert. Eine Statue, einen Philosophen vorstellend, die sich im Parke unweit des Schlosses in einem düstern Wäldchen befindet, hat die Aufschrift: „Meditatio mortis optima philosophia“. Am äußersten Ende des Parkes, der von der Straße nach Mauerbach durchschnitten wird, ist ein eigener eingeschlossener Platz, das türkische Gärtchen genannt, dicht umschattet von Pappeln und Trauerweiden und von einer Mauer umfangen. Hier erhebt sich Laudons prächtiges Grabmal, errichtet von seiner Witwe und seinem Neffen. Es ist ein längliches Viereck aus Sandstein, mit Trophäen, Kriegsarmaturen und Basreliefs geziert, welche sich auf die ruhmreichen Thaten des hier ruhenden Helden beziehen. Auf den Stufen des Grabmals ist ein junger Krieger mit dem Ausdrucke des Schmerzes hingelehnt. Das Denkmal ist von der Meisterhand des Professors 76 der Bildhauerkunst Franz Zauner. Von dem Monumente führt ein Weg aufwärts zu dem Grabe des jungen Türken, den der Feldmarschall sich aus Belgrad mitbrachte und an dem er seinen treuesten Diener gefunden hatte; an einer anderen Stelle ist das Denkmal des im Jahre 1823 verstorbenen Neffen des großen Laudon, des Feldmarschalls Laudon, der sich 1796 in Tirol ausgezeichnet hatte. Der Ort soll seinen Namen von den Herren von Hederich esd orff, die im 14. Jahrhunderte ausstarben, erhalten haben. Im Jahre 1130 erscheinen in einer Schenkungsurkunde ein „Gerunc und Bertolt von h edrieh esdorf“ als Zeugen. Von anderer Seite wird der Name H ad ersd orf vom keltischen a dhras (Wohnort) abgeleitet. Um das Jahr 1326 suchte Hanns von Capellen um das Gericht zu „Häd ress- d o r f“ mit aller Zugehörigkeit beim Hause Österreich an. Im Jahre 1460 schenkte Kaiser Friedrich IV. „den G e j a i d h o f zu H ä d e rs d o r f“ (das Jagdschloss) seiner Gemahlin Eleonora und bestimmte 1463 dieses Schloss als Zusammenkunftsort der aus Tulln hieher berufenen Stände, die einen friedlichen Ausgleich zwischen ihm und seinem Bruder Al brecht VI. bewerkstelligen sollten. Der Landtag unterblieb jedoch infolge des plötzlich eingetretenen Todes Albrechts. Später (1530) kam dieser Jagdhof sammt dem Orte Hadersdorf und W e i d 1 i n g a u durch Kauf an den fürstlichen Waldmeister Niclas P i t h y. Derselbe war bestrebt, diesen durch die Türken hart mitgenommenen Orten wieder aufzuhelfen. Der protestantische Besitzer von Weidlingau und Hadersdorf Andreas von Te^fenbacli übergab um das Jahr 1569 die Schlosskapelle (die seit 1544 gesperrt war) und die Kirche in Weidlingau den Predigern seiner Religion. Im Jahre 1588 kam Hadersdorf allein an Sigmund von Hohenberg zuKrakh. 1612 an Christoph Strauss, 1677 kaufte die Gemahlin Kaiser Leopold I., Kaiserin Eleonora den Ort. 77 1779 kam die Besitzung an Giideon Freiherr von Laudon. H a i n b a e h hat schöne Anlagen und Wege, welche ihr Entstehen dem Erzherzoge Franz Karl, dessen Gemahlin, Erzherzogin Sophie, hier ihren Lieblingsaufenthalt hatte (Sophienalpe), verdanken. Der Ort Mariabrunn ist hauptsächlich seiner Kirche wegen merkwürdig. Dieselbe verwahrt in ihren Mauern ein berühmtes Bild der heil. Jungfrau Maria, über das die Urkunden Folgendes erzählen: Gisela, die Witwe des Königs Stephan von Ungarn und Schwester Kaiser Heinrichs II. flüchtete sich 1042 nach Österreich. Gastfreundlich nahm sie Markgraf Adalbert der Sieghafte in Wien auf. Von einem hartnäckigen Fieber gequält, besuchte sie die Gegend in Mariabrunn, damals eine große unbewohnte Wiesenlandschaft mit einigen Hügeln und Wäldchen. Da fand sie auf einsamen Spaziergängen einen von Moos und Wasserpflanzen ganz überwachsenen Brunnen, auf dessen Wasserfläche ihr die Statue der Gottesmutter aus Lindenholz geschnitzt entgegenblickte. Gisela trank von dem Wasser des Brunnens und erlangte wieder ihre Gesundheit. Aus Dankbarkeit ließ sie hier eine kleine hölzerne Kapelle erbauen, in der sie die gefundene Statue zur öffentlichen Verehrung ausstellte. Bald zogen zahlreiche Wallfahrer hieher und kehrten getröstet und geheilt in ihre Heimat zurück. Zwei Jahrhunderte darauf verschwand das Bild aus der Kapelle. Eine Sage erzählt, die Johanniter hätten es in ihre prächtige Schlosskirche auf dem sogenannten Georgsberge (vielleicht W e i d 1 i n g a u) versetzt. Glaubwürdiger scheint jedoch, dass eine der Überschwemmungen (1284, 1295 und 1316) die Kapelle untergraben und zerstört habe, wobei die Statue mit fortgerissen und nach ihrer Auffindung in der Pfarrkirche zu Weidlingau wieder zur Verehrung ausgestellt wurde. Im Jahre 1477 zerstörten die Scharen des ungarischen Königs Mathias 78 Corvinus die Kirche in Weidlingau und warfen das Bild in denselben Brunnen, in welchem es einst Gisela gefunden hatte. Erst 13 Jahre später, als nach dem Tode Corvins Maximilian I. als Sieger in die Hauptstadt einzog, entdeckte ein Krieger in seinem Gefolge zufällig diesen Brunnen und in demselben das Bild. Auf Befehl des Kaisers wurde sogleich eine hölzerne Kapelle errichtet und darin das Bild zum zweitenmale auf demselben Orte zur Verehrung ausgestellt. Bei der ersten Belagerung Wiens durch die Türken (1529) wurde diese Kapelle verschont, da sie der Aufmerksamkeit der Zerstörer entgieng. Später wurde hier ein steinernes Kirchlein erbaut und 1600 übergab Erzherzog Maximilian, Hochmeister des deutschen Ordens und Eigenthümer von Weidlingau, die Obhut dieser Kirche dem Pfarrer von Hütteldorf. Im Jahre 1622 vergrößerte Kaiser Ferdinand II. diese kleine Kirche und stiftete an derselben eine Pfründe. 1636 wurde die Kirche sammt Stiftungen dem Orden der reformierten Augustiner Barfüßer übergeben und am 1. April 1636 legte Kaiser Ferdinand II. den Grundstein zur Vergrößerung der Kirche, dessen Weihe der Bischof von Passau, Erzherzog Leopold Wilhelm, vollzog. Im Jahre 1655 war die Kirche vollendet. Während der zweiten Belagerung Wiens durch die Türken flüchteten sich die Geistlichen sammt dem Bilde in das Felsenschloss Kabenstein. Die Kirche und das Kloster wurden geplündert und verbrannt, wobei auch die herrliche Bibliothek, eine Spende Aurups, des um die Kirche hochverdienten Dompropstes bei St. Stephan in Wien, zugrunde gieng. Kaiser Leopold I. ließ die Kirche wieder hersteilen. Nennenswert ist in derselben der prächtige Hochaltar im römischen Stile, den Maria Theresia von Liechtenstein 1768 errichten ließ. Auf diesem steht das historische Bild der heil. Jungfrau. Der Seitenaltar des heil. Nico laus und der des heil. Eustachius wurden auf Kosten 79 Kaiser Karls VI. und des k. k. Forst- und Waldamtes hergestellt. Der dritte Seitenalter, der heil. Helena geweiht, ist aus Gyps nach Marmorart ausgeführt. In der Kirche sind ferner die Grabsteine mehrerer verstorbener hoher Persönlichkeiten zum Andenken aufbewahrt. Erwähnt sei hier auch der Brunnen, der zweimal das Marienbild beherbergte und der Kirche und dem Orte Ursprung und Namen gab. Kaiser Ferdinand III. ließ ihn bei Gelegenheit des Kirchenbaues mit einem eisernen Gitter schließen. Ganz oben auf einem Steinschilde liest man die Worte: „In diesem Brunnen ist das Gnadenbild unserer lieben Frau, so in dem Hochaltar verehrt wird, erfunden worden von dem Erzherzog von Österreich Maximiliano. Anno 1490.“ Im Jahre 1770 erwartete in Mariabrunn die Kaiserin Maria Theresia, eine Verehrerin dieses Ortes, ihren Sohn, den Herzog Maximilian und dessen Begleiter, den Prinzen Karl von Lothringen, Hochmeister des deutschen Ordens, worauf am 9. Juli in der Augustiner-Kirche zu Wien der feierliche Bitterschlag erfolgte, durch welchen Erzherzog Maximilian zum Mitgliede des deutschen Ordens aufgenommen wurde. Denkwürdig ist auch der 22. April 1782, wo Kaiser Josef II., begleitet von seinem Bruder Maximilian von dem nach Born zurückkehrenden Papste Pius VI. Abschied nahm, wie es die Marmortafel ober dem Haupt- thore der Kirche nach weist. Im Jahre 1784 wurde Mariabrunn von Hütteldorf getrennt, zur eigenen Pfarre erhoben und ihrer Obhut die ehemaligen Filialen der Mutterkirche, W e i d 1 i n g a u , Hadersdorf und Hainbach zugewiesen. In den Franzosenkriegen der Jahre 1805 und 1809 erhielt das Kloster durch die Macht der Feinde harte Schläge. Der Convent löste sich auf. 1813 wurde darin eine Forstakademie untergebracht, die aber in neuester Zeit aufgelassen und mit der Hochschule für Boden- 80 cultur in Wien vereinigt wurde. Gegenwärtig ist das ehemalige Kloster der Sitz einer k. k. forstlichen Versuchsanstalt. Der Mariabrunner Kirchtag war bis in die neueste Zeit (incl. 1872) ein massenhaft von Wien aus besuchtes Volksfest von ausgelassenster Lustigkeit. Der Ort W e i d 1 i n g a u hieß früher „Weidungsau“, dürfte aus einem Jagdhause der Babenberger entstanden sein. Um das Jahr 1440 wird ein „Hainreich Pressator, pharrer zuWeidungsau“ genannt, woraus zu schließen ist, dass der Ort früher eine eigene Pfarrkirche hatte. Im Jahre 1529 wurde der Ort durch die Türken gänzlich zerstört. 1530 gieng Weidling au und Hader sdorf an den kaiserlichen Waldmeister Pithy über, der beide von Erzherzog Ferdinand I. käuflich erworben hatte, um hier eine Fabrik von Oorduanleder und italienischem Glas zu errichten. Pithy wollte die durch die Türken verheerten Orte wieder emporbringen. Allein die Fabrik gedieh nicht und er bewirkte bloß, dass ihm der Pfarrer von Hütteldorf die Erlaubnis gab, auf seine (des Pithy) Kosten, einen Priester in seine Kapelle (vermuthlich m Hadersdorf) rufen zu lassen. Später erwarben protestantische Prediger Anhänger in Weidlingau und im Jahre 1569 stellte der damalige protestantische Besitzer von Weidlingau, Andreas David von Teufen- baeh, einen protestantischen Prediger in der zur Noth ausgebesserten Pfarrkirche an. Im Jahre 1600 ward die Kirche wieder den Katholiken eingeräumt, der heil. Maria geweiht und dem Pfarrer von Hütteldorf zur Obsorge anvertraut. Diese Kirche scheint jedoch wieder zerstört worden zu sein, denn um das Jahr 1735 errichtete die Gemeinde bei „ihrem Kreuze“ mit Bewilligung des Consistoriums eine „hölzerne Hütte ohne Verschlag“, um ihre Andacht halten zu können. Später erhielt Graf von Oolloredo, damaliger Besitzer des Schlosses, die Erlaubnis, in seiner Privat-Kapelle im Schlosse täglich eine Messe lesen zu lassen. Im Jahre 1814 ließ 81 jedoch der Besitzer des Schlosses Dr. Joh. Stein metz diese Kapelle aufheben. Im Schlosse empfieng 1765 Maria Theresia die Braut ihres Sohnes Josef II, Prinzessin Josefa von Baiern, um sie von hier nach Schönbrunn zu ihrem Sohne zu führen. — In der Nähe ist ein ausgiebiger Steinbruch von Wienersandstein. Der Auhof ist als hofärarisches Gutsgebiet mit dem k. k. Thiergarten vom Gemeindeverbande ausgeschlossen und gehörte im 13. Jahrhundert zu Weid- lingau. 1270 schenkte Albert von Arberch diesen Hof dem Johanniter-Orden. Dann kam er an Friedrich den Schönen, der ihn 1327 mit 20 Tagwerk W T iesen dem Nonnenkloster Maria Magdalena vor dem Schotten- thore schenkte. Nach Zerstörung dieses Klosters im Jahre 1529 behielten die Nonnen auch bei ihrer Vereinigung mit dem Kloster St. Laurenz in Wien diese Schenkung und erst im Jahre 1561 (?) wurde der Hof an Kaiser Ferdinand I. abgetreten. Seit dieser Zeit ist er der Sitz eines kaiserlichen Forstmeisters. Die heutige Form hat er wahrscheinlich seit 1779. (Unter Karl VI. diente ein im Auhof befindlicher Kerker zur Aufnahme der erwischten Wilddiebe, die ein Geständnis ihrer Verbrechen und Vergehen oft erst unter Anwendung von Folterwerkzeugen ablegten.) Laab im Walde. Laab im Walde hat einen Flächenraum von 7T4ßm 2 und 411 Einwohner in 67 Häusern und liegt am Laaberbache. Es hieß früher Loup und dürfte um einen alten Jagdhof, der 1526 zerstört wurde, entstanden sein. Es gehörte gleich Breitenfurth zur ersten Schenkung des deutschen Kaisers Heinrich II. an den Markgrafen Heinrich I. aus dem Hause Babenberg (1002). Dieser dürfte bei dem Jagdschlösse in „Loup“ auch die einst auf dem sogenannten Kirchberge gelegene und dem 6 82 heil. Colo man, der unter Heinrich I. unschuldig in Stockerau den Martertod erlitt, geweihte Kapelle erbaut haben, aus der später eine Kirche entstand. Dieselbe wird in einem im Jahre 1158 von Heinrich Jasomirgott ausgefertigten Stiftsbriefe der Benedictiner- Abtei der Schotten in Wien übergeben. Den Jagdhof erhielt unter Albrecht V. Niceas Mittern- dorfer als Lehen. Im Jahre 1454 besaß ihn Jörg Alanbekh, und dessen Sohn verkaufte ihn 1491 an das Stift St. Dorothea in Wien. Während der ersten Belagerung Wiens durch die Türken (1529) wurde der Ort verwüstet, so dass auch die Pfarre aufhörte zu bestehen. Die wenigen Einwohner, die größtentheils kaiserliche Waldunterthanen waren, mussten bis zum Jahre 1694 zum Gottesdienst nach Perchtoldsdorf gehen. Das Stift Schotten in Wien, das die Wiederherstellung der Kirche, der Schule und des Pfarrhofes zu besorgen gehabt hätte, verzichtete im Jahre 1678 auf die Pfarre zu Gunsten des damaligen Herrschaftsbesitzers, Christof von Abele, geheimer Rath Leopold I., der die Pfarre und Kirche wieder herzustellen sich verpflichtete, einen Betrag von 5000 fl. als Dotation auf die Herrschaft sicher stellte, damit von den Interessen der Pfarrer jährlich 200 fl. und der Schulmeister 50 fl. empfange, und gehalten wurde, beim k. Waldamte ein bestimmtes Holzdeputat für Pfarrer und Schulmeister zu erwirken. Nach Christof Ab eie s Tode wurde der Ort von seiner Witwe Maria Anna — nachhin verehelichte Gräfin von S a 1 a b u r g — an die gräfliche Familie von Breuner verkauft, die ihn nur 5 Jahre behielt und dann an Josef von Kropf käuflich abtrat. Von diesem gelangte L a a b an die Familie der Edlen von Schmerling, dann im Jahre 1769 an den DeutschenOrdens- Comthur Carl Grafen von C olorado-, der solchen zu einer Commende bestimmte und nach dessen Tode diese kleine Herrschaft dem Deutschen Orden als 83 ein Erbtheil anheim fiel, der ihn noch gegenwärtig besitzt, Die Kirche, welche mit der Schule und dem Pfarr- hofe bis nun auf dem sogenannten Kirchberge gelegen war, wurde 1789 in das Schloss verlegt, desgleichen wurde dem Pfarrer im Schlosse eine Wohnung angewiesen. Die nicht weit davon liegende Schule wird bereits 1678 genannt und ist gegenwärtig von 63 Kindern besucht. Außer dieser befindet sich hier noch eine ein- classige Privat-Mädchenschule der Gen. Oberin der barmherzigen Schwestern mit circa 10 Schülerinnen. In Laab muss einstens auch ein Eremite (Einsiedler) gehaust haben, da der Altvater der Einsiedler zu Baden im Jahre 1753 das Consistorium bittet, in der leer gewordenen Klause zu Laab einen Eremiten aufnehmen zu dürfen. Der Sage nach soll in Laab auch ein Mineralbad bestanden haben, von dem jedoch gegenwärtig nichts mehr bekannt ist; nur wird ein Haus gezeigt, in dem einst ein Bad für Kranke gewesen sein soll. Überschwemmungen, wie eine im Jahre 1866 vorkam, durch welche Menschen und Thiere verunglückten, sind zwar selten, dafür werden beinahe Jahr für Jahr weite Wiesenstrecken durch verwüstende Sturzbäche unter Wasser gesetzt. Mauerbach. Die Ortsgemeinde Mauerbach hat einen Flächenraum von 20 35 hm* und 972 Einwohner in 81 Häusern. Hiezu gehören die Ortschaften: Mauerbach (912 Einwohner in 65 Häusern), Dorf am gleichnamigen Bache mit dem Weiler Hirschgraben mit 4 Häusern, Stein bach am gleichnamigen Zufiusse des Mauerbaches hat 9 Häuser, wovon 2 nach Hadersdorf gehören, und 45 Einwohner, 6 * HÄ- J ^ 4 84 Hain buch (auch Hainbach) an den Quellen des Mauerbaches mit 3 Häusern in Vorderhainbach und 15 Einwohnern. Der übrige Theil von Vorder- und ganz Hinter-Hainbach gehören zur Gemeinde Hadersdorf. Mauerbach kommt unter den Namen Mawer- bach und Murbach bereits im 13. Jahrhundert vor und es erscheint ein gewisser Otto von Mauerbach als Zeuge bei Gelegenheit eines schiedsgerichtlichen Spruches des Herzogs Friedrich II. im Jahre 1231. Schloss und Gut kamen zu Anfang des 14. Jahrhunderts an die Herzoge von Österreich und Friedrich der Schöne errichtete hier nach dem Muster der vom Markgrafen Ottokar V. im Jahre 1165 zu Seitz in Steiermark gemachten Stiftung ein Kloster für einen Prior und 12 Mönche sammt einem Spitale für 12 Ariüe und übergab es mittelst Stiftsbrief vom 19. Mai 1316 dem Orden der Karthause, der um das Jahr 1068 von dem Oanonicus Bruno von Eh ei ms in einer Einöde bei G r e n o b 1 e gestiftet worden war und das Einsiedlerleben mit dem Klosterleben verband. Die Mönche nannten die Karthause in Mauerbach „Vallis omnium sanetorum“ (im Allerheiligen Thal). Der Caplan der Mutter Friedrichs des Schönen, der Pfarrer Ger lach zu Traiskirchen, erbaute zu Mauerbach neben der Karthause aus eigenem Vermögen ein S i e c h e n h a u s (an Stelle des oberen Wirtshauses) für 6 Priester, einen Laienbruder und 2 Diener nebst einem Weltpriester zur Seelsorge an der Pfarre. Auch baute er hier eine Kirche „Zu unser lieben Frau am Fischteiche“. Gerlach starb am 16. April 1318 und wurde im Chore der Klosterkirche beim Stuhle des Priors beigesetzt. Auch wurde hier der am 15. Jänner 1330 in Gutenstein gestorbene Stifter des Klosters Friedrich der Schöne begraben. Das Kloster und der Ort M a u e r b a c h hatten während der Reformation und in den Türkenkriegen, sowie durch ein Erdbeben (1590) viel zu leiden, so dass Kaiser 85 Rudolf IT. die Aufhebung des Klosters beschloss. Die Freiin Marg. von Neudegg setzte das Kloster zum Erben ein und baute es wieder neu auf. Im Jahre 1670 ertheilte Kaiser Leopold 1. dem Prior des Klosters und seinen Nachfolgern die Prälatenwürde mit dem Eechte des Sitzes und der Stimme in den Versammlungen der Landstände. Am 22. Jänner 1782 wurde das Kloster jedoch aufgehoben und in ein Krankenhaus umgewandelt. Im Jahre 1833 kaufte es Baron Sina vom Religionsfonde. Die Gebäude dienen jetzt theils als gutsherrlicher Wohnsitz (Fürst M a r o c o r d a t o), theils als Versorgungshaus der Stadt Wien für etwa 600 Pfründner. Die Pfarre Mauerbach bestand schon bei Gründung der Karthause. Die Pfarrkirche und der Pfarr- hof wurden bei einer Überschwemmung arg mitgenommen. Der Pfarrhof sammt Einrichtung, sowie alle Pfarrbücher und Urkunden giengen hiebei zugrunde. In den folgenden Jahren wurde das ehemalige Wirtschaftsgebäude des Klosters zur Wohnung des Pfarrers umgestaltet. Nach Aufhebung der Karthause übte das Vogteirecht an der Kirche das k. k. Waldamt aus, 1789 wurde es aber der k. k. Staatsgüteradministration übertragen. Sie befahl zur Vergrößerung des Friedhofes die alte Pfarrkirche und die Kapelle an der Feldwiese, „Maria in der Ruhe“ genannt, abzutragen. In der Sacristei der gegenwärtigen hübschen Kirche wird noch der Kasten von Ebenholz gezeigt, in dem bis 1783 die Gebeine Friedrichs des Schönen ruhten. Das Patronatsrecht hat dermalen die Gutsinhabung. Die Schule, bereits im Jahre 1620 erwähnt, ist zweiclassig und wird von circa 74 Kindern besucht. Sie ist im ersten Stockwerke des ehemaligen Gasthauses „Zum rcthen Rössel“ untergebracht. Das Patronatsrecht bei Besetzung der Oberlehrerstelle übt hier noch die Gutsinhabung aus. 86 Pressbaum. *) Die Ortsgemeinde hat einen Flächenraum von 60'71 Tcm 2 mit 2498 Einwohnern in 434 Häusern. Hiezu gehören: Pressbaum, Dorf mit Offermeidling, Oberer und Unterer Saubichl **), ferner Bartberg, Bihaberg, Brentenmais, Unter-Dürrwien, Heizawinkel, Pfalzberg und Weidlingbach (1411 Einw.), AuamKraking (Krähenberg), Dorf mit Hirschengsterm und Schönleithen ***), ferner Hinter- und Vorder-Bonna f) und Rauchengern (121 Einw.), Eichgraben, Dorf (142 Einw.), Pfalzau, Dorf mit Klaushäuseln, ferner Hinter- Pfalzau, Pfalzberg, Fellinggraben, Ober- und Unter- Kniewald und Schwabendörfel (390 Einw.), Rekawinkel, Rotte mit Finsterleithen, Grasleithen, Großrahm, Höllenstein, Am Kardinal, Kauting- leithen, Nageswiesberg, Potzenstein, Schmölzgraben, Rittsteig, Steinfurth, Zwickelberg, ferner Bierbach, Ober-Dürrwien, Am Hagen, Schwarzlacken und Sonn- leithen (434 Einw.). Über die Entstehung des Namens „Pressbaum“ ist in der Schul-Chronik folgendes enthalten : An der Stelle, wo heute das Gasthaus „Klaghofer“ gegenüber der Kirche sich befindet, stand ehemals eine Eiche. Dieselbe wurde gefällt und für den Pressbaum einer Mostpresse bestimmt, jedoch nicht sofort benützt, sondern längere Zeit an Ort und Stelle liegen gelassen. In der Folge soll nun dieser Ort öfters als Versammlungsort gedient und sich die locale Bezeichnung „Am Pressbaum“ oder „Wir kommen am Press- *) Beiträge von Herrn Oberlehrer Anton Fritz. **) Bichl, Bühel etc. stammt vom althochdeutschen puhil = Anhöhe. ***) Leithen = Berglehne. f) Bonna führt auf das mittelhochdeutsche bann = Verbot zurück. 87 bäum zusammen“ gebildet haben. Dieses obgenannte Gasthaus führt heute noch denselben Namen und als Schild eine Mostpresse mit der Überschrift „Am Pressbaum“. Pressbaum ist früher auch Tannerin, Donnerin, Donnering und „Zum Taferl“ genannt worden. Der Ort soll aus einer Ansiedelung salzburgisch er Holzhauer unter der Regierung Leopold I. (1657—1705) hervorgegangen sein. Die Kirche verdankt ihre Entstehung dem Jahre 1713. Damals wüthete die Pest im ganzen Lande und der k. k. Waldförster Joh. Priech 1 ließ zur Abhaltung gemeinschaftlicher Gebete für die Waldhüttler eine kleine hölzerne Kapelle erbauen, da die Mutterkirche in Purkersdorf zu weit entfernt war. Im Jahre 1723 wurde die Kapelle durch eine päpstliche Bulle als eine öffentliche erklärt und vom Oonsistorium zu Passau auch als solche anerkannt. Durch Stiftungen und Sammlungen wurde es möglich gemacht, dass am 4. Juli 1729 (vom Grafen Gallern) der Grundstein zu der noch jetzt bestehenden Kirche gelegt werden konnte. Im Jahre 1730 wurde sie vom Erzbischöfe in Wien, Grafen Kollonitsch, eingeweiht. Als Stifter sei hier unter anderen Joh. Fried. Weltischhofer, Bräumeister des Bürgerspitals in Wien, genannt, der aueh zur Erhaltung eines Schullehrers 3000 fl. legierte. Am 1. November 1783 wurde die bisherige Beneficiat- Kirche zu einer eigenen Pfarrkirche erhoben. Pressbaum ist jetzt eine beliebte Sommerfrische und blüht von Jahr zu Jahr mehr auf. Vor dem neuen Schulgebäude steht ein schönes Kaiser Josef-Stand- bil d. Rekawinkel liegt an der Grenze zwischen den Gebieten der Wien, der großen und kleinen Tulln und ist eine neuere Ansiedelung, welche erst durch den Eisenbahnbau, der hier zwei Tunnels erforderte, ihre Bedeutung erhalten hat. Eich graben liegt im Flussgebiete der großen 88 Tulln und hat in der Nähe einen schönen Bahnviaduct. (78 m lang und 27*1 m hoch — 285 m.) Dieses Dorf bildet den ältesten Theil des Gemeindeverbandes. Purkersdorf.*) Die Ortsgemeinde Purkersdorf hat einen Flächenraum von 3017 hm 2 mit 2102 (im Sommer circa 6000) Einwohnern in 300 Häusern. Hiezu gehören: Pnrkersdorf mit Unter-Purkersdorf (fälschlich auch Ober-Weidlingau genannt), In der B aunzen , Rotte, Brandstadt, Dambach, Saag- berg, Rotte, Groß-Steinbach, Rotte (1872 Einw.), Neu-Purkersdorf, Rotte (81 Einw.), Deutschwald, Rotte (59 Einw.), Stadlhütte, Rotte (90 Einw.) und C h ristkindl wald, Steinbruch. Purkersdorf ist der Sitz eines k. k. Bezirksgerichtes, k. k. Steueramtes, einer k. k. Forst- und Domänen-Verwaltung, eines k. k Gendarmerie-Postens, der l.-f. Pfarre (mit Gablitz, Aushilfspriester), der Gewerbe-Genossenschaft des Gerichts-Bezirkes Purkersdorf, der Bezirks-Krankencassa und des Bezirks-Armenrathes. Purkersdorf ist Station der K a i s e r i n-E 1 i s a b e t h-W e s t- b a h n und hat im Gemeindegebiete die Haltestellen Ober- Weidlingau (Unter-Purkersdorf), Keller wiese (Ort Purkersdorf) und Tullnerbach (Stadlhütte). Purkersdorf besitzt ein k. k. Post- und Telegraphenamt mit Telephonstelle, ferner eine öclassige Volksschule, eine Privat- Arbeitsschule und ein Sanatorium (Heilanstalt des Doetor Rudinger). Seit dem Jahre 1873 befindet sich auch die n.-ö. Landesblindenschule in Purkersdorf. Purkersdorf liegt im Wienthale an der Mündung des Gablitzbaches, 12 hm von Wien. Die Reichsstraße *) Von Herrn Lehrer Alois Mayer. nach Linz durchschneidet den Ort und wendet sich dann dem Gablitzthale zu. Gewiss ist Purkersdorf eine sehr alte Ansiedlung. Der alte österreichische Geschichtsschreiber Cuspini- a n u s vermuthet, dass unter P u r g u m, woselbst der Legende nach der heil. Severin (um 450) sich eine Klause in Waldeinsamkeit errichtet hatte, Purkersdorf gemeint sei. Auch der heil. Eugippius, ein Schüler des heil. Severin, berichtet in ähnlicher Weise. Die beim Baue der Westbahn und bei anderen Gelegenheiten gefundenen römischen Münzen lassen schließen, dass schon die Eömer hier eine Niederlassung, eine Befestigung oder einen Thurm (turris, purgum) besaßen, um die in der Richtung der heutigen Reichsstraße über den Riederberg fmons cetius) ziehende Römerstraße zu bewachen. Eine andere Ansicht über die Entstehung von Purkersdorf geht dahin, dass einer der Purcharte oder Burkharde, die mit Karl dem Großen oder Leopold von Babenberg in die Ostmark zogen, mit der Gegend von Purkersdorf belehnt worden sei und die Ueberreste der römischen Befestigung zur Erbauung des alten Schlosses verwendet und sein Geschlecht „von Purchartsdorff“ benannt habe. Historisch richtig ist, dass „Edle von Purchhartes- torf“ sich in Urkunden vom 12. bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts finden. Der Ort und das Schloss kamen aber schon früher aus ihrer Hand; um 1250 waren die Herren von S c h ö n b e r g Besitzer, 1284 kam ein Wald in dieser Gegend an Ordolf, Comthur des deutschen Ordens; dieser Wald war noch 1675 durch Steine und hohe Bäume gegen die Besitzungen des Landesfürsten und des Bürgerspitals in Wien abgegrenzt. Im Jahre 1312 war Purkersdorf im Eigenthume des Christian von L engenbach. 1333 kaufte Herzog Otto der Fröhliche um 1000 Pfund Pfennige das Schloss und den Ort. Herzog Al brecht der Lahme wohnte anlässlich der in Wien aufgetretenen Pest im 90 Jahre 1344 hierselbst. Im Jahre 1350 setzte er Wer rill ard den Schenken als Forstmeister in das Schloss. 1460 übergab Kaiser Friedrich III. seiner Gemahlin E1 e o n o r a von Portugal dasselbe zum Aufenthalte. Kaiser Maximilian I. besuchte mit seiner Mutter mehrere Male Purkersdorf; unter ihm entstand die Reichsstraße. 1829 wurde das Schloss und der ganze Ort von den Türken niedergebrannt. Lange blieb die Brandstätte unberührt und die Gegend unbewohnt. Erst 1570 finden wir wieder einige aus ungebrannten Ziegeln erbaute Hütten, für deren Bewohner Kaiser Maximilian II. eine kleine Kapelle erbaute und einen Priester einsetzte. Eine Pfarre wird jedoch schon 1354 erwähnt. Die von den Türken zerstörte Kapelle soll vom deutschen Ritterorden erbaut worden sein. Zur Zeit der Reformation waren viele Bewohner von Purkersdorf und Umgebung der protestantischen Lehre ergeben. Im Jahre 1674 wurde ein eigener Pfarrhof gebaut, der indessen bei der 2. Türkenbelagerung Wiens gleich Kirche, Schule und Ort arg mitgenommen wurde. Der damalige Pfarrer Osswald wurde in die Sclaverei geschleppt und der Richter Georg Hammerschmied starb als erster unter der Türken Hand. Purkersdorf konnte sich nur schwer erholen. Die Gemeinde musste Geld aufnehmen. Der Pfarrhof wurde 1684, die Schule 1689 wieder hergestellt. 1705 werden Löschgeräthe beschafft und eine Tabak-Trafik eröffnet. Zur Zeit Kaiser Karl VI. wurde die Pest durch die Besitzerin der Hürtelsfurtermiihle (jetzt Pragermühle) eingeschleppt. Zu erwähnen ist das seit dem Jahre 1727 am Hochaltar der Pfarrkirche ausgestellte Marienbild. Dasselbe soll von der Müllerin Magdalena W ed 1 an einem Weidenbaume beim „Fletzersteig“ angebracht und namentlich zur Zeit der Pest (1713) von vielen Wallfahrern verehrt worden sein. Um das Jahr 1721 wurde hier eine Kapelle erbaut (renov. 1836) und die Zahl der Besucher vermehrte sich von Jahr zu Jahr, so dass 91 das Bild in die Pfarrkirche zu St. Jakob übertragen werden musste. Maria Theresia besuchte häufig Purkersdorf, um im Pfarrhofe bei dem alten Pfarrer Haas ihren Gemahl Kaiser Franz I. von Lothringen von der Jagd zu erwarten. (Gedenktafel im Vorhause des Pfarrhofes.) Ihre Tochter Maria Antoinette nahm, als sie nach Frankreich zog, weinend Abschied von dem alten Pfarrer. Bis dahin gehörte zu Purkersdorf auch Pressbaum, Tullnerbach, Eichgraben, Wolfsgraben, Laab. Kaiser Josef II. theilte die Gemeinde. Ende des vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts kamen die Greuel der Franzosenkriege in das Thal. 1805 empfieng hier im Gasthause „Zum Wolfen“ Prinz Murat, der Schwager Napoleons, durch den Bürgermeister Wohlleben die Schlüssel der Stadt Wien, nachdem General Mack bei Lim die Waffen gestreckt hatte. Am 12. November desselben Jahres erschien Napoleon selbst mit seinen Generälen und nahm Quartier im Carmeliterhofe (jetzt Dorfingers Gasthaus). Nach der Schlacht bei Austerlitz (2. December 1805) wurden 3000 gefangene Bussen nach Purkersdorf gebracht und zum grossen Theile in der Kirche untergebracht, wo sie die Orgel, Stühle, Bilder etc. zerstörten. Noch schlimmer ergieng es Purkersdorf nach der Schlacht von Eckmühl, als die Franzosen zum 2. male nach Wien zogen. Durch die Ausschreitungen der Franzosen wurden die Bewohner so erbittert, dass manche der Feinde heimlich erschlagen wurden. Als die Bauern zu Eichgraben am 4. Juni 1809 von 12 Oavalleristen, die auf Requisition ausgesaudt waren, 10 erschlugen, wurde der Herrschaft Purkersdorf eine Zahlung von 20.000 Frs. auferlegt und der Purkersdorfer Verwalter 6 Wochen in Blankenberg gefangen gehalten, vor seinen Augen mehrere Bauern erschossen und dem Cooperator von Altlengbach, der die Pferde der Erschlagenen licitieren half, 100 Stockstreiche verabfolgt. 92 Nach dem Sturze Napoleons erholte sieh Purkersdorf langsam. Die folgenden Friedensjahre steigerten den Fremden- und Frachten verkehr, für den Purkersdorf eine wichtige Station abgab. Am 23. August 1842 wurden Schloss, Kirche, Schule, Posthaus und andere Objecte durch Feuer zerstört. Beim Wiederaufbau verlor das Schloss (ehemals Jagdschloss, heute ärarisehes Gebäude für Amtslocale) die letzten Spuren seiner älteren Gestalt. Auch das ehemalige Posthaus, dessen Vorderseite jedem Vorübergehenden wegen seiner mythologischen Figuren auffällt, erhielt nicht mehr vollständig seine frühere Form. Die Kirche wurde mit einem neuen Dache versehen. Das Schulgebäude, das aus dem Jahre 1778 stammte, wurde wieder hergestellt, war aber alsbald zu klein; 1875 ersetzte es ein Neubau, der den modernen Anforderungen entspricht. Hier sei erwähnt, dass man mit einiger Sicherheit annimmt, es sei schon lange vor der ersten Türkenbelagerung Wiens im Orte Unterricht ertheilt worden. Aus der Beihe der älteren Lehrer, deren Namen bis 1688 zurück bekannt sind,, ragen besonders zwei durch ihre Leistungen hervor: Anton Franz Sam 1726—60 und Ferd. Krammer sen. 1809—44. Nach mancherlei Kämpfen (1857—63) der Gemeinde mit der damaligen Schulbehörde wurde endlich 1863 der ganztägige Unterricht eingeführt und ein Unterlehrer angestellt. Eine landwirtschaftliche Fortbildungsschule bestand von 1868—72. Noch einmal, 1866, kamen schwere Tage für Purkersdorf, indem es damals viel durch Einquartierung zu leiden hatte. Seitdem blieb dem freundlichen Thale der Frieden gewahrt. Einen gänzlichen Umschwung der örtlichen Verhältnisse zog die Anlage und Eröffnung der Kaiser Elisabeth-Westbahn (1858) nach sich. Während von den ältesten Zeiten an die Bewohner 93 ihren Unterhalt hauptsächlich durch die Holzfällungsund Holzverfrachtungsarbeiten (Schwemmbetrieb auf der Wien), durch den Fremdenverkehr, durch Vorspannleistungen etc. fanden, ist heute die Bevölkerung auf den Aufenthalt von Sommerparteien geradezu angewiesen. Waren auch schon vor der Eröffnung der Bahnstrecke einzelne Familien zum Sommeraufenthalt hier, so ist doch Purkersdorf erst durch die Bahn geworden, was es heute ist: eine der besuchtesten uud beliebtesten Sommerfrischen der Wiener. Seitdem ist manche gute Neuerung von der Gemeinde durchgeführt worden und hat sich das Vereinswesen entfaltet (Verschönerungsverein 1868, Feuerwehr 1873, Militär-Veteranen verein 1875, Gesangverein 1892, Ortsgruppe des deutschen Schul Vereines, Wohl- thätigkeitsverein, Sanitätsabtheilung etc.). Schon um 1000 wurde Purkersdorf vom übrigen Wienerwalde getrennt verwaltet. Seit dem Ankäufe des Gutes durch Otto den Fröhlichen blieb Purkersdorf Eigenthum der österreichischen Landesfürsten. Unter Maria Theresia, 1755, wurde Purkersdorf Eigenthum des Waldamtes. Mit Allerhöchster Entschließung wurde der Wienerwald 1849 als Staatseigenthum erklärt und erfolgte für Purkersdorf die Landtafel-Umschreibung 1862. Die Anfänge des Gemeindewesens lassen sich nicht mehr feststellen, nachdem das „uralte Grundbuch 1529 durch den Erzfeind verprunnen.“ Die Namen der Ortsrichter sind bis 1642 hinauf aus den Gemeindeacten bekannt. Tullnerbach. *) Die Ortsgemeinde hat einen Flächenraum von 34 53 km 2 mit 2000 Einwohnern in 205 Häusern. Tullnerbach besteht aus Hintertullnerbach, ') Von Herrn Oberlehrer Josef Schmuck. 94 Neuwirtshaus mit der Bahnstation Tullnerb ach und Lawies mit der Bahnstation Press bäum. In einem links gelegenen Seitenthale des Wienflusses zwischen Purkersdorf und Pressbaum birgt sich eine der schönsten Sommerfrischen des Wienerwaldes, das alte Hinter-Tullnerbach, dessen Bevölkerung Landwirtschaft und große Steinbrüche betreibt. Einen bedeutenden Aufschwung hat die Lawies, jener Tlieil von Tullnerbach gemacht, welcher im Wienthale liegt und an Pressbaum grenzt. Hier sipd nahe bei hundert im modernsten Stile erbaute Villen mit herrlichen Gärten und nett regulierten Promenadeanlagen. Wegen der hübschen Lage, gesunden Luft und der bequemen Bahnverbindung mit Wien ist die Lawies die gesuchteste Sommerfrische an der Westbahnlinie. Tullnerbach war früher mit der Gemeinde Pressbaum vereinigt und hat sich im Jahre 1873 selbständig gemacht. Tullnerbach hat zwei Schulen. Die alte Schule wurde unter Maria Theresia, die zweite Schule, welche im Wienthale liegt, im Jahre 1883 erbaut. In Tullnerbach befindet sich auch das „Nor- bertinum“, ein Institut des katholischen Waisenhilfsvereines, in welchem Knaben in einer mit dem Öffent- lichkeitsreehte ausgestatteten Volksschule von Schulbrüdern erzogen werden. Wolfsgruben. Die Ortsgemeinde hat einen Plächenraum von 2118 Ä-m 2 mit 478 Einwohnern in 82 Häusern. Hiezu gehören : Wolfs graben, Dorf mit Dreikohlstätten und Fellinggraben (363 Einw.), Klein-H öniggraben, Botte (28 Einw.), Langseiten, Botte mit Plattenberg, Boppers- berg und Wurzenhof (87 Einw.). 95 Wolfsgraben liegt am gleichnamigen Bache, an der die Ortschaften Tullnerbach und Breitenfurth verbindenden Bezirksstraße. Der Name ist der örtlichen Lage entnommen. Die Bewohner treiben Viehzucht, Wiesencultur, Milchhandel und Holzwirtschaft. Die Häuser liegen zerstreut. Der Ort soll der Sage nach früher bedeutend größer gewesen sein. Die Franzosen haben ihn 1809 arg mitgenommen. Bei der kleinen Kapelle im Orte sollen mehrere hier gefallene Franzsoen begraben sein. Einer Schule wird schon bei Errichtung der Pfarre Breitenfurth gedacht. Der größere Theil der Gemeinde ist nach Breitenfurth, kleinere Theile sind nach Laab und Pressbaum eingepfarrt. Gegenwärtig ist W o 1 f s g r a b e n ein beliebter Sommeraufenthalt. Die Schule ist einclassig. Druck von Carl Fischer (vorm. Ferd. Ullrich & Sohn) vVlen IV. flauptstrassc 54. sssasft ÄS $«** «*« Jfe® _. jr ’ Jfci*. 33"M'iatl.Un£* «Firn Kritaendf isambiL/Hageimruiin Dünuvhr Mit. Bezirk HHZIN6 umfassend die Gerichtsbezirke mmWB Land,PURKERSi i R F u. N EULENiIAOH 498 Km 2 44270 Elnw.310rts-84Katastral-Gemßindenu.5141 Hauser. am fß. HdUgJEim WeicHing edl&rsdf erhofm ’‘ d >uST, WM) dorr^ lastäam &ich& u-bengbach soaum i&a malksb 3 bei me Zeichen - Erklärung. ORTE über 5000 Einw. Ortschaften, ===== Strassen Orte „ 1000 „ = Eisenbahnen _ Fahrwege Orte „ 600 „ = Zahnradbahn Flüsse Orte . 300 „ elektrische Bahn & t Kirchen u. Kapellen Orte unter 300 „ - Pampftrammag. ^ <► Höhenpunkte Meter 185-200 200-300 300-400 400-500 500-000 000-700 700-893 Höchster Punkt: ^ 893 Meter. Niedrigster Punkt: Inzersdorf, <► 185 Meter. (Im Bezirke Hietzing - Umgebung.) jAöOHn^v.RTI Benennung. Bezirke Wiens .Innere Stadt II. Leopoldstadt III. Landstrasse IV. Wieden V. Margarethen VI. Mariahilf VII. Neubau VIII. Josefstadt IX-AIsergrund X. Favoriten XI. Simmering XII. Meidling XIII. Hietzing XIV. Rudolfsheim XV. Fünfhaus XVI. Ottakring XVII. Hernals XVIII.Währing XlX.Dübling Preis 10 Kr.=20 Heller Entworfen u.gezeichnet v. Jos.Bühl, Bürgerschul-Direktor in Liesing, ausgeführt v.R.Lechner(Wilh.Müller) k.u.k.Hof-u.Univ.-Buchhandlung,WienI.Graben 31. Lith.Anst.v.K. Loos, WienV. Maßstab 1:150.000 o 1500 3000 «oo booo Met. Mit ErlaPs des hochlöblichen k.k.nied österr Landesschulrathes vom 12.Marz 1895, Z.2269 für den Gebrauch an allen Volksschulen lies Schulbezirkes Hietzing zulässig erklärt. 4 kT' 4 /^ i V- J.Ä V •/. /■»*<. * - r* *. vf’f; V''- hphitf- ' i . -•'-£■ \V-W ; 44 •»■’■ 1 •• ' ’^} C V J : ■ %. • •- * 5 t «v > '. , ; sae» ».?/» • . ^?‘>5 V * •>' \ .i«**- '?;'.< 'ta < ;■?< V V. '. \ T ; ti’"' f ‘ t F:/-: ^*»4 V'i ; ‘ ‘ ,; ‘ ; v r ;v^.Cr^& r , - ', - 3 -vJ:. * t j'' 1 ^ f ^Vi ;V/' / >v->‘Ä/’v>»ff.f ? .'. .JV;> V-X' ,i r ./ r y. • ^äwNäW^»»« äSSß^^SlIfiiiss^&a?'*^*’ ^ ‘#VA V' 4 . : vrf / ^ ■£as>'ä 5 'v'V 7 > * » N^' '*K> **vfe i ;'/ 'JW Tr