□= ■-Ü Ür Wiener Stadt-Bibliothek :. T/gp a £3 Das Wiener Kleingarten und Siedlungswesen Wien 1929 Das Wiener Kleingarten- und Siedlungswesen Von Oberstadtbaurat Ing. L. Mazal Wien 1929 Sonderabdruck aus Nr. 275 der „Blätter für das Wohlfahrtswesen". Herausgegeben von der Gemeinde Wien. 28. Jahrgang 4?} it&lJq Schon vor ungefähr einem Vierteljahrhundert ist in Wien der Beginn der modernsten und edelsten Bestrebungen der Menschheit, die Rückkehr zur Natur, zu Licht, Luft, Sonne und Wasser zu verzeichnen. Im Jahre 1905 wurde von der Gemeindeverwaltung die Schaffung eines Wald- und Wies eii gtirtels und die Herstellung einer Höhenstraße beschlossen. Dieser Wald- und Wiesengürtel sollte nach dem generellen Projekte ein Flächenausmaß von 4416 Hektar erhalten. Zur Sicherung dieses großen Grüngürtels, der Lungen Wiens, wurden von der Gemeindeverwaltung viele Grundankäufe getätigt und es sei hier insbesondere die Erwerbung des Gutes Cobenzl mit seinen großen Wald- und Wiesenflächen vor dem Kriege und der Ankauf der Krieau mit ihren herrlichen Praterauen nachher angeführt. An. der Komplettierung dieser unverbaubaren Schutzzone wird auch jetzt noch eifrig weitergearbeitet; der städtische Besitz innerhalb dieses Gebietes betrug im Mai 1929 rund 1983 Hektar. Von der Höhenstraße, die nach dem großzügigen Entwürfe eine Länge von ungefähr 29 km erhalten sollte, sind bereits rund 5 km fertiggestellt. Durch diese Höhenstraße und die noch nicht ausgebauten Höhenwege, auf welche zahlreiche Radialstraßen aus dem dicht verbauten Stadtgebiete herausführen, wird dieses Grüngelände für die Allgemeinheit nutzbar gemacht Die Idee und Verwirklichung der Schaffung eines Wald- und Wiesengürtels führte zur Entwicklung des Schrebergarten- und Siedlungswesens in 6 Wien. Um chronologisch vollständig richtig vorzugehen, muß allerdings als erster Wiener Kleingarten, der im Jahre 1877 in der Bundeslehrerbildungsanstalt im III. Bezirke angelegte Versuchs- und Schulgarten angesehen werden. Eine eigentliche Kleingartenbewegung setzt in Wien erst ungefähr drei Jahrzehnte später ein. Mit der Entdeckung des Gänsehäufels entstanden am gegenüberliegenden Ufer der alten Donau im XXI. Bezirke, Stadlau, die ersten Schrebergärten, „Neubrasilien" genannt, aus welchen sich dann eine der ältesten Vereinigungen, der Wiener Nutz- und Lustgartenverein, bildete. Ebenso setzte im XIII. Bezirke, im Rosental, zu dieser Zeit die Schrebergartenbewegung ein. In den Jahren 1908 bis 1910 entstanden an einigen Punkten Wiens weitere kleinere Schrebergartenanlagen. Der schon vor dem Kriege in Wien herrschende Mangel an Klein- und Mittelstandswohnungen führte zur Bildung von gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgenossenschaften, die zum größten Teil aus eigener Kraft, daher auch im kleinen, bescheidenen Rahmen, durch Errichtung von Einzel- und Mehrfamilienhäusern versuchten, dieses Wohnungselend zu lindern. So entstanden in den Jahren 1912 und 1913 durch die gemeinnützige Ein- und Mehrfamilienhäuser-Baugenossenschaft „E. B. G." im XXI. Bezirke in Groß-Jedlersdorf an der Scheunenstraße und durch die gemeinnützige Familienhäuser-Baugenossenschaft „Ostmark" im XIII. Bezirke an den Hängen des Küniglberges die ersten Objekte in siedlungsmäßiger Verbauung auf genossenschaftlicher Basis. Infolge der furchtbaren, gegen das Kriegsende und nach demselben sich immer mehr steigenden Lebensmittelknappheit und dem Auftreten einer ungeheuren Wohnungsnot wurde von einem Großteil der Bevölkerung mit gebieterischer Macht zur Selbsthilfe gegriffen und versucht, diesen beiden unerträglichen Miseren beizukommen. Es wurden die sogenannten „wilden Schrebergärten" in bereits dicht verbauten Stadtteilen auf noch freien Baulücken und mit den unzulänglichsten Mitteln an Baumaterial und Fachkenntnis Notbehausungen angelegt. Verrostetes, altes Stacheldrahtmaterial diente als 7 notdürftige Einzäunung, ein paar vermorschte Bretter und Latten zu einer wackeligen Laube zusammengehängt, stellten den einzigen Komfort in diesen Kriegsgemüsegärten dar. Jedes Fleckchen urbar gemachte Erde wurde sorgsam gepflegt und ausschließlich zur Lebensmittelproduktion verwendet. Diese selbsterrichteten Unterkünfte waren für die dort wohnenden Menschen, vornehmlich zur Winterszeit, mit großen gesundheitsschädlichen und hygienischen Gefahren verbunden. Die einmal angehobene Schrebergarten- und Siedlungsbewegung flaute auch nach den Zeiten der bittersten Not nicht mehr ab. In der Nachkriegszeit wurde eine allmähliche Ueborführung in geordnete Verhältnisse angebahnt und es ist der Einsicht der Betroffenen sowie dem klugen und vorsichtigen Eingreifen der Vereine, Genossenschaften und der Gemeindeverwaltung zu danken, daß diese schwierige Arbeit heute als fast zur Gänze durchgeführt bezeichnet werden kann. Aus dem früheren, armseligen Schrebergarten ist in den letzten Jahren ein wohlgepflegter, lieblicher Kleingarten geworden, der auf einer Grundfläche von zirka 200 m 2 außer Gemüse-, Obst- und Blumenzucht auch meist eine schöne Laube oder einen hölzernen, schmucken Sommerhüttenbau mit vorübergehenden Wohn-, Koch- und Schlafgelegenheiten, manchmal sogar mit kleinem Stallanbau aufweist. Die einzelnen Kleingartenlose sind heute nach einem in städtebaulicher Beziehung vollkommen korrekt durchgeführten Aufschließungsplane angelegt und durch eine solide Draht- gitterabfriedung zu einer gemeinsamen Anlage zusammengefaßt. Erwähnt sei noch, daß jeder Kleingarten mit Hochquellenwasser versorgt wird. Für den auf städtischen Gründen befindlichen Kleingärten kommt derzeit ein jährlicher Pachtzins von 2 Groschen per Quadratmeter benutzter Fläche zur Vorschreibung. Um ein kostspieliges Herumexperimentieren zu verhindern, hat die Gemeindeverwaltung im Jahre 1928 eine Kleingartenordnung herausgegeben, welche alle technischen Fragen der bestehenden und neu zu schaffenden Anlagen eingehend behandelt und dem neuen sowie dem alten Kleingärtner eine Richtschnur bezüglich seiner all- 8 fälligen Vorhaben in gartentechnischer und bautechnischer Beziehung gibt. In jüngster Zeit wurde von der Stadtverwaltung eine große Anzahl von Gebieten für einen Zeitraum von ungefähr 15 Jahren als Daueranlagen erklärt, um den Kleingärtnern die Möglichkeit zu geben, die Investierungen amortisieren zu können. Während dieses Zeitraumes ist der Bestand der ganzen Anlage sowie der darin errichteten provisorischen Baulichkeiten wie Lauben, Sommer- wohnhütten und dergleichen unkündbar gewährgeleistet. Um unnötige Planverfassungskosten bei der Aufstellung von Lauben und Sommerhütten zu ersparen, wurden eine Anzahl von verschieden großen Baulichkeiten behördlicherseits generell genehmigt, es ist jedoch trotz der genormten Typen eine Eintönigkeit in der Anlage ausgeschlossen, da der Einzelne durch Wahl und Stellung der Type, durch verschiedene Ausstattung und Farbengebung sowie durch das nicht unbedingte Gebundensein an eine genehmigte Bauform genügend Abwechslung in das Gesamtbild bringen kann. Im Aeugl, XXI. Bezirk, am Hubertusdamm gelegen, wurde im Jahre 1926 eine Mustergartenanlage begonnen, die im Jahre 1929 abgeschlossen werden wird, in dieser Anlage sind 168 Kleingartenlose untergebracht. In den letzten Jahren sind unter anderem neue Anlagen im X. Bezirke, „Raifental" an der Laxenburger Straße mit 46 Gartenlosen, im XII. Bezirke, „Franz Siegel- Gärten" am Altmannsdorfer Anger mit 131 Gartenlosen, im XVII. Bezirke, am Heuberg, „Ferdinand Hanusch- Gärten" mit 69 Gartenlosen, im XVIII. Bezirke, am Schafberg, „Beerwiese" mit 95 Gartenlosen, im XVIII. Bezirke, am Schafberg, „Schachingerwiese" mit 104 Gartenlosen, im XXI. Bezirke, Stadlau, an der Industriestraße mit 22 Gartenlosen zur Errichtung gekommen. Innerhalb der Grenzen Wiens sind mit Ende 1928 7,321.010 m 2 Grundfläche von 25.595 Kleingärtnern bewirtschaftet worden. Aus der folgenden Zusammenstellung ist die Verteilung der Kleingärten nach Bezirken und nach den Grundbesitzern, entweder städtischen Grundflächen oder private Grundflächen, zu ersehen. 0 Bezirk Gemeindeflächen Privatflächen Zusammen m- Kleingärten m J Kleingärten m 2 Kleingärten II 134.949 378 302.670 1.084 437.619 1.462 III 12.400 32 10.800 69 23.200 101 V 1.000 9 6.200 31 7.200 40 IX 2.313 13 2.313 13 X 328.644 1.119 452.792 1.328 781.436 2.447 XI 703.606 2.446 183.418 817 887.024 3.263 XII 362.320 1.801 132.330 1.108 494.650 2.909 XIII 644.334 2.665 345.500 988 989.834 3.653 XV 80.145 208 215.814 816 295.959 1.024 XVI 294.712 1.085 225.500 903 520212 1.988 XVII 206.588 665 208.536 636 415.124 1.301 XVIII 163.874 529 186.102 624 349.976 1.153 XIX 210.636 813 146.481 618 357.117 1.431 XX 3.584 15 136 950 435 140.534 450 XXI 751.630 1.893 867.282 2.467 1,618.812 4.360 3,898.322 13.658 3,422.688 11.937 7,321.010 25.595 Zur Herstellung von Wasserleitungen, Einzäunungen, Vermessungsarbeiten, Hütten- und Wegeerbauungen in den Wiener Kleingärten wurden in den Jahren 1923 bis einschließlich 1928 von der Stadtverwaltung an Materialkrediten 509.475 S, an Krediten für Neuanlagen 211.865 S, zusammen 721.340 S an die verschiedenen Vereinigungen gegen Rückzahlungstermine, die sich zwischen einem und zehn Jahren bewegen, gegeben. Für das Jahr 1929 hat die Gemeinde Wien für Herstellungen von Neuanlagen einen Kredit in der Höhe von 200.000 S und für notwendige Herstellungen in bestehenden Anlagen einen Materialkredit von 100.000 S vorgesehen. Daß die Stadt Wien ein großes Interesse für die Kleingartenbewegung bekundet, zeigt die ansehnliche Förderung durch die städtische Grundbereitstellung, welche bis End<; 1928 ein Gesamtausmaß von 3,898.322 m 2 erreicht hat und die bisherigen Kreditgewährungen in der Höhe von 1,021.340 S sowie die alljährlichen Prämiierungen für Bestleistungen. In früheren Jahren wurden Einzelgärten ausgezeichnet, im vorigen Jahre ist man bei der Beurteilung auf ganze Anlagen übergegangen. II) Unmittelbar nach dem Umstürze setzten durch die Gemeindeverwaltung die ersten Versuche, den trostlosen Verhältnissen auf dem Wiener Wohnungsmarkte beizukommen, ein. In den freigegebenen militärischen Barackenlagern, in der Kagraner- und Roßauerkaserne wurden durch bauliche Umgestaltungen Wohnungsunter- k ü n f t e geschaffen. Im Herbst 1919 schritt die Gemeinde Wien zum ersten Male zur Errichtung einer größeren Wohnhausanlage im XV. Bezirke auf der Schmelz. Es waren dies einstöckige Mehrfamilienhäuser mit sied- lungsähnlichem Aussehen. Die Herstellung konnte nur mit minderwertigen Ersatzstoffen wie Betonhohlsteinen und dergleichen erfolgen. Bereits im Jahre 1921 entstanden genossenschaftliche Siedlungsanlagen durch städtische Grundbeistellung und Kredithilfe. Gleichzeitig mit der Beschlußfassung des großangelegten Wohnbauprogrammes im Jahre 1922 hat auch eine weitgehende Förderung der genossenschaftlichen Siedlungsbewegung und des Siedlungsbaues durch.die Stadtverwaltung eingesetzt. Hiebei mußte an die Lösung von Verkehrsfragen, an Grund- und Kreditbeschaffungen sowie an die Rationalisierung der Siedlungsbauvorhaben geschritten werden. Um die an der Peripherie der Stadt gelegenen und für den Siedlungsbau in Aussicht genommenen Baugelände mit dem Stadtkerne in rasche und billige Verbindung zu bringen, wurde ein planmäßiger Ausbau der Außenstrecken des Straßenbahnnetzes, die Elektrifizierung der restlichen Dampfstraßenbahnstrecken und der Stadtbahn sowie die Führung neuer Autobuslinien in Angriff genommen. Schon im Jahre 1921 wurden durch die Stadtverwaltung viele Gelände in den äußeren Bezirken Wiens als Siedlungsgebiete erklärt und hiedurch eine Art Grundwidmung geschaffen. In den nebenstehenden Tabellen I—VII ist die Verteilung der bereits verbauten Siedlungsgebiete in den einzelnen Bezirken und soweit es städtischen Besitz betrifft, auch außerhalb Wiens, und zwar in der Umgebung der Knödelhütte in Hadersdorf und gegenüber dem städtischen Brauhause in Rannerdsorf, zu ersehen. Aus den Zu- c CD ,ui spußiaX -säunjpais sajiprudsiiBag 130.000 122.400 229.600 482.000 H E CS CO Ndw ■S-2S ajBJiOT -qosarj 1 i-i CO CM T»t (M *i* n m- 0 uaSunu 1 eo 95 8 OS i-l Zu -«oav iO jasngq -säunipais tO CO 3! 00 öS 00 »H CD oq £ a |5S 3[B>|OT -•qasarj 1 1 00 00 x X s 15 cjox: uaSunn ■UOA\ 1 1 8 8 jasnßq -sSunipaig os CS «* Ol CM eo CO -f ig » « —i ■ 3IB5J01 -•qosarj 1 1 00 00 X c .2 s na3unu 1 1 OS o» iH iH iH jasn^q -sSunipsjs tO o CO 00 O lO Ol 50 3 XII. Bezirk ,iu apuEiaä -säunipaig ssjqorudsuBsg ' ' 00 25 od »ft . , tCk 'S-2 S S« J= aiB5(OT -qosar) 1 1 «" c- uaSunu -noAV 1 1 3 eo o CM CO Bezirk s m apnßiaS -s8uri[paig sajqonjdsuBag »H CO M 1 3 1 8 jasn^q -sSunjpais T-t t> o (M <3» Bezirk t ui apuBjaS -sSnnipais sajqotudsuEag 1 eo OJ CO CM X jasngq -sSunipaig 1 ^ I 1 00 1 »H 00 juBfnßg CO VI a> t- M CT> i—c 00 M OS 1-1 12 sammenstellungen kann die Größe der Bereitstellung an bereits verbauten Siedlungsgeländen durch die Gemeinde Wien, den Bund und durch Private entnommen werden. Durch die Siedlungsgenossenschaften kamen in den Jahren 1921 bis 1926 innerhalb Wiens mit städtischer Kredithilfe (siehe Tabelle III) zusammen 3028 Siedlungshäuser, 35 Wohnungen und 14 Geschäftslokale in Mehrfamilienhäusern zur Errichtung, wobei die Stadt Wien ein Siedlungsgelände von 1,183.000 nr, der Bund 45.000 nr Tabelle II. Heimbauhilfe der Gemeinde Wien, X. Bezirk, Wasserturm. Baujahr Siedlungshäuser Beanspruchtes Siedlungsgelände m 2 1925 10 2.500 1926 30 7.500 1927 50 12.300 *1928 100 24.700 190 47.000 und Private 60.000 m 2 , zusammen 1,288.000 m 2 bereitstellten. Weiters übergab die Gemeinde Wien in den Jahren 1921 bis 1928 städtische Grundflächen im Ausmaße von zusammen 107.000 nr ohne Kredithilfe (siehe Tabelle IV) an Siedlungsgenossenschaften und wurden von diesen auf dem städtischen Gelände teils aus eigenen Mitteln, teils mit Bundes- und privaten Krediten, 204 Siedlungshäuser und 2 Geschäftslokale errichtet. Außerhalb Wiens wurden Siedlungsgenossenschaften teils durch Grundbeistellung, teils durch Kreditgewährung, teils durch beides, seitens der Gemeindeverwaltung gefördert und sind in den Jahren 1921 bis 1928 (siehe Tabelle VI) auf diese Weise insgesamt 212 Siedlungshäuser, 39 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern auf städtischen Grundstücken im Ausmaße von 117.000 nr und privaten Grundstücken im Ausmaße von 83.000 m 2 , zusammen auf 200.000 nf entstanden. 13 Für die den Siedlungsbaugenossenschaften zur Verfügung gestellten städtischen Baugelände werden Baurechte gegeben. Die jährlich zu entrichtenden Bauzinse erfolgen unter Annahme einer 3'5prozentigen Verzinsung des örtlichen Grundwertes, wobei bis auf weiteres keine volle Valorisierung, sondern der derzeitige, viel niedrigere Verkehrswert in Rechnung gestellt werden wird. Neben der genossenschaftlichen Siedlungsbauförderung hat die Gemeinde Wien in den Jahren 1923, 1927 und 1928 selbst auf eigenem Boden und mit eigenen Mitteln Gemeindesiedlungen erbaut. Auf einer Gesamtfläche von 482.000 m 2 kamen 1234 Siedlungshäuser, 519 Wohnungen und 24 Geschäftslokale in Mehrfamilienhäusern, 2 Saalbauten und mehrere genossenschaftliche Räumlichkeiten zur Erbauung (siehe Tabelle I). Eine weitere Förderung durch die Stadtverwaltung erfuhr der Siedlungsbau durch die Aktion „H e i m b a u- hilfe der Gemeinde Wien". In den Jahren 1925 bis 1928 wurde der gemeinnützigen Siedlungs- und Baustoffanstalt in Wien („Gesiba") auf einem städtischen Gelände im 10. Bezirke „Am Wasserturm" ein Areale von 47.000 nr zur Verfügung gestellt (siehe Tabelle II), auf welchem mit einem städtischen Kredite von 3'7 Millionen Schilling von diesem Unternehmen 190 Einfamilienhäuser erstellt wurden, die gegen 20prozentige Anzahlung der Gestehungskosten und Abstattung des Restbetrages in 15 Jahresraten zu 4 Prozent von dieser Anstalt abgegeben werden. Die ganze Anlage ist bereits vollständig fertiggestellt und wurde den Grundflächen, auf welchen diese Eigenheime samt Vor- und Hausgärten errichtet wurden, ein Baurecht bis zum Jahre 2000 eingeräumt. Aus der Tabelle V ist jene genossenschaftliche Siedlungsbewegung in den Jahren 1912 bis 1928 zu ersehen, welche sich ohne jedwede städtische Grund- und Kredithilfe entwickelte. Auf beanspruchten Siedlungsgelände von 197.000 fn 1 privaten und 61.000 m 2 ärarischen Gründen, zusammen also 258.000 m 2 Gesamtgrundflächc, kamen 514 Siedlungshäuser und 47 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern zur Errichtung. Zusammenfassend ergibt sich, daß in der Zeit von CO CO CD CO CO CO tO CC CO CO CO OS » C *»■ « (ö -JIM 80 0*00) = 88888 0© CO CO I-» » C -J ü< OJ M ^ - C CO «3 w I t W I I I I I I I I I E © IC X fcC CO B> CO P I M O) M ^•g 3 5*c Siedlungshäuser Wohnungen Qesch.- Lokale ffgs » 3 ^ c 3:2 & X' n »Sa- -i 3 3, Q ., S -t0 2 ' B < S 5&S »»isE S 3 3 D.--0 g-™»^ Siedlungshäuser Wohnungen Gesch.- Lokale .» s fis o ^3 > 3 w W "TD 3 ~ >- < DJ Cfl rö* DO O. a> — 03 3 3 5 crq T3 CO 1 QTQ C O 52 3 re O. co 3 3 5. CO cd »HS OB a « tts c q.» Q. 3 g B n>»; n V CD X < DO tu N X X 00 N c co EU 3 3 a> 3 CO CO CO CO CO CO CO CO Cd CO CO CO OJ C W K) H I I Kl h5 H O) O -J •] vi (X K K) - I qo o< 8 8 8 I I I O) (O (O cn w 3" = Siedlungshäuser £0 5l *n 3 Sirö 3 > 3 3 C/3* j w 3"s <* CD 3" Siedlungshäuser 3 ^ 5 < 3 o 3, 3 »: SS 2 " Mg? _ ^3 3 »^™ ^3 = 3 3 cS^U o.fT'E? Siedlungshäuser ^ rO o n r» 3-3" «3. 3 tu n cd a : 3 £*£=° a ^3-S.S 2.3 5 3 3 3 ta.3-3 9-«S ? Siedlungs- häuser -1 — £• BJ 3-W c » "sä, Siedlungshäuser o TO See £32.2.2 sJIs-gg 3 äct|-5 .X DO n X DO n? N X DO fD X < DO rt> N X < DC N 15 1912 bis Ende 1928 (siehe Tabelle VII) auf innerhalb Wiens und an dessen unmittelbarer Grenze liegenden Siedlungs- geländen von 2,382.000 m 2 , welche sich aus 1,936.000 m 2 städtischen, 106.000 nf ärarischen und 340.000 m 2 privaten Besitze zusammensetzen, 5382 Siedlungshäuser, 640 Wohnungen und 40 Geschäftslokale in Mehrfamilienhäusern zur Errichtung kamen. In den Jahren 1921 bis 1922 erfolgte die Kreditbeschaffung an die genossenschaftlichen Siedlungsbauvorhaben gemeinsam durch den Bund und die Tabelle IV. Genossenschaftssiedlungen auf städtischen Gründen, jedoch ohne städtischer Kredithilfe innerhalb Wiens. XI. Bezirk XIII. Bezirk XXI. Bezirk Zusammen Baujahr Siedlungshäuser Beanspruchtes Siedlungsgelände m 2 Siedlungshäuser Geschäftslok. i. Mehrfam.-H. Beanspruchtes Siedlungsgelände in 2 Siedlungshäuser Beanspruchtes Siedlungsgelände m 2 Siedlungshäuser Geschäftslok. i. Mehrfam -H. Beanspruchtes Siedlungsgelände m 2 192t 1922 1923 1924 1926 1926 1927 1928 16 6 10.000 4.000 1 6 14 19 23 11 31 46 2 600 3.000 6.600 9.100 11.000 5 000 14.900 21.900 12 16 2 1 10.000 9.900 700 400 1 6 30 25 35 27 33 47 2 500 3.000 16.600 13.100 21.000 14.900 15.600 22 300 22 14.000 151 2 72.000 31 21.000 204 2 107.000 Gemeinde Wien. Bei dieser gemeinsamen Kreditoperation, welche sich sowohl auf innerhalb als auch auf außerhalb Wiens liegende Siedlungsgelände erstreckte, wurden vom Bund rund 893.000 S, von der Gemeinde Wien rund 1,020.000 S beigesteuert und entstanden hiedurch 613 Siedlungshäuser. Seit dem Jahre 1923 wurden viele genossenschaftliche Siedlungsbauten nur mehr mit alleiniger städtischer Kredithilfe errichtet. Um den ganzen Umfang der finan- bJ! ' _ g Vi t3 SU su ö __; ß " C/J £ t3 SU » US »- W SU ^ cu ~ Ü Im ^ o 3 s * „ -+-> N SU CO :S C3 SU JU ß ^ o c SJ s E ra y; 3 N e ei « e " „ 5 S u a S « S»Ä a ^ cn a> 4) Ä O 3 - * S - , — K s 1 oo cß "O o c — as w o> C tu » C 5 -2 2 3 co .2 •= B Cu =3 £ : E jasngq -H3!J!U«B|-»13W ui uaSunuqo^w jsstiBq -sSunipajS —; ^ "O 2 J3 »3 ."tS ^ "O ."U cd £ £ - ab <" -2 JJ J> a CA .2 t* aj ™ C/5 O jasn^q -sSanjpais a «5 = 2*. I i s •£ s tu u « tx CO •- öfi ™ CO jasngq -sSanipaig ^ 3: <" .2 °- c 10 5 «Sc?» S - ■ E ä »a — c *^ a> 5 u a CQ .2 M « C/3 O jasnßq -sSnnjpais •° B x: .2 u -~> 3 ^ "O o ä"S 5 £ E =5 « cu O t2 a. "5 °* e ^ w< g§ e.?- j - 2 ^ c a> m ü Q- JQ .2 aasngq -sSunipais S Scü ^ °" e "a a c 3 f S » I S =S s: a > jasneq -sSunipaig CQ — S 8 S CC H 83 8g CO O f- IM ^ r- os co co tH O CO § o S § § I i cd x o cri 1 H H 888 iO t- N i 2 i gn i 00 i 3 8 -tfi I ° I 8 i 5 ii i p p p 6 ifl M I I s s -* I ooo O Q O I I (M O CO 1 t4 I> Tf"' I I S 888 ■* O CC 88 **i °^ | I I 1 I I HNCC^iOCOM» 51 }1 N }1 IN W 51 M ÄOOiCDQOtCDA 18 ziellen Gesamtleistung der Gemeinde Wien für die siedlungsmäßige Bauweise bis zum heutigen Tage erfassen zu können, ist die Aufstellung der einzelnen Teilposten notwendig. Der an die Wiener Siedlungsbaugenossenschaften in den Jahren 1921 bis 1926 gewährte Gesamtkredit einschließlich jener Beihilfen, die den unmittelbar an Wien angrenzenden, auf städtischem Grunde befindlichen Genossenschaften gegeben wurde, beziffert sich auf rund 32 Millionen Schilling. Für die Heimbauhilfeaktion im X. Bezirke „Am Wasserturm" kam ein Betrag von 37 Millionen Schilling zur Verwendung. In den Jahren 1923, 1927 und 1928 beliefen sich bei Gemeindesiedlungen die Baukosten auf rund 25 Millionen Schilling. Im heurigen Jahre wurde das städtische Siedlungsbauprogramm, bestehend in der Errichtung von 413 Siedlungshäusern, 124 Wohnungen und 15 Geschäftslokalen in Mehrfamilienhäusern und 2 Saalbauten, mit zusammen 9,176.000 S genehmigt. Auf dem Gebiete des Siedlungswesens wird die Stadt Wien in der Zeit von 1921 bis 1929 einen Gesamtbetrag von rund 69,876.000 S investiert haben. Tabelle VII. Zusammenstellung. Tabelle Siedlungshäuser In Mehrfamilienhäuser Beanspruchtes Siedlungsgelände Wohnungen Gesch.- lokale Gem. Wien m» Aerar m* Privat m* Zusammen m 2 I II III IV v 1234 190 3028 204 514 519 35 47 24 14 2 482.000 47.000 1,183.000 107.000 45.000 61.000 60.000 197.000 482.000 47.000 1,288.000 107.000 258.000 Zu- 1 sammen- fassung innerhalb Wiens VI 5170 212 601 39 40 1,819.000 117.000 106.000 257.000 83 000 2,182.000 200.000 Gesamtsumme 5382 640 40 1,936.000 106.000 340.000 2,382.000 19 Nach erfolgter Baurechtsbestellung sollen die den Siedlungsgenossenschaften gewährten, städtischen Bauvorschüsse in Hypothekardarlehen umgewandelt werden, wobei Verzinsung und Amortisation jedoch nur nach Maßgabe der jeweiligen Hauserträgnisse erfolgen wird. Für die Bemessung der Erträgnisse der Siedlungshäuser werden die Mietzinse von örtlich gleichgelegenen und gleichausgestatteten städtischen Mietwohnungen als Maßstab herangezogen. Unter Zugrundelegung dieser Mietzinse und nach Abzug der festgesetzten Instandhaltungs- und erforderlichen Betriebskosten, verbleibt nur ein ganz kleiner Reinertrag und erscheint sohin derzeit eine Verzinsung der gewährten städtischen Baukredite bis auf weiteres fast zur Gänze noch gestundet. Für die künftige Entwicklung des Siedlungswesens sind die in letzter Zeit stark hervortretenden Rationali- sierungsbestrebungen von größter Bedeutung. Diese Rationalisierungsansätze beginnen sich bereits bei der Wahl des Siedlungsgeländes bemerkbar zu machen, zeigen sich weiter bei der Planung, der Auswahl der zu verwendenden Baumaterialien, der Bauausstattung und der Bauführung. Die siedlungsmäßige Verbauung des Wiener Bodens läßt sich nach ihrer örtlichen Situierung in drei große Gruppen zerlegen, und zwar in die westlichen, südlichen und östlichen Randgebiete von Wien. Die westliche Gruppe zieht sich längs der Zone des Wald- und Wiesengürtels an den Hängen des Wienerwaldes dahin. Diese landschaftlich in schönster Lage befindlichen Siedlungsgebiete zeigen die größten Bauaufwände, da der örtliche Mangel an Sand und Schotter, die schwierige Baumaterialenzufuhr und die Herstellung der Wohn- und Wirtschaftswege in diesen bergigen Ge- länden große Mehrkosten, gegenüber den in anderen Siedlungsanlagen errichteten Objekte, verursachten. In diesem Gebiete sind an großen Siedlungsanlagen anzuführen: XVIII. Bezirk „Glanzing" und „Alt-Glanzing" mit zusammen 156 Siedlungshäusern, 2 Wohnungen und 1 Konsumverein in einem Wohn- und Geschäftshaus (siehe Abbildung 1 und 2), XVII. Bezirk „Heuberg" (siehe Abbil- Abb. 1. Siedlung Glanzing. Architekt Z. V. Hugo Mayer. Abb. 2. Siedlung Glanzing. Architekt Z. V. Hugo Mayer. 21 Abb. 3. Siedlung Heuberg. dung 3) mit zusammen 234 Siedlungshäusern, 4 Wohnungen und 1 Genossenschaftshaus, XVI. Bezirk „Star- chant" und „Neuland" mit zusammen 90 Siedlungshäusern und 7 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, XIII. Bezirk „Flötzersteig" und „Antäus" (siehe Abbildung 4, 5 und 6) mit zusammen 460 Siedlungshäusern, 21 Wohnungen und 1 Konsum- und 2 Geschäftslokalen in Mehrfamilienhäusern sowie 1 Genossenschaftshaus. Unter Berücksichtigung der Gestehungskosten nimmt die zweitangeführte Gruppe eine Mittelstellung ein. Es Abb. 4. Siedlung Flötzersteig. Architekt Z. V. Kaym und Hetmanek. 22 Abb. 5. Siedlung Flötzersteig. Architekt Z. V. Kayin und Hetmanek. wären hier die großen Anlagen im XII. Bezirke „Rosen- liügel" (siehe Abbildung 7) und „Hoffingergasse" (siehe Abbildung 8) mit zusammen 827 Siedlungshäusern, 16 Wohnungen und 4 Geschäftslokalen in Mehrfamilienhäusern, die Gartenstadt „Am Tivoli" mit 325 Wohnungen und 7 Geschäftslokalen, im XIII. Bezirke die Kolonie „Lainz- Speising", die Gemeindesiedlungen „Hermeswiese" (siehe Abbildung 9) und „Lockerwiese" mit zusammen 439 Siedlungshäusern, 81 Wohnungen und 7 Geschäftslokalen in Mehrfamilienhäusern, im XI. Bezirke „Trautes Heim" und Gemeindesiedlung „Weißenböckstraße" mit zusammen 113 Siedlungshäusern, 36 Wohnungen und 1 Geschäftslokal in Mehrfamilienhäusern, im X. Bezirke „Laaerberg" und „Wasserturm" (siehe Abbildung 10) mit zusammen 494 Siedlungshäusern anzuführen. Vom bauwirtschaftlichen Standpunkte am günstigsten gelegen ist die dritte Siedlungsgruppe. Der vollkommen eben verlaufende XXI. Bezirk mit seinen großen Sand- und Schottervorkommen, bietet für den großstädtischen Siedlungsbau im Punkte Bauökonomik die beste Vorbedingung. Unter Bedachtnahme auf diesen Umstand 23 wurde erst in jüngster Zeit von der Stadtverwaltung nördlich der Ortschaft Leopoldau ein großer, zusammenhängender Grundkomplex von zirka 2,140.000 m 2 erworben. Im nördlichsten Teile der Siedlungsgruppe jenseits des Donaustromes wurden die Anlagen „Lyssen- wasser", „Schwarze Lackenau", „Groß-Jedlersdorf", „Werk II" und „Denglerschanze" mit zusammen 202 Siedlungshäusern und 40 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, im Schwerpunkte dieses Gebietes die Kolonien „Am Frei- hof" (siehe Abbildung 11 und 12), „Plankenäcker", Baumanngasse" (siehe Abbildung 13), „Werk VII und VIII" mit zusammen 1072 Siedlungshäusern, 26 Wohnungen, 11 Geschäftslokalen und 1 Konsumverein in Mehrfamilienhäusern und im südlichsten Teile die Siedlungen „Krieger- heimstätten", „Neustraßäcker" (siehe Abbildung 14), „Müllnermais" und „Jägermais" mit zusammen 647 Siedlungshäusern, 19 Wohnungen, 2 Geschäftslokalen und 1 Saalbau in Mehrfamilienhäusern erbaut. Als die Siedlungsbewegung in geregelte Bahnen geleitet wurde, nahmen die Siedlungsgenossenschaften bereits darauf Bedacht, die Verbauungspläne ihrer Ge- Abb. 6. Siedlung Antäus. Architekt Heinrich Schlöss. Abb. 7. Siedlung Rosenhügel. Architekt Krause. Abb. 8. Siedlung Hoffingergasse. 25 Abb. 9. Siedlung Hermeswiese. Architekt K. Ehn. lande in städtebaulich befriedigender Weise vorzulegen. Sowohl freischaffende als auch Architekten der Gemeinde Wien wurden zur Planung herangezogen. Um eine möglichst große Anzahl von Anwärtern befriedigen zu können, wurde von einem Siedlerstellenausmaße von 400 m 2 allmählich bis auf 120 m 2 heruntergegangen. Diese 120 m 2 Parzellengröße teilt sich in eine verbaute Grundfläche von ungefähr 30 bis 40 m 2 sowie in einen Vor- und Hausgarten von zusammen 80 bis 90 m 2 auf. Die in den ersten Jahren nach dem Kriege errichteten Siedlungsanlagen besitzen noch Stallzubauten, beziehungsweise Einbauten und haben mehr landwirtschaftlichen Charakter. Mit dem allmählichen Aufhören der Lebensmittelknappheit ist das Verlangen und das Bedürfnis nach Selbstversorgung geschwunden. Auch in der Planung der Siedlungsanlagen machte sich dieser Umstand sofort bemerkbar. Stallungen, Wirtschaftswege und große Flächen für Gemüseanbau sind bei den neuesten Bauvorhaben nicht mehr anzutreffen und können die zur Errichtung kommenden Siedlungsanlagen als reine Wohnsiedlungen bezeichnet werden, wo in den kleinen Hausgärten, welche eine einheitliche Grün- 26 27 fläche darstellen, fast nur mehr Obst- und Blumenzucht betrieben wird. In bauwirtschaftlicher Beziehung von größter Bedeutung für die Planung und Erstellung der Siedlungsobjekte sind die von der Wiener Baubehörde gewährten mannigfaltigen Bauerleichterungen, wie Verringerung der lichten Wohngeschoßhöhen bis auf 2"30 m, Verwendung von Hohlmauern für die Umfassungswände, Zulassung hölzerner Stiegen für die Obergeschoße, leichtere Deckenkonstruktionen, Heranziehung der Träme des obersten Geschosses zur Dachstuhlkonstruktion und dergleichen mehr. In den ersten Nachkriegsjahren mußte, wie schon eingangs erwähnt, vornehmlich mit Ersatzstoffen gebaut werden. Für die Umfassungsmauern ihrer Objekte stellten die Siedler selbst mittels Handpressen Zementhohlsteine her. Eine wesentliche Verbilligung der Bauführung ergab sich durch die Einführung des deutschen Ziegelformates. Durch die fortschreitende Lohn- und Baumaterialiensteigerung gezwungen, werden neue Baumaterialien, Bauelemente und Bauweisen zur wenigstens teilweisen Kompensierung dieser Erhöhungen mit Erfolg versucht. Die Verwendung genormter Fenster, Türen, Dachrinnen, Beschläge und dergleichen sowie die möglichst gleiche sonstige Bauausstattung bei allen städtischen Siedlungsbauvorhaben trägt ebenfalls zur Verbilligung der Gestehungskosten bei. Diese einheitliche Bauausstattung fällt jedoch durch die große Auswahl der einzelnen genormten Gegenstände, die verschiedenartige Gruppierung und Stellung bei den Objekten der Anlage sowie durch eine abwechslungsreiche, architektonische Durchgliederung und allfällige Farbengebung nicht auf, sondern lassen sich trotzdem gute, zweckentsprechende Wirkungen erzielen. Von großer finanzieller Tragweite sind auch die Rationalisierungsbestrebungen bei der Bauführung selbst; die Größe und der Umfang eines Siedlungsbauvorhabens ist für die Mechanisierung der Baustelle, wie Verwendung von Betonmischmaschinen, Förderbändern, Rollbahnen von entscheidender Bedeutung. Bei Großbaustellen werden erfahrungsgemäß namhafte Ersparungen bei den Bau- 28 Abb. 11. Siedlung Kagran — Freihof. Architekt Karl Schartelmüller. Abb. 12. Siedlung Kagran — Freihof. Architekt Karl Schartelmüller. material-, Bauerstellungs-, Bauleitungs- und Bauüber- wachungskosten erzielt. Diese Rationalisierungsabsicht verfolgte auch die Stadtverwaltung beim diesjährigen Siedlungsbauprogramme, indem es dasselbe nur an vier größeren Baustellen zur Aufführung bringt. Im X. Bezirke an der Laaer Straße kommen im heurigen Jahre 76 Siedlungshäuser, 92 Wohnungen und 8 Geschäftslokale in Mehrfamilienhäusern sowie 1 Saalbau, im XIII. Bezirke, ..Am Flötzersteig" C J5 Siedlungshäuser. 1 Wohn- und 29 Geschäftshaus mit 4 Wohnungen und 5 Geschäftslokalen, im XIII. Bezirke auf der „Lockerwiese" 90 Siedlungshäuser, 1 Wohn- und Geschäftshaus mit 28 Wohnungen, 2 Geschäftslokalen und 1 Saalbau sowie 1 Sportplatz für Fußballspiel, im XXI. Bezirke, „Am Freihof" 152 Siedlungshäuser sowie ein Sportplatz für Leichtathletik und Fußball mit einem Garderobegebäude zur Ausführung. Statistische Daten lassen eine stete Aufwärtsbewegung in der Entwicklung des Kleingarten- und Siedlungswesens erkennen. Die Zahl der in den Wiener Kleingärten sich aufhaltenden Menschen wurden mit ungefähr 80.000, die der in den Wiener Siedlungsanlagen wohnenden Personen mit ungefähr 20.000 gezählt. Die Tendenz in der Ausgestaltung der Wiener Kleingartenanlagen geht dahin, dieselben allmählich als eine Vermehrung der Wiener Parkanlagen anzusprechen, in welchen auch die nicht dort ansässigen Menschen Erholung und Freude an der Natur finden sollen. Die Ueber- tragung eines Fleckchens Erde zur eigenen Bepflanzung Abb. 13. Siedlung Baumanngasse. Architekt Z. V. Karl Krist. 30 'tiM^^^^^Xaß f% ~ ~. " '""! Abb. 14. Siedlung Neu-Straßäcker. Architekten Z. V. Franz Schuster und Franz Schacherl. und Betreuung mit Obstbäumen und Blumen und zur Schaffung eines Weekendheimes, die Ermöglichung einer höheren Wohnkultur durch die Förderung und Wegebereitung der Siedlungsbauweise trug, trotz dieser noch nicht lange währenden Bewegungen, bereits reiche ethische Früchte. Das Familienleben erfährt durch die Betätigung auf der kleinen eigenen Scholle oder im trauten, zierlichen Heim eine zwanglose Konzentration und Festigung. Die stete, innige Berührung mit der Natur und ihren Wunderdingen schafft frohe, glückliche, für den schweren Daseinskampf gestählte Menschen. Die Frequenz in Kinderspitälern, Kranken-, Irren- und Siechenhäusern muß bei weiterem Fortschreiten und Umsichgreifen der Kleingarten- und Siedlungsbestrebungen abnehmen und wird so die Bilanz der gesellschaftlichen Lebensbedürfnisse equilibriert werden. Druck E. Kainz vorm. J. B. Wallishausser, Wien VIII. K mM