Gt ....- — ===© Wiener Stadt-Bibliothek. 58402. A fr r- A, * 1 • t y A ' & <, „ ■x < / 1 y^> * i 3V'“*A * Vj»* j, *- -m. >x. —■ * „ >* vl t-qr-r-f, % ’f 'I t-.. -■• l ; V.^v a jxj ?js- v y>nwu -, ■* Rtfä: aA 1 ^ fl. V * * * vlAA13 ^3f ^■ y )> *■ t * i ■> -#■'£. / A *>'3*33 A v ~o ^ .* x i/V* 7 7 a>c 4 *t*' W p * ^‘ST^ V v O vfcs #\ >«?»! y -Sf A - T /;, V ,j Hi y,$'& >>v j' -art.l^ l ' v .> :33 j A'^FV 33AV ~ „VrA *‘ v :*j r *- f K r v S i S y k «t i J Industrieller Club. DENKSCHRIFT über die Einbeziehung der Wiener Vororte in den Verzehrungssteuer - Rayon. (Ueberreicht den Ministern des Innern, der Finanzen und des Handels.) WIEN, 1881 . CARL KONEGEN (FRANZ LEO & COMP.) I'., Opernring 3. Euer Excellenz! Die Frage der Einbeziehung der Vororte Wiens in den ^erzehrungssteuer-Rayon der Stadt berührt vielseitige und tiefgreifende Interessen der Industrie und des Handels. Von dieser Ueberzeugung ausgehend, sah sich der „Industrielle Club“ veranlasst, dieser wichtigen Frage näher zu treten, und es beehrt sich nunmehr das Unterzeichnete Präsidium das Resultat dieser Erwägungen Euer Excellenz zur Kenntniss zu bringen. Der „Industrielle Club“ erhebt durchaus nicht den Anspruch, mit nachfolgender Darlegung die sehr weitgehende und schwierige Angelegenheit der Verzehrungssteuer für Wien in ihrer finanziellen, wirthschaftlichen oder politischen Bedeutung erörtern zu wollen, sondern fühlt sich nur verpflichtet, die industrielle Seite ins Auge zu fassen, eventuell eine weitergehende Darstellung einer späteren Zeitperiode vorbehaltend. Die Vororte Wiens nehmen im Gesammt-Organismus der Wiener Industrie eine hervorragende Stellung ein. Der Umstand, dass diese Vororte von der Verzehrungssteuer zum grössten Theile befreit waren, hat wesentlich dazu beigetragen, dass aus vereinzelten unbedeutenden Dörfern ein Complex von gut verwalteten und blühenden Industrie-Orten entstand, dessen Gesammt- Bevölkerung sich innerhalb 25 Jahren verdreifacht hat, dessen Leistungen in Bezug auf die Erwerb-, Einkommen- und Hauszinssteuer in noch grösserer Progression gewachsen sind. I* 4 Die theilweise Befreiung von der Verzehrungssteuer war Ursache, dass sich um die Stadt ein Gürtel von Orten gebildet hat, wo alle Diejenigen eine Zuflucht fanden, deren geringes Einkommen die Sparsamkeit zur zwingenden Nothwendigkeit macht. Nebstdem, dass die Vororte das Asyl des kleinen, nur bescheiden besoldeten Staats - und Privatbeamten, sowie vieler Kleingewerbetreibenden bilden, sind sie vorzugsweise der Sitz einer bedeutenden Grossindustrie und der dazu gehörigen Arbeiterbevölkerung geworden. In den Vororten befinden sich grosse Etablissements für Maschinenbau, Textil - Industrie, Bierbrauerei, Spiritus- und Oel- Rafifinerien, Fabriken für Leder und Fettwaaren u. s. w. Die Erscheinung, dass alle diese industriellen Etablissements sich in den Vororten niederliessen, ist nun keineswegs eine zufällige. Jene Fabriken folgten vielmehr einem Gebote der zwingendsten ökonomischen Nothwendigkeit, weil sie nur in den Vororten jene Bedingungen fanden, die zum Gedeihen der Industrie unentbehrlich sind, nämlich billigen Grund und Boden, billige Arbeiterwohnungen, billigen Brennstoff, billige Lebensmittel und freie Bewegung des industriellen Betriebes und des Handels. In den Vororten sind nach Berechnungen, die wir für zuverlässig zu halten Ursache haben, die nothwendigsten Lebens' bedürfnisse um io bis 20 °/ 0 billiger. Die in Wien innerhalb der Linien erhobene Verzehrungssteuer beträgt bei Brod und Mehl 5°/ 0 , bei Fleisch 7 bis 15°/ 0 , bei Petroleum und Oel 12%, bei Bier 20°/ 0 und bei Wein 25 bis 5O°/ 0 . Ferner unterliegen die sowohl für den Haushalt als für die Industrie unentbehrlichen und in so grossen Mengen verbrauchten Brennstoffe einer namhaften Verzehrungssteuer. So entrichten: Holz . Cubik-Meter Holzkohle .... • • . 20‘ 4 „ „ Meter-Centner Braunkohle . . . . . . | Steinkohle . . . r> n Coaks. . . . J Für eine Fabrik, welche jährlich 50.000 Meter-Centner Kohle verbraucht, dürfte daher durch Einbeziehung in den Rayon bei dem einzigen Artikel „Kohle“ eine Mehrbesteuerung von 2660 fl. eintreten, wodurch die Productions-Bedingungen verschoben und die Production selbst in nachtheiligster Weise beeinflusst würde. 5 Auch für die Arbeiter und die kleinen Beamten würde die Mehrauslage für Kohle, so unbedeutend sie auch erscheinen mag, gleichwohl, da sie stetig wiederkehrt, sehr empfindlich werden und, bei dem Umstande, dass die Kohle das Fundament einer Reihe von weiteren gewerblichen und industriellen Vorgängen bildet, den Lebensunterhalt wesentlich vertheuern. Ganz dasselbe gilt von den Löhnen. Der Arbeiter, der in den Vororten wohlfeiler lebt, kann auch seine Arbeit billiger verkaufen. Eine Lohnsteigerung, das voraussichtliche Ergebniss einer Einbeziehung der Vororte in den Rayon, würde die Gestehungskosten der Gesammt-Production erhöhen. Alle diese nachtheiligen Factoren würden aber Zusammenwirken, um den bisherigen Betrieb einer Reihe von Industriezweigen in den Vororten geradezu unmöglich zu machen. Hierzu kommt aber noch ein zweiter hochwichtiger Umstand. Es hat nämlich ein beträchtlicher Theil der ausserhalb der Linien gelegenen industriellen Etablissements nicht blos wegen der grösseren Wohlfeilheit aller Bedürfnisse, sondern auch wegen der bisher völlig freien Bewegung des Verkehrs in den Vororten seinen Standort gewählt. Es sind dies solche Etablissements, welche sich mit verzehrungssteuerpflichtigen Rohstoffen und Erzeugnissen befassen. So die Brauereien, Spiritus-, Oel- und Fettwaaren-Fabriken und der Weingrosshandel. Betrachten wir zuerst die Brauereien, so sind die innerhalb der Linien gelegenen Etablissements aus dem Grunde benachteiligt, weil sie den städtischen Zuschlag (41 kr. per Hektoliter) sofort baar bei der Anmeldung, also vor der Erzeugung, entrichten müssen, weil ferner auch der übrige Steuerrest (1 fl. 68 kr. per Hektoliter) wohl creditirt, aber durch Cautionen sichergestellt werden muss, weil endlich für die dreipercentige Schwendung die gezahlte Verzehrungssteuer absolut verloren geht. Die Brauereien innerhalb der Linie bedurften daher eines weit grösseren Betriebs-Capitales. Ausserdem entstand einb fühlbare Härte dadurch, dass diese Steuer erlegt werden musste, gleichviel, ob das Gebräu gelungen und. absatzfähig wär oder nicht, während der Brauer in den Vororten die Steuer erst dänn zahlt, wenn der Absatz für das Product bereits gesichert ist'. 6 Dieses Verhältniss hatte zur Folge, dass im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte sämmtliche in den Vorstädten Wiens gelegenen Brauereien mit Ausnahme einer einzigen (welche durch besondere Verhältnisse begünstigt war) allmählich, vor einer günstiger gestellten Concurrenz zurückweichend, ihre Thätigkeit einstellen mussten. Dies war das Schicksal der Brauereien in der Leopoldstadt, Landstrasse (Ungargasse), Margarethen, Hundsthurm, Lichtenthal, während in den Vororten die Brauereien fortbestehen, ansehnlich vergrössert wurden und mit gutem Erfolg arbeiten. Auch die Spiritus- und Presshefen-Fabrikation ist ein hochbesteuerter und wichtiger Zweig der Wiener Vororte-Industrie geworden Dieselbe concurrirt mit den gleichartigen Fabriken auf dem flachen Lande und besonders in Pest. Das zu dieser Fabrikation verwendete Rohproduct besteht zu 1 / 3 aus Mais. Dieser wäre nach bisherigem Tarife mit 68 4 / 10 Kreuzer per ioo Kilo beim Eintritt in den Rayon zu versteuern. Zu der Besteuerung des fertigen Productes träte also noch eine Besteuerung eines Theiles des Rohproductes, wodurch eine Doppelbesteuerung entstünde, welche die Concurrenz-Bedingungen unter den verschiedenen Producenten völlig verschieben und die Vororte-Fabriken schwer benachtheiligen würde. Aehnliche Schwierigkeiten ergeben sich innerhalb des Rayons für die Oel-Raffinerien und die Fettwaaren-Fabrikation. Neben der Fabrikation müsste aber auch der Grosshandei mit allen verzehrungssteuerpflichtigen Waaren entschieden noth- leiden. Wien müsste aufhören, der Transito-Lagerplatz für alle diese Artikel zu sein, oder es müssten erst wieder mit enormen Kosten die nöthigen Docks und Freilager geschaffen werden. Je weiter aber die Magazine vom Centrum der Stadt hinausrücken, um so schwieriger und kostspieliger wird der Verkehr mit diesen Lagerplätzen für die im Innern der Stadt gelegenen Wohnungen, Schreibstuben und Consumtionsplätze. Wesentlich die Verzehrungssteuer- Einhebung trägt die Schuld, wenn der Weingrosshandel völlig die Stadt verlassen hat und seine grossartigen Lager und Kellereien ausserhalb der Linien verlegen musste. Indem der Weinhändler in Wien genöthigt war, sofort bei Empfang des Productes aus dem Weingebirge die Verzehrungs- 7 Steuer zu erlegen, während das betreffende Gebinde Wein oft Jahre lang eingekellert bei ihm liegen blieb, bis es zum Verkaufe gelangte, sah er sich gezwungen, einen namhaften Procentsatz seines Betriebs-Capitals dauernd festzulegen. Dass ferner der Weinhandel durch die Schwierigkeiten, die sowohl bei der Einhebung als auch bei der eventuellen Rückvergütung dieser Steuer, im Falle der Wiederausfuhr, stattfanden, viel zu leiden hatte, sei nebenbei erwähnt. Das Ergebniss dieser hier geschilderten Verhältnisse war die Verlegung aller dieser Geschäftszweige in die Vororte und man kann mit Bestimmtheit Voraussagen, dass die Einbeziehung der Vororte in den Verzehrungssteuer-Rayon eine neue Wanderung dieser wichtigen und bedeutenden Etablissements zur Folge hätte. Mit den Kellereien würden aber auch die bei dem Weingrosshandel beschäftigten Arbeiter, welche jetzt sämmtlich in den Vororten wohnen, davonziehen und ebenso würden die zahlreichen, für diesen wichtigen Handelszweig thätigen Hilfsgewerbe, als: Fuhrleute, Binder, Schmiede, Schlosser, die Vororte verlassen. Eine solche Wanderung würde sich aber nur mit grossen, oft unerschwinglichen Opfern für den Einzelnen, und unter schwerer Schädigung des National-Wohlstandes vollziehen, und das in den Fabriken, Magazinen, Kellereien etc. etc. investirte Capital wäre zum grössten Th eile verloren, ohne dass dadurch der Gross-Commune Wien, dem Lande und dem Reiche ein Aequivalent erwachsen würde. Ueberhaupt wäre es unseres Erachtens ein grosser Irrthum, wollte man die Interessen der Stadt und der Vororte als Gegensätze oder auch nur als getrennt oder leicht trennbar betrachten. Im Gegentheile bedient sich die Stadt Wien der billigen Zone der Vororte zu einer Reihe von wichtigen Functionen, die der Bedarf einer Grossstadt mit sich bringt. Ausser den schon früher erwähnten Geschäftszweigen befinden sich in den Vororten zahlreiche Milch- wirthschaften, Fuhrwerksunternehmungen, Wäschereien u. s. w., welche alle durch die Verzehrungssteuer hart betroffen würden. Es wirkt daher die verhältnissmässige Wohlfeilheit der Vororte in vielseitigster und wohlthätigster Weise auf Wien zurück. Den klarsten Beweis für diese letztere Behauptung gibt die Thatsache, dass die berühmte und wichtige Industrie der söge- nannten „Wiener Artikel“ (Ledergalanterie-, Bronce- und Drechsler- waaren aller Art, namentlich aber die Erzeugung von Knöpfen aus Perlmutter, Horn und Holz) ihren Hauptsitz in den Vororten hat. Während der Unternehmungsgeist, der leitende Geschmack und der Handel in Wien selbst liegen, erfolgt die Anfertigung in den Vororten unter Modalitäten, welche in vieler Hinsicht noch die so wünschenswerthe Form der Haus-Industrie festgehalten haben. Diese Haus-Industrie, wobei die Arbeiter nicht in geschlossenen Fabrikssälen beisammen sind, sondern in der eigenen Wohnung und oft unter Mitwirkung eines Theils der Familie ihre Arbeit verrichten, hat in wirthschaftlicher und sittlicher Beziehung ihre grossen Vorzüge, ist aber, um ausführbar zu bleiben, von Einem Factor bedingt: ‘ der Wohlfeilheit der nothwendigsten Lebensbedürfnisse. Alles, was der Arbeiter braucht, soll billig sein, vor Allem Wohnung, Lebensmittel, Heizung und Licht. Nun kostet aber der Grund und Boden, der in den Vorstädten um 25 bis 50 Gulden per Quadrat-Klafter kaum zu haben ist, in den Vororten 5—10 Gulden, für eine Arbeiterwohnung wird in den Vororten per Jahr 60 bis 90 Gulden bezahlt, während in der Stadt die Miethen wesentlich höher stehen; des billigeren Preises der Lebensmittel, des Holzes und der Kohle wurde schon früher gedacht, nur Ein Artikel möge noch besonders hervorgehoben sein, das Petroleum. Jeder von den 10 bis 20 Arbeitern, die für einen Meister thätig sind, bedarf an den langen Winterabenden seiner eigenen Lampe, und da nun die Verzehrungssteuer für Petroleum per Meter-Centner fl. 4.55 beträgt, so ist es klar, dass durch eine solche Auflage die Kosten der Arbeit nicht unwesentlich vertheuert werden. Der glänzende Erfolg, welchen namentlich die Wiener Knopf- Erzeugung auf dem Weltmarkt errungen hat, beruht nebst der geschmackvollen Ausführung auf der Billigkeit des Artikels. Diese Billigkeit ist aber wesentlich bedingt durch mässige Löhne, deren Voraussetzung wieder Wohlfeilheit der Lebensmittel ist. Es hatte daher dereinst seinen guten Grund, wenn die Arbeiter dieser Industrie-Branche aus den Vorstädten nach den Vororten übersiedelten; im Falle jedoch die Vororte in den Rayon einbezogen würden, bliebe in der That dieser Bevölkerungsgruppe, die einen so wichtigen und soliden Theil in dem Arbeiter-Organismus 9 unserer Weltstadt bildet, kaum etwas anderes übrig, als eine neuerliche Verlegung ihrer Heimstätte. Da nun aber die Vororte in dem letzten Decennium mit grossen Opfern sowohl Schulen wie Bildungsanstalten aller Art ins Leben gerufen, auch für das Wohlbefinden der Arbeiter (durch Versorgung mit gutem Trinkwasser , durch zweckmässige Canali- sirung, durch Anlage geeigneter Marktplätze) Sorge getragen haben, so würden durch eine Auswanderung sowohl der auswandernde Arbeiter, sowie die eines grossen Theiles ihrer Bevölkerung beraubten Gemeinden schwer betroffen werden, da die Ersteren die für sie geschaffenen Anstalten und Ameliorationen nicht mitnehmen könnten, die Communen aber, die sich in grosse Auslagen gestürzt und namhafte Schulden contrahirt haben, durch den Entgang eines grossen Theiles ihrer Gemeinde-Umlagen nicht leicht einer finanziellen Calamität entgehen würden. Die Consequenzen der Auswanderung ganzer Bevölkerungsgruppen, in. deren verlassene Stätten zunächst kaum Ersatz nachrücken würde, sollen hier nur kurz angedeutet werden, sie sind: Entwerthung der Grundstücke und Häuser, Sinken der Miethen, Gefährdung der auf die Vororte-Realitäten gewährten Hypothekar- Darlehen , Schädigung des Credites der dadurch ins Mitleid gezogenen Provinz-Sparcassen, Stillstand der Bauthätigkeit und in Folge des Rückganges der Industrie ein sehr bedeutendes Nachlassen der Steuerkraft. Der „Industrielle Club“ glaubt daher nur eine Pflicht zu erfüllen, wenn er in möglichst objectiver Weise und ohne dadurch alle Seiten der Frage irgendwie erschöpfen zu wollen, auf die grossen und schwerwiegenden industriellen Interessen hinweist, welche durch eine Hinausschiebung des Verzehrungssteuer-Rayons ausserhalb der Vororte gefährdet würden. Der Druck, welchen die jetzige Verzehrungssteuer auf die Stadt Wien und die Industrie innerhalb der Linien Wiens ausübt , ist ein sehr schwerer und wird für die Entwicklung der betreffenden Stadttheile sehr fühlbar. Indem wir die aus einer Ein. beziehung der Vororte in die Verzehrungssteuerlinie voraussichtlich erwachsenden Nachtheile, darzulegen versuchten, haben wir nur 2 — 10 die jetzt schon auf der Stadt und den Vorstädten lastenden Hemmnisse bestätigt. Immerhin besteht in dem letzteren Falle eine Entschädigung. In der Natur der Dinge liegt es, dass in den inneren Ringen einer Grossstadt sich das Capital zusammendrängt, Grundwerth und Miethen am höchsten sind, die wohlhabendsten Fremden hier verkehren , die vermögendsten Bürger hier wohnen — hier sind also auch die Schultern zur Ertragung einer schweren Last verhältnissmässig stärker. In den Vororten, wenn ihnen die gleiche Last aufgebürdet würde, besteht diese Compensation nicht. Am weitesten vom Centrum der Stadt entfernt, müssten sie durch die neue Steuer am härtesten getroffen werden. Auch eine Herabsetzung des Verzehrungssteuer-Tarifs, so erwünscht dieselbe an sich sein muss, könnte die für die Vororte entspringenden Nachtheile nur in vereinzelten Fällen mildern. Der Schaden für den Transithandel, für den Weingrosshandel, für die Brauerei und überhaupt für die Erzeugung und den Verkauf verzehrungssteuerpflichtiger Gegenstände würde der gleiche bleiben, da alle diese Operationen, wie erörtert ward, eine Verzehrungssteuer mit ihren Con- trolen und Erschwerungen nicht vertragen. Wenn der „Club der Industriellen“ sich gegen die Einbeziehung der Vororte ausspricht, so ist er damit weit entfernt, den gegenwärtigen Zustand für einen günstigen oder nicht reformbedürftigen zu halten. Allein ein bestehendes Uebel wird nicht dadurch geheilt, dass man den Kreis seiner Wirksamkeit erweitert. Eine wirkliche Lösung der Frage kann, wenn eine Aufhebung des Systems der geschlossenen Städte jetzt nicht möglich sein sollte, nur in einer Reform der Verzehrungssteuer im Reiche erwartet werden. Vorher möchte ein Rütteln an den bestehenden Verhältnissen sehr gefährlich sein. Der gegenwärtige Zustand ist das Ergebniss tiefgreifender, vieljähriger Bemühungen und Arbeit. Lange Gewöhnung hat manchem Uebelstand seine Schärfe genommen, dem Bestehenden eine gewisse Geltung verschafft. Nach Ansicht des unterfertigten Clubs haben sich im Verkehr zwischen der Stadt und den Vororten Verhältnisse herausgebildet welche für jetzt zur gedeihlichen Entwicklung weder der Stadt noch der Vororte entbehrt werden können. 11 Der Club, welcher die Wahrung der Interessen von Industrie und Handel sich zur Aufgabe gesetzt hat, glaubt in vorstehender Denkschrift einige Motive verzeichnet zu haben, welche darthun, dass nur mit grosser Vorsicht und auf Grund eingehendster Erhebungen zu einer Umwandlung der bestehenden Steuerverhältnisse der Vororte geschritten werden kann. Von diesem Gesichtspunkte aus bittet der ergebenst gefertigte Club seine Darlegungen zu würdigen. Genehmigen Euer Excellenz die Versicherung der ausgezeichneten Hochachtung Wien, 15. December 1880. Der Präsident ✓ des „Industriellen Club“: I ALFRED SKENE. ’XKiuck von Q. Ctiiitel & Cie.« Wien, Stadt, Auffuatinerstruw*« 14. 1 'f- *■ V '-■{ J it I hi $ v .o:‘ r-'C 4 ' ^ •V* r''K *£■>/ vv*. 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