Trauer und Gedächtniß Rede bey Gelegenheit des schmerzlichen Todesfalls Seiner Kayserlichen Majestät Josephs des Andern glorwürdigsten Andenckens gehalten an dem Hochobrigkeitlich verordneten Trauerfeste am Sonntag Judica 1790 über den verordneten Text Psalm 90, v. 2-6. von Johann Friederich Becker Ev. Pred. an der Kirche zu den guten Leuten. Frankfurt am Mayn gedruckt bey Joh. Obrist. Friedr. Diebl Wohl- und Hoch-Edelgebohrven, Hoch- Edlen, Best- und Hochgelahrten, auch Wohlvorsichtigen, Hoch- und Wohl- wetsen, reip. würckltchen Kayser- ltchen Hochansehnlichen, Herrn Rüthen Herrn Burgermeistern, Schöffen und des Raths ^ der kayserlichen freyen Reichs - Stadt Zranckfurt am Mayn meinen insonders Hochgebtetenden und Hochzuverehrenden Herrn überreichet gegenwärtige Trauer - Rede in Uncerthänigteic der Verfasser. keit wie auch Vorsichtige Hoch - undn Wohlwetßheiten ^ haben, seit demHoch - Dieselben mit vor 12, Jahren die Pfarrey an de? Kirche zu den Guten, Leuten anvertrauet/ so viele besondere Wohltha- ^ ten in Gnaden und Hochgeneigt gegen mich er- ^ zeiget: daß ich mich nie ohne Herzens Erhebung . und oft mit Thranen vermischtem Danck gegen - gen GQtt und die thcuern Väter meines Va-, tcrlandes, daran erinnern kan. Mein würklich ' in mehrerer Absicht beschwerliches Amt, da mein Kirchsprengel weitlauftig ist, und ich von meiner Pfarr - Kirche und den nahesten Pfarrkindern eine Stunde weit entfernet wohne, ist mir nur durch Dero wohlthätige Verfügung und Erhöhung meiner mehrmahligen gehorsamsten Bitte, um ein groseö, so wie mein notdürftiges Auskommen durch ein ftcyeS Gnadengeschenck gna- . dig und hochgenngt erleichtert worden. Habe ich gleich, schon/ meine gehorsamste Dancksagung, für die mir erzeigten Wohltaten bey hinein Hoch-Ldlen und Hoch- iveisen Veljen Rcill) jMlslUU) UG^lUMl. s!^ IM Znir es doch lange am Herzen gelegen auch öffmt- !ich ein Denckmal zu stiffren, wie gnädig, gütig und wohlthätig Hoch-Dieselben gegen mich, als einen 6c>jahrigen und würcklich von allem zeit- lichemVermögen entblösten Geistlichen, gehandelt. Ich ergreift diese, obgleich traurige und jeden redlichen Teutschen äuserst beugende Gelegenheit, ^w. Hochadeliche Gestrenge Herrlichkeit wie auch Vorsichtige Hoch- und N?ohlweisheiten, die von mir, zu Gut' Leuten auf den Tod des' vortrefiichen Kaysers Joseph II. Glorwürdigsten Andenckens, gehal- >tene Trauer,Rede in Unterthänigkeit zu widmen. Für die, mir in meinem jezigenAmte erzsigtevie- le Wohlthaten, statte den unterthänigsten Danck hiermit öffentlich, zu Dero gröstem Ruhm vor allen meinen Mitbürgern ab. Gott seegne H o ch- Dieselben und Dero H schade liche und Hochansehnliche Hauser, erhalte Dero, jedem redlichen Bürger kostbares Leben noch viele Jahre in blühender Gesundheit — Er, der König aller Könige und Herr aller Herren durch den die Fürsten regieren und die Narhsherrn das Recht setzen, gebe Dero immer weisen, guten, und auf das Wohl der gesammten BurgcrsHaft Abzielende Befehle und Verordnungen, zu Dero ^!MiMü,um mvUMMt^üig: vcitnit unter ^ Hoch-Derc» höchst wichtigen Regierung6-Ver- waltung, meine blühende Vater - Stadt noch blühender werde und man immer von ihr sagen kan, was David Ps. 48, z ^ sagt: Der Berg Zion ist ein schön Zweiglein des sich das ganze Land tröstet. — Das alles wird mein taglich Gebet bleiben, und Gott wolle/ ja er wird meine stillen Seufzer gewiß in Gnaden erhören. Jndems zu Dero fernem Gnade und Wohlgewogenheit mich demüthig empfehle verharre in tiefstem KeipeLi Ew. Hochadelich Gestrenge Herrlichkeit wie auch Vorsichtige Hoch- und Wohlwetßheiten Meiner Hochgebtetenden und Hochzuverebrenden Herrn gehorsamer Diener Johann Friederich Becker, L?v. Wr-d. an k->? S.>^-,.. ^« o^..»-». Auftritt. Groser GOtt! Der Mensch verbannt aus seinen engen Schrancken, Den weitaussehenden Gedancken, Daß sich des Todes Fluß in alle Welt ergiest: Denn kein Gedancke der auch noch so schaudernd ist Wird flüchtiger als dieser überdacht, Daß eine lange Todesnache Verworfenen Staub aus unserm Körper macht. Uns ruft die Welt und schon vergessen wir die Stunde, Wo allen eine Glocke schlägt, Wo man den Greis zur Gruft so wie den Jüngling trägt — Darum erleuchte mir, o! Weisheit das Gemüeh, Gedancken die ihr sonst so gern die Gräber fliehe, O! sammelt euch die Klugheit recht zu wissen — Wie wir beherze und seellg sterben müssen. Amen. Ein- Eingang. Wie gar nichts flnd alle Menschen die doch so sicher leben., In diese höchst merkwürdige und durch allgemeine Erfahrung bestättigce Woree bricht David aus im Z9sten Psalm am Ende des 6tcn 5. Damit meine Zuhörer sehen mögen, daß sich diese Worte ganz zu der Absicht des heutigen Tages und auf den traurigen Vorfall schicken/ an welchen wir uns heute schmerzlich erinnern : so muß ich dieselbe, nach meiner wenigen Sprach-Ertennmiß aus dem G. T. übersetzen, sie Heise» wörtlich: Ja (gm, gewiß) lauter Eitelkeit ist alles nm Menschen, und wenn er noch so vest stehet. — David schildert zuerst die Vergänglichkeit dieses jebens und der Dinge dieser Welt überhaubt. Er mache darauf seine Schilderung allgemein: auch bey den Grosen der Erde ifls nicht anders, es ist alles Eitelkeit an ihnen. Das Wort, welches durch Eitelkeit mit Reche üökrfttzt wird, zeigt eine gar nichts bedeutende Sa- an. Es wird gebraucht von dem Hauch welcher M!5 dem Munde gehet — von einer Seifenblase Welche ein munterer Knabe spielend in die iufc M-Mdere — von dem Rauch welcher stolz in die Höhe st»igt, aber plötzlich von leichter iuft vertrieben wird. Treffendes Bild l Von dem menschlichen leben und den Dingen dieser Welt — auegesuche für Ar die Sache welche es schildern soll! Nehmet meine Brüder! grosen Reichthum und glänzende Güter der Erde — nehmt Ehre und Ansehen in der Welt — nehmt erlaubte Vergnügungen dieses Gebens — nehmt die besten Anschläge und Unternehmungen des Menschen, betrachtet sie genau, beurtheilet sie nicht nach ihrer blendenden Seite, sondern nach ihrem wahren Werth, immer werdet ihr ausrufen müssen, was Salomon aus eigener Erfahrung ausruft: ist alles Eitel. Güter und Schäze der Erden sind Eitelkeit — Wie leicht können sie die Flammen eines unwieder- stehlichen Feuers verzehren — die unaufhaltbaren Fluchen wilder Wasser wegschwemmen — ein ^andverderblicher Krieg verstören — die räuberische Hand des Diebs wegnehmen.-- Doch wir sollen in dem ruhigen Besitz unserer Güter bleiben bis an das Ende unserer Tage. — Werden wir denn was in unserm Sterben mitnehmen? Wir find nackee von Mutterleib kommen, nactent werden wir auch wieder dahin fahren. — Wir haben nichts in die Welt bracht darum offenbar ist wir werden auch nichts mit hinausnehmen. — Die Ehre dieser Welt ist Eitelkeit. Wie oste wechselt sie mit Verachtung ab. Es ist nichts mit dem Beyfall und Ehrfurcht der Menschen, welchen sie oft äußerlich aus Zwang, Schmei- cheley oder Eigennutz erzeigen und innerlich doch Unsere Vorzüge beneiden, die uns GOtt gegeben. Der sich Heute tief vor uns bücket, begegenet uns Morgen mit Gleichgültigkeil, wenn, unsere Glücksum- A 5 stände stünde sich geändert habm und er glaubt unserer ent- baren zu können. — Und der Mensch sehe in einer glänzenden Ehre, das Ende seiner Tage, was wird sie ihm nützen? Wird er besser seyn als der Niedere des Landes, oder der, welcher unverdient in einem unbekannten Winckel des Erdbodens zwar ehrlich und fromm vor GOtt, aber verachtet von Menschen sein gewünschtes Ende stehet. In jener Welt bückt sich Niemand mehr vor uns — Niemand wird uns mchr aufwarten und gehorchen — Niemand wird uns heisen hinausrücken , wir nehmen unsere Ehre nicht mit. Vielleicht macht uns die Hand des Künstlers eine ruhmvolle Grabschrifft — auch die wird mit der Zeit ausgelöscht und vergessen. Auch erlaubte Vergnügungen sind Eitelkeit. — Eine Gesellschafft munterer und redlicher Freunde; eine Anzahl wohl erzogener Kinder; die unnachahmlichen W.rcke der Natur; die bewundernewerthe Stücke der menschlichen Kunst, können uns ein erlaubtes Vergnügen verschaffen, und die abgemattete Kräfte des Geistes erfrischen. Aber wie vorübergehend ist es! wie wenig dauerhaften Hindruck läßt es in der Seele zurück! wie leicht wird es ohne unsere Schuld und dencken eine bittere Wurzel zu viel bethranten Stunden —! Der zärtliche Freund, ein Jonathan, der mit uns den Schmerz des Herzens getheilec und uns oft mütterlich getröstet, tan uns plötzlich und noch dazu durch ein Unglück von der Seite gerissen werden. Ein HofnungsvolleS Kind, das Ziel unserer Wünsche, tan uns entweder von der bösen Welt verführt werden oder mitten in dem Lauf seines Glücks in Grab und Sarg dahin sincken "-^ I M'^-'' -— ' sincken — und so unsere Freude verbittern. Gleich als wenn ein reizender Blumen - Garten / dm unsere Hand mühsam gepflanzet und sorgfältig gepfleget hat, plözlich durch ein Hagelwetter verwüstet wird.— Die Anschlage der Menschen find Eitelkeit. Wie oft macht der Weise und kluge einen Endwurf, sein Glück nicht nur zu befördern, sondern auch dauexhafft zu machen. Er fängt seine Sachen so schönend so vernünftig an, daß er glaubt es könne ihm nicht fehlen. Aber die artigsten Endwürfe der Menschen passen selten in den grosen Zusammenhang der Dinge, welche die Weisheit Gottes beschlossen hat. Wer stehet alle Vorfälle voraus, die uns begegnen? Wer weiß die Hindernisse welche uns unerwartet aufstossen und auf die wir uns nicht vorbereitet? Der klügste Rath scheitert oft, in der Ausführung. Bald versäumen wir die bequemste Zeit — ^ bald hindert uns eine Kranckheic an unserm Wohl zu arbeiten; bald untergräbt einNeidischer und Boshafter unser Vorhaben durch geheime Rancte; oft werden die Gönner und Freunde welche unsere Absichten befördern sollten uns durch den Tod geraubt, oder durch Verläumdung von uns abwendig gemache: und wenn wir oft glauben dem Ziel unserer Wünsche nahe zu seyn, sind wir noch weit davon entfernet. Wir sind wie ein Schiff, das im Begrif stehet in den Hafm einzulauffen, welches aber ein wiedriger Wind plöylich auf die hohe und stürmische See jagt. — So ist alles an dem Menschen lau- rer Eitelkeit. — Ist das bey allen Menschen wahr? Vielleicht find Hohe und Mächtige der Erden, Reiche und Begüterte, _ Geevrre Geehrte und Angesehene von dieser Eitelkeit und Unbeständigkeit der Dinge ausgenommen, vielleicht erführt diese traurige Abwechselung der Dinge dieses Gebens nur der Niedere des Landes, der Arme und Durstige welcher sein Brod mit Thranen ißt— der Verfolgte, dessen Vorzüge man muthwittig aus Neid verkennet. — Nein M. B.! — der göttliche Dichter David macht feinen Say ganz allgemein, da er hinzusetzet: und wenn er noch so vest stehet so ist doch an dem Menschen alles Eitelkeit. Fürsten Hoheit — Ansehen und Ehre — Reichthum und groses Gut —' glückliche gesunde und gute Tage — das Leben des Menschen: As ist alles lauter Eitelkeit. --Soll ich diese Wahrheit aus der Geschichte durch Tatsachen beweisen, soll ich euch in euer eigen Leben zurückführen und euch darauf ausmercksam machen wie alles eitel ist am Menschen? Wie gerne wolle ich diese Mühe übernehmen —! Aber GOtt hat uns einen Beweiß davon gegeben der beugt und niederschlagt. Dem HErrn welcher die Tage der Menschen von Ewigkeit geordnet, hat es gefallen, Ihro Kayserl. Majestät I osephum //. den 20. Febr. dieses Jahrs aus dieser Zeitlichteie abzurufen und Ihnen die Crone der Herrlichkeit beyzulegen. — Wir sollen Heute bey dem schmerzlichen Tode unsere vortreflichen Kaisers glorwürdigsten Andenckens uns erbauen, aber auch desselben ruhmvolles Gedächtnis bch uns erneuern, darauf will ich meine Arbeit richten. Erbittet mir dazu die Gnade des h. Geistes in einem stillen Gebet. Der verordnete Text — ist genommen aus dem 90 Psalm ^.2-6. und lauten. HErr GOtt — — und verdorrer. Daß Moses, der gröste Prophet des Alten Testaments der Verfasser dieses Ps. seye beweiße die Ueber- schrifft desselben ^. i. Er beklagt in demselben die Hinfälligkeit des menschlichen Lebens — die Kürze unftrer Tage — und die erstaunende Unachtsamkeit der Menschen bey allem diesem- Er hatte Gelegenheit bis alles aus eigener Erfahrung zu wissen, da in einem Zeitraumvon 40 Jahren, so viele lOvOOO Israeliten m der Wüste dahin stürben. — Man tan den Verfasser dieses iiedes, als einen Fürsten seines Volcks ansehen — als einen Heerführer von streitbarer Manner und dieser klagt über die Anfälligkeit des menschlichen Lebens die er gesehen und selbst erfahren. Wir wollen nach dem Inhalt der vorgeschriebenen Textes Worte, und um des traurigen Vorfalls willen an welchen wir uns heute schmerzlich erinnern betrachten. Die hinfällige Vergänglichkeit der menschlichen Tage, welcher auch Grose der Arde unterworfen sind. Die Abschnitte meiner Rede mache ich nach dem Text, und wie tan ich ordentlicher gehen. David zeige I. Wer diese Vergänglichkeit der Menschen regiert und würckt 2 - 4. II. Er schildert dieft Vergänglichkeit mit lebhasten Bildern ^. s. 6. Abhandelung. !^avid Zeigt I. wer dieft Vergänglichkeit der menschlichen Tage württ und regieret ss. 2 -4. Der göttliche liche Dichter fezc eine prächtige Vorstellung der Ewlgi teit GOtteS voraus, um die Nichtigkeit dermenschlil chenTage recht empfindsam und auffüllend zu machen! Er sagt: Rheden» die —Er setzet also da-! Daseyn GOttes vor allem Entstehen zufälliger ficht > barer Dinge. Du warst nicht nur, ehe unsre Erdi zu einem Wohnplatz vernünftiger und lebendiger Ge schöpfe zubereitet worden, sondern ehe das ganze Um Vers, die Miriaden von Weltgebäuden aus ihren, Chaos hervorstiegen, da warst du GOtt vor Ewigkeit. — Der Gedanke ist so gros, daj man sich im Denken verliehrc, wenn man ihm tief sinnig nachdenkt. Wer tan das Unendliche fassen! Wer kan es begreifen? Wer tan es deutlich machen' Man kan sich nicht enthalten, anjubeten und aus zurufen: Unendlicher! Quell aller Ewigkeiten Wie majestätisch denk ich dich Du wechselst nie, dich ändern keine Zeiten, Denn jede Zeit besteht durch dich. Wenn wir auch Millionen dächten Und ein Begriff des Anfangs möglich wär, Was wars das wir aus deinem Daseyn brächten, Der dunkelste Begriff flöß aus dem andern her. Nein! nie bestimmt dich unser Wissen, GOtt! du bist der, der aus sich selber war. Du sprachst: Es sey! aus dicken Finsternissen Stieg eine Welt herauf, und wurden Tag und Jahr Wie klein wird der Mensch, wenn man ihn mi dem Ewigen vergleicht. Die längste Dauer fti nes Lebens, und wenn sie an die Jahre der erstet Erdbewohner reichte, sind nach der Sprache der Ma the- hematiker, wie eine Null gegen eine unaussprech- iche Zahl. — Die Tage der Menschen sind einer Hand breit. Denn lausend Jahr. — Und 4. Dieser Unendliche, dieftr Ewige, der HErr meines Schicksals, meines Lebens und meines Todes. David sagt ss. z. Du lassest die Menschen sterben. — Das Ziel der menschlichen Tage ist sehr ungleich abgemessen. Einigen nach Tage und Monaten, einigen nach mehrern Jahren. Gehet hin M. F. auf die Behaltnißeder Todten, betrachtet die Gräber. — Hier erblicke ich das Grab eines Kindes, welches in die Welt kam, die Noth der Welt nicht kannte, und ohne Sturm und Ungewiteer in den Hafen der Ewigkeit eingienge. Dort liegt ein Jüngling, welcher in der Blüee seiner Jahre weggenommen worden, und die Freude der Jugend mit einem frühen Sterbekleid vertauschte. Nicht weit davon eine jungfräuliche Leiche, deren Schönheit verbleichte, wie ^ine Rose, welche ein Sturmwetter in voller Blüthe abstreift.— Nun stehe ich an einem aufgeworfenen Todtenhügel, welcher die Gebeine eines Menschen aufbehält, der alt und iebenssatt zu seinen Vätern versammlet worden. Geschiehst das von ohngefehr? Nein! das alles ordnet derHErr. — Er lässet die Menschen sterben. — Des Todes Ausgang steht in GOttes Hand Es wird von ihm die Rüstung ausgefandt, Und wenn des Todes Pfeile fliegen, Begleitet sie sein Aug, dis Auge tan nicht trügen, Die Vorsicht würtc und zeiget auch im Tod GOtt sey der lebenden und Sterbenden ihr GOtt. So- bedeuten habe. Cs zeiget an: daß bey dem Menschen so wenig Beständigkeit, Vestigteit und dauerhafte Beschaffenheit seye, als bey einem ausgegossenen Wasser, das auf einem flachen und weichen Boden sich verkriecht, oder wo das Alb ab- hängig ist, herabfleußt, aus einander zerrinnt, vergehet und nicht beysammen bleiben tan, ja das vor» einem Menschen, der es weggiesset, sehr verächtlich geachtet, und des Ztufbehaltens nicht gewürdiget wird. So sind die Menschen und das beste Leben derselben, wenn man seine Hauptabstcht, die Ewigkeit vergißt. Es ist keine Vestigteit, keine Dauerhaftigkeit bey ihnen, und wenn sie sterben: so trennen sich ihre Theile, wie die Tropfen des Wassere, das man ausschüttet. Weiter sagt David: Sie sind wie ein Traum. — Dieses ist das andere Bild, unter welchem David das menschliche Leben schildert. Ein Traum, wem tan das unbekannt seyn? enthält nichts würtliches.' Es sind dunkele Ideen, verworrene Bilder der Phantasie, die uns tauschen und an welche wir uns oft beym Erwachen nicht mehr erinnern können. Insbesondere ist das Leben des Menschen wie ein Traum, weil es uns bald durch Hofnung täuscht, bald durch Furcht erschreckt. Wir haben oft sehr angenehme Träume, von einem erhaltenen Glück, von angenehmer Gesellschaft, von reizenden Gegenden. Wir sind im Traum ungemein vergnügt darüber, plötzlich wachen wir auf und sehen, es Wae ein Gauckelspiel der Phantasie. Ein andermal träumen wir schwer und ängstlich. Wir fallen in ein Wasser, wir sehen und hören schwere Bonner- 'V B N>etttl, wetter, unser Haus stehet im Hrand, unsere liebsten sterben oder wir sehen sie unglücklich, wir ängstigen uns, wir wimmern wohl im Schlaf, — und wenn wir aufwachen, so war alleö ein Traum. — Ist das menschliche Leben anders? Bald täuschen wir uns mit vergeblicher Hofnung, bald ängstigen wie ,il-s mit banger Furcht, d»e wir nicht nöthig hätten. Auch wegen der Kürze des menschlichen Lebens find wir wi ' ein Traum. Ein Traum dauert nie lang. — Die Menschen sind wie ein Traum in der Abficht, wenn wir 50. 60. Jahr gelebt haben/ und in u ^ere vergangene Tage zurücksehen: so ist es als wenn wir geträumt hatten. — Das dritte Bild, dessen sich David bedienet, ist r»'! dcm Gras d.r Wiesen und des Feldes her- a.i.'mmen. ^. 5. 6. Hicr wird also die sehr kurze Zeit des menschlichen L.bens die Hinfälligkeit und , ci.t >' oess.-lben angezeigt. Die Menschen kömmt m mehr als einem Verstand mit dem Gras der Wt. se und des Fildes verglichen werden. Das Ha,.r: V^r.,leichungestück aber ist, die kurze Dauer, dje ä ul's'gc Vergänglichkeit der menschlichen Tage zu b» ' icbn.'n. Die Metalle, welche der mühsame s -Renschen aus dem Eingeweide der Berge grübt. — Die Steine und Felsen können Jahrtau- ^ucrn. Jo selbst die wachsende Geschöpfe von R äumen und Stauden können mehrere Jahre - . bis sie ihre Säfte verliehren und abgehen. . ^büum von mchrern hundert Jahren ist keine Seltenheir. Aber was ist von kürzerer Dauer als ^ eins bleibt über den rauhen Winter stehen, das . j?e erreicht denselben. Ein gut Theil wird in der Frühjahrszeit in seinem zarten Wachsthum abgeschnitten. — Ein anderer Theil bleibt zwar bis zur Heuerndte stehen, aber atsdenn wird es von der Hand des Mähers niedergeworfen und verdorret. Was ja den Herbst erreicht, wird vollends zertreten und in dem schauerigen Winter sehen die Wiesen, welche die Natur im Frühjahr ausgeschmückt hatte wie ein abgetragenes Kleidaus, das seine Farbe vet- lohren. So ist das Schicksal der Menschen! Sie sind wie Gras das früh blühet und des Abends abgehauen wird und verdorret. Die meisten gehen jn dem Alter der Kindheit, oder in dem Frühling der muntern Jugend, oder in dem Sommer des männlichen Alters den Weg aller Welt. Wollt ihr wissen meine sterbliche Brüder! was ihr in euerm Leben seyd, stellet euch in wenigen Wochen an eine Wiese hin, welche die Natur so herrlich ausschmückt. In das angenehme Grün, hat sie mit unnachahmlicher Kunst Blumen von hunderterley Farben hineingewebt. Der Anblick vergnügt« — Das Herz durchströmt Lust und Wonne. — Das Auge stehet ttch nicht satt. — Aber Freunde! höret die Stimme der Natur,— höret, wie mn stiller Stimme aber starken Ausdrücken, diese schön geschmückte Wiese euch prediget: Mensch das bist du. — Meine reihende Schöne wird bald dahin welken und verdorren, und wer weiß, wie bald dich die Hand des Todes in Sarg und Grab darnieder l. ak. — Vergiß es nicht was der HErr sagt: Alles Fleisch ist Heu und alle seine Güte wie eine Blume auf dem Felde, — und wie unser Text lchret: Die Menschen sind wie Gras das früh blühet— -» » ^ B 2 _ Unser Unser Vortreflicher und nun Verewigter Rayser, ist von allem dem, was ich gesagt, ein in die Augen fallender Beweiß: daß auch Grose der Erden, auch Regenten, die über Millionen herrschen, sind wie Waffer, das man ausschüttet; ihre Herrlichkeit wie ein Traum, der nichts Wesentliches enthalt, wie das zarre Gras, das bald welk wird. Auch Regenten der Völker lässet GOtt sterben, und befiehlt ihnen, kehrer zu dem Staub zurück, daraus ihr gemacht seyd, wie der Bettler eures Landes. Und dann schützt die Kaysertrone nicht, und der Tod lässee sich durch den Fürstenhut nicht abweisen, wenn der Befehl einmal ergangen ist: was Jesaias auf GOttes Befehl zum frommen König Hiskias sage: Bestelle dein Haus, denn du mußt sterben. Das kan jedem wahren Teutschen zum Trost dienen, den der Tod des verewigten Monarchen betrübt, wenn er denke: das kommt vom -HiLrrn GOtt hat Joseph sterben lassen. — Ich bin überzeugt, daß die meisten meiner Zuhörer, mir gerne noch eine Viertelstunde ihre Aufmerksamkeit gönnen, wenn ich sie in die ruhmvolle Gebens - Umstände Ihrer verstorbenen Majestät hineinführe. Diejenigen, welche das Leben des erblaßten Monarchen besser wissen als ich, werden es doch nicht übel nehmen, wenn ich durch die Erzehlung des Lebens unsers geliebten Josephs zeige , wie die Worte Moses an Allerhöchst- denenselbm im Umfang sind erfüllet worden. Joseph/. Joseph, trac auf den Schauplatz der Wett, im Jahr 1741. den izcen März. — Der erhabene Franz, Grosherzog von Toscana, nachher 1745. erwählter Römischer Kayser, und die grose Theresia, Kömgin von Ungarn und Böhmen, einzige Prinzeßin Kayser Carl VI. beyde gtorwürdigsim Andenkens, waren unsers verewigten Kaysers erhabene Eltern, durch welche der allmächtige GOtt unfern» geliebten Joseph das Leben gegeben. Schon in seiner Jugend zeigte der Verewigte viel Vorzüge des Geistes: die GOtt in Ihn gelegt, und Seine Seele bildete sich nach und nach an Einsichten des Verstandes und Güte des Herzens so vortreflich aus, daß alle, die um Ihn waren, und gewürdigec wurden, Ihn in Wahrheiten der Religion und andern Kenntnissen, die einen Fürsten zieren, zu unterweisen gar bald merkten, daß Er in Einsicht und Menschenliebe einen erhabenen Vorzug vor vielen Beherrschern der Völker erlangen werde. — Der Hochselige Ravser vermählte sich zweymal. Zum erstenmal, mit Maria Jsabella, Prinzeßin von Parma, — von welcher zwey Prinzeßinnen, gebohren worden, die aber frühzeitig mit Tod abgien- gen. Die Durchlauchtigste Mutter derselben gieng auch den 27. Nov. 176z. in die Ewigkeit. Im Jahr 1765. vermählten sich Jhro entschlafene Majestät zum andernmal mit Iosepha von Bayern, Prinzeßin Kayser Carls VI I. glorwürdigsten Andenkens. Sie führten aber auch mit dieser Gemahlin nurzwey Jahr den Ehestand; denn 1767. den 28ten May starb dieselbe, und Joseph wurde zum andernmal Wittwer. __Nock 22 — Noch bey Lebzeiten Dero verewigten Herrn Vaters, Kayser Franz I. wurden Dieselben nicht nur durch Mehrheit der Stimmen, sondern durch einstimmige Wahl des Hohen Churfürstlichen Collegiums den 27cm März 1764. zum Römischen König erwählt, und den zten April eben dieses Jahrs gecrö- net, beydes in unserer Vaterstadt. Als 1765. den i8ten August Sein Hochseliger Herr Vater plötzlich auf der Hochzeit des nunmehrigen Königs von Ungarn und Böhmen Leopold ll. Majestät starben, und Ihre K.iyser- Crone zu den Füßen des allmächtigen GOttes niederlegten.- so wurde Ihre nun erblaßte Majestät im Deutschen Reich allein Regent. Die Regierung unsere Kaysers Josephs glor- würdigsten Andenkens war gerecht und löblich. Die Fürstenmgenden, welche man in den Beherrschern der Völker des Alcerlhums einzelen findet, Vereinigten sich in Joseph zusammen. Sie regirren ols Vater des Vaterlandes zum Wohl der Unter- lhanen des Teutschen Reichs, als auch derselben gesammcen Erblanden. Höchst Dieselben unternahmen auch aus redlichen Absichten die Verbesserung der Religion in abergläubischen und nur durch das Alterthum ehrwürdig gemachten Gebräuchen die aber sonst wieder Sckrifft und Vernunfft streiten. Sie wollten die Geistlichkeit ihrer Staaten, nach der Absicht JEstt in die Wege des lautern Evangelii in Lehre und Leben hinweist«. Schon Carl der Grose der erste A^ntlrKs Teutfche und Abendländische Kayser hatte dieses im 8tm Jahrhundert im Werck, wie die Geschichte noch ausweiset. Aber dessen Vorhaben gelang ihm nicht nach Wunsch. Der Geschicht- schreiber Carls des Brosen/ sagt: was die Gastlichkeit hat thun sollen und nicht that, das that der Kay-, ser. — So gieng es Joseph, unserm verewigten Kayser, derselbe erfuhr bey aller Redlichkeit seiner Absichten die Wieders tzlichkeit, welche Carl der Grose zu seiner Zeit erfahren. Der Erfolg entsprach den Wünschen des Kaysers nicht. — Hierüber hat der Splitter-Richter und Leute welche so frech sind auch die Moj.stäten zu lästern nicht Ursach zu spotten oder lieblos zu urtheilen. — Der Erfolg unsere? Handlungen und Unternehmung hängt von uns nicht ab, es liegt alles an der Zeit und Glück. Wenn die Handelung an sich gut ist, wenn unsere Absichten gut sind, so ist es genug, der Erfolg hängt von dem allmächtigen und weisen Wesen ab das alles regiert. — Wem ist des Höchstseeligen R.ligione- duldung unbekannt? Man findet zwar in der Geschichte mehrere Beherrscher die gegen andere christliche Religions-Partheien sehr duldsam waren, aber vielmals aus Religions-Gleichgültigkeit. — Allein der fromme Kayser Joseph, getreu seiner Muttee Kirche darinnen Er gebohren war erkannte: daß Fürsten zwar über den Leib und Güter ihre? Umer- rhanen herrschen, aber nicht über ihr Gewissn, und daß es ein Eingriff in die MMätS-Rechte Gottes seye, wenn Fürsten ihre Gewalt so weit ausdehnen. Aus diesen wahren Grundsätzen entstünde bey dem Menschenfreundlichen Joseph, die Gewis- B 4 sens- ftnöfteyheie und Religionsduldung in seinen Staaken. Vortreflicher Nayser! Auch schon als Oberhaupt des putschen Reichs unternahmen ihre erblichene Majestät verschiedene Reisen in fremde Länder, und überall liefen Dieselbe erhabene Proben Dero Einsicht, Weisheit, Gnade, Herablassung und Menschenliebs zurück, welches die kosbarsten Steine in dem Diadem ei, WS Fürsten sind. Vor einigen Jahren, wurden Allerhöchst Dieselben unser verewigter Kayser in einen Krieg mie den Türcten verwickelt. Hierüber muste sich dee Me Monarch gar lieblos beurcheilm lassen. Allein Ml Recht verlangten Ihro Höchsiseelige Majestät, bis isnder welche die Türcken Ihrem Herrn Urgros, Vassr Leopold I. und Herrn Grosvacer Carl dem VZ« mit Gewaltthätiger und räuberischer Hand ent- »iss.^ Hier liefe GOtt unftrn Erblaßten Joseph erfahren, daß Glück lmd Sieg nicht von menschlicher Macht sondern vom HTrrn komme —- dch zum Streit hitsst nicht starck scyn. Daß es zvstzs ist was David sagt Psalm zz, ^. 16. 17. Einem Könige hilft nicht seine groft Macht,-- M)S erfuhr unser gloru^ürdigster Joseph im erst^!, ^stz?e des Krieges, wo die Lürcken schienen de» K-vftttichen Streuern den Rang abzugewinnen. Äü.'me w zweyten Feldzug beglückte GOtt die Kay- DKchi.' Waffen mit einem Sieg nach dem andern, Sch Man sagen konnte was David schreibt? Rnnmr her und schauer an die wercke des Herrn der auf Erden solch Zerstören anrichtet. Psalm 46, 9- 10. ^. Da Ihro Majestät unser nun verklärter Monarch, im ersten Feldzug gegen die Türcken, ihre Völcker selbst anführten, gleich einem Josua, David, und andern grosen Feldherrn, deren die biblische und weltliche Geschichte gedencket, und alle Beschwerlichkeitendes Kriegs erdultecen, meinem Land, welches schon vor mehr als hundert Jahren, das Grab der Temschen genennc worden , ob es gleich an sich und für seine Bewohner, die glückseligsten Gefilde enthält: so zogen sich dieselbe aus Liebe zu Dero Armee, zur Ehre des christlichen Namens, zur Eroberung der Länder die man ihren vorcrefiichen Vorfahren weggenommen, eine Kranck- heit zu, die endlich nach manchen Abwechselungen und schmerzensvollem Lager Dero Tod bewürckte. Dieser erfolgte zum grösten Leidwesen aller rechtschaffenen Teutschen und treuen Unterehanen seiner Erblande, den 2vten Februarii Morgens nach 6. Uhr — da Sie nicht völlig 50. Jahr gelebt und als teutscher Kayser 25. Jahr allein regiert. Es ist rührend zu vernehmen, mit welcher christlichen Entschlossenheit unser verewigter Kayser, die Bott- schaffe seines nahen Todes von Dero Aerzcen vernahm; wie sich Dieselbe mit der Religion andächtig beschäftigten; und da die Schreckniße des Todes immer näher anrückten, sich mit dem Creuy JEsu erösteten, sich als ein armer Sünder in die Arme der göttlichen Erbarmung warfen, und unter frommem Gebet, so lange Sie reden tonnten, in ihres HErrn Freude eingiengen. _-B 5_Der Der Fürst ist warlich gros zu nennen Der niemals sich vergißt — Nur nach der Menschlichkeit die eigene Gröse mißt. Der bey dem Purpur denckc daß einst ein Sterbekittel Sein letzter leib-Rock sey / der stets die KlugheitS- Mittel Sein künftig Grabmal schätzt, dort wahre Weisheit sieht, Und wenn er sie gelerne, nicht ihre lehre flieht, Der Cron und Fürstenhut auch als vergänglich kennet Nie den Gedancten haßt, der ihn verweßlich nennet Der, wenn des Hofs - Gewühl in Wollust ihn versencke Bey dem Vergnügen selbst, an Gruft und Moder denckt/ Der, zwar den Tod nicht wünscht, doch wenn er ihm erscheinet, Gern seinen Rang vertauscht und nicht aus Zag- heic weinet Das alles M. B. was ich zum lob unsers verklärten Kayfers gesagt, ist reine Wahrheit, kein Mensch kan mich einen Hoffchmeichler nennen. Aber bey allem dem — der verstorbene Kayser war ein Mensch. Und David sagt: gross Leute fehlen auch — Allein mit Beyspiel loßer Demmh erkannten ten dieses Höchfldieftlben auf ihrem Kranckenlager, und baten sogar ihr? Unterthanen um Vergebung die etwa meinten von dem Monarchen beleidiget worden zu seyn. Welch ein vortreflicher Zug in dem Karackter unsers frommen Kaysers — Wie viel Beispiele von der Are wird man in der Geschichte von Beherrschern der Völcker finden? Ich weiß keines. Ich füge noch zu euerer Erbauung die Leiden und Trübsale bey, wodurch GOtt unsern verewigten Monarchen geläutert, auf daß sein Glauben rechtschaffen erfunden werde. — Was? Wird mancher jetzt dencken, der Kayfer Trübsale! Der Kayser welcher viele Millionen Menschen beherrschte — der 4OOOOO. Streiter im Gewehr hatte — welcher in der höchsten Ehre von Europa und in Reichthum und Ueberfluß gelebt — der Kayser Leiden und Trübsal? Ja meine Brüder! Wir sehen an dem nun verewigten Kayser, die Wahrheit bestätiget, welche Sirach im 40. Capitel feines Buchs vortrage ^. 1-4. Es ist ein elend jammerlich Ding um aller Menschen Leben. — Sowohl bey dem der in hohen Ehren sitzt als bey dem geringsten auf Erden — sowohl bey dem der Cronen und Seide trägt als bey dem der einen groben Kitttel an hat. War es nicht Leiden, daß Jhro verewigten Majestät Dero vortreflichen Herrn Vater plötzlich dahin sterben sahen ? — War es nicht Trübsal, daß Ihnen zwey vortrefiiche Gemahlinnen und zwey Hofnungsvolle Prinzeßinnen durch den Tod entrissen worden? War es nicht empfindliches Leiden, daß Sie auch Ihrer erhabenen Mutter ins Grab sahen und kniend von dersel- __ben Ken den mütterlichen Segen empfingen; daß Sie auch den Webling ihres Herzens die Prinzeß Elisa- bet kurz vor Ihrem eigenen Tod dahin scheiden sahen? — War das nicht wahres Leiden und Trübsal für den ersten Volctsbehcrrscher in Europa, daß man dessen beste Absicht verkannte, und ein ganzes Land von Ihren erblichen Staaten die heiligen Bande zerrissen, welche GOtt zwischen Obrigkeit und Unterchanen geknüpft, uneingedenct der Worte: wer sich wieder die Obrigkeit setzet der wiederstrebe GOtteS Ordnung. — Und warum ließ das alles GOtt unfern geliebten Joseph erfahren? Weil ee GOtt lieb war konnte es nicht anders seyn, ohne Creuz und Trübsal konnte er nicht bleiben. — Damit Er nun in der Ewigkeit erfahren mögte, was Jacob, r. )>. 12. sagt: Seelig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet, denn nach dem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfahen, welche GOtt verheisen hat denen , die ihn lieb haben. Wer M. B. wird sich, wenn er die letztet» Stunden unsers verewigten Monarchen ließt, wer wird sich enthalten tonnen mit Herzens Gefühl zu wünschen: Meine Seele sterbe des Todes dieses Gerechten, und mein Lnde werde wie Sein Ande. — Sollten wir auch nach Gottes unerforschlichem Rath mit Leiden und Trübsale in unserm Leben zu kämpfen haben — solten wir beständig mit Thrä- nen die Aussaat guter Thaten auf die Ewigkeit shun. — Sollten wir auch immer unter trübem viel- leicht micWelterwolcken, bedecktem Himmel unfern Weg nach jener bessern Welt müssen fortsetzen, o? dann lasset uns Sündhaftigkeit beweisen, wie unser durch beiden und Trübsale geprüfter Monarch ge- siärckc durch die himmllsche Gnade, gethan hat. — Dann stärcke sich unser Verlangen nach jener Ruhe der Ewigkeit, oft lasset uns denn, Brüder meines Elendes! unter manchen traurigen Empfindungen seufzen. — Wenn wird ein Anbruch mir erscheinen Tag der auch mir mein Glück ertheilt? Wenn hör ich einmal auf zu weinen Wenn wird der innre Schmerz geheilt: Jetzt schlept mein Geist noch schwere Lasten, Daran ihn Gottes Weisheit schlieft, Es komme die Aeie wo Müde rasten. Und auch für mich Erauickung ist. Mit Freuden folg ich euern Spuren Ihr Felder Heilger Traurigkeit Im Abriß künftiger Naturen sag auch bey euch mein Theil bereit. Ein Wandrer sehnt sich nach der Hütte Wenn Sturm und Fluch sein Haupt umzieht»» Ihr Hügel mir getrostem Schritte Will ich euch folgen, niemals fiiehn» Dir Dir nah' ich mich ehrwürdiger Hügel Wo einst mein leichter Scaub, serstibc Du künftiger Hofnung schaudernd Siegel Das blöden Grund zu zweiflet, giebt Ich soll hier in mein Nichts verwesen, Folge hieraus daß ich ganz vergeh? Der Saame faule soll er genesen, Ich faule daß ich aufersteh. So bleibe denn, bis künftige Stunden Den schwachen Puls einst zittern sehn, M^in JEsus den mein Herz gefunden. Sonst niemand meinem Herzen schön. Ich will bis Trieb und Brust erkalten Dem Heiland meine Tage weiht» Mich mögen die für lhörigt halten, Die nie gerühre gewesen seyn! M