Diener Traarvikliorlre^ 1924 —E-WWM»W MSMMK KMK« KkOU I I L I . HW M M»K über den neuen Feyertag des I7ten Aprils. Bon einem aufrichtigen Wiener- Wien, bey Christoph Peter Nehm. l 8 o l. <^^enn gleich dieser merkwürdige Lag heute nicht zum erstenmale gefeiert wird, und schon manches über selben geschrieben wurde, so kann ich doch nicht umhin, mit meinen edeln Mitbrüdern ein paar Worte hierüber zu sprechen, sie werden mich nicht ungerne anhören, denn ich rede ja die Sprache des Herzens, und die ist meinen Landsleuten immer willkommen. )( 2 Lie- 4 Liebe edle Mitbrüder, wir feyern heute einen Tag, welcher nicht nur uns immer merkwürdig bleiben wird, sondern auch unsern Nachkommen das erhabenste Beyspiel verewiget. Der Krieg wüthete fürchterlich, das Glück war unsern tapfern Streitern, deren Heldenmuth den Feinden selbst Bewunderung einflößte, nicht günstig, immer näher und näher wälzte fich der Koloß des feindlichen Heeres, seine Fahnen wehten an unsern Gränzen, seit mehr als einem Jahrhundert hatte Wien keinen Feind mehr so nahe gesehen. Zwar waren unsere Kräfte noch bey weitem nicht erschöpft, noch könn-- ten wir Stacke genug den Nahenden entgegen stellen, aber Verheerung ist immer die Begleiterin des Krieges, und diese war nun unsrer Vaterstadt ss nahe. Als s Als Muhamcds Fahnen um unsr c Mauern flatterten, da zeigte» Wiens Bürger, welcher Murh, welche Standhaftigkett, welche Treue ihre Herzen beherrsche. Seit dem gcnoßen ihre Enkel süßer Ruhe, Kriege ausgenommen, die in entfernteren Gegenden geführt wurden; uns war es aufbehalten, den alten Ruhm unsers Edelmuthes noch fester zu gründen. Der Ruf: die Gefahr ist da! entriß auf einmal den Wiener, den Oesterreicher seiner Ruhe, er warf die Werkzeuge des Friedens hinweg, er griff zu dem Schwerte, zu den Waffen, der Greis und der Jüngling fühlten ihre Schwächen nicht, der Vater und Gatte riß sich aus den Armen der Seinigen, und bloß der Gedanke: Auf, zur Rettung des Vaterlandes beherrschte die Seele aller. Schaarenweise drängten sich Städter und Landbewohner um den 6 den gütigsten Fürsten, mit einem Feuer« mit einem Muthe, das nur dem treuen und tapfern Bürger eigen ist. Er sah seine Söhne so muthvoll heranziehen, der gütige Vater, und er segnete dankbar ihre Treue, wir bestattigten das Beyspiel unserer Vorfahren, Muth, Biedersinn und Treue haben wir von ihnen ererbt. Oesterreichs Schaaren zogen zum Strei, te aus, der Feind sah sie nahen, er sah das ganze Land vom Geiste der Eintracht und der Vertheidigung beseelt, und—der Friede wurde unterhandelt. Er verließ unsre Gränzen, und unsre Bürger, unsre Söhne kehrten zurück, da stiftete unser gütige Monarch, gerührt von unsrer Treue, ein daurendes Denkmal für uns und unsre Nachkommen. Den wackern Unterthanen, welche ausgezogen waren, zur 7 zur Landesvertheidigung, gab Er sein erha, benes Brustbild an ihrem treuen Herzen zu tragen, ein Geschenk, dessen sich die Söhne dieser wackern Vater noch freuen werden, und damit das Andenken unserer Treue verewiget, als ein immerwährendes Beyspiel unsern Enkeln aufbewahrt werde, so wurde dieser merkwürdige Lag für immer zu einem Festtage erhoben. Mit vollen Herzen, mit dem Hochgefühle, unter den Augen eines der gütigsten Fürsten ganz unsere Pflicht erfüllt zu haben, feyerten wir bisher diesen Lag, aber der Krieg war wieder aufgeflammt, und der Gedanke, taufende unsrer Mitbrüdcr sind aufs neue den Gefahren preist gegeben, müssen Mühseligkeiten und Drangsalen hundertfach dulden, stöhrke nicht nur unsere Ruhe, sondern hinderte bisher auch unsere Her- s Herzen, so wie wir wünschten, an dem festlichen Tage der Räckerinnerung unserer Bürgertreue Theil nehmen zu können. Die Erfuhr wälzte sich allmählich und übermal näher heran, die Länge des Krieges hatte auch nun unsern Muth bey weitem nicht erschöpft, eben in Gefahren zeigte der Oesterreicher seiue Standhaftigkeit seit jeher; unsere Jugend formte sich nicht nur inChöre, sondern es hätte nur eines Winkes unseres erhabenen Monarchen bedurft, und der ijtte April wäre zum zweytenmale verewiget worden. Aber Er, der uns so ganz Vater ist, der Monarch, dem unser Wohl so nahe am Herzen liegt, Er bot die Hand zum Frieden dar, der Krieger senkte die Waffen, es ward— Friede! Da- 9 Dahin sind nun alle ferneren Besorgnisse, die A-ssichten einer glücklichen Zukunft stellen sich unsern Augen dar, die Gefahren sind entschwunden, aber das Andenken an unsere Treue bleibt ewig zurück. Brüder, Freunde, wir feyern nun übermal den Tag der Bürgertreue, aber mit welchem Herzen, der Friede herrscht unter uns, und unsere Brust kann sich nun ganz der Freude öffnen« Wir dürfen Nicht mehr, während wir uns hier der Wonne überlassen, für unsere im Felde stehende Brüder zittern, mit der freudigen Rückerinnerung an unsre bewiesene Treue, vereiniget sich auch das Hochgefühl, daß das Glück des Friedens sich über uns verbreitet hat; wir fepern ein doppelt glänzendes Fest. Der Krieger der für uns sich allen Gefahren preiß gab, kehrte in den Schoos der Ru- 1L> Ruhe zurück, er nimmt Theil an unserer Wonne, so wie wir innigen Antheil an feinen Mühseligkeiten nehmen, und»ach unsern Kräften beisteuerten, seinen Bedürf- nißen zu Hilft zu kommen; er nimmt Theil an unsrer Wonne, denn wir feiern das Fest der Treue, und Treue und Tapferkeit war auch die Zierde unsrer edeln Krieger. Wir wollen daher den l/ten April dieses Jahres ganz so feiern, wie dieses Fest es würdig ist. Durch eine lange Reihe von Jahren umlagerten uns die Schrecknisse des Krieges, das vorige Jahrhundert bezeichnete feine letzten Tritte noch mit Szenen des Schreckens, es schwand hinab in den Raum verftoßner Zeiten, und die Sonne des Friedens stieg mit dem neuen Jahrhunderte empor. Wir duldeten lange, und leider auch nur zu verdient die Strafe des Krieges, aber söer doch erbarmte sich der Ewige, und sandte den Wunsch des Friedens in die Herzen der Mächtigen. Unser gütige Monarch war bisher immer von den Sorgen des drückenden und blutigen Krieges gehindert, so, wie sein edles H-rz es wünschet, die Früchte feines allgütige» Wohlwollens über uns zu verbreiten. Nicht allein die Menschheit litt unter den langjährigen Verheerungen, die Tugend weinte unterdrückt, und der Todt fraß zahlreiche Opfer, sondern auch Handel und Gewerbe lagen darnieder, den Gcwe.bs- niann hinderte die geringere Anzahl seiner Arbeitsleute, dann das Stocken des auswärtigen Handels und die Bedrängmße so vieler hundert Familien, die ihnen nicht gestattete, sich mehr als die unumgänglichsten Bedürfnisse, anzuschaffen; alles dieß hindert? ihn, seine Thätigkeit gemeinnütziger zu wachen, r'2 chen, seinen Knnstfleiß höher zu bringen. Künste und Wissenschaften fanden zwar stets ihre Verehrer, aber doch gedeihen sie nie so treflich, wenn die schwarzen Wollen des Krieges sich zusammenhäufen. Alles dieß ist nun vorüber, jeder Erwerb, jedes Talent erhält durch den Frieden freieren Spielraum, einen größeren Wirkungskreis. DerOester- reicher, der so willig und thätig nach seinen Kräften zu den ungeheuren Lasten der Bedürfnisse beisteuerte, wird nun eben so willig der Tröster seiner durch ehmaligeVer« heerungen verunglückte» Mitbrüder seyn, der Unglückliche wird nie vergebens auf einen Erbarmer, der Leidende nie vergebens auf einen Tröster hoffen, und jede Freude, jede Wonne, deren wir genießen, wird um das reiner seyn, weii keine traurige Szene des Streikes selbe mehr trübt. Wir Wir feiern nun das Andenken der Vür- gerkreue zum erstenmale von diesen glänzenden Aussichten umgeben, um wie viel erhabener müffm nun die Gefühle unserer Herzen seyn l Hier stellen sich uns die Szenen des Krieges als vergangen dar, da freuen wir uns unsers bewiesenen Edelmuthes, und feiern zugleich das Fest der Friedensfreude' So feierlich, Mitbrüder, war unser Gefühl an diesem Lage noch nie, so ganz konnten wir uns in vorgehenden Jahren der Freude nicht überlassen. Wer von meinen Mitbürgern wird sich dießmal nicht mit ganzer Seele der Freude weihen, aller Herzen werden sich ihr öfnen, und gewiß wird manche Thräne des noch Leidenden im Stillen getrocknet werden, und mancher Kummervolle von einem verborgenen Wohlthäter Trost erhalten; so ist der Oesterreich» zu handeln gewohnt. Wie '4 Wie gerne möchte auch ich etwas zuk allgemeinen Freude beitragen, aber ich vermag bloß den Empfindungen meines so übervollen Herzens Wort- zu geben. Werden sie mir übel aufgenommen werden, diese Worte? ich hoffe es nicht, ich sprach ja Wahrheit, ich sprach das laut, was jeder biedere Lanbsmann von mir in seinem innern fühlt, wer wird mich tadeln? Ich konnte zwar nichts unerwartetes schreiben, aber ich bin auch überzeugt, nichts unwahres, nichts gesprochen zu haben, das nicht das Herz dessen, der es liefet, zu jener Freude stimmen wird, deren ein Fest würdig ist, das wir nun mit voller Seele feiern. Ich bin gewiß, daß jeder Edle mit mir gleich fühlen, mit mir das Fest der Bürgertreue, das Denkmal unsers Muthes und der Bereitwilligkeit, für Fürst, Vaterland und Eigenthum sein rs sein Leben zu opfern, wonnevoll feiern, und rufen werde: Segen dem Fürsten, der dieß Andenken bestimmte, Segen allen den Biedern, die Gelegenheit zu dieser Feierlichkeit gaben. W «s BNSLM " j ! -'l