Wiener Stadtbibliothek ? 41528 A iV. siffSj&ifef »-:' '. -V Eä 3 \ V.r ■.;:-?■•■•: . •.• ■3p^.' V* c?»' ., •: >. ~ " ■* -.. • •'*' .,. f •; .. » •— ‘ .'«VC * ' . ■ ‘T '•ars: h£S*~i ■ k 33 , : / i-fä i T 33 Hv&t'- m“ 0 - ' ' sss,* '« ‘ v r,.'533:3 ;.:3 : .,3 **„$■ .3".. 3 «#’<£ «fc, ^ J V • ' ^.'v « 3:V'-- 3 " V >,Y:.H'3 ; - ;\;V.v Y3>i*\W .tj-V .f.t< t'fifY' .*- - " ',5 -3 - jl' Y:v 3 "'.'''• *3 £ \ ' V * S •* tf<£ irV •'■' \* { r ^-’ , '■•' •’ - . v . , '4‘ . >TlK':MWP»at .' S&sft ,.£-.■3:, <£. >V'> -it:. TV«/*; . 3 S tsfcf; ";JjC !?*’**•; ’ ■. 3 * *iM I ;^fsfeÄ 3 i 4 ‘ L^¥s •‘J. X 33 ."''< m S <3 fMb“ msjv ' 33 $% -■-‘W. yj- ?l%:s §®&s '■#Ä; > 7 ; m:*mm „ }:i*i 33 1 ■ «V •^3 <^■3 jc? ; 'jWf üaj- S'uHli v;.-:; 5 eri 4} c S£-ä #*“ 7 ^ * ■* &■»£ »gl *üS WmmlKIßM:^ -v’ -c" i&’S^ ..;. V . ^:jr^;.:r i^4jf £'. % ►SBESfttr: IjSSWB »’sflrXj isfssssuy I £Fy%. isfefer )/.!"•> ■£&$¥, ;-? 25 !£- * ■ ■J ?.*'.^ *1 l "\' A ■V /-£ 15^RgV? *{** •^£7% “« miener fierz jlflax Vinter Bsnbll . ,? - < ■ t fr: _4-v- Die be9eufen3(fe poefilche Schitöeruna 9es üölfterhrieaes 1870171. =^--~ ■■■■ Der grojje Krieg Homanjyflus irt $ Heilen ober 8 33änbett pon Paul uns Uihfor ITIargueriffe Hinsig autortfterte Kusgabe pon (J, Jridie. I. Der Unfiern. II. Die Sfiicße 3es Schroertes. III. Braoe Kerle. IV. Die Kommune. 3eber biefer Pier Heile beftefjt aus ßtoei ftattltdjen Bättbeu a tHf. 2,50 brofcfy., IHf. 3,50 gebb. Das gatt3e IDerf Heile fomplett in 8 33b,) fojl'et Ulf. 20,— brofdj., IHf. 28,— gebb. 2fus Urteilen 6«t? pvtfjet „Kid&t ber ®e!abeitce, nic&t ber djaitbU niftifcpn ippafe, nidjtber ©tilfunft legenbareu ©d&toulfte® geboren bxefe Ktänner an, fotibern einer aufteürtsftrebenben Kicpung, teeldfje ber ©elbftbefimnmg einer Kation auf beit ebteren Äern ipe® dntpfinben® nnb ®enten® bient. . . . Sn toafjrfjafi evfcfjüttentber 2 Beife toirb ba® ffiingreifen be§ ßrieg® itt ba® ©eelens teben einer im ©ruitbe ebelu, ber Beprrfdjeiu ben fittlidpn Ktacp berluftig gegangenen Kation gefd&ilbert." ©iaatSangeiger ©tuttgar-t. „®a® ©treBen ber Slntoren gep Bis in® Süetail nadfj SBappit. bittere, traurige SBapbeiten. SBären fie Born beutfdpn SDtunbc gefagt toorben, man mürbe boit einem ®enbengteerfe fpedpn." langer® Slrmeesgeitung, SBien. „ .. . . ®in iutereffante® $otument für bie fetBftgebitbeten nnb geiftig tjodfjfidjcnben ^rangofeit inneteofntenben estremen Urteile über ltn® ®eutfcbe." @eorg SKiube=^ouet im Siterarifctjen ©entralBtatt in ßeipgig. „(Ein frangöfifdp® Sßert über ba® legte große JSölterringen, ein 2 Ber(, ba® mep at® bie BiSpr erfdjienenen oBjettib uuo gngleidj ein moberne® titerarifcp® ßunfttoerf fein teilt, barf nicht nur in feinem §eimatlanbe, wo e® bereit® inrnep at® 120000 ©semplaren ab* gefegt worben ift, Sntereffe beanfpudptt, fonbern minbeften® ebenfobiet bei itu§, bie wir baritt /inen pdßintereffauten Söeitrag giir Seitgefd&id&te erblicfen lönnen." ©äcbfifdp ©dfmliettung. „ fünfte Itfinfel in Berlin 2. Huff. oon £jans 0fttoalb. 2* Z>ie Berliner Boheme oon 3 ulius Bat». 3* Berlins drittes (Sefcfylccfyt 5. oon Dr. UTagnus fjirfcfyfelb. 4* Berliner Cattjlebale oon f^atts 0fhoalb. 5. älter htm in Berlin oon tjans 0jitoalb. 6. Setten nnb Settievev in Berlin oott Cbertjarb Budjner. 7. Berliner Baffeefyäufer oon f^ans 0fttoalb. 8. Berliner Banfen unk (ßelbnerfeijr oon (Seorg Berntjarb. 9 . Bus ben Siefen 6erBerliner Brbeiter* bewegUUg oon Ulbert JDeibner. KO* Berliner S^ert oott Urno Urnbt. preis |>ro Banfe | BlarE. Don £}ans ©fttoalb ift ferner in 2. Auflage erfdjienen. Berliner Hadjtbilfeer* Preis brofd?. Ulf. j ,—, geb. Ulf. 2,—. -——-— ■ » ■ §u beßtetjen burefj alte Budjtjanblungen. Derlag oon Hermann Seemann Badtfolger, Berlin SID., ©empeltiofer Ufer 29. % ^ e $* e 1,0,tt SJerlefler borbeijalteu. \S»k? j Srudt bon 3. §arrtbtö Stadjforger, V4?/ tn. 6. »erlitt SW., Srtebric^ftr. 16, 3 ti ber .^nÖilgaffe in $aboriten, abfeits bott ber £riefter Veidh^ftraffe, über bie gur 3 e ^ ber Vaufaifou 3 iegelmagen um 3 ^ 9 e fb)ageu non abgemagerten häuten nach ber Stabt gefchiebfü mirb, öefinbet fiel) ba§ ifööd^= nerinnenljeim be§ Vereins „Sucina", ba» bebürftigeu (stjefrauen zur 3 ß H ber 0 iieberfunft unb bes? SSocfjeubette^ Stufnahme unb Verpflegung getoährt unb gleichzeitig Kranen unb Viäbchen z u geübten Pflegerinnen beranbilbet. dorthin führt mich ber 2 Öeg. ®er 2 tnftalt§leiter 2 )r. $tein ift mein Führer burcfj ba§ .^eim, beffen Veftd£)iigung bor altem einen ßinbrucl in mir gurütfläfet: 2 lKes> ift peinlich reut unb ben Sin* forberungett moberner .Spggiene entfpredjenb. 3)ab 2 Söcf>^ neririnenheim ift eine Hftufteranftalt im kleinen. 0 Jtit feinen ^toangig Betten Vetegraum fann e§ natürlich nicht entfernt bem äftaffenanfturm genügen. (£§ ift nur ein befcheibener Slnfang, eine Slluftration ettoa, mie eb fein foHte unb in einer bernünftigen ©efetlfchaft audh märe, in einer ©cfeUfchaft, in ber bie öffentlichen (bemalten e§ nitf)t ber immer unzulänglichen pribatmohltätigfeit über- taffen, jene 2 öohlfahrt§einrichtuugeu 31 t fchaffeit, bie zu errieten bie Pflicht ber öffentlitfjen ©etoalten, in^befonbere ber Vermattung ber VtiHionenftabt märe. 3n unferer heutigen ®efelljcf)aft ift ba§ natürlich anber£. So menig bie Kommune VHen für bie Rettung Verunglüctter borforgt 4 0vo&ftabt*2>0himentc 8)b. 11. $a§ golbene Wiener §ers. fo meuig fie einen (Srofcfjen übrig fiat für bie Ijungcrnbeu Sdjulfinber, für bie frierenben UnfdfjulbSengel, fo toenig fie Dbbacfjlofen ein Seit unb Uranien pflege bietet, fo ioenig fie 2}oif§büläfce, $nabenbeforten ber Fragebogen. SSieber habe id) fo ein Slatt bor mir. „2)ie?" fagt bie nette, frcunbtiche Frau, ift ein armer toi. 'üDie h Q t gcSittert auf bie Sd>ale 907itch, b*e fie bcfommett hat. 3)ie mufe gan<3 berhungert getoefen fein." Sdj lefe toeiter im Fragebogen. Sie toar bie Frau eineg Säefergehilfen. Sin Sädergehilfe, ber fein Srot hat! Sin Sett, ein iifdj, ein £afelbett unb brei Koffer finb bag Mobiliar ber Familie, bie eben in biefen £agen ben bierten Sbröfjlittg befam. ®er Sdnftaltgleiter führt mid) bann in bie Sföodjen* räume. £>a liegen fie, bie blaffen Frauen mit ben gelM liehen ©efidjtern, regunggiog in ihren fauberen Setten, unb 31t ihren Füjjeit liegen in blau auggefchlagenen 3>m SBö^nerinncnljeim. 7 förben bte fünftigen 9ftehrer beS (HenbS, btc 9?eu= geborenen, forgfältig Beobachtet unb Behütet bon bett Pflegerinnen, bie lautlos ihres 5lmtS malten. @in (Schimmer bon ®lücf leuchtet auS ben Slug'en ber $rote= tarierfrauen, ba ber Slrgt gum $ 8 ett tritt unb bie 28ünfct)e jeher einzelnen anhört. 9lur eine Beginnt gu meinen. Sie hot fernere ©orge. 3h r gmeitältefteS $inb ift an Wafern erfranft unb liegt hüfloS baheim, mährenb fie hier -noch fünf £age anS 33ett gefeffelt ift. Sie Bittet ben 3)oftor, fie ziehen 51 t taffen. $)er tröftet fie, Beharrt aber barauf, baf$ fie ihre bollen gehn £age in ben SSochett liege. „(£S mirb fid) fchon eine Nachbarin finben, bie fief) einftmeiten beS $inbeS annimmt." feitn niemaitb im £>auS. 3Qcir fan erft einigen. ib?ei 9Kamt meijg fich fcfrn 9 ar iün 3lat." (#äbe eS in 2Öien fchon ein fommunateS 5Hnber= fpital, bann märe biefe Butter bielleicht fchon ihrer Sorge enthoben. So aber liegt fie in Sorge unb (Dual auf ihrem Säger unb finnt unb finnt ben gangen lieben £ag bem Crlenb it)reS $inbeS nach, bem fie hoch nicht h^fen fann ... SBie im gangen £>aufe, fo ift auch nt ber Mcf)e aüeS peinlich fauber. £)ie 93ermatterin richtet eben ben Mittags* tifch für bie 2Böa§ ßolbene SBienet $tu. föeirn !^eute nod) mit bcn Hoogeratoren Ijftt. $)a§ Söd}- nerinnenljeim Ijat moljl eine gemeinte töauSfabelle, bie .tinber müffen aber in bie .^irdEje jur STaufe gebraut merben, ba bie Kooperatoren für jebe £>au§taufe 3 af>lung unb einen Sogen begehren — (Selber, bie baS ^nftitut auf ber anbem ©eite niibliäjer berüienbcn fann unb mufe, roitt e§ bie erbettelten teurer gang il)rer 23eftimmung jufü^ren: ber pflege armer Södjnerinnett. Sie leidet fonnten bie Herren üom Slntonsplap einen Turnus ein- führen, monadj abmedjfelnb jebe Sodje an einem be- ftimmten £age einer ber ^riefter fynüberginge? Sic leitet . . . unb bodj tun fte e£ nicpt unb fe|en lieber bie armen Kinberdjen ber ©efal)r einer ^Serfüplung auö. Sa§ mürbe moljl (EfjriftuS jagen, menn er feine Seljre ber Sttenfdjenliebe in foldje Xaten umgcfebt fefjen mürbe, unb §mar gerabe bon benen, beren ^flidjt eS ift, feine ßeljre gu berbreiten unb il)m nad^guleben? 2)ie Kauf* leute jagte (£f>riftus au§ bem Xentpel: mürbe er foldje ^rieftet in ber Kirdje laffen? ®ot uni in der IDäunelfuße (Sitten £ag obbad)los, arbeitslos unb hungrig fein, fo mie bie anberen ... ba£ molltc id) mitmadjen. 3 d) 50 g mir alfo mieber einmal meinen (SlenbSfrad an unb pilgerte in ben X. 58e$irf pinau&. 3n bem müben, trägen ©djritt eines Ü 0 tenfd)en, ber nad) bergeblidjer 2 lrbeit§fud)e fjeim* feljrt, ober bem £>eimat§gefüpl beS £>bbad)lofen folgenb, menigftenS in ben 23ereid) beS SBegirteS $urüdftrebt, mo er — ber nun Obbarfjlofe — feine lebte, ftanbige Sopnung !Böt utib tn bet ©armeftube. 9 batte, in biefern ©djritt fd)Ieid)e id) bie ^imbergerfirafje hinauf bi§ gum Sürgetblab- ®ort beginnt bie Pud)§ ä baumgaffe, an beten (Snbe mit ba§ 3iel ttnnft: eine Achate ©ubbß unb ein -Brot. 3ftir unb ben anheren, bie baS (Henb gmingt, bie gleiche «Strafe gu manbetn. (Sin Xtammagfonbufteur in neuem Üniformmantel fommt mir entgegen: (Sin großer, ftatilidjer üDtamt mit furggeftubiem, fdjmargem Sollbart. ?Xudj ein Proletarier! Si§ batjin habe id) in einem Xramioa^bebienfteien nie etmaS anbereS gefe^en. Unb je|t lerne idj . . . itidjt etma nur begreifen, nein, füllen lerne idj e£, mie begdjrenStoert £aufenben bie (HenbSe^ifteng eines £ratm toagfonbufteurS erfdjeinen mufc. 80 ^abe idj einen Xrammatjtnann uod) nie borget gefe^en ... fo, als dRenfdjen, ber in EjalbiuegS georbneten Serbältniffcn lebt, toarme Kleiber bat unb nun nadj bem (Sffen — e§ ift etma halb 12 Ufjr — bie Pfeife im SÖtunb in ben £)ienft ge|t. ©o nie! $ann baS SHeib, in bem ein 3ftenfd| ftedt, fo ftarfe SorfteHmtgen ertoeden, baß man niefjt mehr nur bentt, fonbem fühlt, empfinbet, fo mie einer, ber and) in Summen gefüllt ift? 3 ft e§ ber junger, ber biefe dmfjfinbungen geugt? 2 )ie (Schale £ee, bie i am borgen genoffen habe, hat meinen ÜDtagen mabrlidj nif^t befeuert, unb feiger finb fünf «Stunben bergangen. fühle, mie boit bem anberen UBo^Ibe^ageu auSftrömt, baS ©offtbefjagen bcs ©efättigten. S)iefeS ©efübl brüdt mich nieber, mich, ben hungrigen. 3 d) berlaffe bas Trottoir, auf bem ber anbere breit geht, unb ftarfe auf bem fiefjtm hoben beS ©trajjengrunbeS meiter. $>a ift mein piafe. Sin id) fd)on elenbSfdjeu gemorbeu mie bie anberen alle? $obfljängerifdj fd)leicbe idj meiter unb ringe ttaaufe§ mieber eine Sitr. darauf ftefet: Eingang für Männer. Sa§ altes; fep id) erft fpäter. Sefet ift meine gange ?(ufmerffamfeit bott ben IHnbent in 9(nfemtd) genommen. 8 u beiben Seiten bes Kaufes pt ba§ (Slettb tebenbe #tügel angebaut. SinB einen farbenbunten Flügel ger= lumper SRäbdjen, recp§ einen, gebilbet bon einer $nabem fdjar, bie im Kampfe um3 $Brot pm unb prtoogt. Sie Starten beplten per 9tetp. 2tnber§ bei ben 3Jläbdjen. Sa müffen fidj bie Söorberften nicfet gegen ben bormärt§= treibenben Raufen ftemmen, ibie brüben bie gtoei 93uben, bie in ber erften 9teip fiepn. Sie 9Mb cpn märten gebulbig unb gieptt nur ipe tooßenett Süd)er fefter au, ober fie binbett bie $opftü(pr enger, ba nun ber Sturm über ben $ßlafe fegt unb ipen Sanöfönter unb Sdjmufe in§ ®efid)t toirft. 3 d) lepe micfj an bie 9Muer recfetö bon ber .aufe§ neben einige nod) nidjt ätoangigjäpige Söurfcpn, bie per $ßofto gefafet pben. Sie fepn gleicp mutig bem föampf ber SBuben gu, $ot unb in her SBärmeftube, 11 . Bi§ um ^aX6 2 Uf)t ift bie 2lu§fbeifung bet fdjul* gflidbtigen $inber. Um 12 Ubt Beginnt fie. Biel tarnt nitf)t. me^t ba§tn fehlen. Bmmer ftürmifdljer toitb ja bte Sdjar nnb immer fräftiger rnüffen fid) bie Beiben jungen in bet borberften Steife bagegen ftemmen. ^e^t fliegt e§ freubig burdl) bie Sdfjat: . „$>ie fabeln fumnt’n fcbon bran!" SMe 9lu§fpeifung §at Begonnen. ©inen Moment fd)eint e§, al£ fei bie ftrantmfte ®i£gtplin in bet Sdbar. ©ng atteinanber gebrefjt fielen teguttgslo§ bie Buben. J£>er IperBergSbater ift auf bie Straffe getreten. $>er erfte Stf)uB Säbeln ift in bem Bcänner^ingang berfcbmmtben, unb bie Buben miffen aus? bet täglichen ©rfal)tung, baf; nun autf) fie fcfjuBtneife btaufommen toetben. Sie fennett ben £>au§Braud). SSirflidj menbet fidj bet 9ftamt in bet meinen Söard^entfade nun aud^ gu ben Buben. 3)er Sturm fängt fid) in feinet meinen Sdfjürge, bie er bor* geBunben' bat, unb peitfdjt fie flatternb gmifdjen feine Beine. £)ie $inbet galten bem SBüten be§ ©lementg ftanb. B^ei Stritte fcitlidj Born ©ingang Ijält bet Bug bet hungrigen Buben. $>et Bermaltcr tritt bot bie erften §mei unb überfliegt ^inüfettb bie Sd)ar. Seine redete töanb liegt leidet auf bet Schulter be§ Borberften. ©in $ingerbrud gegen bie £ür gu, ein „Bormärt§!" unb bie Btouer riidt bot. 2>ie erften gtoei geben ruljig, bie nädjften ungebulbig unb bie britten, bon rüaft mehr barüBer. „Bortoärtä! Bor* märt§!" brängt ber £>erBerg§bater bie lebten. ®ann fd^liebt er mieber bie iür, 12 ©rofcftabtsSüoftimente 33b-11. ®a§ golbene ©iencr -tictj. Kaum ift er berfdjtmmben, fommt toieber Seben in bie ©cBar, Die Sfteuanfommenben tniiffen fiep rüdtoärtö anftetten. ©ie Prangen natp Pom, bte 23orberften ftemmen pdp gegen fie . . . ba£ alte ©piel. 3(6er nid^t alle finb fo gebulbig. 23on beiben ©eiten [türmen SBuben an imb fucpett ft cp in ben leBenben 23 all §u brängen; bte ©tärferen madjen ben Kleineren bte $ßläpe ftreitig. Dabei totrb e§ ben Ktnbem toarm, au dp betten in ipolaf (pupcn uttb ben23lopfüpigen. ©§ finb biele barunter. 28et aber ©dpuptoer! Bat, bem [(Bauen bie 3 e B cn B e£ au§, ober bie ©(pupe finb ipm §u toeit, ober aber bie bümten ©oplen ber popen DamenftBupe, bie pier ein 3unge an ben ^füpen Bat, finb burdf. ©r ftatnpft, um fiep ju ertoärnten. Sieben if»m fiept ein fleincrer Sunge, ein prächtiger 2htb’. 2Bitb toie ein funge§ Jütten, gelenfig toie ein ©idpfapepen unb fetf toie ein ©pap — fo toeprt er bie Eingriffe ab, bie ein größerer gegen iptt richtet, um feinen $lap gu erobern. 23iermal pat er tpu fdfon aus ber ©(Bar geriffen unb ebenfo oft patte ber Knirp§ fiep feinen s $lap gurfuferobert. SOtit allen fünften eine§ tüdptigen 2tinger§ unb mit bem feefen 23agemitt eines? Üftenfdpeu, ber nicBt getoopnt ift, Unrecht fampfloy ju erleiben, patte er ben Properen immer toieber toeggeriffen unb fid) au feinen Sßlap gefteüt. Sept ift er toieber einmal mit ipm fertig getoorben. ©eine 23angett finb pod) gerötet. 3n turnen ©töpeit atmet er. fag b’r’§, fpief bi net, i pau bi um b’ ©rb’, baß b’ gnua paft." „Du? 23em raillft bettn bu um b’ ©rb’ pau’n? Sern? Du, bu 3iafen bu . . ." Der ©röpere fäprt ipm mit bem öan unten perauf über bie 3iafe. „gapr’ a’ ba, i fag’ b’r’s," bropt ber Kleine toieber. Da parf'f iptt fcpou ber ®rope, unb toie im 33irbel •’ *' :^a 3Jor unb in bet ©iitmeftube. 13 brepen fie fidj einigemale perum. Fept mülgen fic fidp auf ber dxbe. Ser grüne, burcplöcperte Sobenput bes kleinen foEert neben fie. Ser Ukope Bleibt Sieger. (rpe ber Meine toieber auf beu ©einen ift, pat er fiep in bie 3ieipe gefdjmiegt. Ser Miirpä pacft feinen $ut, fc^iebt ifjn unter ben Unten Sinn unb ftürmt auf feinen ©egner $u. Gspe ber c§ fiep berfiept, pat er ipm ben »ut borrt .stopf geriffeu unb in bie Öuft gefdfleubert. Ser Sturm bläft eben mit PoEen ©aden über bcuS f^elb. Ser (Propere überlegt faum eine Sefiutbe. „Ui, g’freu 1 bi!" Samit jagt er fort, bem öut nad?, mit bem ber SBhtb auf bem s $füpengrunb ber Strafen, bie ba§ Felb begrenzen unb burcp^iepen, fein Spiel treibt. -Wit bem näd)freit Scpub ift aucp ber tapfere Meine an ber Futterkrippe. SBir Zentner finb auf bie Straße getreten unb be^ obacpten Pon picr ba§ Eampffpiel ber ©üben. Ser $ampf ber ©üben bringt aud) unS näper. „Sö Mnber, toann f nur bei aE’u ipna §ep pab’n" ■— fo bapue icp ein ©efpräcp mit bem mir pnäcpft ftepeu= ben StenbSbruber an. „SBeuigfteus g’friereu f net an, ba p ermißt bei ber hätten!" „Sa paft b’ red)t. Sm SSinter merb'n f eS erfcpt g’fpüm, bö Mnber. So a Stun^ ftepn um a Scpalerf Supp’n! So toiff'n aa fcpon, toa§ ba§ Seb’n papt." „’S pat aa fdfjon ftloa Stunb’ bauert, bis aEe Mitber a’g’fpeift mären. ’S (slenb iS palt ju grop." „Ober fag’ m’r fo: Sie SMrmeftub'n fan 5 ’ftan. Sa foEf bo a g’peijter SB arteraum fein, in bem fi aEe Mnber anfammeln tonnten. ’S tpät uns aa mopl, mann unS ber SBinb net fo buripblapbern tat." *. i-i. 14 ©rolftabt^otumcnte 33b. 11. 2Da§ ßolbeue SBiener .£>« 3 . „ißlap iuat’ ep gnua auf beta ^tanernnefen." „^lap fcpon," mengte fiep jept ein dritter, ein s $iergiger mit blonbem Scpnurröart, ins ®efpräcp, „aber palt bie „SJiarie". 1 ) ' „Sa, müafj’u benu alles bie reiepett Suben macp’n?" falle icp ipm inS SÖort, „mir leb’n bo ®ott fei 2)auf in aner cpriftlicpen ©tabt. ©oll ber £>err Sueger mit ber „3Jtarie" aujfirucfen. $iir bö armen §unb, bö in b’ SBärmftub’n gepu, iSa jeber^reu^er guat ang’toenbt." ; „§ör mV auf mit JBean," ergreift jept mieber ber erfte, ber eine Skauerfappe trägt, baS SBort. „©eit’it StoPember renn i ftfjo alle Xag in b’ SlrbeitSbermittlung unb pab no fa ®’fcpäft." „28aS bift b’ benn?" „51 SBinber. 33ei mein’ (B’fcpöft iS nir, bös map i ja aber i nimm bo, toaS Vis — aber net an emsigen s $lap pab’u f’ m’r no geb’n." „9Sie iS ’S benn mir gang’n?" ergäplt ber Sölonbe, „in ganzen Summ’r pab i fa recpt’S ®’ffpäft net friagt, bis i auf b’ gauje SBeanaftabt ■■pfiff’« pab unb fmk gang’n bin." „3Bo toarft b’ benn?" „Jpeunt fumm i Dort $orneuburg." „Slp, bift b’ auf b’r 2Sals 2 )?" „3ßaS benn? 28aS pab i benn perin? Soll i oielleiept gu bie „SBöpmifcpen" ober gu bie „fieb’u ©Raffeln" pap ein gep’n um a IHofterfupp’n? urnbV liepe Arbeit gibt’S ja net." „Sßarum bift b’ peut benn einafumma?" „S raS ja ifta’mittag fdpo toieber ioeiter. Stuf *) S)al ©elb. 2 ) SSanberfdpaft. 58or unb in bcr SBätmeftubc. 15 3TCöbting. tjab i bö ©cit’it fdjo mieber frei. 3 f)oI m’r nur mci ©upp’n nnb bann gefj x. S Ijab in bec SBeanaftabt nis me’fjr bertum. ämaagmang’g 3fatjr tjat f mi für 0tarrn g’tjatten." „Stlfer, ba i§ bö Sßärmeftuö’n fo g’toife quafi b’ 33erpfteg§ftation 3Bien?" „®a Ijaft b’ etj red)t 2)a gibt’3 menigften§ a (£rbfenfupp’n, unb bu braudjft fan „£ajameter".. Unb beim SRagiftrat mirft b’ f)öif)ften§ berfcfjiitt." „®et)i’£ benn net furt bon ba, 33ub’n, fönt’ an* ftetfn. &ruer 33er* matter ift mieber einmal mit ben Suben befcfjäftigt. Slengftlict) mie bie inf anftett’n t)ab i g’fagt." £)er Sunge läuft babou. 33ei ber ^Drängerei, bie e3 mäfjrenb biefer @gene gibt, mirb ein etma bierjäferigeä SBübtein auägeftofeen unb ftef)t nun t)ilfto§ neben ber ©ctjar. $)a fommt ein gmölfjä!jrige£ TObet mit einem Stinbe am 2lrm auf itjn gu, reifet iljn am 3toie 3But ber fetteren mirb babuvdj notf) gefteigert. 16 @rofcftabt«&ofumente S9b. 11. &a§ golbeue SBienec §et§. „2öo§ Matd b’ benn? Surt ftell bi hin." Sie gerrt ihn Wieber 3 » ber Subenfdjar imb fteüt if)n feitlid) an. Sann geht fie rafd} Weg. . 6 ine Sefunbe lang fteht ber Weinenbe s Sub ba, bann läuft er ihr nad). Sie f}at fidj mittlerweile mit bem gmeiten, etwa gWeifährigen It'inbe, ba§ fie am Sinn trägt, gu bei* äRäbdjenfotonne begeben. 9lntfj fie mufe ja gur Schule, unb e» ift fdjon 1 Uhr. SergWeifelnb ftojjt fie ben Silben weg. ©?> nehmen fid) nun einige SSeiber feiner an. „5BaS ftöfjt bcnn bö§ Steufd) ben Suam fo? bös a „®’hörtfi?" . . . Üumm §er ba, flauer. Sa fielt bi her." Sine Oermummte (HenbbfchWefter fdjiebt ihn in bie erftc Steife ber Subeu, unb ba ber Verwalter rammt, legt fie ein gutes SBort für ben Suben ein. „Sie Ion’ fumm’n fpäter, jebt fumm’n nur Schulfinber b’ran." „ÜKadjen S’ mit bem t)alt a SluSnahm’," — menge ich mich in£ ®efpröch — „er iS fo g’fcfjredt unb fei’ SdjWefter haut ’n no\" Sabei fdjiebe id; ben jungen in bie OXeilje, unb er ift eublicf) erlöft öon feiner ^eiu. ©leid) barauf befommt ein anberer Sunge, ber ftürmifdj öorwärts brängte, baut Verwalter einen Schlag auf ben Süden. „ 2 BaS l)ab i beim tan?" „Schau, baf} b’ Weiter fumrnft unb lumm m’r nimmer gua . . ." „Vorwärts! i^alt!" Siefe beiben $ommanbos? gelten fdjon Wieber ber Sdjar. $urg ift bie duftig! Ser 2lu3= geflogene geht l)eulenb gur Sftäbdjenfeite hinüber. Siel- leicht hat er bort feine Schweflet flehen, ber er fein Öeib Hagen Will. SSor unb in bet Sßärmeftube. 17 „$)a g’hört a Regiment bapa p bie 5Bub’n. 2Bie’& nur ©taner fchmeife’n, bö ÜMftbub’n." tiefer 2lu£ruf be§ 58 er m alter § gilt einigen SSuben, bie fiau3." 5£>amit berfchminbet er mieber in ber Stür. Sn ber Hublichgaffe, bie ben 5ßlab pr rechten ©eite, abfchüefjt, ift ein Hohlenmagen ftecten geblieben. (Gleich barauf berfinft ein peiter Sßagen, ber bon fehleren 5ßferben gezogen ift, in ben Sehmgrunb. 2Ba§ fief» auch bie Sßinjgauer mühen, e£ ift umfonft. ©ie heben ben Söageu, ber hoemt" $orfbannbienfte geleiftet unb bafür §toei Eulben 5£rintgetb erhalten, 1 5£)a£ mar ein Seben! 2)a§ hätte er alle Stage brauchen tonnen p feinem „Eulben gehn Hreuger" Sohn, ben er bon ber Hommune Sföien erhielt. Eleidh barauf belebt fidf ber Sßlab mit Dchfen. 2)urch ba£ äufjerfte Gabariten merben bie Dchfen bout 18 ©rojjftabb&ofumente 93b. 11. £>a§ golbene SBiener §erj. ©t. HKar^er Viefjmarft hinüber in ba§ Eßeibtinger ©df)Iad(jtljau§ getrieben. Unb gerabe biefen fdjönen ptap quert bie grunbtoeidfje ©trafee, auf ber ba§ Vieh rorüber* getrieben mirb. 2ln Montagen toenigftenS, unb ^eute ift 9Eontag. 2öie, trenn ficfj eineg au£ ber ^>erbe einmal Io£töft unb gegen bie lärmenbe ®inberfdf)ar anftürmt, bie bort im $ampf um§ Vrot glnei ©tunben lang au§Ijarrt? Sft ba£ bie geeignetfte Viehtriebftrafte, trenn man bag Vieh überhaupt burct) bie ©tragen ber ©tabt treiben mufe? kennen benn bie sperren im SERagiftrat fr gar nicht bie ©tabt, bie fie üertnalten foEen, ober bünft ihnen bie Verantwortung fo leicht, Weit eg — nur Proletarier* finber finb, bie ron ben Ockfen gefpieftt ober nieber* getreten toerben tonnten? Ober trotten fie für einen UnfaE bie Dcfjfen ron ©t. Vtarj rerantioorttich machen? ©üblich ift bie ^inberfcpar befriebigt. hinter bem lebten ©dhub pat fidf) bie ©ür gefdf)Ioffen unb nun ftürmen Oon tinfg bie Söeiber, ron recptg bie Scanner an. ©er Verwalter öffnet bie ©ür. ,,8’erft tummt a Partie Söeiber, bann fummen Männer. 3tn’ (Sang frei taffen!“ ©r fteigt ron ber ©ürftufe per ab unb geht in ge* raber Stiftung in ben Raufen. Vor feinem ©cf) ritt öffnet fid) eine ©affe. 3öir treiben gurücf, um ben (Se= traltigen nicht gu erzürnen. 2öenn er auch im aEge* meinen einen gutmütigen ©inbrucf macht unb feine hanb* greiftidhe DrbnungSmadfjerei unter ben Ambern nicht aEgu ftreng beurteilt trerben barf, in ^onftitt möchte feiner mit itjrn fommen. 2ßir brücfen un§ alfo noch met)r gu* fammen unb ftepen feftgeprejgt toie bie geringe, ©in ©unft ron alter Söäfdfje unb alten Kleibern fammett fiep über ung. 3Jtein Hintermann gur ßinfen Wirb unruhig, ©r ift ein rungetiger Sitter. ©ein toeifjer Jtaiferbart er* gäplt mir ron feiner patriotifdfjen Vergangenheit. ü8or unb in ber ffiävmeftube. 19 „©rängtS net gar fo, m’r fann [i ia fcpon gar net mepr rüpr’n." „SBenigftenS iS ’S marm. S bin fcpon umbt’Ii auS= g’frur’n," anttoorte icp iprn. „Sa, mann iS ’S f(pon, aber i ftep bo net gern jo gebrängt, m’r !ann gu leicht maS friag’n." „31a, jo g’faprti mirb ’S bo net jein?" „S münfcp b’r ’S net, toaS i ba fcpo friagt pab," flärt micp ber 33inber auf, „i net. S pab g’laubt, mei’ Söettfrau frijgt mi’, mia i arnal Don ba gma g’pauS bracpt pab. SBann m’r ba net g’fcpmiub baguafcpaut, bringt m’r j’ aa glei net meg aa . . ©ann fommt bie Stiebe auf baS SieblingStpema aller 2(rbeitSlofen, auf ben (Scpnee. „©er Sßinb bringt nij ©uatS. 2öir friag’n an SHegen" proppegeit ber eine unb ber anbere benft babei gleidp mit ©cprecfen an fein fcpteipteS ©cpupmerf; „$i$ Saubon, meine ©Klopfen fan et) faft bie Söeiber g’feffn? 9JHt bier, fünf Einher fan f’ eini* gang’n. 23i§ bie alle abg’füttert fan, bauert’3 a SBeil.“ „9ta, aber gar fo lang braudl)t’s? net g’ bauern. 3Jtir t)ängt fcfjo ber !£Rag’n auffi. S l)ab feit ^orneuburg tan iiff’n brunt." „£röft bi, mir gefft’s aa fo. S g’freu mi aa fd)o auf ben Sims? 1 ) . . . 2)u, toaunft bu früher auffa* fumrnen foUteft, martft auf mi. S gef) mit bir nacf) äRöbling ." „S§ m’r redt)t, braudtj i net aEan jj’^atfdfjen," fagt barauf ber blonbe Sßalgbruber, unb unfer Sunb ift ge* fcfjloffen. * SngEnfdjen toar e§ t)alb 3 Uf)r geloorbeu. Sftein ■äftagen groEte fcffon erbärmlicfj ob ber 33ernadf)täffigung. ßmblicf) öffnete ber Vermalter bie Xür unb ioir U3urben. eingelaffen. 2Sir ftolgem über bie ©tufe in ba§ Sunere ber ©ärmeftube. SRacf) gtoeieinffalb ©tunben ©teljen im freien, gang burcfjfroren unb. angeflogen Don bem 2>unfi be§ (Henb£f)aufen§ — enbliE) 2ßärme unb ©uppen* l ) »rot. 58 ot unb in ber Sßärmeftube. 21 öuft, ber ben fallen 3taum erfüllt. 9cur ein Porträt be§ ©rünberg ber SSärmeftuben, be§ £Baron§ $önig§= marter, fd)mü(ft ben mäßig großen 9taum, ber burd) Karrieren in gmei Hälften geteilt ift. 2Bärme unb ©ußßenbuft! 0, iljr teuer ertauften ©enüffe! ©a§ tut mof)l! SfJlit gutem öurnor e^mortert mir nun, bi§ bie Steife on un§ fommt. 9?od)mafö ©ebränge. ©er Vermalter Ijat alle Männer Ijereingelaffen, unb nun ift bie eine Hälfte ber SJSärmeftube, ber Mnnerraum, Don un§ aus= gefüllt. $o£f an $oßf, £eib an Seib ftetjen mir. ©er Vermalter ftellt fiel) auf nnfere ©eite ber runben „23ubl", bie ben $od)* unb 33?anißulation§raum bon ber eigen! lietjen SÖärmeftube trennt, unb laugt in ben 23erg bon 93rotftücfen, ber bor iljm auf betn ^>ult aufgeljäuft ift. ©r fdfeint mir nun gang ein anberer, atö früher braunen, ©ein „93ormärt§! $8ormärt§!" Hingt nun fo freunblid). „9Sormärt§ nadfananb, baff ma§ meitergefit!" . . . ©in ®inb fdfreit brüben in ber $rauenabteilung, in ber fiä) nur meljt menige grauen befinben. „2Sa§ i§ ’£ benn mit bern $inb!" ©r mirb fdjou mieber nerbös . . . ,,©a Iferin bärf m’r net fdjreiu ..." fdbjreit er hinüber. ©ie Butter ift ängftlitf) bemüht, ben gmetfaljrigen ©d)reil)al§ gu beruhigen, ©ie gibt iljm au§ beut meinen .'päferl, in beut fid) bie lidjtbraune ©rbfenfnßße befinbet, gu trinfen. ©a§ ®inb fdjmeigt. $d) bin mitttermeile in bie erfte Steüje borgerüctt. hinter bem runben Slnridjttifd) fefje idj bie großen 3öeijg= bledffjäfen boll mit ber lidjtbraunen ©ußße, bie fo föftüd) fäuerlid) buftet. 3mei grauen füllen £>äferl um £>äferl unb fteden e§ auf bie „Suhl" bor fid). ^e|t reicht aud) mir ber Vermalter einen £>aßßen Ijin — ba£ ©nbftiid 22 ©rof$ftabt=!£>o!umente 23b. 11. 2)a§ golbene ©teuer $etj. eine§ ©rotmetfen§. 3a er fiebt, mie icb ntidb mit meinem ©rot quäle, giebt er fein tttfeffer beraub unb ftettt e§ mir gur Verfügung. „§aft bu bei ©rot fd^o geffen?" frage idb ib n , ba er fein§ mehr in ^änben bat. „ttto, i bringt meinen $inbern bant. D)ö märten ftbo." 3dj fdjneibe mein ©rot in gmei Hälften. D)ie eine reidfje itb ibnt mit bem 9fteffer: „&a b°ft für beine ■ttänber!" ®er anbere langt gierig banadj . . . 3Mne Slotte ift gu ©nbe gefbielt. itb nun 2Irm in 2lrm mit bem ©algbruber über ben Söiefenblab gebe, fläre itb ib n auf. „Silfe gu Bringen, ©inen !£ag SDienft an ber ©eite ber pflege* rinnen bes> 9Serein§ „£>iftritt§frantenpflege" gu machen, mar fcbon lange mein Sunfctj. Um fo lieber folgte idb ber ©inlabung be§ ü8orftanb§, al§ Kontrolleur ad hoc mit ben Pflegerinnen hon £>au§ gu -*oau§, hon Kranfem ftube gu Krantenftube gu geben unb babei gang un= auffällige 23eoba(f)tungen anftehen gu tonnen. Sa§ icb) babei fab, fei ^ier ergäbt: 2)er er'fte 23efucf) führte un§ in ba§ au§ 8immer, Kabinet 1 ) unb Küdbe befte^ertbe £>eim eine§ grab^ifdtien £>ilf§arbeiter§, ber, unterftüpt hon feiner $rau, ba§ Kunft= ftüct trifft, mit 26 Kronen Sodjenlobn eine neuntöpfige Familie gu erhalten. Unb babei fe^en alle Kinber gut au§. Sätjrenb ©dfjmefter ©tefanie bie Sinbeln be§ Süngften, be§ gmei Monate alten Sfticbarb, ben fie hortet gebabet unb frifct) gebettet batte, rnäfcpt, nehme icb) mir bie übrige ®efeßfd£)aft hör: ben gmeifährigen £>an§I, einen prächtigen, bictmangigen Sungen, ber im (Gitterbett fipenb, l ) Äabinet fyeifct in Söien ein etnf enftexiger 2Qo()nxaum. 24 ©rojjftabkSDofumente Sb. 11. Sa§ golbenc SBtenet £>ers. mit beneibensmertern $ßf)Iegma fech§= ober achtmal eine flehte Slumhel über ben Slanb mirft, ben gesprächigen breijä^rigett $ribi, ben fedjäjährigen Stubi, ber fein Ie|te§ forgenlofeS Satjr ahnungslos herfbielt, ben achtjährigen Submig, ben ein fleiner Schmerg hon ber Schule ferm hält, unb bie neunjährige SInna, bie heute ^pauSmütterdjen fein mu^, loeit fie feine Schuhe h a t. Stur ber (Senior, ber zehnjährige Otto, ift in ber (Schule. Sie SStutter liegt gu SSett. Sange „Söochen" famen über fie. Stach bem Keinen Sticharb mar baS fräftige SÖeib fcf)on am fedjften Sage aufgeftanben, um fich einige Sage fpater mieber legen gu müffen. (Sine ®elenfentgünbung zwingt ihr nun eine gehnmal f° ^ on 9 c au f- „2lm fechften Sag fchon? SaS mar h a ^ boch S u früh • • • “ „Slber i bin bei fan’ länger g’Ieg’n. . ." „Sie fehen, einmal hüben Sie eS hoch bügelt müffen." „SBawt i nur halb mieber auffönnt!" Seht h^tt bie Scfjmefter einen Moment inne: „Stur ($ebulb, Söeiberl, in hiergehn Sagen fönnen Sie fchott mieber auf." So tröftete fie bie SJtutter. „3eit mär’S. SIH’S geht g’grunb. Scfjau’n S’ nur ben Stubi an, föerr ^ontrolor, ber gange Sua a $eben. SaS iS unfer ärgfter Stutfchafpeter. Sm 33ett fann nt’r halt nij machen . . . Slnna!" „Sitte, SJtutter!" „Stimm bir bein’ Stricferei. . . Unb ber arme SJtann, gang auS ber Drbnung iS er fchon unb nis g’ effen friegt er." „Söer focht benn?" „SJtit ber ®oft fchaut’S fchlecht auS, bermeil i lieg’ ... Wochen mufe ber ©tofje, mann er hon ber Schul g’ ,§auf* fomtnt." „Ser 3ehnjährige?" 33ei !ran!cn $toIetatient. 25 ,,^a, her'iS gor brab. 28amt i ben net ptt’ . . 2 )ann lamentiert fie mieber über ihre £>ilflofigteit: „3 t)ätt mir’S nie gebaut, bafe eS fo lang möglich iS, 51 t liegen ..." 3Die ©chmefter hatte inittlermeile bie Söinbeln in ber tüdhe gum £ro einen aufgepngt unb nimmt nun bie SBlerfjtoamte, um baS ©ci) raufe m affet auSguleeren. $>ann menbet fie fid) in baS bom Bimmer gang abgefonberte .tabinet, um eS aufguräumen. SllleS baS gefd)iel)t faft lautlos, -ftut ^ie unb ba tjat fie in nufer ©efferöch ein Reiter tröftenbeS SSort eingemifdjt. 9?un, ba fie braufeen ift, frage io!umente Sb. 11. 2)a§ golbene 2Btener ^erj. unb \ä)iät un§ nun l)tnou§, miä) unb ben gongen £rofe, ber fich an meine ©djöfee hängt. 92ur ber bicfe ^anft bleibt im ©itterbett. ©r taut je^t an bem SDecfel einer gutferlfd^a^tel, ma§ ihm ficf)t= lirf) biel Vergnügen bereitet. 3ebt erft ift bie Scfüoefter auch ^ranfengftegerin. Sie rnufe ber Oranten bie Seine furnieren unb bann mad£)t fie noch ben £anfi rein, fegt ba§ 3immer unb laßt ßuft in bie $ranfenftube. 3 u *n ©reifen nahe liegt ber ^>ermann§foget bor ben $enftern. Äöftlid) reine ßuft ftreidjt bon ben Sergen herüber. Sir befommen auch nodh eine ßunge boH, ba mir mieber inS 3immer bürfen. $>ie Traufe ift biel frifcher. S)a§ Seit ift gemalt, ein frifdfjeS ßeibdjen umfd)lieftt i§re formen unb bie Stofen auf ben Sangen fagen, mie mo^t ihr bie ßuft tat. $)ie ©diimefter f^liefet noch bie $enfter, b a( ft bann ihre fdjmarge ßebertafdEje unb menbet fitf» gurn ©ef)en. $ür alle hat fie freunblidje ©rüfje unb liebe Sorte, be* fonberS für bie Trante unb für ba§ brabe Stnnerl, baS fd^on ba§ Staubtuch ^erborge^olt t)at, um bie Toilette be§ 3* mme rS gu boüenben. &ie anberen geben un§ bis gur £ür ba§ ©eteite. * * * ©inem alten Sanbmad^er gilt unfer nächfter Se= fudh- ©r ift in recht fläglidhem 3 u ftonb. «Seit gmei Sauren gehrt bie 3uderru^r an feinem Korber unb macht it)n arbeitsunfähig. £>i!fIo§ liegt er barnieber. Um ihm ©rleidhterung gu berfdhaffen, muh er breimal in ber Socfje ein ®It)ftier befommen. 3 U biefer ^ilfeleiftung fommt bie (Sdhmefter. Sährenb fie ben Slpparat füllt, ergählt mir ber alte Arbeiter bon feinem ©lenb. „Sftocf) biergehn £ag’ frieg’ i baS Uranfengelb. Sa§ i nachher tuan mer\ meifj idh nicht." 33ei tränten Proletariern. 27 „SBegietjen Sie e§ ftfion lange?" „©ie ilaffa Ijat e^ fdjo biet für mi ’tan. 3tob<* 3al)r’ $ranfengelb, nnb Tantal Ifab’n f mi nadj ®art£* bab g’fdtjictt. Slber für an’ Slrmen giebt’S fa £>ilf. ®’rab’ mann’§ gum SSirfen ang’fangt l)ätt’, tfab’ i toieber furt müaff’n. $ür b’ ®affa fan’S ja biel, fo acfjtunbgtoangig £äg’, aber für mi mar’n f’ g’toenig. Unb bie lange fRetfe ... $>a braudjt m’r fcfjo biergeljn £äg’ gur ©rtjolung. Stabet’ ba§ ber $Bal)n toa§, toamt f’ a $ranf§ im Sdjnetlgug mitnelfmet? (So muafe m’r fidj im ^erfonengug auf bie Bretteln Iferumfdjubfen taffen ..." 9U)d£) eine Söeile tfabert er fori, bann toenbet er fid^ auf t'e anbre Seite unb berfinft in bumpfeS ^Brüten. SSÜfjrenb ilfm bie Sdftoefter ßinberung bringt, trete id) an ba§ einzige $enfter be§ fcfjmalen Stabinet§, ba§ famt einer $üd}e bem alten Sanbrnadjer nebft feiner alten $rau als .£eim bient. 3 e $ n Minuten ftmter toanbent toir mieber toeiter. £)ie forgfättig gereinigten Stb'ioarate finb mieber in ber £afd)e berbaift. ©ie Sitte fiebjt un§, gtoifdjen ber £ür fteljenb, nacfj. „Sllfo bitt’ fdfön, gräul’n, tommen S’ übermorgen toieber. @r iS immer fo fetig, toamt S’ lummen." ,,3d) fomme beftimmt, er foll fiel) nur brab galten." * 3m 2ebigent)eint ber SubiläumStjäufer fudfen mir ein Opfer beS ©tatteifeS auf. 2ßeit bie ipauS* beforger bie £rottoir§ nid^t orbentlicp ober gar niefjt beftreuen, mufe je^t ber (Slafergetjilfe fcpon 14 £age baS 3tmmer tjüten. Unb braufjen locft ber Sonnenfdjein unb auf bem .fUnberfptelplabe unten tummeln ficb) bie Steinen lärmenb unb fdjreienb. Slucf) in feinem 3^ m mert^en gibtS Sonnenfcfjein, aber nur ein 93iertelftünbcf)en täglich unb bann nodj gtoeimat auf toenige Minuten. £)a£ ift, toenn 28 ©rojjftabkSofumente 23b. 11. £)a§ golbene SBicncr $crj. bie ©chtnefter inS 3ibi mer tritt, ladjenb urtb freunblid), luftig unb hilfsbereit, ©a fyeVicn fid^ bie 3ÜQe beS „©infam" auf. §eute ift er griesgrämig, beinahe bor= tourfSboE fagt er auf bie $rage nad) bem 35efinben: „£>eute toar ber ©oftor fchon ba." ©en ©oftor unterftreidjt er im Dieben. ©en Nach* fab: Unb ©ie nod) nicht, fann fid^ bie ©d)toefter feljr leicht ergangen. „3a, heut’ ift’S fpät getoorben." ©abci fnöbfelt fie fcfjon bie DSorberärmel ihres blauen ^abitS ab unb macht fich an bie Dlrbeit. ©ie macht ein toenig Orbnung, leert baS Dßafdjbeden auS, reinigt eS mit ©eife, leert eS mieber auS, bringt bann Döaffer herein unb bereitet ben Umfchlag, ben fie bem £>ilf!ofen breimal täglich au f feinen gefdjtboEenen Dlrm legen muh- ©aS aEeS geht fünf bon ftatten. ©er „©infam" folgt jeber ihrer D3etoegungen. ©r berliert fie nicht auS bem Dinge. SBäljrenb fie ihm baS öernb abftreift unb ben Dlrm in bie naffen unb trocfenen ©üd)er hüEt, ergäf)lt er ihr bon ben $ortfdjritten feiner Teilung, ©ie früher fteife föanö fann er nun fchon ohne ©d)mergen betoegen. 3um ©chluffe macht fie ihm nod) baS Seit. .tranfe Söetooljner beS DRännerheimS ber Haifer 3ubiläumSftiftung entbehren ber 33ebienung. £>ätte er bie ©cfjtoefter nidjt, er müfete baS ©bital auffuchen unb berlöre ingtoifdjen feine Wohnung im £>eim, ba er fie nid)t gahlen fönnte. Dludj bie ßiegeftatt ift bereitet. „ERöchten ©ie fonft nod) ettoaS? .§abeu ©ie einen Döunfch?" „3aug gehabt, unb beute finb fie beibe fertig. (Sr Ijat ficb beibe ^pänbe abgefroren, mie er in ben 2ßalb nm £>olg gegangen ift . . ." Sdjon treten mir ein. „®ut’n borgen! S^a, mie gebt’g?" „Sdjletbt gebt’g! Scbledjt!" fagt er unb fd)icft ficb an, aug bem Seit gu fteigen. „£>euf iftadjt bin i aug’m iBett g’falten," melbet bie ruugelige 2llte mit fdjmadjer Stimme. S)ann quält fie mieber ein .‘puftenanfall. Ermattet finft fie gurüd. S)en Moment ber diufje benüpt er, um gu ergäben, mie fcf)lec^t eg ihnen bjeute üftadjt ergangen. ©r ift mittterloeile aus bem SSett geftiegen unb b^ au f bem Sparberb einen fiebenben Stopf auf bie Seite gerüdt. Seine Btacbttoilette ift nur burd) ein fdpoargeg ©ilet itnb ein grauet ^algtücbel ergängt. So fept er fitp nun breitfpurig in ben lebemen ©ropbaterftubl, ben er aus befferen Stagen in fein heutiges (Slenb mit perübergerettet bat, unb bann f)ebt er gu flagen an: „Sd)led)t ig ’g m’r gang’n beute iftadjt. (Sdjled^t. 23tg m’r fo a Sföeibgbilb ittg Sett einiljebt, mann’g au auffifaßt, unb mit foldje £>änb (er meift mir babei feine beiben in ©age gebüßten £>änbe bor) . . . ba bertebt m’r mag." „2Bie ig benn bag gugattg’n mit bie Spänb’?" 30 ©roj3ftabt*2)ofuniente S3b. 11. £>a§ golbette Söieiter Jpcrj. „©’frört pb’ i m’ir f. 3dt) bin in SBalb um a .$3otg gang’n . . . je^t in bie lebten falten Xäg’. Statt mar m’r ja; aber ptt i umfep’n foE’n? 3 pb’ m’r’S atfo net g’faEn taff’n; i pb’ müaffn gepn. Unb ’S £>otg pmtrag’n pb’ i aa no . . ." ©in Säbeln ber Skfriebigung erpEt feine geröteten güge. ©r freut fidt) öe§ (Siegel, ben feine Stüftigfeit über feinbtidp (bemalten errungen pt. Söenn er and) babei ein „SHambfl" babongetragen pt, eS mirb auab’ jebt Don meine herein’ aa a (Selb. 33on „3tnfbanner0erein" 5 ft. unb non „Sdtjubengel" 3 ft. 33 ft. auf b’ 2Boa f)ab’ i no a paar 3at)rtn Beit gum 2ö arten." „3a, toie alt fan S’ benn, SBater?" „9?eunafiebagg." „Unb bie Butter?" „Sed^Safiebagg." „$)aS tuat m’r gang auf b’lebt. 3öann m’r gar net mefjr fräul’n fann." „Stber jebt fummt a fd^öne neue „SSerforgung", in Saing braunen. 2)a Ratten S’ bodb mel)r ^Sfteg’ toia g’ §auf’ . , ." „9?a, na, in a geljn 3aferln f ra 9’ n ©* tnieber." 2>agu taetjt er. ©iefeS Vertrauen in bie B^funft gefällt ilfm fetber. 2Bie er ba fo fibt in bem breiten Stuf)l, bie 33eine überfdjlagen, füf)lt er fidb toof)l toiebet als ber alte ^auSIjerr, ber ,0on aefet Bietern artig gegrüßt ftmrbe, non atfjt ben „BinS" einftreifte unb im übrigen ben Herrgott einen guten SJftann fein tiefe, bis fein £auS unb feine brei Beugeln aufgefreffen tnaren. £>abon fängt er jebt gu ergäben an. @S bat itfn fdjon lang gebrüht. 3ebt legt er toS: „2Bir SSeaner fan ©fein," fo eilt er feiner £ebenS* 32 ©rofcftabt'-SDofumente 23b. 11. 2)a§ golbene SBietiet .fjerj. gefc^idfite borau§, unb bann ergäpit er Don feinen „Eamiieren" unb bon „33auiiäpftimmung über ipit, bie ipm £>au§ unb $eug gelüftet l)at. 2>ie 9iite im §8ett aber äcpgt unb ftöpnt. 'Sie ift am Etüden unb auf ben Ellenbogen unb am ©efäp „aufgelegen", unb grofje SSunben sengen babon, mie fdpmer geprüft biefer Seib ift. ©ie äc^§t unb ftöpnt, ba ipr bie gebulbige ©dpmefter bie Sßunben reinigt unb berbinbet, ba fie ipr bie §aut einreibt unb ipr ba§ Säger guredjtricptet. Sn einer paiben ©tunbe ift fie mit allem fertig. 2)ie Ereifin pat nur einen banfenben 33licf für fie, ber Sitte bie SBitte, morgen ja mieber gu fommen. % # * Einer £uberfuiofen, bie 25 Satire in ber 3igarren= fabrif pinter fiep pat, gilt ber lepte ^ßflegebefudp am $8or= mittag. 2(ucp pier Sßafcpen unb dämmen, SBettricpteu unb Süften beg bumpfen 9ftaume§, bon bem ber 9Kann, ein arbeitölofer gimmermater, bie Suft ängftlicp fern pält. ®amit finb mir fertig, unb mir fepen unS nur nodp auf bem £>eünmege ba§ ©terbepläpdpen be§ „alten ©epp" an, be§ ^ertmutterbredpSiergepilfen JÜarl ben bie ©dpmeftern ber ©tation gang piifto§ in einem alten ber^ faftenben £>oftraft fanben unb bem fie bie testen Sebent moepeu burep treue pflege erträgiidp madpten. Xag unb Sftadpt maren fie um ben Sßerlaffenen, ber ba§ ©tüct gar nidpt §u faffen berftanb. „^a, 9ta, pflegte er immer gu fagen, „ba§ pätt’ i mir nie beult, baff mir no amai fo guat gepn mirb,, ba£ i fo a ^ßfleg pab’n mer, mo i ep fepon raffertig bin." *) $lovin, (Mben. 93ei franten Proletariern. 33 2)a0on erpljlt mir bie Sdjmefter unb Oon ber um enblichett ©ebulb unb Bufriebenfjeit, mit ber biefer Traufe fein ßo§ getragen. JjJ s$c * ®ie Dberfcfjmefter $lorengia Ijat mittlertueiXe in ber «Station ba§ dffen bereitet, unb mir — auch Sdhmefter ®mma ift fdfjou ^ehngete^rt — laffen e§ un§ gut fdljmedeu. £>er Vormittag Ijat un§ gemalt. 2)ie §auf)t* arbeit ift Oerridhtet. Nm Nachmittage folgen nur furge $ranfenbefud)e unb ®ontroEgänge ber Oberfdjmefter, bie überalt Ijinterljer ift. '2)ap hat fie aber ihre eigenen Pfleglinge. ©iefe befudjen mir am Nachmittag. Buerft eine £au§beforgerin, bie an ©aUenfteinen leibet; bann eine alte penfioniftin, bie bie ftuge Sdhmefter $torengia nicht nur am Seibe ^fXegt, fonbem bereu SSirtfdjaft fie audh sugleidh 2tr§t ift, inbem fie ber alten £>hfteriferin bie Anleitung gibt, mie fie mit 66 K 9Nonat§benfiou ihr 2lu§fommen finben fann; bann ein furchtbar unglüdlidjeS ©efchöbf, ein an ®reb§ leibettbeS, junge§ Ntäbdjen, ba§ fdhon ganj$ oerfallen ift, unb gurn Sdhluffe einen braOen 3Nattn, ber burdj bie unOergeihlidje Sdjmädhe feiner $rau in fchlimmfteS ,(Henb geraten ift. £>ie £uberfulofe h a t ben 2Nann niebergemorfen unb ba ber 2trgt um fein Seben fürdhtete, lief ihm bie $rau baöon, ihn unb feine Oier ®inber gurüdlaffenb. 3eljn öaljre gählt ba§ Nettefte. £>em Söitmenelenb mit Oier fteinen Äinbem mollte fie entlaufen unb unfagbare§ ©lenb lub fie bem Traufen auf. £>ier ift bie Sdhmefter uidht eine ^rantenbflegerin, hier ift fie £röfterin unb Helferin. Sie bringt beit $inbem Sörot unb bereitet ihnen in ihrer ®üdje ®emüfe unb gibt ihnen SKitct). 9Me£ gu menig freilich- Um aber mehr gu bieten, müjjte man in einen tiefen Sad greifen fönnen. £>ie§ nicht tun p fönnen, ift ba§ fdhlimmfte 3 34 ®roMtabt=£)ofumente 23b. 11. Sa§ golbene Sßiener £erj. Seib ber 0berfcf)toefter, bie gugleid) ber Stationgmirtfdfaft Dürftest unb ijier feiffcfjt unb ffmrt, beinahe fnaufert, bemi fie toeiff, ma§ fie in ber Söirtfdjaft erwart, fommt ben ©Rüblingen be§ Vereins gugnfe unb baff e§ bie braunen, empfinbet fie unb emüfinben bie beiben anberu Stfjmeftern nur §u oft. iine Iftdit im Äfijf für ®6dadifofe « * £)bbacf)lo§! Ofjne Mittel fidj ein Obbacf) gu fcffaffen. hungrig! $rierenb in ben leidsten Kleibern — man foltte glauben, baff foIdjeS ©lenb feine «Steigerung meljr ber* trüge, unb bocff gibt e§ nodf Sc£)Iimmeres>, ba£ faft febe ©emeinfdjaft mit ben 8ttenfd&en auSfdjliefet. ©§ gibt Saufe ... ©8 ift 4 Uf)r 9iaif)mittagg. £>er ©egembertag gefft feinem Gmbe . gu. Sn ber SBIattgaffc unter ben 23eiff= gerbern fielen tnir — 300 Scanner, 33urfcf)en unb ©reife, iit quatboEer ©nge aneinanbergefmefft, einer bem anbern nufere SebenStoärme mitteilenb, ein Raufen bunftenber Seiber, unb märten auf ©inlaff in ba§ 2lft)I für Obbadf* lofe. Dbbad) für bie nädffte SJiadjt, ba§ ift unfer ©e* banfe. 2)ie erftc ffteiffe ftefjt Ijart am Trottoir, mir 3tücfmärtigen ftelfen auf ber feucfjtfalten Straffe. SE) bjatte SlenbSmaSferabe angelegt: ben fragen meinet alten Sobenfyenferg aufgeftülfü — ben berftaubten $itg in bie Stirn gebrüeft, bie §änbe in ben Smfdfen ber Sommer* fjofe Oergraben, fo ftelfe idf bort unb friere in ben $üffen, ßine SRad^t tm 2lftjl für Obbad^lofe.. 35 bie £>albf(l)ui)e befleiben. 3m ©efidjt glühte id). Ter ©erud) be§ ©lenb§ umfängt un§. 0b e£ bie anberen nod!) riedjen?! 0)?ir m^rfdjiögt ba§ ©emifct) bon $ufel* bunft, ©cfjmeifjgerucfj unb ber 2lu£bünftung alter SBäfdfje unb SHeiber eine Sßeile ben 2ltem.' ©§ mirb Suft. (Sin Ringel be§ Slfqltoreä öffnet fictj. ©ine Stabfe auf bem Äopf, erfdjeint ber £>au§bater in ber Türöffnung unb ruft in bie Menget „harten mer tjat!?" ^ftuljig, oljne gu brängen, treten ettoa Ijunbert äftänner bor. Seber meift eine flehte braune .ftarte bar, ber 2lft jU bater gmidt fie ein, bie ©äffe rüden an ben £>üten, ent* bieten aud^ moljl laut i^rert ?Xbenbgru§ unb gelten bann in ben IjeHerleucfjteten $lur. Tann fdjliefjt ber 93er* malter mieber bie Tür. 3d) bin burcf) ben ©djub abanciert unb ftelje nun in ber erften Steife. 8toei äöctd)* leute gelten bor bem £>aufe auf unb ab. T)er eine ift guter Tinge, ©r madjt ©bäfje. 3m .'pintergrunb fiet)t er einen ©lenbSbruber. ,,2li), ©ö fan fcljon mieber ba, ©ö ^ramatlmadjer? ... SS’ nij rneljr mit ©tan? 1 ) ©an f* fdfjon mieber lo§gangen?~" Ter Slngerebete ladjjt bem SSad^mann breitmäulig 3 U — er quittiert bamit bie auggeictjnenbe 2fnfbraerrn 2öad()mann" berberben. Ta§ 9lfqltor öffnet fidf) gum gmeiten 3)Me. lieber ertönt ber 5Ruf: „harten mer Ijat!?" ©inige metben fid). 9?ad)gügier. 2Öir anberen fielen in banger ©rmartung, ob nod£) ein $ßlab für unS übrig bleiben mirb. ./8bag’ra§te! 2Öer no’ net tjerin mar!" ruft fe^t ber £erberg§bater. *) ©teilt, öfterreid;ifd)e ©trafanftalt. 3* 36 ©rofjftabt^ofumente Sb. 11. 3)al golbcne Söiener öevj. Gin Slnfturm gegen bas? ;£or. 3d) bin mitten im Raufen, Gttoa gtoanäig fittb fdjon eingelajfett. Sdjott läjjt bie Drängerei nad) — ba tandjt her ÜBertoalter ben erften gurücf: „SBeifs? glaubt’!.-, öS turnt! brängen, mer’ m’r £)a£t toarten!" Gr fdjlägt baS £or su. 2 ßir fielen braunen. 3 d) nun gerabe gegenüber beut Xor. „hinunter bont Trottoir!" fdjreit ber SÖadfmann unb beginnt mit bem Gdenbogen „aus^ubrücfen". 2CUe meinen gurüd. 2 £it in ber erften 9ieib>e Ijaben nidjtS GhiteS: bor unS bie Gnergie ber 2£ad)leute unb Ijinter uns ben SebenStrieb ber Dbbad)lofen. Ginem biefer Dtüdmärtigen fdjeint eS übrigens? gut 31 t gefeit, er ift übermütig unb langt mit feinem 5lrm nad) born. 9Kit eiferttem ®riff legen fid) feine Singer nm ben £>als? eines jungen ÜJftenfdjen bon ettoa fünfunbgtbangig ^afjren, ber biStjet nur burd) feine befonbere SXotjeit aufgefallen toar. „SÜe 3 uag’raften," fo fagt er mit ätüdfidjt auf ben läftigen Hintermann, „follf m’r alle auffi^an’n! „Stöfj net, fag’ i b’r; mir fdjeint, bir get)t’§ 3 ’guat! 23ift el) aa fo a ;guag’rafter, for un § ’ n ^\ a j$ megnimmt." lieber ftadt ber 9tüdtoärtige ben fdjimfjfenben 9$orbermann beim $al§>. „£>er friagt fdjo’ toieber ’n Krampf in bie Singer. Haft fdjo’ lang nij fmbt. 1 ) (Sdjreienb:) S a b* a 'r ^ötjm, fonft friagft a Soben!" 2 ) 2)er 23acl)mann mifd)t fid) in ben (Streit: „Üöannft net glei’ a 9tualj gibft, fo fangft a 3öatfd)eu, 2 ) baß b’r breimat bom Teufel tramt!" ruft er bem Siüdmärtigen ju. Unb bann: „9ftir fdjeint, ba§ iS elf aner, ber anffi 3 ) x ) geftoI)len. < 2 ) Dfufeige. 8 ) $n bie Filiale bei 2lft)ll im X. Se^jitf. (Sine 9!adf)t im 2ift)l für DbbadEjtofe. 37 g’Ijörf, Bö tjab’n bo’ a harten für auffi! ©er’n S’ fdfjaun, ba£’ meiterfumm’n!" ^er Störer menbet fid) tangfam gum ©eften. „3 mir b’r $üaft mailen, ^attot!" £>er ©ad)mann geljt nad) rüdmörtg unb fdEjafft beu 23urfdjen meg. 3)ie anberen lad^ett fd£)abcnfrot). Sie Sur öffnet fief). 33 ot her ftömmigen, 6reit= geratenen $igur be£ 2tft)tbater0 ftfjicBt fid) ein fnnger dftenfdj in einem fc^tnar^en ^ndetangug tjeraug. ©r mag eitt poftenlofer $ommi§ ober ^omfjtoirift fein. ^Dafür fpridjt bie abgefdjabte ©tegang feiner Kleiber. ©r magt e§ faunt aufgufetjen unb mertbet ficBi ftfjeu nadfj red)t§, mo er fid) mieber in ben Raufen ber ©artenben eingureiften fudjt. Ser §au§bater fteljt in ber Sur unb erftärt ben Vorgang. „So nimmt er’§ unb mirft’0 nur meg." Ser $au§bater ntadjt bie ^anbbemegungett be§ Öäufefaugen§. „Ser muaft tjiibfd) feine Sauf’ aa tjab’u!" ruft üjnt ber „mi^ige" ©ad^ntann nad), unb ba er fteljt, baft ftd^ ber arme teufet mieber einreiijen mitt, eitt er gur Bteile unb ft^reit: „Sdjauft, baft b’ meiter fummft! Sunft . .. 9?adj biefer ©ftifobe tritt ber £>au£bater auf bie Strafte unb muftert einige au§. ©3 firtb fotdfje mit harten unb attbere mit Sfntatgettetn. ©ieber nidjtg. (Sima ftunbert an ber 3atjt fteften mir noef) in (Srmartung brauften. Unfere Hoffnung unternommen, finit. ©ie Diele foE biefe§ ^au0 nodfj aufnetjm en ? ©ieber tritt ber Vermalter fterauS. 2tu§ beut $tur bringt ba§ grüntid)e 9Iuer=öicO)t fo eintabenb auf bie Strafte. (Sin junger Süttenfdj im 9iabfat)rbreft menbet fid) Bittenb an ben Vermalter: „2lm Somterftag irieg’ i a Slrbeit!" „3a, mantt’0 in Summer mär’," ruft mein 9iadjbar gur iRedftten, berfelbe, ber fidj fcljon mieberftott burdfj 38 ©rof?ftabt=2)ofumettte Sb. 11. golbcne SBienet fter^. ferne £Ro^eit auggegeiihnet hatte, , ba fönnt’ft im ^rater bem ©hinefen ’n ®itt’l galten!" (Mädjter. Uttb ba ber Vermalter auf bte Sitten be.f-MabfaI)rer§ nicijtg gibt unb mieber im .§au§ Oerfctjmmbet, ruft er bem Stbgemiefenen gu: „£)u fannft’g no net guat, ’g Seimfiaben, SM, ben muafgt lang guareben unb nach’n ©ffen, menn er guat aufg’Iegt ig. 9£et fe^t bor’m Nachtmahl. X)u Srannt* meinbruaber . . . (fjötjnifct) ladjenb), bu 9tabelfahrer!" Sertige Minuten fbäter fte^t ber Sertoalter mieber auf ber Xürfchmette. ©in alteg, üerlotterteg Seib nähert fidf i!jm mit aufgehobenen ^änben, bemiitig bittenb. Sie lifo eit einige für un§ nicht hötbare Sorte. „,§or’n S’ m’r auf. 9lttermeil mit bem Saron. ®o ©’föidht fenn’ m’r fetm’. % iS’!" SDie 5Ute fd^teid^t fort. Xer 9tohe neben mir gibt ba auch feinen X'ejt brein: „X)u Sranntmeinerin bu, gehft eh in gangen Xag fabeln, $aneutti..." ©r finbet auch fofet fom ladfeubeg ^ublifum. X>ann ruft ber Sermalter mieber fein eintönigeg: „harten mer fyatl?“ ©g metbet fiefj niemanb. 9?eue Hoffnung, hoch noch uniergufommen, belebt ung. „Buag’rafte!" ©nblid)! Qmei Stritte, unb ich bin an ber Schmette. 3iefeg Sog trifft ihn fetbft. X>er föaugfrtecht, ein SJtann in ben Siergig, fommt gleich barauf in bie Kammer unb fagt eg ihm. Sir anberen haben ingmifetjen dttie 9Rad)t im Slfpl für Obbacfilofe. 89 £oiXette gemalt. 2öir maren namXicf) im Unterfudjungg* raume. 3mei junge Burgen — offenbar feine Neulinge in biefem £>aufe — ~gef^ mit ifjtem 93eifoiel borait. ©te öffnen bie ipofen unb gieren ba§ £>emb X)erau§; bann neftefn fie ben fragen auf, nehmen bie Rabatten getunter unb entblößen bie 93ruft. SDa§ „$ilgen" beginnt, ©er £>au£fnecf)t — felbft ein 2Xft)Xift, ber für bie gm ei* malige ©inBrennfuBpe, ein 'tDlittagmafjt in ber SSoXfäfüdje unb für bie ©djlafftätte im 2fft)I biefen SDienft berfiefjt — nnterfudjt guerft ben ^embftocf, bann fällt fein fmüfenber SBIitf auf ben 33audj, gleitet meiter auf bie SBruft unb fcfjIiefjXicf) fteljt er in ben Bcacfen be§ 3Xufnaf)m§merber§. 3mei fiaben fdjon bie f]5robe Beftanben; icf) Bin ber ©ritte, ©cfjmeigenb geljt bie ttnterfudjung bor fidf). SXucf) idj merbe für mürbig Befunben. 2Bir treten bann im $Iur mieber an, ber meiteren Reifungen gemärtig. Unfer „93ater" geljt gum SDot unb öffnet e§. 9Xun finb mir brinnen unb bie anbern braunen; mir bie 25eneibeten, bie anbern bie Leiber. 3cf) feB>e f)inau§ auf bie finftere, falte, unfreunblicfje ©trafee. Gatter, roter Sidjtfdjein ber ©a§Xaterne bor bem ©or fällt auf bie üftaffe ber 2Xu£geff)errten. ©in büftereS $8iXb be§ ©Ienb§, inbem auef) mir fünf einige Minuten borfjer ©tatiften maren. ©o oft fiefj bie ©ür geöffnet X)atte, Xjatten mir feX)ttfücfjtig in ben $Iur geBXitft, beffen BiücXjternXjeit moljl feinen aBfdjrecfte. SXEen Bebeutete ber 3’Xur aXXe0, ma§ fie für bie nadjften ©tunben gu erteilen hofften . . . 2Xft)X! OBbacfj! 9cun finb mir brinnen unb mir miffen fefjon, baf; alte, alle, bie notfj braunen fielen, amf) auf ber ©trafje BXeiBen merben. 2öir maren bie festen. ©eiXna!jmXo§ gXeitet ber SBXicf be§ £>erBerg§bater§ üBer bie Bftaffe. $ür iX>n finb bie Bftenfdjen, bie DbbacX) jucken, BXummern. ©äglicX) 194. ©r fcfjliejjt ba§ ©or> * * * 40 ©tofjftabfc&oJumente 95b. 11. 2>a§ golbcne SBiencr ^crj. erfdjeint eine neue ©eftalt im Öilbe: ein fräftiger junger 9Kamt mit 3lugengläfern, blonb, berb in her $igur unb im Auftreten. ©|i$ ber ©oljn bes SBextoalterS. ©in Unteroffi^iergmenfci). ©r ift fo eine Slrt ^rofofj, £>au§fommanbant, toenn man toill, ein Kontrollorgan, ©r geljt $u einer ©afel, bie an ben Xürjtod ber „Sau§= fammer" genagelt ift unb freibet un§ an: 194. 3lHe§ befe^t. ©ein SSater öffnet lieber ba§ ©or: „Ka ^la| mef}r!" fagt er gu ben Sßadjleuten. 'Sie forgen fdjon für ba§ Weitere, bamit ber £afet an ber Slfblntauer 9ted)nung getragen toirb, bie Slnfammlungen unterfagt. ©ie fdjiden bie £)bbad|tofen fort. Offenbar grübelnb über bie grofje galjl ber 2lu§gefberrten, meint ber $au£bater herein* fommenb: „2ßeil bie ^olijei aber aa alle £eut’ in SBien bulb’t; ginget’^ nadj mir, alle müfeten§ am ©djub." ©§ ift ein ©lüd, baff e§ nid|t fo ift. Unfer „93ater" gellt brummenb in feine 28of)nung. ©er $unge ift in ber Kanzlei. Minuten berftreidjen. 3ßir Inarten, ^olternb fommt ber £>erberg§bater au§ ber Söoljnung — irgenb ein §äu$liü)t§> 93orfommni§ ärgert iljn. ©r öffnet inieber ba§ Xor. ©ie ©trafje ift menfdjenleer, büfter . . . ©ie ©lenb§brüber finb fdion fort. . . Sßoljin? Kein 3Kenfd) toeif; e§, Ino fie bie 9?äd)te gubringen, fie felbft audj nid)t . . . 93ieKeid)t Inar aud) ber obbad)lofe $leifd|* Ijauergeljilfe unter iljnen, öon bem bie geitungen bor einigen ©agen §u erjagten mußten, bafj er bei einem ©afttoirt einbradj, fid) unter ba§ 33ett berfrod), al§ er ein ©eräufd) Ijörte unb bort fo feft einfdjlief, al£ läge er in ©iberbaunen. ©r ertoadjte erft, al§ ber $au§fnedjt fam. ©er 2öirt fonnte iljn nidjt ertoeden. 3e|t l)at er Dbbad) — im ßanbeägeridjt. Unb bie anberen? 5föof)in finb fie? Sft audj Üjre ©nbftation ba§ Sanbeggeridjt? * > 4 * * ©ne 9lad)t im 2tft)I für Dbbadjlofe. 41 2>er „junge föerr" fommt au§ ber ^an^lei. „Sb^ $ünfe geljt’3 oufft. 0cr. 4! ©an$ ^inf’, ba fatt fünf betten leer." Stf) folge ben anberett auf bie stiege. «Sie neunten gtrei stufen auf einmal, unb bann gef)t e§ Ijaftig bunf) eine 9iei^e üon Sälen. Sn allen 33ettgefteHe unb Sftenfcfjett — fonft fefje idj nicfjts?. S)er ©mbfang ift gerabe fein freunb* lieber. „Uje, guag’rafte!" ruft man un§ in allen gimmern ^u unb nadj. SBir 1) ab eit uns halb untergebradjt. Sü) bin im «Suchen nadj einem freien 33ett recl)t ungefc^icft. Ueberall felje ttf) £mte auf ben betten, ober id) fefje TCttner barauf fi^en. 9Xaere§, Seffel unb Xifdjj. 3)a§ p^ere bient gugleid) al§ ©arberobefaften. S3ei meinem SBett ftef)t fein Stocferl. Stur gu meinen Satfeeit ftef|t ein niebere§ Stocferl. ©§ gehört mir ^u. darüber ftef)t auf ber Söanb: 23or £afdjenbieben mirb getarnt. „$ann beim ba audj toa£ geflogen toerben?" fragt ein etttm 35jäf)riger Sube, ein SXgent, Sanfterer naefj bem 2lu§fef)en. „(San S’ fo guat," fagt mein S3ettttad)bar, „ba fommen oft Seut’ ’rein, bö fetf)§, fieben ©ulben im Sacf fiab’n unb bo’ ben ©attern a’toeb’n." ®amit meint er ba§ äiemlid) bid^t geflochtene grobe Sraljtneb, ba§ über ba§ ©ifengefteü be§ SXetteS gekannt, am Hobfenbe im ftumbfen Söinfel anfteigt unb Strohfacf unb Sttatrabe erfe^t. 3toei $oben unb ein b ar * e 3 Sßolfter in blau* gemufterter 3iecfje finb bie Söettauäftattung. „®a fenn’ i an’, ber ge^t beim £ag b^beln, unb auf b’Stadjl jftljlt er ’am^©attern feine. S^etfcf). Sin 42 ©rofjfiabts&olumenle Sb. 11. £>a§ golbcnc Bienet $erj. ©ulb’n ätoang’g teurer Bringt er alte ©ag ftam. Sn, e§ tommen a noBIidje ©äff ba etna!" ©er anbre, ber nod^^Beffere Kleiber trägt, fagt entfdfjulbigenb: „©tauben 6’ rnir’3, toann i no’ a ©eifert g’fjaBt ftätf, i toär’ net ba ftereingangen!" ©amit geftt er ber ber «Strafte gugeteljrten Stbteilung be§ Sdf)taffaate§ gu, too er feine 93ettfteXXe ftat. * ©er ©efjilfe bes §au§fnedf)t§ fommt unb toirft auf jebe§ SBett einen SBIed^Iöffet, Bei feinem gtoeiten kommen fcftuftft er au§ einem $orB auf jebe§ ©ett ein Stüct ©rot. ©a§ ift bie Kontrolle, ©ie ©etten gäftten, bie Sftenfdjen nidjt. ©on benen tonnte einer leicht in feinem ,§eift* ftunger gtoeimat nadfj ©rot langen. Sdft fontme gu Sltem. ßuft! 2ßie toirb ba§ in ber ©adljt toerben? SBett an SBett, im ganzen 26, gtoifdjen jebem nur ein Dtaurn Bon einer Unterarmlänge, ©agtoifcften fteften bie Stotterin, hinter jebent SBett ift auf ber toeiftgetüncftten Stauer eine Kummer ftatroniert. Set) ftatte 189 ertoifcftt. 3Kein 9?ad(jBar ©r. 188 toar ein junger ©tarnt, gegen ©nbe ber 3tuan;$ig, gutmütig. ©r fennt ben .§au§Brauct) fdjon Beffer unb ttärt micft attdfj itBer bie Stellung be§ §au§tned(jt§ im Stfftt auf. ©r fftottet baBei. ©ennocft fragt er fftäter fein ©egeniiBer 0Zr. 190, einen jungen, etioa 18jäftrigen ©ifcfjlergeftitfen, oB man ba länger im SIfftt BleiBen tarnt, toenn man SSaffer fcftöftft. Stuf bie Bejaftenbe Slnttoort fagt er: ,,©a, ba toer’ i’S morgen jtroBieren." 9tr. 191 ftat Sdjmergen in ber tinfen Stcftfetftöftte. ©r fann ben 2trm faum rüfjreu. ©r fteibet ficft au§ unb ftagt, baft er „unter ber Srdjfen (Stufet) $toa ©iBBeln ftai" ©er 188 er, mein 9tad)Bar, geftt m ifjm unb unter* fucljt ü)n. ©ine 9tacf)t im 2lft)l für Dbbadjlofe. 43 „©a gel)’ nur murg’n gier inS ©fntaL 3n ^armtiergtgcn . . . bö nehmen an jeben auf. Sn ©Jutal iS bas ©Ränfte. ©a x ^ibft über SSeüjnadjiten . . . Ijaft ’n fdf)önften (Sljriftbam!" — ©er SluSfbradje nadj ifi 9?r. 191 ein ©eutfcfjbölime. (Sr erfunbigt fidfr notf), too baS ©fatal ift. 9?r. 190 bietet ftdtj als $ül)rer an. * * ¥ ©er SBertoalterSfoIjn Jommt inS 3intmer. Sn ber SKitte beS ©djlaffaaleS, beim eifernen Ofen, bleibt er ftefjen unb ruft mit lauter ©tintnte: „2Bte biel 3nag’rafte fan benn ba?" Heine Stnttoort. ©ann ruft er auf: „füx. 175!" (Sr geljt gu bem 23ett beS borermätjnten Suben unb gibt ifjrn feine Kummer, Sulefet fomrnt er nudfj ju mir. „189?" lieft er bon einer flehten braunen Harte im Format ber (Sifenbalinfaljrfartett herunter, ©ann reicht er mir biefe Harte f)in. Stuf ber einen ©eite ift mit ©inte bie 23ettnummer getrieben, auf ber anbren ift eine ©tamfnglie abgebrucft: 2lft)lberein 20. ©es. 98 für Obbadjlofe in Sföien. ©ie Harte ift einmal eingegtoitft. 23iS fie fünfmal burdjlödjert ift, f)at fie i^ren Sföert berloren. ©ie gilt für fünf Sfädjte. ©er junge £>err toiirbigt micf) fautn eine§ 23li(feS. (St unb aucf) fonft niemanb fragt micf), toer ict) fei. (SS mirb nad) ber ^auSorbnung lein 2(uSlbe S berlangt. ©arauf fomrnt ffiätet bie 9tebe, unb ba toerbe id) aufgeftcirt, baff man im Slfql bor ber ^oligei fieser fei. SlnberS im Sftaffenquartier, too man 20 fr. galjlen müffe unb toeber bar ber ^oligei nodj bor ben Saufen ftdjer fei. 44 ©rofeftabt^ofumettte 23b. 11. S)ai golbene ©tenet £erj. Nun meift ber junge .'perr auf einige Hummern: „OeS geljt’S ©affer fcf)öbfen." „ftab’n alte ©rot?" 3$^ ^ Einige tnelben, baß fie gu furz gefommen feien. „(Gef)tS ’nunter. Spotts euch baS ©rot unb bringtS gtei’ bie ©ubben auffa." $)ann Ijaben mir mieber eine ©eite Nut)e. 2tuS einem Nebenzimmer fommt ein ©urfcfj. Sn ber Neckten ptt er ein (Gitet. „Um acfjt ^reuger a (Gitet, billiger fonn i’S net geb’n!" @S finbet fict) fein Käufer, unb ber arme teufet mirb i^inau§gef(^imbft. „(Gehft auffi, bu Gauner, bu $attot, ba mirb nij g’fdjachert!" * * 2)ie ©ubb e fommt. Seber befommt eine fyalbe ©techfthale bott ©inbrennfußbe. (GS mag ein fyalbez ßiter fein, ©ei ber (Gelegenheit motten mir ber $öcf)in ein (Geheimnis betraten: Sn eine (Ginbrennfubbe gehört auch ©atz, ©chmalz unb $iem. ®abon mar menig ober nichts z u fbüren. ©chtießticf) tut ber junger meh, unb ich töffette gteiih ben anbern meine ©ubbe cmS, in bie itf) mir baS ©rot eingebröcfett ^atte. „©ie iS’ benn am bjetligen Nbenb’? kriegt nt’r ba aa nur a (Ginbrennfubb’tt?" fragte ict) Unzuftiebenet meinem Nachbar. „Na, ba gibts ©iirfcht’tn unb an £ee." 3>er junge ^auSfnedjt fommt unb fammelt bie ©djalen ein. (£S ift etma h^tb 6 Uhr. 2)ann h^ifet eS: 2tuf bie ©etten. NtteS fteibet ficf) auS. Nr. 185 tjat am rechten Oberarm eine eigrofje offene eitrige ©unbe. ©ein öernb ift ganz berftebt bon ber gelben SNaffe. (£S bitbet fich um ihn eine (Grubbe- ,,©aS iS Sh«ö benn ba g’fcheh’n?" ©ine 9tad)t im 21fr)l für Dbbodjlofe. 45 „Verbrennt hob’ i mi." „So benn?" „93ei an’ Reffet." * ®ie anbren haben ihnwkftanben. SauSfne ; 'folger* ber ein „®abbt" gum $auf anbietet. SDann tritt Buhe ein. Bon Bett gu Bett fbinnen fidh ®efbrädhe. * # * „£>ab’n bie Shaper aa an’ Äonful in Wien?" fragte deiner. ©tüle. $)ann antwortet ein anberer: „Ba, an’ ®onfut hoben nur bö bon 2lu§laub." Hub nun begann er ba§ 2tu§tanb aufgugähten, in ununterbrochener tanger Beihe: Bauern, Bfrifa, ©Manien . . . toöfjrenb bie anberen längft fdjon über anbere ®inge fpradhen. (£inem hatte ber -Beifter ba§ $ranfenbuch borenthalten, unb er holte fidh nun Bat ein: „®u 88er, gtaubft, muafj ’r rn’r ’§ geb’n?" . . . Bufttanb, ©änemarl . . . „Bätürti, geh’ nur gur Uranfenfaffa hin." . . . Italien; $ranfreich . . . a linea „BieEeicht hat bei ÜBafter gar net ein’gahlt für bi . . £ürfei, ©dhmeben ... Br. 190, ber junge Btonbtobf, mirb lebenbig. (£r gibt ein ©tüdt Sehrbubenrache gum beften. ©ein Reiftet* hatte ihn mit einer Satte gebrügelt, unb er hotte ihn bann au§ Bache angegeigt, ioeil ber Efteifter fchon hier Bionate einen^ ©efeEen beftpftigte, ohne ihn üoügeilidh unb bei ber ^rantenfaffe angumeiben. ©agmifchen Hingt e§ monoton ... Bmerifa, Belgien, Württemberg, ©djmeig... 2(t§ ber Sehrjunge geenbet hotte, erhob fidh ©etädhter. „Urnbtti hot er bleuen müaff’n!" £>ag ©efbrädh fommt auf ba§ im 2lft)l berabreidjte 47 Csine Aad()t im SXfgl für übbac&lofe. Vrot. ©inige loben eS. $toifchen anbem entftnnnt fich ein furjer (Streit. ,,©S ift tote .’S Söörnj&Jtubenbrot." Vr. 186: „Dna, enber n?k’§SanbeSgeridjtSbrot." Anbere allgemein berftänblidje Vergleichungen fielen tynm nicht gur Verfügung. ©ine britte Stimme: „®aS 2anbeSgerid)tSbrot iS guat!" £>er Vierte: „Sie hab’n bo in alle VegirfSgeridhter baSfetbe!" £>ie Fachleute biSfutieren noch eine SöeiXe, bann toirb eS gang ruhig im Saale. * * * „Ater b’r^ählt benn a ©’fchichf?" fragt ber 190er. „Seht toar’S grab’ fo fd)ön ruhig . . ." Allgemeines Sdjtoeigen. „A ©’fchicht’ toirb aufg’numm’n!" AuS einem anberen Saale hdttt VeifaESflatfd)en herüber. £>ort hat fid) fchon ber Spaßmacher gefunben . . . „$ft! ?ßft!" „AIfo auf’ba^t!" VtäuSchenftide! ®er blonbe £ef>r junge mad)t ben Anfang, ©r ergäbt eine ©efd)ichte bon gtoei Vrübern, bem bummen unb bem gefdjeiten, bie eine Väuberbanbe Überliften. Vraüo! Vrabo! ertönt eS, als er geenbet. ,,©ö toar fdhön." „Aber fo red^t ’toaS ©ruf’Iig’S foUt aner b’rgäht’n." ©iner haftet gottSjämmerlid). „Va, na, fo a §uften . . ." „3 bin froh, baß i fcßo’ a bißt bertor’n h a ^’- Vtad)t’S bie £ür gu, eS giagt. So oft bie £>äuSltür aufgeht, giagt’S als toia." ®iefe £ür enbet an ber ^offront beS SaaleS ein. 48 ©rofcftabts3)ofumente 33b. 11. 3)as golbene SSiener Scp fitd^e ben Ort auf. 3^ein nacfter gufj tritt auf falte Steinplatten. SDie Ventilation im Slbort ift eine gute, fo bafe e» ©inem eineij^förmlidpen Vücffcplag gibt, memt man mieber in ben tritt. £>iefe 2ltmofppäre! 2ßie mirb ba§ in ber JVadpt erft merben. £>a£ duften täfet ein loenig natf). SBieber tritt ein Moment ber Dtupe ein. „2öer b’r^äplt benn a ©’fcpicpt’?" Sn ber ©affenabteilung rnelbet fiep einer: er eröffnet ben Zeigen ber ®aifer Sofef*$efcpicpten, bie nun in langer $olge ergäplt merben, mit ber luftigen ©rääplung „$aifer Sofef unb ber 3 u (ferBäcferle^rling''. ®arin fommt audp eine ®aufmanu§tocpter Oor. 2ll§ ber ©rgäpler fo meit gefommen mar, miberfpraep ipm eine (Stimme: „$>a§ mar ben ©rafen $aunip fei’ £ocpter!" — S)er ©r^äpler: „2lt§bann, i pab’ auäg’rebt — mannft ’§> beffer mafet, fo b’rgäpl’ bu meiter!" — £ie Stimme: „©§ mar in ©rafen $aunip fei’ Xofpter!" — $meite Stimme: „§att bie ©ofepen. Saff’n meiter b’tgäplen. £>’r 3 äpf meiter!" 2>er ©r^äpler meigert fiep nodp eine Sföeile, fein ©prgeig ift berlept — bann ergäplt er aber bie ©efdpicpte bodf) su ©nbe. * * * ©in ©r^äpler na cp bem anbern üerftummt, unb alle§ laufdpt bann folgenbem B^iegefprädp: ©rfter: £>eut bift erfept loägangen? — .Qmeiter: Sa, icp pab’ ja nur adptunbbiergig Stunb’ g’pabt. — ©rfter: 2öeg’n ma§ benn? — Qmeiter: ©§ mar nur poligeilid). S bin nur frop, baff f’ mi net ber ^oligei überfteEt pab’n. S pab’ g’fcpaut, baft i meiterfumrn. ©g i§ ja net gum ©jciftir’n Gine 9!ad)t im 3lft;l für Obbadilofe. 49 ba brimt. 9tner, ber itt 28eiSt*) g’Ijabt fyat, §at fünf üfftonat auSg’fafet. 91 andrer iS erft auS ©tan furnma: in Unterfucf)ung. (Sr iS 'fseb’u üftonat’ g’feffen unb fjat fi habet 21 ft. g’riff’n. Srfter: 9ftit toaS benn? 3toeiter: 3 i 9 a ^enfd^a(^teln Ijat er g’madjt. 60 (Stütf 6 fr.; metjr als 180 fjat ’r net madjen bärfen in £ag. 28ar aa net mögti g’ttefen. 2Bia er auffifummen iS, f)at er aa fei anberS (Mb betjob’n. ©ie tjaben ein* brocken g’fjabt unb natf)f)er ’S (Mb in aner ©djadjtet bergrab’n. 600 ft. 3ßenn fie ’S toieber g’f)ott fjab’n, loar bie ane ©eiten berfäutt, unb §toa £>unberter tiab’n lauter fteine ßidertn g’tjabt. 2)ö fjab’n f’ g’riffen unb in Söadj g’tourfen. Ütftetjrere ©timrnen (gugteicti): 2>ö ptten f bo auSiaüfdj’n finna! — (Sine ©timrne: ’S 33efte iS, inann m’r a (Mb bergrabt, baf; m’r ’S in a $tafdjt gibt. S)a fann nij g’fdjefj’tt. 9t nteiniger $amerab t)at fünf Safjr g’fangt, aber fei (Mb fjat er bo friagt, ioia er toSgangen iS. Sine Söeile gefjt biefeS liebliche Sefyräd) fort. SS fdjtägt adjt Utjr. ®amt toerben loieber Sefd^idjten erga^tt. 3d) er 5 a|te bie Sefdjidjte bont Srafen Ütftonte St^rifto. ®ie ift gruStig genug, ©ie toirb allgemein gelobt. S8on ber Snfet 3 ff, auf ber ber Sraf öon Hftonte Sfjrifto gefangen fafj, fommt baS Sefprädj auf bie £eufetSinfet unb auf SDretjfuS. „2BaS für aner Partei g’tjört benn ber an? $S er a £>eutf(^nationaler ober a S^rift?" fragt einer. Sr toirb aufgeftärt. SDabei toirb bon ben Suben gefprodjen, unb toenn babon einmal bie ^ebe ift, fpridjt man audj bom Sueger. £)er §err bon 9öien befam feine fdjöne 9?ad)rebe. 0 2(u§u>eifung au§ 9ßien. 4 50 ©rofeftabt=2)otumente 23b. 11. S)n§ golbene SÖienev £>eva. „^meitaufenb Sadeln im Bktfhcms biden. £>a füllt’ et fi’ amal b’tguafted’n ut^ü^et bö gifol’n frefftt." GS toirb noch Diel raifordiirt, er^afjlt, geduftet . . . 2>ann ift Stube. GS fdjXägt auf bet £urmuljr bet naben Bkifjgärbertircbe gehn. „3ebne i$’. SBantt nur bö Stadjt fc^o* gu Gttb’ mär’!'. S)ie (Stimme ftnbet Gdjo — unbehaglich liegettbe SKenfcfjen malten fid) auf ibreit ßagerftötteu. 3cb felbft mölge mich üon rechts nach lintS mtb bon linfS nach rechts, „SBenn’S nur fdjon fed)S Uhr tont’!" fo bettle audj id). $ * SDie Stacht liegt über bem (Saale. 3auS fa Strmenbater net aufg’ftettt iS. 3 muaft ba ftergeft’n. 3 Wart! bis auf b’ßeftt." „23raudften S’ g’Wift a ©etb auf an .£mat unb an 3Ruff?" „Sa, aber ba, auf fo an SDZuff!^ ®ie $rau maeftt mit ber reeftten £>aub bie ftantomimifdfte Bewegung beS ©ffenS. ©egen ftalb 12 Uftr finb in bern SBarteraum etwa 25 ^erfonen, bie fidft bor bern 3bfttfdftatter brängen. SDrauften auf ber «Strafte fteften 50 Stritte. Sftuen Wirb feit gWei Stunben ber Eintritt in baS gefteigte SBarteloM OerWeftrt, troftbem für iftre hopette Slngaftt leidftt $Iaft getoefen Wäre, ©ie auf bie ©affe münbenbe %üi beS StrmeninftitutS Würbe Oerfperrt. Sn ben erften SSormit* tagSftunben War ber Stnbrang ein fo arger, baft bie UnterftüftungSWerber bis auf bie anbere Seite ber ©affe ©eilpiacptstag im SIrmenamt. 53 ftanben. $>ie Beamten Ratten alle ^änbe boE 5U tun, um bie föilfefucpettöen ü&^ufertigen. ,§unöerte mären meg. Sofa! mar tofebw* 31t bret Vierteln leer, bie Sänfe mären faft unbefept, unb bennoep läfjt man — unmenfdplidp genug — 50 2(rme branden in bet $älte. Sie brängen unb fto£;en einanber, jebe milt bie erfte fein. Seim riictmärtigen 2(u§gang ftept ein iföadpmamt, ber ba§ ©in* bringen bon biefer Seite pinbert. £>ie Stenge auf ber ©affe mirb immer nngebnlbiger. ®en SSadpmann felbft erfaßt naep einer Interpellation, marum bie %üx ge* fcploffen fei, ein menfdptid)e§ jRüpren. (£r gept auf bie ©Ia§tür 3U. Sranfeen merben bie Stimmen immer erregter. „2(ufmadpen!" „§aut’§ auf bie £ür!" „£>err SSadpmamt, Mt i§> uns!" „iföir pab’n Jane guaten Sdpuadp net!" So tönt e§ mirr burdpeinanber. ®er 2Sadpmann öffnet. ®er Strom ber Firmen er* giefjt fidp in ba§ marrne ßoM. „Sattgfam! SCBer lang* farn!" meprt ber SSacpmattn bie 9ftenge, bie, geftofeen unb gebrängt, felbft fid^ bormärtäfdpiebenb in ba§ ÖoM ftolpert. 9?un gept’3 an. „3ept beutelte an erfaßt!" fagt eine $rau mit gelb* liefjem ©efidpt, ba§ bom ©lenb früp gealtert ift. $roft fdpüttelt tpren Körper. „SERir i§’§ nur nnt ben armen Suam . . . i fann eaprn fane Sdpuadp net laufen ... fdpau’n S’ an, mie er burtfipt . . . gan3 einge3ogen unb blau in ©’fidpt ..." Sie kneift babei auf einen fedp§* bi§ fiebenjaprigen Knaben, ber gan3 teilnapm§Io§ auf ber Sani fipt. „Unfer Herrgott foll an’m befdpüpen, bafs m’r ba net pergepn muafe." „3tupe, 9tupe!" gebietet eine Stimme bon bem Spalter per. „Übian pört ja nidpt au§rufen!" gmei 2lmt§biener rufen nun tarnen bon SittfteEeru 54 ©tojütabt=£)ofumente «gb. n. $)«§ golbene SBicner £er$. auf unb toeifen fie gur $affe, luo ber „§err üon StCßert" lieber feine £ätigfeit auf gen ornntp?-fiat. 3toei Minuten ffiäter erfüllt f#jon toieber gebämfifte§ Stimmengetoirr ben Söarteraum. ®ie Strmut ift ja fo mitteilfam. „SJt’r iS gang traut bur Gälten. £)ie ®inber fan üoüer junger, ©nttoeber foll m’r ifina toaS g’effen geb’n über uet. 3 toar jefit fedfiS SSocfien im Sfiital! Sföein’ 33uam fann i fdfio fedjS 2ßodfien net in b’ Sdfiut fdfiüfen, toeit er taue Stiefet fiat!" @o ftagt eine $rau, ber ber £ob au§ ben tief* liegenben Stugen fdfiaut. 2öie lange nocfi unb bu bift erlöft. „Unb ba fiat ber Strmenrat no gu mir g’fagt, flauten S’ Sfiua net, ben ^öuam net in b’ Sdfiul’ g’ fcfiicten. 3 füll rni ftfiamen, toeil i tränt bin. 9ta, baS iS net geredfit!" ©ine anbere ergäfilt eine ©efcfiicfite bon ifirem 2trmen= rat, ben fie nidfit gu £>aufe angetroffen. „3’etföt fiab’ i mit ber ©näbigett, bann mit ber £odfiter reben müaffen, unb gum Sdjlufi fiat mi ber §err Sofin auSg’fragt. dreimal fiab’ i mei ©lenb ergcifil’n müaffen, aber 2tntoeifung fiab’ i tane triagt . . . ,($engan S’ arbeiten/ fiat ’r g’fagt. 3 bin efi 31t bie ipauSmafter in b’ (Stabt g’rennt um a Arbeit bnr bie Feiertag’, aber fie fiab’n g’fagt: ,2öir fiab’n fetber ta 2lrbeit!‘" „3n mir fiat ber Strmenrat g’fagt: «Sie tbott’n a £>oIggettet aa? Sdfiamen S’ 3fina net? 1 " So fdfimirren bie Klagen unb Stnttagen bnrcfieiitanber. Sieben ber rüctmärtigen 2tu§gang§tür tniet eine $rau unb benüfit bie ^polgbant al§ Sdfireibtifdfi, um ifire 2tn= meifnng gu unterfcfireiben. Sie gittert am gangen ^örfier. „3toa (Mb’n fiat ’r m’r g’fcfirieb’n," Jagt fie gu ifirer ^adfibarin. :i4aiifr 3i£ggas a%rä. : i ;< 2öei()nacf)t»tag im Strmenamt. 55 T -*f GS fehlen einige Minuten auf 3 / 4 12. ©a fommt Btöfelicfi neue Erregung üBer bie Bor bern GinreidjungS-' [cf)alter feftgefeitfe EBceuge. ©er Beamte am (Spalter ruft: ,,©ie SluSgaljlüttg ^ff^oriiBer. Montag mirb mieber auS’gafelt!" 33eftür^t, Betroffen, feines SßorteS mätfjtig — ftefet bie Stenge guerft ba — Beinlitfje ^efunben ber 9M)e . . . ©er Beamte macfet Gruft — er tagt bas $enfter Dor feinem Schalter feeraB — ba Bricfjt fic^ bie Grregmtg elementar 23af)n. „EBaS, am Montag?" ,,©aS fan ja fane EDZenfdiettl" „3ma Stunben taffen f’ unS in ber hätten ftefe’n, unb jefet iS’ erfcfet umfunft?" „EJSfui ©eufet!" ,,©aS fan Gferiften?" „EDZir gengan net furt!" «So tönt eS inirr burdf* einanber. „S(f| fea6’ fieB’n $inbet g©3auS!" jammert ein alter SlrBeiter, „fie märten auf a 23rot, unb jefet iS’ mieber nir." „EBann i nur fan junger fjätt’ auf b’ $eiertag!" ruft ein anberer. Gin SlmtSbieuer erfcfjeint. Gr mirb Beftürmt. „3 fann nij machen, bie -Eperr’n fan fdjon furt'' ©aS ift bie erlogene SfuSfunft, bie er giBt, bie „djrift= licEje Notlüge", um bie Slot gu Befäjmi(J)tigen. ©rinnen fi|en nocf) bie Herren unb Beraten offenBar, maS fie tun fotten. ©raufeen toBt ber Unmille meiter. „Sla, ,mia f’ jefet mit bie Sinnen umffjringen! ©aS iS nimmer djriftli!" „Scfet feaB’n m’r bie Feiertag’ net antal maS g’effen, baS fan fefdfe $etettäg’!" fagt in einem Sfnflug non Galgenhumor ein altes BemeglidjeS EBeiBert. Gine junge EDlutter meint. Stuf bem Slrnt feat fie ein JUnb in ein molleneS ©ud} gemidelt. SleBen ifer ftefet 56 ©rojjftabb&ofumente 35b. 11. 2)a§ golbene ffiicner ein (Stelgfufj, — ifjt üerfrii^^etter aftann. (Sr ift 3Kufifant, unb baS ©ebot ber $irdt)e madjt iljn auf gmei £age Brotlos. 8u 2Beif)nac£)ten giBt^eS feine £uftbarfeit — barum mufj ber ^ettelmufifant^ßngern, mit ifjm fein 28eib, feine .fttnber. $)er aBacfyntann fnd^t bie $rau gu tröften. $)en ©telgfufj überfommt Bitterer ©roE: „^e^t muafs i f)alt einBrectjen getj’n!" S)ie $rau meift if>n gurecfjt. „©oll i Beten getj’n, bafj m’r ber junger bergest?" „2lBer meg’n bie ®inber fönnt’n f’ (Sin’ bod^ Berück fidtjtigen!" meint baS SöeiB meiter. „(SS ift rein fa 2öunber, mernt man fi ’S SeBen neljmert!" 2>er iötnfifant: „$t Strmer iS fa fo a feige Kreatur net, baff er fi ’S ßeben nimmt. ®ÖS iS a SnjnS für bie ateidtjen!" (Sine anbere ©rubüe ^olitifiert. ^n if»r ©efüräcf) ntifdjt fidj mit tfdjedjifcfjen £>ialeft ein ©raubart. (Sr ergatjlt, bafj er 27 ^aljre in Sföien arbeite, nun franf nnb arbeitslos fei, aber lieber abgemiefen fei, tro^bem er nod) nie einen $reuget Unterftü^nng erhalten f)at. sie * ^ngmifctjen mirb ber ©dfjalter mieber geöffnet. $)ie Beamten IjaBett fidj eines 23efferen Befonnen. ®ie toaren nidfyt „fdfjon fort" unb galten mieber auS. 3?eueS drängen unb (Schieben bor bem ©patter, rtodj einmal burdjgittert bie Slnfregnng bie armen aftenfdjen, ob fie moljt ettoaS Befommen merben ober nidjt — ob fie ©nabe finben döerben, ober ob fie Ijungern nnb frieren müffen mafjrenb ber größten f^efttage ber (Sijriftenljeit. $n ber Slufregung berliert eine $rau itjren 2luSfunftSBogen unb aftelbegettel — bie 2tnmeifung allein gilt nic£)t. «Sie jammert nnb meint, fdjieBt unb brängt fidj bor. Umfonft! 2öer meifj, mer fdjon auf iljren (SlenbSbofumenten tjerumtritt nnb fie baburdfj rtodj elenber madjt, als fie fdjon ift, $it)ei %aQt 2ßerff)au§ arbeitet. 57 3>a§ 9Xebelf)orn einer nafjen $abrif ertönt. (S§ ift Mittag. %loie ©Raiter tcerben ^eidj-offen. ®ent Beamten fünbete ba§ 9cebetf)orn bie 9Jftttag£ftunbe — öünftlicC) tnie eine Uljr — Brid^t er bie Arbeit ab, bie Arbeit, ßdenb gu tinbern. „Um gtoei Ulfr mirb mieber aufg’fperrt — ]e|t ift ©d)luff." üßieber eine Sßattfe ber Betäubung! 3eber ber Uebriggebtiebenen überlegt rafd) bie furchtbare Söirfung biefer Sßorte be§ Beamten, deiner miE bom $ßta|e. 3eber glaubt, er toenigften» müffe e§ burdjfeben. Stnbere finb ftumbffinnig — fie tjaben bie Hoffnung aufgegeben, ettoa§ gu effen gu befontmen. „93orig’§ 3aljr Ijaben m’r toenigften§ ©f>ei§marfen friagt, t)euer ift a ganger Safttag," flagt eine rungelige, lagere $rau . . . £)amt fcffteidjt aud) fie ben anbern nad), bie fidf fdjon in it)r ©djidfat gefügt t>aben. onu'i läge m iß Kun er f * t 3m 9lmt$falenber für 9cieberöfterreidj), 3at)rgangl900, ift in bem ^a^itel: „©emeinbeüermaltung in Sföien", auf ©eite 259 unter bem £itel „£umanität§anftalten" and) ba§ ftcibtifdje 5lft)l= unb 2Serffjau§ angeführt. 3m 2lrmen= bepartement be§ Siener 9ftagiftrat§ toerben befonber§ Öartnäcfige 9lrme, bie fid) abfolut nidjt abtoeifen taffen tooEen, fcEftiefclid) bod) burd) ein 3aubertoort beftimmt, auf eine Unterftübung gu beugtet) tert. (£§ lautet: „Sßemt 58 ©rofjftabtsSofuntetttc 33b. 11. S)o§ golbette SBienet $crj. S’ net gtci flauen, baff S’ toeiterlommen, fo taff* ich Sie bern SBerfhauS überftellen!" ©aS toirft in ber Siegel, ©er hartnäcfigfte 2lrme, ber bie Jmax (Bulben Unterftü|ung tote ber hungrige einen SBiffetj^QsSröt braucht, fd^teicfjt bon bannen, deiner toiU eS brobogieren, bafe bie ©roljung mit ber Humanität gerabe an ihm erfüllt toerbe. 9ftit ber Humanität br olfen . . . baS flingt toiber= ffiruchSboll. ©ie Humanität, bie SftenfchlicPeit, fie hat ®uteS, (üsbleS, (Erhabenes gum Inhalt, itto SSefen ift SRitemhftnben mit ben Seiben ber STlenjtfj^eit, if»r 3iel ift £>ilfe. Slnbrohen fann man aber nur 23öfeS, Schlechtes, SßibertoärtigeS, £eib, (Staben, «Strafe, $erfilfe. ©er Inhalt eines ber beiben begriffe muh alfo nottoenbig berfdjoben, auS* getoechfelt toerben. ©nttoeber ©rohmtg ober Humanität... eines bon beiben. 2öet hat reifjt? ©er SlmtSMenber, ber baS 2lft)l= unb üE&erfijauS unter bie ^mmanitätS* anftalten ber Stabt Jöien einreiht, ober ber Strmenbeamte, ber mit ber Slbgabe an biefe 2lnfialt brot)t, unb ber 2lrme, ber biefe ©rohung berfteljt, fie als foldje embfinbet unb lieber hungrig fortgeht, ehe er fitfj ber Humanität ber Stabt 2Bien ausliefert? # * * ©a namentlich in folgen ©ingen probieren über Stubieren geht, ftanb ich am ^a*9 c n beS Hftontag bor bem mächtigem (Gittertor X. Simmeringerftrahe Sto. 2, über bem ein ftäbtifcheS Söabben unb ein Schitb mit ber Snfdjrift: /r 2lft)unb SöerthauS ber Stabt 28ien" am gebracht ift. 0lme ^ en ftfmbenben Ueberrocf toar ich ein toenig auSgefroren, unb atS ich eine halbe Minute fpäter in bem Pförtner* ober Slufnahmegimmer ftanb, mochte ich auf bß n ftäbtifchen ©iener, ber mich empfing, ben jämmerlichen ©inbrucf gemacht haben, ben ich machen 3irei £age SBetffjauSarbeiter. 59 moEte, um [per aufgenommen p merben. Sn ber marnt= gebeuten, iangleiattigengtube faß noch ein Söac^mann. „2Ba§ moE’n ^ fragte mp ber 2(mt£biener, npt gerabe upöflp, al§ 2(ntmort auf meinen ©ruß. „Sn§ 2öerffjau§", gab p prüd „$ab’n ©’ an 2lu§mei§?" S(f) langte in bte £ape nach ben ^aßieren. S)a§ Jpeimatäbofument befielt er prüd „Sßar’n ©’ ftp’ amal prin?" „iftein." „<©ie miffen, ma§ ’§ ba gibt? «Sie muffen ©adln ßicfen geg’n $oft unb Ouartier, ©elb frieg’n ©’ fan§ — gtoa £ag’ müffen ©’ prin bleib’n." ©r mar aufgeftanben, unb ope eine Slntmort abp* märten, fagte er: „kommen ©’ mit." 2ßir gingen guer burdj ben §of p einem feaug* eingang, über bem ba§ 2ßort 23abpu§ p lefen ift. ©r geleitete mp bi§ über bie ©dpeile, rief: „Slguamadp!" unb berfdpanb burdj eine peite £ür in ba£ Snnere be£ £>aufe§. V 5)er „Sabmapier" mar halb pr ©teile. „2öia pßen ©’ bemt?" — „36. 36." _ ©r friplte ben tarnen auf einen Reitel unb gab mir bie Söeifung: „Slugptg’n!" 9?achbem er £>emb unb ^ofe genau unterfucfjt unb ope — Slnftanb mir mieber gegeben ptte, mpte p unter bie SDoutp, bie int iftebenraum angebracht finb. (Einige Minuten fpter ptte p gebabet. „$>a pb’n ©’ bte £>au3montur." SDamit legte mir ber ©raufoßf ein $entb unb eine gmilcpofe auf einen haften. SÖäpenb xd) mp mit einem 60 ©rof;ftabt=So!umente $8b. 11. 2)a§ golbette 2Biener £erj. Seintuch aBfrocfrtetc, tarn ein SChmarrn bon ©tenbSgeftalten — meift funge Seute — auS bem Innern beS ®ebäube§ in ben Vaberaum. „3iag’n S’ g’fdjtoutb an unb fe^en S’ 3h na 51 t S^nem ®’manb," mahnte ber „VabmafChler", ber inte fo biete in biefent nüchternen §aufe einft beffere Sage gefefjen hatte. ©r mar, mie mir fbäter ein ©lenbSfamerab erzählte, einft ein großer SBiener Veftaurateur. 3 e|t gehört erzürn feften Veftanb beS 3Berf^aufe§ — er ift chargierter .ÖauSarbetter. * 'fi S)ie „StuSgeher" maren batb abgefertigt, ©in 2 tuffeher berlaS ihre tarnen unb bann brüctte fid) einer nach bem anbern. StuSgang haben bie ftänbigen S3ert= hausier feben (Sonntag, unb bann fömten fie noch an einem SSoctjentag fortgehen — auf 2CrbeitSfuc£je. fielen ift e£ ernft bamit. Sie motten los, aber ihr unerfcitter* ticheS Schicffal treibt fie immer mieber gurüCt in baS öbe ®ebäube, in beffen innerem altes nadh Karbol unb $leifter riecht, in bem Sag für Sag bei gleicher raftlofer Arbeit unb bei gleich fChmater unb elenber $oft borübergieht. S)ie StuSgefjtage finb bie einzige StbmechSIung in biefem trüben büfteren S)afein — für bie, bie e§ ernft meinen mit bem SlrbeitSfudtjen, finb fie bie StbmechStung neuer ©nttäufcfjungen. Smnter muttofer fehren fie fyim. Jpunbertmat hörte ich ba£ Ütagelieb in alten Variationen ♦ Hommt ein 28erfhäuSter mohin um einen ^ta| unb gefällt er bem ©hef, gefallen feine 3 e ugniffe, in bem Vcoment ift alteg gerftört, mo er bem ©f)ßf fagcn muh, bah er gegenmärtig im 2Serfhau£ logiert. „VkrfhauS unb 3uofe gu berfieren, bie für meinen Umfang niefet bemeffen toar unb obenbrein nur einen $nofef f)atte. Scfe ntufe toirfliefe toie ein Häuflein ttngtücf bafeergelaufen fein. 9tur ein ©efüfef befeerrfefete micfe: „(So, je^t bift bu eine Kummer. 9ticfet§ unterfdjeibet bidj üon ben attberen. 2)er 2luf jefeer ift beitt öerr nnb ©ebieter." 3 um Sfeintifieren featte idfe aber feine 3^it. Scfeon ftanb icfe im übtagagin üor bem Scfereibtifd) be§ DberauffefeerS, ber rnidj um ben tarnen unb barum fragte, ob icfe ba£ erftemaf im 2ßerffeau§ fei. ®ann gab er mir einen Saib 93rot unb einen (Stofe braunes ftarffaferigeS ^acf^ct^ier, ba£ für ba§ „Sadlfeiden" bereite gugefdjnitten toar. Sofumente Sb. 11. 2)a§ golbene Söiencr $crj. bad legte, teilte Kleiber toarf iä) auf bie 23anf. ©inen Moment berfdjnaufte id£), bagg^fal) iä) midi) ein menig um. Sei) muffte ja meine ^mme^ltbeit lernen. DJteine jftadjbam nnb meine beiben Gegenüber fdfjienen ineiter feine 9Zotig bon mir gu nehmen. £0?it erftaunlidjer Ringer* fertigfeit flehten fie bie Säde gu . . . fo fdfnell einige, bajf man ifinen gar uidjt folgen fomtte. 2)ie S ad) dritte muffte man guerft fünfzig um fünfzig mit einem ©latttjolg fo augftreifen, baff ein fdfjmaler ©ummierftreifer Oorftelft. Sttefe (Streifen inerben bann auf einmal mit ^Heifter beftridjen, nnb bann inirb bag iölatt nadf ber Sdljnittform gufammengefaltet, ber befleifterte Streifen inirb umgebogen nnb aufgebrüdt. So fleiftert, faltet nnb flebt man feinen £aufenber herunter. §at man ein ^äddjen beifammen, bann rauft man bie Ifalbfertigen Säde an ber Mebeftelle feft aug* ftreifen — lieber mit beut §olg —, nnb ift bie gange Partie einmal gefleht, bann müffen bie Säde nnr itodj gefdfjloffen toerben — eine Arbeit, bie flinfer Oon ber §anb geilt, lieber anflegen, fleiftern, nmbiegen, fleben nnb augftreifen, bann in $ünfgiger^ädeu auflegen, nactjfctjauen, ob mdft Säde aneinanberfleben, einen 3 e ttel mit betn tarnen anbriugen, unb bie gange $unft ift fertig, ©in eintönigeg ©inerlei, bei bem ber SDtenfdf) gur raftlog fortarbeitenben Sftafdfine ioirb. * Seljrgeit! oerfu^te mid) fofort auf eigene gäbe gu ftellen unb olfne frembe ipilfe ben unberührten “pabierftoff Oor mir auf bem £ifd) fo augeinanberguftreifen unb aufgulegen, ioie eg bie anberen taten, ©g ging nidfjt. „£>ol’n S’ Shuö a £>olg Dom 9luffef)er," riet mir ein 9tad)bar. Sd) ging alfo gunt ^tuffe^er um ein ©lätttjolg. „San S’ bag erftemal h^in?" 3iuei üXage 9öetH;au§arbeiter. 63 di Begleite^Ia| unb ftreifte mir baS Rapier auS. „Sefm S'-,%tS müaffen ©’ a jo madjen," babei erläuterte er mir bie ^anbgriffe. 3 d) falj aufmerffam 31 t. 911S er mit bem 9luSftreifen fertig mar, beftrid) er mit bem falben Jtet)rbefen, ber als StleifterpinfeX bient, bie oberfte Sage unb flebte mir einen Sad t 0 or. ©ann nutzte id) fleben, babei blieb er fteljeu, lefjrte mid) itodj einen £mubgriff unb men bete fiel) 3 um @el)ett. 3 um 9lbfd)ieb Bärte er mid) uod) auf: ,,©rei ©ag ^ab’n S’ Üeljrgeit, ba müaffen ©’ nur tanfenb matten, bann gtoa^ tauferib." ©antit ging er. Sd) mar abgeridjtet. * * (5ben als irf; mid) mit ber nötigen ^Begeiferung an bie Arbeit matten moEte, rief mir mein linfeS ©egem über — ein Eßann in bert SSiergig, ber dritten trug unb etma fo auSfalj mie ein $leinmeifter — gu: „£>olen ©’ %t)na a Suffen! (5S iS no ane ba!" Unter meinem ^IrbeitSfiab [tauben brei £>äferln auS ©on, fcfjmierig, ungemafdfen. ©ie Speiferefte Bebten nod) baran. ©er $oben mar mit einer Beifterartigen Sd)i(ft überzogen, „üftefmen Sie 'S nur!" ermutigte mid) baS freunblidje (Gegenüber, ©abei mifdjte er fid) mit bem blauen Sdjurg, ben er Oorgebunben fatte, Oon feinem 23oEbart bie Sufbentrenger ab. ©ie SöriEe batte er ieft auf bie ©tirn geftfoben. (5r tat fo oäterlid) mit mir. Sd) folgte, fudjte baS OerfättniSmäftig reinfte ^päferl Oon ben breien anS unb ging anS $rüfftüatte nach bem SElarfd) unb 33ab efrlitfen junger. ^ei ber SSafferleitungSmufif ei übertrat i(f gum erftenmal bie ftrengen -SpauSgefefe. ©S fteb)t bort, baf bei fofortiger Strafe baS Peinigen ber ©efdjirre bei ber 28afferteitung Oerboten ift, 2öo foEte id) fonft baS 64 ©tojjftabt=S)ofumente 23b. 11. S)al ßolbetie SBicncr £etg. Jpäfert reinigen? 3 ur 9ö)t Braute idj bie ©peiferefte ineg, beren Slnblid: aEein genügennod) ging id) um ba£ $rütjftüdf. Stuf bem Sßege baljin rebete icf) mir ein, bafj e§ bodf) ein efjrlidjer junger toar. Scfj mufjte burcf) ben ©inferfaat. SSieber hier £ifdt)täng§reiljen, gu beiben ©eiten 23änfe uttb auf biefen fleißige äftenfdjen faft alter StlterSftufen Don 14 bi§ 50 Sauren. $mifdjen je gtoei STifd^en finb eiferne 3iunbfäuten als SDadtjträger aufgefteEt, an ben ©äuten finb JHeibertjafen, unb an biefen Kjängt bie Toilette ber 2Öerftjäu§ter. StEeS gie^t an mir öorüber: bie ^afnerftöfte, bie EEenfdtjen, bie jungen unb alten, bie inteEigenten unb bie elenbSblöben, bie (Valerie alter — Kleiber. ®a ftefje idt) fdtjon bor bem Reffet, fe^e mein £>äferl an ben 3ianb unb befomme non einem Sftäbdjen anberttjalb (Schöpflöffel eines biefen graubraunen ®emenge§ ein* gegoffen. ®amit ging id} in ben $meierfaal §urüd unb überlegte, ma§ baS moljt fein mochte, 3 df) tipte auf eine (Hnbrenm jupbe, magte e£ aber uicfjt beftimmt §u behaupten. ®a» ©emenge rod} nad) ^leifter, ober Ijatte fiier mar e£ anberS. 3 d) fjatte menigftenS ba* malS nodj feinen Söffet befommen. ©dtjon moEte idt) baS als SBormanb nehmen, um auf baS menig anregenbe $rütjftüd gu bergidtjten, ba mifibeutete aber ber näterlidje Stamerab gegenüber meine EEiene, unb er bot mir feinen groei Sage SBettljauSar&eiter. 65 ööffet an. £>er Sitte mar ein reinlicher TOenfcfj. Stuf bem Söffet lag eine bereite Oert)ärtete Trufte feiner eigenen testen ÜIEahlgeiten. -^fönahm atfo feinen Safcpenf eitet unb fragte bie Ueberbteibfel ab, fo gut e§ ging. SDann reifte er mir ben Söffet. Sinn frih, SSoget, ober ftirb! Sct§ golbene Sffiieuev .pevj. ab brütete icf) Stäche unb mürbe in meinem Urteil bor= listiger, Solche Stcitfel bjatte mir noch feine Köchin aufgegeben. ^ * ^ * * „SBenn gute Sieben fie begleiten, bann fließt bie Slrbeit munter fort." Scf)iEer hat recht. Sie Arbeit mar halb im ®ang unb ebenfo bie Unterhaltung. „(San©’ mit’n Sambffchtff fommen?" fragte mich ber äSlaufchurg. „SJtit’n ,S)ambffc£)iff‘- 28 a£ meinen ©’ bamit?" gab icf) bunumehrtict) gurücf. Ser anbere lachte, unb bas> Sachen mirfte anftecfenb. SlEe lasten. Ser blonbe Stetiger neben mir, bem ba£ ©chicffal eine aniiegenbe, ungeflicfte 2Serfhaus?höfe befrfjieben fjatte, mein Gegenüber gur Siechten, ber bisher faurn Oon mir Stotis genommen hatte, unb auch ber anbere Machbar, ber SSlaufchurj lachte. Siefer hotte etmcts (£jotifche£ an ficfj; ein rote£ Such als? Leibgurt. „Sa§ ,Sambffchiff‘ tft ber ©chubtoag’n. ©an ©’ boit ber Sßolisei guag’fteEt morb’n?" „Stein. Sch bin freimiEig h er ^ia’gangen." „$reimillig?" (£r fchüttelte mitleibig fein Mein 5 meifterhaupt, fo als ob er jagen tooEte: Slrmer Teufel, maä mufj bir aHe§ g’fcbjehn fein, bi§ bu fo meit fommen bift. hat’§ mir einer ang’raten," log ich ih m bor, unb ironifcf) fügte ich noch ht»sa: „21 guater $reunb!" Sa fuhr er auf; „Sen guaten $reunb fpucfen ©’ in§ ©’ficht, ber Sh^a bö£ g’raten hat. Sa h^in fau ©’ Oertur’n. SSann m’r h^in no fo fleißig fan, braunen ha|en f’ un£ bo ^ülcher . . ." (£r bergroEte aEmälig, fchlucfte bie SÖorte unb brummte fchiiefjlich noch einige^ iu ben 23art, ba§ ich nicht berftehen fonnte. ^löblich gemann er mieber bie Stimme; „. . . Unb ba muab man ejfjarte no a Seaner uvr.-m ■i r groei Sage SBerlfjaugarbeiter. 67 fein, baff m’r bö Wohltat but." lieber baäfelbe ©fnel, ba§ langfame $8ergrollen feinet Unmuts, bie Selbft* er bitter: „Sllfer ftäbtifdje gefbrädhe, unb Arbeiter . . . mir fümteirftolg fein anf unfern ©barafterl" £>amt nahm er einige 3igurrenftummel au§ bem (Saauf fein, unb Dur fünfe bürfen S’ net ba§ §auS Derlaffen. 35a i§’ fermer, a Slrbeit g’frieg’n. 21 SDlenfdh, ber fi net frei bemeg’n bärf, iS ftfjo oerlur’n!" 3e^t mürbe and} fein gmeiter 9tadjbar lebenbig. (Sr lachte mit feinem flabifdjen ®efid)t breit gu mir herüber. So ftart mar in mir bie (Srnpfinburtg, baß er ein £fd)ed)e fei, bafe id) jeßt, ba er gu fpredjeu begann, gang erftaunt mar, ifjn im unberfälfdjten (Srbberger 3)ialett fagen gu f)ören: „3 f)ab’ mei 2luffid)t batb aberg’riffen." „2öie lange Ijaben Sie’S benn?" (Sr ftredtte ben $eigeftnger ber regten £>anb in bie £ölje. „(Sin 3aljr?" (Sr nidte. „UnbSie?" 3>amit menbete id) mid) an ben,8meiten... ,,3d) l)ab’ brei 3al)r’," fagte er trüben £one£. 3>ann Derfiel er in fd)limme§ Selbftgrübeln. £>ie unb ba entfdjlübfte ein SBort bem ©el)ege feiner fdjmärglid)en 3äljne. „2SaS l)ab’n S’ g’fagt?" fragte id) einmal über baS anberemal, ba id) backte, er fßrecfje gu mir. 3toci &age 3Berlf)au§arbeitet. 69 „21, rti i haß t g’fagt ju S^tta/' plapte er geärgert herauf — „i ß,aß’ m’r nur felßer a 2lnttoort geß’n," ßeenbete er freunbti^Ä „G§ berfolgt an’ manches. 2Bo toar’n benn ©ie guTe|f^ „Sn ber 9fofjau." „©ag’n ©’ m’r, e^iftiert no baS Gafe 33ofd^ ? ,y , üöofdh? 23ofch?" „Sn ber ^orgetlangaffen, am (Sc! ßon ber SBerggaffn." „3)aS in bem einftöctigen JpauS?" „Sa." „£>, ba£ iS |cf)on lang bentoliert, fdhon etliche Sahr’." „2)a ßin i häufig ^tn’fommen in bie ©ießjiger^Safjr. GS i§ bort ftarf g’fpielt tootb’n." „2ln ber ©teile fteljt fyut ein grofteS, mobenteS $affeef)auS," Harte iä) ihn toeiter auf unb badete baßei, toie lange ber arme Teufel tooht fchon bie Freiheit ent* ßefjren muf;. 9cicf)t biel fpäter fagte er mir, bah er brei Safite in ©tein gefeffert fei. 2ludh erf)oß er feinen ÜBiber* fprudh, atS idt) am 2!ßenb fo gefpräüHe. ©ie bebeutet in ber jepigen SapeSgeit immer einen jähen Jemperaturtoetbfel bon minbeftenS 15 ®rab. ©agu fommt mp ba 3 ßmtfleiben unb ba 3 bei ben 2 Serfbau 3 arbeitem graffierenbe ©arm* letben — ber SSerfbauSfatarp toie er im Slttgemeinen .^ranfenbauS b e *P — ba§ eine ftärfere $requeng ber Slborte gur $olge bat ... fo gelangt man gu einer (Summe 3roei Sage $ßet!f)au§arbeiter. 71 bon (Gefahren für bie ©efunb^ett unb baS ßeben ber BkrfhauSarbeitet, bott bertett fid^ bie mohltätigen sperren im BafhauS toofjf -nffpis träumen taffen, fonft Ratten fte fchon if>reS Seeteritjettsnoegen, Abhilfe geraffen, Beit hunbert (Mben ginge eS. (So atfo ift ber ,,9tauchfalon /; ber SSerffjäuSter befcfjaffen, ber Bauihfalon, bie (SrhotungSftätte. föier geben fid) bie $reunbe Benbe^bouS, nm nngeftört bon ben 9tuffef)ern einige Ginnten $rei£)eitStuft atmen §n fönnen: bie $reif)eitsluft ber offenen StBorte. Sennodj ge^t jeber gern bortf)in — eben toeit er fictj ohne Stuffidjt toeifj nnb meit er bort raudjen fann. Sn ber Borhalle ftefjt häufig ein Btochmann. Sem meinen auch bie SßerfhauSler gern au§. Sarurn ift bie Borhalte nur beträfet, toenn ber SSachmann fid) im Snnem beS ®ebäubeS auffjält. Sann rauben bie StrBeiter fjier, mo fte nicht fo unmittelbar bie SCnnehmtidjfeiten beS Stuf- enthatteS gn fpüren befommen. * * Sa hüben fict) bann ©rufrpen. Sieben ftiegen hinüber, rotje Sdjerge merben gemacht, Abenteuer unb (Srtebniffe toerben ergäbt, unb fjier mirb and) bie liebe Sugenb unterrichtet, bie ber bätertidie Btogiftrat im SöerffjauS unterbringt, bamit fie etioaS SrbentlicheS lernen fotten. £>ier ift auch ber atterbingS toenig angenehme $ßlafe beS Beobachters. Bon jebem fann er SntereffanteS hören. Sa gleich ein junger Burfd) bon ettna Stoangig Saferen. (Sr erzählt gerabe feine (Mebntffe bont Sonntag unb ftagt, bafj er fchon loieber fein ®etb hat. „Sö paar ^igarett’n fan ’S Sinnige, ü>aS m’r blieben iS. 60 fr. feab i tteberberbienft g’ntadji borige SBocfe'n. 2C 3toangiger iS’ fürs Sfeeater aufgangen . . 72 ©rofjftabk&ofumente Sb. 11. S5a§ golbene SBtcner §crj. 2öa£ für a Sweater?" merfe idj ein. „3nS £peater an ber SBien bIrusjRacpmittagS gangen.'' „Söar’S ftpön?" „3 gep’ ja jeben ©unntag ..." * * * £>ie ©cpliefjung ber Sranntmeinfcpänfen am ©onntag toirb Don ben ©djanfbefipern unter anberem aucp mit bem Argument Mampft, bap fie meinen, e§ fann fiep jeber |a fcpon am Vortage ben Sranntmein faufen unb ipn bann gu §aufe trinfen. ©ie erblicfen barin in ifjrer Hftenfcpenfreunblicpfeit eine ©efapr für bie Familien ber Sranntmeinfäufer unb meinen, bap e§ uicpt meniger Sranntmeintrinfer geben toerbe, menn fie bie Suben geftploffen paben. ©ie bergeffen babei mit 2lbfier UeBerberbienft ift jene (Sinricfjtung im 2ßerf= f)aug, burdj bie laut £>augorbnung bem SlrBeiter ®e= legenfjeit geboten fein fott, fidj „audj bie SJiittel gu fcf)affen, nadf) freier Söaljl einer SSefdfjäftigung mieber nadjgeljen gu fönnen". SBie eg bamit in 2öirflid£)feit Bef cf) affen ift, Inerben mir gleidf) fefjen. ®er Sluffefjer ruft in ben Saal: UeBerberbienft! Sofort bringen etma gmangig SlrBeiter bon ifjren $ßlä|en unb laufen bem Sluggang gu. ©ie tneitaug üBermiegenbe 74 ©rojjftabkSofumente 53b. 11. £)a§ golbene SBicner .$erj. Eftebrgabt bteibt fifcen. ©ntmeber finb fie rti(f}t fo ftinf ober bartf ber guten, fräftigen SlQ$_*nicfjt fo auSbauernb, um etma§ über if)r Sßenfum fe^%ubrtngcn, ober aber e§ ift ihnen fEjon aEe£ eiu§, fie ber§ic$»ten auf bie f>aar touger Ueberöerbienft, miffen fie boct), baft ba§ nidjjt ba§ geeignete Mittel ift, fie au§ ihrer Sage gu befreien, $ür ba§ bobb^te sieben bon 1000 ^abierfäEen mirb adft ®reuger begabt. 2000 ^Sabierfäcfe ift fein ^enfnm; mie biet fann er notf) baritber berbienen? ©§ gibt einige unter ben paar bunbert 3Berff)au§arbeiterit, bie im ©taube finb, im Oag 5000 bi§ 6000 fertiggubringen. 5tucb biefe nicht gteidbmäfjig Oag für Xag. (£§ fontmen Xage ber Stbfpannung, mo fie nur 3000 fertigbringen. Ocebmett mir aber einen burcbfEfnittticben Ueberberbienft bon 3000 im $>abr an, fo finb ba§ täglich 24 fr. ober in fec£)§ Xagen 1 ft. 44 fr. 2tm ©onntag f\at er bann 3fu§gang. (£r fann ben gangen Xag bi§ 7 Hfir 2Xbenb§ megbteiben. Out er cS, bann ift fein Ueberberbienft beim teufet. 1 ft. 44 fr. ift eine fo geringe ©umme, baft er garnübt meifj, mo er anfangen nnb mo er aufbören fotl mit bem (Mbau§geben. ©oE er bamit feinen junger ftitCen, foE er ficf) ein befdfeibeneä Vergnügen bamit erfaufen, ober foE er bamit feine geringen SBebürfniffe mötjrenb ber Sßocbe beeten, fidf etma§ Xabaf faufen? Ober foE er bamit fict) 2öäfE)e nnb Reibung fd^affen, fiE) ein Ouartier aufnet)men nnb bamit ein neueg Seben beginnen? Ober foE er bamit auf bie 2trbeit§fudt)e geben? Oie meiften bertebüeni mobt bie baar ^reuger nnb fommen bann 2lbenb§ ebenfo arm tym, mie fie am lebten ©onntag beimgefommen finb. Oa§ ift nur natürlich. 9D7it ben paar Beugern fann er fidf überbauet nichts faufen, atg böEjfteng ein befcbeibeneg Vergnügen neben ber Sättigung feine§ Sftageng. 'Oer eine ein ObeaterbiEet, ber anbere einen 5Sranntmeinraufd) . , . $eber tttub 3roet £ctge ©erftjauSatbeiter. 75 feinet: 2lrt. fehlen bie Veräußerungen, öafj er burtf) ben Heberberbienft ficü je befreien könnte. Set Heb er= berbienft müh'fe jp?4 er f ß ^ n ' Slrbeitgfraft bürfte atfo mit hülfe ber Vkrfhausteitung nicf)t fo auSgebeutet merben, e§> müßten burct) nahrhaftere, beffere unb reib^Iitfjere^oft bie2Berfhau§arbeiter Ieiftung§fähiger gemacht merben, unb e§ mü^te enbticf) — unb ba§ mirb für $omunatbeamte mahl ba§ ©chmierigfte fein, bie ©fueu bom SBeigen gcfcfjieben merben, e§> mühte inbiöi= bualifiert, mit ber (Schablone gebroden merben — e§ müfete bort, mo e§ noch möglich ift, bie motalifche $taft, ba§ äftenfcfjbemuhtfein gemecft ober gehoben merben — bann, aber erft bann märe e§ möglich, bah für fo manchen, ber heute in§ 2ßetfhau§ geht, um babon bauernb nicht mieber loSgufommen, ba§ 2ßerfhau§ mitflicE) eine Hebergangßtufe bon beretenbetem gu befferem Sieben Werbe. 2Sie e§ hente ift, fann babon feine Vebe fein. Sie (Singelnen müßten fich menigfteng einen Seil ihre§ möchentlichen Ueberberbienfte§ fparen, bamit fie bieleicht nach gmangig Wochen Hebergang§geit einige ©ulben gufammenbringen, mit beren ^>ilfe fie fich braunen eine SBohnung nehmen unb menigften§ gmei Wochen notbiirftig leben fönnten. Vielleicht, aber freilich nur bieHei(f)t gelingt e§ ihnen bann, anbete Vefchäftigung gu ftnben. Sabei muhte ihnen bie ftäbtifche 2lrbeit§= bermittlung merftätig beiftehen. Sah fich über ein fcfjlechtgenährter Sftenfch nach menigften§ fiebgigftünbiger 2Bor £ageS:penfum fertigbringen. ®ie Mehrheit berer alfo, bie Ueberberbienft machen, fann mit biefem Spittel nie loSfommen. ©S finb höauSorbnung baS SöerfhauS als eine Slrmenanftalt begegnet, in ber arbeitsfähigen Strmen (Gelegenheit geboten ift, fid) „auch bie SRittef gu fcfjaffen, nach freier 3ßahl einer Vefchäftigung toieber nachgehen gu fönnen. * Vom Snbitiibualifieren, bom ©rubbieren ber Arbeiter, bom Slbfonbern eingelner toar borhin bie Vebe. ©e'hen toir gunächft gu, toie eS ift, nnb toir toerben fehen, toie nottoenbig eine foldje ©cheibung toäre. ®a fifct ber Neuling im Verbrechen neben bem „in ©h ren " ergrauten 3ud)thäuSler, bort ift ein burdj toibrigeS ©efdjid hergebrachter Vtenfch, ber freitoillig biefe 3roei Xage 3Berff)au§arbeiter. 77 gaftliche «Stätte auffutfjte, ber Vachbar be§ alten ©etüo^n^eit§f ; äufer|, bort üerbrüberi fic^ bag magiftratifche ^oJnQjb, b&g in einer ober in einigen Sehren nicht gut getan §at, mit bem alten „^oligeü auffichtler", ber nun ber Sehrer beg jungen mirb — überall grelle Jfontrafte auf bem ©runbton ber 9Ser= morfenheit, beg § er ab g etommenf eing, ber Otettungg* unmöglich feit. Hüffen in foldjer ©efeUfchafi nicfjt alle ebleren Regungen, bie ba unb bort nodj Oorpanben finb, bie nur getoedt §u merben brausten, gu ©runbe gehen? dRuß ber ©elegenheitgbieb, ber big Dor Oiergeljn lagert unbefctjoiten mar unb bann eine (Mbbötfe ftahl, in ber menige Sfreuger maren, ber ein (Silet ftaljl, meil ihn ohne <55i(et fror, muß ber nac£j gehntägigem Slrreft im Söerf* haug ber Vachbar eineg oertoorfenen Vurfcljen merben, ber troß feiner Sugenb fdjon fiebgefjnmal abgeftraft ift? Bftuf; ber ©ieb, ben feine Staube nod) bebrüdt, ber bie eine Stbftrafung noch alg Sd>anbe empfinbet, biefer ebleren Biegung nicht Oerluftig merben, menn fidj fein jüngerer Vadhbar förmlich bamit prahlt, bafe er fdjou fiebgefmmal beftraft ift, unb menn er mit einem gemiffen Stolg auf ben bummen Neuling f»erabfief)t, ber ficfj fo leicht fangen - liefe! SDanach fragt niemanb. * * * (£g fümmert [ich audj niemanb um ben hübfdjen oiergehneinhalbjährigeu jungen, bag magiftratifdhe Sfoftfinb. „Sep bi hm> mo $lap ig." ®ag ift bie Slnmeifung bie er befommt, unb menn bie alten (Gauner bag lebenbige Vierfachen bann in bie Sehre nehmen, fümmert fidj auch ber Bftagiftrat alg Später nic^t barum. ($r erhielt nur feiner Qeit Oon ber £>augherrm todhter, bie in Verfchmiegenpeit am Qatjlftod beg $inbel= haufeg entbinben mollte, bie Xare für bie Verpflegung r. *.« . .X * 78 ©roj3ft«t>t.'3)ofumente 23b. 11. 2)a§ golbette Söiener .fjerj. beg $inbeg unb für bie Stufnatjrne beg ®inbeg in ben ®emeinbeberbanb, übernahm fo aggen\(Mb bie Vater* pflichten, aber er erfüllt fie nber ©djabtone, bie t)eute notf) 3lfirjl für b erlaff ene Staber, morgen aber fdfjon Söerfljaug Reifet. ®er Keine Sunge, bon bem oben bie Siebe ift, fam in bie „£>ütten", mie er felbft fd)on im VerbredEjerjargon bag SBerKjaug begeidEjnet, burd) gütige Vermittlung ber ^oligei. Vidfarö mar Sefirling bei bem Väder Sllbert in ber Sofefftäbterftrafje. tEacE) feiner ©rgäfjtung gab iljn ber £>err meg, meit fein Vorgänger im ©ebädt^aufiren nad) feiner ©ntlaffung §u ben Hunben gegangen mar unb Veträge eiufaffirt Ijatte, bie ber (£. ijätte abtiefern foEen. 2>er .Sperr öerbäcf)tigte il)n unb gab i£)n meg. Etad) einiger $eit tperumbagireng tarn bag magiftratifdEje ^ofttinb mit bem „©dEjub" nadj 2üien unb ing Söertifaug. S)ort traf am Äontag ber VidEjarb einen gm eiten Seljrling beg .'gerrrt Gilbert, ben Gsbmunb 3g. ®ie beiben jungen foEten fid£) im „VaudEjfalon" gegen* feitig agnoggieren. ©ie gerieten barüber in einen 28ort= ftreit, aug bem Ijerborging, bafj mirKidf) beibe bei Stlbert maren. S)a fie barum ftritten, ob Ulbert 9tof} unb Söagen Ijabe, marfen fiel) gtoei anbere SSerKfäugler alg ©df)iebgridE)ter auf. Veibe moEen audE) bei Sllbert getoefen fein. Sd) munbere midE) barüber, bajj fo biete ehemalige Vebienftete beg 3perm Sllbert im VkrKjaug enben; ba fagt mir einer: „Sin Slnferfaal finb nod) fünfe, fedE)fe, bie aEe beim Silbert maren!“ 2ßäre eg bei biefer Häufung bon „2llbert*2öerf* ijäuglern“ nidfjt ange^eigt, bajj ber äftagiftrat alg „Vater“ beg Dtidjarb bie Verpltniffe bei bem Väder 3llbert bodf) ein menig genauer erforfdEjen mürbe, um §u erfahren, marum eigentlich bag magiftratifdEje lüoftfinb tftidjarb 3toei üage SSerfljaularbeiter. 79 nacf) ber Selfre bei Sllbert im SÖetfljaug enben mujjte? 3eber cmbere $8güer mürbe feinem 14^2 jährigen ©ofjn biefen ©ienft erm&iifiip Ü. 3cf) fjatte fcf)on etma 600 ©äcfe gefleht, al§ eine 2*emegung burd) ben ©aal ging, ber, mie id) 4)ier er* mahnen mitt, 43V 2 Steter lang unb 25 l /2 Steter breit, alfo giernlicb) geräumig ift. ®ie beiben erften 9ieif>en mürben gum ,,$raf}" gerufen. 3eber tief mit feinen brei £>äferln auf ben ©artg unb non bort burct) ben (£infer* faal in bie £raiterie, bie im 2Berfl)au§ bie 23eföftigung beforgt. £>em ©tatiftifdjen 3al)rbuct) ber ©tabt 2öien 1897 gufolge betrugen bie $erüflegung£foften für ben £ag unb ßotf 1895: 21,88 fr. (23,38 fr.), 1896: 21,52 fr. (23,02 fr.) unb 1897: 21,97 fr. (23,17 fr.). $>ie t)öfjeren eingeflammerten Biffern finb bie 93etpflegung$f offen mäljrenb ber rauheren B^t in ber bie SBerffjauSarbeiter and) ein Büütjfuüpe (bie oben gefdjilberte) befommen. 3m S)urct)fcf)nitt ber brei 3af)re fommt alfo eine 93erf>flegung§gebüt)r Oon 23,19 fr. für ben $of)f unb Stag in ber raufjeren B e ^ t)erau§. 9J7it bem betrag läfet fiel), fo fotlte man meinen, fd)on etma£ anfangen — in eigner 9iegie. 2)iefe fiat nun ba& 2öerft)au£, menn mir nid^t irrig berichtet finb, n i d) t. SDie 93erpftegung§* gebühren beim Militär betragen in 2Bien 18 fr. unb ba§ irotrelutum 7 fr. 3n ©umma alfo 25 fr. 2>afür befommen bie ©olbaten täglid) einen falben Öfter fdfmargen Kaffee ober ©ubüe am 307orgen, 22 SDefagramm 9ünbfleifd), ©ug^e unb ®emüfe mittags, unb eine ©nppe abenbS. 3cur am Freitag ift SfteljlfüeiStag. 3m 2öerf* IjauS beträgt bie (Sebütjr um 1,81 fr. meniger. SDie 3Berff)au£arbeiter befommen aber nur breimal in ber «s«)r v \ l 80 ©rof5ftabt=S)ofumente 33b. 11. 2)ct§ golbene SBiener £erg. Sßodfje „ pfeifet)", bann pdjftend nur 15 ©efagramm, aufjerbem eine etenbe $rütj* nnb 2£b|ubfubbe unb ©emüfe, an brei ©agen übertjaubt nur (Semüfe uhb eöentueK (tnöbet, unb an einem &age eine ungefatgene unb ungefdtjmatgene 9fteljtfbeife, ©er fo refuttierenbe Profit fällt bem Traiteur gu. 0b bie (toft täglich fontrotiert mirb, ob ber Ser* matter ober fonft ein Organ tägtidf) jebe (Steife foftet, miffen mir nidt)t. ®efdt)ief)t ed, bann botte Semunberung bem Staun. (Sr fjat gmeifettod eine ftarfe Statur. „Heut gibt© (tugetn für bie (Sngtänber," bereitete midfj bor bem SOtittageffen ber Staufdjurg bor. (Sr meinte bamit bie fdtjmadttjaften (tnöbet, bie und bebor* ftanben. Stacfjmittag fanb ein Handarbeiter beim 3u= fanunenfetjren einen fotdfjen .(tuöbet in btaued Rapier gemietet! ©ie Subett Ratten iljn mirftief) atd 2$urf* gefetjoß benüßt. ©a bie 9iettungdgefeftfie anbem ftaunten miS toie einen $röfu§ an. SS teilte mit meinem Reifer, bem iS übrigen^ ucup gepn Sfreuger Sopn gegeben patte. 28ir fSlürften eben bas? perrliSe ©ebreiu, als ein „2lu§geper" 311m £ifS fam unb etlUpe (Sigarreuftummel gum $auf anbot: „SSöne 2fSif — aSte um gtoa Äreuger!" ßiiftern blieften meine brei faldgcnoffen auf bie toirfliS fSöne Söare; ber lölonbe, ber SBlaufcpurg unb ber ^oligeiauffiStler. „©eb’n Sie’§ per!" fagte iS unb legte ipm ein 3epnpeller)tücf pitt. (Sr patte nidjt gurücf. (Sin palbe Stunbe fpäter, als iS längft barauf bergeffen patte, braSte er mir brei teuger fReft. ®ie Stummel patten bie brei eprfiS unter fiep geteilt, unb jeher banfte mir feparat. 3lm gmeiteu £ag gab es eine ©rie§fuppe, bie iS toenigftenS als? folSe erfannte unb pinunterbraSte, ein ^ettftüdS en mit $leifSfafem baran unb eingebrannte 6 82 ©rofjftabfeStofumente Sb. 11. SDa§ golbenc SBienet .fjerj. ©rbäbfet. Sßeht 9 ?adf)bar mar mir fefjr banfbar, als icE) ihm ba§ offerierte. ^ 4j ■''v J „SBer tauft a £emat, fünf Streüser!" ©o tarn je^t mfenb ein magerer Sunge §u nuferem £ifcb. 9tiemanb. Stf) minfte it)n 31 t mir. „Sdb tauf bir’§ nic^t ab, ba ^aft fo a baar ^reuser, aber fag mir, mar um mittft bu ba§ £>emb Oerfaufen?" „3 brau^ no fünf touger! (Heftern b a & i Ttx’r um fufgebn Üreuger ©dEjuacb fauft, bö rnuaf} i m’r jebt hemmten taffen; foft a mieber 25 bi§ 30 fr., unb i fjab nur gmang’g." Sdb fab mir fein ©djubmerf an. @r fteefte mit bloßen gilben in gerrifjenen ©ummigatofdben, bie er fidb mit einem ^aefbabierbanb urnmiefett t} Q tte, um ihnen £att 3 U geben. SDurdb fragen erfuhr ich, bafj fein 93ater ein Csinfbännerfutfcfier mar, ber burct) ein ^ufcleiben genötigt ift, beute SBageumafcber 3 U fein. (£r fann bem jungen nichts geben, unb fo ift biefer fdboit feit Suti 1898 im 2ßerfbau§. @r ift förbertidb gans herunter- gefommen. Scb b^fte ib n für 14 bi£ 15 Sabre alt. ©ein £>anbgelenf ift bas eine§ ßebnfabrigen, unb er jagt mir, bafj er fdjon 18 Sabre gäblt. SESäbrenb mir nodE) faredben, fommt fefjort mieber ein anberer mit einem SftodE. Sb« auöbreitenb, ruft er ficb fetbft ironifierenb: „5t feböner 9to(f mär 3 U bub’n. @3 fehlt nij, at£ ©Ilbögen, a fragen unb a neu’§ ©’ftelt, unb ber 9toc£ mar mieber guat!" * * Sdb ftreidbe beobaebtenb im ©aal herum, ©in um gefdE)idEter £afcbenbieb ift mein Begleiter. Jpier faielt — ba§ ©bieten ift Oerboten — eine ©rubbe ©omino. S£>ie ©teine finb au§ ^ßabbe unb bie fünfte mit £inte barauf gemalt, S£ort fcfjreibt ficb einer bie Ringer munb. 3ioei Sage 2Berf(jau§aribeit. 83 Sie Vriefauffchrift, bie id) im Vorbeigehen tefe: „©er hofe über einem iUuftrierten Sratfdjblatt gufammen. Sie müffen biefen — Genuß teuer bejahten. Sa ift einer Seihbibliothefgbefiber im äSerfhaitg. Sonntag für Sonntag bringt ber inbnftriöfe 9ttantt einige iEuftrierte Journale mit bie ihn gufammen bietfeicfit gehn strenger t'often. Siefe manbern nmt bie Söodje über bon einem gurn anbern. ^unberte lefen bie Vlötter nnb jeber muß einen Sprenger Seihgebühr gaßlen. Ser finbige 2Berf= häugler befommt feine Sluglagen gmangigfad) gurütf. Sa§ bebentenbe Grgiehunggmittet, gnte Settüre, fehlt im „SSerfhaug" gang, mie überhaupt jebe Grgiehung, Ser Ginferfaat bereinigt alte Honoratioren: einen ftorftmeiftev, einen ^oftoffigiat nnb beit Gefdjäftgführer eineg großen Sieftaurantg im I. Vegirt. Sltle brei hatten befranbiert, manberten ing Gefängnig nnb merben im 3Serthaug borangfid^ttidh folaitge bleiben, big ber Sob ober bag Verforgungghaug fie abtöft. Slußer biefen ift noch ein Varoit, ein mirftidier Varon, ber nicht Vegirfg= hauhtmatm getoorben mar, hi^ P Hanfe. Ser Senior ift bereitg elf Saßre im Hanfe. * ❖ ©g mar V 4 8 Uhr gemorbett. Sie Strbeit mar tängft fertig, mir bie Ueberberbiener fchufteten ttod). Sie gönnten fidj fannt Gffenbaufett nnb arbeiteten faft um unterbrochen bott 7 Ußr früh big halb 8 Ußr abenbg. Gitter ber Sluffeher rief in beit Saat: „Unreine! Vettgeug nnb G’toanb holen!" „2ßag bebentet bag?" fragte ich- „Sö, mag Säug g’habt hab’tt . . ." ftärte mich ber Machbar auf. Gtma gehn berließett ben Saat. Gilig — 6 * 81 ©rofcftabkSDofumente ©b. 11. 2XiS golbene SBiencr £>er. 5 . mie ioemt fte Spießrute« Tiefe«. ®leidj, barauf fam an micp bie 9teipe, ßb~s „3uatoäcp§ — ^Ifpl!" rief ber Sluffeper. 35a£ loar mein Sticptoort. „23ir gingen mit ipm in ben Sammelraum be£ 9tfpl§ unb Befamen auf bent Söege bapiu bie 33ett= antoeifung. 3m 3lfpl farm man innerhalb brei Senaten immer fieben Mächte fcplafen. ©in büfterer Saal, 2ln ben SSänben Söänfc. darauf |cf>Iafenbe unb perumpod'enbe Sleubsgeftalteu. £>ie fpäter (Sefommenen lepnten au ben Sßänben ober [tauben in (Gruppen bei-- fammen. ,'pierper folt ber SDoftor fommen, um uns? gu unterfudjen. Sine 3i9örette raucpenb, ging icp auf unb ab. ®a trat ein etma 35jäpriger ?0Rann befdjeiben unb gebrudt auf midj gu: „iföerb’n fcpon cntfcpulbigeu . . . fcpenfe« S’ m’r natpper ben Stumpf." Öd) offerierte ipm eine „£rama", bie er unter £>anfe§beseugungen annapm. Sr ift Redner unb befam bon Stemberg gebunbene $tarfiproute. 3m Söerfpauä mup er nun ba§ Sinlangen feiner S)ofumente abioarten. Sr iammert, baft er toieber einmal fo toeit ift. „?lfpl recptg, 2Berfpau§ linB!" rief ein Sluffeper in ben Saal. 3ebet fudjte einen ißlap unb entblößte ben Döerförper. ®et Slrgt beleudjtete im SSorbeigepen jebert mit einer .^erge. 3n brei Minuten patte er bie etloa 80 3ttann „unterfucpt" unb merlmürbigertoeife troß biefer „®rünblicßfeit" feinen Slnftanb gefunben. 2lud) bie ärstlicpe Shinft gept nacp 23rot. Saut Slmtäfatenber pat ber 3lrät 1200 fronen jäprlicß. Sc ift, toie mir ein 2öerf pausier fagte, fein Slnftalföarat, fonbern ein „$reipeit§= boftor", ba§ peifp, er pat auperpalb berStiiftalt feine ^ßrajiä. Sine Sßiertelftunbe fpäter toar icp im Scplaffaal. üütteine 9lntoeifung lautete; Saal 1, Seit 3. S§ ftnb 3t»et Sage SBert'fjauSarfeeit. 85 fjunberf in öem Saale. Die betten jtttb rein. (rifen- betten, harter Strobfad, Seintudj, gartet ^olfter, boppefter lotsen, bas? ift bie BuSftattung. £>art, aber gut, toeitaug ba§ Befte tut gdit|gü föaufe unb beffer aB im für Dbböcfjlofe. Die Sdjtaffate ftnb in «Seitenbauten im erften Stod. Sir fbradjen über bie Befdfaffertbcit ber betten, ba fagte einer giemtid) gutreffenb: „Da§ Obere (bie Sdjtaffäte) fagt: S mö(f)t! — ba§ Untere: S fann net!" Bad) ftunbenlangem Balgen auf bem £ager fSIief auS id) ber erfe^nten 2tbfdjieb£ftunbe entgegen. (B mgr eine fd)Ied)te Badjt! Der Bbfdjieb tourbe mir nidjt attgu fdjtuer gemadji. 3Rit .£ilfe ber paar $reuger, bie \d) bon bem borfid)B ; toeife toegen ber ebentuelten Kontrolle in alten Süden berftedten ^teingetb nodj übrig Ijatte, fanb idj einen Reifer, ber mit mir Bis 11 lUjr bormittag§ ben £aufenber herunter arbeitete. Beim Badeort machte mir ber &err Berinatter burd) eine gnäbige .^anbbemegung funb, bafi meine Bitte, itadj bem ^enfum Io§ge^eu gu bürfett, erfüllt fei. Bad) fjatb 1 Ubr bertiejs id) meinen $tab, nad)bent icb borljer im Saate bor adelt Ü6rigen rnicfj umgefleibet batte. 3Mne $reunbe am DifS, bie meinen ßeben^mut im Stillen bemunbent mochten, berforgten mid) mii Bat- fSIägen, ba ihre nttnmebrige Mahnung, id) falte niäf}t teidjtfinnig bie „Sabltat" in bie Sdjange fStagen, niSB gefrustet Ijätte. Der einjährige Buffid)tler meinte: „Sann S’ aber bo fa Ouartier friag’n, fo fommeit S’ nur fyx ins Stftjl — ba fjab’n S’ fiebeit Dag’ frei!" (£3 luar ber te|te ©ruf;! 86 QJrofsftabtsSofumente 23b. 11. 2)a§ Qolbene SBiener $erg. Im Scitficn der toten Interne ^ €in tag bei der Rettung$ge$eB§d)aft „Sie SlettungSg’fedfdbaft!" Sie Seute bleiben fiebert uttb flauen bern fchtoargett Stäbertaften nadf, ber burdf) bie (Strafe fauft. Sag buntf)f*rodenbe Sßfeiffignal ertönt faft mtau§gefe|t, unb et)’ man fid) noch recht umgebrebt, ift ber SBagen fcbon inieber aufter ©ebtoeite. ftünfäebn Sabre fdfjott ift unfer ©trabenleben um biefeg Vilb reicher, unb hoch bleiben immer nodf bie Seute auf ber ©affe ftebert, ioenn ber SRettungStoagen nabt. 'Sie rote Öaterne am oberen Staube ber Vrufttoanb be§ 2 Sagen§, bie rotbioletten Wappen ber StettungSmanner auf bem $utf ein 9ftettung§= bienft organifiert fein. ®te StettungSmänner bont ©tubem ring bdben foügjetj^Dienft. ©§ fann faum ein ru^igere§ ,£au§ geben ati^JaS gentrate ber freiwilligen 9fiettung§- gefeflfdjaft. Sn feinen Zäunten Wirb faft fein lautet Sßort gefprüdjen. 28a§ bie £edbnifer erfonnen Ijaben, $Berftänbigung§mittel ohne biet ©eräufcb gu fdjaffen, ift hier in 33erWertbung. ©in f)afb S)u^enb betriebener ©locfenfignale, bie bem immer bente'fjmbar finb, ben fie angeben, erfe|t bie ^ommanboWorte, mit benen fonft Weife gebart Wirb, dlnt fo ift e§ möglich, baf$ §Wifc^en ber telepljonifdjen Reibung unb Slufnatjme eines Um faltS unb ber 2lbfabrt be§ SöagenS feiten me^r als eine Minute berftreidjt. gehn Sterte matten ab* Wetfjfelnb bienft. 93ier bon ifjnen haben ftetS Snfpeftimi, unb einer biefet hier ift ber „füfjrer", ba£ ber 58 erantW örtliche. ©r ift ftetS in ber Mlje be§ ^eIeb^on§. Se|t ftingett’S. Sn ber naebften ©efuttbe ftfjon b a * ber Str^t bie £>örfdjale am Obr. 9ftan b)ört nur ein halbes Jetepbom gefbrädb: „DftettungSgefettfdbaft" . . . „mr . . . „©affe?" . . . „Kummer?" ... „2Ber mefbet?" V . . . „£>anfe!" . üföabrenb ber „fübrer" bie§ f^rid^t, briieft er febon auf einen $nof)f, ber eine Klingel in Bewegung fe|t, bie bie Sferjte unb Wiener berftänbigt, baff etwas loS ift. 2)er Beamte ftebt bereite beim ^agebuef). Seht gibt ber führet ba£ £>örrobr auS ber £>anb: „®r. 3k’. ... — ©egenmittetfaften — Srren* gurten — 9J?ariabitferftra§e ^irf'a 100, $8er giftung." 88 ®roj?ftabt»S>ofumente 3Jb. 11. 2>ü3 golbene SBiener 3>er auäfahrenbe Ar^t uttb bic glrjei Wiener finb auch fchon bei ber £itr braunen, unb ehe nodt) ber Beamte ein SSort gefcijrieben, roltt ber Aetfut|*3i»öygett fdfjon beim Xor hinaus, befefet mit bem Aettung&perfonäl unb au§* geftattet mit ben nötigen 9tettung§mitteln. £>er Rührer fagt bem Beamten an: „10 tUjr 25, Reibung ÜDfotyec unb Sohn, Vtariahilferftrage Ber. . . unb toenbet ftc^ fdjon einem Ambulanten 51t, ber auf ber (Station erfte ,£ilfe fudfjt. 2>er Veamte trägt nun in fein Vudh ein: „$ß. 0?., 7625, 10 llljr 25 melbeit Vtoher unb Sohn, SAariahilferftrafje Ar. . . ., bic Vergiftung eines anf^etnenb 3rr finnigen, SRariahilferftrafje jirfa Ar. 100. Arjt: 3>r. $ . . .; Wiener: ty. 3." 2>er Beamte ^at biefe haar feiten nod) nid£)t ge* fcfjrieben, unb ber AettungStoagen ift genug fefjoit beim Sdfjtoargenbergblah, benn faum gehn bis gtoölf Spinnten nad) ber teleghonifchen Reibung ift ber 2Öagett fdfon bor bem öaufe Ar. 100 ber 9AariahiIferftrafse unb berabreicht ber Argt bem Vergifteten aud£) fdjon bic entfgredjenben (Gegenmittel, bic er im „(GegenmitteDfaften" mitfiiijrt. ^ngitnfchen arbeitet bie „Ambulanz". ©in ©ruderei* Hilfsarbeiter erfdjeint mit einer £>auttabbeuibunbe auf ber rechten ^anb, bie er ntit einem fchmierigen, blutgetränkten £udj umtoicfelt hat. ©in gineiter SnfgeftionSargt unb ginei ber antnefenben A?ebiginer, bie gu Stubiengiuedeu auf ber Station finb, finb um i()n bemüht 2>cr 3Aanu im blauen ArbcitSfittel inirb gunäcfjft aufgeforbert, fid) in beit DgerationSfeffel 311 fefceu. ®er Seffel ift fo eingerichtet, bafj er bei 0f)nmad}t§anfätten ber $ilfefuäjeuben fofort in ein Auljebett umgetoanbelt inerbeu fattn, ohne bag ber ^ilfebebiirftige aufgufteijen brauchte. „Sehen Sie fich ! 7/ , . . fagt ber Argt. ©in ÜAcbiginer ergreift bie berlefste ,§anb unb befreit 3m 3etcf>en. bet roten Saterue. 89 fie Bott bem fdjmterigett Sud). Ser Wiener Ijat fdjoit auf bem flehten Df3erationötifcf)c^en bie ©iterfdjalen gerietet, ber Sir 3 t nimmt ,^u|^ßinem ©lag bie farBoIgetranfen iföatteBfrohfen, mt&^ter jmeite SOZebi^irter mac£)t bett Sdflaucf) beS SrrigatorS log. Sa§ alles ift baS Söert meniget Sefunben. Sie SBunbe liegt Blof$. „iföte ift Sitten baS gefcfjefjen? „Sei) Bin itt bie ifftafdjine gefommen." ©eiter fragt ber Slnt rticfjt. Ser Srregator ift in Munition. Sn bümtent Strafft riefelt ba£ StarBolmaffer auf bteSBunbe, biefe Bon ber $etü unb$3lutfcf)icf)te reinigenb, bie fie berfleBt. 'Sie Bereits gefüllte ^Blutung Beginnt mieber, bie Söunbe Bon innen ^erauS reinigenb. Sag ift nottoenbig. ©ine Minute fjtäter Beginnt ba£ JBerBinben. Sn furzen SnterBallen fagt ber Slrjt: „Äompreffe", „... form* gage (baS Söörtdjen „Sobo" mirb erfpart), Sföatte^, „Slrnt* fdjlinge". ©r fagt eS rufjig, ope Sfufregung, ope nerBöfe £>aft, ber 33erleBte prt eS faunt, unb eBenfo rufjig aBer rafd) reichen bie affiftierenben jjftebiginer unb bie Steuer baS ©emünfdjte. Sn faunt brei Minuten ift baS fRettungSmerf BollBradjt. 9?utt er ft mirb ber ©tfjüfcliitg gefragt: 3öer er fei, mo unb mte eS ifjm ge* fdjeljen? Unfer Patient ift SrucfereiarBeiter. ©r ptte feine aufjer ©ang Beftnblicije SJcafdjine gefmBt unb baBci ben Snruf beS $Zafct)inenmeiftcrg, ber bte fftöber in ©ang feBte, itBerprt. So mar er mit ber redeten fpanb in bie iö?afdf)ine geraten, unb eg mar ifjm in ber ganseu Breite ber oberen £>anbflädje bie ^jaut aufgeriffeu morbeit, fo bafj bie gfingergelenfe faft Blofjlagen. Sag alleg gieBt er rufjig au. Ser Beamte fteljt baBei unb notiert, um bie ©intraguttg Borneljmen 31 t fönneu. Ser Slrjt gieBt if)m fttrje Reifung, mag er meiter tun foll. ©ine Minute 90 ©rofeftabfeTofumente Sb. 11. 2>a§ golbette SBtener f^ater berläfjt ber FSerbunbene bie Station mit einem: 3ebelß auß* unb eingefchaltet Serben kann, toie man’ß eben braucht. (£ine kleine Fffechbüchfe reguliert bie Temperatur im Sagen. (£ß ift ein fogenannter 92atrom(£atbort=£>eig= apparat, ber, einmal in heifseß Saffer gefted't, 24 Stunben lang Särme außftrahlt. So mir fahren, bleiben Seute ftehen unb fel)en bem Sagen nach- Sn gehn Minuten halt ber 9tettungßtoagen bor bem Sübbahnhof. Ter bienfthabenbe Sadjmann toeife noch gar nicht, bafc ettoaß gefchehen ift, aber bie (Gepäckträger meifen itnß in bie Flußfahrtßhaffe. Tort rul)t auf einer Ffonk ein ^roletariertoeib. Tie Sippen finb braunrot, toie mit geflocktem Fffut umränbert- „Sie hot fiep in b’ Bungen ’ötffett," fagt ber Sach" infpektor. Tie Sanitätßbiener hoben einftloeilen bie kleine Sanitätßtafdje geöffnet, bie bei affen Flußfahrten mitgenommen toirb — fie ift fehr honblich, mäfjig im Vernicht unb enthält bod) fo giemlich offeß, toaß man fich bei Heineren Unfällen alß nötig benkeu kann: boppelteß $er= 91 3ei$ cn btt roten Saterne, battbSgeug, (Sextetten für Sörücfje, ^fjiolert mit „®egen= giften", ein fleineS Hftebifamentenfäftdfjen, eine peiteilige flehte Snftrumententafäje, eine grottierbürfte (für bie au§ bem iföaffer ©e^g^ten), einen ($§marc£)fcf)ett (Sdflaudj pnt 2lbbinben OotOlrmen unb deinen bei ^Blutungen, Ööffel, Jrhtfbecfjer, Kognaf, 9iied)falg, Kirfdflorbeer, eine ©^jrt^e für Snjeftioiten, einen goboformftäuöer, ©iä)er* f)eit§nabeln, eine Uniformfcf)eere pm Sluffdpeiben bon KleibmtgSftüden unb §tt>ei SBormerfbüdjer — in jeber (Seitentafdfje eines —, ba§ aüe§ ift in ber flehten ©anitätStafdie untergebradjt, unb jlnar fo mttergebradji, bafj.man’S auf einen blinben ®riff finbet. £>er 2lrgt öffnet ber grau, bie in e^ileptift^en Stufungen baliegt, bie Sieben. „(Sin ebilebtifdjer Stuf alt," fagt ber 2lrgt rttlfig. 0l) nc baff er e ^ nc 2lnorbnung ge 5 troffen ptte, bie ©anitatSbiener bereits bem £robfenfaften baS gläfdjdjen mit Kirfdjlorbeer entnommen unb auf einen Kaffeelöffel einige £robfen gegoffen. ®er 2lrgt nimmt mit bem ruhigen Kommanbo: „(Sin ®laS Söaffer" ben Söffet unb träufelt ber grau bie glüffigfeit in ben Hftunb. 0ie grau rebet irre, „3 Ijob ben Qug berfamt 3Öie idj ’rauffomm’, lieg’ i fdjo’ ba," ergäbt fie. ®er SBadjinfbeftor miü fie aufflären: „Sieben ©’ net, oftor reinigt bie Sippen ber grau, bie nodj immer gueft, toie toenn fie ben SßeitStang ffätte. $e|t fommt baS Raffer, €>ie 92 ®tojjftabts$5ofumente 58b. 11. 5£>a§ goTbetie SBienet ,$« 3 . feßt bag ©las an ben SOlunb, floßt eg aber gttrüdf mit ben ©orten: „$fui Teufel, bag ift Bitter!'' eie fantt jtdfj nun fdjoit auffekätt. $>ag 5Bemußtfein feiert affmäßlig ^uriicf. <3djon einfereäfin . . . ift bod) bie erfte Oiegung . . . ©itelfeit. 3ßr föaaE ift in liit* orbnung geraten, ©ie orbnet eg unb entbetft baBei beit Abgang ißreg $ammeg. „©0 ift benn mci’ ^ampl?" ©in ©acßmann ßält ißn mit ben anberen ©ffeftcn in ber £>anb. eie ftedt ftd^ bag £>aar auf, rietet fid) bag 5£ud) unb, unterftüßt bon gmei Sanitätgmännem, geßt fie ing parterre beg Söaßnßofgebäubeg. Sie mirb gur ^roiofollaufnaßme auf bie ^oligeimadjftube gebraut, mo fie fidj atlmälig erholt. Xag OKüttercßen mirb rebfelig. eie ift 63 3aßre alt unb bie grau beg ©tationgbienerg in Döbling, ben nun feine 71 3aßre aufg füranfenlager geworfen ßaben. 3ßr eo^n ift in ber vSübbaßnmerlftätte ©ien befdjäftigt, unb bem füßrtfie tägiidj bag9Ö7ittageffen bonSftöbling nadj©ien. „’g fummt ißm bo billiger alg in bie ©irtg* Raufer," erläutert fie ben ölonomifcßcn ^intergrunb ber auffallenben Xatfadje, baß fitf) ein ©iener Arbeiter bon Döbling fein 33tittageffen bringen läßt. ,,307’r foll fi ßalt nia net tummeln. $ bin fo g’rcnnt, baß i no ben $»9 ermifdEj, mein ©ott, unferart laffen bie Herren im Äonfum halb lang märten, ©ann bie ,Belferen ßeitt' lummen, bö gelj’n bor, unb a att’g Slrbeitermeib muaß märten. 3 ßab’g Sßna el) g’fagt, baß i in $ug berfam — ’S ßat aber nix g’mtfct. SDantt bin i ßalt fo g’rennt mit mein ®orb unb mia i 'nauffumm, ig aug. $ber 2lrgt fragt bie grau: ,,©ag ßabeit ©’ bemt gegeffen ßeitt?" „©effen? iftir no; mein’ Staffee in ber gruaß/' „Summen a biffel ßer," fagt ber beim ©cßreibtifdj 3cid»en bet roten £<üernc. 93 fiöertbe ©r fchreibi bie 9JMbung ber ®efelifchafi an bie Sßoligei. ÄUä^bie grau geht. „ifta, c§ geljt ftrfthon, grauberl, gXei hnrb’3 gut fein.“ "Das ift ba§ $lücf ber grau, benn fonft toäre bie üpolijjei in Verlegenheit getoejen, loo fie untergebracht ioerben foß für bie paar ©tauben ber Erholung. ®ie ©vitaler nehmen CSpifeptifer nämlich nur bann auf, toenu ber Vetreffenbe im Moment ber Uebergabe ans ©pttal einen epileptifchen 9'lnfaß befommt. ©onft tnirb er ab*, getoiefen. 2luf ber ^oü^ei hoben fie feinen anberen Staunt ^ur Unterbringung fotcher Sfranfer — al§ bie s }$ritfche im 9(rreft. Unb bie 9ftettung§gefeßfchaft felbft ift auch in ihrer heutigen (1896) gentralftation räumlich fo beengt, bafj fie fein feparate§ Sfranfengimmer ein* rieten f arm. ©either hot bie ©efeßfefjaft längft für ptöhii^e gäße gtuei $ranfengimmer eingerichtet. 2luf ber ©tation ber 9tettung§gefeßfchaften ioirb ein merfnmrbige£ Sud) geführt: ba§ „©imulantenbuch“. (£§ enthält Spanien unb 2lbreffeu aßer berer, bie fo per* elenbet finb, baft fie ihren SebenSnnterljalt baburch er* toerben, 9lttfäße Pou Crpilepfie auf ber ©trage <$u heucheln, ©ie rechnen mit bem Vtitleib ber Voritbergehenben, bie folchen armen Teufeln einige Beuger in ben §ut toerfen. Ssas? treibt ber £0tann, bis ber &tettuugstoagen in ©icht ift. £>anu läuft er baPon, ober fein „Slnfaß“ ift Porüber. mag ein ©rabmeffer für ba§ @lenb fein, bafj ettoa hunbert S'Crme gu biefem (jrloerbggtoeig in 23ien 3uflucht nahmen, um fid) burd)g öeben gu fchlagen. £raurige§ Vrot! 3Behleibigfeit unb ©imulatiou ioar auch bie S>iagnofe, bie ein anberer 5Cr§t bei einer gioeiten 9fu§* fahrt fteßen mufcte. „SJtutter unb SXinb überfahren.“ ©o hotte bie Reibung gelautet. 2)er „grofte SftettungS* 94 ®rofjftabt*2)ofumente Sb, 11. 2)a§ golbenß SSiener .fjerg. faften" tourbe mobil gemalt unb fort gittg’S. 2US ber 2ßagen Oor einer 9Jtöbelnieberlage;£ufvber 0ftariahilfer= [träfee ^ieXt, too bie „Verlebten" einfttoeilen untergebracht toorben toaren, ^arrte fcf)on eine grofee ÜJttenfchenmenge beS üommenben. £>ie Butter fi^t fchreienb auf einem Seffel in einer £abegierertoer?ftätte. ^aS $inb neben ihr auf einer Äifte. „9ta, too feljlt’S benn?" fragt ber 2lrgt. $)ie $rau, ein armes Sftaurertoeib, bie mit ihrem unehelichen $tnb in $aboriten gu Söett ift, toeift auf baS Slrmgelenf. £)er $>oftor unterfucht unb fiubet nichts, (£r brücft, unb nun embfinbet bie $rau im ©Eeubogengelenf Schm erg. ®er 2lrgt unterfudEjt bort, finbet toieber nichts, unb fo toirb ber „Schmers'' enblicf) inS £>anbgelenl berlegt. (So ioechfelt ber Sdjmerg, ohne bafe ber $rau ettoaS gebrochen ober berrenft toäre. 2)abei [chreit fie forttoährenb furct)t= bar. S>aS föiub ift heil- 3) er gange Unfall rebugiert [ich auf eine leichte Äontufion. ®er 2lrgt macht ber $tau einen „23eruhigungSOerbanb", läfet einen ©infbänner holen unb faufe. S)aS SUnb, ein lieber Söaujel, h Q t ingioifchen Kaffee bekommen unb ift glücffelig über baS „®lüct" beS Unfalls. Sn bem $all hätte eine gang anbere ÜtettungSgefellfchaft eim greifen muffen, um ber hungemben ^roletarierin gu halfen. * ;Jt „Sltferbachftrafee — Strafeengeburt!" lautet eine nächfte Reibung. Unterm §auStor 9tr. 11 finb gtoei ältere .Qigarrenarbeiterinneu um eine junge ^roletarierin bemüht. „Tragbahre!" orbnet ber Slrgt au. 2>aS Räbchen toirb auf bie SBahre gelegt, ber Qlrgt unterfucht bie Oon 9J?uttertoehen Gefallene. „®ebärflinif!" 95 Beiden bet toten Sotetne. Unb fort gef)t’§, nacfjbent eine auffjaltenbe dormalitat erfüEt ift. ©er fttaEff ttoadfrmonn teilt nämlidj 9?ame, 9tlter, ©taub unSXjSft noef) tea§ teiffett. ©er Strgt erfüEt ben SSunfcf). .^napp bor bem Biete, bem ©ot ber ©ebörftinif, fommt ba§ 9ftäb(f)en noef) im Sftettung§= teagen nieber. ©er ©ierter fommt gurn denfter. „9lu§Iaben?" „Hebamme foE fomnten." ^irte tjalbe Minute fgäter fdfjiebt fief) eine runbli(f)e drau in ben 9tettnng§teogen, um ba£ „Gfjriftfinbr in Gnipfang gu neunten, — e§ tear ber 23. ©egember. — ©a§ $inb tear aff)t)t)ftif(fj, Ieblo§, e§ atmete niE)t, unb ber 9lrgt flogfte bem fleinen SBefen mit ber flauen £>anb auf bie 33ruft unb fdjüttette e§, um e3 gum ßeben gu bringet!, ©ie Söödjnerin attjmet erteidjtert auf. ©er 9lrgt fümmert fief) niefjt um fie. Gr tjat nur 9tugen für ba£ Itinb. $teei Minuten, unb ber jiingfte Proletarier beginnt gu fc^reien, leife erft, bann immer ftärfer. Gr reftamiert gttm erftenmat fein 9tect)t gum Seben, ba§ iffm bie dreiteilige 9tettung£gefeEfcf)aft gefrfjenft tjat. äBäte ber 9K>urm nid^t gteief) in bie .'oänbe eine» ©acfjfunöigeit gefommett, fo teäre eine ©otgeburt gu bergeidjnen geteefen. ©ie Butter emfjfinbet bie§. „2Sa§ iS’ benn?" fragt fie. „Gin 93ub!" „Geb’n ©’ m’r bie £>anb, £>err ©oftor." ©ie brüEt bem fetter bie 9iecf)te unb teiE fie füffen. Gs> ift eine ungemein rütjrenbe ©gene. „9t 33ua! ©er bringt fi bo leister burdj, al§ a 9ftabel, fiif}’ b’ ^>anb, $err ©oftor, füjg’ b’ tpanb!" ©a£, Uebrige geljt rafet). 3)?utter unb Sfinb finb banf ber raffen .'QÜfe auffer Gefahr. 96 ©rofiftabt«£)ofumentc ©b. 11. S)a§ golbene SBienec §crj. Ser „^frer" fommt Dom Telefon gimid: „So oft fo ein SJöadjmanu-telefoniert, i*dß mannidjt, ioaS lö§ ift.. (Sr fdjreit ruaS hinein unF^itmtet gleich ab.“ 25 SJtinuten ff ter flingelt’S toieber: „Sdflaganfall — fianbftrajje $auf ftrafje 97r. 110." Sie SftettungSgefellfdjaft ift in 7 SKinuten auf bem piaije, „97a, brei ©üertelftunb’ braudjt’S bo uöt ju bauern." SaS ift ber ©rufe, ber ben RettungSmämtern loirb. „(SS ift eben erft telefoniert tuorben," fagt ber Slrjt. (Siner auS ber Sßenge: „üBor brei SBiertelftunb’ iS ber 23ad&mann fdjott jum Telefon!" (SS mar berfelbe, beffen Reibung ber $ü£)rer uidji Oerfteljen tonnte. Ser $alt toidett fid^ gemöfmlid) ab. £ragbaf)re — OtubolfS- fpitat—Uebergabe—3iüctfat)rt. Sine tjalbe Stunbe na cf) ber StuSfaljrt ift ber fRettungSioagen toieber in ber Station. Sennod) loirb eS Seute geben, bie meinen, baff ber 2 Bagen jnr ^infafjrt allein brei SBirtelftunben brandet. (SS ift nidjtS anbereS fdjulb, als bafj bie Söadjleute nidjt telefonieren tonnen. ®ar fo feiner ift baS bod) nid)t. So geljt’S fort, 3ebe Stunbe bringt f nbert neue (Erfahrungen. 9ttan müfcte 23änbe fdjreibcn, looltte man alles f reiben, IoaS man fieljt, prt, IoaS man erfährt unb miterlebt. 33er erfahren ioill, loie baS SSolt lebt, fied^t unb ftirbt, toer bie Seiben ber Proletarier intim ftubieren toill, ber ftubiere bie (Erfahrungen ber 9tettungS* gefetlfdjaft, benn mit Proletariern in erfter ßinie h a * biefe ^nftitution 50 tun. (Sr loirb Singe erfahren, bie er fidE) fonft nit erträumt, an bereit ©Sahfeit er gloeifelte, läfe er fie. ■ <*P . ,'j**«»*' rii' 1 ':, 1 i J K 1 i ■ s r WU mm MkäM 'Ss&'tyf.*h Ts!»# »r ^ti»»fe *1 w&äl E» $*7 ir-K'v /"V ^.-so4 .-■ UI WIENBIBLIOTHEK