s Wiens»- 8iaüt-öiblio1i»eic. i 9561 ^ Neuester wienerischer Wegweiser für Fremde und Inländer, vom Jahre »79/. D der kurze Beschreibung aller Merkwürdigkeiten Wiens. -er neuen Bearbeitung zweyte verbesserte, vermehrte Auflage, mir Kupfern. Wien, im Verlage bey I. Camesma. 1797. Preis r i fl. za kr. ungebunden. Inhalt. Erster Abschnitt. §. i Lage, Linienumkreis, Clima, Gegend Z. II. T)ieStadE - » » « Anzahl der Bastionen - - — — Thore . » « — — Platze - - - — — Gäste» - - , — — Hauser , » » — — Volksmenge - - — — Pfarrkirchen - - — — Manns» und Nonnenklöster — — Staatsdepartemente - — — LandeSgerichtSstelle» - — — Ständischen Collegien — — Magistrate » . — — Universität - - — — Gymnasien , » — — Normalschulen » - — — Trivialschulen , - — — Schauspielhäuser » Seite. . i . 6 io 10 I L »2 ov>! Inhalt. Seite. Anzahl der Fabriken - - - - is — Herrschaft, und Stadtlehnwagen — — — Landkutscher. - - - —- — — Fiacker - » - - — — — Srnstentrager - » - — — — Beleuchtung , - , - 12 — — Jahrmärkte , - - »iz Z. III. Lharakter der Wiener . - - - >4 §. rv. Beschreibung der merkwürdigen Gebäude, Cabinette, .jetzige Beschaffenheit derselben von außen und von innen. Dirk k. Burg, Ursprung derselben . r« Wunderbare Austritte darin - - 2V Die Hauptwache - - . - rr Die Leib, vnd Hausgardea - - - 2t Dar Burgthor - - - - -3 Die alle Burg - - - - 24 Der Amalienhof , » « - 24 öffentliche Audienzeu » - « . LL Dffentlicher Gottesdienst , - . 26 Galla am Neujahrstage - . 27 Drdensseste ... - » 28 §. v. Die k. k. Schatzkammer in der Bur- . 2A §. VI. öl. K. Labinett der antiken geschnittenen Steine, antiken und modernen Münzen in -er Bur- - - - 23 Inhalt, z. vil. Seite. K. K. Naturalien- und Mineralien. Ca- binett in der Bur- . - . Z. VIII. K. K. Redouteasaal in der Bur- - K. K. Reitschule in der Burg . . Z. IX. Kaiser!. Bibliothek in der Burg - - §. X. Das große k. k. Zeughaus auf der hohen Brücke » . . » Das k. k. Zeughaus auf dem Salj-rieß oder Arsenal - . » Das bürgerliche Zeughaus » . « 5 Xl. , Das k. k. Hof- National und Kärnthner- thorthearer - »» - » §. XII. Universität, öffentliche Schulen » » Akademische Künstler und Institute, das ist : k. k. Institut zur Bildung geschickter Schnllehrerinnen . » » — Realbandlungsakademie - . — Akademie der bildenden Künste - — Akademische Künstler » . — Orientalische Akademie , . — Lherrsianische Akademie - - — Taubstummen - Institut - - — Armen» Institut - - - 3 / 4 » 4 » 42 S* 58 5 - 62 64 72 7 - 73 75 «3 «4 85 S 6 / Inhalt. Das Leih, oder Versatzamt Seite. - 87 Übrige Prachtgebäude der Stadt « - 87 Lichtensteinische Bildergallcrie - - 90 Z. XIII. Merkwürdige Kirchen und Klöster - 96 St. Stephan - - » - — St. Petrr - - » - 107 Kirche zum Schotten , . - L 08 St. Michael - - - - RIO Augustiner Hofkirche - » - L»2 Kapuziner Kirche, und k. k. Gruft - "S Hofkriegskanzelley Kirche - - »»8 Dominikaner Kirche - - - »20 IlaiverfitätS Kirche . « - »2» Franziskaner Kirche - » 4 »22 Irallänische Kirche » - . — St. Anna » » » » . - St. Ruprecht - - ' » 2 Z Deutsche Ordenskirche . - — Maltheser Ordenskirche - - »24 Übrige Kirchen - - » — Kirchen der unirten und nicht unirten Griechen , » » ' I2L Dethüuser der Evangelischen und Refor. wirten » » . - — Synagoge , » . — Pfarren in der Stadt » - — Klöster in der Stadt - - - »27 Z. XIV. Merkwürdige öffentliche Denkmahle . isK Inhalt. Seile Die Säule auf dem Hof - - .128 Die Säule am Graben - - , 129 Die Säule am hoben Markt - , izo Der große Brunnbecken am nruen Markt §. XV. Commerz ------ 1Z2 Aubriken » « . - - - - — K. K. Niederläger .... K. K. Großhändler » « - » — K. K. N. D. Merkantil- und Wechselgericht 14t A. K. Börse . - - - - — K. K. Postwesen - - - » 142 §. XVI. Kaffeehäuser ... . - > 4 Z Zeitungen - - , - ' »44 K. K. Ballhau- - - - . Kafinen - -» - - 146 Wirthsbäuser -- - - . — Consumtion - - - - i 4 S §. XVII. Verschiedene andere Merkwürdigkeiten und zerstreute Nachrichten. Privat . Kunstcadineite - - - Toleranz » » - » - IL2 Frryheit - -- - ' »LZ Feverliche Tage - - - - !L 4 Einheimische Sprachen - - - 'SK Volksmenge überhaupt - . e - Inhalt. Zweyter Abschnitt. Die Vorstädte. Seite. 5. l. Anzahl der Vorstädte - * K - rz 6 — — Häuser , — — Pfarren - - - ' 158 — — Kirchen - B e — — Klöster , - - » — — — Volksmenge » - - — — -- Jahrmärkte B B , _ Z. II. Merkwürdige Kirchen und Klöster. Sr. Karl » » » » - - iL3 Mariä Heimsuchung - - B - 160 Sk. Leopold - » - - - »6i Übrige Kirchen - - » » » — Kirchhöke » - - » — MannS> und Nonnenklöster « 162 §. m. Merkwürdige Palläste, Gebäude, Gärten und Beschreibung der k. k. Bildergalle rie im Belvedere. Das k. k. Belvedere » » - * K. K. BildergaÜerie - , Fürst Schwarzenbergifche Sommerpallast 169 Fürst «avniy'sche Garren und Gebäude , — Fürst Lichreastenusche Ballast und Garren 17a Fürst Auersperattche Pallast und Garten — Der t. k. OarstaÜ vor dem Bur-thore - 171 Inhalt. Seite. K. K. Jnvalideneaserne . . .17» Die Favorite oder Ingenieurschule . .172 Emanuelische Stifthaus - - - — Caferaen - - - » » Übrige Gebäude und Gärten » - — Z. IV. Akademien, Schulen und botanischer Garten 17z Josephinische Militärakademie und Spital — Löwenburgische Akademie » . . 176^ K. K. Jngenieurakademie . . . — Gymnasien und deutsche Scholen , .177 Akademischer botanischer Garten - - — 5- V. K K. Fabriken - Porzellanfabrik . Gewrhrfabrik , Übrige Fabriken Z. VI. Krankenhäuser. Allgemeines Krankenhau- - - Der Narrenthurm » , » Siechenhäuser . - » , KraakeahauS der barmherzigen Brüder ReconvalefcentenhauS - - , Hospital der Elisabethineriunea « Hospital der Juden . - » K. K. Thierspital ... Findel» und Waisenhaus - . Z. VU. Warme und kalte Bäder . - ' 7 L »80 »8» 186 188 189 190 192 Inhalt. Seite: Z. VIII. Öffentliche Spaziergänge. Der Augarten - - - - »95 Die Brigitteaaue - . - - 198 Der Prater . . - - , — §- ix. Theater - - - , - 202 Hetze - - - « - . 20z Tanzsale - - - , , 204 §. x. Beschreibung der k. k. Lustschlösser. Lustschloß Schönbrunn . - - 205 - Laxenburg » - - 207 -Hetzendorf . s - 208 §. XI. Belustigungsörter und merkwürdige außer den Linien in der Gegend um Wien liegende Lustschlösser. Ebersdorf - - , . - 2l>8 Dornbach - - . . - 20<- Übrige Örter - - - » 2»4 Die Gärten des ruff. Gesandten Grafen Slazoumousky und des Fürsten von Esterhazy ----- 217 . Anhang. K. K. privil. Kunstgallerie de- Hrn. Hof. statuariuS Miller- auf dem Kohlmarkt 217 Abgang und Ankunft der reitende» Posten 221 Vorrede. Es sind verschiedene gute Beschert» bungen der Stadt Wien und ihrer Vorstädte erschienen. So großen Nutzen diese Werke in Absicht auf den historischen und geographischen Theil haben mögen, können sie doch, weil sie aus mehreren Bänden bestehen, ihrer Weitlauftigkeit wegen die Wünsche der Fremden, die nur mit eigenen Augen die merkwürdigsten Denk- mahle einer berühmten Stadt sehen, D » r r e d e. untersuchen und in Erfahrung bringen wollen, nicht befriedigen. Um sie nun mit dieser aus eine leichte und weniger kostspielige Art bekannt zu machen, erschien schon im Jahre 1774 ein kleines Werk unter dem Titel: „Neueste Beschreibung „aller Merkwürdigkeiten Wiens; ein »Handbuch für Inländer und Frem- »de." Es wurde so günstig ausgenommen , daß in kurzer Zeit alle Exemplare vergriffen wurden, und seitdem schon mehrere Auflagen veranstaltet werden mußten; sie waren aber wirklich immer noch sehr unvollkommen. Seit diesen Ausgaben hat man allen Fleiß angewendct, alle nöthigen Vorrede. Materialien zu sammeln, die häufig gen unter der Regierung weiland Kaisers Joseph n., Leopold n. und Sr. jetzt regierenden Maj. Franz n. vorgefallenen Änderungen zu berichtigen, mit neuen Zusätzen zu vermehren, und also dieses Werk so umzuarbeiten, daß es eigentlich ein ganz neues Werk genannt zu werden verdienet. Die Veränderungen, Berichtigungen, die Zusätze bey dieser neuen Auflage sind aber so beschaffen, daß sie sich nie wieder so leicht verändern; daher hat man gewisse Gegenstände, die in einer Hauptstadt täglich solchen Umänderungen unterliegen, und dieses Buch größten Theils bald un- Vorrede. brauchbar machen könnten, nkchteingetragen. Die Nachrichten, die Merkwürdigkeiten, die ein Fremder in einer Stadt, wie Wien, zu wissen verlanget, in einem-Werke beysammen beschrieben zu finden, sie alle richtig, genau und kurz zu sagen, das Noth. wendige nicht zu vergessen, alles an seine gehörige Stelle zweckmäßig zu setzen, daß es sich zum Ganzen schickt, und mit Auswahl anzuführen, ist ein sehr mühsames Unternehmen, wenn es von wahrem Nutzen unh zugleich bequem seyn soll. Man hat wenigstens alle Mühe und Sorgfalt angewendet und geleistet, Vorrede. so Viel billiger Weise zu fordern ist; und um den allgemeinen Wunsch eines solchen nützlichen Handbuchs desto gewisser zu erreichen, ist es nach dem Plane der mit allgemeinen Bey- fall ausgenommenen vom Herrn Nikolai heraus gegebenen Beschreibung von Berlin und Potsdam eingerichtet worden. So viel ist gewiß, daß ein Fremder mit diesem Buche in der Hand sich von der Wahrheit aller Merkwürdigkeiten genau überzeugen, zu den übrigen weggelaffenen der Ver- - anderung unterworfenen Gegenständen aber, wenn sie ihn inreressiren sollten, leicht einen Aufschluß finden kann. Vorrede. Die Z2 kleine, re Plätze: r Der Hof ist der größte, er hält 71 Klafter in der Länge und §2 in der Breite. Der zweyte und der angenehmste ist der Graben, es wimmelt den ganzen Tag bis in die spate Nacht von Wagen und Menschen. Des Abends ist er der öffentlichen Promenade gewidmet, und der Tummelplatz der Stutzer. Der dritte aufebnliche Platz ist der hohe Markt, wo die Josrphssäule steht. Hier ist das öffentliche Staatsgefängniß, der gegenüber stehende Platz ist für die Schandbühne bestimmt. Die übrigen Sind der neue Markt oder Mehlmarkt. — Der Josephsplatz. — Die Freyung, der aber uneben und unregelmäßig ist. — Der Judenplatz. Der Michaelsplatz, der Spitalplatz u. f. w. find mehr breite Straßen als Plätze, und der Stock am Eisenplatz, wo dasGedränqe am stärksten ist, verdient den Nahmen eines Platzes gar nicht. I xxxx 9 i Das Pflaster der Stadt ist sehr gut, und j besieht aus viereckig gehauenen Steinen ; auf ^ den Seilen sind in sehr vielen Straßen für die Fußgeher noch breitere viereckige Steine. Dieses Steinpflaster wird beständig gut unterhalten, und immer ausgebessert, auch sonst die Straßen rein gehalten. ! Große und kleine Gaffen find in der Stadt r 110, unter welchen die Kärnthnersiroße von dem Thore gleiches Rahmens bis znm ro- ^ then Thurm, und von Mittag bis gegen Mit- z ternacht durch die Stadt geht. Zu Anfang je- j der Gasse ist ihr Rahme aufgemahlt. Häuser sind >Zi >,die insgemein z. 4bis 6 j und yStockwerke hoch,und mit Ziegel undKu- ! pfer gedeckt lind. Jedes Haus hat wegen der bestehenden Conscription seine Nummer, wel- ; cher für die Fremden von großer Bequemlich- ^ keit ist. Die Treppen in den Häusern sind von § Stein. Die Keller haben in manchen Häu- » fern eben so viel Stockwerke unter der Erde, ! als das Haus über der Erdfläche hat. Da- 7 her das Vertrauen auf diese feste Bauart - und die guten Feueranstalten hier eine Brand- ^ casse entbehrlich machen. ! »o xxxx Die Stadt wird gewöhnlich in vier Viertel getheilt: . Das Stubenviertel ! Wiedenviertel Karnthneroiertel I Schottenviertel. Die Volksmenge beläuft sich in Wien überhaupt gegen Zvoooo Seelen, davon in der Stadt beyläufig Loooo wohnen. Man kann aber die Einwohner einer Stadt, wie Wien, wo immer eine große Menge Volks, selbst Einwohner, ab- und znströmen, nicht genas nach den Zählungen bestimmen. Pfarrkirchen sind y, und außer diesen noch Kirchen, 2 protestantische und 2 griechische Bethhäuser, und eine Synagoge. Mannsklöster find 6 , und r Nonnenkloster. Eigentliche Staatsdepartemente oder Hofstellen find ir. Die Reichshofkanzelley, und der kaiserliche Reichshofrath. Die oberste Hof- und StaatSkanzellep. »OkX ,L DerStaatsrath für inländische Geschäfte. Die böhmisch- österreichische Hofkanzellep. Die oberste Finanz- und Hvfkammer. Die oberste Justizstelle. Der Hofkriegsrath. ^ Die hungarifche Hofkanzellep. Die siebenbürgische Hofkanzellep. Die illyrische Hofkanzellep. Dt^e Hofrechnungskammer. Landesstelle i, Gerichtsstellen 2, Ständisches Collegium und Magistrat. Für das Erziehungsfach bestehen: i Universität. L Gymnasien, r Normalschule. F Lrioialschulen. r Schule zur Bildung geschickter Schullehrerinnen, r Akademie der bildenden Künste, i Realhandlungsschule. Zeichnungsschulen. 1 orientalische Akademie. » Taubstummen- Institut. xxxx Schauspielhäuser sind in der Stadt 2. Fabriken und Niederlagen 6z. Herrschaftswagen zahlt man über Z200, so genannte Sladrlehnwagen zoo, Landkutschen -zoo, und 70V numerirke gemeine Fia, ker. In der Stadt sind die letzter« ans den Platzen eingetheilt, und die übrigen flehen vor den Stadtthoren bis in die spate Nacht. > r.- Senftenträger find beylänfig 80. Sie haben keine Taxe, man bezahlt gewöhnlich in der Stadt für eine Trage 24 kr.um sich nicht den unersättlichen Forderungen so wohl dieser als der Fiaker zu überlassen, muß man vor dem Einsteigen den Preis bestimmen. Das ganze Jahr hindurch werden die Stadt und die Vorstädte mit zooo Straßenlaternen erleuchtet. Sie haben die Form eines birnenförmigen Glases, dessen zusammen gespitzte Seite unten ist, und oben einen breiten Deckel hat. Sie thun, weil das Glas immer sehr rein gehalten wird, gute Wirkung. In der Stadt werden die Laternen xxxx »z alle Nacht, in den Vorstädten aber nur, wenn kein Mondschein ist, angezündet, und alle Kahr- und Fußwege auf dem Glacis zur Sicherheit erleuchtet. — Da die Vorstädte um die Stadt ein Amphitheater bilden, so ist der Anblick, wenn man bey der Nacht an den Grenzen der Vorstadt Leimgrube, die auf einer sanften Anhöhe liegt, dieses erleuchtete Amphitheater überschaut, herrlich, selbst Ausländer bekennen, daß dieses feurige Amphitheater die so sehr gerühmte Erleuchtung in London übertreffe. In der Stadt sind 2 Jahrmärkte, den 2ten November, und am ersten Montag nach Jubilate. Beyde dauern 4 Wochen. Das größte Volksgewühl ist auf dem Kohlmarkt, Graben und Stock am Eisenplatz, auf welchem letztern Platze sich die Straßen der 4 volkreichsten Thore durchkreutzen, wo die Volksmenge von den großen Vorstädten herströmt; hier ist nun das Gedränge, besonders bey obbenannten Marktzeiten öfters so groß, daß es einer sich immer fortwälzenden Procession gleicht. >< xxxx j. m. Charakter der Wiener. Düs Volk dieser Hauptstadt ist ein gute-, biederes, ehrliches, gastfreyes, liebes Volk. Mitleidig gegen die Noch ihrer Nebenmenschen. Ihr Charakter ist sanft, gesellig, angenehm und beugsam. Die Wiener überhaupt zeigen ihre Höflichkeit nicht nur äußerlich , sondern in der That. Eine Folge ihrer Höflichkeit ist die Gastfreyheit. Der Adel selbst ist artig und gefällig. Jeder Fremde kann sich eine gute Aufnahme versprechen; allein viele derselben haben diese edle Tugend, die doch jedem Ausländer schätzbar seyn sollte, den Wienern übel vergolten, und sich nachher darüber lustig gemacht. Es ist wirklich sehr undankbar, Höflichkeiten von einem Volke genießen, das häusliche Vertrauen mißbrauchen, den Spion machen, und nachher darüber spotten. Das herrschende Wohlleben, welches rnan zu dem Nationalcharakter der Wiener zählt, ist gewiß in London . in Paris mehr als in Wien, es ist die Folge aller Hauptstädte der ersten Größe, das große Ein- xxxx 1.5 kommen, der gute Verdienst, der Wohlstand überhaupt, die Wohlfeilkeit -er Lebensmittel , das fruchtbare Land berechtigt die Wiener besser zu leben, als andere die diese Vorzüge nicht haben. Es sind, wie man weiß ungefähr »8 fürstliche Häuser in Wien, davon jedes im Durchschnitte genommen, jährlich 200000 Gulden verzehrt, die erster» sehen auch wohl von Aoo bis 7 Mahl hundert Tausend Gulden in Umlauf. An die fürstlichen Häuser schließt sich eine ungleich größere Zahl von gräflichen Häusern, die zwischen Lo und 100000 Gulden jährlich aufwenden. Die Häuser von Wechslern, Agenten, und dergleichen machen ebenfalls einen jährlichen Aufwand von io bis 20000 Gulden. Würden diese großen Häuser ihren Aufwand vermindern, so würde sich der Absatz der Natur- und Kunstproducte, folglich auch die Zahl, der Fleiß des Produzenten vermindern. Welche Folgen müßte eine Einschränkung für den Staat, wie er jetzt ist, durch 16 XXXX eine Hemmung dieses öffentlichen Geldumlaufs verursachen? was sollte aus solchen todten Metallhaufen werden? Der Hof und das publicum muß es denen großen Hausern vielmehr Dank missen, daß sie prächtig und freygebig zu leben fortfahren. Es wäre bloße Unwahrheit, wenn man sagen wollte, daß die Nation unmäßig im Essen und Trinken scy. Man wird nie tolle Betrunkene sehen, ungeachtet die Weine, besonders die geringeren, die der gemeine Mann trinkt, äußerst wohlfeil sind: sie sind bey ihrem Essen und Trinken fröhlich, und beleidigen niemand. Einen Biedermann sollte es vielmehr freuen, so viele gute Menschen vergnügt, und in dem ruhigen Genüsse ihres Wohlstandes zu sehen. Die Wiener leben überhaupt ordentlich und haushälterisch, der Beweis liegt in dem großen Vermögen des Bürgerstandes. Ein Bürger von zo bis 40000 Gulden an Vermögen ist etwas alltägliches. Die Wiener essen freylich viele Speisen, aber ihre Schüsseln sind klein, und die Portionen, die sie von jeder genießen, sind ge- » xxxx -7 ringe. Die Tafeln zeichnen sich mehr durch moderne Delicateffe, als durch alte Überladung aus. Von der Menge dieser Schüssel» haben also die Reisebeschreiber auf den ganz außerordentlichen Appetit geschloffen, und die Wiener zu Gourmanden gemacht. Ungeachtet viele ihre freundschaftlichen Gesinnungen mißbrauchten, hören die Wiener doch nicht auf, einem Fremden, der Sitten und Lebensart mit sich bringt, seinen Aufenthalt so viel möglich, angenehm zu machen, und keiner wird über Mangel an Unterhaltung und Lustbarkeiten in dem gastfreyen Wien klagen können. Man darf es ohne Großsprecherey sagen; denn die Herrn Ausländer rechtfertigen es selbst, wenn sie einmahl mit seinen Freuden und mit dem Charakter der Nation vertrauter geworden sind. daß fast die meisten Wien ungern verlassen, und oft ein viertel Jahr lang Abschieds-Visiten machen. Daß viele Wiener ausgeartct sind, ist nicht zu läugnen, aber die Ausartung einiger kann keinen Maßstab zur Bestimmung eines Na- tionalcharakters geben. B xxxx §. IV. .z Beschreibung der merkwürdigen Gebäude, jetzige Beschaffenheit derselben von außen und von innen. Die k. k- Burg- Der kaiserliche Pallast liegt am Ende der Stadt gegen Südwesten, und besteht auS mehrern Gebäuden, die in verschiedenen Jahrhunderten erbauet worden, und deren mithin einige älter, andere neuer sind. Diese kaiserliche Burg ist von außen unansehnlich, aber die Pracht der Appartement- ist kaiserlich. Das Gebäude, welches man die alte Burg nennt, liegt gegen Morgen, und ist zu Anfänge des iZten Jahrhunderts vom Leopold III. Herzoge von Österreich, welcher im Jahre i2Z0 gestorben, erbaut, und im I. 1-7L durch eine große Feuersbrunst wieder in die Asche gelegt worden. Ottokar II, König in Böhmen, und damahls Herzog von Österreich, hat sie wieder zu bauen angefangen, xxxx 19 aber nicht vollendet; weil er vom K. Rudolph!. im 1.1277 in einer Schlacht getö- det worden, und sie ist wahrscheinlicher Weise erst nach dem Tode Rudolphs, welcher im Jahre 1291 erfolgte, von seinem Sohne Und Nachfolger Albrecht dem Ersten vollendet worden. K. Ferdinand I. hat diese Residenz im I. iL«ze> und i LL2 vergrößert und verschönert. K. Leopold hat den ganzen gegen Mittag liegenden Theil der Burg im I. 1660 zu bauen angefangen, und auch vollendet. Der Theil gegen Abend ist gegen das Ende des i6ten Jahrhunderts gebauet worden. Man nennt diesen Theil heut zu Tage den amalischen Hof; weil Amalie von Braun- schweig, hinterlassenc Witwe K. Josephs I., allda gewohnt hat. Der Theil endlich gegen Norden, und folglich gegen der Stadt, ist im Jahre «728 Unter der Regierung K. Earls des Sechsten gebauet worden. Alle diese an einander hängenden verschie- B 2 ro XXXX denen Gebäude machen ein längliches Viereck, und stehen auf dem aus dieser Ursache also genannten Burgplahe, der 64 Klafter in der Länge, und über z4 in der Breite hält, und Nachts mit 23 Laternen erleuchtet ist. In dieser Burg haben sich schon wunderbare und höchst abstechende Auftritte ereignet. Im Jahre 146z belagerten die Spießbürger von Wien Friedrich den III. in dieser Burg, und hungerten ihn so sehr aus, daß er, ohne ein Paar Hühner, mit denen sich ein mitleidiger Student heimlich hineinschlich, vielleicht verloren gewesen wäre. Im Jahre 1619 tröstete den von den re- Lettischen Böhmen und seinen übrigen Untertanen geängstigten Ferdinand ein Kruzistz mit folgenden lateinischen Worten: IHrcki- nan6u non te Ueserärn. Im I. 1732 wohnte Papst?ius Lra- tclii anderthalb Mouathe lang darin, und hatte das nähmliche Kruzifix in seinem Cabinette. xxxx r» Im I. 1706 brach ein Gespenst durch einen Sturz auS der Burg ein Schenkelbein. Wenn man diese Zeitpunkte mit unfern heutigen Tagen vergleicht, so findet man Stoff zur Verwunderung und Nachdenken. In der westlichen Seite ist die Hauptwache . wo täglich um 11 Uhr früh eine Compagnie Grenadiers aufziehk, die äußern und innern Zugänge der Burg zu besetzen. Eine Mannschaft, die schön genug ist, um milden vornehmsten Garden der europäischen Prinzen in Vergleich gestellt zu werden. Schönere Soldaten, als die österreichischen Grenadiers, kann man nicht sehen. Sie sind groß, sehen alle stark und fleischig aus, und man erkennt an ihrem Aussehen die Ordnung, zu welcher sie angehalten werden. Den zweyten Posten besorgen die Invaliden. Den dritten Posten hat die Leibgarde zu Fuß, oder die (Üent-Luiffes. Ihre Uniform ist hochroth, mit schwarz sammtenen Aufschlagen und goldnen Treffen. Dieß find Krie- LL XXXX ger, deren Treue und Verdienste bewährt sind. Sie müssen wenigstens Wachmeister gewesen seyn. Der sel. Monarch errichtete sie im I. »768 statt der aufgehobenen Schweizer- Garde. Sie besteht auS 120 Mann, deren Capitan Feldmarschall ist, und die auf den Fuß der Obcrofficicrs bezahlt sind. Der letzte Posten gehört der hungarischen Nobel-Garde, und der deutschen Arzieren- Garde gemeinschaftlich, diese hat aber als die älteste den ersten Rang. Man kann sich im Bilde der Möglichkeit kein schöners Corps ersinnen, als das erstere, besonders, wenn es in Gallauniform ist. Blühende Jünglinge von Adel, von auserlesenem Wüchse. Sie dienen zu Pferde, ihr Capitän ist .Feldmarschall, die Gardes haben den Rang der Oberoffiziere der Armee. ^ Die deutscheArzieren-Garde erhielt beyder Krönung. S- Maj. Leopolds II. zu Frankfurt prächtige, reiche Galtauniforme, es sind meistens alte gediente Officiers, die ihr ein sehr ehrwürdiges Ansehen geben. Sie dienet zu Fuß. Für die aufgehobene pohlni- sche Leibgarde hat Se. Maj. LeopoldII- zo ^« 4 K^ß L 77 "^ MaiÄ! ßM'.tÄ st«,MIN Ws >»!/ I»,»»I,»,I H M 'K-? -- Lt xxxx sz Stellen für junge pohlnische Edelleute bey derselben gestiftet. Ihr Capilän ist ebenfalls Feldmarschall. Diese beyden Garden haben große Vorzüge , sie bewohnen prächtige Palläste, und bey dem Begräbniß eines Garden wird ein Siegespferd mit einem Harnische voran geführt. Das Burgthor macht den Platz sehr lebhaft , vorzüglich des Morgens, da eine große Menge Menschen aus den südwestlichen Vorstädten zu ihren Geschäften nach der Stadt eilen und Abends wieder zurückkehren, das Thor geht von der mittägigen Seite der Vorstädte aufdiesen Platz, dessen Gebäude, welches der Gage nach vom Kaiser Leopold ge- bauet worden, von dieser Seite die ganze Länge von der alten Burg bis an den Amalienhof einnimmt. In diesem Gebäude find die großen Säle, welche alle prächtig ausgeziert und eingerichtet find. An dem mitternächtigen Ende dieses Theils der Burg ist eine sehr kühn angebrachte große steinerne fliegende Stkege, die nach der Zeichnung des Herrn Jadot errichtet worden. L4 xxxx Die alte Burg macht gleichsam ein Viereck. Sie hat einen besondern Hof. In diesem ist die Bothschaftersiiege, von welcher man in die großen Sale kommt, und wo man die prächtig meublirten Zimmer zeigt, welche der Papst bey seiner fruchtlosen Anwesenheit in Wien bewohnte. — Die schönen Tische von Inpis lasuli einer zu. 20000 Gulden am Werth, die Leuchter, von Kry- stall, einer zu Zoooo Gulden, und der große Spiegel, der größte, den man sehen kann, und die herrlichsten Tapeten Gobelins verdienen alle die Aufmerksamkeit. Wer asiatischen Pomp und gotbische Pracht und überflüssiges Gold an den Wänden erwartet, der findet sich nicht befriedigt Daher die Urtheile so vieler, daß nichts Se- henswürdiges in der Burg sey. Das k. k. Tapctenbehältniß ist in der k. k. Burg und enthält die seltensten Kunstwerke. Der Amalische Hofbildet auch ein Viereck, welcher, wie der andere seinen besondern Hof hat, in dem man von der einen Seite von dem Burgplatze, und von der andern xxxx 2L von jenem, welcher der Staatskanzelley gegen über ist, kommen kann. Dieser Theil der Burg, auf welchem ein Thurm mit einem Uhrwerke steht, ist vor wenigen Jahren in seinen inner» Theilen , wo sich jetzt mit gutem Geschmack und der größten Zierde angelegte Zimmer befinden, beynahe von neuem erbauet worden. An der Burg nach der Bastey zu, ist ein artiger, aber kleiner Garten, nebst einem Hause , und dieß mit einer Warte versehen, angelegt worden. Mittwoch und Samstag ist allgemeine Audienz, doch kann man täglich früh mit dem Kaiser sprechen, und Bittschriften abgeben. Sonntags von 9 bis ir Uhr für die Minister und den höchsten Adel. Welcher Trost ist es, auch im dürftigsten Anzuge, auch mildem unangenehmsten Vorträge den Monarchen von Angesicht zu Angesicht allein sprechen und sein Herzausschüt- ten zu können. Wieviele Königspallaste sind in Europa, deren Zugang dem letzten Taglöhner, so wie dem ersten Edelmann gleich offen, und ohne den lästigen Zwang einer 26 ^ xxxx asiatischen Audienzceremonie offen ist. Um eher in die Reihe zu kommen, läßt man iich Tags zuvor bey dem dienenden Kammerthür- hüther aufschreiben. Die Burg hat zwey Kapellen, davon nur eine zum öffentlichen Gottesdienst dient. Die« se Hauptkapette, welche in der alten Burg, und zugleich die Hofpfarr ist, hat Kaiser Friedrich III. im Jahrs. 1448 erbauet, die Altarblatter an beyden Seitenaltaren sind vom Titian. Das von Metall gegossene Cru- cifix am Hochaltar ist vom Doner. Die zweyte, oder die Kammerkapelle, stößt an die kaiserlichen Wohnzimmer, und ist von Fischer und Maulbertschs ausgeziert worden. Das Hochaltarblatt, Versterbende Joseph, ist vom Carl Marati, die Blätter der beyden Seitenaltäre vom Strudl. Alle Sonn«und Feyertage im Winter gehen Ihre Majestäten mit dek gesammten erzherzoglichen Familie, gemeiniglich gegen »1 Uhr, durch die großen Säle, (Appartements) in die große Hofkapelle zum Gottesdienst. Der Eingang in die Vorsale steht jedermann offen. xxxx 27 Der Neujahrstag ist der feyerlichste Tag in Wien, der einzige Galatag. Wenn man die prächtigen Wagen, Pferde, Pferdgeschirre und Livreen von Wien sehen will: so muß man sich an diesem Tage aufden Burgplatz stellen, wo alles im Mittelpunkte zusammen trifft. Der Hof ist an diesem Tagein der größten Pracht. Die Leibgarden, und das Personale der Hofämter begeben sich zwischen 9 und r s Uhr im prachtvollen Aufwand nach Hof. Den Anfang macht die deutsche Leibgarde zu Fuß, dann folgt die ungarische adeliche Leibgarde zu Pferde, auf dem Burgplatze steigt sie von ihren Pferden, und wird von ihrem Capitan in die Hofzimmer geführt, wo sich bereits die Garden der ersten k. k. Arcieren - Leibgarde in der kostbaren Galauniform versammelt hat. Dann folgen die Chefs der ersten Hof - und Staatsämter und begeben sich unter Vortretung aller ihnen untergeordneten Personen nach Hof; der Oberstallmeister, der Oberstjägermeister kommen zu Pferde dahin, mit ihren.Depar- tements in der prächtigsten Putzrüstung. Während der Herr Erzbischof Cardinal, die Herren Botschafter Hey deney beyden 28 . xxxx Majestäten, und der übrigen kaiferl. Familie die Glückwünschungs - Complimente gemacht haben, folgen die Hofämter, Minister, Feld- marschälle und Staatsräthe. Um i l Uhr erheben sich die Majestäten mit der kaiferl. Familie nach dem Audienzzimmer, und so dann durch die Vorzimmer, in welchen die Garden in Parade in 2 Reihen stehen, nach der Hofkapclle zum Gottesdienste. Nach Ende desselben geruhen die Majestäten die Aufwartung von den versammelten Damen des hohen Adels anzuneh- men. So dann verfügen sich die Majestäten in den prächtigen Spiegelsaal und nehnren allda unter Aufwartung der Minister und des äußern Hofstaates , unter dem goldreichen Baldachin das Mittagsmahl ein, während der Tafel ertönt eine auserlesene Jnstrumental- und Vokal - Musik der k. k. Kammerkapelle. Drdensfeste sind Z , den ersten Sonntag nach Emerikus wird das Fest des heil. Stephans, Königs von Hungarn gehalten. Se. Majestät speisen, mit den Großkreuzrittern dieses Ordens an offener Tafel. Die Com- mendeurs und Ritter speisen in einem dar« xxxx 29 an stoßenden Saale, alle in ihren Ordcns- kleidern. Den Zv. Wintermrnath am Feste des heil. Andreas, des Schutzheiligen des Ordens des goldenen Fließes, speisen Se. Majestät der Kaiser mit den Ordensrittern ebenfalls an offener Tafel; alle sind mit dem Cere« monienkleide und )eu übrigen Ordenszeichea bekleidet. Das Fest de» militärischen Therefienor- dens wird jede- Mahl am ersten Sonntage nach St. Therstentag gefeyert. Die Ritter erscheinen in dr ihrem militärischen Rang zugehörigen Keidnng. Der Monarch speist an offener Tafl auf dem prächtigen goldenen Service, wie am Stephansordensfeste. §. V. Dikk. k. Schatzkammer. Die kaiserliche Schatzkammer in dieser Burg enthjlt unschätzbare Reichrhümer, und eine Meute Sachen, die der Aufmerksamkeit der Liebhaber und der Fremden höchst za XXXX würdig sind. Der Schatz ist in Galerien und andrer Behältnisse eingetheilt, in welchen eine classificirte Abtheilung aller darin befindlichen Gegenstände M't vieler Ordnung gemacht ist. Da man von den Dicmanten -er Krone - von dem kaiserlichen großer Vorrathe von Juwelen am Familienschmuke des österreichischen Hauses, von den goldenen Geschirr ren, Servicen, Aufsätzer., von den sehr seltenen Gefäßen und andan Stücken von dem höchsten Alterthume, ind an Meisterstücken von den neuesten Z'iten kein Jn- ventarium machen will, so übergeht man die Einzelnheiten der Schatzkammer, weil jede Beschreibung davon noch immer die Schön- heit derselben nicht aufwiegen würde. Sie müssen mit eigenen Augen gesehen werden. Nur ist unter den Diamanten der Krone vorzüglich der große Diamant vo^ Toskanaoder so genannte Florentinische,' nlerkwürdig. Das Schicksal spielte ihm sonderbar mit. Einst glänzte er an dem DiademEarls deS Kühnen, Herzogs von Burgund, dtrihn nebst allen seinen übrigen Schätzen un- Kostbar- xxxx Al keilen in einer Schlacht bcy Gransee verlor. Ein schweizerischer Landsknecht, welcher ihn bey der Plünderung des Lagers erbeutete, und sich auf Diamanten nicht verstand, verkaufte ihn an einen Bürger von Bern für Z fl., dieser wieder an einen ita- lianischen Kaufmann um 120 fl. und so stieg er immer im Preise, bis ihn der Herzog von Florenz erhandelte, von wo er in die Schatzkammer nach Wien kam, und nun nicht für eine Tonne Goldes wieder feil ist.. Die vom Kaiser Franz I. gesammelte vollständige Kleidungsgarnitur, davon jeder Knopf ein einziger Brilliant ist, und ein anderer großer Brilliant, den dieser Monarch im Jahre 1764 zu Frankfurt gekauft hat, verdienen Bewunderung: Die runde Schüssel von einem einzigen Achat von zwey Schüben und 2 Zoll im Durchmesser, welcher auch etwas von Dny^ und Sarder hat, und in der ganzen Welt für den einzigen in seiner Art gehalten wird. Das Gefäß aus einem weiß und brau- Z2 xxxx nen Achat, welches z Wiener Maß halt, und dann Die Stockuhr verdienen, besonders der Aufmerksamkeit empfohlen zu werden Diese Uhr ist auf einem Fußgestelle von Schild- krötenschalen, mit verschiedenen halb erhabenen Zierralhen von Silber. Sie schlägt alle Stunde ein Glockenspiel, worauf die ganzen Figuren milden wohlgetroffenen Por- traten K. Franz des I. und der K. Maria Theresia Majest. hervor kommen, welche eine Fama mit Lorbern krönt, und verschiedene andere Figuren, denen beyden Majestäten ihre Ehrenbezeigungen erweisen, unter welchen sich auch der verstorbene LandgrafLud- wig von Hessen befindet, der denen Majestäten diese Uhr überreicht hat. Unter den vorigen Regierungen bestand auch eine so genannte geistlicheSchatzkammer, die eine große Anzahl von Reliquien, kostbaren Ornamenten zum Dienste der Kirche, tragbare Altäre, Reliquienkästen, Einfassungen u. s. w. alle mit Edelsteinen und Perlen besetzt, mehrere goldene Statuen, »nd einige So Gemahlde von heiligen Gegen- xxxx ZZ ständen, von den größten und berühmtesten Meistern gemahlen, enthielt. Man hat sie aber zerstreut und meisten Theils an angemessenere Plätze gebracht. Wer diesen Schatz sehen will, hat sich bey dem k. k. Schatzmeister und Rath Herrn Dominik von Deldono zu melden. §. VI. K. K. Cabinett der Antiken, geschnittenen Steine, antiken und modernen Münzen in der Burg. Kein Fremder vom Geschmacke und Kenntnissen soll Wien verlassen, ohne dieses Cabinett der Kunst, diesen Schatz des Alter- thums gesehen zu haben. Es theilt sich in das Cabinett der antiken und neuern Münzen. Im Jahre »774 wurden die antiken von den modernen getrennt, und jede Sammlung der Aufsicht eigenen Direktoren übergeben; beyde sind in 2 von einander abgetheilten Sälen auf dem so genannten Augustinergange in der k. k. Burg den» fammen. C Z4 xxxx Die Aufsicht über das Antiken-Cabinett und die antiken Münzen hat Hr. Abbe'e Eckhel, der zugleich Professor der Numismatik an der hiesigen Universität ist; von ihm hat man eine schätzbare Beschreibung aller in dem Cabinette vorhandenen antiken Münzen und geschnittenen Steinen * **) ); sein neuestes Werk in der Nu» mismatik ist, und nach einstimmigem Urtheil elastisch "). Direktor deS modernenMünz Cabinetts ist Hr. Abbec Franz Neuman. Bepde Cabinette stehen ausländischen und einheimischen Standespersonen, Kennern, Gelehrten, Künstlern, und Leuten vom Geschmack und Erziehung täglich offen. Doch muß man sich Tags vorher beym Direktor melden. Das Antiken - Cabinett besteht erstens, auS *) c^tiolx Zes ?ierres ßravee» äu 6abinet Impe- ri»I äes ^nli^uer rvprelentees en XI,. kinn- ckes äecrites et expli^uees psr IV!. I'^dbs Lckliel, Directeur Ue cs Lsbinet. Vienne, cber LsineLnn. 1788- lol. — 27 6. **) Lckkel Doclrinn nuinorum veterum. Vl.l'ouii. V^inclod. kun.pt. Laineüns et 8nc. 17^2—796. Z9 II. Zv kr. Vomus VII. et VIII. ek kubprelo. xxxx AZ der Sammlung geschnittener Steine. Zwey- tens, aus antiken Medaillen. Die erste übertrifft durch die Größe mannigfaltiger Gattungen der Steine alle andern ihres Gleichen, der große Cgmee, worauf Kaiser Augustus mit seiner Familie vorgestellt ist, wird für das vollkommenste Stück in seiner Art gehalten. Die Sammlung der antiken Medaillen ist durch die Zahl, Auswahl und Seltenheit der Stücke nicht minder ansehnlich, es beläuft sich ungefähr auf 2200s Stücke. Kaiser Ferdinand I. machte im Jahre i zLtt die erste Sammlung von antiken Medaillen , sie wurde nachmahls durch die auf ihn folgenden Fürsten vermehret, und durch K. Leopold I. , K. Karl VI: vorzüglich bereichert, der das von den Karthäusern in Rom erhaltene Cabinctt dieser Sammlung beygesellt hat, und mit dem auch das schöne Cabinett der Jesuiten in Wien vom P. Graneli gesammelt, vereinigt, und vom Herrn Abde'e Eckhel in 2 Folio-Bänden be- C 2 kannt gemacht wurde *). Seitdem kamett theils durch Ankauf, theils durch Anordnun« gen weil. K. Joseph II. noch die berühmten Sammlungen des Grafen v. Ariosti, des Prinzen Karl von Lothringen, die von Ambras in Tyrol, nebst verschiedenen kleinern und eine beträchtliche Zahl seltener Stücke, die Herr Baron v. Herbert in Koustan- linopel für das Cabinclt gekauft hat, hinzu. Die Anzahl und der innere Werth der neuern Münzen belauft sich noch ungleich höher. Von dieser so weitläuftigen und für die Geschichte des Mittlern und neuesten Zeitalters so nützlichen Sammlung ist der eigentliche Schöpfer K. Franz 1. Ihr gebühret unstreitig uüter allen Sammlungen Europens in diesem Fache der erste Platz. Sie enthält alle Münzen der Welt von der Zeit, als die antiken Medaillen aufgehört haben, das ist: von der Zeit Kaiser Karl des Großen, bis auf unsere Zeiten. Sie ist in Classen und in r 2 große Medaillen-Kästen eingetheilt und *) Lstslvßu» dlulei Laetare! V!i,6obonen6i nu- inorum veterum, ttil^oluit et äelcri^kt Lcküel« 177p. Z7 besteht wenigstens aus Z2000 Gold- und Silberstücken, weil diese prächtige Sammlung durch neue Zuflüsse bereichert wird, so wächst mit jedem Tage ihre Anzahl. Diese beyden Cabinette besitzen ferner eine sehr kostbare und auserwahlte Büchersamm- lung, welche alles enthalt, was zur alten und neuern Numismatik, und zu den damit verwandten Wissenschaften gehört. Z. VH. K. K. Naturalien- und Mineralien- Cabinetc in der Burg. Ist auf dem nähmlichen so genannten Augustinergange in der k. k. Burg. An Mineralien, Seegewachsen und Muscheln ist dieses Cabinett eines der vollständigsten. Über die vollständigen Sammlungen der Analogen, das ist: der Holz- Horn- und steinarti- gen Meerproducten, Korallen und Muscheln, findet man alle Versteinerungen, die in den beyden Reichen bekannt genug sind; weiters die Salze, Schwefeln, Bergharze, Erden und Erzeugnisse der Wasser, und diese Sammlungen sind eine jede mit solchen Stücken, a» Z8 xxxx welchen die Übergänge und Verwandlungen von der Natur angezeigt werden, so reichlich versehen , als man sie in keiner andern findet, und welche, da sie den Gang, den die Natur in ihrer Bildung halt, zu erkennen geben, zugleich die herrliche Ordnung, welche in diesem Cabinelte beobachtet worden, rechtfertigen, und die ihm vor einigen Jahren der gelehrte erst kürzlich verstorbene k. k. Hofrath von Born qab. Man sieht hier gediegenes Gold, puren Schwefel, auch gediegenes Eisen u. s. w. Die Bildung der Steine fängt hier vom Sandkörnchen an, und hört, nachdem sie stufenweise durch alle verschiedenen Grade der Härle und der Verwandtschaft gegangen, bey dem Diamant auf. Die Sammlung von Edelsteinen ist sehr complet. Ein Opal, den keine Sammlung in der Welt so groß besitzt, ist besonders merkwürdig, er wiegt A4 Loth. Die Basrelief n, Mosaik, viele Stücke von fiorentinr- scher Marketeriearbeit, die Perspectiv-Stücke sind bewundernswürdig, und so angenehm, so zierlich als die schönste Mahlerey. xxxx z- Das kostbarste Stück ist der Blumenstrauß von Edelsteinen, aus denen die mit ihren natürlichen Farben übereinstimmenden Blumen geschnitten sind. Die darauf kriechenden Jnfecten, in ihrer natürlichen Gestalt , sind ebenfalls aus Edelsteinen. Das Ganze ist ein entzückender Anblick, und stellt gleichsam diese geschmackvolle Sammlung von Edelsteinen vor. Dieses Cabinett ist alle Dienstag und Freytag Vormittag dem Publicum offen. Der Direktor des Cabinetts ist Freyherr von Baillou. Das physikalische Cabinett haben Seine höchstselige K. K. Majest. Leopold II. aufgehoben, die darin enthaltenen optischen, diop- trischen, katoptrischen, elektrischen, experi- mentalphystkalischcn und mechanischen In- strnmente, Luftpumpen, Mikroskope, magnetischen Uhren, Modeln, Windmühlen u. s. w. in das physikalische Cabinett der hiesigen Universität und in verschiedene andere Institute verschenkt, die besondern künstlichen Uhren, Bilder u.s. w. aber in die k. k. Schatzkammer zu bringen befohlen. Die z Sale sind zur Erweiterung dem Medaillen- und Naturalien - Cabinette zugetheilt worden. 4 «> XXXX §. VIII. K. K. Redouten - Saal in der Burg. In einem Flügel der k. k. Burg sind die 2 Redouten - Säle, der überaus große, und der kleine. Sie sind herrlich, und mit vielem Geschmacke meublirt; die beyden Säle fassen überzooo Menschen. Vom 7. Jänner bis zum Aschermittwoche siehe« sie Anfangs in jeder Woche ein Mahl, von Lichtmeß aber Sonntag und Donnerstag, und die kehlen z Fasinachkstage nach linander offen.Hier allein ist es erlaubt mit Masken zu erscheinen. Der Geschmack sich durch kostbare Masken auszuzeichnen, ist ganz gefallen. Man macht sich wegen diesen Spaß nicht mehr viel Kosten. Die meisten Masken sind Domino, Kalanders und Venetianermäntel. Manche gehen auch in ihren gewöhnlichen Alltagskleidern und stecken bloß eine Larve auf den Hut, um dem Gesetz maskirt zu erscheinen, wenigstens in weitem Verstände, genug zu thun; so machen es ebenfalls die Frauenzimmer, die in ihrer gewöhnlichen Putzkleidung ein- treten. Niemand, vernicht aus einer befon- dern Ursache unerkannt scyn will, trägt die » > j./ > Ü ^ «ms««: ,'»>.X '. « » ' i ^ Maske vorm Gesicht, i zoo Köpfe machen eine bequeme, schöne Redonte; wenn aber zooo find, ist man in der Presse, und sie sieht einer unbebülflichen Mcnschenflnth, die nur eine langsame wellenförmige Bewegung hat, ähnlich. Die beyden Säle sind mit vielen tausend Wachskerzen beleuchtet, und mit 2 Orchestern von mehr als 100 Tonkünstlern besetzt. Die Lustbarkeit dauert von 9 Uhr Abends biS L Uhr des andern Morgens. Hier ist kein Unterschied der Personen. Man bezahlt für den Eintritt 2 Fl. Erfrischungen und Tafel find in Nebenzimmern für bestimmte Preise zu haben. Die K- K. Reitschule in -er Burg Ist unter der rechten Seite des Redouten - Saals, die Hauptfronte derselben ist gegen den Michaelerplatz. Sie wird für die schönste in Europa gehalten. Es ist ein großes mit Säulen, Statuen, und andern Verzierungen au-geziertes Gebäude. Von innen ist um und um eine steinerne Gallerie, mit 42 ebenfalls steinernen Geländern, welche von 46 steinernen Säulen gelragen wird. Dieses Gebäude wurveim Jahre i/2<- vom K. Karl VI. nach der Zeichnung des berühmten Hofbaumeisters Fischer von Erlach aufge- führk. Alle Vormittage kann man hier reiten sehen. In eben diesem Gebäude wird auch die gewöhnliche Ziehung der Lotterie vorgenommen. IX. Kaiserliche Bibliothek. Der Baumeister dieses herrlichen Denkmahls war bekanntlich Fischer von Erlach. Der Haupteingang ist auf dem Josephsplatz. Es ist auch einer in der k. k. Burg; allein dieser ist nur für den Hof. — Von dieser Seite hat dieses Gebäude eine schöne Faxa- de, in der Mitte mit einer Kuppel. Minerva fitzt allda in einem Triumphwagen, welcher mit 4 Pferden neben einander bespannt ist, die mit antiken prächtigen Decken vom vergoldeten Metalle bekleidet find, und den Neid und die Unwissenheit unter die Füße LLMMÄr«^ _ !'.L!r;?« «üil i * V ", -» L«>/»> xxxx 43 treten. An den Seiten find ein Atlas, welcher die Himmelskugel tragt; zwey Bildsäulen, welche die Sternkunde andeuten; die Göttinn der Erde, oder Tellus, eine Erdkugel in die Höhe haltend, und zwey andere Bildsäulen, durch welche die Erdmeßkunde angezeigt wird. Die zwey Kugeln find vom vergoldeten Metalle. Man geht über eine große Treppe, deren Mauern mit mehreren Brustbildern ausge- ziert und mit vielen antiken Inschriften Überkleider sind. Unbeschreiblich ist der überraschend große Eindruck, den man bey dem Eintritte in diesen Saal empfindet; er ist 240 Fuß lang und F4breit, dessen Plafonds zum Theil von großen frey stehenden Säulen mit vergoldeten Fußgesimsen und Aufsätzen getragen werden. Dieser Saal wird in der Mitte unter der Kuppel durch einen noch größern ovalrunden Saal unterbrochen, und ist 100 Fuß breit. Die Bildsäule Karl VI., Stifter dieses Gebäudes, von karrareser Marmor steht in Lebensgröße in der Mitte dieses großen Saals mit einer lateinischen Inschrift. Um dieses Bild stehen 12 andere Kaiser vom Hause Österreich vom nähmli- 44 XXXX chen Stoff. Der lange Saal ist über diek noch mit den schönsten Brustbildern und andern kostbaren Stücken von dem höchsten Al- terthume ansgeziert. Marmor, Gold und Mahlerey ist allenthalben mit verschwenderischem Aufwand verwendet. Die ÄupponenliÄ, welches von dem sel. Hofrath und ersten Custos dieser k. Bibliothek Herr von Kollar im Jahre »76» in zwey Bänden herauskam, zu Rache ziehen. §. X. Das große k. k. Zeughaus auf der hohen Brücke. Das große k. k. Zeughaus, welches theils vom K. Maximilian II. theils vom K. Leopold erbauet worden, ist wegen der Menge deS Gewehrs, der Kanonen, der alten und neuen sehenswürdigen Waffenart, wie sie die Alten führten, und wie die gegenwärtigen Krieger führen, eines der sehenswür- digsten in Europa, hauptsächlich auch wegen der bewunderungswürdigen Eintheilung, mit welcher alle auf das zierlichste und in der schönsten Ordnung aufgestellt sind, und von welcher es nicht möglich ist einen gehörigen Begriff zu geben. Man kommt Anfangs in einen geränmi- OXXXX 5z gen Hof, welcher aus einem langen, etwaungleichen Viereck besteht; hier steht man zwey sehr große türkische Kanonen, eine die im Jahre i§l6 gegossen, und zu Belgrad im Jahre 1717 erobert worden, trägt hundert und achtzig pfundige Kugeln, und ist r<-7 Zentner schwer, 24 Fuß lang, und hat eine so große Mündung, daß ein Mensch bequem hinein schliefen kann. Die andere, welche im Jahre 1^60 gegossen worden, wiegt 1 »7Zentner und trägt sechzig pfün- -ige Kugeln. Neben diesen abenteuerlichen großen Stücken sind zwey türkische Mörser zum Stein werfen, deren der eine vierhundertpfündige steinerne Kugeln wirft, dessen Mündung ist Fuß im Durchschnitt. Er ist nicht gegossen, sondern auS einer Masse eiserner Stangen zusammen gesetzt, die durch eiserne Reife zusammen gehalten werden, er gleicht wegen seiner Lange einer Vase. Über dem Tho* re der Stadt Haimburg an der ungarischen Grenze, sieht man die ungeheure steinerne Kugel eingemauert, die mit eisernen Reifen pmwunden. auS diesem Mörser gewor- S4 fen worden ist. — Der andere wirft zwey- hundert und vierzigpfündige steinerne Kugeln. Noch ein anderer, sehr großer metallener Mörser ist zu sehen, auf welchem man diese Worte liest: LitziLMUncius, ^rckiclux ^uskriae. Der Hof ist noch mit verschiedenen andern neuen Kanonen von z6 — 43 — 70 pfundigen Kaliber u. s. w. mit andern Stücken, Bomben, Kugeln u. s. w. angefüllt. Er ist von allen Seiten mit einem Gebäude von einem Geschosse hoch, welches wie das krnr 6e ctr^ussee in Gänge eingetheilt ist, umgeben, und die Mauern sind ihrer ganzen Länge nach von allen Seiten mit einer Kette behängen, die 200 Klafter in der Länge hält, ein jedes Glied dieser Kette wiegt 22 bis 24 Pfund. Sie ist doch nureinTheil derjenigen, welcher sich die Türken ehemahls bedient haben, um die Donau von Seite der Stadt Dfen zu sperren, wo der übrige Theik davon aufbchalten wird. Es sind noch mehrere abenteuerliche türkische Andenken hier. Die Gänge zu ebener Erde find mit einer *d Flinteuläufen besteht, die auf ein Mahl, zwey Mahl, oder auch einzeln nach einander los gebrannt werden können, und da, wo sie angezündet werden, wie das doppelte Clavier einer Orgel aussehen, und meh. rere Gegenstände, welche anzuführen zu weit- läuftig wäre. Er'nrr von den Gängen wird durch einett runden Saal unterbrochen, in welchem man mehrere Bildnisse der Kaiser und Fürsten auS dem Haufe Österreich ln ihren vollkommenen auf das kostbarste und künstlichste gearbeiteten antiken Rüstungen und den Bickelhauben auf dem Haupte antrifft. Das Brustbild aus gelbem Metalle des im Jahre 1772 verstorbenen Wenzel Fürsten von Lichtenstein ist auch in diesem Saale, wohin es Ihre Majestäten im Jahre 17^8 mit einer lateinischen Inschrift haben setzen lassen: Restaurator rei tormentariae. Dieser große Mann und warme Patriot, wandte Millionen aus seinem eigenenVermögen znmDiensle des Staates auf. An der andern Seite deS Saales, diesem Bruststücke über, sieht man die Bruststücke K. Franz I.. und der unsterblichen Monarchinn Maria Theresia, ebenfalls vom gelben Metalle, welche der Fürst Wenzel mit den lateinischen Inschriften errichten ließ. Man findet noch in diesem Zeughause an- A8 XXXX dere besondere merkwürdige Sachen, z. B. die Rüstung Gottfrieds von Bouillon, de« Koller aus einem Büffelsleder de- Königin Schweden Gustav Adolphs, von einer Kugel durchbohret, die im, Jahre-16^2 diesen kriegerischen Monarchen, in der Schlacht Hey Lützen in Sachsen tödtete, und ihn verhindert hat Böhmen aufs neue zu verheeren^ Dieses Zeughaus aber ist es nicht allein, » welches die Instrumente der Vertheidigung enthalt, die Stadtgräben, die Casematte« in Wien liegen voll von Kanonen, Mörsern, Lasteten, Rüstwagen, Kugeln. Wenn man diesen Tempel des Kriegsgott- sehen will, hat man sich an den Garni- sons-Artillerie-Districtscommendanten Herrn Hauptmann Cirwurtz, auf der Sailerstadt zu wenden. Das k. k. Zeughaus auf dem Salz- grieß oder Arsenal. Hier ist die Militärbäckerey für die hiesigen in Garnison liegenden Regimenter. Das Erdgeschoß enthält Kanonen, Haubitzen, 59 Mörser, und die dazu gehörigen Geräch- schaften. Man kann indessen doch den Canal besehen, durch welchen der General von St. Hilaire im Jahre «619 mit seinem Regimen- te unoermnkhet in die Stadt dem KaisA Ferdinand II. wider die Unternehmungen der aufrührerischen Protestanten zu Hülfe gekommen ist, deren sträfliches Vorhaben er Hierdurch glücklich zernichtete. Das bürgerliche Zeughaus. Ist aufdem Hofe, und von außen ein schönes Gebäude, dessen Fronte mit Trophäen und Statuen geziert und im Jahre 172z erbauet worden. Man laßt es eigentlich nur noch ehrenhalber bestehen, weil die Bürger bey der letzten türkischen Belagerung sich so muthig, tapferund getreu bezeigt haben ; dafür haben sie auch in ihrem Zeughause den Kopf des Großveziers Kara Mustafa , der die Belagerung commandirte, und im darauf folgenden Jahre zu Belgrad erdrosselt worden, von da nachher sein Kopf nach Wien gebracht worden ist. Nebst einer ziemlich beträchtlichen Artille- 6o rie und vielen heut zu Tage üblichen Waffen, befindet sich auch allda eine Menge alter Waffen, und viele andere Sachen, die man von den Türken, besonders, da fie im Iah- ?e » 68 z von Wien hinweg geschlagen wor* den, erobert hat. ES ist eben da der halbe Mond und der Stern, als die türkischen Wapen, welche im Jahre iL2y an die Spitze des Stephansthurm, die türkischen Kanonenkugeln abzuhalten, gesetzt, aber nach der letzten Belagerung im Jahre-163z wieder herunter genommen, und an deren Statt das Kreuz auf Befehl Kaiser Leopolds hinauf gesetzt worden. Doch dieses ist nur eine Sage, und niemahlS an-geführt worden. Wenn man dieses Zeughaus sehen will, muß man sich bey dem Aufseher desselben, der darin wohnt, melden. Nicht weit von diesem Zeughause, nähm- lich an der Ecke der Gasse, der Heydenschuß genannt, dem Schottenplatze zu, sieht man an einem Hause einen kleines! Türken mit einem gespannten Bogen in der Hand ange. xxxx 6l bracht. der die Aufmerksamkeit der Fremden oft an sich gezogen hat, und weßwegcnman auch hier nur Meldung machen will. Man gab vor, daß im Jahre 1^29 die Türken bis unter dieses damahls von einem Bäcker bewohnte Haus, ihre Minen gegraben hatten, der aber die'Minierer in seinem Keller, wo er eben den Teig knetete, gehört, und dem Stadtcommendanten angezeigt habe, der dem Feinde sogleich entgegen graben ließe, und dadurch gezwungen die Belagerung wenige Tage darauf aufzuheben; allein diese Erzählung ist ohne Grund, der Türk mit dem Bogen war das Wapen des Herrn von Hey, dem dieses Haus ehemahls gehörte, und von welchem auch die Gasse den Nahmen erhalten hat. Nicht dem Bäcker, der im Keller den Teig knetete, sondern der auserlesenen schönen Armee muß man die Befreyung Wiens von der Belagerung zuschreiben , auf deren Annäherung die Feinde sogleich die Flucht ergriffen haben. Das Haus ist nun neu gebaut worden, aber der Türk mildem Pfeile paradirt, wiewohl ohne Ursache, wieder und zwar in verbesserter Gestalt auf dem alten Platze. 6r XXXX §. XI. Das k. k. Hof. National und Karnth- nerthortheater. Das k. k. Nationaltheater ist in der Burg, dessen Fronte aber auf dem Michaelerplatze steht. Es hat innerlich 4 Geschosse, 2 Parterre, und ist sehr niedlich ausgeziert. Die deutschen Hofschauspieler, und die wäl'chen Operisten und Tänzer spielen wechselslveise. Das ganze Jahr hindurch , die letzten 2 Wochen in der Fasten, einige Tage im Advent, und noch wenige Jahrtage ausgenommen, werden Schauspiele gegeben; das Theater steht unmittelbar unter einer k. k. Hofdire- ction. Die Eintrittspreise sind: Für eine Loge 4 st. zo kr. Im Parterr Noble 1 fl. Im 2ten Parterr 24 kr. Im dritten Stocke zo kr. Im vierten Stocke 17 kr. Für einen gesperrten Sitz im Parterr noble xxxx 6 z zahlt man besonders 20 kr. und im dritten Stocke rc> kr. In diesem Theater wird die letzten Tage im Advent die große musikalische Witwen- Akademie, die aus mehr als iZo Vokal» und Instrumental - Stimmen besteht, gehalten und die letzte Woche in der Faste wie- derhohlt. Die Einnahme ist zum Unterhalt der Witwen und Waisen der Tonkünstler bestimmt. — Diese Akademien verdienen von jedem anwesenden Fremden besucht zu werden. Das k. k- Theater am Karnthner- thore. Ist s Geschosse hoch, hat ebenfalls s Parterre und ist prächtig meublirt. Die Eintrittspreise find , wenn da gespielt wird, wie im Nationalhoftbeater. Ausgenommen im Lten Parterr und 4ten Stock 24 kr. und Ltea Stock io kr. 64 xxxx §. XII. Universität, öffentliche Schulen Akademien und akademische Künstler, Institute. Universität. DaS Gebäude der wienerischen hohen Schule, die im Jahre i2Z7 vom K. Friedrich III. gestiftet worden, ist wie man eS jetzt sieht, ein prächtiger Pallast, den die sel. Monarchen K. Franz, und Maria Theresia den Wissenschaften errichtet hat, und der den L. April! 17^6 auf das feyerlichste kingeweihel worden. Die Hauptfa^ade geht auf den Je^uiten- vlatz, und ist mit r Springbrunnen geziert; von dieser Seite halt das Gebäude 1L Klafter in der Breite, erstrecket sich aber an die zo Klafter in die zwey Gassen , die obere und untere Backerstraße bis an das kleine Gaß» chen, und steht also von allen Seiten srey. Es hat ohne die Erdgeschosse z Stockwerke. > > / xxxx 6L Das Gebäude hat Z Eingänge, einen von dem Platze und die zwey andern von den beyden eben genannten Gaffen. Einen großen Vorplatz , in welchem 20 große Säulen das mittlere Gewölbe des Gebäudes unterstützen. Von diesem kommt man über z Haupttreppen in den großen Saal, in die übrigen Collegien, und in die Sternwarte, zu ebener Erde aber in die Hörsäle der Arze- uey- und Wundarzeney-Wissenschaft, und in das besondere Versammlungs - und Prüfungszimmer der medicinischen Facultät. Unter diesen Sälen verdient das anatomische Theater, und das chymische Laboratorium, wo der berühmte Hr. v. Jaquin seine Vorlesungen hält, angemerket zu werden. In dem medicinischen Hörsaale steht man das Brustbild des Freyherrn van Swieten, von Metall auf einem marmornen Fußgestelle, welches die K. Maria Theresia diesem großen Manne, als ein Dcnkmahl der allerhöchsten Erkenntlichkeit für die Dienste, welche er dem Staate und den Wissenschaften erwiesen hat, mit einer paffenden Aufschrift und seinem Wapen im I. 1769 hat errichten lassen. E 66 Eben allda ist auch eine prächtige Sammlung der schönsten anatomischen Präparaten der berühmtesten Männer, Ruyschens, Al- bioS, Lieberkühn- u. a. m., welche Swieten fammt vielen Microscopen und den darin enthaltenen feinsten Präparaten für 20000 Gulden gekauft, und mit einer fürstlichen Freygebigkeit dem Collegium der Ärzte ge- schcnket hat. Sowohl diese als die anatomischen und chyrurgischen Instrumenten hat Hr. Doctor Schwediauer in einer 1772 von ihm verfaßten und im Drucke heraus gegebenen Jnauguralschrift vortrefflich beschrieben. Der Fronte des Universität-Hauses gegen über, ist in einem besondern Gebäude da- Naturaliencabinett, eine Sammlung verschiedener sehr schön erhaltener und seltener ausländischen Thiere, Schlangen, Eidechsen, nebst einem vollständigenReichthume au- dem Mineralreiche sind hier zusammen gebracht. Im ersten Geschosse in dem großen herrlichen Saale werden alle öffentlichen Ehrek- handlungen, Versammlungen, Vertheidi- gungen, Preisaustheilungen gehalten. Die xxxx 67 Wände diese- Saals sind durchaus marmo- rirl, mit vergoldeten Wandleuchtern, und mit Siegeszeichen von weißem Gyps ausge- zicret, große Bildsäulen, die die Tugenden der allerhöchsten Stifter bezeichnen, stehen in Bilderblinden. In der Höhe sind von bey- den Seiten Erker für die Musikchöre bey Feyerlichkeiten, und die an den Wänden angebrachten hohen Spiegel verherrlichen den Saal ungemein. Die Decke ist von dem berühmten Guillielmo gemahlt, und stellt die 4 Fakultäten mit ihren Kennzeichen und Aufschriften vor. Der Thüre dieses Saals gegen über, ist der Hör- und Lehrsaal der Physik und Mechanik, dieser ist mit allen zu denkenden Maschinen, Instrumenten, Modellen, besonders durch den aus allerhöchsten Gnaden zum Geschenke erhaltenen Zuwachs des aufgehobenen k. k. physikalischen Cabinetts zum Überflüsse, reichlich versehen. Außer den täglichen Stunden werden in diesem Saale an den Sonntagen im Sommer zum Nutzen der Künstler und Handwerker und aller Liebhaber überhaupt Vorlesungen über die Mechanik und alle Lheile derselben gehalten. E s 68 xxxx Neben dem Hörsaale der Physik ist jener der Gottesgelahrtheit, die Decke ist vom Maulbertsch gewählt und stellt die Laufe des Erlösers im Jordan vor. Über die Hintere Stiege, die von der vorigen durch den untern großen Vorplatz abgesondert ist, kommt man in die Hörsäle des bürgerlichen und geistlichen Rechts, der Reichsgeschichte, der Polizeymissenschaften u. s. rv. In Wien und auf den österreichischen Universitäten überhaupt hat man keinesweges zur Absicht, fremde Studierende herbey zu ziehen; das Augenmerk derselben ist bloß ihre einheimische Jugend zu bilden, sie an die Quelle der Wissenschaften zu führen , daß der Staat seine Ämter damit brauchbar besetzen und sein Volk in einer zweckmäßigen Cultur und Verfeinerung erhalten könne. Und das ist genug. Die Professoren werden von dem allerhöchsten Ärario besoldet. Seit einigen Jahren sind hier Collegiengelder eingeführt. Bey den Gymnasien beträgt es jährlich »2 fl. xxxx 69 bey der Universität skr das philosophische Studium 18 fl., für das juridisch^md me- dicinische Zo fi., das theologische, und der Unterricht für Wundärzte ist unentgeldlich, dieses Geld wird bloß zum Nutzen der Nation zu Stipendien h'rr Unvermögende, aber durch Fähigkeiten und Fleiß sich auszeichnende Jünglinge verwendet. Endlich muß man auch die Sternwarte den Fremden besonders empfehlen. Sie ist mit allen zu den astronomischen Beobachtungen erforderlichen Instrumenten aufs vollkommenste eingerichtet. Hr. AbbceDrics- neker , ein Schüler des sel. Hrn. Abbee Hell als k. k. Hofastronom empfängt die Fremden und andere Gelehrte, welche die Instrumente und die Sternwarte zu besehen oder zu benutzen verlangen, mit der größten Leutseligkeit. Die öffentliche herrliche Universitäts - Bibliothek verdient ebenfalls gesehen zu werden, sie ist durch die aufgehobenen Klöster, Wind, haqische undGeschwindische gestifteten Bibliotheken mit den kostbarsten Werken bereichert worden, und wird nach einer ganz neuen 70 XXXX Einrichtung mit den Büchern ans allen Fachern , die den Lehrern und Sä «lern nutzbar und nothwendig sind, täglich vermehrt. - Diese Bibliothek ist. Sonn- und Festtage ausgenommen, das ganze Jahr durch von 9 bis 12 Uhr Vormittags, und Nachmittag von Z bis § Uhr offen. öffentliche Schulen. Neben der Universität hat Wien noch 2 Gymnasien, dann das Thercsianische Akademiehaus, das Löwenburgische Collegium in der Josepbstadt, die RealhandlungSakade- mie , die Normalschule, zwey Hauptschulen, und viele kleinere Schulen iu der Stadt und den Vorstädten. Jedes Gymnasium besteht aus 2 Classen, in den die Humaniora nach den Classikern der lateinischen uud griechischen Sprache gelehrt werden. an jedem stehen L Lehrer und 1 Präfect, das erste ist in der Anuagaffe. das zweyte in der Josephstadt, welches die Waristen versehen. Referent über das Stu- xxxx -kl dienwefen in den k. k. Erbländern ist der k. k. Hofrath von Birkenstock. Normalschule. Sie nahm ihren Anfang im I. 1772. Der Urheber dieses nützlichen Instituts war der k. k. Rath und Rector der Wiener Stadtschulen Meßmer. In- der Folge wurde der Propst v. Felbiger, von Sagan aus Schlesien nach Wien berufen, und erhielt die Öberdi- rection über das sammtliche deutsche Schulwesen in Österreich , der nach dem Tode der Monarchin« aber Besitz von seiner ihm versicherten Propstey inPreßburg nahm, und r 788 allda starb. Dieses Institut ist in der Io- hannesgaffe, und besteht aus 4 Claffen, deren Lehrgegenstände hinlänglich bekannt find. Der Normalschulbücherverlag ist eben allda , er wird für Rechnung de- Instituts geführt, und die Bücher armen Kindern unent- geldlich ausgetheilt. Das sämmtliche deutsche Schulwesen steht unter der Leitung der k. k. Studienhofeommiffion. 7» XX XX Institut zur Bildung geschickter Schullchrerinnen. Ist in einem Flügel des UrsulinerklosterS und besteht uns 24 Mädchen von 7 bis »4 -Jahren. Was ein Schulmeisterseminarium für das männliche, ist dieses für das weibliche Geschlecht. Nach vollendetem Lehrkurs können sie als Lehrerinnen in öffentliche Mädchenschulen eintreten. Für die Religion ist ein geistlicher, für die übrigen Gegenstände sind weltliche Lehrer, für die weiblichen Arbeiten ist Frau Zee aufgestellt, die zugleich die Aufsicht hat; die Mädchen werden mit allem Nothwendigen unterhalten. Die Aufnahme hängt von der Wahl Sr. Maj. des Kaisers ab. Akademien. K. K. Realhandlungsakademie. Befindet sich in der Annagasse. Sie besteht seit 1770 Ihre Bestimmung ist ange» henden Kaufleuten und Handlungsbedienten xxxx 75 die nöthige Bildung zu geben. Sie lernen daselbst die Rechenkunst, Geometrie, Mathematik, deutschen Styl, Geographie, Naturgeschichte , Privathandlungswisienschaft, Handlungsgeschichte, Haudlungsrechte, Buchhaltung, Schönschreibekunst, Zeichnungskunst in Anwendung auf Manufakturen, Fabrik- wesen, französische nnd italiäniscke Sprache. Der Lehrkurs dauert u Jahre. Direktor derselben ist Herr Johann Wolf. Eine beträchtliche Zahl von Zöglingen, welche da ihren Unterricht erhalten haben, erscheinen bereits als geschickte Handlungsprinzipale, als Buchhalter bey Wechslern, Fabrikanten, als sehr brauchbare Staatswirthschafts - Beamte in den k. k. Buchhaltereyen und vieler Herrschaften. K. K. Akademie der bildenden Künste. Schon Kaiser Leopold entwarf im Jahre t704den Grund zu einer Kunst-Akademie, und ließ die Muster der hohen griechischen Kunst einen Laokoon, einen Vatikanischen Apoll, eine Medizeische VenuS, den Borg- hesischen Fechter in Rom adformen und hier- ' her bringen. Unter seinem Nachfolger Io- 74 XXXX seph f. wurde sie aber »70^ förmlich eröffnet, und unter Karl VI. erhielt sie noch mehr Unterstützung und eine Classe, die Architektur. Gran, Altomonte, Janek, Ferg. Dsauer wurden in dieser gebildet. Diese Akademie ist in der Annagaffe in dem vormahligen Jesuiten-Novizialbause; fte hat geräumige Säle und sehr Helle Zimmer für alle Claffen und Arbeiten. Sie besteht aus 7 Claffen, nähmlich: 1. DieGcschichtsmahlerey. 2. — Bildhauerey. Z. — Architektur. 4. — Landschaftsmahlerey. L. — Erzverschneiderey. 6. — Kupferstecherey, und 7. eine Fabrikantenschule. Ihr Protektor ist seit 179z Graf v. Cobenzl. Ihr Vorsteher war der verdienstvolle Freyherr von Sperges, welcher den 26. Oktober 1791 starb. Seine Stelle als Präsident bekamen Se. Exc. Graf Philipp Joh. von Cobenzl, Haus- Hof- und Staats, Vizekanzler rc. Der beständige Sekretär iff 75 Herr Hofrath von SonnenfelS, dem noch der k. k. Official des geheimen Hausarchivs, Anton Winkopf, substituirt ist. Das dazu gehörige Personal ist: deraka- demische Rath, die Ehrenmitglieder, wirkliche Mitglieder, und die Schüler. Jede Classe hat ihren Direktor und Lehrer. An die Schüler, welche die besten Preisstücke verfertigen, werden jährlich Prämien, und alle zwey Jahre goldene Münzen auSgetheilt. Von Zeit zu Zeit wird auch eine öffentli- * che Ausstellung neuer sehenswürdiger Stücke von bereits vollendeten hiesigen Künstlern und andern akademischen Mitgliedern in dem großen Modellsaale, und einigen Nebenzimmern veranstaltet, und ein eigens gedruckter Cata- log darüber ausgetheilt. Akademische Künstler. Architekten. Herr Joseph Beck, (Lehrer der Theorie.) — Dervez, (Hof-Unterarcht.) 76 XXXX Herr Vicenz Fischer, (Lehrer der Ornamente.) — Andreas Fischer, (Lehrer der Practik, und Hof» Archt.) — Melchior Heferl, (Mitglied.) — von Hohenberg, (Hof Archt. und Direktor.) — Kohl, (Mitglied.) — Martinelli, (Hof-Archt.) — Nlkelli, (Hof Archt.) — Platzer, (Mitglied.) Antiken. Künstler. Herr Lang, Graveur. Er besitzt auch die Kunst, aus Emaile geschnittene Figuren auf Glasflüsse zu legen. Seine Kunst zeigt sich vorzüglich in Porträten. Blumenmahler. Herr Drechsler, (Lehrer.) — Püchler, (Mitglied.) Bildhauer. Herr Fischer, (Professor der Anatomie.) 77 Herr Graffi, (Modellmeister.) — Kögler, (Mitglied.) — Sautner, (Mitglied.) — Vogl, (Hofbildhauer.) — Zächerl, (Mitglied.) — Zauner, (Professor.) Elfenbeinschneider. Herr Sebastian Heß, einer der ersten Künstler in Europa, er besitzt eine unnachahmliche Fertigkeit in Verfertigung der Figuren, Blumen u. s. w. vom Elfenbein für die Ringe. Errverschneider. Herr Donner, (Medail-Grav. Vdjunct.) — Johann Hagenauer, (Director und Lehrer dieser Schule.) -— Thomas Lang, (Mitglied.) — Vinazer, (k. k. Münzgrav.) Emaiüeur. Herr Philipp Schindler, (Director in der k. k. Porzellanfabrik.) 7« xxxx Graveur. Herr Johann Dominik Kalbe. — Krichel. — Rakelheyf. — Schafermann. — Wirth, (k. k. Kammer - Medailleur und Münz - Graveur.) Historienmahler. Herr Abel. — Franz Casanova, — Füger, (Direktor der Mahler- und Bildhauerclaffen.) — Johann Greippel, (Mitglied.) — Lampi, (Lehrer.) — Maurer, (Lehrer.) -— Unterberger. Landschaftsrirahler. Herr Friedrich Brand, (Lehrer.) — Heidelanf, (Mitglied.) — von Molitor, (Mitglied.) — Rosa, (Galleriedirector) — Schallhas, (Lehrer.) 79 XXXX Herr Schönberger. — Wutki. Conversationsmahler. Herr Adam Braun, (Mitglied.) Kupferstecher. Herr Adam. — Fischer, (k. k. Kammer-Graveur) — Kohl. — Leicher. — Mannsfeld. — Mark. — Adam Partsch. — Schmutzer, (Direktor.) — Schütz, (Mitglied.) — Ziegler. Kupferdrucker, akademischer. Herr Länderer. Kunst- und Musikalienhändler- Herr Arten« und Comp. «o Herr Stöckel. — Eder. — Koschelluk, (zugleich Musikalien von seiner Composition.) Miniaturmahler. Herr Anker. — Bauer. — Fuchseder, (k. k. Kammermahler.) — Füger. — Jelka. — Mayr. — Näglär. — Radler. — Räßler. Porträtmahler. Herr Joseph Grassi. — Joseph Hickel, (k. k. Kammcrmahl.) — Kaspar, (Mitglied ) — Kreutzinger. — Lampi. — Linder, (Mitglied.) — Rähmel. — Weickert. 8 , XXXX Past llmahlerey. Frau Gabriele Bayerinn, (Mitglied.) Herr Steiger. Punzenrrranier. Herr Durmer. — JoncS. —- Carl Pfeiffer. Schabekunst. Herr Jakobe, (Professor.) — Geiger. — Kinninger. — Klerk. — Pichler. — Rhein. — Wrenk. Silgrlstecher. Herr Abraham, — Greifendder. — Hübner. — Neumann. — Wißmayr. Thiermahler. — Dallinger, (Fürst Lichtenff. Gallerie» Jnfpect.) r Ls XXXX Herr Fuchseder. — Rosa, (Jnspect. der k. k. Gallerie.) Tuschmanier. Herr Jos. Ant. Herzinger. Wapenmahler. Herr Bauer. — Mayer. Zeichnet. Herr Baron, (Lehrersadjunct.) — Eisenhut. — Fischer. — Grabner, (Ornamente Zeichner.) — Janscha, (Lehrersadjunct.) — Kininger. — Köpp, arbeitet inderMosaik scagliola. — Kibler. — Ramlo. — Sambach. Anmerkung. Die Wohnungen dieser Künstler sind in dem akademischen Gebäude zu erfragen. xxxx 8Z K. K. orientalische Akademie. Ist in dem sogenannten Jakoberhause. Sie nahm am ». Jänner 1754 ihren Anfang , und steht unter der geheimen Hof- und Staatskanzelley. Der würdige und gelehrte Herr Hofralh von Jenisch hat die Aufsicht über diese Akademie, von der Herr Abbe e Höck Direktor ist. Die l 2 Eleven erhalten vorzüglich Unterricht in den orientalischen, aber auch in den vornehmsten lebenden europäischen Sprachen, und in den für junge Edelleute bestimmten Wissenschaften. Nach vollendetem LehrcurS werden sie unter dem Nahmen der Sprachknaben nach Konstantinopel zur Gesandtschaft geschickt, allda die Geschäfte mit zu machen, und sich practisch in den Sprachen zu üben Bey Gelegenheit werden sie wieder in die geheime Staatskanzelley zurück berufen. um in den orientalischen Geschäften zu arbeiten, oder sie werden als Consnls nach der Moldau, Wallachey. nach den Häfen und Inseln im Archipel, im Kriege gegen die Pforte als Dollmetscher zu den k. k. Armeen angestellt. Diese Akademie gab Meninsky großes tür» 8 -- 84 XXXX ' tisch-arabisch-perfisch - italienisch - lateinisches Wörterbuch, neu vermeh t und gan^ umgearbeitet, in 4 Median-Folio-Bänden heraus, das in der von Kurzbeckischen k. k. Hofbuchdruckerey auf eigene Kosten gedruckt und vollendet wird. K. K. Theresiamsche Akademie. Ist am Dominikanerplatz. Diese vortreffliche Verfassung besteht seit dem August 1734. In diesem Gebäude erhalten die Eleven der ehemaligen therefianifchen und savoyischen Ritterakademie Unterricht in Humanioren, in Sprachen, Fechten und Tanzen. Dir Stiftungsplatze, welche sich vormahls in der erwähnten Ritterakademie befanden, find in - Classen getheilet worden. Die erste Classe . . . §oo fl. Die zweyte — ... 400 fl. Die dritte — ... Zoo fl. Es hangt von der Verwendung eine- je» den Stipendiaten ab, welcher Classe der Stipendien er fich für jedes Jahr würdig macht. Jeder von diesen kann seine Studien hier . xxxx 45 oder in einer Provinz fortsetzen. Die Aufsicht über dieses Haus führt der Rector, Herr von Sonoenmayer. * Institute. Taubstummen - Institut. Das Wohnhaus der Taubstummen ist auf dem DominikanerplaHe, und führt die Aufschrift: 8I7kl)0kl7kl KWIOKVNYVL insmvuoxi L? vicuvl 708Lkttv8 II. XI70. vii)ccl.xxxiv. Die Zahl der vom Institute unentgeldlich unterhaltenen Taubstummen wurde von Sr. Majestät aufzo zwar bestimmt, aber nicht eingeschränkt. Wer einen Taubstummen über diese Zahl ins HauS bringe« will, zahlt für Kost, Kleidung, Unterricht, und alles überhaupt 100 fl. Herr Joseph May ist Direktor und Leh- -6 ^ XXXX » rer dieses Instituts; Präfect Herr Stramm z Zcichenmeister Herr Weinberg; Katechet Herr Zech. Die Knaben werden zu verschiedenenHand» werken augervendel, und die Mädchen in den rwthwendigen weiblichen Handan-eilen unterrichtet. Nebenher ist auch eiue Buchdru- ckerey angelegt. Am Sonnabend in jeder Woche steht jedermann der Besuch dieses Hauses offen. Armen-Institut. Der Erfinder dieses in feiner Ar^einzigen Instituts ist Herr Graf von Buquvi, der es am ersten auf seinen Herr chaften in Böhmen 1779 gegründet, und im Jahre >78; auf Anordnung Sr. Maj. Kaiser Joseph H. hier in Wien eingeführet hat. Von diesem Institute ist eine eigene Beschreibung gedruckt. In allen Kirchen find blecherne Büchsen angehängt, welche die Aufschrift haben : Für daS Armen-Institut. Daß die Wiener nicht alles auf Essen und xxxx 87 Lrinken anwenden, und nur für sich selbst sorgen, wie ihnen die Fremden nach genossener gütigen Aufnahme bis zum Ekel in ihren nachher heraus gegebenen Reisebeschreibungen vorwerfen, zeigen die reichlichen freywilligen Beyträge für dieses Armen-Institut, die alle Monathe in dem Wiener-Diarium bekannt gemacht werden, Das Leihhaus oder Versatzamt. Ist eine vorzügliche, wohlthätige Anstalt, um dem Wucher zu steuern. Jedermann erhält hier Geld für Pfänder, welche er in einer bestimmten Zeit, nebst den billigen Zinsen wieder einlösen muß. Dieses Institut ist in das herrliche Gebäude, des aufgehobenen Stifts St. Dorothe verlegt, und die prächtige Kirche zu einem Depositorium für die Pfänder eingerichtet worden. Das Amt steht täglich, mit Ausnahme des Sonnabends, der Sonn- undFeyertage, des Morgens von 9 biS Z 2 Uhr, und von Z bis 6 Uhr Abends offen. übrige Prachtgebäude in der Stadt. Die Reichskanzelley. Dieses im Jahre -8 XXXX 1728 vom Fischer v. Erlach aufgefübrte Gebäude nimmt die ganze Länge des Burgpla- Hes von einer Seite, das ist von der alte" Burg bis zum Amalienhof ein. Es ist für die Reichskanzelley und für die Wohnung deS Vicckanzlers bestimmt. Der kaiserliche Reichshofrath hält auch allda seine Sitzungen. In der Mitte dieses herrlichen Gebäudes ist das Wapen K. Karls VI. An jedem Ende desselben ist ein großer Schwibbogen, und an deren jeder Seite gegen den Burg- platz zu, eine Gruppe von kolossalischer Größe von weißem Steine. Eine stellt den Herkules als Überwinder des Atäus, die andere eben diesen Helden als Überwinder de- Bustris vor. In der dritten bändiget er den Löwen aus dem nemäischen Walde, und in der vierten bezwingt er den wüthcuden Stier, welcher die Insel Kreta verwüstete. Diese 4 Gruppen find vom Matthicli, und verdienen betrachtet zu werden. Die geheime Hof- und StaatSkanzelley auf^>em Ballplatz. Das k. k. Münzhaus, wo ehedem Priaz Eugen wohnte. / ; mW «'VLL'. «L'^r ilochUL' «W K^M ^7//. > ,Mtt«ttttM »i jiMMW l'^MrüA -../'.^ch'^r- I min« »«>»»,i» 1 »»>> Ilss,,/»^ INI»«» I lä'H ,»S« tt I ' ' INI»« W > , r» 4 E> rnii i LMI l^ük s^"i's^!l> .kHlSk 4 L^!, -L^ ^>s-! i?j »"k^c' " ^üK- .. >>«>»»»» .->»»" M-. > .I >»»»»»»>! E,»»!^i!» Iii«»»l! , »> > » » » » > > » » » mN / xxxx 89 Die böhmisch - österreichische Hofkanzel- ley; eil» prächtiges mit Bildsäulen und andern Zierathen geschmücktes Gebäude, unter Maria Theresia aufgeführt. Es steht vo« allen Seiten frey. Die k. k. Hofkammer. Die Hofkriegskanzelley, dessen Fronte auf den Hof geht, ist eines der größten und schönsten Gebäude Wiens. Es hat 2 Höfe, ist 4 Geschosse hoch, und enthält die Hauptwache, vor welcher 4 Regimenlsstucke stehen. AbendS wird hiervor dem Zapfenstreich im Sommer türkische Mustk gemacht. Die königlich ungarische Hofkanzettey. Das k. k. Hauptzollamt. Hier werden die ankommenden Wagen und Maaren besichtiget. Das Rathhaus. Der neue Fürst Aloys Lichtensteinische Pallast in der Herrngasse mit der Reitschule , Bibliothek und Theater, 9« XXXX Die Bibliothek besteht auS zosoo Bä», den der seltensten Werke, nebst einer großen Anzahl von Manuskripten. Bibliothekar ist Herr Abbate Luchini; Archivarius Herr Mostler ; Adjunct und dritter Bibliothekar Herr Caro. Das Lichtensteinische Majvrathaus auf dem Minoritenplah, allwo die prächtige Bildersammlung ist, die keiner andern, nur der bey Hofe ausgenommen, weicht. Fürst Johann Adam war der Stifter deS fürstlich. Lichtensteinischen Hauses. CS wurde im Jahre 1699 zu bauen angefange» und im Jahre 1711 vollendet. Eben dieser Fürst ist auch größten Theils der Urheber dieser schönen Sammlung, von welcher man nur das Merkwürdigste berühren will. Nach seiner hinterlaffenen Verordnung muß sie beständig bey dem Hause Lichtenstein bleiben und immer auf den regierenden Fürsten kommen ; durch diese gute Einrichtung ist sie immer zahlreicherund ansehnlicher geworden. FürstJoseph Wenzel hat sie in 20Jahren, mit den kostbarsten Stücken bereichert, und xxxx yl unter dem letzt verstorbenen Fürsten Franz Jostph von Lichtenstein hak sie einen Zuwachs von Vollkommenheit erhalten. In dieser Gollerie findet man Stücke von den größten Meistern aus jeder Schul«. — Man kommt Anfangs in einen großen Saal, der 4Z Fuß in der Höhe , 7z in der Länge, HA in der Breite und ^.o Fenster hat, und mit verschiedenen Büsten nebst 4 sehr großen Gemählden vom Skreta, einem Böhmen, gezieret ist. Das erste Zimmer ist vorzüglich durch r Altarblätter von Rubens und Guido Reni, einer Skizze vom Raphael grau in grau, und der Mosaik wegen merkwürdig, die da- Porträt vom Fürsten Wenzel von Llchtenstein vorstellt. In den übrigen Zimmern fieht man eine große Anzahl Gemählde von de Vinci, Han- dekatter, Wenix. Damm, Grrards Basreliefs; die »2 Pro'pecle von Venedig vom Kanaleti; 2 Köpfe vom Seybold; die r- mythologischen Stücke von Franceschini, dann vvn Lukka Giyrdano, Pelegrini, Gui« pr XXXX do, Michael Angelo, Karavacci, Poussiu, Pietro Testa, Dandyks, Alkaui, Dome- nichini. Besonders merkwürdig ist das eilfte Zimmer mir der berühmten Geschichte des De- cius vom Rubens in 7 sehr großenGemählden. Wouvermans, Bruyn, Bauer, Hamilton, Rsfalba, nebst einer Menge geschnittener Arbeiten, Statuen, Bronzen und Vasen verdienen die Aufmerksamkeit der Fremden, welche die Kunst zu schätzen wissen. Die Anzahl der Gemählde beläuft sich über Kvo Stücke. Herr Dallinger hat die Aufsicht darüber; eS ist auch ein eigener Cata- log davon gedruckt. Der jetzt regierende Fürst Aloys 0. Lich- tenstein, welcher selbst Kenner und Schätzer der Kunst ist, vermehrt diesen von seinen Ahnen ihm hinterlasseuen Schatz unablässig mit neuen kostbaren Stücken. Er hat auch eine Sammlung von Kupferstichen angelegt, wo- zn der vom Reichsreferendar von Gundel hintcrlasseue and vom Fürsten erkaufte sehr xxxx 9S zahlreiche Vorrach den Grund legte, und die der Fürst nun täglich vermehrt. Die Auf« stcht darüber hat Herr Kammermahler Bauer. Das Fürst Paarische Haus beym Stubenchor, welches wegen der Pracht der inner» Einrichtung besonders gesehen zu werden verdient. Der Lobkowitzische Pallast ans dem Spiralplatz. Das gräflich Frießische Haus am Josephsplatz , das nach dem neuesten Geschmack auf das kostbarste meublirt ist. Die beyden gräflich Harrachifchen Häu- ser auf der Freyung. Das gräflich Schönbornifche Haus eben allda. Da- Fürst Bathyanische in der Herrn- gaffe. DaS Fürst KinSkysche eben allda. «4 Das Landhaus eben allda. Ein alte- Gebaude von sehr unregelmäßiger Bauart, das aber einen großen herrlichen Saal hat, und bloß allein zu den ständischenVersamm-- lungen und ihren Kanzelleyen bestimmt ist. Das Erzbischöfliche Haus bey St- Stephan. Das große Gebäude des deutschen Ordens eben allda. Das Herzogliche Savoyische Stiftbaus in der Hohannesgaffe (die Statue der Jungfrau Mariä vom Mcsserschmid kann man nicht unbemerkt lassen. Das Fürst Esterhazische Haus in der Wallnerstraße. Das Fürst Karl Lichtensteinische eben allda. Das Fürst Auerspergische in der ober» Schenkenstraße. Das GrafPalfische in der hintern Schenkenstraße. xxxx 95 Äas Fürst Starhembcrgische aufdemMi. Uoritenplatzc. Das gräflich Thunische eben allda. Das Fürst Schwarzenbergische ans dem neuen Markt. Die päpstliche Nuntiatur auf dem Hofe. DaS Baron von WeHlarische Haus in der Teinfaltflraße. Das HauS die Weintraube auf dem Hofe, merkwürdig wegen seiner Höhe von 9 Geschossen. Das ungeheure einer Landstadt ähnliche neu erbauete Bürgerspital, das io Höfe, Lo Stiegen, und 4 Stockwerke hat, und über 80,000 Gulden Zins einträgt. Das vorhin der Niederländischen Kan- jelley gewidmete Gebäude auf der Bastey bep den Augustinern. Die groß« Artillerie-Kaserne auf dem SalzgrieS. 96 x«x Cs sind noch mehrere Palläste ansehnlicher und reicher schon seit Jahrhunderten hier ansäßlger Familien. die zwar von au» ßen nicht prachtvoll find, aber an innerer Einrichtung alles, was immer unser verfeinertes Jahrhundert an Pracht, Bequemlichkeit und Niedlichkeit Auszeichnendes ersonnen hat, in fich fassen. — Darunter man den Möikerhof und viele andere neu erbauete Häuser und Prälatenhöfe zählen könnte. Z. VM. Merkwürdige Kirchen und Klöster. r. St. Stephan. Die Hauptkirche Wiens ist die Domkirche zu St. Stephan, dieses schwarze und go- thische, aber ehrwürdige majestätische Gebäude ist noch ein Denkmahl der alten soliden Bauart. Ihren ersten Anfang hat ste dem österreichischen ersten Herzoge Heinrich Jafomirgott zu verdanken. Dieser Fürst leg. re, wie aus glaubwürdigen Urkunden erwie- EM- «- Mi L' n?.'d 1 7^, l *'. ^ xxxx 97 ftn ist, im Jahre l «44 der erste Grund zu dieser prächtig n Kirche, und also im Ate» Jahre, nachdem er die Regierung von Österreich angetrcten hat. Im Jahre 1147 war sie vollendet, und wurde von dem paffaueri- schen Bischöfe Reinbrecht zu Ehren des heil. Stephan eingeweiht. Sie war aber bey weitem nicht so groß, ob sie schon die Hauptpfarre gewesen ist. —' Diese Slepbanskir- che lag auch nicht damahls inner den Stadtmauern. Im Jahre 12^8 brannte sie vollkommen ab , daß auch sogar die Glocken zerschmolzen sind. Sie wurde wieder aufge- bauet. Aber im Jahre »26^ brannte sie zum zweyten Mahle ab, woraus sie Ottokar, Königin Böhmen vom Grunde auf wieder hcr- pellte. Im Jahre «27z war diese Kirche schon in solchem Ansehen, daß unter dem Vorsitze des päpstlichen Nuntius eine dreytägige Kirchenversammlung gehalten wurde. Im Jahre 127k stattete K. Rudolph t. nach erhaltenem Siege über K. Ottokar in dieser St. Stephanskirche seinen Dank auf das feyer- lichste ab. Im Jahre 1Z26 wurde sie durch die angebauete tirnaische, und einige Jahre darauf durch die so genannte Tauskapelle vergrößert. Im Jahre 13^9 aber erweiterte sie G §8 XXXX Herzog Rudolph IV. mit seinen Brüdern Albrecht II. und Leopold durch das angebaue- te Chor oder Sanctuarium, und fing an zugleich die 2 großen Thürme zu bauen; weil er aber 6 Jahre nach angelretener Regierung zu Mayland starb, konnte dieser Fürst das angefangene Gebäude nicht vollenden; Albrecht und Leopold, die Brüder dieses verstorbenen Herzogs, dann Matthias, K. in Un* garn, Kaiser Friedrich I V. und andere nachfolgende Fürsten setzten aber das Gebäude fort und brachten es endlich zu dem jetzigen vollkommenen und bewundernswürdigen Stande; besonders muß man anmerken, dass der große annoch unausgebaute Thurm dem andern hätte gleich hoch gemacht werden sollen, und daß, obwohl er nicht höher als 25 Klafter ist, doch mehr als 200 Jahr daran gebauet worden, aber gleichwohl nicht vollendet worden ist. So viel überhaupt von dem Ursprünge der St. Stephanskirche. Im I. r zkL wurde diese Kirche, die vorher nur eine Pfarrkirche war, zu einer Prop- stey und Collegiatkirche erhoben. Im Jahre »46g wirkte ihr K. Friedrich IV. den Vorzug ans, einen Bischof erwählen zu können xxxx 99 und im I. 162Z erhielt sie auf Vorspruch K. Karl VI. auch einen Erzbischof. Sie ist ganz von Qaatersteinen nach go« thischer Bauart. Von außen ringS herum in der Höhe find steinerne Gänge von zierlicher Steinmetzarbeit, aus welcher das zwepfache »8 Klafter hohe, mit roth, grün und weiß glasirten halbrunden Ziegeln gedeckte Dach empor steigt. Man kann diesen Dachstuhl ein ungeheures Werk nennen; die Haupt, stämme davon machen 2889 Stücke aus. Das Innere der Kirche ist majestätisch feyerlich, und erfüllt den Zuschauer mit Ehrfurcht. Die gothischen Verzierungen, die Ungeheuern Säulen, die dicken schwarzen Wände lassen recht ehrwürdig. Die Länge der Kirche ist 342, die Breite 222 und die Höhe bis zum Gewölbe 79 Schuh. DaS Gewölbe der Kirche wird durch 18 frey stehende und eben so viele Wandpfeiler unterstützt. Sie hat z8 bloß marmorne Altäre und gute Altarblätter; das am hoben Altäre auf w 2 100 Zinn gemahlen, ist von Bock, die an -eit großen beyden Seitenallären von Sandras An einem der Wandpfeiler ist ein Lcce tio» mo mit halben Leib, von Correggio. ES sind in dieser Kirche mehrere merkwürdige Grabmahle, vorzüglich muß man das Grabmahl K. Friedrichs IH., weichet im Jahre 149.; in Linz gestorben ist, nicht unbemerkt lassen: dieses Grabmahl ist an der rechten Seite des Sanctuariums unter dem großen Kreuzaltar. Es ist ganz von weiß und rolhem Marmor, 12 Schuh Z Zoll in der Länge, 6 Schuh 4.z Zoll in der Breite und § Schuh in der Höhe, mit mehr als Zoo Figuren, ZL Wapen, darunter einige Schuh hoch sind, ungemein fleissig auSgear- beitet, die aber mit unserer jetzigen so vollkommen gewordenen Kunst verglichen, eben nicht als Meisterstücke betrachtet werden können. Aufdiesem Grabmahle ist das liegende Bildniß K. Friedrichs IH. in Lebensgröße mit dem kaiserl. Ornate, der Krone aufdem Haupte und den übrigen Jnstgnien vorge- siellt. Dieses Grabmahl hat 40000 Ducaten gekostet. rar xxxx DaS Grabmahl und wichtige Denkmahl des Heldeu^Prinz Eugen von Savoyen, ist im hintersten Theile der Kirche in der so genannten Kreuzkapelle. Zur Linken des Gitters am Eingänge in diese Kapelle steht man das Grabmahl deS berühmten Geschichtschreibers, Philosophen, Arztes, Redners, Dichters und Bürgermeisters zu Wien, Johann Spießhamer, mit einer von ihm selbst verfaßten Inschrift. An einer andern Stelle ist ein Grabmahk, das in seiner Art ebenfalls merkwürdig ist. Dort ruhet ein ehemahliger Domprvpstvon Wien. Er war wegen feiner aufgeweckten Gemüthsart ein Liebling des Kaisers Maximilian, und begleitete ihn auf seinen Reisen. Die Niederländer, die damahlS re- bellirten, nahmen Maximilian förmlich gefangen ; er rettete feinen Herrn aus dem unwürdigen Behältniß, und zur Dankbarkeit machte ihn Maximilian in der Folge zum Dompropst von Wien, wo er starb, und in seiner Domkirche begraben wurde. Die Grabmahle des 17.5» verstorbenen ros XXXX CardinalS Kollonitz und des im I. »7^7. verschiedenen EardinalS Trauthson sind sehenswürdig. Merkwürdig ist auch das Bildniß des Baumeisters dieser Kirche in Bildhauerarbeit bey dem Peter- undPaulusaltar nahe bey derKan-» zel, der Anton Pilgram soll geheissen haben. In dieser Kirche werden auch die Eingeweide der aus dem Hause Österreich verstorbenen Fürsten und Fürstinnen in eine Gruft beygesetzt, die schon von Rudolph IV. erbaut worden, und so in Vergessenheit gekommen, daß niemand voa ihrem Platze etwas wußte, bls sie endlich unterK. Friedrich Hl. durch einen ungefähre« Zufall wieder entdeckt worden ist. Die allda befindliche Schatzkammer, die einen großen Überfluß an goldenen, silbernen und mit Edelsteinen besetzten Reliquienka- sien, Geschirren, Altarzierathen, kostbaren Kirchenschmuck hat, verdient allerdings gesehen zu werden. Im I. »79» ist auch die bisher unbrauch- xxxx ,VK bare große Orgel am Ende der Kirche für 9000 fi. ganz neu hergestellt worden. Auch von außen um diese Kirche sind ei» ne Menge alter Basreliefs, Bildnisse und eine Menge an die Mauer befestigter Leichensteine, Die aus Stein gehauene an der Ecke stehende Kanzel ist deßwegen merkwür- dig, weil der heil. Johann Capistranus im I. 14.Lt allda gepredigt hat. Der ganze Hof um St. Stephan, oder der Stephansfreydhof ist nun durch die 4 abgebrochenen Lhore eröffnet worden, und durch Wegräumuug einer Reihe kleiner unansehnlicher Hauser die Fa^ade frey. Vielleicht erleben unsere Urenkel einst noch die Freude, unter einer schönen Lindenallee rings um die Stephanskirche spazieren gehen zu können. Die auffallendste Zierde der Stephans- kirche ist der gegen Mittag stehende und vollendete Thurm; er ist einer von den höchsten in Deutschland, und nur etwas wenig niedriger als der Straßburger Münsterthurm; diese herrliche koloffalische Pyramide, selbst «uch die Spitze, ist durchgebrochen, mitLaub- ,o4 XXXX werkt, Rosen und Blumen durchwunden. Er wurde im I. l^6o zu bauen angefangea und 14ZZ vollendet. Er ist ganz aus Qua- lersteinen aufgeführt und 4z4^ Schuh hoch. Um ihn besteigen zu dürfen, muß man einen Paffierzettel vom Kirchenvorsteher haben, der aber, besonders einem Fremden, leicht ertheilt wird. Man hat über 700 Stufen zu steigen bi- man die enge Spitze erreicht. Die Stiege besteht aus steinernen und 200 hölzernen Stafeln; bis zur Spitze des Thurms aber kommt man auf Leitern, Im I. 168z sind aufdiefen Thurm während der letzten türkischen Belagerung über ior>o Schliffe geschehen, daß man an der Ausbesserung bcynahe 4 Jahre zu lhun hatte. Im I. i6Zl hat man diesen Thurm wegen des Beykagers Erzherzogs Ferdinand HI. und 16^7 wegen seiner römischen Königswahl mit Laternen beleuchtet. Das mag eiy bezaubernder Anblick gewesen seyn, xxxx IVA Dieser Tburm, es sey entweder ans Eigensinn des Banmeisters, oder ans einem ungefähren Zufall, oder durch Erdbeben, oder, was am wahrscheinlichsten ist, weil ein Thcil der Grundfeste gesunken seyn mag, ist, wie man sicht, krumm, und bängt stark gegen der Nordseite. In diesem Thurmeist, nebst andern 4 kleinern die größte sogenannteJosephinische Glocke, welche z54 Zentner, ohne den Schwangel ,. der ins besondere 1Z00 Pfund schwer ist, wiegt. K. Joseph I. hat sie imJ. 17» r ausvinem Theile des von den Türken eroberten Geschützes gießen lassen, wo sie bey des allerhöchsten HofeS feyerlichem tzinzuge nach St. Stephan, bey Jahrstagen der K. K. Majestäten und andern vornehmen Todesfällen , auch hohen Kirchenfesten majestätisch und langsam brummt. Die Ziffern am Uhrblatte sind 2 Schuh lang, die Höhe der Uhrtafeln 2 Klafter L Zoll, die Breite t Klafter L Schuh und z Zoll, der Stundenzeiger ist r Klafter und 4 Zoll lang. Die Uhr schlägt bloß die Stunden; -je Viertel schlägt der Thurmwächter, um ihn tvü x^xx des Nachts munter zu erhalten. Es sind aber deren 4 angesiellt, die abwechselu. In dem gegen der Nordseile stehenden bisher noch unausgebaueten LL Klafter hohen Thurme, welcher seit dem I. 1446 angefangen. 1L79 mit einer Kuppel von Kupfer ans einem untergesehtey steinernen Glockengewölbe gedeckt worden ist, hangt eine andere Glocke , die sammtdem Schwänget 288L0 Pfund schwer ist. Zwey andere, aber weit kleinere Lhürme- die schon im I. i144 zugleich mit der ersten Kirche erbauet worden, sind auf der Abend- feite an den zwey Flügeln der Hauptpforte, welche im hintersten Lheile des Schiffes der Kirche dem Hochaltäre in gerader Linie entgegen ist. Nebst dieser Pforte sind noch 4 andere, nähmlich an jedem Ende der Seitengewölbe eine. Die Breite der Kirche zwischen den 2 großen Thürmeu ist Z/ Klafter 2 Schuh. 2. St. Peter. Die Erbauung dieser Kirche muß ebenfalls ^-7 7 :-^ Z' xxxx 107 sehr weit hinaus gesetzt werden, weil sie schon vom K Karl dem Großen um das I. 792 erbauet worden ist. Jedoch von diesem ersten Gebäude ist h?ut zu Tage nichts mehr übrig Sie war schon im I. »276 eine Pfarrkirche, doch sehr klein, dunkel und baufällig. Zu Anfang dieses Jahrhunderts ist sie neu gebauet worden. K. Leopold hat im Jahre 1702 den ersten Grundstein gelegt. Diese Kirche ist jetzt eine Collegiat- und Pfarrkirche; sie hat einen Dechant und mehrere Weltgeistliche, welche seit einigen Jahren durch den verstorbenen k. k. Rath von Schwandtner gestiftet worden , dessen marmorsteinernes Grab man auch in dem Sanktuarium da sieht. Sie ist eine der schönsten Kirchen Wiens, ovalrund, oben auf ist eine mit Kupfer gedeckte, in der Höhe mit einer Laterne und von Rothmayr gemahlene Kuppel. Alle innern Wände sind marmorirt. In dieser Kirche sind 8 Altäre, die Altarblätter vom Altvmonte dem Vater, Rothmayr, Sconians io8 AXXX und Rcem. Die gewölbte Decke de- Chors ist vom Bibiena gewählt. Im I. 1756 ist nach dem Testamente des obgedachten von Schwandtner der Eingang mit einem prächtigen Portal aus grauem Marmor und mit vortrefflichen Statuen von Bley verherrlichet worden. Bey der Hauptpforte zur linken Seite fieht man das Grabmahl des berühmtes Wolfgang Lazius. s- Die Kirche und Abtey zum Schotten. Man nennt diese Benediktinermönche gemeiniglich die Schotten, weil Heinrich I. Herzog von Österreich, der im Z. diese Kirche sammt Kloster zu bauen anfing ; im I. i i §8 beyde den Benediktinern aus Schottland geschenkt und die Pfarrverrich- tungen ausgewirket hat, die damahls verschiedene Hauser in Deutschland hatten und im besondern Rufe waren. Im I. »41? aber haben es die deutschen Benediktiner- mönche in Befih genommen. xxxx 10Y 8m Jahre is/List das Kloster summt der Kirche und dem ganzen Schottenviertel, r 488 stnd die Thürme dieser Kirche und 6 Glocken, 16ZL adermahl der Kirchihurm, und rm Jahre 168Z die Kirche, der Thurm, das Kloster und alle anstoßenden Gebäude durchs Feuer verzehrt worden. Im Jahre wurde das Kloster von der eingelegten Miliz sehr mißhandelt, und die Bibliothek zerstört. Die jetzige Kirche, welche nach dem 168z gemachten Plane zu bauen angefangen worden, ist ziemlich groß, und hat ein feyerlichesAn sehen. Das Hochaltarblatt ist von Sandrat, die übrigen von Bock undBach- mann. Sie ist die zweyte Hauptpfarrkirche. Hm Kreuzgange, in welchen man von der Kirche kommen kann, ist eine große Anzahl sehr alter Leichensteine. Herzog Heinrich, der im Jahre 1177 starb, hat in der ersten Kirche dieser Abtey, die er gebauet hat, sein Begräbniß gewählt. Der dazu gehörige Schottenhof ist eines der größten Gebäude Wiens, in welchem sehr schöne und große Wohnungen verschiedenen Privatpersonen vermischet werden Ito xxxx 4- Die Kirche bey St. Michael und das Collegium der Barnabiten. ^Diese Kirche ist die dritte Hauptpfarrkirche der Stadt. Man weiß das Jahr ihrer ersten Erbauung eben nicht genau, sie war doch schon im Jahre 12/6 eine Pfarrkirche. Alten Urkunden gemäß war die Stiftcrinn derselben eine fromme Witwe. In eben be- meldtem Jahre ist sie ganz abgebrannt, wieder einige Zeit nachher erbanet, von Rudolph und Otto, Herzogen von Österreich, vergrößert, und endlich 1416 vom K. Al- brecht V. so wie sie jetzt ist, gebauet worden. K. Ferdinand II. hat sie im Jahre 1626 sammt dem Collegium den regulirten Geistlichen von der Congregation des heil. Paulus, im gemeinen Leben Barnabiten genannt, eingeraumet. Die Kirche ist schön und groß, sie ist durch zwcy Säulenreihen in z Theile. getheilt, der Hochaltar ist von Gyps, und stellt in halb erhabener Arbeit den Sturz des Teufels durch den Erzengel Michael vor. Vorne am Altäre sind zu beyden Seiten zinnerne Platten , in welche Figuren von halb erhübe- xxxx 11 l ner Arbeit gearbeitet find. Die Figuren des Hochaltars selbst ziehen fich bis an die hohe Decke des Chors, in welchem der Altar steht, hinauf, das erst vor wenigen Jahren mit vielen Kosten gemacht worden ist. An einer Seitenwand hängt das vormahligeAltarblatt, gemahlen vom Herrn Unterberger. Im Chore fieht man Denkmahle derTrauth- sonschen Familie, welche verdienen betrachtet zu werden. Über dem Haupteingange der Kirche, auf dem so genannten Michaelsplatz steht eine Gruppe, die den heil. Erzengel Michael, wie er den überwundene» Drachen unter die Füße tritt, vorstellt. Diese, und alle übrigen Statuen find von Mathieli, und werden sammt dem ganzen Portal von dorischer Ordnung sehr geschätzt. Das Collegium ist nach neuerer Bauart und sehr groß, besonders wenn man die zwey daran stoßenden und auch dazu gehörigen Häuser mit rechnet. r»2 XXXX L- Die Kirche und das Kloster dek Augustiner. / K. Friedrich der Schöne fammt seinen Brüdern Albrecht II. und Otto Herzog von Österreich, hat die Kirche fammt dem Kloster für die Eremiten des heil. Augustins um das Zahr 1227 gestiftet. Im Jahre i6zo hat sie K. Ferdinand II. den unbcschuhten Augu- stinermönchen übergeben, und ihre Kirche zur Hoskirche gemacht. Von dieser Zeit an werden alle Vermählungs - und Leichenccre- monien der Personen von der k Familie, in dieser Kirche gehalten. Die Kirche ist eine von den 9 Pfarren, und hat ihr heutiges prachtvolles Ansehen im Jahre 1736 erhallen. Sie hat 4 Altäre, und sehenswürdige Gemählde. Der Hochaltar ist vom Maulbertsch in Fresko gemahlt. Das Gewölbe der Kirche wird durch g sehr große Säulen unterstützt. Das Schiff der Kirche hält iZ2 Schuh in der Länge- 90 in der Breite und 6 l in der Höhe. Der Raum des Chors ist 1Z8 Schuh lang, breit und Zo hoch. xxxx HA Die Loretto Kapelle, die vormahls in der Mitte der Kirche stand, und sie verunstaltete. ist aufBefehl Kaiser Josephs H. in eine große Nebenkapelle übersetzt worden. In dieser Kapelle werden feit ihrer Errichtung die Herzen aller aus dem höchsten Hause Österreich verstorbenen Fürsten und Fürstinnen beygesetzt. Don der Kirche kommt man in die so genannte Todtenkapette, die ihren Nahmen von der aufgehobenen Todtenbruderschaft beybe- hielt, und von Otto, Herzog von Österreich, Zu Ehren des heil. Georg und für die Ritter des Gcorgiusorden erbauet worden ist; die aber K. Ferdinand II. der obge- rneldten Todtenbruderschaft übergeben hat. Hier ruhen viele große Männer. Man will nur von r Grabmahlen eines Grafen Leopold von Daun und der unvergeßlichen Zierde nnserer hohen Schule des Frepherrn van Swieten, der im Brachm. 1772 voll der Verdienste starb, eine Meldung machen, das letzte ist daraus weggenommen worden, um Platz für das Grabmahl des verstorbeaen Kaiser Leopolds ll. Majestät zu gewinnen. H n4 DaS erstark ist von Marmor und wurde zum Gedächtnisse des im Jahre 1764 verstorbenen kaiserlichen Feldmarschalls errichtet; das Porträt, und die Siegeszeichen find von vergoldetem Metalle. Das zweyte warmorsteinerne prächtige Denkmahl ist auf Befehl der unsterblichen Monarchinn errichtet worden, um das Andenken dieses unsterblichen Mannes auch auf die Nachwelt zu verpflanzen. Das Augnstinerkloster ist sehr weitläufig und wohl gebauet, hat eine schöne Bibliothek, und viele sehenswürdige Kunstsachen. Frater David, aus diesem Kloster, der sich durch das unlängst heraus gegebene Werk (das neue Räderwerk) und durch verschiedene künstliche von ihm verfertigte ma- themalhische Uhren rühmlich bekannt gemacht hat, war einer der größten Künstler jetziger Zeit, und durch sein Absterben hat die mechanische Kunstwelt einen großen Verlust erlitten. Herr Direktor Bauer ist gegenwärtig mit einer vollständigen Beschreibung seiner Kunstwerke beschäftiget. xxxx HL 6. Die Kirche und das Kloster der Capuziner, und die k. k. Gruft. Diese Kirche und das Kloster haben K. Matthias und seine Gemahlinn Anna von Österreich gestiftet, aber das Gebäude nicht vollendet. Es geschah erst i6rs durch K. Ferdinand II. Sie find mit der den'Capu- zinerkirchen und Klöstern durchaus gewöhnlichen Simplicität bezeichnet. Die Altarblat- ter sind von Norbert, einem Capuziner. Die Kapelle, die von der Kirche, aber nur durch ein einfaches Gitter abgesondert, und durch die K. Anna gestiftet worden, ist schön. Diese Kapelle hat einen beträchtlichen in die beste Ordnung eingetheilten Schatz, den man wegen verschiedenen seltenen Stücken nicht ungesehen lassen soll, er ist größten Theils von der Fr. Slifterinn -er Kapelle geschenkt, von der Monarchinn Maria Theresia aber mit ei^ ner Menge Kostbarkeiten, die vorhin in der r. k. geistlichen Hoffchatzkammer waren, bereichert worden. Die größte Merkwürdigkeit dieses Klosters ist die kaiserliche Gruft, in welche ein H 2 ,i6 XXXX Capuziner jeden Fremden mit der größten Bereitwilligkeit führt. Ein langer Gang führt zwischen die dnrch eiserne Gitter zu beyden Seilen eingeschlossenen Särge hindurch. Am Ende dieses Gangs ist eine Kapelle mit einem Altäre, welcher gegenwärtig in die Kirche in einer Seiten»Kapelle übersetzt worden ist. Auf diesem brennt eine düstre Lampe, die das Schauervolle dieses finstern Todtenbehältnis- ses vermehret. Im ersten Gange liegt der K. Matthias, welcher im Jahre 1619 im März verstorben ist, er ruht neben seiner nur wenige Mo- nathe vor ihn verblichenen Gemahlin«. Bch- de halten aber ihre Grabstätte vorher in der Kirche des königl. Frauenklostersder Clarisse- rinnen, und wurden erst im Jahre »6zz mit vieler Pracht zu den Capuzinern übertragen. Don dieser Zeit an find 6z Körper der nachfolgenden Kaiser, Kaiserinnen, Prinzen und Prinzessinnen allhier beygesetzt worden. Man fieht hier ihre prächtigen metallenen, vergoldeten und marmorsteinernen Grabmah- xxxx 117 le, besonders unterscheiden sich die deS K. Leopolds, des K. Josephs I. und des K. Carls VI. Das Grabmahl der im Jahre 1720 verstorbenen Eleonore von Neuburg, -er dritten Gemahlin» K. Leopolds ist wegen seiner Simplicität merkwürdig. Diese fromme tugendhafte Prinzessin» wollte für ihr Grabmahl nur einen hölzernen Sarg. Im Jahre 170z vergrößerte K. Leopold den Begräbnißort der Fürsten aus seinem kaiserlichen Hause mit einer neuen Kapelle, und ließ einen Altar nach römischer Bauart mit 6 Statuen von weißen kararischen Mar- mor hinzusetzen. Freyherr von Strudel ist -er Meister dieser Statuen. Bey diesem Altäre ist ein rundes Mau. foläum mit einer gemahlten Kuppel, in welcher von oben Licht hinein fällt. In seiner Mitte steht das prächtige Grabmahl aus einer Composition von Zinn, welche- Maria Theresia für sich und ihren kaiserlichen Gemahl schon im Jahre 174z noch bey ihren Lebzeiten hat verfertigen lassen. Das Grabmahl ruht auf z marmorstei- US xxxx nernen Stufen, und stellt einen großen viereckigen Sarg vor, auf dessen Deckel die halbliegenden Bildnisse K. Franz I. und der Kaiserin» Königin» ruhen, und von einem Genius mit der Krone der Unsterblichkeit ge- krönet werden. Das Römische Reich, das Königreich Jerusalem, und die Königreiche Ungarn und Böheim find in Gestalt trauer- voller Personen an de» 4 Ecken des Sarges. An den Seiten stehen die Särge des sel. Monarchen Joseph H., seiner beyden Gemahlinnen und der übrigen unlängst verdorbenen Allerhöchsten Personen. Zwischen diesem Mausoläum und dem Altäre ist eine hölzerne Maschine, welche Maria Theresia machen ließ, um sich aus dem Kloster in die Gruft, die sie oft besuchte, rhre Andacht darin hielt, und ihren Gemahl ^betrauerte, bequem hinab und herauf lassen zu können. 7. Die Hoflriegskarrzelley - Kirche auf dem Hofe. Der Fronten dieser Kirche ist bemerken-- >> / »iv-r-K - - « -.<->-»- - -L > > 7>»' X xxxx I1Y würdig, die Kaiserinn Eleonore ließ ihn 1662 bauen. Dieses Gebäude war das ProfeßbauS der Jesuiten, und in den vorigen Jahrhunderten die Residenz der österreichischen Landesfürsten , aus welcher Ursache der große Platz von diesem Gebäude der Hof genannt wird. Im Jahre »226 ist diese Residenz bey- nahe ganz abgebrannt. K. Ottokar ließ sie wieder bauen, bewohnte sie aber nicht, er bestimmte sie zum Münzhause. Im Jahre iZz6 aber zum Kloster der Karmeliten, endlich im Jahre iLL4 schenkte sie K. Ferdinand I. den Jesuiten, undimJahre 162^ machte K. Ferdinand II. das ProfeßhauS daraus. Nach Aufhebung des Jesuitenordens wurde es' in die k. k. Kriegskanzelley und die Kirche in eine Pfarr verwandelt. Außer der großen Bequemlichkeit, daß nun alle Kriegsdepartemente in einem Hause beysam- men sind, hat auch der Platz selbst dnrch daS neue prächtig hergestellte Gebäude aa Schönheit und Regelmäßigkeit gewonnen. Die Kirche ist groß, hell, und schön. ISO XXXX mit vielen Altären und reichen Kirchenornamenten versehen. Das Hochaltarblatt hat der Jesuit Potzo gemahlt, eS sind auch etliche Altarblätter von Sandrat und Carrappi. Der neue Chor und das wohlklingende Orgelwerk sind schön. Über den Haupteingang isi eine Gallerie, auf welcher der heil. Daker Pius VI. bey seinem Aufenthalte in Wien den Segen er- rheilte. 8. Die Kircbe und das Kloster der Dominikaner. Das Dominikanerkloster wurde anfänglich im I. ii 86 für die Tempelherren erbauet. Im I. »226 schenkte es der heilige Leopold der Glorreiche den Dominikanern, oder Predigermönchen, die er auS Ungarn nach Wien kommen ließ. Im I. iL29 wurde es von den Türken ganz zerstört. K. Ferdinand I. bauete es aber wieder auf, und K. Ferdinand II. hat es vergrößert. Die Kirche, welche auf ihrem Giebel mit mehreren Statuen geziert ist, hat K. Ker- xxxx »St dinand III. im Jahre i6z i gebaut. Diese Kirche hat sehr viele gute Gemählde vom Bock, Bachmann, Spielberger, Rochier- und Pozzo: die Medaillons sind von Den- zala, einem der ersten Mahler, die in dieser Gattung zu Wien gewählt haben. Sie ist eine von denen 9 Pfarren in der Stadt, Klaudia Felicitas von Österreich, die zweyte Gemahlin» K. Leopolds, welche im I. 1676. starb, ruht in dieser Kirche, wo man ihr Grabmahl bey dem Altäre des heil. Dominikus mit der Inschrift sehen kann. 9- Die Universitatskirche. Hat eine schöne Fronte zwischen zwcy gleichen mit Geschmack gebauten Thürmen. Die Kirche ist von einer zierlichen und kühnen Bauart, das Gewölbe ruhet auf grossen gewundenen marmorirten Säulen, die ganze Kirche sammt den zwey Reihen Kapellen und allen übrigen Zierrache» sind durchaus marmorirt. Alle Altarblätter, und besonders die in einem sehr künstlichen Perspektiv gemahlteKuppel sind von dem berühm- ,22 xxxx len Baumeister und Mahler Frater Pozzo aus der G. I. ro. Die Kirche zu Gt. Hieronymus und Kloster der FrcwZ'elaner. Sie ist eine von den 9 Pfarren. Da- Gemahlde am Hochaltar ist von Pozzo» die übrigen Altarblätter vom Karl Äarlini, Schmid dem Altern, Wagesch-n und Roth» mayer. r r. Die italienische Kirche auf -em Minorileuplatz. Ist nach aufgehobenem Minoritenkloster ,786 den Jtaliänern zu ihrem Gottes, dienste eingcraumt worden, die daS Innere dieser Kirche ans ihre Kosten niedlich und mit Geschmack einrichten ließen. Das Hochaltarblatt ist vom Uvterberger. -2. Die Kirche zu St. Anna. Ist für die Gymnasien und Normalschulen gewidmet. Diese Kirche ist zwar nicht groß, aber wegen ihrer marmorirlen und xxxx 12Z vergoldeten Verziernngen schön. Man sieht hier Gemählde von Gran und Schund dem Altern. Die an die Kirche angebauete Kapelle des heil. Franziskus Laverius ist se- heuswürdig. Das allda befindliche Grab, ist nach dem Original in Goa genau nach, geahmet. rz. Die Kirche vey St. Ruprecht. Sie ist die älteste Kirche in Wien; well sie im 1.7-4 erbauet worden ist, wie die da am Bogen des Gewölbes befindlichen Inschriften zeigen. — Als sie endlich baufällig geworden, hat sie Georg von Auersperg i 4 z 6 neu bauen lassen, wie die ebenfalls da befindliche Inschrift beweiset. 14. Die Kirche des deutschen Ordens- Die deutschen Ordensritter sind um das I. i2oo nach Wien gekommen, und halben zu ihrer Commenthur eine Kapelle ge, bauet. Die jetzige der heil. Elisabeth gewidmete Kirche ist im I. izr 6 erbaut, und vom Generalfeldmurschall Gr. Guido v. Stahrenberg im I. 2 7Z4 erneuert und auf >-4 XXXX das prächtigste ausgeziert worden. Seine Grabstätte ist in dieser Kirche. Man steht hier mehrere merkwürdige Grabmahle der »Großcommandeuren des deutschen Ordens. — Das Hochaltarblatt ist vom L. Bock. iL. Die Kirche zum Heil. Johann Paptift, in der Kärthnerstraße. Diese Kirche gehört den Maltesern. Das Hockaltarblatt ist vom Schmid dem Altern. Die übrigen Gemählde von Alto- Monte. Ferners sin- noch: Die Hofkirche zum heil. Kreuz in der k. k. Burg. Sie ist einfach aber herrlich, die Gemählde sind von Fetti und Titian. Sie ^zugleich Hofpfarre. Die Kirche zu St. Salvator beym Rathhause. Die Kirche zu St. Ursula, den Nonnen unter gleichem Rahmen gehörig. Sie xxxx 125 bestehen seit 1660 und beschäftigen sich mit dem Unterricht der bürgerlichen Mädchen. Die Kirche der unirlen Griechen auf dem Dominikanerplatze. Die Kirche der nicht unirten Griechen auf dem allen Fleischmarkt. Sie hat einen Glockenthurm und Uhr. Das Bethhaus der evangelischlutheri- schenGemeinde. DasAltarblatt istvonLinder. Das Bethhaus der Reformisten Gemeinde. Beyde Kirchen haben ihren Eingang in dieselbe nicht von der Stra-e, sondern durch einen Hof. — Sie haben auch keine Glocken. Die Synagoge der Juden. Sie habe« ihre Schule in der Sterugasse. Pfarren in -er Stadt. i. St. Stephan Metropolitankirche. Sie ist die Hauvtpfarre. Ihr eigentlicher Nähme ist die erzbischöfliche Chur. 126 xxxx 2. Pfarrkirche zum Schotten. Z. Pfarrkirche zu St. Michael. 4. Die Burgpfarre. Seit r/LL sind diese Pfarren hinzugekommen. Pfarrkirche zu St. Peter. — — derHofkriegskanzelley aufdem Hofe. —-Dominikaner. —-Augustiner Hofkirche. —-Franziskaner. In allen nunmehr bestehenden Kirchen herrscht Anständigkeit, Majestät, Ernst, Ruhe und Ordnung, alle unanständige Verzierungen , ex voto Tafeln, Fahnen und Slangenwerke der ehemaligen Bruderschaften, die bekleideten Bilder der Heiligen u. f. w. sind weggeräumt. Auch mit der heiligen Messe wurde eine zweckmäßigere Ordnung eingeführt, daß von halb zu halb Stunde immer nur xxxx 127 «ne auf dem Haupt- oder Seitenallare gelesen werde. Statt der häufigen musikalischen, opern- mäßigen Hochämtern ist der populäre deutsche Kirchengesang rack einer guten Melodie, die besonders vielen Fremden gefällt, eingeführt. Der vernünftige Christ besucht jetzt die Kirche mit vieler Erbauung und gerührtem Herzen, hört vielleicht wenigere Messen, verrichtet aber seine Andacht mit Ruhe und ohne Zerstreuung. Klöster in der Stadt sind sechs. 1. Augustiner unbeschubte L. Barnaditen oder Mi» chaeler. z. Benebictiner oder ^ Schotten. 4 Dominikaner. ^.Franziskaner. 6 . Capuziner. Nonnenkloster. L. Zu St. Ursula, i2Z XXXX §. XIV. Merkwürdige öffentliche Denkmahle. Die metallene Säule auf dem Hofe. Sie ist im I. 1667. vom K. Leopold er» richtet worden, Sie hält 24 Schuh in der Höhe und ist 84 Zentner schwer. Ans die. ser Säule steht das Bild Mariä, ebenfalls vom Metall, zy Zentner im Gewichte. Die an den 4 Ecken stehenden Engel wiegen über 72 Zentner. Nebst denen für die Buchstaben der In. schriften verbrauchten Metall, daß also daS ganje Gewicht des Metalls zusammen 20L Zentner beträgt. Gedanke und Ausführung dieser Säule find nicht zum Besten gerathen, und ver- unstallet fast den schonen Platz. Doch hat 14 ^ . x- xxxx 129 dieses Denkmahl der österreichischen Frömmigkeit 222ZZ fl. gekostet. An den beyden Seiten dieser Säule sind zwey Springbrunnen, deren jeder eine Bildsäule in Lebensgröße hat, dievomMat- thieli sind. Die Säule am Graben. Ist eine der heiligsten Dreyfaltigkeit gewidmete Pyramide. K. Leopold hat sie zum Gedachtniß der glücklich abgewandten Pest, welche Wien im Jahre »679 verheerte, errichten lasten.' Die Pyramide hat Z Seiten, und 66 Schuh in der Höhe. Sie ist von weißem Marmor, und von dem berühmten Baumeister Burnancini errichtet, die darauf angebrachten Figuren sind vom Freyherrn von Strudel. Die Inschriften der Pyramiden hat K. Leopold selbst verfaßt. Diese Säule hat 66600 fl. gekostet. Die Engeln sind ein Meisterstück der Bildhauerkunst. Man erzählt sich, daß ein gewisser fremder Bothschafter Ünd Kenner schöner Kunststücke von der Volk- izo xxxx kommenheit dieser Figuren so eingenommen war, daß er den Anboth machte, drey andere von lauterem Silber in der nahmlichen Größe verfertigte Engeln auf die Pyramide setzen zu lassen , wenn man ihm die marmornen dafür auSfolgen lassen wollte. In einiger Entfernung sind zwey große Springbrunnen, jeder mit einer Bildsäule, die vom Matthieli sind. Die Säule auf dem hohen Markt. Hat K. Karl der VI. im Jahre 1729 erbauet. Es stellt die Vermahlung Maria vor, und ist ganz von Marmor. Dieser Ehreu- tcmpel erhält durch die Leichtigkeit und vortreffliche Erfindung der schönen Bauart den Beyfall der Kenner, aber die Figuren sind so wohl von Seite des Verhältnisses, als in der Bearbeitung der Bildhauerkunst nicht gut gerathen. Auch hier sind zwey Springbrunnen, in welche das Wasser gar von Ottakring durch Röhren geleitet wird, an den bcydeu Seiten "t"!.> M» <» »«> 'Z» des Tempels angebracht, welche so, wie die ganze Grundlage von Marmor sind. Das zierliche Gebäude ist vom Freyherrn v. Fischer, die Figuren aber von einem Ve- netianer, Anton Cvnradini. Der große Brunnbecken am neuen Markt. Ist auf dem Capuziner oder Mehlplatze. In der Mitte des Brunnens sitzt die Klnghcit mit ihren Kennzeichen auf einem runden Fußgestelle, in Gestalt einer Weibsperson; von Bleycomposition- Um dieselbe sieht man vier Kinder, die in ihren Armen wasserspritzende Fische halten. Die vier aufdem Rande des Beckens angebrachten vortrefflichen Figuren der Flüsse von Bleycomposition, sind, um sie durch die Witterung nicht verderben zu lassen, in das bürgerliche Zeughaus bis sie von Metall gegossen werden, indessen aufbemahrt worden. Diese Meisterstücke sind von dem berühmten Raphael Donner. 1Z2 xxxx §. XV. Das Commerjium. Ist zu Wie» ziemlich blühend, und die Manufakturen, die in Wien errichtet wo» den, sind in gutem Stande: es sind folgende : gent-Hachefabrik. Berlinerblaufabrik. Bleyweißfabrik. Bandfabriken, viele. Blumenfabrik. - Berggrünfabrik. Bertholdsgadenfabrik. Boifabrik. Bleysiiftenfabrik. Blondenspitzfabrik. Brieftaschenfabrik.' Oemor lartari- und Effigfabrik? Dantesfabrik.! Dosenfabrik. Degenklingen- und Säbelfabrik. Drathzugfabrik. Fabriken. xxxx IZZ Dünntnchfabrik. Eisenkochgeschirrfabrik. Fächerfabrik. Federfabrik. Feldtaschen- und Schubspiegelfabrik. K. k. Feuergewehrfabrik. Fischbeinfabrik. Florfabrik. Frankfurterschwarzfabrik. Fingerhutfabrik. Galanteriewaarenfabrik. Geschmuckfabrik. Gypsfabrik. Gold- und SilberfpiHfabrik. Glaswaarenfabrik. Handschuhfabrik. Hemdebesetzfabrik. K. k. Hollitscher Geschirrfabrik. Hutfabrik. Kattonfabriken, mehrere. Kompositionswaarenfabrik. Kratzburstenfabrik. Knopffabriken, viele. Kotzenfabrik. Lederfabrik. Manschesterfabrik. Najolichen Geschirrfabrik. '.14 Mayländcr Tüchelfabrik. Messingwaarensabrik. Moltonfabrik. Meiallfabrik. Navnadelfabrik. Niederländerspitzfabrik. Lhlfabrik. Lhrlknöpffabrik. Papier- Spalierfabrik. Povierdosen - und Tazenfabriken. Parasolfabrik. Pappendeckelfabrik. K. k. PorzeUanfabrike, (ist die Be, schreibung besonders.) Potaschenfabrik. Sanunetfabrik. Salmiakfabrik. Salnitcrfabrik. Schmuckfabrik. Schcllenfabrik. Seidenzeugfabriken, viele. Scifengcistfabrik. Schnallenfabrik. Schnallenherzelfabrik. K. k. Spiegelfabrik. Stahlwaarenfabrik. Strumpffabriken. >55 Sigellackfabrik. Tapetenfabrik. Teppichfabrik. Tuchfabrik. Wollenzeugfabrik. Wachsleinwandfabrik. Zwirnspitzenfabrik. Zuckerfabrik. Von mancher Gattung mehrere Fabrikate. Jeder von diesen Fabrikanten kann zugleich im Kleinen verkaufen. Der Vorwurf, -aß einige dieser Fabrikate nicht so vollkommen wie die englischen und französischen sind, ist wohl einiger Maßen gegründet; Fabriken, die erst etliche Jahre im Gange find, können natürlich keine so vollkommene liefern, wie die französischen und englischen, die schon seit Jahrhunderten bestehen, und so lange immer auf Verbesserung raffiniren konnten. Doch sind die Stahlwaaren, Knöpfe, Bänder, Galanteriewaaren, Mousse- line u. a- m. so gut als man sie vorhin an§ Italien und Frankreich erhielt. 1Z6 xxxx Die vorzüglichsten übrigen Cinfuhrsarti- kein liefert - ' Hungarn. Bley, Farbenerde, Fajance- geschlrr, Getreide, Heu, Wein, Knoppern^ Tobak, Wolle, Wildpret, Thierhaute, Apo- thekerwaaren, fast unerschöpfliche Heerden Dchsen, Schweine, Lämmer, Fische, Pferde, Geflügel. Böhmen und Mähren. Granaten, Glas, Hopfen, Flachs, Leinwand, Schmalz, Federwild, Tücher, Zinn, Papier. Steyermark. Eisen. Italien. Specereywaaren, Früchte, Li- monien, Austern, Käse, Kastanien, Marmor, rohe Seide und Öhl. ». ... . Tyrol. Teppiche, Obst und Holz. Niederlande. Spitze, Zeuge, Tücher. Oberösterreirb. Wollenzeuge, Brenn- und Bauholz, und Salz. ' ... xxxx IZ7 Österreich unter der Ens. Safran, Obst und alle aus den oben genannten Fabriken erzeugte Maaren, die häufig theils in fremde Länder, theils in die Provinzen verführet werden. (Ein besonders gutes Commerz in fremde Länder haben die hiesigen Sattler mit ihren nach dem besten Geschmacke verarbeiteten vielerley Gattungen Wägen.) Außer diesen Fabriken der Handelschaft, den freyen und mechanischen Künsten, zählt Wien eine unzählige Menge Menschen, die alle möglichen Arten Gewerbe treiben, die hier anzuführen zu weitläuftig wären, und in einem eigenen gedruckten Schema zu finden find. Der Handelstand theilt sich in Niederläger, Großhändler, Banquiers und bürgerl. Kaufleute. Es kann einem Fremden nicht unangenehm seyn, ihn mit den ersten Handelshäusern bekannt zu machen, die zur Aufrechthaltung des Commerzes und zum Verschleiß aller inländischen Producte am meinen beykragen. Es find die iZ3 XXXX K. K. Niederläger- Herr Jos. Brandegsky sel. Erbe». -— Joh. Bouward. — Graf von Frieß und Comp. Franz Gailard. — Wolfq. Friedr. Edler v. Heylmann. — Tao. Klinger sel. Witwe und Braun. — Johann Luz. — Peter Ochs, Geymuller und Comp. — Plattensieiner sel. Erben. — Peter Passy und Comp. — Johann Georg von Scheidlin. — Steiner und Schlosser. Joseph Freyherr von Weinbrenner. K. K- Großhändler. Herr Ferdinand Edler von Arnfeld. — Arnsteiner, Nathan, Adam. — Joseph Edler von Baldauf. — Ferdinand Baumgarten. — Gebrüder Baruch. >— Thadd. Berger. — Edler von Berghofer. — Franz Bertoni. — Adam von Bienenfeld. iZ9 Peter Frcyherr von Braun.' Freyhcrr von Brentano. Joseph Arten Bridi. Daniel Coilh. Peter Edler von Decret. Gebrüder Elbling. Clement August Elh. Karl Fölsch. Frank und Comp. Joh. Nepom. Graf von Fuchs. Freyherr vou Gamera. Samuel Göhl. Bernhard von Grandin. Joh. Michael Edler von Grosser. Joh. Nepom. Edler von Grosser. Edler von Güglleithner. Ignaz Hadaun. Adam Albert Edler von Hönigstein. Joh. Hippenmayr. Israel Edler von Hönigsberg. Joachim Edler von Hönigsberg. Maximilian Edler von Hönigsberg. Edler von Hönigshof. Hoffmann und Lewinger. Fridolin Jeny. Ernst Klappreroth sel. Erben. Ignaz von KlebeS. 40 XXXX Herr Friedrich Krauth. — Gottfried Heinrich Kunz. — Jos. Edler von Kurzbeck und Comp, —7 Johann Lechleitner. — Leiddesdorf, Eydam und Sohn. — Johann Lumner. — Johann Ignaz Müller. — Joseph Edler von Müller. — Franz Edler von Natorp. — Matthias Jos. Edler von Neupauer, — Offenheimer und Herz. — Theodor Edler von Pachner. V — Edler von Paziazi. — Edler von Puchberg. — Joh. Edler v. Puthon, unter Rag, Schüler und Comp. — Christ. Friedr. Reinke. 7-- Joh. Friedrich Rieger. — Joseph Rohmann. — Nikolaus Rusti. — Anton Rubini. — Edler von Sallaba. — Edler von Sarkotzy. - — Ignaz Edler von Schwab. — Jakob Edler von Smittmer. — Anton Strele. 7- Joh. Ant. Segalla. xxxx 14» Herr Christ. Wilhelm Teuerlein. — Michael Thomann und Comp. — Edler von Trattners sel. Erben. — Edler von Tschoffen. — Edler von Wandrath. — Joseph von Weinwann. — Friedr. Edler von Weittenhüller. — David Wertheimer. — Wertheimstein und Sohn. — Karl Wezlar und Sohn. — Wildauer und Wiesenberger. Das Verzeichniß aller bürgerl. Handelsleute ist zu zahlreich, als daß man es hierher setzen könnte; es ist in dem jährlich gedruckten Handelstands - Kalender zu finden. K. K- N.eder Stunde des Tages geschehen. Die Briefabgabe hängt von der Ankunft der Posten ab. Für einen unbeschwerten Brief von einem halben Bogen bezahlt man in den österreichischen Ländern 4 kr.; nach Tyrol, Pohlen, Vorderösierreich, und in andere fremde Lander 8 kr. Wer mit der Post fahrt, zahlt von 2 Meilen oder Post für jedes Pferd i fi., dem Postillion Trinkgeld für 2 Pferde 17 kr., und Schmiergeld sammt Schmier 18 kr. Diesem Amte liegt auch die Beförderung des Postwagens oder Diligence ob. Mit diesem ist auch die kleine Briefpost vereinigt, die alle Briefe, Packete u. s. w. xxxx L4.? nickt allein in der Stadt und in den Vorstädten , sondern auch in den um Wien gelegenen Ortschaften abgibt. - Anmerkung. Bey dem Verleger dieses Wegweisers ist ein Postbuch zu haben, wo man nicht allein über alle Gegenstände die ausführlichste Nachricht erhält, sondern in dem auch alle, Post- curse durch ganz.Europa angemerkt find. §. XVI. Kaffeehäuser, Zeitungen, Ballhaus, Cafinen, WirthShauser, Consumpcion. Kaffeehäuser. Sind in der Stadt dermahlen Z6, die Anzahl wächst aber immer fort. Das so genannte Kramersche im Schlossergäßchen ist schön meublirt, und wird von Fremden, Militär, und andern vornehmen Personen häufig besuckt. Deßgleichen das niedlich eingerichtete Milanische Kaffeehaus am Kohlmarkte, wo man die meisten Italiäuer sin- ,4t XXXX det. Überhaupt sind alle Kaffeehäuser in Wien mit Geschmack und zur Unterhaltung mit erlaubten Spielen und Zeitungslecrüre eingerichtet. Sie halten gute Bedienung, werden aber auch zahlreich besucht. Den meisten Nutzen bringen den Inhabern die Bil- liards. Der erste Kaffeesieder in Wien war der Polak Kolschitzki, der während der Belagerung Wiens 168Z mit gutem Erfolge als Spion und Briefträger diente, und für diese treuen Dienste zur Gnade sich die Errichtung eines öffentlichen Kaffeehauses erbath. Eine Abbildung von ihm ist in dem Kaffeehause zum Ochsen zu sehen. Das erste Kaffeehaus entstand also von ganz Europa in Wien im Jahre re>8z, obschon der erste Kaffee in Privathäusern schon im I. 1644 getrunken wurde. — Man liest da folgende Zeitungen. 1. Die k. k. privil. Wienerzeitung, 2 Mahl wöchentlich, Mittwoch und Sonnabend Abends. 2. OaLLette 6 e Vienne, 2 Mahl di- Woche. xxxx 145 z. k'o^Uetto 6i Vienna, 2 Mahl die Woche. 4. ökonomische Zeitung. Zwcy ungarische Zeitungen« ü. Die illyrische Zeitung. 7. Die griechische Zeitung. Provinzial - und ausländische Zeitungen. Die Brunner — Grätzer — Preßburger—- Prager — Regenspurger— Frankfurter — Hamburger — Ministerialzeitung — Schwäbische Chronik — Augspurger — Erlanger — Journal 6e k'rancfort — Auszug aller europäischen Zeitungen und Journale — Das Wienerblatt — Neuwieder — Allgemeine Lit- teraturzeitung— Lourieräu ba5 kliin rc. K. K. Ballhaus. Ist hinter der k. k. Burg neben der StaatS- kanzelley. Es sind bey selben zwey Ballmei- sier, welche vom Hofe aus besoldet werden. Neben diesem ist ein Zimmer mit zwey Bil- liards, und wird von Fremden häufig besucht. Der Eintritt steht jedem gebildeten Manne offen. xxxx Kasinerr. ES find mehrere in verschiedenen Häuser« angelegt. DaS Kasino deS Herrn Zahn in der Himmelportgasse wird am stärksten be, sucht. DaS Aasin- ist ein Mittelding zwischen Wirthshaus, Traiteur und KaffeehauS, und dient zur Bequemlichkeit für Fremde, den Adel, kurz für die feine schöne Welt. Man kann da Frühstücken , zu Mittag uvd Abends an runder Tafel, oder auch einzeln für gesetzten Preis speisen. Zum Zeitvertreib find Zeitungen, Musiken, und die erlaubten Spiele aller Art vorhanden. Im Winter werden darin Ball, Musik - Akademien, Pikenik, Spielgesellschaften, Tafel u. s. w. nach aller Bequemlichkeit gegeben, wenn man es nur vorher melden läßt. Wirthshäuser. Sind zweyerlep Gattungen. » WirthS xxxx »47 Häuser, in welchen Fremde einziehen können, und zugleich Mittag und Nachttisch bekommen. Die bekanntesten find zum weißen Ochsen am Fleischmarkt, znm z Hacken an der Freyung, zum wilden Mannein derKärnth- nersiraße, zum Greifen, zur Schwane, eben allda. Zum Ochsen aufdem neuen Markte, zur ungarischen Landeskrone, im Mat- schakerhvf, zum Hirschen, u. s. w. Für eia Zimmer bezahlt man gemeiniglich ohne Bedienung und Heitzung des Tages Ao kr. ' Die Wirthshäuser und Traiteurs, in welchen Mittags und Nachttisch gehalten wird, sind sehr viele, die bekanntesten sind: zuar Jägerhorn in der Dorothegasse. Znm Schabenrössel am rothen Thurm. Im Fischhofe. Zum Lamm auf der hohen Brücke. Zur Kugel am Hofe- Zum Straußen auf der Freyung. Znm Walisisch in der Krugerstraße. . Zum Pilati am Graben. Auf der Mehlgrube. Zum Pfauen in der Kärntnerstraße. Zum weißen Löwen am Salzgrieß. Zum weißen Wolfen am Fleischmarkt. Zur heiligen Dreyfaltigkeit. Zum braunen Hirschen am rothen Thurm. Zum goldnen Engel in der Weihburggaste. Zum blauen K 2 ,4S XXXX Igel in der Leopoldstadt. Zum Schwarz- spannier»» an der Währingergaffe wo en tubles ron6e vor 17 kr- (mitz Speisen) gespeist wird. Es ist keine Stunde bestimmt, man kann sich die Eßstunde nach Willkür wählen, und von io kr. bis » fl. und mehr speisen. Jede einzelne Speise hat ihren Preis, um den , ehe man sie bringen läßt, jeder fragen kann. Bierhäuser find eine ganz außerordentliche Menge, welches die jährliche Consumtion von 42^000 Eimer voraussetzt. Consumtion. Die sich eigentlich nicht bestimmt angeben läßt, und alle Jahre verändert, kann man beyläufig so nach dem Zollregister annehmen. Ochsen. Kühe Kälber Scbafe Lämmer Schweine Spanferkel Frischlinge 46.400. »9,200. 71.400. 48 , 998 . 1 46,Zoo. 98,860. »2.869. Z6,8c' Zweyter Abschnitt. Vorstädte. ; l. Anzahl der Vorstädte, Häuser, Kic- chen, Pfarren, Klöster, Kirchhöfe, Volksmenge, Jahrmärkte. Man rechnet in Wien 42 Vorstädte. Man nennt sie auch Gründender größte ist die Leopoldstadt mit §07, der kleinste Hungel- brunn mit i2 Hausern, und ihre Vorsteher heissen Grundrichtcr. Im Monath Novemb. 1791 sind auf diesen Gründen 8 k. k. Poli- zeydirectoren, mit einem ihnen untergeordneten Personal und Polizeywache, zur allgemeinen Sicherheit aufgestellet worden. Die schönsten find die Leopoldstadt — Josephstadt die Wieden — die Landstraße — die xxxx »57 Laimgrube und Mariahülf — die Alstervorstadt. Die Hauptstraßen in diesen sind weit, und einige eine halbe Stunde lang, diese langen Straßen sind nnn durch neu angelegte Nebenstraßen durchschnitten. Es ist keine gepflastert. Die Bauart der Häuser ist schön, erhebt sich aber gewöhnlich nicht über z Stockwerke. Die Anzahl der Hauser rechnet man dermahls in'der Stadt auf rzr», in den Vorstädten bis an die Linien 4882, die aber jährlich anwächst. Die Vorstädte haben schöne Palläste, Herr- liche Gärten, Spaziergänge, überhaupt luftige Straßen, große angenehme Plätze, und öffentliche Örter des Vergnügens genug. Fast jedes Wirths- oder Bierhaus hat seinen Garten, wo man sich mit Kegelschieben, Spazierengehen, Effen und Trinken, für wenig oder vieles Geld nach Belieben unterhalten und belustigen kann. Der Zwischenraum vom Stadtgraben an bis zu den Vorstädten enthält 600 Schritte, der Weg dahin ist mit Alleen gepflanzt, und mit Laternen, so wie alle Vorstädte des NachtS erleuchtet. Auch in den Vorstädten lL8 -v-exx sind alle Nahmen der Gassen und Platze an- geschrieben, das zur Bequemlichkeit der Inländer, vorzüglich aber der Fremden ist. Pfarren sind 2» — Kirchen in allen zo — Mannsklöster 10 — und Nonnenklöster 2 — Kirchhöfe 4. Die Volksmenge in Vorstädten berechnet man auf »96989. Überhaupt zahlt man aber für die Stadt und Vorstädte am sichersten, wenn man, wie gesagt zsoooo Menschen anniwmt. Außer den 2 Märkten in der Stadt find noch Z Märkte in den Vorstädten, nähmlich der Margarethenmarkt in der Leopoldstadt am 20. Julius, er dauert z Wochen. Der Holzmarkt in der Roffau den 27. Sept., und endlich der Löpfermarkt ebenfalls in der Noffau im Julius. §. II. Merkwürdige Kirchen, Klöster. Die Kirche zu St. Karl an der Stra. /»./. ^ k<. '«'< . t - v <- « : >1 ^ « sie nach dem Rennweg , ist die schönste Kirche in Wien ; sie steht auf einer Anhöhe ganz frey. Kaiser Karl hat diese Kirche aus einem Gelübde wegen der »71z wüthende» Pest mit schweren Unkosten bauen lasten. Der Bau wurde im Jahre 1757 vollendet. Über dem Hauptgebäude ist eine acht« eckige mit Kupfer gedeckte Kuppel. Das Portal, zu dem man über »r große steinerne Stufen kommt, ruht auf 6 korinthische« Säulen, über welchen diese Worte stehen r Vota men reclclsm Domino ln LonHrectu timentium eum. Zu beyden Seiten sind zwey besondere Einfahrten, welche Triumphbögen gleiche«. An dem vvrspringenden Fronton sind zu beyden Seiten zwep sehr dicke, hohe, runde, freystehende Säulen dorischer Ordnung. Si« halten LZ Schuhe im Durchschnitte, vom außen sind in halb erhabener Arbeit an beyden das Leben, der Tod, und die Thate« deS heil. Karls ansgehauen. Von innen sind diese Säulen ausgehöhlt, und mit Wendeltreppen, welche bi- ans ihren befindlichen i6ö XXXX Umgang hinaufführen, versehen. Über den Capitalen zeigen sich auf jeder 4 von Erz gegossene, stark vergoldete, mit den Flügeln zusammen stoßende Adler, welche den Altanen zum Gelander dienen. Die Gemähl- de in der Kirche find von Schuppen , Gran, Rothmayr, Ricci und Pellegrini. Die Stiftsherrn aus dem ritterlichen Kreuzorden mit dem rothen Stern haben hier eine Residenz, und versehen zugleich die Pfarre. Die Kirche Maria Heimsuchung am Rennwege. Hat mit der schönen Peterskirche in der Stadt fast gleichen Bau. Die Kuppel ist von Pellegrini gemahlt. Die Gemäblde der Altäre find von Altomonte und Pellegrini. Das Hochaltarblatt ist von einem niederländischen Meister. Auch das daran stoßende so genannte Salefianerkloster oder Amalienstift, welches die Kaiserinn Wilhelmine Amalie gestiftet hat, ist ein sehenSwürdiges Gebäu- de. Die Bewohnerinnen dieses Stifts beschäftigen sich mit Erziehung de- adelichen Frauenzimmers. xxxx 16t Die Kirche zu St. Leopold. In der Vorstadt gleichen Rahmens. Sie sieht bereits über roo Jahre, das Hochal- rarblatt ist von Altomonte. An dem Orte, wo jetzt die Kirche steht, hatten die Juden vor 100 Jahren ihre Synagoge. Die Carmeliten. — Barmherzigen. St.Johanniskirche in der Leopoldstadt. — Augustiner. — ehemahlige Waisenhauskirche auf der Landstraße. — Paulanerkirche auf der Wieden. — Pfarrkirche zu Mariahülf. — Piarisienkirche in der Josephstadt. — Pfarrkirche im Lerchenfelde. — Servitenkirche in der Roffau. Der Kalvarienberg und Pfarrkirche in Hernals. Die Pfarrkirche der Minoriten in der Alstergaffe. Das Hochaltarblatt ist in FreSko gemahlt, sind schöne Kirchen. Alle in der Stadt und den Vorstädten Wiens bestandenen Grüfte und Kirchhöfe L l62 sind seit »784 verschlossen, und 4 allgemeine Kirchhöfe außer den Linien bestimmt worden. Die Begräbnisse find sehr einfach, und werden mit geringen Kosten bestritten. Mannsklöster, Nonnenklöster. 1. Augustiner (beschuhte) auf der Landstraße. 2. Barmherzige Brüder, in der Leopoldstadt. Z. Barnabiten. Zu Mariahülf. 4. Capuziner. Am Plazl. H. Carmeliler (beschuhte) aufder Laimgrube. 6. Carmeliter (unbeschuhte) in der Leopoldstadt. 7. Kreuzherru. In der Karlskirche. 8. Minoriten. In der Alstervorstadt. y. Paulaner. Aufder Wieden. Sind seit demSeptembermonath 1796 aufgehoben. rr>. Servilen. In der Rossau. 11. Piaristen. In der Iosephstadt. Alle diese noch bestehenden Mönchsklöster haben viele Ausnahmen von ihrer vorigev xxxx »6z Lebensart erhalten. Wenn sie als Pfarrer oder Kapläne auf dem Lande angestellt werden, können sie ihren Ordenshabit ganz ab- legen. Im Kloster singen sie keinen Chor mehr, tragen Schuhe und Strümpfe, find in ihren Fasten dispensirt u. s. w. Nonnen. r. Zu St. Elisabeth auf der Landstraße. Ihr Institut ist für die Menschheit heilsam, und Bestimmung ehrwürdig. 2. Salesianerinnen am Rennwege. Haben die Erziehungsanstalt für adeliche Töchter. §- A. Merkwürdige Palläste, Gebäude, Gärten, und Beschreibung der k. k. Bil- dergallerie im Belvedere. Das k. k. Belveder am Rennwege. Das prachtvolle Belvedere, das Prinz Eugen von Savoyen angelegt, und in der Folge an den kaiserlichen Hof kam, wird in das L 2 »64 XXXX obere und untere Gebäude abgetheilk. Der eigentliche Haupteinganq ist von der Seite der dicht anstoßenden Linie. Hier muß man eintreten, wenn man das prachtvolle Ganze übersehen will. Der obere Tbeil besteht in einem majestätischen Pallast, in welchem der sel. Monarch K. Joseph vor einigen Jahren die unschätzbare Bildergallerie, die vormahlö in der Hofburg war, hat aufstellen lassen. Die Aussicht aus den Fenstern dieses Pallastes und auf der Terrasse ist die herrlichste von ganz Wien. Der untere Theil besteht in einem ebenfalls mit kostbaren Mahlerenen prächtig eingerichteten Gartenhaus. Der Eingang dahin ist am Renuivege, welcher der Nähe und größerer Bequemlichkeit wegen allgemein gebraucht wird. Der Garten, der mit sehr künstlichen Gruppen in den Bassins »und Statuen pranget, hat sehr angenehme Spaziergänge, und wird in Sommermonathen nur gegen den späten Abend von der schönen Welt besucht. Für die Künste und Kenner ist die darin befindliche Bildergallerie ein vortrefflicher Gegenstand der Aufmerksamkeit. 4EÄ ^'isr- ! 17 ^ xxxx »6§ K. K. BLldergallerie. Man kommt zuerst in den großen runden Marmorsaal, dieses ist das Mittelstück und öffnet den Eingang auf beyde Seitenflügel, deren jeder 7 Zimmer, 2 runde Cabinette, und über iZvo Gemählde enthält. Der Marmorsaal ist mit großen Gemähl- den behängt. Der rechte Flügel enthält den unnachahmlichen Reichthum der italiäni, scheu Schule. Man sieht hier in Menge die Meisterstücke eines Paul Veronese, über Fo Titian, Tintoreto, Baßano, Palma, Ra, phael, Spagnoletto, Correggio, Leonardo Davinci, Carraccio, Guido Reni, Michael Angelo, Andrea del Sarto, Horatio Gen- tileschi, Battoni u. s. w. Der linke Flügel prangt mit den Schätzen der fiamändischen Schule. Wouwermann, Berchem, de Hem, Frank, von Höck, Van- dervelden, Standart, Breugbel, Johann Jordaens, Mieris, Polenbourg, Bomboc- cio, Peters, Saveri, Huisum. 2n obern Stockwerken hängen in den 4 ,66 XXXX Zimmern de- rechten Flügels die-Meister- stücke, der alten und neuen deutschen Schule. Spranger, Hollbein, Albrecht Dürrer, Rothenhamer, Cranach, Schöns, Wurm» ser, Theodorichs, Kupetzki, van Schuppen, Hamilton, Brand, Zoffani, Maron, Wutki, u. s. w. Und in denen 4 Zimmern Des linken Flügels zeichnen sich aus die Denkmahle der alten NiederländischenSchu- le. (Rubens hat seinen eigenen Saal) Jor» daens, Champaigne, Rimbrandt, Hog- siraten, Diepenbeck, van Dick, Teniers, Lens u. s. w. Eine solche Sammlung muß man sehen, sie läßt sich nicht beschreiben. Hr. v. Me» cheln, Kupferstecher aus Bafel, hat die Gallerte aufBefehl des sel. Monarchen von 1778 bis 178, in diese Ordnung gebracht, und einen Catalog *) davon drucken lassen, die *) Verzeichniß der Gemählde der k.k. Bilder- gallerie in Wien gr. 8- »782 mit Kupfern. Kostet Z fl. E- ist gegenwärtig der erste Lhril eines neuen EqtalogS berauS. xxxx >67 Rahmen allein haben über 70,000 fl. gekostet, und der Vorrathaller ihm übergebenen Stücken war so groß, daß aus Mangel an Raum mehr als »000 minder kostbare Gemählde ausgemustert und in dem untern Gebäude aufbewahrt werden müssen, die aber von solchem Kunstwerthe sind, daß man davon eine zweyte Gallerte errichten könnte. Es sind aber seit einigen Jahren in dieser Gallerie unter der Direction des Herrn v. Rosa, beträchtliche Veränderungen vorgenommen worden. Der sel. K. Joseph hat bey Aufhebung der Klöster aus Italien und den Niederlanden manche kostbare Stücke hierher bringen, auch durch Kauf diese Sammlung vermehren, und die 4 ehedem geschloffenen Cabinette an den Ecken des Gebäudes , um in den Zimmern mehr Raum zu gewinnen, mit kleinen kostbaren Stücken behängen lassen. Unter den Meistern der italiänischen Schule ist eine schöne römische Mosaike, in einem kostbaren, prächtigen Rahmen, von vergoldeten Metall, mit feinen Steinen eingelegt, i68 XXXX die den Kais. Joseph und den Großherzog Leopold in einem Kniestücke sehr wohl getroffen vorstellt. Die allzuhellen Gemählde, die leicht manchen schwach sehenden blenden, oder Augenwehverursachen könnten, find mit grünen taffeteuen Vorhängen bedeckt. Die Gallerie ist an jedem Montage, Mittwoche, und Freytag für jedermann offen. Nur muß der Eintritt ohne Stock und Degen, und mit gesäuberten Schuhen geschehen *). Wofür eine Schildwache sorgt, und die Nachlässigen oder Unwissenden erinnert. *) Man muß hier anmerken, daß es, wie oben gesagt, verboten ist mit einem Stocke und Degen in die Gallerie zu treten; weil verschiedene Vorwitzige die Gemählde damit betastet haben. Dieses Vorboth ist sehr billig. Auch die Kinder find der Gallerie gefährlich; weil sie manches Mahl, mit schmutzigen Fingern die vortrefflichsten Stü- cke betasten. »k* MM W»! M r^_-k 'K72^'!,r^ tE;' 7 >.i^ MM! i,>!^-^-—,H/' XXXX »96 Bey schmutzigem Wetter wird die Gallerie nicht geöffnet. Junge Künstler erhalten sehr leicht die Er- laubniß selbst gewählte Stücke zu copiren. Der Fürst Schwarzenbergische Som- merpallaft. Ist am Rennwcg, nahe beym Belvedere, dieser Pallast. der gegen die Stadt die Fronte macht, ist ein herrliches Gebäude, und sehr schön meublirt. Der Garten ist für die schöne Welt offen, und übertrifft an Mannigfaltigkeit, Gebüschen, Grotten, und seltenen Gewächsen fast den Garten im Belvedere. Der Fürst Kaunizische Garten und Gebäude. Liegt ander Mariahülfer Hauptstraße, der hier befindliche Garten, den alles, was ins Angenehme und Anziehende fällt, ziert, ist sehenswürdig. Die herrliche Meublirung in den Zimmern; alles zeigt von dem besonder» Geschmacks des verstorbenen Fürsten. '77Z merischen Waisenhauses, in dem nun die Militär-Ökonomie Haupt commiffion ist, sind sehenswürdige Gebäude. Z. IV. Akademien, Schulen, und bot- tanische Gärten. K. K. Josepbmisch - medicinisch- chirurgische Militär - Akademie und Spital. Dieses prachtvolle Gebäude hat Joseph II. aufführen lassen, und liegt in der Wäh- ringergaffe . die Vorderseite gleicht mehr einem fürstlichen Pallaste als einem Spirale, die Fronte hat die Aufschrift krovi 6 entia et aulpicüs Imp. Oaes. lolepln II. lcdola anatomico Mexico ctrirnr^ica militum vulner!- du« et morbis curanclis lananclis- cpie inliituta omni fupeliectili 5 a- Intaris arris, (juse manu mecletur inttrucla anno U. 8 . »784. *74 XXXX Diese Akademie ist ein für sich allein bestehendes Institut. Es hat seine eigenen Professoren, Bibliothek, botanischen Garten, Cabinette von Instrumenten, Präparaten aus Wachs. Ihr Endzweck ist die Armeen des Kaisers mit geschickten Wundärzten zu versehen. Die Zöglinge dieser Akademie, 200 an der Zahl, haben ihre Uniform und wohnen in diesem Hause. Zn der Bibliothek steht auf einem schwarz marmornen Fußgestelle, die bis zum Sprechen getroffene Büste des Kaisers mit der Aufschrift: lolepluis ubiyue lecunckus, üic vero primus. Das Naturalien-Cabinett, daS herrlich angelegte anatomische Theater, gebauet nach Art der römischen Amphitheater, zeichnen sich vorzüglich aus. Der Überfluß von allen möglichen zur Wundarzeney gehörigen und aufdaS schönste gearbeiteten Instrumenten, die nach der Na- lur in Wachs geformten pathologischen Prä» I xxxx »7L paraten, die einfachen und zusammen gesetzten Bandagen sind zu bewundern. Alles aber übertrifft, die in den L anatomischen Cabinetten vorhandenen Wachs- präparaten, die über yoooo Gulden gekostet haben, und aus Florenz hierher gebracht, von dem Abbe'e Fontana. und dem Anato- miker Mascagni verfertigt worden sind. Die Meublirung dieser Zimmer ist prachtvoll. —- Die in einem Kasten von Rosenholz ruhende Venus verdient besondere Aufmerksamkeit. Die ganze Figur läßt sich zerlegen. Zm zweyten Geschosse sind die geräumt« gen Wohnungen der Professoren. Das Spital macht gegen daS akademische Gebäude ein offenes Viereck. Im ersten und zweyten Geschosse find die hohen und großen Krankensäle. Jeder Krallte liegt allein; die Bettstätte stehen z Schritte von einander; das Spiral hat seine eigene Apotheke, Bad, Kapelle, und Traiteur, und ist überhaupt, wie das allgemeine Krankenhaus eingerichtet. Hier find auch^Kranken- sälr für die schwängern Soldatenfrauen, -76 XXXX die alle unentgeldlich die nöthige Hülfe er« halten. Löwenburgische Akademie- Ist in der Josephstadt und für adeliche Jünglinge aus Österreich und Ungarn. Sie stehen unter der Leitung des Piaristenordens. Das StiflhauS gehört unter die fehenswür- . digen Gebäude. Die k. k. Ingenieur-Akademie. Ist in der alten so genannten Favorite, oder dem aufgehobenen Theresianum. Diese Akademie steht seit dem Ableben des Feldmarschalls Grafen von Pellegrini, unter dem Hrn. Obristcn v. Bourgeois. Die Eleven werden Cadeten genannt, ste erhalten Unterricht in den mathematischen Wissenschaften, in der Geschichtskunde, Philosophie, Kriegsbaukunst, Physik, in der französischen, deutschen, und lateinischen Sprache. Zn der Tanz- Fecht- und Schreibekunst. Sie tragen eine eigene dunkelblaue und ro- the Uniform. xxxx »77 Gymnasium und deutsche Schulen. Sind in der Jofephstadt, in dem Pia- ristenkloster, und werden von den Piaristea versehen. Akademischer Botanischer Garten ' am Rennwege. Cr steht unter der Aufsicht des k. k. Bergraths und Professor der Chemie und Botanik der hiesigen Universität Herrn von Za- guin. Er ist in der größten Vollkommenheit. Herrn v. Jaquins Reisen in Westindien, die von ihm heraus gegebenen botanischen Werke beweisen wie sehr er an seinem Platze steht. Der Garten ist zum Gebrauch der Studierenden aufder Universität, wo auch die Collegien gegeben werden, ooa halb 7 bis halb 8 Uhr früh. R ,7« XXXX !. V- K. K. Fabriken. PorreLanfabrike. Sie liegt in der Rossaü. Ein Niederländer Jnozens du Paquier hat solche im Jahre i/iZ errichtet. Im Jahre ,744 hat sie die unvergeßliche Maria Theresia auf Rechnung des Ärariums übernommen, und den schon bankerottirten Entrepreneur entschädigen lassen. Die Monarchinn hat an diese herrliche Fabrike einige r voooo Gulden verwendet, bis sie die jetzige Vollkommenheit erreicht Han Das Fabriken - Gebäude, welches fünf sehr geräumige Höfe enthält, und ohne Erdgeschosse, 2 Stockwerke hoch ist, beträgt im ganzen Umfange 240 Klafter. Im ersten Geschosse ist daS sehenswürdige nach aller Niedlichkeit angelegte Waaren- magazin, welches täglich von 8 Uhr des Morgens, bis 12 Uhr Mittags, und von 2 bis 6 Uhr Abends für jedermann offen steht. Die Fabrike beschäftigt über Zoo Per- xxxx 179 sonen, die in verschiedene Classen ringe- Iheilt find, und jede ihren eigenen Vorsteher hat. Die Elaste der Mahler ist die stärkste, wozu noch die Farbenreiber, Email- lenbrenner, Goldpolierer und Steinschneider gehören. — Die Bouffierer und Weißdreher stehen unter dem Mödeilmeister. Die Lasnrer, Einsetzer und Brenner, nebst den Thon, und Holzarbeitern stehen unter der Fabrik - Inspektion. Den Warenabsatz, der sich jährlich über 100000 fl. beläuft, besorgt der Magazin- verwalter. Der Fabrike steht nun seit r /84 als Direktor vor der k. k. wirkliche Hofrath und Direktor der k. k. Wollenzeugfabrike zn Linz, und der Spieg^lfabrike zu Varafeld, Conrad von Sorgenthal, welchem verdienstvollen Manne auch diese Fabrike sehr viel zn verdanken hat. Diese Fabrike hat zu Linz, Prag und Lemberg Niederlagen. Das Wiener Porzellan hält das stärkste Feuer aus, und über- trifft an der Dauer undWeiße fast alle übrigen ihres Gleichen. Die Mannigfaltigkeit der Formen, die geschmackvollen Deffeins und Vergoldungen, die das Wiener Porzel- M 2 i8o XXXX lan so sehr auszeichnen, machen die hiesi^s Fabrike zu einer der ersten in Europa. Es ist allda ein gedrucktes Maaren - Ta- riff einzusehen. Die Preise der feinern Maaren werden nach Verschiedenheit der mehr oder minder schöner» Mahlerey, Desseins oder Vergoldung bestimmt. Es gibt z. B. Kaffeeschalen, wovon das Paar zo fl. und so auch Teller, wovon das Glückauf mehr als 40 fl. zu stehen kommt. K. K. Gewehrfabrik. Ist am Anfänge der Währingergaffe,und wird ohne besondere Erlaubniß nicht gezeigt. Die übrigen oben angemerkten Band-und Seidenfabriken n. s w. sind in den Vorstädten', oder doch nicht sehr weit von den Linien entfernt. Besonders fehenswürdig sind die entfernteren vortrefflichen Kattunfabriken in Fried- au, Sassin, Schwechat, Ebreichstorf. Die Meffingfabrike zu Nadlburg bey Neustadt z die Klingenfabrike zu Pottenstein; die k. k. xxxx r^r Spiegelfabrike zu Varafeld; die k. k. Majo- likafabrike zu Hollitsch; die englische Leder- fabrike in Potzneusiedl. §. Vl. Krankenhäuser und Hospitäler. Allgemeines Krankenhaus. Es liegt an der Alstervorstadt, und istda- größte aller öffentlichen und Privatgebäude. Über dem Haupteingange liest man zur Ehre seines Stifters die Aufschrift; 8äl.I7H kl' 80I.-VHO 108 K?M 8 II. ivivc:cl.xxxiv. Der Umfang dieses Gebäudes ist ungeheuer, und gleicht einer kleinen Landstadt. Es hat sieben Höfe, in denen die Gänge mit Maulbeerbäumen bepflanzt find, drey Thore, und ist 2 Geschosse hoch. Die Anlage ist für 2000 Kranke, die in m Aim- 182 xxxx mern vertheilt werden, ohne die Reconva- lescentenzimmer, 6r sind für Männer, und LO für daS weibliche Geschleckt eingericklet. Die Krankensale haben 26 Sckub in die Lange und 17 in die Breite, so daß 2000 Bettstätte, deren jede von der andern -4 Scknh -entfernet sind, darin hinlänglicken Play haben. Jeder Kranke hat sein eigene- Belt, -ie nöthigen Ärzte, Wärter u. s. w. Über jede Bettstatt ist Fine Tafel angehcftct, worauf die Nummer des Zimmer- , des Bettes, der Nähme des Kranken, sein Einlrittstag, die Arzeneymittel, ihre Abreickung, der Stand der Krankheit nebst ihren Veränderungen , dieDiät nebst den Regimen u. f. w. ausgezeichnet find. Die Einrichtung, Pflege, Reinlichkeit sind nach dem einstimmigen Unheile aller Kenner , so viel als möglich, vollkommen gut. Die Aufsicht und das Direktorium über das ganze Institut hat gegenwärtig Herr Johann Peter Frank, k. k. Hofratb, Professor der Specie Therapie an der klinischen Lehranstalt. Über dieß sind noch Physici und Chi- rurgi primarii, denen viele Medici und Chk- XX XX rtzz rnrgi secnndarii nebst vielen Praktikanten untergeordnet zur Behandlung der innerlichen und äußerlichen Krankheiten angestellt sind, welche alle im Hanse wohnen. Da- Haus hat seine eigene vortrefflich eingerichtete Apotheke, ein Haus zu warmen und kalten Bädern. Außer dem Quellwaffer, welches aus den Gebirgen nach dem Kran- kenhause geleitet wird, find auch mehrere Bassins in den Höfen, von welchen das ab- fiießende Wasser die Canäle ununterbrochen reiniget. Für die Besorgung der Speisen find eigene Traiteurs ausgenommen. Die Aufnahme der Kranken geschieht nach 4 Claffen. In der ersten, wo der Kranke ein eigenes Zimmer und eigene Wartung hat, zahlt man täglich r si. In der zweyten Claffe zo kr. Der Kranke wird wie in der ersten behandelt, nur daß er kein Zimmer und keinen Wärter für sich allein hat. In beyden Abtheilungen werde« alle Gattungen von Kranken ausgenommen. ,S4 XXXX In die dritte Classe gehören die Personen beyderley Geschlechts) die sich in Stiftungen befinden. ' Die vierte Classe ist der unentgeldlicken Aufnahme gewidmet; die Armulh muß aber durch ein Zeugniß des Pfarrers, oder von einem angesehenen Bürger bewiesen werden; sonst zahlt man hier für einen Kranken des Tags io kr. Im ersten Hofe ist eine Kapelle, die eine solche Lage hat, daß von jeder Seite durch die Fenster auf den Altar gesehen werden kann. Maximilian Stoll, einer der größten Ärzte DrutfchlandS, gab auf der practischen Schule seine Collegien und klinische Besuche für junge Ärzte und Wundärzte. Sein Nachfolger war Professor Reinlein; an dessen Stelle ist der durch seine Schriften um die Menschheit so verdiente, als in der gelehrten Welt berühmte Professor Frank von Pa- via berufen worden. Für diese praktische Schule ist ein eigenes, mitten im ersten Hofe stehendes Gebäude von 2 Geschossen gewid* xxxx 185 met, in welchem die Krankenzimmer, der Lehrsaal und Sectionszimmer medicinisch- chirurgisch eingerichtet find. Von 7 bis y Uhr früh find die Krankenbesuche; von <- bis »o Uhr die Kollegien für die Zöglinge der Me- dicin; von 10 bis ii Uhr Krankenbesuch« und Vorlesung vom Professor Steidele für die Schule der Wundarzrneykunde. Mit diesem Krankenhauseist auch ein Gebärhaus verbunden, das vortrefflich und zweckmäßig eingerichtet ist. Mädchen, die ihre Schamhaftigkeit nicht beleidigen wollen , werden durch ein Thor in einer unbesuchten Gaffe eingelassen, und können ver- schleyert in einer Maske unter einem selbst gewählten Nahmen eintretcn, im Verborgenen Mutter werden, und eben so unbekannt austreten. Beym Eintritte muß fie dem Geburtshelfer einen versiegelten Zettel, in dem ihr wahrer Nähme geschrieben steht, übergeben, damit, wenn sic stürbe, man ihren Altern oder Anverwandten Nachricht geben könnte; den Zettel nimmt sie beym Austritte «»eröffnet wieder mit. 186 ' XXXX Narrenthurm. An einer Ecke des Krankenhauses steht dieser neu erbaute Narrenthurm. Er ist L Geschosse hoch; in jedem find 28 Zimmer. Die Aufseher wohnen in einem den Thurm mitten durchschneidenden Gebäude. Ein Gang in den innern Grenzen des Thurms führt an allen diesen Behältnissen deS Unglücks vor- ^ Key, in welche man durch die vergitterten Eisenthüreo hinein sehen kann. So sehr diese unglücklichen Geschöpfe zu bedauern sind, die durch den Verlust der Vernunft aus der Classe der Menschen verbannt sind, so erträglich werden sie in diesem freylich immer noch schrecklichen Thurme behandelt. Dieser Thnrm hatte seit seiner Erbauung den wichtigen Fehler, daß die Ruhigen und Wiedergenesenden zu ihrer Erhohlung keinen Garten oder Grasplatz zu einem Spaziergange hatten, um reine Luft zu genießen. Diesem Mangel ist durch die kluge Anordnung des Hrn. Directors Frank seit »796 durch einen ziemlich geräumige«, den Thurm xxxx 187 umgebenden Garten abgeholfen worden, in welchem die Reconvalescenten von der Gesellschaft tobender Unglücklicher entfernt, sich erhöhten können. In der ersten Claffe wird täglich » fl., in der zweyten /zo kr. bezahlt. Die andern werden entweder unentgeldlich oder um ro kr. wie in der vierten Clafle des Krankenhauses, aufgenommen. Für Geistliche, welche das Unglück haben wahnwitzig zu werden, sind bry den barmherzigen Brüdern Zimmer bestimmt. Die ganz ruhigen Wahnsinnigen kommen in das so genannte Bcckenhaus, das am Alsterbache liegt. Alle Tage können Fremde entweder in Begleitung eines Arztes, oder allein, die zur Ordination bestimmten Stunden ausgenommen, zu jeder Zeit das allgem. Krankenhaus besehen. Der Eintritt in den Schwangerhof muß besonders durch den demselben Vorgesetzten Professor Boer, so wie ins Tollhaus durch Herrn Hofrath Frank gestattet, und deßwegen um Billetts angesucht werden. 188 xxxx SiechenhauS. Zu Siechenhäusern find in Wien der Al- sierbach und Sonnenhof gewidmet; auch sind solche Häuser in Abs und Mauerbach. Die eigentliche Bestimmung dieser Hauser ist allen ekelhaften, preßhaften und von der Ge« rieralspitalsdirection für unheilbar erkannten Kranken ein Unterkommen zu verschaffen, und sie dem Anblicke des Publicum- zu entziehen. Krankenhaus der barmherzigen Brüder in der (eopoldstadt. Dieses Hospital fasset nun Kranke, die aber nicht alle gestiftet find. Im Kloster befinden sich Ordensbrüder für die Pflege der Kranken und L Ordenspriester, die insgesammt von dem täglich gesammelten Almosen leben. Alle Kranken ohne Rücksicht der Religion werden hier unentgeldlich ausgenommen , und sehr gut mit allem bis zu ihrer Genesung verpflegt. xxxx »8- Reeonvalescentenhaus der barmherzigen Brüder auf der Bandstraße. Dieses Haus wurde im Jahre 17LZ von weiland der wohlthätigen Kaiserinn Maria Theresia gestiftet, damit die im Leopoldstädter Krankenhause krank gelegenen und von . aller Medicin frey gesprochenen Genesenden, von den übrigen mit schweren Krankheiten behafteten Patienten abgesondert, einer fri- schern, reinen Luft genießen, und durch diese Wohlthal zu einer früher» vollkommenen Genesung gelangen sollten, wodurch zugleich in dem Leopoldstädter Krankenhause mehre» re Kränke ausgenommen und gepfleget werden können. Zu ihrer Wartung sind 6 Religiösen und r Priester angestellt, die ebenfalls von der Milde deS Publicums leben. Hospital der Elisabethinerinnen auf der tandstraße. Diese Klosterfrauen aus dem dritten Orden des heil. Franciscus sind das für das weibliche Geschlecht, was die barmherzigen Brüder für die Männer sind. Das Spital ch r-o xxxx ist für Li Kranke eingerichtet, die vortrefflich von den Nonnen gepfleget werden, Hospital der Juden in der Rossau. Ist von der Oppenheimerschen Familie gestiftet und wird durch die Wohlthat des Abraham Oppenheimer reichlich unterstützt. In diesem werden alle fremden und einheimischen kranken Juden ausgenommen und mit allem gut versehen. Das k. k. Thierspital und Arzeney- schule auf der Landstraße. Der Grund zu diesem Institute ward vom Kaiser Joseph II. im Jahre 1777 gelegt, und diese Schule zur Bildung geschickter Thierärzte eröffnet. Das Institut steht unter dem k. k. Hofkriegsrath; die Direktion über das Spital und die Schule führt Herr Professor Knobloch, der die Naturgeschichte, verbunden mit der Lehre von den Kenntnissen der Pferde, ihrer Auswahl zu deren verschiedenen Geschäften, der Krankheiten und > Seuchen der Pferde, des Hornviehes, der Schafe und Schweine erläutert. xxxx ' »9» Der Professor Mangold gibt praktischen Unterricht im Hnfbeschlag; der Apotheker Waldecker behandelt die Arzeneymittel und die Kunst sie zu bereiten, und Herr Berschina lehrt Anatomie und Phifiologie. Der ganze Lchrcurs dauert etwas über 2 Jahre. Die Schüler bestehen aus Inländern und Fremden. Nicht bloß angehende Ärzte und Wundärzte, sondern auch Civil-und Militärschmiede, Bereiterund Ökonomen besuchen das Spital und die Schule. Jedermann kann kranke Pferde gegen Bezahlung des Futters und der Arzeney in das Spital bringen. Seit dem Jahre 1780 wird die Thierarzeney auch an den hohen Schulen zu Prag, Pest, Lemberg, Freyburg, Innsbruck und Grätz von Lehrern vorgelra- gen, die in diesem Institute ihre Bildung erhalten haben. Die meisten Fremden von hohem Reang beehren dieses Institut mit ihrer Gegenwart. Die jungen Mediciner vom Auslande besuchen diese Schule sehr fleiffig. Auch haben einige deutsche Fürsten schon eigends Zöglinge in dieses Institut hierher geschickt, dass »Y2 XXXX also vermuthlich bald ähnliche Schulen nach dem Muster desselben in mehreren deutschen Provinzen entstehen werden. Findel- UN- Waisenhaus. Das erste liegt in der Alstergasse, und ist vor etlichen Jahren ganz neu gebanet worden. Die Aufnahme der Kinder geschieht nach einer dreyfachen Taxe. Die erste Classe bezahlt 24 fl. In diese gehören Kinder, welche von Weibspersonen erzeugt werden, die im Gebärhause in einem eigenen Zimmer sich ihrer Bürde entledigen, und alle übrigen Personen, die ein Kind in das Findelhaus geben wollen. — Die zweyte Classe bezahlt 12 fl. In diese gehören die Kinder, die auf den Straßen oder in Hausern nieder gelegt werden, und für welche die Grundobrigkeit zu bezahlen hat. — Die dritte Classe entrichtet 6 fl. In diese gehören die Kinder, deren Mütter nach der zweytcn und dritten Classe im Gebärhause entbunden werden. Endlich werden diejenigen Kinder un- entgeldlich in dos Findelhaus genommen, deren Mütter als Säugammen in das Fin- xxxx 19z delhauS-treten, und die Kinder von Muttern aus dem Gebärhause der vierten Classe. Das Waisenhaus liegt in der Wahrin- gergasse und steht unter der Direktion deö Herrn Majors von Andrer. Die Waisen erhalten außer dem jeden Menschen nöthigen Unterrichte, noch den Unterricht im Zeichnen, in der Arithmetik, Geometrie, im Rech- nungsführen, in Leibesstcllungen und Musik. — Die Mädchen im Spinnen, Stricken, Nähen und andern weiblichen Arbeiten. Die Knaben, die zu Handwerken in die Lehre kommen, bleiben bis zur Freyspre- chung unter' der Waisendirection. Die Zahl der gestifteten Waisen beläuft sich auf 418 Köpfe. .5 VII. Warme und kalte Bader. Herr Doctor Ferro hat das kalte Bad auf dem Tabor am Ende des Augartens schon im Jahre 178» gegründet, und wird bis N L«-4 XXXX jetzt immerfort mit großem Nutzen gebraucht und häufig besucht. Die mit allen nothwendigen Geräthschaf- ten versehenen Badzellen ruhen auf großen vor Anker liegenden Kähnen. Der Preis eines Bades ist 40 und io kr. In der Buchhandlung des Verlegers dieses Wegweisers ist davon eine ausführliche Beschreibung in groß 8vo mit Kupfern für r fl. Zo kr. zu haben. Warme Bader. Eines liegt an der Donau gleich vordem sogenannten Neuenthore. Man badet in gemauerten Zimmern, in welchen eine Wanne steht, und das Donauwasser erhitzt, mit kaltem vermischt, eingezogen wird. Der gewöhnliche Preis ist 17 auch Z4 kr. Beym scharfen Ecke in der Leopoldstadt, auf dem Althanischen Grund, in der Jägerzeile , zu Erdberg, unter den Weißgärbern sind ebenfalls solche Bäder. Das Nro. u6. am so genannten Schütte! bey der Weißgärberbrücke errichtete, sehr ?* 7 .> > i.r> ^MW MMM »' L ! i.im /M7 xxxx 1YZ bequeme, und wegen der herrlichen Aussicht berühmte Kräuter- und Schwefelbad wird stark besucht. In der kleinen Alstergasse, unweit derHerrn- alserlinie befindet sich das warme Bründel und kalte Sturzbad. Am spanischen Spitak, dem Waifenhau- ft gegen über, ist auch ein so genanntes Sturzbad, zu dem man aber vom Fürsten v.Lich- tenstein die Erlaubniß erhalten muß. Z. VIH. Öffentliche Spaziergänge. Der Augarten- Er liegt in der Leopoldstadt an einem Arme der Donau, und wurde vorhin die alte Favorite genannt. Sein Flächeninhalt beträgt ungefähr 164000 Ouadratklafter. Kaiser Joseph II. gab ihm daS heutige prächtige Ansehen; dieser Monarch ließ diesen fast un« R 2 ,y6 XXXX besuchten Garten mit vielen Kosten in einen der prächtigsten Spaziergänge verwandeln, neue Alleen anlegen, die alten verlängern, Speiftsäle mit Erfrischungszimmern errichten, und zu noch größerer Verschönerung an dem einen Ende dieses Gartens eine Teras- se auffuhren, von der man die herumliegenden Gegenden weit übersehen kann, und bestimmte ihn schon im Jahre »7/L zu einem öffentlichen Erlustigungsorte, den jedermann in jeder Stunde des Tages ungestört besuchen kann. Überder mittern Einfahrti«den Vorhof zum Garten stehen diese Worte: Allen Menschen gewidmeter Erlustigungsort von Ihrem Schätzer. Fiackers dürfen nicht in den Dorhof, ste müssen vor den Thoren halten. Eigene Equipagen oder Stadtlehenwagen fahren aber biS zur Gartenthüre oder zum Eingänge in den Saal. Das prächtige Gebäude, darin zwep gro- xxxx >97 ße herrliche Säle und mehrere niedlich eingerichtete Zimmer sind, nebst den übrigen Seitengebäuden wurden aus allerhöchster Freygebigkeit dem Traiteur Jahn überlassen. Das Geräthe ist hier alles sehr schön und reinlich. Gegen eine bestimmte La/e kann man allein, oder in Gesellschaft zu Mittags und Abends speisen. Auch bekommt man augenblicklich Kaffee, Thee, Chvccolade n. s. w. Die Ta/zettel sind in den Sälen und Zimmern an den Wanden angeheftet. In dem Speisesaale ist vorzüglich der Blafond sehenswürdig, den Joseph I. von dem berühmten Pozzo mahlen ließ. Wenn man durch das Gebäude gegangen ist, sieht man rechtS das ganz einfache Gartenhaus deS fel. Monarchen mit einem kleinen Blumengärtchen, von dem man in den Augarten und gerade vor sich hin inchie über die Donau durch Waldungen gehauene meilenlange Alleen sieht. Um diesen Garten von den Überschwemmungen der Donau zu sichern, ließ der Monarch mit unsäglichen Kosten einen Damm umziehen. ,9» XXXX Die Brigittenaue. Man fahrt dahin durch die Leopoldstadt über die Straße nach den Augarten. Es has eine schöne Waldung, eine Kirche, Jagd- rrnd WirthShaus, und liegt eine halbe Meile von Wien. Am ersten Sonntage nach Brigitta wird in dieser Aue das Kirchweihfest gefeyert, wo sich bey günstiger Witterung eine Menge Menschen einfindet. Der Prater. Bevor der menschenfreundliche Monarch Joseph II. den Prater eröffnen und den Augarten zur schönsten Promenade umschaffen ließ, hatte Wien wirklich einen Mangel an nahe gelegenen Spaziergängen und Belustigungsörtern. Dazumahl hatten die Fremden wirklich Recht, wenn sie sagten: daß die ländlichen Unterhaltungen in Wien sehr kostspielig wären. Nun findet diese Klage nicht mehr Statt. Denn der einzige Prater ist hinlänglich den Bewohnern der Kaiserstadt ein wohlfeiles, abwechselndes Ver- gnügen zu verschaffen. Für einen Fremden und Menschenfreund muß der Anblick so yic- - ^ 'FfLv -Ä-rE-Vr MR » V - ^ V .j.. xxxx >99 ler vergnügter und mit so mancherley Unterhaltungen beschäftigter Menschen gewiß angenehm seyn. Man kann sich zugleich von der Volksmenge dieser Hauptstadt eine Idee machen, und den Geschmack und Character der Nation besser als irgendwo beobachten» Der Prater, vermuthlich von dem spanischen Prado, liegt längs dem Donanstrome und erstreckt sich auf bcynahe 2 Stunden. In dem mittleren Raume dieses schönen Lustwaldes finden sich eine Menge niedlich angelegte, von innen bemahlene hölzerne Buden und Hütten mit Kegelbahnen, welche den Wirthen gehören und fast durch den ganzen Prater zerstreuet find. Um diese Hütten her find unter den Bäumen eine zahllose Men-' ge von Tischen und Banken, die an Sonn-' tagen alle mit Menschen angessrllt sind. DaS Jubeln der Kinder, die Mufiken, die verschiedenen Spiele, das Gesäuse von Scherz und Lachen der Volksmenge, das Gewühl so vieler tausend Menschen, die große Menge der ab- und zufahreuden Kutschen stellen', einen mahlerischen Anblick dar.' Die Fremden machen den Wienern im- t«er so viele Vorwürfe, daß fie nirgend ein Los »OSXX Vergnügen haben können, wenn sie den Schenktisch i nicht im Gesichte haben. Wer aber auf sie. aufmerksam seyn will, wird sich überzeugen, daß sie sichs im Prater, wie überall so gut als die Wiener schmecken lassen und gern Bescheid thun. Es äst wirklich lächerlich einer Nation es übel zu nehmen , daß sie den Reichthum ihres Vaterlandes genießt. ' Stuwer brennt auf einem eigends dazu bestimmten Platz seine Kunstfeuer ab, bcy denen sich eine ungeheure Zahl von Menschen einfindet, der, wenn die Witterung gut ist, oft 4 bis Looo fl. bey einim einzigen Feuerwerke, das gemeiniglich drcy Viertelstunden dauert, einnimmt. An diesem Tagen sind Nachts die Gänge durch den Wald beleuchtet. Fremde werden erstaunen, unter mehr als 12000 Menschen von so verschiedenen Clasfen, die sich nächtlicher Weile in einem Walde beyfammen finden, nichts als Drdnung, Eintracht und Sittlichkeit zu erblicken. Hier ist kein Unterschied des Ranges ; der Adel mischet sich unter das Volk, und selbst der Monarch mit der kaiserlichen Familie steht oft ohne Gefolge, von der Liebe xxxx Lol feiner Unterthanen geschützt, mitten unter seinem Volke und theilet seine Freuden. Der Eintritt in ein Feuerwerk kostet ^c> kr.; das macht, daß nur da- bessere Publicum erscheint. Eine'Allee, die eine halbe Stund«! öder dritthalb tausend Klafter lang ist, führt aus das sogenannte Lnsthaus; dieses ist 2 Geschosse hoch nnd das ganze -Jahr zum Vergnügen des Publicums offen. Von den «m dasselbe herumlaufenden Gallerten hat man eine sehr reihende Aussicht über die Donau und die nahen Gegenden. Ein Traiteur besorgt alle möglichen Mnndprovisionen. Weil man hierher nicht so leicht zu Fuß kommen kann, so ist hier bloß die schöne Welt versammelt, wo zugleich die schönsten Egnipa- gen zu sehen sind. In der Allee zum Lnsthause wird in den heissen Monathen aufgespritzt. Alle qoo Schritte ist eine Pumpe mit Wasser.. ,, Der Prater ist immer offen. und kann gar nicht geschlossen werden. Man kann also ^u allen Zeiten aus- und eingehen, und bleiben, so lange man will, ror XXXX Z. LX. ' Theater, Hetze und Tanzsäle, keopoldstadttbeater. Das Theater ist Z Geschosse hoch. Herr Marineüi hat es neu gebquet, und niedlich eingerichtet. Er hält rin gutes Orchester, und eine für komische Schau- und Singspiele auserlesene Gesellschaft, die er auch richtig und gut bezahlt. Von dieser Gesellschaft ist besonders Hr. la Roche bekannt,' der den so gern gesehenen Kasperl spielt. Er hat zur Darstellungseiner niedrig komischen Rollen ausgezeichnete Anlagen der Natur, und ist in seinem Fache gewiß nicht ohne Verdienste. Die Urtheile der Fremden über dieses Theater sind verschiede», manche vielleicht zu streng; dje meisten unterhalten sich, and sehen es für das an, was es scyn soll; Abwechslung für den gebildeten Theil des Publikums, und ergehend für das VE. Das Haus ist fast immer gedrängt voll. Hr. C, 8 Hensler ist Theaterdichter, und hat schon viel Gutes and für diese Bühne Passendes geliefert. xxxx 20Z Theater auf-er Wieden im Fürst , Stahrembergischen Freyhause. ^ Ist drey Geschosse Hoch , aber auch sehr artig eingerichtet. Hat ein gutes eingewöhntes Orchester, und die Gesellschaft führt ihre Sing- und Schauspiele mit vielem Bey- falle auf, das der häufige Besuch bestättigt. Theater in der Josephstadt. Ist z Geschosse hoch, aber für die Zu-^ schauer ist der Raum im übrigen sehr klein. Die Ballets sind ganz leidentlich und werde» gern gesehen. Im Sommer ist es schon seit einigen Jahren geschloffen, die Gesellschaft spielt der Zeit beym Fürsten v. Lichtenstein zu Felsberg. Das k. k. Hetzamphitheater. War vor dem Therefienthore jenseits der Wien unter den Weißgärbern; war Z Geschosse hoch, schön gcbauet, gut eingerichtet und verpachtet. Deu ». September 1796 wurde dieses Gebäude, da es nur von Holz war, in drey Stunden durch eine Feuersbrunst, deren Ursprung noch unbekannt ist, ganz eingeaschert. Alle Thie- 204 xxxx re, zwey Löwen, Tieger, Leopard, Hyene, Kamehl, Ochsen, Hirsche, eine große Anzahl von Bären, wurden ein Raub der Flamme; nur der Auersticr und etliche Hunde sind gerettet worden. Tanzsale. Sind beym schwarzen Bock auf der Neu- wieden,—Zum Mondschein beym Schwär- zenbergischen Garten. Beym zwey Lampeln zu Mariahülf. Zum Sperl in der Leopoldstadt. Zum grünen Thar und zum Schwane in der Roffau. Zunr Schaaf am Oberneustift. Die Säle sind alle schön eingerichtet und mit Kronleuchtern erleuchtet. In erlaubten Zeiten ist da öffentliche Musik , wo man auch mit Essen und Trinken bedient wird. §. X. . Beschreibung der k. k. Lustschlösser ^ außer den knien. Es wird den Fremden nicht unangenehm seyn, wenn man ihnen die besuchten Lieb« !»E!Äü!i>?«M> ! MM; xrrtt'^iÄi" '* ^>W«M'E2'A S«L 7 .,-' D 8 ' rXZ'U ^1 ^stEl^ >!c?-i' !Ä>?! >or^» 'I'S .co«' -L.« '«M xxxx »0L lingsörter der Wiener, die außer der^ Linien liegen, anzeigt. Es ist anzumerken, daß die Wagen, welche die Linien passieren, von jedem Pferde z kr. bezahlen müssen. Die Wagen der Gesandten sind ausgenommen. — Diese Abgabe ist gewiß billig, wer Geld zum Fahren hat, soll dem Staate seinen Bcptrag zur Wegbesserung zahlen. Das k. k. Lustschloß Schönbrunn. Liegt eine kleine Stunde von den Linien Wiens entfernt, und hat bepnahe zwey Stunden im Umkreise. Es ist einer der vornehmsten Ortedes Vergnügens. Das Schloß ist weitläufig, und kaiserlich nach den neuesten Geschmack meublirt. Alles entspricht hier der Größe der Majestäten, die es bewohnen. Im Garten ist alles beysammen, was die Kunst je großes hervor gebracht hat. Regelmäßig gepflanzte, gedeckte, und offne Alleen mit Buschwerk, Statuen von weißen» Marmor, Fontäinen, Grotten, Ruinen, Terrassen, Irrgärten, Vogelbauer, u.s.w. 206 XXXX Auf der Spitze eines Hügels steht eitke prächtige Gloriete mit Kolonaden. Diese beherrscht die schönste Aussicht über den Garten, die Stadt Wien, und die umher liegende weite Gegend Wiens. Zu beyden Seiten ist Wald, mit krummen sich schlangelnden Gangen. In diesem schattichten Hayne entspringt das schöne cry- stallklare kalte Wasser, welches Schönbrunn den Nahmen gibt. Auf der rechten Seite des Gartens ist der Thiergarten, der besonders wegen der Anlage der Gebäude für die Thiere sehenS- würdig ist. Die Treib- und Glashäuser aller auslän- difcken amerikanischen und vstindischen Gewächse, dasDrangerie-Haus, gewiß das einzige in Europa an Größe und an Schönheit, verdienen die Aufmerksamkeit der Fremden. Das Schloß wird allen Fremden gezeigt, wenn der Monarch und die Allerhöchsten Herr- schäften nicht zugegen find, der Garten aber ist für Jedermann offen, und seine Pracht wird noch durch die schöne Welt erhöhet, die sich vorzüglich an den Sonntagen ver- XXX* 207 sammelt. Die Vornehmsten Wien- kommen hierher, und man kann die ausgesuchteste Gesellschaft finden. Durch die Gnade des Monarchen find hier dem Traiteur Zahn viele schöne Zimmer für das Publicum gewidmet. Man speist hier um die nähmlichen Preise, wie im Augarten und wird gut bedient. Don Schönbrunn führt eine 2 Stunden lange Allee nach den K. K. Lustschloß Laxenburg. Es ist ein schöner Flecken, bey welchem das Schloß und Garten, nebst andern prächtigen Sommergebäuden der Minister liegen. Das neue Schloß ist nur ein Geschoß hoch, aber ebenfalls kaiserlich, meistens im chinesischen Geschmacke eingerichtet. Der Garten ist größer als der zu Schönbrunn , mit langen unübersehbaren Alleen, Gebüschen, Häuschen, Statuen, und einem schönen auSgeniauerten Canal, über welchen viele artige Brücken geschlagen find. Die so genannte Ratgerpaffe, ist, wenn 2k>8 xxxx der Allerhöchste Hof zugegen ist, eine fehens- wnrdige angenehme Unterhaltung. Es ist gewöhnlich der Sommeraufenthalt Ihrer beydeu jetzt lebenden Majestäten. Zn den nahe bey Minkendorf liegenden Ebenen werden die Lustlager von 20 und mehr tausend Mann aufgeschlagen. Nahe bey Schönbrunn liegt Das k. k. Lustschloß Hetzendorf. Das Schloß und der Garten sind klein, aber geschmackvoll tapezirt. Der sek. Monarch K. Joseph hat es zu seinem Sommeraufenthalt wegen der besonders reine» gesunden Luft, und der herrlichen Lage gewählt. — §. XI. Belustigungsörter und merkwürdige Schlösser außer den Knien, nahe bey Wien. Ebersdorf. Eine Meile von Wien an der Donau liegt das k. k. Schloß Ebersdorf, in welchem ei- xxxx rollige Compagnien Artillerie liegen. In dem nahe daran liegenden Dorfe Simering werden aufder großen unbebaueten, öden Ebene die Artillerie-Manöuvers gehalten. In Ebersdorf ist aber das schöne Landhaus der Gräfin» v. Korschenskl und der im englischen Geschmacke angelegte Garten sehenswürdig. Alles, waS man hier sieht, ist so artig, mit einem so männlichen Geschmacke, so einfach natürlich angelegt, daß es gefallen m,»ß. Die Herrschaft ist so gefällig würdigen Fremden alles zeigen zu lassen. Dörnbach. Dieses im Geschmacke eines großen Mannes angelegte herrliche Landgut und Lustschloß des Herrn Feldmarschalls Grafen von Lacy, ist ein Elpstum. Das Schloß ist zwar sehr einfach, aber mit Geschmack eingerichtet, und entspricht dem philosophischen Geiste seines Bewohners, desto herrlicher ist derGarten. Die Abwechslung und das Ungezwungene in der Anlage dieser Villa ist anziehend und reihend. Der im englischen Geschmacke angelegte schöne Garten, dessen Abwechslungen für das Aug unermüdend sind: der daran O an» xxxx stoßende schöne Wald, mit einer zahllosen Menge ganz natürlich angelegter Gänge durchschnitten, die schöne Aussicht in ein kleines romantisches Wiesenthal, das mit waldigen Hügeln umgeben ist, in dem zahme Hirschen herum laufen, und sich da um den Menschen versammeln. Der auf einer Anhöhe prächtig erbauete Dianentempel. auf welchem man eine reiHende Aussicht über einen Theil dieser Anlage, der Stadt Wien, und ihre Gegenden hat, alles das kann nur gesehen,gefühlt, aber nicht beschrieben werden. Überdem klaren Bache, der daS ganze weite Thal durchfließt, und an welchem eine Menge Wasserfälle künstlich angebracht find, die durch ihr sanftes Rieseln die Stille dieses ro, manlischen Thales etwas unterbrechen, ist eine Anzahl schöner Brücken gebauet. Am Ende des Thals, wo die Berge zusammen stoßen, ist ein Wasserfall. Die Einsiedeley, die schönen Bassins mit Schwanen, Hochrothen, rosenfarbigen und blauen Fischen besetzten Teiche, verursachen durch ihre bunten Farben aufder Oberfläche des Wassers einen herrlichen Anblick. — Die schönen in den Thicrgärten herumwandelnden M'ÄlAMr^ xMM-M ' '^V: — 121 xxxx Gold- und Silberfasanen, fremde Enten, find alle so zahm, wie die übrigen Thiere. Am höchsten Orte dieser Anlage stehet ein im chinesischen Geschmacke gedanktes Lust. hauS ganz herum mit einer Gallerte. Hier pflegt der Herr Feldmarschall öfters zu speisen. Die neue Anlage, Moritzrude, besteht aus einer Anzahl ländlicher, aber innen auf das geschmackvolleste gezierte Häuser. Ehrwürdig wird dieser Lustort jedem Patrioten bey der Erinnerung, daß hier von seinem Besitzer so viele der österreichischen Monarchie zum Ruhme und Nutzen gerei« chende Entwürfe gemacht worden sind. Der Herr Feldmarschall ist so gefällig, diesen Garten, auch selbst die geschlossenen Theile desselben, mit aller Höflichkeit und Bereitwilligkeit der schönen Welt zu ihrem Vergnügen öffnen zu lassen; ungeachtet schon einige ungesittete Stuyer diese Güte sehr mißbrauchten, mit Undank und anderem Muthwillen vergolten haben, s» wollte der Besitzer, weit entfernt dem edleren Lkerle Wiens dieses so lange genossene Vergnügen zu entziehen, ihn bloß durch eine in die Zci- O 2 212 xxxx tung gedruckte, mit aller Delikatesse und Schonung vortrefflich verfaßte Erinnerung nur Vorbereiten, auf dergleichen unbesonnenen, üuSgearteten Pöbel aufmerksam zu seyn, damit er sich nicht gezwungen sähe, sein Eigenthum zu verschließen. Schon diese Behandlung entspricht dem Geiste des großen Mannes, dem dieses Elysium gehört *). *) Ist bey solchen unanständigen Betragenem Besitzer eines Landgutes nicht zu entschuldigen, wenn er nicht jedem den freyen Eintritt gestattet? darüber sich doch die Ausländer inihrrnRei- sebeschreibungen so beleidigend gegen manche Ei- genthümer derley Landhäuser auszudrücken belieben. Es ist doch sonderbar, daß die Fremden das Wort Fremder so sehr veredeln wollen, als ob dieses Wort zugleich edel — würdig — rechtschaffen einfchlöße, da doch unter diesen so viele unwürdige, niedrige, unverdiente und von keinem Belange sich einschleichen. Ist er ein wichtiger Mann, so weiß er sich durch Empfehlungen überall sehr leicht Eintritt zu verschaffen. Es ist hier iu Wien nicht, wie in Jena oder andern Aeich-städten, wo in 4 oder F Wochen ein Paar Fremde eintreffen; hier ist die Anzahl außerordentlich, wie kann ein roher Thorsteher solche kennen? oder sie bloß auf die- xxxx LIZ Um nach Dornbach zu kommen, muß man durch Hernals, wo der Calvarienberg sich befindet. Es ist eben nichts Sonderbares daran zu sehen: aber zur Fastenzeit, besonders wenn die Witterung günstig ist, ist hier großer Zulauf. Die meisten gehen aber dahin, um zu sehen und gesehen zu werden. Man ersuchet also die Fremden, von der ses Wort einlassen? Es wäre wirklich traurig, wenn man alle Fremde, wie in einem Tasthofe frey einlaffen müßte, und der Eigenthümer in seinem Garren, de» er sich zu seinem einsamen Vergnügen eingerichtet hat, in keiner Allee ru. hig spazieren gehen könnte, »hne unter dem Schatten der Baume von einem satyrischen Fremden sich belauschen und nachher in einer Reisebeschrribung über sich spotten zu lassen. Die bis zum Ekel in den Reisebeschreibungen der Ausländer übertriebenen Gpöttereyen veranlassen diese Anmerkung. Was anderweitig zur Verdunkelung einer Narion gereichen könnte, wird sorgfältig verheimlichet, bey uns aber alles ausgesucht und bekannt gemacht, was die Nation nur lächerlich oder verächtlich machen kann. Schriften dieser Art haben freylich meistens fremde Väter, aber auch Inländer lassen sich des lieben Brods willen manches Mahl dazu verleiten. r-4 XXXX Andacht der Wiener sich keine nachtheiligen begriffe zu machen. Die übrigen Belustigungs'örter sind: Burkersdorf. Kalchspurg. Die Aue zwischen Hnlteidorf. Breitenfurt. der Donaubrücke. Mariabrunn. Der Brühl. Kahlenberg. Hadersdorf. Gießhübel. Währing. Mailerbach. Mödling. Döbling. Weidlingau. Nußdorf. Baden. Petersdorf. Klosterneuburg. Lauter angenehme Orter, die mitten im Walde liegen und die schönsten Spaziergänge haben. In Hadersdorf muß man die im Schloßgarten befindliche Grabstätte deS unvergeßlichen österreichischen Helden Laudon nicht ungesehen laffeu. Auch Kalchspurg, dem Herrn von Mack gehörig, ist besonders merkwürdig; Aufwand mit Geschmack und Schönheit ist hier verbunden. Einer der angenehmsten Orte ist wegen seiner Aussicht der Kahlenberg oder der kalte Berg, der im Jahre r6jjz berühmt wur- xxxx L1L de, da von hier aus die christliche Armee, die zum Entsätze Wiens anrückte, ihren Angriff auf das türkische Lager machte. Der Weg führt durch die schönsten Weingarten dahin. Fußgänger steigen diesen Berg in einer Stunde. Die Aussicht von diesem Berge ist romantisch. Man sieht nicht nur die Stadt Wien mit ihrer ganzen Gegend, sondern bis in Ungarn undMähren hinein, wo sich die Gebirge in blauer Entfernung verlieren. An Sonntagen findet man hier, wie über, all, gute Gesellschaft. Es ist auch eia Trat- teur da. Auf einer gegen über stehenden Spitze des Gebirges steht der Leopoldsberg mit einem alten Schlosse, das einst der heilige Leopold bewohnet bat. Dieser ist noch höher als der Kahlenberg, und seine Aussicht schöner und unbegrenzter. Man brauchet aber eine Stuu- de, um von dem einen auf den andern zu kommen; der Weg dahin ist aber höchst angenehm. Die Donau fließt dicht am Fuße de- Berges vorbey; da- Präcipizc ist gräß- lich und der Berg von dieser Seite so hoch, daß man mit bloßem Auge kaum die auf den vorbeyfahrenden Schiffen befindlichenRu- xxxx ri6 derknechte ausnehmen kann. Mehrere Privatleute haben hier Sommerwohnungen, so wie aufdem Kahlenberge, unter andern auch Prinz de Ligne son re5u§e. Währing —Nnßdorf— Döbling— wo artige mit Kronleuchtern gezierte Tanzsäle find und Musik gehalten wird, bleiben an Sonn- und Feyertagen nicht unbesucht. Baden, ein sehr angenehmer Ort und z Meilen von Wien; er ist wegen der mineralischen Gesunddäder bekannt, und wird von Badgästen, noch mehr aber von verschiedenen Gesellschaften, die sich da belustigen wollen, besucht. Man findet hier die schönsten Gärten, Spaziergänge, Spiele, schöne Aussichten und ein gut eingerichtetes Casino und Theater. Täglich geht die Diligence von da nach Wien ab. Auch sind die Lustschlösser und Gärten deS Grafen von Cobenzl, des »erstorbenen russischen BothschafterS Fürsten v. Gallizin, nahe am Kahlenberge, und deS Fürsten von Stahremberg in Erla,sehenswürdige Gärten. Man wird aber in letzter« nur gegen vorher angesuchte BilletS eingelassen. xxxx 217 Die Gärten des Russischen GesandtenGra- fen Razoumousky und des regierenden Fürsten von Esterhazy auf der Landstraße, sind bemerkenswürdig. Beyde sind beynahe ganz neue Anlagen. Ersterer hat schöne Parthien, das Hauptgebäude steht auf einer Terrasse, und die Aussicht geht von hier, so wie vom ganzen Garten aufdie Donau und nach dem Prater. Der zweyte ist im englischen Ge- schmacke. Ein mit Pracht und Geschmack erbauter Tempel, verschiedene Brücken und Wasserfälle, wozu das Wasser durch Triebwerke geleitet wird, verdienen alle Aufmerksamkeit. In diesem Garten erhält man den Eintritt sehr leicht. Anhang. K- K- privilegirte Kuustgallerie des Herrn HofftatuariuS Millers auf dem Kohlmarkte Nro. 297. Unter den vielen sehenswürdigen Gegenständen , die die Kaiserstadt jedem Fremden unvergeßlich machen, zeichnet sich besonders auch die Millerische Kunstgallerie vorzüglich aus. Man erstaunt, wenn man die Reihe r,8 der Zimmer durchwandert, wie durch die Emsigkeit eiueS einzigen Mannes, so viele und so außerordentliche Kunstwerke, aus spateren und neueren Zeiten, hieraufgehäuft werden konnten. Alles, was nur immer die Neugierde reihen und den aufmerksamen Zuschauer Stoff zur Belehrung und znr Erweiterung seiner Kenntnisse, im Felde der schönen Künsten und Wissenschaften, geben kann, scheint in dieser Gallerte gesammelt zu seyn. Sie sieht täglich von Morgens 8 Uhr bis Nachts 10 Uhr für jedermann offen und wird in z Hauptabtheilungeu gezeigt. Die erste begreift die modernen Kunstwerke, wovon hier, wegen dem engen Raum nur die vorzüglichsten angeführt werden ; nähmlich in Wachs, der Natur täuschend nachgebildet, die ganze K. K. und K.NeapolitanischeFamilie en grouppe, Se. k. Hoheit, der Erzherzog Karl, Erzherzog Palatinns; Se. Maj. Kaiser Franz zuPserd. die große Kaiserin» der R issen, der unglückliche König Ludwig XVI. von Frankreich und die Königin», so wie auch die k. Prinzessin» Tochter; Friedrich H. König der Preuffe»; die Feldmarschalle Clairfait, Wurmser und Bender, alle diese in Lebensgröße. An Kunstwerken anderer Art zeichnen sich besonders aus: das prächtige Mausolänm Josephs und Laudons mit mehrern lebensgroßen Figuren rc ; worunter besonders durch einen künstlich täuschenden Spiegel in der Tiefe des Tempels Kaiser Joseph mit den würdigen alten Helden Laudon sprechend vorgestellet werden und außerordentlich auffallen. An Ge- mählden mehrere Stücke vom Raphael, Titian, Schidoni und Rotenhammer, theils Originalien, theils Copien von berühmten Mahlern; eine Menge von kostbaren Schlag- und Spieluhren, Automaten und andern mechanischen Werken. Die zweyle Abtheilung enthält das Scklafgemach der Grazien. Reißenderes und Schöneres läßt sich nichts denken; in einem sanft von alabasternen Lampen beleuchteten klastischen weisenBelt schlummert ein schönes Mädchen und die entzückendste Musik läßt sich dabey hören; drey andere reißende Mädchen und eine alte Großmntter von 80 Jahren sitzen darneben in Gesellschaft an einem besondern Tische und beschäftigen sich mit weiblicher Arbeit; in einer Niche, die l 8 Fuß hoch, und sehr prächtig ist, steht die Venus calippiges colorirt, und bildet mittelst der künstlich angebrachten Spiegelgläser die z Grazien. Hier finden sich ferner L2Ü xxxx die vorzüglichsten Arbeiten von der bekannten Compofitions Massa, die Hr. Müller selbst erfunden und dem menschlichen Fleische völlig ähnlich ist; als z. B. die VenuS Me- dicis, der Florentinische Apollino re. Der prächtigen Moebles, Lampen, Lusters nicht zu gedenken. DaS ganze kann als ein redenter Beweis der vorzüglichen Talente des Künstlers und seines guten Geschmacks betrachtet werden. Die dritte und wichtigste Ab- theilung enthält die beyspiellose Sammlung von Antiquen. Hier findet man alle die vorzüglichsten und berühmtesten Statuen, Büsten, Basreliefs und Opfergefaße, die den Werth des Museums zu Rom und zu Neapel bestimmen und womit die Villas der Großen Italiens prangen, man findet über 1.50 von jenen kostbaren etrurischen original Vasen, eine'Menge schöner Gemählde, Al- terthümer nnd hat die beste Gelegenheit mit den herrlichsten Denkmählern Athens und Latiums sich bekannt zu machen. Von den Geschätztesten vermißt man auch nicht eines , und gewiß wird nie ein Fremder die Gallerie ohne seinen vollkommensten Beyfall und dieunge- häuchelste Achtung für ihren Besitzer verlassen. 221 Ausführlichere Nachricht findet man in neuerlich erschienenen Beschreibung dieser gallerie. Wien 1796. Abgang und Ankunft der reitenden Posten. Dorerinner ung. ^ Die Briefe werden täglich von 8 Uhr frühe dis »2 Uhr, und Nachmittag von balbZ bis hold 8 Uhr Abends, Mittwochs und Sonnabends aber bis 8 Ubr angenommen. Die z„ rekewmandi. renden Briefe müssen von 4 bis 6 Uhr Nachmittags aufgegebcn werden. Gehen ab. Alle Tage Abends nach 9 Ubr. r.) Reichs. Journalpolt nach Linz, Regenspurg, Nürnberg, Frankfurt am Mayn, Kölln und Brüssel, bis Ostende, Antwerpen, ferner nach Amsterdam; von Negensburg über München, Augsburg Glraßburg bis Paris. 2.) Böhmische Journalpost über Jglau bis Prag. Z.) Ungarische Jour. nalpost nach Preßbueg, ingleicheu über Raab, Komorn bis Ofen und Pest. 4.) Steyrische Jour, nalpost nach Bruck an der Muhr bis Grätz, Laibach, Triest, und Görz. ;.) Mährische Jour, nalpost nach Brünn, Ollmütz, Podgorze und Lemberg. Sonntags gehen nicht mehr, als die obgenann. ten Journalposten ab. Montags die Klaaenfurterund wallische Ordi. näre: nach Bruck an der Muhr, Klagenfurt, Brr. 2^2 XXXX E^^ttzen, Trient, Roveredo und Mantua; ferner noch ^lorenti, Asm, Neapel bis Palermo, in- gleichen nachParma, Mayland, und in die übrigen italienische» S»auren. Mil brr Reichs-Journal- postübcr Nürnberg, Hilde-Heim, Braunschmeig, Homburq, nach Koppenhagen und Stockholm. Dienstaas unqrische Ordinäre» Post bi- Ofen, Szeg'-din nach Teweswar und Hermanstadt; von Ose« nach Tokav, Debrezin, Karl-burg, Klau« senbnra bis Mühlenbach; ferner von Ofen über Peterwardern nach Semlin ; von Prrßb„ra nach CperieS, da^chau; von Eperirs bi-in dicBnko- wma. Don Freystädtel nach Scheinnik, Krcmnitz und Schmölnitz bi- Jaszom in die ungarischen Berastädte. Slavonische und kroatische Ordin. Post: nach Oedenbura, Güns, Körmend,Fünfkirchen und Es- feaa. In Körmend thcilt stch der Cour-noch Csa- kardurn, Warasdin, Agram »ach Karlstadt in Kroatien. Mittwochs sächsische Ordinäre. Poli : nach Prag böhmische Jourvalpost. Nach Aussig, Dresden, Leipzig und Magbrbur.. Von Cza-lau nach Cbrnt'im undKöniggraz, Pilsen und EgerischrOr- binäre 5 Post : nach Gmünd, Moldautbein, Neu. bau-, Hora-dioivij, Pilsen bis Eger; ferner nach Planen, Gera nnd Nürnberg. Schlesische Ordinäre-Post : nach Brünn, mährische Journalvost; von Brünn nach Ollmüy, Strrnberg bie Troppan; zu Srernberg tbeilr stch der Cour- nach Freudenttzal, Neist, Brieg, Brest- lau nach Berlin. xxxx 22Z Polnische Drdina, post: nach Troppau, Pob- gorze, Krakau, Kaschou, Riga, Petersburg; ingleichen nach Moskau. Ferner über Lewberg nach Brodi, Kaminiek, in die Bukowina, und in die Moldau blS Zassi. Dalmatische und Venezianische Drdinarepost: nach Gray, Steyerische Zourualpost. VonAdels- berg nach Fiume »nd Zeng, dann von Pre» wald nach Cörz, Udine bis Mestre, und über- Meer nach Venedig. Drdinäre Reichspost wie alle Tage. Von St. Pölten gebt rin Seitenr.lt nach Li» lirnseld, Zürnitz, Anuaberg bis Mariazell; ferner von St. Pölten nach Stein und Krems, dann von EnnS nach Stadt Stever. Salzburger und Jnsprucker Drdinarpost über Linz, Lambach, Gmunden, Salzburg, In« sprach, Kempten, Stochach, Waldsbut und Basel; ferner von Zuspruch nach Augsburg und Ulm, dann nach GüuSburg, Freyburg in Breis» gau, nach Bregenz und Schafbauten, auch nach Constanz und in ganz Vorderöstreich. Münchner Drdinarepost über Linz nach Drau» nau. Alt.Dltingen, München, Augsburg, Paris und Lwn. An diesem Hauptposttaae können Briefe be» stellt werden nach Portugal!, Spanien, Frank» reich, in ganz Deutschland, Bödmen, Mähren, Schlesien, Gallizien und Lodomerien, ganz England, Prenffrn, Poblen, ganz Rußland, Dännemark, Norwegen und Schweden. Donnerstags wie Montags. 224 XAXX Freytag- wie Dienstags. Mit der Reichs »Iournalpost über Nürnberg, Hildesbeim, Braunschweig, Hamburg, nach Koppenhagen und Stockholm. Sonnabend- wie Mittwoch. Die türkische Drdiaarepost nach Constantino- pel gebt den ersten Dienstag oder Freytag de- angcfangenen Monat- ab, fallt aber der Dien, stag und Freytag als der slavonische Hauptpost» taa den t Tag de- Monat-, so geht solche auch den r. ab. Zngleichen, nach dem iL. den er» ' steu Dieustag. oder Freytag; fällt der Dienstag und Fregtag, al-der hungarische und sla. vonische Hauptposttag den iL. des Monat-, so geht solche den iL. nicht, sondern den folgenden Posttag ab, über Semlin, Belgrad, Constantinopel nach Pera. Also monatlich zwey Mahl in die Levante an die k. k. Cvnsule. Kommen an: Alle Tage Vormittag-: 1 Reich-journalpost von Linz, Regen-burg und Hamburg wie bey den abgehenden; item yon Krem- und Stein. 2 Böhmische Iournalpost. Z Ungarische Iournalpost von Dfen. Preß« bürg. Steyrische und Triester Iournalpost. 6 Mabrische und Galizische Iournalpost. Sonntag- Kroatische Drdmarrpoft— retour auf dem PostkourS, wie Dienstags und Freytag- abgehead. xxxx 2LL Montags. Von Königgrätz und Chrudim mit -er böhmischen Journalpost. Schlesische Drdinärepost mit der mährischen Journalpost; Retour auf dem Postkourse, wie Mittwoch- und Sonnabends abgebend. Bon Caschau, EperieS, Refezow, Lemberg, aus Galijien, Tokay, Debrrcziu., CarlSburg, Clauscnburg, Müllenbach. Aus den,kais. kön. Bergstädten, von PreSburg wie Dienstag und Freytag dahin abgehend, mit der Ungar. Journalpost. Klagenfurter und wälsche Ordinarepost, wie Montags und Donnerstags dahin abgebend. Bey gutem Wetter, Salzburger und JnS- brucker Drdinärepost, nebst Münchner Drdi- närepost mit der Reichsordinärepost zusammen von Linz, wie Mittwoch dahin abgehend. Bey sehr schlechten Wetter bleiben die Salzburger, ZnSbrucker, Münchner und AugSburgrr um einen Tag zurück. Von St. Pölten kommt mit: von Maria Zell, St. Annaberg, Türnitz, und von Lilien» selb, wie Mittwoch abgebend. Von Enns kommen mit: von Stadt Sleyer, und die übrigen ü Jonrnalposten. Dienstags. Sachs. Drdinärepost und von Hil- -eSbeim mit der böhmischen Journalpost wie Mittwoch und Sonnabends abgebend. Mit der Neichspost von Krems und Stein Mittwochs. Polnische und russischeDrbinaee- -yst mit der mährischen Journalvost; Retour 226 XXXX auf dem Postkourfe wie Mittwochs und Sonnabends abgrhend. Egerische und Pilsner Ordinärepost mit der böhmischen Journalpost, wie Mittwoch und Sonnabends abgehend. Fiume, Dalmat. Görzer und Venrt. Ordinärepost, mit der Steyer. Journalpost wie Mittwoch und Sonnabends abgehend. Von Herrmannstadt aus Siebenbürgen, und »on Tcmeswar «uS dem Banat mit der un. gar. Journalpost, von Ofen wie Dienstag und FreytagS abgehend, bey schlechten Wetter aber einen Tag später. Donnerstags. Klagenfurter, und wälsche Ordinäre mit der steyerischen Journalpost, wir Montags ankommend. Kroatische und slavonische Ordinärepost, wie Sonntags ankommend. Mit der Reichspost von Krems und Stein. FreytagS. Von Königgrätz und Chrudim mit der böhmischen Journalpost, wir Montags an, kommend. Schlesische Ordinärepost wie Montags ankom^ mend. Von Easchau, EperieS, Resejvw, Lemberg, LUS Gallizien oc. wie Montags ankommend. Salzburger und JnSbrucker Ordinärepost und Münchner Ordinäre mit der ReichSordi. näre zusammen von Linz, wie Montags an» kommend. Von St. Pölten, Mariazell, und Steyer, wie Mo«t«-< ankommend. X)t fl. Hofstatlers Nachrichten von Kunstsachen in Italien. 2 Theile. Wien, 1792. Z fl. Diez Postbuch und Postkarte von Deutschland und einigen angränzenden Ländern. Frankfurt am Mavn. 6u!äe 6es Vo^aZsurs eu Rurope avec 1. carte itioeraire 6e 1'Lurope et uns carte 6e Is Luisse p. keickarö.L mes. ^Veimar, 179z. »28 Fick Taschenbuch für Reifende jeder Gattung d. Deutschland. Erlangen. , fl. iL kr. KrebelS vornehmste europ. Reisen nebst Postkart. 4 Theile. Hamb. 1792. Z fl. Dolkmanns hist. krit. Nachr. v. Italien mit BernoullisZusätzen. 6Bände.Leipzig, 1777. — 1782 16 fl. 4A kr. -Reisen d. England. 4 Bände. Leipj. 178z. 5 fl tF kr. -Reisen d. Schottland und Irland. Leipz. 1784. 2 fl. — — Reisend. Holland.Leipz. 178z.2 fl. »Lkr. Apodemik oder die Kunst zu reifen, zum Gebrauche junger Reisenden auS den gebildeten Ständen, Gelehrten und Künstlern, r Bände. Leipz. 17^. 6 fl. Reisen eines Lieflanders von Riga nach Warschau, über Breßlau, Dresden, Karlsbad, Bayreuth, Nürnberg, Regensburg, München, Salzburg, Liuz, Wien und Klagenfurt nach Botzen in Tyrol. 6 Hefte Berlin. 1796. L fl. 40 kr. Neapel und Sizilien. Ein Auszug aus dem kostbaren Werke Vo^axe piltoresrzue Naples. 7 Theile mit schönen Kupf. Gotha. 1796. 14 fl. Maiers Beschreibung von Venedig, z Theile. Mit Grundrissen undKupf.Z Theile.Leipzig, 1796. 6 fl. 45 kr. Weadebora Reise durch einige westliche und füd, liche Provinzen Englands. 2 Bände. Hamburg, 179z. Z fl. xxxx 229 WendeüornZufland desStaatS, Reliqion,Telehr- samkeit und Kunst in GroSbruannien. 4 Tbeile. Berlin, ^78^-6 st. Roberts Reise in d. iZ CanionS der Schweiz, nach Graubündren, dem Walliserlande. 2 Theile. Berlin, 1790. 2 fl Zv kr. MeinerS Briefe über die Schweiz. 4 Tbeile mit Kupfern. Berlin, »788- 6 fl. Zu kr. Brirfe eines reisenden Franzosen in Deutsch» lanb. 2 Bande. Zürch, »784. 2 fl. StorcL Gewählde von Petersburg mit Kupfern. 2 Bände. 1786. F fl. iL kr. Coxe Reise durch Polen, Rußland, Schweden und Dänemark, aus dem Engl z Bande mitKupf Zürch, 178L—1792.10 fl zokr. MeermannS Reise durch Preußen, Oesterreich, Sizilien und einigen angranzendeu Ländern. 2 Tbeile. Braunschweig, 1794. 2 fl. i z kr. LeSke Reise durch Sachsen in Rücksicht der Naturgeschichte und Oeconomie. 2 Bände mit vielen Kupfern. Leipz. 178.5. 9 fl- EjörnstahlS Briefe auf Reisen durch Frankreich Italien, die Schweiz ». s. w 6 Bande. Rostock. 1777— >784 8 fl Z0 kr. Försters, G., Ansichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England, Frankreich im Jahre 1790. 2 Bände. Berlin >791. 4 fl ZO kr. Gilberts Handbuch für Reifende durch-Dentsch- land. Z Bände. Leipz. > 79 Z- 9 fl- 24 kr. Reisen durch das südliche Deutschland und einem 2ZS xxxx Theil Italiens. Z Bände. Klagenfurt, 179z. 4 fl. iL kr. Moriz Reisen eines Deutschen in England. Berlin. » fl. — — eines Deutschen in Italien. 2 Theile. 1792. 2 fl. iL kr. Grabaer, über die vereinigte« Niederlande, in Briefen. Gotha, 1792. 2 fl. Zv kr. Townsend Reise durch Spanien in den Jahren 1786, »787. Mit Anmerkungen von Volkmann. 2 Bande. Leipz. 1792. 4 fl. zo kr. Beytrage zur Kenntniß des Innern von England . und seiner Einwohner. 16 Stücke. Leipzig, 1796. 7 fl. Zv kr. Halem, Blicke auf einen Theil Deutschlands, der Schwei? und Frankreich, bry einer Reise vom Jahr »770.2 Theile. Hamburg, 1791. r fl: Zo kr. Briefe über Holland, England und Spanien. 2 Theile. Arnheim, 1792. 2 fl. kr. — über Italien aus dem Franz, von G. Förster. Mainz, »789. Reise aufdcm Rhein. »790.Frankfurt, 1 fl. 40 kr. Spallanzani Reisen in beyden Sizilien und einigen Gegenden der Appenninen, auS dem Jral. mit Anmerkungen. 4 Theile mit Kupf. Leipzig. ,796. 8 fl. Reise von Venedig über Triest, Krain, Kärnten, Steyermark und Salzburg. Franks. I79Z. > fl- Zo kr. Historische geographische und phhficalische Beschreibung des Schweizerlandes. Jn alpha- xxxx 2Z» betisiber Drdnung. Nebst einer Anleitung für Reisende durch die Schweiz. Z Bände« Bern, ,783. 4 fl. WercheimS Reise durch Sachsen. 2 Bande, Leipz. 1794. 1 fl. L4 kr. Schrancks Bayersche Reise mit Kupf. München, >786. t fl. iL kr. Reisen eineSFranzosen oder Beschreibung der vor» nehmsten Reiche in der Welt. Zn Briefen von Delaporte. 36 Theile, Leipzig. 27 fl. SwintonS Reise nach Norwegen, Dännemark und Rußland in den Jahren 1788 — 1791. Aus dem Cngl. Berlin, 1793. » fl. 24 kr. Fortis Reise in Dalmatien, mit Kupf. 2 Theile. Bern. 1776.3 fl. 30 kr. NugentS Reisen durch Deutschland, vorzüglich Meklenburg. AuS dem Engl, mit Anmerkungen undKupfern. 2 Bände.Berlin, 178 > - 3 fl. 24 kr. Lrpechln Tagebuch der Reise durch verschiedene Provinzen de- russischen Reichs. 3 Theile mit Kupfern. Altenb. 1774 — »783. rv fl. 30 kr. Mümer Nachrichten von Neapel und Sizilien auf einer Reise in den Jahren 178^, mit Kupfern. Kopenh. 1790 3 fl. Piozzi Bemerkungen auf der Reise durch Frank« reich, Italien und Dcutichland. AuS dem Engl, von Förster. 2 Bände, Frankfurt, 1790. 3 fl. Archenbolz England und Italien. F Bande. Le>oz. >787- § fl- Zo kr. 2A2 SXXX Knigge Briefe auf einer Reise au- Lochrul- gen nach Niedersachseo. Hannover, i/yz. L4 kr. In folgender Ordnung werden die Kupfer gebunden Dir Reitschule . »u Seit« 41 —. Btoltorvek . . . . 4- — Universität ... 64 — bLbm. Hofkanjeliey. 8, — Hauptmauth . . . 8- — Hofkammer . . . 8y — Stepdan-kirch» . . y6 K>ry — Säule am Hofe . . 128 -am Graden . . 12- -am Hoven Markt izo — Sar»tu»Äurche . . iz- Dak- Belveder >u Gelte F. Lcdwarrenb. Pallast Fürst AdamAuerspergische Pallast . . . . . 170 Pallast der ung. Leibgarde >71 Der Augarten . ... 1-5 Der Prater . . . Dt« Heye . . Schönbrunn . . . . 20; Ruinen . . . ... 205 Pvramtde » . Glorie« . . . Ealvarienber- . . . . 2 z Auch empfehle ich mich allen Herren Vücherliedbabern -lerm.t ergebenst. Indem ich immer ein vollständige-Sorrt» nrent der besten aller» und neuern Schriften au- allen Thel» ren der Lilreratur unterhalt«; al-: Moral und Theologie. Geschichre. Geoarapbte und Statistik. Reisen. Naturledre und Geschichte, Edemie. Mineralogie, Astro. omie, Bo»a, uik. Zoologie und Bergwerk-kunde. Handlung. Manufaktur, Technologie, Pol«,ey, Kammeral« und Finan-wlffenschaft« Politik. Landwlrkhschaft, Forstwesen, Gartenbau. Gedichte. Theater. Romane. Archäologie, Mnthologie. Littrrarurge» schichie. Deut che Sprache. Ärliebungoschrilten und Unter» hairung-dücher für die Jugend. Bücher für Frau'Nlimmer, für den Bürger, den Landmann » und da- Volk überhaupt. Wochenschri'ten, Journale. Taschenbücher. Freymaurerey. -Kriegbroissenschast. Griechische und lateinische klassische Auto» ren mit iaren Ueberieyung»,,. Mehrere fran;östschr. enzltlche und italiänisch, Werk«. Sprachlehren für die deutsche , larei» Nische, griechische, hebräische. sran>Lstsche, englische, ttaliä» Nilche, spanische, böhmische ungarische, russische, schwer«» sche, türkische Sprache nebst Wörterbüchern.Jedermann kan» nicht allein sich die billigsten Preise versprechen, sondern dep einem Kauf von mehrern Gulden auch einen billigen Rach» lap erwarten. « Joseph Camesina, in der unternDräunerstrape Rro.riLp der Drryfalttgteit-säule am Graden «egen über. ' 7 ^ 77 .< ^ c ^ !i ^>5^.-.L.-' ^MW SW; MM c^id L.' - LtzS-D !«LSS>. :^L^> ?v,r^ crl^^-rr^r. F-S^ «^2! 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