Mener 81 sät vidliolkelc. . 62244 .^ 5t 6?^ -SSL! Während der Wiener Welt-Ausstellung. Schwank mit Gesang in 1 Akt von Emil Jonas. , Musik von N Bial. (In Vorbereitung am Wallnertheater.) Honorar: ^ Für jedes Buch nach e rfolgter Aufführung: 10 Sgr. extra. Der Verkauf dieses Stückes gilt zur Darstellung n n r für den zu selbiger Zeit von dem Käufer inne gehabten Bereich innerhalb derselben Provinz, niemals aber bei Orts-Verändernngen über dieselbe hinaus, wobei jedoch für kleine reisende Gesellschaftxn billige Rücksichtnahme auf in demselben Provinz-Gewerbebereiche sich bewegende Nebcrsiedelungen gewährt werden soll. Der Verfasser behält sich und seinen Erben oder Rechtsnachfolgern das ausschließliche Recht vor, die Erlaubnis! zur öffentlichen Aufführung zu ertheilen. Den Bühnen gegenüber als Manufcript gedruckt und dem Theater-Com Missions-Geschäft von H. Michaelson in Berlin zum ausschließlichen Bühnen-Debit übergeben. Geschriebene Exemplare sind unrechtmäßig erworben. Berlin, 1873. Druck von R. Bittner, Leipziger Straße 107 Personen. Professor Qualm. < Feodora, seine Frau. Fanny, ihre Tochter. Grubenbesitzer Schacht aus Ungarn. Johanna, seine Tochter. Lieutenant Schacht, sein Neffe. Hofer, Maler aus München. vr. Krug, Referent aus Dresden. Prinz, aus Pirma. Karoline,) . ^ ca- - ^ tm Dlenste des Professors. Anton, ) ^ " Ein Dienstmann. Sicherheitswächter. Ort der Handlung: Wien, während der Welt Ausstellung. (Ein großes Zimmer beim Professor, mit doppelten Thüren im Hintergründe, sowie mit zwei Thüren an jeder Seite. Tische und Stühle. Links ein Bureau mit Uhr und Vase mit frischen Blumen. Vorne rechts ein Fenster). 1. Scene. Ktlroline (geht unruhig auf und ab). Daß der Anton nit wiederkommt! — Mein Jesus, freilich ist es brav um sich zu sein, aber ich glaub halt doch, daß er dies Mal zu weit geht in der versiirten Ausstellungs- Geschicht! — Aber da schaut man, welch' ein Unglück es ist, wenn Jemand so einen guten Kopf hat, wie er; denn ich ckann halt gar nit dazu kommen, ihm zu widersprechen, — wenigstens nicht jetzt, so lange wir nicht verheirathet sind! (Sieht zum Fenster hinaus.) Schau, schau, da kommt er! . . . und allein ... na, Gott sei gelobt! Ich fürchte immer, daß er wieder einen neuen Reisenden mit sich bringt. Hier im Hause regnet es fast Reisende, obgleich es sonst nicht so gefährlich damit in andern Häusern ausschauen soll. 2. Srenr Die Vorige. Anton. Anton (ganz erschöpft durch die Mitte, sinkt auf einen Stuhl). Ah, Luft! bin ich gelaufen! komme eben von der Nordwestbahn — der Zug kam an, aber da war nichts zu machen, . . . nur sechs Handelsleute von Troppau, welche zusammen bei einem Bekannten in Mariahilf wohnen wollen, der bei einem Schreiner aus Olmütz wohnt, — und dann kam ein Bäcker aus Pardubitz — aber der Kerl hatte Verwandte in der Josephstadt. ' Karoline. Gott sei Dank und Lob, denn das geht meiner sir nit gut! Anton. Beruhige Dich, ich übernehme die Verantwortung. ES 8 i wäre ja thöricht, hier eine große Wohnung zu haben, und nichts davon zu vermiethen, jetzt, wo die große Weltausstellung erst recht in Flor kommt, nachdem der Börsenkrach vorübergegangen ist! Karoline. Aber es sind doch des Professors Zimmer und Meubel? Anton. Ist ihm ganz recht, warum verreist er! übrigens hat er ja selbst den Anfang damit gemacht, als er dem Grubenbesitzer aus Ungarn die drei Zimmer vermiethete. Ich sah es dem Professor bei der Abreise deutlich an, als ob er sagen wollte: „Vermiethe die Zimmer, wahrend wir abwesend sind!" --- allein er schämte sich damit herauszukommen, denn das hätte so habsüchtig ausgesehen. Und da dachte ich: ich werde es Dir schon besorgen, ohne daß Du es auszusprechen brauchst. Karoline. Damit hast Du auch ehrlich Wort gehalten. Anton. Ja, wäre es nicht sündhaft, vier so schöne Zimmer während der Ausstellung leer stehen zu lassen? Drei Zimmer sind bereits an den Mann gebracht. Karoline. Und was wird uns das einbringen? Anton. Das werde ich Dir sagen, wenn das vierte Zimmer ver- miethet ist! Der Courierzug aus Berlin kommt in einer halben Stunde! Karoline. Aber bedenke, wenn die Herrschaft früher nach Hause kommt, als sie bestimmt hat? Anton. Kaum glaublich! Die Frau Professorin badet, um wieder jung zu werden, und das geht nicht so schnell! Darum sei ruhig, und laß uns so viel Miethe herausschlagen, wie möglich! Und wenn wir genug zusammen haben — Karoline. Dann gehen wir damit auf die Börse! Anton. Krach! Weg ist es! Jawohl, so dumm sind wir nichts Das überlassen wir unfern Hofburgschauspielern, die haben'S spielend gewonnen und spielend wieder verloren. Nein, wir gründen uns damit einen Hausstand. Karoline. An der Donau! 3 Anton. Nein — an der Spree! Caroline. Geh' mir ab mit deiner Spree — ich liebe meine Vaterstadt Wien. Anto n. Wie ich meine Vaterstadt Berlin. Beide. Es giebt nur a Kaiserstadt! Duett. Von den großen Städten allen, Daß behaupt' ich fest und kühn, Kann's allein mir nur gefallen, In dem wundervollen Wien! Anton (spricht). Spaß! (Singt.) Sah als herrschaftlicher Diener London, auch Paris und Wien, Nette Städte — es geht nischt drüber. Doch es giebt nur ein Berlin! Beide. 'giebt nur a Kaiserstadt! sie i giebt nur ein Wien / er ! nur ein Berlin. j K a r o l i n e' Wien's Fiaker, — diese Schnelle, Wenn ein Gast wo hin begehrt; Gieb ein Trinkgeld gleich zur Stelle, Haut der Kutscher flott aufs Pferd! A nton (spricht). Ei weih! (Singt). In Berlin nimmt die Behörde Oft den Droschkenkutscher vor, Weil er meist, statt auf die Pferde Haut den Fahrgast über's Ohr! Beide. 's giebt nur a Kaiserstadt rc. Caroline. Groß steht da die Wiener Börse Daß das Auge d ran sich labt, Und vielleicht noch größer wär sie, Hätt' sie nicht Malheur gehabt. Anton (spricht). So ist es! i* 8VMKVMK (Singt.) Welch' ein Bau, welch' stolzer kühner! Daß das Herz in Leibe lacht, Gleichet uns're Börs' der Wiener Bloß daß uns're nicht so kracht. Beide. 's giebt nur a Kaiserstadt. Karoline. Wiener Bauten — eine Freude Die Ringstraße anzusehn; So das Parlamentögebäude Wird z. B. wunderschön! Anton (spricht). Spaß! (Singt.) Unser Reichstagshaus xsutstrs Bei Porz'lansabrik ersteht, Damit unser Reichstag später Ord'ntlich in's Geschirre geht! Beide. 's giebt nur a Kaiserstadt rc. Caroline. Daß ich's richtig stets ermesse. Bin politisch orientirt, Lese ich die freie Presse, Die bei uns in Wien florirt. Anton (spricht). Faul! (Singt). Danke schön — ergebner Diener Freie Presse — leer Geschwätz Dafür haben wir Berliner Unser neues Preßgesetz! Beide. 's giebt nur a Kaiserstadt rc. (Beide ab.) 3. Lrene. Schachb. Johanna. Lieutenant. Schacht (Piomenadentracht). Jetzt muß ich in die Stadt. Aber wie gesagt, lieber Joseph! ich muß die Sache endlich in's Reine gebracht sehen! Das, so wie die Ausstellung waren die Veranlassung meiner Herreise — und was Johanna. betrifft— — Johanna. Papa, von mir ist ja gar nicht die Rede, sondern vom Vetter Joseph und seiner Zukunft. Schacht «giebt dem Lieutenant ein heimliches Zeichen des Einverständnisses). Merkst Du was? (Laut.) Ja Josef, Du mußt einen Entschluß fassen und das bald, und wenn Du mein Grubenverwalter werden willst, so mußt Du Deinen Abschied aus der Armee nehmen- Ich brauche einen Verwalter— und am liebsten einen aus meiner Familie. Lieutenant. Ich bin für dies Anerbieten auch sehr dankbar, aber ich nähre Liebe für meinen Beruf. . . und seit ich die Kriege mitgemacht habe, hat sich diese Neigung eher vermehrt als vermindert. Johanna. Das gefällt mir von Dir, Vetter! Schacht (stößt ihn mit dem Ellenbogen). Hörtest Du's? . . . Das gefällt ihr, sagte sie! (Nimmt ihn bei Seite und spricht vertraulich mit ihm.) Ueberlege Dir's reiflich, Ich gebe mich nicht eher zufrieden, bis Ihr ein Paar seid. . . . Batjäm Teremträträ, soll das ein Fest werden! Johanna (die sich indessen dem Bureau genähert hat, froh überrascht.) Wieder frische Blumen. ... Ich begreife nicht! . . . Schacht (wie oben). Ich lasse Euch jetzt allein! Sprich mit dem Mädel und mach' ein End' in der Sache! L ieutenant. Ja . . . aber ich möchte mir nicht gerne einen Korb holen. Schacht. Du und einen Korb holen! Teremträträ — ist gar nicht möglich! Hoffe daß Alles in bester Ordnung ist, wenn rch zurückkehre! (Laut.) Adieu so lange, Kinder! Johanna. Adieu, Papa! Geht der Vetter auch mit? Schacht. Nein er bleibt, um Dir Gesellschaft zu leisten. Johanna (kurz Mid gleichgiltig). Ah so! Schacht (zum Lieutenant). Wie sie sich freut, mit Dir allein zu sein! (Streichelt ihr die Wange). Hehe! Das freut Dich! — Ja, ja! (Laut.) Adieu — ich fahre jetzt zur Ausstellung! (Für sich.) Prächtiger Mensch, das ist so ein Mann für meine Tochter! (Geht durch den Hintergrund ab.) 6 4. Scene. Johanna. Lieutenant. Lieutenant (für sich). Das Beste wird sein, ihr Alles zu sagen. Johanna (bei Seite, das Bouquet betrachtend). Wenn ich mich doch dem Vetter anvertrauen dürfte — Lieutenant (für sich). Nur Muth! — (Laut.) Liebe Cousine, sag' mir aufrichtig, magst Du mich leiden? Johanna. Soll ich das ganz aufrichtig sagen? Lieutenant. Ja, wie eine Beichte! Johanna. Huh, wie feierlich! . . . Nun denn, ja, als Vetter mag ich Dich sehr gerne! Lieutenant. Aber nicht als etwas mehr .... nicht als Freier vielleicht? Johanna. Nein, Gott behüte mich! Lieutenant. Danke! . . . das war fast zu aufrichtig! Johanna. Du wolltest es ja so. Lieutenant. Nun ja! ... Du willst Dich also nicht verheirathen? Johanna. Mit Dir? Gott behüte mich! Lieutenant. Aber mit einem Andern? Johanna. Das habe ich nicht gesagt. Lieutenant. Aber gedacht! — Das paßt übrigens ganz vortrefflich — denn ich liebe auch eine Andere und würde mich unter keinen Umständen mit Dir verheirathen. Johanna (eilt in seine Arme). Ach, Du bist reizend, Vetter! Du liebst eine Andere! Wer ist es? Lieutenant. Fannv '. . . des Professors Tochter! Johanna. Die böse Fanny? davon hat sie mir kein Wort gesagt, bevor sie reiste. Lieutenant. Das wagte sie wohl nicht . . . denn ihre Mutter ist gegen unsere Verbindung, seit sie von Deinem Papa gehört hat, daß ich sein Schwiegersohn und Grubenbesitzer werden soll! Johanna. Ja, sie will durchaus einen Lieutenant für Fanny! Lieutenant. Aber wer ist es, der Gnade vor den schönen Augen meiner Cousine gefunden hat? Johanna (verlegen). Sieh, Vetter ich kann eigentlich nicht sagen, daß ich liebe . . . aber ich interessire mich für einen jungen Sachsen, den ich im Prater sah, dort leistete er uns gestern einen großen Dienst, denn Papa war nahe daran, von einem Herrn übergeritten zu werden, als der junge Mann ihn am Arme ergriff, und ihn aus dem Bereiche der Gefahr brachte. Lieutenant. Ah so! der ist's! Onkel sprach mit viel Wärme von ihm. Johanna. Das verdient er auch . . . denn es ist etwas Lebens- frisches und Schnelles in seinem ganzem Wesen, — auch hat er einen vorzüglichen Geschmack für Blumen. Lieutenant (mit einem Blick ans das Bouquet). Aha! ich verstehe! . . . Johanna. Ich möchte gern, daß Papa etwas für den jungen Mann thue... aber ich wage es nicht, ihm etwas davon zu sagen . . Lieutenant. Ich hab's! Er kann mich vielleicht als Grubenverwalter ersetzen! — Wenn man nur wüßte, wo er wohnt. Johanna (schelmisch). O es ahnt mir, daß es ganz in der Nähe ist . . . 5. Scene. Die Vorigen. Krug. (Dann) Hofer. Krug (tritt aus der zweiten Thür links, um auszugehen, bleibt aber, als er Johanna gewahrt, entzückt stehen, für sich). O! wie schön ist sie! ' 8 Johanna (ihn gewahrend). Ah: . . . Hofer (von rechts). Zum Teufel! Sie ist nicht allein! Lieutenant (der Johannas Ausruf gehört hat, bemerkt, daß Hofers Thür geöffnet wird und dreht sich nach rechts.) Ein junger Mann, — ist er's vielleicht? Krug (bei Seite). Wer mag der junge Militair sein? Ist es ein Rival, dann dreh' ich ihm den Hals um! (Verbeugt sich vor Johanna und geht.) Johanna (für sich). Ich irrte mich also nicht ... er wohnt hier! (Gewahrt Hofer.) Ah ein Fremder! (Leise zum Lieutenant.) Lieber Vetter, er ist nicht fern . . . und Du kannst jetzt leicht seine Adresse erfahren! (Ab links.) Hofer (ihr nachblickend). Famoses Mädchen! 6. Scene. Lieutenant. Hofer. Lieutenant (für sich). Richt fern! Das glaube ich, wenn er neben mir steht k (Laut). Mein Herr, obgleich ich nicht die Ehre habe, Sie zu kennen, so erlauben Sie mir vielleicht eine Frage? Hofer. Fragen Sie nur frisch weg, mein Herr! Lieutenant (bei Seite). Das ist ja ein Baier und sie behauptete, es sei ein Sachse. (Laut.) Kennen Sie die Dame, die so eben das Zimmer verließ? Hofer. Nein, aber ich kann nicht leugnen, daß ich gern ihre Bekanntschaft machen möchte! Lieutenant. Sie ist meine Cousine! Hofer. Ihre Cousine! Das ist ja ganz vortrefflich! und nicht wahr, Sie versagen mir nicht den Dienst, mich ihr vorzustellen? Lieutenant. Gewiß nicht, um so weniger, als sie vorhin von Ihnen gesprochen hat. 9 Hofen (g «? W>^öIöI_I07lEX *QWS74